Beiträge

„Hilf Mahl!“: Helfen mit Genuss

Die Aktion „Hilf Mahl!“ sammelt gemeinsam mit Hamburger Restaurants Spenden für soziale Projekte

Text: Ulrich Thiele

 

Wer dieser Tage auswärts essen geht, wird auf seinem Tisch vielleicht ein Kärtchen entdecken. Wie jedes Jahr zur Winterzeit verbindet die Aktion „Hilf Mahl!“, die seit 2012 in den Wintermonaten von November bis Februar Spenden für Obdachlose sammelt, gutes Essen mit dem guten Zweck – und zwar auf herrlich leichte Weise. Der Rechnung des Restaurantbesuchs wird eine freiwillige Spende von einem Euro hinzugefügt, die an den gemeinnützigen Verein „Hilf Mahl!“ weitergeben wird, der damit wiederum Projekte der Obdachlosen-Hilfe wie die Hamburger Tafel oder Hinz&Kunzt unterstützt. Rund 30 Restaurants nehmen an der Aktion teil, im Winter 2018/2019 wurden so über 35.000 Euro eingenommen.

Wer nicht mitmachen will, gibt dem Personal Bescheid, dann wird der Betrag von einem Euro von der Rechnung genommen. Andersherum kann der Betrag gern aufgestockt werden. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Sophie und Mathias Bach. Auf die Idee kamen sie schon 2010 während eines gemeinsamen Besuchs in London durch die Spendenaktion „streetsmart“. Auf den Kärtchen, die auf die Aktion hinweisen, steht übrigens ein Zitat des Schauspielers Ulrich Tukur, der seit Anbeginn das Projekt als Schirmherr unterstützt: „Gutes Essen und guter Wein beflügeln unsere Sinne, öffnen das Herz und bereichern unser Leben. Wie schön, wenn wir für dieses Glück danken können mit einer kleinen Geste, die für viele eine große Hilfe ist. Und wie einfach.“

www.hilfmahl.de
November 2019 bis Februar 2020 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Weihnachtsmärchen für Kinder

Es ist immer etwas Besonderes, Kinder in Weihnachtsmärchen zu erleben. Wie sie mitfiebern und laut aufschreien, wenn der Prinzessin oder einer*m anderen Held*in Gefahr droht, wie sie begeistert klatschen und sich freuen, wenn die Geschichte auf der Bühne doch noch ein gutes Ende nimmt.

Die Hamburger Theater starten in die Zeit der Weihnachtsmärchen und auch in diesem Jahr läuft wieder ein buntes Programm aus Märchen, Kinderbuch-Klassikern, Singspielen und Geschichten aus aller Welt. Ob Astrid Lindgrens Geschichten, Märchen für die ganz Kleinen oder die Klassiker der Gebrüder Grimm – auf den Hamburger Bühnen ist mit Sicherheit für jede*n das Richtige dabei!

Entdecken Sie die diesjährigen Weihnachtsmärchen in den Hamburger Theatern auf www.theater-hamburg.org und lassen Sie sich für den Theaterbesuch mit den Kleinen inspirieren.

Unternehmen zeigen ihre Kunstsammlungen bei der add art 2019

Zum 7. Mal öffnen Hamburger Unternehmen ihre Türen, zeigen ihre Kunstsammlungen, feiern Jubiläen und den Nachwuchs – und das an Orten, zu denen man nur selten Zutritt hat

Text: Sabine Danek 
Bild: Marlen Schulz 

 

Es wäre viel zu schade, wenn das alles verborgen bleiben würde. Die Kunst, die von Hamburger Unternehmen gesammelt wird, von Anwaltskanzleien, Immobilienmaklern, Konzernen, Studios oder Agenturen. Deshalb öffnet add art einmal im Jahr die sonst geschlossenen Türen und macht den Blick frei auf Kunst, die man sonst nicht sehen kann. Wie die von Street-Artist Ray de la Cruz gestalteten Räume der INP Holding und deren Sammlung mit Arbeiten von Tjorg Douglas Beer und David Friedemann. Oder die beeindruckend zeitgenössischen Werke bei Lohmann Konzept, das Unternehmen im Gesundheitswesen berät.

