Curling: Strategiesport auf dem Eis

Der Curling-Club Hamburg hat Sportgeschichte geschrieben – und kämpft wegen der Energiekosten um seine Existenz

Text: Mirko Schneider

 

Sabine Belkofer-Kröhnert (54) schaut verblüfft. „Das können Sie nicht von mir verlangen. Ich bin noch nicht aufgewärmt“, sagt die Präsidentin des Curling-Clubs Hamburg mit flehentlichem Augenaufschlag. Doch wenige Sekunden später kommt Belkofer-Kröhnert der Bitte nach, ihr Curling-Können zu demonstrieren. Grazil stößt sie sich aus den Startblöcken ab, gleitet mit ausgestrecktem rechten Bein und einer glatten Extrasohle unter dem linken übers Eis der 42 Meter langen rechten Außenbahn der vereinseigenen Halle Eckelmann-Jahr-Rink an der Hagenbeckstraße und lässt den 20 Kilo schweren, blauen Curling-Stein mit ihrer rechten Hand kurz vor der roten Linie los. Zielsicher gleitet er übers Eis und kommt im aus vier Elementen (weißer Mittelpunkt, rote, weiße und blaue Linie) bestehenden Curling-Haus zum Stehen. Belkofer-Kröhnert wirkt erleichtert. Ehrgeizig ist sie immer noch.

1986 trat sie in den aktuell 170 Mitglieder starken Curling-Club Hamburg ein. Und seit September dieses Jahres ist sie dessen Präsidentin. Ihre Ziele? „Den Club zu erhalten. Die hohen Energiekosten machen uns sehr zu schaffen. Wenn es uns in zehn Jahren noch gibt, wäre das ein Erfolg“, sagt sie.

Die perfekten Bedingungen für Curler gibt es nur in Hamburg

Gäbe es den Curling-Club Hamburg nicht mehr, wäre dies für die Sportstadt Hamburg ein riesiger Verlust. Der Verein hat den Curlingsport in Hamburg über Jahrzehnte etabliert. Es ist der größte Club Deutschlands, der einzige im Norden. Mit einem bundesweiten Alleinstellungsmerkmal: einer eigenen Curling-Halle! „Curling-Eis muss hundertprozentig plan – also eben – sein, damit die Curling-Steine gut laufen“, erklärt Belkofer-Kröhnert. Dies wird bewerkstelligt durch eine aufwendige Prozedur mit einer speziellen, energieintensiven Eismaschine. Alle anderen deutschen Clubs spielen in Eishockeystadien, die perfekten Bedingungen für Curler gibt es nur in Hamburg.

„Curling ist eine Strategiesportart, die körperlich einige Fähigkeiten erfordert, sie ist auf dem Eis total undemokratisch“
Sabine Belkofer-Kröhnert

Doch der Curling-Club Hamburg lässt sich nicht nur darüber definieren. Sondern zunächst über die Passion aller Mitglieder für diese Sportart. Die wie folgt funktioniert: Vier Spieler pro Team spielen jeweils zwei Steine Richtung Curling-Haus. Punkte gibt es pro Durchgang (End) immer nur für ein Team. Und zwar so viele Punkte, wie Steine des eigenen Teams ohne Unterbrechung durch einen anderen Stein dem Mittelpunkt am nächsten liegen. Gespielt werden acht Ends, bei Meisterschaften zehn. „Curling ist eine Strategiesportart, die körperlich einige Fähigkeiten erfordert“, führt Belkofer-Kröhnert aus. „Und“, fügt sie lachend hinzu, „sie ist auf dem Eis total undemokratisch.“

„Ein echter Curler verliert lieber, als unehrenhaft zu gewinnen“

Denn in jedem Viererteam gibt der Mannschaftsführer (Skip) nahe am Curling-Haus stehend den Ton an und bestimmt die Taktik. Alle Spieler sind miteinander verkabelt, bei Titelkämpfen kann jedes Wort von den Zuschauern mitgehört werden. Wird ein Stein gespielt, wischen zwei der vier Spieler vor diesem mit Besen das Eis. „Ein Stein wird nie gestoßen, sondern einfach losgelassen und besitzt dann eine Drehbewegung mit oder gegen den Uhrzeigersinn, den Curl. In welche Richtung er curlt, wird durch das Wischen beeinflusst. Ebenso die Länge seiner Bahn. Gute Wischer können die Länge des Gleitens des Steins um drei bis vier Meter verlängern“, so Belkofer-Kröhnert. Der Skip selbst spielt die letzten beiden Steine. Wie faszinierend das ist, zeigen schon die Trainingsspiele an diesem Abend. Den gegnerischen Stein rausschießen? Einen Block setzen? Welche Taktik des Gegners antizipieren? Das Spiel bietet viele Variationsmöglichkeiten.

Und liebenswerte Besonderheiten! „In unserer Clubliga lädt nach Spielen der Sieger den Verlierer stets auf ein Getränk ein. Diese Tradition wird hochgehalten und ist kennzeichnend für die schöne und freundliche Atmosphäre hier im Verein“, sagt die frühere deutsche Juniorenmeisterin Maike Beer (26). Und Belkofer-Kröhnert ergänzt: „Curling ist ein schottischer Sport. Fairplay wird großgeschrieben. Schiedsrichter gibt es nicht. Die Spieler machen alles unter sich aus. Ein echter Curler verliert lieber, als unehrenhaft zu gewinnen.“ Ebenfalls typisch britisch ist die Whisky-Geschichte. „Früher war es so: Gelang einem Team ein Eight-Ender, also acht Punkte in einem End, wurde es automatisch lebenslang Mitglied im Royal Caledonian Curling Club, dem Mutterclub des Curlens, und es bekam jedes Jahr eine Kiste Whisky nach Hause geschickt“, sagt Belköfer-Kröhnert schmunzelnd.

Zweimal bei Olympia

Zur ruhmreichen Historie ihres Clubs hat sie wiederum viel beigetragen. 2002 startete sie bei Olympia im amerikanischen Salt Lake City, holte mit ihrem Team den fünften Platz und löste den damaligen Curling-Boom mit aus. „Ich hatte damals die Olympia-Qualifikation mit meinem Team verpasst, weil wir wegen einer verletzten Spielerin nicht antreten konnten. Doch die damals beste deutsche Curlerin Andrea Schöpp verzichtete aus persönlichen Gründen auf Olympia. Ich erhielt also im Jahr 2001 an Heiligabend einen Anruf vom Bundestrainer. Er sagte, wenn ich Zeit hätte, wäre ich dabei. Das war ein traumhaft schönes Erlebnis“, erinnert sich Belkofer-Kröhnert.

„Ein echter Curler verliert lieber, als unehrenhaft zu gewinnen.“
Sabine Belkofer-Kröhnert

Eine ähnlich märchenhafte Geschichte erlebte der mehrfache Hamburger Meister Sven Goldemann (53), der sich gemeinsam mit John Jahr, Peter Rickmers, Christopher Bartsch und Felix Schulze 2014 für die Winterspiele im russischen Sotschi qualifizierte. „Das Sotschi-Abenteuer war der absolute Höhepunkt meiner sportlichen Laufbahn. Wir waren ja alle Amateure und plötzlich interessierten sich nach der Qualifikation für die Olympiade so viele Medien für uns, dass wir in den sechs Wochen vorher kaum mehr zum Trainieren kamen. Es war alles sehr aufregend, ein Glücksgefühl fast wie bei der Geburt eines Kindes“, erinnert sich Goldemann. „Wir wurden leider nur Zehnter, lebten aber den olympischen Gedanken ,Dabei sein ist alles‘.“

„Eine Option ist es, die laufende Saison vorzeitig abzubrechen“

Um weiter dabei zu sein, die Hamburger Meisterschaft in Turnierform, den Hamburger Hafenpokal und die Hamburger Club-Liga austragen und beste Trainingsbedingungen bieten zu können, braucht der CurlingClub Hamburg allerdings eine Lösung für die gestiegenen Kosten. „Der Hamburger Sporbund hat Entlastungen angekündigt. Wie genau diese aussehen, ist aber noch offen. Eine Option ist es leider, die von Oktober bis März laufende Saison vorzeitig abzubrechen“, sagt Belkofer-Kröhnert. Für die treuen Mitglieder, trotz Corona verzeichnete der Club keine Austritte, wäre dies sehr schade. Eine Beitragserhöhung jedoch lehnt Belkofer-Kröhnert ab. „Das wäre der falsche Weg“, sagt sie. Und: „Wir sind gerade dabei, wieder Spieler im Herren-, Frauen-, und Juniorenbereich aufzubauen, die an den deutschen Meisterschaften teilnehmen können. Wir werden unser Bestes geben, damit unser geliebter Curling-Club Hamburg weiterbestehen kann.“


