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Hoch hinaus: Der Fernsehturm eröffnet wieder

Ab 2023 wird der Fernsehturm wieder zum Leben erweckt. Wir sprachen über die Pläne mit Philipp Westermeyer, Gründer der Online Marketing Rockstars (OMR) und einer der drei Betreiber

Text & Interview: Marco Arellano Gomes

 

Es ist derzeit eine beliebte und zugleich brisante Frage unter Freunden und Bekannten: Warst DU schon mal auf dem Fernsehturm? Meist erntet der Fragende betretenes Schweigen, gefolgt von einem „Nein“ und der obligatorischen Gegenfrage: „Du etwa?“

Es ist lange her, dass Einwohner und Besucher bei Kaffee und Kuchen die Hansestadt aus derart luftiger Höhe (knapp 120 Meter) bestaunen konnten. Seit 2001 ist der Fernsehturm für Gäste geschlossen. 19 Jahre lang fristete der Heinrich-Hertz-Turm ein Leben im Schatten des Michel und der Elbphilharmonie, die ihm den Rang als das Hamburger Wahrzeichen abliefen. Das könnte sich bald wieder ändern.

Der Turm soll wieder zugänglich werden. Möglich machen das die drei Betreiber, Hamburg Messe und Congress (HMC), Home United und die Online Marketing Rockstars, die das mit 280 Metern höchste Gebäude der Hansestadt zu einem attraktiven Anziehungspunkt und Publikumsmagneten machen möchten. Ihr Konzept sieht eine Kombination aus Aussichtsplattform, Gastronomie und Veranstaltungsfläche vor. Die Planungen für den Umbau sind in vollem Gange. Es folgen die obligatorischen Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren für die Baumaßnahmen. Dann beginnt der Umbau von Fahrstühlen, Innenräumen und Eingangsbereich. Die Eröffnung des Telemichel ist für Ende 2023 vorgesehen.

 

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Philipp Westermeyer (Foto: OMR)

SZENE HAMBURG: Philipp Westermeyer, zu Beginn gleich mal die Frage, die sich derzeit viele in Hamburg stellen: Warst du schon mal auf dem Fernsehturm?

Das erste Mal war ich erst vor einigen Wochen dort oben. Ich bin in Essen aufgewachsen und habe die erste Blüte des Fernsehturms und das Kuchenessen da oben leider verpasst.

Dass die Online Marketing Rockstars bei diesem Projekt mitmachen, war ja nicht unbedingt zu erwarten. Wie kam es überhaupt dazu?

Wir haben über das jährliche Festival, bei dem wir zahlreiche Hallen und Flächen mieten, eine enge und sehr vertrauensvolle Beziehung zur Messe Hamburg und den Machern rund um den Chef Bernd Aufderheide aufgebaut. Die Messe liegt ja in direkter Nachbarschaft des Turms und entsprechend eng an den Entwicklungen dran.

Als vergangenes Jahr klar wurde, dass die Suche nach einem Pächter weitergeht, hat Bernd Aufderheide mich angesprochen und das Thema mit uns und den Kollegen von Home United rund um Tomi Karajica gestartet.

Was erwartet die Besucher, wenn der Telemichel ab 2023 wieder zugänglich ist?

Die große Hoffnung ist, dass es uns gelingt, ein fast verlorenes Stück Hamburg wieder für jeden Interessierten zu erschließen. Unser Wunsch ist es, vielen die Chance zu geben, dort oben mehr zu tun als nur den Blick zu genießen, sondern selber spannende und vielfältige Veranstaltungen und Projekte umzusetzen.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburger des Monats: Kirsten Mainzer & Eva Maria Ciolek

Kirsten Mainzer und Eva Maria Ciolek haben mit Ülenkinder eine Einrichtung geschaffen, die Eltern schult, ihre schwer erkrankten, auch palliativen Kinder zu Hause zu pflegen. Ein Gespräch über Konzept und Ziele

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Kirsten Mainzer und Eva Maria Ciolek, mit Ülenkinder haben Sie ein Versorgungskonzept entworfen, das Familien mit schwer erkrankten sowie palliativen Kindern und Jugendlichen den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege erleichtert. Es ist die erste Einrichtung in dieser Form, die deutschlandweit eröffnet. Warum gab es so etwas bisher noch nicht?

Eva Maria Ciolek: Der fortschreitende Personalmangel hat es irgendwann unmöglich gemacht, dass alle Familien von chronisch kranken Kindern auf Spezial-Pflegedienste zurückgreifen können. Bis heute ist es so, dass Kinder deshalb länger als nötig in Kliniken liegen. Eltern sind nun mal Laienpflegekräfte und können – wenn sie nicht geschult werden – zu Hause keine Versorgung leisten.

Kirsten Mainzer: Es ist allerdings total wichtig, die Selbstständigkeit von Familien zu fördern, damit Eltern nicht in Krisen geraten, in denen sie völlig kraft- und hilflos dastehen. Und so kamen wir auf Ülenkinder, das hat einfach in der Pflegeinfrastruktur noch gefehlt.

Was genau wollen Sie mit Ülenkinder erreichen?

Ciolek: Wir wollen mit dem Fachpersonal, das wir in der Kinderkrankenpflege zur Verfügung haben, so viele Eltern wie möglich fit machen in Sachen Pflege. Sie sollen Ängste abbauen und Sicherheit aufbauen können, damit sie ihre Kinder wieder nach Hause holen können.

Mainzer: Dabei geht es nicht nur darum, fachlich zu beraten, sondern auch die Psyche zu stärken. Viele Familien haben plötzlich ein krankes Kind und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, wie sie sich aufstellen sollen, auch wie sie in Notfallsituationen reagieren sollen. Sie wollen ja eigentlich gar keinen 24-Stunden-Pflegedienst, sondern mit ihren Kindern zu Hause sein und selbst etwas tun. Und wir wollen ihnen dabei helfen.

Bevor es zu dieser Hilfe durch Ülenkinder kommen konnte: Mussten Sie sehr lange mit Krankenkassen verhandeln, um eine finanzielle Basis für alles zu schaffen?

Ciolek: Ja, das zog sich tatsächlich etwas hin. Wobei ich auch sagen möchte, dass wir sehr viele offene Türen eingerannt haben. Es ist nur so, dass wir mit einem Konzept kamen, das es im Gesundheitswesen und auch im Sozialgesetzbuch eben noch nicht gab. Die Umsetzung war deshalb etwas schwierig.

