So wollen wir arbeiten: Der Löwenschuster

Am 16.Dezember 2017 schließt Schuhmachermeister Heinz Rehder seine Werkstatt. SZENE HAMBURG hat ihn im November 2017 für das Titelthema „So wollen wir arbeiten“ porträtiert.

Dieser Laden besteht seit über 80 Jahren. Nachdem ich in Norderstedt lange selbstständig als Schuhmacher gearbeitet hatte, kam ich als dritter Inhaber hierher. Der Charme besteht in meinen Augen vor allem in der 70er-Jahre-Optik des Werkstattraumes im hinteren Teil. Hier wurde alles sehr ursprünglich gehalten. Viele schwören beim Einkaufen, auch im handwerklichen Bereich, auf das sogenannte Shop-in-Shop-System, was mir persönlich überhaupt nicht gefällt. Ich mag es, wie es hier ist. Am meisten Spaß macht mir die Reparatur von guten Schuhen, von denen es leider immer weniger gibt. Oft muss ich mit den Kunden darüber sprechen, ob sich eine Reparatur für die Schuhe, mit denen sie zu mir kommen, überhaupt noch lohnt. Und ich bin ehrlich genug zuzugeben, wenn die Schuhe nicht mehr zu reparieren sind. Ich liebe meinen Beruf – allerdings muss ich auch sagen, dass der Schuhmarkt immer mehr den Bach runtergeht. Ich selbst habe noch gelernt, wie man Schuhe macht, von der Brandsohle bis zum fertigen Schuhe, und dabei bereitet mir auch jeder der feinen Arbeitsschritte viel Vergnügen – aber wer zahlt heutzutage schon ab 1.800 Euro für handgefertigte Schuhe? Das ist eine verschwindend kleine Klientel. Klar, auch Schuhe aus den günstigen Preiskategorien können bequem sein, und man kann sie eine Zeit lang beanspruchen. Aber Schuhe sollten eigentlich mehr können als das, nämlich den menschlichen Körper stützen und ihn stabilisieren und 25 bis 30 Jahre halten. Im Dezember gehe ich in Rente. Einerseits bin ich gesundheitlich schon etwas angeschlagen, andererseits sind die vermehrt nicht mehr reparablen Schuhe, die in diesen Zeiten hergestellt werden, ein Grund für meinen Ruhestand.

www.derlöwenschuster.de

Text: Erik Brandt-Höge

Foto: Michael Kohls


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte „So wollen wir arbeiten“ in der SZENE HAMBURG, November 2017. Wir wollten von euch wissen: Was – außer Geld – treibt euch eigentlich zu eurem Job? Welche Jobs machen glücklich? Und wer hat es gewagt, noch einmal ganz neu anzufangen? Für unser Titelthema haben wir Hamburger an ihren Arbeitsplätzen besucht. Das Magazin ist seit 28. Oktober  2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


6 tolle Geschenkideen für Family und Friends

Eltern, Partner, Bruder, Schwester, Oma, Opa, Kinder, Freund oder Freundin – hier findet ihr die schönsten und kreativsten Geschenke für eure Liebsten.

Damit ihr dieses Jahr nicht schon wieder Socken, irgendein Buch oder praktische Haushaltshelfer verschenken müsst, haben wir hier ein paar Geschenk-Ideen für euch gesammelt. Mehr Geschenke-Tipps findet ihr im neuen SZENE HAMBURG Kauft ein, das ab sofort im Handel und im Onlineshop erhältlich ist.

 

1. Eltern: Wrenkhs Kochkurse

Zusammen schnippeln, braten, kochen und genießen. Bei Wrenkhs kulinarischen Events kann die ganze Familie zusammenkommen und den Kochlöffel schwingen. Damit es auch jedem schmeckt, kann man vorher aus einem der acht Menüs wählen. Zum Beispiel gibt es „Typisch Österreich“ mit Wiener Schmankerln, „Traumfänger Menü“ mit orientalischer Küche oder auch nordische Spezialitäten beim „Willkommen Zuhause“. Wer an Silvester noch nichts geplant hat, kann die Sause in Wrenkhs Kochsalon verlegen und dort aufs neue Jahr anstoßen.

Kochevent bei Wrenkhs Kochsalon, um die 100 Euro p.P., Max-Brauer-Allee 251 (Altona-Nord)

Ein Kochevent bei Wrenkhs Kochsalon in Altona-Nord.

 

2. Partner: Polaroid Kamera

Klick. Ein Foto ist mit dem Smartphone schnell geschossen, doch versauert dann meist auf der Speicherkarte. Viel schöner wäre es doch ausgedruckt auf Fotopapier. Mit einer Polaroid Kamera hält man die eingefangene Szenerie bereits nach wenigen Minuten voll entwickelt in den Händen. So kann man die schönsten Momente ganz einfach festhalten. Die Kamera gibt es von Fujifilm in fünf verschiedenen Bonbon-Farben und ist kinderleicht zu bedienen.

