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Die Schanze: Wie geht es ihr?

Eine Politikerin, eine Restaurantbetreiberin und ein Anwohner über den Wandel des Stadtteils, aktuelle Probleme und mögliche Lösungen

Protokolle: Anarhea Stoffel & Katharina Stertzenbach

Ana, Betreiberin vom Piri Piri

„Wir haben alle Bock auf ein gutes Miteinander“

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Ana mit und Yolo vor ihrem Restaurant, das für portugiesisches Flair in der Schanze sorgt (Foto: Katharina Stertzenbach)

„Ich bin in Portugal geboren und in der Schanze aufgewachsen. Für mich war klar, dass ich mich irgendwann als Gastrono­min selbstständig machen würde. Und mit der Eröffnung des Piri Piri im Mai ist dann ein Traum in Erfüllung gegangen. Einen Laden zu finden, in dem ein Res­taurant eröffnen darf, ist hier schwierig. Es ist nur erlaubt eine bestehende Gas­tronomie zu übernehmen. Man darf kei­ne neue eröffnen. Das war totale Glück­sache, dass wir einen Laden hier auf dem Schulterblatt bekommen haben.

„Wir wollen so eine Art Wohnzimmer für die Schanze werden“

Wir sind ein Familienbetrieb und möchten mit dem Restaurant einen Mehr­wert für die Nachbarschaft schaffen. Wir wollen, dass unsere Nachbarn sich hier bei uns wohlfühlen und zu unseren Stammgästen werden. Anders gesagt: Wir wollen so eine Art Wohnzimmer für die Schanze werden. Ich finde es schade, dass immer mehr Gastronom:innen von der Schanze verschwinden. Man hat immer im Hinter­kopf, die Gastronomie, die geht kommt halt auch nie wieder.

„Wir gönnen allen Gastronom:innen hier viele Gäste“

Wir gönnen allen Gastronom:innen hier viele Gäste. Oft kann ich die Anwohner:innen auch ein bisschen verstehen, denn es ist teilweise echt laut. Am Donnerstag bin ich nach Schicht um drei Uhr nachts auf meinem Heimweg an der „Katze“ vorbei­ gegangen. Vor dem Laden fand so eine krasse Party statt, obwohl die „Katze“ schon geschlossenen hatte, das war schon extrem laut. Das trubelige Leben hier auf der Schanze ist schon sehr cool, nichts­ desto trotz sollte man echt schauen, dass man den Schanzenbewohner:innen da ein biss­chen mehr entgegenkommt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass alle Gastronomen und Anwohner ein biss­chen mehr Verständnis füreinander ha­ben – denn insgeheim haben irgendwie alle hier Bock auf ein gutes Miteinander.“

Conny Templin, LINKE- Abgeordnete in der Bezirksfraktion Altona

„Die Besucher:innen vergessen, dass hier Leute wohnen“

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Conny Templin arbeitet wohnt und schon lange in der Schanze. Zudem engagiert sich für das Viertel (Foto: Katharina Stertzenbach)

„Ich bin Krankenschwester und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und wohne in der Schanze. Ich arbeite schon lange hier im Viertel. Mit meiner Mitgliedschaft in der Bezirksfraktion kann ich auf jeden Fall etwas bewegen. Für die Schanze haben wir zum Beispiel erreicht, hier eine E-Scooter-Verbotszone einzurichten. Seit letztem Jahr ist es nicht mehr erlaubt, die Dinger auf dem Schulterblatt und in der Susannenstraße abzustellen. Mittlerweile ist die gesamte Schanze Sperrzone für E-Scooter.

„Die ausgeuferte Außengastronomie ist einer der größten Streitpunkte“

Viele Sachen haben wir allerdings auch nicht geschafft. Die Bezirkspolitik ist so klein, da gibt es nicht viel Handlungsmöglichkeit. Die Außengastronomie einzuschränken, geht zum Beispiel nicht, wegen des Wegerechts. Das besagt, dass zwei Meter Platz für die Fußgänger:innen auf den Gehwegen freigelassen werden müssen. Abgesehen davon können die Gastronom:innen ihre Tische draußen aufstellen. Die ausgeuferte Außengastronomie ist allerdings einer der größten Streitpunkte zwischen Anwohner:innen und Gastronom:innen. Denn diese erzeugt einen unheimlichen Lärm von Donnerstag bis Sonntag bis spät in die Nacht.

„In Zukunft werden immer mehr Leute hier wegziehen“

Das „Epizentrum“ ist die sogenannte Piazza rund um das Schulterblatt und die Susannenstraße. Heute kommen alle in die Schanze, um zu feiern und zu konsumieren – egal ob Touristen oder Leute von hier. Viele Besucher:innen vergessen dabei völlig, dass hier auch Leute wohnen. Mittlerweile ist die Schanze zu einer Touristenkulisse mutiert. In Zukunft werden immer mehr Leute wegziehen und die, die hierherziehen, machen das nur für eine kurze Zeit. Einige, der wenigen älteren Schanzenbewohner:innen sagen ,Irgendwann kriegen wir Geld dafür. Wir sind die Letzten. Wir sind geblieben‘.

