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Statements zum Kultursommer: „Wir sind wieder da!“

Mehr als 100 Hamburger Kulturkonzepte werden vom Senat im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“ ge­fördert. Wir haben acht ­Veranstalter gefragt, welchen Stellenwert die Unterstützung für sie beim Kultur-Neustart hat

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Marco Arellano Gomes

 

Kim Senger, Waldinsel Records

Das letzte Jahr durchzuhalten, war nicht einfach für die Kulturschaffenden auf und hinter den Bühnen. Umso mehr freue ich mich jetzt über die Förderung im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“. Sie ermöglicht es mir, mit insgesamt acht Bands an 16 Orten in Hamburg Laster-Konzerte zu veranstalten – an bekannten, aber auch an unerwarteten Orten. Sobald die Bezirke ihre Genehmigung gegeben haben, werden die Termine auf meiner Website veröffentlicht. Auch außerhalb des „Kultursommers“ gibt es viele Anfragen für Laster-Konzerte. Hoffen wir mal, dass wir die Pandemie bald überstanden haben und Kultur wieder ohne Einschränkungen möglich ist.

waldinsel.com

 

Johannes Kirchberg, Kulturhaus Süderelbe

Das Kulturhaus Süderelbe freut sich riesig, dass der Hamburger „Kultursommer“ uns einen Wiedereinstieg ins Kulturleben ermöglicht. So können wir ein kleines, feines Festival anbieten und nach Monaten der Kulturlosigkeit unserem Publikum wieder begegnen und die Türen öffnen. Ohne die Unterstützung Hamburgs und der Behörde für Kultur und Bildung wäre es uns schlicht nicht möglich gewesen, ein so vielfältiges Programm zusammenzustellen und auch zu betreuen. Dafür von Herzen unser Dank. Wenn jetzt noch jemand einen heißen Draht zum Wetter hat, damit auch alles unter freiem Himmel stattfinden kann, dann wäre das ganz prima.

kulturhaus-suederelbe.de

 

Dörte Inselmann, Stiftung Kultur Palast Hamburg

Der Lockdown war für uns wie für alle Kulturschaffenden eine harte Durststrecke, insbesondere, weil wir überwiegend mit Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen arbeiten. Umso mehr freuen wir uns jetzt, mithilfe von Neustart Kultur und dem Hamburger „Kultursommer“ sowie vielen weiteren Förderern unseren mittlerweile hamburgweit aktiven Kultur Palast wieder mit Leben zu erfüllen und etwas beizusteuern, dass diese Jugendlichen ihre Poten­ziale entfalten und mehr Bildungsgerechtigkeit erfahren können.

Die ganzen Sommerferien hindurch bieten wir unter dem Motto „Schönste Kulturaussichten“ zahlreiche Tanz-, Musik- und Gesangs-Camps für unterschiedliche Altersstufen an sowie ein vielfältiges Sommerprogramm für die Großen. Gleich nach den Ferien wird die Stadt eine Reise erleben, wie sie noch nie da war: Unser Musical „Planet Billstedt – a paradise for a better life“ sucht mit der jungen Generation nach Antworten auf die Frage „Wie wollen wir leben?“ Gestaltet wird das Stück an vier Standorten in Billstedt und Horn. Eine Reise in die Zukunft voller Ideen zu Klima, Diversität, mehr Grün in der Stadt und kultureller Vielfalt.

kph-hamburg.com

 

Claudia Mohr, Schroedingers

Wir freuen uns auf einen bunten Sommer voller kultureller Vielfalt, zauberschöner Momente mit fröhlichen Gesichtern und Lebensfreude auf und vor der Bühne in unserer wunderschönen grünen Oase unterm Fernsehturm. Kultur, im Besonderen Musik, ist ein fundamentaler Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.

Durch die strikten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie ist dieser Baustein fast vollständig weggebrochen aus dem Alltag der Menschen. Deswegen freuen wir uns umso mehr, durch jedes Konzert, jeden Künstler und jede Künstlerin – ob DJs, Autoren, Bands oder Komiker –, Stück für Stück ein wenig Leben und Lebendigkeit zurückzugeben und unsere Gäste, Künstler und Künstlerinnen wieder zurück ins Leben und mentale Gleichgewicht zu bringen.