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Danni: „Ich sehe so viele freudige Gesichter“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Für SZENEzeigen fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diesmal Woche sind wir Danni begegnet

Protokoll: Katharina Stertzenbach

 

Seit sieben oder acht Jahren bin ich mit meinem Stand schon auf dem Weihnachtsmarkt in Ottensen. Ich mochte schon immer diesen schreiend bunten und total kitschigen Weihnachtsbaumschmuck und dachte, dass andere Leute daran bestimmt auch Freude haben. Deswegen habe ich damals meinen Stand aufgemacht und das war der absolut richtige Riecher. Den kleinen Stand betreibe ich heute parallel zu meinem Hauptjob – ich arbeite eigentlich freiberuflich in der Kommunikationsbranche und der Laptop für die Mails ist immer mit dabei. Mit dem Verkauf hier verdiene ich nicht wirklich viel Geld, aber darum geht es mir auch nicht.

„Die Menschen fangen dann einfach an zu lächeln“

Die Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt ist eine komplett andere. Ich werde ein bisschen aus meinem Alltag rausgezogen, wenn ich in der Hütte zwischen meinen Yoga-Weihnachtsmännern, den grünen Gurken und witzigen Nilpferden stehe. Ich muss hier nicht lang diskutieren oder nachdenken. Entweder die Sachen gefallen den Leuten oder sie gefallen nicht. Ich sehe während der Weihnachtsmarktzeit so viele freudige Gesichter. Die Menschen laufen vorbei, bleiben stehen und fangen dann einfach an zu lächeln, das ist doch schön.

„Die grüne Gurke lässt sich in den Tannenzweigen richtig gut verstecken“

Mittlerweile gehöre ich schon zu den alteingesessenen Ständen. Das habe ich gerade erst gemerkt. Ich konnte in diesem Jahr wegen meines Hauptjobs erst in der zweiten Weihnachtsmarktwoche öffnen und sofort kam ein Kunde vorbei und meinte: ‚Gott sei Dank, dass Sie wieder hier sind! Ich hab’ Sie schon vermisst.‘ Und ein anderer kam und meinte: ‚Letztes Jahr habe ich mir den Wal bei Ihnen gekauft und jetzt muss ich gleich mal gucken, was es denn so Neues gibt.‘ Eine Sache, die sich bei mir immer gut verkauft, ist die Weihnachtsgurke. Nach US-amerikanischem Weihnachtsbrauch, dürfen die, die die Gurke zuerst im Weihnachtsbaum entdecken als Erste die eigenen Geschenke auspacken. Das ist oft gar nicht so einfach, denn die grüne Gurke lässt sich in den Tannenzweigen richtig gut verstecken.

Wenn die Arbeit hier mal wieder sehr anstrengend ist und ich denke: Diese Scheiß-Weihnachtskugeln, dann verspreche ich meinem Mann jedes Mal, dass ich es nicht noch mal mache. Aber er weiß, glaube ich, schon besser als ich, dass ich auch 2023 wieder hier stehen werde.


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Hockey-EM: Hamburg sucht Europameister:innen

Während in der Wüste Fußball gespielt wird, werden in Hamburg bei der Hallenhockey-Europameisterschaft vom 7. bis 11. Dezember 2022 die besten Hockeyteams des Kontinents gesucht

Text: Felix Willeke

 

Das Spitzenhockey ist in der Stadt: Vom 7. bis 11. Dezember 2022 finden in Hamburg die Hallenhockey-Europameisterschaften der Männer und Frauen statt. Von Donnerstag bis Sonntag wird damit die Alsterdorfer Sporthalle zum Nabel der Hockeywelt und die deutschen Teams gehen dabei auch noch als Mitfavoriten ins Rennen. Denn sowohl das Damen- als auch das Herren-Team sind Rekordtitelträger:innen. Doch während die Damen in Topbesetzung am Start und nach dem vierten Platz 2020 auf Revanche aus sind, treten die Herren nicht mit allen Stars an – Hintergrund ist die schon im Januar 2023 anstehende Feldhockey-Weltmeisterschaft im indischen Bhubaneswar.

In Hamburg sagt man Tschüss

Hockey-EM Tobias Hauke WC HOCKEY INDOOR 2015

Tobias Hauke (l.) bestreitet bei der Hockey-EM sein letztes Turnier im Trikot der Nationalmannschaft (©worldsportpics.com / Frank Uijlenbroek)

Während die Top-Spieler der Deutsche Herren Hockey-Nationalmannschaft (Honamas) schon mit einem Auge nach Indien schauen, ist bei der EM in Hamburg – die ursprünglich im Januar 2022 stattfinden sollte und wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde – auch Zeit für Abschied. Vier der größten Nationalspieler:innen stehen in Hamburg das letzte Mal bei einem internationalen Turnier auf dem Feld. Mit Lisa Altenburg, Janne Müller-Wieland und Franziska Hauke verabschiedet die Damen Hockey-Nationalmannschaft (Danas) gleich drei Spielerinnen. Bei den Herren sagt einer der besten Tschüss: Mit Tobias Hauke beendet der Welthockeyspieler von 2013 bei der EM seine Karriere im Nationalteam und spielt den Rest der Hallensaison beim HTHC zu Ende, bevor endgültig Schluss ist. „Für mich ist etwas ganz Besonderes, hier mit dabei zu sein, denn ich hatte in der langen Karriere tatsächlich noch kein internationales Championat in meiner Heimatstadt und bin dankbar, das noch mitspielen zu können“, sagt der gebürtige Hamburger.

Hockey als Ablenkung

Ganz anders geht es indes den Damen, die seit drei Wochen beim TTK Sachsenwald in Wohltorf trainieren. Das Frauen-Nationalteam der Ukraine nimmt ebenfalls an diesen Europameisterschaften teil. „Wenn du auf dem Spielfeld bist, vergisst du alles für ein, zwei Stunden. Du machst etwas, das zu deinem normalen Leben gehört hat. Das erinnert uns daran, dass es dieses normale, gute Leben gibt und dass wir vielleicht einfach nur warten und beten müssen, dass es irgendwann endet und wir nach Hause können“, sagte Kapitänin Yevheniia Moroz dem NDR. Während die Damen aus der Ukraine am 7. Dezember um 10.30 Uhr ihr Auftaktspiel gegen Tschechien bestreiten, sind Herren wie Damen aus Russland und Belarus – die bei den Damen 2020 in ihrer Heimat den Titel gewannen – wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine vom Turnier ausgeschlossen.

Bestes Hockey von Mittwoch bis Sonntag

Den Auftakt in die Hockey-EM machen am 7. Dezember um 10:30 Uhr die Damen mit der Partie Ukraine gegen Tschechien, die Deutschen starten dann um 13 Uhr gegen die Türkei in das Turnier. Einen Tag später, am 8. Dezember, greifen auch die Männer ins Geschehen ein. Los geht es um 9:30 Uhr mit der Partie Tschechien gegen die Niederlande. Die Deutschen bestreiten ihren Auftakt um 15:45 Uhr gegen Belgien. Das Finale der Damen wird am 10. Dezember um 15:35 Uhr gespeilt und am 11. Dezember um 14 Uhr geht es bei den Herren um den Titel.

Tickets für die Spiele der Hockey-EM in der Alsterdorfer Sporthalle gibt es ab 12 Euro (ermäßigt 10 Euro).


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„Seefahrt ist für viele ein Befreiungsschlag“

Ein Duckdalben ist ein Pfahl, an dem Schiffe festmachen. Duckdalben international seamen’s club gibt Seeleuten aus aller Welt Halt. Im März hat Seemannsdiakon Sören Wichmann (28) nach 36 Jahren die Nachfolge des legendären Leiters Jan Oltmanns angetreten. Ein Gespräch über tödliche Taue, stündliches Neujahr und Seefahrt gegen das Patriarchat

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Sören, wie muss man sich das moderne Matrosenleben vorstellen? Ist da noch Platz für Seefahrerromantik?