Es gibt auch Ecken, die nicht so laut und dreckig sind. Außerhalb der Piazza wird es ruhiger. Wir versuchen alles, dass die Gastronomie sich nicht in die Nebenstraßen einquartiert. In der gesamten Sternschanze gilt der Bebauungsplan 6. Der ist aufgestellt worden, um zu verhindern, dass sich hier noch mehr Gastronomie ansiedelt. Das heißt, es darf keine neue Gastronomie eröffnen.
Zudem wäre die Schanze ein ideales Viertel für Verkehrsberuhigung. Wir haben zur Erneuerung der Straßenführung rund um das Schulterblatt einen Antrag gestellt, denn auf dem Schulterblatt gibt
es keine Fahrradwege. Auch das sorgt für Konfliktpotenzial, weil die Leute dann auf der sowieso schon überfüllten Piazza Fahrrad fahren. Mit einer Umgestaltung der Straßenführung würde man außerdem den Verkehr entzerren. Dann würde es zumindest verkehrstechnisch auf der Schanze ein bisschen ruhiger werden. Mal sehen, wie sich das entwickelt.“

Thomas Papenthien, Anwohner

„Es ist wie ein kleines Dorf“

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Thomas Papenthien lebt mit seiner Familien seit 15 Jahren im Schanzenviertel (Foto: Anarhea Stoffel)

„Seit 15 Jahren leben wir hier, meine Frau, meine Tochter und ich. Unsere Wohnung haben wir über sehr viel Glück und Zufall bekommen. Meine Frau lebte schon einmal in dieser Wohnung mit ihrem damaligen Freund. Nachdem sie sich trennten, blieb sie weiterhin im Mietvertrag und als wir einige Jahre später nach einer Wohnung suchten, zog ihr Ex-Partner gerade aus und bot uns an, die Wohnung zu übernehmen. Es passte also wirklich perfekt. Denn bereits vor 15 Jahren war bezahlbarer Wohnraum hier sehr knapp.
Ich arbeite als Altenpfleger und als ich während des ersten Lockdowns mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, da war es wie ausgestorben hier. Ich muss zugeben, im ersten Moment fand ich das grandios. Die Bewohner:innen haben sich irgendwie ihr Viertel ein bisschen zurückgeholt. Es war total ruhig und friedlich. Das Heiligengeistfeld wurde sich als urbane Fläche erschlossen, es gab keinen Dom und man hatte einfach eine riesige Betonfläche zur Verfügung. Die Leute haben dort alles Mögliche gemacht. Das war ganz toll. So hatte die Pandemie immerhin diesen positiven Nebeneffekt.

„Das geht dann fast in Richtung Ballermann“

Denn die Schanze ist inzwischen zu einer richtigen Ausgehmeile geworden. Wenn man hier als Bewohner langgeht, ist es manchmal sehr speziell, das geht dann fast in Richtung Ballermann. Früher war das noch nicht so frequentiert wie heute. Trotzdem ist es wie ein kleines Dorf hier. Das ist bestimmt in anderen Stadtteilen Hamburgs auch so. Aber die Leute, die hier wohnen, die kennt man. Die Schanze hält mich jung, hier ist es lebendig! Und immer, wenn ich wiederkomme, habe ich das Gefühl nach Hause zu kommen.“ 


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Hamburger Dachtage: Ein Blick nach oben

Vom 16. bis 18. September geht es auf’s Dach. Die Hamburger Dachtage wollen zeigen, was auf Hamburgs Dächern möglich ist und bietet mit Expeditionen und einer Schnitzeljagd die Möglichkeit den Dachraum zu erkunden

Text: Felix Willeke

 

Hamburg hat fast zwei Millionen Einwohner:innen und egal wo man sich bewegt, man ist umgeben von Häusern. Egal ob Büro, Wohnung oder Restaurant, fast immer hat man in der Stadt ein Haus im Blick. Doch wie sieht es eigentlich oben drauf aus? Die Dächer der Häuser sind den meisten völlig unbekannt – außer man hat Hamburg einmal von oben gesehen. Genau das wollen die Hamburger Dachtage vom 16. bis 18. September 2022 ändern. Auf 15 Dächern zeigen sie , auf Initiative von obenstadt in Zusammenarbeit mit der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW), welche Möglichkeiten dieser unbekannte Raum bietet.

Hamburger Dachtage: Expeditionen, Schnitzeljagd und Party

Zum Auftakt laden die Hamburger Dachtage am 16. September ab 18 Uhr auf das Hauptdach ein. Auf dem Dach des ehemaligen Karstadt Sport Gebäudes in der Mönckebergstraße – das zur Zeit kreativ zwischengenutzt wird – eröffnet gleichzeitig eine Ausstellung über multifunktionale Dachnutzung in Hamburg. Während der Dachtage gibt es darüber hinaus eine Schnitzeljagd über Hamburgs Dächer (Start am 16. September auf dem Hauptdach) und verschiedene Expedition zu Themen wie „Die essbare Stadt“, Photovoltaik auf den Dächern sowie Dachbegrünung. Und natürlich kommt auch das Tanzen nicht zu kurz. Freitag und Samstag legt ein DJ auf dem Hauptdach auf, es darf also getanzt werden – mit Aussicht.

Hamburgs grüne Bauten

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Ausgezeichnet in der Kategorie Gemeinschaftlich nutzbare Dachlandschaft im Wohnungsbestand: Der Dachgarten Frieda Ottensen (Foto: Jochen Stüber)

Parallel zu den Hamburger Dachtagen hat die Stadt auch sieben besonders gut genutzte Dächer ausgezeichnet. Bei dem Wettbewerb hatten sich 24 Dächer beworben. Die Gewinner:innen sind ab dem 15. September im Rahmen der Ausstellung „Einfach grün – Greening the City“ im AIT-ArchitekturSalon in der Innenstadt zu sehen. Der Eintritt ist wie auch bei den Hamburger Dachtagen frei.

