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„Tour d’Amour“: Kulturbranche sammelt Sachspenden für Moria

Mit der „Tour d’Amour“ kommen Sachspenden in Nightlinern zu Notleidenden nach Moria und Lipa

Text: Anna Meinke

 

Die Kulturbranche steht still – und mit ihr all die Nightliner, Vans und Busse, die auf ihren nächsten Einsatz warten. Doch nun kommt Bewegung ins Spiel: Die Tour d’Amour soll ungenutzte Transportmittel wiederbeleben, um Sachspenden in die Flüchtlingslager nach Moria und Lipa zu bringen.

So wollen die Köpfe hinter Tour d’Amour – mit tatkräftiger Unterstützung durch mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler wie Deichkind, Frittenbude, Thees Uhlmann, Tocotronic und Hundreds sowie in Kooperation mit Initiativen wie LeaveNoOneBehind und dem Hamburger Hilfskonvoi – ein Zeichen für mehr Solidarität setzen und auf die menschenunwürdigen Verhältnisse in den Lagern auf europäischem Boden aufmerksam machen.

 

Hafenklang macht mit

 

Am 27. März öffnen von 12 bis 18 Uhr deutschlandweit sechs Clubs ihre Türen, um die Sachspenden entgegenzunehmen. In Hamburg mit dabei: das Hafenklang. Anschließend werden die Spenden von den Bussen abgeholt, an Organisationen des Bündnisses GrenzenloseHilfe.de übergeben und vom #LeaveNoOneBehind-Netzwerk in die Lager gebracht. Wer Bock hat, die Tour d’Amour zu supporten, kann dies nicht nur mit einer Spende tun. Auch helfende Hände werden dringend gebraucht, um die Busse zu beladen.

tourdamour.eu


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Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg über Corona-Impfungen

Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg ist Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des ifi-Instituts für interdisziplinäre Medizin. Neben der Betreuung seiner Patienten organisiert und moderiert er Kongresse, publiziert Fachbücher, hat an diversen infektiologischen Leitlinien mitgearbeitet und Therapie-Apps für Infektionskrankheiten entwickelt. Ein Expertengespräch

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg, sind Sie schon geimpft?

Prof. Dr. med. Andreas Plettenberg: Nein, leider noch nicht.

Was wäre der Impfstoff der Wahl?

Wahrscheinlich würde ich den Impfstoff von Astra-Zeneca erhalten, weil ich noch unter 65 bin. Wäre ich über 65, würde ich den Impfstoff von Biontech oder Moderna bekommen. Dies hängt allerdings auch von anderen Faktoren wie der Verfügbarkeit oder von Organisationsfragen ab.

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„Hamburg hat es bisher gut gemacht“: Prof. Dr. med. Plettenberg

Gibt es bessere und schlechtere Corona-Impfstoffe?

Alle Impfstoffe sind gut, wobei sie Unterschiede aufweisen. Diese betreffen die Herstellungsweise, die Wirksamkeit, die Nebenwirkungen, die Lagerung, die Impfintervalle und auch die Datenlage der Zulassungsstudien.

In Deutschland sind derzeit zwei sogenannte mRNA-Impfstoffe zugelassen, von Biontech und Moderna. Darüber hinaus ein Vektorimpfstoff, von AstraZeneca. Da die Zulassungsstudien unterschiedlich angelegt waren, sind die Ergebnisse nicht eins zu eins vergleichbar.

Der Impfstoff von Astra-Zeneca ist weniger wirksam und wird bei uns nur bei Personen unter 65 angewendet. Er scheint auch bei der süd-afrikanischen Variante weniger wirksam zu sein. Aber er hat auch Vorteile, zum Beispiel die einfachere Lagerung. Wichtig ist, dass möglichst viele Menschen geimpft werden. Mit welchem Impfstoff, ist dabei zweitrangig.

Gibt es einen besonders vielversprechenden Kandidaten in Erprobung?

Es sind über 150 Corona-Impfstoffe in Erprobung. Wir werden also noch viele Überraschungen erleben. Bei unseren drei bisher zugelassenen Impfstoffen sind immer zwei Impfungen erforderlich. Unter den vielen Kandidaten befindet sich zum Beispiel einer, von Johnson & Johnson, bei dem eine einmalige Impfung ausreichen soll. Es gibt aber daneben auch viele andere interessante Kandidaten.

 

„Viel zu Impfungen geforscht“


War von Anfang an klar, dass man einen Impfstoff findet oder gab es Befürchtungen, dass man nicht impfen kann wie bei HIV?

Für mich war dies nicht von Anfang an klar. Vor allem nicht, dass in so kurzer Zeit so viele Impfstoffe gefunden werden. Ich hatte dabei schon das Beispiel von HIV vor Augen, wo mittlerweile mehr als 20 Jahre nach einem Impfstoff gesucht wird und trotzdem kein wirklich geeigneter verfügbar ist.

Früher dauerte die Entwicklung eines Impfstoffs Jahrzehnte. Warum ging es diesmal so schnell?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal wurde während der letzten zehn Jahre sehr viel zu Impfungen geforscht, unter anderem auch speziell zu Corona-Impfungen, zum Beispiel gegen MERS. Darauf konnte aufgebaut werden. Alle Nationen sind betroffen. Dementsprechend haben sich sehr viele Forschungsgruppen damit beschäftigt und es hat dabei viele internationale Kooperationen gegeben.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass wir uns aktuell mitten in einer Pandemie befinden, also sehr viele Infektionen haben. Um schnell aussagekräftige Daten zu haben, braucht man genau das: viele Probanden und viele Infektionen. Das Zulassungsprozedere durch die Behörden geschah außergewöhnlich schnell und die Finanzen spielen im Vergleich zu anderen Studien eher eine untergeordnete Rolle. All dies zusammen hat dazu geführt, dass so schnell Impfstoffe verfügbar sind.

 

„Den Mutanten kommt eine besondere Bedeutung zu“

 

Kann man Langzeitschäden ausschließen?

Es liegt in der Natur der Sache, je schneller die Impfstoffe zur Zulassung gebracht werden, umso weniger Daten zu Nebenwirkungen liegen vor. Insbesondere mögliche Langzeitnebenwirkungen können noch gar nicht bekannt sein. Wichtig dabei ist, dass die Probanden, die an den Studien teilgenommen haben, anschließend über Jahre nachbeobachtet werden. Das Wissen um Nebenwirkungen wächst also ständig.

Das Entscheidende für mich ist, dass unter dem Strich die positiven Effekte einer Impfung mögliche negative Effekten überwiegen.

Es gibt jede Menge Impfmythen: Gefahr für Allergiker, mRNA-Impfstoffe verändern die DNA, Impfungen sind toxisch. Was ist da dran, womit muss dringend aufgeräumt werden?

Dazu könnte ich ganz viel sagen, wobei wohl Zeit und Platz in ihrer Zeitschrift fehlt. Um es kurz zu sagen: Es gibt jede Menge Fehlinformationen im Netz.

Welche Rolle spielen Mutationen?

Den Mutationen kommt in der Tat eine besondere Bedeutung zu. Mutationen der Viren können dazu führen, dass sich die Eigenschaften der Viren ändern und dass Impfstoffe weniger wirksam werden. Aber, auf der anderen Seite, können Impfstoffe auch entsprechend angepasst werden.

Was würden Sie Impfgegnern gern mal sagen?

