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Wohnungsmarkt – Ungebremste Mieten und schamlose Vermieter

Der Vorsitzende des Mietervereins zu Hamburg, Siegmund Chychla, im Gespräch über die gescheiterte Mietpreisbremse und rücksichtslose Vermieter.

Dieser Tage drängt sich wieder ins öffentliche Bewusstsein, was von manchen schon fast als gottgegeben hingenommen zu werden scheint: Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Hamburg ist erschreckend. Mietpreise, die einem noch vor wenigen Jahren lächerlich überteuert vorkamen, sind inzwischen Normalität. Die horrenden Summen sind nicht nur ein Smalltalk-Dauerbrenner auf Partys – sie geben Grund für ernsthafte Existenzängste, die längst nicht mehr nur Geringverdiener betreffen, sondern bis in die Mittelschicht reichen.

Und so ist es kaum verwunderlich, dass sich die Ereignisse irgendwann überschlagen, wie es in jüngster Vergangenheit der Fall war. Was ist passiert?

Zunächst verschafften Anfang Juni rund 3.000 Menschen aller Couleur ihrem Ärger Ausdruck, als sie beim „MietenMove“ auf die Straße zogen und in der Innenstadt drei Stunden lang „für eine solidarische und soziale Wohnraumpolitik“ in Hamburg demonstrierten.

Die unwirksame Mietpreisbremse

Ein beliebtes Motiv war dabei der Miethai. Gemeint sind jene Immobilienbesitzer, die sich ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit selbst bereichern. Das Netzwerk „Recht auf Stadt“, das die Demo mitinitiierte, wirft Miethaien wie dem skandinavischen Immobilienunternehmen „Akelius“ vor, Immobilien in Szenevierteln im großen Stil aufzukaufen, Sanierungen vorzunehmen und sie anschließend für maßlos erhöhte Preise wieder auf den Markt zu werfen.

Auch das jüngste Ereignis hat zur Zuspitzung des Konflikts beigetragen: Die ohnehin kraftlose Mietpreisbremse wurde vom Landgericht für unwirksam erklärt, sie hat für alle Verfahren, die vor September 2017 eingereicht wurden, keine Rechtskraft. Das Landgericht Hamburg wies in zweiter Instanz die Klage eines Mieters aus Ottensen ab, der nach der Einführung der Mietpreisbremse im September 2015 in eine Wohnung in Ottensen gezogen ist.

Dort zahlte er 14,01 Euro pro Quadratmeter. Laut Mietenspiegel liegt die ortsübliche Miete allerdings bei nur 8,75 Euro. Das heißt, die Miete hätte eigentlich bei dem erlaubten Aufschlag von zehn Prozent nur maximal 9,63 Euro betragen dürfen. Das Landgericht gab bei der Berufungsverhandlung an, dass der Hamburger Senat zu spät öffentlich begründet habe, warum der Wohnungsmarkt in Hamburg angespannt sei. Erst im Jahr 2017 sei eine öffentliche Begründung erfolgt. Als der Altonaer Bürger den Mietvertrag im September 2015 abschloss, hätte die Begründung also bereits veröffentlicht sein müssen.

Der Mieterverein zu Hamburg wirft dem Senat nun handwerkliche Fehler vor. Im Gespräch erklärt dessen Vorsitzender, Siegmund Chychla, was passiert ist und was sich in Zukunft auf dem Wohnungsmarkt ändern muss.

SZENE HAMBURG: Herr Chychla, das Landgericht Hamburg hat aus formellen Gründen die Mietpreisbremse für ungültig erklärt – und Sie sind dementsprechend sauer.

Siegmund Chychla ist der Vorsitzende des Mietervereins zu Hamburg.

Siegmund Chychla: Die Mietpreisbremse ist ohnehin keine richtige Bremse. Die vielen Ausnahmen und Inkonsequenzen haben dazu geführt, dass dieses Instrument kaum gewirkt hat. Und dann kam das i-Tüpfelchen, als Mitte 2017 mit der Entscheidung des Amtsgerichts Altona bekannt wurde, dass der Senat bei Erlass der Verordnung möglicherweise handwerkliche Fehler gemacht hat. Wir haben damals schon gesagt, dass der Verordnungsgeber Klarheit schaffen und nachbessern muss. Bedauerlicherweise haben unsere Hinweise nicht gefruchtet, weil die Behörde an ihrer Rechtsauffassung festhielt. Drei Jahre nach Erlass der Verordnung hat nun auch das Landgericht dem Hamburgischen Senat ins Stammbuch geschrieben, dass die Verordnung nicht ordnungsgemäß erlassen wurde.

