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Kabinett der Kuriositäten: 1. Internationales Spielbudenfestival

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich am heutigen Herz der Reeperbahn Gaukler mit ihren hölzernen Buden nieder. Das 1. Internationale Spielbudenfestival ließ diese Zeiten vom 23. bis zum 25. Juli wieder aufleben: Feuerkünstler, Magier und „Gummimenschen“ lockten drei Tage lang nach St. Pauli

Fotos: Jérome Gerull

 

Vergnügen und St. Pauli sind nirgendwo so traditionell verknüpft wie am Platz an der Reeperbahn. Die Corny Littmann-Stiftung holt mit dem erstmals veranstalteten Internationalen Spielbudenfestival vergangenes Flair für ein Wochenende zurück auf den Kiez: Ein buntes Treiben dargeboten von internationalen Künstlern erwartete die Besucher am Wochenende.

Sympathische Freaks und kuriose Gestalten zogen das Publikum mit waghalsiger Artistik, verblüffenden Tricks und zauberhafter Magie in ihren Bann.

 

Eine Galerie der Akteure:

 

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Shakespeare in den Wallanlagen: „Der Sturm“ im Ententeich

Das frisch gegründete Theater Ensemble U3 bringt gleich zwei Stücke des englischen Dichters in die innerstädtische grüne Lunge Hamburgs. „Ein Sommernachtstraum“ und „Der Sturm“ von William Shakespeares laufen bis Ende August 2021 in Planten un Blomen – inszeniert mit erfahrenen Schauspieler:innen als Picknick-Aufführungen für laue Sommerabende

Text: Kevin Goonewardena

 

Auch wenn die Corona-Pandemie überwiegend negative Auswirkungen auf unser aller Leben hat, einige der Ideen sich mit diesen Umständen zu arrangieren, werden hoffentlich auch dann Bestand haben, wenn ein Ende der Pandemie erreicht ist. Das im vergangenen Jahr kurz nach dem ersten Lockdown konzipierte und später im Sommer aufgeführte Theaterprojekt „Sommernachtstraum auf St. Pauli“ ist der Grundstein einer solchen Idee.

Der daraus hervorgegangene Verein U3 Theater-Oper-Musical e.V. hat es ich zum Ziel gesetzt, Kultur für alle in Hamburgs Parks und an öffentliche Orte zu bringen. Für manch eine:n angsteinflößende Institutionen zu schaffen, die Interaktion zwischen Schauspieler:innen und Publikum zu fördern, genauso wie den darstellerischen Nachwuchs oder die Diversität in der Besetzung der Stücke – edle Vorhaben, auch unabhängig von einer pandemischen Notlage.

 

Minimalistisches Setting

 

Für „Der Sturm“, den Stoff Shakespeares um das Schicksal des Zauberers Prospero und seiner Tochter Miranda, wählte Regisseur Hartmut Uhlemann ein schlichtes Setting in den Wallanlagen, bei dem die Niedrigschwelligkeit des Konzepts nicht nur durch den Verzicht einer (mobilen) Bühne unterstrichen wird, sondern auch durch die sporadische aber durchaus pointierte Verwendung von Kulissen, Requisiten und Kostümen – etwa, wenn Caliban, der Sohn der Hexe Sycorax, durch den Ententeich watet, zuerst versteckt in einem kleinen Spielhaus für Kinder aus Plastik, wie es manch eine Familie im Garten stehen hat. Das geschaffene Theatererlebnis hat dadurch nicht nur wenig mit dem Besuch einer klassischen Spielstätte zu tun, der Regisseur lenkt naturgemäß und gewollt den Fokus auf sein hochkarätig besetztes und spielstarkes Ensemble.  

 

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Foto: Jérome Gerull

 

Auf dem Hang am Ententeich auf Campingstühlen oder gleich auf der mitgebrachten Decke inklusive Korb mit Brot und Wein, lässt sich verfolgen, wie Prospero nach der Vertreibung aus Mailand durch seinen Bruder zuerst auf eine Insel flüchtet, um sich dann mit seiner Tochter Miranda seinen Feinden stellt und nach wiederhergestellter Ehre schließlich zurückkehrt.