Es sind schon so viel Menschen auf der Welt an Corona verstorben, dass allein dadurch viele Argumente der Coronaverleugner und Impfgegner widerlegt sind. Wir können die Pandemie nur besiegen, wenn wir lernen und unser Wissen gezielt einsetzen. Vor allem ist dabei Verstand und Objektivität gefordert. Emotionen aus dem Bauch heraus verhindern den klaren Blick dafür, was erforderlich ist und helfen kann.

Warum gibt es bei Masern eine Impfpflicht, bei Corona nicht?

Bei Masern ist die Situation eine andere, die Infektion gibt es schon ganz lange und ebenso die Impfstoffe. Und es gibt bei Masern auch keinen generellen Impfzwang, sondern nur für bestimmte Gruppen. Für Corona hat Bundesgesundheitsminister Spahn eine Impfpflicht ausgeschlossen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es dazu noch erneut zu Diskussionen kommen wird, zum Beispiel zu einer Impfpflicht für bestimmte Gruppen. Zunächst wird aber abzuwarten sein, wie viele sich überhaupt freiwillig impfen lassen.

 

Der Katalog der Reihenfolge

 

Senioren werden zuerst geimpft. Warum impft man nicht zunächst junge Menschen, die mobiler sind?

Die Senioren werden zunächst geimpft, da bei Ihnen die Infektionen viel schlimmer verlaufen und deutlich mehr daran versterben.

Welche Kriterien entscheiden, in welcher Reihenfolge geimpft wird?

Da haben viele Spezialisten zusammengewirkt und unter Berücksichtigung vieler Kriterien den Katalog der Reihenfolge festgelegt. Ich glaube, es geht in erster Linie darum, bei begrenzten Impfstoffmengen einen möglichst großen Nutzen durch die Impfungen für die Gesellschaft zu erzielen.

Warum nicht schnell viele Menschen einmalig mit geringerem Schutz impfen statt langsamer mit zwei Impfungen?

Wichtig ist vor allem, dass ein möglichst anhaltender Impfschutz erzeugt wird. Wenn dafür zwei Impfungen erforderlich sind, sollte auch zweimal geimpft werden. Anderenfalls wäre der positive Effekt der Impfungen schnell verpufft und damit ist uns nicht geholfen.

Wann wird es genügend Impfstoff für alle geben?

Ich kann leider nicht in die Zukunft sehen. Wenn alles gut läuft, sollten im Laufe des zweiten Halbjahres alle Impfwilligen in Deutschland geimpft werden können. Dies hängt aber von vielen Faktoren ab, die wir noch nicht alle überblicken.

Wird es irgendwann möglich sein, sich beim Hausarzt impfen zu lassen?

Ich gehe davon aus, dass, wenn mehr Impfstoff verfügbar ist, auch Hausärzte impfen werden. Sicher nicht alle, aber einige.

Wie denken Sie über Erleichterungen für Geimpfte?

Eine schwierige Frage, die Gegenstand kontroverser Diskussionen ist. Aktuell halte ich nichts davon. Voraussetzung für Erleichterungen müsste sein, dass ausreichend Impfstoffe für alle Impfwilligen verfügbar sind. Ansonsten würden mögliche Erleichterungen die gesellschaftliche Solidarität gefährden. Es müsste unter anderem auch geklärt sein, dass Geimpfte die Infektion nicht in nennenswertem Maße weitergeben. Ich denke, es ist für diese Diskussion einfach noch zu früh.

 

„Hamburg hat es unter dem Strich bisher gut gemacht“

 

Tragen reiche Länder wie Deutschland Sorge, dass auch ärmere Länder zu ihrer Impfung kommen?

Die Pandemie betrifft den gesamten Globus und wir werden sie nur besiegen können, wenn alle Länder an einem Strang ziehen. Insofern ist es für die reichen Länder sehr wichtig, dass auch in den ärmeren Ländern geimpft wird.

Wie ist Hamburg aufgestellt?

Es ist organisatorisch sehr schwierig, eine ganze Großstadt zu impfen. Ich finde, Hamburg hat es unter dem Strich bisher gut gemacht.

Was waren die größten Erfolge in der Impfgeschichte? Was die größten Fehlschläge?

Der größte Erfolg war für mich 1980 die Ausrottung der Pocken. Der größte Fehl- schlag? Für mich persönlich Impfungen gegen HIV, wobei unsere Einrichtung selber an vielen Studien teilgenommen hat. Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung steht weiterhin kein Impfstoff zur Verfügung.

Hat Sie der Siegeszug von Corona überrascht?

Nein, eigentlich nicht. Dass irgendwann eine Pandemie mit irgendeinem Erreger auftreten wird, war schon lange zu erwarten. Meine Befürchtung war, dass dies ein Virus mit höherer Sterblichkeit sein wird, was noch um ein Vielfaches schlimmer sein könnte.

 

Ein schwieriger Job

 

Ist vorstellbar, dass mal ein Virus kommt, der ansteckend ist wie Corona und tödlich wie Ebola?

Leider ja, dies ist möglich. Ich hoffe, dass ich dies nicht erleben werde.

Wird die Pandemie jemals enden oder alljährlich wie bei der Grippe eine Corona-Saison kommen?

Das kann heute noch niemand absehen. Es ist wahr- scheinlich, dass wir in Zukunft mit diesen Viren leben müssen, wie wir auch mit anderen Coronaviren leben. Ich hoffe, dass nicht jedes Jahr neu geimpft werden muss. Dies hängt unter anderem davon ab, was bei den Mutationen noch alles passiert.

Wie finden Sie das Pandemie-Management des Gesundheitsministers?

Ein sehr schwieriger Job. Ich finde, er hat es bisher gut gemacht. Es ist immer einfach, Kritik zu üben. Es dürfte schwierig sein, es besser zu machen.

ifi-medizin.de


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Corona-Rückblick: Was bisher geschah

Zwölf Monate Corona liegen hinter uns – und damit allerhand pandemisches Stadtgeschehen. Wir fassen einmal per Fotostrecke zusammen

Texte: Marco Arellano Gomes, Ulrich Thiele, Erik Brandt-Höge
Fotos: SZENE HAMBURG

 

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April
Ab 27. April 2020 gilt: Wer in den Öffis und im Einzelhandel unterwegs ist, muss eine Maske tragen. Genauer: eine Mund-Nasenbedeckung. Seitdem hängen die Stofffetzen, die das Infektionsgeschehen eindämmen sollen, in selbst genähten Varianten in jedem Kiosk. So weit, so gut. Allerdings führte der Erlass der Gesundheitsbehörde bei einigen Bürgern zu, nun ja, eigenwilligen Interpretationen. Während sich manche auf grobgestrickte Wollschals mit münzgroßen Luftlöchern verließen, vergaßen andere einfach mal die „Nasen“ in Mund-Nasenbedeckung. Erst seit 22. Januar dieses Jahres wurde dem ein Ende bereitet, als das Tragen von medizinischen Masken Pflicht wurde.

 

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Mai
Im Mai 2020 war – wie in fast allen Monaten des Jahres – nicht nur sprichwörtlich alles neu. Trotz des Topwetters gab es keine großen Open-Air- Sausen, keine Grillerei in XXL-Runde, ja schlichtweg nichts, was mit großen Menschenansammlungen zu tun haben könnte. Immerhin: In kleinen Grüppchen und mit Abstand ließ sich die Sonne noch genießen, so wie hier an der Alster nahe des Winterhuder Fährhauses.

 

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August
Im August war eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Erstmals war es wieder möglich, Veranstaltungen zu besuchen. Die obligatorischen Masken durften am Platz sogar abgenommen werden, wie hier bei einer Filmvorführung historischer Hamburg-Werbefilme aus den 1920er Jahren mit dem Titel „Roaring Twenties“ im überdachten, aber luftdurchlässigen Hof des Museums für Hamburgische Geschichte. Im Rückblick zeigten Abende wie dieser, wie sehr es den Menschen fehlt zusammenzukommen, um gemeinsam etwas zu erleben.

