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Meet the Resident – Lenard Klein

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: Lenard Klein (21, Kinky Sundays) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye und Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Lenard Klein: Ich habe, nachdem ich anfangs eher Techno-lastigen Sound gespielt habe, relativ schnell House und Disco für mich entdeckt. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass ich häufig sehr energetische Tracks mit dem ein oder anderen Vocal in meine Sets einbaue und weniger mit atmosphärischer Musik zu tun habe. Öfters schweife ich auch mal Richtung Acid aus, allgemein würde ich meinen Sound also als sehr geladenen House beschreiben.

Was war dein größter Moment als DJ?

Da die Erinnerung noch so frisch ist, fällt mir da spontan der Kinky Sundays Truck beim CSD 2019 ein. Alle auf und um den Truck herum haben eine unglaubliche Energie versprüht und da ich im Bereich der Langen Reihe gespielt habe, war es eine perfekte Kulisse mit den Häuserfronten und Balkons auf beiden Seiten. Das vergesse ich nicht so schnell.

Wo gehst du in Hamburg hin, um Spaß zu haben?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Abends meistens ins Pal, tagsüber gerne an die Alster, weil ich es als zugezogener immer noch genieße, am Wasser zu wohnen.

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Zur Zeit finde ich Kettama sehr interessant. Er verbindet viele Elemente elektronischer Musik, aber auch viele Teile von Hip Hop, was das ganze sehr erfrischend klingen lässt.

Was sind für dich Hamburgs stärken?

Anders als zum Beispiel in Berlin hat man hier nicht so ein Überangebot in alle Richtungen, was viele Möglichkeiten für Neues lässt. Das macht die Stadt und die Zukunft interessant.

Und die Schwächen?

Ich glaube, dass es leider dadurch auch häufig einen festgefahrenen Eindruck erweckt. Ich bin aber zuversichtlich.

 

„Es gibt viele DJs, die zur Zeit Einiges bewegen“


Platte des Monats?

Es hat mich selbst erstaunt, aber tatsächlich von Patrick Topping – Turbo Time. Vielleicht, weil ich die Sachen der letzen Jahre nicht so interessant fand.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

Ich glaube es gibt viele Leute, die zur Zeit einiges bewegen. SR DJ Hermo mit seiner guuc ist meiner Meinung nach einer dieser Leute. Ebenso wie Niklas Schweig und Haeder.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

Durch die Reihe Kinky Sundays wurde in Hamburg meiner Meinung nach ein ganz neues Feld eröffnet. Besonders durch zwei verschiedene Editions und die gesamte Energie ergeben sich viele Möglichkeiten und ich muss mich nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

01:15 Uhr : Ich merke wie ein halber Longdrink auf meinem Fuß landet und ich mit sehr feuchter Aussprache gefragt werde, ob ich für die beste Freundin “Losing It” von Fisher spielen könnte.

Wo kann man dich als nächstes hören?

Weiterhin bei den Kinky Sundays und bald wieder im Hotel Shanghai in Essen bei der GOOFY. Ansonsten checkt IG.

Ein aktuelles Set von Lenard Klein hört ihr hier:


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Neuer Club: Aus Moloch wird die Anderswelt

Das Oberhafenquartier ist ständig im Wandel. Über fünf Jahre war das Moloch ein subkultureller Club-Stachel in der fortschreitenden Bebauung der HafenCity. Nun verkündete die Betreiber-Crew das Ende. Doch es geht spannend weiter. Für mindestens zehn Monate wird aus Moloch die Anderswelt.

Interview und Fotos: Ole Masch

Lange wurde gehofft, spekuliert, Gerüchte gestreut. Es folgte Abschiedsparty nach Abschiedsparty. Anfang September war es offiziell. Die Kerncrew des beliebten Underground Clubs Moloch, von Gästen liebevoll Mutti genannt, verkündete ihr „Closing ohne Closing“ und beendete damit nach fünf Jahren ein Projekt unzähliger legendärer elektronischer Nächte (und Tage). Man sei sich mit dem Gängeviertel, welches die Fläche verwaltet, nicht über die Modalitäten zur Fortführung einig geworden.

 

Neues Clubprojekt

 

Damit verliert Hamburg eines der innovativsten und mehrfach ausgezeichneten Clubprojekte der letzten Jahre – und gewinnt gleichzeitig etwas Neues. Wie das Gängeviertel mitteilte, geht im Oberhafen die Anderswelt an den Start: „Ein kollektiver, partizipativer und basisdemokratischer Ort für kulturelle und künstlerische Projekte und natürlich exzessive Clubkultur“.

Mehrere Wochen sei von zahlreichen Kollektiven und über 100 Beteiligten geplant, gebaut und entworfen worden. SZENE HAMBURG sprach mit Freya und Gwen vom Anderswelt-Kollektiv über das neue Kulturprojekt.

 

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Die Tür zur Anderswelt steht offen (Foto: Ole Masch)

 

SZENE HAMBURG: Freya und Gwen, wer genau macht die Anderswelt?

Freya: Es ist ein Projekt des Gängeviertel e. V., welches aus einem neuen internen Betreiber-Kollektiv und vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern aus der subkulturellen Club- und Kreativszene besteht.

