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„Uns interessieren Filme, die Fragen stellen“

Am 29. September 2022 startet das 30. Filmfest Hamburg. Festival-Leiter Albert Wiederspiel spricht anlässlich Jubiläums über das Jubiläumsprogramm, die Stärken Hamburgs als Filmfest-Standort und erläutert, wieso der Douglas-Sirk-Preis an Ulrich Seidl nicht vergeben wird

Interview: Marco Arellano Gomes

 

SZENE HAMBURG: Albert, 30 Jahre Filmfest Hamburg, davon 19 unter deiner Leitung: Mit welchem Gefühl gehst Du in das diesjährige Fest?

Albert Wiederspiel: Obwohl es mein 19. Filmfest ist, kommt es mir so vor, als wäre es das Erste, weil es das erste nach zwei Jahren Pandemie ist. Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren ziemlich magere Filmfeste. Viel Film, aber wenig Fest. Das kam etwas zu kurz. Aktuell sieht es danach aus, dass wir dieses Jahr ein ganz normales Filmfest machen können, mit fast normaler Belegung der Säle. Es gibt einige Vorstellungen mit Abstand, um denen entgegen zukommen, die sich noch nicht wieder so richtig trauen.

Es wird also wieder ein großes Fest sein

Oh ja! Wir haben eine große Eröffnungsfeier, abendliche Treffen in unserer neuen Filmfest-Bar / Kasematte20, direkt um die Ecke vom Cinemaxx-Dammtor. Wir wollen zurück zu einer Festival-Normalität, die wir seit zwei Jahren vermisst haben.

Bist Du entsprechend aufgeregt?

Inzwischen weniger. Wir hatten kürzlich noch befürchtet, dass es doch eine Maskenpflicht im Kino geben könnte. Sowas bekommt einem Festival einfach nicht. Aber ich bin jetzt zuversichtlich, dass es bis zum Start keine böse Überraschung mehr geben wird. Und nach uns die Sintflut.

Kyiv zu Gast in Hamburg

Filmfest Hamburg_30.Jubilaeum_Logo_gelber-kleinMit welchem Film eröffnet das Filmfest in diesem Jahr?

Ich bin froh, dass wir mit einem extrem hamburgischen Film eröffnen können: „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Hans-Christian Schmid. Ich bin ein großer Fan von ihm. Er macht zu selten Kinofilme, finde ich. Er hat ja seit 10 Jahren keinen Kinofilm mehr gedreht. Und jetzt über ein Thema, das hier in Hamburg tief verankert ist: Die Reemtsma-Entführung. Die haben wir alle ja irgendwie noch präsent. Es ist ein wunderbarer, fast lakonischer Film geworden. Schmid ist ja ein sehr nüchterner Filmemacher. Das hat mir sehr gut gefallen.
Wir freuen uns auch auf die Weltpremiere vom neuen Fatih Akin-Film „Rheingold“. Wir fühlen uns mit Akin von Beginn an verbunden.

Das Filmfest Hamburg hat sogar ein zweites Filmfest eingeladen. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein bisschen ein Festival im Festival. Ich bin begeistert darüber, dass wir die Ukrainer zu Gast haben. Das ist etwas, was mir sehr am Herzen lag. Wir zeigen im Rahmen des „Molodist Kyiv International Film Festival“, die ihren nationalen Wettbewerb ausrichten, acht Langfilme und 15 Kurzfilme. Es ist toll, dass trotz der Situation die Film- und Festivalwelt weitergeht und zusammenhält.

Du hast in einem Interview mal gesagt, dass ihr beim Filmfest Hamburg nur Filme zeigt, die ihr vorher gesehen habt. Schaust du Dir alle Filme auch selbst an?

Nein. Das ist schier unmöglich. Aber normalerweise habe ich bei Beginn des Filmfestes etwa die Hälfte der Filme gesehen. Wir nehmen nichts rein, was nicht gesichtet wurde. Es ist ein hervorragend kuratiertes Programm.

Albert Wiederspiel empfiehlt:

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Für Albert Wiederspiel ist „My Neighbor Adolf“ von Leonid Prudovsky eine echte Empfehlung (Foto: team productions/Luis Cano)

Was entscheidet schlussendlich darüber, welche Filme auf dem Filmfest gezeigt werden?

Was das anbelangt, sind wir fast basisdemokratisch. Ich habe jedenfalls kein Veto-Recht. Das letzte Wort hat meist Kathrin Kohlstedde, die die Programmleitung seit Jahren innehat. Wir versuchen pro Sektion eine bestimmte Anzahl an Filmen zu zeigen, aber davon abgesehen gibt es keine maßgeblichen Richtlinien. Wir wählen nur die Filme, die uns gefallen, beeindrucken und Relevanz haben – sei es filmästhetisch, politisch oder gesellschaftlich. Seit Jahren versuchen wir einen Spagat zwischen anspruchsvollen Filmen und dem Unterhaltungskino. Ich finde, dass uns das inzwischen gut gelingt.

