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Uni-Szene: Apps für den Uni-Alltag

Die Studierenden bevölkern seit dem 11. Oktober 2021 wieder die Hörsäle und Campusse der Stadt. Doch nach anderthalb Jahren Homeoffice haben sich neue Routinen etabliert. Dazu gehören etliche Apps und Tricks. Hier gibt es einen Überblick über praktische Apps für den Uni-Alltag

Text: Felix Willeke & Henry Lührs

 

Egal, welche der Anwendungen in Frage kommt, bei den Apps sollte der Datenschutz nicht aus den Augen gelassen werden. Anbieter nutzen zum Teil personenbezogene Daten. Wem dieses Thema wichtig ist, der sollte sich die Apps und ihre Datenschutzrichtlinien vorher ausführlich anschauen.

 

Notion

 

Im Projektmanagement ist das Wort Kanban fast schon so alltäglich wie Mittagessen. Mit einem Kanban-Board werden Arbeitsabläufe strukturiert, das kann auch beim Studieren hilfreich sein. Was muss ich lernen, welche Abgabe steht an, habe ich noch einen Termin und für welches Seminar muss ich jetzt noch was lesen? Bei diesen Fragen hilft Notion. Die für den Privatgebrauch kostenlose App läuft auf iOS wie auf Android.

notion.so

 

Minimalist

 

Notion ist mit zu viel Aufwand verbunden? Es geht auch einfacher! Mit Minimalist können to-dos kompakt verwaltet werden. Die App ist intuitiv verständlich und konzentriert sich auf das Wesentliche. Für Apple und Android ist das Ganze kostenlos.

getminimalist.com

 

Pomodoro-Timer

 

Das beste Task-Management nützt nichts, wenn die Ablenkung die Oberhand gewinnt. In den 1980er Jahren entwickelte Francesco Cirillo für genau solche Fälle die „Pomodoro-Technik“, eine Methode des Zeitmanagements. Natürlich gibt es dafür auch etliche Apps. Also einfach ein bisschen mit der Technik auseinandersetzen und mit den jeweiligen Apps der Prokrastination aus dem Weg gehen.

 

Good Notes und Notability

 

Studium bedeutet vor allem eines: Schreiben, schreiben und noch mehr schreiben. Der klassische Fall nach der Vorlesung: Die Mitschrift ist fertig und soll jetzt digitalisiert werden. Dabei helfen Good Notes und Notability. Diese Apps sind perfekt für Notizen, die Einbindung von multimedialen Inhalten und eine interaktive Alternative zum klassischen PDF-Reader. Good Notes und Notability sind für Android und iOS verfügbar, allerdings nicht kostenlos.

goodnotes.com; gingerlabs.com

 

Mindmeister

 

Notizen sind toll, aber ein Blatt voll davon nützt nur wenig, wenn im Kopf Chaos herrscht. Mit Hilfe von Mind-Maps lässt sich dieses Chaos strukturieren. Eine App, mit der sich Mind-Maps digital anlegen lassen, ist Mindmeister. Die Basic-Version ist auf Android und iOS kostenlos.

mindmeister.com

 

Anki

 

Struktur ist da, die Notizen sind digital, jetzt muss gelernt werden. Dabei haben die klassischen Karteikarten ausgedient und viele Inhalte sind digital. Hier setzt Anki an. Die Lernkartei-Software hilft dabei, Lerninhalte am Laptop oder auf dem Handy immer dabei zu haben. Die Software ist zudem Open Source und wird daher ständig von vielen optimiert. Für Android-Nutzer ist die App kostenlos, iOS-Nutzer zahlen 25 Euro.

ankiapp.com

 

Studydrive

 

Für die HAW, die HCU und die Uni Hamburg ist es genauso verfügbar wie für die TUHH: Bei Studydrive gibt es Zusammenfassungen, Mitschriften und vieles mehr. Außerdem werden hier alte Klausuren gesammelt. Sind die Professor:innen also ein wenig einfallslos, stehen die Chancen gut, sich mit den Infos von Studydrive optimal vorbereiten zu können. Die App ist kostenlos und die Infos sind nach Uni, Modulen und Kursen übersichtlich gegliedert.

