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Hamburgerin des Monats – Navina Nicke von Safe Night

Laute Musik, Nebel, eine ungewollte Hand am Hintern – bei Übergriffen im Nachtleben sind Betroffene oft hilflos. Akute Unterstützung bei Gewalt-Erfahrung bietet in einigen Clubs der Verein Safe Night. Die Mitinitiatorin und Türsteherin Navina Nicke über stereotypische Erwartungen und wie harmlose Momente ganz schnell kippen können.

Interview: Hedda Bültmann
Beitragsbild: Jakob Börner

SZENE HAMBURG: Navina, wer steht hinter Safe Night?

Navina Nicke: Das ist ein Zusammenschluss aus vier Clubs und einigen Freien, wie ich. Mit dabei sind das Uebel & Gefährlich, Moloch, Hafen- klang und Kulturelles Neuland e. V., die den Südpol betreiben. Den Verein haben wir Mitte 2017 gegründet und wir vom Club-Plenum arbeiten seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich.

Warum nur vier?

Das sind die, die sich anfangs zusammengetan haben und Lust dazu hatten. Mittlerweile gibt es auch Anfragen von anderen Clubs, aber wir können momentan leider strukturell nicht noch mehr Clubs aufnehmen.

Wo hakt es?

Die Mitarbeiter der Clubs würden dann mit im Plenum sitzen, das sich re- gelmäßig tri , um zu besprechen, wie wir weiterarbeiten können. Das wäre ein noch größerer Orga-Aufwand. Und diese Clubs würden auch das Aware- ness-Team für seine Partys buchen. Außerdem würden wir auch die Mitarbeiter der Clubs schulen wollen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt oder Handlungsstrategien bei Verdacht auf K.O.-Tropfen. Dafür haben wir aber zurzeit keine Kapazitäten.

 

„Ich weiß nicht, wie oft ich verfickte Feministin genannt wurde.“

 

Wofür ist das Awareness-Team auf Partys zuständig?

Das ist eine Dienstleistung, die wir anbieten und die ein Club buchen kann. Das Team ist verkürzt gesagt der Gegenpol zur Tür. Wenn in einem Club etwas passiert, gibt es eine gewaltausübende Person, die von der Tür rausgeschmissen wird. Aber es gibt ja auch eine betroffene Person, um die sich niemand im Club kümmern kann. Dafür ist das Awareness-Team da. Sie unterstützen Betroffene, wenn diese das möchten.

Wer ist das Awareness-Team?

Mittlerweile haben wir einen Pool von über 20 Leuten, die ausgebildet wurden in Krisenintervention und Gesprächsführung und die sich viel untereinander austauschen, wie sie Betroffene in Clubs unterstützen können.

 

„Wir helfen nicht nur Frauen.“

 

Wie kann man sich das vor Ort vorstellen?

Wenn das Team für eine Party gebucht wird, haben sie dort einen festen Stand. Dort können sie angesprochen werden, auch, wenn sich jemand generell für die Arbeit interessiert. Aber sie laufen im Club rum und sind durch ein leuchtendes A auf der Kleidung gekennzeichnet. Allerdings greifen sie nicht in akuten Situationen ein, sondern vermitteln den Leuten, dass sie da sind, wenn Unterstützung gewünscht wird. Es sind zweier Teams, die alle sechs Stunden wechseln.

Und welche Rolle spielt dabei Safe Night?

Der Verein kümmert sich zum einen um die Awareness-Teams und zum anderen veranstalten wir zukünftig Schulungen für Mitarbeiter der Clubs. Damit Leute vor Ort sind, die im Ernstfall vorbereitet sind. Die Bar zum Beispiel sieht am meisten, da sie am dichtesten am Dancefloor ist. Die Tür ist am weitesten weg, ist aber eigentlich dafür da, als erstes zu intervenieren, wenn etwas passiert. Deshalb ist es total wichtig, die Mitarbeiter zu schulen, wie sie bei Konflikten unterstützen können.

 

„Leider ist Gewalt schon lange normalisiert, auch im Kontext einer Party.“

 

Es scheint immer wichtiger zu werden, Frauen zu unterstützen …

Wir helfen nicht nur Frauen, es gibt auch Gewalt beispielsweise gegenüber Queers und Transmenschen. Viel Gewalt findet im Nachtleben statt, aber das war schon immer so. Nur wird das Bewusstsein dafür größer, Betroffene werden lauter und die öffentliche Aufmerksamkeit ist da. Dadurch werden dringend notwendige Diskussionen angestoßen. In der Vergangenheit wurde darüber einfach nicht geredet.

