Ab an die Platte: Tischtennis spielen in Hamburg

Was haben Forrest Gump, der eine Typ früher im Sportunterricht und Timo Boll gemeinsam? Sie sind verdammt gut an der Platte. Tischtennis erfreut sich auch als Hobby großer Beliebtheit, hier wirst auch du zum Fan

Text: Felix Willeke

Über 400 Tischtennisplatten gibt es alleine im Raum Hamburg. Damit sind aber nicht die klappbaren Hobby-Platten in Nachbars Garten gemeint, sondern öffentliche Tischtennisplatten. Vier im Hammer Park, fünf im Stadtpark, drei im Fischers Park in Altona und nochmal vier im Schanzenpark: Überall stehen die Platten.

Meist aus Beton, mit einem „Netz“ aus Metall laden sie jeden ein, sie zu benutzen. Es braucht nur zwei Schläger, ein bis zwei Bälle und los geht’s. Wie die Platten zu finden sind? Ganz einfach: pingpongmap.net stellt eine OpenSource-Karte bereit auf der alle Tischtennisplatten eingetragen sind. Wer eine noch unentdeckte findet, kann sie easy hinzufügen. Jetzt wo der Sommer langsam da ist, steht dem Sport an der frischen Luft nichts mehr im Wege. Egal ob zu zweit, zu viert oder „Runde“: geht Tischtennis spielen!

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Es gibt in Hamburg über 400 öffentliche Tischtennisplatten (Foto: unsplash/Bady Abbas)


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„Jetzt Bayern, Dortmund oder den HSV“

Der FC Teutonia 05 gewinnt das Lotto-Pokalfinale und träumt von einem großen Gegner im DFB-Pokal

Text: Felix Willeke

„Altona hat ein tolles Spiel gemacht“, sagte Jan-Philipp Rose, Trainer vom FC Teutonia 05 nach dem Pokaltriumph gegen Altona 93. In der Tat schlug sich der Absteiger aus der Regionalliga Nord sehr gut im Lotto-Pokalfinale gegen die Teutonen aus Ottensen. Teutonia 05 ging als klarer Favorit in das Spiel. Schließlich hatten sie in der Saison beide Duelle gegen Altona 93 gewonnen. So überraschte es nur wenige, dass Teutonia schon nach zwei Minuten das 1:0 vor knapp 3.000 Zuschauer:innen erzielte – Fabian Istefo verwandelte einen frühen Strafstoß sicher. Auch in den kommenden Minuten war Altona immer einen Schritt zu spät. Das 2:0 für Teutonia nach einem Kopfball durch Can Düzel in der 14. Minute schien die logische Folge. „Wir haben die ersten zehn Minuten verpennt“, sagte Noah Gumpert von Altona 93 nach dem Spiel.

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Altona 93 versuchte in der 2. Halbzeit alles, um noch zum Ausgleich zu kommen, doch Teutonia 05 brachte die Führung über die Zeit (Foto: Erik Brandt-Höge)

Aufbäumen und Verwaltungsmodus

Nach dem Seitenwechsel versuchte Teutonia mit dem 2:0 im Rücken den Vorsprung zu verwalten und Altona 93 kam immer mehr ins Spiel. In der 62. Minute war es dann soweit: Noah Gumpert schlenzte den Ball sehenswert ins lange Eck zum 1:2 und bei den knapp 1.000 Fans von Altona keimte Hoffnung auf. Jedoch die mangelnde Chancenverwertung und ein guter Malte Schuchardt im Tor von Teutonia verhinderten den Ausgleich.

Erster Triumph und Abstiegsfrust

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Freuen sich über den Sieg im Lotto-Pokal: Der FC Teutonia 05 (Foto: Erik Brandt-Höge)

So feiert der FC Teutonia 05 seinen ersten Pokalerfolg im ersten Finale der Vereinsgeschichte. Währenddessen verpasste Altona 93 den ersten Einzug in den DFB-Pokal seit 1993/94. „So wie wir spielen, müssen wir das Spiel gewinnen. Natürlich sind wir total enttäuscht“, sagte Richard Golz, Sportdirektor von Altona, nach dem Abpfiff.

Bei Teutonia hingegen herrscht Euphorie und das zurecht. Spielte der Club noch vor sechs Jahren in der sechstklassigen Landesliga, können sie sich in der kommenden Saison auf ein Spiel im DFB-Pokal freuen. „Bayern, Dortmund oder HSV, wäre auch ein geiles Spiel“, sagte Ridel Monteiro, Mittelfeldspieler von Teutonia 05 nach dem Abpfiff. Das Team aus Ottensen blickt jetzt gespannt auf den 29. Mai 2022 um 19.15 Uhr, dann wird die erste Runde des DFB-Pokal 2022/23 live in der ARD ausgelost – gespielt wird zwischen dem 29. Juli und 1. August 2022. Unterdessen wartet auf Altona 93 eine Saison in der Oberliga. Beide Teams werden sich nach dieser Saison neu aufstellen, so auch Teutonia-Trainer Jan-Philipp Rose, er verlässt den Verein.

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Standen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

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Hamburger Pokalfinale: Alte Bekannte und neue Rivalen

Am Samstag, den 21. Mai 2022, steigt das Lotto-Pokalfinale Hamburg. Um 12.15 Uhr trifft Altona 93 auf den FC Teutonia 05 – eine gewachsene Rivalität unter Nachbarn

Text: Felix Willeke

Nur 600 Meter trennen Altona 93 und den Teutonia 05 aus Ottensen. Nach zwei Derbys in der Liga treffen sie jetzt im Lotto-Pokalfinale aufeinander. In der Regionalliga-Saison gewann Teutonia das Hinspiel in Altona denkbar knapp mit 2:1. Im Rückspiel fiel der Sieg mit 5:1 schon deutlicher aus. Die Favoritenrolle für das Pokalfinale am 21. Mai scheint damit klar. Während Teutonia in der Regionalliga Nord sogar noch kurzzeitig vom Aufstieg in Liga drei träumen durfte, steht für Altona 93 der Abstieg in die Oberliga schon fest. Doch für beide hat das Pokalfinale eine große Bedeutung. Denn abgesehen vom Derby-Charakter verspricht ein Sieg für die kommende Saison die Teilnahme im DFB-Pokal und damit nicht nur eine Prämie von über 100.000 Euro, sondern auch einen potenziell sehr attraktiven Gegner aus der Bundesliga. 

