SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN: Die 10 besten Burger-Dealer der Stadt

Hoch gestapelt! Das lieben wir. Diese Burgerbrater tischen echte Prachtexemplare auf. Die Top 10 der Hamburger Burger-Dealer


Ein Beitrag aus unserem Gastro-Guide SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN 2017/18. Hamburgs Kulinarik-Welt auf 292 Seiten. Jetzt im Handel erhältlich


Billy The Butcher

Die Mädels und Jungs in dem hippen Burgerladen servieren bestes Fleisch, ob in Billy’s Strammem Max oder als Beeftatar. Nur Fleisch aus artgerechter und handverlesener Haltung. Das schmeckt man! Wir freuen uns, denn Billy gibt’s auch noch mal in Ottensen.

  • Preisklasse: €
  • Poststraße 8 (Neustadt), Telefon 57 28 32 99, Mo-Sa 12–21.30 Uhr
  • Kreditkarten: alle; EC-Karte

www.billythebutcher.de

Brian’s Steak & Lobster

Im edlen Pöseldorf gibt’s dank Brian Strandhaus-Feeling, Champagner und üppige Burger mit 180 Gramm feinstem Beef vom Josper-Ofen. Passt nicht? Passt exzellent!

  • Preisklasse: €€€€
  • Milchstraße 25 (Rotherbaum),Telefon 57 01 67 37, Mo-So 13–23.30 Uhr,
  • Kreditkarten: alle; EC-Karte

www.brians-steak-lobster.com

Burgerlich

Am Speersort bei Burgerlich ist alles homemade, alles frisch und alles richtig lässig. Vielfältige Burgervariationen klingen verführerisch und schmecken auch genauso. Dazu empfiehlt sich Lavendel- und Orangen-Thymian-Limonade, exotisch und erfrischend anders.

  • Preisklasse: €
  • Speersort 1 (Altstadt), Telefon 35 71 56 32, So-Do 11.30–23, Fr-Sa 11.30–24 Uhr
  • Kreditkarten:Visa, Mastercard; EC-Karte

www.burgerlich.com

Dieter Sanchez

Im Ami-Lokal in Langenhorn isst der Burgerfan ganz chillig seinen Pulled Pork Burger und dippt die obligatorischen Pommes in Mayo aus Papiernäpfchen. Das Streetfood aus den Vereinigten Staaten schmeckt verdammt lecker, vielleicht liegt das auch daran, dass man mit den Fingern isst. Sehr charmant, da ein Mischmasch aus Diner, Imbiss und Restaurant.

  • Preisklasse: €
  • Langenhorner Chaussee 174 (Langenhorn), Telefon 98 23 47 44, Di-Do 17–22, Fr 17–23, Sa 15–23, So 15–22 Uhr
  • Kreditkarten: keine

www.dietersanchez.de


Die kulinarische Karte:

Die Burger-Tempel dieser Stadt


 

Dulf’s Burger

Bei Dulf’s wird hoch gestapelt: Hier gibt’s richtig saftige Buletten mit kräftigem Grillaroma aus regionalen Fleischbetrieben mit allerlei Belag. Zu den dünnen Süßkartoffelpommes gibt es großartige Saucen und natürlich  eine Buddel Bier in die Hand. Alles übrigens auch to go!

  • Preisklasse: €€
  • Karolinenstraße 2 (St. Pauli), Telefon 46 00 76 63, Mo-Sa 11.30– 22.30 Uhr
  • Kreditkarten:  EC-Karte

www.dulfsburger.de

Jim Block

Vor allem bei jüngeren Gästen beliebt, der Laden brummt. Zum Essen quetscht man sich gern bunt gemischt an den Tischen zusammen, spontane Freundschaften werden schnell geschlossen. Der beste Burger-Brutzler unter den Systemgastronomen.

  • Preisklasse: €
  • Jungfernstieg 1 (Innenstadt), Telefon 30 38 22 17, So-Do 11–22,
  • Fr-Sa 11–23 Uhr
  • Kreditkarten: Mastercard, Visa, Amex EC-Karte

www.jim-block.de

Meat Market

Wer bestes Fleisch will, fährt im Meat Market auf Nummer sicher. Es gibt’s Handverlesenes, das man von der Geburt über Fütterung und Schlachtung bis zur Ankunft nachverfolgen kann – für die Kochsession zu Hause oder zum Verzehr direkt vor Ort. Tipp: Unbedingt einen Burger bestellen. Der steht nicht auf der Karte, gehört aber längst zum Publikumsliebling. Lohnt!