Fujifilm Instax Mini 8 Sofortbildkamera, ca. 70 Euro, zum Beispiel bei Conrad, Hahnenkamp 1(Ottensen)

Die Polaroid Kamera Fujifilm Instax Mini 8 gibt es u.a. bei Conrad in Ottensen.

 

3. Geschwister: Oldschool Fahrradklingel aus Kupfer

Die Karen Bell Copper ist Japans liebste Fahrradklingel. Das klassische Design und die hohe Qualität von Material und Verarbeitung machen sie zu einem minimalistischen Accessoire für Fahrradliebhaber. Im Vergleich zu anderen Standardklingeln hat die Crane Bell einen angenehmen und trotzdem nicht zu überhörenden lauten Ton.

Karen Bell Copper, ca. 18 Euro, zum Beispiel bei Pushi Schmidtkes Radsalon, Dorotheenstraße 176 (Winterhude)

Die Oldschool Fahrradklingel aus Kupfer gibt es auch in Puschi Schmidtkes Radsalon in Winterhude.

 

4. Großeltern: Der Original-Füller von ganz früher

Anfang des 20. Jahrhundert schon, genauer 1911, entstand mit dem Kaweco Sport etwas ganz Besonderes. Der stilvolle Taschenfüllhalter hat geschlossen nur eine Größe von 10,5 Zentimetern und passt damit ohne Probleme in Hemdtasche, Clutch oder Lederetui. Perfekt für Omas oder Opas, die immer noch gern Briefe schreiben – oder für die Unterschrift des nächsten Schecks gern das eigene Schreibgerät benutzen. Mit umgesteckter Kappe hat er eine bequeme Schreibgröße von 13 Zentimetern. Ein Allroundtalent mit waschechtem Nostalgie-Charakter.

Kaweco Sport, 20 Euro, zum Beispiel bei Carl Dames, Eppendorfer Land- straße 9 (Hoheluft)

Den Füller von Kaweco Sport hat etwa Carl Dames in Hoheluft im Sortiment.

 

5. Kinder: Obstgarten Brettspiel

Der Spieleklassiker von Haba mit leicht verständlichen Spielregeln ist geeignet für Kinder von drei bis sechs Jahren und stärkt das Wirgefühl der Kleinen. Gemeinsam ernten sie die Früchte – und müssen dabei schneller sein als der Rabe. Obstgarten ist ein liebevoll gestaltetes Brettspiel, das schon ganz junge Kinder verstehen: Nach dem Würfeln legen die Mitspieler eine farblich passende Frucht in ihre Körbe, das schult das erste Erkennen und Zuordnen von Farben. Zeigt der Würfel jedoch den Raben, wird eines von neun Raben-Puzzleteilen auf den Spielplan gelegt. Schaffen es die Kinder das Obst zu ernten, bevor das Rabenpuzzle komplett ist, haben sie gemeinsam gewonnen.

Obstgarten, 30 Euro, z. B. über Otto F.K. Koch, Eppendorfer Landstraße 104 (Eppendorf)

Das Brettspiel von Haba gibt es beispielsweise über Otto Koch in Eppendorf.

 

6. Freunde: Porzellan Fräulein

Die Freunde haben nur ödes Geschirr im Schrank? Frischen Wind bringt Porzellan Fräulein. Denn in ihrem Atelier in Winterhude kann man vom Frühstücksteller bis zur Butterdose alles aus Keramik individuell gestalten. Erst vorzeichnen, bemalen und zum Schluss brennen. Nach einer Woche darf das eigene Schmuckstück mit nach Hause genommen werden. Für alle, die selber nicht zeichnen können, gibt es eine Vielzahl an Schablonen. Damit fällt die Gestaltung ganz leicht. Also genau das richtige Geschenk für eine Freundin oder einen Freund, um einen Nachmittag lang dem Hamburger Schietwetter zu entkommen.

Porzellan Fräulein, Keramik gestalten ab 16 Euro, Preystraße 8 (Winterhude), vorher unbedingt reservieren

Eigene Keramik gestalten bei Porzellan Fräulein in Winterhude.

Text: Jenny V. Wirschky


Mehr Adressen, Inspirationen und Geschichten rund um das Thema Einkaufen und Schenken gibt es im neuen Shopping Guide „SZENE HAMBURG kauft ein“. Ab sofort im Handel und im Onlineshop erhältlich.

Leben mit Assistenz: „Ich kann fast nichts allein“

Ein Leben ohne fremde Hilfe ist nicht möglich. Unsere Autorin Anastasia Umrik kennt das nicht anders. Und ist darum heute Arbeitgeberin: Mehr als 40 Frauen haben sie in den letzten zehn Jahren begleitet. Ab 1. Februar ist wieder eine Stelle frei.