„Er müsste eigentlich noch auf mich hören“

Andreas Bergmann, Trainer von Altona 93

Umgekehrte Vorzeichen

„Altona 93 ist für mich ursprünglicher Fußball“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ragnar Törber SZENE HAMBURG. Während Altona 93 eine lange Tradition hat, ist Teutonia der Emporkömling. Altona spielte zuletzt in der Saison 1993/94 im DFB-Pokal. Damals verloren sie in der ersten Runde gegen Borussia Dortmund. Für Teutonia ist es hingegen sogar das erste Pokalfinale im Hamburger Landespokal, auch im DFP-POkal war der Verein aus Ottensen noch nie vertreten. Vor sechs Jahren spielten die Teutonen noch in der sechstklassigen Landesliga, heute hat der Kader laut transfermarkt.de einen doppelt so hohen Marktwert wie der von Altona 93. Ein Aufstieg, der ohne Investoren wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.

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Stehen sich im Lotto-Pokal-Finale gegenüber: Altona 93 und der FC Teutonia 05 (Foto: Altona 93, FC Teutonia 05)

Konfliktpotenzial und alte Bekannte

Doch nicht nur ideologisch – Tradition versus Investoren – unterscheiden sich die Clubs. Aktuell läuft ein Konflikt rund um den Stadionneubau von Altona. Teutonia möchte auch gern zukünftig am neuen Standort spielen. Das sorgt für noch mehr Konfliktpotential zwischen den beiden Clubs. Doch abseits der Rivalität treffen beim Pokalfinale auch alte Bekannte aufeinander. Der heutige Interimstrainer von Teutonia, Jan-Philipp Rose, spielte 2004 noch beim FC St. Pauli. Der heutige Trainer von Altona 93, Andreas Bergmann, trainierte damals den Club vom Millerntor und holte Rose zu den Profis. „Er müsste eigentlich noch auf mich hören“, scherzte Bergmann im Vorfeld des Spiels. Das wird Rose am Samstag sicherlich nicht tun, auch wenn er die Favoritenrolle seines Teams nur widerwillig annimmt: „Laut der Tabelle sind wir Favorit, aber ein Finale muss auch immer erst gespielt werden“. 

Lotto-Pokalfinale, Anstoß am 21. Mai um 12.15 Uhr (Einlass ab 11 Uhr) im Stadion Hoheluft.
Tickets gibt es an der Tageskasse. Das Spiel wird zudem im Rahmen des Finaltag der Amateure in der ARD live übertragen. 


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Hamburger Nachwuchs: Alarmstufe Soul

Mit sieben Gospel im Kirchenchor unter Leitung ihres Vaters. Mit 19 Ausbildung zur Musicaldarstellerin in London. Aktuell Studium an der HipHop Academy Hamburg: Gracelyn Owusu (25) kam früh zur Musik und blieb dabei. Im Sommer erscheint unter ihrem Künstlernamen „GeGe“ die Debüt-EP „Redflag & Cycles“, produziert von Kaspar „Tropf“ Wien, der unter anderem mit Jan Delay arbeitet

Interview: Markus Gölzer

SZENE HAMBURG: Gracelyn, viele R&B und Soul-Sängerinnen von Aretha Franklin bis Beyoncé haben im Kirchenchor angefangen. Ist das ein gutes Training für die Bühne?

Gracelyn Owusu: Wenn man Soul anguckt, ist es ja Teil unserer Geschichte. In der Kirche zu singen, ist nicht nur ein gutes Training, es ist ein Verständnis, das man mitbekommt. Man singt aus dem Herzen. Da geht es nur ums Singen und nicht um Technik oder wie hört sich das an. Es ist eine gute Vorbereitung und eine Erfahrung, was Soul eigentlich heißt. Soul ist mehr ein Gefühl als eine Technik.

Lernt man über dieses Gefühl auch den Kontakt zum Publikum?

Auf jeden Fall. Mit sieben dachte ich natürlich noch nicht darüber nach: Wie empfanden die das? Da wollte ich nur singen. Aber wenn man älter wird, merkt man auch, wie wichtig der Kontakt ist, der Austausch mit dem Publikum. Ein Aspekt, den man mitnimmt, aber nicht bewusst.

Soul: Geformt an der HipHop Academy Hamburg

Dein Vater ist auch Musiker. Wie wichtig war das für deinen Weg als Künstlerin?

Ich habe früh Klavierunterricht bekommen, dann den Chor, ich konnte Musik in vielen Bereichen mitnehmen. Richtig gefördert wurde das, als ich nach England gezogen bin. Ich habe am Westminster College London eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin gemacht mit Schwerpunkten wie Gesang, Tanz, Schauspiel und Fitness. An der HipHop Academy Hamburg spezialisiere ich mich mit Musikrecht, Producing, Medienund Präsenztraining, um nur einige Fächer zu nennen. Beide Erfahrungen machen mich zu der Künstlerin, die ich heute bin.

Hast du in London etwas an Hamburg vermisst?

Das klingt banal, aber tatsächlich die Bäckereien und das Brot. Und die Mülleimer. Wenn du eine Verpackung wegwerfen willst, musst da echt ewig lang suchen, bis du einen findest (lacht).

„Es geht um einen Heilungsprozess“

Im Sommer erscheint deine Debüt-EP „Redflag & Cycles“. Warum der Titel?

Es geht um die Redflag, die Warnsignale in Beziehungen. Ich rede über persönliche Beziehungen, über Freundschaft, auch Liebe. Und die Persönlichkeitsanteile an einem, die man noch nicht geheilt hat nach dem Ende von Beziehungen. Und die man dann auf andere Menschen projiziert. Man dreht sich ständig im Kreis aus Problemen, aus dem man dann nicht rauskommt. Es geht um den Aspekt, dass ich erkenne: Hey, da stimmt etwas nicht, weil ich etwas auf andere übertrage, was nur mit mir selbst und meinen Erfahrungen zu tun hat. Es geht um einen Heilungsprozess. Man muss das erkennen, dann kann man wachsen.

Welcher ist dein Lieblingssong?

Mein Lieblingssong ist „Emotional Affair“. Ich arbeite mich da stimmlich anders rein. Der besteht aus Einfachheit. Es gibt auch Chöre, aber hauptsächlich trägt ihn meine Stimme. Das ist das Besondere, weil ich mich da mal so „nackt“ ohne Instrumente zeige.

