„Fahr ein schöneres Hamburg“ auf dem Kultursommer

Fitte Beine, besseres Klima und mehr Sicherheit: Fahrradkampagne „Fahr ein schöneres Hamburg“

 

Hamburg will Fahrradstadt werden und die Anfänge sind gemacht. Inzwischen wissen wir alle: das Rad ist das perfekte Verkehrsmittel um die Stadt zu entdecken und schnell, unkompliziert und umweltbewusst von A nach B zu kommen. Perfekt auch, um den Kultursommer zu genießen und von einer Veranstaltung zur nächsten zu radeln. So entfällt auch die lästige Parkplatzsuche und der Besuch des Kultursommers ist gleich viel entspannter. Mit der Kampagne “Fahr ein schöneres Hamburg” macht die Stadt momentan auf den eingeschlagenen Weg hin zur fahrradfreundlichen Stadt aufmerksam.

 

Fahrradinfrastruktur

 

Tattoo- Fiete, Fahrrad-Testimonials wie der Blödel-Barde Otto, die “lächelnde Kreuzung”, der ÖPNV-Knoten und Fahrradparkhaus Kellinghusenstraße und Hamburgs erste „Protected Bikelane“ im südlichen Harburg, all diese Projekte stärken die städtische Fahrradinfrastruktur und werden über die Kampagne bekannt gemacht. Mit Spaß Radfahren lernen und dabei sicher ans Ziel kommen, können derweil Kids diesen Sommer ab dem 22. Juli auch beim Erlebnis-Parcours „Fiete und der Schatz der Speichenstadt“.

Im Kultursommer ist aktuell das Fahrradfahren sehr empfehlenswert. Die vielen Bekannten und auch unbekannteren Locations lassen sich im Rahmen des Kultursommer Hamburgs prima als Fahrradtour mit Kultur-Highlights planen. Tschüss Parkplatzsuche, hallo Kulturrausch!

 

Kultursommer-Reporterin Daphne war schon etwas mit dem Bike unterwegs:

Mehr radfreundliche Informationen zu den Aktionen gibt es auf fahrrad.hamburg


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Elbtonal Percussion: Mit Schlagwerk um die Welt

Das Hamburger Schlagwerk-Ensemble Elbtonal Percussion nahm die Zuschauer:innen beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air mit auf eine klangliche Reise um die Welt

Text: Felix Willeke

 

Nur Trommeln, das füllt einen Konzertabend? Ja, und wie. Aber zuerst ist wichtig zu wissen: Elbtonal Percussion trommelt nicht. Jan-Frederick Behrend, Sönke Schreiber und Francisco Manuel Anguas Rodriguez sind Schlagwerker. Das heißt egal ob Vibrafone, Gongs, Trommel, zweckentfremdete Alltagsgegenstände oder eigenartige Trash-Instrumente, Elbtonal Percussion machen Musik mit allem und auf allerhöchstem Niveau. Normalerweise treten Elbtonal Percussion als Quartett auf, am 20. Juli 2021 stehen sie jedoch als „Spezial Trio“ auf der Bühne. Beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air im Rahmen des Kultursommer Hamburgs nimmt das Ensemble die Zuschauer:innen mit auf eine Reise durch die Welt der Schlagwerke.

 

Zarte Klänge und starke Bilder

 

Los geht es in Japan: Ausgestattet mit Marimbas, chinesischen Trommeln und vielen weiteren Schlagwerken führen Elbtonal Percussion die Zuschauer:innen in die klangliche Vielfalt des fernöstlichen Landes. Die Marimba wird dabei mit derartig viel Gefühl und Emotionen gespeilt, dass schon vom ersten Moment an auf dem Platz alle gebannt lauschen. Der Rhythmus der großen Trommeln ist dabei zusätzlich am ganzen Körper zu spüren. Wer vor Konzertbeginn dachte, es bräuchte mehr Instrumente oder gar Gesang, ist spätestens jetzt vom Gegenteil überzeugt. Das Ensemble holt aus jedem Instrument das Maximale heraus: Von leisen, hohen, zarten Klängen bis hin zu imposanten, tiefen Rhythmen, die die Zuschauer:innen bis in den Bauch hinein spüren.

Elbtonal Percussion beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air ©Andreas Hornoff

Elbtonal Percussion beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air; Foto: Andreas Hornoff

Die Reise um die Welt führt weiter nach Serbien. Zwei Marimbas sorgen für anspruchsvolle und ineinander fließende Melodien, bei denen sich metaphorisch ein Bach in einen reißenden Strom verwandelt. Am Ende geht es dann nochmal zurück nach Japan. Begleitet von zwei chinesischen Trommeln spielt einer der Drei ein Solo auf der Marimba und die Mal­lets – die Schlägel der Marimba – fliegen dabei regelrecht über das Instrument. Das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe, in der das Ensemble dann noch seinen Humor unter Beweis stellt: Als Köche verkleidet kehren sie zurück und schlagen rhythmisch auf alles, was ihnen vor die Kochlöffel kommt. Diese Reise durch die Klangwelt hat nicht nur Spaß gemacht, sie lohnt sich auch immer wieder.

elbphilharmonie.de/hope-n-air


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„Das hat Hamburg noch nicht gesehen!“

Das erste internationale Spielbudenplatzfestival lockt im Juli mit Straßentheater auf den Kiez. Initiator und Schmidts Tivoli-Geschäftsführer Corny Littmann knüpft damit an die Historie des Platzes auf St. Pauli an

Text: Sören Ingwersen

 

Corny, seit wann schlummert die Idee in deinem Kopf, ein Spielbuden Festival auf die Beine zu stellen?

Die Idee, Straßentheater in Form eines Festivals auf dem Spielbudenplatz zu veranstalten, ist schon sehr alt. Wir haben ja vor etwa 15 Jahren schon mal eines gemacht, da war der Spielbudenplatz noch eine Sandfläche. Nur stellte sich immer die Frage, wie so etwas überhaupt organisatorisch und finanziell gestemmt werden kann.

Es gibt doch die Spielbudenplatz Betreibergesellschaft …

Diese Gesellschaft führt mit knapp 30 Angestellten tatsächlich alle Veranstaltungen auf dem Spielbudenplatz durch, bei denen aber kein Eintritt erhoben werden darf. Das ist ein schönes Ansinnen, aber welcher Künstler kommt schon ohne Gage nach Hamburg?

