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Verlosung: Tickets für die 8. Phototriennale Hamburg

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Die Triennale der Photographie Hamburg findet seit 1999 alle drei Jahre statt und jährt sich 2022 zum achten Mal. Mit einer großen Anzahl von Fotoausstellungen unter dem gemeinsamen Thema „Currency“ werden aktuelle Tendenzen beleuchtet.

Foto: Baha Targün mit Megafon am Werkstor von Ford in Köln-Niehl, August 1973 (Credit: Gernot Huber)

Die 8. Ausgabe der Triennale der Photographie Hamburg nutzt das Thema Currency, um zum Nachdenken über die heutige Macht der Fotografie einzuladen, Bedeutung über Distanzen hinweg zu vermitteln und in Beziehung zu setzen. Die Ausweitung dieses ökonomischen Begriffs auf Kunst und visuelle Kultur führt zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Fotografie und ihrer Beziehung zur Kanonisierung, Klassifizierung, Zirkulation, Wissensproduktion und visueller Autonomie.

Die künstlerische Leiterin Koyo Kouoh wird dabei von einem kuratorischen Team aus Rasha Salti, Gabriella Beckhurst Feijoo und Oluremi C. Onabanjo unterstützt, mit Cale Garrido als kuratorische Koordinatorin. Auftakt des Programms war Lucid Knowledge, ein internationales Symposium, das vom 30. September – 02. Oktober 2021 stattfand. Ab Mai 2022 wird die Triennale einen Ausstellungsparcours in Museen und Institutionen in ganz Hamburg inszenieren (20. Mai – 18. September 2022), der während des Eröffnungswochenendes (20. – 22. Mai 2022) und der Festivalwoche (2. – 6. Juni 2022) aktiviert wird. In der Festivalwoche wird auch die Triennale Expanded eröffnet, eine Plattform, die sich der Hamburger Fotografieszene widmet, die Austausch und Begegnungen in der ganzen Stadt ermöglicht.

Elf Kunstinstitutionen

Zu den an der 8. Ausgabe der Triennale der Photographie Hamburg beteiligten Institutionen gehören: das Bucerius Kunst Forum, die Deichtorhallen Hamburg mit dem Haus der Photographie, der Halle für aktuelle Kunst und der Sammlung Falckenberg, die Hamburger Kunsthalle, das Jenisch Haus, das Kunsthaus Hamburg, der Kunstverein in Hamburg, das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt, das Museum der Arbeit, das Museum für Hamburgische Geschichte und das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Insgesamt führen Kunstausstellung, Talks, Führungen, Performances und Filmevorführungen auf dem Programm durch das Thema „Currency“.

phototriennale.de


Wir verlosen 2×2 Tickets für das Festival inklusive je ein Triennale Guide!

Die Tickets beinhalten den Eintritt zu den Ausstellungen und Veranstaltungen der Triennale während des Festivals vom 2. bis 6. Juni 2022.

Wie ihr mitmachen könnt? Na so:

Charlotte March: Eine Werkschau

Die Hamburger Fotografin Charlotte March publizierte in der Brigitte, im Stern, in der Elle und in der Vogue Italia, jetzt ist eine groß angelegte Werkschau ihrer Arbeiten in der Sammlung Falckenberg zu sehen

Text: Katharina Stertzenbach

Die groß angelegte Werkschau über Charlotte March (1929–2005) ist vom 20. Mai bis zum 4. September 2022 in der Sammlung Falckenberg zu sehen. Die Werkschau zeigt neben den bekannten Aufnahmen der Fotografin insbesondere auch die bisher weniger bekannten Mode- und Werbeaufnahmen. Anlässlich der 8. Triennale der Photographie Hamburg sind insgesamt 300 Werke von Charlotte March ausgestellt. Sie zeigen dabei auch die frühen dokumentarischen Fotografien im Hamburg der 1950er-Jahre und Aufnahmen von ihren Aufenthalten auf der damals vom Massentourismus noch unberührten Insel Ischia porträtieren. Bei vielen der Fotografien immer im Hinterkopf: das 1977 veröffentlichte Buch „Mann, oh Mann – Ein Vorschlag zur Emanzipation des attraktiven Mannes“, das erstmals explizit eine weibliche Sicht auf den männlichen Körper zeigte und nicht nur deswegen breit diskutiert wurde.

