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Thalia Theater: Das mangelnde Licht

Im Roman „Das mangelnde Licht“ der Deutsch-Georgierin Nino Haratischwili geht es um Freundschaft und Verrat. Das darauf basierende Stück wird am 26. Februar 2022 im Thalia Theater uraufgeführt

Text: Dagmar Ellen Fischer

Perfektes Timing: Am 25. Februar 2022 erscheint der neue Roman „Das mangelnde Licht“ der Deutsch-Georgierin Nino Haratischwili, und nur einen Tag später findet dessen Uraufführung auf der Bühne statt – besser können sich zwei Ereignisse kaum gegenseitig befördern. Zum dritten Mal – nach „Das achte Leben (Für Brilka)“ und „Die Katze und der General“ – verwandelt somit die Hamburger Regisseurin Jette Steckel Literatur der Bestsellerautorin in Theater.

Das jüngste Buch thematisiert ein weiteres Mal Georgiens Historie: Ende der 1980er-Jahre verbindet vier junge Frauen eine besondere Freundschaft; die sensible Qeto, die lebenshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira und die romantische Nene genießen erste Lieben und die Aussicht auf nie zuvor gekannte Freiheiten nach Georgiens Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Doch auf den Freudentaumel folgt der Bürgerkrieg – und das Ende der Freundschaft durch Verrat. Jahrzehnte später treffen sich drei der Frauen wieder und müssen sich dem tragischen Tod ihrer Freundin stellen.

„Das mangelnde Licht“, ab dem 26. Februar 2022 (Uraufführung) am Thalia Theater


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Theater: Der Tod in Venedig

Im Thalia an der Gaußstraße ist Thomas Mann in „Der Tod in Venedig“ im Gespräch mit sich selbst

Text: Dagmar Ellen Fischer

Pfeifend schlendern vier Thomas Manns auf die Bühne. Oder ist es vier Mal Gustav von Aschenbach? Wie viel vom Autor im Protagonisten der Novelle „Der Tod in Venedig“ steckt, rätselten Leser schon vor gut hundert Jahren. Auch Bastian Krafts Inszenierung spielt mit der Vermutung, dass sich der Literat in diesem Text selbst porträtiert – und setzt noch einen drauf: Thomas/Gustav lässt er von vier Schauspielerinnen verkörpern: Sandra Flubacher, Karin Neuhäuser, Oda Thormeyer und Victoria Trauttmansdorff werden mit grauem Herrenanzug, Brille, kurzen Haaren und Schnurrbart identisch verkleidet und perfekt vermännlicht.

Ein Geniestreich im Thalia Gauß

Der Regisseur jongliert souverän mit mehreren Ebenen: Einerseits erzählt er nach wie vor die Geschichte des alternden Künstlers von Aschenbach, der für einen 14-Jährigen entflammt und jegliche Würde verliert. Parallel dazu fantasiert er aber auch den Entstehungsund Wortfindungsprozess des Schriftstellers Thomas Mann hinzu. Das gelingt mit sparsam gesetzten Kommentaren (letztlich wird fast ausschließlich im O-Ton der Novelle gesprochen), doch die reichen aus, um sowohl die Blumigkeit der Sprache als auch die Selbstverliebtheit des männlichen Künstlertums jener Zeit behutsam anzukratzen. Als einzige legt Trauttmansdorff nach einer Weile den Anzug ab und mutiert im Matrosen-Outfit zu Tadzio, dem Objekt der Begierde.

Alle weiteren für die Handlung notwendigen Personen tauchen als Projektion auf der Bühnenrückwand auf, in diesen Filmsequenzen ebenfalls gespielt von den vier Darstellerinnen und dank unglaublicher Maskenbildnerkunst noch einmal vollkommen verwandelt. Venedig und die todbringende Seuche machen sich auf der Bühne durch stetig zufließendes Wasser breit, bis am Ende die gesamte Fläche geflutet ist. Dieser pausenlose 90-minütige Abend ist nichts Geringeres als ein Geniestreich.

„Der Tod in Venedig“ im Thalia Gauß, 10. Februar 2022 und weitere Termine


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Hamburg beim Berliner Theatertreffen

Das Berliner Theatertreffen hat für das Festival 2022 zwei Hamburger Inszenierungen eingeladen

Text: Felix Willeke

Seit 1964 gibt es das Berliner Theatertreffen im Rahmen der Berliner Festspiele. Eine unabhängige Kritiker:innen-Jury wählt in jedem Jahr die „zehn bemerkenswerte Inszenierungen der Saison“ aus. Für das Treffen vom 6. bis 22. Mai 2022 sind die Hamburger Theater – neben den Berlinern – als einzige mit zwei Inszenierungen vertreten. 

