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Beatrixe: „Bis sie mich mit den Füßen voran aus dem Bus tragen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Beatrixe begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Ich bin seit 26 Jahren eine Stewardess am Boden. Ich arbeite als Reisebegleiterin in sogenannten Bistrobussen. Auf unseren Reisen quer durch Europa sitzen die Gäste oben und werden unten im Bistro verwöhnt. An den Zielen betreue ich die Gruppe dann bei den geplanten Programmpunkten. Lange Zeit habe ich das gemeinsam mit meinem zweiten Ehemann hauptberuflich gemacht. 

Einen Spitzenjob aufgeben, um Würstchen zu verkaufen?

Ich war damals Anfang 40 als er auf mich zukam und sagte: ‚Ich will einen Busschein machen.‘ Er fing an als Fahrer für Reiseunternehmen zu arbeiten und ich hatte damals noch eine gut bezahlte Stelle als Filialleiterin in einem Modegeschäft. Als er mir dann vorschlug, ich solle doch als Servicekraft mitkommen, war ich mir eigentlich sicher, dass ich meinen Spitzenjob nicht aufgeben will, um Würstchen zu verkaufen! Doch er überredete mich, es mal auszuprobieren: vier Tage Paris. Da war es um mich geschehen: die Leute, die Stadt, die Seine und anstatt Geld dafür zu bezahlen, verdiente ich welches. Meine Kinder waren zu dem Zeitpunkt bereits erwachsen und am Ausziehen. Ich habe also meinen Job gekündigt und meinen Mann begleitet. Er war zehn Jahre jünger als ich. Irgendwann hatte er das Gefühl, dass noch etwas Anderes kommen müsste. Er hatte sich neu verliebt und mir alles erklärt. Ich wusste, dass ich niemanden halten kann, der gehen möchte.

,Arbeiten hat nichts mit dem Alter zu tun‘

Zwei Jahre arbeitete ich noch weiter als Reisebegleiterin in dem Betrieb, aber es tat mir zu sehr weh. Dann ging ich zurück in meine Heimat und fand erneut eine Stelle als Filialleitung in einem kleinen Modegeschäft, in dem ich bis zur Rente gearbeitet habe. Über die ganze Zeit ist der Kontakt zu meinen alten Kollegen im Reiseunternehmen aber nie abgerissen. 2017 bin ich dann in Rente gegangen und sie haben gefragt, ob ich noch mal Lust hätte, als Stewardess zu arbeiten. Tja, und jetzt bin ich 68 Jahre alt und arbeite in meinem Traumberuf einfach so lange weiter, bis sie mich mit den Füßen voran aus dem Bus tragen. Arbeiten hat für mich nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Einstellung und Reisen hält jung! Man hat mit gut gelaunten Urlaubern zu tun und sieht viel von der Welt. Ich fühle mich überall zu Hause. Mein Mann und ich sind getrennte Wege gegangen, aber das Reisen lässt mich nicht mehr los. Heute bin ich alleinstehend, geheiratet habe ich nicht noch mal – reiselustige Männer können sich also gerne melden! (lacht)“ 


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Generation prägen und Land genießen

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Lehrerinnen und Lehrer finden in Mecklenburg-Vorpommern beste Bedingungen fürs Leben und Arbeiten.

Sichere Zukunft

Lehrkräfte erhalten in Mecklenburg-Vorpommern sehr gutes Gehalt, unbefristete Verträge und Verbeamtung. Grundschullehrer/innen bekommen hier A13/E13. Und auch für die Kleinsten wird besser gesorgt als in anderen Bundesländern. Das gut ausgebaute Netz gebührenfreier KiTas macht es leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Günstige Grundstücke

Nah an der Stadt oder idyllisch auf dem Lande – in MV kann der Traum vom Eigenheim wahr werden. Überall wurde in den letzten Jahren bezahlbares Bauland erschlossen. Und so manches alte Bauernhaus wartet darauf, wieder zum Leben erweckt zu werden.

Viel Natur

Bei 1.900 Kilometern Küste, 2.000 Seen und ausufernd viel Platz finden Lehrinnen und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern den perfekten Ausgleich zum stressigen Schulalltag – ob zum Beispiel beim Strandspaziergang, dem Kanu-Ausflug, der Radtour oder beim Angeln.

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Beke: „Ich brauche den Perspektivwechsel“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Begleitet von hvv switch fischen wir sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Beke begegnet.

Protokoll: Rosa Krohn

 

„Ich arbeite als Filialleitung in der Gastronomie in St. Georg. Ich liebe diesen Stadtteil mit seiner Mischung aus Toleranz und Vielfalt, in der sich die verschiedensten Menschen und Geschäfte zu etwas Tollem verbinden – ein Ort, an dem nicht nur entweder das eine oder das andere geht. Das passt zu mir, denn wenn ich mich Leuten vorstelle, kann ich eigentlich nie sagen: ‚Ich bin Beke und mache diese eine Sache.‘ Ich bin Künstlerin und Musikerin, male Ölgemälde und spiele Synthesizer in einer Band. Außerdem bastle ich an Fahrrädern und mache viel Sport. Mein Vollzeitjob finanziert mir das Ganze.

 

Kreativer Scheiß und Struktur

 

Manchmal denke ich: ‚Kann ich überhaupt diese eine Sache so richtig gut?‘ Vielleicht nicht, aber ich bin mittlerweile von dem Gedanken weg, dass ich das müsste. Ich glaube, viele Menschen arbeiten auf diesen einen Job, dieses eine Haus, diese eine Familie und dieses eine Auto hin. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich mag es, an dem einen Abend mit verrückten Künstler*innen Bier zu trinken, kreativen Scheiß zu bereden und ein ungesundes Leben zu führen. Aber ich mag es auch, einen strukturierten Job zu haben, regelmäßig ins Gym zu gehen und nicht jede Nacht bis drei Uhr zu malen und mich der Ekstase hinzugeben. Ich brauche den Perspektivwechsel.