Werkschau zu Charlotte March
Sammlung Falckenberg 20. Mai bis 4. September 2022


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Orte im Wandel

Fotografien von Polina Andriyvna als Risoprints

Text: Sabine Danek

Viele Jahre hat Polina Andriyvna bei uns in der Redaktion gearbeitet, noch länger fotografiert sie. Und dabei immer wieder Orte, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, ihre Mitte verloren haben – und ihre Bestimmung. Oder sich im Laufe der Zeit gewandelt haben, ganz so wie in ihrer Serie לוגלגה, was Metamorphosen bedeutet.

Die Arbeiten sind in der Ukraine und in Deutschland entstanden, die Orte mit jüdischem Leben verbunden. Wie in Auflösung wirken sie als Risografien, die in einem Fotoheft versammelt und als Prints in der Ausstellung im Orbit zu sehen sind.

לוגלגה: Polina Andriyvna, Eröffnung 18. März 2022, 19 Uhr, Orbit (Stresemannstr. 144)


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Gastarbeiter: Wir sind von hier

In der Ausstellung „Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990 Fotografien von Ergun Çağatay“ wird das Leben türkischer „Gastarbeiter“ greifbar und lebensnah porträtiert

Text: Marco Arellano Gomes

Diese Chance ließ sich auch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier nicht entgehen. Ende September 2021 besuchte er die Fotoausstellung „Wir sind von hier. Türkischdeutsches Leben 1990“ im Ruhrmuseum in Essen, die zum Anlass des 60-jährigen Jubiläums des Abschlusses des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens ins Leben gerufen wurde. Seit den 1950er-Jahren schloss die Bundesrepublik mit mehreren Ländern – darunter Italien, Spanien, Griechenland und Portugal Anwerbeabkommen ab, um den Mangel an Arbeitskräften im Wirtschaftswunderland auszugleichen. Viele der „Gäste“ blieben und wurden Teil der Gesellschaft.

Beeindruckendes Panorama

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Zwei Bergleute kurz vor Schichtende im Bergwerk in Walsum, Duisburg (Foto: Ergun Cagatay)

Vom 4. Februar bis zum 6. Juni wird diese außergewöhnliche Fotoausstellung nun auch im Museum für Hamburgische Geschichte zu sehen sein. Sie zeigt Fotos des renommierten Istanbuler Fotografen Ergun Çağatay (1937–2018). Çağatay hatte 1990 sechs Wochen lang die Städte Hamburg, Köln, Werl, Berlin und Duisburg besucht, um die türkischen Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation abzulichten. Etwa 3500 Fotos sind entstanden. 120 sind in der Ausstellung zu sehen. Sie zeigen das Alltagsleben der aus der Türkei stammenden Frauen und Männer und geben Einblick in Wohnzimmer, Moscheen, Fabriken, Obst- und Lebensmittelgeschäfte sowie in ein Stahlwerk und eine Steinkohlenzeche. „Das Ziel meiner Reise bestand darin, die soziale Integration beziehungsweise Nicht-Integration der zweiten Generation zu zeigen“, zitiert die Ausstellung den vor drei Jahren gestorbenen Fotografen.

Von Blohm+Voss bis zur Moschee in St. Georg

In Hamburg fotografierte Çağatay unter anderem die Schiffswerft Blohm+Voss. Aber auch Fotos auf dem Altonaer Flohmarkt, dem Großmarkt und der Moschee in St. Georg befinden sich in der Sammlung. „Ein beeindruckendes Panorama der türkisch-deutschen Lebenswelt, so Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor und Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg. Flankiert werden die Bilder von acht Video-Interviews mit Persönlichkeiten, die wichtige Beiträge zum Thema deutsch-türkische Migration geleistet haben. Unter ihnen der Investigativ-Journalist Günter Wallraff, der 1985 seine Erfahrungen als Türke „Ali“ in seinem Buch „Ganz unten“ veröffentlicht hatte.