 


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833. Hafengeburtstag: Leinen los!

Nach zweijähriger Corona-Pause wird der Hafengeburtstag vom 16. bis 18. September 2022 mit einem vielfältigen Programm gefeiert. In diesem Jahr gibt es einige Highlights, aber auch Veränderungen

Text: Johanna Zobel 

 

Zum 833. Hafengeburtstag heißt es „Leinen los – wir feiern wieder“. Mitte September schippern rund 300 Schiffe über die Elbe, lassen das Wasser über die Hafenkante schwappen und übertönen mit lauten Hupen sogar das Möwengeschrei. Vor allem bei der Ein- und Auslaufparade sind unzählige Schiffe zu sehen. „Es fällt mir allerdings schwer, jetzt genau zu sagen, wie viele Schiffe es insgesamt sein werden“, sagt Andrea Heyden, Pressesprecherin Hafengeburtstag Hamburg. Denn auch private Segelschiffe und Motorboote dürfen kurzfristig bei den großen Paraden dabei sein. Sicher ist aber: Der Großsegler „Dar Mlodziezy“, ein polnisches 3-Mast-Vollschiff, wird die Auslaufparade anführen. Einige Schiffe werden aufgrund der EU-Sanktionen gegen Russland werden jedoch fehlen: „Die russischen Großsegler dürfen die EU-Häfen nicht mehr anlaufen. Die russische Mir darf zum Beispiel nicht kommen“, so Heyden, „Seit ihrer Indienststellung 1987 ist sie seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast beim Hafengeburtstag Hamburg.“

Der Hafengeburtstag wird nachgefeiert

Trotz Corona, Krieg und Krise findet der Hafengeburtstag nach zwei Jahren Pause endlich wieder statt. Dass einige Schiffe fehlen, ist nicht die einzige Veränderung dieses Jahres. Seit 1977 feiert die Hansestadt den Hafengeburtstag immer im Mai – anlässlich der Gründung des Hamburger Hafens am 7. Mai 1189. Pandemiebedingt findet er diesmal im Spätsommer statt, vom 16. bis zum 18. September 2022.

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Die Ein- und Auslaufparade gehört Jahr für jahr zu den großen Highlights beim Hafengeburtstag (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Wie das Publikum den neuen Termin annimmt, ist noch unklar. „Wir sind selber sehr gespannt, weil der Hafengeburtstag jetzt im September stattfindet. Anderes Wetter, andere Lichtverhältnisse. Pandemisch wissen wir auch nicht, was sich da tut“, so Heyden. Laut dem Deutschen Wetterdienst sollten die Temperaturen der Veranstaltung aber nicht im Wege stehen: Im Mai herrschen Durchschnittstemperaturen von 13 Grad, im September ist es sogar minimal wärmer mit durchschnittlichen 14 Grad. Allerdings sind die Tage kürzer, die Sonne geht früher unter. Auch andere Faktoren könnten den diesjährigen Hafengeburtstag beeinflussen, vermutet Heyden: „Viele waren vielleicht schon im Urlaub. Es kann sein, dass die Leute kein Geld mehr haben oder wegen der Pandemie nicht kommen.“

Programm-Highlights auf dem Hamburger Hafengeburtstag 

Neben der traditionellen Ein- und Auslaufparade hat der Hafengeburtstag ein vollgepacktes Programm. Beim Schlepperballett am zweiten Festtag, zeigen die wuchtigen Schiffe wie sie zu klassischer Musik über das Wasser gleiten. Die Darbietung wird nur zum Hafengeburtstag aufgeführt und ist weltweit die einzige ihrer Art. Musik gibt es zusätzlich an verschiedensten Orten. Mehr als zehn Bühnen schaffen Raum für alle Musikgeschmäcker – ob Rock, Jazz, Klassik oder maritimes vom Shanty Chor. Neu in diesem Jahr: Das Harbour Beatz, ein Elektro-Festival, das an allen drei Festtagen zum Raven direkt neben der Elbe einlädt. Ein Zeichen für ein tolerantes Fest: Nahe des Fähranlegers Altona bietet die Harbour Pride eine Plattform zum Austausch für die LGBTQIA-Szene und Freunde. Freitag und Samstag von 10 bis 24 Uhr sowie Sonntag von 10 bis 21 Uhr stehen verschiedene Künstler auf der Bühne. 

Weltoffen, maritim und unterhaltsam 

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Das Schlepperballett gehört zum Hafengeburtstag wie der Michel zu Hamburg (Foto: Hamburg Messe und Congress/Nicolas Maack)

Während des Hafengeburtstages 2017 wurde im Auftrag der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eine repräsentative Besucherumfrage durchgeführt. Demnach stehen die Zeichen für ein erfolgreiches Fest sehr gut. Denn der Hamburger Hafengeburtstag, das größte Hafenfest weltweit, zieht viele Besucherinnen und Besucher an – 2017 insgesamt eine Million. Viele von ihnen sind kommen immer wieder (57 Prozent). 91 Prozent aller Besucherinnen und Besucher würden den Hafengeburtstag „bestimmt oder wahrscheinlich“ weiterempfehlen. 63 Prozent planten 2017 zudem einen erneuten Besuch. Vielleicht ja in diesem Jahr. Dann gibt es wieder ein umfangreiches Programm auf dem Wasser und am Land. Etwa mit kostenlosen Live-Konzerten, Besichtigungen auf Schiffen oder Vorführungen auf dem Wasser. Abwechslung wird hier groß geschrieben. Für die meisten Besucherinnen und Besucher ist der Hafengeburtstag aber vor allem weltoffen, maritim und unterhaltsam.