Wir als Kollektiv wollen einen Freiraum für Kunst und Kultur aller Art schaffen und sehen uns nicht nur als reinen Club-, sondern auch als Kreativbetrieb, den man in Form von Dekoration, Licht, Ton und Entertainment in zehn verschiedenen Welten erleben kann. Ein bisschen Hippie-Charme ist auch dabei (grinst).

Wofür steht der Name?

Freya: Anderswelt klingt so schön unkonventionell. Nach Utopie, nach Freiheit und nach Möglichkeiten. In unserem Fall durch Partizipation im Projekt in vielerlei Form, besonders bei der Gestaltung.

Die keltische Mythologie hinter dem Begriff haben wir erst danach entdeckt, finden sie aber auch sehr inspirierend – unsere erste Welt hatte diesen mystischen Look, die nächste wird ganz anders, versprochen!

 

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Arbeit im Kollektiv: neuer Außenbereich (Foto: Ole Masch)

 

Welche Veränderungen gibt es gegen­ über des Molochs?

Gwen: Musikalisch wollen wir ein breiteres Publikum ansprechen, das dennoch in die Location passt. Also Countrymusic wird es nie werden (lacht). Beim Opening hatten wir zum Beispiel das erste Mal eine reine Bassnight mit Trap, Grime und ordentlich Ghetto-Tech! Auch Psy-Trance, DnB, und eine Menge Live-Acts sind geplant.

Freya: Außerdem möchten wir die Diversität von Geschlechtern, Herkunft und so weiter zur Normalität werden lassen – das ist uns ein großes Anliegen.

Und räumlich?

Freya: Wie es bei uns aussieht? Kommt vorbei! Wir haben zwei neu gestaltete Floors und einen neuen Außenbereich, drei Bühnen, Installationen und interaktives Geschehen, das sich jeden Monat verändert und erweitert.

Es geht also auch draußen weiter?

Gwen: Ja! Wir hoffen, den goldenen Oktober nutzen zu können, um noch mal ein bisschen Festival-Feeling in den Herbst zu holen – ansonsten geht es im nächsten Frühjahr draußen weiter. Vielleicht überlegen wir uns auch noch was für den Winter, lasst euch überraschen!

 

„Die Anlagen sind der Shit und die Halle scheppert nicht mehr!“

 

Kämpft ihr für eine dauerhafte Nutzung?

Freya: Das ist geplant, ja. Wir sind in Gesprächen mit den entsprechenden Stellen wie Kreativgesellschaft oder Hafencity GmbH und generell daran interessiert, dass Hamburg wichtige subkulturelle Orte erhalten bleiben. Wie genau eine langfristige Nutzung der Fläche aussehen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Wann endet die aktuelle Betriebs­erlaubnis?

Freya: Im Juni 2020.

Das Moloch hatte immer wieder mit Lärmbeschwerden zu kämpfen. Wie geht ihr damit um?

Gwen: Wir haben ein paar Dinge an der Soundtechnik und den Einbauten so verändert, dass wir Lautstärke einsparen können, aber nicht auf besten Klang verzichten müssen. In anderen Worten: Die Anlagen sind der Shit und die Halle scheppert nicht mehr!

Außerdem hoffen wir auf die Akzeptanz eines Clubbetriebs, der auf ein Veranstaltungswochenende im Monat reduziert ist und kommunizieren so viel wie möglich mit unseren Nachbarn im Oberhafen.

Und wie öffnet ihr an diesen Wochen­enden?

Gwen: Die Winteröffnungszeiten – je nach Wetterlage ab Oktober oder November – sind: Freitag 24 Uhr – Samstag 11 Uhr, dann wieder Samstag 24 Uhr – Sonntag 22 Uhr. Ab dem Frühjahr werden wir wieder durchgängig drei Tage geöffnet haben. Das Ganze von September 2019 bis Juni 2020. Zehn Monate, zehn Parallelwelten.

 

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Die Discokugel dreht sich schon (Foto: Ole Masch)

 

Welche Gäste wünscht ihr euch?

Freya: Wie schon erwähnt, versuchen wir musikalische Vielfalt anzubieten, daher auch ein breiteres Spektrum an Gästen. Das kann auch mal bunt werden, aber so und nicht anders, soll es ja auch sein. Das gilt auch für unsere Clubpolitik: Generell wollen wir die größtmögliche Freiheit für jeden; und niemanden – abgesehen von Rassisten, Sexisten, Homophoben und andere – aufgrund von Äußerlichkeiten oder Verhalten ausschließen.

Wir haben während der Veranstaltungen ein Awarenessteam, Psy-Care und Deutschlands einzige reine Frauentürstehercrew, die sich um Wohlbefinden und Sicherheit kümmern. Aber allem voran schreien wir „Rave on, Hamburg!“.