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September
„Was wir fürs Reeperbahn Festival vorbereitet haben, ist sehr vernünftig“, so RBF-Geschäftsführer Alexander Schulze im Vorfeld des Club- Festivals, das vom 16. bis 19. September stattfand – dank eines tatsächlich ziemlich ausgeklügelten Sicherheits- und Hygienekonzepts. In kurz: Weniger Besucher, die sich überall ein und auscheckten, sich die Hände desinfizierten und Abstand hielten.

 

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November
2. November: Der zweite Teil-Lockdown mit Schließungen in Gastronomie und Kultur beginnt. Clubs, die mit mühevoll erarbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzepten im August wieder eröffnet hatten, müssen nun wieder alles runterfahren. Acht Wochen lang hatte etwa der Nochtspeicher Konzerte vor einem sitzenden Publikum von 60 Personen veranstaltet – jede Show war ausverkauft. Rentiert hat sich das nicht, doch Nochtspeicher-Chef Constantin von Twickel ging es vor allem darum, endlich wieder Kultur stattfinden zu lassen. „Das zeigt das große Interesse an Kunst und Kultur, das Vertrauen in uns und den Bedarf daran! Kultur ist lebenswichtig und Balsam für die Seele“, resümierte der Club auf seiner Facebook-Seite einen Tag vor dem erneuten Lockdown.
Andere Clubs haben gar nicht erst wiedereröffnet. Für Logo-Geschäftsführer Eberhard Gugel zum Beispiel kam es überhaupt nicht in die Tüte, Konzerte unter Pandemie-Bedingungen wieder stattfinden zu lassen. „Rock ’n’ Roll und Sitzplätze – das passt für mich nicht zusammen“, sagte er damals SZENE HAMBURG im Interview. Dank Spenden, Überbrückungshilfen und Rücklagen können Clubs wie das Logo überleben, aber wie lange noch gespendet wird und der Staat einspringt, steht in den Sternen. „Ich glaube, wenn im Laufe des nächsten Jahres kein Impfstoff gefunden wird, dass man sich von Clubkonzerten ernsthaft verabschieden muss“, sagte Gugel im November. Also, 2021: Let there be Impfstoff!

 

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Februar 2021
Plötzlich Sonne, über 15 Grad, bestes Shoppingwetter – aber es gibt keine Shoppingmöglichkeiten. Die City ist dicht. Menschenleer. Während an Nicht-Corona-Samstagen die Läden gestürmt werden, bleiben sie an diesem, Ende Februar, komplett leer. Eine Geisterstadt, möchte einer meinen, der aus einer fernen Galaxie eingeflogen kommt. Leider normal derzeit, wissen Hamburger. Der Einzelhandel muss weiterhin auf Kundschaft warten.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Soul Pauli: Scannen gleich Wissen

Das Fotoprojekt „Soul Pauli“ fokussiert sich auf Hamburger Kultgebäude, setzt sie in den Mittelpunkt und guckt mit mal kurzen und mal längeren Geschichten hinter die Fassaden

Text: Erik Brandt-Höge

 

Was die drei Hufeisen über Rosi’s Bar auf dem Hamburger Berg bedeuten? Sie stehen für den ursprünglichen Namen der quietschblau angepinselten Kult-Kneipe: Zu den drei Hufeisen. Unter eben diesem übernahm sie Rosi 1969. Das erfährt man im Rahmen der Fotoausstellung „Soul Pauli – The Corona Friendly Exhibition“ ebenso wie die Geschichte, wie es zur Umbenennung der Bar kam. Dabei hatten ein paar nicht völlig unbekannte englische Musiker ihre Finger im Spiel.

„Soul Pauli“ liefert aber nicht nur gute Stories über Rosi’s, sondern auch über allerhand andere Bars, Clubs und Plätze auf St. Pauli. Molotow, Zur Ritze, Zum Goldenen Handschuh, Jolly Roger, Gruenspan, Seute Deern’s, Park Fiction: Wurden alle geknipst und per Mini-Porträt an der jeweiligen Hauswand verewigt. Dazu steht immer ein QR-Code, der spannende Hintergrund-Infos über die Location verspricht. Und wer gerade keine Lust auf St. Pauli-Schlenderei hat, kann sich alles auch virtuell von der Couch aus angucken. Die Ausstellung geht bis zum Ende des harten Lockdowns, ist umsonst und beinhaltet eine Spendenaktion unterhalb der Bilder.

soul-pauli.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hotels for Homeless: Es reicht (nicht)!

Seit Monaten setzen sich Hamburger Sozialprojekte für die Unterbringung von Obdachlosen in leer stehenden Hotels ein. Die zivilgesellschaftlichen Aktionen haben Vorbildcharakter, trotzdem verweigert sich der Senat dem Konzept

Text: Ulrich Thiele

 

Fünf tote Menschen, das muss ein Fanal sein. Das Jahr hat gerade erst angefangen, und seit Silvester sind binnen einer Woche fünf Obdachlose auf der Straße gestorben. „Es reicht!“-Stimmung liegt in der Luft, als sich Sozialarbeiter von „Hinz&Kunzt“ und der Diakonie an diesem Mittwoch Anfang Januar am Jungfernstieg versammeln, um mit einer Mahnwache an die Verstorbenen zu erinnern.

Es ist kalt, eben hat es noch gehagelt. Eingepackt in dicke Jacken, Schals und Mützen stehen sie in Sichtweite zum Rathaus, in dem gerade die Hamburgische Bürgerschaft tagt. Die Botschaft der Demonstranten steht auf einem Banner: „Open The Hotels“. „Hinz&Kunzt“-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer spricht eindringliche Worte in die Mikrofone der Journalisten. Wütend sei ein falscher Ausdruck für seine Stimmung, sagt er, er sei sprachlos, „weil das nicht mehr beschreibbar ist, wie dramatisch die Situation der Wohnungslosen ist. Wir sehen das Elend auf der Straße und dass mehr getan werden muss. Wenn die Sozialbehörde das einfach verneint, dann verstehe ich das nicht.“ Das Ergebnis habe man seit Silvester gesehen, dabei war es zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal richtig kalt. „Ich habe große Befürchtungen, dass noch weitaus mehr Menschen auf der Straße sterben, wenn die Temperaturen weiter sinken.“

Karrenbauer fordert schnelle Unterstützung. Die wäre möglich, da fast alle Hotels in Hamburg leer stehen. Die Zivilgesellschaft hat es vorgemacht: Für 120 Obdachlose wurden diesen Winter Hotelzimmer organisiert. Bei 2.000 Obdachlosen in Hamburg plus einer Dunkelziffer von ungefähr 1.000 ist das zwar nur ein Bruchteil, aber die Aktion hat Vorbildcharakter. „Wer erlebt, wie schnell die Menschen sich dort erholen, wie wichtig es für sie ist, zur Ruhe kommen zu können und dadurch auch eine Genesung zu erfahren – der kann das nur unterstützen.“ Warum die Stadt dies nicht tue, sei ihm unverständlich.

 

Projekt mit Modellcharakter

 

Die fundamentale Wirkung der Hotelunterbringung kann Nikolas Migut von StrassenBLUES e. V. nur bestätigen. Er ist der Initiator des Bündnisses „Hotels für Homeless“. Zusammen mit anderen gemeinnützigen Organisationen will StrassenBLUES 20 Menschen sicher durch den Winter bringen. Seit dem 9. November läuft die Aktion, die am 30. April endet. „Wir spüren, hören und sehen eine große Dankbarkeit bei den Menschen. Für sie ist die Aktion ein Sprungbrett, um in ihrem Leben neu anzufangen“, sagt Migut im Zoom-Interview.