Kulinarisches Fest

Und natürlich lohnt sich der Besuch immer für das Essen! Die große Hafenmeile hat kulinarisch eigentlich alles, was das Herz begehrt: Pizza, Pommes, Pasta und jede Menge Drinks. Auch auf der Sonderfläche des jährlich wechselnden Länderpartners gibt es viel zu entdecken und schlemmen. In diesem Jahr zeigt Kroatien, was die mediterrane Küche zu bieten hat. Vielleicht bereiten die Anbieterinnen und Anbieter dieses Jahr dann auch einige Highlights der kroatischen Küche zu. Dazu zählen etwa Cevapcici (gegrillte, würzige Röllchen aus Hackfleisch) oder Peka (Fleisch oder Meeresspezialitäten, die unter einer Glocke gegart werden). Nur 30 Prozent der Hafengeburtstag-Besucher kommen aus Hamburg, vor allem für die Hamburger Hotellerie ist diese Zeit zusätzlich gewinnbringend. Etwas mehr als die Hälfte der auswärtigen Besucherinnen und Besucher entscheiden sich für eine Übernachtung in der Hansestadt. Auch der Hamburger Gastronomie bringt das Vorteile. Laut der Besucherumfrage unternehmen 67 Prozent noch Weiteres in der Stadt, besuchen etwa Sehenswürdigkeiten oder Restaurants. Dafür wird Geld in die Hand genommen: 2017 lag bei knapp 50 Prozent der auswärtigen Gäste das Budget bei mehr als 250 Euro. 

Auch wenn in diesem Jahr ein paar Veränderungen und Unsicherheiten mitschwingen: Der Hafengeburtstag gehört zu Hamburg wie der Michel, die Elbe oder eben der Hafen selbst. Und vor allem bietet er Unterhaltung, dem stimmten 2017 zumindest 63 Prozent der Besucherinnen und Besucher voll zu. Auch Andrea Heyden blickt mit Vorfreude auf das Event: „Es ist schön für die Besucherinnen und Besucher, mal wieder die Seele baumeln zu lassen, andere Eindrücke zu gewinnen, zu genießen und vielleicht die Probleme für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Das ist ja auch mal wichtig in den Zeiten, die wir gerade haben.“

 


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Queeres Hamburg

Diese Hamburger Künstler:innen, Veranstaltungen und Produkte beschäftigen sich mit queeren Themen

Text: Jasmin Baghiana

„FLINTA“ von Lila Sovia

Die Wahlhamburger Rapper:in, Spoken Word Poet:in und Autor:in Lila Sovia zeigt ordentlich Einsatz für Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, transgender und agender Personen – kurz: „FLINTA“, so der Titel von Sovias im April erschienener Debüt-EP. Die erreichte auf Spotify ruck, zuck mehr als 30.000 Klicks.

Textlich geht es in den Songs beispielsweise um allzu normalisierte sexuelle Übergriffigkeit. Zudem thematisiert Sovia in der Gedichtlesung „Jenga, du sagst ja ich sage nein“ die gesellschaftliche Macht des Mannes. Sovias Motto: Nicht klein beigeben, sondern sich vom Wort des Mannes lösen.

lila-sovia.de

Gazer

Queerfeministisch, erotisch und sexpositiv: So beschreiben die Macher:innen des Hamburger Erotikmagazins Gazer ihre Arbeit. Veröffentlicht werden im Blatt unter anderem Fotoserien, Sexcomics und gesellschaftskritische Essays. Die Repräsentation von Menschen aus der LGBTIQ+-Community und BiPoc sei laut den Herausgeber:innen die zentrale Motivation hinter Gazer.

Sie verzichten übrigens gänzlich auf Bildbearbeitung, denn nur so könne der gefilterte Pornomainstream aufgebrochen werden. Die zweite Ausgabe thematisiert BDSM und wie das Wechselspiel zwischen Dominanz und Unterwerfung feministisch sein könnte. Das dritte Heft ist auch schon in Planung und soll sich rund um das Thema Männlichkeit drehen und selbige aus trans-männlicher, non-binärer und feministischer Perspektive betrachten.

Gazer ist unter anderem im Schanzenbuchladen und dem AStA der Universität Hamburg zu bekommen.

gazermagazin.wordpress.com

Queereeoké

Eine Gelegenheit, bei der (nicht-)queere Menschen zusammenkommen und sich ohne Angst vor Diskriminierung entfalten und Spaß haben können: Das bietet Queereeoké im Club KMH. Alle paar Monate findet der kuratierte Karaokeabend statt, oft nach einem speziellen Motto, zum Beispiel dem Kleidungsstil eines Jahrzehnts.

Die Veranstaltungsleitung betont, es brauche diesen Raum für die Repräsentation der LGBTIQ+-Community. Queereeoké soll Zugehörigkeit und Respekt schaffen. Spontane Karaokeeinlagen helfen zudem dabei, sich zu öffnen und an der Gemeinschaft teilzuhaben. Am 7. Oktober findet das nächste Event statt.

7. Oktober 2022, Kampnagel (K6), 21 Uhr


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105 Viertel: Kunst für die Community

Die urbane Kunstlandschaft in der Stadt wächst. Ein neues 200 Quadratmeter großes Wandgemälde schmückt nun eine Häuserwand in der Laeiszstraße 17 im Karoviertel. Weitere Arbeiten mit verschiedenen Künstler-Kollaborationen sind geplant

Text: Katharina Stertzenbach

In der Gemeinschaft entstanden, für die Gemeinschaft gemacht, durch die Gemeinschaft fortgeführt – das ist das Motto der gemeinnützigen Gesellschaft „105 Viertel“, die das Kunstprojekt in Zusammenarbeit mit lukiHQ realisiert hat.