Anderswelt: Stockmeyerstraße 43 (HafenCity), Anderswelt #Zwei, 11.-13.10., 24 Uhr


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Golden Pudel Club wieder mit Café: Barboncino Zwölphi

Seit Ende Juli ist der Pudel wieder ganz. Das Barboncino Zwölphi ist das neue Café im Obergeschoss des berühmten Clubs. Passionierter Pudel-Freund und Mitglied im VerFüGe e.V. ist der Musiker Viktor Marek. Im Interview spricht er über Architektur, geplante Veranstaltungen und gesellschaftliche Solidarität in Zeiten des Rechtsrucks

Interview: Jan Paersch
Foto (o.): Ole Masch

 

Der erste Eindruck: ganz schön bunt. Draußen scheinen Farbeimer explodiert zu sein, so sehr strahlen den Besucher die grünen, pinken und blauen Pastellfarben an. Im Innenraum: mehrere Holzwände mit verschieden gestalteten Tapeten, große Hängelampen, rot und giftgrün gepolsterte Stühle. Eine teuer aussehende Espressoma­schine blinkt hinterm Tresen. Etliche Fenster geben den Blick auf die Werft Blohm+Voss auf der anderen Elbseite frei.

Eine Etage darüber, in den Räumen direkt un­ter dem markanten Sheddach, ist die Unterbringung des Park Fiction­-Archivs geplant. Auf der Mittagstisch-­Speisekarte im Café: arabische Spezialitäten. Gebratene Möhren, Couscous­-Salat, Belugalinsen, Hummus und Falafel – der große Teller für 7,50 Euro, ermäßigt für 6 Euro.

Es ist Anfang August, das Barboncino Zwölphi im oberen Stockwerk des Golden Pudel Clubs ist erst seit ein paar Tagen geöffnet. Frischer Holzgeruch hängt noch im Raum. An der Theke lehnt ein Pärchen und lobt das Konzept des in der Karte verzeichneten Espressos zum „schnell am Tresen trinken und abhauen.“ Nur einen Euro kostet das im Stehen genossene Heißgetränk hier – wie an einer italienischen Autobahnraststätte.

„Den Preis habe ich durchgesetzt“, grinst Viktor Marek. Der Musiker und Produzent ist auch Mitglied im Verein für Gegenkultur e.V., kurz VerFüGe und war maßgeblich an der Planung des neuen Cafés und Kulturraums beteiligt.

Lange Jahre wurde die obere Etage von einem Pudel­fremden Betreiber dominiert. Mit finanzieller Unterstützung der Mara­-&-­Holger­-Cassens-­Stiftung kaufte der Pudel­-Verein im Juli 2016 den Anteil des damaligen Miteigentümers auf. Der Club war zu dem Zeitpunkt aufgrund von Brandschäden geschlossen – nun darf im Pudel wieder unten und oben gefeiert werden.

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„Müssen solidarisch miteinander umgehen“: Viktor Marek / Foto: Jan Paersch

SZENE HAMBURG: Viktor Marek, ihr habt euch schon in der Vergangenheit als „Elbphilharmonie der Herzen“ bezeichnet. Musstet ihr das jetzt noch einmal unterstreichen, indem ihr euch den Zusatz „Zwölphi“ gegeben habt?

Viktor Marek: Ja, wir können’s nicht lassen. Wir brauchen immer einen mehr als die Elphi. Lauter, teurer, besser (lacht). Barboncino war uns irgendwie zu wenig. Die Kombination mag schwer merkbar sein, aber vielleicht etabliert sich noch eine Abkürzung. „Pudel oben“ wäre für uns auch okay.

Ihr meintet mal, ihr würdet kein weiteres Café auf St. Pauli eröffnen wollen. Was ist das Barboncino dann?

Das ist einfach ein Pudelchen oben­ drauf – Barboncino heißt wörtlich „Pudelchen“ auf italienisch. Die reine Café-Idee reicht uns tatsächlich nicht. Man kann bei uns nett sitzen und auf die Elbe gucken, aber es soll schon politisch aufgeladen sein, und die Veranstaltungen sollen das auch widerspiegeln. Von Anfang an wollten wir unbedingt mit Geflüchteten arbeiten.

Der Mittagstisch kommt vom Catering- Service Chickpeace, der von geflüchteten Frauen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Irak und Somalia betrieben wird.

Genau. Wichtig ist uns, dass deren Bezahlung anständig ist. Momentan ist ihre Küche vor allem arabisch angehaucht, aber auch da werden sich die Dinge vielleicht noch ändern.

Ihr habt auch einen ermäßigten Preis beim Essen.

Auch wer wenig Kohle hat, sollte bei uns essen können. Wir wollen auf keinen Fall ein weiterer Gentrifizie­rungs-­Apparat in St. Pauli-­Süd sein. Wer hier schon seit Ewigkeiten wohnt, ist herzlich eingeladen, vorbei zu kom­men.

Seid ihr schon früher so auf die Nachbarn zugegangen?

Nun, als der Pudel gegründet wurde, war es wichtig, sich von der Gesellschaft abzugrenzen. Heute macht das keinen Sinn mehr, im Gegenteil: Wir müssen solidarisch miteinander umgehen. Der Rechtsruck ist eine riesige Gefahr. Wenn der Staat das schon nicht hinbekommt, müssen wir wenigstens untereinander zusammenhalten.

Uns haftete lange das Bild der hippen Künstler an, aber so wollen wir nicht mehr wahrgenommen werden. Wir bieten auch ein Flaschenbier für 2,20 Euro an – das ist fast so günstig wie in einer Eckkneipe.