„Die Ruhe“ – Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

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Die Performance „Die Ruhe“ wurde im November 2021 uraufgeführt (Foto: Erich Goldmann)

Im November 2021 eröffnete in der ehemaligen Post- und Paketzentrale von Altona ein neuartiges Regenerationszentrum. In der von Signa Köstler konzipierte Performance „Die Ruhe“ sollen sich alle Lebewesen umfassend von Trauma, Erschöpfung und Verwirrung erholen. Am 19. November 2021 vom Schauspielhaus uraufgeführt, ist die Performance jetzt zum Berliner Theatertreffen 2022 eingeladen. „Auf die posthumanistischen Theorien und Ideen, die gegenwärtig durch viele Diskurse geistern, reagieren SIGNA mit einem konkreten Konzept, wie die Menschheit Mensch für Mensch verschwinden könnte“, sagt dir Jury. Die fünfeinhalbstündige Performance gleiche „einer Einladung, sich in dieser sektenähnlichen Gemeinschaft geborgen zu fühlen. Wer sie annimmt, steigt tief hinab in ein Kaninchenloch aus Manipulation und Missbrauch, Todessehnsucht und Verzweiflung.“ „Die Ruhe“ war eine bis dato einmalige Performance und wird aktuell nicht aufgeführt.

„Doughnuts“ – Thalia Theater

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„Doughnuts“ läuft seit Januar 2022 am Thalia Gaußstraße (Foto: Fabian Hammerl)

Die zweite Einladung geht an das Thalia Theater. Am Standort Gaußstraße führt Toshiki Okada bei „Doughnuts“ Regie. Dabei lässt er Menschen der Hypermoderne an verschiedenen Orten aufeinandertreffen. Das Ganze ist dabei an das japanischen No¯ Theaters angelehnt. Die Jury der Berliner Theatertreffens bezeichnet die Inszenierung als einen „Ausflug ins absurde Theater der Hochmoderne“, bei der die Figuren nur davon aufgehalten werden, dass das Taxi einfach nicht kommt. „Was bleibt, ist warten, reden und bewegen. Sie begleiten ihre Sätze mit komplizierten, hochkonzentriert ausgeführten Choreografien aus gerne gegenläufigen und trotzdem vollkommen organischen Arm-, Bein- und Hüftverrenkungen“, so die Jury weiter. „Doughnuts“ ist noch bis voraussichtlich Ende März 2022 im Thalia Gaußstraße zu sehen.


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Lessing-Preis 2022 für Uwe Timm

Der Autor von „Morenga“, „Am Beispiel meines Bruders“ und „Ikarien“ wurde am 23. Januar 2022 mit dem Lessing-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet

Text: Felix Willeke

 

Seit 1930 vergibt die Stadt Hamburg den heute mit 10.000 Euro dotierten Lessing-Preis an Dichter, Schriftsteller und Gelehrte. Der seit 1977 alle vier Jahre vergebene Preis soll Menschen ehren, „deren Werke und Wirken unter dem hohen Anspruch, den der Namensgeber des Preises setzt, Auszeichnung verdienen“. Bei der Verleihung am 23. Januar 2022 im Thalia Theater ging der Preis in diesem Jahr an den in Hamburg geborenen Schriftsteller Uwe Timm. Er „beschönigt nichts und besteht zugleich auf dem Prinzip Hoffnung. Nicht zuletzt dies verbindet ihn mit Gotthold Ephraim Lessing“, heißt es in der Begründung. Zuletzt veröffentlichte der 81-Jährige mit „Der Verrückte in den Dünen“ eine Reflexion über Utopie und Literatur.

 

Das Stipendium

 

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„Bildgeschichten mit einer starken narrativen Kraft“ von der Lessing-Stipendiatin 2022, Birgit Weyhe (Foto: Sabine Reinecke)

Seit 1953 wird zusätzlich zum Lessing-Preis ein Förderstipendium vergeben. Die mit 5.000 Euro dotierte Förderung geht in diesem Jahr an Birgit Weyhe. Die 53-jährige Comiczeichnerin, Illustratorin und Autorin von Graphic Novels wird für ihre Bildgeschichten ausgezeichnet, die „eine starke narrative Kraft“ haben, so das Preisrichter:innenkollegium. Weyhe gehöre „zu den Impulsgebern einer neuen Generation von selbstbewussten Zeichnerinnen, die auf die eindrückliche Kombination von Text und Bild setzen.“ 2022 erscheint ihr neues Comic „Rude Girl“, das Thema: Kulturelle Aneignung.