Jeder soll etwas Persönliches rausziehen

Konnte man dich auch schon live erleben?

Ich hatte 2021 rund 30 Auftritte. Unter anderem eine Hauptrolle mit eigenen Songs in dem Tanz-Theaterstück „No Other Home“ mit Regisseur Ron Zimmering und Deichkind auf Kampnagel. Im Februar habe ich beim Fusion Battle auf Kampnagel performt. Ich freue mich auf viele Gigs, bei denen ich meine EP präsentieren kann. Im Spätsommer ist eine eigene Tour geplant.

Was treibt dich an als Sängerin?

Ich habe eine Message, aber ich möchte, dass jeder etwas Persönliches rauszieht. Ich hoffe, dass ich zu jemand spreche, der das gerade braucht. Wenn mein Song nur für eine Person ein Lichtblick ist, dann habe ich meinen Job als Sängerin getan.

hiphopacademy-hamburg.de


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Sabiha: „Ein Schmuckladen voller Erinnerungen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Sabiha begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Hier im ‚Süßen Pavillion‘ duftet es immer wunderbar nach Anis. Ich arbeite seit fast zehn Jahren fest in dem Süßwarenbetrieb meiner Eltern hier am U-Bahnhof Schlump. Wir haben rund 130 Sorten Süßes im Sortiment, von fruchtigen Mischungen über spezielle Lakritze bis zu traditionellen regionalen Süßigkeiten, wie Hamburger Speck und mittlerweile sogar einen zweiten Stand im Busbahnhof Wandsbek-Markt. Mein Vater kam damals als Gastarbeiter aus der Türkei nach Hamburg und arbeitete erst in Fabriken. Durch Kollegen kam er auf die Idee, einen Süßigkeiten-Stand zu eröffnen und begann sich – gemeinsam mit meiner Mutter – mit nicht einmal 30 Sorten selbstständig zu machen.

Das war vor 32 Jahren. Seither haben meine Eltern immer viel gearbeitet. Deshalb ging es für uns Kinder nach der Schule meist direkt hierher. Während meine Geschwister andere Wege gegangen sind, hat es mich ins Familienunternehmen gezogen. Nach der Schule habe ich deshalb auch eine Ausbildung zur Verkäuferin gemacht und Erfahrungen gesammelt. Ein Teil der Geschichte meiner Familie zu sein, ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin stolz, an der Seite meiner Eltern zu stehen und sie zu unterstützen. Damit kann ich etwas zurückgeben, denn sie haben immer hart für die Zukunft ihrer Kinder gekämpft und dabei viel geopfert. 

Süße Geschichten

Für mich war auch schon früh klar, dass es mich in den Verkauf verschlagen würde. Ich liebe es, mit Menschen in Kontakt zu sein. Schüchternheit oder Berührungsängste waren dabei nie ein Problem. Ich liebe es auch länger mit den Kunden zu reden. Es bleibt meist nie beim einfachen Verkaufsgespräch, denn gerade Süßwaren wecken viele Erinnerungen. Ältere Menschen erzählen mir oft, wie sie genau diese Bonbons damals als Kind für drei Pfennig im Glas bekommen haben und heute kommen sie mit ihren Enkelkindern zu uns.

Vor Kurzem kam eine Mutter mit ihrem Kind und erzählte, wie sie vor vielen Jahren als Studentin herkam und sich was Süßes kaufte. Das ist schon verrückt. Alles hier hat seine Geschichte. Mein Papa nennt unser Geschäft immer einen Schmuckladen. Ich finde, das ist ein passender Vergleich: Der Laden erleuchtet besonders am Abend den U-Bahnhof, hinter den Vitrinen funkelt es und wenn man genauer hinschaut, sieht man einen Ort voller wertvoller Geschichten und Erinnerungen: Unsere Familiengeschichte, die Geschichte der Hersteller, der Kunden, ihrer Kinder und Enkel. Bis heute bereue ich keinen Moment, in unserem Betrieb zu arbeiten. Wenn ich noch mal neu auf dieser Welt anfangen müsste, würde ich den gleichen Weg gehen.“


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Wir sind ein Stück Heimat für dich

Professor Dr. em. Hans-Jürgen Schulke (76) ist einer der bekanntesten deutschen Sportsoziologen. Als Hochschullehrer für Sportsoziologie lehrte er in Hamburg und Bremen. Wir sprachen mit ihm über Herausforderungen für die Hamburger Vereine aus sportsoziologischer Sicht

Interview: Mirko Schneider

SZENE HAMBURG: Herr Schulke, welche Vereine hatten es in der Pandemie bislang besonders schwer?

Hans-Jürgen Schulke: Zunächst: Die Vereine gibt es nicht. Dafür sind die Profile von 90.000 Vereinen in Deutschland mit 27 Millionen Mitgliedern zu unterschiedlich. Grundsätzlich hatten Vereine Schwierigkeiten, die in starren Organisationsstrukturen verharren. Vereine, die flexibel agierten und neue Trainingsformen entwickelten oder in Kursen andere Sportarten anboten, die im Freien ausgeübt werden konnten, konnten ihre Mitglieder besser halten. Ebenso wie die etwa 40 Prozent der deutschen Vereine, die digitale Angebote machten nach dem Motto: Ihr könnt gerade nicht zu uns kommen, also kommen wir zu euch.

„Sportvereine sollten sich als Gesundheitsanbieter verstehen“

Zu Beginn der Pandemie erschienen einige Einschränkungen für den Vereinssport überzogen…

Ich habe schon beim Ausbruch der Pandemie einen Essay mit der These „Die Sportvereine müssen die Hotspots der Prävention werden“ geschrieben. Es lag im März 2020 wirklich eine merkwürdige Situation vor. Tausende Studien belegen empirisch, wie stabilisierend Bewegung auf Gesundheit und Immunkompetenz des Körpers wirkt. Als die Weltgesundheitsorganisation die Pandemie ausrief, machte sich das kaum jemand bewusst. Leider auch manche Vereine nicht. Das ist nachvollziehbar. Es lag eine Ausnahmesituation vor, die viele existenzielle Ängste bei der Bevölkerung hervorrief. Aber wir können daraus lernen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Zukunft viel stärker beachten.

„Jeder sollte sich sportlich ertüchtigen können.“

Prof. Dr. em. Hans-Jürgen Schulke

Was folgt daraus für die Vereine?