Sören Wichmann: Das ist eher unrealistisch. 52 Prozent der Seeleute kommen von den Philippinen. Die sind an Bord, um zu arbeiten. Das Schiff ist Lebens- und Arbeitsplatz. Man soll sich mal vorstellen, mit seinen Kolleginnen und Kollegen neun Monate im Büro zu leben. Da ist wenig Platz für Privatsphäre. In den Liegezeiten geht’s um Laderaten. Da müssen Container von Bord, mal an Bord. Dann müssen Lebensmittel gebunkert werden. Das führt dazu, dass Seeleute nur zwei bis sechs Stunden Landgang haben. Dafür genießen sie es umso mehr.

Was bietet der Duckdalben in dieser kurzen Zeit?

Wir versuchen als Mischung aus Jugendzentrum, Eckkneipe und Museum den Seeleuten eine gute Freizeit abseits von Bord zu geben. Wir sind eine Tagesaufenthaltsstätte. Hauptsächlich für Seeleute von Handelsschiffen. Wir haben keine Unterbringung, die schlafen an Bord. Wir sind von 10 Uhr morgens bis 22.30 Uhr offen und können fast alle Schichtzeiten abdecken, die es an Bord so gibt. Dann haben wir den Bereich der Bordbetreuung. Das macht mein Kollege Jörn Hille. Das ist die aufsuchende Arbeit im Hamburger Hafen. Und es gibt als dritten Bereich die Seafarers’ Lounge. Die leitet mein Kollege Olaf Schröder. Die betreuen Seeleute auf Kreuzfahrtschiffen.

„Aber hey! Du bist nicht allein“

Was sind typische Situationen, in denen ihr seelsorgerlich helft?

Wir machen zum Beispiel klassische Krankenhausseelsorge. Fast alle Seeleute kommen nicht aus Deutschland und sitzen dann manchmal im Krankenhaus, wo keiner mit denen Englisch spricht. Da gibt’s kulturelle und sprachliche Barrieren. Die Seeleute fragen sich: Warum krieg ich immer so schwarzes Zeug mit einer weißen Creme drauf? Dann erklären wir, dass das Schwarzbrot mit Butter ist. Es geht drum zu zeigen: „Du bist im Ausland im Krankenhaus – eine gruslige Situation. Aber hey! Du bist nicht allein.“ Wir sind da. Andere Themen sind: „Meine Freundin ist schwanger und ich bin jetzt den elften Monat auf See“ über „Ich habe meine Heuer nicht bekommen“ bis zu „Meine Mama ist zu Hause gestorben. Was tue ich da?“. Es ist aber auch viel Schönes dabei. Ein Kugelschreiber kann Tränen auslösen. Endlich hat man nach zwei Monaten die Möglichkeit, seine Gedanken aufschreiben.

„An Bord kann sie trans sein, weil das alle okay finden“

Gibt’s auch Seefrauen?

In der Handelsschifffahrt zwei Prozent, Zahl langsam steigend. Auf Kreuzfahrtschiffen ist das deutlich anders. Fast das ganze Housekeeping ist weiblich. Bei einer Besatzungsstärke von 1500 Leuten ist man da locker bei 900 Frauen Es gibt den Satz: Seeleute von Kreuzfahrtschiffen verlassen ungern den Schatten ihres Schiffes. Die haben viele Schichtarbeitszeiten, wenig Ruhezeiten. Deshalb gibt’s in den Kreuzfahrtterminals Café-Ecken. Duckdalben in Mini. Da können die Seeleute hingehen, Kaffee trinken, neue Socken kaufen. Das ist der Bereich Seafarers’ Lounge, Seelsorge für Kreuzfahrt-Seeleute.

„Wenn sie den Dampfer nicht sauber halten, gammelt der ihnen unter dem Arsch weg im Salzwasser.“
Sören Wichmann

Welche Anliegen haben Seefrauen?

Auf Kreuzfahrtschiffen ist Schwangerschaft immer wieder ein Thema. Auf Handelsschiffen weniger. Ich hatte ein besonderes Erlebnis mit einer Seefrau. Zu Hause ist sie ein Filipino, ein Mann. Da ist es verpönt, trans zu sein. An Bord kann sie trans sein, weil das alle okay finden. Seefahrt ist auch ein Ermöglichungsspielraum. Wir haben einige indische Seefrauen. Zum Teil mitreisende Ehefrauen von Seeleuten. Das ist bei manchen Reedereien erlaubt und total schön. Oder Seefrauen sind als Ingenieurinnen an Bord. In patriarchalen Gesellschaften wie Indien ist das die Möglichkeit, sozialen Aufstieg zu erlangen, aus Kaste und Unterdrückungsmechanismen auszubrechen. Da ist Seefahrt für viele ein Befreiungsschlag.

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„You dip your finger into the sea and you are in touch with the whole world“ steht auf einem Container auf dem Parkplatz beim Duckdalben in Hamburg-Waltershof (©Nina Gollnick)

„Hafen ist ein menschenfeindlicher Industrieraum“

Du hast selbst an den Duckdalben gearbeitet. Nicht metaphorisch, sondern real als Festmacher. Wie viel Manpower steckt heute noch in der Seefahrt?

Hafenarbeit ist körperliche Arbeit. Container werden mit Metallklötzen gesichert, den Twistlocks. Oder Muddis und Papis, wie wir im Hafen sagen. Die wiegen 15 bis 20 Kilo. Die Arbeiter und Arbeiterinnen heben sie mit einer Hand hoch, hauen sie dem Container rein, dann wird das Ding mit einem Kran an Bord gehievt und mit einer Ratsche festgezogen. Fast alles ohne Maschinen. Seeleute an Bord müssen den ganzen Tag Rost klopfen und neu lackieren. Wenn sie den Dampfer nicht sauber halten, gammelt der ihnen unter dem Arsch weg im Salzwasser. Ich habe als Festmacher – platt gesagt – Leinen um Poller gelegt. Nur wiegt die Leine pro Meter gern 30 oder 40 Kilo. Wenn’s ein Drahtseil ist, auch mal deutlich mehr. Das ist nicht nur körperlich, sondern auch gefährlich.

Wo liegt die Gefahr? Dass das Tau reißt?

Taue reißen nicht. Die brechen, weil sie so stabil sind. Die werden mit einer Anpresskraft von 40 Tonnen festgezogen. Wenn die brechen, schlagen sie um sich wie eine Schlange. Zuvor fangen sie an zu surren beziehungsweise zu singen. Es gibt den Spruch: Sobald die Leine singt, ein Festmacher in den Hafen springt. Ich habe das zweimal erlebt. Bei dem einen Mal war Schneetreiben. Wir saßen im Auto, haben das Surren gehört und uns sofort in den Fußbereich gelegt. Mit der Kraft, die auf den Seilen liegt, machen die aus einem Auto ein Cabriolet. Das hat geknallt, als wäre nebenan eine Kanone losgegangen. Dann hat es neben Schnee Taureste geschneit. Eine Viertelstunde lang. Der Hafen wird immer als romantisch bezeichnet, ist aber härteste Arbeitsrealität. Hafen ist ein menschenfeindlicher Industrieraum. Da werden Waren umgeschlagen, der Mensch existiert als Mittel zum Zweck. Wir sind das Gegenprogramm.

„Ich bin Sozialarbeiter mit Leib und Seele“

Du kümmerst dich darum, dass andere Menschen nicht allein sind. Gibt’s Momente, in denen du dich einsam fühlst?

Ich habe das große Glück, eine tolle Freundin zu haben, die hinter mir und meiner Arbeit steht. Natürlich hat man Momente, in denen man zweifelt. Wenn man weiß, was man an Spendenaufkommen hat und was wir brauchen, um unsere Mitarbeiter hier zu bezahlen. Da schlackern einem manchmal die Knie: Wie kriege ich das jetzt wieder hin? Oder wenn ein Fahrzeug einen Unfall hat. Viele dieser Kolleginnen und Kollegen sind Freunde geworden über die Jahre. Man hat hohe Verantwortung. Da ist es doch manchmal büschen einsam (lacht). Aber ich bin Sozialarbeiter mit Leib und Seele. Es ist erfüllend zu sehen, dass unsere Arbeit wirkt. Die Seeleute kommen hier rein, Schultern hochgezogen, der Kopf ganz weit unten. Und wenn sie rausgehen, sind die Schultern wieder unten, sie sind ausgelassen. Das zeigt, dass wir etwas richtig machen.