Mainzer: Wir mussten immer am Ball bleiben. Wir wollten ja keine Not- oder Mischkalkulation, sondern etwas aufbauen, das richtig auf den Füßen steht, ein Finanzierungsrecht hat, und von dem wir zumindest einigermaßen leben können. Dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis wir die Verhandlungen mit den Kassen abgeschlossen und eine Immobilie für Ülenkinder gefunden haben.

 

„Zuerst sehen uns die Eltern zu, dann sind sie selbst dran“

 

Acht Familien finden jetzt in Ihren Räumlichkeiten Platz. Wie muss man sich die Einrichtung vorstellen?

Ciolek: Wunderschön! Es sind die ehemaligen Räume des Hospizes im Israelitischen Krankenhaus. Die Zimmer sind sehr lichtdurchflutet und liebevoll eingerichtet. Es gibt ein Patientenbett für die Kinder beziehungsweise Jugendlichen und ein Elternbett. Es gibt gemütliche Sitzgelegenheiten, ein Bad, und fürs gemeinsame Essen ist auch genug Platz.

Mainzer: Wir haben auch ein besonderes Farbkonzept entwickelt, waren mutig mit der Auswahl von Orange, Blau, Lila und Pink. Es ist wirkt wirklich alles sehr ansprechend. Und in diesen großartigen Räumen schulen wir dann die Familien anhand der verschiedenen Krankheitsbilder.

Wie genau sehen die Schulungen aus?

Mainzer: Zuerst sehen uns die Eltern zu, dann sind sie selbst dran, und wir begleiten sie dabei. Es ist ja schon aufregend, wenn man zum Beispiel sein erkranktes Kind zum ersten Mal selbst badet. Bei einer Muskelerkrankung etwa fallen Kopf, Arme und Beine automatisch nach hinten, das macht Eltern Angst. Und wir sind so lange für sie da, bis sie diese Angst nicht mehr haben.

Ciolek: Zur Integration des Kindes in den Alltag gehören auch Situationen wie Einkaufen, Busfahren und Ausflüge. Wir helfen dabei, dass Eltern all das irgendwann auch ohne uns meistern können.

Sie haben schon die Muskelerkrankung genannt. Welche weiteren Krankheitsbilder erleben Sie in der Einrichtung?

Ciolek: Muskel- und Stoffwechselerkrankungen treten tatsächlich häufiger auf. Auch gibt es extrem früh Geborene, die einen ähnlichen Entwicklungsverlauf haben. Insgesamt ist die Kinderkrankenpflege breit gefächert und nicht vergleichbar mit der Erwachsenen- oder Altenpflege.

Mainzer: Wir haben ja schwerer-krankte und palliative Kinder, und alle haben eine große Chance, mit ihren Erkrankungen leben zu können, wenn auch eingeschränkt. Bei palliativen Erkrankten denkt man oft, die Lebenserwartung sei nicht mehr hoch, aber im Kinderbereich ist das anders. Palliative Kinder können durchaus erwachsen werden.

Erhalten Sie erwartungsgemäß viele Anfragen von Eltern, die selbstständig pflegen möchten?

Mainzer: Ja! Grundsätzlich kann jeder zu uns kommen, der Anspruch auf eine häusliche Pflege hat. Und viele sind sehr angetan von Ülenkinder. Kürzlich rief zum Beispiel eine Mutter an, deren zehnjähriger Sohn durch eine Infektion von jetzt auf gleich eine Muskelerkrankung bekam. Er war ein halbes Jahr im Krankenhaus. Die Mutter hatte von unserem Konzept gehört und erzählte uns dann, wie toll es wäre, dass es uns gibt.

 

„Wir sehen es als unseren Auftrag, unser Wissen weiterzugeben“

 

Momentan würde ihre Familie sich noch nicht trauen, mit ihrem Kind nach Hause zu gehen. Es wird beatmet, hat aber gute Aussichten auf Besserung. Jetzt wünscht sich die Mutter, dass ihr Mann, ihre Mutter und die Geschwister des erkrankten Kindes pflegerisch eingearbeitet werden, damit alle wieder sicher nach Hause können.

Ciolek: Eine weitere Hamburger Familie rief an, deren Kind in einer Klinik in Kiel liegt. Sie haben nicht oft die Möglichkeit, dorthin zu fahren. Sie suchen nach einer Möglichkeit, ihr Kind zu Hause zu pflegen, die sie bei uns bekommen könnten.

Mainzer: Wir bekommen übrigens nicht nur viele Anfragen von Eltern und Familien, sondern auch von Einrichtungen aus ganz Deutschland, die unser Konzept gerne übernehmen möchten. Und wir sehen es als unseren Auftrag, unser Wissen weiterzugeben und damit etwas zu verändern.

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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Raus aus der Stadt: Mikro-Abenteuer in der Geltinger Bucht

Pack Koffer, Kumpels oder Partner ein, steig in die Bahn oder fahre mit dem Auto los. Ab an die Geltinger Bucht – gute Reise!

 

Fernab von Trubel und Menschenmassen lädt die Geltinger Bucht gerade in der aktuellen Situation zu Entspannung, Spaß und Erholung ein: kilometerlange Sandstrände, naturbelassene weite Landschaften und viele Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten. Ob Campingplatz, Ferienwohnung oder -haus, idyllisch-ruhig gelegen oder in Alleinlage mit Garten oder Terrasse, die Geltinger Bucht hat fast alles zu bieten.

Auch die Gastgeber sind bestens vorbereitet und sorgen in Corona-Zeiten mit spezifischen Hygienekonzepten für ein sicheres Urlaubsgefühl. An den vielen Stränden der Geltinger Bucht, ob herrlich feinsandig oder mit Steilküste, findet man auch in der Hauptsaison noch ein schönes Plätzchen, um in Ruhe Sonne, Wind und Wellen zu genießen. Für Gäste auf vier Pfoten sind während der Saison extra Hundestrände ausgewiesen.

 

Natur pur

 

Die gesamte Landschaft der Region Angeln besticht durch ihre Vielseitigkeit und Naturbelassenheit. Sanfte Hügel mit wehenden Feldern und üppige Wallhecken wechseln sich ab mit blumenübersäten Wiesen und lichten Buchenwäldern. Auch im wildromantischen Naturschutzgebiet Geltinger Birk mit seinen Wildpferden und im Habernisser Moor gibt es viele Wege für einsame Spaziergänge, zum Wandern und Radfahren und für unvergessliche Tier- und Naturbeobachtungen.