Uhlemann, der seit 1995 als freier Regisseur tätig ist, als Autor mehrere Theaterstücke verfasste und auch als Schauspieler auf diversen Bühnen stand und in mehreren Fernsehfilmen und -serien der öffentlich-rechtlichen Programmen zu sehen war, inszenierte nicht nur den Verein U3 Theater-Oper-Musical e.V. im letzten Jahr, sondern konnte ein Ensemble von ebenso hochkarätigen Schauspieler:innen mit jahrelanger Bühnen, Film- und Fernseherfahrung, wie hoffnungsvollen Talenten zusammen stellen, etwa Shari Streich (die Prosperos Tochter Miranda spielt) oder Yasemin Cec (Antonia & Stephano), die erst kürzlich ihre Schauspielausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

 

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Foto: Jérome Gerull

 

Viele der Darsteller:innen sind wie Uhlmann selbst mit dem Ernst Deutsch Theater in Mundsburg verbunden. Beeindruckend performen vor allem Ulrich Bähnke, der die Rolle des Caliban übernahm, und Prospero selbst, hier dargestellt von Udo Jolly, dessen Vita nicht nur mehrere abgeschlossene Musik- und Schauspielausbildungen aufweisen, sondern auch cairca 50 Film- und Serienarbeiten für das Fernsehen, darunter internationale Kinoproduktionen. Die unerwähnten Kolleg:innen der hier Genannten fallen, und das sei explizit festgehalten, keineswegs in ihrer Leistung signifikant ab.

 

Theater für alle

 

Man muss zu  Shakespeares-Sprache einen Zugang haben, auch den Stoff zu kennen schadet natürlich nicht – obgleich jede Inszenierung, jedes Ensemble ein Stück anders auf die Bühne bringt. Wer das tut, aber auch, wer sich erstmals oder wieder an die Darstellungsform Theater heranwagen möchte und bisher immer vor der Schwere der Institutionen, dem vermeintlich oder tatsächlich anwesenden Fachpublikum, des unausgesprochenen Dresscodes, der Etikette oder einem anderen tatsächlichen oder fälschlicherweise angenommenen Aspekt im letzten Moment daran gehindert wurde, eine Theaterkarte zu lösen, kann sich auf das U3-Ensemble ganz gefahrlos einlassen. 

Und natürlich die, die einfach nur einen lauen Sommerabend im Park bei Unterhaltung auf der Picknick-Decke genießen wollen. Vor Überlänge braucht man ebenfalls keine Angst zu haben – die Inszenierung von „Der Sturm“ dauert gerade einmal 75 Minuten. Das Stück wird noch bis zum 3. August täglich um 20:30 Uhr im Rahmen des Kultursommers in den Wallanlagen gezeigt. 

Das Ensemble des U3 Theater-Oper-Musical e.V. führt noch bis Ende August „Ein Sommernachtstraum“, in anderer Besetzung, am großen Kinderspielplatz in Planten un Blomen auf. Das Stück läuft auch zeitweise im Volkspark.

u3-theater.de


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Vol. 2: Eine sommerliche Kulturwoche voller Ideen

Damit die Woche gut im Voraus geplant werden kann, gibt es hier eine Auflistung an Highlights, die diese Woche im Rahmen des Kultursommer Hamburgs stattfinden

 

Der Kultursommer Hamburg bietet über vier Wochen mehr als 1300 Veranstaltungen in der ganzen Stadt verteilt an. Damit da nicht der Überblick verloren wird, haben wir uns durchs Programm gelesen und empfehlen hier tägliche Events in der Vorschau, damit die Woche mit Calls, Kindern und kleinen Katastrophen gut geplant, genossen und vieles mitgenommen werden kann!

 

26. Juli 2021

Das Gängeviertel macht den Montag bunt und laut: Verschiedenste Singer/Songwriter werden Open Air auf der großen Bühne im historischen Wohnquartier spielen. Der spätere Abend steht dann ganz im Zeichen von Drum and Bass. Wem es also die letzten Monate zu leise in der Stadt war, der ist heute im Gängeviertel bestens aufgehoben. Für den Einlass ist ein negativer Corona-Schnelltestest (nicht älter als 48 Stunden) oder ein PCR-Tests (nicht älter als 72 Stunden) zwingend notwendig.

