Beiträge

Denkmalschutz als Zukunftssicherung

Für Kristina Sassenscheidt ist Denkmalschutz Zukunftssicherung: Die Geschäftsführerin vom Hamburger Denkmalverein findet Altbauten nicht nur historisch und architektonisch wertvoll. Sie kritisiert, dass bei Neubauten die ökologischen Schäden der Abrisse nicht ausreichend berücksichtigt werden. Mit ihrer Arbeit wirbt sie für einen Paradigmenwechsel – und für nachhaltige Sanierungen

Interview: David Hock

SZENE HAMBURG: Kristina Sassenscheidt, wie wurden Sie zur Denkmalschützerin?

Kristina Sassenscheidt: Ich mochte Altbauten immer schon sehr gerne, deshalb habe ich auch Architektur studiert. Ich wollte gar nicht neu bauen, sondern mich intensiver mit Altbauten und ihrer Geschichte beschäftigen. Und so bin ich automatisch auf den Denkmalschutz gestoßen, weil der sich um die interessantesten Altbauten kümmert – nämlich die, die noch am meisten originale Substanz besitzen und die daher besonders viel Geschichte erzählen können.

Gibt es eine Anekdote aus Ihrer Kindheit, die Sie in Richtung Ihrer heutigen Tätigkeit geprägt hat?

Ich bin auf dem Johanneum in Winterhude zur Schule gegangen – ein wunderschönes Gebäude des ehemaligen Oberbaudirektors Fritz Schumacher. Und selbst wenn mir die Schule mal nicht so gefiel, bin ich immer gern in dieses Schulgebäude gegangen. Wenn ich mich im Unterricht gelangweilt habe, habe ich manchmal aus dem Fenster geschaut und Teile der Backsteinfassade abgezeichnet, daran erinnere ich mich noch. Und das zeigt auch, wie wichtig qualitätsvolle Schulgebäude für die baukulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen sind.

„Je mehr abgerissen wird, desto stärker wird der Denkmalschutz“

Denkmalschützerin Kristina Sassenscheidt

Seit 40 Jahren gibt es den Hamburger Denkmalschutzverein, seit mehr als drei Jahren sind Sie hauptamtliche Geschäftsführerin. Was ist das Anliegen Ihrer etwa 700 Mitglieder?

Wir setzen uns für einen stärkeren Denkmalschutz in Hamburg ein und versuchen, den Menschen die Bedeutung der alten Bauten als Geschichtszeugnisse und zentrale Bestandteile des gewachsenen Stadtbildes zu vermitteln. 

Die gesellschaftliche Unterstützung für Denkmalschutz und Denkmalpflege ist häufig auch eine Reaktion auf Verlusterfahrungen: Je mehr abgerissen wird, desto stärker wird auch der Denkmalschutz. Hamburg hat seit jeher eine selbstbewusste Zivilgesellschaft, was auch für unser Anliegen ein großes Pfund ist. Es gab immer wieder großen Widerstand aus der Bevölkerung, wenn sich die Hamburger Stadtplanung zu verselbstständigen drohte. Prominente Beispiele sind St. Georg und Ottensen, von denen in den 60er- und 70er-Jahren große Teile abgerissen werden sollten. Das wurde durch massiven Protest auf der Straße verhindert.

Veränderung der Stadtentwicklung

Bedeutet Denkmalschutz dann automatisch, kämpfen zu müssen?

Idealerweise kommt es gar nicht erst zu einem Konflikt. Wir bemühen uns immer darum, dass alle Beteiligten rechtzeitig die Anliegen der historischen Baukultur im Blick haben und in Planungen einbeziehen können. In den 1970er-Jahren gab es schon mal einen Paradigmenwechsel hin zu einer bestandsorientierteren Stadtentwicklung. Damals musste man feststellen, dass in den Nachkriegsjahrzehnten schon sehr viele Gründerzeit-Bauten verloren gegangen waren. Daraufhin wurden viele staatliche Stellen in den Denkmalämtern bundesweit geschaffen.

Jetzt sind wir gerade wieder in einer entscheidenden Phase: Der Immobilienmarkt läuft heiß, es wird wieder sehr viel abgerissen, und gleichzeitig gibt es mit dem fortschreitenden Klimawandel noch deutlich mehr Gründe, Gebäude zu erhalten als vor 50 Jahren.

Sie halten es also auch ökologisch für sinnvoller, ein Gebäude energetisch zu sanieren als einen energieeffizienten Neubau zu planen?

Ja, das Ziel muss es erst mal sein, den gebauten Bestand zu erhalten und qualifizieren. Deutschland war bisher viel zu einseitig auf die Betriebsenergie konzentriert und hat vor allem darauf geschaut: „Wie viel wird geheizt? Wie viel Strom wird verbraucht?“ Man muss aber viel stärker die ökologische Gesamtbilanz in den Blick nehmen.

Ein bereits bestehendes Gebäude ist ein gewaltiger Ressourcen- und Energiespeicher mit all den Materialien, die bei seinem Bau produziert und verbaut wurden. Alleine die Zementproduktion macht weltweit über acht Prozent des CO2-Ausstoßes aus. Wenn man Gebäude abreißt, vernichtet man die verbaute „graue“ Energie, erzeugt Bauschutt und stößt weiteres CO2 für Abtransport und Neubau aus. Sehr anschaulich wird das gerade am Deutschlandhaus in der Innenstadt, wo der Altbau abgerissen wurde und ein nahezu identischer Neubau entsteht.

Und wieso passiert so etwas dann noch?

Abriss ist zu billig, das macht den Neubau und die damit oft verbundene Optimierung der Flächenausnutzung wirtschaftlich attraktiv. Eine CO2-Abgabe auf die Vernichtung von grauer Energie und steuerliche Anreize für die Erhaltung von Altbauten sind aus meiner Sicht Beispiele für sinnvolle politische Weichenstellungen.

Denkmalwürdigkeit

Wie kann aus Ihrer Sicht ein gesundes Zusammenspiel zwischen Gebäudeerhalt und Entwicklung aussehen?

Ein schönes Beispiel ist das Pestalozzi-Quartier auf St. Pauli. Dort hat man die alte Pestalozzischule des Altonaer Stadtbaurates Gustav Oelsner aus den 1920er-Jahren saniert, zu Wohnungen umgewandelt und die Umgebung mit hochwertigen Neubauten nachverdichtet. Im Ergebnis ist ein sehr lebenswertes neues Stück Stadt mit einer gelungenen Mischung aus Alt und Neu entstanden.

Ein wichtiger Impuls für eine bestandsverträgliche Stadtentwicklung war die Rettung des historischen „Gängeviertels“ in der Neustadt. Die Stadt konnte keine greifbare Vision für dieses Areal entwickeln, und die zwölf Gebäude standen über Jahre größtenteils leer. Dann hat die Stadt sie an einen Investor verkauft, der wiederum im Zuge der Finanzkrise nicht mit seinem geplanten Bauvorhaben starten konnte, das einen Abriss von 80 Prozent der Altbauten vorsah. Und dann kam die Initiative „Komm in die Gänge“ mit der klaren und positiven Vision, einen kulturellen Ort für alle Hamburgerinnen und Hamburger zu schaffen.

Es war toll zu erleben, wie sich daraufhin sehr viele Menschen hinter diesem Gedanken versammelt haben und über Monate intensiv diskutiert wurde – bis die Stadt das Areal am Ende zurückgekauft hat und jetzt gemeinsam in enger Abstimmung mit einer Genossenschaft saniert, die aus der Initiative heraus entwickelt wurde.

Das Motto „Ein Konzerthaus für alle“ hat die Stadt der fünf Jahre alten Elbphilharmonie gegeben. Ist dieses neue Wahrzeichen bereits ein Denkmal? Was sind die formalen Kriterien?