Wenn man nur Zeit hat, einen oder zwei Filme auf dem Filmfest zu schauen, was sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen?

Grundsätzlich bin ich immer dafür, die Filme auszuwählen, die später nicht direkt ins Kino kommen, Filme, die einmalig bei uns zu sehen sind. Ich empfehle zum einen den Film R.M.N. vom rumänischen Regisseur Cristian Mungiu: Ein erschreckendes Porträt von einem Ort, der vor lauter Xenophobie und Rassismus zerfällt. Zusätzlich empfehle ich „My Neighbor Adolf“. Eine sehr skurrile israelische Komödie mit über einen Holocaust-Überlebenden in Brasilien, der meint, dass der rechts von ihm eingezogene Nachbar, gespielt von Udo Kier, Adolf Hitler sei. Israel ist nicht unbedingt für Komödien bekannt, aber diese ist wirklich die skurrilste, die ich seit Langem gesehen habe.

Hamburg ist intimer als Cannes oder Venedig

Du bist seit 2003 – also seit 19 Jahren – Leiter des Filmfest Hamburg. Hand aufs Herz: Ist es das schönste Amt nach Papst und Vorsitzender der SPD?

Viel schöner als beide Ämter. Die Filmfest-Leitung ist ein Traumjob. Als SPD-Vorsitzender kann man doch nur heulen. Dagegen ist mein Leben ein Tanz auf Rosen. Es ist ein Privileg, Filme zu zeigen, die man gut findet. Ich kam ja damals aus dem Verleihwesen und ich habe sehr darunter gelitten, dass ich sehr oft Filme an die Leute verticken musste, hinter denen ich überhaupt nicht stand. Mit Anfang 40 hatte ich eine Krise und dachte, das kann doch nicht der Rest meines Lebens sein! Ich kann doch nicht nur schreckliche Hollywood-Schinken auf die Leinwände schicken. Damals hatte ich mir vorgenommen, nur noch mit Filmen zu tun zu haben, die für mich auch Sinn haben.

Welche Momente sind dir in 30 Jahren besonders hängen geblieben?

Ich vergesse nie die italienischen Paparazzi, als Sophia Loren in der Stadt war. Das war mein erstes oder zweites Jahr als Filmfestleiter. Das war die absurdeste Situation, die wir je hatten. Wir wussten nicht, dass sie von weltweit aktiven Paparazzi verfolgt wird und waren nicht darauf vorbereitet. Es gibt ja diese Brücke, die vom Dammtor zum CinemaxX rüber führt. Wir schauten dort hoch – und die gesamte Brücke war voller Paparazzi mit ihren Tele-Objektiven. Das war total verrückt und passte weder zum Filmfest noch zu Hamburg. (lacht)

Was macht das Filmfest Hamburg im Vergleich zu anderen Filmfesten aus?

Das Schöne ist, dass wir im Vergleich zu Cannes, Venedig und Berlinale so schön klein sind. Dadurch entsteht mehr Intimität bei den Gästen und beim Publikum. Es ist leichter, mit Regisseuren und Filmcrew ins Gespräch zu kommen.

Kein Douglas-Sirk-Preis für Ulrich Seidl

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Der Film „Rheingold“ von Fatih Akin feiert beim Filmfest Hamburg Weltpremiere (Foto: bombero international/Warner-Bros Entertainment/Gordon Timpen)

Täuscht der Eindruck, oder ist das Filmfest Hamburg auch politischer als vergleichbare Filmfeste?

Uns interessieren Filme, die Fragen stellen. Es ist dabei unerheblich, ob es politische, soziale oder filmästhetische Fragen sind. Filme, die fragen stellen, interessieren uns deutlich mehr als affirmative Filme. Ich vermute, dass man das unserem Programm auch anmerkt.

Kurz vor Bekanntgabe des Programms wurden vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel brisante Hintergründe zum Film „Sparta“ von Regisseur Ulrich Seidl veröffentlicht …

… Der Film ist ein hervorragender Film. Das geht in der ganzen Diskussion ein wenig unter. Wir haben den Film gesehen und ausgewählt, lange bevor der SPIEGEL mit der Geschichte aufkam. Wir hatten uns für den Film entschieden, weil er sehr sehr gut ist und ein extrem schwieriges Thema behandelt. Es gibt ja kaum etwas, das so tabuisiert ist wie das Thema Pädophilie. Seidl geht extrem feinfühlig mit dem Thema um. Man sieht im Film nichts, was man nicht sehen möchte. Es war für uns daher nie eine Frage, ob wir den Film zeigen wollen. Das wollen wir.

