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Bedrohte Räume #36 – AK Altona

Do the right thing, Hamburg Ciddy!

Foto (o.): GeorgHH

Wer heute schon für morgen spart, hat übermorgen Knete, heißt es. Das wusste Omi, dass weiß heute jedes Kindi. Neu aber ist, wer früher schon mit Bauklötzchen spielte, ist heute klar im Vorteil, denn bereits Kinderhänden wird im klotzigen Bauvorhaben die Bedeutung und Funktion von Architektur deutlich.

Nun sind wir heute alle erwachsen, und all diejenigen, die nicht mit Bauklötzchen rummachten, krakeelen: „Dieser unansehnliche alte Bauklotz von einem Altonaer Krankenhaus stört mein Stadtbild! Mein armes Othmarschen, von Pein gezeichnet durch einen schmucklosen Kasten! Wir wollen was Neues!“

Sie ahnen es schon, ich bin anderer Meinung als die da oben. Das hier gemeinte 21-geschossige AK Altona mit seinen umliegenden Funktionsbauten, ist nämlich ein echter Knüller! In den 60er Jahren von Star-Architekt Werner Kallmorgen als Wonneproppen der Gesundheit erbaut, wollen die Damen und Herren Investoren dem 30 Hektar großen Areal nun an den Kragen. Klar ist, das AK Altona soll in den kommenden Jahren einen fetten Neubau erhalten, doch es gibt bis dato noch keinerlei Pläne für das denkmalgeschützte Bestands-Ensemble des Geländes. Was passiert mit der alten Klinik? Diese schönen Funktionsbauten, die als herausragende Dokumente der in Hamburg immer seltener werdenden Nachkriegsarchitektur und Kulturdenkmal gelten, sind in Gefahr.

Eingebettet in Parkanlagen stehen hier auf dem Gelände des AK Altona der Wirtschaftshof mit Küchen- und Werkstattgebäuden, das Kesselhaus, das Pathologiegebäude und das Versuchstierhaus. Wie beim Hauptgebäude handelt es sich bei den umliegenden Gebäuden um ganz individuelle Architekturen. Hammerdinger! Und obwohl es kontinuierlich Erweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen gab, bleibt das AK Altona ein bedeutendes Beispiel eines Großklinikums der 60er Jahre, das auch über Hamburg hinaus seinesgleichen sucht. Und das große Entwicklungsareal bietet heute ein Monsterpotenzial! Doch ohne Nachnutzungskonzept, wie es korrekt heißt, wird es kommen, wie es in Hamburg so oft kommt: erst verballert, dann abgeknallert. Denn ist der Klinikneubau erst einmal beschlossene Sache, wird später wegen angeblich unwirtschaftlicher Unzumutbarkeit abgerissen. Denkmalschutz hin oder her. Aufwachen, Leute! Erinnert euch an eure Bauklotzzeiten: Die notwendigen Umbaumaßnahmen und die Nachnutzung müssen im Vorhinein im Finanzierungsplan berücksichtigt werden. Nicht nachher, sonst sind die Piepen ein für alle Mal weg!

Deshalb, Bürgers der Hansestadt, entert die Barricados und klemmt euch an die Guten, an die Leute vom Denkmalverein und an die Interessierten, die sich für den Prachtklotz AK Altona starkmachen! Hier könnten preiswerte Kleinwohnungen für Pflegepersonal und Studierende entstehen oder das Hochhaus zu günstigen Mietkonditionen an Hamburger Kultureinrichtungen für Proberäume, Ateliers, Begegnungsstätten für uns tolle Piepels bereit gestellt werden und auf diese Weise etwas wirklich Modernes entstehen. Stellt euch vor, es würde gelingen, dann hätten wir einen architektonisch und inhaltlich wegweisenden Ort, über den ihr später erzählen könntet: „Ja, Sohnemädchen, du Eierloch, spiel ruhig weiter mit deinen Klötzen, und besuch mal Othmarschen, da wirst du Bauklötzchen staunen!“

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahrt ihr unter www.andrearothaug.de


Szene-Hamburg-juni-2019

 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Tribe Yoga Base: Hamburgs erstes Yoga-Café

Neueröffnung in Eimsbüttel: Die Tribe Yoga Base im Weidenstieg serviert als erstes Yoga-Café in Hamburg Kaffee, Kuchen und kleine Gerichte nach dem Sonnengruß

Text & Fotos: Laura Lück

TribeYogaBase_Hamburg_SmoothieBowl

Die Berry Boost Smoothie Bowl

„Do you have to, do you have to let it lingeeeer“ säuselt eine poppige Männerstimme, während vier Frauen an diesem Donnerstagmittag versuchen eine Position zu halten, die sich Halbmond nennt. Noch drei Atemzüge lang – also: linger on. Bewusstes Atmen ist Übungssache. Währenddessen auf einem Bein stehend Hüften und Schultern in einer Art Standwaage zu öffnen, ohne dabei den Halt zu verlieren, macht die Sache nicht leichter.