Bei der Elbphilharmonie ist in meinen Augen vor allem die Symbolwirkung wichtig, also die Botschaft: „Hier ist das Neue in Ergänzung zum Alten entstanden.“ Ich finde es gut, dass vom dem Kaispeicher zumindest die historische Fassade erhalten wurde, wobei ich mir natürlich gewünscht hätte, dass man im Inneren noch deutlich mehr erhält und nicht für ein Parkhaus entkernt. Der Neubau ist in seiner architektonischen Kraft eigentlich schon denkmalwürdig. Aber Denkmalschützer:innen müssen sich immer 25 bis 30 Jahre Zeit nehmen, bis sie von einer „abgeschlossenen Epoche“ sprechen können, die sie mit der notwendigen Distanz bewerten können. Zuständig für Unterschutzstellungen ist das staatliche Denkmalschutzamt, in dem Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker den Baubestand erforschen und auf seine Denkmalwürdigkeit hin überprüfen.

Wenn ein Gebäude zum Denkmal wird, muss man Baumaßnahmen mit dem Amt abstimmen. Eine Unterschutzstellung hat allerdings auch viele Vorteile, wie Steuererleichterungen oder die Möglichkeit, sich um private und staatliche Fördertöpfe zu bewerben. Außerdem ist Denkmalschutz ja eine Art „Gütesiegel“, das bezeugt, dass man ein geschichtlich bedeutsames oder künstlerisch wertvolles Bauwerk besitzt – und darauf kann man als Eigentümerin oder Eigentümer stolz sein.

____

Der Denkmalverein möchte auch loben – und damit Gebäudeerhalt attraktiv machen: Die jüngst erschienene Publikation „Stadt Neu!“ stellt herausragende Hamburger Sanierungs- und Umnutzungsprojekte vor, wie die Umwandlung eines Bürohochhauses in der City Nord in ein Apartmenthaus oder die Umnutzung der ehemaligen Arrestanstalt Wandsbek in Arbeitsräume für das benachbarte Amtsgericht. Das Buch kostet 12 Euro. Mehr Informationen und Bestellung unter denkmalverein.de

Smarte Hamburger Start-Ups

Die Start-Up Branche an Alster und Elbe boomt – und das nicht nur seit der Pandemie. Aus den zahlreichen Ideen der enthusiastischen Hamburger Gründer:innen entstehen smarte Start-Up Unternehmen mit großem Potential. Ein wichtiger Fokus der zahlreichen innovativen Ideen liegt darauf, das Leben umweltbewusster und nachhaltig(er) zu gestalten. Wir stellen euch zehn Hamburger Start-Ups vor, die ihr verfolgen solltet

Text: Katharina Stertzenbach

Plazy: Reiseplanung für Faulpelze

playzy-via-instagram
Kathrin und Inka die beiden Gründerinnen von Plazy (Foto: playzy/instagram)

Die beiden Hamburgerinnen Kathrin und Inka haben mit Plazy eine App entwickelt, die einem die Reiseplanung abnimmt. Kostenlos werden User:innen passende und nach den persönlichen Vorlieben gestaltet Restaurants, Freizeit- und Kulturangebote des Urlaubsziels vorgeschlagen. Wie das funktioniert? Bevor die App genutzt werden kann, müssen Fragen beantwortet werden und dann geht‘s los.

Plan3t: Cashback für nachhaltige Einkäufe

plan3t-via-instagram
Kasper, Lukas und Christian, die drei Gründer von Plan3t (Foto: Pla3t / instagram)

Wer umweltbewusst einkauft, sollte die Plan3t-App downloaden und so zu einem Planteteer werden, denn diese werden durch ihr nachhaltiges Shoppen mit nützlichen Tipps, Gutscheinen und Gewinnspielen belohnt. Mittlerweile sind mehr als 50 Unternehmen Partner von Plan3t. Den eigenen Co2 Fußabdruck durch umweltbewussteren Konsum minimieren und cashback erhalten in einer App.

Strandbutler: Vom Sofa in den Strandkorb

strandbutler-via-instagram
Hinter der App stecken die Köpfe von Jens, Christian, Bernhard (Foto: Strandbutler/instagram)

Jens, Bernhard und Christian, die Gründer von Strandbutler, haben eine Mission: Die Vermietung von Strandkörben revolutionieren. Das passiert bereits mit der eigens entwickelten App, mit der Strandkörbe schon vor dem Strandbesuch reserviert werden können. Wer einen ganzen Tag am Meer im Strandkorb verbringt ist nach einer gewissen Zeit hungrig und durstig. Wie gut, dass man über die Strandbutler-App Getränke und Essen bestellen und zum Strandkorb ordern lassen kann.

Vulvani: Wissenslücken schließen  

strandbutler-via-instagram
Das Team von Vulvani: Britta und Jamin (Foto: vulvani/instagram)

Vulvani ist eine digitale Bildungsplattfrom made in Hamburg, die sich mit den Themen Menstruation, Zyklusgesundheit und Sexualität beschäftigt. 2019 starteten Britta und Jamin, die beiden Gesichter hinter der Plattform, das Projekt. Die Vulvani-Online-Kurse, Artikel und der Social-Media-Content sorgen dafür, dass einstige Tabu-Themen keine bleiben. So kann jede:r nötiges und wichtiges Wissen über den weiblichen Körper erlangen.

entire stories: Mode mit transparentem Background

Mode online zu shoppen ist heute das Normalste der Welt. Viele von uns möchten aber auch nachhaltig und fair produzierte Mode online kaufen – und das ist meistens nicht so leicht. Wie gut, dass es mit entire stories eine Plattform gibt, bei der ausschließlich nachhaltige und faire Mode angeboten wird. Das Erfolgskonzept von entire stories heißt: Transparenz. Die Gesichter hinter den Labels stellen sich vor und erzählen über die Produktion ihrer Marken. Außerdem informiert das Hamburger Start Up redaktionell aufbereitet mit einem Magazin und einem Podcast über nachhaltige Mode.

boomerrang: Grüner Onlinehandel  

Wer kennt es nicht, der Papiercontainer des Vertrauens quillt mal wieder über – der Hauptgrund dafür ist, dass das Onlineshopping immer mehr Anhänger:innen findet. Übrig bleiben die Pappkartons in denen die neuen Sneakers, T-Shirts und Taschen geliefert wurden. Dieser Papp Müll verbraucht Ressourcen und CO2. Mit Versandtaschen aus recyceltem Material hat das Team von boomerrang ein Mehrwegsystem für Verpackungen erschaffen. Die Versandtaschen können bis zu 50 mal wiederverwertet werden. Boomerang sorgt so für eine nachhaltigere Lösung im Onlinehandel.

unown: Der 60/40 Kleiderschrank  

unown-via-instagram
Linda und Tina gründeten das nachhaltige Mode-Leasing-Konzept (Foto: unown/ instagram)

Ein Auto für einen begrenzten Zeitraum zu leasen ist mittlerweile für viele eine ideale Alternative um immer wieder die neusten Auto-Modelle für eine bestimmte Zeit zu fahren. Warum also nicht das gleiche Konzept für Mode etablieren? Das dachten sich auch die beiden Gründerinnen Linda und Tina und starteten 2019 das Start-Up unown. Die Idee hinter unown: Der 60/40 Kleiderschrank. Das heißt im Klartext: 60 Prozent im Kleiderschrank sind hochwertige Basic-Teile, die in jedem Kleiderschrank bereits vorhanden sind. Die anderen 40 Prozent sind Highlight-Pieces, die über unown ausgeliehen werden können. So werden abwechslungsreiche, nachhaltige und günstige Styles garantiert.