Die Anerkennung der Lebensleistung von Gastarbeitern

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Selbstbildnis von Ergun Çağatay (Foto: Ergun Cagatay)

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. So sind unter anderem öffentliche (Gruppen-)Führungen, Gespräche, Workshops, Schulführungen, ein Fotografie-Workshop, ein Symposium, ein Podiumsgespräch und eine Schreibwerkstatt geplant. „Durch die Geschichten und Erfahrungen der Menschen bekommt Zuwanderung ein Gesicht, besser gesagt: viele Gesichter“, so Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Es sind Gesichter von Gästen, die hierzulande zu großen Teilen inzwischen zu Hause sind. „Wir sind von hier“ lautet daher der treffende Titel der Ausstellung. Insbesondere die Texte des 72 Seiten umfassenden Begleitmagazins zeigt auch die Zerrissenheit und den Schmerz, den eine Einwanderung – und sei sie auch nur auf Zeit – mit sich bringt. Die Anerkennung der Lebensleistung von Gastarbeitern hat noch immer Seltenheitswert. Vielleicht vermag diese Ausstellung zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

„Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990 Fotografien von Ergun Çağatay“ im Museum für Hamburgische Geschichte, noch bis zu 6. Juni 2022


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Nachwuchs: Den Moment festhalten

Niklas Christensen, 25, ist Fotograf, Webdesigner und Entwickler. Gemeinsam mit den Filmemachern Tom Köhn und Carlos Viering feierte er kürzlich die Premiere von „Hotspot“, einem Dokumentarfilm des Trios über die Vor- und Nachteile des Tourismus in Island

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Niklas, es heißt, du hättest bereits mit 16 Jahren erste eigene kreative Projekte umgesetzt. Was für Projekte waren das?

Niklas Christensen: Ich habe sehr früh angefangen mich für moderne Medien zu interessieren. Mit 16 Jahren habe ich erste Webseiten gebaut, Musikvideos gedreht, mich mit der Fotografie auseinandergesetzt und eine eigene Schülerzeitung gegründet, die mit der ersten Ausgabe zur besten Schülerzeitung des Bundeslandes gekürt wurde. Damit stand für mich fest, dass ich das weiterverfolgen sollte.

Und wann hast du dich entschieden, Fotografie und Webdesign zu deinem Beruf zu machen?

In der zehnten Klasse habe ich den Beruf des Webdesigners für mich entdeckt. Wegen meines Realschulabschlusses hatte ich damals früher Ferien als meine Freunde und habe die Zeit für ein Praktikum in einer Werbeagentur genutzt. Das hat dazu geführt, dass ich drei Jahre später die Ausbildung gemacht habe. Auf Reisen hat dann die Naturund Dokumentarfotografie mein Herz erobert, sodass ich mich am Anfang der Ausbildung mit dokumentarischer Fotografie nebenberuflich selbstständig gemacht habe.

 

Ein zweiter Film ist in Planung

 

Für „Hotspot“ warst du nicht nur Fotograf, sondern auch Kameramann. Was waren die größten Herausforderungen für dich bei dieser Arbeit?

Gute Frage – wahrscheinlich war es am schwierigsten, in den wichtigen Situationen zu entscheiden, ob ich den Moment fotografisch oder videografisch festhalten möchte. Und aus welcher Perspektive und mit welchem Bildausschnitt ich arbeiten möchte. Für diese Entscheidungen musste ich dauerhaft zu 100 Prozent konzentriert sein. Glücklicherweise habe ich meine Kollegen Carlos und Tom nur bei Bedarf als Kameramann unterstützt und konnte mich hauptsächlich auf die Fotografie und die Organisation konzentrieren, damit wir entsprechendes Material für unsere Marketingmaßnahmen wie die Website, die Plakat etcetera haben.

Planst du weitere Filmprojekte dieser Größenordnung?

