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Verlosung: Gewinnt Tickets für Moses Pelham

Er ist das, was man gemeinhin eine lebende Legende nennt: erfolgreicher Rapper, Produzent, A&R, Traumverwirklicher. Moses Pelham ist ein Vollblutkünstler, der seit mehr als drei Dekaden sein Innerstes nach außen kehrt und auf Platten packt. Das tut er auch auf seinem neuen Album „Emuna“, mit dem er Halt in Hamburg macht. Ein Gespräch über Pelhams große Liebe HipHop im Wandel der Zeit

Interview: Daniel Schieferdecker

 

SZENE HAMBURG: Moses, wie alt warst du, als du Rap für dich entdeckt hast?

Moses Pelham: Das muss 1983 gewesen sein, da war ich zwölf. Ich war im Amerikaurlaub mit meinen Eltern, spielte mit meinen Cousins und irgendwelchen fremden Kindern auf der Straße, als mich einer von denen fragte, welche Rhymes ich könnte. Ich nur: „Häh?“ (lacht)

Meine Cousins erklärten mir dann, dass sie Raps aus dem Radio aufnähmen, die auswendig lernen und sich gegenseitig vorsagen. Als sie mir dann „Rapper’s Delight“ von der Sugarhill Gang vorspielten, dachte ich direkt: „Das ist jetzt aber net schlecht.“ Von da an hat HipHop mich nicht mehr losgelassen.

 

 

Das ist jetzt 37 Jahre her.

Klingt schlimm, oder? Ich empfinde aber eine ungemeine Dankbarkeit darüber, was ich in dieser Zeit alles erleben durfte. Mittlerweile geht das mit einer ungemeinen Ungeduld einher, denn ich habe die Hälfte meines Lebens nun hinter mir. Und ich habe keine Lust, die zweite Hälfte mit Scheiße zu verschwenden.

Im Song „Wunder“ rappst du: „Ich hab keine Peilung, was die Kids grad fragen/meinst du, die meinen, was ich meine, wenn die HipHop sagen?“ Hast du mittlerweile eine Antwort darauf?

Das ist eine rhetorische Frage, denn verändert hat es sich zweifellos. Für mich war Rappen anfangs nur ein Betätigungsfeld von vielen – aber das einzige, das bis heute geblieben ist. Früher ging es ja nur darum, zu sagen: „Mich gibt’s!“

 

 

Ein Umdenken erfolgte 2012 bei meiner Arbeit am Album „Geteiltes Leid III“. Da stand ich vor der Wahl: Mime ich jetzt weiterhin künstlerisch den, der ich mal war, obwohl ich mich persönlich ganz woanders hin entwickelt habe? Oder gelingt es mir, meine Kunst meinem Leben anzupassen? Und es macht mich bis heute glücklich, dass mir das gelang. Auch das ist ein Grund dafür, dass ich für HipHop bis heute diese Faszination empfinde. Das ist immer noch ein Mysterium. Magie. Ein Geschenk.

Markthalle: Klosterwall 11 (Hammerbrook), Moses Pelham: 27.3.2020, 20 Uhr


 Wir verlosen 2×2 Tickets!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: „Moses“
  • Einsendeschluss: 23.03.20 
  • Bitte gebt für die Teilnahme euren vollständigen Namen an

Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Deeper: Die Tiefen der Musik

Der Künstler Ludwig Mausberg ist Teil des Labels The Crate. Dessen Reihe Deeper feiert im Februar Jubiläum. In SZENE HAMBURG spricht Mausberg über sein neues Album „Get Free“, Digging in Zeiten von Internet und die Hamburger Veranstaltungsszene.

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Ludwig Mausberg, was ist Deeper?

Ludwig Mausberg: Es ist die Party unseres Labels The Crate, welches Tobi, Amran, Sascha und ich zusammen haben. Als Reihe funktioniert Deeper als genreübergreifendes Konzept, alle zwei Monate, wo an einem Abend viele verschiedene Musikrichtungen gespielt werden können. Aber ohne Willkür, sondern in einer Art Kanon, der sich beim Schallplattensuchen herausbildet.

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Lebensinhalt Vinyl: Ludwig Mausberg

Wie meinst du das genau?

Man hat irgendwann eine Landkarte von Dingen im Kopf die zueinander passen. Wenn du das lange machst, blendest du Genres völlig aus, kannst Dinge abstrahieren und einzelne Richtungen miteinander mischen. Da hört sogar ein Laie den Zusammenhang. Die Idee von Deeper: eine tiefere Auseinandersetzung mit Zusammenhängen in der Musik.

Klingt hochtrabend …

Ja, aber es ist ganz simpel. Es geht darum Gemeinsamkeiten in unterschiedlichen Sachen zu finden. Deswegen lege ich auch so gerne mit Sascha vom Bluesleeve Select Store auf, der unter Block Barley Musik macht. Wir beide sind der feste DJ-Part von Deeper und haben ein ähnliches Verständnis. Es wird da keine Technomusik geben, sondern wir wollen einen Party-Kontext erschaffen, den es sonst nicht gibt.

Wo feiert ihr?