Aber den Douglas-Sirk-Preis kriegt er nicht?

Wir haben lange überlegt. Uns wurde aber schnell klar, dass, wenn wir den Preis übergeben würden, das gesamte Filmfest von dieser Diskussion überschattet werden würde. Das wäre weder im Interesse von Ulrich Seidl noch in unserer. Denn wir wollten ihm einen Preis für seine Verdienste um die Filmkultur geben. Plötzlich wäre es ein Forum für eine Diskussion über Dreharbeiten in Rumänien geworden. Das wollten wir nicht.

Wie kann man nun sinnvoll mit dem Thema umgehen?

Wir wollen eine Panel-Veranstaltung machen, um das Thema Dreharbeiten in Osteuropa generell zu thematisieren. Es gibt immer eine gewisse Gefahr, wenn Produktionen aus reicheren Ländern in ärmere Länder gehen. Es gibt das Risiko von Machtmissbrauch. Zum besagten Panel wollen wir sowohl deutsche als auch rumänische Produzenten einladen.

Der Film muss sich mit brisanten Themen auseinandersetzen

Wo wir gerade bei den ernsten Themen sind: Anfang Juli wurde der lange Zeit in Hamburg lebende iranische Regisseur Mohammad Rasulof in Teheran wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung festgenommen. Wenige Tage später traf es auch die iranischen Regisseure Mostafa al-Ahmad und den Douglas-Sirk-Preisträger Jafar Panahi. Wie habt ihr diese Nachrichten aufgenommen?

Das trifft mich wirklich persönlich, weil ich mit Mohammad seit Jahren befreundet bin. Er hat für viele Jahre in Hamburg gelebt, bevor wieder nach Iran geflogen ist. Jafar habe ich zwar nie persönlich kennengelernt, aber wir waren immer wieder mal in Kontakt. Es gibt im Moment offensichtlich eine gewisse Konzentration des iranischen Regimes auf Filmemacher. Man zielt bewusst auf Filmemacher. Jafar ist bereits verurteilt. Mostafa ebenfalls. Jetzt warten wir auf ein Urteil gegen Mohammad. Wir befürchten das Schlimmste. Drei tolle Filmemacher, die de facto ohne Grund im Gefängnis sitzen. Es ist ohne Worte … Umso mehr freue ich mich, dass wir „No Bears,“ den neuesten Film von Jafar Panahi zeigen können.

Große Sorgen machen wir uns auch um unsere Freundin und Produzentin Çiğdem Mater, die eineinhalb Jahre in Hamburg lebte. Sie hatte sich entschieden, wieder in die Türkei zu gehen und wurde, kaum dass sie dort war, zu 18 Jahren Haft verurteilt. Sie sitzt jetzt seit vier bis fünf Wochen. Wegen eines Films, den sie nicht mal gemacht hat! Sie plante, einen Film über die Gezipark-Proteste zu machen. Das muss man sich mal vorstellen! Das sind schlimmste stalinistische Zeiten, die gerade wiederkommen.

Zeugen gerade diese Schicksale davon, dass es in der heutigen Zeit auch die filmische Auseinandersetzung mit politisch und gesellschaftlich brisanten Themen braucht?

Absolut. Auf jeden Fall.


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„Peter von Kant“: Jeder tötet was er liebt

Der Film „Peter von Kant“ ist eine ausdrucksstarke, grandios besetze Adaption und Interpretation des Stücks „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ und eine kraftvolle Hommage an Regie-Legende Rainer Werner Fassbinder

Text: Marco Arellano Gomes 

 

Der berühmte Regisseur Peter von Kant (grandios: Denis Ménochet) führt ein geradezu dekadentes Leben in seinem großzügigen Kölner Domizil. Er ist auf dem Zenit seines Schaffens, trinkt gern, hat Stimmungsschwankungen und lässt seine Allüren an seinem zutiefst loyalen Diener Karl (Stéfan Crépon) aus. Durch seine Lieblingsschauspielerin und einstige Muse Sidonie (Isabelle Adjani) macht er die Bekanntschaft mit dem jungen, hübschen Amir (Khalil Gharbia), verliebt sich Hals über Kopf in diesen, lässt ihn bei sich wohnen und macht ihn zum Schauspielstar. Doch während Peter den Jüngling liebt, begehrt und sich in eine zerstörerische Abhängigkeit begibt, empfindet Amir zunehmend nur Spott, betrügt und demütigt diesen und folgt dem Ruf der eigenen Karriere. Verlassen wendet sich Peter gegen alle, die ihn noch lieben – von der Mutter (Hanna Schygulla) bis zur Tochter. Liebend, singend, schreiend, koksend und saufend führt der Regisseur ein Schauspiel auf, das seinesgleichen sucht.