Die Vereine sollten sich als Gesundheitsanbieter für ihre Mitglieder verstehen. Und sie sollten auch gegenüber Dritten wie zum Beispiel politischen Akteuren so auftreten. Vereine leisten einen unermesslich hohen Beitrag für die Gesundheit der Bevölkerung. Auch die Verbände haben diesen Aspekt viel zu spät betont. Ketzerisch gesagt hätte ich die Aussagen von Verbänden, dass das Land sich mehr bewegen muss, gerne schon vor zwei Jahren gehört. Die Funktion des Sports für die Gesundheit ist ja sogar gesetzlich verankert. Beispielsweise existiert seit 2015 ein Präventionsgesetz. Es ermöglicht den Sportvereinen, aus Präventionsgeldern der Krankenkassen Unterstützung zu erhalten. Auch im Jugend- und Seniorenbereich gibt es vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung.

„Es war eine Fehlentscheidung, die Spielplätze zu schließen“

Welchen Einfluss hatte hat die Pandemie aus sportsoziologischer Sicht auf die Kinder?

Es ist leider ein psychomotorischer Entwicklungsrückstand von bis zu eineinhalb Jahren entstanden. Auch das ist empirisch nachgewiesen. Die Sportentwicklungsberichte und die Public Health-Forschung sprechen hier eine eindeutige Sprache. Aus meiner Sicht war es eine Fehlentscheidung, die Spielplätze zu schließen und sie teilweise sogar durch Polizisten bewachen zu lassen. Man hätte sagen müssen: Unter bestimmten Rahmenbedingungen sollen Kinder gerade jetzt miteinander spielen dürfen.

„Ein Wir-Gefühl schaffen“

Wie können die Hamburger Vereine in diesen schwierigen Zeiten Mitglieder binden?

Neben den bereits benannten Aspekten der flexiblen Angebote, der Digitalisierung und des Selbstverständnisses als Gesundheitsanbieter ist die „Verheimatung“ wichtig. Die Menschen leben in diesen immer hektischer werdenden Zeiten in immer größeren Einheiten zusammen. Vereine müssen ihren Mitgliedern zeigen: Wir sind ein Stück Heimat für dich. Bei uns findest du deine Nachbarn und viele Leute, mit denen du gerne zusammen bist. Man hat das ja an Fußballvereinen in der Pandemie gesehen, die nicht mehr in den hohen Leistungsklassen spielen. Als die gemeinsame Geselligkeit nach dem Training pandemiebedingt wegfiel, machte ihnen auch das Training keinen Spaß mehr. Es gilt mehr denn je, in den Vereinen ein Wir-Gefühl zu schaffen. Vereine wie der Walddörfer SV, der SV Eidelstedt, die TSG Bergedorf oder der ETV schaffen das hervorragend.

Vereine müssen ein Stück Heimat sein, meint der Sportsoziologe Professor Dr. em. Hans-Jürgen Schulke (Foto: privat)

Einige Vereine denken über Beitragserhöhungen nach, andere schrecken davor zurück. Was sagt die Forschung dazu?

Es lässt sich nachweisen, dass die Ankündigung einer Beitragserhöhung partiell ein Wehgeschrei auslöst. Das sollte man ernst nehmen und es ist sogar historisch erklärbar, denn Sport ist seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland eine urdemokratische Einrichtung. Das Credo von Turnvater Jahn war ja, dass jeder sich sportlich ertüchtigen können solle. Interessant ist aber: Wenn die Beitragserhöhung erst einmal Realität ist, hat sie bei den meisten Vereinen kaum Einfluss auf die Mitgliederzahlen.

Viele Vereine umgehen das Problem, indem sie die Erhöhung der Beiträge an die gestiegenen Lebenshaltungskosten koppeln. Das ist für ihre Mitglieder dann verständlich. Beitragserhöhungen sind also kein Tabu, sollten aber mit einem sozialen und lösungsorientierten Blick der Vereine auf die Mitglieder verbunden werden, die sich eine solche Erhöhung nicht oder nur schwer leisten können. Natürlich müssen die Vereine aber auch auf ihre Kostenstruktur schauen. So sind die finanziellen Folgen der Ukraine-Krise in Form von höheren Energiekosten noch gar nicht abzusehen.

Der Hamburger Sport ist Widerstandsfähig

Befürchten Sie durch die Folgen der Pandemie eine nachhaltige Schädigung der Hamburger Sportlandschaft oder blicken Sie optimistisch in die Zukunft der Hamburger Sportvereine?

Die Sportlandschaft in Hamburg ist eine ganz besondere. Hamburg ist die Stadt mit den meisten Großvereinen in Europa. Die Selbstorganisationskraft hier war schon immer sehr hoch. 1946 wurde der Vorläufer des Hamburger Sportbundes von 180 Vereinen inmitten einer Trümmerlandschaft im Besenbinderhof wieder aus der Taufe gehoben, um den Menschen eine Perspektive zu geben. Vereine sind eine großartige soziale Organisationsform. Die Stadt hat das nach anfänglicher Zögerlichkeit mittlerweile auch erkannt und Maßnahmen ergriffen wie den Active-City-Gutschein. Ich bin optimistisch, dass die Hamburger Sportlandschaft über genügend Widerstandskraft verfügt, um diese krisenhafte Situation zu meistern.


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Tanzen unter freiem Himmel: 10 Open-Air-Locations

Die Temperaturen steigen und im Mai soll es noch bis zu 30 Grad werden. Es wird also Zeit die Sonnenbrille rauszuholen und wieder unter freiem Himmel zu tanzen! Hier kommen 10 Open-Air-Locations zum Trinken und Tanzen an der frischen Luft.

Text: Henry Lührs

Partys und Konzerte auf dem Knust Vorplatz

Von Frühling bis Spätsommer finden im Rahmen der „Knust Lattenplatz Open Air” jede Menge Konzerte, Partys und kleinere Festivals statt. Schon für kleines Geld oder sogar kostenlos können Spontanentschlossene hier warme Tage bestens mit einem kalten Bier in der Hand ausklingen lassen.

Ein Highlight sind jedes Jahr die zahlreichen „Knust Acoustic” bei denen Bands und Singer Songwriter akustische Konzerte unter freiem Himmel spielen. Hier haben zum Beispiel schon Jupiter Jones, Enno Bunger oder OK KID den sonnigen Platz zwischen Karostar und Schlachthofgebäude gerockt. Kommende Open-Airs im Mai sind zum Beispiel die Konzerte von Fazer, Lucas Laufen oder Ian Fisher und Band.