Vor über zwei Jahren habe ich meine Stiftung gegründet, die jetzt 100.000 Euro für das Festival zur Verfügung stellt. Für die notwendigen organisatorischen Corona-Maßnahmen unterstützt uns die Stadt zusätzlich mit 30.000 Euro.

Heißt das, Künstler, die sonst im Schmidt Theater und im Schmidts Tivoli auftreten, sind jetzt auf dem Spielbudenplatz zu erleben?

Im Gegenteil. Straßentheater ist eine ganz eigene Kunstform. Es wird für die Straße konzipiert und kann in der Regel auch nur dort stattfinden. Unser künstlerischer Leiter Bernd Busch ist selbst ein sehr erfahrener Straßentheaterkünstler mit vielen Kontakten zu Kollegen im In- und Ausland, die er für unser Festival gewinnen konnte. Insgesamt treten 25 Künstler und Gruppen auf, die – mit Ausnahme von „Die Buschs“ – in Hamburg noch nie zu sehen waren.

Kannst du ein paar Namen nennen?

Ein herausragendes Beispiel ist die spanische Gruppe Cia la Tal, deren Bühne ein aufgeklappter Lkw ist. Diese Mischung aus visuellem Theater, Magie und Clownerie ist der schiere Wahnsinn. Das hat Hamburg in der Form noch nicht gesehen!

 

Die Schaubude

 

Im Zentrum des Festivals steht eine Schaubude. Da denken viele jetzt wahrscheinlich an eine Unterhaltungssendung im Fernsehen. Die hat damit aber nichts zu tun … 

Einige erinnern sich vielleicht noch an die Schaubuden auf dem Dom vor zuletzt zehn oder fünfzehn Jahren. Da preist ein Ausrufer Kuriositäten an, wie „Die Frau ohne Unterleib“, und lockt das Publikum für ein 20-minütiges Programm in ein kleines Theater mit Holzbänken. Diese Schaubuden waren früher auf allen Volksfesten vertreten. Heute ist die Schaubude von Dominik Schmitz die letzter ihrer Art in Deutschland. Sie wurde übrigens in Elmshorn von der Firma Köhler Fahrzeugbau gefertigt und bietet normalerweise Platz für rund 150 Zuschauer. Neben der Kuriositäten-Show laufen dort auch andere gemischte Programme.

Corny Littmann wurde bundesweit bekannt durch die Schmidt Mitternachtsshow in den frühen Neunzigern; Foto: Stefan Malzkorn

Corny Littmann wurde bundesweit durch die Schmidt Mitternachtsshow in den frühen Neunzigern bekannt (Foto: Stefan Malzkorn)

Ein dunkles Kapitel der Schaubuden waren ja die sogenannten Freakshows, in denen Menschen mit körperlichen Fehlbildungen den voyeuristischen Blicken der Zuschauenden dargeboten wurden. Muss man sich Sorgen machen, wenn bei euch Sensationen wie „Die Spinnenfrau“ oder „Die Frau ohne Kopf“ angekündigt werden?

Überhaupt nicht. Das sind ja alles nur Tricks. Es gibt keine Freakshow oder kleinwüchsigen Menschen, die zur Schau gestellt werden.

Wollen wir kurz über das leidige Thema Corona sprechen?

Der Ablauf wird von uns unter den heutigen Bedingungen vorbereitet. Wir erwarten, dass wir zu einem bestimmten Zeitpunkt nur eine bestimmte Menge von Menschen auf dem Platz zulassen können. Es wird also Tickets mit einem wohl dreistündigen Zeitfenster für den Ein- und Auslass geben. Die können vorab kostenlos über das Internet erworben werden. So bekommt man im Verbund mit einem Corona-Schnelltest – etwa von „Corona Freepass“ nebenan – Zugang zum Platz. Anfang Juli wird das alles definitiv festgelegt und unter www.spielbudenfestival.de kommuniziert.

Für Essen und Trinken ist sicher auch gesorgt …

Dafür ist die Betreibergesellschaft zuständig.

Eigentlich sollte die Festival-Premiere ja schon im letzten Jahr stattfinden, musste aber wegen Corona verschoben werben. Konnte das Programm trotzdem beibehalten werden?

Fast alle Künstler, die wir im letzten Jahr dabei haben wollten, werden auch dieses Jahr dabei sein.

 

Viele Highlights

 

Auf welche Künstler können wir uns denn noch freuen?

Auf die klassische Seiltänzerin Silea aus Berlin und einen irischen Straßenclown: Shiva Grings. Der ist einfach toll, weil seine Programme vollständig improvisiert sind. Jede Show ist anders und hängt von der Reaktion des Publikums ab. Es gibt eine Clowns-Frau mit dem schönen Namen Anna de Lirium und „Das kleinste Varieté der Welt“ mit normalerweise nur vier bis sechs Zuschauern im Zelt und einer sehr witzigen zehnminütigen Show. Wir überlegen noch, wie wir das unter den Corona-Bedingungen anbieten können.

Außerdem wird Roc Roc-it bei uns auftreten. Er ist der Punk unter den Straßenkünstlern, spielt viel mit Feuer, spickt sein Gesicht mit Wäscheklammern und durchsticht sich die Wangen. Das ist ein total schräger und ausgeflippter Typ.

Eine Puppenspielerin und ein Papierreißer stehen auch in der Ankündigung … 

Wir haben darauf geachtet, dass möglichst viele Künstler eine Verbindung zur Tradition herstellen. Das Papierreißen ist ja eine sehr alte Kunstform. So wollen wir auch an die Geschichte des Spielbudenplatzes anknüpfen, wo es solche Attraktionen in Spielbuden ja schon vor über 200 Jahren gab. Hagenbeck hat mit einer Show mit Seehunden dort angefangen.

Außerdem gibt es in Hamburg seit den 1970er-Jahren das „Alstervergnügen“, das anfangs eines der größten Straßentheaterfestivals in Deutschland war. Heute ist nur noch die Gastronomie übrig geblieben. Diese Traditionen wollen wir wiederbeleben.

