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#seeforfree 2022: Freier Eintritt in über 30 Museen

Bei #seeforfree gibt es auch in diesem Jahr am Reformationstag freien Eintritt in über 30 Hamburger Museen

Text: Felix Willeke

 

Auch am 31. Oktober 2022 heißt es in Hamburg wieder #seeforfree. Zum diesjährigen Reformationstag gibt wieder es freien Eintritt in über 30 Hamburger Museen, damit sind es 2022 so viele wie nie zuvor. „Alle sind eingeladen, Kunst und Kultur zu entdecken und bei Führungen in verschiedenen Sprachen, Mitmachangeboten für Kinder oder Lesungen tiefer in Hamburgs vielfältige Museumslandschaft einzutauchen. So machen wir den Tag der Reformation in Hamburg zu einem echten Tag der Auseinandersetzung mit unserer Welt“, sagt Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien.

Klassiker und viel Neues

Bei #seeforfree sind 2022 natürlich die großen und etablierten Häuser wie die Hamburger Kunsthalle, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum für Hamburgische Geschichte und das Museum für Kunst und Gewerbe. mit dabei. Dazu bietet der Aktionstag 2022 aber auch viel Neues. Darunter unter anderem das Universitätsmuseum, dass die bewegte Vergangenheit der Hamburger Universität erzählt. Ebenso neu dabei ist das vor—gänge. museum für alternative stadt, dass eine Ausstellung zur historischen Hamburger Innenstadt und zum aktuellen sozio-kulturellen Projekt Gängeviertel zeigt. Und in diesem Jahr wohl einmalig mit dabei ist die Artstadt, die Kreative Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt Sport Gebäudes am Hamburger Hauptbahnhof.

Ein vielfältiges Begleitprogramm

Bei #seeforfree kommen die Besucher:innen nicht nur bei freiem Eintritt in die Museen, die Häuser bieten auch eine Reihe spezieller Führungen an. So gibt es im Altonaer Museum und im Museum für Bergedorf und die Vierlande Führungen auf Ukrainisch und Russisch. Das Museum der Arbeit bietet neben englischen auch französische und spanische Highlight-Führungen. Dazu kommen reguläre Führungen, Rundgänge auf Plattdeutsch, für blinde und seheingeschränkte Menschen sowie Angebote in Gebärdensprache.

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Mining Photography zeigt im Museum für Kunst und Gewerbe den ökologische Fußabdruck der Bildproduktion – zu sehen bei freiem Eintritt im Rahmen von #seeforfree (©Museum für Kunst und Gewerbe)

Diese Museen sind 2022 bei #seeforfree mit dabei:


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Kunst im Phoxxi: The New Abnormal

Die Fotoausstellung im Phoxxi, dem temporären Haus der Photographie der Deichtorhallen vermittelt einen Eindruck vom gegenwärtigen Leben in der Ukraine mit Werken von zwölf ukrainischen Fotograf:innen

Vom 3. September bis zum 6. November läuft die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Odesa Photo Days Festival stattfindet. „The New Abnormal“ zielt darauf ab, mit den Fotografien der ukrainischen Dokumentarfotograf:innen und Fotokünstler:innen, das Leben im Angesicht des
Krieges zu vermitteln.

Das Odesa Photo Days Festival wurde 2015 auf künstlerische Reaktion auf den Krieg gegründet, den Russland im Osten der Ukraine begonnen hatte. Sieben Jahren lang fand das Festival statt. Aufgrund des russischen Angriffs im Februar fiel es dieses Jahr allerdings aus. Umso wichtiger ist, dass die Fotografien jetzt in der Ausstellung im Phoxxi zu sehen sind.

deichtorhallen.com


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Kunst in Hamburg: Juni 2022

Ob Ausstellungen, Gallerien oder das klassische Museum: Hamburg steckt voller Kunst. Hier kommen fünf Ausstellungen, Museen und Festivals, die sich im Juni 2022 besonders lohnen

Text: Katharina Stertzenbach & Felix Willeke

Museum für Hamburgische Geschichte – Stadtgeschichte pur

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Museum für Hamburgische Geschichte: Ein Haus voller Stadtgeschichte (Foto: Sinje Hasheider)

Das Museum für Hamburgische Geschichte zählt zu den größten stadthistorischen Museen Europas. Nicht nur Tourist:innen können hier viel Neues über Hamburgs Geschichte erfahren.

