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„Hamburg 2040“: Handelskammer Hamburg startet Podcast

„Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“: Der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg

Text: Erik Brandt-Höge

 

Lust auf einen Blick in die Zukunft der Stadt? Kein Problem! „Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“ ist der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg und bietet spannende Gespräche über künftige Herausforderungen. Norbert Aust (Unternehmer und Präses der Handelskammer) und Malte Heyne (Chef der Handelskammer) sind die Gastgeber.

Mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterhalten sie sich über das, was auf Hamburg zukommen könnte – und über dessen Finanzierung. In der ersten Podcast-Folge haben sie einen Gast, der gerade dabei ist, die Zukunft der Stadt vorzubereiten: den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher. Ihre Themen: die Zukunft der Hamburger Innenstadt und des Hafens sowie das Corona-Krisenmanagement des Senats.

Hört hier in die erste Folge rein:


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Smudo: „Luca ist ein Ausstiegsszenario“

Die App „Luca“ soll dabei helfen, die Gesundheitsämter zu entlasten und das gesellschaftliche Leben zu normalisieren. Wie das geht, erklärt Smudo von Die Fantastischen Vier. Sie gehören neben dem Berliner Start-up Nexenio, einer Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, sowie weiteren Kulturschaffenden zum Team hinter Luca

Interview: Anna Meinke & Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Smudo, in welcher Phase der Pandemie habt ihr angefangen, euch mit dem Entwickeln einer App wie Luca zu befassen?

Smudo: Wir wollten im vergangenen Jahr auf die größte Tour unserer Karriere gehen: „30 Jahre Die Fantastischen Vier“ – und dann kam Corona. Auf der Suche nach Möglichkeiten, unsere Konzerte spielen zu können, sind wir zu Hobby-Epidemiologen und Netzwerkern geworden. Unter anderem haben wir das Berliner Start-up Nexenio kennengelernt.

Nexenio haben im September 2020 an einem digitalen Dokumentations-Pflicht-Tool gearbeitet, wobei schnell klar wurde, dass der Bottleneck des Ganzen die Gesundheitsämter sind. Die Dokumentation ist zwar wichtig, aber eigentlich muss es ein Quellcluster-Backtracing geben. Am Ende der Arbeit stand ein System, das meines Wissens nach weltweit als Erstes kann: Luca.

Wie funktioniert die Daten­ eingabe bei Luca?

Bei Luca gibt man seine Daten ein, wird verifiziert und bekommt eine SMS zurück. Luca generiert minütlich wechselnde QR-Codes. Dann kann man ins Taxi steigen, ins Restaurant gehen, überall hin, und meldet sich immer wieder an und ab. Dabei werden weder ein Bewegungsprofil, noch Geodaten hinterlassen. Die eigenen Daten bleiben mit einem Public und einem Secret Key gesichert auf dem Telefon.

Es entsteht also eine geschützte Historie, quasi ein Kontakte-Tagebuch. Und beim Gastgeber liegen die Check-in- und Check-out-Daten, ebenfalls geschützt mit einem Public und einem Secret Key. Auch das Gesundheitsamt hat einen Public und einen Secret Key und kann diese nutzen, wenn der Luca-User es denn möchte.

 

Direkte Daten

 

Was passiert, sollte ein User krank werden?

Das Gesundheitsamt wird über einen positiven Test informiert und ruft in der Folge dann den Erkrankten an: „Sind Sie bei Luca und wollen Sie die Historie freischalten?“ Man willigt ein, übermittelt, und die Daten gehen direkt – zum Beispiel über Sormas – ins Amt. Das Gesundheitsamt kann dann die Gastgeber anfragen und alle anderen zeitmäßig relevanten Luca-User bekommen es mitgeteilt, sind also im Loop, ohne selbst irgendetwas angegeben zu haben.

Und das ist nur ein Vorteil von Luca. Es hat sich ja herausgestellt, dass von zehn Leuten nur einer so infektiös ist, dass er andere anstecken kann. Und es wäre doch schön, wenn man diesen einen finden würde, weil der ja symptomfrei herumlaufen und ganz viele andere anstecken kann. Das sogenannte Quellcluster- Tracing. Auch das geht mit Luca.

Nämlich wie?

Sagen wir, man geht ins Restaurant, und später stellt sich heraus, dass man krank ist. Die Historie geht dann ans Gesundheitsamt. Nun war ein Geschäftsmann aus Frankfurt in Hamburg, lässt sich zu Hause testen und ist positiv. Die Historie zeigt, dass der Frankfurter mit dem Hamburger zur selben Zeit im gleichen Restaurant saß. Vermutlich ist einer von den beiden der Superspreader, denn sie haben uns aller Wahrscheinlichkeit nach dort angesteckt.

Jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Leute in diesem Restaurant infiziert sind um das Einhundertfache. Durch Luca wüssten das die Betroffenen sofort, könnten Leute in Quarantäne schicken und der Infektionsherd wäre eingehegt. Das ist einmalig und funktioniert natürlich, nur wenn Frankfurt und Hamburg beide Luca nutzen würden.

 

„Wir haben den direkten Draht zum Gesundheitsamt und zurück“

 

Wie stellst du dir eine Welt mit Luca vor?

Man fährt mit der Bahn, scannt QR-Code, piept, ist bei der Oma, piept dort, piept auch im Restaurant, und wenn man zu den Fantas geht, lässt man sich vorher testen. Positiv? Dann wird das in die App geschrieben, und alle wissen Bescheid: die U-Bahn-Fahrer, die Oma, die Restaurantbesucher. Und man kriegt sein Geld zurück, weil man nicht zum Konzert kann – bei dem dank Luca übrigens nicht nur 500, sondern 3.500 Leute sein dürfen.

Für diejenigen, die Luca noch nicht downgeloaded haben: Wie würde dein Werbeslogan lauten?

„Wir sind Gesundheitsamt!“ (lacht) Weil wir den direkten Draht dorthin und zurück haben. Wenn ich Leuten erkläre, warum wir während einer Pandemie ein Tracing wie dieses benötigen, ziehe ich auch gerne folgendes Bild heran: Wenn eine Flut kommt, das Wasser über die Ufer tritt und die Menschen sowie die Wirtschaft bedroht, steht der Politiker genauso auf dem Acker wie die Putzkraft und der Fernfahrer. Alle krempeln die Ärmel hoch und schmeißen Sandsäcke. Luca ist jetzt auch ein Sandsack, darauf können sich alle verständigen.

Macht dieser „Sandsack“ die Corona­Warn­App nichtig?

Ich glaube an einen Mix aus Impfgeschehen, Hygienemaßnahmen, Testen sowie Corona-Warn-App und Luca. Wenn all das gleichermaßen am Start ist, kann die Pandemie in den Hintergrund gedrängt werden.

Glaubst du auch, dass wenn es Luca bereits vor einem Jahr, also zu Beginn der Pandemie gegeben hätte, uns vieles erspart geblieben wäre?

Luca wäre zu Beginn wahrscheinlich nur ein weiteres Doku-Pflicht-Digi-Tool gewesen, mit dem wir auch in den Lockdown geraten wären. Es gab damals einfach noch so viel zu lernen, sodass Luca nicht den Unterschied gemacht hätte, den das System jetzt hoffentlich macht. Wir sind fest davon überzeugt, dass Luca ein Ausstiegsszenario sein kann.

Werdet ihr von Bund und Ländern unterstützt?

Dort, wo die App schon läuft, etwa in Thüringen, übernimmt die Infrastruktur natürlich das Land. Wir arbeiten seit drei Monaten auch eng mit dem Bundesgesundheitsamt zusammen, das Mittel dafür bereitgestellt hat. Und wir sind mit zweihundert Gesundheitsämtern im Gespräch. Also: Zuletzt gab es innerhalb von nur einer Woche eine Million Luca-Downloads und über 12.000 registrierte Betriebe.

luca-app.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Bestatterin Lea Balkenhol: „Man muss Bedürfnisse erkennen“

Lea Balkenhol, 23, ist Bestatterin – und möchte es am liebsten für immer bleiben. Ein Gespräch über Empathie, Trauerfeiern in Zeiten von Corona – und allerhand Berufsklischees

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Lea, wann hast du dich entschieden, Bestatterin zu werden?

Lea Balkenhol: Das war im Mai 2017. Ein Jahr zuvor hatte ich Abitur gemacht und war dann ein bisschen unschlüssig, wie es weiterge- hen könnte. Also habe ich mir ein Jahr Zeit genommen, um Praktika in ganz verschiede- nen Bereichen zu machen. Ich war an einer Schule, in einem Theater – und in meinem letzten Praktikum bei Schaarschmidt Bestattungen in Barmbek. Nach zwei Wochen war ich schon sehr begeistert und nach drei Wochen ziemlich sicher, dass ich genau das beruflich machen möchte. Nach vier Wochen hat mich meine Chefin, Janna Schaarschmidt, gefragt, ob ich Lust hätte, bei ihr eine Ausbildung zu machen. Seitdem bin ich hier.

Du sprichst von früher Begeisterung. Was hat dir denn sofort gefallen?