Ich alleine? Eher nicht. Ohne all die Unterstützung wäre ein solches Projekt selbst zu dritt eine sehr große Herausforderung. Aber es ist tatsächlich bereits ein zweiter Kinofilm geplant – Näheres kann und darf ich dazu aber leider noch nicht sagen.

christensen-design.com; vier-ecken.com

Mehr Eindrücke gefällig? Hier gibt‘s den Trailer zu „Hotspot“:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Grafy: „Kunst kann man nicht lernen“

Grafy, 23, entschied sich nach dem Abitur, hauptberuflich Künstler zu werden. Das Zusammenspiel von Abstraktion und Realismus zeichnet seine Kunst aus. Sein Malstil kombiniert Techniken und Arbeitsweisen vergangener Epochen auf neue Art und Weise. Grafy hat mittlerweile Kunden in aller Welt

Inteview & Foto: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Grafy, wie hast du gemerkt, dass du Künstler werden willst?

Grafy: Das ist eigentlich ein ganz natürlicher Prozess gewesen. Der einschneidenste Punkt war tatsächlich: Mit 16 war ich in New York, habe dort die ganzen großen Künstler in Museen gesehen und war absolut begeistert. Mich hat die Frage getrieben, was einen Künstler veranlasst, seine Werke zu machen. Daraus ist meine Energie entstanden, Kunst zu machen. Das hat sich mit der Zeit geformt, und jetzt sind es diese alltäglichen Dinge wie Gespräche, die mich inspirieren. Es kann alles sein, was mich zu einem Werk treibt.

Wie waren die Reaktionen in Familien- und Freundeskreis?

Langwieriger Prozess (lacht). Also, das Wort „Brotlose Kunst“ wird einem natürlich schnell in die Wiege gelegt. Ich war überzeugt, dass das so nicht sein wird. Und nachdem ich da mit so einer Leidenschaft ran gegangen bin, wusste ich, dass ich Erfolg haben werde – wenn ich es so in meinem Herzen weiter fühle. Aber die ersten zwei Jahre waren schon manchmal ein Überzeugungskampf. Danach hatte ich dann die volle Unterstützung. Viele Zweifler sind heute irgendwie kleine große Fans.

Wäre für dich noch ein anderer Beruf infrage gekommen?

Nein, absolut nicht.

 

Der eigene Weg

 

Du bist Autodidakt, warst nie auf einer Kunsthochschule. Warum?

Die Düsseldorfer Kunstakademie hatte einen Claim auf der Website: „Kunst kann man nicht lernen.“ Das ist auf alle Fälle mein Motto. Ich liebe es, aus mir selbst die Kunst herauszuziehen und daraus mein eigenes Weltbild und meine eigene Kunst zu erschaffen. Deshalb habe ich mich dagegen entschieden.

Wie würdest du deinen Stil bezeichnen?

Ich habe bewusst einen Künstlernamen gewählt, der einen – meinen – Stil beschreiben könnte: Grafy. So steht eine Mixtur aus Graffiti, Fotografie und Kalligrafie für meinen Malstil – keine gelernte, ‚klassisch-etablierte‘ Stilrichtung.

Was macht gute Kunst für dich aus?

Das ist sehr individuell. Und natürlich subjektiv. Für mich macht gute Kunst aus, dass sie Tiefgang und Energie hat. Und dass sie etwas mit den Menschen macht. Beziehungsweise, was sie mit mir macht. Wenn ich ein Kunstwerk anschaue, dann soll es einfach vor Energie strotzen, ein Thema haben, es auf den Punkt bringen. Das macht für mich gute Kunst aus.

Hast du Vorbilder?

Vorbild ist so ein Wort … Ich würde sagen, dass ich bei Menschen Inspiration finde. Und ich finde den Gedanken toll, dass mein eigenes schaffendes Zukunfts-Ich mein Vorbild sein könnte (lacht).

Hast du einen Plan, wo dein Zukunfts-Ich in zehn Jahren stehen soll?

Man weiß natürlich nie, wie sich der Weg so entwickelt und was daraus entsteht, aber ich weiß auf alle Fälle, dass ich bestimmte Dinge noch erreichen möchte. Vor allem möchte ich den Weg dahin genießen.

 

Ran an die Großen

 

Du traust dich an die ganz Großen ran: Muhammad Ali, Nelson Mandela, Karl Lagerfeld, Frida Kahlo. Faszinieren dich Ikonen, ist das ein Kommentar zum Personenkult oder ganz unironisch eine Verbeugung vor ihnen?