Die Menschen sind in einem Hotel oder Hostel in Einzelzimmern untergebracht, werden mit Essen, Hygieneartikeln, Wäschegeld versorgt und sowohl medizinisch als auch persönlich betreut. Zudem bekommen sie Handys, um in Zeiten des Lockdowns Kontakt zur Außenwelt halten zu können. Das Hilfsangebot zielt darauf ab, die Menschen aus der Obdachlosigkeit zurück in die Gesellschaft zu führen. Viele haben keinen Personalausweis oder sind nie zur Behörde gegangen, um ALG II zu beantragen. Das wird nun nachgeholt.

Die ersten Monate wurden zum Zur-Ruhe-Kommen und zum Anschieben des Prozedere genutzt. Es galt, zu prüfen, wer überhaupt arbeitsfähig ist. Im Januar ist dann die Arbeits- und Wohnungssuche losgegangen. Nach zwei Monaten im Hotel hat kürzlich einer von ihnen eine eigene Mietwohnung gefunden. „Das ist ein absoluter Erfolg für uns“, freut sich Migut. Ein Erfolgserlebnis anderer Art gab es auch: Paddys Einzug ins Hotel wurde filmisch begleitet und ist auf der StrassenBLUES-Homepage zu sehen. Seine Ex-Freundin hat das Video gesehen und ihn kontaktiert – inzwischen sind sie wieder ein Paar.

 

Im Büro der Sozialsenatorin

 

Nikolas Migut und sein Team kümmern sich auf unterschiedlichen Ebenen. In der Vergangenheit haben sie zum Beispiel Geburtstags- und Weihnachtsfeiern organisiert und bringen so immer wieder Menschen mit und ohne Obdach auf Augenhöhe zusammen. Als Corona anfing, um sich zu greifen, war der Verein sehr schnell mit immer neuen Ideen am Start, um die Menschen auf der Straße zu unterstützen. Als der erste Lockdown im März kam, den Obdachlosen die Spenden von Passanten und die Pfandflaschen fehlten, startete StrassenBLUES spontan die Aktion StrassenSPENDE – Ehrenamtliche verteilten über 25.000 Euro Bargeld in 20-Euro-Scheinen sowie Supermarktgutscheine an Obdachlose auf der Straße. Gleichzeitig startete ein Crowdfunding, mit dem sie in kurzer Zeit 150.000 Euro sammelten und direkt für obdachlose Menschen auf der Straße einsetzten. Unter anderem verwendeten sie die Spenden für die Aktion StrassenSUPPE, die eine Woche später, am 24. März, folgte: TV-Koch Tarik Rose vom Restaurant Engel kochte und die Kollegen von recyclehero lieferten die Suppen mit ihren Lastenrädern direkt an Obdachlose aus. „Die Obdachlosen hatten Tränen in den Augen“, sagt Migut.

Bereits im April erkannte Migut, dass „Hotels for Homeless“ eine kurzfristige Lösung sei. Um das dafür notwendige Geld zu bekommen, initiierte Strassen- BLUES eine Forderungsaktion: Sie listeten auf ihrer Homepage Städte auf, die im Bereich der Hotelunterbringung aktiv waren, nannten die verantwortlichen Politiker unter anderem aus Hamburg mit dem Appell, sie zu kontaktieren und auf die Hotelunterbringung hinzuweisen. Und sie fertigten Papp-Plakate für die Obdachlosen an – die daraus entstandenen Schwarz-Weiß-Fotos gingen viral.

Nur: Die Stadt reagierte nicht. „Die Sozialbehörde hat die Hotelunterbringung von Anfang an als nicht nötig empfunden“, sagt Migut. Dabei sei sie nicht nur sinnig, sondern auch günstiger als das Winternotprogramm: Zwischen 20 und 30 Euro pro Zimmer koste eine Hotelunterbringung. „Die Argumentation der Sozialbehörde, dass man sich zuerst um den Erfrierungsschutz kümmern muss, ist falsch. Dass Erfrierungsschutz und Infektionsschutz zusammengehören, haben die bis heute nicht verstanden.“

Obwohl der Senat im April nicht auf Miguts Forderungen einging, zeichnete er StrassenBLUES im August mit dem Annemarie Dose Preis für innovative Engagement- Projekte aus. Dadurch hatte Migut die Gelegenheit, eine Stunde lang mit Sozialsenatorin Melanie Leonhard in ihrem Büro zu sprechen. Volker, ein Obdachloser (lesen Sie das Porträt auf S. 36), war mit dabei und brachte die UN-Menschenrechtscharta mit, die ein Recht auf Wohnen festlegt. Er schob sie zu Leonhard rüber und sagte: „Hier, lies das mal.“ Was folgte, war, laut Migut, eine harte, leidenschaftliche, aber auch lösungsorientierte Diskussion. Auch die Wahlversprechen der rot-grünen Koalition im Januar sprach Migut an. Dazu gehört „Housing First“, das aber „in der Finanzplanung der Stadt für 2021 und 2022 überhaupt nicht mitgedacht ist“. Leonhard sei nicht darauf eingegangen, habe nur betont, dass der Senat nun etwas für psychisch erkrankte Obdachlose tue.

 

Langfristige Planung

 

Das Prinzip „Housing First“ ist eine Alternative zum Programm der Notunterkünfte und setzt auf eine bedingungslose Unterbringung von obdachlosen Menschen. Die EU will damit bis 2030 Obdachlosigkeit gänzlich abschaffen. Trotzdem käme von den Städten nichts, so Migut, sie sagten nur, es bräuchte ein Modellprojekt. „Wir gehen das jetzt an, denn mir reicht es!“ Zusammen mit ausgewählten Experten will StrassenBLUES ein langfristiges Konzept erarbeiten, das auf drei Säulen aufbaut: Wohnen, Arbeit, Integration.

Der erste Schritt ist getan: Eine Projektstelle konnte durch Spenden finanziert werden. Jetzt sucht Migut Experten, die bei der Konzepterarbeitung mithelfen. „Mein Wunsch ist, dass wir Wohnungen nicht anmieten, sondern kaufen oder bauen und die Menschen in unseren eigenen Wohnungen unterbringen“, sagt Migut. In großem Maße dürfte das schwierig werden, aber man könne ja klein anfangen. Dafür vernetzt er sich deutschlandund weltweit mit Akteuren – auch mit dem schottischen Sozialunternehmer und „Social Bite“-Gründer Josh Littlejohn will er Kontakt aufnehmen. Littlejohn hat bereits ein Konzept in die Wege geleitet, dass obdachlose Menschen für 18 Monate unterbringt und in den Arbeitsmarkt überführt. „Hotels for Homeless“ ist eine kurzfristige Aktion für fünf Monate, „Housing First“ ist ein Projekt über Jahre.