Ich bin ein großer Fan von Listen und Formularen, Ordnung und Symmetrie (lacht). Von all dem gibt es hier reichlich. Außerdem hat man als Bestatterin einen sehr warmen, ehrlichen Kontakt zu den Hinterbliebenen. Für sie kann man enorm viel tun. Wenn das gelingt und die entsprechende Rückmeldung kommt, ist das eine angenehme Bestätigung. Ich bin aber auch oft unterwegs und habe deshalb viel Abwechslung im Alltag.

Muss man als angehende Bestatterin also einerseits einen Sinn für Ordnung, andererseits viel zwischenmenschliches Fingerspitzengefühl mitbringen?

Genau. Es geht hier neben Organisation auch um Empathie – und zwar um eine, die man nur bedingt lernen kann.

Wie meinst du das?

Oft hat man mit Menschen zu tun, die einem Dinge nicht unbedingt direkt – oder überhaupt – sagen. Man muss viele Bedürfnisse erkennen können, ohne dass sie konkret geäußert werden.

 

„Es macht großen Spaß, die Klischees zu widerlegen“

 

Mal kurz zu den Klischees, mit denen dein Job behaftet ist: trist, traurig, viel zu viel Tod …

… und alte, weiße Männer mit schlecht sitzenden Anzügen (lacht).

Welches Klischee findest du am schlimmsten?

Den tristen Arbeitsalltag. Vor allem aber finde ich es schade, dass viele gar nicht wissen, was Bestatter genau machen. Einige haben da so Bilder aus „Six Feet Under“ im Kopf.

Auf der anderen Seite macht es auch großen Spaß, die Klischees zu widerlegen. Wenn man den Job gut macht, kann man all dem ausreichend entgegenwirken.

Du hast die Abwechslung im Alltag schon erwähnt. Gibt es auch gewisse Routinen?

Auf die gesamte Woche gesehen schon. Montags verschafft man sich einen Überblick über alles, was am Wochenende angefallen ist, und am Ende der Woche ist man oft mit Trauerfeiern beschäftigt.

Die meisten Menschen legen ihre Trauerfeiern gerne auf einen Freitag, und wir bereiten über die Woche alles dafür vor. Ansonsten muss man schauen, was passiert. Heute Morgen um halb sieben habe ich zum Beispiel einen Anruf bekommen, ob wir eine Verstorbene aus einem Heim abholen können. Dadurch ist der Tagesplan natürlich nicht mehr wie gehabt.

Du wirst auch mit am Corona-Virus Verstorbenen zu tun haben. Bestehen dabei Ängste?

Nicht bei der Arbeit mit den Verstorbenen. Selbst wenn eine verstorbene Person Corona hatte, atmet sie ja nicht mehr, und ich komme auch nicht mit ihren Körperflüssigkeiten in Berührung.

Schwierig finde ich allerdings den Gang in Heime. Weil ich definitiv mehr Kontakte mit Menschen habe, als diejenigen, die im Heim wohnen, und man ja nie weiß, welche Begegnungen es dort geben wird. Wir können uns nur bestmöglich vorbereiten, auch Schutzkleidung tragen, und meistens sind die Flure auch vorsorglich leer, wenn wir kommen. Wir haben dann nur mit einer Person zu tun, die uns Papiere übergibt.

Schwierig sind bestimmt auch Trauerfeiern in der Corona-Zeit, weil sie oft nicht in dem Rahmen stattfinden können, in dem sie die Hinterbliebenen gerne hätten.

Richtig, vielen Menschen fehlt momentan ein richtiger Abschied. Mir wird jetzt noch klarer, dass Trauerfeiern nicht nur dafür da sind, damit Hinterbliebene Abschied von Verstorbenen nehmen können, sondern auch, damit sie diesen Moment mit anderen teilen können. Es geht um ein Gefühl von Gemeinschaft, auch beim Kaffeetrinken danach – was momentan häufig einfach wegfällt.

Kannst du dir vorstellen, diesen Job dein Leben lang zu machen?