Public Viewing auf dem Lattenplatz beim Knust Foto: Knust
Kostenloses Konzert vor dem Knust (Foto: Lattenplatz Open Air)

Indie-Party im Backyard vom Molotow

Im Hinterhof des Molotows versteckt sich das legendäre Backyard. Hier finden im Sommer verschiedenste Gigs statt und auch Partys werden hin und wieder mit nach draußen verlegt. Neben der Möglichkeit an der frischen Luft zu verschnaufen oder eine (Raucher)Pause einzulegen, wartet außerdem eine kleine Bar mit kaltem Bier.

Das Backyard bietet Platz für Kleinere Festivals und hin und wieder wird der Hinterhof in einen Biergarten umgewandelt. Bis in den nächsten Morgen kann man sich hier die Sommernächte unter Lichterketten und Lampions um die Ohren hauen. Kommende Open-Air-Konzerte im Mai gibt es zum Beispiel von My Ugly Clementine oder Team Scheisse. Im Juni spielt außerdem Edwin Rosen unter freiem Himmel und das Booze Cruise Festival bespielt die Bühne des Backyards.

Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake/www.instagram.com/_fox_on_the_run)
Tanzen wieder möglich: Molotow (Foto: Alexander Schliephake via Instagram)

Open-Air Raven im Edelfettwerk

Das Edelfettwerk ist bestens ausgestattet für die Open-Air-Saison. Hier kann nicht nur auf der großen BackYard-Terasse getanzt werden, sondern mit der Dachterasse und zwei Beachclubs gibt es gleich vier verschiedene Außenbereiche. Die ehemalige Fabrik für Edelfette hat bis heute ihren industriellen und urbanen Charme behalten.

Auf 400 Quadratmetern wird auf den verschiedenen Floors gefeiert – meistens zu Electro, House oder Drum’n’Bass. Techno-Highlights im Mai sind unter anderem die „Secret Garden“ Open Air oder die 16 Stunden Open Air „Yes we Dance”. Außerdem findet hier mit dem „Save the Summer Festival“ schon das erste Open-Air-Festival des Jahres statt.

Open-Air-Party (Foto: Edelfettwerk via Facebook)

Biergarten und Livemusik im Schroedingers

Direkt im Schanzenpark findet sich eine Mischung aus Kulturzentrum, Cafe, Restaurant und Eventlocation. In Corona-Zeiten hat sich vor allem der riesige Außenbereich als perfekter Ort für Konzerte und Live-Events bewährt. Jedes Wochenende werden hier verschiedene Partys gefeiert. Zu den Regelmäßigen Events gehören „Schrödingers Lichtung“ und „Schrödingers Tanzbar“, viele Veranstaltungen werden aber auch spontan über Social Media angekündigt.

Biergarten und After-Work Party kommen hier jedenfalls im modernen und zwanglosen Gewandt daher. Bei den Schrödingers Open Airs legen aber auch gerne mal renommierte DJs wie Oliver Schorries auf. Auf das Line-Up in diesem Sommer darf man daher gespannt sein!

Gesellige Sommerabende im Schanzenpark (Foto: Schroedingers via Facebook)

Open Air am Moorburger Elbdeich

Gute Partys gibt es nicht nur im Stadtkern! Gerade wenn es um Open Airs und elektronische Musik geht, lohnt sich generell der Blick auf die andere Elbseite. In Moorburg hat der Elbdeich e.V eine lebendige Plattform für Kunst, Musik und Feierkultur etabliert. Zwischen Autobahn, Hafenindustrie und Kraftwerk blüht hier das Leben bei den verschiedensten Veranstaltungen auf.

Im Sommer stehen natürlich auch Open Airs auf dem Programm. Die „Hofnarren Open Air“ lädt zum Beispiel am 28. Mai dazu ein, endlich wieder unter der Sonne zu tanzen. Auf die Ohren gibt es natürlich feinsten Techno. Aber auch das Swamp-Festival Ende Juni bringt Livemusik an den Moorburger Elbdeich.

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Foto: SZENE HAMBURG

Bootsparty auf der MS KOI

Was gibt es schöneres als auf der Elbe dem Sonnenuntergang entgegen zu schippern?! In Hamburg ist das möglich und zwar zu lauter Musik und ausgelassenen Partys auf der MS KOI. Vorbei an den vielen Kränen kann man hier auf drei Decks einmal quer durch den Hamburger Hafen tanzen. Die ersten beiden Touren für dieses Jahr hat das Party-Schiff schon angekündigt!

Am 21. Mai organisiert der Musikclub NOHO eine große 90er-Party. Auch die Sunset-Boatparty von Boris Dlugosch und Derrick White findet wieder statt, und zwar am 11. Juni 2022. Alle weiteren Partys und Events wird die MS KOI sicherlich in den nächsten Wochen ankündigen.

Auf der Elbe in den Sonnenuntergang tanzen (Foto: MS KOI via Facebook)

Livemusik auf dem Dockville Gelände

In den Sommermonaten ist auf dem Dockville-Gelände in Wilhelmsburg eigentlich immer etwas los. Auch wenn das MS Dockville Festival selbst natürlich das absolute Highlight der Open-Air Saison ist, lohnt sich der Ausflug auf die Elbinsel auch an anderen Tagen. Neben dem Dockville Festival findet beispielsweise auch das MS Artville Festival, das Spektrum Festival oder der Vogelball statt.

Neben diesen regulären Terminen gibt es aber auch noch einige weitere Konzerthighlights diesen Sommer. Am 27. August tritt der DJ und Produzent Boris Brechja bei einer großen Liveshow an der Alten Schleuse auf. Am 4. September kommt die Hamburger Techno Marching Band Meute für ein Konzert nach Wilhelmsburg. Es lohnt sich also die Augen offen zu halten und auf das Line-Up zu achten.

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Ekstase auf dem Dockville-Gelände (Foto: Andreas Hornoff)

Beach-Clubbing bei Strand Pauli

Der Beachclub Strand Pauli ist bereits im Sommermodus und hat den Laden komplett auf Vordermann gebracht. Mitten auf St.Pauli gibt es hier leckere Drinks mit Blick auf Elbe und Hafenpanorama. Bis Oktober ist die „Insel in der Stadt“, wie sich der Club selbst bezeichnet, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier schmeckt das Feierabendbier an den geselligen Grillabenden besonders gut.