Keine 08/15 Sache

Kurz vor meinem 21. Geburtstag, kurz vor dem Ende meiner Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau: Seit zwei Minuten fühle ich mich sehr erwachsen: Soeben bin ich in meine erste eigene Wohnung gezogen. YEAH! Der Hunger meldet sich und ich überlege kurz, wie noch mal die fremde Person in meiner Wohnung heißt. „Lisa?“, rufe ich den Namen meiner neuen Assistentin noch etwas unsicher. „Kannst du mir bitte die Pizza in den Ofen schieben?“ Ich kann das nämlich nicht allein. Ich kann fast nichts allein.

Zehn Jahre später: „Was ist gelb und weht im Wind?“, fragt die junge Frau, die bei mir als Assistentin arbeitet, und macht gerade den Wasserkocher an. „Weiß nicht …“, sage ich und grinse, ahnend dass es einer dieser Witze ist, bei dem man Augen rollend schmunzelt. „Eine Fahnaneee!!!“, sagt sie und lacht laut auf. Wir haben den gleichen Sinn für doofe Witze, uns beiden stehen Lachtränen in den Augen. Es klingelt an der Tür, der Postbote wahrscheinlich. Mein lautloses Handy blinkt ununterbrochen, der Wasserkocher ist fertig, die Musik dudelt im Wohnzimmer, ich erinnere mich an meine To-do-Liste … Der neue Tag hat begonnen, der Alltag hat mich wieder. Ich bewege mich Richtung Wohnzimmer und schließe die Tür – und erkläre meiner Assistentin nicht warum, was bei mir heute alles auf dem Zettel steht, und warum ich unsere morgendliche Unterhaltung so abrupt unterbrechen musste. Das muss sie nicht wissen, ich rufe sie, wenn ich ihre Hilfe benötige.

Keine 08/15-Managerin

In den zehn Jahren, in denen ich allein wohne, haben mich über vierzig verschiedene Frauen im Alltag unterstützt. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufsbranchen: Studentinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Mütter. Sie sind mutig und wollen etwas Neues ausprobieren, sie suchen nach Sicherheit und gleichzeitig Flexibilität – beides kann ich ihnen bieten – und sind körperlich in der Lage, meine muskelschwachen Arme durch ihre zu ergänzen. Alle mich betreffenden Entscheidungen fälle ich selbst: Wie möchte ich meinen Tag gestalten? Wo? Mit wem? Was ist mir dabei wichtig? Lediglich das Warum erkläre ich selten. Hier habe ich für mich meine persönliche Grenze beschlossen.

Jede vermeintliche Kleinigkeit muss ich kommunizieren und sehr transparent mit meinen Bedürfnissen und Emotionen sein. Aus welchem Glas ich trinken und welchen Kugelschreiber in der Hand halten möchte. Wie das Essen gewürzt sein soll und ob die Kerzen auf dem Tisch angezündet werden sollen. Ich formuliere, wie ich die Wäsche gewaschen haben möchte, und sage sehr genau, auf welche Art und Weise die Fenster geputzt werden sollen. Durch die klare Kommunikation habe ich zu vielen Sachen auch eine klare Meinung, die musste ich mir allerdings einst erst bilden. Auch über meine emotionale Verfassung spreche ich meistens sehr offen, um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: „Ich möchte heute lieber allein sein, eine geschlossene Tür wäre mir lieb.“

Professionalität, Grenzen und gleichzeitig herzliche Offenheit war für mich von Anfang an ein großes Thema. Wie nah darf oder möchte ich meine Assistentinnen an mich heranlassen und wie viel möchte ich aus deren Leben überhaupt wissen? Ich mag alle Menschen, die ich meine Wohnung betreten lasse, und ich verquatsche mich unheimlich gern mit ihnen. Meine Assistentinnen sind eine Inspirationsquelle für mich. Durch die unterschiedlichsten Lebensweisen und Altersklassen nehme ich sehr viel mit, erfahre über neue Welten und habe dann das Gefühl, selbst ein Stück von ihrem Alltag gelebt zu haben. Bei all dem großartigen Austausch darf ich nicht vergessen, dass mein eigenes Leben, gefüllt mit vielen tollen Freunden, einem sehr spannenden Beruf und einer viel zu kurz kommenden Freizeit, weiterhin gelebt und erfahren werden will.

Das Leben mit Assistenz gleicht einer Unternehmensführung. Und zum Chefsein gehören klare Kommunikation und Grenzen, aber auch das Können, den Mitarbeiter*innen zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Ach, und die Einsatzpläne wollen erstellt, die Abrechnungen gemacht und das Geld überwiesen werden.

Das Modell der persönlichen Assistenz ist für mich die größte Freiheit, die ich mir jemals hätte erträumen können. Ich reise, ich gehe aus, ich arbeite, ich treffe Freunde, ich führe meinen Haushalt und kann meine ganz persönlichen Gewohnheiten ausleben. Mir begegnen hier Menschen, die hätte ich in einem Leben ohne Assistenz niemals getroffen, nie hätte ich diese Dinge gelernt und erfahren, die ich hier – einfach so – hören darf.