 

„Es kann fluent sein“

 

Früher habe ich sehr darunter gelitten, dass sich nicht dieser eine Weg für mich abzeichnete. Ich fand das furchtbar. Alle hatten irgendwann mit 15 ihre ersten Boyfriends, während ich merkte: ‚Ich mag Jungs richtig gerne, aber ich steh vielleicht auf Frauen.‘ Ich dachte immer, ich müsse mich für den einen Studiengang, den einen Beruf entscheiden. Auch wenn ich heute selbstsicher wirke, fällt es mir schwer, mich davon zu lösen. Ich habe gelernt, zu akzeptieren, dass dieses Sich-Festlegen nicht sein muss. Es kann fluent sein. Jeden Tag zu nehmen, wie er kommt und all seinen Interessen nachzugehen ist zwar komplizierter, aber auf lange Sicht hat man so zumindest das Gefühl, sich nie eingeschränkt zu haben.“


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Hafenschifferin: Das beste Gefühl auf der Welt

Helena Jumira Rodriguez Buhr macht bei der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG eine Ausbildung zur Hafenschifferin. Im Gespräch erzählt sie, wie es dazu kam, was es braucht, um Hafenschifferin zu werden und wie es sich anfühlt, so ein Schiff zu steuern

Interview: Felix Willeke

 

Elf Mal um die Welt – diese Strecke legen die Fähren der HADAG jedes Jahr zurück. Seit dem 8. August 1888 gibt es die regelmäßigen Fährverbindungen entlang und über die Elbe und seit 1921 gehört die HADAG zur Stadt Hamburg. In Kooperation mit dem HVV befördern die 130 Mitarbeiter aktuell rund zehn Millionen Fahrgäste im Jahr. Dafür braucht das Unternehmen Nachwuchs. Pro Jahr fangen fünf neue Auszubildende an, mit dem Ziel, das Hafenpatent zu erlangen. Wir sprechen mit Helena Jumira Rodriguez Buhr über einen Traumberuf, die Besonderheiten der Ausbildung und die Sachen, die nicht so viel Spaß machen.

 

Fokus auf die Work-Life-Balance

 

SZENE HAMBURG: Moin Helena, wie kommst du aufs Wasser?

Helena Jumira Rodriguez Buhr: Ich komme aus Finkenwerder und da machst du entweder irgendwas bei Airbus, in der Landwirtschaft oder was mit Schiffen (lacht). Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Hebamme werden. Aber die Bedingungen sind nicht so, dass ich damit später eine Familie ernähren könnte. Entscheidend für den Job als Hafenschifferin und die Ausbildung bei der HADAG war der Fokus auf meine Work-Life-Balance. Möchte ich einen Job mit viel Geld und Prestige? Oder lege ich mehr Wert auf meine Freizeit? Da habe ich mich für den zweiten Weg entschieden.

Hast du von Haus aus einen Seefahrerhintergrund?

Ja, entfernt schon, aber das hat mich in meiner Entscheidung nicht beeinflusst. Als ich hier angefangen habe, haben mir viele nicht geglaubt. Viele haben auch erst geschmunzelt, weil sie einfach nicht wissen wie viel dazu gehört.

Der Hafen gilt als Männerdomäne …

Das stimmt. Hier ist noch vieles traditionell geprägt. Aber man merkt, dass mit uns jungen Leuten auch ein frischer Wind reinkommt. Es verändert sich gerade viel, auch in den Köpfen, es wird moderner. Das ist ein Prozess, bei dem wir viel von den Alteingesessenen lernen können und umgekehrt. Bei der HADAG sind wir aktuell 15 Auszubildende und drei davon sind Frauen. Als Frau wünsche ich mir, dass es nichts Besonderes mehr ist, dass Frauen als Hafenschifferin arbeiten. Für mich persönlich ist es ganz normal, es gibt keinen Grund, warum nicht auch Frauen eine Ausbildung bei der HADAG beginnen sollten.

 

Kraft, Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit und ein dickes Fell

 

Warum hast du dich bei der Ausbildung für die HADAG entschieden und mit deinem Abitur nicht Nautik studiert, um auf große Fahrt zu gehen?

Ich bin ein Heimscheißer. Ich liebe Hamburg. Ich liebe meine Familie. Ich liebe Finkenwerder. Zwei oder drei Monate nicht zu Hause zu sein und die ganze Zeit auf einem Schiff zu leben – ich glaube, da würde ich verrückt werden. Für die HADAG habe ich mich in erster Linie entschieden, weil die Ausbildung mich überzeugt hat und weil es ein öffentliches Unternehmen ist. So kann ich sicher sein, immer pünktlich meinen Lohn zu bekommen und geregelte Arbeitszeiten zu haben.

Was braucht es, um Hafenschifferin zu werden?

Du brauchst Kraft, Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit und ein dickes Fell. Dabei muss man kein Bodybuilder sein, es reicht, wenn man keine allzu zierliche Person ist. Konzentration brauchst du, weil sich die Gegebenheiten auf dem Wasser ständig verändern und du dabei immer am Fahrplan bleiben musst. Und ein dickes Fell für den Umgangston im Hafen. Hier wird eine eigene Sprache gesprochen, es herrscht eine eigene Kultur. Da gehört es dazu, dass man sich untereinander ein bisschen piesackt und auf spielerische Art beleidigt. Aber auch das ist eine Sache der Gewöhnung.

Mit diesen Fähren fährt die HADAG seine Passagiere durch den Hamburger Hafen (Foto: Erik Brandt-Höge)

Mit diesen Fähren fährt die HADAG seine Passagiere durch den Hamburger Hafen (Foto: Erik Brandt-Höge)

 

Dienstbeginn um 5 Uhr morgens

 

Ihr seid ein Fährbetrieb im HVV, die ersten Fähren fahren morgens um 4.50 Uhr los und die letzten legen nach Mitternacht an. Heißt das auch für auch Auszubildende Schichtarbeit?