Hilfestellung in Sachen Atmen, Schwitzen und Halbmond bietet nun die frisch eröffnete Tribe Yoga Base in Eimsbüttel mit einem in Hamburg bisher einzigartigen Konzept: dem Yoga Café. Die leckeren Smoothie-Bowls, Brote oder Kaffee und Kuchen muss man sich erst verdienen. Sie werden zum Beispiel nach dem Lunch Flow, der montags bis freitags von 12:30 bis 13:30 Uhr stattfindet, frisch zubereitet. Es gibt aber auch Morgen- und Feierabend-Angebote – je nachdem, wann die Atempause sich am besten in den eigenen Alltag einbauen lässt.

Die erste Yoga-Erfahrung machte Inhaberin Laura mit einer Ursula-Karven-Videokassette ihrer Mutter, deren Übungen sie als Teenager auf dem Wohnzimmerteppich nachturnte. Den spirituellen Zugang fand sie einige Jahre später in einem Hamburger Yogastudio. Ihren 9to5-Job als Gesundheitswissenschaftlerin bei einer Versicherung hing sie nach der Yogalehrer-Ausbildung an den Nagel und erfüllte sich den Traum vom eigenen Studio mit Gastro-Konzept.

 

Schmieröl für Gelenke und Seele

 

TribeYogaBase_Hamburg_Café

Eine Lunchbar im Yoga Studio

Lauras Lunchflow ist nicht nur wie Schmieröl für Gelenke, Muskeln und Sehnen, sondern auch für die Seele. Das liegt nicht zuletzt am phänomenalen Interieur der Eck-Location mit den hohen Decken. Die ewige Weidenstieg-Baustelle rund ums Yoga Café nimmt man zwischen skandinavisch reduziertem Design, XL-Kronleuchter und frischen Blumen kaum wahr. In jedem Winkel steckt viel Liebe zum Detail: Es gibt nachhaltige Yoga-Leihmatten aus recycelbarem Material, dänisches Design-Geschirr und selbst die Toilette ist so schön, dass man fast einziehen möchte.

Die sprichwörtliche Kirsche auf der Torte ist hier übrigens eine Karotte. Der Carrot Cake wird zuckerfrei, vegan und ohne Gluten von der Smells Good Vegan Bakery auf St. Pauli gebacken  und ist so saftig und lecker, dass er notfalls to go mit ins Büro muss, wenn nach dem Hummusbrot kein Platz mehr im Magen bleibt.

Natürlich sind auch Nicht-Yogis eingeladen, das vegane Café zu besuchen. Aber Vorsicht: Wer einmal vorbeikommt, den treibt die Wärme und Schönheit dieses Ortes sicherlich zurück – oder direkt auf die Yogamatte. Neugierig? Perfektes Timing! Am 22. Juni gibt’s in der Tribe Yoga Base nämlich einen zweistündigen Workshop für Neu- und Wiedereinsteiger. Zur Anmeldung geht’s hier – jetzt oder nie!

Tribe Yoga Base: Weidenstieg 17 (Eimsbüttel)


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Top 10 – Diese Freibäder erfrischen euch in Hamburg

Freibäder in Hamburg: Unsere Stadt bietet in fast jedem Stadtteil einen Ort zum Planschen. Die schönsten Bäder findet ihr hier in unserer Top 10-Liste – einige sind sogar einen Umweg wert

Texte: Jenny V. Wirschky + Natalia Sodovnik
Foto: Haley Phelps via Unsplash

1) Kaifu-Bad

Mit über 100 Jahren auf den Fliesen ist dies Hamburgs ältestes Bad! Den stadtweiten Kultstatus hat das Kaifu seinem vielfältigen Angebot zu verdanken: Schwimmbad, ganzjähriger Außenpool, Freibad mit 50-Meter-Pool und 10-Meter-Sprunganlage, Kleinkinderbereich, Sonnenwiese und Saunalandschaft. Letztere liegt in der Hohen Weide und erstreckt sich auf zwei Etagen über 600 Quadratmeter. Achtung: dienstags Damensauna! Besonders beliebt ist das Freibad nicht zuletzt wegen der zentralen Lage.

Kaifu-Bad: Hohe Weide 15 (Eimsbüttel)

 

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2) Freizeitbad Finkenwerder

Aus dem Badebecken schaut man ins Schiffsbecken – und danach gibt’s Ballsport vom Feinsten. In Finkenwerder kann man nicht nur mit Elbblick sporteln, tauchen und Delphinsprünge üben: Das Freibad in Hamburgs Süden hat alles, was man für ein Freundschaftsspiel im Tischtennis, Fuß-, Beachvolley- und Basketball braucht. Das große Mehrzweckbecken steht auch für professionelles Training, Frühschwimmen, Aqua-Fitness und Schwimmschulen zur Verfügung. Entspannen? Das geht auf bequemen Liegestühlen, während die Kleinen im Kinderplanschbecken mit Wasserspielzeug toben.

Freizeitbad Finkenwerder: Finksweg 82 (Finkenwerder)


3) Holthusenbad

Zwischen Winterhude und Harvestehude liegt die Therme im klassizistischen Stil mit Spa-, Sauna- und Badebereichen. Dazu gehören der beheizte Außenpool mit Unterwasserbeleuchtung, das Hallenwellenbad, bequeme Sprudelliegen und der Kinderspielplatz im Wasser. Für maritime Zweisamkeit verwandelt sich die Therme von Oktober bis April immer freitags ab 20 Uhr in einen Candlelight-Tempel.