Aber im Nachtleben scheint es eine besondere Dringlichkeit zu haben …

Partys sind ein sehr spezieller Raum, der sich unkontrollierbar anfühlt. Dort ist viel Nebel, laute Musik, die Leute sind berauscht und für manche ist es ein Freibrief, um an anderen Gewalt auszuüben. Die ist oft so normalisiert ist, dass sie nicht wahrgenommen wird, wie zum Beispiel die Hand am Hintern. Oft ist es ein vermeintlich geregelter Ablauf, man geht in eine Bar, trinkt, fängt an zu knutschen und dann versucht man mit irgendjemand nach Hause zu gehen. Das ist ein großer Teil von dem, was Leute vom Feiern wollen. Was aber auch zur Katastrophe führen kann.

Da es ab einem gewissen Punkt ausartet?

Leider ist Gewalt schon lange normalisiert, auch im Kontext einer Party. Es liegt an der weit verbreiteten stereotypen Vorstellung, wie es abzulaufen hat und die nicht auf Konsens ausgelegt ist. Männern wird vermittelt, wenn sie sich auf eine bestimmte Weise verhalten, dann passt das schon bei der Frau. Wenn nicht, dann ist sie eine Spaßbremse. Wir leben in einer Gesellschaft, die Männern jederzeit ermöglicht, Gewalt auszuüben, ohne dass dies irgendeine Form von Sanktionierung erfährt.

Scheitert das Finden eines Konsenses oft am Alkohol?

Es scheitert an den nicht gestarteten Versuchen. Es ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem, dass in bestimmten Situationen vorausgesetzt wird, dass beide Parteien einverstanden sind und beide dasselbe wollen. Und klar,ab einem bestimmten Pegel ist es nicht mehr möglich, eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Stimmt der äußere Eindruck, dass meist Männer auffällig werden?

Wenn es um sexualisierte Gewalt geht, ja, dann sind es meistens Männer, die gegenüber Nicht-Männern gewalttätig werden.

Wie reagieren Männer, wenn du, als weibliche Türsteherin, sie aus einer sexuell übergriffigen Situation raus aus dem Club ziehst?

Ich weiß nicht, wie oft ich allein gestern Nacht während meiner Schicht an der Tür, verfickte Feministin genannt wurde. Ich bekomme keine einzige Beleidigung ab, die nicht darauf abzielt, dass ich eine Frau bin. Letztens wurde ich Punkerfotze genannt und fand das mal eine Abwechslung (lacht).

 

„Die Tür ist das Medium, worüber der Club vermittelt, was für ein Ort er sein will.“

 

Wie wirkt sich die Türpolitik auf das Geschehen im Club aus?

Ich bemühe mich immer sehr, eine Anti-Rassistische und Feministische Türpolitik zu fahren und gucke, wie die Leute auf bestimmte Fragen von mir reagieren, wie sie überhaupt drauf sind, oder ob schon extrem betrunken. Die Tür ist das Medium, worüber die Kommunikation zwischen Club und Publikum stattfindet, wo der Club vermittelt, was für ein Ort er sein will. Einer, an dem sich alle Menschen wohlfühlen können, an dem darauf geachtet wird, dass alle miteinander respektvoll umgehen. Somit kann ich auch Einfluss darauf nehmen, welches Publikum im Laden ist oder aber auch als Argumentation, wenn ich jemanden rauswerfe.

Gibt es noch viele Türen, die anders handeln und denken als du?

Ich glaube, es gibt viele Orte, die sich dringend mit diesem Thema befassen sollten und das überhaupt nicht auf dem Radar haben, weil es einfach nicht Teil ihrer Philosophie ist.

Es muss also an beiden Seiten gearbeitet werden, die Einstellung der Gäste und der Clubs?

Genau. Die Philosophie der Clubs zeigt sich dann aber an vielen Stellen, wie beispielweise die Frauen-Männer- Quote beim Line-up. Das sind ganz viele Faktoren, die auf das gleiche abzielen aber sehr unterschiedlichen Einfluss auf die faktische Party haben.

Hat eure Arbeit in den Clubs schon etwas merklich bewirkt?

Ja. Vor allem erlebe ich es in dem Club, wo ich an der Tür stehe, und das Awareness-Team regelmäßig arbeitet. In dem letzten halben Jahr hat sich viel verändert. Anfangs war seitens der Gäste viel Neugierde da, aber auch ein kleiner Schock nach dem Motto: „Ist es hier so schlimm, dass ihr das braucht?“ Was nicht der Fall war, aber die Betreiber und die Mitarbeiter wollen, dass es den Gästen gutgeht und sie einfach eine gute Zeit haben können. Es ist eher wie ein Goodie obendrauf. Die Gäste haben es dann sehr schnell angenommen und mittlerweile es auch oft ein Kriterium für die Leute geworden, ob sie in den Club gehen oder nicht.

Safe Night e.V.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Fatih Akin und „Der Goldene Handschuh“ – Hamburger Horror

Fatih Akins Verfilmung von Heinz Strunks „Der Goldene Handschuh“ über den Serienkiller Fritz Honka feierte auf der Berlinale Premiere. Produzentin Nurhan Sekerci-Porst hat uns von den Dreharbeiten, Sauf-Exzessen in der Kiezkneipe und Akins Vorliebe fürs Abseitige erzählt.