Ja, wir haben Schichtpläne. In einem Fährbetrieb kann man schließlich nicht den ganzen Tag durcharbeiten. Die Schichtleitung kommt aber den Wünschen der Einzelnen entgegen: Die einen fühlen sich in der Nachtschicht wohler, die anderen, wie ich, in der Frühschicht und einige arbeiten in einer gesunden Wechselschicht. Als Auszubildende bekommen wir einen leichteren Schichtplan, sodass wir zum Beispiel im ersten Jahr auch nicht am Wochenende arbeiten müssen.

Wann hast du dann heute Morgen angefangen?

Ich hatte um 5 Uhr Dienstbeginn.

Und das ist für dich eine gute Work-Life-Balance?

Doch, eigentlich schon. Wenn ich um 5 Uhr anfange, habe ich um 12 oder 13 Uhr Feierabend. Dann fahre ich nach Hause, lege mich für eine Stunde hin und ab 15 Uhr habe ich den Rest des Tages Freizeit.

Hast du als Auszubildende bestimmte Aufgaben?

Primär sollen wir Azubis lernen, die Schiffe zu fahren. In der Ausbildung sind wir dabei aber nie allein und haben immer einen erfahrenen Kollegen an unserer Seite. Zudem gibt es eine Station im technischen Betrieb und wir helfen auch immer mal wieder den Schiffsführern beim Säubern der Schiffe oder bei anderen Arbeiten, die anfallen. Als Azubi bin ich eine Kollegin wie jede andere auch.

 

Theorie und Praxis

 

Wie ist eure Ausbildung aufgebaut?

Am Anfang lernen die Auszubildenden immer den Betrieb kennen, dann folgt eine Woche Kennenlernen mit deinem Ausbilder. Im Anschluss geht es aufs Schiff und du machst schon deine ersten Anlege- und Fahrversuche. Ab dann fährst du im Regelbetrieb mit. Wir lernen dabei immer das, was auch im Alltag gerade passiert. Heute haben wir aber zum Beispiel einen Azubi-Tag, an dem wir uns zusätzlich zur Schule mit der Theorie beschäftigen dürfen, ein kleines Geschenk der HADAG an seine Azubis.

Wieso Geschenk?

Wir sind immer für Blöcke von drei bis vier Wochen in der Berufsschule für Gewerbliche Logistik & Sicherheit in der Wendenstraße. Da machen wir dann die theoretische Ausbildung zur Hafenschifferin. Die Theorie hier im Betrieb ist ein Extra, bei der wir während der Arbeitszeit für die Abschlussprüfung lernen können.

Das heißt, nach deiner Ausbildung sieht man dich direkt im Führerhaus?

Mit der Ausbildung habe ich mein Patent, das heißt aber noch nicht, dass ich ein Fahrgastschiff führen darf. Dafür muss ich den P-Schein zur Personenbeförderung im Hamburger Hafen und die Hafenpatent-Prüfung bei der Hamburg Port Authority machen.

 

„Mittlerweile ist das hier mein absoluter Traumjob“

 

Ist es im Führerhaus nicht auch manchmal einsam?

Als Azubi bin ich ja nie allein am Steuer. Aberich glaube, später kann das schon mal passieren, dann drehst du einfach deine Musik auf, hörst dir ’nen Podcast an oder quatscht mit den Kollegen kurz über den Betriebsfunk, solange du konzentriert bleibst. Letztendlich bin ich hier auf der Arbeit und nach der Schicht kann ich mich privat wieder mit vielen Menschen umgeben. Für die Konzentration ist es auch besser, allein zu sein. Ich mag das Gefühl ohnehin nicht, ständig beobachtet zu werden.

Wie weit bist du aktuell in deiner Ausbildung?

Ich bin jetzt gerade mit dem ersten Jahr fertig und die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre. Bei der HADAG haben wir aber auch die Möglichkeit, wenn die Leistungen stimmen, die Ausbildung um ein halbes Jahr zu verkürzen.

Gibt es die Chance, von der HADAG übernommen zu werden?

Ich möchte auf jeden Fall gerne hier bleiben und nach der Ausbildung Schiffsführerin auf den Fähren im Hamburger Hafen sein. Es gibt zwar keine Übernahmegarantie, aber ich denke, die Chancen stehen im Allgemeinen sehr gut.

Und wie ist das Gefühl, so ein Schiff zu steuern?

Das ist das beste Gefühl auf dieser Welt. Du hast irgendwie mit den Fahrgästen zu tun, bist aber gleichzeitig im Ruderhaus in deiner eigenen Welt. Dabei bewegst du mit diesen kleinen Steuerknüppeln das Schiff und das macht das, was du willst (strahlt). Bei der HADAG haben wir die normalen Fähren und die sogenannten Flachschiffe, jedes Schiff fährt sich anders und ich mag die Herausforderung, mich jedes Mal neu darauf einzustellen. Mittlerweile ist das hier mein absoluter Traumjob.

hadag.de


Cover_SH_Ausbildung_2021-02 Die SZENE HAMBURG Ausbildung 2/2021 ist seit dem 11. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Wirtschaftsinformatik: Dual studieren mit der HanseMerkur

Jessica Dittrich ist im zweiten Ausbildungsjahr ihres dualen Studiums der Wirtschaftsinformatik bei der HanseMerkur. Sie gewährt einen Einblick in ein modernes Berufsfeld bei dem erfolgreichen deutschen Versicherungsunternehmen

Interview: Frank Sill

 

Die HanseMerkur ist ein modernes und gleichzeitig eines der traditionsreichsten Unternehmen hier in Hamburg. Das Versicherungsunternehmen wird immer wieder zu einem der besten Arbeitgeber gewählt und legt sehr viel Wert auf eine starke Bindung zu seinen Mitarbeitern. Mit viel Leidenschaft und Einsatz werden dafür schon die Grundsteine in der Ausbildung gelegt und die ist nicht nur vielfältig, man hat bei der HanseMerkur sehr unterschiedliche Möglichkeiten auf einen spannenden und lehrreichen Einstieg ins Berufsleben, zum Beispiel als Wirtschaftsinformatiker.