Die Arbeiten reichen von Zeichnung und Malerei zu Skulptur, Objekte, Fotografie, Video- und Computerkunst und beschäftigen sich mit dem „Wandel“ als hochaktuellem, gesellschaftlichem Thema. Bei der diesjährigen add art stellt es die „Inszenierungen des Augenblicks“ der Performance-Künstlerin Carmen Oberst in den Mittelpunkt und überreicht jedem Besucher eine ihrer „Gedächtnis-Boxen“. Natürlich fehlt auch die legendäre Sammlung der Werke von Dieter Roth (1930–1998) nicht, dessen Schimmel- und Eat-Art-Werke auch im MoMA New York zu finden sind. Einer der Hamburger Anwälte Buse Heberer Fromm hatte den Künstler bereits in den 1970er Jahren mit Käufen unterstützt.

 

Kunst regt zu Gesprächen mit Mitarbeitern an

 

Vor sieben Jahren gründete Hubertus von Barby add art. „Als Berufstätige verbringen wir viel Zeit im Büro. Es schafft gleich eine andere Atmosphäre, wenn Kunst an den Wänden ist. Damit meine ich weniger die üblichen Kunstdrucke – in Hamburg vorzugsweise die Speicherstadt –, sondern echte, originale Kunstwerke“, sagt der Kommunikationsberater. „Kunst verändert aber nicht nur die Raumsituation, sondern bringt ein ganz neues Moment in ein Unternehmen. Auf der einen Seite kann ein Werk mir persönlich einen Impuls geben, ein gutes Werk lässt mich sogar immer wieder Neues darin sehen und entdecken. Auf der anderen Seite regt Kunst auch zu Gesprächen mit anderen Mitarbeitern oder auch Kunden an.“

Gleichzeitig steht die Kunstförderung im Zentrum der add art, in deren Namen bereits die Aufforderung „Füge Kunst hinzu“ steckt. Deshalb zeigen auch in diesem Jahr sieben Unternehmen Arbeiten von ausgewählten Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Zum zweiten Mal wird der add art Award für Nachwuchskunst, der mit 3.000 Euro dotiert ist, verliehen und jeder der Nachwuchskünstler, die in den verschiedenen Unternehmen ausgestellt sind, wird mit einem Honorar oder einem Ankauf unterstützt. Die Ausstellungen und Sonderschauen können mit Führungen oder zu festen Terminen besucht werden. Mehr als 1.700 Interessierte haben das im letzten Jahr genutzt. Tendenz steigend.

 

add art: Termine und Führungen

 

Eröffnung und Award-Verleihung

Erstmals findet die Auftaktveranstaltung in der Rahmenwerkstatt Kappich & Piel im Schanzenviertel statt – und erstmals auch mit einem Kunstquiz. Bei Art & Smart, durch das die Moderatoren Darren Grundorf und Tom Zimmermann führen, können die Gäste einfach nur zuhören oder sich in Teams zusammenfinden und Antworten auf Fragen rund um die Kunst beantworten. Die Sieger werden prämiert. Zudem wird der add art Award für Nachwuchskunst verliehen und es findet eine Podiumsdiskussion statt.

Kunst & Stadtteil

Auch in diesem Jahr finden im Rahmen der add art drei organisierte Führungen statt. Besucht werden Unternehmen mit Kunst und auf dem Weg zu ihnen werden Informationen über den besuchten Stadtteil vermittelt. Die drei Führungen sind: Neuer Wall & Fleetinsel am 22.11., Neustadt & Gängeviertel am 23.11., HafenCity & Cremon-Insel am 24.11. Die Teilnahme kostet 25 Euro.

Sonderschauen

Zum 65. Geburtstag von Werner Büttner findet in der Dependance der LBBW eine speziell zur add art arrangierte Ausstellung mit Werken von Werner Büttner statt.
Die Handelskammer nimmt mit der Schau „Die wachsende Stadt – Hamburg 1814-1914“ teil.

Lunch Talk

Die Kunsthistorikerin Julia Rosenbaum spricht mit der Künstlerin Carla Chan (*1989) über ihre Arbeiten, die in der Kanzlei Fieldfisher gezeigt werden. Es geht um das Wandeln an der Grenze zwischen Natur und Digitalem, Figuration und Abstraktion. „Grenzgänge: Das Übersetzen digitaler Möglichkeiten in künstlerische Ästhetik“: Lunch Talk, 22.11., 12.30 Uhr, Fieldfisher LLP. Der Lunch-Talk findet in englischer Sprache statt. Ein Imbiss wird gereicht. Anmeldung unter www.addart.de.

add art
21.-24.11.19 


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

 

Neues Album „Bang“: Mando Diao im Interview

Die schwedische Erfolgsband Mando Diao veröffentlichte mit „Bang“ kürzlich ein neues Album. Frontmann Björn Dixgård und Bassist Carl-Johan Fogelklou über die Einfachheit der Songs, Freiheitsgefühle und ein verändertes Tourleben

Interview: Erik Brandt-Höge 

 

SZENE HAMBURG: Björn und Carl-Johan, euer neuer Song „Get Free“ ist der erste der Band, in dem es um das große Thema Freiheit geht. Warum gerade jetzt solch ein Text?