Jetlite: Gesundes Licht

jetlite-via-instagram
Das Team von Jetlite sorgt nicht nur für gute Laune sondern auch für gutes Licht (Foto:Jetlite/instagram)

Schon gewusst: Wir verbringen fast 90 Prozent des Tages mit künstlichem Licht. Dieses hat auch immer Auswirkung auf unseren Biorhythmus. Daher sind wir oft schneller müde, wenn wir alltäglich künstlichem Licht ausgesetzt sind. Das Team des Hamburger Start-Ups Jetlite hat ein intelligentes Beleuchtungssystem entwickelt, welches unseren Biorhythmus unterstützt.

traceless: Die nachhaltige Plastik-Alternative  

traceless-via-instagram
Anne und Johanna gründeten traceless 2020 in Hamburg (Foto: traceless / instagram)

Anne und Johanna verfolgen mit ihrem Start-Up traceless die Version einer Welt ohne Verschmutzung und Müll. Zusammen haben sie ein Basismaterial in Granulatform, das als umweltfreundliche Alternative zu  herkömmlichen Kunststoffen und Biokunststoffen dient, entwickelt. Dafür gab es für das Hamburger Start-Up sogar den Wissenschaftspreis 2022.

rabot.charge: Smarter Strom tanken  

rabot-charge-via-instagram
Die Gesichter hinter rabot.charge: Jan und Maximilian (Foto:rabot.charge / instagram)

Das Hamburger Start-Up rabort.charge ist in diesen turbulenten Zeiten der steigenden Energiepreise wohl besonders gefragt. Denn das Team von rabot.charge hat mit Hilfe von künstlicher Intelligenz einen Algorithmus entwickelt, der genau dann Strom für die Ladung aktiviert, wenn diese vom Auto gebraucht wird und günstig ist.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Der Heldenmarkt ist zurück

Anzeige

Nach einer Corona-Pause kommt am 28. und 29. Mai 2022 mit dem Heldenmarkt der Markt für bewussten Lebensstil zurück nach Hamburg SZENE HAMBURG verlost 3×2 Tickets via Instagram

Über 100 Aussteller, dazu Diskussionen, Vorträge, Verkostungen und Workshops rund um das Thema Nachhaltigkeit sowie Aktionen für Kinder, das ist der Heldenmarkt. Am 28. und 29. Mai 2022 gibt es in den Hamburger Messehallen wieder alles rund um das Thema bewusstes Leben und bewusster Konsum. Der Markt versteht sich dabei als größtes temporäres Kaufhaus für ökologische, smarte und genussvolle Produkte – bei dem der Gedanke der Nachhaltigkeit ganz klar im Mittelpunkt steht. Mit dabei sind 2022 unter anderem Greenpeace, die Bio-Company sowie die Hamburger Unternehmen „4 people who care“ und „teablobs“. Der Trend im Bereich Nachhaltigkeit geht dabei weg von „take-make-waste“ hin zu mehr Verantwortung. „Der Heldenmarkt zeigt, dass Verantwortung nicht Verzicht bedeutet. Er richtet sich an alle die Lust haben, Sinnvolles, Wertiges und Schönes zu erleben“, so Michael Maurer, Projektleiter des Heldenmarkts.

heldenmarkt.de


Wir verlosen 3 x 2 Tickets für den Heldenmarkt am 28. und 29. Mai 2022 in den Messehallen (Halle A2)!

Wie ihr mitmachen könnt? Na so:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Das buchstäbliche Leben im grünen Bereich“

Mittlerweile setzen etliche Hamburger Firmen, Start-ups und Solo-Selbstständige auf nachhaltige Arbeit. SZENE HAMBURG porträtiert noch bis Ende März 2022 Menschen, deren Jobs besonders zukunftsorientiert sind. Heute: Andje Stamer vom Gut Karlshöhe

Text: Erik Brandt-Höge

Andje Stamer ist Fachreferentin für Nachhaltigkeit und Bildungsmanagement auf Gut Karlshöhe und fasziniert von den Möglichkeiten im Hamburger Umweltzentrum.

„Landerlebnis in der Stadt“ – so titelt Gut Karlshöhe auf der hauseigenen Info-Broschüre. Klingt nach Bullerbü in Hamburg, nach viel Grün, wenig Lärm, glücklichen Tieren und ebenso glücklichen Menschen, die dort arbeiten oder zu Gast sind. Stimmt auch – aber Gut Karlshöhe ist viel mehr als ein Bauernhof in City-Nähe. Vor mehr als drei Jahrzehnten errichtet, ist es ein Umweltzentrum im Nordosten der Stadt, das mit Zukunftsideen und -projekten Menschen allen Alters inspiriert, ohne dabei missionarisch zu wirken.

Kein Aktivismus, keine Politik, nur Angebote, von letzteren ohne Ende. Workshops, Seminare, Feste, Märkte: Das Guts-Programm ist reichhaltig. Zudem kann man auf dem neun Hektar großen Areal auch einfach mal herumspazieren, es ist frei zugänglich. Von einer Streuobstwiese über einen Bauerngarten gelangt man zu einem Energiehaus und von dort zu einer Schafweide. Es gibt eine Wetterstation und sogar eine eigene Imkerei. Überall verteilt: Ideen, wie Wege in eine nachhaltige Zukunft aussehen können. Etwa, wenn es um das Speichern von Wärme geht. Aber auch vermeintliche alltägliche Kleinigkeiten können hier ausprobiert werden, zum Beispiel, wie man selbst Waschmittel und Kosmetik herstellt, um Verpackung zu sparen.

„Jeder ist willkommen, mitzumachen“

Andje Stamer ist relativ neu auf Gut Karlshöhe. Die 43-Jährige arbeitet frei in der klassischen Unternehmenskommunikation mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Parallel hat sie ein Bildungsprogramm aufgebaut, mit dem sie Schulen zum genannten Schwerpunkt berät. So ist sie auf das Gut aufmerksam geworden. „Ich wollte gucken, wie wir kooperieren können, weil das Gut eben so viel zum Thema anbietet“, sagt sie, „und am Ende kam es zu einer Zusammenarbeit, seit Januar bin ich Fachreferentin für Nachhaltigkeit und Bildungsmanagement.“

Bildungsmanagement bedeutet in Andjes Fall: nachhaltige Erwachsenenbildung auf unterschiedlichen Ebenen. Wie zum Beispiel die Guts-Kultur. Das sind kulturelle Themenabende am Lagerfeuer, initiiert von Kulturnordlichter mit verschiedenen Künstlern zum Thema Nachhaltigkeit. Und ein besonders spannendes Projekt mit einem sogenannten Farm-Bot. Das geht so: In Kooperation mit Fab City Hamburg werden zwei 18 Quadratmeter große Vergleichsbeete gebaut. Das eine wird traditionell per Hand bewirtschaftet, das andere digital mit einem Farm-Roboter. Die Idee dahinter ist, einen Weg aufzuzeigen, wie auch ein urbanes Umfeld selbstversorgend ausgerichtet werden kann – mit der Vision, auf den Dächern von Hochhäusern per Farm-Bot bestellte Beete zu errichten, die die Bewohner darunter mit selbst angebautem, regionalem Gemüse versorgen.

Andje sei schlichtweg „begeistert“ – und das nicht bloß vom Farm-Bot-Projekt. Ihre generelle Faszination für Gut Karlshöhe fasst sie so zusammen: „Das Einzigartige an diesem Ort ist das buchstäbliche Leben im grünen Bereich. Und jeder ist willkommen, mitzumachen.“

gut-karlshoehe.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Es geht darum, ein besseres Morgen zu gestalten“

Digital, transparent, nachhaltig – das soll die Tomorrow Bank sein. Gründer Inas Nureldin verbindet mobiles Banking mit Nachhaltigkeit und will damit den Wandel einer ganzen Industrie anstoßen

Text: Sarah Seitz

„Das kann nicht euer Ernst sein?“, dachte sich Inas Nureldin, als er vor einigen Jahren sein Geld bei einer nachhaltigen Bank anlegen wollte. Beim Versuch online ein Konto zu eröffnen, musste selbst der technikbegeisterte Stuttgarter vor der umständlichen Prozedur kapitulieren. In die Filiale gezwungen, saß er schließlich vor Unmengen an Papierstapeln. „Das war ein Problem für mich. Das muss doch digitaler und einfacher gehen“, dachte sich Inas damals. Mit der Tomorrow Bank will er die Lösung dafür schaffen.