 

SZENE HAMBURG: Hallo Frau Dittrich, Sie machen bei der Han- seMerkur ein duales Studium zur Wirtschafts- informatikerin. Können Sie zum Anfang einmal erklären, wie so ein Studium abläuft?

Das Studium ist in Phasen aufgebaut und wechselt zwischen praktischen Blöcken im Unternehmen und den theoretischen Einheiten an der Uni. Die einzelnen Blöcke dauern immer rund drei Monate und das Studium teilt sich auf sechs Semester auf, die man in drei Jahren absolviert. Selber bin ich gerade im dritten Semester und bin im Juni 2022 fertig.

Welche Schwerpunktfächer erwarten einen an der Uni?

Neben Wirtschaftsinformatik hat man natürlich auch Mathematik. Im ersten Semester schreibt man zum Beispiel eine umfangreiche Mathematikklausur, in der alles vorkommt, was man in der Oberstufe an der Schule gelernt hat. Quantitative Methodik und Statistik sind ebenfalls wichtig Fächer.

An der Hamburg School of Bussines Administration (HSBA), an der ich studiere, liegt der Fokus allerdings stärker auf dem wirtschaftlichen Aspekt. Dort hat man viele Vorlesungen in Fächern wie Micro Economics oder Marketing Management. An der HSBA haben wir darüber hinaus einen Anteil von circa 25 Prozent der Vorlesungen in Englisch.

Was ist für Sie der Vorteil dieses dualen Studiums?

Für mich stand schon vor meinem Abitur fest, dass ich diesen Ausbildungsweg gehen möchte, weil ich auf jeden Fall direkt studieren wollte. Allerdings war mir auch wichtig, dass theoretisch Erlernte auch in der Praxis direkt anzuwenden. Das finde ich spannend und im letzten Semester hatten wir auch den umgekehrten Fall. Wir sollten an der Uni als Projektarbeit eine Website bauen und dort konnte ich schon einigen Erfahrungen aus dem realen Berufsalltag einbringen.

Ein anderer Punkt, der sicherlich auch nicht ganz unwichtig ist, dass man häufiger hört, dass klassische Studienabgänger es schwerer haben, einen direkten Berufseinstieg zu finden. Das Problem habe ich nicht, ich arbeite schon in einem Unternehmen und habe dadurch natürlich die gute Chance, auch direkt übernommen zu werden. Auf jeden Fall habe ich zumindest in den drei Jahren schon sehr viel Berufserfahrung gesammelt.

Stellen Sie große Unterschiede zwischen dem Berufsalltag und dem, was an der Universität theoretisch gelehrt wird, fest?

Dadurch, dass die HSBA auf duale Studien ausgerichtet ist, ist es hier nicht wirklich der Fall und alles ist schon sehr praxisorientiert. Natürlich gibt es auch hier Fächer, wie erwähnt Mathematik, deren Inhalte man so sicherlich kaum wieder im Berufsalltag anwenden wird. Trotzdem werden hier wichtige Grundlagen, zum Beispiel für komplexes und logisches Denken, gelegt. An der Uni Hamburg wäre vermutlich vieles eher theoretisch und nicht so anwendungsbezogen.

An der HSBA machen Sie also viele Projekte, um Dinge einfach mal auszuprobieren?

Genau. Die Website ist da ein gutes Beispiel, die wir in kleinen Projektgruppen programmiert haben. Dafür hatten wir ein Semester Zeit und wir haben es wirklich geschafft, so eine Site komplett zu konzipieren, programmieren, umzusetzen und an den Start zu bringen.

Im nächsten Semester geht es dann weiter und wir werden ein Modul für eine neue Webanwendung entwickeln und aufsetzen. Wenn Sie mich so fragen, muss ich gerade feststellen, dass das Studium noch besser ist, als ich ursprünglich erwartet habe.

 

„Als Wirtschaftsinformatiker hat man die tolle Möglichkeit, in zwei Berufswelten unterwegs zu sein“

 

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Berufsbild des Wirtschaftsinformatikers? Was sind die generellen Arbeitsfelder?

Meine Planung ist zum Beispiel als IT-Koordinatorin zu arbeiten. In dieser Funktion vermittelt man zwischen einem Fachbereich und der IT. Häufig gibt es ja das Problem, dass ein Fachbereich zwar weiß, was er haben möchte, weiß aber nicht einzuschätzen, was das zum Beispiel für die IT bedeutet, noch was die gegebenenfalls benötigen. Und bei der IT ist häufig eben umgekehrt genauso. Man kann aber IT-Berater werden, der Unternehmen grundsätzlich zu allen möglichen IT-Themen berät. Eine weitere Möglichkeit ist es, ins IT-Management zu gehen und als Projektleiter von IT- Projekten zu arbeiten. Das sind so die primären Arbeitsfelder eines Wirtschaftsinformatikers.

Man arbeitet damit also in einer Art Schanierfunktion?

Als Wirtschaftsinformatiker ist man nicht der klassische Programmierer, der eine Software schreibt oder arbeitet in irgendeinem Fachbereich rein auf das Wirtschaftliche fokussiert. Man hat aber von beiden Welten so viel Wissen, um mit den jeweiligen Ansprechpartnern auf Augenhöhe zu reden und die jeweiligen Anforderungen und Erwartungen genau zu verstehen und dies ohne Reibungsverluste zu synchronisieren und das Projekt sauber zu koordinieren.

Und was macht man mit dieser Ausbildung in einem Versicherungsunternehmen?