 

„Wir wollen immer Raum für Quatsch lassen“

 

Im Golden Pudel Club kommen „Selbstbestimmtheit, Kratzbürstigkeit, Beklopptheit und Wärme zusammen“, heißt es in der Präambel eurer Stiftung. Wie verrückt darf ein Café sein?

Ich finde, es muss bekloppt sein. Hier oben wird vermutlich nicht ganz so viel mit Alkohol experimentiert. Aber wir wollen immer Raum für Quatsch lassen. Die Dinge sollen auch mal schiefgehen können.

Jetzt, wo das Grundstück gesichert ist und wir über die nächsten 40, 50 oder gar mehr Jahre nachdenken können, können wir eine gewisse Grundentspanntheit mitbrin­gen. Früher haben wir von Jahr zu Jahr gelebt und wussten gar nicht, ob wir nicht doch bald schließen müssen.

Jetzt habt ihr viel vor: Lesungen, Konzerte, Workshops.

Wir haben gleich den „Kaiserwetter“­-Dienstag wiederbelebt, der früher unten im Club stattfand. Da haben schon so illustre Gäste wie DJ Koze oder DJ DSL aufgelegt. Der Fokus liegt aber nicht auf Tanzmusik. Es darf stattfinden, was sonst auf der Strecke bleibt.

Ich selbst werde 7­inch-­Platten von Flohmärkten in Palermo, Athen und Tokio auflegen. Lesungen von Kathrin Weßling und Gereon Klug sind auch geplant, dazu Salonabende mit Rocko Schamoni und Schorsch Kamerun, Filmabende von der HfbK und eine Veranstaltung vom Hamburger Comicfestival. Die „Untüchtigen“ sollen auch wieder stattfinden, eine politische Reihe, die schon im mittlerweile geschlossenen Golem stattfand.

Was hat das Barboncino gekostet?

Wir haben circa 200.000 Euro an Spenden und 100.000 Euro an öffentlichen Geldern von der Bezirksversammlung Altona bekommen, aber die Summe hat nicht gereicht. Das fehlende Geld hat uns die Mara­-&-­Holger­-Cas­sens­-Stiftung geliehen, das zahlen wir über einen langen Zeitraum zurück.

 

Krone und Pudel-Frisur

 

Wie kamt ihr auf das markante Dach mit den drei aneinander gelehnten Pultdächern?

Wir tranken Bier mit dem Architekten, und der zeichnete diese Krone gleich auf eine Serviette. Die Gestaltung erinnert an eine alte Fabrik, die typischerweise mit einem Sheddach da­herkommt. Und es erinnert natürlich an das Logo des berühmten englischen New­-Wave­-Labels Factory Records. Es soll demonstrieren: Hier wird gearbeitet, hier soll etwas geschaffen werden. Aber es bezieht sich natürlich auch auf eine Pudel­-Frisur.

Wenn man sich drinnen so umschaut – ganz schön viel Holz hier.

Am Anfang war es zu holzig hier – es sah aus wie eine Sauna! Wir haben mit der individuellen Tapetengestaltung dagegen gearbeitet.

Mir gefällt besonders das Spielkartenmuster. Wie seid ihr die Gestaltung des Innenraumes angegangen?

Der Regisseur Lars Jessen hat ein­mal einen Film über sterbende Gasthöfe in Dithmarschen gemacht. Eine der Kneipen stand in Meldorf, und nachdem die schließen musste, übernahm Lars die komplette Einrichtung und lagerte sie ein. Er ist ein Freund von Rocko Schamoni, und kontaktierte uns gleich, als er von dem Projekt hörte.

Wir wollten die Möbel aber nicht bloß auf museale Art ausstellen. Also gab es eine Zwischenlösung: Lampen und Möbel sind zum größten Teil aus dem alten Gasthof, der Tresen mit seiner Sechzigerjahre­-Anmutung wurde dagegen komplett neu gebaut. Wir wollten auch keine hohe, brachiale Bühne, es sollte eher eine Stufe sein. Das macht das ganze demokratischer.

Der Pudel – ein Hort der Demokratie?

Nun ja. Letztlich sind wir wohl doch Anarchisten.

Barboncino Zwölphi: St. Pauli Fischmarkt 27


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – SR DJ Hermo

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: SR DJ Hermo (23, guuc) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

SR DJ Hermo: Die Mischung macht es! Viel House, viel Techno, gerne HipHop, Italo, Afro, Disco. Viele verschiedene Einflüsse! Hier gilt eher: Wie spät ist es und wo befindet man sich?

Was war dein größter Moment als DJ?

Auf einem Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf. Wir waren eine achtköpfige Gruppe. An diesem Wochenende war selbst die Zugfahrt legendär! Und kürzlich habe ich bei einem 3Floor Riesen-Rave im Volt das Opening gespielt. Die Atmosphäre war überwältigend.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Leute!

Und die Schwächen?

Weitere Bars mit guter Anlage würden der Stadt gut tun.

 

Heat on the dancefloor!

