(12.4.) Theater: “Die Wand”, Hamburger Kammerspiele, 20 Uhr

Das Wiener Burgtheater ist zu Gast in den Hamburger Kammerspielen. Im Gepäck das Solostück „Die Wand“. Eines Morgens wacht eine Frau (Dorothee Hartinger) mitten in den Bergen in einer Hütte auf, eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand hinter der kein Leben mehr existiert. Ein Leben ohne andere Menschen – eine Bedrohung und zugleich eine Sehnsucht? Der Roman von Marlen Haushofer ist in seiner Deutung vielschichtig: Ein Symbol für Barrieren, die uns von den Mitmenschen trennen? Für Ausgrenzung und Depression? Sozialisationskrankheiten, die eines gemein haben: Einsamkeit. (HB)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
12.4., 20 Uhr

Foto: Reinhard Werner

Trailer zum gleichnamigen Fernsehfilm

(11.4.) Lesung: “Unterleuten” von Juli Zeh, Rolf Liebermann Studio, 19.30 Uhr

Auf den ersten Blick ist „Unterleuten“ ein verschlafenes Dorf in Brandenburg, in dem ein paar Berliner nach der Wende ihren idyllischen Traum vom Landleben abseits der Großstadthektik verwirklichen. Als nahe der Ortschaft ein Windpark errichtet werden soll, brechen alte Streitigkeiten zwischen den Bewohnern wieder aus. Und neue entstehen – zwischen Westlern und Ostlern, Jung und Alt, Mann und Frau.

Wie eine Chorleiterin dirigiert Juli Zeh mühelos ihre zahlreichen und präzise beschriebenen Protagonisten: den Vogelschützer Gerhard mit seiner zwanzig Jahre jüngeren Frau Jule, die taffe Pferdeflüsterin Linda und den Computernerd Frederik sowie die ewigen Kontrahenten seit DDR-Zeiten: Kron und Gombrowski. In wechselnden Kapiteln erzählen über ein Dutzend Personen aus ihren Perspektiven. Deren Motive für oder gegen die geplanten Windräder beleuchtet die Autorin immer wieder neu – und so unterschiedlich die Ansichten ihrer Figuren auch sind, handelt doch jede von ihnen zutiefst egoistisch.

Zeh, die sich immer wieder zu politischen Themen äußert, analysiert nicht nur das „Unterleutner Soziotop“. Der 41-jährigen Juristin und Schriftstellerin gelingt mit ihrem neuen Roman eine facettenreiche Gesellschaftskritik, die einen gleichzeitig erschauern und schmunzeln lässt. (KAL)

Rolf Liebermann Studio
Oberstraße 120
11.4., 19.30 Uhr

Foto: Manfred Witt

(11.4.) Kino: “Ein Mann namens Ove”, Abaton, 20 Uhr

Grandiose Tragikomödie aus Schweden

Was ist das nur für eine Welt, in der es nicht möglich ist, sich in Ruhe das Leben zu nehmen!? Der 59-jährige Ove (Rolf Lassgård) hat alles verloren. Den Posten als Vorsteher seiner idyllischen Vorortsiedlung, seine über alles geliebte Frau Sonja (Ida Engholm) und seinen Job bei der Bahn. Doch der ersehnte Freitod kann dem patentierten Griesgram keine Erlösung bringen: Oves lebenslustige Nachbarn, angeführt von der Iranerin Parvaneh (Bahar Paris), kommen ihm unbewusst in die Quere. Ove straft sie mit Schimpfkanonaden. Parvaneh lässt jedoch nicht locker. Sie schließt den verbitterten Spießer, der jede Normübertretung mit gnadenloser Verachtung straft, ins Herz. So entdeckt Ove auf seine alten Tage plötzlich die Welt jenseits der Vorschriften noch einmal neu. (MS)

Abaton Kino
Allendeplatz 3/Ecke Grindelhof
11.4., 20 Uhr

(10.4.) Musik + Film: David Bowie Night, Jupi Bar, 21 Uhr

Bye Bye Spaceboy

Dreißig meist epochale Alben in fünfzig Jahren Schaffensperiode, dazu reichlich Filme, Clips und Kunstfiguren, Verkleidung, Verwandlung, Verzückung und Verstörung. Das alles hat uns der großartige David Bowie beschert, zuletzt das tolle Album „Blackstar“, mit dem er sogar seinen eigenen Tod noch genial inszeniert hat. Drei Monate nach seinem Ableben ist sein Verlust immer noch unfassbar, hat dieser Ausnahmekünstler doch eine ganze Generation beschallt und besungen, er war der „Soundtrack Of Our Lives“. Dieser Abend ist dem musikalischen und ästhetischen Genie gewidmet, es werden Ausschnitte aus Filmen, Interviews und Videoclips gezeigt und natürlich Musik, Musik, Musik. (KÜH)