Kein 08/15-Job

Wie jeder Job hat auch dieser Vor- und Nachteile. Das Besondere bei diesem Job ist die Gelegenheit, etwas Sinnvolles für Geld zu tun, einen Einblick in ein neues Lebenskonzept zu bekommen und durch die finanzielle Sicherheit mehr Zeit für die Verwirklichung der eigenen Projekte zu haben. Hier lernen alle Beteiligten in erster Linie etwas über sich und ihre Grenzen, aber auch über die Kommunikation und die 1:1-Zusammenarbeit.
Für mich arbeiten immer fünf bis sieben Assistentinnen gleichzeitig in wechselnden Schichten. Eine normale Schicht beginnt gegen Mittag und dauert in der Regel 24 Stunden. Die Aufgabe der Assistenz: Sie muss in dieser Zeit mein verlängerter Arm sein. Es ist nicht leicht, denn es erfordert ein Höchstmaß an emotionaler Flexibilität. Ob ich zu Hause bleibe oder viel auf dem Programm steht, bei guter oder schlechter Laune, unabhängig vom Wetter und eigenen Bedürfnissen: Bestimmte Dinge müssen gemacht werden. Die aktive Teilnahme an Diskussionen oder Events ist für die Assistentin nicht möglich, denn sie ist lediglich ein Schatten, der immer in die Sichtbarkeit rückt, wenn er gebraucht wird.

Als ich Ewgenia frage, was ihr die Arbeit mit mir bedeutet, überlegt sie nicht lang: „Für mich liegt die Herausforderung dieser Arbeit darin, mich, meine Befindlichkeiten, Meinungen, und Vorstellungen selbst zurückzustellen und dabei trotzdem authentisch zu bleiben. Und das ist gleichzeitig auch das Schönste – nicht die hohe Sicherheit der Anstellung, die hohe Flexibilität und genug Zeit für Eigenes, sondern genau diese Balance, die es erlaubt, dass zwischen uns eine besondere Kommunikation entsteht. Sie gibt mir das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein und wirklich zu helfen.“ Seit fast drei Jahren ist sie nun schon bei mir. Ob wir Freundinnen seien, werde ich oft gefragt. Darüber müssen wir beide immer schmunzeln, weil wir inzwischen ein gutes Team miteinander sind, viele Dinge funktionieren wortlos über Augenkontakt, sodass wir synchron nebeneinander wirken.

Ich lehne das Prinzip „Freundschaft“ nicht partout ab. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man sich mag, wenn man über die gleichen Dinge lacht und ähnliche politische Ansichten hat. Auch der ähnliche Stil ist nicht unwichtig, schließlich begleiten mich die Assistentinnen den ganzen Tag. Dennoch darf die Freundschaft nicht die Priorität sein, wenn man den Arbeitsvertrag unterschreibt. Es ist in erster Linie ein Arbeitsverhältnis, das Ziel ist klar: Die Absicherung unserer beider Leben. Es ist wie mit der Liebe: Es ist wie es ist, manchmal entstehen Dinge und Gefühle, dagegen sollte man sich nicht sträuben, finde ich.

Ab 1. Februar ist wieder eine Stelle frei. Bewerbungen an info@anastasia-umrik.de

Text: Anastasia Umrik / Foto: Philipp Jung

 


Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zum PDF der aktuellen Ausgabe.

WohnSZENE: Die Weihnachtspuristin

(Sponsored) Interior-Bloggerin Sarah Ramroth gibt auf www.wohnfreude.de – dem informativen Lifestyle-Blog der Sparda-Bank Hamburg – Inspirationen für eine puristische Weihnachts-Deko.

Die Tage werden kürzer, die ersten Weihnachtsmärkte haben schon geöffnet, der Glühwein wärmt, überall wird darauf hingewiesen, dass der 24. Dezember dieses Jahr auf einen Sonntag fällt und man keine Last-Minute-Geschenke kaufen kann. Was lässt all das erahnen? Natürlich: Weihnachten, und damit die gemütlichste Zeit des Jahres steht vor der Tür!

Und genau diese schöne Jahreszeit spaltet die Nation in verschiedene Lager! Ist man eher Typ A, der schon Ende September den ersten Adventskalender im Supermarkt kauft? Oder Typ B, der erst im Dezember zu Hochtouren aufläuft und seine Kisten mitWeihnachtsdeko aus dem Keller holt? Oder aber ist man – wie ich – Typ C, der meist auf den letzten Drücker loszieht, um bei Media Markt einen Gutschein zu kaufen. Jedes Jahr nehme ich mir auf’s Neue vor, rechtzeitig loszugehen, um für meine Liebsten innovative Geschenke zu besorgen und meine Wohnung etwas weihnachtlicher zu gestalten. Bisher bin ich kläglich daran gescheitert, aber ich habe das Gefühl, dass ich dieses Jahr eine Kehrtwende hinbekommen könnte!