Geld als Teil der Lösung

Tomorrow soll mobiles Banking mit Nachhaltigkeit verbinden. Seit 2018 verfolgt das Gründer-Trio, bestehend aus Inas Nureldin, Jakob Berndt und Michael Schweikart, eine gemeinsame Vision: Mit ihrer digitalen, nachhaltigen Bank wollen sie zu einer Zukunft beitragen in der Geld etwas Gutes bewirkt. „Die ganzen Banken machen eigentlich überwiegend Schlechtes mit dem Geld ihrer Kunden und Kundinnen und sind Teil des Problems. Wäre doch cool, das Geld zum Teil der Lösung zu machen und es in die richtige Richtung zu lenken“, sagt Inas. Statt in Rüstung, Massentierhaltung oder Kohlekraft zu investieren, wie es konventionelle Banken häufig tun, unterstützt Tomorrow soziale und ökologische Projekte. Die App zeigt den Kunden und Kundinnen wohin ihr Geld fließt – in Echtzeit.


SZENE HAMBURG Nachhaltigkeit 1/2021

“So weit ist Hamburg!”

  • Klimaziele
  • Solarenergie
  • Umweltschulen
  • Holzhäuser
  • Solidarität
  • Mobilitätswende
  • Luftqualität
  • E-Mobilität
  • Bildung
  • Gerechtigkeit
  • Protest
  • Regionalität

Heft hier in unserem Onlineshop kaufen


Mit digitalen Technologien, Transparenz und ihrem nachhaltigen Anspruch will das Tomorrow-Team „nachhaltiges Banking aus der Nische holen und in die Mitte der Gesellschaft bringen“, erklärt der 40-Jährige. 

„Tendenzielle Unzufriedenheit mit dem Status quo“

Mitten in der Sternschanze, in einem Co-Working-Space mit Start-up-Atmosphäre, versuchen die mittlerweile knapp hundert Mitarbeitenden mit nachhaltigem Banking die Welt zu verbessern. Inas ist dabei für den Bereich Produkt, Strategie und Entwicklung sowie die nachhaltigen Investments verantwortlich. „Dadurch, dass man an einer großen Vision arbeitet, voll dahintersteht und den Sinn in der eigenen Arbeit sieht, hat man einen guten Grund morgens aufzustehen“, erzählt er.

Wie wichtig ihm der Sinn in der eigenen Arbeit ist, wird an Inas’ Vita deutlich. Aus seiner ersten Firma, einem Software-Unternehmen in Kairo, stieg er nach zehn Jahren überraschend aus. „Es gibt so viele soziale, ökologische Probleme da draußen und wenn ich mir schon so einen verrückten Job antue und so viel arbeite, dann zumindest, um unseren Planeten ein kleines bisschen besser zu machen“, sagt er. Seine „tendenzielle Unzufriedenheit mit dem Status quo“ – wie er es selbst beschreibt – und seine Freude am Probleme lösen, verschlagen den Vollblutunternehmer in eine neue Branche: das Bankwesen.

Ein besseres Morgen

Von der komplexen Finanzwelt und der Skepsis vieler Experteninnen und Experten ließen er und seine Mitgründer sich allerdings nicht einschüchtern. „Wir dachten uns: Wenn ganz viele Leute aus der etablierten Industrie sagen, das kann nicht funktionieren – na ja, dann hat das Potenzial“, erklärt Inas.

Heute hat Tomorrow über 100.000 Kunden. 85,5 Millionen Euro wurden bereits in nachhaltige Projekte investiert. Inas sieht noch Luft nach oben: „Es geht darum, ein besseres Morgen zu gestalten und da so viele Hebel wie möglich in Bewegung zu setzen. Wir haben weniger als sieben Jahre, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten und wir tun eigentlich alle noch viel zu wenig. Wir sollten wirklich alles daran setzen, schneller zu werden – auf allen Ebenen. Genau das würde ich mir als unseren Beitrag wünschen.“

www.tomorrow.one


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Nachhaltig Arbeiten? Hamburg, da geht noch was!

Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Doch ändert sich auch etwas? Ist die Hamburger Arbeitswelt schon nachhaltig? Ein Gespräch mit Wirtschaftsprofessor:innen der Universität Hamburg und der Stadt

Text: Rosa Krohn

Den Begriff „Nachhaltigkeit“ hört man heute täglich – nicht selten bleibt er jedoch abstrakt und oberflächlich. Was bedeutet es etwa, nachhaltig zu arbeiten? Professorin Dr. Kerstin Lopatta und Professor Dr. Alexander Bassen arbeiten an der Wirtschaftsfakultät der Universität Hamburg und leiten unter anderem das Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität (KNU): „Wenn wir von nachhaltigem Arbeiten sprechen, sollten wir die verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit berücksichtigen“. Denn Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz kann nicht mit grünen Arbeitsweisen und Arbeitsinhalten gleichgesetzt werden, es steck weitaus mehr dahinter. Neben der ökologischen Nachhaltigkeit spiele auch das Bewusstsein für Diversität, Gleichstellung, gesellschaftliche Verantwortung und Gesundheit der Mitarbeitenden eine Rolle. Es entstünden gerade völlig neue Arbeitsmodelle, so Lopatta und Bassen. Diese ermöglichen Menschen eine flexiblere Art des Arbeitens, zum Beispiel Homeoffice, Remote Work und Jobsharing. 

„Hamburg als Stadt bietet ein tolles Umfeld für Nachhaltigkeit und Arbeit“

Titel AUfmacher UHH_Lopatta+Bassen Kristin Block-klein
Professor Dr. Alexander Bassen (l.) und Professorin Dr. Kerstin Lopatta (r.) von der Universität Hamburg (Foto: Kristin Block)

Hamburgs Herz ist der Hafen. Durch ihn sei die Stadt global vernetzt, offen, vielfältig und biete ein tolles Umfeld für Nachhaltigkeit und Arbeit, so Lopatta und Bassen. Gerade jungen Menschen ermögliche die Stadt viele Weiterbildungsmöglichkeiten in Bezug auf Nachhaltigkeit. Das seien Dinge wie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, das über die Umweltbehörde koordiniert wird. Hamburger Unternehmen suchten darüber hinaus vermehrt nach Mitarbeitenden mit Kompetenzen im Nachhaltigkeitsbereich. Damit ist das Thema Nachhaltigkeit in Hamburgs Arbeitswelt angekommen. Auf politischer Ebene spiele dabei vor allem die Verpflichtung zur Verfolgung der „Sustainable Development Goals“ (SDGs) eine wichtige Rolle. Bassen und Lopatta empfehlen dazu die ständige Überarbeitung und Kontrolle der Einhaltung dieser Ziele.

„Sustainable Development Goals“

Die (wirtschafts-)politischen Maßnahmen, Hamburgs Arbeitswelt nachhaltiger zu gestalten, sind zahlreich, komplex und meist behördenübergreifend organisiert. Einen globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklungen bietet die Agenda 2030, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. 2017 hat sich auch Hamburgs Senat zur Umsetzung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele verpflichtet. Die Federführung bei der Umsetzung der Ziele obliegt der Umweltbehörde. Von den 169 Unterzielen berühren einige explizit das Thema der Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz: „Wohlergehen und Gesundheit der Mitarbeitenden“ (Ziel 3), „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ (Ziel 12), „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ (Ziel 8) und „Geschlechtergerechtigkeit“ (Ziel 5).