 

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Segeln, Surfen, Kiten – für Wassersportler ist die Geltinger Bucht, gerade mit ihrer Nähe zu den Segelquartieren der dänischen Südsee, ein wahrer Geheimtipp. Auch das Glück auf dem Rücken der Pferde kommt bei einem Ausritt am Strand nicht zu kurz. Die regionalen und saisonalen Angebote der heimischen Gastronomie sind nicht zu unterschätzen und bestätigen wieder einmal, dass man auch in Deutschland traumhaft Urlaub machen kann.

Geltinger Bucht: Bucht der Ostsee an der nordöstlichen Küste von der Region Angeln am Ausgang der Flensburger Förde bei Gelting (Schleswig-Holstein)


 SZENE HAMBURG Stadt, Land, Sommer 2020/2021. Das Magazin ist seit dem 4. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Top 6: Orte zum Chillen und Grillen in Hamburg

Mitten in der Stadt, am Wasser oder im Park: Plätze zum Chillen und Grillen gibt es reichlich in Hamburg

 

Steganlage Dove Elbe

 

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Vom Steg ins Wasser zu springen, ist wohl die effektivste Art sich abzukühlen. Am Allermöher Deich liegt die Dove Elbe. Von dort geht ein Holzsteg vom Strand direkt ins Wasser. Die Dove Elbe ist ein 18 Kilometer langer Nebenarm der Elbe. Sie fängt am Deich an und verläuft dann durch die Hamburger Vierlande. Der Platz an der Steganlage ist wegen seinen Möglichkeite sehr beliebt. Denn: Man kann nicht nur picknicken oder baden, sondern auch die „Tauben“- Elbe aus einem Kajak heraus entdecken. Das Beste daran? Die Strecke von der Hamburger Innenstadt dorthin ist eine hervorragende Fahrradtour mit toller Szenerie. So hat man es sich nach der Radtour mehr als verdient, am Ziel einfach mal zu faulenzen.

Steganleger Dove Elbe: Allermöher Deich 36 (Allermöhe)

 

Jenischpark

 

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Kein Wunder, dass der Jenischpark zu den bedeutendsten Landschaftsgärten Norddeutschlands gehört. In der grünen Perle an der Elbe ist es so naturbelassen, dass man völlig vergisst, inmitten einer Millionenstadt zu sein. In der Nähe von Teufelsbrück betritt man den Park durch ein prachtvolles neobarockes Eingangstor. Von dort geht es auf die hügeligen Rasenflächen. Auf den Grasplätzen und in den Waldstücken tummeln sich Zwei- und Vierbeiner gleichermaßen. Der Park besticht vor allem durch seine Ahorn- und Kastanienbäume, den Sommerblumen und den (Achtung!) 150 Jahre alten Ginkgo-Baum. Das Herzstück des Parks ist das „Jenisch Haus“. Es gehört zu einem von drei Museen, die in dem Park ihren Platz haben. Tipp: Ein Besuch im 200 Jahre alten Gewächshaus lohnt sich! Dort befindet sich unter anderem eine Sammlung von 875 Orchideen.

Jenischpark: Baron-Voght-Straße 50 (Othmarschen)

 

Altonaer Volkspark

 

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Die 205 Hektar große Grünanlage in Bahrenfeld ist Hamburgs größter öffentlicher Park. In ihm befinden sich diverse Rasenflächen, eine Minigolfanlage, ein Heckentheater und mehrere Aussichtspunkte. Eines der wichtigsten Merkmale dieser grünen Lunge ist Europas ältester Dahliengarten mit 40.000 Pflanzen, der seit diesem Jahr satte 100 Jahre existiert. Tutenberg, der Erbauer des Parks, wollte dem Volk einen erholsamen Ort widmen, in dem man zusätzlich etwas über die Flora lernen kann. So ist es nicht verwunderlich, dass es zusätzlich einen Schul-, Stauden- und Rosengarten gibt. Vogelbeobachter aufgepasst! Durch die Größe des Volksparks leben hier viele unterschiedliche Vogelarten, wie Habicht, Grünspecht und der seltene Baumfalke.

Altonaer Volkspark: August-Kirch-Straße 19 (Bahrenfeld)

 

Michelwiese

 

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Ein Beitrag geteilt von Mimi (@msmiwi) am

Die Kirche St. Michaelis – stadtbekannt nur als der Michel – ist ein beliebter Touristenort. Von der Aussichtsplattform, nahe dem Glockenturm, hat man einen malerischen Blick über Hamburg. Direkt unterhalb der Kirche liegt die Michelwiese. Dieser kleine Ruheort inmitten des Großstadtgetümmels stellt seit 2013 für alle Grillfans eine Elektrogrillstation bereit. Das Einzige, was man braucht sind zwei Euro, Holzkohle und Verpflegung – je nach Geschmack. Schon geht es los: Würstchen, Nackensteaks, gefüllte Champignons und alles, was das kulinarische Herz begehrt kommen auf den Grill.

Michelwiese (Neustadt)

 

Alsterwiese Schwanenwik

 

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Ein Beitrag geteilt von A N.J A. W E. (@an_hcsidnew) am

Einer der beliebtesten Orte, die zum Entspannen und Grillen einladen, ist definitiv die Alsterwiese Schwanenwik. Mit Blick auf die Außenalster bietet die Grünfläche jede Menge Platz, um sich auszubreiten, Fußball zu spielen oder einfach nur um in der Sonne rumzuliegen. Für alle Fotofreaks: Die Wiese ist ein super Fotospot. Besonders während der Kirschblütenzeit lassen sich farbenfrohe Schnappschüsse einfangen. Direkt am Alsterufer an der Wiese Schwanenwik steht außerdem die Statue „Drei Männer im Boot“ von Edwin Scharff.

Alsterwiese Schwanenwik: Schwanenwik 20 (Hohenfelde)

 

Elbpark Entenwerder

 

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Ein Beitrag geteilt von Florian Wegmann (@johnhirsch1995) am

Auf der Halbinsel in Entenwerder entspannen Eltern auf den Rasenflächen, Kinder toben auf dem Spielplatz und Hunde tollen auf der Hundewiese herum. Der etwa 16 Hektar große Park bietet viel Platz und ist erreichbar über den Alexandra-Stieg. Auf einem Ponton befindet sich der goldene Pavillon. Es ist das Werk des Architekten Jan Kampshoff, das der Modeunternehmer Thomas Friese und seine Tochter von Münster nach Hamburg holten. Kleine Erfrischung gefällig? Direkt am Pavillon befindet sich das Café Entenwerder 1. Hier gibt es kleine Köstlichkeiten, guten Kaffee oder spritzigen Sekt.