Ich bin bei uns im Rechnungswesen, wo unterschiedliche Programme und Anwendungen genutzt werden. Diese Programme werden von einer IT-Gruppe verwaltet und mit dieser Gruppe habe ich mehrmals in der Woche Meetings, in den wir versuchen, unsere Anwendungen immer weiter zu optimieren oder auch auf neue Aufgaben hin weiterzuentwickeln beziehungsweise anzupassen.

Bei uns im Unternehmen arbeiten wir dazu auch mit einem Ticketing-System, in dem aus dem Fachbereich entsprechende Aufgaben oder auch Probleme zur Erledigung eingestellt werden. Dafür bin ich dann zum Beispiel aktuell verantwortlich und stimme dann die Prozesse mit der IT-Gruppe ab. Ähnlich läuft es dann in allen anderen Fachbereichen, ein Mitstudent von mir arbeitet etwa bei uns in der Personalabteilung.

Was hat Sie an diesem Beruf gereizt und was hat gegebenenfalls den Ausschlag gegeben, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Für mich war schon relativ früh klar, dass ich einmal in der IT arbeiten möchte, weil mein Vater dort auch schon arbeitet. In gewisser Weise war er letztlich auch mein Vorbild und war beziehungsweise ist bis heute sehr begeistert von seinem Beruf. Er arbeitet in einem großen Unternehmen, ist allerdings komplett auf den IT-Beruf spezialisiert.

In der Schule habe ich Informatikkurse belegt und das hat mir immer Spaß gemacht. Das Thema Wirtschaft kam aufgrund eines Profils, das ich in der Oberstufe belegt habe, hinzu. Politik, Wirtschaft fand ich damals auch spannend und interessant und so kam es dann zu dieser Kombination, denn der Beruf des Wirtschaftsinformatikers gibt mir die tolle Möglichkeit in beiden Welten gleichzeitig unterwegs zu sein. Meine Hochschule habe ich im Internet entdeckt und darüber dann auch direkt die HanseMerkur, die Kooperationspartner der HSBA ist.

 

Hohes Pensum

 

Welche Fähigkeiten oder Talente sollte man mitbringen, um dieses Studium zu machen?

Generell sollte man schon ehrgeizig und fleißig sein, weil man in relativ kurzer Zeit ein recht hohes Pensum absolvieren muss, gerade auch an der Uni. In diesem Semester schreiben wir in der Klausurenwoche zum Beispiel vier umfangreiche Klausuren. Nebenbei mir müssen wir bis dahin unsere Webprojekte ebenfalls fertigstellen und lernen muss man ja auch noch für das eine oder andere Thema.

Ich denke auch, dass man gut mit anderen Menschen kommunizieren können sollte und sich auch in sie, ihre Sichtweisen und ihre Thematiken hineinversetzen können. Wie gesagt man arbeitet an der Schnittstelle von zwei Welten und diese unterschiedlichen Fachsprachen muss man verstehen und für die jeweilig andere Seite auch verständlich machen können. Ein logisches und lösungsorientiertes Denken ist wichtig und zum Thema Mathematik, vor dem einigen immer mal graut, kann ich zumindest sagen, dass dies an der HSBA wirklich gut vermittelt wird.

Wieso haben Sie sich für die HanseMerkur entschieden?

Abgesehen von dem Fakt, dass das Unternehmen mit Ihrer Uni kooperiert. Natürlich kannte ich die HanseMerkur schon vorher, die Stellenausschreibung hat mich sehr angesprochen. Nachdem ich zum Assessment und Bewerbungsgespräch eingeladen wurde und da war, habe ich mich direkt sehr wohlgefühlt.

Die Mitarbeiter sind sehr nett mit uns umgegangen, eine sehr offene und auch professionelle Atmosphäre, in der man sich willkommen fühlt. Im Unternehmen gibt es mit Herrn Florian Krehl, unserem Ausbildungsleiter, auch einen direkten Ansprechpartner für uns und dadurch fühlt man sich gut aufgehoben und das gilt auch für die Fachabteilung, in der ich tätig bin. Die Kollegen sind einfach nett. Toll ist auch, dass wir schon sehr früh Verantwortung übertragen bekommen und dadurch gut lernen selbstständig zu arbeiten; man langweilt sich in unserer Ausbildung nicht.

Können Sie einmal kurz zusammenfassen, warum man bei der HanseMerkur eine Ausbildung machen sollte.

Es ist ein spannendes Unternehmen, dass einerseits sehr groß ist und auf der anderen Seite, sehr familiär ist. Hier kann man in einem angenehmen Umfeld sehr viel Neues lernen und bekommt eine fundierte und umfassende Ausbildung.

Gibt es besondere, zusätzliche Benefits bei der HanseMerkur?

Wir bekommen selbstverständlich Versicherungsprodukte günstiger, dann bekommen wir Zuschüsse zu den HVV-Karten, die Vergütung ist wirklich gut. Es gibt ein wirklich sehr schönes Mitarbeiterrestaurant, auf die Speisen bekommen wir ebenfalls einen Rabatt. Es gibt viele Vorteile und der beste ist, es ist ein super Unternehmen.

Gab es eigentlich auch andere Berufe, die Sie gerne gemacht hätten? Auch, wenn Sie ja scheinbar sehr zielstrebig diesen Berufsweg eingeschlagen haben.

Ich hatte tatsächlich überlegt, Pilotin zu werden. Das habe ich allerdings wieder verworfen, obwohl ich das eigentlich immer noch spannend finde. Aber auch jetzt wieder im Studium merke ich, wie sehr ich eben auch das Programmieren mag und in Kombination mit dem wirtschaftlichen Teil habe ich da meinen perfekten Beruf gefunden.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer Ausbildung?