Diese Ziele sollen seitens der Stadt mit der Agenda 2030 und ihrem Motto „Leave no one behind“ berücksichtigt werden. „Eine erste Bestandsaufnahme zeigt, dass viele Hamburger Maßnahmen in den verschiedenen Politiken bereits das Attribut ‚nachhaltig‘ verdienen. Darüber hinaus setzen die SDGs aber auch neue Impulse für Themen, bei denen sich Hamburg weiterentwickeln kann“, so Martina Falke, Referentin der Stabsstelle für Nachhaltigkeit aus der Umweltbehörde . Und was tut die Stadt derzeit explizit?

Initiativen der Behörde für Wirtschaft und Innovation

Titel Arbeiten 03 22 ansgar-scheffold-NxvirENui8Y-unsplash-klein
Nachhaltigkeit wird in ganz Hamburg immer wichtiger (Foto: unsplash/Ansgar Scheffold)

Die Behörde für Wirtschaft und Innovation will mit dem Projekt „Social Entrepreneurship“ solche Unternehmer fördern, die in ihrem Geschäftsmodell den positiven gesellschaftlichen Einfluss über den ökonomischen Erfolg stellen. Bis 2030 plant die Behörde zudem, Hamburgs Kurier-, Express-, Paket-, und Lieferverkehr emissionsfrei zu gestalten. Dazu sollen dann E-Lieferfahrzeuge und alternative Transportmittel wie Lastenfahrräder Sendungen zustellen oder an Pickup Points ausliefern. Als erste deutsche Stadt ist Hamburg 2019 außerdem dem globalen „Fab City“- Netzwerk beigetreten. Mit einer digitalen Kreislaufwirtschaft verfolgen die sogenannten Fab Citys das Ziel, in der Zukunft nahezu alles, was sie brauchen, selbst zu produzieren. Das soll klimaneutral und mit der Teilhabe möglichst vieler Bewohner:innen der Stadt gelingen. Ein weiteres Projekt ist der Aufbau einer funktionierenden grünen Wasserstoffwirtschaft Bis 2035 sollen Industrie, Logistik und Luft- und Schiffverkehr dekarbonisiert werden.

„Nachhaltigkeit als Wert, nicht als Buzzword“

Auch Hamburg in Bezug auf nachhaltige Entwicklung eine Vorreiterposition in Deutschland eingenommen hat, gibt es noch einige Baustellen. So räumt die Behörde für Wirtschaft und Innovation ein, dass nach der Verursacherbilanz 2017 derzeit noch rund 50 Prozent der Hamburger CO₂-Emissionen auf die Hamburger Wirtschaft zurückgehen. Laut dem Statistikamt Nord ist der Gender Pay Gap in den vergangenen Jahren in Hamburg unverändert geblieben, bei 21 Prozent. Diese Indikatoren deuten darauf hin, dass noch viel getan werden muss, um Hamburgs Arbeitswelt noch nachhaltiger zu gestalten.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung dürfte eine umfassende Bestandsaufnahme der Missstände sein. Dass sagt auch Martina Falke von der Umweltbehörde: „Hamburg arbeitet derzeit an einem Indikatorengestützten Monitoring-System. Dadurch kann die nachhaltige Entwicklung Hamburgs in einzelnen Themenbereichen sichtbar gemacht werden.“ Nachhaltigkeit ist ein omnipräsentes Thema in Wirtschaft, Politik und Forschung. Professorin Lopatta und Professor Bassen weisen jedoch darauf hin, dass eine Befragung von Vorständen ergeben hat, dass Marketing der Hauptgrund für unternehmerische Nachhaltigkeitskonzepte Marketing sei. Insofern müsse sich noch Einiges ändern. „Es ist essenziell, dass Nachhaltigkeit als Wert gelebt und nicht als Buzzword abgetan wird“, so die beiden. Ein Ziel, das auch die Universität Hamburg in Bezug auf ihr Bildungsangebot verfolgt.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

3 Fragen an… Lars Meier

Lars Meier ist Chef der Gute Leude Fabrik und Initiator des N Klub, bei dem das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt steht

Interview: Hedda Bültmann 

 

SZENE HAMBURG: Was bewirkt der N Klub?

Lars Meier: Allem voran bringt er engagierte Menschen zusammen und schafft Aufmerksamkeit für die wichtigsten Themen unserer Zeit. Noch lange bevor der Begriff Nachhaltigkeit in aller Munde war, wollten wir bereits denen eine Plattform bieten, die sich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Seit 2008 treffen auf unseren Veranstaltungen Visionäre auf Entscheider, Gründer auf Förderer. Der N Klub ist also nicht nur eine kleine Bühne für große Ideen, sondern auch ein fruchtbarer Boden. Seit 2020 bringen wir mit „N Klub – Die Show“ zudem eine eigene Streamingshow auf die heimischen Bildschirme. Die gute halbe Stunde mit unseren beliebtesten Formaten aus ungewöhnlichen Locations beweist: Nachhaltigkeit geht auch in unterhaltsam.

 

„Wir haben noch viel zu tun“

 

Kann jeder seine nachhaltige Idee im N Klub vorstellen?

Von ehrenamtlich Engagierten über CEOs großer Unternehmen bis hin zu jungen Start-up-Unternehmern: Wem nachhaltiges Handeln ein wirkliches Anliegen ist, der ist beim N Klub genau richtig. Auch wer bisher nur die Idee selbst mitbringt, ist herzlich willkommen. Schließlich tummeln sich bei unseren Events auch diejenigen, die nach zündenden Ideen suchen, um diese voranzutreiben. Gerade unser beliebtes Format „100 Sekunden“ bietet sich für frische Ideen an. Mit den unterhaltsamen Kurzvorträgen begann schon so manche Erfolgsgeschichte. Wer auch mal auf die Holzkiste steigen möchte, um sein Projekt vorzustellen, kann sich bei uns melden.

Wie nachhaltig ist der N Klub in seinem Wirken?

14 Jahre N Klub sind das beste Zeichen. Als Tobi Schlegl und ich beschlossen, den Themenfeldern der Nachhaltigkeit eine kommunikative Plattform zu geben, war an Fridays for Future noch gar nicht zu denken. Viele Ideen, die beim N Klub ihren Anfang fanden, sind in der Zwischenzeit zu Unternehmen, Vereinen oder Projekten gereift, die eine wichtige Rolle spielen. Und genau damit leisten wir unseren nachhaltigsten Beitrag: Sichtbarkeit schaffen, damit gute Ideen nachhaltig Bestand haben können. Beim N Klub war Nachhaltigkeit nie Modewort, sondern ist und bleibt ein echtes Anliegen. Es gibt leider immer noch zu viele Firmen, die in Zukunftsfähigkeit mehr Marketing als Notwendigkeit sehen. Solange das so ist, haben wir noch viel zu tun.

nklub.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

„Man muss das Gras wachsen hören“

Kathrin Kohlstedde ist seit mehr als 20 Jahren für das Programm beim Filmfest Hamburg verantwortlich. Im Interview erzählt sie, wie magische Momente entstehen und warum Kinos nach der Pandemie eine Renaissance erleben werden

Interview: Andreas Daebeler

 

SZENE HAMBURG: Frau Kohlstedde, seit 1999 sind Sie Programmleiterin beim Filmfest Hamburg. Ein Traumjob?

Kathrin Kohlstedde: Als ich während meines Studiums in einem Kino jobbte, hatte ich das große Glück, zum ersten Mal auf ein Filmfestival reisen zu dürfen. Das war das Max Ophüls Festival in Saarbrücken. Dort habe ich den Zauber und die Kraft kennengelernt, die von Filmfestivals ausgeht und die mich seit jeher motiviert und begeistert.

Was macht das Filmfest Hamburg zu einem besonderen Festival?