Wie hat der Senat damals auf ihre Forderung geantwortet?

Der Senat hat sich stets auf die Rechtsposition zurückgezogen, dass es in Hamburg nicht notwendig ist, die Begründungen von Verordnungen zu veröffentlichen. Angesichts der extremen Unsicherheit hätte aber eine umsichtige Verwaltung sämtlichen Zweifeln Rechnung tragen müssen. Ich wähle immer einen überspitzten Vergleich: Wenn bei einem Mixer die Gefahr besteht, dass er Schaden anrichtet, gibt es vom Hersteller eine große Rückrufaktion.

Die Stadtentwicklungsbehörde sagt, bei der Urteilsverkündung in Altona handele es sich um einen Einzelfall und Klagen wegen überhöhter Mieten wären weiterhin möglich.

Das Landgericht ist eine Berufungsinstanz der Amtsgerichte, und es gibt viele Amtsgerichte, die auf diese Entscheidung gewartet haben. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie sich in Zukunft bei gerichtlichen Verfahren nicht gegen das Urteil des Landgerichts entscheiden werden. Man kann unter diesen Umständen keinem Mieter guten Gewissens raten, gegen zu hohe Mieten zu klagen. Die Rechtsunsicherheit führt dazu, dass er am Ende vermutlich auf den Kosten sitzenbleibt.

Abgesehen von den formellen Fehlern: Sie sagten ja schon, dass die Mietpreisbremse sowieso kaum gewirkt hat. Warum?

Weil es zu viele Ausnahmen gibt. Alle Wohnungen, die nach dem 1. Oktober 2014 gebaut worden sind, unterliegen zum Beispiel nicht der Verordnung. Auch umfangreiche Modernisierungen sollen die Anwendung der Mietpreisbremse ausschließen. Der gröbste Fehler ist aber, dass der Vermieter die zu viel gezahlte Miete nicht von Beginn des Mietverhältnisses, sondern erst ab dem Zeitpunkt einer qualifizierten Rüge des Mieters zurückzahlen muss. Das heißt: Wenn Sie jeden Monat im Kaufhaus Sachen einstecken und irgendwann erwischt werden, dann brauchen Sie all das, was sie vorher genommen haben, nicht zurückzugeben. Vermieter gehen gar kein Risiko ein, wenn sie sich nicht gesetzeskonform verhalten. Es fehlen schließlich Sanktionen.

Ein Beispiel: In der Eichenstraße hat die Akelius GmbH eine 106 Quadratmeter große Wohnung saniert und für einen Mietpreis von 25 Euro pro Quadratmeter angeboten. Akelius verwies auf jene Ausnahmeregelung der Mietpreisbremse, laut der eine Wohnung nach umfassenden Sanierungen nicht mehr der Verordnung unterliegt. Das hört man oft: Wohnungen werden minimal saniert und überteuert wieder auf den Markt geworfen.

Was Akelius nicht sagt: Eine umfassende Sanierung, die dazu führt, dass die Mietpreisbremse nicht wirkt, ist nur dann anzunehmen, wenn die Kosten der Sanierung über einem Drittel der Neubaukosten liegen. Das Problem ist, dass der Mieter gar keinen Anspruch darauf hat, vor einem Prozess zu erfahren, wie hoch die Investitionskosten waren. Der Vermieter kann schweigen und erst im Prozess offenlegen, wie er das alles kalkuliert und finanziert hat. Und dann ist der Mieter wieder im Nachteil, weil er erst dann erfährt, ob seine Annahme zutreffend oder unzutreffend war.

Was kann man dagegen tun?

Wir fordern auf Bundesebene als Landesverband des Deutschen Mieterbundes in Hamburg, dass die Mietpreisbremse so nachgebessert wird, dass grundsätzlich keine Ausnahmen mehr zugelassen werden. Und wer sich nicht an die Regeln hält, muss umgehend mit Sanktionen belegt werden.