 

A Change is gonna come

 

Auf die fünf auf der Straße verstorbenen Menschen angesprochen, macht Migut eine Pause. „Es ist schade, dass obdachlose Menschen keine Lobby haben. Und es scheint, dass die Gesellschaft einfach akzeptiert, dass Menschen im Winter auf der Straße sterben.“ Auch bei ihm: „Es reicht!“-Stimmung. „Ich bin es leid, mir anzusehen, dass für obdachlose Menschen in Hamburg zu wenig gemacht wird. Man fühlt sich ein bisschen ohnmächtig. Aber um es positiv zu formulieren: Es gibt Lösungen. Die kosten Zeit, Geld und Energie, aber es gibt sie.“ Dazu gehöre, das Winternotprogramm neu zu denken, in dem Gewalt herrscht, die Menschen ständig andere Zimmer haben und perspektivlos bleiben. „Wir als Gesellschaft müssen uns daran messen lassen, wie wir mit den Schwächsten umgehen. Und da hat Hamburg bisher ganz klar versagt.“

Was sich bisher zum Guten verändert hat, weiß Stephan Karrenbauer, der seit 30 Jahren als Sozialarbeiter in der Stadt unterwegs ist. „Als ich damals anfing, hatten wir noch die Bibby Altona unten am Hafen. Ein Schiff, das die Stadt mit Obdachlosen vollgestopft habe. Ich kenne noch die Unterbringung in einem Bunker unter dem Hauptbahnhof, ohne Fenster und Türen, mit Vorhängen vor den Toiletten. Ich kenne noch Winternotprogramme, da haben sie in den Wänden Lüftungslöcher durchgebohrt, damit Frischluft reinkommt. Das alles wurde skandalisiert und kam nie wieder. Es verändert sich jedes Jahr etwas. Man muss den Finger immer wieder in die Wunde stecken – sonst hat man aufgegeben und das tue ich nicht.“

strassenblues.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Open-Air-Kino: Schanzenkino vor dem Aus?

Das Bezirksamt Altona könnte nach einer Vorlage der Grünen das Sponsoring im Schanzenpark komplett untersagen. Damit fiele eine wichtige Finanzierungsquelle des Veranstalters weg. Droht das Ende des Schanzenkinos?

Text: Marco Arellano Gomes

 

Man stelle sich vor, es ist Sommer, aber das Schanzenkino ist weg. Dieses vor Kurzem noch undenkbare Szenario könnte dieses Jahr Wirklichkeit werden, denn aufgrund eines Antrags der Grünen plant das Bezirksamt Altona Sponsoring in Parkanlagen gänzlich zu untersagen.

Zwar gilt in öffentlichen Parkanlagen seit einer Verordnung von 1975 grundsätzlich die Regel der Werbefreiheit, doch für das Open-Air-Kino im Schanzenpark gab es seit knapp 20 Jahren von Jahr zu Jahr eine Ausnahmeregelung seitens der Bezirksverwaltung. Eine solche Ausnahmeregelung ist in der entsprechenden Verordnung auch explizit vorgesehen.

 

Wirtschaftliches Überleben

 

Für 2021 sieht die Beschlussvorlage der Grünen jedoch vor, die Ausnahmegenehmigung nicht mehr zu erteilen. Das hätte gravierende Folgen für das Schanzenkino. „Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf reichen nicht aus, um die Kosten zu decken“, betont Dirk Evers, Betreiber von der Outdoor Cine GmbH. Die Entscheidung würde das Aus für das Open-Air-Kino bedeuten – und das „in einer Zeit, wo die Kino- und Veranstaltungsbranche um das wirtschaftliche Überleben kämpft“.

Etwa 20.000 Besucher finden sich Jahr für Jahr im Schanzenpark unter dem Sternenhimmel wieder, um gebannt auf die Leinwand zu schauen und bei einem guten Film den Feierabend oder das Wochenende zu genießen. Damit könnte bald Schluss sein. Für viele ist das ein Horror-Szenario. Denn das Schanzenkino ist eine Veranstaltung mit Kultcharakter – mit dem Angebot vom Blockbuster bis zu Independentfilmen.

Das Open-Air-Kino „finanziert sich ohne jede Förderung der öffentlichen Hand komplett aus Abendkasseneinnahmen und Sponsorengeldern“, sagt Evers. „An guten Tagen decken die Erlöse des Ticketverkaufs alle Kosten, doch bei schlechtem Wetter sieht es anders aus“. Diese Lücke würde durch die Sponsoren- und Werbegelder in Höhe von 80.000 Euro gefüllt. Allein mit der Werbung auf der Leinwand – die dem Beschluss zufolge noch immer erlaubt wäre – kann dies nicht gegenfinanziert werden. Es drohten drastische Erhöhungen der Ticketpreise – was von den Besuchern wohl kaum auf Akzeptanz stieße.

 

Kein Verständnis

 

Nach Angaben des Betreibers wird die Außenwerbung tagsüber ohnehin mit Planen abgedeckt und nur unmittelbar vor den Aufführungen sichtbar gemacht. Evers hat daher kein Verständnis für die Entscheidung des Bezirksamts. „Ich bin entsetzt. Der Film- und Kinokultur wird ein weiterer, diesmal bürokratischer Knüppel zwischen die Beine geworfen, der ihr Überleben zusätzlich gefährdet.“

Evers vermutet, dass es auch mit dem Disput im vergangenen Jahr bezüglich des Autokinos auf der Trabrennbahn zwischen ihm und der derzeitigen Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) zusammenhängen könnte. Im vergangenen Sommer wurden die Grünen von einer Mehrheit von SPD, CDU, FDP und Linken überstimmt. Das Autokino durfte betrieben werden. Ist das nun die Retourkutsche? Evers gibt zu, dass es sich um eine reine Spekulation handelt.

Die Zukunft des Open-Air-Schanzenkinos ist nun jedenfalls offen. Evers plant bereits Aktionen, um das Überleben des Open-Air-Kinos zu sichern und hofft auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung und eine Stellungnahme seitens der Hamburger Behörden, insbesondere der Kulturbehörde.

Am Donnerstag, 14. Januar,  kommt der Hauptausschuss im Bezirksamt Altona zusammen. Auf der Tagesordnung stehen auch die „Veranstaltungen in Grünanlagen“. Dort werden die bis Ende vergangenen Jahres eingegangenen Konzepte für die Nutzung der Parkflächen im Schanzenpark im Sommer 2021 besprochen. Für das Freilichtkino gibt es auch einen weiteren überraschenden Bewerber: Das 3001 Kino aus der Schanzenstraße. Das will wohl gänzlich ohne Sponsoring auskommen. Die Entscheidung, welcher Veranstalter den Zuschlag für das Freiluftkino erhält, ist offen.


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Große Empörung: Hermes Fulfilment entlässt Mitarbeiter

Die Otto Group entlässt im kommenden Jahr 840 Mitarbeiter ihres Tochterunternehmens Hermes Fulfilment in Bramfeld und stärkt die Standorte in Polen und Tschechien. Die Empörung ist groß, der Zeitpunkt ungünstig und die Politik beschwichtigt

Text: Marco Arellano Gomes

 

In der griechischen Mythologie gilt Hermes als Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute, und sogar – man höre und staune – der Diebe. Schutzgott der Logistik-Beschäftigten ist er hingegen nicht. Mitten in einer Zeit, in der es gilt, den Coronabedingten wirtschaftlichen und sozialen Härten durch Solidarität zu begegnen, gibt die Otto Group – eines der größten und einflussreichsten Unternehmen Hamburgs (Umsatz: 14,3 Milliarden Euro) – bekannt, dass 840 Mitarbeiter beim Tochterunternehmen Hermes Fulfilment in Bramfeld entlassen werden.

Also: alle. Ab kommendem Jahr werden die zurückgesendeten Waren aus Europa ausschließlich zu den Retourbetrieben in Lodz (Polen) und Pilsen (Tschechien) gefahren. Dort werden die Rücksendungen in Zukunft angenommen, ausgepackt, geprüft, gereinigt, eingepackt und weiterverkauft. Die Beschäftigten in Bramfeld hingegen verlieren im Herbst 2021 ihren Job. Für viele bedeutet das den direkten Übergang in die Arbeitslosigkeit. Die aus etwa 69 Nationen stammenden, überwiegend weiblichen Mitarbeiter fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Das ist Social Distancing der etwas anderen Art.