Björn: Das ist einfach so passiert. Wir haben immer zuerst die Musik und spielen dann mit Lyrics herum, dabei kam ich auf das Thema Freiheit. Ich habe darüber nachgedacht, was das eigentlich bedeutet, Freiheit, und wie man frei wird.

Carl-Johan: Außerdem wollten wir einen Song, der den Leuten ein Gefühl von Freiheit gibt, beim Hören und dazu Tanzen. Wir wollten auch mal eine Freiheitshymne machen. Ich darf in dieser Sachen David Hasselhoff zitieren: „I’ve been looking for freedom.“ (lacht)

Hat sich eure Definition von Freiheit eigentlich mit den Jahren verändert?

Carl-Johan: Schon. Wenn man älter wird, hat man allgemein mehr Verantwortung, allein dadurch bekommt Freiheit einen höheren Stellenwert. Wir haben jetzt sicherlich etwas mehr Respekt vor der Freiheit, die wir haben, als in früheren Bandjahren. Der Rock ’n’ Roll-Lebensstil, den ihr schon lange pflegt, gilt ja als sehr frei.

Gibt es dennoch etwas, das euch aktuell noch freier fühlen lässt als euer Job?

Carl-Johan: Die Natur. Ein Spaziergang durch den Wald, am Strand oder einem schönen See ist wahnsinnig viel wert.

Björn: Da stimme ich zu. Wenn man in der Natur ist, bekommt man sofort das Gefühl, ein Teil von etwas zu sein, das viel größer, viel wichtiger ist als alles andere. Und wenn ich darüber nachdenke, dass ich mit meinem Lebensstil auch viel von eben dieser Natur zerstöre, durchs Fliegen und die Müllproduktion, spüre ich umso mehr Demut, wenn ich dort draußen bin. Die Natur ist gut fürs Ego. Sie zeigt einem, dass man nur ein winziges Staubkorn auf dieser Welt ist.

Denkt ihr, Erfolg macht auch frei?

Björn: Erfolg macht vieles einfacher, auch das Geld, das oft mit Erfolg kommt. Damit konnten wir als Band noch mehr Musik produzieren und auch mal in einem schicken Studio abhängen. Allerdings würde ich behaupten, dass wir niemals aufhören würden, Musik zu machen, wenn wir plötzlich nicht mehr so erfolgreich wären und nur noch in kleinen Clubs auftreten. Das, was wir machen, müssen wir machen, es ist ein innerer Drang.

Dazu zählt auch das regelmäßige Touren – ebenfalls etwas, das Freiheit mit sich bringt. Wenn ihr jetzt wieder unterwegs seid, wie muss man sich das vorstellen: Noch so wild und partyreich wie zu Karrierebeginn?

Björn: Wir feiern schon noch ab und an.

Carl-Johan: Aber nicht mehr so hart.

Björn: Das stimmt. Ich kann auch nicht mehr so gut singen, wenn ich lange gefeiert habe. Wenn wir eine Show am nächsten Tag haben, bin ich vorsichtig. Der Rest kann von mir aus machen, was er will (lacht).

Carl-Johan: Ach, wir sind mittlerweile alle erwachsener und verhalten uns partytechnisch angemessener als früher. Heute sitzen wir nach einer Show oft da, einer holt einen ach so besonderen Whiskey heraus, wir nippen nur ein bisschen daran und fachsimpeln über den Geschmack (lacht).

Björn: Ich tue immer nur so, als könnte ich fachsimpeln.

Carl-Johan: Okay, ich ehrlich gesagt auch (lacht).

Es heißt, der „Bang“-Song „Long Long Way“ wäre im Tourbus entstanden – wo bei euch normalerweise nicht geschrieben wird …

Björn: … und es lag dieses Mal auch nur daran, dass ich nicht schlafen konnte. Die anderen saßen hinten, jammten angetrunken an ihren Instrumenten, es war laut. Also habe ich angefangen, zur Musik etwas zu schreiben. Der Song handelt davon, dass man manchmal nicht so genau weiß, wo man herkommt und wo es hingeht, also dass man auf einer ständigen Reise ist. Ich habe ein bisschen herumphilosophiert. Passte auf jeden Fall zu der Tourbus-Situation.