  • Preisklasse: €€
  • Hoheluftchaussee 30 (Hoheluft-Ost), Telefon 42 93 94 44, Mo- Mi 11–20Uhr, Do-Sa 11–22 Uhr,
  • Kreditkarten: Mastercard, Visa; EC-Karte

www.meat-market.com

Otto’s Burger

Die Zutaten für Otto’s Prachtexemplare (siehe Beitragsbild) beziehen die Brutzler aus Hamburg und der Region. Glückliche Weiderinder aus Lüneburg garantieren glückliche Burgerfans. Legga! Den Laden gibt’s gleich dreimal.

  • Preisklasse: €€
  • Bahrenfelder Straße 175 (Ottensen), Telefon, 64 83 98 15, Mo-So 11.30–21.45 Uhr
  • Kreditkarten: Mastercard, Visa; EC-Karte

www.ottosburger.com

 

Peter Pane

peter pane

Im Märchenwald der „Peter Pane“- Restaurants dreht sich alles ums Konzept. Alle Burger sind mit verschiedenen Brotvarianten oder komplett brotlos zu haben, im Menü oder ohne. Abgerundet wird der Zauber mit hipper Chart-Musik. Und jetzt, im Sommer, gibt es eine Extra-Sommerkarte: Peter’s Burger mit leckerem grünen Spargel und Rucola steht da drauf. Unser Favorit. Oder der Honigmund mit Quinoa-Cranberry-Bratling mit Walnusskernen und Salat. Brotlos. Quinoa sättigt schließlich schon alleine ganz gut! Und, zum Verlieben, die Avocado Fries. Seufz.

  • Preisklasse: €
  • Schäferkampsallee 1 (Eimsbüttel), Telefon 41 62 36 67, Mo-So 11–1 Uhr,
  • Kreditkarten: keine; EC-Karte

www.peterpane.de

Restaurant & Bar Sagici

Im Sagici braucht es nur fünf Schritte zum vollkommenen Burger-Glück. Man wählt sein favorisiertes Fleisch, das Gemüse, die Käsesorte, leckere Extras wie karamellisierte Zwiebeln und im finalen Schritt eine Lieblingsbeilage. Macht satt. Und glücklich.

  • Preisklasse: €€€
  • Borgweg 11 (Winterhude), Telefon 27 87 39 18, Mo-Fr ab 16, Sa-So ab 12 Uhr,
  • Kreditkarten: Visa, Mastercard; EC-Karte

www.restaurant-sagici.de


Essen+Trinken 2017/18

Ein Beitrag aus unserer aktuellen SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN 2017/18. 292 Seiten Hamburger Gastronomie- und Food-Kultur & über 500 Restaurant-Empfehlungen. Den Premium-Gastro-Guide gibt es ab sofort im Handel. Oder in unserem Shop zu bestellen!

Serie: Ach Kiez. Ein Zug durch die Nacht. 2. Teil

St. Pauli ist für viele ein geflügeltes Wort. Ein Ort der Sünde und Sehnsucht. Doch was denken die Menschen, die da wohnen, leben und arbeiten über ihren Kiez? Gespräche mit sechs St. Paulianerinnen und St. Paulianern in den Stunden, in denen sich das Viertel in eine Feiermeile verwandelt. Zweiter Teil: die bürgernahe Beamtin Margot Pfeiffer & Julia Staron/ Lars Schütze vom BID


Auszug aus unserer Titelgeschichte „Kiez. Zwischen Abscheu & Hoffnung“, erschienen im August 2017. Text: Sara Lisa Schäubli / Fotos: Philipp Jung


Serie Kiez

Ihr Reviergebiet umfasst 0,9 Quadratkilometer: Margot Pfeiffer. Foto: Philipp Jung

21 Uhr: Bürgernahe Beamtin Margot Pfeiffer

Freitagabends dreht die Polizeibeamtin Margot Pfeiffer gern noch eine Runde auf St. Pauli, um sich den Beginn des Nachtlebens anzuschauen. Ihr Reviergebiet umfasst 0,9 Quadratkilometer. Seit 1983 ist Margot Pfeiffer hier auf den Straßen unterwegs. Sie kennt keine andere Wache als das PK 15, besser bekannt als Davidwache. „Und es war mir noch keinen Tag langweilig“, sagt sie und lacht.

