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Hamburger des Monats – Thorben Goebel-Hansen

Südlich der Elbe gab es lange keine Unterkunft für obdachlose Menschen – bis das Deutsche Rote Kreuz letztes Jahr das Harburg-Huus eröffnete. Einrichtungsleiter Thorben Goebel-Hansen über eine Einrichtung, die ihren Gästen nicht nur einen Schlafplatz, sondern auch Hoffnung schenkt

Interview: Sophia Herzog

 

SZENE HAMBURG: Herr Goebel-Hansen, wenn Sie über Ihre Arbeit im Harburg-Huus sprechen, fällt selten das Wort „Obdachlose“ und viel häufiger „Gäste“. Welche Bedeutung hat dieses Wort für Sie?

Thorben Goebel-Hansen: Die Menschen, die zu uns kommen, sind ja nicht nur obdachlos. Sie sind auch Musikliebhaber, Fußballfans, lesen gern, sind Mutter, Vater, Oma, Opa … Das alles wird bei der Bezeichnung Obdachlose ausgeblendet. Wir wollen unseren Gästen aber einen Perspektivenwechsel ermöglichen, und auch dafür ist es wichtig, sie nicht auf die Rolle eines Obdachlosen zu reduzieren.

Erst im Juni letzten Jahres wurde das Harburg-Huus als erste Obdachlosenunterkunft in Harburg eröffnet. Warum erst jetzt?

Das kann ich nicht beurteilen. Das DRK hat schon sehr lange auf dieses Thema hingewiesen und schließlich auf die immer weiter wachsende Obdachlosigkeit in Harburg reagiert. Vielleicht hat man sich auf behördlicher Ebene auf die anderen Einrichtungen in Hamburg verlassen. In Gesprächen wurde oft auf Unterkünfte im Zentrum Hamburgs, also nördlich der Elbe, verwiesen, zu denen die Obdachlosen ja gehen könnten.

 

„Freundschaften sind auf der Straße selten“

 

Die kommen aber für die obdachlosen Menschen in Harburg nicht immer infrage …

Für viele unserer Gäste ist die Innenstadt einfach schwer zu erreichen. Erst mal muss ja eine Fahrkarte her, die kostet Geld. Außerdem hat jeder Mensch seine eigene Sozialraumorientierung – eine Gegend, in der er lebt und sich auskennt.

Für obdachlose Menschen ist es zum Beispiel wichtig zu wissen, welcher Bäcker um die Ecke ihnen mal ein Brötchen spendiert. Viele sind hier verankert, der Stadtteil ist ihr Zuhause. Freundschaften sind auf der Straße selten, wenn sie also noch soziale Kontakte vor Ort haben, wollen sie ihr Quartier nicht einfach wechseln.

Werden die 15 Schlafplätze im Harburg-Huus denn seit der Eröffnung regelmäßig in Anspruch genommen?

Wir sind so gut wie jede Nacht komplett ausgebucht. Ab und zu bleibt ein Bett frei, wenn uns Gäste, die sich telefonisch angemeldet haben oder uns zum Beispiel von einer anderen sozialen Einrichtung angekündigt wurden, dann doch nicht erreichen. Der Bedarf ist offensichtlich da, wir hatten sogar schon vor der offiziellen Eröffnung eine Warteliste.

Wir vergeben unsere Betten zuerst an die Menschen, die sie nötig brauchen, zum Beispiel weil sie gesundheitlich geschwächt sind. Auch bei Frauen sehen wir häufig eine besondere Dringlichkeit. Für sie gibt es ein eigenes Zimmer.

Wenn ein obdachloser Mensch spontan bei uns vor der Tür steht und wir ihm keinen Schlafplatz mehr anbieten können, versuchen wir kurzfristig etwas in einer anderen Unterkunft zu organisieren.

Warum kommt das Konzept des Harburg-Huus bis jetzt so gut an?