Ein Tribut an die 70er und das Kino

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„Peter von Kant“ ist ein Tribut an das Kino, die 70er und einen außergewöhnlichen Regisseur (Foto: Barbarella Entertainment)

Der Film basiert auf dem von Rainer Werner Fassbinder stammenden Stück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Im Gegensatz zum Stück und der gleichnamigen Verfilmung von 1972 ist die neue Kinofassung von François Ozon („8 Frauen“) mit homosexuellen Männern statt Frauen besetzt. Davon abgesehen folgt er der ursprünglichen Konstellation und Handlung Punkt für Punkt. „Peter von Kant“ ist ein starkes, emotionales Kammerspiel voller Sex und Leidenschaft und eine Hommage mit starken Bildern und einem grandios aufspielenden Hauptdarsteller – der nicht zufällig optisch und charakterlich an Fassbinder erinnert. Ménochets Darbietung ist von einer ungeheuren Wucht. Der Film, der 2022 die Berlinale eröffnete, ist ein Tribut an das Kino, die 70er und einen außergewöhnlichen Regisseur. Kurz: Kino pur!

„Peter von Kant“, Regie: François Ozon. Mit Denis Ménochet, Isabelle Adjani, Hanna Schygulla. 85 Min. Ab dem 22. September im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:

 


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Filmfest Hamburg: Filme vom Feinsten

30 Jahre Filmfest in der Hansestadt! Das will gefeiert werden – und zwar mit großartigen Filmen wie „Rheingold“ von Fatih Akin, „Triangle of Sadness“ von Ruben Östlund und dem Eröffnungsfilm „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Hans-Christian Schmid

Text: Marco Arellano Gomes 

 

Das Filmfest Hamburg feiert in diesem Jahr sein 30. Jubiläum. Vom 29. September bis 8. Oktober 2022 werden 110 Produktionen aus aller Welt als Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren gezeigt, darunter viele hochkarätige Filme. Unter anderem feiert der neue Fatih Akin-Film „Rheingold“ in Hamburg seine Weltpremiere. Der Hamburger Regisseur und Douglas-Sirk-Preisträger Fatih Akin zeigt darin den dramatischen und abenteuerlichen Weg von Rapper Xatar (gespielt von Shooting Star Emilio Sakraya) – vom Knast bis zum erfolgreichen Musiker und Unternehmer.

Film-Highlights

Filmfest Hamburg_30.Jubilaeum_Logo_gelber-kleinEröffnet wird das Filmfest mit „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Hans-Christian Schmid („Was bleibt“), der die Entführung von Jan Philipp Reemtsma aus der Perspektive dessen Sohnes thematisiert. „Endlich wieder ein Kinofilm von Hans-Christian Schmid! Und dazu einer über einen bundesweit bekannten Hamburger Kriminalfall, der in Hamburg gedreht wurde und bei uns seine Weltpremiere feiern wird“, so Festivalleiter Albert Wiederspiel.

Sehnsüchtig erwartet wird auch der Goldene-Palme-Gewinner „Triangle of Sadness“ von Ruben Östlund („The Square“) – eine sozialkritische Satire, die mit einigen provokanten und unvergesslichen Szenen aufwartet. Der Film „Meinen Hass bekommt ihr nicht!“ von Kilian Riedhof („Gladbeck“) greift die Geschehnisse und Folgen rund um das Attentat im Pariser Club Bataclan vom 13. November 2015 auf. Der Dokumentarfilm „Lars Eidinger – Sein oder nicht sein“ nähert sich, wie der Titel bereits ausdrückt, dem Ausnahmekünstler und gibt einen intimen Einblick darin, wie Eidinger sich seine Rollen erarbeitet. Das Filmfest Hamburg hatte schon immer ein Herz für ungewöhnliche Filme und zeigt auch den in Cannes mit dem Jurypreis ausgezeichneten Film „EO“ des mehrfach preisgekrönten polnischen Regisseurs Jerzy Skolimowski. Darin wird die Welt aus der Perspektive eines Esels gezeigt. Das kann bei so viel Eselei in der Welt nicht von Nachteil sein.

MICHEL Kinder und Jugend Filmfest

Auch das zum Filmfest Hamburg gehörende MICHEL Kinder und Jugend Filmfest (30. September bis 5. Oktober im Abaton) bietet ein buntes Portfolio an Filmen, die sich an Kinofans zwischen vier und 16 Jahren richtet. Themen sind Freundschaft, Mut und Identität. Eröffnungsfilm ist die bittersüße Familienkomödie „Lucy ist jetzt Gangster“ (Regie: Till Endemann). Der Film erzählt die Geschichte von Lucy, deren Eltern eine Eisdiele führen. Nachdem die Eismaschine kaputtgeht, heckt sie einen teuflischen Plan aus, um ihre Familie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren.

