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„Die Rache der Fledermaus“: Drei Fragen an die Regisseurin

Anna-Sophie Mahler inszeniert Johann Strauss’ „Die Rache der Fledermaus“ am Thalia Theater. Ein kurzes Gespräch über das Stück, Limitierungen und neue Einflüsse

Interview: Dagmar Ellen Fischer

 

SZENE HAMBURG: Anna-Sophie Mahler, Sie inszenieren Johann Strauss’ beliebteste Operette unter ihrem ursprünglichen Titel „Die Rache der Fledermaus“ am Thalia Theater. Welche Anteile behalten Sie vom Original bei?

Anna-Sophie Mahler: Ein großer Anteil des Originals bleibt erhalten. Wir haben das Stück durch weitere Musiken und Texte erweitert, was ebenfalls bereits Tradition bei der Operette selbst hat. Zum Beispiel hatte die Figur des Gefängniswärters Frosch schon damals den Auftrag, tagesaktuelle Themen einfließen zu lassen.

Neue Freiräume

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Anna-Sophie Mahler inszeniert die Operette „Die Rache der Fledermaus“ am Thalia Theater (©privat)

Warum inszenieren Sie eine Operette mit Live-Musik und Chor an einem Sprechtheater, und was bedeutet das für Ihre Herangehensweise?

Wenn man eine Operette wie „Die Fledermaus“, die teilweise virtuose Arien hat, mit Schauspielern besetzt, ist klar, dass wir in gewisser Weise limitiert sind und nur mit bestimmten Fragmenten der Musik arbeiten können – was ich jedoch als Qualität empfinde. Wenn wir ohnehin nicht das Original in Gänze machen können, dann entstehen neue Freiräume, die uns die Möglichkeit geben, die Musik der „Fledermaus“ mit heutigen Themen, neuen Texten, anderen Musiken zu konfrontieren.

Erinnerung an das komische Wesen Mensch

Sie fügen Thomas Köcks „Requiem-Manifesto der ausgestorbenen Arten“ ein. Welche Bezüge entwickeln Sie zwischen Strauss-Operette und Köck-Text?

In Thomas Köcks Text „und alle tiere rufen: dieser titel rettet die welt auch nicht mehr“ geht es im Wesentlichen darum, den ohrenbetäubenden Erinnerungen an Tiere, die entweder bereits durch uns ausgerottet wurden oder die aufgrund unseres Verhaltens nie die Chance bekamen, überhaupt zu existieren, einen Klang zu geben. Wir nutzen dieses Hintergrundrauschen, den Klang dieser Tiere, um an das komische Wesen Mensch, das trotz besseren Wissens seinen eigenen Untergang nicht verhindern konnte, mithilfe der Operette zu erinnern.

„Die Rache der Fledermaus“ steht noch über den Jahrewechsel hinaus auf dem Spielplan des Thalia Theaters


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Theaternacht Hamburg: Viel mehr als nur Appetithäppchen

Vielfalt gehört zur Theaternacht Hamburg seit ihrer Gründung, doch nun genügt sie sogar den Ansprüchen der allseits geforderten Diversität. 2022 Erstmals dabei ist das inklusive Klabauter Theater

Text: Dagmar Ellen Fischer 

 

Am 10. September ist wieder Zeit für die Theaternacht Hamburg. In diesem Jahr ist das Theater-Hopping so inklusiv und mobil wie nie zuvor. Rund ein Drittel der teilnehmenden Theater bei der Theaternacht Hamburg bietet rollstuhlgerechten Zugang, zahlreiche Programmpunkte werden von Audiodeskription, Untertitelung und Gebärdendolmetschen begleitet. Außerdem darf man mit dem Theaternacht-Ticket sowohl die speziell für dieses Event gecharterten Shuttle-Busse als auch sämtliche HVV-Linien nutzen. Wie schon vor der Corona-Zwangspause etabliert, teilt sich das Angebot in ein Familienprogramm von 15 bis 19 Uhr und in das Abendprogramm von 19 bis nach 1 Uhr; ab Mitternacht lockt die After-Show-Party im Thalia Theater am Alstertor.