Macht ihr den historischen Bezug für die Besucher auch transparent?

In der Konzeption für das letzte Jahr war das vorgesehen. Da hatten wir schon mit Mitarbeiterinnen des Sankt Pauli Museums gesprochen, die uns Stellwände zur Verfügung stellen wollten, auf denen die Geschichte des Platzes dargestellt wird. Nun gibt es das Museum leider nicht mehr, und unsere kleine Mannschaft wäre mit einer solchen Dokumentation überfordert. Ich hoffe aber, dass wir diese Idee in einem der nächsten Festivals wieder aufgreifen können.

Das heißt, es wird noch weitere Spielbudenplatzfestivals geben?

So ist die Planung. Wir treten jetzt mit der Stiftung sozusagen in Vorleistung und hoffen auf so viel positive Resonanz, dass wir für das nächste Jahr verschiedene Unternehmen oder private Sponsoren gewinnen können, die die Finanzierung übernehmen.

Spielbudenfestival: 23.–25. Juli 2021


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Waldinsel-Lasterkonzerte: Musik auf vier Oldtimer-Rädern

Musik von heute auf einem LKW von gestern

Text: Felix Willeke

 

Nach Kirchdorf-Süd, Allermöhe, in den Elbpark Entenwerder oder auf den Fähranleger Teufelsbrück – die Waldinsel-Lasterkonzerte bringen Musik in alle Ecken der Stadt. Der legendäre Laster von Kim Senger blickt auf eine lange Karriere zurück: als Möbeltransporter, Zirkuslastwagen, Zuhause für eine Familie, als Tourbus und Wohnmobil – und schließlich als mobile Bühne und rollendes Aushängeschild der Waldinselbühne.

Vom 20. Juli bis 15. August fährt die mobile Bühne auf dem ausgebauten Mercedes Benz LKW von 1970 im Rahmen des Kultursommer Hamburgs an die verschiedensten Orte der Hansestadt. Die Künstler:innen spielen vor dem Laster oder vom Dach des Fahrzeugs in circa 3,60 Meter Höhe, das Publikum versammelt sich um den Laster.

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Foto: Jérome Gerull

Bands wie Puder, das John Winston Berta Trio oder FRINK spielen dann luftige und einzigartige Gigs auf dem Dach des Lasters. Am 20. Juli sind Kraus aufgetreten und haben mit ihren Indie-Rock-Songs den Schulhof des Bildungs- und Gemeinschaftszentrums Süderelbe beschallt. Stark war das!

Der Eintritt ist bei jedem Konzert bis auf das Finale am 15. August auf der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße, frei, um eine Spende wird gebeten.

waldinsel.com


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#MeetFrida: Kunst im öffentlichen Raum

#MeetFrida am Jungfernstieg, im Park Fiction, im Eichenpark und in einer Pop Up Gallery im Hanseviertel

Text: Isabel Rauhut

 

MeetFrida3_ARt_Gallery_Kultursommer_Foto_Team_SZENE_JG-8#MeetFrida wurde im Sommer 2020 aufgrund von Corona als neuartige Initiative zur Förderung von Künstler:innen in Deutschland ins Leben gerufen. Seitdem zeigt das Projekt die Online-Galerie www.meetfrida.art mit diversen Kunstkampagnen im urbanen Umfeld, aufstrebende Kunstpositionen in Malerei, Fotografie und Skulptur von Künstlern aus ganz Deutschland.

Neben der digitalen Plattform steht #MeetFrida für weitere vielfältige Kunstprojekte: Im Rahmen des Kultursommer Hamburgs wurde auf der Reesendammbrücke am Jungfernstieg, im Park Fiction auf St. Pauli und im Eichenpark am Alstervorland die MeetFrida ARt Gallery platziert. Werke von insgesamt 30 Hamburger Künstler:innen sind hier seit dem 17. Juli einen Monat lang virtuell zu entdecken.

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Foto: SZENE HAMBURG / JG

Der Name ARt Gallery spielt auf die digitale Umsetzung der Ausstellung in AR (Augmented Reality) an: Der Handy-Bildschirm wird zum Museumseingang. Bildende Kunst kann so interaktiv erlebt und in eine Gruppenausstellung eingetaucht werden. Sichtbarkeit im realen Raum erhält die Ausstellung über einen rosa Kubus, der den Ort markiert und per QR-Code den Zugang zum digitalen Museum ermöglicht. Besucher:innen können per Handy den Code scannen und die AR-Ausstellung öffnet sich direkt im Browser, eine App ist nicht nötig.

 

Kunst on- und offline

 

Mit einer Pop-up Gallery im Hanseviertel in der Hamburger Innenstadt sind on top die Werke von insgesamt 10 Hamburger Künstler:innen auch offline zu sehen. Die Gruppenausstellung läuft noch bis zum 31. Juli. Wen es nicht in die Innenstadt zieht: Die Pop-Up-Ausstellung gibt es – natürlich – auch als 3D in einer App.

In einer Aktion ab dem 10. August gibt’s dann, wie auch schon 2020, weitere Kunst im öffentlichen Raum: Dabei werden 40 Großflächen in vier Hamburger Stadtteilen nach dem Motto „Kunst statt Werbung“ mit 18/1 Kunstplakaten in Hamburg plakatiert. Die Aktion erschafft eine Outdoor-Galerie auf Zeit und macht Kunst für jeden zugänglich. Anhand einer digitalen Karte auf www.meetfrida.art werden Interessierte von Ort zu Ort geführt und erhalten umfassende Informationen zu Künstler:innen und Werken.

meetfrida.art


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Richard von der Schulenburg: Über Orgelmusik

Richard von der Schulenburg ist als RVDS als Techno und House-DJ unterwegs – beherrscht aber auch die Orgel sehr gut und spielt im Rahmen des Kultursommers Hamburg ein Konzert mit dem besonderen Instrument

Text & Interview: Kevin Goonewardena

 

Vor mehr als zwanzig Jahren begann die Karriere des Musikers Richard von der Schulenburg in Hamburg an der Orgel – in der legendären Meanie Bar des alten Molotow spielte sich von der Schulenburg von ABBA bis Zappa je einen Abend durch das Werk bekannter Künstler:innen, deren Texte er vorher ins Deutsche übersetzt hatte.