studydrive.net

 

Flatastic

 

Wenn die Uni-Sachen organisiert sind, kommt das Privatleben. Viele Studierende sind in WGs zu Hause und da gibt es etliche Themen: der Putzplan, der leere Kühlschrank oder die gemeinsamen Termine. Flatastic hilft dabei, alles in einer kostenlosen App zu organisieren. Die Mitbewohner:innen haben Zugriff, einzige Ausrede: der leere Handyakku.

flatastic-app.com

 

Finanzguru

 

Für Studierende oft ein Thema: Das liebe Geld. Wer sich schon komplett im Digitalen organisiert, dem wird es nicht schwerfallen, auch die Finanzen per App zu regeln. Ohnehin bezahlen schon viele eher mit dem Handy als mit Bargeld. Die kostenlose Basisversion der App Finanzguru hilft, einen Überblick über Konten, Einnahmen und Ausgaben zu behalten. Die Entwickler berufen sich beim Datenschutz auf die aktuellsten Datenschutz- und Banksicherheitsstandards.

finanzguru.de

 

Hin & Weg

 

Nein, Hin & Weg ist keine App. Doch besonders Studierende mit langen Anfahrtswegen können einige Apps gut gebrauchen. In Hamburg ist die HVV-App, der DB Streckenagent und die HVV-Switch-App fast schon Pflicht. Die HVV-App hilft beim Navigieren per Bus und Bahn durch die Stadt. Der DB Streckenagent zeigt bei Problemen der Deutschen Bahn Lösungen auf und im Notfall sogar Alternativrouten an. Mit HVV Switch gibt es viel Mobilität in einer App. Hier wechselt es sich schnell zwischen MOIA, dem HVV sowie Car- und Ridesharing-Angeboten. Alle drei Apps sind kostenlos und für Android wie iOS verfügbar.

hvv.de; inside.bahn.de/app-streckenagent/; hvv-switch.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Abfahrt: Mit dem HVV die Hamburger Kultur unterstützen

Ab dem 15. Juli 2021 können Hamburger:innen mit dem Kauf eines HVV-Kulturtickets Künstler:innen beim Neustart unterstützen

Text: Felix Willeke

 

Der Hamburger Kultursommer, der am 15. Juli startet und bis zum 16. August geht, setzt mit mehr als 100 Veranstaltungen in allen sieben Bezirken ein Zeichen für die Hamburger Kulturszene. Hamburger:innen können ab heute die Künstler:innen unterstützen – mit dem HVV-Kulturticket.

Dieses kann ab dem 15. Juli zusätzlich zum regulären Angebot über die HVV-App und die hvv switch-App gekauft werden. Der preisliche Extra-Euro geht an den Verein MenscHHamburg, der das Geld an besonders förderungsbedürftige Solokünstler:innen weitergibt. Künstler:innen können sich auf eine Unterstützung in Höhe von 1.000 Euro auf hvv-switch.de bewerben.

 

Gemeinsam für die Kultur

 

„Wir als HVV möchten dazu beitragen, das Leben wieder zurück in Stadt und Region zu bringen. Wir hoffen, dass in den kommenden Wochen viele unserer Fahrgäste das Kulturticket nutzen werden und unser Vorhaben damit unterstützen“, sagt HVV-Gschäftsführerin Anna Korbutt.

Lars Meier, Vorstand bei MenscHHamburg e.V., ergänzt: „Das macht Hamburg aus, dass wir alle wissen, was wir an unserer großartigen Kulturszene haben und gemeinsam alles dafür tun, den Künstlerinnen und Künstlern durch diese Zeit zu helfen.“

 


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Hamburger Hafen: Wellengänge

Was wäre Hamburg ohne sein „Tor zur Welt“? Aber was heißt das heute noch? Wie geht es dem Hafen? Einige Anmerkungen zu Kultur, Handel und Schifffahrt am Sehnsuchtsort aller Möwen und Wasserratten