 

27. Juli 2021

Der Dienstag eignet sich perfekt um die MS Artville Kunsttage zu besuchen. Workshops und Get-Togethers mit Künstler*innen und Dozent*innen stehen hier auf dem Programm. Es darf philosophiert, experimentiert und gespielt werden. Am Dienstag ist zum Beispiel das Performance-Kollektiv wirvier am Start und fragt: „Wenn du Superkräfte haben könntest, welche wären das?“ Also nichts wie raus nach Wilhelmsburg und selbst kreativ werden. Eine Anmeldung per Mail an info@msartville.de ist erforderlich. Alle wichtigen Infos und Termine stehen auf der Homepage vom MS Artville.

 

28. Juli 2021

Vom 27. Juli bis zum 12. August zieht die Astra Stube in den Schanzenpark. Der kleine Kultclub von der Sternbrücke wird an zehn Abenden im Schrödingers Open Air zeigen, was die Astra Stube ausmacht. Ein extrem vielfältiges Programm gehört auf jeden Fall dazu. Freuen kann man sich zum Beispiel auf Punk, Pop und Poetry Slam. Aber auch Singer/ Songwriter und Comedy werden nicht fehlen.

Am Dienstag, 28. Juli, kommt jemand ins Schrödingers, der beides vereint: Pensen Paletti, Frontsänger der beiden Hamburger Bands „Das Pack“ und „Monsters of Liedermaching“ ist bekannt für Refrains zum mitgrölen und guten Humor. Um abendfüllend zu unterhalten, braucht er nur seine Gitarre.

 

29. Juli 2021

Das Theaterschiff Hamburg und die Katharinen-Kirche haben sich zusammengetan und mitten im Katharinen-Viertel eine Open Air-Bühne aus der Erde gestampft. Im Rahmen des Kultursommers wird Hamburg also um eine weitere Spielstätte bereichert. Da die beiden Institutionen miteinander harmonieren, soll die Kooperation auch in Zukunft die Altstadt beleben.

Am Donnerstag, 29. Juli, kommt die gefeierte Theatergruppe Hidden Shakespeare für ihren einzigen Sommerauftritt zur Theaterschiff Open-Air am Katharinenkirchhof 1. Die Gruppe macht Impro-Thetaer seit fast 30 Jahren. Jeder Abend mit Hidden Shakespeare kann immer mal wieder eine Wendung annehmen, denn auch Ideen aus dem Publikum wird hier gerne mal zum ausgewachsenen Drama und gestalten das Theater. Unterhaltung ist dabei garantiert!

 

30. Juli 2021

Vorhang auf und Bühne frei fürs Wochenende und das Theater Open Air auf dem Rathausmarkt! Abwechslungsreiche Theaterveranstaltungen finden hier vom 30. Juli bis 8. August unter freiem Himmel statt. Mit dabei sind viele Hamburger Theater, die Kinderstücke, Improvisationstheater, Schauspiel und Tanz vorführen.

Den Startschuss macht heute der Kabarettist Frowin. 2002 sorgte seine Oper „Angela“ für internationales Aufsehen – seit 2010 hat er sich als „Kanzlerchauffeur“ in 50 TV-Sendungen, drei Solo- und Duo Programmen immer wieder an der mächtigsten Frau der Welt abgearbeitet. Beim Theater Open Air inszeniert er einen Rückblick, Ausblick und eine Trauerrede für Angela Merkel.

 

31. Juli 2021

Endlich wieder Festival: Am Samstag kommt die La Fête Surprise in den Wilhelmsburg Inselpark. Unter anderem auf der Freilichtbühne, haben die Hamburger Indie-Künstler:innen die Möglichkeit nach langer Zeit wieder vor Publikum zu spielen. Eingeladen werden sie vom Hamburger Independent Label La Pochette Surprise Records. Das Musiklabel ist seit diesem Jahr auf der Elbinsel zu Hause und das Festival im Rahmen des Kultursommers ist daher natürlich eine besondere Herzensangelegenheit. Am Samstag treten unter anderem Future Prawn, Jack Dalton & the Cactus Boys und Dunya auf. Alle Konzerte sind kostenlos. Um Anmeldung unter https://www.lapochettesurprise.de/la-fête-surprise wird gebeten.