Text & Interview: Maike Schade
Foto (o.): Warner Bros.

Fatih Akin wurde 1973 geboren. Zwei Jahre später wurde Fritz Honka verhaftet – jener Serienkiller, der über Jahre hinweg in der Kiez-Kaschemme „Zum Goldenen Handschuh“ Frauen abgeschleppt, in seiner Wohnung in der Ottenser Zeißstraße ermordet, zerstückelt und die Leichenteile in seiner Mansarde versteckt hat. Das beispiellose Verbrechen erschütterte die Hamburger nachhaltig – lange noch ging Honka als Manifestation des sprichwörtlichen „Schwarzen Mannes“ in den Gedanken um.

Auch bei Fatih Akin, der in Altona aufgewachsen ist. Nun hat er Heinz Strunks Roman über die damaligen Geschehnisse verfilmt, in die Kinos kommt der Film ab 21. Februar. Premiere ist auf der Berlinale (7. bis 17. Februar). Hoffentlich. Schließlich geht es hier um den Goldenen Bären. Doch das Ganze ist ein ziemlich enges Höschen, der Horrorstreifen wird wohl erst kurz vor knapp fertig. Sehen konnten wir den Film deshalb noch nicht, Akin schraubte zu Redaktionsschluss noch mit Hochdruck daran. Von der Produzentin Nurhan Sekerci-Porst haben wir trotzdem eine Menge Interessantes über den Film erfahren.

SZENE HAMBURG: Nurhan, mit dem Buch und der Theaterinszenierung am Schauspielhaus ist das Thema Fritz Honka ja eigentlich schon ziemlich gut bedient. Warum wolltet ihr trotzdem diesen Film machen?

Nurhan Sekerci-Porst: Wir haben das beschlossen, gleich nachdem wir den Roman gelesen hatten. Fatih war total begeistert von dem Buch, er kennt ja auch Heinz Strunk und die Geschichte aus eigener Erfahrung – er ist in Altona aufgewachsen, dieser Serienmörder lebte also quasi in seiner Nachbarschaft. Er braucht immer einen persönlichen Zugang zu dem Stoff, den er verfilmt, und das war hier natürlich gegeben. Denn hinzukommt noch, dass die Griechen, die in der Wohnung unter Fritz Honka in der Zeißstraße lebten, Verwandte von Fatihs gutem Freund Adam Bousdoukos waren. Der Onkel, genauer gesagt. Und so entstand schnell die Idee, den Roman zu verfilmen, obwohl der sich mit all der Grausamkeit eigentlich gar nicht unbedingt dafür anbietet.

 

Die Nacktheit der Frauen und das Zersägen hat uns alle sehr mitgenommen

 

Wie war das denn bei dem Dreh? War es für dich überhaupt erträglich, bei der Zerstückelung der Leichen zuzusehen?

Das war für uns alle, für das gesamte Team und die Schauspieler, ziemlich krass. Diese Nacktheit der Frauen, dieses Abschlachten und Zersägen, das hat uns alle sehr mitgenommen. Deshalb hatte ich auch entschieden, dass ein Psychologe am Set sein sollte, wenn es an die expliziteren Szenen geht.

Habt ihr ihn – oder sie – gebraucht?

Das war Dr. Angélique Mundt, eine Psychologin. Es gab Gespräche mit ihr am Set, wenn auch eher genereller Natur. Aber Fatih ist ja auch ein sehr einfühlsamer Regisseur. Es war alles sehr respektvoll, er hat sich sehr viel Zeit genommen für die Szenen und ist erst einmal sehr technisch da rangegangen, um etwas mehr Abstand dazu zu haben. Dennoch war es gut und auch notwendig, dass die Psychologin dabei war.

Das klingt, als wäre es auch für die Zuschauer keine leichte Kost …

Nein, das ist nichts für zartbesaitete Seelen. Allerdings findet beim Zuschauer auch viel im Kopf statt, vieles hört man nur. Das geht aber voll unter die Haut, weil wir in Dolby Atmos gedreht haben, da haut dich der Sound wirklich um. Es ist ein Horrorfilm, das muss man ganz klar sagen.

Also nichts mit Sozialstudie oder so?

Nein. Wir ergründen auch nicht, warum Honka zum Serienmörder geworden ist. Im Grunde genommen ist es wie „Große Freiheit Nr. 7“ (Hans-Albers- Klassiker von 1944, Anm. d. Red.) als Horrorfilm.

Habt ihr den Roman eins zu eins verfilmt?

Nicht eins zu eins. Der Film hat eine stringentere erzählerische Struktur. Der Roman erzählt die Story um die Kneipe herum. Wir erzählen die Story um den Serienkiller. Die Reeder-Familie und den Reeder-Sohn, die in Strunks Roman ja durchaus eine größere Rolle spielen, haben wir beispielsweise weggelassen.