Das mag daran liegen, dass wir als Deutsches Rotes Kreuz einen Vertrauensvorschuss haben. Einige Gäste haben in der Vergangenheit vielleicht keine guten Erfahrungen mit Behörden gemacht, die oft Träger anderer Unterkünfte sind.

Außerdem erlauben wir als eine der wenigen Notunterkünfte im Hamburger Raum auch Hunde. Viele obdachlose Menschen schlafen lieber auf der Straße, als sich von ihren vierbeinigen Begleitern zu trennen.

Warum werden dann nicht in mehr Unterkünften Hunde zugelassen?

Weil es schon ein gewisser Aufwand ist. Wie vertragen sich die Hunde untereinander? Wie vertragen sich die Hunde und die anderen Gäste? Das müssen wir bei der Bettenverteilung bedenken, und deshalb muss sich auch jeder potenzielle Gast mit seinem Hund bei uns vorstellen, damit wir einschätzen können, ob das funktioniert. Außerdem geht es auch um die Folgebetreuung der Tiere. Man muss sie nicht nur unterbringen, sondern Hundefutter bereitstellen oder medizinische Versorgung. Viele Träger schrecken dabei wohl auch vor den Kosten zurück.

 

„Jeden Cent müssen wir über Spenden reinholen“

 

Wie finanzieren Sie das denn?

Wir erhalten keine öffentliche Förderung, das heißt: Jeden Cent, den wir ausgeben, müssen wir über Spenden wieder reinholen. Bei 250.000 Euro im Jahr ist das eine große Herausforderung. Mit dem DRK haben wir aber einen Träger, der Projekte wie das Harburg-Huus anschieben kann und mit seinem Namen natürlich eine gewisse Wirkung hat.

Außerdem bekommen wir Unterstützung vom Förderkreis des Harburg-Huus, gegründet von Schirmherr Rüdiger Grube. Lebensmittel liefert uns die Tafel. Die Tierarztkosten, die sich unsere Gäste für ihre Hunde nicht leisten können, übernimmt ein Hamburger Verein.

Und nicht nur das – Sie organisieren auch Lesungen im Harburg-Huus, schauen gemeinsam mit Ihren Gästen Fußball oder bieten Musik- und Zeichenkurse. Warum schaffen Sie diese zusätzlichen Angebote?

Menschen brauchen Hoffnung, auf eine gute Zukunft, auf ein gutes Leben. Deshalb ist es für uns enorm wichtig, unseren Gästen zu zeigen: Es gibt so viele Dinge im Leben, die Spaß machen. Bitte verliere nicht die Hoffnung! Deshalb wollen wir ihnen genau diese Angebote auch machen.

Zusätzlich gibt es bei uns auch eine psychosoziale Betreuung, und einmal wöchentlich kommen das Caritas Krankenmobil und ein mobiler Zahnarzt bei uns vorbei. In Zukunft planen wir noch den Ausbau der Suchtberatung.

Was sagen Ihre Gäste?

Viele sagen, dass wir eine sehr familiäre Einrichtung aufgebaut haben. Das liegt daran, dass wir überschaubare Räumlichkeiten mit einem sehr wohnlichen Gemeinschaftsraum für den Tagesaufenthalt und 15 Betten für die Übernachtung anbieten. Auf diese Anzahl kommen dann nicht nur 15 festangestellte Mitarbeiter, sondern auch noch die gleiche Zahl an Ehrenamtlichen, die zum Beispiel abends eine kleine Mahlzeit ausgeben.

Natürlich sind nicht alle gleichzeitig vor Ort. Doch es ist immer jemand da und ansprechbar, die Gäste fühlen sich wahrgenommen. Das fängt schon bei den Kleinigkeiten an. Wenn jemand Geburtstag hat, organisieren wir immer ein kleines Geschenk, also vielleicht Buntstifte für jemanden, der gerne malt. Oder einen Kuchen, den wir zusammen essen. Da fließen nicht selten Tränen, weil unsere Gäste das lange nicht mehr erlebt haben.