Unsere feste Location ist im Frappant. Wir sind manchmal im Nachtasyl, waren auch schon in der Astra Stube. Mit Little Deeper lege ich außerdem an ausgewählten Abenden im Golden Pudel Club auf. Im Februar hat Deeper zweijähriges Jubiläum. Für die Nacht laden wir zwei besondere Gäste ein, die ich heute noch nicht verraten kann.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Wenn man es genau nimmt, bin ich aus einem klassisch geprägten Umfeld. Mein Vater hatte als Musiker in der DDR Berufsverbot und ist Pfarrer geworden. Mit acht Jahren lernte ich bereits mein erstes Instrument, Trompete. Meinen ersten Schallplattenspieler hatte ich mit 14.

Was für Musik hörst du?

Durch die Scheiben meiner Eltern, mochte ich Tangomusik sehr. Von dort bin ich zum Soul und HipHop gekommen. Aber Musik hat mich immer insgesamt interessiert. Sachen anhören und alles durchforsten. Ich habe nicht nur hier und dort mal reingehört, sondern immer komplett abgegrast und alle Infos zusammengetragen. Am Anfang war das ja noch ohne Internet.

Ist der Spaß am „Durchforsten“ damit verloren gegangen?

Nein, es ist nur ein krasserer und schnellerer Prozess geworden. Ich mache genau das Gleiche, nur viel effektiver als früher. Es ist wie bei jemanden, der an einer Goldmine sitzt. Wenn er weiß, wo etwas zu suchen ist, dann findet er was.

Ich verbringe in der Woche mindestens fünf bis acht Stunden um Musik rauszufinden. Was du konstant machst, kann dich selber mit Dopamin, also mit Glücksgefühlen versorgen.

 

„Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge“

 

Im April erscheint dein achtes Album „Get Free“. Was wird darauf zu hören sein?

Es wird ein Konzept-Album mit instrumentaler HipHop-Musik auf Vinyl. Wir haben verschiedene Instrumente eingespielt. Timo Eilbek ist mit Saxofon vertreten. Der Jazzmusiker Leon Raum spielt Schlagzeug und es gibt einen vokalen Gastbeitrag der Sängerin Alisa von Shi Offline.

Was bedeutet der Schlüssel auf dem Cover?

Auf dem Album sind überall kleine Aussagen versteckt. Durch sie kann man darüber nachdenken, wo man rein will, wo man raus will. Ob man den richtigen Schlüssel für die falsche Tür findet oder umgekehrt. Einfach mal
die Chance nutzen, für 16 Minuten pro Seite das Internet und Telefon auszumachen, nicht an die Tür zu gehen und sich Zeit nehmen, über solche Dinge nachzudenken. Ein Sinnfindungsspiel auf Schallplattenlänge.

Wo gibt es das Album?

Man findet es in Hamburger Schallplatten Läden wie Hanseplatte oder der Plattenrille.

Warum released du auf Vinyl?

Es ist einfach der Inhalt meines bisherigen Lebens. Meine ganze Wahrnehmung, wie ich die Welt kennengelernt habe, hat viel mit Schallplatten, mit Plattenläden und den Menschen dort zu tun. Ich bin kein Dogmat, aber es gehört zur mir und hat mich ganz gefangen. Vieles kann ich darüber besser verstehen.

In der Schnelllebigkeit irgendwelcher Releases ist es für mich wichtig, dass ich meine ganzen Gefühle, die ich zu dem Album hatte, in einem finalen Medium abfeiern kann. Es ist was Abgeschlossenes und fühlt sich kompletter an.

 

 

Auch beim Auflegen? 

Ja, total. Man baut eine Beziehung auf. Seit der ersten Schallplatte war es ein Wunsch, ein Teil von dieser Welt zu sein. Mittlerweile weiß ich, wie ich mich darin am besten ausdrücken kann.

Du bist seit drei Jahren in Hamburg. Hast vorher unter anderem in Dresden und Berlin Partys gemacht. Wie erlebst du die Veranstalterszene?

Tatsächlich mache ich seit 2008 Veranstaltungen und mittlerweile weiß ich, was ich alles nicht möchte. Es gibt immer die Möglichkeit irgendeine Bediener-Veranstaltung zu machen. Und in Zeiten von Clubsterben ist der Erlebnisfaktor ein größerer Punkt geworden, um die Leute vom Hocker zu holen. Aber ich weiß ganz sicher, dass ich lieber mit einer kleineren Crowd glücklich bin, wo alle cool sind.

Kulturelles Angebot besteht aus Vielfalt. Wir spielen bei Deeper nicht jedes Mal die gleiche Musik. Im Grunde ist eher das Zeil, dass beim nächsten Mal was völlig anderes läuft. Das ist auch so eine Art Wettbewerb zwischen den DJs.

Ist Wettbewerb auch sonst ein großes Thema im Hamburger Nachtleben?

Ähnlich wie in vielen anderen Städten auch, mit einem entscheidenden Twist. Ich glaube die Leute sind sich nicht darüber bewusst, wie viel und gut sie hier miteinander auskommen und miteinander arbeiten. Jemand, der hier länger wohnt, sieht vielleicht mehr die Konkurrenz und das jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Da sollte man mal woanders sein. Vielleicht braucht alles immer ein bisschen Zeit, aber die Herzlichkeit und die Art und Weise, wie unangestrengt Leute in Hamburg miteinander Dinge machen, habe ich so noch nie woanders erlebt.