Elbpark Entenwerder: Entenwerder (Rothenburgsort)

 


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Handelsbarriere: Baustelle vor dem Levantehaus

Nachdem die Händler im Levantehaus mit Corona zu kämpfen hatten, haben sie es nun mit einer Hochbahn-Baustelle zu tun. Die Inhaber rechnen mit massiven Einbußen und fürchten um ihre Existenz

Text: Marco Arellano Gomes
Interview: Erik Brandt-Höge

 

Auf der Website des Levantehauses steht noch immer der Hinweis, wie man mit Bus und Bahn zum Traditions-Kontorhaus in der Mönckebergstraße gelangt. Unter dem Stichwort „HVV Anfahrt“ werden alle Möglichkeiten penibel aufgeführt: U3 bis Mönckebergstraße, S- und U-Bahn bis Hauptbahnhof sowie die Buslinien 5, 6, 17, 34, 35, 36, 37, 109, und nicht zu vergessen: die Nachtbusse. An Optionen, zum Levantehaus mit seinen 48 inhabergeführten Geschäften sowie acht Restaurants und Bars zu gelangen, mangelt es also nicht. Schließlich profitieren von eben dieser guten Erreichbarkeit letztlich alle: das Levantehaus, die Hochbahn, die Einzelhandelsgeschäfte, die Gastronomie und die Kunden.

Doch nun gibt es zwischen dem Levantehaus und der Hochbahn einen Streitpunkt – in Form einer Baustelle, die den Besucherstrom der Mönckebergstraße vom Kontorhaus abzuschneiden droht.

Die Hochbahn plant bereits seit 2016 aufwendige Umbaumaßnahmen. Ziel ist es, die Tunnel vom Hauptbahnhof bis Baumwall von Grund auf zu sanieren und den modernen Sicherheitsstandards anzupassen sowie die U-Bahn-Stationen barrierefrei zu gestalten, damit Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen über gläserne Fahrstühle problemlos die Haltestellen erreichen können.

Seit anderthalb Jahren werden intensive Gespräche zwischen den Gewerbetreibenden, der Hochbahn und der Politik geführt. Seit Jahresbeginn werden die Elektro- und Wasserleitungen verlegt. Ab Juli geht es mit den Tiefbaumaßnahmen los. Das gesamte Unterfangen soll bis März 2022 andauern. Bereits unter normalen Umständen sind Baustellen für unmittelbar betroffene Geschäfte mit Einbußen verbunden.

Kunden machen erfahrungsgemäß einen Bogen um Geschäfte, vor denen gebohrt, gehämmert, geschweißt und gepflastert wird. Staub, Lärm und schmale, von Baugruben umgebene Wege sind nicht unbedingt einladend. Richtig brisant wird die Situation aber dadurch, dass der Einzelhandel aufgrund der Corona-Krise bereits wochenlang komplett lahmgelegt wurde. Jetzt kommt die Baustelle und verhindert – kurz nach Wiedereröffnung des Einzelhandels – eine Erholung von der wirtschaftlich harten Zeit. Ein für alle Seiten tragfähiger Kompromiss ist nach gegenwärtigem Stand noch nicht in Sicht.

 

Dietmar Hamm, Geschäftsführer des Levantehauses, zu der aktuellen Situation des Levantehauses, das durch Corona und eine Baustelle doppelt belastet ist

Dietmar Hamm, Geschäftsführer des Levantehauses (Bild: City Management Hamburg)

SZENE HAMBURG: Dietmar Hamm, wie hat sich die wirtschaftliche Situation vor der Co­rona­bedingten Schließung im Falle des des Kontorhauses dargestellt? In wel­cher Lage hat Corona den Einzelhandel erwischt?

Dietmar Hamm: Corona hat uns kalt erwischt. Eine Gesamtschließung der Innenstadt war vorher undenkbar. 2020 versprach ein gutes Jahr zu werden. Viele Gastronomen und Einzelhändler haben in ihr Unternehmen investiert, einige Neueröffnungen waren geplant. Von einem auf den anderen Tag keine Einnahmen zu erzielen, führt schnell zum Verlust der geschäftlichen Existenz und zu familiären Instabilitäten – vor allem beim kleinteiligen und inhabergeführten Einzelhandel.

Deshalb haben wir unseren Geschäften und Gastronomien die Mietzahlung in der Lockdown-Zeit und darüber hinaus erlassen. Wir halten es für richtig, zusammenzuhalten und zu helfen, wo es uns möglich ist.

Wie haben sich Covid­-19 und die damit einhergehenden Maßnahmen auf das Levantehaus ausgewirkt?

Das Levantehaus ist ein Ort des Verweilens, des Genusses und der Lebensfreude. Unser gastliches und besonderes Angebot in einer einzigartigen Architektur ist von einer liebevollen Atmosphäre und Nähe geprägt. Da passen Kontaktbeschränkungen, Mindestabstände und Mund-Nasen-Schutz nicht rein – auch wenn sie derzeit unabdingbar sind. Die sehr kleinen, familiären Gastronomien und Geschäfte geben ihr Bestes, um den Levantehaus-Besuchern auch in dieser Zeit eine Freude zu bereiten.

Aktuell macht Ihnen vor allem die Bau­stelle der Hochbahn – direkt vor der Haustür – zu schaffen, bei der, so kurz nach Wiedereröffnung, mit den Tief­ baumaßnahmen begonnen wird. Sie fordern eine Verschiebung der Bauar­beiten, um die Geschäfte vor drohenden Insolvenzen zu schützen. Warum ist es nicht dazu gekommen?

Der Zeitplan der Hochbahn ist den Verantwortlichen wichtiger als die Familien und die Unternehmen, die bereits durch Corona in eine bedrohliche Situation gekommen sind und um ihre Existenz fürchten. Die Verhinderung einer Selbstheilung des Handels und der Gastronomie in der Mönckebergstraße – nach Corona – ist ein Indiz für die Prioritäten, die die Stadt und ihr Unternehmen Hochbahn setzen.

Für die Betroffenen ist das eine bittere Wahrheit. Für die Innenstadt hat das schwerwiegende Folgen.

Sie befinden sich in intensiven Gesprä­chen mit der Hochbahn, dem City­management und der Politik. Gibt es Verständnis für die dramatische Lage der Händler oder gar Anzeichen eines Entgegenkommens?