Das Publikum sieht Filme, die es sonst selten im Kino sieht und trifft auch noch auf die Filmschaffenden. Filme werfen Fragen auf und Themen provozieren. Wir suchen im Gespräch danach im Foyer oder in der Bar nach Antworten. Das macht das Filmerlebnis so nahbar, fordert und formt die eigene Offenheit für Neues und macht das Leben eines jeden ein Stück reicher. Diese Magic Moments versuchen wir beim Filmfest Hamburg zu schaffen, und gemeinsam mit unseren internationalen Gästen und einem großartigen, neugierigen Publikum gelingt uns das glaube ich auch seit einigen Jahren sehr gut.

 

Nachhaltigkeit gegen Schnelllebigkeit

 

Seit mehr als 20 Jahren für das Programm beim Filmfest Hamburg Verantwortlich: Kathrin Kohlstedde (Foto: Kathrin Kohlstedde)

Seit mehr als 20 Jahren für das Programm beim Filmfest Hamburg Verantwortlich: Kathrin Kohlstedde (Foto: Kathrin Kohlstedde)

Die Branche ist schnelllebig. Es geht oft darum, auf den letzten Drücker produzierte Streifen noch ins Programm zu bekommen. Was ist Ihr Geheimnis, tatsächlich die neuesten Filme in Hamburg an den Start zu bekommen?

Der Schnelllebigkeit setzten wir nachhaltige Beziehungen entgegen. Über das Jahr hinweg pflegen wir ein Netzwerk zu Filmschaffenden und Lizenzgebern, denen wir Respekt schenken und sie wertschätzen. Sie wissen, dass das ehrlich gemeint ist und so geben sie auch gern die Filme nach Hamburg. Als Programmer:in muss man aufmerksam sein, das Gras wachsen hören und furchtlos sein. So kommen die aufregenden neuen Film ins Programm. Der Charme von Hamburg tut sein Übriges, dass alle gerne mit ihren Filmen kommen.

Corona hat die Kinobranche stark getroffen. Glauben Sie, dass klassische Filmtheater nach der Pandemie eine Renaissance erleben werden?

Absolut. Ich glaube, diese immer noch andauernde Ausnahmezeit hat den Wunsch nach Fokussierung verstärkt, nach nachhaltigen Erlebnissen in guter Gemeinschaft. Das bietet das Kino, wenn es gut geführt ist, aufs Beste.

In Hamburg wird der Douglas Sirk Preis vergeben. Das beschert unserer Stadt prominente Besucher wie Tilda Swinton, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, François Ozon, Kim Ki-Duk oder Julian Schnabel. Welche dieser Begegnungen hat bei Ihnen den tiefsten Eindruck hinterlassen?

Es ist für uns und unser Publikum immer eine große Ehre, wenn die Preisträger:innen nach Hamburg kommen. Alle Verleihungen waren besonders, viele unvergesslich. Ich persönlich finde die Begegnung mit Regisseur:innen spannend. Da hab ich das Gefühl, dass sie uns mit den Filmen viel mehr Einblick in ihre Seele geben, schließlich dürfen wir die Welt für einen Moment durch ihre Augen sehen.

 

„Der Film ist eine Wucht“

 

Hamburg in allen Ehren, aber es gibt auch andere Festivals, die das Kino feiern. Welches schätzen Sie besonders?

Cannes, das ist wie Weihnachten und Ostern und Geburtstag zusammen. Es ist das unumstritten wichtigste Festival, das im Mai die Filme zeigt, die die Maßstäbe für das Kinojahr setzen. Dort ist die gesamte Filmbranche versammelt und Frankreich schätzt und feiert das Kino wie kaum ein anderes Land. Das ist für uns der Moment, die besten Filme nach Hamburg zu bringen und zu wissen, was das Filmjahr noch so bringen wird.

Was war der letzte richtig gute Film, den Sie gesehen haben?

Gerade vor zwei Tagen war das: „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ von Dominik Graf. Der Film ist eine Wucht. In drei Stunden zeigt er uns all das, was Kino kann und warum Film so einzigartig ist. Ganz große Empfehlung.


 Die SZENE HAMBURG Lichtspiele 2021/2022 ist seit dem 11. Dezember 2021 im Handel und im Online Shop erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Nachhaltige Weihnachtsbäume

Tim Laumanns, Revierförster in Bergedorf, kümmert sich um den Anbau und den Verkauf sogenannter ökolo­gischer Weihnachtsbäume. Ein Gespräch über die umweltfreundliche Alternative, die Missstände in der Weihnachtsbaumproduktion und die Symbolkraft des Tannenbaums

Interview: Rosa Krohn

 

SZENE HAMBURG: Tim Laumanns, wann denken Sie im Jahresverlauf erstmals an Weihnachten?

Tim Laumanns: Weihnachten beginnt für diejenigen, die sich beruflich mit Weihnachtsbäumen beschäftigen, im Juni. Das ist die Zeit, in der man sich zu fragen beginnt, wie viele Weihnachtsbäume benötigt werden. Im Verlauf des Jahres müssen die Weihnachtsbäume von Menschen ausgesucht werden und entsprechend zur Ernte markiert werden. Ab August beginnt die Kreuzspinnenzeit, da möchten Sie nicht mehr durch Weihnachtsbaumkulturen schlendern. Ende August, Anfang September kommt dann in den Weihnachtsbaumkulturen außerdem extreme Feuchtigkeit hinzu. Auf den Nadeln sammelt sich sehr viel Wasser und man kann erst mittags bei gutem Wetter rein – ärgert sich dann aber auch noch über Tausende von Kreuzspinnen. Das ist unangenehm, auch für jemanden, der keine Probleme mit Spinnen hat (lacht). Insofern muss man Anfang Juni planen und bis Mitte August seine Auslese in den Kulturen getroffen haben. Verkauft wird dann im Dezember, in diesem Jahr ab dem 10.

 

Öko bedeutet viel Aufwand

 

Sie arbeiten mit Öko-Weihnachtsbäumen. Wofür genau steht bei Ihnen das „öko“?

Das „öko“ steht für verschiedene Aspekte im Anbau der Bäume. Zuerst einmal gibt es keine „Roundup“-Behandlung. Insbesondere bei den jungen Bäumen, aber auch bei älteren muss die Graskonkurrenz weg. Die jungen Bäume wachsen andernfalls nicht und bei den Älteren führt sie dazu, dass das Gras in den untersten Kranz des Baumes hineinwächst und für unschönes Nadelwachstum sorgt. Also: Das Gras muss weg. Ein Problem, das im klassischen Anbau mit Glyphosat gelöst wird.

Im ökologischen Anbau hingegen, wird das Gras entweder manuell oder durch Schafbeweidung entfernt. Ein weiterer Punkt ist die Düngung. Normalerweise wird mit Kunstdünger gearbeitet, der energieaufwendig erzeugt wird. Im biologischen Anbau wird mit Biodünger gearbeitet, wie zum Beispiel Hühnerkot. Der stammt seinerseits von biologisch gehaltenen Tieren. Eine weitere Hürde beim Anbau: Jedes Jahr bildet der Baum einen neuen, sogenannten Jahrestrieb. Wenn dieser aufgrund guter Witterungsbedingungen stark wächst, muss er im Verlauf kurzgehalten werden. Ansonsten entstehen im Laufe seines Wachstums Löcher im Baum, weil die Abstände der Astquirle zu groß werden und oben auf dem Baum eine zu lange Spitze entsteht. Also muss eine sogenannte Wuchsreduzierung vorgenommen werden. Im klassischen Anbau wird die Spitze dafür mit einem kleinen Chemikalienschwämmchen behandelt.