Angebote für Jung und Alt

Ein Angebot für die Allerjüngsten hält die Opera Stabile bereit: „Tut tut! Baby an Bord“ heißt das halbstündige Musiktheater mit einem akustischen Spektrum zwischen bekannten Alltagsgeräuschen und Kunstmusik für Baby-Ohren. Etwas älteren Kindern präsentiert sich das Fundus Theater am neuen Standort – dem Platz der Kinderrechte am Sievekingdamm – nicht nur mit Bühnenausschnitten: Die ganze Familie kann entweder ein spannendes Brettspiel ausprobieren, in dem „Table Animals“ ungewöhnliche Regeln aufstellen, oder eine interaktive Ausstellung besuchen. Auch das Junge Schauspielhaus lockt sein Publikum mit Theaterszenen, aber zusätzlich mit abenteuerlichem Verkleiden und Schminken. Verdammt viel vorgenommen hat sich das Klabauter Theater: Es macht sich zum Anwalt der Natur und einiger Waldbewohner in seinem Stück „und alle tiere rufen: dieser titel rettet die welt auch nicht mehr“!

Theater, Tombola und Traditionelles

Zum Kern der Theaternacht gehören szenische Appetithäppchen, die Lust machen aufs Wiederkommen, entweder mit einem Best-of aus bewährten Inszenierungen oder durch Ausblicke auf kommende Werke. Doch einige Häuser haben sich darüber hinaus Fantasievolles ausgedacht: Im Fundus des Thalia Theaters lagern Kleiderstangen in einer Gesamtlänge von rund 500 Metern, Interessierte können in einer Gruppenführung von maximal zehn Teilnehmern an historischen Kleidern, Fantasiekostümen und Ritterrüstungen entlangschlendern (Treffpunkt: Abendkasse im Foyer). Nicht nur zum Anschauen, sondern sogar zum Mitnehmen bietet das Schauspielhaus Dinge mit bewegter Bühnenvergangenheit: Per Tombola werden sie verlost, und die Einnahmen ermöglichen Kindern und Jugendlichen aus finanziell schlechter gestellten Familien einen Theaterbesuch. Direkt gegenüber hat sich das Ohnsorg Theater ebenfalls etwas jenseits der Bühne einfallen lassen: einen theatralen Rundgang durch den Stadtteil mit dem Titel „St. Georg – en Eiland?“ (Treffpunkt: Wo die bronzene Heidi Kabel die Hand aufhält).

Ein Ticket, 40 Häuser und einige Überraschungen

Das Musiktheater mit dem schönsten Elbblick, das Opernloft, lässt in einem Opern-Slam Sängerinnen und Sänger im Wettstreit gegeneinander ansingen. Und in John Neumeiers Ballettzentrum können Besucher auf vier Etagen einen Blick auf Training und Proben der Ballettschule, des Bundesjugendballetts und des Ensembles des Hamburg Ballett werfen. Auf St. Pauli zeigt das Imperial Theater einen ganzen Abend lang ausnahmsweise keine Krimis, sondern eine berühmte Schauergeschichte: Bram Stokers „Dracula“. In dieser besonderen Nacht öffnet ein Ticket die Türen zu rund 40 Theatern. Und die bespielen längst nicht mehr nur ihre Theatersäle, sondern auch Flure und Foyers, ihren Gastronomie- sowie mitunter den Außenbereich. Noch nicht einmal vor den Shuttle-Bussen macht der Spieltrieb Halt – doch wo genau, das bleibt eine Überraschung!

Tickets gibt’s für 17 Euro (Abendkasse 19 Euro). Für das Familienprogramm von 15 bis 19 Uhr kosten die Karten 8 Euro.

 


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Kulturempfang 2022: Die Szene lebt!

Beim zweiten Kulturempfang von SZENE HAMBURG schauten die Gäste optimistisch auf die Kultursaison 2022/23

Text: Katharina Stertzenbach

Nach der langen pandemie-bedingten Dürrezeit für die Kultur wurde es Zeit, die Hamburger Kulturszene zusammen zu bringen, zu feiern und zu zeigen: Die Szene lebt!