Mittlerweile als DJ und House Music-Produzent RVDS, Mitglied der Jazz-Band 44HZ Trio von Jacques Palminger, Theatermusiker und sogar sein eigener italienischer Zwillingsbruder Riccardi Schola als Italo Disco-Musiker umtriebig unterwegs, kehrte Richard für einen Abend an die Orgel zurück. Auf dem Vorplatz der Hauptkirche St. Katharinen zeigte er am Abend des 19. Juli einmal mehr, dass er nicht nur ein versierter Musiker, sondern vor allem auch veritabler Entertainer Ist. Ein Gespräch über Orgelmusik.

 

SZENE HAMBURG: Richard, die Orgel taucht immer wieder in deiner Karriere auf. Deine erste Veröffentlichung überhaupt (Top Banana Richard – „Die Meanie Bar Orgel 7”) versammelt Orgel-Versionen bekannter Popsongs, auch die Musik der Hamburger Schule-Band Die Sterne, bei der du fast zehn Jahre aktiv warst, zeichnete den Einsatz dieses Instruments aus. Erinnerst du dich noch an deine erste Berührung mit der Orgel?

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Foto: Jérome Gerull

Richard von der Schulenburg: Mein Onkel hatte damals in den 1970er Jahren eine Heimorgel bei sich zu Hause rumstehen, zu der Zeit war das gar nicht so ungewöhnlich, viele Familien besaßen damals ein solches Instrument. Diese Heimorgel hatte einen Begleitcomputer, das heißt der Rhythmus war vorgegeben, dazu hat man dann improvisiert – das fand ich als kleines Kind natürlich sofort total super.

Hast du das Orgelspiel dann im Anschluss richtig erlernt?

Nein, nur Klavier. In einem konservativen Elternhaus hat man Klavier, Geige oder Cello gelernt.

1995 bist du aus dem Raum Bielefeld nach Hamburg gezogen, hast zuerst in Bands wie Top Banana Trio und Soup de Nüll gespielt, ab Ende der Neunziger dann Solo Musik gemacht und begonnen in der damals noch existierenden Meanie Bar im Molotow die schon angesprochenen Themenabende mit Coversongs an der Orgel zu organisieren. Wie kam es dazu?

In der Meanie Bar gab es damals eine Orgel und als ich die damalige Besitzerin fragte, ob ich auf der mal spielen könne, hat sie gesagt, ich solle doch ein Konzert mit der Orgel geben. Das habe ich dann auch gemacht, der Orgel ein Lied gewidmet und so kam dann eins zum anderen. Man muss dazu aber auch sagen, dass das Instrument damals noch viel präsenter bei den Leuten war. Die Siebziger waren noch nicht lange her, viele kannten die Heimorgeln von Zuhause. Es existierten mehr funktionstüchtige Orgeln. Ich erinnere mich auch an einen mittlerweile legendären Orgelwettbewerb in Hamburg.

Erzähl …

Das war 1999 und ich glaube, da haben auch alle gespielt, die man so kennt. Felix Kubin, Carsten (Erobique, Anm. d. Red.) Meyer, Viktor Marek …

Viktor Marek hat glaube ich den ersten Platz gemacht, ich wurde disqualifiziert weil ich mit der Nase gespielt habe. Es gab richtige Hürden, man musste ein Stück covern, ein Stück präsentieren und man hatte ein Pflichtstück, weclhes man spielen musste. Nixe von den Mobylettes hat das moderiert.

 

„Die Orgel ist eine Art analoger Synthesizer“

 

Was fasziniert dich an der Orgel?

Ich verstehe die Orgel als eine Art analogen Synthesizer. Die Pfeifen und die Register, die es bei der Orgel gibt, waren natürlich etwas total Neues und Spannendes. Etwas, das es beim Klavier nicht gibt, im Gegensatz zu den Tasten. Der Klang wird durch den Luftstrom, den der Organist durch die Pfeifen ziehen lässt, erzeugt. Das fasziniert viele Leute, wie etwa Phillip Sollmann (alias DJ & Produzent Efdemin, Anm. d. Red.), der zusammen mit Konrad Sprenger ein eigenes Orgelsystem entwickelt hat: Das Modular Organ System.

Du spielst sowohl Orgel, als auch Synthesizer. Wann greifst du zumm einen, wann zum anderen?

Das Instrument, das ich benutze, spielt für mich keine große Rolle. Genauso wenig wie das Musikgenre, das ich damit produziere. Es geht immer um das, was in mir drinnen ist, was ich sagen möchte, was raus soll. Was dann auf welche Weise entsteht ist das Richtige, wenn es sich gut anfühlt.

Was wirst du heute beim Konzert auf dem Vorplatz der Hauptkirche St. Katharinen spielen?

Ein paar Stücke meines Albums Moods&Dances und ich werde ein wenig improvisieren. Dafür habe ich ein paar Geräte dabei, die ich sonst nicht oder nur selten mithabe. Zum Beispiel eine Wersimatic-Orgel aus den 1970ern, also aus der Blütezeit der Heimorgel und ein paar andere. Das neueste Gerät ist übrigens eines des Herstellers Casio von 1983. 

Musstest du viel arrangieren und wie hast du dich vorbereitet?

Erst einmal musste ich mich darauf vorbereiten überhaupt wieder ein Konzert zu geben, ganz unabhängig von der Pandemie-bedingten Pause. Das ich als Bandmitglied oder Solo-Musiker in einem Konzertrahmen auf der Bühne stand, ist ja schon ewig her, ansonsten spiele ich live nur Techno. Durch das letzte Album und die Pandemie ist die Möglichkeit wieder ein bisschen entstanden, ein Indie-Konzert zu geben. 

Ich bereite mich auf jedes Konzert einzeln vor, probe die Stücke mit Original-Instrumenten. Wenn das nicht geht, verwende ich Playback-Aufnahmen. Die werden heute auch bei zwei Stücken zum Einsatz kommen, da mir die entsprechende Orgel kaputt gegangen ist. Das werde ich vorab auch kommunizieren. Und dann gibt es Sachen, die ich komplett frei auf der Bühne improvisiere.