Aber natürlich kann im Strand Pauli auch regelmäßig gefeiert werden. Wer keine Lust hat, auf das nächste Event zu warten, kann die eigene Freundesgruppe anmelden und selbst einen drauf machen (ab 15 Personen) oder ganze Teile des Ladens für die eigene Party mieten (ab 50 Personen).

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Sonnenuntergang im Beachclub am Hafen (Foto: Strandpauli)

Drinks und DJs in der Sands Bar

Direkt am Dammtor Bahnhof befindet sich die Kult-Cocktailbar Sands Bar. Hier gibt es leckere Drinks in entspannter und schicker Atmosphäre. Die große Terrasse wurde für die Open-Air-Saison neu gestaltet und mit einer kleinen Eventfläche ausgestattet. Bei den Sands-Open-Airs wurde in der Vergangenheit bereits ausgelassen in laue Sommernächte gefeiert. Wer gute Cocktails zu schätzen weiss, wird sich hier über eine prächtige Bar freuen.

Buntes Treiben auf der Sonnenterasse (Foto Sands Bar via Facebook)

Über den Dächern feiern im Clouds

Ganz Hamburg im Blick und dabei eine Gin Tonic in der Hand haben? In der Clouds Heaven’s Bar ist das kein Problem! Gefeiert wird hier allerdings eigenen Angaben zur Folge auch in „uppereast-Manier“. Zum Beispiel am 21. Mai 2022 bei der achten Ausgabe der Partyreihe „Upperclouds“. Auf der Dachterrasse der Bar, dem heaven’s nest, lässt es sich gut über den Dingen stehen und bei dem Elbblick schmeckt der Schampus besonders gut. Beim Dresscode gilt: Dress to Impress!

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Lounge-Feeling über den Dächern der Stadt (Foto: Clouds Heaven Nest)

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Auf den Spuren der Hafengeschichte

Das neu geplante Deutsche Hafenmuseum startet mit zweitem Standort rund um die historischen 50er-Schuppen und neuem Namen in 2022

Text: Katharina Stertzenbach

Gewaltige Kräne ragen in den Himmel, historische Güterwagen stehen auf den Schienen der einstigen Hafenbahn und im Hafenbecken schwimmen historische Wasserfahrzeuge. Darunter der heimliche Star des Hamburger Hafenmuseum: die über 100 Jahre alte Viermasterbark Peking. Am Schuppen 50A sieht es noch so aus, wie ganz früher im Freihafen. Die denkmalgeschützten Kaischuppen 50, 51 und 52 sind die letzten erhaltenen Umschlagsorte aus der Kaiserzeit im Hamburger Hafen. Genau hier befindet sich seit einigen Jahren das Hamburger Hafenmuseum. Für das Museum hätte es wohl kaum eine bessere Location geben können als die alten Kaischuppen.

Über 2500 Quadratmeter erstreckt sich im südlichen Teil des Schuppens 50A das Schaudepot des Museums. Ebenda können Besucher die etwa 10.000 Ausstellungsobjekte rund um die Themen Hafenarbeit, Güterumschlag, Schiffbau und Revierschifffahrt bestaunen. Besonders hervorzuheben ist der Teil der Ausstellung, der zeigt, was den einstigen Hafenalltag grundlegend veränderte – der Container.

Schiffsbegeisterte Besucher erfahren alles über die Containerisierung, zu den charakteristischen Berufen oder zur Kunst des Laschens – also dem Verzurren von Containern und Schiffen. Unter den ehrenamtlichen Fachleuten, die regelmäßig Führungen geben, sind auch die sogenannten Hafensenioren. Sie können den kleinen und großen Besuchern durch persönlichen Erfahrungen die spannende Geschichte des Hafens noch näher bringen.


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Vielfalt erhalten

Thomas Chiandone (55) ist Geschäftsführer des Hamburger- und des Schleswig-Holsteinischen Tennis-Verbandes. Wir sprachen mit ihm über Tennis als „Gewinner“ der Coronapandemie – und darüber, welche Herausforderungen trotzdem anstehen

Text: Mirko Schneider

SZENE HAMBURG: Herr Chiandone, welche Folgen befürchteten Sie für das Tennis in Hamburg beim Ausbruch der Coronapandemie?

Thomas Chiandone: Vermutlich ähnliche Folgen wie andere Vereinsvertreter:innen auch. Wir machten uns große Sorgen um unseren Sport und fragten uns, ob in unseren Vereinen die Mitglieder:innen wegbleiben würden. Wenn man heute auf die Mitgliederstatistik des Hamburger Sportbundes sieht, so haben die Tennisvereine in der Pandemie über 2000 Mitglieder gewonnen.

Also hat sich keine Befürchtung erfüllt?

Die Frage klingt so, als hätte es überhaupt keine Probleme gegeben. So war es natürlich nicht. Anfangs durfte ja auch kein Tennis gespielt werden. Nur der Leistungssport war davon ausgenommen. Ich erinnere mich an die Zeit, als bei uns auf der Anlage des Hamburger Tennis-Verbandes nur die Bundeskaderathlet:innen trainieren durften. Auch die Vereine konnten ihren Mitgliedern zunächst kein Tennis mehr anbieten. Dann jedoch wendete sich das Blatt.

Wodurch genau?

Es wurde bald klar, dass Tennis sowohl in der Halle als auch draußen infektionstechnisch kaum gefährlich ist. Die Spieler:innen sind ja im Schnitt während einer Partie 25 Meter voneinander entfernt. Tennisbälle können außerdem kein Corona übertragen. Das ergab eine Untersuchung im Frühjahr 2020. Das half uns und allen unseren Vereinen natürlich. Wir haben als Verband dann umfassende Hygienemaßnahmen und Konzepte entwickelt und unser Wissen den Vereinen gerne zur Verfügung gestellt. Allerdings prasselten die Änderungen von politischer Seite oft in hoher Schlagzahl auf uns ein, weshalb wir uns und die Clubs stets auf den neuesten Stand bringen mussten. Unsere Vereine und wir als Verband haben aber schnell gelernt, mit der neuen Situation umzugehen.