Ihr habt aber in den Originalkneipen gedreht? Also im Handschuh, dem Elbschlosskeller und dem HongKong Hotel?

Jein. Die Außenszenen auf der Reeperbahn und in der Zeißstraße haben wir an den Originalschauplätzen gedreht. Die Interieurs, also den Goldenen Handschuh und auch die Wohnung von Fritz Honka, hat unsere Ausstattungsabteilung komplett und eins zu eins im Überseezentrum nachgebaut. Sascha Nürnberg, einer der Besitzer des Goldenen Handschuhs und ein Enkel des damaligen Besitzers, war völlig geplättet, als er da hineinkam. Er meinte: „Krass, wie haargenau das hier aussieht wie bei uns. Ich fühle mich wie im Handschuh, es fehlt nur der Geruch.“

Warum habt ihr den Goldenen Handschuh denn nachgebaut, wenn es die Location noch gibt?

Es stimmt, und es sieht wohl auch noch genauso aus wie zu Honkas Zeiten. Aber es wäre sehr schwierig geworden, im Goldenen Handschuh zu drehen. Der Laden hat ja bis auf einen Tag im Jahr wirklich immer und rund um die Uhr auf, und die Besitzer wollten ihn nicht längerfristig schließen, er ist ja quasi das Zuhause von vielen Leuten. Und die wären dann vermutlich auf die Barrikaden gegangen, wir hätten dann sowieso nicht in Ruhe drehen können. Es war schon schwierig genug, mitten im Sommer auf dem Kiez zu drehen. Da braucht man super viel Geduld, man darf nicht ausflippen, wenn die Passanten einen anquatschen oder durchs Bild laufen wollen.

 

„ ‚Wenn ihr unartig seid, holt euch der Honka‘, hieß es in der Schule immer“

 

Aber der Kiez sieht doch ganz anders aus als damals, oder?

Ja, das kommt noch hinzu. Die Ausstattung musste vieles anfassen. Trotzdem, alles geht da natürlich nicht. Wir haben deshalb in der Postproduktion für VFX (visuelle Effekte, Anm. d. Red.) eine sehr hohe Summe ausgegeben, weil beispielsweise die Autos verdreckt, Schilder bearbeitet und Fenster retouchiert werden mussten. Oder die Häuserfassaden in der Zeißstraße, die so was von totsaniert wurden – es hat unheimlich viel Zeit und Geduld gekostet, das so nachzubearbeiten, dass es so original wie möglich wirkt.

Hättet ihr das Ganze nicht im Heute spielen lassen können?

Das haben wir tatsächlich ganz kurz diskutiert. Aber nee.

Kann sich Fatih eigentlich an die Geschehnisse damals erinnern?

Er sagt, dass er mit der Angst vor Fritz Honka aufgewachsen ist. In der Schule hieß es wohl immer: „Wenn ihr unartig seid, holt euch der Honka“ oder so ähnlich. An die Verhaftung Honkas erinnert er sich natürlich nicht, da war er ja erst zwei, drei Jahre alt. Aber das hing wohl wie ein Schatten über seiner Kindheit, schließlich war das der skrupelloseste, gewalttätigste Serienmörder der Bundesrepublik. Der hat über fünf Jahre hinweg mehrere Frauen ermordet, hat die Leichenstücke die ganze Zeit da in seiner Mansarde gehortet und immer nur Teile weggeschleppt, alles war abgeklebt und überall in der Wohnung hingen Wunderbäume, um den Geruch zu überdecken. Zu wissen, dass das nebenan passiert ist … Das ist ja das Finstere an der Geschichte: So etwas kann auch in deiner Nachbarschaft geschehen, auch heute noch, und keiner merkt es.

 

Seht hier den Trailer zu „Der Goldene Handschuh“

 

Adam Bouskoudos spielt doch auch mit – wen denn?

Er spielt seinen Onkel. Der hat Honka wegen des Gestanks mehrfach angesprochen und sich auch beim Vermieter beschwert. Aber niemand hat was unternommen. Nicht einmal die Polizisten, die vor Ort waren, weil eines der Opfer entkommen ist und ihn wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt hat. Als die den Geruch ebenfalls bemerkt haben, hat Honka ja behauptet, der käme von den Griechen – also Adams Onkel –, die immer Hammelköpfe kochen würden. Das steht wirklich in den Polizeiakten. Und die sind dann einfach von dannen gezogen.

Die Rolle des knapp 40-jährigen Fritz Honka spielt Jonas Dassler (beim Dreh 22 Jahre alt, Anm. d. Red.). Wie seid ihr denn auf den gekommen, der ist doch viel zu jung und hübsch dafür?