Das Ausstellungsangebot dabei umfangreich wie vielfältig: Bei einem konstruierten Rundgang kann man die Stadtgeschichte erkunden und es gibt Einblicke in historische Wohnräume. Außerdem ist Hamburg ist eine Stadt der Kreativen, Künstler, Musiker und Schauspieler, das beweist die Ausstellung „Mode, Musik, Kunst und Theater“.

Während das Museum vol ist mit historischen Exponaten, ist auch das Gebäude selbst ein Denkmal der Hamburger Geschichte. Der Architekt Fritz Schumacher ließ es von 1914 bis 1922 erbauen. Damit gehört es neben der Davidwache, dem Wasserturm im Stadtpark, der heute das Planetarium beheimatet, zu den bekanntesten Bauten des Architekten und Stadtplaners.

Außerdem entstand ein des Museums an der Stelle der ehemaligen Bastion Henricus, daran erinnert heute noch der Name der heutigen Museumsgastronomie „Die Bastion“. Ab 2014 wird das Haus umfassend renoviert, ein Besuch lohnt sich trotzdem immer. Zum Beispiel für die Ausstellung „Mittel.Macht.Geld“, die das Museum gemeinsam mit der mexikanischdeutschen Kuratorin Yolanda Gutierrez und dem ruandischen Fotografen Chris Schwagga im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 vom 20. Mai bis 15. August präsentiert.

Streik! – Fotogeschichten von Arbeitskämpfen

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Streik auf dem Hamburger Rathausmarkt 1983 (Foto: Michael Meyborg)

Vom 21. Mai bis zum 3. Oktober 2022 kann die Fotogeschichte der Streiks im Museum der Arbeit erkundet werden. Basis der Ausstellung sind Streiks, die mit den jeweiligen Strukturkrisen der führenden regionalen Branchen verbunden sind: das Zechensterben in den 1960er-Jahren und die Stahlkrise ab den 1980er-Jahren im Ruhrgebiet (Besetzung Rheinhausen), wie auch die Werftenkrise in Hamburg („HDW-Besetzung“). In der Ausstellung wird vor allem der mediale Umgang und die öffentliche Wahrnehmung von Arbeiterstreiks betrachtet.

Außerdem werden die weniger bekannten „wilden Streiks“ der sogenannten Gastarbeiter ab 1969 beleuchtet. Schließlich gibt die Ausstellung auch einen Überblick über die internationale Streikgeschichte, wie zum Beispiel mit dem Streik bei Ford im Jahr 1973.

Behind the Scenes: Fotografien von Christoph Irrgang, Dennis Brudna und Anna Gripp

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Ein Blick hinter die Kulissen (Foto: Christoph Irrgang)

Vom 20. Mai bis 14. August 2022 kann in „Behind the Scenes“ im Phoxxi an den Deichtorhallen im Rahmen der Triennale der Photographie Hamburg ein Blick hinter den Umzug der F.C. Gundlach Sammlung geworfen werden. Denn dieser steht im Fokus von Kuratorin Sabine Schnakenberg. Anlass des Standortwechsels ist die Sanierung des Gebäudes. Der Hamburger Fotograf Christoph Irrgang begreift den Umzug der Sammlung F.C. Gundlach als künstlerische Herausforderung, die er fotografisch dokumentiert. Anhand begrifflicher Gegensätze wie hell/dunkel oder innen/außen hält er in seinen Werken besondere Details der Sammlung und des Umzugs fest.