 

„20 Jahre Arbeit. Belohnung: Kündigung“

 

Am Montag, den 14. September, elf Tage nach der Bekanntgabe der Entscheidung, gingen knapp 200 Mitarbeiter in ihrer Mittagspause mit gelben Warnwesten vor der Konzernzentrale auf die Straße, um ihrem Ärger Luft zu machen. Sie hielten Schilder hoch, auf denen Sätze zu lesen waren wie: „20 Jahre Arbeit. Belohnung: Kündigung“, „Wie Müll entsorgt, danke Otto“, und „Otto – fand ich gut.“ Sie schlugen auf Trommeln und Plastikkübeln rhythmisch ihren Frust heraus. Auf die üblichen Trillerpfeifen wurde aufgrund der Maskenpflicht verzichtet.

Unter den Demonstrierenden war auch Dirk Schmidt, Betriebsratsvorsitzender bei Hermes Fulfilment: „Wir wollen ein Zeichen setzen und fordern den Vorstand der Otto Group auf, den Beschluss für das Aus des Retour- Betriebs in Hamburg zurückzunehmen.“, sagte er gegenüber dem NDR. „Die Otto Group spart jetzt richtig Geld, den Preis müssen wir, die alles mit aufgebaut haben, mit unseren Arbeitsplätzen bezahlen. Das passt nicht zu den Werten dieses Familienunternehmens. Tradition, Treue, Verbundenheit und Wertschätzung werden mit Füßen getreten.“

Heike Lattekamp, Verdi-Landesfachbereichsleiterin für Handel, pflichtet ihm bei: „Wir sind entsetzt und empört über das Verhalten des Unternehmens. Otto betont immer seine soziale Verantwortung. Davon ist jetzt nichts zu sehen. 840 Beschäftigte und ihre Familien sind in ihrer finanziellen Existenz bedroht.“ Die Mitarbeiter hatten seit 2006 Gehaltseinbußen in Höhe von zwölf Prozent hingenommen, um ihre Arbeitsplätze in Hamburg zu halten, erklärt Verdi in einer Mitteilung. Die nun verkündete Entscheidung fühle sich für die Betroffenen an wie eine unverschämte Retour-Kutsche.

 

Der Standort ist schon länger nicht rentabel

 

„Alle sind schockiert und traurig“, berichtet Olaf Brendel, Mitarbeiter bei Hermes Fulfilment, Mitglied im Hermes Europe Aufsichtsrat und bis vor Kurzem Vertreter der Arbeitnehmerschaft im Otto Aufsichtsrat. „Viele unter ihnen haben eine sehr lange Betriebszugehörigkeit. Fast die Hälfte der Belegschaft sei über fünfzig.“ Der Kommunikations-Chef der Otto Group, Thomas Voigt, verweist darauf, dass der Standort schon länger nicht mehr rentabel sei und alle namhaften Konkurrenten ihre Retouren in Osteuropa bearbeiten ließen. Es gehe darum, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Konkurrenz im internationalen Onlinegeschäft sei beinhart.

Schon heute lasse Otto zwei Drittel aller Retouren nach Lodz und Pilsen senden. Der Zeitpunkt mag angesichts der Corona-bedingt guten Auftragslage zwar ungünstig erscheinen, aber Voigt weist darauf hin, dass das Plus an Aufträgen in den vergangenen Monaten auch zusätzliche Kosten verursacht habe und zeitlich begrenzt sei. Der Konzern rechnet damit, dass die Wirtschafts- krise sich bald negativ auf den privaten Konsum auswirken wird. Auf die Vorwürfe, unsozial zu sein, entgegnet der Kommunikations- Chef, dass es die Aufgabe eines Unternehmens sei, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern.

„Sozial ist, was Arbeit schafft“, so Voigt. Es scheint bloß keine Rolle mehr zu spielen, wo. Einen Sozialplan, mögliche Abfindungen, Optionen zur Weiterbeschäftigung und Vorruhestand-Regelungen für einige der Mitarbeiter könnten durchaus Teil der Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung sein. Voigt möchte da aber „nicht vorgreifen“. Die Otto Group bemühe sich selbstverständlich darum, die Folgen abzumildern, versichert er. Es klingt, als sei die Entscheidung selbst unverrückbar. Die „Bearbeitung retournierter Waren steht in einem ganz besonders intensiven Wettbewerbsumfeld“, heißt es in der Pressemitteilung der Otto Group.

Das mag stimmen, es stimmt bald aber auch für die 840 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich nach einem neuen Job umsehen werden müssen – mitten in einer Krise, mit Wirtschaftsprognosen, die milde formuliert bescheiden ausfallen. Viele Unternehmen haben derzeit geringen bis keinen Anreiz, Mitarbeiter einzustellen. Einem Großteil dürfte es nicht nur schwerfallen, sondern geradezu unmöglich sein, überhaupt eine Weiterbeschäftigung zu finden.

 

„Stück für Stück unsozialer“

 

Olaf Brendel hat wenig Verständnis für die Entscheidung: „Die Bearbeitung einer Retoure in Hamburg habe eine bis zu zwei Tage kürzere Laufzeit. Er sehe inzwischen keinen Unterschied mehr zwischen Otto und Wettbewerbern wie Amazon und Zalando. Es zählt nur noch jeder gesparte Cent beim Personal. Ist das der Maßstab für das Familienunternehmen mit sozialer und ökologischer Tradition? „Vielleicht habe die Entscheidung mehr mit dem Verhältnis von Eigenkapitalquote und Verschuldung zu tun“, vermutet Brendel.

Das Portfolio sei viel zu spät gereinigt, Projekte im Ausland seien halbherzig und auf Schulden eingegangen worden – und sollen nun wohl durch die Vernichtung von Arbeitsplätzen in Deutschland wieder wettgemacht werden. Der Konzern werde „Stück für Stück unsozialer“, so Brendel. Dann zitiert er eine Kollegin: „Werner Otto würde sich im Grab umdrehen.“ Sein Mandat im Aufsichtsrat habe er aus Protest an Dr. Michael Otto zurückgegeben. Dem Betriebsrat der Otto Group gehöre er nicht mehr an. Er wurde dort freigestellt. Er erkenne das Unternehmen nicht mehr wieder.

Auch die Politik meldet sich auf Anfrage von SZENE HAMBURG zu Wort: „Der Verlust von Arbeitsplätzen ist immer schmerzlich“, so Wirtschaftssenator Michael Westhagemann. „Die Otto Group hat zugesagt, gemeinsam mit dem Betriebsrat die Folgen für die betroffenen Beschäftigten so gut wie möglich abzumildern und wird sich an diesem Versprechen auch messen lassen müssen.

Die Logistik-Initiative Hamburg hat mir zugesichert, die Otto Group und die Arbeitsagentur bei Bedarf mit ihren guten Unternehmenskontakten dabei zu unterstützen, die Beschäftigten in Anschlussbeschäftigungen zu vermitteln.“ Der Pressemitteilung vom 3. September ist zu entnehmen, dass der Vorstand der Otto Group und die Geschäftsführung von Hermes Fulfilment „die Entscheidung schweren Herzens getroffen“ hat. Ob dabei Tränen flossen, ist nicht überliefert. Kurz danach dürfte Hermes, der Götterbote, entsandt worden sein, um die Botschaft aus dem Olymp nach Bramfeld zu überbringen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Es wird keine Retour mehr in Hamburg geben.