Was macht ihr an Weihnachten?

Weihnachten wird auf fast allen Schiffen gefeiert. Whole Indian Crew, fast alles Hindus, und die haben einen Weihnachtsbaum bei sich stehen. Die bringen uns allen die Weihnachtsgeschenke: 90 Prozent aller Waren kommen über den Seeweg. Bei uns gibt es deshalb die Aktion „Christmas in the Box“: Gemeindemitglieder, große Betriebe, Kindergärten und viele Einzelpersonen schicken Boxen mit Geschenken, die wir zu den Schiffen bringen. Das sind Tausende von Päckchen.

„Wir feiern bis 7. Januar, weil wir die Orthodoxen dabeihaben.“
Sören Wichmann

Es ist herzerwärmend, wenn Oma Ernas Häkelclub 60 Wollmützen schickt. Wir freuen uns über alles, aber bitte kein Obst! Wir hatten mal sechs Kilo Mandarinen in einer Box. Die kamen im November, am 24.12. sind wir losgefahren, und das war echt eklig (lacht). Abends gibt’s hier für die Seeleute ein weihnachtliches Buffet und eine traditionelle christliche Andacht. Dann singen wir krumm und schief auf allen Ländersprachen „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und das ist total schön. Wir feiern bis 7. Januar, weil wir die Orthodoxen dabeihaben. An Silvester wird zu jeder vollen Stunde Neujahr gefeiert. Wir müssen ja einmal um die ganze Welt (lacht).


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Neuer Direktor für das Planetarium

Das Planetarium Hamburg bekommt zum 1. Februar 2023 mit Dr. Björn Voss einen neuen Direktor. Der bisherige Leiter des Hauses geht nach über 20 Jahren in den Ruhestand

Text: Felix Willeke

 

Er wolle das Planetarium Hamburg als „Wissenschaftstheater“ und als Hamburgs „Tor zum Universum“ weiterentwickeln, sagt Dr. Björn Voss. Der international anerkannte Astronom wurde 2006 in Kiel in Astrophysik promoviert. Seit 2007 leitet er das Planetarium Münster und wird am 1. Februar 2023 der neue Direktor des Hamburger Sternentheaters. 

Eine Ära geht zu Ende

Wenn der Neue kommt, geht der Alte: Professor Thomas Kraupe leitet das Haus im Stadtpark seit 22 Jahren und geht zum Jahresende in den Ruhestand. Unter seiner Leitung wurde das Planetarium mehr als einmal umgebaut und erstrahlt seit 2017 in neuem, modernen Glanz. Björn Voss „kann auf die erfolgreiche Arbeit von Prof. Kraupe und dem Team des Planetariums aufbauen, die das Haus technisch und baulich in den letzten Jahren immer weiterentwickelt und zu einem der erfolgreichsten Planetarien im deutschsprachigen Raum gemacht haben“, sagt Dr. Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien.


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Kaufhaus Hillmer: Geht nicht, gibt’s nicht

Susanne Wischhöfer führt das Kaufhaus Hillmer in der dritten Generation. Ein Besuch in dieser Bergstedter Institution ist wie eine kleine Zeitreise

Text: Sirany Schümann

 

An einer der zahlreichen Backsteinfassaden am Volksdorfer Damm in Hamburg-Bergstedt hängt ein Ladenschild. Die hier angepriesenen Lebensmittel und Spirituosen gibt es schon lange nicht mehr. Das Geschäft, das sich hinter dem Schild verbirgt, existiert allerdings noch immer. Seit 1929 ist das Kaufhaus Hillmer eine Institution. Heute stapeln sich auf den rund 63 Quadratmetern 3.000 bis 4.000 Produkte in unzähligen Regalen. Darunter Hausrat, Porzellan, Geschenkartikel und Spielwaren.

„Ich verlasse selten den Laden, ohne etwas gekauft zu haben“, sagt eine Kundin, die gerade zwei schlichte Blechdosen und ein Gerät zum Mahlen von Parmesan und Nüssen gekauft hat. Letzteres „war ein Spontankauf “, sagt sie. Von diesen nicht alltäglichen Küchengeräten gibt es viele im Kaufhaus Hillmer. Die ganz besonders alten Exemplare, etwa ein Butterrührgefäß mit Kurbel und eine Emailleflasche, sind in einem gläsernen Verkaufstresen zur Ansicht ausgestellt. Hinter dem Tresen steht Susanne Wischhöfer, die Enkelin von Anna Hillmer, die das Kaufhaus 1929 eröffnet hat. Ihre Eltern Rolf und Gerda Hillmer haben das Geschäft Anfang der 1960er-Jahre übernommen. Seit 26 Jahren führt Susanne Wischhöfer das Kaufhaus, ihr Bruder ist stiller Inhaber.

Zwischen Tropfenfängern und Bohnenlangschneidern

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Heute gibt es im Kaufhaus Hillmer immernoch die Dinge, die man sonst fast nirgendwo findet (©Sirany Schümann)

Unterstützung im Verkauf bekommt sie von Kamila und Tine, ihren beiden festen Mitarbeiterinnen. Kamila steht gerade am Ende eines schmalen Ganges. Vor ihr eine Wand voller Weckgläser, Flaschen, Gummiringe und weiterem Einmachzubehör und neben ihr eine etwas überforderte Kundin: „Bei der Auswahl kann ich mich ja gar nicht entscheiden.“ Diese Überforderung scheint verständlich, bei der Enge und der Vielfalt an Produkten. Hier gibt es wirklich alles: vom Bohnenlangschneider über die Besteckablage für den gedeckten Tisch – eine bierdeckelgroße Scheibe aus Edelstahl, die an einer Seite nach oben gebogen ist und dort einen Schlitz für das Messer bereithält – und den zusammenklappbaren Kartoffelstampfer bis hin zum Tropfenfänger für Teekannen. „Der verkauft sich richtig gut“, sagt Kamila, die ihre zufriedene Kundin mittlerweile zur Kasse geschickt hat.

Doch wie kommt so ein ungewöhnliches Sortiment an Ware zusammen? „Manchmal sehe ich was und denke mir: Das passt hierher! Und dann bestell ich’s“, sagt Susanne Wischhöfer. Dabei ist ihr eines besonders wichtig: eine gute Qualität. Ihre Produkte bezieht sie aus Schweden, Nordirland, Österreich und Schottland. Einige mechanische Küchengeräte haben 20 Jahre Garantie. „Ich kann schlecht Dinge wegschmeißen“, sagt sie und stellt sich mit ihrem zum Teil fast antik anmutenden Sortiment gegen die Wegwerfmentalität. „Wer zufällig noch einen Staubsaugerbeutel für alte Modelle braucht, könnte bei uns fündig werden“, sagt sie.

„Wer zufällig noch einen Staubsaugerbeutel für alte Modelle braucht, könnte bei uns fündig werden“
Susanne Wischhöfer vom Kaufhaus Hillmer

Mit der Zeit gehen

Trotz des alten Charmes geht das Kaufhaus Hillmer mit der Zeit. Seitdem Susanne Wischhöfer Geschäftsführerin ist, hat sich das Sortiment verändert und verjüngt. So war die Erweiterung des Sortiments an Einmachutensilien eine Idee der 64-Jährigen und das hat sich spätestens seit der Pandemie voll ausgezahlt. Überhaupt konnte das Kaufhaus Hillmer viele Corona-Beschäftigungen mit den passenden Materialien bedienen: Wer Brot backen, etwas fermentieren, alte Hosen nähen oder neue Socken stricken wollte, wurde hier fündig. Dazu denkt die Inhaberin auch immer an saisonale Trends: Noch vor Weihnachten erwartet sie eine große Lieferung an Wolle, „falls die Leute mehr Pullover stricken wollen wegen der Energiekrise“. Außerdem würden Campingkocher, Petrollampen und Handmixer mit Kurbel, die ohne Strom funktionieren, derzeit ebenfalls gut laufen.