 

Neue Strukturen

 

Umso schlimmer ist es, dass Sie im August die Nachricht bekommen haben, dass das Gelände für Wohnungsbau verkauft wurde …

Ja, das hat uns alle schockiert und entsetzt. Als wir 2017 mit dem Vermieter der ehemaligen Gewerbeimmobilie ins Gespräch kamen, haben wir uns darauf verständigt, dass wir dieses Objekt umbauen. Wir haben über 200.000 Euro an Spenden- und Eigenmitteln dafür aufgebracht. Das wir, so wie es jetzt aussieht, in spätestens drei Jahren raus sollen, trifft uns auch angesichts dieser enormen Summe natürlich sehr.

Was passiert mit Ihren Gästen bei einem Standortwechsel?

Obdachlose Menschen brauchen sichere Strukturen. Alles, was wir hier aufbauen, das ist nicht von heute auf morgen gemacht. Das ist eine unglaubliche Vertrauensarbeit, den Menschen einen Ort zu geben, den sie in ihren Alltag integrieren können. Dass diese Strukturen eingerissen werden sollen, stimmt das Team mehr als traurig.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich habe die Hoffnung, dass wir neue Räume finden, in denen wir ein paar Betten mehr unterbringen. Aber dieses Objekt müssen wir erst mal finden. Das Thema Obdachlosenhilfe berührt Menschen. Aber wenn ich Vermieter anspreche, schrecken die häufig zurück, weil sie Angst haben, dass sie Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe einer Obdachloseneinrichtung nicht mehr für den gleichen Preis vermieten können.

Wir rennen bei unserer Suche keine offenen Türen ein. Deshalb bin ich für jeden Hinweis dankbar, wo es in Harburg vielleicht eine geeignete Immobilie gibt.

Haben Sie Ihre Entscheidung, die Leitung zu übernehmen, bereut?

Nein, auf keinen Fall. Das klingt plakativ, aber ich gehe jeden Tag wirklich gerne zur Arbeit. Wir sind noch eine junge Einrichtung, das heißt auch, dass sich noch vieles entwickelt. Das finde ich spannend, weil ich dabei auch viel Neues lernen kann.

Möglichkeiten dazu habe ich hier reichlich. Die Menschen, die zu uns kommen, kommen von überall her. Die meisten aus Deutschland, einige aus Osteuropa, wir hatten aber auch schon Gäste aus Brasilien, den USA, Afghanistan, dem Iran oder Irak. Gerade in der Sozialberatung kommen also ganz viele unterschiedliche Lebensläufe zum Vorschein. Jeder Gast hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Einen anderen Arbeitsplatz als diesen könnte ich mir gerade gar nicht vorstellen.

www.drk-harburg.hamburg


szene-hamburg-november-2019Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, November 2019. Titelthema: Sexualität. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Tierschutz: Tierheim Süderstraße zieht Bilanz

Das Tierheim Süderstraße nimmt Hunde, Katzen und Co. auf, die zu unbequem geworden sind oder regelrecht entsorgt wurden. Die Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins, Sandra Gulla, fordert mehr Mut und Empathie.

Text:  Natalia Möbius
Foto: Jérome Gerull

 

Bittere Bilanz: Während der Sommerferien wurden in diesem Jahr insgesamt 301 Tiere mutmaßlich ausgesetzt oder im Tierheim Süderstraße abgegeben. Manche von ihnen, vor allem Kleintiere, wurden in oder neben Mülltonnen regelrecht entsorgt. Kein neues Phänomen – Hunde, Katzen und Co. sind häufig zu unbequem oder hinderlich, wenn es in den Urlaub geht.