Neben den Kinofilmen versprechen auch die „Reihe für Minis“ und zwei neue Detektivgeschichten der „Pfefferkörner“ beste Unterhaltung. „Die Themen sind vielschichtig und bieten generationsübergreifend die Möglichkeit, sich auszutauschen und in verschiedene Perspektiven einzufühlen“, sagt Steffi Falk, Leiterin des MICHEL Kinder und Jugend Filmfest.

Festival im Festival

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist die Einbindung des Molodist Kyiv International Film Festivals im Rahmen des Filmfest Hamburg – quasi als Festival im Festival (30. September bis 5. Oktober im Alabama Kino). Ukrainische Regisseure zeigen in der Hansestadt – sofern es die aktuelle und sich ständig ändernde politische Lage in der Ukraine zulässt – ihre Kurz- und Langfilme. „Es geht um gelebte Solidarität und um das Sichtbarmachen der ukrainischen Filmkultur“, so Filmfest-Hamburg-Leiter Albert Wiederspiel. „Wir freuen uns auf neue ukrainische Filme und auf einen lebhaften Austausch.“

Arbeits- und Dialograum

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Der Film „Rheingold“ von Fatih Akin feiert beim Filmfest Hamburg Weltpremiere (Foto: bombero international/Warner-Bros Entertainment / Gordon Timpen)

Erstmals bietet das Filmfest Hamburg in Kooperation mit der Semaine de la Critique in Cannes, dem Verbund der deutschen Filmhochschulstudierenden und dem Institut français mit dem #ATELIER22 einen kreativen Arbeits- und Dialograum für Filmstudierende aus Deutschland und internationale Debütfilmer an. Die Idee ist, Theorie und Praxis besser zu vernetzten, das gegenseitige Verständnis zu erweitern und Kontakte zu knüpfen. Die auserwählten Debütfilme sind: „Summer Scars“ von Simon Rieth (Frankreich 2022), „Love according to Dalva“ vom Emmanuelle Nicot (Belgien, Frankreich 2022) und „The Woodcutter Story“ von Mikko Myllylahti (Finnland, Dänemark, Niederlande, Deutschland 2022).

Festivalkinos sind das Abaton, Cinemaxx Dammtor, Metropolis, Passage und das StudioKino.

Hier gibt’s den Trailer zu „Rheingold“:

 


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Moonage Daydream: David Bowies Kosmos

„Moonage Daydream“ ist eine Hommage des Regisseurs Brett Morgen an den 2016 verstorbenen David Bowie und nimmt das Publikum mit auf ein ganz besonderes audiovisuelles Erlebnis 

Text: Anna Grillet 

 

Die Dokumentation „Moonage Daydream“ katapultiert die Zuschauer als multimedialer Wahnsinnstrip mitten in den kreativen Kosmos des 2016 verstorbenen brillanten Sängers und Songwriters David Bowie, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Musikszene. Ein Ausnahmekünstler, der ständig Stile und Persönlichkeiten wechselte, Grenzen überschritt, von Nietzsche und Buddhismus inspiriert war. Ob als Ziggy Stardust, Elephant Man oder Major Tom, auf der Bühne, im Film oder beim Malen – die Suche nach sich selbst ist für ihn, den Gender-Dissidenten, das Kreieren neuer Ausdrucksformen im vertrauten Chaos.

Ein Kaleidoskop aus Sound, Bildern und Spiritualität

Filmemacher Brett Morgen („Kurt Cobain: Montage of Heck“, 2016) sichtete fünf Millionen Dokumente, Filmaufnahmen, Interviews, Tagebücher. Entstanden ist ein atemberaubend rasantes Kaleidoskop aus Sound, Bildern und Spiritualität. Live-Auftritte alternieren mit Film-Zitaten, experimenteller Videokunst und selbstreflektierenden Kommentaren David Bowies über Ziele, Zweifel und den Tod, aber auch die Gewissheit, keinen Moment des Lebens vergeudet zu haben.