Holthusenbad: Goernestraße 21 (Winterhude)

 

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4) Freizeitbad Billstedt

Arschbomben-Alarm! Vom Ein-, Drei- oder Fünf-Meter-Turm springen wir ins kühle Freibadwasser. Gediegenere Badegäste ziehen gesittet 50-Meter-Bahnen. Für Familien mit Kindern gibt es außerdem ein Nichtschwimmerbecken mit entspannten 32 Grad C und einen weiteren Nichtschwimmer-Pool. Den etwas größeren Kiddies dürften die Waterclimbing-Wand und eine Reifen- und Turborutsche gefallen.

Freizeitbad Billstedt: Archenholzstraße 50a (Billstedt)


5) Naturbad Stadtparksee

Ein Naturgewässer mitten in der Stadt – und das schon seit Jahrzehnten. Das große Mehrzweckbecken hat eine sportliche Temperatur von 20,5 Grad C – perfekt, um das hitzige Sommergemüt zu kühlen. Für die Kiddies gibt’s außerdem eine Plattform mit Rutsche und einen Spielplatz. Für urbane Entspannung sorgt die schwimmende Sonnenplattform.

Naturbad Stadtparksee: Südring 5b (Winterhude)

Naturbad-Stadtparksee


6) Freibad Bramfeld

Neben dem klassischen Programm aus Frühschwimmen und Badespaß legt man großen Wert auf die Gesundheit. Zum Standardprogramm des Bramfelder Freibades gehören Aqua-Fitness, Gesundheitskurse und eine Schwimmschule. Eine gigantische 80-Meter-Rutsche lässt trotzdem viel Raum für ausgelassene Wildwassernachmittage.

Freibad Bramfeld: Fabriciusstraße 223 (Bramfeld)


7) Sommerbad Volksdorf

Das einzige FKK-Bad Hamburgs liegt inmitten einer bildschönen Grünanlage mit einem eigenen Strand, einer Wasserrutsche, Sprungbrettern sowie Tischtennis- und Volleyballspielplätzen. Gäste in Badekleidung sind ebenfalls willkommen. Zudem ist das Sommerbad Anlaufpunkt für verschiedene Sportvereine. Während der Badesaison ist die Sauna für alle geöffnet.

Sommerbad Volksdorf: Morbekweg 100 (Volksdorf)

 

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8) Freibad Süderelbe

Für Spaßbader, Frühaufsteher, Fitness-Freaks und Schwimmschüler: Das barierrefreie Freibad an der Süderelbe hat sich sogar auf die Kleinsten eingestellt und stellt mit dem Wasserspielbereich „Krokoka“ Kids bis zwölf Jahren ein eigenes Becken zur Verfügung.

Freibad Süderelbe: Neugrabener Markt 9 (Neugraben-Fischbek)


9) Sommerbad Farmsen

Ein Naturbad, aus dem man das Wasser trinken könnte, ein langer Sandstrand und eine 50-Meter-lange Rutsche – alles Gründe genug für einen Abstecher nach Farmsen. Hier mangelt es einem an nichts: Es gibt ein Spielhaus für Kinder, Badeaufsicht, Toiletten, Duschen, Schließschränke,
kostenlose Parkplätze und einen Kiosk. Das Beste: Das Bad ist sehr ruhig gelegen, für eine gelegentliche Stadtflucht also bestens geeignet.

Sommerbad Farmsen: Neusurenland 67 (Farmsen-Berne)


10) Freibad Marienhöhe

Wiese so weit das Auge reicht – auf über 26 Hektar lässt es sich besonders chillig bräunen, lesen und toben. Für allzu bewegungsfreudige Badegäste bietet das Freibad Marienhöhe ein großes Beachvolleyball-Feld. Während Sportskanonen sich auf dem sandigen Platz verausgaben, tummeln sich die ganz Kleinen im Planschbecken.

Freibad Marienhöhe: Luzerneweg 1–3 (Sülldorf)

 

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Das schräge Herz: Altona-Nord im Film-Porträt

Der Regisseur Christian Hornung porträtiert in „Das schräge Herz“ mit viel Charme die Einwohner und ehrenamtlichen Initiativen aus Altona-Nord. Ein Gespräch über den Blick hinter die Fassade eines zerfaserten Stadtteils

Text und Interview: Ulrich Thiele
Foto (o.): Christian Hornung

Während des Interviews wird deutlich, was sich auch im Film bemerkbar macht: Regisseur Christian Hornung ist eine zurückhaltende Person, niemand, der sich selbst gerne in den Vordergrund stellt, sondern lieber seine Bilder und Protagonisten sprechen lässt. Die „taz“ schrieb einmal über ihn, er könnte der Chronist Hamburgs werden. Darauf angesprochen, lacht er verlegen. Sicher, schmeichelhaft sei das, doch er wolle sich nicht auf Hamburg beschränken, sagt er – und im Subton schwingt mit, wie wenig er mit solchen Titeln anfangen kann. Wir treffen uns zum Gespräch in der Cantina im Gebäude der Genossenschaft Fux, die die Viktoriakaserne zu einem Künstlerhaus umgemodelt und in denen Hornung seine Arbeitsräume hat.

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Hatte bei der Produktion alles in der Hand: Christian Hornung / Foto: Nele Gülck

Christian, freust du dich schon auf die Altonale?