Ein anderes Thema, das für Aufregung sorgt, ist der Eigenbedarf. Wollen Vermieter ihre Mieter loswerden – um anschließend von den neuen Bewohnern eine höhere Miete zu kassieren – wird Eigenbedarf angemeldet. Und notfalls werden Mieter auch rausgeekelt.

Mein Eindruck ist: Je enger der Wohnungsmarkt, desto höher die Anzahl der Eigenbedarfsklagen. Gegen einen normalen Eigenbedarf kann man nichts sagen. Aber leider hat die Rechtsprechung in der letzten Zeit den Kreis derjenigen, zu deren Gunsten der Vermieter seinem Mieter kündigen kann, sehr erweitert. Das führt dazu, dass Vermieter immer jemanden finden, der angeblich auf die Wohnung angewiesen ist. Und sobald der Mieter auszieht, ändert der Vermieter plötzlich sein Vorhaben und verkauft die entmietete Wohnung. Diese Vorgehensweise ist für den Vermieter lukrativ, weil eine mietfreie Wohnung auf dem Immobilienmarkt ein Drittel mehr bringt als eine vermietete.

Wieder die Frage: Was kann man dagegen tun?

Back to the roots. Der Eigenbedarf soll wieder nur dann angenommen werden, wenn der Vermieter die Wohnung tatsächlich „benötigt“. Ein Student braucht keine 100 Quadratmeter große Wohnung in Harvestehude. Der Eigenbedarf muss nachvollziehbar und angemessen sein. Wir fordern, dass das Gesetz präzisiert wird und damit der Kreis der möglichen Personen, für die man Eigenbedarf geltend machen kann, verringert wird.

Haben Sie eigentlich den MietenMove Anfang Juni verfolgt?

Ja. Der MietenMove hat zu 80 Prozent die Forderungen unseres Vereins aufgenommen. Wir haben aber nicht mitgemacht, weil dort zum Teil Forderungen und Behauptungen aufgestellt wurden, die wir nicht mittragen können.

Welche?

Zum Beispiel die Unterstellung, dass die Stadt nur für Reiche baut. Hamburg ist bundesweit beim Wohnungsbau ein Vorbild für die gesamte Bundesrepublik. Die allgemeine Unterstellung, dass der Wohnungsbau allein nicht dazu geführt hat, dass der Mietenanstieg gestoppt wurde, ist banal. Ohne den Wohnungsbau wären die Mieten noch schneller gestiegen. Und was man auch nicht ausblenden darf: Der Senat hat zwischen 2011 und 2016 Rahmenbedingungen für den Bau von mehr als 40.000 Wohnungen geschaffen. Im selben Zeitraum sind aber eben mehr als 100.000 Menschen dazugekommen.

Welche Forderungen unterstützen Sie?

Auch wir sind natürlich für mehr bezahlbare Wohnungen. Deshalb sagen wir: Hamburg braucht nicht nur 10.000 Wohnungen und davon 3.000 Sozialwohnungen pro Jahr, sondern mindestens 6.000 Sozialwohnungen. Wenn beim MietenMove aber gefordert wird, dass es keine Nachverdichtung im Bestand geben darf und keine freien Flächen bebaut werden dürfen, dann frage ich mich, wo man bauen soll, um etwa die mehr als 30.000 Menschen mit Wohnraum zu versorgen, die zurzeit in Containern und anderen Notunterkünften leben. Nach Angaben des Flüchtlings-Koordinators ist mit einem weiteren jährlichen Zuzug von 5.000 Geflüchteten zu rechnen.

Ganz allgemein: Wie prekär schätzen Sie die Lage ein? Die Wohnungsmarktlage ist schlimm. Der enorme Zuzug hat trotz der vielen Wohnungsneubauten leider dazu geführt, dass die Wohnraumversorgung heute nicht besser ist als 2011, als die SPD das Regierungsruder übernommen hat. Unsere Forderung an die Politik ist deshalb, dass noch mehr gebaut wird. Anders kriegt man den enormen Zuzug nicht in den Griff.

Text & Interview: Ulrich Thiele
Beitragsfoto: Birgit Otte


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Samy Deluxe & Haspa Musikstiftung: „Eine super Synergie“

Zig aufstrebende Künstler haben bereits von der Förderung der Haspa Musikstiftung profitiert, u. a. die Mitglieder des DeluxeKidz e. V., der Kindern und Jugendlichen die Welt des HipHop näherbringt. Zum zehnten Geburtstag der Stiftung: Ein Gespräch mit DeluxeKidz-Gründer Samy Deluxe.