 

01. August 2021

Ausklingen lässt sich die Woche immer gut im Winterhuder Stadtpark beim Stadtpark Open Air. Diesen Sonntag wird es funkig: Der Baltic Soul Weekender kommt erstmals und einmalig nach Hamburg. Seit Jahren gehört es zum Besten, was die deutsche Festivallandschaft zu bieten hat. Vor allem die Genre Soul, Funk und Disco aber auch HipHop, Jazz und Reggae sind hier vertreten. Seit 2017 ist das Musikfestival aus der europäischen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. In Hamburg mit dabei sind Mirko Machine, Crout, Supergid, Dj Saudy und Dan D. Kostenlose Tickets gibt es unter www.stadtparkopenair.de zu ergattern.


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„Fahr ein schöneres Hamburg“ auf dem Kultursommer

Fitte Beine, besseres Klima und mehr Sicherheit: Fahrradkampagne „Fahr ein schöneres Hamburg“

 

Hamburg will Fahrradstadt werden und die Anfänge sind gemacht. Inzwischen wissen wir alle: das Rad ist das perfekte Verkehrsmittel um die Stadt zu entdecken und schnell, unkompliziert und umweltbewusst von A nach B zu kommen. Perfekt auch, um den Kultursommer zu genießen und von einer Veranstaltung zur nächsten zu radeln. So entfällt auch die lästige Parkplatzsuche und der Besuch des Kultursommers ist gleich viel entspannter. Mit der Kampagne “Fahr ein schöneres Hamburg” macht die Stadt momentan auf den eingeschlagenen Weg hin zur fahrradfreundlichen Stadt aufmerksam.

 

Fahrradinfrastruktur

 

Tattoo- Fiete, Fahrrad-Testimonials wie der Blödel-Barde Otto, die “lächelnde Kreuzung”, der ÖPNV-Knoten und Fahrradparkhaus Kellinghusenstraße und Hamburgs erste „Protected Bikelane“ im südlichen Harburg, all diese Projekte stärken die städtische Fahrradinfrastruktur und werden über die Kampagne bekannt gemacht. Mit Spaß Radfahren lernen und dabei sicher ans Ziel kommen, können derweil Kids diesen Sommer ab dem 22. Juli auch beim Erlebnis-Parcours „Fiete und der Schatz der Speichenstadt“.

Im Kultursommer ist aktuell das Fahrradfahren sehr empfehlenswert. Die vielen Bekannten und auch unbekannteren Locations lassen sich im Rahmen des Kultursommer Hamburgs prima als Fahrradtour mit Kultur-Highlights planen. Tschüss Parkplatzsuche, hallo Kulturrausch!

 

Kultursommer-Reporterin Daphne war schon etwas mit dem Bike unterwegs:

Mehr radfreundliche Informationen zu den Aktionen gibt es auf fahrrad.hamburg


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„Das hat Hamburg noch nicht gesehen!“

Das erste internationale Spielbudenplatzfestival lockt im Juli mit Straßentheater auf den Kiez. Initiator und Schmidts Tivoli-Geschäftsführer Corny Littmann knüpft damit an die Historie des Platzes auf St. Pauli an

Text: Sören Ingwersen

 

Corny, seit wann schlummert die Idee in deinem Kopf, ein Spielbuden Festival auf die Beine zu stellen?

Die Idee, Straßentheater in Form eines Festivals auf dem Spielbudenplatz zu veranstalten, ist schon sehr alt. Wir haben ja vor etwa 15 Jahren schon mal eines gemacht, da war der Spielbudenplatz noch eine Sandfläche. Nur stellte sich immer die Frage, wie so etwas überhaupt organisatorisch und finanziell gestemmt werden kann.

Es gibt doch die Spielbudenplatz Betreibergesellschaft …

Diese Gesellschaft führt mit knapp 30 Angestellten tatsächlich alle Veranstaltungen auf dem Spielbudenplatz durch, bei denen aber kein Eintritt erhoben werden darf. Das ist ein schönes Ansinnen, aber welcher Künstler kommt schon ohne Gage nach Hamburg?

Vor über zwei Jahren habe ich meine Stiftung gegründet, die jetzt 100.000 Euro für das Festival zur Verfügung stellt. Für die notwendigen organisatorischen Corona-Maßnahmen unterstützt uns die Stadt zusätzlich mit 30.000 Euro.

Heißt das, Künstler, die sonst im Schmidt Theater und im Schmidts Tivoli auftreten, sind jetzt auf dem Spielbudenplatz zu erleben?