Einen besonderen Dank möchten wir der Hamburger Kulturbehörde und unserem Kultursenator Carsten Brosda aussprechen, die uns Kulturspielstätten durch strukturelle Förderung am Leben erhalten haben und auch mit vielen Förderprogrammen den Neustart überhaupt erst wieder möglich machen.

schroedingers.hamburg

 

Peter Rautenberg, Goldbekhaus

Die Kultur und die Kultschaffenden in Hamburg und anderswo schienen vergessen. Nicht so wichtig, eben nicht systemrelevant. Vergessen werden kann diese Demütigung einer ganzen Branche nicht, aber sie kann verziehen werden. Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein erfreulicher Anfang und hilft der Kultur in Hamburg, ihr die Bedeutung zu geben, die sie verdient hat. Kultur ist unverzichtbar, gerade auch in Zeiten einer Pandemie. Jetzt kommen wir zurück, danke Kultur­behörde Hamburg!

goldbekhaus.de

 

Michael Frowin, Theaterschiff Hamburg

Der Kultursommer ist eine weitere großartige Initiative der Stadt Hamburg und ein sehr starkes Signal für den Neustart Kultur. Für uns als Theaterschiff bedeutet das, dass wir nicht nur vier Wochen früher in die nächste Saison starten, sondern auch eine Nachbarschaftsinitiative präsentieren können – gemeinsam mit der Katharinen-Kirche bringen wir verschiedene Künstler:innen und Gruppen auf unserer Bühne zusammen. Wir zeigen ein sehr buntes Sommerprogramm und rufen laut und fröhlich: Wir sind wieder da!

theaterschiff.de

 

Jana und Petja Pulkrabek, Move the North Festival

Wir glauben fest an die grenzüberschreitende Kraft von Kultur. Als Festival und Netzwerk möchten wir durch Austausch und Zusammenarbeit die nordischen Regionen zusammenwachsen lassen und neue Impulse setzen. Mit dem Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark entsteht eine neue Europäische Zukunftsachse und es ist wichtig, die Menschen über Kultur grenzübergreifend zusammenzuführen. Wenn die Wirtschaft der Motor einer Region ist, dann ist die Kultur ihre Seele.

Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein positives Zeichen und ein Bekenntnis an die freie Szene. Wir freuen uns sehr über unsere Kooperation mit Paul Glaser vom English Theatre of Hamburg. Mit „Hamburger Kultur InterNational“ präsentieren Move the North und ETH ein zweiwöchiges Kulturprogramm, das neben einem deutsch-skandinavischen Fokus auch global internationale Brücken nach Hamburg schlägt; in sommerlich entspannter Atmosphäre und kostenfrei. Das ist sehr dänisch!

movethenorth.com

 

Michael Conrad, Alabama Kino (rechts im Bild)

Der Impuls von der Kulturbehörde, mit dem Hamburger „Kultursommer“ auf die Krise der Kulturbranche zu antworten, finden wir richtig, denn es gibt einen riesigen Bedarf für eine solche Anschubhilfe. Wir werden mit dem Writers’ Room Lesungen im Rahmen des Programms „Tears for Ears“ anbieten, das sich mit dem Kino beschäftigt. Dann gibt’s noch eine Lesung aus einem Buch von Kinky Friedman, den Schriftsteller und Musiker aus der alternativen texanischen Country-Szene. Ein weiteres Highlight ist der Film „Domenica“ von Peter Kern über die berühmteste Prostituierte der Stadt, die sich um die Rechte der Prostituierten verdient gemacht hat. Zudem planen wir ein großes Kinderprogramm an den Wochenenden. Das wird richtig schön.

alabama-kino.de

 

Matthias Elwardt, Zeise Open Air

Wir freuen uns, mit dem Zeise Open Air beim „Hamburger Kultursommer“ vertreten zu sein. Es ist großartig, dass die Stadt mit dieser Aktion die Kultur unterstützt, zusammenbringt und fördert. Wir bieten direkt vor unserem Filmprogramm in Kooperation mit der Buchhandlung Christiansen Lesungen sowie ein Kinderprogramm an. Die Lesungen starten um 18 Uhr, das Kinderprogramm um 15 Uhr – unter freiem Himmel im Innenhof des Altonaer Rathaus. Unter anderem sind der Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber („Die Kanditatin“) und Kübra Gümüsay („Sprache und Sein“) mit dabei.