Ergänzt wird Irrgangs analytische-fotografische Arbeit von der Hamburger Fotofachzeitschrift „Photonews Zeitung für Fotografie“. Die „Photonews“-Redakteur:innen Anna Gripp und Denis Brudna haben die Paris Photo, die weltweit größte Messe für Fotografie, mit ihren Kameras begleitet. Natürlich nicht ohne Grund: Die Paris Photo war für F.C. Gundlach von größter Bedeutung, weil er dort Networking mit wichtigen Persönlichkeiten der Fotobranche betrieb und schließlich dort auch fotografische Kunst kaufte.

blurred edges Festival – ein Kaleidoskop

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Die experimentelle Performance „DARK WEB“ von Frauke Aulbert und Michiko Saiki eröffnet am 3. Juni 2022 im Künstlerhaus FAKTOR das blurred edges Festival (Foto: Gerhard Kühne)

Mehr als zwei Wochen lang Kunst, Konzerte, Performances, Musiktheater, Lectures, Multimedia Performances und Klanginstallationen, dass ist das blurred edges Festival. Mit 55 Veranstaltungen in 17 Tagen und an 32 Orten in Hamburg ist das Festival ein Kaleidoskop aus Komposition, freier und Konzept-Improvisation, Klanginstallationen und Performances. Egal ob monomedial oder multimedial, solo oder in größeren Ensembles: Hier kommt die Vielfalt der freien Musikszene Hamburgs zusammen. Den Auftakt macht am 3. Juni das Duo aus Frauke Aulbert und Michiko Saiki mit ihrer Performance „DARK WEB“.

8. Triennale der Fotografie – Fotokunst

Fotografie als Währung: 8. Triennale der Photographie ©unsplash

Seit dem 20. Mai 2022 läuft mit der 8. Triennale der Fotografie die größte Fotoschau der Stadt mit 20 Ausstellungen und dem Thema „Currency“. Nach der Festivalwoche vom 2. bis 6. Juni, gibt es noch bis zum 18. September Ausstellungen im Rahmen der Triennale. Darunter die bereits erwähnten im Phoxxi an den Deichtorhallen und im Museum für Hamburgische Geschichte. Dazu kommen Ausstellungen wie „Fluid“ in der kulturreich Galerie. Diese zeigt noch bis zum 6. Juni 2022 junge fotografische Positionen zu Gender Expressionm. Unter anderem mit dabei: die Hamburger Fotografin Leonie Marie Hübner.

SZENE HAMBURG hat zudem im Vorfeld der 8. Triennale der Fotografie mit der neuen künstlerischen Leiterin Koyo Kouoh über die Triennale-Vorbereitung in Zeiten der Pandemie, über Machtstrukturen und die Wirkkraft der Bilder gesprochen.


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Verlosung: Tickets für die 8. Phototriennale Hamburg

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Die Triennale der Photographie Hamburg findet seit 1999 alle drei Jahre statt und jährt sich 2022 zum achten Mal. Mit einer großen Anzahl von Fotoausstellungen unter dem gemeinsamen Thema „Currency“ werden aktuelle Tendenzen beleuchtet.

Foto: Baha Targün mit Megafon am Werkstor von Ford in Köln-Niehl, August 1973 (Credit: Gernot Huber)

Die 8. Ausgabe der Triennale der Photographie Hamburg nutzt das Thema Currency, um zum Nachdenken über die heutige Macht der Fotografie einzuladen, Bedeutung über Distanzen hinweg zu vermitteln und in Beziehung zu setzen. Die Ausweitung dieses ökonomischen Begriffs auf Kunst und visuelle Kultur führt zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Fotografie und ihrer Beziehung zur Kanonisierung, Klassifizierung, Zirkulation, Wissensproduktion und visueller Autonomie.

Die künstlerische Leiterin Koyo Kouoh wird dabei von einem kuratorischen Team aus Rasha Salti, Gabriella Beckhurst Feijoo und Oluremi C. Onabanjo unterstützt, mit Cale Garrido als kuratorische Koordinatorin. Auftakt des Programms war Lucid Knowledge, ein internationales Symposium, das vom 30. September – 02. Oktober 2021 stattfand. Ab Mai 2022 wird die Triennale einen Ausstellungsparcours in Museen und Institutionen in ganz Hamburg inszenieren (20. Mai – 18. September 2022), der während des Eröffnungswochenendes (20. – 22. Mai 2022) und der Festivalwoche (2. – 6. Juni 2022) aktiviert wird. In der Festivalwoche wird auch die Triennale Expanded eröffnet, eine Plattform, die sich der Hamburger Fotografieszene widmet, die Austausch und Begegnungen in der ganzen Stadt ermöglicht.