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Die Geschäftsführer von SZENE HAMBURG, Mathias Forkel (l.) und Tanya Kumst (r.) freuen sich auf eine erfolgreiche Kultursaison 2022/23 (Foto: Johanna Zobel)

Zu diesem Anlass kamen rund 300 Gäste zum Kulturempfang von SZENE HAMBURG. In den Gaußhöfen, Tür an Tür mit dem Thalia Gaußstraße, ist die Redaktion des größten und ältesten Kulturmagazins Hamburgs. Grund genug genau hier auf eine erfolgreiche neue Kultursaison 2022/23 anzustoßen. Unter den Gästen waren neben Kulturschaffenden auch bekannte Gesichter aus Politik, Wirtschaft und Gastronomie.

SZENE HAMBURG Geschäftsführer Tanya Kumst und Mathias Forkel betonten zum Auftakt, dass die Kulturszene mit ihrer engagierten, kreativen und vielfältigen Arbeit den Zuspruch der Menschen verdient. Die Spielzeit 2022/23 sei eine, die die Menschen endlich wieder in vollen Zügen genießen können. Und zeigt jetzt schon, wie vielfältig die Kulturszene der Hansestadt ist und welches Potential in ihr steckt.

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Gute Gespräche in schöner Atmosphäre beim Kulturempfang 2022 (Foto: Johanna Zobel)

Bestes Essen und gute Musik

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Das leckere Essen beim Kulturempfang made by Cotidiano (Foto: Johanna Zobel)

Mit Indie-Pop Sounds von Anna Wydra und Band wurde bis spät in den Abend geschnackt, gefeiert und geschlemmt. Mini-Burger, Bowls und Sandwiches vom Cotidiano trafen dabei auf Eis von Milk Made Iceream, Kaffee von den Hanseatic Coffe Roasters. Natürlich durfte bei so einem Hamburger Fest neben fritz kola, bestem Magnus-Wasser, Ratsherrn Bier und Wein von Rindchen‘s Weinkontor auch der obligatorische Helbing nicht fehlen.

Ein rundum gelungener Auftakt für die Kultursaison 2022/23.

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Livemusik gab es beim Kulturempfang von Anna Wydra und Band (Foto: Johanna Zobel)

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Thalia Theater: Das mangelnde Licht

Im Roman „Das mangelnde Licht“ der Deutsch-Georgierin Nino Haratischwili geht es um Freundschaft und Verrat. Das darauf basierende Stück wird am 26. Februar 2022 im Thalia Theater uraufgeführt

Text: Dagmar Ellen Fischer

Perfektes Timing: Am 25. Februar 2022 erscheint der neue Roman „Das mangelnde Licht“ der Deutsch-Georgierin Nino Haratischwili, und nur einen Tag später findet dessen Uraufführung auf der Bühne statt – besser können sich zwei Ereignisse kaum gegenseitig befördern. Zum dritten Mal – nach „Das achte Leben (Für Brilka)“ und „Die Katze und der General“ – verwandelt somit die Hamburger Regisseurin Jette Steckel Literatur der Bestsellerautorin in Theater.

Das jüngste Buch thematisiert ein weiteres Mal Georgiens Historie: Ende der 1980er-Jahre verbindet vier junge Frauen eine besondere Freundschaft; die sensible Qeto, die lebenshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira und die romantische Nene genießen erste Lieben und die Aussicht auf nie zuvor gekannte Freiheiten nach Georgiens Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Doch auf den Freudentaumel folgt der Bürgerkrieg – und das Ende der Freundschaft durch Verrat. Jahrzehnte später treffen sich drei der Frauen wieder und müssen sich dem tragischen Tod ihrer Freundin stellen.

„Das mangelnde Licht“, ab dem 26. Februar 2022 (Uraufführung) am Thalia Theater


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https://szene-hamburg.com/thalia-gausstrasse-tod-venedig/
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Theater: Der Tod in Venedig

Im Thalia an der Gaußstraße ist Thomas Mann in „Der Tod in Venedig“ im Gespräch mit sich selbst

Text: Dagmar Ellen Fischer

Pfeifend schlendern vier Thomas Manns auf die Bühne. Oder ist es vier Mal Gustav von Aschenbach? Wie viel vom Autor im Protagonisten der Novelle „Der Tod in Venedig“ steckt, rätselten Leser schon vor gut hundert Jahren. Auch Bastian Krafts Inszenierung spielt mit der Vermutung, dass sich der Literat in diesem Text selbst porträtiert – und setzt noch einen drauf: Thomas/Gustav lässt er von vier Schauspielerinnen verkörpern: Sandra Flubacher, Karin Neuhäuser, Oda Thormeyer und Victoria Trauttmansdorff werden mit grauem Herrenanzug, Brille, kurzen Haaren und Schnurrbart identisch verkleidet und perfekt vermännlicht.