 

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Auf jeden Fall Baxmann & 11Schnull. Baxmann als DJ ist extrem empfehlenswert. Von 11Schnull können wir uns auf eine richtig gute EP freuen. Checkt seine Soundcloud-Seite. Und für die DJs da draußen: Die Tracks sind heat on the dancefloor!

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Zum Beispiel Detroit in Effect, Booty Buster, Bell Towers und Moodymann – neben vielen anderen.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Ob ich „Wonderwall“ von Oasis spielen könnte – das fand ich aber ziemlich lustig. Schlimm ist es, wenn Leute ihren Wunsch umschreiben: „Kannst du mal was Melodisches spielen, so „funky“? – aber trotzdem mit „Pep“!, eventuell mit Gesang?“

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

Besonders sind für mich natürlich die Guuc-Nächte, da ich dann selbst DJs einladen darf. Einer meiner Lieblings-Gigs war auf jeden Fall der mit Baba Stiltz. Aber DJ Seinfeld im Nachtasyl war auch krass!

Wo kann man dich als nächstes hören?

5.9. auf RedLightRadio Amsterdam und am 13.9. bei F4F in der Uni (die Party schmeißt Han Duo und ist ein GreenEarthSoliRave). Außerdem sind weitere Nachtasyl-Partys geplant.

 

Ein aktuelles Set von SR DJ Hermo hört ihr hier


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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MS Dockville 2019: Halligalli auf der Insel

Das Festival MS Dockville in Wilhelmsburg geht in die nächste Runde. Mit dabei: Billie Eilish, Parcels, Bilderbuch und eine Menge Kunst

Text: Erik Brandt-Höge
Foto: Pablo Heimplatz

 

Der erste Star ist die Kulisse. Wer das MS Dockville-Gelände am Wilhelmsburger Reiherstieg betritt, staunt nicht bloß über die Naturgegebenheiten auf der Elbinsel, die Idylle und den Charme der Hafenindustrie. Vor allem ist es die detailverliebte Kunst, die Besuchern imponiert. Über das komplette Areal verteilt sind Skulpturen, Installationen, Brücken, Türme, Liegestühle. Skurriles trifft auf Praktisches, langweilig wird es nie. Es wirkt wie ein Mix aus XXL-Wohnzimmer und Spielwiese, aus Lounge und Disko – und das alles unter freiem Himmel. Zum mittlerweile 13. Mal wird nun eben dieser regenbogenbunte Schauplatz zum Zuhause für rund 60.000 Festivalgänger.

 

Hört hier einen der Dockville-Headliner: Parcels

 

Logisch, Musik gibt es auch beim MS Dockville. Da sind etwa Bilderbuch. Nicht nötig, die Österreichischen Popstars groß vorzustellen. Wer sich auch nur annähernd für kunstvolle Indie-Musik interessiert, die im Fall von Bilderbuch auch noch mit reichlich Witz gewürzt ist, kam in den vergangenen Jahren nicht an den schrillen Auftritten der Jungs um Frontmann Maurice Ernst vorbei. Ebenfalls prominenter musikalischer Gast beim diesjährigen MS Dockville ist Billie Eilish, die bekanntermaßen schon im zarten Alter von 16 Jahren zum Weltstar avancierte und die große Pop-Geste ebenso wenig scheut wie die zuvor erwähnte Formation.

Desweiteren erwähnenswert: RIN. In dessen Beats und Raps steckt Lässigkeit für drei (oder fünf). Den Indie-Poppern Von Wegen Lisbeth hören Fans von feiner Ironie besonders gerne zu. Parcels bringen Funk auf ganz eigene Weise auf die Bühne. Nicht zu vergessen: Meute. Die Hamburger Techno-Marching-Band hat reichlich Wumms in den Lungen und macht elektronische Musik endlich sichtbar. Dutzende Bands und Solokünstler könnten an dieser Stelle noch genannt werden, teils bereits etabliert, teils noch Geheimtipps – und womöglich bald Lieblings-Acts. Und wem weniger nach Live-Musik, denn nach Motto-Partys ist, kann die „Depri Disko“ ausprobieren, in der die schönsten traurigen Lieder zum Tanzen einladen.

Das andere Stimmungsextrem: Die trashig-hittige „Britney Baby, One More Time“-Party, auf der 90er-Liebhaber ohne jede Fremdscham bis in den Morgen die Musik mitgrölen können. Alles möglich, alles vor faszinierender Kulisse.

MS Dockville 2019: 16.-18.8., Schlengendeich 12 (Wilhelmsburg)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Art & Brothers: Techno’s Coming Home

Das DJ-Künstlerkollektiv Art & Brothers feiert den ersten Stadion-Rave der Stadt – am Millerntor des FC St. Pauli!

Text: Mirko Schneider
Foto: Art & Brothers

Was haben der Hinterhof des Thomas Read, der Flughafen, die U-Bahn und das Millerntor-Stadion gemeinsam? Es sind perfekte Orte für den Rave! Der international weit gereiste und erfolgreiche DJ Iman Hanzo, besser bekannt als „Me and My Monkey“, wirkt elektrisiert wie nach einem Feuerwerk guter Beats. Sein Ende 2016 gegründetes Hamburger Künstlerkollektiv „Art & Brothers“ steht der nächste Coup bevor: eine Rave-Sause in den heiligen Hallen des Hamburger Fußballclubs FC St. Pauli. Bespielt wird der Ballsaal, geöffnet auch die überdachte Terrasse samt Sitzmöglichkeiten und Blick auf den Rasen. „Der Stadion-Rave am Millerntor, das wird unser bisher größtes Ding“, sagt Hanzo.