Elf Kunstinstitutionen

Zu den an der 8. Ausgabe der Triennale der Photographie Hamburg beteiligten Institutionen gehören: das Bucerius Kunst Forum, die Deichtorhallen Hamburg mit dem Haus der Photographie, der Halle für aktuelle Kunst und der Sammlung Falckenberg, die Hamburger Kunsthalle, das Jenisch Haus, das Kunsthaus Hamburg, der Kunstverein in Hamburg, das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt, das Museum der Arbeit, das Museum für Hamburgische Geschichte und das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Insgesamt führen Kunstausstellung, Talks, Führungen, Performances und Filmevorführungen auf dem Programm durch das Thema „Currency“.

phototriennale.de


Wir verlosen 2×2 Tickets für das Festival inklusive je ein Triennale Guide!

Die Tickets beinhalten den Eintritt zu den Ausstellungen und Veranstaltungen der Triennale während des Festivals vom 2. bis 6. Juni 2022.

Wie ihr mitmachen könnt? Na so:

Charlotte March: Eine Werkschau

Die Hamburger Fotografin Charlotte March publizierte in der Brigitte, im Stern, in der Elle und in der Vogue Italia, jetzt ist eine groß angelegte Werkschau ihrer Arbeiten in der Sammlung Falckenberg zu sehen

Text: Katharina Stertzenbach

Die groß angelegte Werkschau über Charlotte March (1929–2005) ist vom 20. Mai bis zum 4. September 2022 in der Sammlung Falckenberg zu sehen. Die Werkschau zeigt neben den bekannten Aufnahmen der Fotografin insbesondere auch die bisher weniger bekannten Mode- und Werbeaufnahmen. Anlässlich der 8. Triennale der Photographie Hamburg sind insgesamt 300 Werke von Charlotte March ausgestellt. Sie zeigen dabei auch die frühen dokumentarischen Fotografien im Hamburg der 1950er-Jahre und Aufnahmen von ihren Aufenthalten auf der damals vom Massentourismus noch unberührten Insel Ischia porträtieren. Bei vielen der Fotografien immer im Hinterkopf: das 1977 veröffentlichte Buch „Mann, oh Mann – Ein Vorschlag zur Emanzipation des attraktiven Mannes“, das erstmals explizit eine weibliche Sicht auf den männlichen Körper zeigte und nicht nur deswegen breit diskutiert wurde.

Werkschau zu Charlotte March
Sammlung Falckenberg 20. Mai bis 4. September 2022


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Paneldiskussion: „Diversify the Code!“

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Expert:innen aus Kunst und Wissenschaft diskutieren auf dem Eröffnungspanel von THEHOST.IS über Kunst, Code und Digitalisierung 

Kunst und Code treffen aufeinander! Das neue Residenzprogramm THEHOST.IS von den Deichtorhallen Hamburg und Kampnagel steht in den Startlöchern. Beide Institutionen erweitern damit ihr künstlerisches Programm auf den digitalen Raum.

Bis Ende des Jahres 2023 sind insgesamt fünf dreimonatige Reihen geplant, die jeweils von einem Host thematisch geprägt werden und jeweils drei internationale Resident:innen einladen. Während der sogenannten „Seasons“, soll die Schnittstelle von Kunst und Digitalisierung erforscht werden. Den Auftakt macht die kanadische Künstlerin Darsha Hewitt.

Eröffnungspanel im PHOXXI

Im Zentrum der Eröffnung am 24. März 2022 steht die Perspektivenvielfalt im Code. Diskutiert werden in den Deichtorhallen Themen wie Perspektivenvielfalt, De/Kolonisierung und Queerfeminismus. 

Auf dem Podium sitzen Tiara Roxanne (Künstlerin, Wissenschaftlerin und Cyberfeministin), R. Buse Çetin (Forscherin und Beraterin für KI-Politik und -ethik) und Darsha Hewitt (Medien- und Soundkünstlerin). Moderiert wird der Abend von der Medienkünstlerin Liat Grayver. Der Eintritt ist kostenlos, Tickets für die erste Season im PHOXXI gibt es unter tickets.deichtorhallen.de

www.kampnagel.de

Deichtorhallen: Nie mehr ganz runterkommen!