„Man hilft, wo man kann!“

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Seit 26 Jahren führt Susanne Wischhöfer das Kaufhaus Hillmer in dritter Generation (©Sirany Schümann)

„Einem Kunden musste ich mal einen Knopf annähen, einem anderen habe ich das Stricken gezeigt“, sagt Susanne Wischhöfer schmunzelnd und fügt hinzu: „Man hilft eben, wo man kann.“ Für diese individuelle Beratung und die Freundlichkeit gibt es für sie und die Kollegen auch schon mal ein Dankeschön. „Die Leute bringen Kostproben ihrer selbst gemachten Sachen vorbei“, sagt Kamila. Eingeweckte Lebensmittel oder kleines, kugelförmiges Gebäck aus der neu erstandenen Pförtchen-Pfanne, die sich sicherlich auch gut für die Zubereitung des niederländischen Pendants Poffertjes eignet. Der norddeutsche und nicht jedem geläufige Begriff Pförtchen ist nicht die einzige Wortwahl, die im Kaufhaus Hillmer schon zu Verwirrung geführt hat. „Einmal kam ein Kunde und hat nach Eierbechern gefragt. Die hab ich ihm dann gezeigt. Daraufhin hat sich herausgestellt, dass er etwas ganz anderes meinte. Eierbecher nennt sich nämlich auch die Munition für Luftgewehre“, erzählt Susanne Wischhöfer, „da konnte ich ihm natürlich nicht weiterhelfen.“

„Wir haben schon alles Mögliche eingedost“

Eine neue Kundin betritt den Laden und wird, wie fast alle, von der Inhaberin wie selbstverständlich mit Namen begrüßt. „Haben Sie diese Gummis noch, die ich immer kaufe?“, fragt die ältere Dame. Susanne Wischhöfer weiß gleich, was gemeint ist und begibt sich auf die Suche. Das ist fast schon ein Motto im Kaufhaus Hillmer: Für die Kunden immer das Beste geben und möglichst alle Wünsche erfüllen. Egal ob eine 30-Liter-Obstpresse oder 20 Gärtöpfe für Sauerkraut, alles kein Problem! Mit genügend Vorlauf können auch größere und außergewöhnlichere Gerätschaften über die Lieferanten organisiert werden.

„Ich möchte, dass uns so was wie das Kaufhaus Hillmer erhalten bleibt“
Kundin im Kaufhaus Hillmer

Gerade zur Weihnachtszeit ist der wahrscheinlich einzigartige Verpackungsservice im Kaufhaus Hillmer besonders beliebt: Mit einem eigentümlichen roten Gerät mit Drehrad, einer Dosenverschlussmaschine, können die Kunden Geschenke für einen Euro (zuzüglich Dose) einpacken lassen. „Wir haben schon alles Mögliche eingedost: Golfbälle, Geld, Schmuck und Unterhosen“, sagt Susanne Wischhöfer. Die Geschenke bringt die Kundschaft entweder mit oder kauft sie direkt vor Ort. „Wir haben aber auch richtiges Geschenkpapier“, fügt sie hinzu.

Schneller als das Internet – und netter

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Besonders für Weihnachten interessant: Die große Auswahl an Ausstechformen (©Sirany Schümann)

Wer mit Plätzchen backen noch mehr in Weihnachtsstimmung kommen will, findet im Kaufhaus Hillmer eine große Auswahl an Ausstechförmchen. Die gibt es dort das ganze Jahr über zu kaufen – zum großen Glück für eine Kundin. „Ich brauche einen Osterhasen“, sagt sie. Susanne Wischhöfer öffnet eine Schublade und zieht die passende Ausstechform heraus. Geht nicht, gibt’s hier einfach nicht. Nur eine Kundin kann das Kaufhaus Hillmer an diesem Tag nicht glücklich machen. Für ihren Vater ist die Frau auf der Suche nach einer Öffnerhilfe für Flaschen mit Drehverschluss. Obwohl Kamila ihr mehrere Modelle präsentiert, ist sie nicht überzeugt. „Das kommt selten vor“, sagt Susanne Wischhöfer.

Während es den großen Kaufhäusern wirtschaftlich nicht gut geht, kann sich Susanne Wischhöfer nicht beklagen. Sie glaubt, dass es am Service und der Freundlichkeit liegt, was das Kaufhaus Hillmer von anderen abhebt. „Uns wurde mal gesagt: Ihr seid netter und schneller als das Internet“, sagt sie lächelnd. Warum die Menschen dort einkaufen? „Weil mir das ganze Drumherum gefällt, der Preis vernünftig ist und weil ich alles kriege, was ich brauche. Und weil ich möchte, dass uns so was wie das Kaufhaus Hillmer erhalten bleibt“, sagt eine Kundin. Eine Weile kann sie mit dem Fortbestehen der Bergstedter Institution noch rechnen. „Ich mach bis zum 100. Geburtstag vom Kaufhaus“, sagt Susanne Wischhöfer. Und eines steht fest: Bis 2029 wird sie noch viele Kunden glücklich machen.


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25. November: Tag gegen Gewalt an Frauen

Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen demonstrieren weltweit Menschen gegen Gewalt an Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nicht-binären, trans und agender Personen.

Text: Ronja Güldner

 

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Gewalt gegen Frauen und Flinta* hat immernoch eine hohe Dunkelziffer (©unsplash/Markus Spiske)

Gewalttaten aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung sind kein Relikt der Vergangenheit. Allein 2021 wurden in Deutschland 1051 queerfeindlich motivierte Straftaten verübt – 190 davon Gewalttaten. Nicht selten enden diese tödlich. So kam vergangenen Sommer ein Transmann am Rande des CSD in Münster zu Tode, nachdem er andere Personen vor einem Übergriff schützte. In Hamburg wurde Anfang November 2022 eine Frau vermeidlich durch ihren Ex-Mann getötet – der mutmaßlich siebte Femizid in der Hansestadt im Jahr 2022. Diese Femizide gehören in Deutschland fast zum Alltag: Statistisch wird hierzulande alle drei Tage eine Frau von ihrem Ex-Partner ermordet. Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen soll darauf aufmerksam gemacht werden. Dabei hat die Gewalt viele Gesichter: Sie reicht von Beleidigungen und psychischer Gewalt bis hin zu sexualisierter Gewalt und physischen Angriffen von Fremden und Vertrauten.

Gewalt bleibt oft unsichtbar

Bei den Gewalttaten gibt es eine hohe Dunkelziffer. Das liegt laut dem Lesben- und Schwulenverband auch daran, das beispielsweise queerfeindliche Gewalt oft nicht als diese identifiziert werde und als Allgemeinkriminalität erfasst wird. Zudem zeigen viele die erlebten Verbrechen nicht an. Bei einer europaweiten Umfrage aus dem Jahr 2019 gaben nur 13 Prozent an, dass sie die erlebten Gewalttaten auch bei der Polizei anzeigten. 23 Prozent der Betroffenen verzichteten auf eine Anzeige aus Angst vor Diskriminierung.

Der Kampf gegen die Gewalt weltweit  

Um auf diese Problematiken aufmerksam zu machen und sichere Bedingungen zu fordern, gibt es am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Der Aktionstag geht zurück auf die Ermordung der Schwestern Patria, Minvera und María Mirabal am 25. November 1960. Sie wurden aufgrund ihres Widerstandes gegen die Diktatur von Rafael Leónidas in der Dominikanischen Republik getötet. Lange wurde am 25. November der Fokus auf Gewalt an Frauen und Mädchen gelegt. Mittlerweile wird aber auch die Gewalt gegen genderqueere Personen wie Lesben, intergeschlechtliche, nicht binäre, trans und agender Personen – die unter dem Begriff Flinta* zusammengefasst werden – in den Blickpunkt gerückt.

Demonstrationen auch in Hamburg 

Am 25. November 2022 gibt es wie in jedem Jahr Demonstrationen gegen die geschlechtsspezifische Gewalt. Eine davon ist die Kundgebung und Demonstration des „Hamburger Bündnis zum internationalen 8. März Streik“. Sie startet um 18 Uhr am Bahnhof Dammtor und endet voraussichtlich gegen 20 Uhr am Neuen Pferdemarkt. Diese Demonstration ist eine Flinta*only-Demo. Das heißt, es sind nur Flinta* aufgerufen, an der Demo teilzunehmen. Das soll verhindern, dass Betroffene ihren Tätern begegnen.

Um 20 Uhr startet eine zweite Demo vom Zentrum „Lüttje Lüüd“ unter dem Titel „Wir schlagen zurück. Gegen Patriarchat und Kapital“. Los geht es am Grünen Jäger und enden soll der Demonstrationszug am Alma-Wartenberg-Platz in Altona. Diese Demonstration ist eine all gender-Demo.