Klar, ich freue mich, dass der Film nochmal groß und Open Air gezeigt wird. Ursprünglich dachte ich, der Film würde einige Male bei Stadtteil-Veranstaltungen des Bürgertreffs Altona-Nord gezeigt werden. Die Altonale-Vorführung wird abends und unter der Woche sein – ich hoffe auf gutes Wetter und bin gespannt, wie viele Leute kommen.

Der Bürgertreff Altona-Nord hat den Film in Auftrag gegeben …

Genau, Doris Foitzik, die Geschäftsführerin des Bürgertreffs hatte die Idee für ein Stadtteilportrait, damit der Stadtteil für die Bewohner greifbarer wird. Altona-Nord ist sehr zerfranst und diffus. Mir ist beim Drehen aufgefallen, dass viele Anwohner gar nicht wussten, dass ihre Wohnung zu Altona-Nord gehört. Der Film sollte identitätsstiftend und vernetzend wirken, damit sie wissen, was hier passiert und was für Menschen, Einrichtungen und ehrenamtliche Initiativen es gibt.

Musstest du lange überlegen, ob du den Auftrag annimmst?

Nein, ich fand das Angebot sofort interessant. Es gibt Aufträge mit sehr strikten Vorgaben, aber hier wurde mir bei der Umsetzung freie Hand gelassen – was ich immer gut finde.

Du hattest offensichtlich viele Ideen, das Projekt ist größer geworden als geplant. Was ist passiert?

Der Plan war, einen halbstündigen Film über ca. zehn Menschen bzw. Einrichtungen zu machen. Ich habe aber dann selber mehr Protagonisten und Orte eingebaut, so dass aus den geplanten zehn Drehtagen am Ende 25 wurden – was bei einem gedeckelten Budget natürlich ökonomisch nicht sehr schlau von mir war … Der Zeitaufwand für den Schnitt hat sich entsprechend verlängert und der Film wurde letztendlich 70 Minuten lang.

Eigentlich wollte ich den Film in einem halben Jahr nebenbei fertigstellen, so habe ich aber deutlich länger daran gearbeitet. Immerhin mit dem Vorteil, dass es ein abendfüllender Film wurde, der Anfang des Jahres auch im Lichtmess-Kino und eben jetzt auf der Altonale läuft.

Es ist ein Film für den zweiten Blick geworden. Warum interessieren dich die zunächst unscheinbaren Orte und Personen?

Das reizt mich grundsätzlich und zieht sich als Motiv auch durch meine anderen Filme. Ich möchte nicht prominente Personen und Orte zeigen, sondern hinter die Fassaden blicken. Ich bin überzeugt, dass man in jeder Straße in jeder Stadt Geschichten für einen Film entdecken kann, wenn man genau hinguckt und sich darauf einlässt.

Warum war es dir und dem Bürgertreff wichtig, auch die negativen Seiten des Stadtteils zu zeigen?

Es war nie beabsichtigt, nur die schönen Seiten zu zeigen, sondern auch die Probleme und Sorgen des Stadtteils zu beleuchten: Der laute Verkehr, die Angst vor der Mietentwicklung. Bei Robert, dem Inhaber des englischen Buchladens an der Stresemannstraße (Foto o.), wussten wir schon vorher, dass er eine kritische Stimme ist. Der Bürgertreff Altona-Nord als Auftraggeber wollte eine Momentaufnahme des Stadtteils und keinen Werbefilm.

Das Identitätsstiftende kann ja auch über das gemeinsame Wiedererkennen von Problemen stattfinden, wenn zum Beispiel über den Verkehr geklagt wird. Denn natürlich wäre es den Anwohnern lieber, dass der Stadtteil verkehrsberuhigter ist.

Wie würdest du die Identität des Stadtteils beschreiben?

Altona-Nord ist ein zerfaserter Stadtteil, der durch wenig zusammengehalten wird, allein wegen der großen Straßen, die den Stadtteil durchschneiden. Es gibt nicht diese Identität wie in St. Pauli oder Ottensen. Was die Leute verbindet, ist das Gefühl, dass man nicht in so einem super angesagten Stadtteil lebt, aber das oft auch gerne tut. Viele finden es gut, dass sie nicht mitten in Ottensen oder der Schanze wohnen und dass sie so ein bisschen in ihrer Nische sind.

 

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Für die Außenaufnahmen von Altona-Nord ließ sich Christian Hornung auf dem Fahrrad kutschieren / Foto: privat

 

Manche deiner Protagonisten ziehen daraus regelrecht ihren Stolz. Woran liegt das?

Franz-Josef, der im Hochhaus am Alsenplatz wohnt, mag beispielsweise einfach diese Vielfalt, auch die soziale Vielfalt. Denn natürlich ist es, wenn man nicht viel Geld hat, angenehmer, in einem Stadtteil zu leben, in dem man sich nicht dauernd ausgegrenzt fühlt.

Überhaupt scheint das Zusammenleben gut zu funktionieren, sowohl die sozialen als auch die kulturellen Unterschiede betreffend, oder?

Das denke ich auch. Natürlich gibt es unterschwellige Abgrenzungen, aber im Prinzip ist Altona-Nord ein Stadtteil, in dem alle gut zusammenleben. Der Stadtteil ist in vielen Bereichen sehr gut durchmischt, da leben Menschen mit über 100 Nationalitäten und das funktioniert. Die AfD hat für die Bezirkswahlen keinen eigenen Stadtteil-Kandidaten für Altona-Nord aufstellen können – das finde ich bezeichnend. Es ist ein kulturell toleranter Stadtteil. Die Grenzen verlaufen hier eher über das Einkommen.