Verständnis gibt es schon, aber trotzdem wird das Vorhaben den neuen Corona-bedingten Problemstellungen nicht angepasst. Wir müssen nun versuchen, die dramatische Lage zu überstehen und werden nicht müde, die Kommunikation mit allen Beteiligten und der Stadt zu suchen. Bisher haben wir kein Entgegenkommen erreichen können, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Levantehaus, Mönckebergstraße 7 


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Dörte: „Wir haben alle sechs Liter Blut in uns“

„Ich habe drei Söhne, die ich alleine großgezogen habe. Mein Leben lang musste ich daher mit Vorurteilen kämpfen. Früher wurde ich beim Elternabend häufig gefragt, wie ich das denn als alleinerziehende Mutter machen würde, dass meine Söhne so gut in der Schule seien. Dann habe ich halt gesagt: ‘Naja, vielleicht dürfen sie einfach Kinder sein.’ Heute habe ich coronabedingt drei Jobs, einen als Putzfrau. Eigentlich bin ich Eventköchin, denn: die besten Partys finden in der Küche statt – ist ja klar. Zur Zeit ist aber nichts mit Party. Daher putze ich und bin auch dort vor Vorurteilen nicht geschützt.

Letztens hat mich ein Kunde gefragt, ob mir der Beruf als Deutsche nicht zu würdelos sei. ‘Beantrag’ doch Hartz 4′, meinte er. Ziemlich würdelos, fand ich. Früher war ich die Alleinerziehende, heute bin ich die Putzfrau, oder was? Alles scheint mittlerweile eingeteilt in Ober- und Unterschicht, Ost und West, Links und Rechts. Jeder trägt Vorurteile in sich. Das ist der Ursprung von Rassismus. Wenn ich mir die Nachrichten anschaue und dort Kinder in Somalia mit ihren aufgeblähten Hungerbäuchen sehe: die haben so strahlende Augen, das siehst du hier bei uns nicht.

In Afrika herrscht eine ganz andere Lebensphilosophie. Die Menschen sind viel glücklicher als wir, obwohl sie jeden Tag Angst um ihre Existenz haben müssen. Schwachköpfe gibt es überall – ob die jetzt von hier kommen oder aus Afrika und Asien nach Deutschland gekommen sind, spielt für mich keine Rolle. Hamburg war schon immer weltoffen, hat von Einwanderung gelebt. Das soll auch so bleiben. Meine Rechnung ist ganz einfach: Wir haben alle sechs Liter Blut in uns.“

/ Max Nölke

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Autokino: Film ab auf der Trabrennbahn

Mit Stallungen und Sonnenuntergang im Rückspiegel gibt es auf der Bahrenfelder Trabrennbahn seit Juni ein atmosphärisches Autokino-Erlebnis

Text: Marco Arellano Gomes

 

Erst war die Gesundheitsbehörde dagegen, dann vermuteten die Grünen Bodenbrüter auf dem Rasen und schließlich sorgte die Umweltbehörde sich um die Fledermäuse, die vom Licht der Leinwand bei ihren Beutezügen gestört werden könnten. Die Genehmigung ließ entsprechend auf sich warten. Dirk Evers, Geschäftsführer der Outdoor Cine GmbH, musste viel Geduld aufbringen, bis er endlich grünes Licht für sein Autokino in der Bahrenfelder Trabrennbahn bekam. Dabei war Evers der Erste, der die Idee, nach so langer Zeit ein Autokino in Hamburg zu eröffnen, ins Spiel brachte.

Irgendwann glich die Chance, auf dem Feld der Trabrennbahn das Autokino zu betreiben einem Sechser im Lotto. Es verwundert daher nicht, dass tatsächlich ein namhafter Hamburger Glücksspielanbieter als Hauptsponsor mit an Bord kam, um das Projekt zu verwirklichen.

 

Vielfältiges Autokino-Angebot

 

Am 6. Juni eröffnete das LOTTO Hamburg Autokino schließlich – und trotzt seither der Konkurrenz in Innenstadt- und Hafenlage. „Der Start lief gut“, erzählt Dirk Evers, der auch für das Schanzenkino verantwortlich ist, das in diesem Jahr ebenfalls stattfinden wird. „Ich denke, Hamburg ist groß genug, für ein vielfältiges Autokino-Angebot“, so Evers. Er sei optimistisch, dass die Hamburger auf den Geschmack kommen und sähe das große Plus seines Autokinos vor allem in der Kombination von Technik und Atmosphäre. „Es macht schon was her, mit dem Wagen nach der Rundfahrt an den Stallungen vorbeizufahren, auf dem großzügigen Platz zu stehen, den Sonnenuntergang zu genießen und auf der gigantischen 24 x 11 Meter großen Bildleinwand in 2K-Auflösung einen Film zu genießen“, erzählt Evers.

Schon bald ist das auch mit Bestuhlung vor den Autos möglich. Na dann: Film ab!

lotto-hamburg.autokino.online


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Kneipen in der Krise: Hamburg wird trockengelegt

Der Hamburger Senat hat die Hygiene-Regeln für Schankwirtschaften gelockert. Doch die Auflagen seien so streng, dass sie keine Umsätze machen können, kritisieren Wirte wie Betty Kupsa. Rund 90 Barbetreiber haben sich deswegen zum „Barkombinat“ verbündet und fordern von der Stadt mehr Unterstützung

Text: Ulrich Thiele

 

Ups, da ist man wohl zu voreilig hineingestürmt – und hat vor lauter Tresensehnsucht das „Please Wait To Be Seated“-Schild samt Ausrufezeichen übersehen. „Vorher die Hände desinfizieren, bitte“, sagt Betty Kupsa und zeigt zurück Richtung Eingang, wo der Desinfektionsmittelspender neben besagtem Schild steht. An diesem Dienstagabend um halb acht ist der „Chug Club“ noch leer, sechs Tische stehen im Raum, zwischen ihnen Trennwände.

Jetzt aber: Kupsa weist zu einem der runden Tische, Getränke kommen auf den Tisch, kurz anprosten, dann kommt die 43-Jährige ohne Umschweife auf den Punkt: „Das ist eine große Scheiße, wie der Senat mit uns umgeht.“ Kupsa betreibt seit 2015 ihre Cocktail-Bar auf St. Pauli an der Ecke Taubenstraße/Hopfenstraße. Seit zwanzig Jahren lebt die gebürtige Österreicherin in Hamburg und ist hier längst eine Bar-Ikone.