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„Rhythmus in Dosen“ im Thalia Theater

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys kommen mit Eigenkompositionen und Evergreens im Dezember nach Hamburg ins Thalia Theater

Text: Rosa Krohn

 

Die elegante Herrenband um den Schauspieler Ulrich Tukur ist mit ihrem Sonderprogramm „Rhythmus in Dosen“ erneut auf Tour. 1995 hat Tukur das optisch markante Quartett mit dem Titel „Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“ zusammen mit Günther Mayer am Kontrabass, Ulrich Mayer an der Gitarre und Karl-Friedrich Mews am Schlagzeug gegründet. Tukur selbst spielt Klavier, Akkordeon und singt. Gemeinsam bringen sie eine harmonische Mischung aus Entertainment und Musik auf die Bühne. Am 16. und 17. Dezember 2021 spielt die Tanzkapelle im Thalia Theater das, was das nostalgische Herz begehrt: sowohl alte Klassiker als auch Eigenkompositionen, vom Mambo bis Foxtrott.

„Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“, am 16. und 17. Dezember 2021 im Thalia Theater; thalia-theater.de

Hier gibt‘s einen Vorgeschmack auf das das optisch markante Quartett:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Seine Bücher haben mich geprägt“

David Foster Wallace war Mathematikgenie, Tennis-Ass, Hochschullehrer und Autor. 2008 nahm er sich im Alter von 46 Jahren das Leben. Seine Erzählung „Neon in alter Vertrautheit“ bringt Thalia-Schauspieler Sebastian Zimmler nun auf die Bühne an der Gaußstraße

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

SZENE HAMBURG: „Neon“ erzählt vom Selbstmörder Neal, der einen Abschiedsbrief nach (!) seinem Tod schreibt und darin gesteht, dass er zeitlebens ein Heuchler war, immer gierig nach Bewunderung und dem Applaus der anderen. Warum dieser Text jetzt?

Sebastian Zimmler: Als ich „Neon“ das erste Mal las, hatte ich sofort (Theater-) Bilder im Kopf. Ich sah den Protagonisten dieser Story als eine Art Alter Ego: einen Spieler, der auf der Bühne steht und viel Zeit und Mühe investiert, um vor anderen als beeindruckend und „authentisch“ dazustehen, daran aber schmerzvoll scheitert. Mit diesem Stoff hatte ich vor längerer Zeit ans Intendantenbüro geklopft, aber erst die Pandemie öffnete mir dieses Jahr die Tür zur Studiobühne.

Rechnen Sie damit, dass das Publikum den Autor und seine Bedeutung kennt?

Ich kenne tatsächlich nur wenige Menschen, die ihn gelesen haben, dennoch ist er längst kein Geheimtipp mehr. Und wenn ich den Text zum Anlass nehme, die Figur des Heuchlers zu performen, sollte das natürlich auch exklusiv, ohne Hintergrund von Werk und Autor, funktionieren.

 

David Forster Wallace und die Intimität

 

In „Neon“ geht es um einen Selbstmörder, es gibt also diese Parallele zum Leben des Autors. Wie gehen Sie damit um?

Auch wenn für mich der Suizid von David Foster Wallace in dieser Erzählung eine Gänsehaut verursachende Präsenz hat, ist es mir doch wichtig, zwischen Werk und Biografie des Autors zu unterscheiden. Das Geschriebene ist groß und stark und bedarf gewissermaßen keiner Perspektivierung auf den Autor.

Wie würden Sie den eigenen Maßstab formulieren, dem Autor mit dieser Inszenierung gerecht zu werden?

Ich bin ein großer David-Foster-Wallace-Fan und habe alle seine Bücher gelesen. Sie haben mich geprägt, verändert und mein Schaffen als Schauspieler beeinflusst. Ich würde gerne so spielen können, wie er geschrieben hat: eine Intimität herstellend, der man sich schwer entziehen kann und die so unterhaltsam ist und doch immer ernsthaft, moralisch aufgeladen und stets unironisch.

In „Neon“ heißt es: „In Wahrheit ist das Sterben nicht schlimm; es dauert nur ewig lange. Und ewig nimmt keine Zeit in Anspruch.“ Kommentieren Sie solche Sätze durch Ihr Spiel?

Es geht um die Behauptung, „dass die Nano-Sekunde zwischen dem Eintreten des klinischen Todes und ‚dem, was danach passiert‘, in Wirklichkeit unendlich ausgedehnt ist“. Den Gedanken, dass die Zeit in Wirklichkeit nicht entlang einer Geraden verläuft, muss ich als Spieler zunächst gar nicht kommentieren. Ihn zu denken, ist schon schwer genug.

 

Nähe und Gleichzeitigkeit durch Projektion

 

Sie arbeiten mit Projektionen, welche Funktion erfüllen sie?