Tatsächlich, wie anfangs gesagt, interessiert mich: Was treibt eine bestimmte Persönlichkeit an? Ich habe sehr viel über Künstler gelesen und irgendwann bin ich auf Ikonen gestoßen. Ich habe mich da eingelesen und fand sehr viele Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Nelson Mandela und Muhammad Ali unheimlich stark. Das ist zum einen die Ikone, und wenn man dann in die Tiefe geht, bekommt man ein komplett anderes Bild von der Person. Und das finde ich unglaublich spannend, daraus für sich selbst seine Lehren zu ziehen.

Deine Bilder sind dann auch so eine Art Tiefenanalyse.

Auf alle Fälle. Ich habe deren Leben sozusagen dargestellt. Habe versucht, das in einem Bild kompakt zu präsentieren. Oder auch eine bestimmte Lebenssituation.

Was bewegt dich sonst noch so?

Ich liebe die Ästhetik. Ich liebe psychologische Themen. Wenn ich eine Person interessant finde und sie eine Emotion bei mir auslöst, dann stelle ich sie dar. Das finde ich unheimlich spannend.

 

Selfmade

 

Hast du eine Galerie, die dich vertritt oder vermarktest du dich selbst?

Ich vermarkte mich tatsächlich selbst, aber ich habe auch Galerien, mit denen ich zusammenarbeite.

Wie vermarktest du dich?

Soziale Medien spielen eine Rolle. Aber hauptsächlich über mein eigenes Netzwerk.

Wie hast du das aufgebaut?

Auch das ist wieder ein Prozess. Ich bin zu Ausstellungen gegangen, habe versucht, Menschen aus der Kunst kennenzulernen. Davon lebt ja auch meine Kunst. Ich liebe es, mich zu unterhalten, zu lernen, daraus Inspiration zu ziehen. Und irgendwann lernt man dann Menschen kennen, die verstehen, was man mit seiner Kunst ausdrücken will. Und diese Menschen unterstützen einen dann, indem sie die Kunst kaufen.

Hattest du so etwas wie einen Mäzen, der dich besonders gefördert hat?

Ich habe Kunstsammler als Kunden, die mehrere Werke gekauft haben, aber einen Mäzen als solchen nicht.

Was kostet ein echter Grafy?

Kommt darauf an. 3.000 Euro aufwärts und es geht dann je nach Größe auch ins Fünfstellige. Einen fixen Preis zu nennen, ist schwierig, aufgrund der unterschiedlichen Techniken, Maße und Materialien.

Graffiti kommt aus dem HipHop-Kontext. Hörst du Rap?

Ich höre vieles gern, auch Rap. Aber ich komme nicht aus der Streetart-Szene. Auch wenn meine Kunst viele Streetart-Einflüsse hat. Aber das liegt daran, dass ich Graffities unheimlich interessant finde, wegen der hohen Lack-Deckkraft, einer Verschmelzung aus Pigmenten und Harz. Ich finde aber auch Kalligrafie spannend, experimentiere viel mit Materialien.

 

Darum Hamburg

 

Du bist von Lübeck nach Hamburg gezogen. Warum?

Ich liebe das Hanseatische. Die Kunstwelt hier ist offener. Ich habe mich da sofort hingezogen gefühlt. Ich war, wie gesagt, auch auf vielen Ausstellungen, und der Kulturbereich hier ist natürlich anders als in Lübeck. Ich liebe Hamburg und werde hier auf alle Fälle länger bleiben.

Was inspiriert dich an Hamburg?

Vor allem die Menschen.

Was würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die auch Künstler werden wollen?

Einfach machen. Jeden Tag dahinter zu sein. Sich ein Ziel vor Augen zu setzen, wo man hinmöchte. Das zu definieren. Galerien, Ausstellungen, Museen besuchen, sich weiterentwickeln. Immer daran festhalten.

Wann und wo kann man deine nächste Ausstellung besuchen?