Frappant: Bodenstedtstraße 16 (Altona), Deeper: 22.02.2020, 23 Uhr


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Verlosung: Gewinnt Tickets für Mädness

Der aus Darmstadt stammende Mädness ist einer der versiertesten Rapper des Landes. Nach Support-Slots für Fatoni, Fettes Brot und seinen Bruder Döll spielt er nun mal wieder eine Soloshow in Hamburg

Interview: Daniel Schieferdecker

 

SZENE HAMBURG: Mädness, dein aktuelles Album trägt den Titel „OG“, was im HipHop für „Original Gangster“ steht. Was bedeutet das in deinem konkreten Fall?

Mädness: Ein OG ist für mich jemand, der eine gewisse Erfahrung mit sich bringt, weil er bestimmte Dinge schon durchgespielt hat. Ich wollte mich durch den Begriff nicht erhöhen, sondern meinen Status markieren, da ich Rap eben schon etwas länger mache.

 

 

Wie hat sich das, was HipHop für dich ist, im Laufe dieser Zeit verändert?

HipHop ist breiter geworden. Es gibt nicht mehr nur eine Szene, sondern verschiedene Untergenres und Auffassungen. Man kann nicht mehr von HipHop im Ganzen sprechen, da der Sound und die Inhalte unter den Untergruppen so stark variiert. Für mich bedeutet rappen aber nach wie vor: Das ausdrücken zu können, was man denkt – so plump das auch klingt.

Du bist vor über drei Jahren nach Berlin gezogen, hast alles auf die Karte Musik gesetzt und noch mal komplett neu angefangen. Dein Resümee dieser Entscheidung?

Ich bin bis heute nicht obdachlos und habe zu essen, insofern: Es war die richtige Entscheidung. Ich habe mit meinem Bruder zwei erfolgreiche Touren gespielt, gehe im Februar auf Solo-Tour … der zweite Frühling ist real.

Terrace Hill
18.2.2020, 20 Uhr


 Wir verlosen 2×2 Tickets!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: „Mädness“
  • Einsendeschluss: 14.02.20 
  • Bitte gebt für die Teilnahme euren vollständigen Namen an

Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Meet the Resident – SR DJ Hermo

Jeden Monat stellt SZENE HAMBURG Residents vor, diesmal: SR DJ Hermo (23, guuc) – präsentiert von hamburg elektronisch

Interview: Louis Kreye & Jean Djaman

 

SZENE HAMBURG: Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

SR DJ Hermo: Die Mischung macht es! Viel House, viel Techno, gerne HipHop, Italo, Afro, Disco. Viele verschiedene Einflüsse! Hier gilt eher: Wie spät ist es und wo befindet man sich?

Was war dein größter Moment als DJ?

Auf einem Rundgang der Kunstakademie Düsseldorf. Wir waren eine achtköpfige Gruppe. An diesem Wochenende war selbst die Zugfahrt legendär! Und kürzlich habe ich bei einem 3Floor Riesen-Rave im Volt das Opening gespielt. Die Atmosphäre war überwältigend.

Was sind für dich Hamburgs Stärken?

Die Leute!

Und die Schwächen?

Weitere Bars mit guter Anlage würden der Stadt gut tun.

 

Heat on the dancefloor!

 

Auf wen sollte man momentan ein Auge haben?

Auf jeden Fall Baxmann & 11Schnull. Baxmann als DJ ist extrem empfehlenswert. Von 11Schnull können wir uns auf eine richtig gute EP freuen. Checkt seine Soundcloud-Seite. Und für die DJs da draußen: Die Tracks sind heat on the dancefloor!

Welchen DJ würdest du gerne mal (wieder) in Hamburg sehen?

Zum Beispiel Detroit in Effect, Booty Buster, Bell Towers und Moodymann – neben vielen anderen.

Deine schrecklichste Gast-Frage?

Ob ich „Wonderwall“ von Oasis spielen könnte – das fand ich aber ziemlich lustig. Schlimm ist es, wenn Leute ihren Wunsch umschreiben: „Kannst du mal was Melodisches spielen, so „funky“? – aber trotzdem mit „Pep“!, eventuell mit Gesang?“

Welcher Gig in Hamburg ist bisher dein Favorit?

Besonders sind für mich natürlich die Guuc-Nächte, da ich dann selbst DJs einladen darf. Einer meiner Lieblings-Gigs war auf jeden Fall der mit Baba Stiltz. Aber DJ Seinfeld im Nachtasyl war auch krass!

Wo kann man dich als nächstes hören?

5.9. auf RedLightRadio Amsterdam und am 13.9. bei F4F in der Uni (die Party schmeißt Han Duo und ist ein GreenEarthSoliRave). Außerdem sind weitere Nachtasyl-Partys geplant.

 

Ein aktuelles Set von SR DJ Hermo hört ihr hier


Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, September 2019. Titelthema: Mobilität – Das bewegt die Stadt. Das Magazin ist seit dem 29. August 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Max Herre: „Meine Geschichten sind ein Schatz“

Nicht nur für Nostalgiker: Der einstige Posterboy des deutschsprachigen HipHops Max Herre kommt mit neuen Songs in den Stadtpark

Text: Erik Brandt-Höge
Foto (o.): Mikael Väisänen

 

SZENE HAMBURG: Max, auf einer Skala von eins bis zehn, wenn zehn am besten ist: Wie ist dein Sommer bisher?