Die Projektionen sollen helfen, eine Nähe und Gleichzeitigkeit zu erzeugen, in der Vergangenheit und Zukunft Illusionen der Gegenwart sind. Wenn man so will, eine Art Doppelbelichtung und auch eine Lupe, unter der wir den Blender sehen.

Dass Texte – oder Kunst allgemein – aus eigenem persönlichem Leiden geboren werden, würde der Autor vermutlich nicht gelten lassen, wie schauen Sie auf dessen schriftstellerisches Werk unter diesem Aspekt?

Seinen hyperempfindlichen Sinn für Bilder, in denen lässiges Beobachten und äußerste Verletzbarkeit zusammenfließen, finde ich phänomenal. Ich sehe David Foster Wallace auf einer Linie mit Balzac und Dostojewski!

„Neon in alter Vertrautheit“, Thalia Gaußstraße, 12. November 2021 (Uraufführung), 24. November und weitere Termine

Hier gibt’s den Trailer zu „Neon in alter Vertrautheit“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Stockheaded Peter: Kein Kinderparadies, nirgends

Mit über 500 (!) Auflagen ist „Der Struwwelpeter“ eines der erfolgreichsten Kinder­bücher. Es wurde nicht nur in zahlreiche Sprachen über­ setzt, sondern auch zigfach interpretiert. Besonders unterhaltsam ist die britische Bühnenadaption „Shock­headed Peter“. Damit eröffnet das Thalia Theater die neue Spielzeit

Text: Dagmar Ellen Fischer

Sie dürfen in der Nase bohren, schreien und toben – und niemand nervt sie mit Verboten: Fünf Kinder hausen ohne Eltern irgendwo im Abseits und erziehen beziehungsweise bevormunden sich gegenseitig. Ihr großes Vorbild: „Der Struwwelpeter“. Oder genauer: „Shockheaded Peter“. Denn was im berühmt-berüchtigten deutschen Kinderbuch aus dem 19. Jahrhundert noch als Mahnung und Drohung für Heranwachsende gedacht war, verwandelt sich in der englischen Bühnenbearbeitung ins  genaue Gegenteil. Motive des Buches – wie den Zappelphilipp, den Suppenkaspar und den am Daumen lutschenden Konrad – verarbeiteten Julian Crouch und Phelim McDermott zur sogenannten Junk-Opera. Die Musik komponierte Martyn Jacques, Gründer der Londoner Kultband „The Tiger Lillies“.

 

Eine Erfolgsgeschichte

 

Seit der Uraufführung 1998 schreibt das Musiktheaterstück international Erfolgsgeschichte, für Bühnen hierzulande mussten die Texte natürlich wieder in die Sprache des Kinderbuchautors, des Psychiaters Dr. Heinrich Hoffmann, rückübersetzt werden. Was kaum jemand weiß: 1845 verfasste Dr. Hoff- mann den „Struwwelpeter“, weil er auf der Suche nach einem Bilderbuch für seinen dreijährigen (!) Sohn nicht fündig wurde; später schrieb er weitere Veröffentlichungen sogar unter dem Pseudonym Peter Struwwel! Seine Furcht einflößenden, drastischen Schicksale versprechen im Untertitel des Originals „Lustige Geschichten und drollige Bilder“. In „Shock- headed Peter“ aber übertreiben die Macher vieles bis zur Groteske und erzählen makabre und blutrünstige Storys voll schwarzem, britischem Humor.

 

Die Inszenierung: Prominent besetzt

 

Vor gut zwanzig Jahren holte sich das Hamburger Schauspielhaus die deutschsprachige Erstaufführung. Für das Thalia Theater inszenierten in diesem Jahr Peter Jordan – ehemaliges Ensemble-Mitglied – und Leonhard Koppelmann, mehrfach ausgezeichneter Hörspielregisseur, ihre Version. Die hatte im März Streaming-Premiere und wird im August die nächste Spielzeit live auf der Bühne eröffnen. Hier spielen Julian Greis, Merlin Sandmeyer, Cornelia Schirmer, Cathérine Seifert und Victoria Trauttmansdorff die fünf verwahrlosten Kinder. Jedes Einzelne wohnt in einem kleinen eigenen Areal in, über und vor einem Etagenbett. Greis in der Rolle als größtes Kind übernimmt eine Führungsfunktion, er ist der unbeliebte neue Bestimmer, die anderen nennen ihn Chef. Er stimmt die „Shockheaded Peter“-Hymne an auf das bewunderte Idol, das sich weigerte, Haare und Nägel zu schneiden. Eine Jüngerin (Cornelia Schirmer) betet: „Er ist unser Held, unser Gott, unser Erlöser und Leiter. Er ist der Herr der verlorenen Kinder.“