Ja, das stimmt. Wir haben ihn bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises gesehen, wo er als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde. Wir waren so beeindruckt von seinem Auftreten. Er war zwar sehr nervös, dabei aber unglaublich charismatisch. Und da sagte Monique, Fatihs Frau, die auch das Casting für den „Goldenen Handschuh“ gemacht hat: Schade, wenn der ein paar Jahre älter wäre, wäre das dein Fritz Honka. Und da fing es bei Fatih an zu rattern, und er hat ihn zum Casting eingeladen. Eigentlich zuerst eine Schnapsidee, aber Jonas hat uns voll überzeugt.

Wie habt ihr ihn so hässlich und alt gemacht?

Da haben wir sehr, sehr lange getüftelt. Honka hatte ja mehrere Unfälle und ein sehr eingedrücktes, entstelltes Gesicht, und er hat geschielt. Das wollten wir entsprechend umsetzen. Das hieß für Jonas, dass er jeden Tag drei Stunden Maske durchziehen musste. Morgens musste er schon um fünf, sechs am Set sein, abends noch mal eine Stunde zum Abschminken.

 

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Kneipenbesuche waren Pflicht für Fatih Akin

 

Wie habt ihr das mit dem Schielen hinbekommen?

Wir haben in London von einer Expertin, die zum Beispiel auch für den „Fluch der Karibik“ arbeitet, eine riesengroße Linse anfertigen lassen, die die Iris nicht erkennen lässt, sodass wir damit das schielende Auge erzeugen konnten. Die konnte Jonas immer nur eine halbe Stunde am Tag für die Nahaufnahmen tragen – er musste sie nicht immer tragen, ging ja auch gar nicht, in der Kneipe wurde ja auch wirklich geraucht, und da bekam das Auge nicht genug Sauerstoff. Für ihn war das alles körperlich schon sehr, sehr anstrengend. Auch mental natürlich. Und er musste ja auch noch mit Akzent spielen. Aber er hat es wirklich großartig gemacht, und seine eigene Figur Honka mitentwickelt. Wirklich ein ganz, ganz toller Schauspieler, obwohl er ja noch gar nicht so viel Erfahrung hat.

Wie viele Fakos (Fanta-Korn, angeblich Honkas Lieblingsgesöff, Anm. d. Red.) habt ihr eigentlich während des Drehs getrunken?

(lacht) Oh, das waren einige. Natürlich nicht während des Drehs, beim Arbeiten gibt’s keinen Alkohol – nur die Komparsen, echte Gäste aus dem Goldenen Handschuh, haben da richtige Fakos bekommen, die durften das und brauchten es auch. Aber wir waren vor allem während der Vorbereitungszeit viel im echten Goldenen Handschuh und ich muss ganz ehrlich sagen: Du kannst in diesem Laden nicht nüchtern sein. Er lässt dich auch nicht nüchtern sein. Ich habe mir so oft vorgenommen: Heute Abend betrinke ich mich nicht. Aber der Laden hat eine so merkwürdige Energie, das macht irgendwas mit dir, du entkommst dem nicht.

Du beobachtest eigentlich nur die Leute, und irgendwann wirst du dann eins damit und erwischst dich dann am Ende des Abends Arm in Arm mit irgendwelchen Frauen, die du eigentlich gar nicht kennst und plötzlich erzählt man sich die traurigsten Lebensgeschichten. Wirklich eine ganz eigenartige Dynamik, ich kann das gar nicht richtig erklären.

Und wie schmeckt ein echter Handschuh-Fako?

Eigentlich gar nicht. Wir haben uns ja auch die richtige Mische zeigen lassen – nicht halbe-halbe, sondern es muss ein bisschen mehr Korn als Fanta sein. Der arme Jonas hat so viel Korn getrunken! Aus Recherchezwecken natürlich, er war sehr oft im Goldenen Handschuh. Ehrlich gesagt glaube ich, Fako ist eigentlich ein Fantasiegetränk von Heinz Strunk. Der war natürlich auch oft im Goldenen Handschuh, zusammen mit Fatih.

 

„Superhelden interessieren ihn nicht“

 

Ach, das hat Fatih aber doch bestimmt gefallen? Bei den Dreharbeiten zu „Tschick“ hat er doch gesagt: „Auch wenn ich mit Jugendlichen drehe: Ich rauche, ich saufe und ich fluche trotzdem.“

Ja, ja, total. Diese rauen Außenseitergeschichten, abgehangene Leute, die der Gesellschaft oft egal sind, das ist so voll seins – er liebt ja auch Bukowski, genau wie Heinz Strunk. Superhelden interessieren ihn nicht.

Du arbeitest schon seit 2005 mit Fatih zusammen. Was nervt dich an ihm?