„St. Pauli hat eine lange Geschichte als sozial schwacher Stadtteil, das verbindet. Niemand guckt doof, wenn ein Transvestit über die Straße geht, und es gibt kreative Proteste wie im Falle der Esso-Häuser. St. Pauli lebt“, sagt Pfeiffer.

Beim Schlagermove kriegt sie Komplimente für ihr Outfit

Als eine von vier bürgernahen Beamten ist es ihre Aufgabe, präventiv tätig zu werden, bevor es knallt. Dazu gehören ganz viel Reden und ganz viel Zuhören. „Es ist wichtig, ansprechbar für die Bevölkerung zu bleiben“, sagt sie. Dass ihr jemand von der anderen Straßenseite oder aus einem Ladeneingang einen Gruß zuruft, passiert ständig. „Ich genieße eine gewisse Akzeptanz im Stadtteil“, sagt sie diplomatisch, „na ja, wer seit 34 Jahren hier ist und immer noch freundlich gegrüßt wird, kann nicht alles falsch gemacht haben.“

Die Uniform hat bei den Touristen auch schon für kuriose Situationen gesorgt. Auf der Reeperbahn begegnete sie auf einem ihrer Rundgänge Olivia Jones mit einer großen Führung im Schlepptau. „Das ist unsere Lieblingspolizistin Frau Pfeiffer“, verkündete diese übers Mikrofon. Die beiden flachsten etwas hin und her, bis sich zwei ältere Frauen aus der Gruppe lösten und anfingen an Frau Pfeiffers Uniform herumzuzupfen. Die beiden waren überzeugt, dass die Stadtteilpolizistin nicht echt sei, sondern zum Amüsierprogramm gehöre. Auch der Schlagermove sei ein Event, bei dem ihr etliche Male jemand ein Kompliment für ihr „Outfit“ mache, sagt Margot Pfeiffer.

Tagtäglich ist sie als Polizeibeamtin mit den Nöten und Wünschen der St. Paulianerinnen und St. Paulianer konfrontiert: nicht noch mehr Gentrifizierung, weniger Veranstaltungen und weniger saufende und wildpinkelnde Menschen. „Die Menschen hier möchten aus ihrem Haus in der Hopfenstraße oder Kastanienallee rausgehen und nicht in einer Kloake stehen“, so Pfeiffer.


St. Pauli in Zahlen. (Quelle PKS 2016) Körperverletzung : 2.989 Rauschgiftdelikte: 1.899 Erfasste Straftaten: 20.146


Serie Kiez

„Wir wollen einen nachhaltigen Tourismus, der unseren Stadtteil nicht aussaugt.“ Quartiermanager des BID reeperbahn+ Julia Staron und Lars Schütze. Foto: Philipp Jung

22:30 Uhr: Business Improvement District (BID)

Die beiden Quartiermanager des BID reeperbahn+ Julia Staron und Lars Schütze sitzen auf einer Terrasse am Spielbudenplatz und schauen dem Treiben unter ihnen zu. Das Konzert drinnen ist gerade zu Ende gegangen.

„St. Pauli ist für mich eine Haltung“, sagt Julia Staron. Der Codex: Ein dörfliches Gefühl von Solidarität minus den Neid und die Missgunst. „Hier geht es nicht darum, welches Auto du fährst“, ergänzt Lars Schütze.

„Es gibt viele Gruppen, die gerne sagen: Das ist ,mein‘ St. Pauli“, dann fragt Julia Staron jeweils: „Welches St. Pauli meinst du denn: Das der Hafenstraße, des Milieus, der Kneipiers, der Musiker?“ Diese Gespräche, in denen St. Pauli für sich selbst beansprucht wird, sind für Julia Staron die einzigen Momente, wo auf St. Pauli Intoleranz herrscht.

„Natürlich ist es unser Job, für Tourismus zu sorgen, aber wir wollen einen nachhaltigen Tourismus, der unseren Stadtteil nicht aussaugt.“ Das heißt für sie konkret nicht nur die Zahlen erhöhen, sondern als „Miteinander“ wachsen sowie die Anwohner mit ihren Sorgen und kritischen Stimmen ernst nehmen. Alle Projekte des BID reeperbahn+ sind für die beiden Quartiermanager Ausdruck dessen.