SZENE HAMBURG: Samy, erinnerst du dich an deinen ersten Förderer?

Samy Deluxe: Als Siebtklässler war ich ein halbes Jahr in England, dort hatte ich einen Privatlehrer, der einmal in der Woche Zeit mit mir verbracht hat. Ein derbe flashiger Dude, der schon die ganze Welt bereist hatte. In seinem Haus standen bestimmt hundert Instrumente, von Mandolinen bis zu den krassesten Riesentrommeln aus dem afrikanischen Dschungel. Mit ihm habe ich Musik gemacht und die Natur an der Küste bei Cornwall erkundet. Ich war damals ein kleiner Trouble-Jugendlicher. Dieser Typ hat Kreativität mehr geschätzt als Disziplin und es geschafft, dass ich viele Dinge für mich entdecken konnte, u. a. das Texten, Malen, Graffiti und einiges mehr.

Und was denkst du ist generell das Wichtigste bei der Unterstützung junger Künstler?

Erst mal sollte es um Spaß und Ausdruck gehen. Wenn ich als Mentor die Karriere von Nachwuchskünstlern mit zu verantworten habe, ist es mir allerdings auch wichtig, mein Wissen weiterzugeben. Leidenschaft ist gut, aber man kann keine Karriere starten, ohne zumindest die Eckpfeiler des Business zu kennen.

Du betreust seit 2013 die DeluxeKidz, pushst viele aufstrebende Talente. Was steckt hinter dieser Arbeit: innerer Drang? Pflichtbewusstsein?

Es war vor gut zehn Jahren, als ich mir Gedanken über meinen bisherigen Weg gemacht habe. Darüber, wofür ich stehe, und ob ich bisher mehr Gutes oder mehr Schlechtes in die Welt gebracht habe. Ich hatte dann tatsächlich einen großen Drang nach so einem Hands-on-Aktivismus und habe einen ersten Verein gegründet, der inhaltlich ähnlich lief wie die DeluxeKidz jetzt, der also auf HipHop-Workshops basierte. Zu der Zeit ging ich teilweise dreimal die Woche mehrere Stunden an Schulen. Meine Arbeit wurde später von Freunden weitergeführt. Es war also ein Win-win-Konstrukt.

Für die DeluxeKidz bekommst du auch von anderen Seiten Förderung, etwa von der Haspa Musikstiftung. Wie wichtig ist das für deine Arbeit?

Es ist eine super Synergie. Die Stiftung ermöglicht uns den Start in ein neues Theaterprojekt, in dem die Kidz mit Unterstützung unserer Coaches ihre Themen mit Tanz, Gesang, Rap, DJing, Beatbox und Graffiti auf die Bühne bringen werden. Es ist ja so: Um junge Leute zusammenzubringen und zu motivieren, etwas auf die Beine zu stellen, sind Sport und Musik die größten Schnittstellen. Beim Fußball braucht man nur einen Ball, Tore baut man sich schon irgendwie zusammen. Aber in der Musik braucht man eben mehr: Turntables, Mikrofone und so weiter. Und auch unsere Coaches müssen bezahlt werden. Das wäre ohne Unterstützer nicht möglich. Es ist deshalb cool, was die Stiftung für den Nachwuchs macht.

Interview: Erik Brandt-Höge
Beitragsbild: Romanus Furhmann

www.haspa-musik-stiftung.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – Patlac

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG präsentiert von Hamburg Elektronisch Resident DJs vor. Diesmal mit Patlac (35), DJ seit 1999, beim Label liebe*detail.

Dein Sound?
House und Techno.

Größter Moment als DJ?
Immer dann, wenn sich etwas zwischen dir und dem Publikum entwickelt, eine Verbindung entsteht und die Gäste Spaß an der Musik haben die ich in dem Moment ausgewählt habe.

Wo gehst du in Hamburg hin um Spaß zu haben?
Mit Freunden kann ich überall Spaß haben. Wenn es um elektronische Musik geht würde ich wohl den Pudel oder das PAL ansteuern.

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?
Eurokai! Toller Dj, mit tollem Geschmack.