Bei Erfolg – und wenn das Altonaer Rathaus mitspielt – kann man das in Zukunft sicher weitermachen. Das Open-Air Programm bringt frischen Wind in die Literaturszene – und am Abend folgt dann großes Kino.

zeise.de

 

Manja Malz, Metropolis

Wir freuen uns sehr, auch in diesem Jahr den wunderschönen, denkmalgeschützten Innenhof des Museum für Hamburgische Geschichte im Rahmen des Sommernachtskinos bespielen zu können. Nach dem großen Publikumszuspruch im letzten Jahr und dem vielfachen Wunsch der Fortsetzung kuratieren wir erneut gemeinsam mit dem 3001 und dem B-Movie zehn Filmabende für das atmosphärisch sehr besondere Ambiente in der Museumskulisse.

Der Fokus liegt diesmal auf Stummfilmproduktionen der deutschen und internationalen Filmgeschichte, die zum großen Teil von Hamburger Musikern und Musikerinnen live vertont werden. Unsere Stummfilmkonzerte passen somit hervorragend zur Idee des Hamburger „Kultursommer“, Künstlern und Künstlerinnen aus Hamburg (wieder) eine große Bühne zu bieten.

Wir hoffen sehr, dass wir mit den Stummfilmnächten zeigen können, dass diese Kunst- und Erzählform auch 90 bis 100 Jahre später noch überraschend modern sein und begeistern kann. Und natürlich freuen wir uns insbesondere auf das Filmschauen in Gemeinschaft – was sicherlich eine Renaissance und eine ganz neue Konzentration erfahren wird.

metropoliskino.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Zeise Open Air: Kino unter freiem Himmel

Der lauschige Innenhof des Altonaer Rathauses verwandelt sich in diesem Jahr endlich wieder in ein einzigartiges, sommerliches Freilichtkino. Gezeigt werden Arthouse-Filme, Sneak Previews und Oscar-Gewinner

Text: Marco Arellano Gomes

 

Das exquisite tägliche Filmprogramm beim diesjährigen Zeise Open Air, welches vom 1. Juli bis 19. September läuft, bietet nicht nur grandiose Premieren, sondern auch namhafte Gäste und tut sich in diesem Jahr nicht nur mit dem Hamburger „Kultursommer“ (15. Juli bis 16. August), sondern auch mit der Altonale zusammen.

Es gibt jede Menge Gäste – unter anderem den jahrelangen Berlinale-Leiter Dieter Kosslick, Beatles-Expertin Stefanie Hempel mit zwei Konzerten, aber auch die Deutschlandpremiere von der Doku „Together Free“ (3. Juli, 21.30 Uhr), die zwei Hamburgerinnen zeigt, die mit einem Rucksack und einer Kamera ausgestattet das atemberaubende Himalaya-Gebirge erklimmen.

 

 

Zudem kann das Zeise Open Air mit der Hamburg-Premiere des Films „Bad Luck Banging or Loony Porn“ (Goldener Bär auf der Berlinale 2021) aufwarten. Mit dabei: Hauptdarstellerin Katia Pascariu. Die Plätze sind um etwa 50 Prozent reduziert. Also: schnell sein und Tickets sichern.

 

zeise.de


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Kinoeröffnung: Licht aus, Film ab!

Endlich: Die Hamburger Kinos öffnen. Ab dem 1. Juli knistert, knallt und kracht es wieder auf der großen Leinwand. Selten gab’s so viele gute Filme auf einmal zu bestaunen. Highlights sind die Oscar-Gewinner „Nomadland“ und „Der Rausch“. Die Kinobetreiber freuen sich und zählen auf die Treue des Hamburger Kinopublikums

Text: Marco Arellano Gomes

 

Laaaaaaaang hat’s gedauert. Seit Anfang November 2020 waren die Filmtheater geschlossen, die Säle blieben dunkel, die Filmliebhaber zu Hause. Nun ist es soweit: Die Kinobetreiber öffnen – voller Vorfreude und mit jeder Menge guter Filme.

Durch die Einführung des Schachbrettmusters stehen mehr Plätze zur Verfügung als zuvor. Die Auslastung der Säle kann dadurch in aller Regel auf etwa 50 Prozent (statt bislang 30) erhöht werden. Das ist ein deutlicher Gewinn zu den Bedingungen im vergangenen Sommer, als die Kinos für wenige Monate öffneten. Auch Getränke und Popcorn dürfen in diesem Jahr verkauft und verzehrt werden. Hierzu darf, wie die Behörde für Kultur auf Anfrage mitteilte, „kurzzeitig die Maske abgenommen werden“. Grundsätzlich bleibt es aber bei der Maskenpflicht in Innenräumen.