Eine Aktion, die für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt hat: „St. Pauli pinkelt zurück“. Verschiedene Flächen auf St. Pauli bestrichen sie mit einem wasserabweisenden Lack. Wer daran pinkelte, pinkelte sich selbst an. Die Schilder „Hier nicht pinkeln! Wir pinkeln zurück. Dein St. Pauli“ hängen noch vereinzelt, ob der Lack noch irgendwo dran ist, wissen die beiden nicht.

Darum gehe es aber auch nicht in erster Linie: „Anwohner haben mir berichtet, dass sie sich das erste Mal wahrgenommen gefühlt haben mit diesem Problem“, so Staron. Doch wie viele Touristen hält St. Pauli aus? Julia Staron: „Ich finde es jetzt schon grenzwertig.“

Gewinnt 2×2 Tickets für Stereo Total beim Sommer in Altona!

Ein Zirkuszelt, ein abwechlsungsreiches Kulturprogramm und dazu Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Das sind die Zutaten für Sommer in Altona. Das Event, das den Hamburgern den August versüßt, erlebt in diesem Jahr seine Premiere. Und hat ein pickepackevolles Programm zu bieten.

Einige namhafte Künstler sind in diesem Programm versammelt. Stereo Total zum Beispiel. Am 5. August statten Françoise Cactus und Brezel Göring unserer schönen Stadt einen Besuch ab. „Unsere Musik nennt sich “Underground Pop Musik” – also Musik, die so verführerisch wie Pop ist, allerdings nicht den Geschmack der Mehrheitsgesellschaft trifft“, erklären die beiden auf ihrer Website. Dem stimmen wir zu. Und das macht diese Band so schön schräg und gleichzeitig tanzbar.

Den Sommer in Altona werden Stereo Total auf jeden Fall herbei singen. Gute Laune ist garantiert. Notieren und hingehen.

/Foto: Paul Cabine

Sommer in Altona
5.8.17, 20 Uhr

Wir verlosen 2×2 Tickets für das Konzert von Stereo Total am 5. August 2017!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

  • Mail senden an verlosung@vkfmi.de
  • Betreff: Stereo Total
  • Einsendeschluss: 03.8.17, 10 Uhr

Bitte gebt für den Versand des Gewinns Euren vollständigen Namen und Adresse an. 

Serie: Ach Kiez. Der unvermeidliche Junggesellenabschied


Ein Text aus unserer Titel-Serie „Ach Kiez. Zwischen Abscheu & Liebe“, erschienen in der SZENE HAMBURG, August 2017. 


Warum ich hier bin? Mein zukünftiger Schwager ist dafür verantwortlich. Er hat entschieden, mich nach allen Regeln der Kunst zu ruinieren. Dafür hat er sich ordentlich ins Zeug gelegt und eben auch diese Reise für mich und meine Jungs gebucht. Dass wir Engländer für Junggesellenabschiede nach Deutschland kommen, ist übrigens ziemlich gängig.

Ach Kiez

Muss das sein? Oder kann das weg. Ach Kiez… Foto: Philipp Jung

Die G20 sind in der Stadt, da dürfen wir ja wohl nicht fehlen!

Wir lieben die deutsche Kultur, vor allem hier auf dem Kiez. Hier dreht sich alles nur um Pubs und Clubs – genau wie bei uns (lacht). Und dass wir gerade an diesem Wochenende nach Hamburg gekommen sind, ist auch kein Zufall.

Die G20 sind in der Stadt, da dürfen wir ja wohl nicht fehlen! Wir haben ganz klare Ziele für diese Tage: Wir schießen uns so sehr ab, dass wir wegen irgendeinem Quatsch in der Zelle landen! Tonys Vater mischt sich ein: „Natürlich nicht! Wir respektieren die deutschen Gesetze und halten uns daran.“ Mein Dad passt immer auf uns auf. Und wenn wir doch in den Knast kommen, dann alle zusammen. Hier tanzt keiner aus der Reihe. Was auch immer passiert: Wir geben Vollgas bis Sonntagabend. Wir brauchen keine Pausen, ruhen uns bestimmt nicht aus. Das würde hier auch gar keinen Sinn machen.