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Die Schönheit des Hamburger Schietwetters

Eine Liebeserklärung ans verschriene Hamburger Nass

Text: Erik Brandt-Höge

 

Hamburg ist nicht Saint-Tropez. Es ist auch nicht Palermo. Nicht mal Passau. Und weil Hamburg eben Hamburg ist, ist das Wetter hier nicht immer doll. Genau genommen ist es oftmals ziemlich mies. So mies, dass es viele Hamburger zum Hassobjekt erklären. Da wird ordentlich gezetert: „Zum Kotzen, dieser Dauerregen!“ Manche erwägen des Wetters wegen gar einen Umzug in trockenere Gebiete. Berechtigte Frage Richtung Meckerheinis: Schon mal die Schönheit im Schietwetter bemerkt? Also, nicht im Schietwetter an sich, sondern in den Möglichkeiten, die es mit sich bringt? Eine Runde im überdachten und jede Menge Snacks und Getränke bereithaltenden Alsterrdampfer kann man auch drehen, wenn das Wasser in Kübeln von oben kommt.

 

Stichwort raue See

 

Schifffahrtsfeeling kommt dann noch mehr auf als eh schon: Stichwort raue See und so. Wem diese Geschichte zu schunkelig ist, der kann sich eine Auszeit zwischen zwei Wetterextremen in Planten un Blomen gönnen. Im schwülwarmen Tropenhaus, zwischen allerhand exotischer Flora, ist es nämlich noch gemütlicher, wenn die Tropfen rhythmisch aufs Glasdach plätschern: Stichwort Regenwald mitten in der Stadt. Und wer mit dem Schietwetter lieber unter sich bleiben will, dem sei ein kurzer, nasskalter, aber von Frischluft gespickter Spaziergang im Friesennerz ans Herz gelegt. Wenn es danach nämlich wieder in die Bude geht, wird diese noch ein bisschen mehr geschätzt – vor allem die Temperaturen drinnen: Stichwort Saunagang, nur umgekehrt. Hat also reichlich für sich, das Hamburger Schietwetter. Am Ende ist es alles andere als ein lästiges Mitbringsel dieser Stadt.


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Open Air: In Hamburg City herrscht Tanzverbot

Veranstaltungen unter freiem Himmel sind unter strengen Auflagen erlaubt. Doch was bedeuten diese Einschränkungen für die Technoszene und wie ergeht es freien Veranstaltern ohne festen Club? SZENE HAMBURG sprach mit Jörn Behrens, der seit 2011 mit Tekkno ist Grün elektronische Freiluft-Partys verantwortet

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Jörn, vom kleinen Rave zum großen Techno-Festival. Im nächsten Jahr feiert ihr Zehnjähriges. Wie hat sich Tekkno ist Grün seit der Gründung entwickelt?

Jörn Behrens: Unser erstes Open Air war Tanzen & Pflanzen gegenüber der alten Schule Neuhof in Wilhelmsburg. Heute ist der Bolzplatz dort leider abgesperrt, weil danach zu viele unangemeldete Partys stattgefunden haben. Ab 2012 gab es das Hafengrün Festival auf dem ehemaligen Werftgelände am Neuhöfer Damm 98. Seitdem haben wir mit der Oster Air, dem Liebe Bass Freiheit Festival oder Tekkno am Teich weitere Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Und es gab es zahlreiche Gastproduktionen wie die Stil vor Talent, Katermukke oder Senso Sound Festivals.

Welche Highlights fallen dir spontan ein?

Die Oster Air 2016 und 2019 waren die besucherstärksten mit vielen Tausenden Menschen. Für mich persönlich war das Liebe Bass Freiheit Festival 2018 unsere schönste und aufwendigste Produktion, an denen über 200 Menschen mitgewirkt haben.

Unser Konzept war es immer, eine gesunde Mischung aus angesagten und etablierten Künstlern zu präsentieren, aber auch recht frische Locals, und ein paar interessante, auch internationale, Gast-Acts einzuladen. Durch die Gastproduktionen haben in den letzten Jahren sehr hochkarätige Künstler auf unserer leider nun ehemaligen Location performt.

Wieso ehemalig?

Die Hamburg Port Authority (HPA) hat sehr plötzlich und unerwartet im letzten Winter das Gelände gekauft. Dahinter stecken kurz-, mittel-, und langfristige Planungen. Die kurzfristige Absage kam unerwartet und hat uns überrumpelt. Wir sind von längerfristigen Planungen ausgegangen, welche mit dem Abriss der Köhlbrandbrücke und der Neuentwicklung des gesamten Quartiers zusammenhängen.

Nun ist aber ein konkreter Flächenbedarf für ein bestimmtes Hafenunternehmen entstanden. Alles etwas kompliziert, und die Tatsache, dass wir uns im Hafengebiet befinden, macht es rechtlich unmöglich, Einspruch einzulegen.

 

Dann kam Corona

 

Dass es an dieser Stelle irgendwann nicht weitergeht, war aber keine Überraschung, oder?

Wir wussten, dass es ein Ende auf der Location geben wird, aber nicht so plötzlich. Wir waren immerhin acht Jahre vor Ort, hatten mit drei bis fünf weiteren Jahren gerechnet. Ironischerweise ist uns ein sehr netter Mensch aus der Bauprüfabteilung der HPA in all den Jahren viel entgegengekommen. Und nun ist es auch die HPA, eine andere Abteilung, die es beendet, ohne Chance auf weitere Verhandlungen.

Und dann kam die Pandemie … Welche eurer Veranstaltungen sind durch Corona ausgefallen?

Im Grunde ist uns die Möglichkeit genommen worden, unser Finale auf dem Neuhöfer Damm zu zelebrieren. Das ist wirklich schade. Wir haben den ganzen Winter lang mit der Kulturbehörde und der HPA verhandelt und hatten einen letzten Deal für eine Nutzung der Fläche bis zum 30. Juni. Insgesamt ist die Oster Air 2020 ausgefallen, das neun Jahre alte Tekkno ist Grün Festival und drei Gastproduktionen.

Konntet ihr eure laufenden Kosten überbrücken?

Zum größten Teil sind dies Gelände- und Lagerkosten. Feste Mitarbeiter gab es in Form von 450-Euro-Jobs über den Sommer. Wir arbeiten viel mit Freiberuflern und privaten Freunden. Daher trifft es uns nicht ganz so hart, da keine weiteren Verpflichtungen bestehen. Die Mietkosten und ein paar weitere Kosten für die Saisonvorbereitung konnten durch die Soforthilfe gedeckt werden. Wie es finanziell weitergeht ist noch nicht ganz klar, aber wir nutzen die Zeit, um uns auf die Zukunft vorzubereiten.

Habt ihr weitere Hilfen in Anspruch genommen? In der Clubszene gab es ja zahlreiche Spendenaktionen.

Nein, daran hatten wir kein Interesse. Wir schätzen das Engagement dahinter, auch die Streaming-Aktionen, richten unseren Fokus aber lieber darauf, wie es draußen weitergehen kann. Das würden wir uns im Clubkontext auch mehr wünschen: Vorhandene Kapazitäten mehr in diese Richtung bündeln.

Für Tekkno am Teich in Harburg hattet ihr ein umfangreiches Corona-Konzept ausgearbeitet. Wie sähen Technopartys im Sommer 2020 aus?