 

Gemeinsam statt einsam

 

Wie dem auch sei: Eine Aufbruchsstimmung macht sich breit. „Endlich wieder Kino!“ – nach all den Monaten der Entsagung. Endlich wieder Filme mit bestem Ton auf der großen Leinwand. Gemeinsam statt einsam. Die Kinobetreiber sind optimistisch bis euphorisch. Fleißig haben sie ihre Programme zusammengestellt, um dem Publikum ein unvergleichliches Filmerlebnis zu bieten. Ein Großteil von ihnen öffnet am 1. Juli ihre Tore (3001, Abaton, Alabama, ASTOR Film Lounge, Cinemax Dammtor, Wandsbek, Harburg, Magazin, Passage) – andere wollten nicht so lange warten und öffneten bereits am 17. Juni (Studio Kino, UCI-Multiplexe in Wandsbek, Othmarschen Park und Mundsburg), am 18. Juni (Metropolis), am 19. Juni (B- Movie), am 22. Juni (Zeise Kinos), am 24. Juni (Savoy Filmtheater mit den Fantasy Filmfest Nights) und am 30. Juni (Koralle). Hamburg ist eben vielfältig – auch was die Öffnungstage angeht.

Die Kinos müssen wie eh und je die bekannten Hygienekonzepte aufbieten: Desinfektionsmittel müssen bereitstehen, Abstand gewahrt und die Gäste mit ihren Kontaktdaten erfasst werden. Zusätzlich muss jedoch ein aktueller negativer Corona-Test oder der Nachweis einer Impfung beziehungsweise Genesung erbracht werden. Die Masken dürfen – wie erwähnt – auch im Saal nicht abgenommen werden, mit Ausnahme der Nahrungsaufnahme. Auf die Rückfrage, wie man sich das genau vorzustellen habe, sagte ein Kinobetreiber scherzhaft: „Na ja, wenn einer den ganzen Film lang an seiner Flasche nuckeln möchte, kann man wohl schwerlich etwas dagegen machen!“

 

„Filme genießen, statt sie bloß zu streamen“

Matthias Elwardt, Zeise Kinos

 

Christine Berg, Vorstandsvorsitzende vom Hauptverband Deutscher Filmtheater e. V. (HDF), wies immer wieder darauf hin, dass sich der Betrieb der Filmtheater ohne den Verkauf von Getränken und Popcorn in den meisten Fällen nicht lohne. Angesichts der effektiven Belüftungsanlagen, des Impffortschritts und der bundesweit sinkenden Infektionszahlen sei die Maskenpflicht Frau Berg zufolge ohnehin schwer nachvollziehbar. Mit dem Kompromiss können viele der Betreiber aber leben. Nun geht es darum, „die Filme zu genießen, statt sie bloß zu streamen“, sagt Matthias Elwardt von den Zeise Kinos.

Das sieht auch die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein so. „MOIN – Die erste Runde geht auf uns“ ließ diese am 15. Juni wissen und kündigte eine große Freikartenaktion zur Kinowiedereröffnung an. 16 Kinos in Hamburg machen mit. Der Eintritt ist in allen teilnehmenden Häusern am ersten Juliwochenende – von Donnerstag bis Sonntag für eine Vorstellung ausgewählter Filme frei. „Werft das Popcorn in die Höhe, die Kinos öffnen wieder!“, sagte Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung. Ab sofort heißt es wieder: „Runter von der Couch – ab ins Lieblingskino ums Eck!“ so Albers.

 

„Bestes Filmangebot seit Jahren“

Felix Graßmann, Abaton Kino

 

An Filmangeboten mangelt es beim diesjährigen Kinostart nicht: Zwar lassen Blockbuster, wie der bereits dreimal verschobene neue Bond-Film „007 – Keine Zeit zu sterben“ (derzeitiger Starttermin: 30.9.), noch auf sich warten, doch mit den diesjährigen Oscar-Gewinnern „Nomadland“ (Bester Film und Beste Regie) sowie „Der Rausch“ („Bester nicht-englischsprachiger Film“) stehen gleich zwei Hochkaräter in den Startlöchern. „Das ist das beste Filmangebot seit vielen Jahren“, sagt Felix Graßmann, Leiter des Abaton. „Noch nie war es so einfach, das Programm mit guten Filmen zu füllen. Da hat sich richtig was angestaut.“ Im Juli starten unzählige Filme, die darauf warten, im Kino entdeckt zu werden. Filme die verzaubern, erstau- nen und zum Nachdenken anregen.