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Die geringe Ansteckungsgefahr ist sicher ein Faktor, meint Thomas Chiandone, Geschäftsführer des Hamburger- und des Schleswig-Holsteinischen Tennis-Verbandes (Foto: privat)

Sport mit Maske

Ist der Zuwachs von Mitgliedern bei den Vereinen nur durch den gesundheitlich recht sicheren Status von Tennis in der Coronapandemie zu erklären?

Die geringe Ansteckungsgefahr ist sicher ein Faktor. Vielleicht sind Tennisspieler:innen auch unempfindlicher als andere Sportler:innen. Das vermag ich aber letztlich nicht zu beurteilen. Ich kann nur sagen: Viele der Spieler:innen hatten kein Problem damit, mit der Maske auf dem Gesicht auf die Tennisanlage zu gehen, diese dort abzunehmen und zu spielen. Sicherlich haben die Tennisvereine auch Zuwachs aus anderen Sportarten erlebt, die mit stärkeren Einschränkungen zu kämpfen hatten. Der eine oder die andere erinnerte sich da bestimmt an ihre früheren Versuche, Tennis zu spielen, und trat in einen unserer Vereine ein.

Haben Sie als Tennisverband in der Coronapandemie Werbeaktionen für Ihre Vereine gestartet?

Nein, das haben wir nicht gemacht. Unser Schwerpunkt lag auf der Beratung der Clubs.

Trainer:innen dringend gesucht

Die Tennisvereine stehen stabil da. Ist also alles in Butter?

(lacht) Wie schon erwähnt, eine Welt ohne Probleme oder besser gesagt Herausforderungen gibt es nicht. Aktuell ist unser Thema, die neuen Mitglieder zu halten. Dafür jedoch benötigen wir noch mehr Tennistrainer:innen. Diese sind ja oft diejenigen, die erst für die volle Integration der Neuen im Verein sorgen. Tennistrainer:innen sind die wesentlichen Bezugspersonen, die den Spaß am Spiel vermitteln. Bei einem Tennislehrer:innenlehrgang wiederum bilden wir etwas über 30 Anwärter:innen in einer Gruppe aus. Aufgrund von Corona konnten wir aber lange keine Lehrgänge anbieten. Erst jetzt konnten wir wieder den ersten Lehrgang nach über zwei Jahren veranstalten. Unabhängig davon wünschen wir uns mehr Zuschauer:innen und öffentliches Interesse für unsere Veranstaltungen.

Welche wären das?

Im Herbst findet bei uns auf der Anlage in Horn ein sehr gut besetztes internationales Damen- und Herrenturnier statt. Einige der Spieler:innen, die hier zu sehen sind, machen später Karriere. Eine US Open-Gewinnerin zum Beispiel hat ein paar Jahre zuvor an unserem Turnier teilgenommen. Im März veranstalten wir zwei internationale Jugendtennisturniere. Auch für die Inklusion tun wir eine Menge, zum Beispiel im Blindentennis. Es lohnt sich wirklich, auf unserer Anlage vorbei zu schauen oder sich auf anderem Wege mit uns in Verbindung zu setzen.

„Mein Rat ist, so viele Menschen wie möglich für den eigenen Sport zu begeistern.“

Thomas Chiandone

„Von Beitragserhöhungen rate ich ab“

Versetzen Sie sich bitte einmal gedanklich in die Position eines:einer Vereinsverantwortlichen, deren Verein durch die Coronapandemie Mitglieder verliert. Wozu raten Sie einem solchen Verein?

Zunächst einmal verstehe ich die Sorgen der Vereine. Ich wünsche allen, dass sie so gut wie irgend möglich durch die Coronapandemie kommen. Die Vielfalt der Hamburger Sportwelt zu erhalten ist unser gemeinsames Anliegen. Mein Rat ist, so viele Menschen wie möglich für den eigenen Sport zu begeistern. Sei es durch Aktionen wie einen Tag der offenen Tür, durch spezielle Mitgliedergewinnungs- und Sonderaktionen oder durch Probemitgliedschaften. Das Wichtigste überhaupt ist, die Menschen auf den eigenen Verein und sein tolles Angebot aufmerksam zu machen.

Beitragserhöhungen kamen in Ihrer Antwort nicht vor.

Von Beitragserhöhungen rate ich auch ab. Ich finde sie kontraproduktiv, weil sie eine noch größere Barriere für den Vereinseintritt darstellen. Auch wenn ich gut verstehen kann, warum viele Vereine über Beitragserhöhungen nachdenken. 


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10 schöne Blumenläden in Hamburg 

Über Blumen freuen sich fast alle! Doch jetzt sind aber erstmal die Mütter dran, denn am 8. Mai ist Muttertag. Zum Glück gibt es in Hamburg mehr als eine Handvoll grandioser Blumenläden und Florist:innen. Hier kommen 10 besonders schöne:

Grüne Flora

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Foto: @grueneflora via Instagram

Wer auf der Suche nach einem prächtigen Blumenstrauß ist, sollte unbedingt in der Grünen Flora am Schulterblatt vorbeischauen. Je nach Wunsch werden hier die unterschiedlichsten Sträuße gebunden. Die Florist:innen gehen auf persönliche Wünsche ein und kennen sich mit den verschiedenen Kombinationen für einen richtig schönen Blumenstrauß bestens aus. Unentschlossene werden fachkundig beraten und in dem liebevoll ausgewählten Sortiment findet sich eigentlich für jede:n etwas. Dass das Endergebnis hier nicht immer ganz günstig ausfällt, versteht sich daher von selbst.

Grüne Flora: Schulterblatt 79, 20357 Hamburg

Tessa Petzold Blumentochter

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Foto: @tesapatzold_blumentochter via Instagram

Gleich fünf Blumentöchter gibt es in Hamburg rund um die Alster verteilt. Wir empfehlen vor allem den kleinen Tessa Petzold-Laden im Eppendorfer Weg. Hier verstopft gerne mal der Gehweg, weil Passant:innen stehen bleiben um sich die Blütenpracht am Straßenrand anzusehen. Von klassisch bis extravagant gibt es hier eine schöne, kleine Auswahl an Blumen, Sträußen und Zimmerpflanzen. Die netten Mitarbeiterinnen nehmen sich Zeit für die Zusammenstellung und das Binden von Sträußen und haben immer eine gute Idee parat. Besonders schön: Blumen, die am Ende des Tages nicht verkauft wurden, werden zum verschenken nach draußen gestellt. Die Preise liegen hier verhältnismäßig im mittleren Bereich.