Platte des Monats?
Afriqua – Vice/Principle / R&S Records

Hamburgs Stärken?
Die „Unaufgeregtheit“ die in der Stadt herrscht. Und damit meine ich nicht „emotionslos“ sondern eher die entspannte Grundstimmung.

Und die Schwächen?
Schlechte Radwege.

Lieblings-Ort in Hamburg?
Unten am Hafen wo die großen Schiffe schlafen.

Schrecklichste Gast-Frage?
Schwer zu definieren, denn wenn sich mal ein Gast ein Bier bei mir bestellt hat oder sich einen Track wünscht, der so gar nicht passt, empfinde ich es eher als witzig als schrecklich.

Auf wen sollte man in Hamburg momentan ein Auge haben?
Ich würde ungern einen einzelnen hervorheben wollen. Ich denke auf die ganze Hamburger Szene sollte man ein Auge haben.

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?
Jeder Gig in Hamburg ist etwas Besonderes, denn es ist nicht immer leicht die Gäste sofort von dir zu überzeugen. Allerdings wenn du es schaffst bleiben sie treu bei dir.

Wo kann man dich als nächstes hören?

In Hamburg etwa alle zwei Monate im PAL, ansonsten werden Berlin, Barcelona, Kiel, San Francisco und New York die nächsten Stationen sein.

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Bastion – Noch keine Festung guter Gastronomie

Außer einem freundlichen Service hat das Bastion bis jetzt nicht viel zu bieten.

Ein Vierteljahrhundert war das „Fees“ eine Institution im Museum für Hamburgische Geschichte am Holstenwall, Ende 2017 war alles vorbei. Nun geht es weiter: Tomas Benakovic („Hans-Albers-Klause“) und Tim Becker (unter anderem „Gaga“ und „Noho“) haben die Räume übernommen und „Bastion“ getauft. Benannt nach der im 17. Jahrhundert am gleichen Ort von Festungsbaumeister Johan van Valckenburgh errichtete Bastion „Henricus“, die Teil der barocken Hamburger Wallanlagen war. Eine „Bastion“ ist massiv und macht Eindruck. Ist die „Bastion Hamburg“ also eine Festung guter Gastronomie?

Zwei Wochen nach Eröffnung laufen noch die letzten Arbeiten, die große vordere Terrasse mit Grill und zahlreichen Plätzen ist schon fertig, der überdachte Innenhof bei unserem Besuch aber noch gesperrt. Drinnen sitzen wir an schwarzen Tischen auf edel wirkenden Sesseln aus dunkelgrünem Samt. Und wir sind alleine. Zwei Wochen nach der fetten Eröffnungsparty: große Leere. Nun könnte man ja meinen, dass dieser Umstand der Qualität der Speisen (Bistroküche mit kleiner Karte) gut tun könnte: Volle Konzentration des Kochs auf unsere wenigen Gerichte. Doch davon ist heute leider nichts zu spüren.

Neue Betreiber in historischem Ambiente: Tim Becker und Tomas Benakovic

Der „Wildkräutersalat“ (9,50 Euro) ist als Bezeichnung leider eine Unsitte in der Gastronomie. Denn weder besteht er aus Kräutern noch ist er „wild“. Stattdessen handelt es sich um kleine gemischte Blattsalate. Die in diesem Fall auch noch ziemlich schlapp sind und auch deshalb sichtlich unter dem etwas übermäßig dosierten Dressing leiden.

Das Rindertatar „mit seinen Aromen“ (17,50 Euro) ist ebenfalls etwas gestelzt formuliert. Gemeint sind damit die typischen Begleiter wie Kapern und Eigelb. Das Tatar ist zwar frisch jedoch recht ungleichmäßig und grob geschnitten, eher zaghaft abgeschmeckt und auch die rohen Zwiebeln darin muss man mögen.