Ja, auf jeden Fall! Gerade auf lange Sicht hat diese Arbeit alles, was ich mir für mein Berufsleben wünsche. Ich sehe mich für immer in diesem Job.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Weihnachten: 10 Geschenkideen aus Hamburg

Alles aus Hamburg! Ganz hanseatisch: Nützliches in schönem Design

SZENE HAMBURG hat kleine und große Weihnachtsgeschenke für den kleinen und großen Geldbeutel zusammengesucht. Ganz nach dem Motto „shop local“ kommen alle Produkte von Hamburger Marken und Shops. Durch den Kauf folgender Produkte wird der lokale Einzelhandel unterstützt:

 

  1. Ob Tea- oder Cocktail-Time – mit dem wird auf jeden Fall stilsicher serviert. (Preis auf Anfrage)

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Clic im Stilwerk
Große Elbstraße 68 (Altona-Altstadt)

 

2. Knallbunte Schlüsselanhänger von dekoop gibt es im Onlineshop oder im Ladenbüro auf der Kleinen Freiheit zu kaufen. (9,90 Euro)

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dekoop
Kleine Freiheit 1 (St. Pauli)

 

3. Mit der Designerlampe „Trulla“ geht auch in den eigenen vier Wänden die Sonne auf. (349 Euro)

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clavo-design.de

 

4. „Gossip“ ist ein Stuhl von moij design aus Formholz – perfekt zum entspannten Zurücklehnen. (498 Euro)

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moijdesign.de

 

5. Wie praktisch: Geschirrtücher mit aufgedruckten Rezepten gibt es bei Frohstoff. (15,60 Euro)

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Frohstoff
Wexstraße 38 (Neustadt)

 

6. Die Schalen in Origami-Optik von moij design liegen voll im Trend. (14 Euro)

 

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moijdesign.de

 

7. Der minimalistisch kreierte Kerzenständer passt zu jedem Einrichtungsstil. (79 Euro)

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hauszeitdesign.de

 

8. Wie elegant Tonkunst aus Hamburg sein kann, zeigt die Kollektion von tovaa. Das Geschirr wird direkt aus der Werkstatt heraus verkauft. (13 Euro)

 

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tovaa
Bernstorffstraße 133 (Altona)

 

9. „All Natural“ verspricht die Marke „Stop the Water While Using Me!“. Die flüssige Seife gibt es in verschiedenen Varianten. (10,90 Euro)

 

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Kauf Dich Glücklich
Schulterblatt 18 (Sternschanze)

 

10. Süßes T-Shirt: In der B-LAGE gibt es Franzbrötchen-Patches zum Aufnähen auf diverse Kleidungsstücke. Ziem(t)lich cool! (7,90 Euro)

 

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B-LAGE
Kampstraße 11 (Sternschanze)


https://szene-hamburg.com/wp-content/uploads/2020/07/Cover-Living-Guide-2020.jpg SZENE HAMBURG WOHNEN+LEBEN 2020. Das Magazin ist seit dem 31. Juli 2020 im Handel und auch im Online Shop erhältlich! 

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Yazan: „Es hat sich alles gelohnt”

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Yazan begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Ich danke Deutschland so sehr, dass ich hier sein darf. Sieh mal, das ist euer Land, wir haben keins mehr, es ist zerstört. In Syrien ist Krieg und hier ist der Segen. Und das findet auf demselben Planeten statt. Ich bin vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Zusammen mit meinem Cousin und einem Freund sind wir mit 30 weiteren Menschen geflüchtet.

Zunächst zu Fuß in die Türkei, dort habe ich ein Jahr gelebt, dann mit dem Boot nach Griechenland, zu Fuß bin ich durch Mazedonien gelaufen und in Serbien in einen Zug gestiegen, der mich nach Budapest gebracht hat. Dort hat mich ein Auto dann nach München gefahren. Aber für mich war klar: Ich will nach Hamburg. Schon in der Türkei hatte ich das beschlossen, als ich Fotos gesehen und Geschichten über die Stadt gehört habe. Also bin ich mit dem Zug aus dem Süden weiter nach Hamburg gefahren.

Die ganze Reise aus Syrien hierher war gefährlich und schwierig, aber, wenn ich an der Alster sitze und auf das Wasser schaue, weiß ich wieder: Es hat sich alles gelohnt. Heute arbeite ich in Barmbek in einem Hotel an der Bar. Ich spare mein Geld und suche eine Wohnung für zwei Personen, denn wenn alles gut läuft, kann ich bald meine Mama nach Deutschland holen. Ich habe sie seit sechs Jahre nicht gesehen.“


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Kommentar zu Corona: Seid ihr alle noch ganz dicht?

Die Menschheit wird auf die Probe gestellt. Auf was es in der Isolation wirklich ankommt

Text: Basti Müller

 

Ich lehne mich auf den Stapel Bücher vor meinem Fensterbrett und schaue in den blauen Himmel. Unter meinen sauberen Händen liegt „Die Pest“ von Albert Camus. Darin wird die Stadt Oran von der Pestseuche heimgesucht. Sie wird abgeschottet. Cafés und Kinos sind anfänglich noch geöffnet, nach und nach verlieren die Bürger jedoch jede Art von Emotion. Die örtliche Versorgung ist gänzlich überfordert und im Mittelpunkt dessen steht Dr. Rieux, ein aufopferungsvoller Arzt, der sich nicht zu schade ist, seinen Patienten auch bis zum Tod zur Seite zu stehen.