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Richard von der Schulenburg beim Konzert auf dem Vorplatz der Hauptkirche St. Katharinen am 19. Juli 2021 (Foto: Jérome Gerull)

 

Richard von der Schulenburg ist im Rahmen des Kultursommer Hamburgs noch mehrmals auf der Bühne in der Hansestadt zu sehen. Zum Beispiel als Teil des Duos Cosmic Cars am 24. Juli 2021 beim Auftakt zur Pudel Open Air-Reihe „Pudel Garden Live“ oder im Rahmen von „Hans Resonanz: Decoder Ensemble“, als RVDS in der Hanseatischen Materialverwaltung am 13. August 2021.


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Himmel über Hamburg: Dresdner Sinfoniker begeistern in höchsten Tönen

Die Elbphilharmonie und Kampnagel luden am 17. Juli 2021 zum Konzert „Himmel über Hamburg“ in die Lenzsiedlung: Die Dresdner Sinfoniker ließen für eineinhalb Stunden Plattenbauten und Sportplatz erklingen – mit ungewöhnlichem Instrumentarium, an einem ebenso ungewöhnlichen Ort

Text: Kevin Goonewardena

 

Grauer Beton, rauer Jargon, Plattenbauten, dazwischen ein grüner Fleck, aber nicht mal der ist natürlich, handelt es sich doch um einen Kunstrasenplatz. An der Schnittstelle zwischen Eimsbüttel und Lokstedt prallen, nun ja, Welten aufeinander. Hier die Altbauten des immer noch zu den beliebtesten Wohnadressen der Hansestadt zählenden Eimsbüttels, dort die grauen Betonfassaden der in den 70er und 80er Jahren errichteten Lenzsiedlung, benannt nach dem großen Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz, dessen Werk „Deutschstunde“ zum Standard der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gehört und erst kürzlich für das Kino neu verfilmt wurde.

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45 Musiker:innen des Dresdner Sinfonikers verteilt um und auf der Lenzsiedlung in Eimsbüttel (Foto: Maximilian Probst)

Auch wenn die rund 3000 Bewohner:innen der Lenzsiedlung seit geraumer Zeit von diversen Förderprogrammen, die die Siedlung aufwerten sollen, entsprechender Wettbewerbe und Auszeichnungen profitieren, einen Abend wie Samstag, dem 17. Juli 2021, hatte es so bisher dort noch nicht gegeben: Bei bestem Wetter versammelten sich rund 500 Besucher:innen auf dem Sportplatz des Vereins SV Grün-Weiss Eimsbüttel – dessen bekannteste ehemalige Spieler Bernd Dörfel, später unter anderem beim HSV aktiv, und Patrick Owomoyela, in der Jugend ab Mitte der 1980er aktiv, heißen – um dem Konzertereignis beizuwohnen.

Ungezählte taten es ihnen gleich, saßen im Grün neben dem Sportplatz, standen auf den Gehwegen, der Straße und natürlich auf den eigenen Balkonen, sofern sie zu den Bewohner:innen gehörten und obendrein zu Interessierten an klassischer Musik, für wenigstens einen Moment.

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Rund 500 Besucher nahmen Platz auf dem Fußballfeld von Grün-Weiss-Eimsbüttel (Foto: Jérome Gerull)

Auf die Dächer selbst durften zwar nur wenige, denn Corona ließ auch den Platz oben in 40 Metern Höhe schrumpfen, vor allem aber hätte jede:r Besucher:in gesichert werden müssen – 12 Höhenkletterer standen für die Musiker:innen und Pressevertreter:innen zur Verfügung. Und doch, alleine der Anblick der unwirklich anmutenden, zu Schatten verkommenen Figuren an der Dachkante mit ihren Instrumenten, in schwindelerregender Höhe und bei bestem Sonnenschein ließ auch bei den Besucher:innen auf den Sitzplätzen ein Kribbeln im Bauch zurück, noch bevor der erste Ton überhaupt erklungen war. 

Begonnen haben die Musiker:innen – 16 Alphörner, neun Trompeten, vier Tuben, vier chinesische Da Gu-Trommeln und weiteres Schlagwerk kamen zum Einsatz – mit der von John Williams zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles komponierten Fanfare und nicht etwa mit dem „Imperial March“ aus „Star Wars“, wie man vermuten könnte. Aufgeteilt wurden die Musiker:innen auf die Hochhäuser, den Sportplatz und das Vereinsheim des Sportclubs, so dass die Zuhörer:innen letztlich von allen Seiten beschallt wurden.

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Vier der insgesamt 16 Alphörner beim Konzert zu „Himmel über Hamburg“ (Foto: Jérome Gerull)

Gespielt wurde gleichzeitig, mal klangen mehr, mal weniger die Instrumente auf den Hochhausdächern durch. Wenn, dann klang das Gehörte weniger wie Klassik, mehr wie Drone-Musik und das passte wunderbar. Über ein Werk des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli, der bereits vor 400 Jahren mit Raumklängen – erzielt durch auf zwei gegenüberliegenden Emporen gespielte Musik – im Markusdom in Venedig für Furore sorgte, ging der Abend über in das Hauptwerk der Veranstaltung: Ein neues Stück des Münchener Komponisten Markus Lehmann-Horn. Eine Klangcollage aus Beethovens „Ode an die Freude“ bildete im Anschluss das große Finale.

Nicht nur die Höhe, sondern auch die großen Abstände zwischen den Musiker:innen auf den Dächern und am Boden stellte die Beteiligten vor große Herausforderungen. So wurde etwa die Unmöglichkeit des Einsatzes von Dirigent:innen aufgrund der Umstände durch einen Computer aufgefangen, der, zeitverzögert, ein Signal zu den jeweiligen Sinfoniker:innen aussandte.

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Die Tuben machten auch vom Dach aus große Töne (Foto: Maximilian Probst)

Für das Dresdner Ensemble ist der Auftrittsort auf dem Dach eines Hochhauses übrigens kein ungewöhnlicher: Nach der Neuvertonung des Soundtracks zu Sergei Eisensteins Stummfilmklassikers „Panzerkreuzer Potemki“ zusammen mit dem britischen Pop-Duo Pet Shop Boys 2004, komponierten sie zusammen mit den Musikern die sogenannte Hochhaussinfonie, die sie, ebenfalls zusammen mit den Briten, im Rahmen der 800-Jahr-Feier der Stadt Dresden auf dem Dach eines 35 Meter hohen Wohnblocks aufführten, wobei die Fassade als Leinwand für die dazugehörige Lichtinstallation genutzt wurde.