Tja … Also, er ist ja Künstler. Und das bedeutet, dass man Dinge immer wieder ausdiskutieren muss. Und es ist aber nicht so, dass dann etwas besprochen und abgehakt ist, sondern drei Tage später ist alles wieder ganz anders. Doch genau das ist es ja auch, was das Arbeiten mit Künstlern so spannend macht – auch wenn einem an manchen Tagen schier die Haare ausfallen vom Raufen. Doch wenn das Ergebnis stimmt, und das tut es bei Fatih immer, dann war es das Ganze auch wert.

Ab 21.2; Premiere mit Akin, Schauspielern und Crew am 20.2., 20 Uhr, roter Teppich ab 19 Uhr, Astor Film Lounge.

 24.2., Sondervorstellung mit den Maskenbildnerinnen, Zeise Kinos, 20 Uhr; 27.2., Sondervorstellung mit Heinz Strunk, Zeise Kinos, 19.30 Uhr.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Hidden Kitchen – Hanseatische Klassiker und vegane Knaller

Essen nach dem Baukastenprinzip – In der neuen Hidden Kitchen werden die Gerichte individuell zusammengestellt – Wohlfühlstimmung inklusive.

Text: Lilli Gavric
Beitragsfoto: Lukas Schröder

Man läuft glatt dran vorbei, so unauffällig versteckt sich die Hidden Kitchen auf dem Kiez. „Kommt durchaus vor, dass Gäste anrufen und verzweifelt fragen: ‚Wo seid ihr denn?‘, lacht der Kellner, als ich ihn auf den Standort anspreche. Daher also der Name des lütten Bistros, das seit knapp acht Monaten eröffnet ist. So gut getarnt, dass es bis heute ein Geheimtipp ist. Das Konzept: Die Verwendung von saisonalen, regionalen Produkten mit Fokus auf vegane Gerichte. Dahinter steckt ein junges kleines Unternehmen, das sich eine abwechslungsreiche Küche auf die Fahnen geschrieben hat. Es stellt sich dem Kampf gegen Plastikmüll, verzichtet möglichst auf unnötige Verpackungen und setzt dank der App „Too Good To Go“ auch ein Zeichen gegen die Nahrungsmittelverschwendung. Über diese wird von Restaurants Überproduziertes am Ende des Tages vergünstigt an Kunden abgegeben.

In der Location zwischen Hans-Albers-Platz und Davidwache finden Gäste an drei großen Tischen für Gruppen sowie zwei Zweiertischen Platz. Der schönste Ort ist der an der breiten Fensterfront. Auf einer Empore sitzt es sich hier etwas privater und man ist doch mittendrin. Von der Decke hängen Lampen mit großen kugelförmigen Glühbirnen an einem dicken Tau, die den Raum in gedämpftes Licht tauchen und Hafencharme versprühen. Die Einrichtung ist wie der Laden selbst: unaufgeregt, simpel und gemütlich. Ein langer Flur erlaubt einen Blick in die offene Küche.

Das Motto der Abendkarte: „Soulfood, hanseatische Klassiker und vegane Knallergerichte“. Alle Komponenten – Gerichte, Toppings, Dips – sind miteinander kombinierbar. Es gibt Salate aus Couscous, Linsen und asiatischen Wan Tans, Toppings in verschiedenen Varianten, klassische Rippchen oder auch ein in Bier gebadetes Backhähnchen, genannt „besoffener Hahn“.

Neben der Abendkarte gibt es noch eine Wochenkarte mit jeweils drei festen Gerichten. Ich wähle gebackenen Blumenkohl mit Kartoffelstampf, Rotkraut und Apfel-Chutney (9,90 Euro). Das hausgemachte „Dinkel-Würz-Brot“ ist leider aus, stattdessen empfiehlt mir der gut gelaunte Kellner geröstetes Graubrot mit dem Dip der Woche aus Avocado, Sauerrahm und Koriander. Dazu einen perligen Riesling. Letzterer kommt sehr unkonventionell in einem hohen Wasserglas daher, nun ja. Ein Weinglas wäre schöner. Gegen meine Bestellung ist nichts einzuwenden. Der Kartoffelbrei ist schön cremig, die Blumenkohlröschen auf den Punkt gebacken. Das Apfel-Chutney passt dazu hervorragend, es ist schön fruchtig und nicht zu süß. Platz für Nachtisch bleibt keiner mehr.

Inzwischen hat sich der Laden gefüllt, Freunde des Hauses kommen vorbei, man kennt sich. Die Stimmung ist erfrischend ungezwungen, man mopst sich schon mal eine Süßkartoffel- Pommes vom Nachbartisch. Ein Laden zum Runterkommen mitten auf dem trubeligen Kiez. Und für einen Verdauungsspaziergang ist die Elbe ganz nah.

Friedrichstraße 3 (St. Pauli); www.hidden-kitchen-hamburg.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Rindchen schlemmt – im Freudenhaus St. Pauli

Freudenhaus St. Pauli: wenn Hausmannskost, dann hier, findet unser Kolumnist.