Protokoll: Erik Brandt-Höge

Kann das ZUM RETTER sie retten? Hmm. Foto: Philipp Jung


Kommentar

Junggesellenabschiede gehören zum Kiez wie Schnaps und Sex. Muss das sein? Muss es, findet unser Autor

Er ist rosarot und riesig, ein Gigant geradezu. Mit scheinbar letztem Schwung schleppt er sich zur U-Bahn-Station, die Augen noch weit aufgerissen, vor Scham oder Euphorie oder Schreck oder allem zusammen. Sein Körper steckt in einem Mix aus hier und da bereits aufgeplatzter Gummimasse, Wattebäuschchen und braunen Wollfäden.

Er ist ein XXL-Penis. Ein Superding. Megaschwanz. Ich schätze ihn auf Mitte 30. Sind ja meistens so alt, die Junggesellen, die bald keine Junggesellen mehr sind, und die eben deshalb mit ihren Freunden am Wochenende über den Kiez schwanken, sich bestenfalls nur kurz abschießen, ein paar Faxen machen und friedlich zurück aufs Dorf fahren, schlimmstenfalls zum Fremdschamvorfall für ein ganzes Viertel werden.

Jedenfalls: der Penis. Der hat es geschafft, geht die Treppen runter, verschwindet im Dunkeln. Es ist 8 Uhr morgens, ich bin auf dem Weg zur Arbeit, und ich denke:

Muss das sein? Ist das nicht einfach nur ultraüberflüssig? Wäre der Kiez nicht viel schöner ohne das Junggesellenabschieds-Trara? Wäre es nicht buchstäblich eine Befreiung, die Bekloppten aus dem Münsteraner, Bielefelder, Osnabrücker, Lübecker und sonstigem Umland einfach nicht mehr einreisen zu lassen? Und dann denke ich: nein. Wäre es nicht.

Überhaupt nicht. Denn: Weniger Bekloppte bedeutet für den Kiez, auch weniger bekloppt zu sein. Weniger absurd. Weniger wild. Der Teil Hamburgs, der wie kein anderer für Vielfalt und Freiheit steht, würde Zensur betreiben. Das kann keiner wollen. Niemand hat die Absicht, eine Kiezmauer zu errichten! Support your local Junggesellenabschied, denke ich und will gerade weitergehen, als der Penis die Treppe wieder hoch kommt.

Er ist zurück, und er bleibt vor mir stehen. „Ich bin ein Penis. Fass mich an!“, sagt er, und ich befürchte, dass es nicht das erste Mal ist an diesem Abend, dass er den Satz einem Fremden gegenüber bringt. Ich streichele ihm kurz über die Eichel. „Danke“, sagt er, „bis denn.“ Und dreht ab.

Erik Brandt-Höge

 

Serie: Ach Kiez. Ein Zug durch die Nacht. 1. Teil

St. Pauli ist für viele ein geflügeltes Wort. Ein Ort der Sünde und Sehnsucht. Doch was denken die Menschen, die da wohnen, leben und arbeiten über ihren Kiez? Gespräche mit sechs St. Paulianerinnen und St. Paulianern in den Stunden, in denen sich das Viertel in eine Feiermeile verwandelt. Erster Teil: St. Pauli selber machen & Gastronom Christoph Wilson


Auszug aus unserer Titelgeschichte „Kiez. Zwischen Abscheu & Hoffnung“, erschienen im August 2017. Text: Sara Lisa Schäubli / Fotos: Philipp Jung


Serie Kiez

Steffen Jörg und Sylvia Griepentrog: St. Pauli hat Erfahrung damit, sich Rechte und Räume zu erkämpfen. Foto: Philipp Jung

19 Uhr: St. Pauli selber machen

Wer über den Kiez redet, kommt nicht umhin, gleichzeitig auch über den Wandel des Kiezes zu reden. Damit beschäftigen sich Steffen Jörg und Sylvia Griepentrog von „St. Pauli selber machen“ fast täglich. Dass sich St. Pauli einmischt und nicht auf dem Sofa versauert, ist für Steffen Jörg klar: „St. Pauli hat Erfahrung damit, sich Rechte und Räume zu erkämpfen.“

Paradebeispiele sind für ihn die Besetzung der Hafenstraße in den 80ern und die erfolgreiche Verteidigung des heutigen Gezi Park Fiction als Freifläche. Bei „St. Pauli selber machen“ organisieren sich die Anwohnerinnen und Anwohner zu stadtteilpolitischen Themen. Im Treffpunkt Kölibri am Hein-Köllisch-Platz stehen noch alle Stühle auf den Tischen. 