Von den Besucher:innen gab es auch bei „Himmel über Hamburg“ Standing Ovations, keine Zugabe zwar, aber rundum glückliche Gesichter und das Wissen, nicht nur bei einem qualitativ hochwertigen, sondern eben auch einem Konzert, das die eigene Konzert-Historie als Besucher:in um einen der wenigen, außergewöhnlichen Orte bereichert, an die man sich noch in vielen Jahren erinnern wird, bereichert.

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„Himmel über Hamburg“ von oben (Foto: Jérome Gerull)

 


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Zeise Open Air: „Nordsee ist Mordsee“

Bald 50 Jahre alt, gehört das Coming of Age-Drama „Nordsee ist Mordsee“ auch heute noch zu den beliebtesten Hamburg-Filmen überhaupt – denn Regisseur Hark Bohm gelang es, die von vorenthaltener Liebe geprägten Lebensverhältnisse der Arbeiterkinder der Nachkriegsjahre glaubhaft zu portraitieren. Die moderne Abenteuer-Geschichte aus Wilhelmsburg wird bei der diesjährigen Open Air-Kino Saison des Zeises im Innenhof des Altonaer Rathauses gezeigt – in Anwesenheit des Regisseurs.

Text: Kevin Goonewardena

 

Der 14-jährige Uwe (gespielt von Bohms späterem Adoptivsohn Uwe Enkelmann) wächst mit seiner Familie in prekären Verhältnissen in einer Hochhaussiedlung in Wilhelmsburg der 1970er Jahre auf. Der Vater trinkt, schlägt ihn und auch die Mutter. 

Als Anführer einer Jugendbande lässt Uwe seinen Frust außerhalb der Familie an anderen ab, Dschingis, ein asiatischer Junge, ist eines der Opfer der Halbstarken. Eines Tages beobachtet Uwe Dschingis dabei, wie dieser ein Floß baut; gleichzeitig fängt Uwes Gang an ihm wegen einbehaltener Beute aus einem geknackten Spielautomaten zu misstrauen. Nach der erneuten Misshandlung durch seinen Vater (in dessen Rolle Bohms Bruder schlüpfte), beschließen Uwe und Dschingis mit dem Floß abzuhauen. Ihre abenteuerliche Reise soll sie bis auf die Elbe führen …

 

Filmisches Denkmal

 

Mit seiner modernen Tom Sawyer und Huckleberry Finn-Geschichte schuf Bohm eine glaubhafte Erzählung der Lebenswirklichkeit ohne Liebe heranwachsender Nachkriegs-Arbeiterkinder, wie Kritiker:innen befanden. 

Der emeritierte Professor für Film und Mitbegründer des Hamburger Filmfests Hark Bohm setzte mit seinem Werk insbesondere dem Stadtteil Wilhelmsburg ein filmisches Denkmal, lange bevor Fatih Akin die Elbinsel durch seinen Film „Soul Kitchen“  von 2009 weit über Hamburg hinaus bekannt machte. 

Mit Akin wiederum hatte Bohm seine letzten Erfolge – zusammen schrieben sie die Drehbücher zur Kino-Adaption des Buches „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf und dem Golden Globe-prämierten „Aus dem Nichts“, für das Hark Bohm auch den Deutschen Filmpreis gewann.

 

 

Viele Drehorte von „Nordsee ist Mordsee“ sind auch heute noch besuchbar – größtenteils wurde der Film im Wilhelmsburger Bahnhofsviertel, rund um die die S-Bahn-Station und das Luna-Einkaufszentrum gedreht. Uwes Familie wohnt im Film beispielsweise in einer Wohnung in der Neuenfelder Straße 86, die Kneipe in der Uwes Mutter im Film arbeitet, befand sich in der Ladenzeile in der heute unter anderem eine Filiale der Kette Schweinske angesiedelt ist.

„Nordsee ist Mordsee“ bildet den filmischen Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe im Rahmen des Kultursommers, die neben Filmen (u.a. auch den diesjährigen Oscar-Gewinner „Nomadsland“, „Der Rausch“, die Klassiker „Der Hauptmann von Köpenick“ und Fatih Akins-Durchbruchfilm „Gegen die Wand“ oder die Kult-Mockumentary „Fraktus – Der Film“), Lesungen (u.a. der Bestseller-Autor:innen Kübra Gümüsay und Johann Scheerer, sowie Benjamin Maack und die Vorstellung der Biografie Dieter Kosslick, der über  20 Jahre die Fäden der Berlinale zog), Poetry Slams und Konzerte beinhaltet. 

 

Von Allem etwas

 

Vor allem Film-Fans kommen erwartungsgemäß auf ihre Kosten: Neben Sneak-Previews, sind bei vielen Vorführungen Gäste anwesend, andere Filme feiern im Rahmen des Programms ihre Hamburg-Premiere – etwa „Fabian – oder der Gang vor die Hunde“, eine Adaption des Klassikers von Erich Kästner mit Tom Schilling in der Hauptrolle. Auch „Alles ist eins. Ausser der 0“ des ehemaligen Managers der Band Einstürzende Neubauten, Gesellschafter des ersten Punk-Plattenladens Rip Off (heute Ruff Trade in der Feldstraße), Gründer des Freibank Musikverlags und einer gemeinsamen Filmproduktionsfirma mit Fatih Akin, Klaus Maeck, gibt’s im Zeise Open Air zuerst zu sehen. 