Generell ist es so, dass wenn man übernommen wird, man vertraglich auch erst einmal zwei Jahre gebunden ist. Allerdings kann ich mir so wie so sehr gut vorstellen, bei der HanseMerkur längerfristig zu arbeiten. Ansonsten möchte ich gerne nach dem Bachelor direkt den Master in Data Science machen. Datenanalysen liebe ich und beschäftige mich auch jetzt schon viel damit in meiner Freizeit.

hansemerkur.de


SH_Ausbildung_Titel_2021 SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 31. März 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Studierende in Zeiten von Corona: Konkurssemester

Cafés und Geschäfte zu, Veranstaltungen abgesagt, Kultur eingestampft: Die Corona-Krise hat auch Hamburgs Studierende hart getroffen, weil ihnen die Nebenjobs weggebrochen sind. Vielleicht gehen sie trotzdem als Gewinner aus der Krise

Text: Max Nölke

 

Zu viel Monat am Ende des Geldes: Wer studiert, kennt das Dilemma womöglich. Ausgereizter Dispo, von Nudeln mit Ketchup ernähren und durch einen minimalistischen Lebensstil die letzten Münzen wahren – um sich dann irgendwie über den Ersten des nächsten Monats zu robben. In der Rückschau auf die eigene Studienzeit lassen sich diese prekären Verhältnisse wunderbar verklären, gegenwärtig sind sie mitunter vertrackt, in einer Pandemie sogar äußerst brenzlig.

Viele Studierende befinden sich momentan in solch finanziellen Nöten. Und das ist ausnahmsweise mal nicht ihrer oft monierten Lethargie zuzuschreiben, sondern weil jungen Menschen im Lockdown reihenweise die Möglichkeiten weggebrochen sind, neben dem Studium Geld zu verdienen.

 

Von Verlierern und Verlierern

 

Lange schlichen die Studierenden ein wenig unter dem Radar durch die Corona-Krise. Es ist noch immer viel über die Kinder als Verlierer der Pandemie zu lesen. Weil ihnen entscheidende Monate in der Entwicklung genommen würden, weil sie die Bildungslücken mit dem wegfallenden Präsenzunterricht nicht wieder auffüllen könnten. Und weil Kinder in der Politik ja sowieso ständig zu kurz kämen.

Und wenn die Kinder es schon schwer haben, wie ist es dann erst um Erwachsene bestellt, die sich ihrer Existenz bedroht fühlen, die um ihre Jobs bangen müssen. Und die im Zweifelsfall auch noch das Familienleben samt Homeschooling meistern müssen. Und mit all den Unternehmen, die wegsterben, wollen wir erst gar nicht anfangen. Schlimm und Schlimmer. Und die Studierenden? Um die ist es erstaunlich lange still geblieben. Gut, Online-Vorlesungen und ewiger Mailverkehr sind nervig, aber ja wohl nicht existenzbedrohend, so hieß es. Doch der Ton ist mittlerweile ein anderer. Studierende gehören gleichermaßen zu den großen Verlierern der Krise.

 

Vor allem Studierendenjobs und Praktika brachen weg

 

Mal abgesehen vom emotionalen Wert, den ein Studium in seiner Ursprungsform mit sich bringen kann, sind es auf dem Arbeitsmarkt vor allem Studierendenjobs und Praktika, die im Lockdown weggefallen sind. Laut einer Analyse des Indeed Hiring Lab aus dem vergangenen Herbst sank die Anzahl an Stellenausschreibungen für Studierendenjobs auf dem Berufsportal „Indeed“ im September 2020 um 51 Prozent zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Inserate für Praktika brachen zeitweise um 45 Prozent ein. Der Gesamtarbeitsmarkt ist weniger stark betroffen: Hier lag der Rückgang der Stellenausschreibungen im September bei 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei ist Hamburg im Deutschlandvergleich, zusammen mit Frankfurt, am stärksten betroffen. Über das Jobportal gab es in Hamburg im Vorjahresvergleich 56 Prozent weniger Stellenausschreibungen für Studierendenjobs (Frankfurt: 57 Prozent). „Auf Studierende wird in Krisenzeiten als erstes verzichtet, um zunächst die Stammbelegschaft sichern zu können“, sagt Annina Hering, Ökonomin im Indeed Hiring Lab, zu den Ergebnissen der Studie.

„Gerade die klassischen Studierendenjobs in der Gastronomie oder in der Kultur und Hotellerie sind weggefallen“, erklärt Daniela Janßen, Leiterin des Hochschul-Jobportals „stellenwerk“, das 2007 als Gemeinschaftsprojekt der Universität Hamburg, der HAW Hamburg und der Technischen Universität Hamburg gestartet ist.

Vor allem im ersten Lockdown Mitte März sei der Markt stark eingebrochen, mittlerweile habe sich vieles stabilisiert. Auch weil sich neue Jobmöglichkeiten aufgetan hätten. „Im Bereich der IT werden vermehrt studentische Hilfskräfte gesucht, Architekturbüros brauchen Personal, außerdem Einzelhändler, die verstärkt Online-Shops aufgebaut haben.“ Lieferdienste und Logistikunternehmen suchen händeringend Minijobber. Und auch private Nebenjobs, wie Nachhilfe, seien gefragt wie nie.

 

„Ich hatte nur noch sieben Euro auf dem Konto“

 

Mehr als 100.000 Menschen studieren in Hamburg. Einer von ihnen ist Jonas, 27 Jahre alt. Er steckt in den Endzügen seines Masters in Digitaler Kommunikation. Weil auch die Skatehalle I-Punkt Skateland am Berliner Tor im November ein zweites Mal in den Lockdown musste, hat er seinen Nebenjob verloren.

Jonas hat auf 450-Euro-Basis einmal die Woche in der Halle gearbeitet. Mit zusätzlich 400 Euro vom Bafög-Amt kam er damit immer ganz gut über die Runden, erzählt er. 450 Euro haben oder nichthaben: Die Abwägung stellte sich Jonas nie. Er ist auf den Nebenverdienst angewiesen. „Und plötzlich hatte ich am Anfang des Monats nur noch sieben Euro auf dem Konto“, sagt er. „Für die Miete musste ich meine Mutter anpumpen.“ Eine Rückendeckung, auf die nicht jeder zählen kann. Und die gemeinhin auch nicht unerschöpflich ist.