„Das Problem, dass Menschen aus ihrem Stadtteil verdrängt werden, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“

„St. Pauli wird gerne als Marke präsentiert. Der Kiez wandelt sich aber dermaßen, dass gar nicht mehr das geboten werden kann, was vermarktet wird“, so Steffen Jörg. Grund dafür ist für ihn die fortschreitende Gentrifizierung. Indem es immer hipper wird auf Pauli zu wohnen, werden die Mieten in die Höhe getrieben. „Das Problem, dass Menschen aus ihrem Stadtteil verdrängt werden, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Steffen Jörg. Sylvia Griepentrog schätzt es, dass der reinlich gepflegte Vorgarten nicht das dringlichste Problem sei: „Das hier ist auch unser Stadtteil und wir wollen ihn mitgestalten und nicht nur gestalten lassen.“

Das 2014 ins Leben gerufene Business Improvement District (BID) reeperbahn+ sehen sie kritisch. Ziel des BIDs ist, laut Webseite, die Aufwertung St. Paulis als Vergnügungsstandort. Das BID generiert seine verfügbaren Gelder aus einer Abgabe, die jeder Grundeigentümer im Einzugsgebiet zahlt. „Das BID reeperbahn+ steht nicht für die Interessen der Anwohner ein, sondern für diejenigen der Grundeigentümer“, sagt Steffen Jörg.

 


Zahlen und Fakten St. Pauli 2016 (Quelle PKS) Einwohner St. Pauli: 22.595 Erfasste Straftaten Hamburg: 239.230 Länge der Reeperbahn: 930 Meter Einwohner St. Pauli: 22.595 Fläche St. Pauli: 2,3 km2


 

Christoph Wilson

Christoph Wilson: „Ich will den Imbiss aus der Schmuddelecke holen.“ Foto: Philipp Jung

 

20 Uhr: Gastronom Christoph Wilson

Es ist Abendessenzeit auf dem Spielbudenplatz. Unter den Schirmen des Imbisses Heiße Ecke drängen sich die Hungrigen, draußen tobt der Hamburger Regen. Besitzer Christoph Wilson ist Österreicher und kommt, wie er selber sagt, aus der „Bonzen-Gastronomie“.

Vor 14 Jahren ist er auf St. Pauli hängengeblieben. „Ich mag die Ehrlichkeit, Offenheit und Gradlinigkeit des Kiezes. Hier kriegt jeder das, was er bestellt.“ In der Heißen Ecke ist das meist: ’ne Currywurst. „Ich will den Imbiss aus der Schmuddelecke holen“, so Wilson. Mit Wurstprobe um 7 Uhr morgens und selbst angemischter Currysauce sorgt er dafür, dass die Qualität stimmt.

Bei ihm sitzen St. Paulianer sowie Touristen am Tisch. Selbst gegen Junggesellenabschiede hat er nichts einzuwenden: „Der Kiez ist Hamburgs Auslaufzone für alle, die anders sind.“ Die Großveranstaltungen auf St. Pauli sieht er als Gastronom nicht als Problem, er profitiere ja davon.

Das nächste Projekt wird die Wiederbelebung des „Rundstück warm“

Die Besucher, welche der Stadtteil für wenige Tage aufnehmen muss, sprechen für sich: zum diesjährigen Hafengeburtstag über 1,5 Millionen, zum jüngsten Schlagermove 400.000 und zu den Cruise Days 2015 570.000. Die Harley Days, die letztes Jahr 400.000 Besucher angezogen haben, fanden dieses Jahr das erste Mal nicht mehr auf St. Pauli statt, sondern auf dem Hamburger Großmarkt.

Christoph Wilson stören weniger die Touristen, mehr die Leute, die herziehen weil es „in“ ist. „Ich warte schon darauf, dass irgendjemand die Polizei ruft, weil die Queen Mary zu laut tutet“, sagt er lachend.