Im Oktober in der Barlach Halle K am Klosterwall.

grafy.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Fotografie: Marion von der Mehden zeigt die Kraft des Sports

Die Hamburgerin Marion von der Mehden arbeitet seit 1991 als selbstständige Fotografin. Ihr neues Fotoprojekt „Sport und Integration“ zeigt in ruhigen Bildern die Schicksale mutiger Menschen und die Kraft des Sports

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Bis Ende März wird Ihr Fotoprojekt „,Sport und Integration“ an den Messehallen entlang der Karolinenstraße zu sehen sein. Wie kam es dazu?

Es begann mit der Einladung zum Oberstdorfer Fotogipfel für den September 2020 durch Kurator Christian Popkes. Nach der positiven Resonanz auf das Projekt wollte ich unbedingt in Hamburg ausstellen. Die Messehallen als Ausstellungsort waren schon immer ein Traum von mir. Wir stießen bei der Hamburg Messe & Congress GmbH sofort auf Begeisterung.

Als Sie erfuhren, dass 2020 in Oberstdorf das Thema „,Sport“ lauten würde: Was haben Sie da gedacht?

Ich dachte spontan „Oje, ich bin doch keine Sportfotografin“. Actionfotos von Sportveranstaltungen konnte ich nicht anbieten. Doch dann überlegte ich, wie ich an das Thema herangehen könnte. So kam ich auf „Sport und Integration“.

Sport bedeutet ja schließlich viel mehr als Gewinnen oder Verlieren. Und Integration ist aktuell ein wichtiges Thema, wobei Sport das Potential hat, Integration gelingen zu lassen.

Für Ihr Fotoprojekt traten Sie direkt an 17 Sportlerinnen und Sportler heran. Welche Rolle spielte der Hamburger Sportbund?

Eine sehr wichtige Rolle. Der HSB, beziehungsweise das Team Integration durch Sport, fand die Idee sofort super, hat mich in jeder Hinsicht hervorragend unterstützt. Alle Vereinskontakte kamen über den HSB zustande.

Ich wusste auch vorher gar nicht, wie viel der HSB als Dachverband der Hamburger Sportvereine und -verbände eigentlich leistet. Ich habe mich mit deren Arbeit beschäftigt und fand viele der Angebote auch recht kreativ.

Zum Beispiel das „Fahrradtraining für Frauen“ im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“. Hier hat mich die Geschichte der Ägypterin Dina sehr berührt, die als junges Mädchen nicht Fahrradfahren lernen durfte. Nun nimmt sie an einem der Kurse teil und ist sehr glücklich darüber.

 

„Jeder einzelne Mensch ist wichtig“

 

Welche Erlebnisse und Begegnungen haben Sie noch besonders bewegt?

Hier möchte ich ein Wort einfügen: uns. Denn Texterin Sarah Beckmann hat die Interviews geführt, aus denen die kleinen Textbaukästen zu den Fotos entstanden sind. Damit fielen wir in Oberstdorf übrigens total aus der Reihe. Aber diese kurzen Erklärungen waren nötig, um den Menschen auf dem Foto noch besser zu verstehen, ihm noch näher zu kommen.

Sarah und ich waren beeindruckt davon, wie wenig Berührungsängste es gab. Wir wurden stets wie gute Freunde aufgenommen. Sehr beeindruckend war Cricketspieler Said. Er wurde von den Taliban verfolgt und ist aus Afghanistan geflohen. Bis heute weiß er nicht, ob seine Eltern noch leben, und sie wissen nicht, ob er noch lebt. Ich bin selbst Mutter und das ist unvorstellbar für mich.

Oder Ali, ein Parkoursportler, der in Syrien zum Militär sollte. Er floh in einem Boot nach Lesbos. In Hamburg setzte er sein in Damaskus abgebrochenes Schauspielstudium fort, hat seit 2019 unter anderem Engagements am Schauspielhaus Hamburg. Und noch eine Sportart möchte ich herausheben: das Ringen.

Wieso?

Ich dachte immer, Ringer sind nur Muskelpakete. Aber die haben uns einen Handstand gezeigt, sogar einen Flic Flac. Wir sahen weichfließende, technisch perfekte Bewegungsabläufe des ganzen Körpers. Wir haben viele Informationen und einen spannenden Einblick in den Ringsport bekommen.