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Wenn schon Trennwände, dann aber auch mit Stil (Foto: Erik Brandt-Höge)

Wie für viele, kam der Corona-bedingte Lockdown für sie schlagartig. Sie fuhr ihren Laden herunter, um die Kosten niedrig zu halten, ihre acht Angestellten mussten in Kurzarbeit gehen und machten während der Schließung Fortbildungen. Genauso plötzlich wie der Lockdown seien aber auch die Lockerungen gekommen, sagt sie.

Laut der Verordnung der Stadt müssen Bars weiter geschlossen bleiben. Der Begriff meint aber Lokale mit Tanzflächen und Musik. Der „Chug Club“ bezeichnet sich zwar als Bar, hat aber eine Konzession als Schankwirtschaft und ist damit nicht von dem Verbot betroffen. Doch wegen des eingeschränkten Betriebs und des erhöhten Aufwands machen die Bars kaum Umsätze. Kupsa habe seit März nichts mehr verdient, sagt sie, sie wolle trotzdem öffnen, um präsent zu sein, die Barkultur aufrechtzuerhalten, die derzeit in Gefahr ist.

Die Unterstützungen des Senats in Form von Krediten und der Erweiterung der Außengastronomie hält sie für Augenwischerei: „Wir brauchen keine Kredite, sondern unbürokratische Unterstützung und Mitspracherecht.“ Zwar tauschen sich Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes mit dem Wirtschaftssenator aus, aber das reiche nicht, die Hilfsmaßnahmen könnten die Umsatzeinbrüche nicht auffangen.

 

„Ohne die Bar- und Kneipenkultur wird Hamburg zum Provinznest“

Betty Kupsa

 

Rund 1.800 Schankwirtschaften gibt es in Hamburg, in wenigen Monaten könnte jedoch Leerstand herrschen. „Ohne die Bar- und Kneipenkultur wird Hamburg zum Provinznest“, sagt Kupsa. „Wenn die Kneipen sterben, kommen beliebige Ketten an ihre Stelle, die nichts mit der Hamburger Kneipenkultur zu tun haben.“

Erschwerend komme hinzu, dass viele Menschen auf Kioske ausweichen und sicherheitshalber lieber cornern, anstatt in Kneipen zu gehen. Kupsa befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung. Der Senat habe den Ernst der Lage nicht erkannt. Denn wenn Hamburg kein Anziehungspunkt für Touristen und Besucher mehr ist, dann sehe es für die Stadt schlecht aus.

 

Erhöhter Aufwand

 

„Bars haben keine Lobby“, sagt Kupsa. Also nahm sie die Arbeit selbst in die Hand und schloss sich dem just gegründeten „Barkombinat“ an, einem Bündnis aus inzwischen knapp 90 Hamburger Barbetreibern. Der Name ist eine Anspielung auf das „Clubkombinat“, das Lobbypolitik für Hamburgs Clubs betreibt. Am 28. Mai ging das Bündnis mit seiner ersten Pressekonferenz an die Öffentlichkeit.

Auf Barhockern, mit Megafonen, Mundschutz und anderthalb Metern Abstand reihten sich die Wirte vor dem Millerntor-Stadion auf, ihr Motto: „Hey Senat, so geht’s nicht!“ Die Auflagen seien so streng, dass sich der Betrieb kaum lohne, das „Produkt Bar“ sei damit kaputt. Nach den Verordnungen müssen Lokale sicherstellen, dass nicht mehrere Gäste aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen und dass sie den Abstand zu anderen Gästen einhalten. Das Personal muss beim Bedienen eine Maske tragen, die Tische und Stühle mehrmals am Tag desinfiziert werden. „Wir sollen nicht mehr Gastgeber, sondern alles auf einmal sein: Infektions- und Datenschutzbeauftragte und dabei unsere Gäste auf Linie bringen.“

 

Der Senat schweigt

 

Über Nacht habe sie sich mit ihrem Personal zusammengesetzt und erst einmal einen Plan erarbeitet. Die Bar samt Inneneinrichtung musste schlagartig wieder betriebsbereit hergerichtet werden, zudem mussten unter anderem Desinfektionsmittel bestellt und zwischen und an den Tischen Trennwände aufgestellt werden. Auf den zusätzlichen Kosten sei sie bisher sitzen geblieben. „Der Senat drückt die Verantwortung komplett an uns ab.“

Hinzu kommt der eingeschränkte Betrieb. Normalerweise passen rund 70 Menschen in ihre Bar, erzählt sie, unter den aktuellen Auflagen sei nur Platz für maximal 25. Dabei ist Kupsa noch besser dran als andere Barbetreiber: Kleinere Bars können gar nicht erst öffnen, weil sie die Abstandsregeln nicht einhalten können, außerdem können andere Bars keine Sitzplätze draußen vor der Tür anbieten. Das Barkombinat fordert deswegen weitere Ausgleichszahlungen: Mietzuschüsse, Subventionen für den erhöhten Personalaufwand und die Kosten für die Hygienemaßnahmen. Das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter müsse rückwirkend auf 80 Prozent aufgestockt werden. Und vor allem: „Wir wollen, dass der Senat sich mit uns an einen Tisch setzt. Wir wollen mitreden und in die Entscheidungen miteinbezogen werden, anstatt jedes Mal überrascht zu werden.“

Der Senat hat bis heute (Stand 15.6.) nicht auf den Hilferuf des Barkombinats reagiert. Inzwischen ist es 21 Uhr, draußen dämmert es, ein paar Gäste sitzen an den Außenplätzen. Ein halbes Dutzend Gäste sitzt drinnen, bestellt Cocktails – es hätte den Anschein eines normalen Dienstagabends, wären da nicht die Trennwände und die immer noch überall spürbare Verunsicherung.

 

Aktion-(c)-Barkombinat

Aktion „Der kommende Leerstand“ – im Juli folgen mehr Aktionen (Foto: Barkombinat)

 

Nach dem Gespräch muss Kupsa weiter. Eine AG des „Barkombinats“ trifft sich oben bei ihr im Büro. Für Freitag ist eine Aktion unter dem Motto „Der kommende Leerstand“ geplant. Sie will zeigen, was Hamburg bevorsteht, wenn den Schankwirtschaften das Aus droht. 30 Bars und Kneipen werden sich mit weißen Tüchern verhüllen – man könnte sagen: mit Leichentüchern.

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Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Kultursenator Dr. Carsten Brosda im Interview

Der Senator der Behörde für Kultur und Medien im Kurzinterview über Hilfen und Chancen für die Hamburger Kulturlandschaft

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Herr Brosda, schon in einem der neuen Autokinos gewesen?