Und bei Ihnen ohne Chemikalien …

… genau, bei uns wird dem Baum manuell mit einer Zange eine kleine Verletzung zugefügt, damit er vorerst seine Kraft darauf verwendet, diese zu heilen und so stufig und dicht bleibt. Was uns schließlich zusätzlich vom konventionellen Weihnachtsbaumhandel unterscheidet, ist, dass wir nicht nur eine Tannenart anbieten: Neben der klassischen Nordmanntanne bieten wir die Nobilistanne, die Rotfichte, die Blaufichte und die Kiefer an. Diese „altgedienten“, schönen Weihnachtsbaumarten dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

 

Weihnachtsbäume sind ein landwirtschaftliches Produkt

 

Tim Laumanns setzt bei Weihnachtsbäumen auf Nachhaltigkeit (Foto: privat)

Tim Laumanns setzt bei Weihnachtsbäumen auf Nachhaltigkeit (Foto: privat)

Was bedeutet dieser Anbau im Vergleich zum konventionellen Weihnachtsbaumanbau in Bezug auf Arbeitsaufwand und Kosten?

Das Aufwendige ist, die oben beschriebene Kette an ökologischen Arbeitsschritten zu gewährleisten. Angefangen bei den ökologisch gehaltenen Tieren, deren Kot wir als Dünger verwenden, bis hin zur Wuchsreduzierung, die durch entsprechendes geschultes Personal, das die Bäume kennen muss, durchgeführt werden muss. Natürlich bedeutet das erheblichen Mehraufwand und auch Mehrkosten.

Findet der gesamte Prozess in der Revierförsterei Bergedorf selbst statt?

Nein. Es gibt eine gemeinsame Försterei, in der die Weihnachtsbäume angebaut werden. Die Herkunft des Weihnachtsbaums wird aus emotionalem Grund im Wald verortet. Aber Sie müssen verstehen: Jedes Jahr werden allein in Deutschland an die 25 Millionen Bäume innerhalb von sechs Wochen benötigt. Es handelt sich also um ein hoch professionalisiertes, landwirtschaftliches Produkt. Mittlerweile ist die Nachfrage nach ökologischen Weihnachtsbäumen sogar so hoch, dass wir allein den Bedarf nicht mehr decken können. Deshalb beziehen wir den Restbedarf von einem Produzenten, der nach unseren Standards produziert.

 

Eine Tanne kostet zwischen 40 und 60 Euro

 

Sie erleben also eine steigende Nachfrage, was Öko-Weihnachtsbäume angeht. Demnach auch mehr Bewusstsein für den Klimawandel?

Ja, das glaube ich schon. Die Leute, die bei uns einen Weihnachtsbaum einkaufen, tun dies auch aus einem Nachhaltigkeitsbewusstsein heraus. Aber es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Für viele ist das Erlebnis des Kaufs wichtig und Teil des Weihnachtszaubers. So sind sie bereit, zwischen 40 und 60 Euro für eine Tanne auszugeben. Denn der Verkauf unserer Weihnachtsbäume hat einen richtigen Eventcharakter.

Wie läuft denn der Verkauf ab?

Andere Forstwirte und ich stehen als Ansprechpartner für diverse Fragen rund um den Forst zur Verfügung. Außerdem gibt es unter normalen Bedingungen auch noch einen Weihnachtsmarkt. Da gibt es unsere regionale Wildbratwurst, dänische Waffeln, leckeren Glühwein und sogar ein großes Lagerfeuer, um das sich Klein und Groß versammeln. Dieses Jahr geht das natürlich aufgrund der Corona-Situation nicht. Der Verkauf findet zwar statt, aber die Leute müssen sich mit uns zufriedengeben. Sie können kommen und sich ihren Baum aussuchen, und wir stehen für Fragen oder einen netten Schnack zur Verfügung.

 

„Land- und Forstwirte sind die Leidtragenden“

 

Was läuft im konventionellen Weihnachtsbaumgeschäft schief?

Es läuft nichts schief. Wie beim Schweinefleisch läuft es schlicht nach Angebot und Nachfrage. Solange es Menschen gibt, die Weihnachtsbäume bedingungslos zu kleinen Preisen kaufen, wird sich immer jemand finden, der sie produziert. Den Anbietern kann man keinen Vorwurf machen, genau so wenig den Käufern, die sich vielleicht den teureren, ökologischen Baum nicht leisten können. Das Problem ist ein systematisches: Primärproduzenten wie Land- und Forstwirte können Mehrkosten, höhere Ansprüche oder Ähnliches an niemanden mehr abwälzen. Sie sind die Leidtragenden, denn sie sind vor die Tatsache gestellt, zu Dumpingpreisen ihre Ware zu produzieren.

Ich würde behaupten, keiner der konventionellen Weihnachtsbaumproduzenten möchte der Umwelt schaden. Sie sind zu der gegebenen Wirtschaftsart gezwungen und können auch nicht einfach auf einen ökologischen, deutlich teureren Anbau umsatteln, denn sie müssen sich als Unternehmer dem Markt anpassen und in der Lage sein, die nötigen Kosten zu tragen. Insofern möchte ich hier ungern die konventionellen Weihnachtsbaumproduzenten an den Pranger stellen.

 

„Der Weihnachtsbaum ist eine wichtige Tradition“

 

Halten Sie in Anbetracht der Gesamtsituation die jährliche Anschaffung eines Baumes für absurd?

Der Weihnachtsbaum gehört zu Weihnachten und ist eine ganz wichtige, alte Tradition. Er ist für mich ein Symbol des familiären Zusammenkommens. Wenn der Weihnachtsbaum fehlt, fehlt etwas in der Atmosphäre und ein Stück der Heimeligkeit. Ich gelte bei uns als der größte Weihnachtself im Haus (lacht). Mir ist es von daher total wichtig, dass die Familie zusammenkommt, die Bude voll ist und wir lecker essen und trinken und tagelang in dieser Blase gemeinsam verbringen.

Dabei spielt der Weihnachtsbaum – obgleich man damit einen Baum tötet – für uns als Gesellschaft eine essenzielle Rolle. Das Zusammenkommen an Weihnachten wird verloren gehen, wird sich nicht bewusst um den Baum versammelt. Auch deshalb will ich hier nicht die Käufer konventioneller Weihnachtsbäume verurteilen. Jeder verdient ein schönes Weihnachtsfest, und zwar mit Weihnachtsbaum. Menschen mit weniger Geld sollen ein genauso schönes, traditionsreiches Fest feiern können wie solche, die sich – zugespitzt – einen teuren Baum in ihre Villa tragen lassen können.

Was für ein Baum wird bei Ihnen zu Hause über Weihnachten stehen?

Ich habe natürlich die volle Auswahl (lacht). Wir haben schon viel ausprobiert, letztes Jahr hatten wir eine Rotfichte. Dieses Jahr wird es, glaube ich, die Nobilistanne. Sie hat genau so weiche und lang haltende Nadeln wie die Nordmanntanne. Ihre Nadeln haben eine besondere, stahlblaue Färbung und sie duftet. Die Nobilistanne wächst nicht so rund und harmonisch wie die Nordmanntanne, sie ist zackiger, robuster, ursprünglicher und in ihrer Gesamtheit wunderschön.

Revierförsterei Bergedorf


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Top 10: Möbel fürs gute Gewissen

Natürlich geht’s in Hamburg auch ganz besonders nachhaltig. Zum Beispiel dank alter Gerüstbohlen, übrig gebliebener Hafenhölzer und alter Turngeräte. Hier gibt es zehn Adressen, wo es in der Hansestadt nachhaltige Möbelstücke zu finden gibt

Text: Ann-Catrin Forkel & Ilona Lütje

 

10 Knoten

 

Sie heißen Oskar, Emil, Lasse, Lotta und Madita. Nein, nicht die aus den skandinavischen Kinderfilmklassikern. So heißen nämlich auch die Möbel, die die Macher hinter 10Knoten in liebevoller Handarbeit in ihrer Werkstatt an der Bille herstellen. Zeitlos, skandinavisch und ganz ohne Gedöns. Verwendet werden zum Beispiel alte Gerüstbohlen.