Im Gegenteil. Straßentheater ist eine ganz eigene Kunstform. Es wird für die Straße konzipiert und kann in der Regel auch nur dort stattfinden. Unser künstlerischer Leiter Bernd Busch ist selbst ein sehr erfahrener Straßentheaterkünstler mit vielen Kontakten zu Kollegen im In- und Ausland, die er für unser Festival gewinnen konnte. Insgesamt treten 25 Künstler und Gruppen auf, die – mit Ausnahme von „Die Buschs“ – in Hamburg noch nie zu sehen waren.

Kannst du ein paar Namen nennen?

Ein herausragendes Beispiel ist die spanische Gruppe Cia la Tal, deren Bühne ein aufgeklappter Lkw ist. Diese Mischung aus visuellem Theater, Magie und Clownerie ist der schiere Wahnsinn. Das hat Hamburg in der Form noch nicht gesehen!

 

Die Schaubude

 

Im Zentrum des Festivals steht eine Schaubude. Da denken viele jetzt wahrscheinlich an eine Unterhaltungssendung im Fernsehen. Die hat damit aber nichts zu tun … 

Einige erinnern sich vielleicht noch an die Schaubuden auf dem Dom vor zuletzt zehn oder fünfzehn Jahren. Da preist ein Ausrufer Kuriositäten an, wie „Die Frau ohne Unterleib“, und lockt das Publikum für ein 20-minütiges Programm in ein kleines Theater mit Holzbänken. Diese Schaubuden waren früher auf allen Volksfesten vertreten. Heute ist die Schaubude von Dominik Schmitz die letzter ihrer Art in Deutschland. Sie wurde übrigens in Elmshorn von der Firma Köhler Fahrzeugbau gefertigt und bietet normalerweise Platz für rund 150 Zuschauer. Neben der Kuriositäten-Show laufen dort auch andere gemischte Programme.

Corny Littmann wurde bundesweit bekannt durch die Schmidt Mitternachtsshow in den frühen Neunzigern; Foto: Stefan Malzkorn

Corny Littmann wurde bundesweit durch die Schmidt Mitternachtsshow in den frühen Neunzigern bekannt (Foto: Stefan Malzkorn)

Ein dunkles Kapitel der Schaubuden waren ja die sogenannten Freakshows, in denen Menschen mit körperlichen Fehlbildungen den voyeuristischen Blicken der Zuschauenden dargeboten wurden. Muss man sich Sorgen machen, wenn bei euch Sensationen wie „Die Spinnenfrau“ oder „Die Frau ohne Kopf“ angekündigt werden?

Überhaupt nicht. Das sind ja alles nur Tricks. Es gibt keine Freakshow oder kleinwüchsigen Menschen, die zur Schau gestellt werden.

Wollen wir kurz über das leidige Thema Corona sprechen?

Der Ablauf wird von uns unter den heutigen Bedingungen vorbereitet. Wir erwarten, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt nur eine bestimmte Menge von Menschen auf dem Platz zulassen können. Es wird also Tickets mit einem wohl dreistündigen Zeitfenster für den Ein- und Auslass geben. Die können vorab kostenlos über das Internet erworben werden. So bekommt man im Verbund mit einem Corona-Schnelltest – etwa von „Corona Freepass“ nebenan – Zugang zum Platz. Anfang Juli wird das alles definitiv festgelegt und unter www.spielbudenfestival.de kommuniziert.

Für Essen und Trinken ist sicher auch gesorgt …

Dafür ist die Betreibergesellschaft zuständig.

Eigentlich sollte die Festival-Premiere ja schon im letzten Jahr stattfinden, musste aber wegen Corona verschoben werben. Konnte das Programm trotzdem beibehalten werden?

Fast alle Künstler, die wir im letzten Jahr dabei haben wollten, werden auch dieses Jahr dabei sein.

 

Viele Highlights

 

Auf welche Künstler können wir uns denn noch freuen?

Auf die klassische Seiltänzerin Silea aus Berlin und einen irischen Straßenclown: Shiva Grings. Der ist einfach toll, weil seine Programme vollständig improvisiert sind. Jede Show ist anders und hängt von der Reaktion des Publikums ab. Es gibt eine Clowns-Frau mit dem schönen Namen Anna de Lirium und „Das kleinste Varieté der Welt“ mit normalerweise nur vier bis sechs Zuschauern im Zelt und einer sehr witzigen zehnminütigen Show. Wir überlegen noch, wie wir das unter den Corona-Bedingungen anbieten können.