Leider noch nicht. Eigentlich schade, nachdem wir alle Hände voll damit zu tun hatten, die überhaupt wieder möglich zu machen.

Die Open-Air-Kultur mit Abstand ist eine Überbrückungsmöglichkeit für viele Kulturschaffende, letztlich aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie erleben Sie die Situation derzeit aus Senatorensicht?

Das ist schon eine extrem schwierige Zeit. Insbesondere für die vielen engagierten Künstlerinnen und Künstler und Kreativen. Es ist aber beeindruckend, wie verständnisvoll fast alle mit der Situation umgehen und wie schnell und kreativ sich viele auf die neuen Bedingungen eingestellt haben und Kultur zunächst online und nun zunehmend auch wieder live erlebbar machen.

Der Rückgang der Infektionszahlen ermöglicht es uns zum Glück jetzt, in eine neue Phase einzutreten, in der es nicht mehr nur darum geht, entstandene Verluste auszugleichen, sondern wieder vermehrt darum, Kultur zu ermöglichen. Das macht Spaß zu sehen, wie sehr alle darauf brennen, wieder auf den Bühnen zu stehen und Kultur zu erleben.

 

„Ziel ist es, Hamburg als Kulturstadt gut durch die Krise zu führen“

 

Dürfen Kulturschaffende, von großen Häusern bis Solo-Selbstständige, denn auf erweiterte Corona-Hilfsmaßnahmen des Senats hoffen?

Wir haben sehr schnell reagiert und zum Glück in Hamburg Kunst und Kultur von Anfang an bei den Hilfen mit berücksichtigt. Natürlich werden wir den Künstlerinnen und Künstlern und den Kultureinrichtungen weiterhin helfend zur Seite stehen.

Dabei wird es jetzt vor allem darum gehen, zum einen die Hilfen der Stadt klug auf das Neustart-Kulturpaket abzustimmen, das der Bund im Rahmen des Konjunkturpaketes beschlossen hat. Zum anderen wollen wir gezielt dabei helfen, wieder die Produktion von Kunst zu ermöglichen, auch wenn dies unter den Corona-Bedingungen schwieriger geworden ist.

In dieser Zeit setzt sich der Senat ja regelmäßig Etappenziele. Welches ist Ihr nächstes?

Das Ziel ist immer klar, nämlich Hamburg als Kulturstadt gut durch die Krise zu führen und künftig weiter auszubauen. Denn wir haben Kunst und Kultur so viel zu verdanken, von der Innovationskraft, die in der Kreativität steckt, bis zu den immer wieder notwendigen Interventionen durch die Kunst. Gegenwärtig sind die Etappen dadurch gekennzeichnet, das möglich zu machen, was vernünftig ist.

Nachtrag: Einmalige Hilfe in Höhe von 2000 Euro für Mitglieder der Künstlersozialkasse: Hier können Berechtigte die Neustartprämie für Künstlerinnen, Künstler und Kreative beantragen. 


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Rassismus: Gegen die Unterschwelligkeit

Nach dem Mord am Afroamerikaner George Floyd protestierten 14.000 Hamburger gegen Rassismus und Polizeigewalt. Denn struktureller sowie Alltagsrassismus sind auch in Hamburg allgegenwärtig

Text: Basti Müller

 

Am Samstag, 6. Juni, demonstrieren mehrere Tausend Menschen auf dem Jungfernstieg, doch es ist still. Für (gefühlte) acht Minuten und 46 Sekunden. So lang hatte der Polizist Derek Chauvin Ende Mai im amerikanischen Minneapolis auf dem Hals von George Floyd gekniet, sodass dieser später aufgrund der gewaltsamen Festnahme im Krankenhaus verstarb. Im Leid wiederholte der 46-Jährige die Worte „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen“), bis er bewusstlos wurde – ein mutmaßlicher Mord, festgehalten auf einem Video, das um die Welt ging und auch in Hamburg ein Fass zum Überlaufen brachte. Es beweist: Rassismus ist allgegenwärtig.

Angemeldet war der Protest „Nein zu Rassismus! Gemeinsam sind wir stark!“ als Silent-Demo mit 525 Teilnehmern. Schnell wird klar, dass die Zahl nicht einzuhalten ist. Die Menschen protestieren aber friedlich. Für die Opfer des Rassismus ragen sie Fäuste in die Luft, es wird zu „They Don’t Care About Us“ getanzt und zu „Where Is The Love“ gesungen. Die Polizei bittet die Anmelderin, Audrey Boateng, die auch durch die Corona-Richtlinien nun illegale Versammlung zu beenden. Boateng kooperiert, steigt auf das Podium, bedankt sich bei den Mitdemonstranten. Sie ruft „No justice“. „No peace“ hallt es zurück. Jedoch scheitert der Versuch, die Demonstration zu beenden.

14.000 Menschen befinden sich nun am Ufer der Binnenalster, fast das 27-Fache der angemeldeten Teilnehmer. Dennoch duldet die Polizei die Versammlung bis 18 Uhr, zumal sich die Masse in einer zweiten Kundgebung am Rathausmarkt verteilen könne.

Am Freitag zuvor protestierten mehr als 3.000 Hamburger vor dem US-Konsulat gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auch hier gewährte die Polizei die gegen die Corona-bedingten Mindestabstände verstoßenden Demonstranten, eine Auflösung hätte das Infektionsrisiko erhöht. Alles verlief friedlich.

 

Über 30 junge Menschen festgehalten

 

Anders am Samstagabend. Die Polizei kommuniziert freundlich über Lautsprecher, die Versammlung auflösen zu wollen. Schließlich kommt es zu Ausschreitungen, auf Twitter meldet die Hamburger Polizei den „Bewurf auf Polizeikräfte mit Gegenständen“. In Videos im Netz lässt sich eine kleine, zum Teil aggressive und vermummte Störergruppe erkennen. Die Beamten warnen, nicht in Mitleidenschaft polizeilicher Maßnahmen gezogen zu werden. „A.C.A.B.“, ruft einer, dann fliegen Flaschen vor die Füße der über die Bergstraße kommenden Polizisten. Im Schlepptau haben sie zwei Wasserwerfer-Fahrzeuge, auch Pfefferspray und Tränengas kommen zum Einsatz. Dann beginnt es zu regnen. Der Jungfernstieg habe sich zum Ende der Veranstaltung so in ein Spannungsfeld zwischen 600 vorrückenden Beamten und einer aggressiv protestierenden Gruppe von 200 Menschen verwandelt, sagte eine Sprecherin der Polizei gegenüber dem NDR.