Noch, und Gott bewahre, ist das System hierzulande nicht überlastet. Dass Deutschland bislang nicht im Corona-Chaos versunken ist, liegt zum Großteil am unermüdlichen Einsatz der Ärzte, Apotheker, Pflegekräfte und allen anderen im Gesundheitssystem Wirkenden. Wie Bund und Länder müssen sie von Tag zu Tag neu denken: Stationen räumen oder zusammenlegen, Betten aufbauen, Beatmungsgeräte bereithalten, Operationen verschieben, um den vom Virus Betroffenen den Vortritt zu lassen. Täglich setzen sie sich nicht nur einem erhöhten Ansteckungsrisiko, sondern auch zum Teil panischen Patienten aus. Das muss man sich einmal reinziehen: Während ich von einem wohlbehüteten Zimmer aus Vögel zwitschern höre, kämpfen die Ärzte und Pflegekräfte gegen die Zeit, eine exponentiell steigende Anzahl Neu-Infizierter und immer knapper werdende Ressourcen.

 

Was Menschsein bedeutet

 

Deshalb verstehe ich die Menschenmassen nicht, die sich sonntags an der Alster tummeln, geschweige denn die zwei älteren Kaliber, die sich auf der Straße vor meinem Fenster begegnen. Sie plaudern und stehen einen halben Meter voneinander entfernt. Der eine schnaubt in sein Stofftaschentuch, zum Abschied geben sie sich die Hand. „Bleib gesund“, lese ich auf den Lippen. Wie ironisch! Da stimme ich dem Radfahrer, der letztens wütend über den Altonaer Wochenmarkt brauste, doch glatt zu: „Seid ihr alle noch ganz dicht?“

Auch die Oraner begegnen der Pest zunächst mit Ignoranz, bis zum Höhepunkt des Dramas die Zahl der Todesopfer auf mehrere Tausend steigt. Es bildet sich ein Schema heraus, als fordere die Pest nur den Tod von jenen ohne Solidarität. Nun Parallelen zum Buch zu ziehen, das wäre ja unverschämt! Mache ich aber trotzdem. Zwar sorgt Covid-19 nicht wie im Roman für schwarze Beulen, aber Fakt ist, wer in diesen Tagen unter Leute geht, treibt die Ausbreitung des Virus voran. In Italien müssen die Leichen in den Krematorien schon gestapelt werden. Da nehme ich trockene Hände und den Umstand, dass ich meine Familie für eine Weile nur über Skype sehen kann, doch in Kauf.

Nutzen wir dieses kleine Zeitfenster stattdessen, wie es Camus in seinem Roman vormacht, um uns darüber klar zu werden, was Menschsein bedeutet: Was die wichtigen Dinge im Leben sind, wie wichtig jeder einzelne für das System ist und welchen Einfluss wir auf unsere Umwelt haben. Vielleicht gibt uns das Virus die Möglichkeit, einige Denkanstöße aus der Zeit vor Corona auch danach zu verwirklichen. Bis dahin weiß ich die Zeit auf jeden Fall zu nutzen: Verwandte und alte Freunde anrufen, unser Bad renovieren, mein Fenster putzen, einen klaren Blick behalten und lesen. Übrigens überlebt Dr. Rieux die Pest und ich bin jetzt schon beim nächsten Buch. Robinson Crusoe von Daniel Defoe. Passt irgendwie.

 

Katharina Schütz liest “Die Pest” von Albert Camus


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Wanda: „Wir spielen um Leben und Tod“

2014 erschien „Amore“, das erste Wanda-Album, und katapultierte die Wiener Band von jetzt auf gleich in den Pop-Olymp. Mittlerweile sind Wanda mit „Ciao!“, Album Nummer vier, auf Tour. Ein Gespräch mit Frontmann Marco Michael Wanda übers Unterwegssein, Freiheitsgefühle und einen ganz speziellen Rausch

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Marco, noch vor der Veröffentlichung von „Ciao!“ im September 2019 hieß es, ihr hättet euch nach anstrengenden Jahren ordentlich erholt und Kraft getankt für alles, was nun kommt. Was heißt das eigentlich: Regeneration à la Wanda?