Blumentochter: Eppendorfer Weg 195, 20253 Hamburg

Pflanz Kafka

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Foto: @pflanzkafka via Instagram

Für alle Pflanzenfans, die Vintage lieben, ist Pflanz Kafka in Ottensen ein absolutes Muss. Erst vor knapp zwei Jahren hat Lisa Meinen ihren Laden im Othmascher Kirchenweg eröffnet. Wegen Corona und einer Babypause hat sie 2021 pausiert und ist 2022 mit einem kleinen Pop-Up-Laden in Ottensen zurück. Alle zwei Wochen gibt es hier am Wochenende neben ausgewählten Blumen und Pflanzen auch verschiedene Vintage Vasen, Töpfe und Trockenblumen. Für jedes Event und jeden Feiertag denken sich die Betreiber:innen nette florale Specials aus. Pflanz Kafka ist definitiv einer der besondersten Blumenläden in Hamburg und jederzeit einen Besuch wert!

Pflanz Kafka: Bahrenfelder Str 51, 22763 Hamburg

Das kleine Grüne

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Foto: @daskleinegruene via Instagram

Das kleine Grüne ist der Anlaufpunkt für bunte Blumensträuße in Eimsbüttel. Im Gegensatz zum Namen des Ladens fallen die Sträuße weder klein noch nur grün aus, sondern sind bekannt dafür besonders groß und Farbenfroh zu sein. Praktisch ist hier, dass die Blumen auch geliefert und in wenigen Stunden an der eigenen Haustür angenommen werden können. Nachhaltigkeit und eine regionale Auswahl sind hier außerdem Programm. Wer sich in dem Handwerk des Floristen aber auch selbst mal probieren möchte, kann hier zum Beispiel einen Blumenkranz-Workshop buchen oder verschenken.

Das kleine Grüne: Bismarckstraße 88, 20253 Hamburg

Blumen Barthels

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Foto: Blumen Barthels via Facebook

Bei Blumen Barthels in der Fuhlsbütteler Straße gibt es eine große Auswahl an Schnittblumen und Pflanzen aller Art. Auf Bestellung werden auch besondere und ausgefallene Wünsche erfüllt. Auch hier können individuell gebundene Sträuße für einen Aufpreis direkt nach Hause geliefert werden. Ein Geheimtipp ist Blumen Barthels aber vor allem für alle Kurzentschlossenen oder die, die es eilig haben: Eine große Auswahl fertig gebundener Sträuße steht hier immer bereit um abgeholt oder geliefert zu werden.

Blumen Barthels: Fuhlsbüttler Str. 781c, 22337 Hamburg

Himmel und Erde

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Foto: @himmelunderdemeisterfloristik via Instagram

Die Meisterfloristik in Uhlenhorst zeichnet sich durch Minimalismus und Eleganz aus. Hier gehen selbst an Feiertagen, Sträuße nicht als Massenware und im Akkord über die Theke. Jeder Strauß wird einzeln und mit einem hohen künstlerischen Anspruch gebunden. Sich selbst bezeichnet die Meisterfloristik als Team von Kreativen, Illusionisten und floralen Gestaltern. Gut aufgehoben sind hier alle, die bereit sind, für makelloses, floristisches Handwerk auch etwas mehr Geld auszugeben.

Himmel und Erde: Hofweg 11, 22085 Hamburg

Blütenrausch

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Foto: Blütenrausch Hamburg via Facebook

Blütenrausch in der Herderstraße bietet neben vielen verschiedenen Schnittblumen, eine ganze Reihe an Besonderheiten für Balkon und Garten an. Das Versprechen von Blütenrausch: „Floristik der besonderen Art“. Hier gibt es immer mal wieder Blumen und Pflanzen zu entdecken, die man bisher noch nicht so häufig gesehen hat.

Blütenrausch: Herderstraße 41, 22085 Hamburg

Cassou Greenery

Foto: @cassou_hh via Instagram

Bei Cassou Greenery am Eppendorfer Baum gibt es gute Qualität auch noch für den kleinen Preis. Die Besitzerin arbeitet noch selbst als Verkäuferin und legt großen Wert darauf, für jede:n das Passende zu finden. Schnittblumen findet man hier eher weniger, dafür umso mehr Langlebiges. Der gesamte Laden mit viel Herz eingerichtet und die außergewöhnlichsten Pflanzen verstecken sich an Wand, Decke und Boden. Hier gibt es außerdem alles, was das Urban-Jungle-Herz bedarf: Keramik- und Upcycling-Arbeiten, nachhaltige Töpfe und Körbe und jede Menge anderer kleiner Geschenkideen.

Cassou Greenery: Haynstraße 25a, 20249 Hamburg

Hortensia

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Foto: unsplash/Peter Bucks 

Im Stadtteil St.Georg ist das Blumengeschäft Hortensia in der Langen Reihe seit Jahren fest etabliert! Besonders für hochwertige, individuell gebundene Sträuße, ist man bei Hortensia an der richtigen Adresse! Die Floristen zaubern kreative aber auch edle Blumensträuße. Die Auswahl ist besonders groß und beraten wird man von Expert:innen. Wer also auch an Feiertagen auf Nummer sicher gehen möchte, macht hier nichts verkehrt. Die gute Qualität spiegelt sich dafür aber auch in den nicht ganz günstigen Preisen wieder.

Hortensia: Lange Reihe 86, 20099 Hamburg

Blumenladen Susannenstraße

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Foto: unsplash/Waldemar Brandt 

Seit über 20 Jahren gilt der Blumenladen in der Susannenstraße ohne Namen und ohne feste Öffnungszeiten als absoluter Insider-Tipp in Hamburg. Und wie es mit Insider-Tipps halt so ist, hat sich die liebevolle Auswahl an Blumen und Pflanzen natürlich schon vor langer Zeit rumgesprochen. Schlange stehen lohnt sich allerdings, denn das reduzierte Angebot hat den Effekt, dass immer auf beste Qualität geachtet werden kann! Alle Pflanzen werden direkt aus Holland importiert. Wer Schnickschnack und Schickimicki sucht, ist hier allerdings falsch. Hier gilt das Motto: bodenständig, preiswert, hübsch!

Blumenladen Susannenstraße: Susannenstraße 30, 20357 Hamburg


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