Max Herre: Sieben.

Klingt ja noch nicht wirklich zufrieden.

Nee, ich war zwar kürzlich zweimal in Athen und hatte ein Stück weit Sommer, aber im Moment heißt es für mich: Nicht von der Sonne rauslocken lassen, sondern schön drinnen sitzen bleiben und das Album fertig machen – um dann, wenn die Live-Shows starten, den Sommer voll und ganz zu genießen.

Neue Live-Shows, neues Album: „Athen“ erscheint in Kürze. Der Titelsong erzählt die traurige Geschichte von zwei Liebenden auf Reisen. Warum wolltest du sie genau jetzt erzählen?

Vor zwei Jahren bin ich nach Tel Aviv gefahren und habe angefangen, an neuen Songs zu schreiben. Ich habe dorthin auch andere Songwriter eingeladen, jeweils für eine Woche kamen Maxim und Tua, die ich beide sehr schätze. Ich habe ihnen eine Geschichte erzählt, die ich vor ein paar Jahren erlebt habe. Und in den Gesprächen stellte sich heraus, dass Athen für mich einen echten Sehnsuchtsort darstellt …

… den du damals mit der Frau an deiner Seite besuchen wolltest. Wieso sollte es eigentlich unbedingt Athen sein?

Die Frau hatte griechische Eltern. Außerdem hatte mein Vater mal einige Jahre in Griechenland gelebt, genau wie mein Großvater, und mein ältester Onkel ist dort geboren. Es haben sich also viele Linien gekreuzt auf dieser Reise.

Und was das Songwriting angeht: Je mehr ich mich dabei erinnerte, wie alles war, umso mehr konnte ich erzählen. Wieder habe ich gemerkt, dass meine Geschichten – nicht nur, weil ich mit ihnen Musik generieren kann – ein Schatz für mich sind.

Hört hier Max Herre feat. Trettmann: „Villa Auf Der Klippe“

 

Diese Art von Beschäftigung mit den eigenen Geschichten zieht sich durch dein musikalisches Werk. Hast du einen Hang zur Nostalgie?

Zunächst mal ist die Musik, die ich am liebsten höre, auf eine Art und Weise nostalgisch. Ich höre jetzt nicht nur Fado, aber es gibt ein bestimmtes Gefühl im Soul und Jazz, das so eine nostalgische Traurigkeit transportiert, was ich sehr mag.

Was genau passiert beim Hören solcher Musik mit dir?

Irgendwie spüre ich dann etwas, das noch nicht verarbeitet ist, und das vielleicht auch einen inneren Konflikt darstellt.

Dein Erinnerungs-Songwriting ist also immer auch ein Lernprozess? Und wenn ja, was hast du bei der Arbeit an „Athen“ über dich gelernt?

Lernen ist ein großes Wort. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob man selbst so schnell weiß, was man da gelernt hat, wenn man sich mit der eigenen Vergangenheit beschäftigt hat. Fest steht nur, dass Athen für mich heute Altes und Neues vereint, was ich sehr aufregend finde.

Stellst du bei den anstehenden Konzerten, auch bei dem im Stadtpark, vor allem Neues aus „Athen“ vor, oder sind die Shows auch etwas für Max-Herre-Nostalgiker?

Beides. Wir spielen ja Songs aus einer Platte, die zum Zeitpunkt des Konzerts noch nicht draußen ist. Ich habe Lust, den Leuten diese neuen Songs vorzuspielen, aber ich liebe es auch, mit ihnen zusammen Songs zu performen, die wir alle kennen und mit denen wir alle etwas verbinden.

 

„Alles kann passieren“

 

Das Schöne an Live-Konzerten ist ja, dass alles passieren kann, zu jeder Zeit. Ich gehe zwar immer mit dem Anspruch auf die Bühne, ein perfektes Konzert zu spielen. Aber wenn ich ehrlich bin, liegt die Chance im Scheitern.

Würdest du Open-Air-Shows eigentlich immer Konzerten in Hallen oder Clubs vorziehen?

Es kommt auf den Ort und die Leute an. Im Club habe ich schon sehr viel Intimität erlebt, die ich nicht missen möchte. Aber wenn ich an Open-Air-Bühnen wie die Freilichtbühne denke, habe ich auch viele schöne Erinnerungen.

Die Hamburger sind Freundeskreis und meiner jetzigen Band immer sehr verbunden gewesen, wir haben tolle Konzerte zusammen erlebt, vor allem auf der Freilichtbühne, die etwas sehr Arenenhaftes hat. Dort macht eigentlich jedes Konzert Spaß, sogar im Hamburger Regen.

Max Herre:  1.8., Stadtpark Freilichtbühne, 19 Uhr


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im
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Millerntor Gallery #9: Wenn aus Kunst Trink-Wasser wird

Zum neunten Mal verbinden Viva con Agua und der FC St. Pauli Kunst und Musik für einen guten Zweck bei der Millerntor Gallery. Warum sich jede Mühe dafür lohnt, erzählt der Geschäftsführer von Viva con Agua Arts, Arne Vogler

Text und Interview: Hedda Bültmann
Foto (o.): Jerome Gerull

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Viva con Agua Arts Chef Arne Vogler (Foto: Andirn Fretz)

SZENE HAMBURG: Arne, von der Schnapsidee zum festen Bestandteil der Hamburger Kulturszene. Wie geht das?