Sarah, die Weihnachts-Puristin

Mein minimalistischer Lebensstil bestimmt auch meine Haltung zu Weihnachten! Oder anders gesagt: ich bin in dem Punkt zwiegespalten. In meiner Wohnung findet man maximal einen Kiefernzweig. Ich erwarte allerdings, sobald ich für die Weihnachtstage zu meinen Eltern fahre, einen Tannenbaum und viel weihnachtliche Deko.

Kitschig, bunt und „a little too much“ sind die ersten Worte, die mir in den Kopf kommen, wenn ich an Weihnachtsdeko denke. Während der Adventszeit versuche ich die Innenstadt zu meiden, was dann dazu führt, dass ich zu den Menschen gehöre, die am 24. Dezember noch losziehen um die letzten Geschenke zu besorgen. Warum innovativ sein, wenn man Gutscheine kaufen kann? Früher hab ich die nur allzu gerne gebastelt. Irgendwann sind meine Eltern allerdings dahinter gekommen, dass sie die wohl nie einlösen können und ich musste mir was Neues überlegen.

Da ich den minimalistischen Stil sehr ansprechend finde, bin ich ein großer Fan davon, nicht zu viel Deko rumstehen zu haben. Ich investiere lieber in ausgewählte Stücke, von denen ich lange etwas habe. Dementsprechend sucht man bei mir vergeblich nach Weihnachtsdeko. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal einen Adventskranz der etwas anderen Art gebastelt. Das war’s dann aber auch schon. Aufgrund von Läden wie Søstrene Grene und H&M Home ist es mittlerweile möglich, für wenig Geld Weihnachtsdeko zu kaufen. Da ich mir allerdings sicher bin, dass ich die Sachen nach Weihnachten wegwerfen würde, gebe ich erst gar kein Geld dafür aus.

Sobald ich allerdings für die Feiertage zu meinen Eltern fahre, fühle ich mich wieder wie ein Kleinkind und liebe es, mit meiner Ma zusammen den Tannenbaum zu schmücken und „Last Christmas“ zu hören. Sowohl der Süßigkeitenteller als auch das jährlich gleiche Essen am 24. Dezember gehören für mich zum weihnachtlichen Charme dazu. Denke ich an Rituale in der Weihnachtszeit, fällt mir nur ein, dass meine Ma mir jedes Jahr in der Weihnachtszeit Plätzchen schickt und meine Schwester und ich uns jedes Jahr im Wechsel einen selbstgebastelten Weihnachtskalender schenken. Da werde dann selbst ich kreativ.

Text & Fotos: Sarah Ramroth

 Dieser Text ist ein Auszug aus Sarahs Beitrag „So schmückt sich Hamburg zu Weihnachten!“ für www.wohnfreude.de, der informative Lifestyle-Blog der Sparda-Bank Hamburg eG rund ums Bauen, Wohnen, Finanzieren.


Who the fuck is…

Sarah Ramroth gibt auf wohnglueck.hamburg und  @wohnglueckhamburg (Instagram) seit über einem Jahr praktische Einrichtungstipps und verbindet sie mit ihrer Liebe zu Hamburg. Ihre Markenzeichen: der ungezwungene Plauderton, ausgefuchste Methoden und große Geschmackssicherheit! Sarah berichtet einmal pro Monat über Hamburger Wohnthemen für www.szene-hamburg.com und www.wohnfreude.de, den Wohn-Blog der Sparda-Bank Hamburg.

Türchen Nummer 4: Mediterrane Köstlichkeiten von Foodeleo.com

Heute im Adventskalender: Eine Gourmet-Box mit drei Sorten Olivenöl  im Wert von zusammen rund 30 Euro

Ein neuer Online-Shop mit exklusivem Sortiment geht an den Markt: foodeleo.com. Die bunte Produktpalette enthält allerhand mediterrane Köstlichkeiten, die ebenso qualitativ hochwertig wie superlecker sind. Ein Highlight: Die drei Aroma-Öle „aegisGOURMET“, die ab dem 4.12. auf foodeleo.com und in ausgewählten EDEKA-Märkten (Winterhude, Barsbüttel, HafenCity) erhältlich sind. Entwickelt wurde „aegisGOURMET“ von Gourmetköchen in Griechenland. Es unterscheidet sich von anderen Ölen vor allem darin, dass keine Aromen in einem fertigen Öl hinzugefügt wurden. Die Oliven wurden vielmehr zusammen mit auserlesenen Früchten und Gewürzen kaltgepresst.

Gewinnen Sie heute eine Gourmet-Box mit drei Sorten Olivenöl im Wert von zusammen rund 30 Euro.

 Tipp: In der aktuellen Print-Ausgabe der SZENE HAMBURG finden Sie alle Gewinne schon jetzt auf einen Blick.