„Dynamische elektronische Tanzmusik voller Energie plus echtes Stadionfeeling.“

Das Line-up mit Artenvielfalt, Me and My Monkey, Kiianu, Dirty Dominguez, Aartmn und dem japanischen Headliner Taichi Kawahira zum Auftakt verspricht Großes, die Herren der guten Setlists nicht minder: „Wir sind wie eine kleine Krake. Das Letzte, was man uns nach­sagen kann, ist Langeweile“, kündigt Ben Sachau vom Duo Artenvielfalt an. „Ich bin nicht umsonst gegen Ende dran, denn ich haue ­allen gerne noch mal so richtig harten Techno um die Ohren“, verspricht Dirty Dominguez. Und Hanzo fragt: „Dynamische elektronische Tanzmusik voller Energie plus echtes Stadionfeeling – was wollen die Leute mehr?“

Eine Frage, die sich Art & Brothers vermutlich häufiger stellen. „Als ich Ende 2016 nach Hamburg zurückkam, fand ich die Clubszene hier total langweilig“, erinnert sich Hanzo. Er als liebevoller Plattensammler macht das im Nachhinein weniger an Hamburg fest, als an einem ­unheilvollen Auswuchs der digitalen Entwicklung. Viele Clubs hätten eher DJs gesucht, die das Drücken des Sync-Buttons beherrschen, nur um Geld zu sparen. Hanzos erste Reaktion darauf hätte ebenfalls eine gute Story abgegeben. „Ich wollte eine Gewerkschaft für DJs gründen, damit die Preise nicht weiter fallen“, erinnert er sich mit einem Lächeln.

„Viel mehr als kommerziellen Shit, aber nicht nur tiefsten Underground.“

Doch da war noch ein anderer Impuls in ihm. Und der hieß, vereinfacht gesagt: ungewöhnliche Orte mit Rave wachküssen – und die Raver gleich mit. „Ich wollte den Leuten etwas Neues geben. Viel mehr als kommerziellen Shit, aber nicht nur tiefsten Underground. Ich wollte ein DJ-Künstlerkollektiv an der Schnittstelle zwischen Underground und Kommerz, dass an ungewöhnlichen Locations Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenbringt.“ Hanzo hörte sich in der Szene nach Teamplayern um – und fand begeisterte Mitstreiter, um die Menschen hemmungslos tanzen zu lassen.

So wurde der Hinterhof des Thomas Read liebevoll zum „Sommergarten“ umdeklariert und mit „Der letzte Tanz“ ein Sommer-Open-Air ins Leben gerufen. Der 45-minütige U-Bahn-Rave in einer historischen U-Bahn samt Aftershowparty im Club Bahnhof Pauli mauserte sich zur etablierten Partyreihe. Und im letzten Jahr startete der erste Flughafen-Rave mit 199 Gästen. Insgesamt zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen samt dem Einholen sämtlicher Genehmigungen.

„Wir hoffen, dass der Rave der Startschuss für eine neue Veranstaltungsreihe in unserem Stadion wird.“

Die Idee, am Millerntor zu raven, entstand kurze Zeit später. An einem Ort, an dem der frühere Fast-Fußballprofi Hanzo mit elf Jahren zum ersten Mal ein Fußballspiel live sah. Er selbst spielte damals bei den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern und musste seine Karriere mit 19 Jahren wegen Knieproblemen beenden. Zurück am Millerntor zeigte sich der ­FC St. Pauli offen für das Konzept des Künstlerkollektivs. „Art & Brothers ist ein hochprofessioneller Veranstalter, der bereits in ganz Hamburg tolle Partys organisiert und durchgeführt hat“, sagt Benjamin Bendel, Event- und Cateringleiter beim FC St. Pauli, „Hier treffen jetzt eine der besten Locations der Stadt mit den besten Techno-DJs zusammen, um gemeinsam was Tolles auf die Beine zu stellen.“ In Aussicht stellt er sogar, der Stadion-Rave müsse, ähnlich wie „Der letzte Tanz“ und die U-Bahn-Raves, keine einmalige Sache bleiben. „Der FC St. Pauli ist bekannt für seine Weltoffenheit – so auch im Bereich der Kunst und der Musik. Wir hatten zwar noch keine Techno-Veranstaltung in dieser Form am Millerntor. Aber wir hoffen, dass der Rave von den Techno-Fans angenommen und somit der Startschuss für eine neue Veranstaltungsreihe in unserem Stadion wird.“

 

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Zu Spekulationen lädt die Facebook-Ankündigung ein, die Raver erwarte ein „spezielles Licht- und Soundkonzept“. Hanzo: „Es wird keine Las-Vegas-Show und kein Mainstage-Tomorrow-Land-Feeling. Wir haben uns unter anderem mit Lichtexperten getroffen. Ich garantiere, es wird was Cooles da sein.“

Nicht einfach nur cool, sondern in den heutigen Zeiten notwendiger denn je ist die politische Ausrichtung des Sta­dion-Raves, die den linksalternativen FC St. Pauli umso mehr überzeugt haben dürfte. „Wir möchten darauf hinweisen, dass jeder bei uns willkommen ist, unabhängig von ethnischer, religiöser oder sexueller Zugehörigkeit, denn kein Mensch ist illegal!“, heißt es auf der Facebook-Seite von Art & Brothers. Ein starkes Statement vor der starken Party.