Noch ein Song sticht hervor auf „Bang“: „Society“. Darin thematisiert ihr unter anderem einen fehlenden Weitblick der Gesellschaft in Sachen Umwelt und Mitmenschlichkeit. Ihr fragt wörtlich: „Werden wir uns jemals ändern?“ Was könnt ihr als Band tun, um Veränderungen zu bewirken?

Björn: Ich bin leider nicht Greta Thunberg, habe nicht das Wissen, das nötig ist, um bestimmte Veränderungen einzuleiten. Und das einzige, das wir als Band dafür tun können, um die Stimmung einiger Menschen etwas aufzuhellen, ist Musik. Wir bieten den Leuten die Möglichkeit, in einen Club oder eine Halle zu gehen und zu unseren Songs zu tanzen. Und wenn wir sehen, dass sich das Publikum bei uns gut aufgehoben fühlt, kommt die Wärme, die wir ein Konzert lang geben, auch zu uns zurück.

Was den Sound von „Bang“ angeht, scheint es, als hättet ihr jede Art von Schnörkel und Spielerei vermeiden wollen. Gab es im Vorfeld der Albumarbeit klare Vorstellungen, wie die Songs sein sollten?

Carl-Johan: Simpel sollten sie sein! Wir wollten uns aufs Nötigste konzentrieren.

Björn: Wir wollten gute Gitarrenriffs, schlichte Drums – mehr nicht. Ein bisschen wie bei AC/DC (lacht). Die haben tatsächlich den gleichen einfachen Drum-Beat in all ihren Songs (stampft und klatscht). Mir hat der Gitarrist von The Hives erzählt, dass er mal mit dem Schlagzeuger von AC/DC im Flugzeug saß, und selbst dort hätte der diesen Rhythmus geklatscht und gestampft (lacht). Den kompletten Flug von Europa nach Australien! Jedenfalls: Das wollten wir auch – Einfachheit.

Mando Diao: 22.11.19, Sporthalle, 20 Uhr


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Neueröffnung: Hamburg hat sein Jellyfish zurück

Gleiches Konzept, neuer Koch: Im Jellyfish gibt’s ab sofort wieder Fischküche für Feinschmecker

Zeit, die mysteriösen Vandalismus-Fälle des Jellyfish dort zu lassen, wo sie hingehören: in die Vergangenheit. Die Anschläge auf das Hamburger Gourmetrestaurant konnten ohnehin nie geklärt werden. Die Ermittungen sind inzwischen eingestellt. Der 26-Jährige Stefan Fäth hat nun das Ruder übernommen und sich den Traum vom eigenen Laden erfüllt. Als Küchenchef schwingt er selbst die Pfannen und bringt frischen Wind in die Qualle an der Weidenallee. Sein erklärtes Ziel: den Michelin-Stern seiner Vorgänger zu verteidigen.

Von Mai bis Dezember 2018 hat Fäth nach Stationen in verschiedenen Sterne-Restaurants in Frankfurt, Mainz und im Schwarzwald, auf der MS „Europa“ und im Se7en Seas auf dem Süllberg schon einmal im Jellyfish hinterm Herd gestanden. Damals noch als Sous Chef unter unter Stefan Barnhusen.

Die Speisekarte ist neu, das bewährte Grundkonzept hat der neue Inhaber übernommen. Er serviert gehobene Fisch- und Meeresfrüchte Menüs in entspannter Casual Fine Dining Atmosphäre – ausschließlich Wildfang und Produkte von regionalen Produzenten. Eine erfreuliche Neuerung gibt’s aber doch: Gourmet-Food hat natürlich seinen Preis; wer allerdings nicht gleich 179 Euro für sieben Gänge zahlen möchte, kann nun auch zum Probierpreis von 79 Euro vier Gänge auf Sterneniveau genießen – von Donnerstag bis Montag ab 18 Uhr.

Jellyfish Restaurant 
Weidenallee 12 (Eimsbüttel)


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Bedrohte Zukunft: Molotow muss bleiben!