„Moonage Daydream“,  Regie: Brett Morgen. 134 Min. Ab dem 15. September im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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Fantasy Filmfest: Fantastisch, innovativ und skurril

Das Fantasy Filmfest kommt Mitte September 2022 nach Hamburg und schickt seine Zuschauerinnen und Zuschauer mit Herz- und Kunstblut in den Herbst

Text: Marco Arellano Gomes 

 

Vom 14. bis 21. September 2022 tourt das Fantasy Filmfest durch Hamburg und bietet es seinen Zuschauern und Zuschauerinnen einen einzigartigen Mix an Genrefilmen. Atemlose Thriller, obskure Sci-Fi-Träume, harte Horrorschocker und gefühlvolle Arthouse-Perlen sind zu sehen – und stellen seit 36 Jahren eine Alternative zum „Superhelden-Einheitsbrei im Mainstreamkino“. Fantasy steht hier nicht für Drachen, Feen und verwunschene Wälder, sondern für Fantasie, Innovation und Skurrilität.

Zum Auftakt gibt’s Harry Styles

Eröffnet wird das 36. Fantasy Filmfest mit „Don’t Worry Darling“ (14. September, 19.30 Uhr) von und mit Olivia Wilde, mit Harry Styles in der Hauptrolle und einem furchteinflössenden Chris Pine. Sehenswert ist zudem der Film „Speak no Evil“ (18. September, 17.30 Uhr), in dem einer netten dänischen Familie im Urlaub in der Toscana das Grauen gelehrt wird sowie der Abschlussfilm „Emercency Declaration“ (21. September, 20.30 Uhr), der einige koreanische Topstars in die Katastrophe schickt. Diese Filme tanzen aus der Reihe, fordern und überfordern, brechen mit Konventionen und provozieren bis aufs Blut – exklusiv im Savoy.

Hier gibt’s den Trailer zum Eröffnungsfilm:

 


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Binnenalster-Filmfest: Großes Kino in großer Kulisse

Beim Binnenalster-Filmfest im Spätsommer ist wieder Zeit für vier Abende Freilichtkino am Jungfernstieg

Text: Marco Arellano Gomes 

 

Im Spätsommer findet das Binnenalster-Filmfest statt. Vom 15. bis zum 18. September 2022 verwandelt eine schwimmende Leinwand direkt auf der Binnenalster den Jungfernstieg in ein Freilichtkino. Platz wird auf der Treppe der Promenade genommen. Auf dem Programm stehen die Filme „Manche mögen’s heiß“ mit Marilyn Monroe (15. September), die Liebeskomödie „Harry und Sally“ mit Meg Ryan und Billy Crystal (16. September), Georges Bizets Oper „Carmen“, zur Spielzeit-Eröffnung der Staatsoper Hamburg, (17. September) und „Pappa ante Portas“ von Kultkomiker Loriot (18. September). Gastronomische Angebote sorgen für das leibliche Wohl. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei. Das Binnenalster-Filmfest wird vom City Management Hamburg, dem Filmfest Hamburg und dem Verein Lebendiger Jungfernstieg e.V. organisiert.

 


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„Hive“: Von der Stärke der Frauen im Kosovo

„Hive“ ist das Spielfilmdebüt von Regisseurin Blerta Basholli. Ein Packendes Porträt einer Kosovo-Albanerin, basierend auf einer wahren Geschichte

Text: Anna Grillet 

 

Heimlich klettert Fahrije (grandios: Yllka Gashi) auf einen Laster der UN, öffnet die Leichensäcke, sucht nach Hinweisen auf den Verbleib ihres Ehemanns. Er gilt als vermisst. Seit dem Überfall der serbischen Paramilitärs auf den Kosovo 1999 wird Krusha das „Dorf der Witwen“ genannt. Die Frauen dürfen hier nichts anderes sein, als trauernde Hinterbliebene, Arbeiten außerhalb des Hauses ist ein gesellschaftliches Tabu. Doch die Erträge ihrer Bienenstöcke reichen für Fahrije, ihre beiden Kinder und den pflegebedürftigen Schwiegervater nicht zum Überleben.

Zusammen gegen Unterdrückung und Engstirnigkeit

Die Mittdreißigerin beschließt, hausgemachten Ajar, jene berühmte würzige Paprikapaste, zu produzieren und an einen Supermarkt in der Stadt zu liefern. Nach ihrer Führerscheinprüfung schlagen Fahrije Hass und Verachtung entgegen. Schämen würde sich ihr Mann für sie, heißt es im Dorf, selbst die Tochter reagiert mit Verachtung. Ein Stein trifft die Vorderscheibe ihres alten, zerbeulten Wagens. Fahrije lässt sich nicht einschüchtern, die Arbeit gibt ihr die Kraft, Schmerz und Verlust zu ertragen. Sie überzeugt andere Frauen, sich der kleinen Genossenschaft anzuschließen und zusammen gegen Unterdrückung und Engstirnigkeit aufzubegehren.