Sie haben alle Bilder in Schwarz-Weiß aufgenommen. Warum?

Wegen der Unterschiedlichkeit der Motive. Wir waren an so vielen Plätzen mit so vielen verschiedenen Bedingungen, da dachte ich: „Ich muss da irgendwie Ruhe reinbringen. Farbe ist hier nicht wichtig.“

Gibt es eine Botschaft, die Sie mit dieser Ausstellung den Menschen vermitteln möchten?

Ja. Jeder einzelne Mensch ist wichtig. Zusammenhalt, Teamgeist und Fairplay zählen. Im Sport und im Leben. Nicht die Hautfarbe, der Glauben oder die Kultur.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

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Elliott Landy’s Woodstock Vision: Erinnerungen an die Liebe

Das Woodstock-Festival 1969 war eine XXL-Demonstration der damaligen Friedensgeneration. Unvergessen bleibt deren Lebensgefühl auch dank Ausstellungen wie „Elliott Landy’s Woodstock Vision“

Text: Erik Brandt-Höge

 

Eine Milchfarm bei New York sollte vom 15. bis 17. August 1969 zur Kulisse eines Mega-Events werden. Das Woodstock-Festival stand an, und nicht weniger als eine halbe Million Menschen strömte heran, um für Liebe und Frieden zu protestieren und nicht zuletzt den passenden Live-Soundtrack von Musikgrößen à la Jimi Hendrix, Joan Baez, Janis Joplin, Santana und Joe Cocker zu zelebrieren.

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Woodstock, meine Liebe (Foto: Elliott Landy)

Auf den grünen Hügeln vor der Bühne machte es sich eine Generation gemütlich, die vom Vietnamkrieg, von der Kuba-Krise und allerhand ähnlichen sie verstörenden Ereignissen schlichtweg die Schnauze voll hatte. Während einige der größten Hits der Rockmusik übers Areal schallten, schalteten alle Anwesenden einfach mal ab vom Weltwahnsinn und setzten voll und ganz auf Harmonie.

Festgehalten wurden diese Glücksmomente vom amerikanischen Fotografen und Autor Elliott Landy, der zu den wenigen zählte, die nicht bloß vor, sondern auch auf der Woodstock-Bühne Bilder machen durften. „Elliott Landy’s Woodstock Vision“ ist nun der Titel einer Ausstellung im Überseeboulevard 5, die in vier Sektionen („I Vision of a Generation“, „II Stars and Stones“, „III Hight on Musik“, „IV Woodstock“) den Zeitgeist der späten 60er Jahre ins Hier und Jetzt hievt. Zu erleben sind etwa meterhohe Porträts der Live-Acts, eine audiovisuelle Psychdelic Show und ein Woodstock Café.

Elliott Landy’s Woodstock Vision: 1.8.–31.10., Überseeboulevard 5, täglich 14–20 Uhr, Fr–Sa 14–21 Uhr


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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„Untold Stories“: Peter Lindbergh im MKG

Kurz vor seinem Tod stellte Peter Lindbergh die Schau „Untold Stories“ fertig, ein verblüffendes Best-of seiner Arbeit

Text: Sabine Danek

 

Letztes Jahr im Mai war Peter Lindbergh (1944–2019) noch in Hamburg. Um persönlich einen Blick in das Museum für Kunst und Gewerbe zu wer­fen, der zweiten Station seiner Ausstellung „Untold Stories“ – und der ersten, die er selbst konzipiert hat. Einen „Kampf um Leben und Tod“ nannte er die Auswahl, bei der er sein Werk, das mehr als 40 Jahre umspannt, auf 140 Arbeiten reduzie­ren musste. Felix Kramer, Direktor des Düsseldorfer Kunstpalasts, wo die Ausstellung eröffnete, hatte Lind­bergh den Vorschlag gemacht, sein eigener Kurator zu sein. Der Fotograf hatte sofort zugestimmt und schließlich zwei Jahre daran gearbeitet.