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Die hier aufgelisteten Hilfsangebote richten sich speziell an die erwähnten Gruppen und ihre Angehörigen. Für ein persönliches Beratungsgespräch empfiehlt sich das Kontaktieren und Aufsuchen einer kostenlosen Beratungsstelle.

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Betroffene von Gewalt und deren Angehörige können auf ein breit gefächertes Hilfsangebot zurückgreifen (©unsplash/Hannah Busing)

Hilfstelefone

  • Für betroffene von Gewalt ist das Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen rund um die Ihr zu erreichen auch mit einer Sofort-Chat Funktion, sowie Online Beratung und Beratung in Gebärdensprache unter 0800/116 016
  • Speziell bei sexuellen Übergriffen ist das Hilfetelefon bei sexuellem Missbrauch die beste Anlaufstelle; Telefon: 0800/22 55 530.

Beratung für Frauen

  • Die „biff“ ist eine Frauenberatungsstelle hat drei verschiedenen Standorte in Hamburg: Eimsbüttel, Altona und Winterhude.

Beratung für Frauen, Jugendliche und Kinder

  • Dunkelziffer e.V. bietet seit 1993 persönliche, telefonische sowie Onlineberatung für Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Auch für die Angehörigen der Betroffenen bieten sie Beratung an.
  • Zündfunke e.V. ist ein Verein zur Prävention und Intervention zu sexuellem Missbrauch bei Kindern und Frauen in Altona.
  • Zornrot e.V. bietet Beratung und Informationen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche jeden Geschlechts. Ihr Angebot richtet sich an Betroffene zwischen 12 und 27 Jahren, ihre Bezugspersonen, sowie Fachkräfte.
  • Lâle Interkulturelle Begegnungsstätte IKB e.V. berät Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, die von Gewalt betroffen sind. Dabei verfolgen sie einen interkulturellen Ansatz, sind LGBTQ+ freundlich und können bei Bedarf Dolmetscher:innen organisieren.

Beratung speziell für LGBTQIA+ Personen

  • Das Magnus Hirschfeld Centrum (Mhc e.V.) bietet kostenfreie und professionelle Beratung für lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Personen an. Dabei gibt es auch spezielle Beratungsangebote für LGBTQI Personen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, sowie für Jugendliche und Eltern. Die Beratung kann persönlich, per Telefon oder per E-Mail erfolgen.
  • Das JungLesben*Zentrum – JuLe*  ist eine pädagogische Fachinstitution und Beratungsstelle für junge LBTIs (lesbisch, bisexuell, trans, inter) bis 25 Jahre, ihre Angehörigen, Eltern und Freund*innen. Pädagogische Beratung kann sowohl alleine als auch in größerer Runde wahrgenommen werden.

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Wir helfen! Heute: Sven Junge von der Mobilen Zahnarztpraxis des DRK

Viel hilft viel – zumindest, wenn es um Soziales geht. An den ersten drei Montagen im November 2022 lassen wir an dieser Stelle immer eine:n von drei Hamburger:innen zu Wort kommen, die sich besonders einsetzen und von ihrer Arbeit erzählen. Heute: Sven Junge von der Mobilen Zahnarztpraxis des DRK

Protokoll: Anarhea Stoffel

 

Sven Junge

Sven Junge, Zahnarzt bei der Mobilen Zahnarztpraxis des DRK

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„Einfach für den Menschen da sein, das ist sehr wichtig“, sagt Sven Junge von der Mobilen Zahnarztpraxis des DRK (©privat)

„Ich bin erst seit Kurzem im Team der Mobilen Zahnarztpraxis. Zum Zahnmobil des DRK Altona&Mitte bin ich im Grunde durch einen Artikel im ,Hamburger Abendblatt‘ gekommen, den meine Frau entdeckte. Das Einsatzteam, also die Besatzung des Fahrzeugs besteht aus dem Fahrer oder der Fahrerin, welche sich neben dem Fahren des Fahrzeugs auch um die Technik kümmert und die Patientenannahme durchführt. Als zweite Person organisiert Melanie Wiegers alles rund ums Fahrzeug, wie zum Beispiel die technischen Wartungen und Reparaturen. Der oder die Dritte im Bunde ist dann die Zahnärztin oder der Zahnarzt, in diesem Fall also ich.

Wir als Team der Mobilen Zahnarztpraxis widmen uns in erster Linie der Behandlung von Obdachlosen. Das sind oft Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben; Menschen, die in der Regel keine Krankenversicherung besitzen. Uns ist wichtig, dass auch sie eine gute medizinische Versorgung erhalten. Für mich als Zahnarzt steht natürlich als erstes die zahnmedizinische Behandlung im Fokus. Allerdings kommen hier oft Patienten her, die eine ganz besondere Art von Betreuung benötigen. Wir versuchen, die Patienten neben der medizinischen Behandlung auch psychologisch zu unterstützen, zuzuhören und Ängste, insbesondere der Behandlung, zu nehmen. Einfach für den Menschen da sein, das ist sehr wichtig.

„Oft denke ich dann, wie gut es mir doch geht“

In dieser Arbeit gibt viele Einzelschicksale, die mich berühren und sehr nachdenklich machen. Sehr oft erfahren wir eine ganz besondere Form der Dankbarkeit nach einer Behandlung. Das gibt einem sehr viel mehr, als man es im gewöhnlichen Alltag in einer Zahnarztpraxis erfährt. Die Arbeit im Zahnmobil ist für mich nicht die Routine. Immer wenn ich nach dem Einsatz im Zug sitze und nach Hause fahre, denke ich über die Menschen, denen ich eben begegnet bin, nach. Das beschäftigt mich sehr. Oft denke ich dann, wie gut es mir doch geht. Und ich frage mich, warum so viele Menschen in so prekären Lebenssituationen leben. Vielleicht können wir mit dem Zahnmobil einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von ein paar Menschen erbringen, einfach die Welt ein bisschen besser machen. Ich hoffe, wir können dem einen oder anderen vielleicht einen schönen Tag bereiten, ihm zuhören und durch die Behandlung Schmerzen nehmen.“

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Seit Anfang Mai 2016 ist die Mobile Zahnarztpraxis des DRK unterwegs (©DRK Altona&Mitte)


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WM gucken trotz Katar?

Tausende Tote, eine vermeintlich korrupte Vergabe und trotzdem spricht der FIFA-Präsident von der besten WM aller Zeiten. Während er Werbung für sein Produkt macht, regt sich Protest, auch in Hamburg, denn nicht alle wollen wie üblich die WM zeigen

Text: Felix Willeke

 

Die Fußball-WM der Männer findet ab dem 20. November in Katar statt und die Liste an Kritikpunkten ist lang: tote Wanderarbeiter, die Verlegung in den Winter, Klimaanlagen in den Stadien, immense Kosten und eine von vermeintlicher Korruption geprägte Vergabe. Daher stehen viele Kneipen und Sportvereine vor der Frage: Zeigen wir die WM oder zeigen wir sie nicht?

#KeinKatarinmeinerKneipe

Schon seit Längerem ruft die Initiative @boycottqatar22 zum Boykott der WM auf. Unter dem Hashtag „KeinKatarinmeinerKneipe“ haben sich schon fast 200 Kneipen und Kultureinrichtungen in ganz Deutschland offiziell dazu entschieden, keine Spiele der WM zu zeigen – darunter auch rund zehn in Hamburg. Eine davon ist die Mathilde Bar in Ottensen und Eimsbüttel. „Die WM ist eine Marketingaktion für das Land Katar“, sagt Thomas Nast von der Mathilde „und an so einem Sportswashing wollen wir uns nicht beteiligen. Stattdessen setzt die Mathilde auf ein Alternativprogramm. So gibt es parallel zum ersten Abendspiel der Deutschen Mannschaft (am 1. Dezember um 20 Uhr) ein Konzert in der Mathilde in Eimsbüttel: „Zehn Prozent der Einnahmen spenden wir an diesem Abend an das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus aus der Fanszene des FC St. Pauli“.