 

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Jonas studiert Digitale Kommunikation im Master (Foto: Leon Ziock)

 

Für ihn kam die Rettung mit der staatlichen Überbrückungshilfe. Weil Jonas an einer staatlich anerkannten Hochschule immatrikuliert ist, kann er Hilfsgelder vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beantragen. Das sind monatlich zwischen 100 und 500 Euro. Je weniger auf seinem Konto ist, desto mehr darf er beantragen. Kann Jonas nachweisen, dass er weniger als 500 Euro zur Verfügung hat, darf er 100 Euro an Zuschuss beziehen, steht sein Kontostand bei unter 100 Euro, darf er mit 500 Euro rechnen. Und das, auch wenn bereits Darlehen, Stipendien oder sonstige Unterstützung bezogen werden. Zurückzahlen muss der Student die Überbrückungshilfe nicht.

 

„Es läuft echt unkompliziert und gut“

 

Mittlerweile beansprucht Jonas seit fünf Monaten die Hilfsgelder des Staates und hat sich den ein oder anderen Kniff überlegt, um den Höchstsatz zu beziehen. „Im März musste ich zum Beispiel Semestergebühren bezahlen, das sind 330 Euro, ganz schön happig für Studis“, erzählt er. „Da habe ich die Überbrückungshilfe erst beantragt, nachdem das Geld vom Konto gezogen wurde.“ Denn somit lag er unter der 100-Euro-Grenze und bekam den Höchstsatz ausgezahlt.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Studierender das Geld Anfang, Mitte oder Ende des Monats beantragt. „Es dauert drei, vier Tage, dann kommt die Bestätigung, wenn deinem Antrag stattgegeben wurde und am nächsten Tag ist das Geld da. Das läuft schon echt unkompliziert und gut.“ Eine ähnliche Hilfe leistet die Förderbank KfW. Dort können sich Studierende Geld leihen. Der Studienkredit von bis zu 650 Euro muss zurückgezahlt werden, bis Dezember 2021 entfallen dafür allerdings keine Zinsen.

Mit der Überbrückungshilfe und dem Bafög-Geld schafft Jonas es mittlerweile sein ein paar Monaten über die Runden. Einzig größere Geldbeträge, die nicht in raten zahlbar sind, bereiten ihm Probleme. Daher hätte er sich zusätzlich zum Hilfsgeld eine Art Bonus für die Studiengebühren gewünscht.

 

Bars, Restaurant und Cafés geschlossen

 

Auch Anna verlor mit dem Lockdown ihren Nebenjob. Die 24-Jährige studiert im Bachelor Ökotrophologie und hat bis letztes Jahr auf 450-Euro-basis im „Café LilliSu“ in Altona gekellnert. Den ersten Lockdown im März letztes Jahr haste sie noch durchgestanden, gewartet bis das „LilleSu“ wieder öffnet. Mit Rücklagen und Unterstützung der Eltern hiße die oberste Prämisse: Haushalten. „Bio-Produkte im Supermarkt waren nicht drin. Dafür fehlte mir das Geld.“

Im Sommer 2020, als sich nicht nur Hamburg vermeintlich über dem Berg sah, gab es unter Auflagen wieder eine Art Normalbetrieb im „Café LilleSu“. Anna fing wieder an zu kellnern und konnte sich finanziell etwas Luft verschaffen.

Mit Beginn des zweiten Lockdowns im November ging die Unsicherheit wieder los: „Ich bin auf die Nebeneinnahmen angewiesen, daher habe ich gekündigt und mich anderweitig umgeschaut.“ Für sie persönlich war das ein kleiner Glücksgriff: Sie heuerte in einem Unternehmen an, das online Rezepte entwickelt und Ernährungsratgeber schreibt. Dort bekam sie anfangs sogar einen Coworking Space bezahlt, von wo aus sie arbeiten konnte, mittlerweile ist sie wieder an den hauseigenen Schreibtisch gewechselt und arbeitet von dort aus.

Für die Ökotrophologie-Studentin hat sich durch den Lockdown insoweit ein neues Fenster eröffnet: „ich bin froh, dass ich meinen jetzigen Nebenjob mit dem Wissen aus dem Studium verknüpfen kann.“ Auf Kellnern, sagt sie, habe sie sowieso keine Lust mehr gehabt.

 

Gehen Studierende als als Gewinner aus der Krise?

 

Daniele Janßen vom „Stellenwert“ glaubt, das Arbeitsleben werde sich nach Corona grundlegend verändert haben. „Der markt“ wird flexibler, viele Unternehmen werden auf remote setzen, Arbeit, die im Homeoffice funktioniert.“ Davon könnten Studierende profitieren. „Sie sind mit digitalen Medien aufgewachsen, haben meist eine offene Einstellung gegenüber neuen Themen und Arbeitsfeldern, was Ihnen hilft, mit Veränderungen umzugehen“, glaubt sie. Ist Corona überwunden, werden viele Unternehmen mit Vorsicht reagieren, sich flexibel absichern. Dann könnten Studierende als günstige Lösung gesehen werden und Positionen besetzen, die Firmen noch nicht als volle Stelle ausschreiben möchten. Viellicht gehen Studierende so als große Gewinner aus der Krise.


 SZENE HAMBURG UNI-EXTRA, April 2021. Das Magazin ist als Heft in unserem Stadtmagazin seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Lilly: „Du darfst anders sein“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Lilly begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Mir wurde immer gesagt, als blondes Mädchen hast du’s ja nicht so mit Mathe, du solltest mal lieber ins Marketing gehen. Das habe ich tatsächlich erstmal gemacht. Um dann recht schnell zu merken, dass es gar nicht so meins ist. Mittlerweile bin ich Informatikerin, also mache Programmierung und so’n Kram. Hättest du nicht gedacht, oder?