Ein Geniestreich im Thalia Gauß

Der Regisseur jongliert souverän mit mehreren Ebenen: Einerseits erzählt er nach wie vor die Geschichte des alternden Künstlers von Aschenbach, der für einen 14-Jährigen entflammt und jegliche Würde verliert. Parallel dazu fantasiert er aber auch den Entstehungsund Wortfindungsprozess des Schriftstellers Thomas Mann hinzu. Das gelingt mit sparsam gesetzten Kommentaren (letztlich wird fast ausschließlich im O-Ton der Novelle gesprochen), doch die reichen aus, um sowohl die Blumigkeit der Sprache als auch die Selbstverliebtheit des männlichen Künstlertums jener Zeit behutsam anzukratzen. Als einzige legt Trauttmansdorff nach einer Weile den Anzug ab und mutiert im Matrosen-Outfit zu Tadzio, dem Objekt der Begierde.

Alle weiteren für die Handlung notwendigen Personen tauchen als Projektion auf der Bühnenrückwand auf, in diesen Filmsequenzen ebenfalls gespielt von den vier Darstellerinnen und dank unglaublicher Maskenbildnerkunst noch einmal vollkommen verwandelt. Venedig und die todbringende Seuche machen sich auf der Bühne durch stetig zufließendes Wasser breit, bis am Ende die gesamte Fläche geflutet ist. Dieser pausenlose 90-minütige Abend ist nichts Geringeres als ein Geniestreich.

„Der Tod in Venedig“ im Thalia Gauß, 10. Februar 2022 und weitere Termine


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 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburg beim Berliner Theatertreffen

Das Berliner Theatertreffen hat für das Festival 2022 zwei Hamburger Inszenierungen eingeladen

Text: Felix Willeke

Seit 1964 gibt es das Berliner Theatertreffen im Rahmen der Berliner Festspiele. Eine unabhängige Kritiker:innen-Jury wählt in jedem Jahr die „zehn bemerkenswerte Inszenierungen der Saison“ aus. Für das Treffen vom 6. bis 22. Mai 2022 sind die Hamburger Theater – neben den Berlinern – als einzige mit zwei Inszenierungen vertreten. 

„Die Ruhe“ – Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

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Die Performance „Die Ruhe“ wurde im November 2021 uraufgeführt (Foto: Erich Goldmann)

Im November 2021 eröffnete in der ehemaligen Post- und Paketzentrale von Altona ein neuartiges Regenerationszentrum. In der von Signa Köstler konzipierte Performance „Die Ruhe“ sollen sich alle Lebewesen umfassend von Trauma, Erschöpfung und Verwirrung erholen. Am 19. November 2021 vom Schauspielhaus uraufgeführt, ist die Performance jetzt zum Berliner Theatertreffen 2022 eingeladen. „Auf die posthumanistischen Theorien und Ideen, die gegenwärtig durch viele Diskurse geistern, reagieren SIGNA mit einem konkreten Konzept, wie die Menschheit Mensch für Mensch verschwinden könnte“, sagt dir Jury. Die fünfeinhalbstündige Performance gleiche „einer Einladung, sich in dieser sektenähnlichen Gemeinschaft geborgen zu fühlen. Wer sie annimmt, steigt tief hinab in ein Kaninchenloch aus Manipulation und Missbrauch, Todessehnsucht und Verzweiflung.“ „Die Ruhe“ war eine bis dato einmalige Performance und wird aktuell nicht aufgeführt.