Text: Marco Arellano Gomes
Fotos: Jérome Gerull

 

Zum Hamburger Hafen gehört eine Spezies, die jeder Welle entkommen ist, jeder Veränderung getrotzt und alle Zeiten überlebt hat: Nein, nicht die Matrosen, die betrunkenen Vagabunden oder die leichten Mädchen, die ihre Dienstleistungen in der „Freien und Handelsstadt Hamburg“ anbieten. Nein, gemeint ist: die Möwe. Jener prachtvolle, eigenwillige Vogel, dessen „Moin, Moin“-Geplapper schon von Weitem zu hören ist und klarmacht, dass man sich in Elbnähe befindet.

In gewisser Weise ist die gemeine Möwe ein Sinnbild dieser Stadt und ihrer Einwohner: nach außen hin eine weiße Weste, innen gierig, verdorben, lebenshungrig; mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehend und doch bereit, jederzeit den Abflug zu machen. Möwen wissen, was sie am Hafen haben. Und auch die Hamburger wissen das. „Hamburg – Das Tor zur Welt“ – jener gebetsmühlenhaft wiederholte und zum Marketing-Slogan verkommene Ausspruch, prägte über einen langen Zeitraum das Selbstverständnis der Hansestadt. Aber gilt das noch? Ist der Hafen noch immer Ausgangs- und Anziehungspunkt der Stadt? Oder entwickelt er sich zu einer rein touristischen Kulisse? Ein Gang durch den Hafen ist für jeden Hamburger ein obligatorisches Ereignis, den Blick auf das funkelnde Wasser gerichtet, von besseren Tagen träumend.

 

Hafen-Kultur

 

Der Hafen hat eine unnachahmliche Wirkung und Bedeutung. Dessen ist sich auch Ellen Blumenstein bewusst, die sich 2017 dazu entschloss, eine schwierige Aufgabe anzunehmen: Mehr Kultur in die Hafen-City zu bringen. Die Kuratorin der stadteigenen HafenCity Hamburg GmbH fing furios an. Ihre erste Amtshandlung: Sie verpasste Hamburgs Hafenkulisse im November 2018 einen überdimensionalen Smiley, bestehend aus Neonröhren, in acht Meter Höhe auf der Kibbelstegbrücke.

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Foto: Tim Hufer via Unsplash

Das Besondere: Der Smiley gab die Stimmung der Passanten in Echtzeit wieder. Mal lachte der Smiley, mal verzog er das Gesicht. Es war der Auftakt einer Projektreihe, die Blumenstein „Imagine the City“ taufte und zum Ziel hat, Hamburgs jüngstem Stadtteil Kunst und Kultur näherzubringen – jenseits der Elphi, versteht sich.

Blumenstein möchte eine Auseinandersetzung mit dem Ort. Welche Rolle spielt der Mensch in diesem von Architektur, Freiräumen und Wasser geprägten neuen Stadtteil? Welche Bedeutung hat die HafenCity als historischer und zugleich moderner Teil des Hafens? Das will Blumenstein gemeinsam mit Einwohnern und Besuchern herausfinden, mittels des Unvorhergesehenen, des Ungeplanten, des Überraschenden. Der Smiley war erst der Anfang. Nun geht Blumenstein mit dem Projekt „THE GATE“ einen Schritt weiter und konfrontiert die Stadt mit der Frage, ob Hamburg überhaupt noch das „Tor zur Welt“ ist. Einwohner und Besucher haben die Möglichkeit, dies kreativ und pandemiekonform herauszufinden. „Kunst soll irritieren, aus dem Alltagstrott herausholen, neue Perspektiven aufzeigen und Sichtweisen einen Raum geben, die keine Lobby haben“, sagt Blumenstein der HafenCity Zeitung im April.