Es kamen mehrere Fakto­ren zusammen. Zum einen der nicht zu bremsende Akti­vismus der Gründer von Viva con Agua, die alles dranset­zen, eine Idee zu verwirkli­chen. Gemeinsam mit dem freudvollen Engagement un­serer Ehrenamtlichen. Zum anderen die Unterstützung unseres Partners FC St. Pauli, der von der ersten Stunde an dabei war. Die Offenheit und die Bereitschaft sich als Fußballverein und als Unter­nehmen auf das Projekt ein­ zulassen, ist einmalig und hat uns vieles ermöglicht.

Dieses Jahr lautet das Motto „Water is a Human Right“. Wie spiegelt sich das in der Ausstellung wider?

Die gezeigten Werke wer­den von den Künstlern aus aller Welt exklusiv für die Gal­lery entworfen. In der Ver­gangenheit hatten wir eher komplex formulierte Themen wie „Identikey“, was dazu führte, dass nicht alle Künstler themenbezogen gearbeitet ha­ben. Das wollten wir ändern.

Menschenrecht ist ein kon­kretes Thema und bietet nicht nur den Künstlern viele Anknüpfungspunkte, auch unser Kurations-­Team kann noch mehr einem roten Faden fol­gen, um über die Ausstellung eine Geschichte zu erzählen. Einige Künstler werden zum Beispiel Wasser als Thema wählen oder eine politische Herangehensweise, sodass ein schöner Mix unterschied­licher Umsetzungen und Genres zu sehen sein wird.

Ihr habt zum ersten Mal nicht nur das Thema konkreter formuliert, sondern auch wohin die Erlöse fließen …

Ja, genau. In der Vergan­genheit gingen die Spenden allgemein an den Verein. Diesmal haben wir im Vor­feld festgelegt, dass die Erlöse in das Oratta­-Projekt in den Provinzen Cabo Delgado und Nampula fließen. Dort, im Norden vom Mosambik, set­zen wir uns bereits seit 2015 für sauberes Trinkwasser und bessere Hygienebedin­gungen ein. Wir glauben, dass die Motivation der Künstler, Supporter und Besucher noch größer ist, wenn sie nicht nur für einen allgemein guten Zweck arbeiten oder spenden, sondern genau wissen für wen. Wir hoffen, so un­ser Spendenergebnis aus dem letzten Jahr von etwa 90.000 Euro zu übertreffen.

 

Millerntor Gallery #9: So bunt wird’s im Millerntor-Stadion

 

 

Innerhalb weniger Monate stelltet ihr eine Ausstellung mit mehr als 90 Künstlern auf die Beine. Klingt nach einem chronisch hohen Stresspegel?

Die acht bis zehn Wochen der Produktionsphase im Sta­dion sind schon eine enorme Belastung für die Familie und Freunde. Währenddessen bleibt kein Raum für anderes. Es ist, als würde man sich mit einem schweren Rucksack auf den Weg machen und es ist klar, für eine gewisse Zeit sieht man weder seine Fami­lie noch Freunde, es sei denn, man bindet sie als Helfer mit ein.

Doch das Ziel ist es auf je­den Fall wert. Die Gallery ver­braucht viele Ressourcen, aber sie ist auch wie ein Akku, ein Ort, der ganz viel Kraft gibt.

Was ist es, das sie so besonders macht?

Sie ist eine ganz besondere Veranstaltung, weil die soziale Grundhaltung aller Beteiligten besonders ist. Eine Galerie, die Kunst mit Musik verbindet, in einem Fußball­stadion mitten in der Stadt. Und das in einem Viertel, dessen Bewohner grundsätzlich eher gesellschaftskritisch und sozial engagiert sind.

Die Millerntor Gallery ist die Möglichkeit, die Grund­sätze von Viva con Agua zu erleben, das Freudvolle und Aktivistische. Wir kümmern uns um eine positive Verän­derung der Welt, aber auf eine spielerische Weise, indem wir die universelle Sprache von Kunst, Musik und Sport nut­zen, um die Menschen für unsere Themen zu erreichen und zum Mitmachen zu bewegen. Die Gallery ist sozusagen der Schmelztiegel von allem, was den Verein ausmacht.

 

„Unser Traum: den heiligen Rasen nutzen“

 

Der enorme Zulauf aus der Stadt mit 17.000 Besuchern im letzten Jahr, gibt euch Recht. Ruht ihr euch darauf aus, oder ist es eher ein Ansporn neu zu denken?

Natürlich sprechen wir je­des Jahr mit dem FC St. Pauli, ob und wie wir weitere Teile des Stadions in die Millern­tor Gallery einbinden können. Unser Traum wäre natürlich, irgendwann mal den heiligen Rasen nutzen zu können. Auch möchten wir zukünftig vermehrt ein Gleichgewicht zwischen den Genres schaffen, auf der einen Seite Street­ Art und HipHop, gleichzeitig im Kunstbereich die Grenzen erweitern. Noch liegt der Aus­stellungsfokus auf Street Art, aber in diesem Jahr haben wir darüber hinaus einige Hoch­karäter aus der bildenden Kunst dabei.