 

Aus klimatechnischen und auch moralischen Gründen ist die WM kaum vertretbar
Christiane Beck, Inhaberin des Bumblebee

 

Die Winter Games beim FC St. Pauli

Auch für den FC St. Pauli selbst „stand es nie zur Debatte, Spiele dieser FIFA-WM zu zeigen“, sagt Patrick Gensing, Pressesprecher des FC St. Pauli. Stattdessen bietet der Verein ebenfalls ein Alternativprogramm an, „um gemeinsam den Fußball zu leben und zu feiern – aber auch die Aufmerksamkeit zu nutzen, um auf politische und soziale Themen hinzuweisen“. So gibt es am Tag des Eröffnungsspiels in Katar am 20. November (in Deutschland auch Totensonntag genannt) in den Fanräumen des Millerntor-Stadions ab 18 Uhr die Podiumsdiskussion „Seenotrettung ist noch immer kein Verbrechen“. Dazu veranstaltet der Verein in seinem Clubheim die „Winter Games“ mit Konzerten, Lesungen und alten Spielen des FC St. Pauli.

 

Einige zeigen die WM

Doch nicht alle Kneipen und Bars schließen sich zu komplett einem Boykott an. So sind es für die Unabsteigbar (eine Fankneipe des HSV) auch wirtschaftliche Gründe: „Wir zeigen nur die Deutschlandspiele“, sagt Mario Drifte von der Unabsteigbar. „Als fußballgebundene Kneipe sind wir auf die Einnahmen angewiesen und ich gehe ohnehin davon aus, dass 80 Prozent der Menschen die Deutschlandspiele gucken werden. Trotzdem wissen wir auch, dass diese WM im Winter und die Vergabe nach Katar auf dem korrupten System FIFA beruht.“ Und einige Gastronom:innen wie Christiane Beck, Inhaberin des Bumblebee beim SC Concordia, sind sich noch unsicher: „Aus klimatechnischen und auch moralischen Gründen – wenn man alleine die toten Arbeiter betrachtet – ist die WM kaum vertretbar, aber letztendlich ist es auch ein sportliches Event. Wir überlegen daher, wenn es zum Viertelfinale oder noch weiter mit deutscher Beteiligung kommt, auch Spiele zu zeigen.“


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Die schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt

Viele zieht es in der Vorweihnachtszeit nach draußen, nicht weil es etwa schön ist oder des Public Viewing zur Wüsten-WM ruft, sondern weil das Treffen mit Freund:innen und Familie auf dem Weihnachtsmarkt einfach dazugehört. Hier kommen zehn Märkte in und um Hamburg, die auch abseits der großen Klassiker einen Besuch wert sind

 

Adventsmesse Koppel 66

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Direkt bei Künstler:innen kaufen und Handwerk erleben, das geht am besten auf der Adventsmesse der Koppel 66 (©Michael Marczock)

Am 25. November ist es wieder so weit: Die Adventsmesse in der Koppel 66 öffnet wieder ihre Türen. An den vier Adventswochenenden präsentieren in diesem Jahr 55 Aussteller:innen jeweils freitags bis sonntags, von 11 bis 19 Uhr, ihre handgefertigten Taschen, Schmuck, Skulpturen, Leuchten, Schuhe, Textilwaren und vieles mehr. Auf drei Stockwerken und in den zwölf Ateliers der Koppel 66 finden die Besucher:innen Inspiration und vielleicht auch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk. Zur Eröffnung am 26. November verleiht die Koppel um 15.30 Uhr ihren Förderpreis, mit dem besondere handwerkliche und gestalterische Fähigkeiten der Gastaussteller:innen honoriert werden. 14 Tage später, am 10. Dezember, findet ab 12 Uhr eine Kunst-Design-Tombola statt, zu der ausgewählte Unikate der Aussteller:innen verlost werden. Und jeden Sonntagnachmittag begleitet Livemusik die Besucher:innen über die Messe. Der Eintritt kostet 3 Euro pro Person (Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt)

🎄 Adventsmesse Koppel 66: An den vier Adventswochenenden, Freitag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 19 Uhr in der Koppel 66

 

Barmbeker Weihnachtsmarkt

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Ökologisch und voller schöner Schätze: der Öko-Weihnachtsmarkt am Museum der Arbeit (©Markt&Kultur)

Kleiner aber oho, so könnte man den Barmbeker Weihnachtsmarkt beschreiben. Der kleine Markt auf der Piazzetta-Ralph-Giordano unweit des U- und S-Bahnhof Barmbek ist ein echter Nachbarschaftstreff. Hier gibt es klassisch Glühwein und Bratwurst, aber auch der Spanferkelburger macht richtig satt. Dazu kommt allerlei Süßes von Crêpes über Mandeln bis zur klassischen Weihnachtsbäckerei. Wer nicht gerade einen Weihnachtsbaum shoppen geht, kann es sich in einer der beiden behaglichen Scheunen gemütlich machen – einer der kleinen klassischen Weihnachtsmärkte eben.
Ein besonderes Highlight im Stadtteil erwartet die Besucher:innen am ersten Adventswochenende: Gleich um die Ecke, vor dem Museum der Arbeit, ist vom 25. bis 27. November wieder Zeit für den ökologischen Weihnachtsmarkt. Hier gibt es ein großes Angebot an bestem Kunsthandwerk und leckerstem Bio-Essen. Wer nicht darauf warten will, kann ab jetzt bis Weihnachten immer von Freitag bis Sonntag (jeweils 16–21Uhr) Glühwein beim Kleinen Onkel des LüttLiv genießen.

🎄 Barmbeker Weihnachtsmarkt: Piazzetta-Ralph-Giordano, 17. November bis 30. Dezember, Mo–Sa 12–21 und So 12– 20 Uhr 
🎄 Ökologischer Weihnachtsmarkt
: Museum der Arbeit, 25. bis 27. November, Fr. 14–18, Sa 10–19 und So 19–18 Uhr

 

Bergedorfer Weihnachtsmarkt

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Der Bergedorfer Weihnachtsmarkt, das ist skandinavisches Winterfeeling pur (©Bergedorfer Weihnachsmarkt)

Bergedorf ist bei vielen Hamburger:innen völlig zu Unrecht nicht so richtig präsent, dabei hat der Stadtteil im Südosten eine wunderschöne Altstadt und bringt mit einem schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt nordisch, kuschliges Feeling in die kalte Adventszeit. Von der Fußgängerzone bis zum Schloss Bergedorf gibt es vom 21. November bis 30. Dezember Lagerfeuer, rote Holzhütten und viel Gemütlichkeit. Denn der Bergedorfer Weihnachtsmarkt verwandelt alles in ein skandinavisches Weihnachtsmärchen. Dabei geht es auch kulinarisch nordisch zu. So gibt es von Lussebulle (weiche Brötchen mit Safran) über Æbleskiver (kleine dänische Lebkuchenpfannkuchen) und Risalamande (dänischer Milchreis mit Mandel) bis hin zu Köttbullar und norwegischem Flammlachs nahezu alles, was das Herz begehrt. Und wer ein bisschen genauer hinschaut, entdeckt versteckt im Tannenwald die Villa Kunterbunt, hier können Kinder basteln, backen und spielen.

🎄 Bergedorfer Weihnachtsmarkt: Von der Alten Holstenstraße bis zum Bergedorfer Schloss, vom 21. November bis 30. Dezember täglich 11–21 Uhr

 

Fleetinselweihnachtsmarkt

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Glühwein zwischen Elbe und Alster, das ist der Fleetinselweihnachtsmarkt (©Fleetinselweihnachtsmarkt)

Viele kennen die Fleetsinsel an der Stadthausbrücke vorm Biertrinken im Rheinischen Hafen oder weil sie mal im Steigenberger Hotel abgestiegen sind. Doch nicht nur zu Weihnachtszeit ist dieser Platz zwischen Alster und Elbe einer der schönsten der Stadt. Vom 21. November bis kurz vor Silvester ist hier der Fleetweihnachtsmarkt zu Hause. Die perfekte Alternative für alle diejenigen, denen die Weihnachtsmärkte am Rathaus oder Jungfernstieg zu trubelig sind. Neben Klassikern wie Glühwein gibt es auf der Fleetinsel auch zwei Segel-Oldtimer aus dem Museumshafen Oevelgönne, die im weihnachtlichen Lichterglanz erstrahlen. Während die Erwachsenen den Anblick der Segler bei einem Becher Glühwein genießen, kommen die Kinder bei einer Fahrt mit dem Kinderkarussell auf ihre Kosten.