Marco Michael Wanda: Das heißt, nicht 40 Zigaretten am Tag zu rauchen, sondern nur 18. Die ersten Jahre sind schnell verflogen. Ist ja immer so: Wenn es bergauf geht, nimmt alles eine ganz andere Geschwindigkeit an. Irgendwann haben wir musikalisch ein wenig zurückgeschaltet, eigentlich schon bei der dritten Platte. Dieses anfängliche Tempo war irgendwann sehr bedrohlich, sowohl, was die Frequenz der Tourneen betraf, als auch was die Interview­-Etappen anging. Es hat einfach alles nie aufgehört. Also habe ich versucht, Musik zu schreiben, die das Tempo rausnimmt.

 

„Die Musik hat sich ver­langsamt – und damit auch uns“

Marco Michael Wanda

 

Hattest du Angst, dass du dadurch Wanda uninteressanter machst? Schließlich war eben jenes Tempo das, was so viele so sehr mochten.

Ich habe tatsächlich gedacht: „Nien­te“ floppt und vernichtet alles. Aber ir­gendwie ist „Niente“ noch erfolgreicher geworden, als die Alben zuvor, Single und Album waren in Österreich gleichzeitig auf Platz eins der Charts, und wir waren plötzlich in den ganz großen Hallen. Trotzdem: Die Musik hat sich ver­langsamt – und damit auch uns. Dadurch konnten wir neue Kraft tanken.

Heißt Kraft tanken für euch auch, sich voneinander zu erholen, also sich mal eine Zeit lang nicht zu sehen?

Nein, das nicht. Wir haben ja auf den vergangenen Tourneen gemeinsam gelernt, wie man mit dem Druck umgehen kann. Außerdem gehen wir uns gegenseitig nie auf die Nerven. Wir kennen uns in­ und auswendig, sind schon so viel Jahre zusammen unterwegs, da gibt es keine Probleme.

Ist das Tourleben nicht auch gefährlich für eine Band, weil sie dadurch in einen ganz anderen Kosmos gerät, fern von Normalität?

Sicher ist es uns auch mal passiert, auf Tour in so eine Zweiteilung des Lebens zu kippen, das ist dann wirklich schwierig und ein bisschen gefährlich. Also diese Momente, wenn man das Gefühl bekommt, dass das Privatleben in Wien eine Art andere Sphäre ist, als das Leben auf Tour. Das bewirkt, dass man innerlich zerrissen ist. Da kann man sich schon auch verlieren. Man kann hängen bleiben auf Tour. Manche Menschen kommen ja auch nie wieder zurück.

 

„Eine Tournee ist wie eine Reise in ein prähistorisches Ich“

Marco Michael Wanda

 

Andererseits: Machen Tourneen und jubelnde Massen womöglich auch süchtig?

Bei mir ist es nicht die Belohnung in Form von Applaus, die mich triggert. Sondern das Freiheitsgefühl, wenn wir unterwegs sind. Das lässt sich kaum sonst wo erleben. Vielleicht nur, wenn man wie Felix Baumgartner aus der Stratosphäre springt.

Kannst du dieses Gefühl etwas genauer beschreiben?

Eine Tournee ist wie eine Reise in ein prähistorisches Ich. Man fühlt sich sehr jung, ist weitaus mehr Kind als Mann. Das Leben kann so einfach erscheinen auf Tour, und das macht es so verlockend.

 

 

Macht dieses Freiheitsgefühl die Anstrengungen, die eine Tour natürlich auch mit sich bringt, ein Stück weit wett? Merkst du die Strapazen erst danach?

Ja, das ist auf jeden Fall so. Auf Tour spüre ich irgendwann keinen Schmerz mehr. Wenn ich auf der Bühne stehe, könnte einer mit einem Baseballschläger kommen und zuschlagen – ich würde es nicht spüren. Mich könnte einer abknallen – ich würde es erst wissen, wenn ich im Sarg liege. Es ist eine gefühlte Unverwundbarkeit. Und klar, wenn es vorbei ist, fällt man schon mal kurz in sich zu­ sammen.

Grundsätzlich ist man aber um eine großartige Erfahrung reicher. Ich gehe übrigens auf jede Tournee mit dem Gedanken, es könnte das letzte Mal sein. Für mich ist es nicht selbstverständlich, das machen zu dürfen. Es ist wirklich so: Wir fünf spielen um Leben und Tod, das war schon bei unserem ersten Konzert so. Wir sind keine Sonntagsmusiker, bei uns geht es immer um was.

Spielt ihr euch in einen Rausch?

Manchmal entsteht auch etwas Rauschhaftes, ja. Das kann im ganz Kleinen passieren, zum Beispiel, wenn man an einer Tankstelle eine Zigarette raucht, und die Sonne geht gerade auf.