 

Aufgehübscht

 

Das Kino muss seine Ausnahmestellung nun unter Beweis stellen. Das wissen die Betreiber in Zeiten des Streaming nur zu gut. Viele von ihnen haben die vergangenen Monate genutzt, um ihre Lichtspielhäuser aufzuhübschen und hochzurüsten. Die Zeise Kinos und das Blankenese Kino ließen nigelnagelneue Soundanlagen mit Dolby 7.1.-Sound der neuesten Generation in ihren Hauptsälen einbauen, das Hansa-Filmstudio in Bergedorf ließ in seinen Toiletten Türen anbringen, auf denen Filmikonen wie Marylin Monroe, Julia Roberts oder Harrison Ford abgebildet sind. Die Kinobetreiber-Familie Jansen hat für alle ihre Kinos (Blankeneser Kino, Studio-Kino, Elbe-Filmtheater und Koralle) neue und modernisierte Websites entwickelt.

„Die Wiedereröffnung bringt uns ein grundsätzliches Gefühl der Freude und ermöglicht emotionale Gemeinschaftserlebnisse vor der großen Leinwand“, sagt auch Hans-Joachim Flebbe, Betreiber der ASTOR Film Lounge und des Savoy. Einen gewissen Groll aufgrund der Ungleichbehandlung hegt er aber noch: „Wir waren die Ersten, die schließen mussten und sind die letzten, die wieder an den Start gehen. Noch einmal wollen wir dies nicht erleben müssen – zumal Kinos immer sichere Orte sind und waren.“ Jetzt heißt es nach vorne schauen und große Emotionen auf der großen Leinwand ermöglichen: „Unser ASTOR wird wie zuvor auch ‚gehobenen Mainstream‘ anbieten. Wir freuen uns, wenn sich das Publikum dazu wieder in den bequemen Sesseln von unserem Team verwöhnen lässt.“

Das Metropolis, das 3001, das Magazin Filmkunsttheater und das B-Movie wiederum bieten ihre kuratierten Filmklassiker und Filmperlen, die ihre Leidenschaft für die Filmkunst und Filmgeschichte zum Ausdruck bringen. In Hamburg gibt es eben für jeden Filmgeschmack ein passendes Angebot. Das macht den Reiz der Kino-Stadt Hamburg aus. „Die Leute haben keine Lust mehr aufs Alleinsein“, so Hans-Peter Jansen. Sohn Nick Jansen, Geschäftsführer und Leiter des Studio-Kino, freut sich auf den Neustart. „Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man ein neues Kino eröffnen. Eine Mischung aus Aufregung, Anspannung und Vorfreude.“ Das Studio-Kino öffnete als eines der ersten, dicht gefolgt von den Zeise Kinos. „Filme sind für die große Leinwand gemacht“, sagt Zeise-Chef Matthias Elwardt. „Wenn man sich die Kameraaufnahmen in ‚Der Rausch‘ ansieht, wie sie komponiert sind, da sieht man das Schauspiel wie unter einer Lupe vergrößert auf der Leinwand. Man kann sich dem Rausch der Bilder einfach nicht entziehen und gibt sich ihnen hin.“

 

Das Kino-Imperium schlägt zurück

 

Es sieht so aus, als könnte das Kino seine mit Abstand schwerste Krise überleben und ein rauschhaftes Comeback erleben. Das Geschäftsmodell Kino hat in dem Moment an Attraktivität gewonnen, als es nicht mehr zur Verfügung stand. Das zeigt auch eine überraschende Ankündigung: Im südlichen Überseequartier (also mitten in der HafenCity), wurden Ende Mai erste Mieter aus dem Bereich Einzelhandel und Unterhaltung für die große, geplante Shoppingmeile bekannt gegeben: ein Legoland Discovery Centre und – man höre und staune! – ein weiteres Premium-Multiplex-Kino mit 10.000 Quadratmetern, zehn Sälen und mehr als 2.300 Sitzplätzen. Es wird das größte Kino Hamburgs sein und das erste Dolby Cinema Norddeutschlands, betrieben von der deutschlandweit agierenden Kette Kinopolis. Das Kino-Imperium schlägt zurück. Also: Licht aus, Film ab!