 

Hafen-Ökonomie

 

Apropos Lobby: Der Hafen ist noch immer ein großer wirtschaftlicher Faktor. 156.000 Arbeitsplätze sind hier angesiedelt. Der Containerumschlag stagniert zwar seit ein paar Jahren, aber auf hohem Niveau. Waren es 2019 noch 9,3 Millionen Standardcontainer (TEU), waren es im Coronajahr 2020 allerdings nur noch 8,5 Millionen. Ein Rückgang um 11,1 Prozent. Der niedrigste Wert seit 2010 (7,9 Millionen TEU). Umso verwunderlicher, dass die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) den Konzernumsatz auf 348,7 Millionen Euro (+ 3,9 Prozent) und das operative Konzernergebnis auf 46,3 Millionen Euro (+ 26,4 Prozent) erhöhen konnte, während EUROGATE Verluste verzeichnete. Experten warnen, dass Hamburg im internationalen Vergleich weiter zurückfallen könnte – trotz Elbvertiefung, die nach knapp 17 Jahren Vorlaufzeit umgesetzt wird, sodass riesige 400 Meter lange Frachter mit 20.000 Containern die Elbe passieren können.

 

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Hafenrundfahrten mit Barkassen und Fähren sind wieder möglich (Foto: Jérome Gerull)

 

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann sprach im Mai nach Verkündung der „Fahrrinnenanpassung“ von einem „guten Tag für den Hamburger Hafen, einen guten Tag für die deutsche Wirtschaft und last but not least einen guten Tag für die Umwelt“. Das ist mal eine Aussage. Die niederländischen Häfen Rotterdam und Antwerpen hängen Hamburg dennoch ab, sie vermarkten sich besser und seien für die Reedereien günstiger, erklärt unter anderem Jan Ninnemann, Logistik-Professor an der HSBA, in einem Interview mit der „Zeit“ vom Februar 2020. „Vielen Reedern ist der Hafen zu teuer und zu kompliziert“, fasst er darin die Lage zusammen.

Nur Reedereien freuen sich über volle Auftragsbücher. Die Nachfrage nach Containertransporten ist weltweit gestiegen, der Spritpreis gesunken. Allein Hapag- Lloyd verkündete einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro.

 

Hafen-Touren

 

Wer den Containerterminals nahekommen möchte, sollte eine Hafenrundfahrt in Erwägung ziehen oder alternativ eine Fahrt mit einer der HADAG-Fähren. Acht Linien verbinden die Landungsbrücken mit Neuhof (Linie 61), Finkenwerder (62), Teufelsbrück (64), Airbus-Anleger (68), Arningstraße (72), Ernst-August-Schleuse (73), Steinwerder (75) sowie Blankenese/ Cranz (HBEL). Fast zehn Millionen Fahrgäste werden von der HADAG pro Jahr transportiert. 26 Fähren sind hierzu im Einsatz. „Die HADAG ist ein klassisches ÖPNV-Unternehmen und zugleich wichtig für den Tourismus“, erklärt Vorstand Tobias Haack.

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Foto: HADAG

Seit drei Jahren leitet der studierte Schiffsbauingenieur aus dem Ruhrpott das Traditionsunternehmen. In Hamburg hatte er einst promoviert, dann zehn Jahre in Flensburg gearbeitet, unter anderem für die „Förde Reederei“. 2018 zog es ihn – nach einem Zwischenstopp in Seattle – nach Hamburg, zur HADAG. „Die Fähren haben eine immense Bedeutung. Jeder Hamburger kennt sie, ist das eine oder andere Mal schon damit gefahren.“