Bisweilen, in meinem Falle muss ich allerdings einräumen recht selten, gelüstet es mich in dieser Stadt mit ihrer faszinierenden kulinarischen Internationalität und Vielfalt nach urdeutschen Genüssen. Behenden Schrittes steuere ich dann gern die Qualitätsgaststätte „Freudenhaus“ an, welch selbige von ihrem bezaubernden Betreiber Matthias Storm nunmehr schon seit über zwei Dezennien souverän durch die wechselnden Zeitläufte gesteuert wird.

Inmitten des tobenden Kiezlebens und auch auf Schusters Rappen nur ein Minütchen vom Spielbudenplatz entfernt sitzt man hier auf gemütlichen, rot gepolsterten Bänken und verzehrt behaglich vorzüglich zubereitete Hausmannskost, vorwiegend aus Produkten stolzer Landwirte der näheren Umgebung. Mit dem Thema „Vorspeisen und Salate“ setzen wir uns hier nicht auseinander, denn die Größe der Hauptgerichte ist magen- und abendfüllend und auf verdiente Werktätige beispielsweise aus dem Gerüstbauwesen oder dem Schmiedehandwerk ausgelegt.

Aromensatte Rindsrouladen, Rostbraten und Kalbsschnitzel

Mein Leibgericht sind die ungemein aromensatten, sehr zarten Rindsrouladen „Lilo Wanders“ mit Speck und Gurken gefüllt, leckerster Sauce und hinreißenden Speck-Petersilienklößen (19,50 Euro). Ich rate zur Steigerung des Genusses jedoch dringlichst dazu, im Zuge der aufpreisfrei offerierten Beilagenänderung den eigentlich ausgelobten Rotkohl durch die frisch gemachten, knackigen Speckbohnen zu ersetzen, die hauptberuflich dem ebenfalls vorzüglichen Zwiebelrostbraten mit Portwein-Rosmarinsauce und Butterspätzle beiwohnen (24,50 Euro). Das Kalbsschnitzel „Kalle“ besticht mit seiner schieren Größe von 300 Gramm, unterfangen von guten Bratkartoffeln und sehr leckeren, knackfrischen Blattsalaten, verfügte aber beim letzten Besuch über eine etwas introvertiert gewürzte Panade.*

Das Thema „Desserts“ umschiffen wir aus den nämlichen Gründen wie die Vorspeisen und widmen uns spornstreichs der ausschließlich mit deutschen Gewächsen bestückten, sehr erfreulichen Weinkarte. Schon der ausgezeichnete trockene Hausriesling, 2017 St. Paulianer Freudenschlüpfer, ist eine veritable Erzeugerabfüllung aus dem Oeuvre des Mosellaner Kultwinzers Ernie Loosen und schlägt mit äußerst fairen 21,50 Euro zu Buche (0,2-Glas 7,50 Euro, aber die Flasche ist schnell leer). Für 32 Euro gibt’s den fulminanten, diamantenklaren 2016er Riesling „Mineral“ von Emrich-Schönleber und für 41,50 Euro ein veritables Großes Gewächs, den 2015 Winkeler Jesuitengarten von Wegeler. Ein Wein, der im Handel auch schon 29 Euro kostet – das ist echt okay. Namedropper können sich in der roten Abteilung für 32,50 Euro (Schoppen 10,50 Euro) am „Black Print“ von Markus Schneider delektieren.

So findet hier ein jeder etwas, und einem lustvollen Abend der etwas anderen Art im Auge des Kiezorkans steht nichts mehr im Wege.

* Was will uns der Künstler damit sagen? Nun, kleiner Tipp: Was fängt mit „f“ an und reimt sich auf „Panade“?

Text: Gerd Rindchen

Freudenhaus Restaurant und Bar: Hein-Hoyer- Straße 7-9 (St. Pauli), www.stpauli-freudenhaus.de



Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Rindchen schlemmt – Der Freischwimmer in Eimsbüttel

Kegeln, Kickern, Kulinarik – Für unseren Kolumnisten Gerd Rindchen ist das Eimsbüttler Restaurant Freischwimmer ein Garant für gelungene Abende.