Die Doku „Bis die Gestapo kam – das Chinesenviertel auf St. Pauli“ behandelt hingegen eines der dunkelsten Kapitel der NS-Zeit der Hansestadt: Die Auflösung des Chinesenviertels auf St. Pauli durch die Gestapo, welche mit Inhaftierung, Enteignung und dem Tod einiger chinesischer Mitbürger:innen handelte. Unter den Gefangenen war damals auch Chong Tun Lam, der Gründer des 1934 eröffneten Hotels HongKong auf dem Hamburger Berg. Das ehemalige Chinesenviertel ist auch Standort der zuletzt verlegten und des insgesamt 6000. Stolpersteins, mit denen dort an 13 durch die Nazis ermordete chinesische Mitbürger:innen erinnert wird.

zeise.de


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Vol. 1: Eine sommerliche Kulturwoche voller Ideen

Damit die Woche gut im Voraus geplant werden kann, gibt es hier eine Auflistung an Highlights, die diese Woche im Rahmen des Kultursommer Hamburgs stattfinden

Text: Isabel Rauhut

 

Der Kultursommer Hamburg bietet über vier Wochen mehr als 1300 Veranstaltungen in der ganzen Stadt verteilt an. Damit da nicht der Überblick verloren wird, haben wir uns durchs Programm gelesen und empfehlen hier tägliche Events in der Vorschau, damit die Woche mit Calls, Kindern und kleinen Katastrophen gut geplant, genossen und vieles mitgenommen werden kann!

 

19. Juli 2021

Wie wäre es am 19. Juli mit zeitgenössischer Kunst, einem Art-Event? Dann lohnt sich ein Besuch im Hanseviertel: Bis zum 31. Juli 2021 bespielt die Pop Up Galerie #MeetFrida die denkmalgeschützte Passage in der Hamburger Innenstadt. #MeetFrida unter dem Motto „Fast Forward“ zwei wechselnde Ausstellungen mit dem Schwerpunkt auf Hamburger Kunstschaffende.

 

20. Juli 2021

Dienstag, 20. Juli, geht es zum Afterwork eine Runde Gassi mit dem Pudel: Rund um den noch geschlossenen Pudel Club am Hafen zeigen Künstler:innen der Hochschule für bildende Künste Hamburg temporäre Installationen, Interventionen, Vorlesungen und Performances im öffentlichen Raum für ein von 17 bis 23 Uhr verteiltes Publikum. Musik gibt’s über Kopfhörer und Drinks vom Barboncino zwölphi!

 

21. Juli 2021

Am Mittwoch, 21. Juli, trifft Brahms im Oberhafen in der HafenCity auf Shakespeare: Bei einem Klassikkonzert des Hamburger Kammerkunst Vereins begegnen die Zauberwälder, Lichtungen und Verwirrungen Johannes Brahms dem Sommernachtstraum William Shakespeares zur blauen Stunde. Für ein knappes Stündchen kann mit Konzertbeginn um 18 Uhr der Feierabend und anschließende Heimweg mit Hafenatmosphäre genossen werden.

 

22. Juli 2021

Das T in Donnerstag steht für Theater: Am 22. Juli wartet „Das hässliche Entlein“ im Hamburger Puppentheater auf ein bisschen Liebe. Das Spiel folgt dem Märchen des dänischen Poeten Hans Christian Andersen. Mit fast lebensgroßen Stofffiguren wird der Weg des kleinen verstoßenen „hässlichen Entlein“ zum Schwan nachgespielt. Das beliebte Märchen rund um die Themen Einsamkeit und Anderssein ist ein toller Familienausflug – los geht’s hier um 15 Uhr.

 

23. Juli 2021

Bei „Fast ein Wilhelmsburger Festival“ wird sich an insgesamt drei Freitagen ganz besonders den Künstler:innen und Musiker:innen gewidmet, die eine Verbindung zur grünen Insel zwischen Hafenindustrie und Elbromantik haben. Auf dem Dockville-Gelände am Schlengendeich ist dafür am 23. Juli ab 16 Uhr Kick-Off – dann gibt’s ein kleines Konzert-Programm und die Arbeiten von Wilhelmsburger Kunstler:innen zu entdecken!

 

24. Juli 2021

Es ist Wochenende! Da kann man sich jetzt gediegen in einen Liegestuhl fallen lassen, Popcorn essen und diesen Samstag, 24.Juli um 21:30 Uhr unter freiem Himmel auf dem Innenhof des Altonaer Rathauses den Klassiker „Gegen die Wand“ von Hamburgs one and only Fatih Akin aus dem Jahr 2004 auf Großleinwand schauen. Der Film schildert die Liebesgeschichte einer jungen, in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Türkin, die mit einem alkoholkranken und drogensüchtigen Landsmann eine Scheinehe eingeht, um den Moralvorstellungen ihrer Eltern zu entkommen.

Die Zeise Kinos haben als Einführung für diese Vorstellung den Kulturmanager und ehemaligen Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Dieter Kosslick, und weitere Gäste geladen.

 

25. Juli 2021

Das 1. Internationale Spielbudenfestival findet vom 23. bis zum 25. Juli auf dem – Überraschung – Spielbudenplatz St. Pauli statt. Die Corny-Littmann-Stiftung führt das Straßenkunstfestival 2021 erstmalig durch, um es als jährlich stattfindendes Festival mit Top-Künstlern der internationalen Straßenkunstszene zu etablieren. 

30 Solokünstler und Gruppen aus Deutschland, Österreich, Polen, Irland, Kanada, Singapur, Spanien, Mexiko, Israel, Schottland und Frankreich unterhalten das Publikum heute noch bis 21 Uhr mit ihren Tricks und Tänzen. Auf in einen Sonntag voller Kuriositäten!


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MS Artville: Wie wir leben wollen

Nach der Corona-bedingten Verlegung in den digitalen Raum im letzten Jahr, starten die Macher:innen des MS Artville Festivals für urbane Kunst 2021 endlich wieder auf gewohntem Gelände in Wilhelmsburg durch. Noch mit Handbremse, aber voller Vorfreude, spannender Kunst und einigen Neuerungen

Text: Kevin Goonewardena | Fotos: Andreas Hornoff

 

Vor fast fünfzehn Jahren mit dem 2007 erstmals veranstalteten MS Dockville-Festival begann die all sommerliche Transformation des einst unscheinbaren Geländes gegenüber des architektonisch auffälligen Getreideterminals am Reiherstieg in Wilhelmsburg. Heute sind das Mutterfestival Dockville und deren in den folgenden Jahren entstandenen Geschwister-Veranstaltungen Spektrum, Vogelball, Butterland und Artville fest etablierte Termine für Popkultur-Begeisterte verschiedener Strömungen.