Zwischendurch dachte Lindbergh, die Ausstellung würde nie fertig. Nach jedem seiner Shootings, die ihn beständig um die Welt führten, hatte er andere Ideen. Und irgendwann sogar ein Reisemodell der Museumsräume dabei, in der er die Arbeiten beständig neu arrangierte.

Was letztendlich entstand, ist ein Geschenk. Es ist eine persönliche Auswahl, ein Einblick, wie Lindbergh selbst sein Werk sah und was er daran als essenziell betrachtete. So kam es, dass einige seiner ikonischen Aufnahmen fehlen und stattdessen viel Unveröffentlichtes zu sehen ist.

 

„Ein Interview mit der Kamera“

 

Mit Bildern, drei mal vier Meter groß, zieht er direkt in seine Ausstellung hinein. Models sind darauf zu sehen, Landschaften, Stillleben. Überwältigt solle man zu Beginn werden, sagte Lindbergh selbst. Um dann eine Reise durch sein Werk zu beginnen, durch seine Modestrecken, Kampagnen, Porträts. Darunter zahlreiche Celebritys. „Mit ihm Fotos zu machen, ist wie ein Interview mit der Kamera“, hat Uma Thur­ man über Lindbergh gesagt.

 

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Foto: Uma Thurman, Peter Lindbergh

 

Von Duisburg, wo Lindberg als Peter Brodbeck aufwuchs, ging er nach Krefeld, um Kunst zu studieren, haute schließlich nach Berlin ab, zog dann nach Paris und wur­de zu einem der großen Modefo­tografen. Auch, weil die Mode ihn nicht sonderlich interessierte. 25 Jahre lang besuchte er nicht eine einzige Modenschau, er legte keinen Wert auf Trends und aktuelle Kollektionen, sondern wollte seinen eigenen inneren Bildern nachgehen.

Viele davon kamen aus der Kunst. Die Skulpturen des französischen Bildhauers Aristide Maillol beeinflussten seine Arbeit ebenso wie die Konzeptkunst Joseph Ko­suths, die amerikanische Dokumentarfotografie von Dorothea Lange oder Walker Evans und später auch der Tanz von Pina Bausch, mit der er befreundet war. Für eine seiner bekanntesten Kampagnen für Comme des Garçons kehrte er an die Duisburger Hochöfen zurück und zitierte Fritz Langs „Metropolis“. Immer in Schwarz­-Weiß, weil sich das für ihn authentischer anfühlte, und immer auf der Suche nach dem Moment, in dem ein Bild sich in eine Geschichte verwandelte.

 

Ein ungewöhnlicher Lindbergh

 

Den fand er, wenn er mit einem kleinen Team in den Straßen von Downtown Los Angeles unterwegs war, wo er Uma Thurman zwischen mexikanischen Straßenhändlern und Obdachlosen in mörderisch hohen High Heels entlang stöckeln ließ oder auf riesigen Sets, in denen er Models als 40er­-Jahre­-Ganoven inszenierte, Ufos landen ließ und kleine Außerirdische neben Helena Christensen einen Feldweg entlang hopsen. Oder er in einer sei­ner spektakulärsten Kampagnen, als er 1989 mit Tina Turner den Eiffelturm hochstieg und sie in schwin­delerregender Höhe auf dessen Eisenverstrebungen posierte.

Unter den Arbeiten, die erst­mals zu sehen sind, ist auch „Tes­tament“ von 2013. 300 Fälle zum Tode verurteilter Mörder studierte Lindbergh, unter anderem von Elmer Carroll, den er 30 Minuten lang in einen Spiegel blicken ließ, auf dessen anderer Seite seine Ka­mera stand. Ein ungewöhnlicher Lindbergh. Auch in der Arbeitsweise. Bekannt war er für seine unermüdliche Aktion beim Fotogra­fieren, er tänzelte, rannte, lief rück­wärts und steckte alle an. Mit seinen „kleinen Ewigkeiten von Freu­de“, wie sein Freund Wim Wenders sich im Katalog erinnert, und seiner „Leichtigkeit des Seins“.

Peter Lindbergh: Untold Stories, Museum für Kunst und Gewerbe, 20.6.–1.11.2020

 


Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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