Dabei ist das Aussetzen von Tieren nicht nur ordnungswidrig, sondern kann auch fatale Folgen haben. Eine Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro erwartet den Halter, der sein Tier sich selbst überlässt. „Wer sein Tier aussetzt, beweist damit eine besonders große Empathie- und Charakterlosigkeit. Den Mut, das Tier bei uns im Tierheim Süderstraße abzugeben, muss man zumindest aufbringen“, so die erste Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) Sandra Gulla.

 

Knapp 1.350 Tiere leben im Tierheim

 

Wer sein Haustier persönlich abgibt, hilft außerdem bei der Weitervermittlung: Fundfristen von bis zu einer Woche, bevor es weitervermittelt werden darf, müssen nicht eingehalten werden und das Tier kann besser eingeschätzt werden. Das Tierheim ist die amtliche Annahmestelle für alle Tiere, die in Hamburg gefunden werden und wird vom HTV betrieben.

Derzeit leben dort knapp 1.350 Heimtiere. Um sie versorgen zu können, ist das Tierheim auf Spenden und Tierpatenschaften angewiesen. Zusätzlich entlasten ehrenamtliche Mitarbeiter die Tierpfleger beim Gassigehen oder bei der Nachkontrolle von bereits vermittelten Tieren.

Tierheim Süderstraße: Süderstraße 339 (Hamm-Süd)


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Cadus: Club-Netzwerk für Hilfe auf der Balkanroute

Aus dem Umfeld von Hafenklang und Off the Radar Festival engagieren sich Menschen wie Thomas Lengefeld, um Tausenden auf der Balkanroute Gestrandeten über den Winter zu helfen. Spenden werden dringend benötigt. Auch feiern hilft.

Text: Jan Paersch
Fotos: Christoph Löffler

Sebastian Kurz frohlockte: „Wenn die Flüchtlinge sehen, dass es kein Durchkommen nach Europa gibt, werden die Ströme weniger werden“, so der österreichische Bundeskanzler im Februar 2016. Kurz darauf wurde in einer Konferenz aus EU-Staaten und Westbalkan-Ländern offiziell beschlossen, die sogenannte Balkan-Route zu schließen. Problem gelöst, alle zufrieden?

Anfang 2017 konstatierte der Tagesspiegel, der Andrang sei ungebrochen, der Weg lediglich „schwieriger, teurer und brutaler geworden“. Über Griechenland, Albanien und Montenegro führt die Route die Geflüchteten bis an die EU-Außengrenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Dort ist Endstation.

„Wenn die Kroaten dich erwischen, schlagen sie dich, nehmen dir das Geld ab, zerbrechen deine SIM-Karte und bringen dich wieder nach Bosnien zurück“, zitiert die „Zeit“ einen Marokkaner, der im Juli 2018 in der Grenzstadt Velika Kladuša gestrandet war. Dort gab es vier Toiletten und zwei Duschverschläge – für mehr als 500 Menschen. Seitdem hat sich die Lage noch verschlechtert.

 

„Wir wollten die Netzwerke der Partyszene für Hilfsaktionen nutzen“

 

Im Dezember 2018 ist die Situation in Sarajevo angespannt. „Die Menschen verbrennen alles, was sie finden, um sich zu wärmen“, beschreibt Thomas Lengefeld die Lage in der bosnischen Hauptstadt, 250 Kilometer südlich der Grenze. „Die Geflüchteten hausen in der Wildnis, zum Teil in besetzten Häusern. Bosnien lässt niemanden mehr aus Sarajevo heraus oder schickt Menschen in Bussen zurück.“

„Wir sind es gewohnt, viele Leute zu versorgen“, Thomas Lengefeld

Thomas Lengefeld ist keiner, der um seine Taten großes Aufsehen macht. Der ruhige Mann mit Hoodie und blauroter Wollmütze ist der Typ, der einem den Kaffee bezahlt, ohne es zu erwähnen. Der Hamburger gehört zum Verein Off the Radar (OTR), der jeden Sommer das gleichnamige Festival in der schleswig- holsteinischen Provinz durchführt. Lengefeld, seit Jahren als Booker im Hafenklang tätig, hat die Geschäftsführung inne. „Musik war schon immer Vehikel neuer Strömungen, aber auch konkreter Ideen“, schreiben die OTR-Macher auf der Homepage.