Senden Sie eine E-Mail mit dem Betreff  „Adventskalender Tür 4“  an verlosung@vkfmi.de. Einsendeschluss ist der 3.12.2017 um 24 Uhr. Um 10 Uhr morgens am 4. Dezember 2017 findet die Verlosung statt. Der Gewinner wird auf unserer Facebook-Seite oder per Mail benachrichtigt. Bitte geben Sie für den Versand der Gewinne immer Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse an. Viel Glück!

 

Türchen Nummer 3: Dinner in the Dark 2.0

Heute im Adventskalender: 1×2 Gutscheine für ein Dinner in the Dark 2.0.

Lust auf eine Hamburg-Hotspot-Tour in Kombination mit einem absoluten Abenteuer von einem Abendessen? Dann ist das Dinner in the Dark an einem Freitag ihrer Wahl (19–22.30 Uhr) genau das Richtige. Wohin es geht? Wird nicht verraten. Die Hamburg-Dinner-Tour startet in der Ausstellung Dialog im Dunkeln zwischen 19 und 20 Uhr alle 20 Minuten, und dann gibt es nur noch schmecken, riechen, fühlen. Ein tolles Erlebnis inklusive bester Kulinarik.

Gewinnen Sie heute 1×2 Gutscheine für ein Dinner in the Dark 2.0., mit Überraschungsmenü und Hamburg-Tour (Barrierefrei; Preis:69 Euro p.P inklusive Aperitif, Espresso o. Digestif).

 Tipp: In der aktuellen Print-Ausgabe der SZENE HAMBURG finden Sie alle Gewinne schon jetzt auf einen Blick.

Senden Sie eine E-Mail mit dem Betreff  „Adventskalender Tür 3“  an verlosung@vkfmi.de. Einsendeschluss ist der 02.12.2017 um 24 Uhr. Um 10 Uhr morgens am 3. Dezember 2017 findet die Verlosung statt. Der Gewinner wird per Mail benachrichtigt. Bitte geben Sie für den Versand der Gewinne Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse an.

 

 

FoodSZENE: Jasmin unterwegs #3

Lutz Bornhöft scheut keine Risiken und sattelte mit Cook Up – Culinary Gallery von der klassischen Gastronomie um zur experimentellen Kochschmiede.

Strahlende Augen, struppiger Bart, verschmitztes Lächeln – Lutz Bornhöft wirkt gar nicht wie einer, dem irgendwas zu viel werden könnte. Er sprüht vor Elan, lacht viel und weiß eine Anekdote nach der anderen zu erzählen. Zehn Jahre lang hat er das Restaurant Juwelier in der Weidenallee 27 geführt, dann war irgendwann Schluss für ihn: „Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich stand in der Küche und war gleichzeitig Geschäftsführer. Das war weder beziehungstauglich, noch gut für den Körper.“ Catering-Aufträge, Juwelier Espressobar und Feinkostlinie, HFBK-Mensa und die Mietlocation Juwelier Studio gaben ihm den Rest. „Am Ende waren das sechs Standbeine, die ich zusammen mit meiner Geschäftspartnerin Katja Dietrich betreut habe. Das wurde einfach zu viel“, sagt Bornhöft und fährt sich energisch durch die blonden Haare. Geblieben ist aber vor allem eines: seine Passion fürs Kochen, am liebsten saisonal und mit hochwertigen Produkten aus der Region.

Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer

1999 kommt der gebürtige Bad Bramstedter nach Hamburg, um im Landhaus Scherrer und im Tafelhaus zu kochen. „Das Tafelhaus war eine prägende Stätte für mich. Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer und lernte dort Vorbilder wie Gerald Zogbaum von der Küchenwerkstatt und Tom Roßner kennen, heute Geschäftsführer von der Bullerei“, sagt er rückblickend. Die nächste Station führt Bornhöft in eine Weinhandlung, wo er auch Katja Dietrich kennenlernt. Fünf Jahre später eröffnen sie das Restaurant Juwelier. Offene Küche, Platz für 30 Gäste, schlichtes Mobiliar: Von 2006 bis 2016 bietet Bornhöft hier feinste Kochkunst ohne viel Tamtam.