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#MOINKINO: Kostenlos Hamburger Kinos besuchen

Bei #MOINKINO gibt es zur Wiedereröffnung Freikarten in 16  Hamburger Kinos

Text: Felix Willeke

 

Unter dem Motto „MOIN – Die erste Runde geht auf uns“ startet eine besondere Aktion zur Wiedereröffnung der Kinos. Vom 1. bis 4. Juli 2021 gibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein in insgesamt 50 Filmhäusern Freikarten für eine Vorstellung. „Mit der Kampagne möchten wir den Neustart des Kulturortes Kino zu einem Fest machen und Hamburgerinnen und Hamburger nach der langen Zeit der leeren Leinwände zum ersten Kinobesuch einladen“, sagt der Hamburger Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda.

Das Kontingent an Freikarten ist begrenzt. Tickets gibt es bei den teilnehmenden Kinos, bei NDR 90,3, dem Hamburg Journal und NDR 1 Welle Nord. Aus Hamburg sind folgende 16 Kinos mit dabei:

Unter den gezeigten Filmen sind neben der neuen Komödie „Catweazle“ mit OTTO als verrücktem Magier auch zwei Premieren: Das Animationsabenteuer „Die Olchis – Willkommen in Schmuddelfing“ und die Politsatire „Curveball – Wir machen die Wahrheit“. Beide Filme laufen exklusiv bei der Aktion „#MOINKINO“ und starten erst im Laufe des Sommers in den anderen deutschen Kinos.

 

Seht hier den Trailer zu „Curveball – Wir machen die Wahrheit“

 

Mit der Aktion feiert die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein nicht nur die Wiedereröffnung der Kinos; gleichzeitig läutetet sie ihren eigenen Relaunch ein: Ab sofort heißt es nicht mehr Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, sondern MOIN Filmförderung, das MOIN steht dabei für „Moving Images North“. „Wir möchten für die Bewegtbildbranche in Hamburg und Schleswig-Holstein die bestmögliche Partnerin sein und die besten Filme und Serien in den Norden holen“, sagt Geschäftsführer Helge Albers.


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Film ab: Hamburger Kinos öffnen wieder

Am 17. Juni öffnen die ersten Kinos in Hamburg, der Rest folgt voraussichtlich am 1. Juli 2021

Text: Felix Willeke

 

Ab dem 17. Juni 2021 können die Hamburger:innen wieder ins Kino gehen. Das Studio Kino auf St. Pauli öffnet als eines der wenigen seine Tore und startet mit dem oscarprämierten „Nomadland“ (Bester Film). Darüber hinaus zeigt das Studio Kino das Drama „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ mit Oscar-Gewinnerin Yoon Yeo-jeong, den neuen Film „Der Rausch“ mit dem dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen, den feministischen Dokumentarfilm „Woman“ und die Verfilmung der Animationsserie „Yakari“. Im Studio Kino laufen alle Filme außer Yakari als Original mit Untertiteln.

Neben dem Studio Kino öffnet laut NDR auch die Kinokette UCI in Hamburg seine Pforten. In der Hansestadt müssen Kinobesucher:innen einen negativen Corona-Test vorweisen, alternativ auch den Nachweis einer vollständigen Covid19-Schutzimpfung. Darüber hinaus müssen auch am Platz medizinische Masken getragen werden.

Die restlichen Kinos öffnen voraussichtlich am 1. Juli 2021.


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Das Leben ist ein Wunschkino!

Die Zeise Kinos erwachen als erstes Hamburger Programmkino aus dem Corona-Lockdown und starten das „Wunschkino“. Auch das Freiluftkino ist in Planung.

Text: Isabel Rauhut

 

Ein Kinosaal, ganz für sich alleine? Das geht: Die Zeise Kinos bieten ab Freitag, 28. Mai, das „Wunschkino“ an! Dann kann einer der Kinosäle angemietet, aus einem Angebot von 161 Filmen gewählt und alleine oder als Gruppe mit maximal 50 Personen auf der 60 Quadratmeter großen Leinwand das Kinoerlebnis gefeiert werden. Wie wäre es mit Thomas Vinterbergs „Der Rausch“? Oder dem Oscar-prämierten „Nomadland“? Das ganze Filmangebot und die geltenden Hygienemaßnahmen gibt’s hier.