„Doughnuts“ – Thalia Theater

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„Doughnuts“ läuft seit Januar 2022 am Thalia Gaußstraße (Foto: Fabian Hammerl)

Die zweite Einladung geht an das Thalia Theater. Am Standort Gaußstraße führt Toshiki Okada bei „Doughnuts“ Regie. Dabei lässt er Menschen der Hypermoderne an verschiedenen Orten aufeinandertreffen. Das Ganze ist dabei an das japanischen No¯ Theaters angelehnt. Die Jury der Berliner Theatertreffens bezeichnet die Inszenierung als einen „Ausflug ins absurde Theater der Hochmoderne“, bei der die Figuren nur davon aufgehalten werden, dass das Taxi einfach nicht kommt. „Was bleibt, ist warten, reden und bewegen. Sie begleiten ihre Sätze mit komplizierten, hochkonzentriert ausgeführten Choreografien aus gerne gegenläufigen und trotzdem vollkommen organischen Arm-, Bein- und Hüftverrenkungen“, so die Jury weiter. „Doughnuts“ ist noch bis voraussichtlich Ende März 2022 im Thalia Gaußstraße zu sehen.


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Lessing-Preis 2022 für Uwe Timm

Der Autor von „Morenga“, „Am Beispiel meines Bruders“ und „Ikarien“ wurde am 23. Januar 2022 mit dem Lessing-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet

Text: Felix Willeke

 

Seit 1930 vergibt die Stadt Hamburg den heute mit 10.000 Euro dotierten Lessing-Preis an Dichter, Schriftsteller und Gelehrte. Der seit 1977 alle vier Jahre vergebene Preis soll Menschen ehren, „deren Werke und Wirken unter dem hohen Anspruch, den der Namensgeber des Preises setzt, Auszeichnung verdienen“. Bei der Verleihung am 23. Januar 2022 im Thalia Theater ging der Preis in diesem Jahr an den in Hamburg geborenen Schriftsteller Uwe Timm. Er „beschönigt nichts und besteht zugleich auf dem Prinzip Hoffnung. Nicht zuletzt dies verbindet ihn mit Gotthold Ephraim Lessing“, heißt es in der Begründung. Zuletzt veröffentlichte der 81-Jährige mit „Der Verrückte in den Dünen“ eine Reflexion über Utopie und Literatur.

 

Das Stipendium

 

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„Bildgeschichten mit einer starken narrativen Kraft“ von der Lessing-Stipendiatin 2022, Birgit Weyhe (Foto: Sabine Reinecke)

Seit 1953 wird zusätzlich zum Lessing-Preis ein Förderstipendium vergeben. Die mit 5.000 Euro dotierte Förderung geht in diesem Jahr an Birgit Weyhe. Die 53-jährige Comiczeichnerin, Illustratorin und Autorin von Graphic Novels wird für ihre Bildgeschichten ausgezeichnet, die „eine starke narrative Kraft“ haben, so das Preisrichter:innenkollegium. Weyhe gehöre „zu den Impulsgebern einer neuen Generation von selbstbewussten Zeichnerinnen, die auf die eindrückliche Kombination von Text und Bild setzen.“ 2022 erscheint ihr neues Comic „Rude Girl“, das Thema: Kulturelle Aneignung.


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„Rhythmus in Dosen“ im Thalia Theater

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys kommen mit Eigenkompositionen und Evergreens im Dezember nach Hamburg ins Thalia Theater

Text: Rosa Krohn

 

Die elegante Herrenband um den Schauspieler Ulrich Tukur ist mit ihrem Sonderprogramm „Rhythmus in Dosen“ erneut auf Tour. 1995 hat Tukur das optisch markante Quartett mit dem Titel „Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“ zusammen mit Günther Mayer am Kontrabass, Ulrich Mayer an der Gitarre und Karl-Friedrich Mews am Schlagzeug gegründet. Tukur selbst spielt Klavier, Akkordeon und singt. Gemeinsam bringen sie eine harmonische Mischung aus Entertainment und Musik auf die Bühne. Am 16. und 17. Dezember 2021 spielt die Tanzkapelle im Thalia Theater das, was das nostalgische Herz begehrt: sowohl alte Klassiker als auch Eigenkompositionen, vom Mambo bis Foxtrott.

„Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“, am 16. und 17. Dezember 2021 im Thalia Theater; thalia-theater.de

Hier gibt‘s einen Vorgeschmack auf das das optisch markante Quartett:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Seine Bücher haben mich geprägt“

David Foster Wallace war Mathematikgenie, Tennis-Ass, Hochschullehrer und Autor. 2008 nahm er sich im Alter von 46 Jahren das Leben. Seine Erzählung „Neon in alter Vertrautheit“ bringt Thalia-Schauspieler Sebastian Zimmler nun auf die Bühne an der Gaußstraße

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

SZENE HAMBURG: „Neon“ erzählt vom Selbstmörder Neal, der einen Abschiedsbrief nach (!) seinem Tod schreibt und darin gesteht, dass er zeitlebens ein Heuchler war, immer gierig nach Bewunderung und dem Applaus der anderen. Warum dieser Text jetzt?