 

Es überlebt niemand

 

Die Songs bleiben in englischer Sprache, und da die meisten Figuren ohnehin bekannt sind, ist „Thumbsucker“ so klar wie Daumenlutscher. Trauttmansdorff beispielsweise verkörpert das Mädchen mit der fatalen Vorliebe für Streichhölzer; in ihrer Moritat beschreibt sie, wie das Feuer ausbricht – wofür sie von ihrem sexistischen Onkel noch gezüchtigt wird, bevor sie in Flammen steht. Geht’s bei Hoffmann recht brutal zu, so endet doch nicht jedes der abschreckenden Beispiele tödlich. In der Junk-Opera aber überlebt niemand. Hier ist der zappelige Philipp (Sandmeyer) ein stotterndes, hyperaktives Kind mit mehreren Tics; nachdem seine unkontrollierbaren nervösen Zuckungen Geschirr und Besteck des gedeckten Tischs mit in die Tiefe gerissen haben, stecken einige Messer und Gabeln im am Boden liegenden, sterbenden Jungen. Auch den bösen Friederich erwischt es am Ende, schillernd besungen von Seifert: Wird der sadistische Kerl im Buch nur mit einem Hundebiss bestraft, so heißt es auf der Bühne gut gereimt „Fred is dead!“ Schließlich gesteht die große Schwester von Hans-Guck-in-die-Luft, dass sie keine Lust mehr hatte, immer auf den blöden Bruder aufzupassen, und so ertrank er halt. Alle eint die trotzige Rebellion gegen elterliche Ordnung. Doch eines Tages zweifeln die Outlaws an ihrem (selbst ernannten) Führer und stellen unbequeme Fragen …

Die großartige Musik der Tiger Lillies trägt den 80-minütigen Abend maßgeblich dank einer Mischung aus Punk und Jazz, Balladen und Bänkelliedern.

„Shockheaded Peter“ im Thalia Theater, 21.8. (Premiere), weitere Termine bis 30.9.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Wie nachhaltig sind Hamburgs Kulturinstitutionen?

Statements: Was tun Hamburgs Kulturinstitutionen in Sachen Nachhaltigkeit?

Protokolle: Anna Meinke & Erik Brandt-Höge

 

Mike Keller, Markthalle Hamburg

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„Nachhaltigkeit ist für uns mehr als nur Umweltschutz. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz – wir als Unternehmen zeigen im Spannungsfeld von Umwelt, Natur, Wirtschaft und Mensch Verantwortung. So achten wir beispielsweise auf eine nachhaltige Energieversorgung und verringern stets unsere Abfallproduktion.

Außerdem achten wir auf eine flexible Arbeitszeitgestaltung, führen regelmäßig Fortbildungen zu zukunftsrelevanten Themen mit unseren Mitarbeitenden durch und zeigen klare Haltung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Damit können wir einen kleinen Teil zur gesellschaftlichen Transformation in Richtung Nachhaltigkeit beitragen.

Als Kulturbetrieb sind wir systemrelevant für Menschen, das sehen und spüren wir derzeit sehr deutlich. Von daher ist es nur logisch, dass wir uns als bedeutsamer Teil der Gesellschaft im Bereich Nachhaltigkeit engagieren. Kulturschaffende können mit ihrer Arbeit auf Fehlentwicklungen oder Herausforderungen in der Gesellschaft aufmerksam machen und mögliche Lösungen anregen oder begleiten.“

 

Matthias Elwardt, Zeise Kinos

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Foto: Heike Blenk

„Kino ist ein nachhaltiges Lebensmittel – und das Zeise Kino hat sich schon früh Gedanken über Nachhaltigkeit gemacht und lokale Partner gesucht. Für unseren Bio-Tee vom Hamburger Produzent Samova und unseren ‚Hey Dude‘-Biokaffee aus Ottensen nutzen wir Gläser mit Henkel. Für Wein und andere Getränke haben wir robuste 0,15-Liter-Gläser. So gibt es bei uns weder Strohhalme, noch Plastik- oder Pappbecher.

Unser Eis kommt von Luciella’s aus Hamburg, und neu ist unser Zeise-Bio-Bier mit eigenem Etikett vom Wildwuchs Brauwerk. Zudem ist unser Kino ein Ort für Filme zu sozialen und Umweltthemen, womit wir zum Nach- und Umdenken anregen wollen. Und wir kommen hier mit Filmemachern sowie lokalen Initiativen ins Gespräch.“

 

Marcel Kummerfeld, Barbarabar

„Alles, was man nachhaltig gestalten kann, ist in der Barbarabar auch nachhaltig. Und wir merken, dass das gar nicht so schwer ist: Auf der Getränkekarte steht das Bio-Bier ganz oben und schmeckt mindestens genauso gut wie ein herkömmliches Bier. Der alternativlose Bio-Wein ist nicht einmal teurer als der konventionelle Wein.