Ballsaal Millerntor-Stadion, 21.4.19, 21 Uhr


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2019. Das Magazin ist seit dem 28. März 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Lifka

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Lifka ( Vinka Katt, Lucid, Ohne kommerziellen Wert) – präsentiert von hamburg elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

Szene Hamburg: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Lifka: Vitalisierend für Körper und Geist.

Was war dein Favorit-Gig in Hamburg?

2018 habe ich im Südpol gespielt – mit viel Nebel, spannendem Licht – das hat Spaß gemacht! Sonst sind es oft die kleineren Partys, die wir mit unserem DJ-Kollektiv Vinka Katt veranstalten, früher in den Kranichen, mittlerweile im Gängeviertel. Bei diesen unkommerziellen Partys bekommt man für den Aufwand zwar kein Geld, dafür aber unbeschreibliche Nächte – viel zwischenmenschliche Wertschätzung und Echtheit.

Welche ist deine Platte des Monats?

Black Moon EP (Snork Enterpises) und OHNE002 (Ohne kommerziellen Wert)

 

Hört hier in Lifkas Platten des Monats

 

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Technoszene ist im Kern zwar relativ klein, aber es gibt einen unglaublich guten Zusammenhalt zwischen einzelnen Crews, der sich durch Kombipartys, gegenseitige Bookings und Labelprojekte stärkt. Dazu gehört auch gemeinsames Abhängen, Planen, Musizieren. Es gibt einfach viel Austausch. Das finde ich sehr schön und wird Früchte tragen!

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Lucinee, Strathy, Stute, die Vinka Katt-Crew, aitch P. Hackster, Vuuduu & Valura!

Wo kann man dich als Nächstes hören?

Am 2. März bei NACKT, der neuen Partyreihe im PAL und am 22.3. bei Druck! im Fundbureau

 

Hört hier das aktuelle Set von Lifka im Podcast von hamburg elektronisch


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Cryptofauna

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Cryptofauna (Lehult & 206 / PAL) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview:Louis Kreye & Jean Djaman

Szene Hamburg: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Cryptofauna: Mir ist dazu mal ein alberner Butterbrot-Vergleich eingefallen: Stell dir vor, du schmierst dir eine richtig geile Stulle, nur mit Butter und Salz. Und dann stell dir vor, die Butter ist House und das Salz ist Techno. So in dem Verhältnis spiele ich meine Club-Sets. Meistens versuche ich, mich mit den housigeren Sachen auf ein Level zu spielen, auf dem ich dann urplötzlich einen Techno-Banger bringen kann. Wenn ich es dann noch hinkriege, ein Funk- oder Hip-House-Stück zwischen die House-Butter und das Techno-Salz zu schieben, und das ankommt: call me a happy person.

 

„Eine dicke 4/4 Kick ist purer Sex“

 

Ein Aspekt, der elektronische Musik für dich besonders macht?

Sie ist sexy. Wir können uns da was vormachen oder einfach dankend annehmen, dass eine dicke 4/4 Kick purer Sex und Wärme ist. Sexy kann eine Stimme sein, die haucht, oder ein Synth der klingt, wie eine Stimme, die haucht oder ein Groove, bei dem das Zusammenspiel der Instrumente einen dermaßen in Trance versetzt, dass man ganz woanders ist. Ich lasse mich auch gern von Percussions einlullen, die am besten irgendwie freaky sind. Und ohne Acid geht bei mir gar nix. Beim Kochen oder Abhängen höre ich übrigens gar nicht so viel elektronische Musik. Ich glaube, in meinem nächsten Leben werde ich New-Age- und Healing-DJ und spiele auf den Afterhours von irgendwelchen Psy Raves. Ha ha!

Größter Moment als DJ?

Wenn ich es im großen Ganzen betrachte: Als André Stubbs mich und meinen Mann Eddie, mit dem ich übrigens auch zusammen als Epikur auflege, gefragt hat, ob wir Residents im PAL sein wollen. Dadurch kann ich regelmäßig mit so vielen talentierten und großen DJs spielen. Und hab dazu noch eine super geile Crew um mich, die alle eine wirklich große Leidenschaft dafür haben, den Club am Laufen zu halten.

Und konkret?

Wenn es um einen tatsächlichen Moment im Club geht, hat sich vor allem mein Gig beim Electric Weekender im Leipziger Conne Island ins Gedächtnis eingebrannt. Die Party findet nur einmal im Jahr statt und ich durfte das Opening für Midland spielen. Ein gefühlt zehn Meter langes Pult ganz für mich allein. 500 Leute, die richtig Bock hatten. Hands up und smiley faces. Eine dicke Anlage. Da bin ich echt von Ohr zu Ohr grinsend raus.