Und dann gibt es wiederum die ganz großen Rauschmomente, die auf der Bühne, wenn 10.000 Menschen vor einem stehen und schreien, und man sich plötzlich von einem Problem, das man im Leben abseits der Bühne hat, komplett lösen kann. Solche Momente kommen dann schon denen nah, die man unter psychedelischen Drogen erfährt.

 

„Wenn man sich nicht einsam fühlen möchte, muss man einfach eine Rockband gründen“

Marco Michael Wanda

 

Du hast in der Vergangenheit immer wieder betont, dass du mit dem Musikmachen auch gegen das ankämpfst, was alles so in deinem Kopf vor sich geht. Fühlt sich der grundsätzlich etwas leichter an, wenn du mit Wanda auf Tour bist?

Hmm. Man nimmt sein Leben natürlich auch mit auf Tour, nur ist man unterwegs etwas entlastet. Für manches hat man dann nämlich gar keine Zeit und Kraft mehr. Und zum Glück muss man auf Tour ja auch funktionieren, was mir sehr gut steht. Ich brauche beim Arbeiten immer Deadlines. Wenn mir nichts vorgegeben wird, tue ich mich schwer mit den Dingen. Wobei Struktur auch ein Gegenspieler sein kann.

Inwiefern?

Naja, irgendwann kommt es einem schon bizarr vor, wenn jeden Tag um die­ selbe Zeit Soundcheck ist, um dieselbe Zeit Einlass und Konzert. Das hat etwas Kasernenhaftes und kann einem ziemlich auf den Wecker gehen. Aber: Die Konzerte entschädigen.

Diese zwei Stunden mit Tausenden Menschen – das ist der Kick. Überhaupt: Dieses gemeinsame Erleben! Wenn man sich nicht einsam fühlen möchte, muss man einfach eine Rockband gründen und auf Tour gehen.

Einmal, und das schon zu Beginn eurer Karriere, hast du aber auch über euer Live-Leben gesagt, dass, wenn es so weiterginge, womöglich einer sterben würde.

Ja, dieser Satz stammt aus der ganz frühen Zeit, die wirklich ein Wahnsinn war. Es war damals fast schon ein Hilferuf von mir. Verrückt war allein, dass wir fast kein Geld verdient haben. Wir haben zwar 200-­mal im Jahr gespielt, aber die Konzerte waren zu einem Zeitpunkt abgemacht worden, als wir noch völlig unbekannt waren. Dann ist das Debütalbum explodiert und alles hat uns auf Tour buchstäblich überholt. Ich bin mir auch immer noch sicher: Wenn das so weitergegangen wäre, wäre einer gestorben. Durch den Erfolg müssen wir nun glücklicherweise aber nicht mehr 200 Konzerte im Jahr spielen.

Alsterdorfer Sporthalle: Krochmannstraße 55 (Groß Borstel), Wanda, 7.3.2020, 20 Uhr

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Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Viva La Bernie – Hoffnung für den Gemeinschaftshof

Die Hinterhofgemeinschaft in der Bernstorffstraße in Altona will den freien und kreativen Raum erhalten – und hat nun 7 Millionen Euro gesammelt, um einen Abriss zu verhindern.

Es gibt sie in ganz Hamburg, die bedrohten Räume: Kreative Keimzellen und Gemeinschaftsprojekte, alteingesessene Mieter und Kult-Orte, deren Wohn- und Arbeitsraum von großen Investoren aufgekauft, abgerissen, und an deren Stelle teure Neubauten hochgezogen werden. Hamburg kennt dieses Phänomen wie jede andere deutsche Großstadt – wehrt sich aber oft und laut dagegen. So auch bei „Viva La Bernie“: Der Verein kämpft seit letztem Jahr für den Erhalt eines Hinterhofes in der Bernstorffstraße.

Das Gelände der „Bernie 117“, wie die Mieter es liebevoll nennen, wird schon seit fast vier Jahrzehnten von den 19 ansässigen Parteien frei gestaltet. Über 100 Menschen leben und arbeiten hier: Handwerker, Mechaniker, Tänzer, Designer, Heilpraktiker, Künstler. Rocko Schamoni hat hier eine Töpferwerkstatt, Fettes Brot ein Tonstudio. „Wir sind eine bunte Mischung aus Kunst und Handwerk, die hier sehr gut funktioniert“, erzählt Ralf Gauger. Er ist mit seiner Baufirma schon 25 Jahre Teil der Hofgemeinschaft. „Viele sind schon sehr lange hier“, fügt er hinzu. „Wir können also eine große Kontinuität vorweisen.“ Doch diese ist in Gefahr: 2017 verkaufte der ehemalige Besitzer das Gelände an die Berliner AC Immobilien-Investment GmbH. Die Parteien der Bernie 117 mobilisierten sich schnell, Gauger wurde zum Sprecher ernannt – der „Viva la Bernie e.V“ war geboren.