Zurück zur Entstehung des Films: Warum hast du eigentlich vom Ton über die Kamera bis zum Schnitt alles selbst gemacht?

Ganz klar aus Budgetgründen. Ich arbeite sonst lieber mit einem Team, denn es ist eine Herausforderung, gleichzeitig das Bild zu gestalten, den Ton zu pegeln und die Gespräche zu führen. Das hat auch dazu geführt, dass mal ein Bild unscharf oder der Ton in manchen Szenen nicht perfekt ist. Aber es hatte den Vorteil, dass ich sehr flexibel war und schneller das Vertrauen der Leute gewinnen konnte, als wenn ich mit einem ganzen Team angerückt wäre.

Die Reaktionen sind überwiegend positiv. Hat dich das überrascht?

Ich kenne es von anderen Filmen schon, dass die Zuschauer viel schneller andocken und mehr Begeisterung für einen Film zeigen, wenn er ihre Nachbarschaft oder ihr Lebensumfeld berührt.

Sind sie dadurch nicht aber auch umso kritischer, weil sie den Gegenstand des Films bestens kennen?

Absolut. Es gab auch Kritik nach den Vorführungen, weil die Menschen Einrichtungen oder Personen im Film vermisst haben oder bestimmte Probleme gerne thematisiert gesehen hätten. Ich sage dann ganz klar: Der Film kann nicht repräsentativ für alles in Altona-Nord sein und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er kann nur Ausschnitte zeigen.

Was wurde zum Beispiel vermisst?

Es gibt zum Beispiel eine sogenannte „Trinkerszene“ rund um den S-Bahnhof Holstenstraße, wo auch Menschen mit Drogenproblemen den Tag verbringen. Ich wurde gefragt, warum die nicht Teil des Films wurden. In diesem Fall lag es daran, dass die Leute nicht gefilmt werden wollten.

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Mit etwas Fantasie sehen die Umrisse von Altona-Nord aus wie ein schräges Herz

Gab es Kritikpunkte, die dich ins Grübeln gebracht haben, dass du dachtest: „Ja, das wäre wirklich interessant für den Film gewesen“?

Da gibt es einige Sachen. Hier neben der Viktoria-Kaserne gibt es eine Kirche der Stille, und es gibt ein Hospiz – darauf wurde ich öfter angesprochen. Und so gibt es noch viele Einrichtungen und unzählige Menschen in Altona-Nord, die interessant sind und die ich hätte zeigen können. Aber irgendwann musste ich einen Cut setzten und sagen: Das ist jetzt der Film, und der kann eben nur ein Ausschnitt sein.

Ich verstehe mich übrigens auch nicht als Journalist, sondern ich bin Filmemacher. Mir geht es nicht um das Wiedergeben von Fakten, sondern darum, Geschichten und Charaktere herauszuarbeiten, eine Atmosphäre einzufangen.

Hast du Lieblinge unter deinen Protagonisten und Institutionen?

Dass hier im Fux und im frappant in der Viktoria-Kaserne viel passiert, wusste ich ja schon. Aber ich wusste vorher nicht, was alles im „FLAKS“, dem Zentrum für Frauen in der Alsenstraße, angeboten wird. Wie viele Frauen da tagsüber Kurse besuchen oder essen gehen! Als Person hat mich Robert, der Buchhändler, beeindruckt. Ich bin an diesem Schild „English Books & British Foods“ die letzten 20 Jahre vorbeigefahren, durch den Film jetzt aber erst reingegangen und habe den Inhaber kennengelernt – was sinnbildlich für den Film ist. Robert ist eine echte Persönlichkeit, und so etwas sieht man nicht von außen.

„Das schräge Herz“: 4.6., 22 Uhr, Platz der Republik (Eintritt frei)


Szene-Hamburg-juni-2019 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2019. Das Magazin ist seit dem 25. Mai 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Space Girls: Wie Frauen die Mond-Landung verwehrt blieb

Vor 50 Jahren betrat der US-amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Was viele nicht wissen: Auch Frauen wurden schon um 1960 für die Raumfahrt getestet – wegen ihres Geschlechts letztlich aber doch nicht zugelassen. Die Hamburger Autorin Maiken Nielsen setzt ihnen mit ihrem Roman „Space Girls“ ein Denkmal.

Text und Interview: Ulrich Thiele
Foto (o.): NASA

Maiken Nielsen ist von Haus aus Hamburger Urgestein und Weltenbummlerin zugleich. Sie stammt aus einer Familie von Lotsen und Kapitänen und ist die Enkelin des Hindenburg-Navigators Christian Nielsen. In ihrem letzten Roman „Und unter uns die Welt“ widmete sie sich der Geschichte ihres Großvaters. Vor diesem Hintergrund ist ihr Interesse an den 13 Pilotinnen, den Mercury 13, die für die Raumfahrt getestet wurden und doch nicht zum Mond fliegen durften, naheliegend.