Ich arbeite in einer Agentur und studiere nebenbei. Es ist eine gute Zeit zum Lernen, glaube ich. Im Sommer habe ich das Jagen für mich entdeckt. Wenn man sich mal damit befasst, bekommt man einen ganz anderen Blick auf Mensch und Tier, obendrein sehr viel Respekt gegenüber der Umwelt und ein Bewusstsein für den Fleischkonsum. Ich esse wirklich wenig Fleisch und wenn, für den Genuss. Wenn du aber alle drei Monate auf die Jagd gehst und ein Tier erlegst, hast du davon theoretisch monatelang was. Es wird 95 Prozent davon verwertet und du weißt, wo es herkommt.

Bislang bin ich nur mit einem Jäger mitgegangen und habe nicht selbst geschossen, will nächstes Jahr aber meinen Jagdschein machen. Manchmal bin ich eben ein kleiner Weirdo. Trotzdem: Jagen ist mal was anderes und eine Tradition, die verfällt. Was für ein Baum ist das? Welcher Vogel singt da? Das sind alles Sachen, die sollte man nicht so versickern lassen. Daher hat mich das Jagen interessiert. Es ist wie bei der IT: Keiner will’s machen, deshalb mache ich das.

 

Ist doch alles chico

 

Vielleicht hätte ich in meinem Leben ein bisschen früher auf mich selbst hören sollen. Ich habe zwar früh gecheckt, was ich will und was nicht, aber mit 13, 14 denkt man sich seinen Teil und geht trotzdem mit der Menge mit. Ab 20 merkt man dann: ‘Ach ganz ehrlich, ich mach’s auf meine Art.’ Und plötzlich erkennst du, dass das auch gut klappt.

Überprüf einfach ab und zu deinen eigenen Kompass, hör auf dein Bauchgefühl und deine Moral und dann sollte das Grundlegendste im Leben schon klar gehen. Ich finde, du darfst auch anders sein als das Gros, darfst andere Musik hören, einen anderen Job machen, anders aussehen. Solange du ein guter Mensch bist, ist doch alles Chico.“


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Weihnachtsmannwerk: Ein Santa via Zoom

Thilo Tamme ist der Gründer vom Weihnachtsmannwerk. Dort arbeiten Studenten, die als Weihnachtsmänner gebucht werden können. In diesem Jahr zögern viele jedoch mit einer Bestellung – weshalb Tamme alternativ einen Online-Weihnachtsmann anbietet

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Thilo, wie ist die aktuelle Auftragslage für Vor-Ort-Weihnachtsmänner in Hamburg?

Thilo Tamme: Schlecht. Sehr schlecht sogar. Seit Anfang November, wenn es normalerweise richtig losgeht mit den Aufträgen, haben wir kaum Bestellungen reinbekommen.

Was bedeutet das in Zahlen?

Dass wir ungefähr 60 Prozent weniger Buchungen haben als in den Vorjahren – und das trotz eines guten Hygienekonzepts.

Was beinhaltet das Konzept?

Natürlich den nötigen Abstand, auch Handschuhe, die regelmäßig gewechselt werden. Und jeder Weihnachtsmann muss die Corona-Warn-App installiert haben und 14 Tage ein niedriges Risiko nachweisen können.

Ich kann das Zögern der Familien aber natürlich verstehen. Sie wollen erst mal schauen, wie sich die Situation entwickelt. Sie können ja noch bis zum 20. Dezember buchen. Und wenn sie sich aus bestimmten Gründen dagegen entscheiden, einen Weihnachtsmann einzuladen, bieten wir erstmals auch einen Online-Weihnachtsmann an.

 

„Zeig mal den Nordpol!“

 

Der ist laut Firmen-Homepage vergleichsweise günstig. Während der Vor-Ort-Weihnachtsmann ab 99 Euro zu haben ist, kriegt man den Online-Weihnachtsmann bereits ab 29 Euro.

Genau. Und wie beim normalen Weihnachtsmann gibt es auch für den Online-Weihnachtsmann drei Buchungsoptionen. Es gibt den Zoom-Weihnachtsmann, der 69 Euro kostet. Er kann mit den Kindern direkt interagieren. Der Video-Weihnachtsmann, der in einer umfassenden Botschaft direkt auf die Kinder eingeht, kostet 49 Euro. Und das günstigste Paket, ein Online-Weihnachtsmann mit einer kurzen Grußbotschaft, ist für 29 Euro erhältlich.

Sind die Online-Weihnachtsmänner eigentlich auf alle Eventualitäten vorbereitet? Zum Beispiel, wenn Kinder fordern: „Zeig mal den Nordpol!“

Ja. Grundsätzlich sind alle unsere Weihnachtsmänner geschult. Ich kenne auch alle persönlich, es werden also keine komplett Fremden losgeschickt. Und wenn Kinder den Nordpol oder Rentiere sehen wollen, haben wir verschiedene Hintergründe, die wir einfügen können.

Wird die Pandemie vom Online-Weihnachtsmann auch angesprochen?

Ja. Er wird dann so etwas sagen wie: „Ihr habt bestimmt mitbekommen, was da draußen los ist und warum ich in diesem Jahr nicht persönlich vorbeischauen kann.“

Abschließend auch bezüglich des Online-Weihnachtsmanns die Frage: Wie wird das Angebot angenommen?

Wir haben Buchungen für alle Online-Weihnachtsmann-Optionen. Zudem ist der Online-Weihnachtsmann ein Back-up für uns. Angenommen, es kommt ein kompletter Lockdown, können wir den Familien, die einen Vor-Ort-Weihnachtsmann gebucht haben, diese Alternative anbieten.


Cover_Szene_Hamburg_Dezember_2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2020. Das Magazin ist seit dem 28. November 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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