Während des Lockdowns hat das Zeise eine neue Tonanlage in den Sälen eingebaut – es gibt also besten Dolby 7.1.-Sound in der neuesten Generation.

Kindervorstellungen starten ab 70 Euro für bis zu zehn Personen und Erwachsenenvorstellungen bei 150 Euro für bis zu 15 Personen. Wer sich nach dem Kinoerlebnis sehnt, schreibt eine Mail mit Wunschfilm, Datum, Uhrzeit und Personenanzahl an info@zeise.de.

 

Indoor- und Outdoor-Kinobetrieb

 

Ab spätestens 1. Juli soll auch der reguläre Indoor-Kinobetrieb starten – mit drei Oscar-Filmen: „Nomadland“ (Start: 1.7.), „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ (Start: 8.7.) und „Der Rausch“ (Start: 22.7.). Außerdem haben die Planungen für das Zeise Open Air 2021 begonnen – ebenfalls ab dem 1. Juli soll das Freiluftkino im Innenhof des Altonaer Rathaus wieder möglich sein.

zeise.de


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Wie nachhaltig sind Hamburgs Kulturinstitutionen?

Statements: Was tun Hamburgs Kulturinstitutionen in Sachen Nachhaltigkeit?

Protokolle: Anna Meinke & Erik Brandt-Höge

 

Mike Keller, Markthalle Hamburg

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„Nachhaltigkeit ist für uns mehr als nur Umweltschutz. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz – wir als Unternehmen zeigen im Spannungsfeld von Umwelt, Natur, Wirtschaft und Mensch Verantwortung. So achten wir beispielsweise auf eine nachhaltige Energieversorgung und verringern stets unsere Abfallproduktion.

Außerdem achten wir auf eine flexible Arbeitszeitgestaltung, führen regelmäßig Fortbildungen zu zukunftsrelevanten Themen mit unseren Mitarbeitenden durch und zeigen klare Haltung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Damit können wir einen kleinen Teil zur gesellschaftlichen Transformation in Richtung Nachhaltigkeit beitragen.

Als Kulturbetrieb sind wir systemrelevant für Menschen, das sehen und spüren wir derzeit sehr deutlich. Von daher ist es nur logisch, dass wir uns als bedeutsamer Teil der Gesellschaft im Bereich Nachhaltigkeit engagieren. Kulturschaffende können mit ihrer Arbeit auf Fehlentwicklungen oder Herausforderungen in der Gesellschaft aufmerksam machen und mögliche Lösungen anregen oder begleiten.“

 

Matthias Elwardt, Zeise Kinos

Matthias-Elwardt-Credit-Heike-Blenk

Foto: Heike Blenk

„Kino ist ein nachhaltiges Lebensmittel – und das Zeise Kino hat sich schon früh Gedanken über Nachhaltigkeit gemacht und lokale Partner gesucht. Für unseren Bio-Tee vom Hamburger Produzent Samova und unseren ‚Hey Dude‘-Biokaffee aus Ottensen nutzen wir Gläser mit Henkel. Für Wein und andere Getränke haben wir robuste 0,15-Liter-Gläser. So gibt es bei uns weder Strohhalme, noch Plastik- oder Pappbecher.

Unser Eis kommt von Luciella’s aus Hamburg, und neu ist unser Zeise-Bio-Bier mit eigenem Etikett vom Wildwuchs Brauwerk. Zudem ist unser Kino ein Ort für Filme zu sozialen und Umweltthemen, womit wir zum Nach- und Umdenken anregen wollen. Und wir kommen hier mit Filmemachern sowie lokalen Initiativen ins Gespräch.“

 

Marcel Kummerfeld, Barbarabar

„Alles, was man nachhaltig gestalten kann, ist in der Barbarabar auch nachhaltig. Und wir merken, dass das gar nicht so schwer ist: Auf der Getränkekarte steht das Bio-Bier ganz oben und schmeckt mindestens genauso gut wie ein herkömmliches Bier. Der alternativlose Bio-Wein ist nicht einmal teurer als der konventionelle Wein.