 

„Hast du ‚Happy Birthday‘ dabei?“

 

Schrecklichste Gast-Frage?

Das sind doch immer die gleichen: Kannst du „Nice For What“ von Drake spielen? Hast du „Happy Birthday“ dabei? Zu der Frage fällt mir aber auch eine schöne Geschichte ein. Letztens wurde mir ein Handy hingehalten und innerlich hatte ich mich schon auf ’nen abstrusen Wunsch vorbereitet. Stattdessen hat der Gast auf dem Display eine nette Message aufgeschrieben: „Biggest respect from georgian ravers (bassiani & khidi)“ stand da. Da wär ich fast geplatzt vor Freude. Wenn jemand einen guten Rave zu schätzen weiß, dann sind es die Menschen in Georgien.

Wo gehst du hin, um Spaß zu haben?

Natürlich ins PAL und in den Pudel. Südpol ist ab und zu auch ganz lustig. Außerdem mag ich das Frappant. Und ich würde noch in den Golem gehen, wäre er noch da. Da gab es ja so was wie die perfekte Mischung aus High Class Bar und einem gut gemachten Club.

Wen würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Powder aus Japan! Außerdem Dauwd von African Acid Is The Future. Und Josey Rebelle. Und da ich schon länger kein dolles Techno-Set gehört hab, was aber trotzdem warm ist und groovt: Mama Snake.

Release und Leute des Monats?

DJ Sotofett und Maimouna Haugen – „C’est L’Aventure“ auf Honest Jons. Außerdem sollte man momentan auf das Label Space Drum Meditation ein Auge haben. Und auf die Press Group, die One Mother Crew sowie L.F.T. Und natürlich alle PAL-Residents, da kocht immer was.

 

 

Wo kann man dich als Nächstes hören?

Am 8.2. im PAL, wenn ich (als Epikur) einen meiner Lieblings-DJs supporte: Hunee! Danach spiele ich mal wieder im Waagenbau, wo vor fast zehn Jahren alles angefangen hat. Und Mitte Februar im Pudel. Außerdem steht ein Bar Gig im Chambre Basse auf dem Plan. So was mache ich auch noch gern, da kann man immer schön alles andere spielen, was zu Hause rumsteht. Vielleicht kann ich da ja weiter an meiner New-Age-Karriere arbeiten.

 

Hört hier das aktuelle Set von Cryptofauna im Podcast von hamburg elektronisch


 Dieses Interview stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – VUUDUU

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: VUUDUU (Resource / Ohne kommerziellen Wert) – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman
Foto: Katja Ruge

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Technoider, hypnotischer Ravesound.

Was war dein bisher größter Moment als DJ?

Im Tresor und in der Griessmuehle.

Deine Release des Monats?

OHNE 002 / Ohne kommerziellen Wert (Release 21.1. – Vinyl only).

 

 

Wen würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Helena Hauff.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Viele einzelne Underground-Crews bilden die Szene in Hamburg.

Und die Schwächen?

Konfetti und Seifenblasen.

Was ist dein Lieblings Ort in Hamburg?

Mein Studiokollektiv.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?

RO/AD, Strathy, Katja Ruge (nicht nur für ihre Fotos), Marie Lung, Lucinee, Lifka, aitch, STUTE.

Welcher Gig war bisher dein Favorit?

Am meisten Spaß habe ich im PAL und natürlich bei meiner eigenen Reihe Resource.

Wo kann man dich als nächstes hören?

Am 25.1. im Uebel & Gefährlich mit Dr. Rubinstein.

 

 Hört hier ein aktuelles Set von VUUDUU


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Vanessa Buena alias VABU

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Resident-DJs vor, diesmal: Vanessa Buena von Spieltrieb – präsentiert von Hamburg Elektronisch.

Vanessa, wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Tendiert zum melodischen Techno, besonders zutreffend war mal die Beschreibung vom Docks, dass ich keine Distanz zwischen mir und der Musik zulasse.


Der Hamburg Elektronisch Podcast zum Interview mit VABU:


Was war deine schrecklichste Gast-Frage?

Witzig ist immer, wenn ich nach meinem DJ-Namen gefragt werde und ihn gefühlt 100-mal wiederholen muss, weil er nicht verstanden wird.

Dein größter Moment als DJ?

Jeder Gig war für mich bisher individuell was ganz Besonderes. Die Euphorie die dabei entsteht macht mich jedes Mal aufs Neue sprachlos. Ganz groß war es für mich aber tatsächlich dieses Jahr das erste Mal auf dem Habitat Festival zu spielen, wo ich die Jahre zuvor immer als Gast war.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?

Spaß habe ich fast überall, aber der Südpol ist schon Favorit.

Wen würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Hidden Empire, finde den Sound der Jungs großartig!

Und auf wen sollte man ein Auge haben?

Surreal! Nicht weil’s einer meiner besten Freunde ist, sondern meiner Meinung nach ist er talentierter den je.

Dein nächster Gig?

Im Uebel & Gefährlich, Docks und in Berlin im Birgit&Bier und am 10.11. steigt meine Geburtstagssause im Waagenbau mit André Winter und vielen weiteren Acts.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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