Hochfliegend und doch „down to earth“: das Weltraum-Basislager des Tom Sachs in der Halle für aktuelle Kunst in den Deichtorhallen

Text: Karin Schulze

 

Der Einstieg in die fantastische Welt des Tom Sachs könnte gut zu Hause beginnen. Mit dem Gucken von „Ten Bullets“ – etwa auf Youtube. Wer den Film über die so lebensklugen wie abgedrehten Regeln für das Arbeiten im Studio des Künstlers mag, dem wird auch dessen detailreiche, vielschichtige und amüsante Ausstellung in den Deichtorhallen gefallen. Dort glaubt man sich in einen überdachten Weltraumbahnhof versetzt. Sachs’ Apparaturen formieren ein skurriles Narrativ: Eine Expedition bricht auf zum Asteroiden Vesta, um dort seltene Erden für die Handy-Produktion zu gewinnen, stößt dort aber auf einen Haufen Handyschrott. Davon künden ein sieben Meter hohes Landemodul, ein Kontrollzentrum mit zahllosen Bildschirmen und eine Tribüne mit „NASA“-Klappstühlen, die für Sachs’ Allzeit-Traum-Team reserviert sind: In der ersten Reihe würde die Bildhauerin Eva Hesse (1936–1970) sitzen – neben dem altägyptischen König Ramses.

 

Eine Welt aus Sperrholz, Heißkleber und mehr

 

Aber auch wer im „Indoktrinationszentrum“ Schrauben sortiert, kann Teil der Weltraummission werden und sich in einer MRT-artigen Apparatur den Geist vom Körper befreien lassen. Daneben eine dunkle Kammer. Hier kann man dem Golden Idol Reverenz erweisen, das der „Star Wars“-Figur Yoda ähnelt. Es soll aus dem Edelmetall bestehen, das aus den im Vesta-Boden entdeckten Handys extrahiert wurde.

Tom Sachs: Space Program Mars – Park Avenue Armory, New York, 2012 (Foto: Genevieve Hanson © Tom Sachs)

Tom Sachs: Space Program Mars – Park Avenue Armory, New York, 2012 (Foto: Genevieve Hanson © Tom Sachs)

Die wundersamen Apparaturen wurden von Sachs’ vielköpfigem Team in Downtown Manhattan zusammengeschraubt. Mit Sperrholz, Heißkleber, viel weißer und wenig bunter Farbe und einer Bricolage-Ästhetik, die das Gemachte offenlegt und dem Umschlag von Low und High als Ironie-Signal nützt: Eine Rakete ist zusammengesetzt aus Klopapier-Rollen. Ein aufklappbarer Werkstatt-Arbeitsplatz gleicht einem Flügelaltar. Und ein blühender japanischer Kirschbaum besteht aus Wattestäbchen, Tampons und Zahnbürsten. Dabei verschmilzt ein blasses Farbspektrum die Sachs’sche NASA-Variante mit dem weit gespannten, himmelartigen, Dach der Deichtorhallen-Architektur und lässt die Weltraum-Ambitionen versponnen aussehen, vielleicht schon ein wenig gestrig – vergeblich, aber schön.

Die ganze Installation ist durchwoben von Sachs’ fiktiver Privatmythologie. In ihr mischen sich abstruse und satirische Fiktionen mit berührender Lebensklugheit und wahnsinnig komischer Selbstironie, während allerhand Gegenwartstopoi gründlich durchgehäckselt werden: Technik- und Wissenschaftsbegeisterung, Medienskepsis, ökologische Fürsorge für den Heimatplaneten Erde, Expanisionskritik, die katholische Transsubstantiationslehre und DIY-Bastelei als Ermächtigungsstrategie.