Die Linie 62 gilt als alternative Hafenrundfahrt für jene, die sich das Geplapper und ein paar Euro sparen wollen. Wer eine gültige HVV-Karte besitzt, darf ohne Aufschlag mitfahren. Auch die HADAG hatte im vergangenen Jahr Einbußen. Das Fahrgastaufkommen ging um etwa 40 Prozent zurück. Dennoch gab es „keine Kurzarbeit, keine Entlassungen, keine Covid-19-Infektionen“, sagt Haack, nicht ohne Stolz. Als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs fuhren die Fähren weiter – mit allen Linien, volles Programm. Haack ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass die Situation sich in diesem Sommer wieder bessert und die Zahlen sich normalisieren.“ Vor Kurzem besuchte er den Eröffnungsgottesdienst des Hafengeburtstags im Michel. Die Stimmung war betrübt, aber nicht frei von Hoffnung. Haack findet es gut, dass der Hafengeburtstag digital stattfand, „aber den Hafen muss man schon sehen, hören, riechen und schmecken“. Am besten natürlich auf einer Fähre oder bei einer klassischen Hafenrundfahrt. Was sonst? Schließlich war es das 1888 gegründete Traditionsunternehmen, dass die klassische Hafenrundfahrt erfand. 1921, vor genau 100 Jahren, fuhr die erste Barkasse von den Landungsbrücken ab. In diesem Jahr sollte eigentlich die große Jubiläumsfeier stattfinden. Wann es mit der Hafenrundfahrt nun wieder losgeht, weiß auch Herr Haack noch nicht: „Das ist alles im Fluss.“

Es ist die wohl einzig wahre Prognose, die man auch für die Entwicklung des Hafens abgeben kann. An der Brücke 10 schnappt sich eine Möwe einige Zwiebelringe, die zuvor von einem Fischbrötchen gefallen sind. Sie schaut sich kurz um, eine Fähre legt mit Schwung ab, schippert vorbei, eine Welle klatscht gegen die Hafenkante, eine zweite, eine dritte. Die Möwe nimmt zwei, drei Schritte Anlauf und fliegt davon. Möwe müsste man sein.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Handelsbarriere: Baustelle vor dem Levantehaus

Nachdem die Händler im Levantehaus mit Corona zu kämpfen hatten, haben sie es nun mit einer Hochbahn-Baustelle zu tun. Die Inhaber rechnen mit massiven Einbußen und fürchten um ihre Existenz

Text: Marco Arellano Gomes
Interview: Erik Brandt-Höge

 

Auf der Website des Levantehauses steht noch immer der Hinweis, wie man mit Bus und Bahn zum Traditions-Kontorhaus in der Mönckebergstraße gelangt. Unter dem Stichwort „HVV Anfahrt“ werden alle Möglichkeiten penibel aufgeführt: U3 bis Mönckebergstraße, S- und U-Bahn bis Hauptbahnhof sowie die Buslinien 5, 6, 17, 34, 35, 36, 37, 109, und nicht zu vergessen: die Nachtbusse. An Optionen, zum Levantehaus mit seinen 48 inhabergeführten Geschäften sowie acht Restaurants und Bars zu gelangen, mangelt es also nicht. Schließlich profitieren von eben dieser guten Erreichbarkeit letztlich alle: das Levantehaus, die Hochbahn, die Einzelhandelsgeschäfte, die Gastronomie und die Kunden.

Doch nun gibt es zwischen dem Levantehaus und der Hochbahn einen Streitpunkt – in Form einer Baustelle, die den Besucherstrom der Mönckebergstraße vom Kontorhaus abzuschneiden droht.

Die Hochbahn plant bereits seit 2016 aufwendige Umbaumaßnahmen. Ziel ist es, die Tunnel vom Hauptbahnhof bis Baumwall von Grund auf zu sanieren und den modernen Sicherheitsstandards anzupassen sowie die U-Bahn-Stationen barrierefrei zu gestalten, damit Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen über gläserne Fahrstühle problemlos die Haltestellen erreichen können.

Seit anderthalb Jahren werden intensive Gespräche zwischen den Gewerbetreibenden, der Hochbahn und der Politik geführt. Seit Jahresbeginn werden die Elektro- und Wasserleitungen verlegt. Ab Juli geht es mit den Tiefbaumaßnahmen los. Das gesamte Unterfangen soll bis März 2022 andauern. Bereits unter normalen Umständen sind Baustellen für unmittelbar betroffene Geschäfte mit Einbußen verbunden.