Außerdem wird Roc Roc-it bei uns auftreten. Er ist der Punk unter den Straßenkünstlern, spielt viel mit Feuer, spickt sein Gesicht mit Wäscheklammern und durchsticht sich die Wangen. Das ist ein total schräger und ausgeflippter Typ.

Eine Puppenspielerin und ein Papierreißer stehen auch in der Ankündigung … 

Wir haben darauf geachtet, dass möglichst viele Künstler eine Verbindung zur Tradition herstellen. Das Papierreißen ist ja eine sehr alte Kunstform. So wollen wir auch an die Geschichte des Spielbudenplatzes anknüpfen, wo es solche Attraktionen in Spielbuden ja schon vor über 200 Jahren gab. Hagenbeck hat mit einer Show mit Seehunden dort angefangen.

Außerdem gibt es in Hamburg seit den 1970er-Jahren das „Alstervergnügen“, das anfangs eines der größten Straßentheaterfestivals in Deutschland war. Heute ist nur noch die Gastronomie übrig geblieben. Diese Traditionen wollen wir wiederbeleben.

Macht ihr den historischen Bezug für die Besucher auch transparent?

In der Konzeption für das letzte Jahr war das vorgesehen. Da hatten wir schon mit Mitarbeiterinnen des Sankt Pauli Museums gesprochen, die uns Stellwände zur Verfügung stellen wollten, auf denen die Geschichte des Platzes dargestellt wird. Nun gibt es das Museum leider nicht mehr, und unsere kleine Mannschaft wäre mit einer solchen Dokumentation überfordert. Ich hoffe aber, dass wir diese Idee in einem der nächsten Festivals wieder aufgreifen können.

Das heißt, es wird noch weitere Spielbudenplatzfestivals geben?

So ist die Planung. Wir treten jetzt mit der Stiftung sozusagen in Vorleistung und hoffen auf so viel positive Resonanz, dass wir für das nächste Jahr verschiedene Unternehmen oder private Sponsoren gewinnen können, die die Finanzierung übernehmen.

Spielbudenfestival: 23.–25. Juli 2021


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Waldinsel-Lasterkonzerte: Musik auf vier Oldtimer-Rädern

Musik von heute auf einem LKW von gestern

Text: Felix Willeke

 

Nach Kirchdorf-Süd, Allermöhe, in den Elbpark Entenwerder oder auf den Fähranleger Teufelsbrück – die Waldinsel-Lasterkonzerte bringen Musik in alle Ecken der Stadt. Der legendäre Laster von Kim Senger blickt auf eine lange Karriere zurück: als Möbeltransporter, Zirkuslastwagen, Zuhause für eine Familie, als Tourbus und Wohnmobil – und schließlich als mobile Bühne und rollendes Aushängeschild der Waldinselbühne.

Vom 20. Juli bis 15. August fährt die mobile Bühne auf dem ausgebauten Mercedes Benz LKW von 1970 im Rahmen des Kultursommer Hamburgs an die verschiedensten Orte der Hansestadt. Die Künstler:innen spielen vor dem Laster oder vom Dach des Fahrzeugs in circa 3,60 Meter Höhe, das Publikum versammelt sich um den Laster.

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Foto: Jérome Gerull

Bands wie Puder, das John Winston Berta Trio oder FRINK spielen dann luftige und einzigartige Gigs auf dem Dach des Lasters. Am 20. Juli sind Kraus aufgetreten und haben mit ihren Indie-Rock-Songs den Schulhof des Bildungs- und Gemeinschaftszentrums Süderelbe beschallt. Stark war das!

Der Eintritt ist bei jedem Konzert bis auf das Finale am 15. August auf der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße, frei, um eine Spende wird gebeten.

waldinsel.com


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Hamburgs Klassiker: Das Stadtpark Open Air ist zurück

Im Stadtpark liegt wieder Musik in der Luft. Ab dem 21. Juli 2021 gibt es wieder Open Air Konzerte im Hamburger Stadtpark

Text: Andreas Daebeler

 

Ohne Open Air im Stadtpark geht nicht. Nicht mal im für die Live-Musik so frustrierenden Corona-Jahr 2020. Trotz Pandemie schafften es die Orga­nisatoren um Veranstalter Karsten Jahnke, eine Handvoll ­kleiner Gigs an den Start zu bringen. Johannes Oerding ­hatte gleich eine ganze Reihe von Auftritten absolviert. In diesem Jahr ist auf der legen­dären Freilicht­bühne an der Saarlandstraße wieder musikalische Vielfalt angesagt. Dank eines mit den Behörden abgestimmten Sicherheitskonzepts.