„Hive“: Von Freiheit und dem Überschreiten von Grenzen

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„Hive“ ist das packende Spielfilmdebüt von Blerta Basholl (Foto: jip film & verleih)

Regisseurin und Drehbuchautorin Blerta Basholli verzichtet in ihrem Spielfilmdebüt „Hive“ auf Rückblenden, konzentriert sich mit dokumentarischer Präzision auf die Zeit nach dem Krieg. Es ist ein Neuanfang zwischen Trümmern, Tradition und Feindseligkeit, aber ausgerichtet auf Veränderung, Selbstbestimmung. Atmosphärisch erinnert der Film mit seinen wundervollen intensiven Bildern an einen rauen Western. Es geht um Freiheit, das Überschreiten von Grenzen. Die Heldin führt einen trotzigen, anfangs einsamen Kampf zwischen den Ruinen der Vergangenheit. Ihre Verletzbarkeit verbirgt sich hinter stoischer Entschlossenheit. Sie will endlich Gewissheit über das Schicksal ihres Mannes, helfen kann nur ein DNA-Test. Doch der Schwiegervater will nicht einwilligen, er und die Kinder verweigern in selbstzerstörerischer Trauer die Realität, als wäre die Hoffnung auf ein anderes, erfülltes Leben, Verrat an dem geliebten Menschen.

„Hive“ Regie: Blerta Basholli. Mit Yllka Gashi, Çun Lajçi, Aurita Agushi. 84 Min. Ab dem 8. September im Kino

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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Dokumentarfilmtage: LETsDOK

Vom 5. bis zum 18. September finden die Dokumentarfilmtage LETsDOK in Hamburg und Schleswig-Holstein statt und bieten dem Pubikum ein facettenreiches Programm

Zum Start gibt es eine vorgelagerte Live-Vertonungsprobe zu Vertovs Stummfilm „Der Mann mit der Kamera“ (1929), gespielt von ukrainischen Musikern in der Roten Flora (5.9., 21 Uhr).
Offizieller Auftakt ist eine Kino-Lesung mit Filmausschnitten von Dziga Vertov (12.9., 20 Uhr, Lichtmess). Vertov (1896–1954) gilt aufgrund seines experimentellen Stils als einer der wichtigsten frühen Regisseure von Dokumentarfilmen.

Abwechslungsreiches Programm 

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Bundesweite Dokumentarfilmtage kommen nach Hamburg und Schleswig-Holstein (Logo: LetsDok)

Gezeigt werden zudem: „Red Cunt“ (13.9., 20 Uhr, Schanzenkino 73), „Der Mann mit der Kamera“ mit dem Vorfilm „Sieben ein- fache Phänomene“ (14.9., 21.15 Uhr, Metropolis), „Dancing Pina“ (15.9., 20 Uhr, Abaton), „Football under cover“ (16.9., 20 Uhr, Klappstuhlkino Kellinghusen), „Ritual der schwarzen Sonne“ (17.9., 17 Uhr, Flora-Kino), „Die Aufseherin – Der Fall Johanna Langefeld“ (18.9., 11 Uhr, Flora-Kino), „Bettina“ (18.9., 15 Uhr, Kino Koki, Lübeck) und „Alice Schwarzer“ (18.9., 17.30 Uhr, Kino Koki, Lübeck).

/ MAG

 

 

 


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https://szene-hamburg.com/film-evolution-woody-allen/
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Filmkritik: Die Zeit, die wir teilen

Flirrendes Drama von Regisseur Laurent Lari­vière mit Isabelle Huppert und Lars Eidinger in den Hauptrollen

Text: Christopher Diekhaus

Einfach macht es Laurent Lari­vière dem Publikum nicht in sei­ner zweiten abendfüllenden Re­giearbeit, die von Anfang an zwi­schen unterschiedlichen Zeit­ ebenen hin­ und her wechselt. Es braucht eine Weile, bis man sich zurechtgefunden hat, ein Gefühl für die Figuren und ihre Bezie­hungen bekommt. Dreh­ und Angelpunkt der Handlung ist, das kristallisiert sich allerdings sofort heraus, die Verlegerin Joan Verra (Isabelle Huppert). Eine selbstbewusste Frau, die in Paris ihre große Liebe aus Jugend­tagen wiedertrifft. Nach dieser zufäl­ligen Begegnung fährt sie in ihr Landhaus, wo sie immer mehr in die Welt ihrer Erinne­rungen abtaucht. Joan sei kühl und distanziert,beklagt an einer Stelle der leiden­schaftlich-­selbstzerstörerische Autor Tim Ardenne (voll in sei­ nem Element: Lars Eidinger), der sich rettungslos in sie ver­liebt hat.