In diesem Monat erlebt der Musikclub Molotow seinen 29. Geburtstag. Das wird groß gefeiert. Doch die Zukunft des Ladens ist erneut bedroht

Text: Ole Masch

 

Seit einigen Wochen sind die schwarz-roten Plakate und Aufkleber an den Stromkästen und Straßenlaternen dieser Stadt kaum zu übersehen. „Molotow Must Stay“ oder „Molotow muss bleiben“ ist dort zu lesen. Wer aber glaubt, dass der Club damit seinen Geburtstag ankündigt irrt. Schon häufig kämpfte das Molotow ums Überleben, aber die Zukunft im Neubau auf dem ehemaligen Esso-Häuser-Gelände schien nach der Rückkehrrechts-Zusage des Investors gesichert. Und auch das Ausweichquartier in den früheren Räumen der China Lounge mit seinem gemütlichen Hinterhof, wirkt wie die perfekte Zwischenlösung.

Doch der Eindruck täuscht. Das Molotow schreibt auf seiner Facebook-Seite, dass eine Rückkehr in das sogenannte Paloma-Viertel mittlerweile unklar sei. Zwar habe sich an der Rückkehroption und dem Interesse des Clubs dort wieder hinzuziehen nichts verändert, meint Betreiber Andi Schmidt gegenüber SZENE HAMBURG. „Wir haben bisher nur noch kein für uns bezahlbares Mietangebot bekommen“.

 

„Wenn ich träumen darf, …“

 

Ein weiteres Problem: Das Gelände am Spielbudenplatz liegt seit Jahren brach. Die Bayrische Hausbau, Eigentümerin des Esso-Häuser-Areals, schreibt auf ihrer Internetseite über die Fertigstellung der neuen Bebauung von Mitte 2022. „Das gesamte Konzept für den momentanen Standort, inklusive Finanzierung, war ab 2014 nur für vier Jahre geplant, so Schmidt. „Bis dahin sollte das Paloma-Viertel fertig und wir am Nobistor eigentlich schon wieder raus sein.“ Wie lange man am jetzigen Standort bleiben könne, sei ebenfalls unklar. „Wenn ich träumen darf, würde ich mir jemanden wünschen, der das Gebäude am Nobistor kauft, es zu einer bezahlbaren Miete an das Molotow vermietet und es für immer als Live-Club erhält.“

Nicht wenige dürften dabei an die Stadt denken, die mit dieser Lösung einen Betrag für den Musikstandort Hamburg leisten könnte. Ob dies jedoch geschieht, steht in den Sternen. Gefeiert wird ein Jahr vorm runden 30. Geburtstag natürlich trotzdem. Andi Schmidt verspricht ein denkwürdiges Fest mit Livebands wie Strange Bones, Sons, Bilk, Thee MVPs und Calva Louise. Dazu eine ganz spezielle Tombola, eine Sonderausgabe des legendären Pub Quiz und Musik von den Motorboooty DJ. Bei diesem Programm geht bekannte Losung natürlich leicht über die Lippen: Molotow muss bleiben!

Molotow: Nobistor 14 (St. Pauli)
16.11.19, 18 Uhr


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Club-Kataster: Musikspielstätten kartieren statt verlieren

Die Musikspielstätten der Stadt können dank des Clubkombinats Hamburg in Zukunft schwerer übersehen werden: Kürzlich ist mit dem Club-Kataster eine Art Stadtentwicklungs-Google-Maps zur Verortung der lokalen Clubszene online gegangen

Text: Levke Marie Nielsen

 

Über 10.00 Supporter der Petition zur Kampagne Future Music City forderten 2018 den Einsatz der Stadt Hamburg gegen drohendes Clubsterben, für den Erhalt von Kultur(frei)räumen und die Anerkennung des gesellschaftlichen Wertes von Musikclubs als soziale und kulturelle Orte.

Teile des Appells fanden bereits Gehör. Örtliche Politik wie Behörden investierten finanziell-strukturell und mit größerer Aufmerksamkeit in die Interessen der Clubmacher, Künstler, Musikliebhaber und eben auch manch ruhebedürftiger Anwohner. Hilfen für Lärmschutzmaßnahmen wurden bereitgestellt, einige Auflagen zumindest überdacht und Förderungen für Veranstaltungen aufgestockt. Doch viele Probleme bleiben – vor allem, wenn es um bisher vornehmlich Investoren orientierte Entscheidungen über Bauvorhaben im näheren Radius von Clubs geht und bei der Entwicklung von Nutzungskonzepten für Freiflächen Kultur nicht mitgedacht wird.