Was löst Kunst bei dir aus?

Emotionen. Die ganze Palette: von Erstaunen und Begeisterung über Glück bis hin zur Ruhe. Aber auch Trauer. Gerade bei dem dies­jährigen Kurationsprozess habe ich wieder gemerkt, dass Kunst für mich ein Vehikel für einen Perspektivenwech­sel sein kann, so als würde ich mir eine Brille aufsetzen und ein Thema nochmal ganz an­ders entdecken.

Millerntor Gallery #9: 4.-7.7.2019, Millerntor-Stadion (St. Pauli)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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Fettes Brot über „Viva La Bernie“ und Protestkultur

Fettes Brot: Die Hamburger HipHopper haben kürzlich gemeinsam mit weiteren Künstlern ihr Arbeitszuhause in der Bernstorffstraße 117 gerettet. Die Bewegung „Viva La Bernie“ wurde zum Symbol gegen Gentrifizierung nicht nur in Hamburg, sondern in allen deutschen Großstädten.

Wir haben Dokter Renz, König Boris und Björn Beton besucht und über Band- und Stadtpolitik gesprochen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Jens Herrndorff

SZENE HAMBURG: Fettes Brot, im Rahmen eurer Radioshow „Was Wollen Wissen“, zu der es nun auch ein Buch gibt, habt ihr erklärt: „Wir wissen zwar nicht alles, haben aber auf alles eine Antwort.“ Beschreibt das auch den Drang, zu allem etwas zu sagen?

Björn: Null! Ich finde, es ist eine bescheuerte Entwicklung unserer Zeit – vermutlich durch das Internet befeuert – zu allem seinen Senf abzugeben.

Bei anderen vielleicht auch eine Folge des ständigen In-der-Öffentlichkeit-Stehens? Viele prominente Künstler entwickeln mit der Zeit geradezu einen Äußerungszwang.

Björn: Ja, wobei wir Musiker mittlerweile ja auch zu den absurdesten Themen der Welt befragt werden – als ob wir dazu wirklich etwas sagen könnten.

Nie in Versuchung gekommen?

Boris: Ist ’ne Trainingssache. Ich spreche jetzt mal nur für mich: Als wir mit Fettes Brot anfingen, war ich deutlich ängstlicher, was das Dasein in der Öffentlichkeit angeht.

Inwiefern?

Boris: Ich war unsicher, wie ich reagieren sollte, wenn mich Leute ansprechen und mir sagen, dass sie mich entweder toll oder doof finden. Das musste ich erst mal lernen.

 

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Fettes Brot wollen Hamburg nicht als „Hort der Glückseligkeit“ erhöhen.

 

Wie hast du das geschafft?

Boris: Indem ich mir eine Distanz zu mir selbst bewahrt habe, also mich nicht all zu ernst genommen habe. Ich habe nie geglaubt, besonders wichtig zu sein, nur weil wir zum Beispiel gerade einen Chart-Hit hatten. Ich wusste immer: Es ist nur Musik – wir retten nicht die Welt.

Nicht die ganze, aber kleine Teile – etwa einen Hamburger Hinterhof, in dem ihr seit Jahren ein Arbeitszuhause habt – wie Dutzende andere Künstler. Um diesen Ort in der Bernstorffstraße zu erhalten, habt ihr euch klar positioniert …

Björn: … allerdings nicht, ohne vorher ausreichend darüber nachzudenken und zu reden. Wir sind da sehr besonnen.

 

„Es war eine sehr emotionale Geschichte für uns“

 

Was war das Contra-Argument bei „Viva La Bernie“?

Boris: Das generelle Problem, wenn wir uns äußern, ist dass es dann schnell heißt: „Fettes Brot sind gegen …“ Da geht es dann plötzlich nicht mehr um einzelne Berufe und Schicksale, sondern nur noch um unsere Fressen in der Presse. Aber damit muss man letztlich leben können.

War das Verantwortungsbewusstsein für euch und andere am Ende so groß, dass ihr euch entschieden habt, das Gesicht von der Bewegung zu werden?

Boris: Es war vor allem eine sehr emotionale Geschichte für uns. Hier auf dem Hof sind nur nette Leute, die sich kennen und ein solidarisches Miteinander pflegen. Wenn man so was hat und es bedroht wird, kann man sich aus der Sache eigentlich gar nicht raushalten.

Renz: Es war ein gemischtes Gefühl aus persönlicher Betroffenheit und eben diesem Verantwortungsbewusstsein einer Stadtentwicklung gegenüber, die letztlich nicht nur Hamburg, sondern ganz Deutschland betrifft.

 

„Geld regiert die Welt! Und das Kapital walzt die Freiräume nieder“

 

Viele fühlen sich dieser Entwicklung gegenüber nahezu ohnmächtig. Ihr euch auch manchmal?

Björn: Ja und nein. Einerseits denke ich: Verdammt, Geld regiert wirklich die Welt! Und das Kapital walzt die Freiräume nieder. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder kleine Siege, die mich optimistisch stimmen. Ein weiterer Grund zur Hoffnung ist, dass es ein Umdenken in der Politik gibt, zumindest kommt es mir so vor. Ich will da gar nicht von bestimmten Parteien sprechen, aber es scheint doch, als würden gewisse Werte von denen, die in den wichtigen Ämtern sind, mehr und mehr verstanden werden.