Putzmittel und Handseife ohne Mikroplastik gibt’s in jedem Supermarkt, man muss sich nur dafür entscheiden. Und die Kosten für die neu eingebauten Fenster haben wir durch eingesparte Heizkosten schon wieder rausbekommen. Eine Solaranlage auf dem Dach und Zeitschaltuhren an den Kühlschränken sorgen für ein nachhaltiges Energiemanagement.

Wir machen das aus Überzeugung. Und es zahlt sich aus: Aktuell bauen wir mit unserer neu gegründeten Firma hello sun Solarbau Photovoltaikanlagen zum Beispiel auch für umliegende Bars und andere Gewerbebetriebe – das hält uns während der Pandemie über Wasser, verbreitet den Nachhaltigkeitsgedanken und sorgt für günstige Strompreise in den Betrieben.“

 

AG Nachhaltigkeit des Thalia Theater

„Seit September 2019 widmet sich das Thalia Theater gezielt dem Thema Nachhaltigkeit. Warum? Weil gerade wir als namhafte Kulturinstitution mit mehr als 350 Festangestellten einen Beitrag leisten sollten, wollen und können! Im Rahmen von stets anfallenden Sanierungsfragen wird das Thema Nachhaltigkeit sukzessive brisanter.

Nach einer abteilungsübergreifenden Umfrage zum Ist-Stand sowie den Wünschen und Zielen, die die einzelnen Abteilungen mittel- und langfristig verfolgen, wurde dann die AG Nachhaltigkeit gegründet. In regelmäßigen Abständen treffen sich die Vertreter und Vertreterinnen der Abteilungen und erarbeiten gemeinsam, welche Maßnahmen den Betrieb im Rahmen der ökologischen Nachhaltigkeit weiterbringen, beispielsweise zu den Bereichen Gastronomie, Verkehr, Mülltrennung, Sanierungs- und Baumaßnahmen, Ausstattung und Büroarbeitsplätzen.

Durch monatliche Kampagnen sollen die Mitarbeitenden durch kleine, aber wirkungsvolle Anregungen zur Nachhaltigkeit am eigenen Arbeitsplatz selbst in die Praxis kommen.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Lessingtage 2021: „Es ist ein großes Experiment“

Die vom Thalia Theater und dem Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm initiierten Lessingtage 2021 werden per Internet-Stream präsentiert. Kuratorin Nora Hertlein und Intendant Joachim Lux wünschen sich eine „paneuropäische Theatercouch“

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Herr Lux, wie schnell und leicht haben Sie die Entscheidung getroffen, die Lessingtage aufgrund des erneuten Corona-Lockdowns digital stattfinden zu lassen?

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Intendant des Thalia Theaters: Joachim Lux (Foto: Armin Smailovic)

Joachim Lux: Wir hatten uns bis November noch der Illusion hingegeben, die Lessingtage würden das erste Festival sein, bei dem europäische Kultur sich nach Corona wieder treffen kann. Dafür haben wir aus unserer Sicht eines der spannendsten Programme zusammengestellt, die wir je hatten.

Danach fällt es einem natürlich wahnsinnig schwer, das zu streichen. Im Rahmen von „mitos21“, einem Netzwerk europäischer Theatermacher, dem auch wir angehören, haben wir dann beschlossen, alles zu ändern und ein nicht kuratiertes Festival auf die Beine zu stellen, für das die Theater selbst entscheiden, welche Aufführungen sie zeigen möchten.

Frau Hertlein, als Kuratorin des internationalen Programms am Thalia Theater haben Sie im letzten Jahr zum ersten Mal die Lessingtage kuratiert. Wie hat sich Ihre organisatorische Arbeit für das Festival durch Corona verändert?

Nora Hertlein: Durch die Reiseeinschränkungen ist der Anteil von Theateraufführungen, die ich mir per Video Nora-Hertlein-Foto-Armin-Smailovic1angeschaut habe, massiv in die Höhe geschnellt. Wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen in den unterschiedlichen Ländern gebeten, uns Aufnahmen von Inszenierungen zu schicken, von denen sie glauben, dass sie ihr jeweiliges Theater am besten repräsentieren.

Von den meisten Häusern haben wir, zwei bis drei Stücke zur Auswahl bekommen, wodurch ich die Möglichkeit hatte, noch einen kleinen kuratorischen Bogen zu spannen. Dabei kam es mir diesmal besonders auf die Herstellung von Kontexten und die dramaturgisch-inhaltliche Aufbereitung der Inszenierungen an. Auf unserer Homepage findet man Hintergrundmaterialien, Making-of-Videos, Interviews mit Regieführenden und kommentierende Texte.