Unlängst meinte ein Kollege, dass wir im Betrieb mal wieder was für die Stimmung untereinander tun könnten und schlug vor, kegeln zu gehen. Gesagt, getan, und so landeten wir mit ein paar Leuten im Freischwimmer – ein Lokal, das ich schon etwas länger kenne, aber bislang nur als attraktive Adresse, um gut und zu angemessenen Preisen zu essen. Clemens, den betagten Wirt, kenne ich auch schon etwas länger: Seine Frage „Moin Gerd, wohnst du noch in der Jarrestadt?“ musste ich wahrheitsgemäß mit „Nee, da bin ich 1987 weggezogen“ beantworten. Nun gut, man wird nicht jünger. Gut gegessen haben wir dann auch erst mal – die Küche wartet mit spannenden und abwechslungsreichen Dreigangmenüs à  36,90 Euro auf, wie beispielsweise Krustentier-Krapfen auf Ratatouille mit Orangen-Safran-Dip vorweg, gefüllte Maispoularde mit Waldpilzfüllung im Ibericomantel, Risotto mit grünem Spargel und Thymianjus als Hauptgang und Apfel-Crumble mit Vanillesauce & Vanilleeis als Dessert. Gute Hauptgerichte (Wiener Backhendl!) stehen aber auch schon für 15 bis ca. 24 Euro auf der Karte und für um die 20 Euro pro Flasche gibt es schon ein gerüttelt Maß recht anständige Weine. Bedeutenden Wein (Schiefersteil Riesling von Markus Molitor) gibt es für 30,50 Euro. Zum Eigentlichen: Unter dem Lokal befindet sich eine bezaubernd altmodische Doppelkegelbahn sowie ein klassischer Kneipenkicker. Für den höchst moderaten Obolus von 30 Euro pro Stunde können sich hier Gruppen von, sagen wir mal,  8-12 Menschen einmieten und possierliche Stunden verbringen, also beispielsweise 2 x 3 Leute kegeln und vier kickern – der Kicker ist netterweise im Stundenpreis enthalten. Wir waren jedenfalls nicht das letzte Mal zu diesem Behufe hier – beim Freischwimmer passt einfach alles.

Text: Gerd Rindchen

Freischwimmer: Fruchtallee 1 (Eimsbüttel), Telefon 41 45 99 80, Mo-Sa ab 17 Uhr; www.freischwimmer-hamburg.de


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, April 2018. Das Magazin ist seit dem 29. März 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

 

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Moin MOIN – Hamburgs jüngster Elektroklub

Hamburg hat einen neuen Club für elektronische Musik. Anfang März hat in der Friedrichstraße das MOIN eröffnet.

Der Hans-Albers-Platz ist nicht unbedingt bekannt für Clubs mit programmatischer Qualität. Doch der Laden, der kürzlich in der Friedrichstraße 21 öffnete, hat das Zeug, das Nachtleben auf dem Kiez auch für Musikliebhaber mit Anspruch wieder etwas interessanter zu machen. Gesetzt den Fall, man steht auf elektronische Musik. MOIN heißt der Club, der Mitte Februar mit Nick Curly sein Soft-Opening feierte und seit 9. März offiziell eröffnet ist.

Was sich hinter der unscheinbaren Altbaufassade verbirgt, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Und so überrascht das Innenleben umso mehr, wenn man den verschachtelten Laden von Florian Jürgs und seinen drei Partnern betritt. Die vier Freunde sind im Hamburger Nachtleben keine Unbekannten, kennen sich zum Teil über 15 Jahre. Im letzten Sommer entstand die Idee für den ersten gemeinsamen Club. Auf die Räume der ehemaligen Fritz-Bar sei man mehr oder weniger zufällig gestoßen. „Wir waren uns zunächst gar nicht sicher, ob wir auf dem Kiez einen Laden aufmachen wollen, aber in diesen Ort haben wir uns sofort verliebt“, erklärt Jürgs.

Zusammen mit Helfern habe man über 30 Tonnen Schutt rausgetragen, die Räumlichkeiten komplett entkernt und dann neu aufgebaut. „Wir leben die Harmonie der Kontraste.“ Entstanden ist ein dunkler und rougher Clubraum auf zwei Ebenen, mit hervorragender Anlage, klarem Lichtkonzept und viel Beton. Im Gegensatz dazu steht die Bar, die im warmen Licht mit viel Holz und edler Sofaecke daherkommt, in Zukunft auch vor und unabhängig vom Clubbetrieb ab 21.30 Uhr geöffnet haben wird und der man ansieht, dass hier einige Euro ausgegeben wurden.

Bis auf die elektronische Ausrichtung sei man nicht festgelegt. Tom Steiner, verantwortlich für das Booking, meint: „Wir sagen jetzt nicht, wir sind ein Techno- oder Deephouse-Club und sehen uns auch nicht als Konkurrenz zu anderen Läden, sondern eher als Ergänzung.“

Zunächst ist Freitag und Samstag geöffnet. Immer ab 24 Uhr. Das bis Redaktionsschluss feststehende Programm macht Lust auf mehr. Karfreitag steht Julian Wassermann hinter den Plattenspielern, Ostersamstag geht es mit dem international erfolgreichen Hamburger Techhouse-Duo Piemont weiter und Ostersonntag sorgt der Spanier Dennis Cruz für tanzbaren Sound. Für den 21. April steht außerdem Ninetoes auf dem Programm. Aktuelle Termine sind auf der Facebook-Seite des Clubs veröffentlicht. SZENE HAMBURG sagt Moin MOIN.

MOIN Club, Friedrichstraße 21, www.facebook.com/moininhamburg

Text: Ole Masch


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, April 2018. Das Magazin ist seit dem 29. März 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!