Den Immobilieninvestoren kann man mit Pop-Kultur, Coolness, Kreativität und Diversität nicht kommen. Den Politikern schon. Und wenn die Stadt daraufhin die ein oder andere Immobilie zurückkauft, finden wir das toll.

Apropos Politik: Auf eurem neuen Album „Lovestory“ gibt es den Song „Du driftest nach rechts“. Es geht um die persönliche Enttäuschung des lyrischen Ichs, als es merkt, dass sein Freund sich zum Negativen verändert. Der Song erscheint durch seine Ohrwurm-Melodie am massentauglichsten auf dem Album. Habt ihr das ganz bewusst so gestaltet, damit die Message auch ins Radio kommt?

Renz: Mir war erst mal wichtig, dass wir das Thema Rechtsruck in einem Liebeslied abhandeln. Es wird also ganz anders erzählt, als in den meisten Songs, die es darüber gibt. Weder geht es um Parteien, noch gibt es einen erhobenen Zeigefinger. Nur die persönliche Ebene.

Boris: Wenn der Song ins Radio kommt, freuen wir uns natürlich, aber es gibt keinen Trojanisches-Pferd-Gedanken dahinter. Das Stück ist eher einfach so passiert.

 

„Du driftest nach rechts“ von Fettes Brot könnt ihr hier hören

 

Passiert euch Politik in Songtexten immer einfach so?

Boris: Ja, Politik ist fest in unsere Band-DNA. Sie kommt immer vor, aber wir müssen sie uns nie vornehmen.

Was den Rechtsruck in Hamburg angeht, ist Kollege Jan Delay sehr entspannt und meint: „Wenn Deutschland ein bisschen mehr wie Hamburg wäre, gäbe es zum Beispiel viel weniger Angst vor dem Fremden …“

Boris: … und das sagt man über eine Stadt, in der mal 20 Prozent Schill gewählt haben.

Jan meinte, durch den Hafen hätten Hamburger gelernt, dass ein Zusammenkommen der Kulturen eine Bereicherung wäre.

Björn: Klingt für mich nach Seefahrerromantik.

Renz: Aber ich mag dieses romantische Bild.

Björn: Ja, wohl fühle ich mich auch damit, dass man in Hamburg theoretisch Heimund Fernweh haben kann.

Boris: Fakt ist: Es gibt eine starke linke Protestkultur in Hamburg, die über Jahrzehnte gewachsen ist und feste Strukturen geschaffen hat. Das kann man richtig gut finden – aber ein Rückkehrschluss, dass es hier deshalb nur noch Friede, Freude, Eierkuchen und keine Idioten mit falschen Gedanken mehr gibt, ist nicht zulässig. Das Erhöhen von Hamburg als Hort der Glückseligkeit stößt bei uns auf Ablehnung.

Fettes Brot: 25.3., Knust, 20 Uhr (Die Lesung ist bereits ausverkauft).


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Auf einen Song mit … Sepalot

Der einstige Blumentopf-DJ Sepalot führt mit dem Sepalot Quartet Beats und Jazz zusammen und gibt Empfehlungen aus beiden musikalischen Lagern.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Nico Reger

SZENE HAMBURG: Sepalot, wir brauchen Beats und Bässe! Welche drei Tracks hauen uns von jetzt auf gleich vom Hocker?

Son Lux: „Easy“. Ich liebe den arty und verspulten Ansatz von Son Lux. Ist einfach eine super interessante Band. Von „Easy“ gibt es auch eine gute Orchesterversion, zusammen mit Woodkid.

Uffe: „My Love Was Real“. Das ganze Album „Radio Days“ ist sehr fein. Ich mag die Mischung aus BoomBap-Sample-Ästhetik und UK Dance Music.

World’s Fair: „Elvis’ Flowers (On My Grave)“. Das ist der Rap-Song, der mich 2018 am meisten umgehauen hat. So schön durchgeknallt. Wie ein Update von „ The Pharcyde“.

 

„HipHop hat sich schon immer viel beim Jazz ausgeborgt.“

 

Okay, und jetzt wieder runterkommen – am liebsten mit Jazz! Hast du hierfür auch drei Stücke parat?

Web Web: „Land Of Arum Flower“. Web Web ist das Jazz-Projekt meines geschätzten Kollegen Roberto Di Gioia aus München. Roberto ist ein begnadeter Pianist. Diese Platte im Stil des Spiritual Jazz der 70er Jahre ist einfach fantastisch.

Fazer: „White Sedan“. Das Münchner Quintett um Martin Brugger (a. k. a. Occupanther) ist New Generation Jazz. Die Jungs sind sowohl mit Clubmusik als auch mit dem Jazz bestens vertraut.

Matthias Lindermayr: „Massave“. Schon wieder ein Münchner! Ja, es tut sich gerade was in der Stadt. Matthias hat nicht nur den schönsten Trompetensound, er ist auch ein Teil des Sepalot Quartets und hat 2018 sein zweites Soloalbum „New Born“ über Enja Records veröffentlicht.

Du mixt nun auf der Bühne die Vom-Hocker-Hauer-Beats mit Jazz. Warum gehören diese musikalischen Puzzleteile zusammen?