 

Welten der Fantasie, der Freiheit und der Schönheit erschaffen

 

Wie gehen Theatermacher mit der gesellschaftlichen Fokussierung auf das Corona-Thema um? Muss das Theater in diesem Strom mitschwimmen, um interessant zu bleiben? Oder kommt es gerade jetzt darauf an, die Themenvielfalt zu wahren?

Lux: Ganz klar Letzteres. Das gilt auch für die zukünftige Arbeit. Es herrscht ja ein fast terroristischer Gestus dieses Virus vor, dem die Medien aus ökonomischen Interessen folgen, indem sie tägliche neue Überbietungsnachrichten präsentieren.

Ich glaube, die große Sehnsucht der Menschen zielt darauf, eine Gegenwelt zu erfahren. Welten der Fantasie, der Freiheit und der Schönheit zu erschaffen, das ist unsere Aufgabe. Das Theater wäre sehr schwach, wenn es nur versuchen würde, die aktuelle Situation zu spiegeln.

Hertlein: Wobei viele wichtige politische Themen durch die Pandemie an den Rand gedrängt werden. Es geht also nicht nur darum, eskapistisch andere Geschichten anzubieten, sondern um viele andere Probleme in der Welt, um die wir uns als künstlerische Institution kümmern wollen. Was passiert derzeit in Ungarn und Polen? Wie kann man den politischen Druck dort künstlerisch ins Blickfeld holen?

Lux: Wir hatten auch kurz überlegt, Live-Streamings der einzelnen Aufführungen anzubieten. Das war aber organisatorisch in der kurzen Zeit nicht möglich, was zugleich bedeutet, dass die meisten der gezeigten Aufführungen vor Corona entstanden sind. Nur unser eigener Beitrag ist in der Zeit der Pandemie entstanden: Christopher Rüpings „Paradies fluten / hungern / spielen“ möchten wir als Live-Stream anbieten.

Wie stark verändert sich der Charakter des Festivals dadurch, dass die Theater ihre Beiträge diesmal selbst ausgewählt haben?

Lux: Sehr stark. Wenn wir etwas aussuchen – wie es normalerweise geschieht –, fließt unser persönlicher Geschmack in die Auswahl ein. Diesmal wird sich aber möglicherweise herausstellen, dass man in anderen Ländern ganz andere ästhetische Wege geht als bei uns, die wir so stolz sind auf unsere großartige, avantgardistische Theaternationen – das sage ich jetzt mit Ironie. Europa ist sehr vielfältig und unterschiedlich. Gott sei Dank.

Hertlein: Gerade in dieser Zeit, in der die Grenzen geschlossen und wie physisch so immobil sind, wie schon lange nicht mehr, ist die Konfrontation mit ganz anderen Ästhetiken und Theatersprachen eine bereichernde Erfahrung und ein wichtiges Zeichen.

 

Identische Erfahrungen

 

Der Grundgedanke der Lessingtage ist die Verständigung von Kulturen und Religionen. Hat in Ihren Augen die Pandemie diese Verständigung eher vorangetrieben oder geschadet?

Lux: Was jetzt gerade passiert, hat es in der Geschichte der Menschheit überhaupt noch nie gegeben: dass ungefähr 10 Milliarden Menschen vollkommen identische Erfahrung durchmachen müssen. Das ist zugleich etwas Verbindendes, aber auch etwas Trennendes, weil viele Debatten gerade nicht geführt werden: Wie kommen privilegierte Nationen wie Deutschland durch die Krise mit einem ökonomischen Polster für jeden Einzelnen? Und wie stößt die Pandemie in anderen Teilen der Welt wie Südamerika oder Afrika die Menschen wirklich komplett in den Abgrund?

Während sich im Moment nur jeder um sich selber kümmert, wird sich die Frage der Solidarität wahrscheinlich bald noch sehr viel massiver stellen als ohnehin schon.

Das Motto der diesjährigen Lessingtage lautet „Stories from Europe“. Welche Geschichten werden da erzählt? Sie haben zum Beispiel zwei unterschiedliche Inszenierungen von Dostojewskis „Der Idiot“ im Programm …

Hertlein: Ursprünglich wollten wir nicht zwei gleiche Stücke zeigen, doch der starke Unterschied der Inszenierungen hat uns begeistert. Die Inszenierung von Mattis Andersson für das Königliche Dramatische Theater in Stockholm, unserem Koproduktionspartner, ist eine moderne Lesart, in der sich sehr zeitgenössische Figuren den Text aneignen.