🎄 Fleetinselweihnachtsmarkt: Fleetinsel an der Stadthausbrücke, 21. November bis 30. Dezember, Mo–Do 12–21, Fr–Sa 12–22 und So 12–21 Uhr

 

Harburger Weihnachtsmarkt

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Punsch in historisch-malerische Kulisse auf dem Harburger Weihnachtsmarkt (©WAGS Hamburg Events GmbH)

Auch Harburg hat zu Weihnachten eine historisch-malerische Kulisse zu bieten. Direkt vor dem 1892 erbauten Harburger Rathaus gibt es rund um die große Weihnachtstanne einen der größten Weihnachtsmärkte im Süden der Stadt. Hier duftet es nach Punsch, Schmlazgebäck und gebrannten Mandeln. Dazu gibt es täglich ein kleines Konzert, wenn der Sound der Turmbläser allabendlich über Markt schallt. Für die Kleinsten wird er Märchenhaft, wenn am 6. Dezember der Nikolaus vorbeischaut und die „Harburger Märchentanten“ die Kinder mit ihren Geschichten begeistern. Dazu gibt es natürlich auch allerlei Aktionen und verschiedenste Kunsthandwerker:innen und Vereine präsentieren sich auf dem Markt.

🎄 Harburger Weihnachtsmarkt: Auf dem Rathausplatz, 17. November bis 29. Dezember, Mo–Sa 11–21.30 und So 13–21.30 Uhr (Totensonntag 17 bis 21.30 Uhr & am 24./25.12. geschlossen)

 

Niendorfer Weihnachtsmarkt

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Hyggeligkeit am Tibarg: der Niendorfer Weihnachtsmarkt (©unsplash/Roman Kraft)

Wem Bergedorf zu weit ist, der findet in diesem Jahr auch wieder am Tibarg viel Hyggeligkeit. Die zur Weihnachtszeit von roten Holzhütten und skandinavischen Riesen-Tipis gesäumte Fußgängerzone am U-Bahnhof Niendorf-Markt lädt mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten zum Verweilen ein: Es gibt Deftiges, wie Germknödel, herzhafte Buchweizen Crêpes und leckere Bratwurst vom Schwenkgrill. Für die Süßen gibt es Schmalzkuchen, Nüsse und gebrannten Mandeln. Neu im Angebot sind 2022 die Dinkel-Pfannkuchen von „Goldmädchen“. Auch für die Kleinen ist am Tibarg so einiges geboten. Das Highlight ist dabei schon traditionell das nostalgische Kinderkarussell. Doch auch im neuen Wichtelwald gibt es einiges zu entdecken. Weihnachtsgeschenken stöbern können.

🎄 Niendorfer Weihnachtsmarkt: Am Tibarg, 23. November bis 24. Dezember, immer Mo–So 11–21 Uhr

 

Santa Pauli

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Geil, lecker und erotisch, das ist Santa Pauli (©Marius Röer)

St. Pauli ist anders und deswegen ist es auch nur logisch, dass es hier keinen der üblichen Weihnachtsmärkte gibt. Auf Santa Pauli, „Hamburgs geilstem Weihnachtsmarkt“, gibt es nicht nur ein StripZelt und Pornokaraoke. Hier wird auch Süßes mit Namen wie „Rotlicht-Ferkelei“ verkauft, es gibt anzüglichen Naschkram und wer will, kann auch das ein oder andere Spielzeug fürs Schlafzimmer erwerben. Das Highlight ist dabei aber die Atmosphäre selbst: Zwischen Stage Operettenhaus und Davidwache ist der Spielbudenplatz mit Holzspänen ausgelegt, was für warme Füße sorgt und die wohl beste Feuerzangenbowle der Stadt wärmt von innen. Besonders kuschelig wird es Jahr für Jahr auf dem Winterdeck auf der Bühne vorm Operettenhaus. Hier gibt es Glühwein und die traditionellen Apfelpunschsorten „Bordsteinschwalbe“ und „Nussknacker“.

🎄 Santa Pauli: Auf dem Spielbudenplatz, 14. November bis 23. Dezember, Mo–Mi 16–23, Do 16–24, Fr–Sa 13–1 und So 13–23 Uhr

 

Weihnachtsmarkt an der Apostelkirche

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Gemütlich und einfach schön: der Weihnachtsmarkt an der Apostelkirche (©Arne Buchholz & Stephan Bohn)

1894 erbaut, ist die Apostelkriche einer der Fixpunkte für die Menschen in Eimsbüttel. Nicht verwunderlich also, dass man hier zur Weihnachtszeit auch einen der schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt finden kann. Hell erleuchtet strahlt die Kirche Abend für Abend im Viertel und lädt täglich ab der Mittagszeit auf seinen kleinen Markt. Hier gibt es neben allerlei Kunsthandwerk auch Musik, Lesungen und natürlich viel zu Essen und zu Trinken. Darunter die Klassiker wie Glühwein und Bratwurst, aber auch Flammkuchen, Waffeln, vegane Spezialitäten, gebrannte Mandeln, Schmalzgebäck und süßen, heißen Punsch. Für die Kinder ist dabei natürlich auch gesorgt.

🎄 Weihnachtsmarkt an der Apostelkirche: 17. November bis 22. Dezember, Mo–Mi 14.30–21, Do–Fr 14.30–22, Sa. 12–22 und So 12–22 Uhr

 

Winter Pride

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Anders und gerade deswegen the place to be: der Winter Pride (©Ahoi-Events)

Weihnachtsmärkte sind bunt und weit mehr als nur Last Christmas! Wer das nicht glaubt, kann sich bei der Winter Pride auf St. Georg überzeugen lassen. Neben einer bunten Glitzerdeko gibt es hier nicht die übliche Weihnachtsmusik, auf der Winter Pride sorgen jeden Freitag- und Samstagabend DJs für beste Weihnachtsstimmung. Dabei präsentieren sich hier viele Vereine und Gruppen aus der lesbisch-schwulen Community. Diese stehen von Montag bis Donnerstag auch für Gespräche bereit. Die größte Besonderheit bei der Winter Pride sind sicherlich die Miethütten. Drei Hütten warten täglich auf den Einzug kleiner und großer Gruppen zwischen 10 und 40 Personen. In diesem Sinne: Cheers!

🎄 Winter Pride: Lange Reihe/Ecke Kirchenallee, 21. November bis 20. Dezember, Mo–Do 12–22, Fr–Sa 12–24 und So 12–22 Uhr

 

Raus aus der Stadt: Weihnachten in Lüneburg

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Authentisch und ein echter Klassiker: der Historische Christmarkt in Lüneburg (©Mathias Schneide)

Auch südlich von Hamburg weihnachtet es. Besonders lohnt sich ein vorweihnachtlicher Ausflug nach Lüneburg. Einer der schönsten Weihnachtsmärkte Norddeutschlands wartet am Lüneburger Rathaus auf die Besucher:innen. In stimmungsvoll-winterlicher Atmosphäre gibt es allerlei Kunsthandwerk, duftende Lebkuchen und leckeren Glühwein. Natürlich dürfen auch Karussells und der Weihnachtsmann nicht fehlen. Ein besonderes Highlight sind die täglichen Weihnachtslieder, die vom Trompeter vom Turm des Alten Rathauses den Platz erfüllen.
Aber Weihnachten in Lüneburg wäre nichts ohne die reiche Historie der Stadt. So lädt der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V. auch 2022 am 3. und 4. Dezember wieder zum Historischen Christmarkt rund um die alte St. Michaeliskirche. 200 Mitwirkende in historischen Gewändern entführen die Besucher:innen in das Lüneburg des 16. Jahrhunderts. Fern ab von Lichterflut, Lärm und Kommerz gibt es hier Esskastanien, Schmalzbrot und Renaissance-Bratwurst.

🎄 Lüneburger Weihnachtsmarkt: rund ums Lüneburger Rathaus, 23. November bis 31. Dezember, Mo-Sa 10–20 und sonntags ab 11 Uhr
🎄 Historischer Christmarkt Lüneburg: St. Michaeliskirche zu Lüneburg, 3. Dezember von 12 bis 19 Uhr und 4. Dezember von 11 bis 17 Uhr

 

🎄🎄 PS: Noch mehr Weihnachtsmarkt-Tipps, gibt’s bei unseren Kolleg:innen vom Genuss-Guide Hamburg! 🎄🎄


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