So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden

Dann die Kehrtwende: Anfang 2016 beschließt der Tausendsassa, sich von allem freizumachen. Den Restaurantbetrieb empfindet er inzwischen als Klotz am Bein. „So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden“, sagt der 41-Jährige. „Du kannst abschließen und dann kommt der zigste Burgerladen oder ein Sonnenstudio rein. Das wollte ich nicht. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine Zeit noch nicht vorbei ist.“ Zwischen zwei Schnapsgläsern – wie soll es anders sein – kommt ihm plötzlich die Idee: Er will seinen Laden als Pop-up-Fläche zur Verfügung stellen. Er fährt nach Köln, um sich ein ähnliches Konzept anzuschauen. Im August ist es dann soweit: Das sozio-kulturelle Projekt Juwelier des Ostens macht den Anfang. Das Ganze hat so viel Erfolg, dass Bornhöft seinen Urlaub canceln muss. Dann geht alles ganz schnell: Im September holt er den quirligen Miguel Zaldívar rein, der seinen Gästen Tacos und Mezcal serviert (heute Taqueria Mexiko Strasse). Weiter geht’s mit einer Ceviche- Bar, die später unter dem Namen Leche de Tigre in Altona eröffnen wird. „Ich freue mich für die Jungs, dass sie sich so toll selbstständig gemacht haben“, sagt der umtriebige Gastronom nicht ohne Stolz und räumt ein: „So was ist dann natürlich auch für mich eine super Referenz.“

Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.

Bornhöfts Plan geht auf: jungen Köchen eine Bühne zu bieten, unverbindlich und unkompliziert. Einzige Voraussetzung: die Vorlage von Gewerbeschein, Steuernummer und Gesundheitszeugnis. Im Angebot: ein voll ausgestattetes Restaurant und Bornhöfts Know-how. Und das ist viel Wert. Einige Bewerber haben zwar gute Ideen in petto, aber wenig Praxiserfahrungen. Der Profi weiß: „Sich als Koch selbstständig zu machen, kostet einen Haufen Geld. Ohne Rücklagen oder einen privaten Investor wird das schwierig. Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.“

Mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum

Ob mexikanische, äthiopische oder mongolische Küche – mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum. „Meine Stammgäste lachen schon, wenn hier wieder die Bude brennt. Mal ist Rambazamba mit lauter Musik und Trinkgelagen bis in die Puppen angesagt, dann wieder stehen disziplinierte Hotelfachschüler in steifer Kochjacke vor dir“, bemerkt Bornhöft grinsend. Mit seinen Geschichten könnte er mittlerweile ein ganzes Buch füllen. Und klar, auch das ist in Planung.

Im Dezember wird Dirk Neumann kochen, auf den Tisch kommen Klassiker aus Wald, Wild und Wiese. Ob Lutz Bornhöft mit seinem Cook Up jetzt mehr Zeit fürs Privatleben bleibt, sei mal dahingestellt. Sicher ist: Innovative Geister sind eben nicht zu stoppen.

Cook Up – Culinary Gallery, Weidenallee 27 (Eimsbüttel), Telefon 25 48 16 78

 


Who the fuck is…

 

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. „Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch“, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de

Kurzfilm in Hamburg

Mit einer großen Party hat die KurzFilmAgentur im Oktober ihren 25. Geburtstag gefeiert. Schön, schön, happy birthday! Aber – wer oder was ist die KFA eigentlich? Und was machen die da genau? Wir haben bei der Geschäftsführerin Alexandra Gramatke nachgefragt

SZENE HAMBURG: Frau Gramatke, wer ist die Kurzfilmagentur, und was machen Sie genau?

Alexandra Gramatke: Entstanden ist das Ganze aus dem NoBudget Kurzfilmfestival, das schon vor 33 Jahren das erste Mal stattfand. Da gab es immer mehr Nachfragen von Kinos und anderen Veranstaltern, die Kurzfilme auch außerhalb des Festivals zeigen oder sehen wollten. So entstand zunächst der Kurzfilmverleih, der vorrangig an Kinos Kurzfilme verleiht – als Vorfilm oder auch in speziell zusammengestellten, abendfüllenden Programmen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann immer mehr Bereiche.

Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind.

Zum Beispiel?

Der Vertrieb, der sich um den Lizenzhandel mit Fernsehsendern, Internetportalen oder Bildungseinrichtungen kümmert. Dann haben wir noch den Bereich Kurzfilm Schule, wo Filmemacherinnen Workshops mit Kindern aller Altersklassen und Schulformen veranstalten. Dann haben wir natürlich ein riesiges Archiv, das sich hauptsächlich aus den Einreichungen zum Filmfestival speist. Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind. Wir nutzen das beispielsweise auch dazu, unsere Filmprogramme zusammenzustellen, die wir für unterschiedlichste Veranstaltungen anbieten. Aktuell hatten wir beispielsweise mit dem DESY eine tolle Kooperation: Wir haben zum „Dark Matter Day“ ein entsprechendes Kurzfilmprogramm zusammengestellt. Oder letztens im Rahmen der India Week ein Programm aus indischen Kurzfilmen, die man hier sonst auch nicht sehen kann. Wir bekommen relativ häufig solche Anfragen, auch von außerhalb Hamburgs, weltweit.

Das heißt, Sie sind ein riesengroßes, internationales Unternehmen?