Jupi-Bar Gängeviertel
Caffamacherreihe 37
10.4., 21 Uhr

Foto: Jo Atmon

(10.4.) Theater: “Die Netzwelt”, Hamburger Kammerspiele, 19 Uhr

Diffuse Freiheit in der weiten virtuellen Welt

Im Internet fällt es leicht, die kultivierte Fassade gänzlich fallen zu lassen. An einem Ort, an dem sich die geheimsten Sehnsüchte erfüllen, die dunkelsten Fantasien ausgelebt werden können, und das ohne seine Identität offenbaren zu müssen. Dieser Ort ist der virtuelle Club „Hideaway“ im „The Nether“, einer optimierten Version des heutigen Internets. Hier floriert das Geschäft mit Sex und Gewalt – Allerdings mit dem Einverständnis aller Beteiligten, also ganz legal, wie Woodnut feststellt, der sich als verdeckter Ermittler in die Simulation einloggt. Und in kürzester Zeit selbst in den Sog der totalen Freiheit gerät. Das Stück von Jennifer Haley beschäftigt sich mit den Strukturen einer virtuellen Parallelwelt: Welche Gesetze sind dort gültig? Welcher Moral bedient sich der Einzelne, wenn sein soziales Umfeld ausgeblendet ist? Und bleibt das dortige Handeln tatsächlich ohne Konsequenzen fürs reale Leben? (HB)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
10.4., 19 Uhr

Foto: Anatol Kotte

(9.4.) Nachtleben: Extrawelt + Gregor Tresher, Uebel & Gefährlich, 24 Uhr

Heute ist im Bunker mal wieder Anstehen angesagt. Wenn das international erfolgreiche Hamburger Elektro-Duo Extrawelt (Foto) und die Techno-Ikone Gregor Tresher gleichzeitig gebucht sind, ist die Türschlange vorprogrammiert. Die Weald-Crew bleibt damit ihrem seit Jahren erfolgreichen Booking treu und um das Einlasschaos nicht noch zu vergrößern, verzichtet man auf den Vorverkauf. Frühes Kommen lohnt in jeglicher Hinsicht, da sich mit MikaH, Punkt, Punkt und DJ Smut auch der Support sehen lassen kann! (OMA)

Uebel & Gefährlich
Feldstraße 66
9.4., 24 Uhr

(9.4.) Nachtleben: 15 Jahre Datscha mit der Amsterdam Klezmer Band, Fabrik, 21 Uhr

In der DDR fuhr man am Wochenende zur Erholung in die Datsche, zum kleinen Grundstück mit Garten und Häuschen. Im übertragenen Sinne fahren die Freunde der russischen Musik nun schon 15 Jahre zu ihrem Wochenend-Tanzdomizil. An wechselnden Orten wird dem Schnaps, den osteuropäischen Rhythmen und dem Klezmer-Sound gefrönt. Die stattliche Geburtstagssause steigt mit einem Konzert der Amsterdam Klezmer Band, die – wie passend – in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Also zwei Geburtstage auf zwei Etagen: die Fabrik außer Rand und Band. Lockermachen und ab dafür. Den Rest macht Gevatter Wodka. (DAK)

Fabrik
Barnerstraße 36
9.4., Fabrik, 21 Uhr

(8.4.) Musik: Elbinsel Gipsy Festival, Bürgerhaus Wilhelmsburg, 19.30 Uhr

Gipsy-Musik gehört zu Wilhelmsburg wie der Totenkopf zu St. Pauli. Das ist so, weil die Sinti-Familie Weiss hier seit Generationen lebt und der Landesverein der Sinti hier zu Hause ist. Zum 8. Mal findet nun das Elbinsel Gipsy Festival statt, das den interkulturellen Austausch fördert. Heute und morgen präsentieren sich Ensembles von nah und fern, unter anderem das Hamburg-Duo Django Deluxe (Foto), umrahmt von Ausstellungen und Gesprächen mit Zeitzeugen zur Geschichte und Kultur der Sinti. (LEN)

Bürgerhaus Wilhelmsburg
Mengestraße 20
8.4., 19.30 Uhr

(8.4.) Nachtleben: All You Can Dance, Golem, 24 Uhr

Andauernd tanzbare Zustände

Beim im Golem ansässigen „All You Can Dance“ geht es weniger um die Darreichungsform der für diesen Abend angekündigten Acts, womöglich in Anlehnung an überladene Brunch-Buffets oder ins XXL-Format geklopfte Schnitzel, als um einen möglichen Zustand, der hier ausgelöst werden könnte. Gekennzeichnet durch anhaltende, überbordende Bewegungsreflexe. Verantwortlich für diese zeigen sich an diesem Abend unter anderen der in Hamburg äußerst umtriebige Fritz Holzhauer sowie Kumpane Artur Anderes, KRVX und One Unlimited. (MME)

Golem
Große Elbstraße 14
8.4., 24 Uhr

(8.4.) Bühne: Kein Schiff wird kommen, Monsun Theater, 20 Uhr

Kleine große Welt

Ein junger Theaterautor soll ein Stück über den Mauerfall schreiben, das ganz große Rad solle er drehen, sagt sein Intendant. Doch woraus schöpfen? Als der Kalte Krieg zu Ende ging, war er noch ein kleiner Steppke. Also kehrt er zurück nach Föhr, in seine alte Heimat und befragt seinen Vater, wie das war, damals. Doch die große Weltpolitik verliert in ihren unbeholfenen Gesprächen schnell an Bedeutung, Alltäglichkeiten werden wichtiger. Vor allem die Erinnerung an das langwierige Sterben seiner Mutter. Und so beginnt er sein Leben zu rekonstruieren. Der Autor Nis-Momme Stockmann schrieb mit „Kein Schiff wird kommen“ ein biografisch inspiriertes Stück, in dem die Aufarbeitung politischer Geschichte in einer Familientragödie endet. (BIE)

Monsun Theater
Friedensallee 20
8.4., 20 Uhr
Ticket: 15,90 Euro

Foto: Anette Daugardt