Getrennte Platzbereiche für jeweils mehrere Menschen, ähnlich eines Bestuhlungsplans mit Mindestabstand und allen geforderten Hygieneanforderungen. Inklusive Besucherführung im Einbahnwegesystem, ausreichend Wartezonen, Kontaktdatenaufnahme, viel Sicherheitspersonal, durchgehende Desinfektion von sanitären Einrichtungen und Bereitstellung von Desinfektionsspendern.

Für die Tanzfläche haben wir uns an einem Konzept aus Münster orientiert, was dort vor ein paar Wochen stattfinden konnte. Es basiert auf kreisförmigen Bodenmarkierungen für jeweils eine Person als Tanzbereich und ebenfalls mit Mindestabstand. So hätten abwechselnd über 70 Personen tanzen können. Die gesamte Flächenkapazität war für maximal 550 Gäste ausgelegt, entsprechend der maximalen Kapazität der Platzbereiche.

 

„Wir müssen uns alle gemeinsam trauen wieder etwas zu wagen“

 

Warum habt ihr euch am Ende dagegen entschieden?

Wegen des allgemeinen Tanzverbots, welches auch nach den Lockerungen am 1. Juli seine Gültigkeit hat. An sich hätte die Veranstaltung stattfinden können. Man darf auf seiner Decke sitzen oder mit mehreren Personen stehen – aber nicht tanzen. Nicht unbedingt logisch, aber es ist nun mal im Moment noch so.

Wir hatten dann eine Umfrage auf Facebook gemacht. Das Ergebnis war sehr konstruktiv und zahlreich, aber klar mit der Tendenz, dass es keinem Menschen wirklich Spaß machen würde. Dann lieber abwarten und auf den September hoffen. Wir haben noch eine Terminreservierung für den 12. September auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark.

Was müsste passieren, damit eine nächste Veranstaltung stattfindet?

Ganz klar: Aufhebung des Tanzverbotes mit der neuen Corona-Verordnung ab September. Die aktuelle Formulierung ist einfach zu allgemein ausgeführt. Man hätte in jeden Bereich genauer reingehen und differenzierte Lösungen finden müssen.

Was wünscht ihr euch von den Behörden?

Mehr Flexibilität und die Bereitschaft, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen uns alle gemeinsam trauen wieder etwas zu wagen. Wir bedauern sehr, dass unsere Veranstaltung im Juli nicht stattfinden konnte. Alle anderen Punkte des Konzepts wurden ohne Beanstandung durch das Gesundheitsamt freigegeben.

Gescheitert sind wir an der für Deutschland leider so üblichen verhärteten Bürokratie, da Tanzen gerade grundsätzlich verboten ist. Auch dann, wenn man sich die Mühen gemacht hat, ein absolut sicheres Konzept auszuarbeiten. Das ist ein sehr starres und hinderliches Verhalten für den gesamten Entwicklungsprozess.

Gibt es trotzdem weitere Pläne für den Sommer?

Das ist ein spannendes Thema. Bisher sind die Aussichten, einen gleichwertigen Platz innerhalb Hamburgs zu finden, mehr als schlecht. Es gibt einfach keine freien Flächen. Das hat der Senat leider verschlafen und die Situation immer noch nicht erkannt. Letzte verbleibende Freiflächen werden der Kultur ersatzlos entzogen. Gerade in jetziger Hinsicht absolut unverständlich, da Open-Air-Flächen wegen Corona nun einen besonderen Stellenwert bekommen, um erste kulturelle Öffnungskonzepte zu ermöglichen.

Wir möchten unsere Projektaktivitäten innerhalb Hamburgs gerne weiterhin halten und versuchen, die Oster Airs in den nächsten Jahren auf einer anderen Location fortzuführen, sowie auch weiterhin die Tekkno am Teich in Harburg. Aber das alles hat uns dazu gebracht, den Blick etwas weiter zu werfen. Tatsächlich haben wir nun etwas gefunden. Etwas abseits von Hamburg, Richtung Osten. Der Plan ist es, auf dem Grundstück langfristig zu wohnen, zu arbeiten und auch Veranstaltungen und Projekte durchzuführen. Wir haben noch kein finales Go, aber bereits ein gutes Stück geschafft und sind optimistisch.

 

 

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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hoch hinaus: Der Fernsehturm eröffnet wieder

Ab 2023 wird der Fernsehturm wieder zum Leben erweckt. Wir sprachen über die Pläne mit Philipp Westermeyer, Gründer der Online Marketing Rockstars (OMR) und einer der drei Betreiber

Text & Interview: Marco Arellano Gomes

 

Es ist derzeit eine beliebte und zugleich brisante Frage unter Freunden und Bekannten: Warst DU schon mal auf dem Fernsehturm? Meist erntet der Fragende betretenes Schweigen, gefolgt von einem „Nein“ und der obligatorischen Gegenfrage: „Du etwa?“

Es ist lange her, dass Einwohner und Besucher bei Kaffee und Kuchen die Hansestadt aus derart luftiger Höhe (knapp 120 Meter) bestaunen konnten. Seit 2001 ist der Fernsehturm für Gäste geschlossen. 19 Jahre lang fristete der Heinrich-Hertz-Turm ein Leben im Schatten des Michel und der Elbphilharmonie, die ihm den Rang als das Hamburger Wahrzeichen abliefen. Das könnte sich bald wieder ändern.

Der Turm soll wieder zugänglich werden. Möglich machen das die drei Betreiber, Hamburg Messe und Congress (HMC), Home United und die Online Marketing Rockstars, die das mit 280 Metern höchste Gebäude der Hansestadt zu einem attraktiven Anziehungspunkt und Publikumsmagneten machen möchten. Ihr Konzept sieht eine Kombination aus Aussichtsplattform, Gastronomie und Veranstaltungsfläche vor. Die Planungen für den Umbau sind in vollem Gange. Es folgen die obligatorischen Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren für die Baumaßnahmen. Dann beginnt der Umbau von Fahrstühlen, Innenräumen und Eingangsbereich. Die Eröffnung des Telemichel ist für Ende 2023 vorgesehen.

 

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Philipp Westermeyer (Foto: OMR)

SZENE HAMBURG: Philipp Westermeyer, zu Beginn gleich mal die Frage, die sich derzeit viele in Hamburg stellen: Warst du schon mal auf dem Fernsehturm?

Das erste Mal war ich erst vor einigen Wochen dort oben. Ich bin in Essen aufgewachsen und habe die erste Blüte des Fernsehturms und das Kuchenessen da oben leider verpasst.

Dass die Online Marketing Rockstars bei diesem Projekt mitmachen, war ja nicht unbedingt zu erwarten. Wie kam es überhaupt dazu?

Wir haben über das jährliche Festival, bei dem wir zahlreiche Hallen und Flächen mieten, eine enge und sehr vertrauensvolle Beziehung zur Messe Hamburg und den Machern rund um den Chef Bernd Aufderheide aufgebaut. Die Messe liegt ja in direkter Nachbarschaft des Turms und entsprechend eng an den Entwicklungen dran.

Als vergangenes Jahr klar wurde, dass die Suche nach einem Pächter weitergeht, hat Bernd Aufderheide mich angesprochen und das Thema mit uns und den Kollegen von Home United rund um Tomi Karajica gestartet.

Was erwartet die Besucher, wenn der Telemichel ab 2023 wieder zugänglich ist?

Die große Hoffnung ist, dass es uns gelingt, ein fast verlorenes Stück Hamburg wieder für jeden Interessierten zu erschließen. Unser Wunsch ist es, vielen die Chance zu geben, dort oben mehr zu tun als nur den Blick zu genießen, sondern selber spannende und vielfältige Veranstaltungen und Projekte umzusetzen.


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