Mit reduzierter Kapazität und festen Sitzplätzen sollen dabei die aktuell gültigen Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem gibt’s klare Wegeregelungen und keine Tageskasse. Die online bestellten Tickets sind ­personalisiert, um bei Infektionen eine Nachverfolgung zu gewährleisten. Rein kommt nur, wer eine Maske trägt. Auf den Plätzen darf die dann abgenommen werden.

 

Volles Programm

 

Das Programm startet am 21. Juli mit einem Auftritt der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim. Es gibt in ­diesem Jahr auch Poetry Slams, Comedy und Lesungen. Mit Element Of Crime, Fury in The Slaughterhouse, Philipp Poisel und natürlich Lotto King Karl sind gern gesehene Stamm­gäste mit von der Partie, bevor Olli Schulz und Deine Freunde Anfang September die Schluss­akkorde setzen. Trotz ­Corona wird die Food Lane rund um die Freilichtbühne im Stadtpark geöffnet sein. Auf den Tellern landet modernes, mit Liebe ­gemachtes Streetfood – frisch zubereitet und serviert aus umgebauten Seecontainern.

stadtparkopenair.de


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#MeetFrida: Kunst im öffentlichen Raum

#MeetFrida am Jungfernstieg, im Park Fiction, im Eichenpark und in einer Pop Up Gallery im Hanseviertel

Text: Isabel Rauhut

 

MeetFrida3_ARt_Gallery_Kultursommer_Foto_Team_SZENE_JG-8#MeetFrida wurde im Sommer 2020 aufgrund von Corona als neuartige Initiative zur Förderung von Künstler:innen in Deutschland ins Leben gerufen. Seitdem zeigt das Projekt die Online-Galerie www.meetfrida.art mit diversen Kunstkampagnen im urbanen Umfeld, aufstrebende Kunstpositionen in Malerei, Fotografie und Skulptur von Künstlern aus ganz Deutschland.

Neben der digitalen Plattform steht #MeetFrida für weitere vielfältige Kunstprojekte: Im Rahmen des Kultursommer Hamburgs wurde auf der Reesendammbrücke am Jungfernstieg, im Park Fiction auf St. Pauli und im Eichenpark am Alstervorland die MeetFrida ARt Gallery platziert. Werke von insgesamt 30 Hamburger Künstler:innen sind hier seit dem 17. Juli einen Monat lang virtuell zu entdecken.

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Foto: SZENE HAMBURG / JG

Der Name ARt Gallery spielt auf die digitale Umsetzung der Ausstellung in AR (Augmented Reality) an: Der Handy-Bildschirm wird zum Museumseingang. Bildende Kunst kann so interaktiv erlebt und in eine Gruppenausstellung eingetaucht werden. Sichtbarkeit im realen Raum erhält die Ausstellung über einen rosa Kubus, der den Ort markiert und per QR-Code den Zugang zum digitalen Museum ermöglicht. Besucher:innen können per Handy den Code scannen und die AR-Ausstellung öffnet sich direkt im Browser, eine App ist nicht nötig.

 

Kunst on- und offline

 

Mit einer Pop-up Gallery im Hanseviertel in der Hamburger Innenstadt sind on top die Werke von insgesamt 10 Hamburger Künstler:innen auch offline zu sehen. Die Gruppenausstellung läuft noch bis zum 31. Juli. Wen es nicht in die Innenstadt zieht: Die Pop-Up-Ausstellung gibt es – natürlich – auch als 3D in einer App.

In einer Aktion ab dem 10. August gibt’s dann, wie auch schon 2020, weitere Kunst im öffentlichen Raum: Dabei werden 40 Großflächen in vier Hamburger Stadtteilen nach dem Motto „Kunst statt Werbung“ mit 18/1 Kunstplakaten in Hamburg plakatiert. Die Aktion erschafft eine Outdoor-Galerie auf Zeit und macht Kunst für jeden zugänglich. Anhand einer digitalen Karte auf www.meetfrida.art werden Interessierte von Ort zu Ort geführt und erhalten umfassende Informationen zu Künstler:innen und Werken.

meetfrida.art


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