Drei Bier und zwei Spezi

„Die Anfänge der Verhandlungen mit den Eigentümern war sehr ernüchternd“, erinnert sich Ralf Gauger heute. Während der Verein schon zu Beginn ein offenes Gespräch suchte, blockten die Investoren erst einmal ab – zum ersten Treffen durfte Gauger nur alleine kommen. „Da wurde mir dann schnell klar, dass wir hier nur als einzelne Mieter gesehen werden“, erzählt Gauger. Dass es dem Verein aber vor allem um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt geht, die sich die Hofbewohner über viele Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben, hätten die Investoren gar nicht erkannt. Angstfrei wohnen und arbeiten, in einer sozialen Gemeinschaft: „Das sind Grundbedürfnisse, die man nicht einfach auf einen Kaufpreis umrechnen kann.“

Freiräume wie die Bernie 117 würden außerdem dazu beitragen, den Stadtteil lebendig und sozial zu gestalten. „Wir sind ja nicht einfach nur 110 glückliche Menschen, die ihren Hof behalten wollen, wir haben auch einen engen Kontakt zum Viertel“, erklärt Gauger. Sein Bauunternehmen übernahm einen großen Teil der Planung des neuen Pudelclubs, zusammen mit drei weiteren Firmen betreute es außerdem den Bau des FC St. Pauli Museums. 14 Monate lang saßen sie  dafür jede Woche zusammen. Die Bezahlung: „Drei Bier und zwei Spezi.“

Über die letzten Jahrzehnte hat die Gemeinschaft der Bernie 117 nicht nur den eigenen Hof geformt und mitgestaltet – auch das Viertel. Kreative Vereine wie sie schaffen den Flair, den Viertel wie Altona, die Schanze oder St. Pauli so attraktiv für Einwohner und Touristen machen. „Und dann kommt ein Investor mit dickem Geldbeutel und schöpft hier Gewinn ab, obwohl er nie etwas zur Gestaltung des Stadtteils beigetragen hat“, so Gauger.

Die Finanzierung ist geschafft

Dass der Hof in Gefahr gerät, löste nicht nur innerhalb der 110-köpfigen Hofgemeinschaft eine Welle der Empörung und Unterstützung aus: Jan Delay, Fettes Brot, Deichkind, Fatih Akin, Heinz Strunk oder FC Pauli Präsident Oke Göttlich setzten sich ein, auch aus dem Bezirksamt und der Handwerkskammer kam Zuspruch. „Im Falle einer Konfrontation stehen alle hinter uns“, bestätigt Rocko Schamoni, der auf dem Bernie-Hof ein Töpferstudio hat. Den Grund für den lauten Aufschrei sieht er in einem grundlegenden Frustration der Hamburger: „Ich denke, es gibt hier ein unglaubliches Bedürfnis nach einer Stadt, über die man selbst verfügt und in der man gefragt wird, wie man überhaupt gemeinschaftlich leben will.“

Selbst über den Hof verfügen möchten auch die Mitglieder von „Viva La Bernie“: „Wir wollen gar kein Gegner sein“, erklärt Gauger. „Deswegen ist unser Friedensangebot, den Berliner Investoren den Hof abzukaufen.“ In den letzten Wochen hat die Hofgemeinschaft das Unglaubliche geschafft: Jetzt liegen sieben Millionen Euro auf dem Tisch, finanziert von 130 privaten Kreditgebern und einer sozial engagierten Bank. „In dieser unfassbar hohen Summe ist nach unserer Einschätzung auch ein sechsstelliger Gewinn für die Investoren enthalten.“

Dass der Verein diese Summe stemmen konnte, sieht Rocko Schamoni auch als eine Verpflichtung für die Besitzer, den Finanzierungsplan ernst zu nehmen. Aber auch, wenn noch unklar ist, ob die Berliner Investoren auf das Angebot eingehen oder nicht: Der erste Meilenstein wird bei Viva La Bernie trotzdem ordentlich gefeiert. Am Freitag, den 28. September will sich der Verein bei allen Unterstützern bedanken. Die Party steigt um 19 Uhr, auf der Bühne tummeln sich Hamburger Künstler wie Jan Delay, Sammy Deluxe oder Fettes Brot.

Text: Sophia Herzog

Dieser Artikel wurde am 27. September 2018 veröffentlicht und erscheint nicht im Print-Magazin, sondern exklusiv auf www.szene-hamburg.com.


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