Ein erstaunlicher Hauptgang

Beim Hauptgang erleben wir Erstaunliches. Wir bestellen Steinbutt mit Safranrisotto (25,50 Euro) und Steak-Frites vom Entrecôte mit Beilagen (an diesem Abend Spargel, 24,50 Euro). Und wir bekommen: zweimal Entrecôte. Dass es der Service bei gerade mal zwei Gästen schafft, sich die Bestellung falsch zu merken, ist mindestens erstaunlich. Das Fleisch ist immerhin in Ordnung, Garpunkt und Qualität stimmen. Spargel und Pommes sind jedoch zu weich. Dem ansonsten sehr freundlichen Service tut das alles sichtlich leid, die Crème brûlée (normalerweise 6 Euro) geht aufs Haus, obendrein bekommen wir 20 Prozent Rechnungsrabatt. Das ist sehr anständig. Dennoch: Zu diesem Zeitpunkt ist dieser Ort noch keine Festung guter Gastronomie. Um das zu ändern, wird man sich sehr anstrengen müssen und grundlegend am Niveau arbeiten.

www.bastion-hamburg.de, Holstenwall 24, Telefon 31 76 76 40

Text: Benjamin Cordes
Foto: Stiftung Historische Museen Hamburg

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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

(Don’t )Try this at home – Skaten ist nicht rational erklärbar

Freiheit, Rausch und Systemkritik prägen Straßenkulturen – auch die Skateszene. Der Fotograf und Skater Felix Valentin dokumentiert den Zeitgeist einer Subkultur, zu der er selbst gehört, und gewährt mit seinen Arbeiten einen Einblick in den rauen, aber amüsanten Alltag von jungen Asphaltsportlern.

Fotograf und Skater Felix Valentin dokumentiert den Zeitgeist der Skate-Szene.

Das erste Skateboard bekam Felix Valentin in der siebten Klasse von seiner Großmutter geschenkt, seitdem ließ der Board-Sport den heute 30-Jährigen nicht mehr los. Durch einen neuen Job als Art Director erhielt die Fotografie mehr Einzug in sein Leben – beruflich wie privat. Was anfänglich mit Skatefotos begann entwickelte sich schnell zu einer dokumentarischen Arbeit über die lokale Skateszene abseits des Skateparks. „Das ist das eigentlich Spannende, weil es Außenstehende nie zu Gesicht bekommen“, so Felix Valentin. „Wenn ich abends mit den Jungs nach Hause gehe, mit denen ich mich tagsüber aufs Maul gelegt habe, dann gibt es oft eine explosive Mischung aus Adrenalin, Scheißegal-Haltung und dem Hang zum Exzessiven.“

Authentische Fotos, die sich dem Rausch hingeben

In solchen Momenten entstehen authentische Fotos von Menschen, die sich dem Rausch nur zu gern hingeben und für die Freiheit wie Selbstbestimmung existenziell sind. Dass sich solche Charaktere besonders häufig unter Skatern finden, ist für Felix Valentin leicht zu erklären: „Skaten kann eine Flucht vom tristen Alltag sein. Während einer Session hat man viele Erfolgserlebnisse. Einen Trick zum ersten Mal zu stehen, gibt einem ein höchst befriedigendes Gefühl. Es ist oft harte Arbeit, einen neuen zu lernen. Dafür auch noch Anerkennung von Freunden zu bekommen, die diese Leidenschaft mit dir teilen, fühlt sich einfach gut an“, erklärt der Designer, „Skaten ist eine körperliche und geistige Grenzerfahrung und nicht immer rational erklärbar.“ Das Wichtigste, was einen das Skaten lehre: Immer wieder aufstehen, auch wenn man noch so tief gefallen ist.

Der hohe Kontrast und die Farbigkeit des Schwarz-Weißen unterstreicht die Härte seiner Bilder. Starke Schatten sind erwünscht, die Haut soll gar nicht weich wie bei einem Beauty Shot aussehen. Alles, was auf dem ersten Blick nicht klassisch schön ist, ist für Felix Valentin ästhetisch. „Schönheit ist für mich ein gemachter Begriff. Darum habe ich gar kein Verlangen danach, so etwas abzulichten“, erklärt der Fotograf, „Ich will ehrliche Momentaufnahmen, die nicht kreiert sind und meine Sicht der Dinge zeigen. Das ist für mich interessant – nicht die gebaute, bunte Welt.“ In Zukunft möchte sich der Fotograf auch der Dokumentation des Lebens anderer Randgruppen widmen, die so nicht auf jedem x-beliebigen Instagram- Kanal zu finden sind. Noch bis Ende Juni können sich Interessierte die Arbeiten in der Ausstellung „Try this at home“ in der Pony Bar anschauen.

Die Ausstellung „Try this at home“ könnt ihr noch bis zum 30.6.2018 in der Pony Bar sehen.

Text: Jennifer Meyer
Fotos: Felix Valentin

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