 

Vieldeutigkeit und Ambivalenzen

 

Tom Sachs fasziniert mit seiner Installation „Tom Sachs: Space Program – Rare Earths “ in den Deichtorhallen (Foto: Julia Steinigeweg)

Tom Sachs fasziniert mit seiner Installation „Tom Sachs: Space Program – Rare Earths “ in den Deichtorhallen (Foto: Julia Steinigeweg)

Man kann aber auch fragen: Eine Hommage an die NASA-Weltraumeroberungspläne und dazu die Sorge um das Überleben des Planeten Erde – widerspricht sich das nicht grundlegend? Und mündet nicht zugleich die ganze Bastelarie – wie jedes großangelegte US-Entertainment-Business – in ein kommerzielles Merchandising, das auf der KünstlerWebsite Krawatten-Clips, die Lunar Excursion Module Lamp oder die (ausverkauften) NIKECraft Overshoes vertickt? Auf jeden Fall ist Sachs ein Bildhauer, der Vieldeutigkeit und Ambivalenzen skulptural zu inszenieren weiß. Das verrät schon der Titel der Ausstellung: Space Program: Rare Earths. Der „space“ ist sowohl der Weltraum wie der Raum den der Bildhauer gestaltet. Und in den „rare earths“ stecken sowohl die „seltenen Erden“ als auch der Verweis auf die planetarische Unwahrscheinlichkeit, Seltenheit und Schutzbedürftigkeit des Lebensraums Erde. Wer schauen und entdecken, aber auch abwägen und in kritische Distanz gehen will, wird viel Freude haben. Also: Einchecken, hochfliegen und vielleicht nie mehr ganz runterkommen!

Tom Sachs: Space Program – Rare Earths (Seltene Erden), Deichtorhallen, bis 10. April 2022


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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#seeforfree: Kunst und Kultur kostenlos erleben

Mit dem Reformationstag am 31. Oktober hat Hamburg seit 2018 einen zusätzlichen Feiertag. Mittlerweile ist es gute Tradition, dass an diesem Tag die Hamburger Museen mit freiem Eintritt locken, so auch 2021

Text: Felix Willeke

 

Das Altonaer Museum, das Archäologisches Museum, die Deichtorhallen Hamburg, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum der Arbeit, … Diese Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Insgesamt 31 Museen sind bei „#seeforfree“ 2021 dabei und geben bei freiem Eintritt Zugang zu Kunst und Kultur. Mit dabei sind Highlights wie die aktuelle Ausstellung des MARKK „Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ oder die Ausstellung des Dänen Adam Christensen im Harburger Bahnhof.

 

Corona-Maßnahmen

 

Fiel der Tag im letzten Jahr Corona-bedingt noch aus, nimmt die Pandemie in diesem Jahr nur noch wenig Einfluss auf #seeforfree. 2021 gibt es in 27 der 31 Museen freien Eintritt nach dem 2G-Modell. Das heißt, nur Geimpfte und Genesene kommen in die Museen (Ausnahme: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren). Damit fallen in diesen Häusern auch Einschränkungen wie Maskenpflicht oder Abstandsgebote weg. In drei der vier Museen mit Einlass nach 3G müssen vorher Zeitslots für den Einlass gebucht werden.

#seeforfree: 31. Oktober 2021, ab 10 Uhr


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Sammlung Falckenberg: Rätselhafte Bilderwelten

Die faszinierende Ausstellung „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne. Das Original“ zeigt die immense Kreativität des eigenwilligen Kunsthistorikers Aby Warburg, Spross der gleichnamigen Hamburger Bankiersfamilie

Text: Marco Arellano Gomes

 

Eigentlich war für Aby Warburg (1866–1929) eine Karriere in der familieneigenen Bankdynastie vorgesehen. Doch der Spross jener gut betuchten, angesehenen Hamburger Bankiersfamilie hatte seinen eigenen Kopf und widmete sich dem Studium der Kunstgeschichte. Er promovierte zur Malerei der Renaissance, befasste sich mit Astrologie und suchte schon bald nach Mustern und Zusammenhängen, die den Gelehrten womöglich verborgen geblieben sind. Warburg vermutete Wechselwirkungen von Bildern aus verschiedenen Epochen und kulturellen Kontexten. Er reiste um die Welt, um die Kunstwerke mit eigenen Augen zu betrachten, pinnte Reproduktionen berühmter Gemälde in seinem Eppendorfer Studierzimmer an die Wände, machte Notizen und stellte Zeitungsartikel sowie Buchsammlungen zusammen.

 

Zukunftsweisend?