Ein Spaziergang durch ein Leben mit Brüchen und Enttäuschungen

Ein Vorwurf, den man Larivières Film sicherlich nicht machen kann. „Die Zeit, die wir teilen“ erweist sich vielmehr als flirrend bebilderter Spaziergang durch ein Leben mit Brüchen und Enttäuschungen, über die wir die Protagonistin mehr und mehr kennenlernen. Wobei Vorsicht geboten ist: Joans Rückblicke und Gedanken sind, wie eine Enthüllung gegen Ende zeigt, stark von Wünschen und schmerzhaften Erfahrungen ge­prägt. Dass keine objektive, son­dern eine subjektive Sicht vor­ herrscht, unterstreichen schon die schwankende Tonlage und die sich oft verändernde opti­sche Gestaltung.

Auf der Zielgeraden kommt ein Twist

Der Regisseur zieht viele Register, kann aber nicht mit allen Kniffen überzeu­gen. Die Brechung der vierten Wand etwa wird willkürlich eingesetzt. Und gelegentlich gibt es merkwürdige Einschübe, deren Sinn sich nicht erschlie­ßen will. Bestes Beispiel: eine völ­lig aus dem Rah­men fallende Sex­szene mit einem Oktopus. Aus­drucksstark wie eigentlich immer spielt Isabelle Huppert gegen die Unebenheiten an und schafft es mehrfach, dem mäandernden Drama eine emotionale Tiefe zu verleihen. Auch auf der Zielgeraden, wo sich der erwähnte Twist offenbart, der bestimmt nicht jedem gefallen wird.

Regie: Laurent Larivière. Mit Isabelle Huppert, Lars Eidinger, Freya Mavor. 101 Min. Ab 31.8.

 


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Neu im Kino: Evolution

„Evolution“ von Kata Wéber und Kornél Mundruczó zeigt drei Generationen jüdisches Leben nach dem Holocaust

Text: Marco Arellano Gomes

Wie lebt es sich als Überlebende des Holocaust in Europa? Dieser Frage widmen sich Kata Wéber und Kornél Mundruczó („Pieces of a Woman“) in dem Film „Evolution“, der im vergangenen Jahr auf dem Filmfest Hamburg lief. In drei zeitlich unterschiedlichen, wenngleich miteinander verwobenen Episoden zeigt der Film drei Generationen einer jüdischen Familie, die den Holocaust überlebte – von 1945 bis heute.

Von Auschwitz über Budapest nach Berlin

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„Evolution“ von egisseure Kata Wéber und Kornél Mundruczó, ab dem 25. August in den Kinos (Foto: Match Factory Productions/Proton Cinema)

In der ersten Episode zeigen kraftvolle Bilder, wie in einer verlassenen Gaskammer ein kleines Mädchen namens Éva gefunden wird, das auf wundersame Weise die Hölle von Auschwitz überlebt hat. Die Atmosphäre ist surreal, albtraumhaft und fängt den menschlichen Horror, der sich hier abgespielt hat, gespenstisch und eindringlich ein.

Jahrzehnte später wird die inzwischen leicht demente Evá (Lili Monori) in Budapest von ihrer Tochter Léna (Annamária Láng) besucht. Die Mutter soll eine Auszeichnung als Überlebende erhalten, hält es aber für moralisch untragbar, diese anzunehmen und verweigert daher mitzugehen. Die beiden streiten, Vorwürfe fliegen durch den Raum, seelische Verletzungen treten zutage – und kulminieren in einer bildstarken Szene, in der eine Urkraft sich ihren Weg ebnet. „Ich will keine Überlebende sein, ich will leben“, sagt die Tochter in einem ergreifenden Moment.

Die dritte Episode zeigt Évas Enkel Jonás (Goya Rego), der mit seiner Mutter kürzlich nach Berlin zog. In der Schule wird er verprügelt und schikaniert, zugleich hat er sich in ein junges Mädchen verliebt. Als er nach einem Brand in der Schule nach Hause geht, erwischt er seine Mutter mit einem fremden Mann – es kommt zum Streit, bei der auch die eigene Vergangenheit nicht außen vor bleibt.

Große Fragen und Hoffnung

Von Generation zu Generation findet eine Evolution statt, bei der die Frage der eigenen Existenz im Raum steht. Was bedeutet es, jüdisch zu sein? Jede Generation hat ihre eigene Antwort – was filmisch an den unterschiedlichen Bildsprachen (Kamera: Yorick Le Saux) und Erzählformen deutlich wird. Es mag kein Entkommen aus der eigenen Vergangenheit geben – und doch bleibt die Zukunft ein offener Weg, auch voller Hoffnung.

„Evolution“, Regie: Kata Wéber und Kornél Mundruczó. Mit Lili Monori, Annamária Lang, Goya Rego. 97 Min. Ab dem 25. August in den Kinos 

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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