Ich war viele Jahre im HipHop zu Hause. Ein Genre, dass sich schon immer viel beim Jazz ausgeborgt hat. Und jetzt, da ich nach meiner Zeit bei Blumentopf ohne Rapper auf der Bühne stehe, ist wieder Platz in meiner Musik. Der Jazz schließt die Lücke, und es fühlt sich ganz natürlich an.

Sepalot: 15.2.19, Birdland, 20 Uhr

 

Hört hier „Rainbows“ von Sepalot


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Hamburger des Monats – Jennifer Schulze a. k. a. Maku Gold

Die Tänzerin Jennifer Schulze a. k. a. Maku Gold war Deutsche Meisterin sowie Europameisterin im Breakdance, ist Theater-Choreografin und bringt seit Jahren Kindern und Jugendlichen das Tanzen bei. Ein Gespräch mit der 24-Jährigen über HipHop als Möglichkeit zur Selbstverwirklichung.

SZENE HAMBURG: Jenny, kann Breakdance die Welt bewegen?

Jenny Schulze: Definitiv!

Inwiefern?

Breakdance ist ein Element der HipHop-Kultur, und im HipHop geht es darum, aus dem, was man macht und ist, etwas Neues zu schaffen. Das ist bewegend, und wenn man es größer fast: weltbewegend.

Du hast als 13-Jährige mit dem Tanzen angefangen. Hattest du damals schon große Ambitionen?

Ja. Ein Jahr später war ich bereits deutschlandweit auf Bühnen unterwegs, drei Jahre später habe ich erste Tanzkurse gegeben, und mit 19 habe ich mich selbstständig gemacht.

Klingt extrem ehrgeizig. Woher kommt das?

Ich habe Sport schon mit vier Jahren leistungsbezogen betrieben, damals war es Rhythmische Sportgymnastik. Mit neun habe ich angefangen, Fußball zu spielen, auch als Leistungssport, weil ich mal etwas nicht so klischeehaft Mädchenmäßiges machen wollte. Mein Zimmer war zwar rosarot, doch beim Sport wollte ich kein typisches Mädchen sein, sondern mit den Jungen auf einer Stufe stehen.

Harte Schale, weicher Kern?

So war es früher, in der Pubertät gab es damit aber einen Bruch. Seitdem kam ich auch nach außen meiner Identität als Mädchen näher.

War das in der Zeit, in der du HipHop für dich entdeckt hast?

Genau. Bei einer Workshop-Woche, wo ich außer dem DJing alle HipHop-Sparten ausprobieren konnte, also Rap, Graffiti und Breakdance. Nach drei Tagen habe ich meinem Trainer gesagt: Ich will für immer Breakdance machen! Fußball lief allerdings noch parallel, und so hatte ich achtmal Training pro Woche.

Wann und warum hast du mit dem Fußball aufgehört?

Ich wurde gerade zu den Damen hochgeholt, als mein Fußball-Trainer starb. Kurz vor seinem Tod hat er zu mir gesagt: „Mache eine Sache zu hundert Prozent, also entscheide dich: Fußball oder Breakdance?“ Er hat mir ein Jahr Zeit gegeben, und nach nicht ganz einem Jahr entschied ich mich für Breakdance …

… bei dem du bis heute geblieben bist. Wie sieht dein Alltag als Tänzerin und Tanzlehrerin heute aus?

Neben Training, Auftritten und Battles gebe ich montags bis freitags zehn Nachwuchskurse an Schulen, Tanzschulen und Häusern der Jugend. Weil ich weiß, dass man viel vom Tanzen hat, wenn man früh anfängt. Ich setze also auf Nachhaltigkeit.

Und auf soziale Aspekte. U. a. unterrichtest du Tanzen an einer Blindenschule.

Das wollte ich unbedingt machen. Ich ging deshalb zum Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte. Dort ist es eine ganz andere Arbeit, als ich sie sonst mache. Ich muss viel sprechen, viel anleiten, auch in Berührung mit den Schülern gehen. Einmal hatte ich einen Schüler, der mich nach einem halben Jahr Unterricht fragte: „Hey, Jenny, kannst du eigentlich sehen?“

Wie sah der Unterricht mit ihm konkret aus?

Er war lange Zeit klein und verhalten, ist wie eine Maus über den Schulhof getapst. Dann habe ich ihm einen Raum zum Tanzen abgesteckt – und er ist voll aus sich herausgekommen. Weil er wusste: Dort passiert ihm nichts, dort kann er er selbst sein, und er wollte bald am liebsten nichts anderes mehr machen.

Den Gewinn von Selbstsicherheit durch Tanzen kennst du bestimmt auch.

Sport an sich gibt einem ja viel Halt, aber das Tanzen, bei dem man nicht immer eine Mannschaft im Rücken hat, ist schon eine große Herausforderung. Ich war lange Zeit schüchtern, musste beim Tanzen aber immer wieder in Kreisen und auf Bühnen performen, also vor anderen zeigen, was ich gelernt hatte. Das hat mich selbstsicher gemacht.

Was hast du vom Tanzen noch gelernt, das du jetzt anderen lehrst?

Wie man auf Augenhöhe mit Menschen umgehen und sie abholen kann. Dafür bin ich sehr dankbar.

Interview: Erik Brandt-Höge
Foto: Michael Kohls


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


 

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