Kann man so sagen, ja. Auch wenn wir nicht so aussehen (lacht). Wir sind tatsächlich dadurch, dass unsere Mitarbeiter durch die ganze Welt reisen und auf Festivals auch in Panels sitzen oder Vorträge halten, weltweit ziemlich gut vernetzt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Feste Mitarbeiter? 15, aber nicht alle arbeiten Vollzeit. Und zwei davon kümmern sich um die organisatorische und künstlerische Leitung des Internationalen Kurzfilmfestivals, das ja unter dem Dach der Kurzfilmagentur stattfindet.

Wenn ich jetzt einen Kurzfilm produzieren würde – könnte ich Ihnen den einfach zuschicken?

Ja, genau, ein wichtiger Punkt. Das Schlaueste wäre wahrscheinlich, den bei unserem Festival einzureichen. Da klopfen wir ohnehin alle Filme darauf ab, ob sie beispielsweise als Vorfilm im Kino geeignet sind. Oder ob eventuell Interesse bei einem der Fernsehsender bestehen könnte, mit denen wir zusammenarbeiten. Dann sprechen wir den Filmemacher an und machen einen Vertrag für Verleih oder Vertrieb. Man kann uns den Film aber auch direkt anbieten, dann gucken wir uns das an und melden uns gegebenenfalls zurück.

Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben.

Wer schickt Ihnen denn Filme? Hauptsächlich Nachwuchsfilmemacher?

Ja, Nachwuchs ist ein wichtiger Bereich. Aber bei weitem nicht nur. Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben auch mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben. Oder beides machen, Kurz- und Langfilm. Natürlich gibt es den finanziellen Aspekt, ein Kurzfilm kostet einfach weniger Geld. Aber ein Kurzfilm ist auch ästhetisch oder inhaltlich interessant, weil man viel mehr Freiheiten als im Langfilm hat, wo man meistens doch recht fest an Genre- oder Formatvorgaben gebunden ist. Man kann viel mehr ausprobieren.

Wie lang darf ein Kurzfilm denn sein, gibt’s da offizielle Grenzen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist die Vorgabe für Förderung, dass er bis zu 30 Minuten lang sein darf. Die meisten Festivals handhaben das auch so. Wir auch. Natürlich machen wir Ausnahmen, wenn uns ein Film wirklich begeistert. Wir haben auch schon welche gezeigt, die 45 Minuten lang waren, auch wenn das offiziell ein „mittellanger“ Film ist. Für den Vertrieb, also die Ausstrahlung bei Fernsehsendern, sind am besten Filme geeignet, die zwischen 15 und 20 Minuten lang sind. Aber auch hier sind Ausnahmen immer möglich.

Wie viele Filme werden bei Ihnen eigentlich eingereicht?

Die meisten beim Festival, das sind zwischen 5000 und 6000 pro Jahr. Das ist natürlich ein ganz schöner Aufwand, die alle zu sichten. Jeder Wettbewerb hat eine eigene Sichtungsgruppe, und die müssen sich dann tage- und nächtelang da durchsehen. Außer der Reihe werden uns auch noch mehrere Filme pro Woche zugesandt.

Aus der ganzen Welt …?

Ja, genau. Unser Archiv ist sehr international.

Wir haben einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen.

Kann ich als Privatperson eigentlich auch bei Ihnen Filme ausleihen? Zum Beispiel für einen Filmabend mit Freunden?

Das ginge, klar. Allerdings müssten Sie dafür ein bisschen Geld bezahlen. Es für uns sehr wichtig, dass die Filme nicht umsonst rausgehen. Zum einen müssen wir natürlich einen gewissen Umsatz machen. Vor allem wollen wir aber, dass die Urheber in irgendeiner Form finanziell irgendetwas zurückbekommen. Auch wenn das manchmal nur kleine, eigentlich symbolische Beträge sind. Schließlich ist so ein Kurzfilm ja auch ein Wert. Wir haben aber trotzdem auch einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen. Das sind normalerweise Filme, die ihre Verwertung schon größtenteils hinter sich haben, also auf Festivals gelaufen sind oder vom Fernsehen gekauft wurden. Davor wird Werbung geschaltet, sodass die Urheber dafür dann auch eine kleine Vergütung erhalten, je nach Klickzahl.

Kurzfilme werden häufig belächtelt. Fühlen Sie sich in Hamburg trotzdem ernst genommen?

Auf jeden Fall! Das hängt auch mit dem Festival zusammen, dadurch werden wir sehr viel besser wahrgenommen. Die Agentur ist für den Endverbraucher ja gar nicht so sichtbar. Der sieht höchstens vielleicht im Kino einen Kurzfilm als Vorfilm oder eine Filminstallation im Museum, weiß aber gar nicht, dass das über uns dort gelandet ist. Wir wünschen uns natürlich mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit für den Kurzfilm, und dass er nicht nur als Nachwuchsformat gesehen wird. Nach oben hin ist da natürlich immer alles offen.

Interview: Maike Schade

www.shortfilm.com


Der KFA-Kurzfilm des Monats Dezember 2017:

 


Dieser Text ist ein Auszug aus der SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 30. Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!