10knoten.com

 

Alsterplanke

100-prozentig handgefertigt: Den Tisch „Exklusive Eppendorfer“ aus geschichtsträchtigen Gerüstbohlen gibt’s bei Alsterplanke; Foto: Alsterplanke

100-prozentig handgefertigt: Den Tisch „Exklusive Eppendorfer“ aus geschichtsträchtigen Gerüstbohlen gibt’s bei Alsterplanke; Foto: Alsterplanke

Wenn man genau hinhört, erzählen die Möbel von Alsterplanke Hamburger Geschichte. Denn verwendet werden für die Herstellung ausschließlich handverlesene Gerüstbohlen, die auf ein jahrelanges Berufsleben zurückblicken. Das ist besonders nachhaltig, denn für die Möbel müssen keine Bäume ihr Leben lassen. Alle Möbel werden handgefertigt. Das heißt: Vom „markanten Moorfleeter“ über den „bodenständigen Billstedter“ bis hin zum „manierlichen Morsträger“ ist jedes Stück ein Unikat

Wechselnde Showrooms; alsterplanke.de

 

Grüne Erde

 

Sie gehört zu den ältesten Öko-Möbel-Marken: Bei Grüne Erde werden schließlich schon seit 1983 nachhaltige Möbel verkauft. Verwendet wird Vollholz aus mitteleuropäischer Forstwirtschaft, gefertigt wird hauptsächlich in Österreich nach ökologischen und ökonomischen Standards. In Hamburg gibt es eine Dependance in der Europa Passage.

Hermannstraße 18 (Neustadt); grueneerde.com

 

Hafenholz

Ein nachhaltiger Esstisch von Hafenholz; Foto: Hafenholz

Ein nachhaltiger Esstisch von Hafenholz; Foto: Hafenholz

Sie schenken Holz ein zweites Leben: Lasse Bagdahn und Per Völkel verwenden für ihre Möbel – zum Beispiel Holzreste, die bei der Aufbereitung von importierten Hölzern im Hamburger Hafen anfallen. Oder jahrzehntealte Dalben, an denen einst Schiffe festmachten, sowie 100 Jahre alte Eichenbohlen aus Ställen und Scheunen. In ihrer Hafenholz-Werkstatt in Altona produzieren sie aber nicht nur liebevoll hergestellte Unikate, sondern auch kleine Serien.

Borselstraße 9 (Altona); hafenholz.de

 

Hardcrafted

 

Die Turnkasten-Kommode von Hardcrafted; Foto: hardcrafted

Die Turnkasten-Kommode von Hardcrafted; Foto: hardcrafted

Ab in die Kiste. Platz gibt es in den sanft schließenden Schubladen der Turnkasten-Hochkommode für (fast) alles. Hier lassen sich hartes Zeug einlagern oder überflüssige Pfunde, äh Akten, verstecken. Egal, Hauptsache man respektiert ihre Vergangenheit.

Denn in der Turnhalle haben die Turnkästen Dinge erlebt, die Spuren hinterlassen haben. Die trägt die Turnkasten-Kommode mit Würde, denn Schmerz geht vorüber, Aufgeben quält ein Leben lang. Und das macht er nicht, weder als Turngerät und erst recht nicht als Turnkasten-Kommode von Hardcrafted. Seinen Stolz und seinen Deckel aus Turngeräte-Leder lässt er sich übrigens nicht nehmen. Niemals. Nur eines der ausgedienten Turngeräte und Hocker aus Vintage­-Turnleder mit Geschichte.

Kielortallee 1 (Eimsbüttel); hardcrafted.de

 

Holzconnection

 

Hier können sowohl vor Ort als auch online qualitativ hochwertige und individuell gefertigte Holzmöbel geplant werden, die aus langlebigen Naturmaterialien bestehen und anschließend in der eigenen Werkstatt hergestellt werden.

Gertigstraße 27 (Winterhude), Eppendorfer Landstraße 90 (Eppendorf) und Osterstraße 133 (Eimsbüttel); holzconnection.de

 

Holzwerk-Hamburg

Einfach schöne Möbel im Holzwerk; Foto: Holzwerk

Einfach schöne Möbel im Holzwerk; Foto: Holzwerk

Wer auf der Suche nach exklusiven und individuellen Massivholztischen nach Maß ist, wird in der Tischmanufaktur Holzwerk-Hamburg fündig. Im Vordergrund steht die Ursprünglichkeit der verwendeten Materialien. Spezialgebiet? Charaktervolle Naturholzplatten auf Tischgestellen aus Metall, Holz oder Beton. Das Portfolio? Esstische, Konferenztische, Couchtische und Waschtische.

Überseeboulevard 2 (HafenCity); holzwerk-hamburg.de

 

Lockengelöt

 

Es klingt verrückt, aber hier werden Ölfässer zu Schränken und kaputte Skatebords zu Schmuck. So entstehen wunderschöne Unikate. Auch Schallplatten und Büchern wird hier neues Leben eingehaucht.

Marktstraße 114 (St. Pauli); lockengeloet.com

 

Stilbruch

Von wegen Sperrmüll: Diese ausgedienten Möbel finden bei Stilbruch immer ein neues Zuhause; Foto: Stilbruch

Von wegen Sperrmüll: Diese ausgedienten Möbel finden bei Stilbruch immer ein neues Zuhause; Foto: Stilbruch

Mehrere Lkw-Ladungen mit Gebrauchtwaren, die beinahe auf dem Sperrmüll gelandet wären, erhält Stilbruch als Tochterunternehmen der Stadtreinigung Hamburg täglich. Oder engagierte Privatpersonen bringen ihre noch brauchbaren, aber ausranggierten Sachen direkt zu Stilbruch. Die Artikel sichten die Mitarbeiter dann vor Ort und kontrollieren sie auf Zustand und Qualität – und siehe da, ziemlich häufig sind die Artikel in einem richtig guten Zustand.

Die Liebhaberstücke werden anschließend von den Stilbruch-Handwerkern in den eigenen Werkstätten repariert oder als Grundlage für individuelle Projekte günstig an den Mann gebracht. So kommen übrigens ziemlich viele verschiedene Artikel zusammen, die man in dieser Mischung sonst nicht so einfach findet. Für Schnäppchenjäger und Schatzsammler also der perfekte Store zum Shoppen.

Ruhrstraße 51 (Altona), Helbingstraße 63 (Wandsbek) und Lüneburger Straße 39 (Harburg); stilbruch.de

 

Wohngeschwisterchen

 

Seit rund zehn Jahren befindet sich das Wohngeschwisterchen in der Schanze. Vom Mitgründer der Wohngeschwister 2010 ins Leben gerufen, steht der Shop seither für unkonventionelle und bunt gemischte Stile: Möbel, Bekleidung, Spielpolster, Geschenke, Textilien, Spielzeug und Bücher für Kinder, aber auch Damenmode, Schmuck, Lifestyleprodukte und Wohnaccessoires gehören zum Sortiment. Der Fokus liegt dabei auf skandinavischen Marken wie Molo, Mini Rodini, Villervalla, Soft Gallery oder Danefea für die Kleinen sowie Line of Oslo, Lolly’s Laundry, Odd Molly, Onepiece und Becksöndergaard für die Großen.

Im Repertoire finden sich aber auch etliche Marken aus Europa und den USA, die das zweiköpfige Team auf seinen Messereisen entdeckt und mit nach Hamburg bringt. Das Shop-Konzept ist so schick wie verantwortungsbewusst, denn was allen Produkten im Wohngeschwisterchen-Regal gemein ist: Sie sind individuell, funktional, langlebig und – bezahlbar. Auch auf die Nachhaltigkeit und faire Herstellung der Produkte legen die beiden Inhaber viel Wert. Schanzen-Shopping mit gutem Gewissen.

Schulterblatt 98 (Sternschanze); wohngeschwisterchen.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.