Nielsen erzählt von diesem historischen Ereignis mit sinnlicher Sprache und fließendem Rhythmus. „Space Girls“ ist ein literarischer Kopfkinofilm, ein Epos, das trotz aller traurigen Momente immer den lebenshungrigen Pioniergeist seiner Protagonistinnen atmet. „Guten Morgen aus der Südsee“, sagt Nielsen zur Begrüßung – während des Interviews befindet sie sich auf Rarotonga. Nach einem schweren Unfall vor einigen Jahren habe sie eine Liste mit Orten gemacht, die sie unbedingt noch erleben möchte, erzählt sie, die Südsee gehöre dazu. Ihr Skype-Profilbild zeigt sie mit hochgerecktem Daumen am Steuer eines Fliegers.

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Die Autorin Maiken Nielsen setzt mutigen Frauen ein Denkmal
Foto: Sabrina Adeline Nagel

SZENE HAMBURG: Frau Nielsen, die Mercury 13 sind kaum bekannt. Wie sind Sie auf ihre Geschichte gestoßen?

Maiken Nielsen: Ich bin selbst begeisterte Fliegerin und hatte mich, während ich die Romanbiografie über meinen Großvater schrieb, viel mit dem Thema beschäftigt. Das waren die 30er- und 40er-Jahre. In der Zeit flogen auch viele Frauen. Mich hat interessiert, wie es danach weiterging und fand – wenig überraschend – heraus, dass es nach 1945 kaum noch weibliche Piloten gab, weil die Männer aus dem Krieg zurückkehrten und ihre Stellen besetzten. Aber dann stieß ich auf Jerrie Cobb …

… die Anführerin der Mercury 13 …

Ich war total beeindruckt von ihr! Wie groß war meine Überraschung, als ich erfuhr, dass sie zu den Astronautentests für die erste Fahrt zum Mond geladen wurde. Und dass es noch mehr Frauen wie sie gab.

Was konkret haben Sie an diesen Frauen so bewundert?

Sie mussten alle mit den Gegebenheiten der 50er- und 60er-Jahre fertig werden. Sie mussten sich zum Fliegen die Nägel lackieren, High Heels und Röcke tragen, um zu beweisen, dass sie trotz Pilotendaseins „richtige“ Frauen sind. Eine war achtfache Mutter. Aber sie waren so tough, das belegen die Aussagen des Nasa-Mediziners Randolph Lovelace und seiner Mitarbeiter.

Randolph Lovelace setzte sich dafür ein, dass Frauen als Astronautinnen eingestellt werden. Sie seien für Weltraumflüge besser geeignet als Männer, sagte er, weil sie qua ihres Geschlechts leidensfähiger seien.

Die Tests, die Lovelace mit den Frauen durchgeführt hat, zeigen, dass sie mindestens so tough wie John Glenn und die Mercury 7 waren, die als männliche Helden in den USA verehrt wurden. Wie sich die Frauen da durchgekämpft haben, wie sie auch vor dem NASA-Subkomitee für ihre Sache gekämpft haben, das ist beispiellos.

Die Argumente während der Anhörung sind hanebüchen: „Wenn meine Mutter den Check-up-Test eines Footballteams besteht, heißt das nicht, dass sie Football spielen kann.“ Sind die Aussagen echt?

Ja, die sind genauso passiert. Die Anhörung wurde mitgeschrieben, eine Abschrift davon findet sich auch online im NASA-Archiv. Ich habe die Dia loge lediglich übersetzt. Mein Antrieb für das Buch war dementsprechend Empörung. Ich wollte, dass diese Frauen nicht im Vergessen versinken.

 

„Viele Frauen hatten nach den Tests keine Jobs mehr“

 

Wie sind die Frauen mit der Enttäuschung umgegangen? Viele Menschen würden, nachvollziehbarerweise, verbittern …

Viele der Frauen hatten im Anschluss an die Tests keinen Job mehr, weil sie für die Testwoche in Albuquerque von ihrem Arbeitgeber keinen Urlaub bekamen und deshalb kündigen mussten. Es war sowieso schwer, als Frau 1960 in der US-Luftfahrtbranche einen Job zu bekommen, den verloren sie also auch. Jerrie Cobb zog anschließend allein in den Amazonas, wo sie abgelegene Siedlungen aus der Luft mit Lebensmitteln belieferte. Sie lebt immer noch, gibt aber keine Interviews (kurz vor Redaktionsschluss wurde bekannt, dass Jerrie Cobb bereits am 18. März im Alter von 88 Jahren verstorben ist, Anm. d. Red.).

Und die anderen?

Andere Frauen waren sowieso selbstständig, Geraldine Sloan – später Geraldine Truhill – zum Beispiel. Oder sie wechselten komplett die Branche. Eine der Dietrich-Zwillinge starb knapp zehn Jahre später an Krebs, möglicherweise in Folge der Tests, bei denen die Frauen radioaktiver Strahlung ausgesetzt wurden. Ihre Zwillingsschwester flog ab dann nicht mehr.

Der Roman besteht aus mehreren Handlungssträngen, die miteinander verknüpft sind. Ein wichtiger dreht sich um den deutschen Raketenentwickler Wernher von Braun. Was macht ihn so faszinierend?