 

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Foto: Sebastian Peters/ Blaulicht-News

 

Der Einsatz am Jungfernstieg sorgt weniger für Furore, als das, was danach passiert. Gegen 20 Uhr werden laut Zeit Online am Hauptbahnhof, gut einen Kilometer von den vorausgegangen Ausschreitungen entfernt, 35 junge Menschen in Gewahrsam genommen, viele von ihnen haben Migrationshintergrund, sind unter 18, der jüngste soll sogar erst 13 Jahre alt gewesen sein. Sie werden mit erhobenen Händen über eine Stunde lang an die Wand gestellt, dürfen weder telefonieren, noch auf die Toilette. Zeit Online zufolge zeigen einige ihre Einkaufstüten und Kassenbons vor, dürfen darum gehen.

 

„Ich glaube, wir sind sehr behutsam […] vorgegangen“

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer

 

Die Übrigen werden mit dem Verdacht auf Landfriedensbruch, Körperverletzung und andere Delikte festgehalten, dann mit HVV-Bussen in das Polizeikommissariat 42 in Billstedt gebracht, wo mit ihnen unterschiedlich umgegangen worden sein soll. Einige haben sich bis auf die Unterwäsche entkleiden müssen und seien erst nach Mitternacht entlassen worden, wenige haben früher nach Hause gekonnt. Bisher soll den Jugendlichen nichts nachgewiesen worden sein. Die Kritik, sie hätte „Jagd“ auf Demoteilnehmer genommen, hat die Polizei bereits zurückgewiesen. Beim Hamburg Journal antwortete Polizeipräsident Ralf Martin Meyer auf die Anschuldigungen: „Ich glaube, wir sind sehr behutsam und sehr verhältnismäßig vorgegangen“, und ordnete im Folgenden die angeblichen Taten politischer Motivation zu: „Ich sehe das Risiko, dass hier eine linksextremistische Organisation, die das als schwarzer Block angezettelt hat, die Jugendlichen in die Auseinandersetzung hineingezogen hat und jetzt versucht, das bürgerliche Thema Anti-Rassismus für sich zu gewinnen.“ Auch rechtfertigte die Polizei den Einsatz laut Taz wie folgt: „Nachdem diese Gruppe festgesetzt worden war, herrschte schlagartig Ruhe in der Innenstadt.“

 

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Foto: Sebastian Peters/ Blaulicht-News

 

Der Vorfall polarisiert dennoch. Zum einen könnte man meinen, die Polizei habe nach Tatverdacht gehandelt. Zum anderen wirken der Ort des Einsatzes, fernab des Jungfernstiegs, und der Zeitpunkt des Zugriffs, zwei Stunden nach dem Auflösen der Demonstration, willkürlich und durch Zeugenaussagen in Medienberichten äußerst fragwürdig. Ein Lichtblick, als Meyer sagt, dass auch die Polizei sich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen müsse. Ernüchterung, als er verspricht, die polizeieigene Beschwerdestelle auszubauen. Wer verpfeift schon gern einen Kollegen oder riskiert seinen Job in wirtschaftslabilen Zeiten? Von einer polizeiunabhängigen Beschwerdestelle sprach Meyer jedenfalls nicht. Der Einsatz steht unterdessen weiter in der Kritik.

 

(Alltags)Rassismus in Hamburg

 

Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr zum Beispiel der Fall eines falschparkenden Franzosen in Hamburg-Horn. Das Video von „NDR Panorama“ zeigt, wie drei Polizisten einen Mann mit dunkler Hautfarbe mit dem Gesicht nach unten auf den Asphalt drücken. Der Falschparker, dessen Auto abgeschleppt werden sollte, habe versucht, sich zu entfernen und wurde daraufhin festgehalten. Unverständlich dabei ist, warum die Beamten mit solcher Brutalität vorgehen.

Auch zu denken ist an den 34-jährigen Kameruner William Tonou-Mbobda, der 2019 in der psychiatrischen Abteilung des Universitätsklinikums Eppendorf fixiert wurde, unbestätigten Berichten zufolge das Bewusstsein verloren haben soll und später auf der Intensivstation verstarb. Ein Todesfall, der bis heute nicht aufgeklärt wurde und einmal mehr die Debatte anstößt, wie sehr Rassismus nicht nur auf gesellschaftlicher, sondern auch auf institutioneller Ebene verankert ist.

Alltagsrassismus mache sich in verschiedenster Weise bemerkbar, sagt Schohreh Golian. Die 31-Jährige ist Kriminologin, Autorin und Fotografin in Hamburg und setzt sich beruflich und privat mit dem Thema auseinander. In der Exekutive beginne Rassismus laut Golian mit der Gewichtung von Polizeikontrollen in bestimmten Stadtgebieten wie in St. Georg oder in der Hafenstraße. „Das Spatial Racial Profiling bietet Räume, um unverhältnismäßig häufige Kontrollen von Menschen mit Migrationshintergrund zu legitimieren“, sagt die Wissenschaftlerin. Rassismus setze sich in der Stigmatisierung von Eigenschaften wie Armut oder Kriminalität fort und ende mit dem Ausblocken dieser Sachverhalte.

 

„Du merkst nicht, wie privilegiert du bist, wie unkenntlich der Rassismus ist.“

Schohreh Golian

Dass Menschen beim Hashtag „blacklivesmatter“ beispielsweise sofort in Abwehrstellung gehen, den Spieß umzudrehen versuchen, nenne man „reverse racism“ (umgekehrter Rassismus) oder „white fragility“ (weiße Zerbrechlichkeit). Genau darum geht es in dieser Debatte: Die Bekämpfung der seit Jahrhunderten andauernden Unterdrückung von Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe. Und der Vorzüge von Menschen mit weißer Hautfarbe, die sich tief in unsere Gesellschaft eingebrannt haben. „Du merkst nicht, wie privilegiert du bist“, sagt Golian, „wie unkenntlich der Rassismus ist.“

Rassismus zieht sich durch alle Lebensbereiche. Zur Bekämpfung reiche es laut Golian daher nicht aus, seine Priviligien zu kennen, „sondern sich auch dem eigenen Rassismus bewusst zu werden, den Betroffenen zuzuhören und ihnen zu glauben“. Anti-Rassismus sei Bildungsaufgabe, beginne aber bei jedem einzelnen von uns, ob beim Demonstranten, Polizisten oder Autoren dieses Textes, und besonders in den Dialogen im eigenen Umfeld, sagt Golian. „Denn wer schweigt, macht sich zum Mittäter.“


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