Getreu dem Motto ist das Mural, so wie die Gemälde an Häuserwänden im Street-Art-Fachjargon genannt werden, auch entwickelt worden. Kreiert haben das Werk das Künstlerinnen-Duo MalaMala und der Künstler Koolski.

Alle drei Künstler:innen leben und arbeiten in Hamburg. Passend zu dieser Zusammenarbeit äußerte sich Dorothea Killer, Co-Founderin und Gesch.ftsführerin von 105 Viertel, über das Ziel der Art-Projekte: „Wir möchten Kunst und Kultur in Hamburg fördern und das am liebsten mit lokalen Nachwuchskünstlern. Daher freuen wir uns sehr über das beeindruckende Community-Artwork.“

Zudem können Street-Art-Fans und Unterstützer der Kunstszene das Werk käuflich in digitaler Form erwerben. Die digitale Version des Murals ist auf eine Stückzahl von 105 Exemplaren limitiert. Käufer unterstützen zum einen globale Klimaschutzprojekte und das nächste urbane Kunstprojekt. Das hat sich bereits ausgezahlt. Auch am Alten Wall können Artworks der Hamburger Street- Art-Künstler:innen maens und Hülpman bestaunt werden. Die digitalen Versionen dieser Kunstwerke sind allerdings bereits vergriffen. Das heißt also: Raus auf die Straße und die Murals und weitere Street-Art der Stadt entdecken.

105viertel.de


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André: „In Hamburg habe ich mich direkt schockverliebt“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir André begegnet.

Protokoll: Kevin Goonewardena

 

„Ich komme vom kleinen Dorf aus Mittelhessen, 80 Kilometer südlich von Kassel und 100 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main, im Niemandsland also. Dort war ich immer der Paradiesvogel, der, der es schwer hatte, das hat mich in die Weite getrieben. München ist eine schöne Stadt, aber nicht mein Schlag Leute, Köln ist noch ganz okay gewesen, da bin ich eine zeitlang auch hin, aber das hatte sich dann schnell für mich gedreht, sag ich mal. Aber in Hamburg habe ich mich direkt schockverliebt.

Ich bin mit meiner heutigen Verlobten hier her gezogen, die kommt aus Schleswig-Holstein, aber Kennengelernt haben wir uns in Hessen, sie musste nach dem Studium wieder in den Norden, da musste ich nicht lange überlegen, denn ich hatte eh den Plan nach Hamburg zu gehen, bin sicher schon vierzig mal vorher zum Feiern hier gewesen, habe aber meinen Arsch nicht hochbekommen hierhin zu ziehen. Die Frage war kaum gestellt, da hatte ich schon ja gesagt.

In Hamburg haben mich die Leute sofort gut aufgenommen. Bei uns hieß es immer die „Hamburger sind kühle Menschen, die lassen dich nicht an sich ran“, da habe ich genau das Gegenteil kennengelernt. Genauso auf das Wetter bezogen, deswegen habe ich unten auf meinem Bein „No Rain, no flowers“ tätowiert, weil es mir auf den Sack geht, dass die Leute immer mit ihrem Wetter kommen. In der Anfangszeit habe ich Niemanden gekannt, war viel alleine unterwegs. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Kneipenbesuch – da hieß es von den Stammgästen nach fünf Minuten „Was sitzt du da so alleine? Komm’ an Tresen“, ich wurde sofort aufgenommen. Das war im Astra Stübchen, eine ganz kleine Eckkneipe in der Straße Ophagen in Altona-Nord, da steht mittlerweile mein Fahrrad. Ich fahre gerne Rennrad, wollte mir ein vernünftiges kaufen, sag ich mal, hatte aber keinen Platz das unterzustellen, da hat der Wirt gesagt, hier der Schlüssel für meine Garage, ich vertraue dir, kannst das Rad da unterstellen und seitdem steht mein Fahrrad da drinnen. 

 

Die Mentalität

 

Früher wie heute bin ich auf der Schanze unterwegs, auf St. Pauli, in Nebenstraßen der Reeperbahn, Hein-Hoyer und so. Am Anfang habe ich mich oft treiben lassen. Ich war im Gun Club, dem Menschenzoo, mag das Molotow, Uebel & Gefährlich und den Waagenbau. Heute findet man mich eher in Kneipen. Ich kann durchaus auch Samstags mal auf der Couch chillen, aber mein Kopf braucht die Wahl. Ich muss mir sagen können „Wenn du jetzt Bock hättest, könntest du aufstehen, rausgehen, alles machen.“

Ich komme ja vom Dorf, da war das nicht der Fall. Das trifft auf jede Großstadt zu, den Unterscheid macht hier für mich die Mentalität der Leute. Habe regelmäßig das Oktoberfest in München besucht, da war die erste Frage immer „Was bist du?“, das kann ich nicht ab.


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Hans-Christian: „Frauen kamen für mich sowieso nie in Frage”

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Hans-Christian begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„In Kürze werde ich 87 Jahre alt. Ein stolzes Alter ist das nicht, es ist ein hohes. Ich finde den Begriff Stolz immer ein bisschen schwierig. Der Stolz lässt auch nach im Alter. Für mich ist das eine Eigenschaft, die im Grunde gar nicht positiv ist.