Die Idee in diesem Fall: Die Festival-Skills für höhere Ziele benutzen. Lengefeld: „Wir wollten nicht nur Müll und verkaterte Leute hinterlassen, sondern versuchen, die Netzwerke der Partyszene zu nutzen, um auf unsere Zwecke hinzuweisen. Wir sind es gewohnt, auf freiem Feld viele Leute zu versorgen. Im Winter aber werden Generatoren, Gaskocher und Kochtöpfe nicht genutzt.“

Off the Radar sammelte Geld und Equipment für das Projekt NoBorder-Kitchen, das sich auf den griechischen Inseln und der Balkanroute für Geflüchtete engagierte. Später schloss man sich dem Berliner Verein Cadus an.

Die Hilfsorganisation gründete sich 2014 aus dem Umfeld des Fusion Festivals und der Berliner Clubszene. Ihr Geschäftsführer, der lange Jahre in leitender Funktion im Rettungsdienst arbeitete, hat sich vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe auf die Fahnen geschrieben. Cadus begann 2014 mit Erste-Hilfe-Kursen in Nord-Syrien. Dort sind auch vier Jahre später noch zwei Lkws als mobile Krankenhäuser unterwegs. Cadus – der Name kommt von einer syrischen Wüstenblume. Es ist eine sehr robuste Distel, die nur einmal im Jahr blüht.

 

„Die großen NGOs sind in Sarajevo kaum sichtbar“

 

Bosnien-Herzegowina hatte nach Schätzungen der UNHCR allein bis zum Juli 2018 mehr als 10.000 Neuankömmlinge zu verkraften. Und noch immer kommen mehr. Im November ist der erste Schnee gefallen. „Der Winter ist kälter als in Deutschland“, sagt Thomas Lengefeld. „Die Geflüchteten in Sarajevo laufen mit Flipflops herum und haben schwere Erfrierungen. Dazu kommen die Traumatisierungen.“ Cadus ist mit einem ausgebauten Sprinter und einem Pick-up vor Ort, ein 50 Jahre alter Unimog soll zum Duschwagen umgerüstet werden. Parallel zur Essensausgabe wurden schon in der ersten Woche 200 Bedürftige medizinisch versorgt.

Neben Ärzten braucht Cadus auch Logistiker und Crowdmanager, denn, so Lengefeld: „Man muss schauen, dass niemand bei der Ausgabe untergebuttert wird.“ Müssten Rotes Kreuz und Co. nicht eigentlich in Sarajevo helfen? „Die großen NGOs sind dort kaum sichtbar“, sagt Lengefeld. „Die sind auf die Politiker angewiesen. Die sehen nicht, wie wichtig es wäre, sich auf den Weg zu machen.“

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Medizinische Hilfe vor Ort: Cadus in Sarajevo

Bis Ende Februar läuft das Projekt zunächst, die Kosten für drei Monate belaufen sich auf etwa 80.000 Euro – medizinisches und technische Equipment, das bereits vor Ort ist, nicht enthalten. Thomas Lengefeld wird Anfang Januar nach Bosnien reisen. „So etwas Sinnvolles habe ich das ganze Jahr nicht gemacht.“

Um bis zum Ende des Winters in Sarajevo vor Ort sein zu können, braucht Cadus Geld. Damit könnte die Organisation auch speziellere Stationen aufbauen, darunter eine Gynäkologie oder einen radiologischen Bereich.