 

Aby Warburg in Neapel, 1929 (Foto: František Pospíšil. Courtesy The Warburg Institute)

Aby Warburg in Neapel, 1929 (Foto: František Pospíšil. Courtesy The Warburg Institute)

Er schuf sein eigenes Intranet samt Pinterest – lange bevor an diese Technologien und Plattformen zu denken war. Es wäre sicher nicht vermessen zu behaupten, dass er von dieser Idee ein wenig besessen war. Böse Zungen bezeichneten ihn als verrückt. Und in der Tat wirken einige seiner Zusammenhänge zumindest bizarr: So klebt neben einem von Eugène Delacroixs Bildern ein Foto einer deutschen Golfspielerin, in direkter Nachbarschaft zu einer Klopapier-Packung und einigen historischen Münzen. Hat er etwa die Corona-Pandemie vorhergesehen? So ungewöhnlich die Collagen hier und da daherkommen: Sie wecken in jedem Fall das Interesse des Betrachters und sind eine Herausforderung für jeden, der sich diesem Rätsel stellt. Nun sind sie erstmals in Hamburg zu sehen – allerdings nur noch bis zum 31. Oktober 2021. Die Ausstellung trägt den etwas sperrigen Namen „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne“, benannt nach der griechischen Göttin der Erinnerung. Erinnert wird vor allem an Aby Warburgs Atlas, der bislang der Öffentlichkeit vorenthalten war.

 

Vor den Nationalsozialisten gerettet

 

(Rekonstruktion Ohrt / Heil 2020) (Foto: Wootton / fluid; Courtesy The Warburg Institute)

Aby Warburg, Bilderatlas Mnemosyne, Tafel 39
(Rekonstruktion Ohrt / Heil 2020) (Foto: Wootton / fluid; Courtesy The Warburg Institute)

In mühsamer Kleinarbeit rekonstruierten die Kuratoren Roberto Ohrt und Axel Heil die Zusammenstellung Warburgs, die nun selbst als Kunstwerk daherkommt – auch wenn Warburg sie bis zu seinem Tod als unfertig betrachtete. Den Wert seiner Arbeit erkannten Familie und Freunde dennoch – und retteten den Nachlass vor den Nationalsozialisten, indem sie alles nach London brachten: 971 Fotos und Papiere, Rekonstruktionen und Bücher, die darauf warteten, sortiert und – so gut es eben ging– zu den ursprünglichen Collagen arrangiert zu werden. Notizen von Aby Warburg dazu gibt es keine, nur Fotos und Hinweise. 63 Tafeln sind in der Sammlung Falckenberg in Harburg seit August zu bestaunen, sie sind der letzten dokumentierten Version des Atlas von 1929 nachempfunden. Um alles wirklich zu verstehen, muss man sehr in der Welt der Kunst bewandert sein und sich tiefer mit der Materie beschäftigen. Aber selbst wer sich nicht zu diesem erlesenen Kreis zählt, kann sich einfach im Pinterest-Modus von den optischen Eindrücken berauschen lassen.

„Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne“ Sammlung Falckenberg, 21. August bis 31. Oktober 2021; deichtorhallen.de/ausstellung/aby-warburg


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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PHOXXI: Temporäres Kunsthaus der Deichtorhallen

Die Deichtorhallen Hamburg eröffnen am 2. September 2021 mit dem temporären Haus der Photographie PHOXXI ein neues Ausstellungshaus für Hamburg

Text: Felix Willeke

 

Das Haus der Photographie wird ab August 2021 grundlegend saniert. Damit fehlt für drei Jahre eine Ausstellungsfläche. Die Deichtorhallen Hamburg eröffnen daher am 2. September 2021 mit „PHOXXI. Haus der Photographie temporär“ ein neues Ausstellungshaus in Hamburg. Das PHOXXI präsentiert für die Zeit der Sanierung des regulären Haus der Photographie internationale zeitgenössische Fotografie.

Der an der HfbK Hamburg lehrende Künstler Anselm Reyle wird das 820 Quadratmeter große, mehrstöckige Gebäude gestalten. Im PHOXXI finden ein Ausstellungsraum, ein Auditorium sowie Büroflächen Platz.

Neben dem PHOXXI werden auch die Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen sowie die Sammlung Falckenberg punktuell für fotografische Ausstellungen zur Verfügung stehen.


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