Zufriedenheit finde ich den schöneren Begriff. Wenn ich nicht zufrieden wäre, dann wäre ich vermutlich schon gar nicht mehr da. Ich habe nämlich einen Trick, durch den es mit der Zufriedenheit gut klappt: Nicht zu hohe Ansprüche ans Leben stellen.

Ich habe selbst keine Familie gegründet, Frauen kamen für mich sowieso nie in Frage. Ich habe lange Zeit mit Männern zusammengelebt. Aktuell habe ich auch einen Freund, der wohnt allerdings in Travemünde und wir sehen uns nur in Abständen. Aber auch dabei darf man nicht zu anspruchsvoll sein. Was bedeutet das schon, jemanden fürs Leben zu finden? Ich selbst bin ja dieser jemand, mit dem ich ein Leben lang zusammen bin.

 

„Na und? Ich jammere doch auch nicht.”

 

Nein, so etwas brauchte ich nie. Ich war Zeit meines Lebens Jurist und habe immer mal wieder für ein paar Jahre im Ausland gelebt. In Amerika auf Vancouver Island, in Florenz und Meran, in der Schweiz. Das hat mich genügend erfüllt. Früher oder später hat es mich immer und immer wieder nach Hamburg zurückgezogen.

Nun wohne ich seit einer Ewigkeit am Isemarkt. Dort herrscht eine liebevolle Nachbarschaft. Ich freue mich, dass ich solch gute Leute um mich habe, mich noch immer austauschen kann, dass ich meine Sammel-Hobbys habe und mein Leben auf diese Weise weiterhin erfüllend gestalten kann.

Wenn ich mir die meisten Leute anschaue, verstehe ich nicht, wieso sie so erregt sind. Die Leute sind so dermaßen unzufrieden, dabei können sie doch auch mal versuchen, zufrieden zu sein mit dem, was sie haben.

Ich bin gesundheitlich auch nicht mehr so fit und mache gerade meine Runde, um Medikamente und neue Batterien für meine Hörgeräte zu kaufen. Na und? Ich jammere doch auch nicht, es ist schließlich herrliches Wetter. Vielmehr freue ich mich, gleich nach Hause zu kommen und auf meiner großen Terrasse ein Buch zu lesen. Und dann schaue ich mal, was das Leben noch so bietet.“


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Statements zum Kultursommer: „Wir sind wieder da!“

Mehr als 100 Hamburger Kulturkonzepte werden vom Senat im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“ ge­fördert. Wir haben acht ­Veranstalter gefragt, welchen Stellenwert die Unterstützung für sie beim Kultur-Neustart hat

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Marco Arellano Gomes

 

Kim Senger, Waldinsel Records

Das letzte Jahr durchzuhalten, war nicht einfach für die Kulturschaffenden auf und hinter den Bühnen. Umso mehr freue ich mich jetzt über die Förderung im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“. Sie ermöglicht es mir, mit insgesamt acht Bands an 16 Orten in Hamburg Laster-Konzerte zu veranstalten – an bekannten, aber auch an unerwarteten Orten. Sobald die Bezirke ihre Genehmigung gegeben haben, werden die Termine auf meiner Website veröffentlicht. Auch außerhalb des „Kultursommers“ gibt es viele Anfragen für Laster-Konzerte. Hoffen wir mal, dass wir die Pandemie bald überstanden haben und Kultur wieder ohne Einschränkungen möglich ist.

waldinsel.com

 

Johannes Kirchberg, Kulturhaus Süderelbe

Das Kulturhaus Süderelbe freut sich riesig, dass der Hamburger „Kultursommer“ uns einen Wiedereinstieg ins Kulturleben ermöglicht. So können wir ein kleines, feines Festival anbieten und nach Monaten der Kulturlosigkeit unserem Publikum wieder begegnen und die Türen öffnen. Ohne die Unterstützung Hamburgs und der Behörde für Kultur und Bildung wäre es uns schlicht nicht möglich gewesen, ein so vielfältiges Programm zusammenzustellen und auch zu betreuen. Dafür von Herzen unser Dank. Wenn jetzt noch jemand einen heißen Draht zum Wetter hat, damit auch alles unter freiem Himmel stattfinden kann, dann wäre das ganz prima.

kulturhaus-suederelbe.de

 

Dörte Inselmann, Stiftung Kultur Palast Hamburg

Der Lockdown war für uns wie für alle Kulturschaffenden eine harte Durststrecke, insbesondere, weil wir überwiegend mit Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen arbeiten. Umso mehr freuen wir uns jetzt, mithilfe von Neustart Kultur und dem Hamburger „Kultursommer“ sowie vielen weiteren Förderern unseren mittlerweile hamburgweit aktiven Kultur Palast wieder mit Leben zu erfüllen und etwas beizusteuern, dass diese Jugendlichen ihre Poten­ziale entfalten und mehr Bildungsgerechtigkeit erfahren können.

Die ganzen Sommerferien hindurch bieten wir unter dem Motto „Schönste Kulturaussichten“ zahlreiche Tanz-, Musik- und Gesangs-Camps für unterschiedliche Altersstufen an sowie ein vielfältiges Sommerprogramm für die Großen. Gleich nach den Ferien wird die Stadt eine Reise erleben, wie sie noch nie da war: Unser Musical „Planet Billstedt – a paradise for a better life“ sucht mit der jungen Generation nach Antworten auf die Frage „Wie wollen wir leben?“ Gestaltet wird das Stück an vier Standorten in Billstedt und Horn. Eine Reise in die Zukunft voller Ideen zu Klima, Diversität, mehr Grün in der Stadt und kultureller Vielfalt.

kph-hamburg.com

 

Claudia Mohr, Schroedingers

Wir freuen uns auf einen bunten Sommer voller kultureller Vielfalt, zauberschöner Momente mit fröhlichen Gesichtern und Lebensfreude auf und vor der Bühne in unserer wunderschönen grünen Oase unterm Fernsehturm. Kultur, im Besonderen Musik, ist ein fundamentaler Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.