 

Ein Seismograf für die bedrohte Clublandschaft

 

Das Clubkombinat, Hüter Hamburger Musikspielstätten und deren Interessenvertretung, ruhte sich jedoch nicht auf dem ersten Erfolg der Kampagne aus, sondern schmiedete den nächsten Masterplan: ein Club-Kataster. „In Zeiten zunehmend verdichteter Städte und Flächenverwertungsdruck geraten Clubs immer mehr in Bedrängnis. Eine Stadt ist gut beraten, wenn sie sich einen Überblick über die Lage und die Entwicklung der Musikspielstätten verschafft“, so Thore Debor, Geschäftsführer des Clubkombinats.

Beim diesjährigen Reeperbahn Festival wurde nun auf zwei Veranstaltungen das Tool von Experten diskutiert und vorgestellt, welches der Club-Lobby ein frühzeitiges Ein- und Mitmischen in Stadtentwicklung und -management erlauben soll – und zwar schon bevor die Abrissbirne bedrohlich vor der Nase der Clubbetreiber schwingt. Dafür wird eine digitale Stadtkarte mit Geodaten der Clubs gefüttert und in Zusammenarbeit mit der Behörde für Stadtentwicklung fließen aktuelle Bebauungs- und Flächennutzungspläne ein. „Das Clubkombinat sammelt und pflegt die Daten und überträgt diese per Schnittstelle an den Landesbetrieb für Geoinformation und Vermessung, der die Daten dann einspeist“, erklärt Debor. Bevor Musikspielstätten eingetragen werden können, müssen sie die Informationen über sich freigeben. Sie erscheinen dann als kleine grüne Lautsprechersymbole.

Das Club-Kataster wird von der Kulturbehörde gefördert. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Musikclubs tragen das ganze Jahr zur Lebensqualität und kulturellen Vielfalt der Stadt bei. Mit dem Club-Kataster ist jetzt transparent, wo es überall Clubs in der Stadt gibt, um künftig schon im Planungsstadium mögliche Zielkonflikte zwischen Bauvorhaben und kultureller Nutzung zu lösen.“

 

Miteinander reden 2.0

 

Wie dies in der Praxis funktioniert erklärt Thore Debor so: „Aktuell erstellen wir einen automatischen Alarm, der eine Nachricht erzeugt, sobald bestehende Musikspielstätten von neuen Bebauungsplänen bedroht sind. So können wir die betroffenen Clubs informieren und deren Belange einholen.“ Das Kataster kann den Clubs als Empowerment-Werkzeug für eine datenbasierte Argumentation dienen und zwischen Immobilienplayern, Verwaltung und Kulturschaffenden vermitteln. Nur so könne angesichts der Nachverdichtung in Städten, Lärmbeschwerden und Verdrängung von Clubs an den Stadtrand – auch wegen steigender Mieten – vorgebeugt werden.

Beim Reeperbahn Festival stieß das Projekt auf breite Zustimmung. Im Rahmen der Konferenz kamen Experten zum Thema „Integrierte Stadtentwicklung – Kultur goes Stadtplanung“ zusammen. Das Hamburger Club-Kataster habe bundesweit Vorbildcharakter. Till Kniola vom Kulturamt Köln bestätigte die Wichtigkeit aus Verwaltungssicht. Ein Äquivalent sei in der Domstadt ebenfalls in Planung. Für die Clubstadt Berlin existiert bereits eine Beta-Version. In Leipzig wird über ein umfassenderes Kultur-Kataster diskutiert, das Kultur in all seinen Bedeutungen und mit entsprechenden Veranstaltungsorten abbildet.

Doch egal, wo man hinschaut, die Mission lautet nicht nur Bewahrung des aktuellen Bestands, sondern idealerweise auch „potenzielle Eroberungs- und Erprobungsräume für die kreativen Szenen zu identifizieren und verfügbare Flächen in neuen Stadtquartieren zu etablieren“, so Thore Debor vom Clubkombinat. Architektin und Stadtgestalterin Julia Erdmann plädiert dafür, frühzeitig interdisziplinäre Perspektiven in den Planungsprozess miteinzubeziehen. Schon im Zuge der Ideenentwicklung für ein neues Quartier sollten alle Interessen im Stadtteil, auch die kulturellen, berücksichtigt werden. Beteiligung, so simpel es klingen mag, sei kein Selbstverständnis.

Übrigens: Musikspielstätten vergangener Tage werden im Hamburger Club- Kataster ebenfalls abgebildet. Denn auch die Analyse des Niedergangs könnte bei der Erhaltung aktueller und künftiger Clubstandorte helfen – und vielleicht lässt sich aus diesen Fällen für die Future Music City lernen.

clubkombinat.de/projekte/ club-kataster


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?