Wer Cadus unterstützen mag, kann neben Spenden noch etwas anderes tun: Feiern. Der Verein Off the Radar spendet einen Großteil seines Jahresüberschusses an humanitäre Projekte. Vom gleichnamigen Festival, 2019 vom 25. bis 28. Juli, wird also auch Cadus profitieren. In der Hoffnung, dass 2019 weniger Menschen mit Flipflops durch den Schnee laufen müssen.

CADUS – Redefine Global Solidarity e.V.: Spendenkonto: CADUS e. V. Volksbank Berlin, IBAN DE55 1009 0000 2533 5240 04, BIC BEVODEBBXXX


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Top 5 – Weihnachtsmärkte für jeden Geschmack

Weihnachtsmarkt ist nicht gleich Weihnachtsmarkt. Damit ihr nicht anstatt im Winterwunderland in der nächsten Schlagerhölle landet, zeigen wir euch die schönsten Hamburger Weihnachtsmärkte.

1) Für Connaisseure: Adventsmesse in der Koppel

Adventsmarkt in der Koppel 66 in Hamburg. Foto: Michael Marczok

Foto: Michael Marczok

Im denkmalgeschützten Haus für Kunst und Handwerk bieten die Aussteller ihre Waren feil. Eine Fachjury hat die teilnehmenden Kunsthandwerker sorgfältig ausgewählt. Wenn der Shoppingtrubel um die Ecke mal wieder den inneren Frieden zu bedrohen droht, gibt’s hier also erlesene Güter statt Weihnachtskitsch.

30.11.- 23.12. fr-so 11-19 Uhr; Koppel 66/ Lange Reihe 75 (St. Georg) www.koppel66.de


2) Für Ökos: ökologischer Weihnachtsmarkt im Museum der Arbeit

Das allgegenwärtige Kunsthandwerk darf auch hier nicht fehlen. Dazu kommen ökologische Gastronomie und ein Fokus auf umweltschonendem Konsum, eingerahmt von den gemütlichen Backsteinwänden des Museums der Arbeit.

Fr, 30.11.2018 – 14-18 Uhr, Sa, 1.12.2018 10-19 Uhr. So, 2.12.2018 10 – 18 Uhr
Museum der Arbeit (Barmbek) www.oeko-weihnachtsmarkt.de


3) Für Frostbeulen: Der Christgrindelmarkt

Auf dem Programm steht Live-Musik im muckeligen Kulturzelt, in den Bechern fließt Glühwein von der Mosel. Dazu kommen Märchenlesungen und Bastelstunden für Kinder. Hier werden alle glücklich.

20.11.-23.12.; mo-sa 12-22 Uhr, so 12-20 Uhr; Allendeplatz (Grindelviertel),  www.christgrindelmarkt.de


4) Für Coole: Molotow Weihnachtsmarkt

Auch 2018 gibt’s einen eintätigen Weihnachtsmarkt im Molotow, der sich mit Gemütlichkeit von den üblichen Massenevents abhebt. Die Rockdisko unseres Vertrauens wartet unter anderem mit weihnachtlichen Filmklassikern und einer Tombola auf.

1.12.2018 ab 18 Uhr; Molotow (St. Pauli), www.molotowclub.com


5) Für Grinche: Winter Pride

Weihnachtsmarkt in Hamburg: Die Winter Pride Foto: Ahoi Events

Foto: Ahoi Events

Wertvolles Alleinstellungsmerkmal: Hier gibt’s garantiert keine Weihnachtsmusik, dafür DJs, Bands und engagierte Gruppen aus der queeren Szene. Die schenken im Wechsel Glühwein aus, präsentieren ihre Arbeit und werden an den Einnahmen beteiligt. Davon haben alle ‘was!

26.11.-30-12-2018 (geschlossen vom 24.-26.12.), mo-mi 12-22 Uhr, do-do 12-0 Uhr;  Ecke Lange Reihe/ Kirchenallee (St. Georg), www.winterpride.de

Text: Sabrina Pohlmann
Beitragsfoto: wlodi auf Flickr. CC 2.0. verändert.


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