Kunden machen erfahrungsgemäß einen Bogen um Geschäfte, vor denen gebohrt, gehämmert, geschweißt und gepflastert wird. Staub, Lärm und schmale, von Baugruben umgebene Wege sind nicht unbedingt einladend. Richtig brisant wird die Situation aber dadurch, dass der Einzelhandel aufgrund der Corona-Krise bereits wochenlang komplett lahmgelegt wurde. Jetzt kommt die Baustelle und verhindert – kurz nach Wiedereröffnung des Einzelhandels – eine Erholung von der wirtschaftlich harten Zeit. Ein für alle Seiten tragfähiger Kompromiss ist nach gegenwärtigem Stand noch nicht in Sicht.

 

Dietmar Hamm, Geschäftsführer des Levantehauses, zu der aktuellen Situation des Levantehauses, das durch Corona und eine Baustelle doppelt belastet ist

Dietmar Hamm, Geschäftsführer des Levantehauses (Bild: City Management Hamburg)

SZENE HAMBURG: Dietmar Hamm, wie hat sich die wirtschaftliche Situation vor der Co­rona­bedingten Schließung im Falle des des Kontorhauses dargestellt? In wel­cher Lage hat Corona den Einzelhandel erwischt?

Dietmar Hamm: Corona hat uns kalt erwischt. Eine Gesamtschließung der Innenstadt war vorher undenkbar. 2020 versprach ein gutes Jahr zu werden. Viele Gastronomen und Einzelhändler haben in ihr Unternehmen investiert, einige Neueröffnungen waren geplant. Von einem auf den anderen Tag keine Einnahmen zu erzielen, führt schnell zum Verlust der geschäftlichen Existenz und zu familiären Instabilitäten – vor allem beim kleinteiligen und inhabergeführten Einzelhandel.

Deshalb haben wir unseren Geschäften und Gastronomien die Mietzahlung in der Lockdown-Zeit und darüber hinaus erlassen. Wir halten es für richtig, zusammenzuhalten und zu helfen, wo es uns möglich ist.

Wie haben sich Covid­-19 und die damit einhergehenden Maßnahmen auf das Levantehaus ausgewirkt?

Das Levantehaus ist ein Ort des Verweilens, des Genusses und der Lebensfreude. Unser gastliches und besonderes Angebot in einer einzigartigen Architektur ist von einer liebevollen Atmosphäre und Nähe geprägt. Da passen Kontaktbeschränkungen, Mindestabstände und Mund-Nasen-Schutz nicht rein – auch wenn sie derzeit unabdingbar sind. Die sehr kleinen, familiären Gastronomien und Geschäfte geben ihr Bestes, um den Levantehaus-Besuchern auch in dieser Zeit eine Freude zu bereiten.

Aktuell macht Ihnen vor allem die Bau­stelle der Hochbahn – direkt vor der Haustür – zu schaffen, bei der, so kurz nach Wiedereröffnung, mit den Tief­ baumaßnahmen begonnen wird. Sie fordern eine Verschiebung der Bauar­beiten, um die Geschäfte vor drohenden Insolvenzen zu schützen. Warum ist es nicht dazu gekommen?

Der Zeitplan der Hochbahn ist den Verantwortlichen wichtiger als die Familien und die Unternehmen, die bereits durch Corona in eine bedrohliche Situation gekommen sind und um ihre Existenz fürchten. Die Verhinderung einer Selbstheilung des Handels und der Gastronomie in der Mönckebergstraße – nach Corona – ist ein Indiz für die Prioritäten, die die Stadt und ihr Unternehmen Hochbahn setzen.

Für die Betroffenen ist das eine bittere Wahrheit. Für die Innenstadt hat das schwerwiegende Folgen.

Sie befinden sich in intensiven Gesprä­chen mit der Hochbahn, dem City­management und der Politik. Gibt es Verständnis für die dramatische Lage der Händler oder gar Anzeichen eines Entgegenkommens?

Verständnis gibt es schon, aber trotzdem wird das Vorhaben den neuen Corona-bedingten Problemstellungen nicht angepasst. Wir müssen nun versuchen, die dramatische Lage zu überstehen und werden nicht müde, die Kommunikation mit allen Beteiligten und der Stadt zu suchen. Bisher haben wir kein Entgegenkommen erreichen können, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Levantehaus, Mönckebergstraße 7 


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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