Längst kommen die Besucher:innen nicht mehr nur aus Hamburg, die Acts sind international. 2019 gelang mit der Verpflichtung des aufstrebenden Superstars Billie Eilish dem Dockville gar ein echter Coup – und dann kam Corona.

 

Die Kunst kommt zurück

 

Nach der, der Pandemie geschuldeten, Pause der Veranstaltungen und einer digitalen Ausgabe des MS Artville im letzten Jahr, ist nun erstmals wieder eine physisches Beisammensein möglich: Zum gemeinsamen Nachdenken über Gegenwart und Zukunft laden die Macher:innen, beteiligte Künstler:innen und Publikum ab dem 17. Juli 2021 auf das Gelände zum MS Artville-Festival für urbane Kunst, auf dem wie gewohnt aus den vorherigen Jahren erhaltene und neu angefertigte Werke unter freiem Himmel zu erleben ist.

Flankiert wird das Ganze von einem Begleitprogramm aus Workshops, Panels, Diskussionsrunden, Musik, auch ein Kinderprogramm ist darunter. Fast ein Festival nennt sich die Post-Lockdown-Ausgabe, für die sich die Verantwortlichen über mehrere Termine und Wochen erstreckende Mini-Festivals unter  Berücksichtigung der geltenden Hygieneregeln konzipiert haben – Fast ein Artville ist ein Teil davon.

 

Spieglein, Spieglein

 

Das wohl  hervorstechendste Werk dort ist der im Stile einer Discokugel umgestaltete alte Saab 900 der Künstlerin Sasha Gold. Why not? Everybody’s darling heißt ihre Arbeit, die auch schon auf Kampnagel die Besucher:innen begeisterte und in einem Video der Rapperin Haiyti zu sehen ist – die auch am Sonntag, 14. August 2021, auf dem Gelände auftreten wird.

 

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„Why not? Everybody’s darling“ der Künstlerin Sasha Gold funkelt in der Sonne auf dem Gelände des MS ARTVILLE

 

Gold, die dem schrottreifen Gefährt mit tausenden Spiegelscherben zu neuem Glanz verhalf, möchte mit der Transformation, die, die Bruchstellen der Scherben sichtbar lässt, auf den Umstand aufmerksam machen, dass weiblich gelesene Personen immer noch hauptsächlich nach ihrem Aussehen bewertet werden. Das Auto selbst, geschlechtslos, aber untrennbar mit der Männerwelt verbunden, bekommt von ihr wiederum eine weibliche Identität zugeordnet. Why not? Everybody’s darling wird sich definitiv ganz vorne unter den  meist fotografierten Arbeiten des Festivals einfinden.

 

Mast und Stäbchen

 

Genau andersrum verhält es sich bei der begehbaren Installation Combi Ticket. Man könnte fast an dem Artwork des belgischen Künstlers Karl Philips vorbeilaufen – es würde jedenfalls nicht verwundern, wenn man es auf den ersten Blick nicht als solches registriert, denn die Arbeit besteht aus Dixi-Toiletten, Absperrzäunen, einem Flutlichtmast, einem Zelt. Also, aus einem für Festivalgelände nicht ungewöhnlichen Mobiliar. Hinter der scheinbar losen Ansammlung steckt jedoch bei genauerer Betrachtung System: Die Zäune stecken die Wege eines Labyrinths ab, als dessen Eingänge die Dixi-Häuschen fungieren.

 

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Dixie-Klos, Flutlicht und dazwischen das Zelt: Der Künstler Karl Philips installiert einen Festival-Moment

 

Das Zelt, aufgestellt am denkbar schlechtesten Schlafplatz: Unter greller Beleuchtung, in der Nähe von Dixies, eingehüllt in den Umgebungslärm, die Zeltenden jedoch nehmen den Platz in Kauf. Dafür wird nicht nur an physische und psychische Grenzen gegangen, sondern auch darüber hinaus: sie werden verschoben – nicht nur hier, auch anderswo.

Wie Philips für sein Werk, bedienen sich auch Vera Drehbusch und Daniel Wrede einem weltweit bekannten Gegenstand; genauer dem Mikado-Spiel beziehungsweise dessen Stäben. Sie fixieren bei ihrer aus riesigen Spielstäben bestehenden Installation den freien Fall des Anfangsmoment des beliebten Spiels und schaffen so ein Werk, das sich stets im Prozess befindet, anstatt in einen abgeschlossenen Zustand aufzugehen.

 

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Spiel und Spaß: Mikado der Künstler Vera Drehbusch und Daniel Wrede

 

Es scheint nur konsequent, dass die Arbeit Mikado durch die Künstler so geplant wurde, das es noch weitere Jahre im Rahmen des Festivals die Hamburger Kulturlandschaft bereichern kann.

 

Kunst in Zeiten der Pandemie

 

Für die Auswahl der vertretenen rund 20 internationalen Künstler:innen griff man sowohl auf jene zurück, die bereits für die 2020 Ausgabe eingeplant waren, die dann in Teilen digital stattfand, sprach aber auch neue Künstler.innen an, wie Martina Marschalk vom Organisationsteam verrät. Neben den behördlichen Vorgaben und einer lange Zeit unsicheren Finanzierung, die unter anderem Dank der Hamburger Kulturbehörde gestemmt werden konnte, hatte die Pandemie auch auf andere Bereiche der Festival-Vorbereitung erheblichen Einfluss und stellte die Organisator:innen vor neue Herausforderungen: So konnten bis auf Karl Philips keine:r der internationalen Künstler:innen nach Hamburg reisen, um ihre Werke selbst aufzubauen und instruierten deswegen teilweise per Videocall den Aufbau, nach vorheriger Begehung des Geländes auf die gleiche Art und Weise.

Die Künstlerin Taba geht für ihr zusammen mit ihrer Partnerin Shooki entstandenes Werk With(out) You gar noch einen Schritt weiter: Sie ruft die Besucher.innen dazu auf das über Videocall entstandene Werk zu vollenden und erörtert so nicht nur die Möglichkeiten wie wir trotz Pandemie-Beschränkungen über Ländergrenzen hinweg miteinander arbeiten können, sondern auch, ob es möglich ist Künstler:in zu sein, wenn man das Werk selbst nicht erschaffen hat.

MS Artville Festival: 17. Juli – 14. August 2021


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