Durch die strikten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie ist dieser Baustein fast vollständig weggebrochen aus dem Alltag der Menschen. Deswegen freuen wir uns umso mehr, durch jedes Konzert, jeden Künstler und jede Künstlerin – ob DJs, Autoren, Bands oder Komiker –, Stück für Stück ein wenig Leben und Lebendigkeit zurückzugeben und unsere Gäste, Künstler und Künstlerinnen wieder zurück ins Leben und mentale Gleichgewicht zu bringen.

Einen besonderen Dank möchten wir der Hamburger Kulturbehörde und unserem Kultursenator Carsten Brosda aussprechen, die uns Kulturspielstätten durch strukturelle Förderung am Leben erhalten haben und auch mit vielen Förderprogrammen den Neustart überhaupt erst wieder möglich machen.

schroedingers.hamburg

 

Peter Rautenberg, Goldbekhaus

Die Kultur und die Kultschaffenden in Hamburg und anderswo schienen vergessen. Nicht so wichtig, eben nicht systemrelevant. Vergessen werden kann diese Demütigung einer ganzen Branche nicht, aber sie kann verziehen werden. Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein erfreulicher Anfang und hilft der Kultur in Hamburg, ihr die Bedeutung zu geben, die sie verdient hat. Kultur ist unverzichtbar, gerade auch in Zeiten einer Pandemie. Jetzt kommen wir zurück, danke Kultur­behörde Hamburg!

goldbekhaus.de

 

Michael Frowin, Theaterschiff Hamburg

Der Kultursommer ist eine weitere großartige Initiative der Stadt Hamburg und ein sehr starkes Signal für den Neustart Kultur. Für uns als Theaterschiff bedeutet das, dass wir nicht nur vier Wochen früher in die nächste Saison starten, sondern auch eine Nachbarschaftsinitiative präsentieren können – gemeinsam mit der Katharinen-Kirche bringen wir verschiedene Künstler:innen und Gruppen auf unserer Bühne zusammen. Wir zeigen ein sehr buntes Sommerprogramm und rufen laut und fröhlich: Wir sind wieder da!

theaterschiff.de

 

Jana und Petja Pulkrabek, Move the North Festival

Wir glauben fest an die grenzüberschreitende Kraft von Kultur. Als Festival und Netzwerk möchten wir durch Austausch und Zusammenarbeit die nordischen Regionen zusammenwachsen lassen und neue Impulse setzen. Mit dem Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark entsteht eine neue Europäische Zukunftsachse und es ist wichtig, die Menschen über Kultur grenzübergreifend zusammenzuführen. Wenn die Wirtschaft der Motor einer Region ist, dann ist die Kultur ihre Seele.

Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein positives Zeichen und ein Bekenntnis an die freie Szene. Wir freuen uns sehr über unsere Kooperation mit Paul Glaser vom English Theatre of Hamburg. Mit „Hamburger Kultur InterNational“ präsentieren Move the North und ETH ein zweiwöchiges Kulturprogramm, das neben einem deutsch-skandinavischen Fokus auch global internationale Brücken nach Hamburg schlägt; in sommerlich entspannter Atmosphäre und kostenfrei. Das ist sehr dänisch!

movethenorth.com

 

Michael Conrad, Alabama Kino (rechts im Bild)

Der Impuls von der Kulturbehörde, mit dem Hamburger „Kultursommer“ auf die Krise der Kulturbranche zu antworten, finden wir richtig, denn es gibt einen riesigen Bedarf für eine solche Anschubhilfe. Wir werden mit dem Writers’ Room Lesungen im Rahmen des Programms „Tears for Ears“ anbieten, das sich mit dem Kino beschäftigt. Dann gibt’s noch eine Lesung aus einem Buch von Kinky Friedman, den Schriftsteller und Musiker aus der alternativen texanischen Country-Szene. Ein weiteres Highlight ist der Film „Domenica“ von Peter Kern über die berühmteste Prostituierte der Stadt, die sich um die Rechte der Prostituierten verdient gemacht hat. Zudem planen wir ein großes Kinderprogramm an den Wochenenden. Das wird richtig schön.

alabama-kino.de

 

Matthias Elwardt, Zeise Open Air

Wir freuen uns, mit dem Zeise Open Air beim „Hamburger Kultursommer“ vertreten zu sein. Es ist großartig, dass die Stadt mit dieser Aktion die Kultur unterstützt, zusammenbringt und fördert. Wir bieten direkt vor unserem Filmprogramm in Kooperation mit der Buchhandlung Christiansen Lesungen sowie ein Kinderprogramm an. Die Lesungen starten um 18 Uhr, das Kinderprogramm um 15 Uhr – unter freiem Himmel im Innenhof des Altonaer Rathaus. Unter anderem sind der Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber („Die Kanditatin“) und Kübra Gümüsay („Sprache und Sein“) mit dabei.