Der russische Beitrag vom Theater der Nationen in Moskau ist komplett anders und orientiert sich an der Ästhetik des Cirque Noir. Hier konzentriert sich alles auf die Gesichter, die Körper und eine holzschnittartige Bildlichkeit in den Farben Schwarz, Weiß und Rot. Dadurch erzählt der junge Regisseur Maxim Didenko, ein absoluter Shooting-Star der russischen Szene, eine komplett andere Geschichte.

Und ihr persönlicher Favorit?

Hertlein: … kommt aus Antwerpen. Es handelt sich um eine Doppelvorstellung mit zwei zeitgenössischen Bearbeitungen antiker Stoffe: „Antigone in Molenbeek“ von Stefan Hertmans und „Tiresias“ von Kate Tempest.

Antigones Bruder, der aus Gründen der Staatsräson nicht bestattet werden darf, ein bei Hertmans, der die Handlung im Brüsseler Stadtteil Molenbeek ansiedelt, ein radikalisierter Islamist.

Lux: Wir erinnern uns, dass Molenbeek 2015 der Hotspot war, von dem die Pariser Anschläge unter anderem auf das Bataclan-Theater ausgingen.

Hertlein: Guy Cassiers hat das Stück als Monolog für eine Frau mit einem virtuellen Kammermusikensemble inszeniert, sodass die Schauspielerin mit der Musik von Schostakowitsch kommuniziert. „Teresias“ greift eine andere zeitgenössische Debatte auf: die Gender-Fluidität des Protagonisten, der zugleich Mann und Frau ist.

Sie haben auch ein Stück von Luigi Pirandello im Programm, ein italienischer Klassiker, der hierzulande nur selten inszeniert wird …

Hertlein: Spannend ist, dass „So ist es (wenn es Ihnen so scheint)“ in der Regie von Filippo Dini derzeit das erfolgreichste italienische Tourneestück im Ausland ist, das selbst in China Begeisterungsstürme ausgelöst hat, aber noch nie in Deutschland zu sehen war. Hier sieht man, wie ein junger Regisseur ein Stück, das eher eine Schmonzette ist, in einer grotesken Interpretation verwandelt.

 

Das Zeremoniell zu Hause

 

Herr Lux, in der Ankündigung der Lessingtage sprechen Sie von einer „paneuropäischen Theatercouch“. Was meinen Sie damit?

Lux: Mich fasziniert die Idee, dass sich Freunde und Bekannte aus Amsterdam, Moskau, Barcelona oder Stockholm miteinander verabreden und sozusagen „gemeinsam“ an einem bestimmten Tag eine Aufführung angucken, sich hinterher dazu austauschen, chatten oder per Zoom mit einem Glas Wein anstoßen und sich die Köpfe darüber heißreden, ob das jetzt eine gute Aufführung war. In einer Zeit, in der Kontakte nicht mehr möglich sind, kann das die Menschen auf eine schöne Weise miteinander verbinden.

Bieten Sie dafür auch eine digitale Plattform an?

Hertlein: Wir werden die Kommunikation mit dem Publikum über unsere sozialen Medien betreiben und wahrscheinlich auch einige Mitmach-Aktionen anbieten.

Lux: Man erlebt ja auch ganz lustige Szenen im Bereich des Streamings. Mir haben Freunde aus Amsterdam erzählt, wo Live-Streamings grundsätzlich entgeltpflichtig sind, dass ein Ehepaar sich zwei Karten anstelle von einer gekauft und sich auch etwas Anständiges angezogen hat – wie bei einem traditionellen Theaterbesuch.

Ist doch schön, wenn man auch zu Hause das Zeremoniell pflegt …

Hertlein: Aus diesem Grund haben wir uns auch entschlossen, die Stücke jeweils nur einen Abend zwischen 19 und 24 Uhr online zu stellen, damit das Gefühl des Einmaligen und Besonderen erhalten bleibt und der Wert dieser Aufführungen geschätzt wird.

Lux: Mit dieser Zeitspanne tragen wir auch den europäischen Zeitzonen für unsere Zuschauer von Moskau bis Paris Rechnung, die die Videos mit englischen Untertiteln präsentiert bekommen. Es ist ein großes Experiment, von dem wir nicht wissen, ob es funktionieren wird.

Und wer teilnehmen möchte, kauft sich ein Online-Ticket und meldet sich damit an?

Lux: Nur für unseren eigenen Live-Stream von „Paradies“ muss online eine Karte erworben werden, alles andere wird kostenfrei angeboten.

Lessingtage 2021
20.1.-31.1.2021, täglich 19-24 Uhr


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