Vor der Eröffnung der neuen Heißen Ecke hat er sich gut eingelesen in die Geschichte des legendären Imbisses, der bis in die 90er an der Ecke Reeperbahn/Hein-Hoyer-Straße stand. Das nächste Projekt wird die Wiederbelebung des „Rundstück warm“, ein Imbiss bestehend aus Brötchen, Braten und Bratensauce.

Das „Rundstück warm“ soll von Wirt Heinrich Heckel in seinem Bierhaus an der Ecke Reeperbahn/Hamburger Berg (heutiges Kasino) erfunden worden sein. Die Entstehung ist wie so oft dem Zufall geschuldet: Hungrige Gäste und keine Köchin resultierten in einer Improvisation namens „Rundstück warm“. „Die alten Speisen und ihre Geschichten dürfen nicht vergessen werden“, sagt Christoph Wilson.

Er denkt aber auch über die Stadtteilgrenzen hinaus. Demnächst wird es die Currywurst „Heiße Ecke“ in Shanghai zu kaufen geben.

Jannes Woche 17 28: Orient und Okzident

Wir dürfen seit einigen Jahren mit dem ensemble reflektor gemeinsame Sache machen. Wir helfen ein wenig bei Moderation, Spenden und Kooperationspartnern und sie erfüllen unsere Herzen dafür mit Musik und frischer Liebe

Seit vergangener Woche geht es wieder los:

Das junge Hamburger Kammerorchester widmet sich in seinem sechsten Projekt in Eigenregie »Transformation« vom 21. bis zum 27. August dem kulturell-musikalischen Dialog zwischen Orient und Okzident. In Kooperation mit uns wird während eines Dialog-Festivals für Geflüchtete vom 21. bis 23. August in der Halle 424, sowie in Konzerten (23. August, 20 Uhr, Halle 424) die Integration der orientalischen Kultur im Fokus stehen.

ensemble reflektor_Transformation, dessen Titel an die derzeitige Transformation der europäischen Gesellschaft durch die Immigration von Geflüchteten angelehnt ist, soll das erste von mehreren Projekten sein und somit den Grundstein für eine langfristige Arbeit des Ensembles mit Geflüchteten, insbesondere aus Syrien und anderen orientalischen Ländern, bilden. In Workshops wird auf dem dreitägigen Dialog-Festival zunächst der unmittelbare Kontakt über die Musik mit geflüchteten Musikern und Familien gesucht.

In Jam-Sessions und gemeinsamen Proben wird dann das Konzertprogramm für die anschließenden Konzerte erarbeitet, in denen die Arrangements erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert werden. 

Für das Pilot-Projekt konnte die Band Syriab als Vertreter der traditionellen morgenländischen Musikkultur gewonnen werden. Gemeinsam werden Bausteine des Konzertprogramms erarbeitet, die neben Schumanns Caesar-Ouvertüre und Mendelssohns Reformationssinfonie unter der Leitung von Thomas Klug zu hören sein werden. Außerdem wird die iranisch-stämmige und klassisch ausgebildete Pianistin Schaghajegh Nosrati das Programm mit Ihrer Interpretation des Klavierkonzerts von Clara Schumann bereichern.

 Nun meine Frage: Welche Musikprojekte in Hamburg machen ähnlich schöne Sachen?

Jannes

Foto: Heide Benser


Info: Zeit für Neues! Mit dieser Kolumne endet Jannes Woche auf Szene-Hamburg.com. Schön war’s und wir danken dem Autoren für seine Inspiration und Ideen für ein schöneres und netteres Hamburg. Aber, hey, das soll kein Abschied sein. Wir sehen uns wieder 😉 Danke Jannes!


Who the fuck is… Jannes Vahl*?

Jannes Kolumne SZENE HAMBURGVision von und für Hamburg 
Kein Schwarz und Weiß, Kreativität Tag und Nacht, Natur grün und blau. 
 Rezept zum Runterkommen bei zu hohem Lebenstempo 
Meditation. Basketball. Radfahren. 
Karma-Cocktail für ein korrektes Leben 
Rumcola. Und jeden Tag versuchen, ein besserer Mensch zu sein.

*Jannes Vahl ist Clubkinder-Gründer und Inhaber der Agentur Polycore. Und gibt jede Woche bei uns seine persönliche Sicht auf seine Woche.