Bei Erfolg – und wenn das Altonaer Rathaus mitspielt – kann man das in Zukunft sicher weitermachen. Das Open-Air Programm bringt frischen Wind in die Literaturszene – und am Abend folgt dann großes Kino.

zeise.de

 

Manja Malz, Metropolis

Wir freuen uns sehr, auch in diesem Jahr den wunderschönen, denkmalgeschützten Innenhof des Museum für Hamburgische Geschichte im Rahmen des Sommernachtskinos bespielen zu können. Nach dem großen Publikumszuspruch im letzten Jahr und dem vielfachen Wunsch der Fortsetzung kuratieren wir erneut gemeinsam mit dem 3001 und dem B-Movie zehn Filmabende für das atmosphärisch sehr besondere Ambiente in der Museumskulisse.

Der Fokus liegt diesmal auf Stummfilmproduktionen der deutschen und internationalen Filmgeschichte, die zum großen Teil von Hamburger Musikern und Musikerinnen live vertont werden. Unsere Stummfilmkonzerte passen somit hervorragend zur Idee des Hamburger „Kultursommer“, Künstlern und Künstlerinnen aus Hamburg (wieder) eine große Bühne zu bieten.

Wir hoffen sehr, dass wir mit den Stummfilmnächten zeigen können, dass diese Kunst- und Erzählform auch 90 bis 100 Jahre später noch überraschend modern sein und begeistern kann. Und natürlich freuen wir uns insbesondere auf das Filmschauen in Gemeinschaft – was sicherlich eine Renaissance und eine ganz neue Konzentration erfahren wird.

metropoliskino.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Hamburg 2040“: Handelskammer Hamburg startet Podcast

„Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“: Der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg

Text: Erik Brandt-Höge

 

Lust auf einen Blick in die Zukunft der Stadt? Kein Problem! „Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“ ist der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg und bietet spannende Gespräche über künftige Herausforderungen. Norbert Aust (Unternehmer und Präses der Handelskammer) und Malte Heyne (Chef der Handelskammer) sind die Gastgeber.

Mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterhalten sie sich über das, was auf Hamburg zukommen könnte – und über dessen Finanzierung. In der ersten Podcast-Folge haben sie einen Gast, der gerade dabei ist, die Zukunft der Stadt vorzubereiten: den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher. Ihre Themen: die Zukunft der Hamburger Innenstadt und des Hafens sowie das Corona-Krisenmanagement des Senats.

Hört hier in die erste Folge rein:


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Anne: „Die Mitte von Konsequenz und Liebe finden“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Anne begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Man sagt ja immer, wenn man die Erfahrung und das Wissen von heute schon ein paar Jahre früher gehabt hätte, dann würde man vieles anders machen. Bei mir ist es ähnlich. Wahrscheinlich hätte ich einige Dinge anders gemacht, gerade in der Erziehung meiner Kinder.

Ich bin sieben Jahre nach Kriegsende geboren, damals bekam ich eine Obrigkeitshörigkeit mit auf den Weg. Dinge wie Ordentlichkeit, Pünktlichkeit, Normalität waren entscheidend. Aber was heißt das denn? Ich habe das erst Jahre später genauer hinterfragt. Als meine Tochter geboren wurde, war ich Ende 20, da kam gerade das “Summerhill”-Modell heraus, die Idee einer antiautoritären Erziehung. Für mich bestand die Aufgabe darin, zwischen Autorität und Antiautorität einen guten Grad zu finden. Die Mitte von Konsequenz und Liebe zu finden. Leider habe ich das nie richtig hingekriegt. Dieses Obrigkeitsgehörige ist ganz stark in mir verwurzelt, ich habe als junge Mutter versucht dagegen anzukämpfen und tue es auch im Alter noch.

Heute ist das Verhältnis zu meiner Tochter sehr gut. Sie lebt mit ihrem Mann und meinem Enkel an der Ostsee. Mein Sohn ist vor drei Jahren gestorben. Er wurde 27.

Ich glaube, ich besitze die Gabe, mich aus Situationen herauszumanövrieren. Diese Zeit war schlimm, aber ich habe sie irgendwie überstanden. Auch weil ich viel gearbeitet habe und weil ich Menschen auf meiner Arbeit Gutes tue und ich mir im Gegenzug genauso. Ich bin Pflegehelferin.

 

Es sind die Berge, nicht die See

 

Ab Januar möchte ich aber erst einmal Pause von allem machen. Meine Schwester lebt in Spanien, unterhalb von Alicante. Dort will ich sie gerne ein paar Monate besuchen, weg von der Arbeit, von Hamburg, von der Familie und einfach mal für mich selbst da sein.

Ich war schon ein paar Mal in Spanien, auch mal in Thailand und in der Türkei. Am besten hat es mir aber tatsächlich im Schwarzwald gefallen. Da hatte ich so ein Gefühl, das ich erst im fortgeschrittenen Alter gespürt habe: Ich bin gar nicht so der See-Typ, obwohl ich aus Hamburg komme, sondern es sind die Berge, die ich noch viel toller finde.

Wenn Herz und Bauch im Einklang sind, dann ist es das richtige Gefühl. Ich habe gelernt, dass im Leben Wendungen kommen, dass man sich aber immer treu bleiben muss, nicht nach dem Wind gehen muss und auch nicht schauen muss, was der und der redet. Meine Erfahrungen und mein Wissen aus 69 Lebensjahren haben mich letztendlich gelehrt: Wenn ich Schuhe brauche und da fünf Paar Schuhe zur Auswahl stehen, dann kaufe ich das Paar, bei dem ich zuerst ein gutes Gefühl spüre.“


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