Von Braun war ein extrem fantasiebegabter, musischer Mensch mit hochfliegenden Träumen. Er spielte Klavier, schrieb Romane, sprach und las Französisch und wollte eines Tages zum Mond. Ingenieur und Freizeitpilot wurde er nur wegen dieses Mondtraums. Und der wurde dann so mächtig, dass er alles möglich machte, um ihn zu realisieren. Er trat der NSDAP und später der SS bei, er bestellte KZ-Häftlinge für die Arbeiten an der V2-Rakete. Und später, als klar war, dass die Deutschen den Krieg verloren hatten, stellte er seine Dienste der nächsten großen Macht zur Verfügung – den USA.

Warum ist von Braun für Ihre Geschichte wichtig?

Als deutsche Autorin, glaube ich, kann ich nicht die Vorgeschichte der ersten Mondlandung erzählen, ohne den deutschen Raketenentwickler Wernher von Braun zu erwähnen, der Apollo 11 erst möglich gemacht hat. Die Mission fußte auf Versuchen, für die Tausende von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen sterben mussten.

 

Endlose Finsternis und Strahlender Schein

 

Trotzdem feierten ihn die Amerikaner als Helden – eine der zentralen Ambivalenzen in Ihrem Roman.

Absolut. Im Roman geht es um Hell und Dunkel. Das eine existiert nicht ohne das andere. Das ist auch eine Erfahrung, die Michael Collins, Neil Armstrong und Buzz Aldrin im All gemacht haben: endlose Finsternis auf der einen Seite und daneben strahlender Schein.

Warum haben Sie die fiktive Geschichte um die Hauptprotagonistin Juni und ihre Mutter Martha eingebaut?

Martha und Juni verkörpern beide die deutsch-amerikanische Geschichte, und Juni ist mit ihrem Mut, ihrer Motivation und ihrer Sportlichkeit die Quintessenz der Mercury 13. In ihnen verdichten sich die Ambivalenzen. Martha ist Deutsche, ihr Vater wurde denunziert und in Wernher von Brauns Arbeitslager erhängt. Sie flieht mit ihrer Tochter Juni zunächst nach Frankreich, dann in die USA nach New Orleans, wo sie ihre deutsche Herkunft verheimlicht. Juni ist begeisterte Pilotin, darf an den Raumfahrttests mit den Mercury 13 teilnehmen. Sie will zum Mond fliegen mit der Rakete, die der Mörder ihres Großvaters entwickelt hat – was sie zunächst nicht weiß.

War es schwierig, diese fiktiven Figuren in den historischen Kontext einzuweben?

Nein, ich habe die beiden einfach sehr lebendig vor Augen gehabt. Ich glaube, die schwebten mir schon lange im Kopf herum, und Juni als extrem wildes, kleines Mädchen war einfach perfekt für das, was ich erzählen wollte. Ich habe mich dann bloß bemüht, nichts an den historischen Gegebenheiten zu ändern.

Juni wäre heute 79 Jahre alt. Was würde sie jetzt machen?

Juni überlegt, ob sie in ein paar Jahren vielleicht ihre Pilotenlizenzen abgeben und einen Round-The-World-Trip mit ihrer Enkelin machen sollte, am liebsten im Airbus. Sie trifft sich einmal im Jahr mit denjenigen Mercury- 13-Frauen, die noch am Leben sind und hält Vorträge in ihrem 99-Chapter und anderswo. Und sie läuft noch immer jeden Tag.

Space-Girls-Cover-Maiken-NielsenNatürlich wirft Ihr Roman indirekt auch die Frage nach unserer Zeit auf. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Es sieht derzeit so aus, als würden sich an vielen Stellen in der Welt wieder Werte durchsetzen, die nicht gerade förderlich für Demokratie und Gleichberechtigung sind. Aber zumindest in der Raumfahrt gibt es viele positive Entwicklungen: Weibliche Astronauten trainieren derzeit für den Flug auf den Mars und auf der ISS leben und arbeiten Menschen aus allen Nationen friedlich zusammen.

Maiken Nielsen: „Space Girls“, Wunderlich/Rowohlt, 512 Seiten, 22 Euro. Der Roman ist am 21. Mai erschienen.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2019. Das Magazin ist seit dem 27. April 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Alex an der Überseebrücke: Logenplatz am Hafen

Das Alex am Jungfernstieg hat seinen Ruf als Touristenmagnet weg. Auch der neue Standort am Baumwall scheint prädestiniert, Sightseeing mit Brunch oder Cocktailhour zu verbinden. Aber auch als echter Hanseat lohnt sich ein Besuch.

Text: Laura Lück
Foto: Alex Überseebrücke

An diesem Samstagnachmittag lockt die Maisonne tausende Besucher an die Hafenpromenade. Wie Haifische umkreisen Hungrige die riesige Alex-Außenterrasse an der Überseebrücke. Nach knapp zwanzig Minuten wird endlich ein Platz für zwei frei. Netter Nebeneffekt beim Warten: Man kommt ins Gespräch. Verschiedene Dialekte und Sprachen bilden den Sound des Restaurants. Ein Münchner Pärchen hält die Schönheit des Ausblicks kaum aus, eine ältere Dame aus Köln erinnert die Hafenkulisse an eine verflossene Romanze in den 60er-Jahren.

Das Staunen steckt an. Hafenblick, Schiffshorn-Tuten und segelfliegende Möwen – mehr Hamburg geht nicht. Aperol schlürfend stellt sich auch beim echten Hanseaten unweigerlich ein Gefühl der Freude und Dankbarkeit ein. In dieser schönen Stadt lebe ich – was für ein Glück!