Sebastian Zimmler: Als ich „Neon“ das erste Mal las, hatte ich sofort (Theater-) Bilder im Kopf. Ich sah den Protagonisten dieser Story als eine Art Alter Ego: einen Spieler, der auf der Bühne steht und viel Zeit und Mühe investiert, um vor anderen als beeindruckend und „authentisch“ dazustehen, daran aber schmerzvoll scheitert. Mit diesem Stoff hatte ich vor längerer Zeit ans Intendantenbüro geklopft, aber erst die Pandemie öffnete mir dieses Jahr die Tür zur Studiobühne.

Rechnen Sie damit, dass das Publikum den Autor und seine Bedeutung kennt?

Ich kenne tatsächlich nur wenige Menschen, die ihn gelesen haben, dennoch ist er längst kein Geheimtipp mehr. Und wenn ich den Text zum Anlass nehme, die Figur des Heuchlers zu performen, sollte das natürlich auch exklusiv, ohne Hintergrund von Werk und Autor, funktionieren.

 

David Forster Wallace und die Intimität

 

In „Neon“ geht es um einen Selbstmörder, es gibt also diese Parallele zum Leben des Autors. Wie gehen Sie damit um?

Auch wenn für mich der Suizid von David Foster Wallace in dieser Erzählung eine Gänsehaut verursachende Präsenz hat, ist es mir doch wichtig, zwischen Werk und Biografie des Autors zu unterscheiden. Das Geschriebene ist groß und stark und bedarf gewissermaßen keiner Perspektivierung auf den Autor.

Wie würden Sie den eigenen Maßstab formulieren, dem Autor mit dieser Inszenierung gerecht zu werden?

Ich bin ein großer David-Foster-Wallace-Fan und habe alle seine Bücher gelesen. Sie haben mich geprägt, verändert und mein Schaffen als Schauspieler beeinflusst. Ich würde gerne so spielen können, wie er geschrieben hat: eine Intimität herstellend, der man sich schwer entziehen kann und die so unterhaltsam ist und doch immer ernsthaft, moralisch aufgeladen und stets unironisch.

In „Neon“ heißt es: „In Wahrheit ist das Sterben nicht schlimm; es dauert nur ewig lange. Und ewig nimmt keine Zeit in Anspruch.“ Kommentieren Sie solche Sätze durch Ihr Spiel?

Es geht um die Behauptung, „dass die Nano-Sekunde zwischen dem Eintreten des klinischen Todes und ‚dem, was danach passiert‘, in Wirklichkeit unendlich ausgedehnt ist“. Den Gedanken, dass die Zeit in Wirklichkeit nicht entlang einer Geraden verläuft, muss ich als Spieler zunächst gar nicht kommentieren. Ihn zu denken, ist schon schwer genug.

 

Nähe und Gleichzeitigkeit durch Projektion

 

Sie arbeiten mit Projektionen, welche Funktion erfüllen sie?

Die Projektionen sollen helfen, eine Nähe und Gleichzeitigkeit zu erzeugen, in der Vergangenheit und Zukunft Illusionen der Gegenwart sind. Wenn man so will, eine Art Doppelbelichtung und auch eine Lupe, unter der wir den Blender sehen.

Dass Texte – oder Kunst allgemein – aus eigenem persönlichem Leiden geboren werden, würde der Autor vermutlich nicht gelten lassen, wie schauen Sie auf dessen schriftstellerisches Werk unter diesem Aspekt?

Seinen hyperempfindlichen Sinn für Bilder, in denen lässiges Beobachten und äußerste Verletzbarkeit zusammenfließen, finde ich phänomenal. Ich sehe David Foster Wallace auf einer Linie mit Balzac und Dostojewski!

„Neon in alter Vertrautheit“, Thalia Gaußstraße, 12. November 2021 (Uraufführung), 24. November und weitere Termine

Hier gibt’s den Trailer zu „Neon in alter Vertrautheit“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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