 

 

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Urlaub in der eigenen Stadt

 

Es gibt Essen: Trotz vegetarischer Bestellung kommen die Nachos mit Chili con Carne überbacken auf den Tisch. Geändert werden kann das leider nicht. Die Kellner wirken gehetzt. Keine Zeit für Extrawünsche, Augenkontakt oder ein nettes Wort. Allerdings ist das Team an diesem sonnigen Tag auch eindeutig unterbesetzt und entsprechend gestresst. Das frisch eröffnete Restaurant muss sich vielleicht noch etwas einspielen. Der Büffelmozzarella mit Tomate schmeckt hervorragend, die Black-Tiger-Garnelen mit Antipastigemüse sind in einem würzigen Kräuteröl eingelegt, das sich bestens als Dip fürs knusprige Knoblauchbrot eignet.

Der Nacho-Patzer ist schnell vergessen. Liegt vielleicht am Urlaubsgefühl, das sich hier einstellt. Smartphones bleiben in der Tasche, die Gäste drehen ihre Stühle in Richtung Promenade und schlürfen köstliche hausgemachte Halbliter-Limonaden, ebenso riesige Schoko-Sahne-Milchshakes oder ein Glas Prosecco. Erst beim Gehen wird’s ungemütlich: Die Jacken sind noch nicht ganz angezogen, da greifen schon die nächsten hungrigen Haie gierig nach den freiwerdenden Stuhllehnen.

Alex Überseebrücke: Vorsetzen 72 (HafenCity)


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Appetit auf mehr?

Europa-Wahl: Das wünschen sich Hamburger für Europa

Europawahl 2019: Am 26. Mai wird das Europäische Parlament gewählt. Acht Hamburger sagen, was sie sich für ihr Europa wünschen.

Protokolle: Erik Brandt-Höge
Fotos: Sophia Herzog / Foto (o.): Christian Wiediger via Unsplash

Die Zahlen vorab: Durch den Brexit wählen voraussichtlich 27 Mitgliedsstaaten der EU nur noch 705 statt 751 Abgeordnete ins Europäischen Parlament, 96 davon kommen aus Deutschland. Klar dreht sich deren Arbeit vor allem um den zukünftigen europäischen Haushalt und Gesetzesbeschlüsse. Aber auch Themen wie Umwelt- und Bildungspolitik sowie Integration kommen bei ihnen garantiert auf den Tisch.

Nur: Was wünschen sich die Wähler konkret? Wo sehen sie Handlungsbedarf? Und wer sollte ihrer Meinung nach besser keine Rolle im Parlament spielen? Wir haben auf Hamburgs Straßen nachgefragt.

 

Sarah, 34

Europawahl-2019-Sarah-c-Sophia-HerzogSchön wäre, wenn Europa wieder mehr zueinanderfindet. Wir sind gerade in einer Zeit, in der vieles auseinander driftet. Wir sollten uns wieder als Einheit präsentieren.

 

 


 

Joel, 29

Europawahl-2019-Joel-c-Sophia-HerzogEuropa müsste eine stärkere Wertegemeinschaft werden, um die Lebensqualität der Menschen insgesamt zu verbessern. Außerdem sollte Verständnis dafür aufkommen, dass bestimmte Probleme nur in einem größeren Kontext betrachtet und gelöst werden können, und dass Europa der erste Schritt dahin ist.

 


 

Marion, 67

Europawahl-2019-Marion-c-Sophia-HerzogIch habe zwei Wünsche für Europa. Der erste ist, dass es Steuererleichterungen für den fairen Handel gibt. Und der zweite, dass auf Menschenrechte in den Lieferketten geachtet wird.

 

 


 

Hans, 74

Europawahl-2019-Hans-c-Sophia-HerzogIch wünsche mir, dass sich das Parlament mehr um die sozialen Fragen in Europa kümmert und einheitliche Standards schafft. Außerdem hoffe ich, dass den rechten Parteien die Grenzen aufgezeigt werden.

 

 


 

Ulf, 35

Europawahl-2019-Ulf-c-Sophia-HerzogIch wünsche mir echte Alternativen für den Pkw-Verkehr, damit es nicht mehr so viele Autos auf den Straßen gibt. Die Leute könnten doch zum Beispiel auch Roller oder Fahrrad fahren.

 

 


 

Jordan, 24

Europawahl-2019-Jordan-c-Sophia-HerzogEuropa sollte ein offener Kontinent bleiben und der kulturelle Austausch gut gepflegt werden. Für Studenten wie mich sind speziell die Erasmus- Programme interessant, über die man mit so vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommen kann. Das ist sehr bereichernd und sollte so bleiben.

 

 


 

Nils, 29

Europawahl-2019-Melissa-c-Sophia-HerzogMeinen Wunsch für Europa kann ich in einem Wort zusammenfassen: Geschlossenheit. Was den Brexit angeht, sollte es allerdings in der Hand der Briten liegen, was daraus wird.

 

 


 

Melisa, 38

Europawahl-2019-Melissa-c-Sophia-HerzogEin plastikfreies Europa wäre toll! Außerdem hoffe ich, dass der Fokus der Politiker mehr auf die Themen Integration und Bildung fällt. Schulen sollten finanziell noch mehr unterstützt werden.

 

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2019. Das Magazin ist seit dem 27. April 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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