Putzmittel und Handseife ohne Mikroplastik gibt’s in jedem Supermarkt, man muss sich nur dafür entscheiden. Und die Kosten für die neu eingebauten Fenster haben wir durch eingesparte Heizkosten schon wieder rausbekommen. Eine Solaranlage auf dem Dach und Zeitschaltuhren an den Kühlschränken sorgen für ein nachhaltiges Energiemanagement.

Wir machen das aus Überzeugung. Und es zahlt sich aus: Aktuell bauen wir mit unserer neu gegründeten Firma hello sun Solarbau Photovoltaikanlagen zum Beispiel auch für umliegende Bars und andere Gewerbebetriebe – das hält uns während der Pandemie über Wasser, verbreitet den Nachhaltigkeitsgedanken und sorgt für günstige Strompreise in den Betrieben.“

 

AG Nachhaltigkeit des Thalia Theater

„Seit September 2019 widmet sich das Thalia Theater gezielt dem Thema Nachhaltigkeit. Warum? Weil gerade wir als namhafte Kulturinstitution mit mehr als 350 Festangestellten einen Beitrag leisten sollten, wollen und können! Im Rahmen von stets anfallenden Sanierungsfragen wird das Thema Nachhaltigkeit sukzessive brisanter.

Nach einer abteilungsübergreifenden Umfrage zum Ist-Stand sowie den Wünschen und Zielen, die die einzelnen Abteilungen mittel- und langfristig verfolgen, wurde dann die AG Nachhaltigkeit gegründet. In regelmäßigen Abständen treffen sich die Vertreter und Vertreterinnen der Abteilungen und erarbeiten gemeinsam, welche Maßnahmen den Betrieb im Rahmen der ökologischen Nachhaltigkeit weiterbringen, beispielsweise zu den Bereichen Gastronomie, Verkehr, Mülltrennung, Sanierungs- und Baumaßnahmen, Ausstattung und Büroarbeitsplätzen.

Durch monatliche Kampagnen sollen die Mitarbeitenden durch kleine, aber wirkungsvolle Anregungen zur Nachhaltigkeit am eigenen Arbeitsplatz selbst in die Praxis kommen.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Post-Corona-Knigge: Der süße Traum der Normalität

Eine Lockerung des Lockdowns ist in greifbare Nähe gerückt. Vielleicht ist eines Tages dank der Impfungen wieder ein normales Leben möglich. Für den Fall, dass nach so vielen Monaten vergessen wurde, wie ein respektvoller Umgang miteinander aussehen kann, hier eine Anleitung für das Leben in der Stadt

Text: Marco Arellano Gomes

 

Ist tatsächlich schon ein Jahr vergangen? Ein Jahr mit Corona, jenem ominösen, zerstörerischen, tödlichen Virus? Antwort: Ja. Bilanz nach Angaben des Robert Koch Instituts (Stand: 15.2.2021) in Hamburg: 365 Tage, zwei Wellen, zwei Lockdowns, 48.983 Infizierte (bundesweit: 2.338.987), 1.196 Tote (bundesweit: 65.076). Ein Jahr kann eine verdammt lange Zeit sein – und verdammt schlechte Laune machen.

Wer das Virus ernst nahm, wem Gesundheit und das Leben der Mitmenschen bedeutsam waren, wird die eigenen Bedürfnisse in dieser Zeit stark bis komplett zurückgefahren haben. Da kann man schon mal verlernen, wie man sich in Gesellschaft zu benehmen hat. Für den Fall, dass irgendwann durch die Impfungen wieder ein normales Leben möglich sein sollte, gibt es hier eine Anleitung …

 

Shoppingmöglichkeiten in der Innenstadt

 

Zwölf Monate lang bestand das Leben in der Stadt für die meisten Menschen ausschließlich aus Arbeit, Lebensmittel-Einkäufen und Spaziergängen. In der hypothetischen, aber möglichen Post-Corona-Ära gilt es, in einem ersten Schritt vorsichtig zu entdecken, dass es weitere Shoppingmöglichkeiten gibt. Es gibt sogar einen Begriff dafür: Einzelhandel.

Das sind meist einzelne Geschäfte, die auf Teilbereiche spezialisiert sind: Modeboutiquen, Haushaltswaren- und Elektronikgeschäfte, Möbelhäuser, Bauhäuser, Gartencenter, Sport- und Spielzeugläden, Optiker und und und. Es gibt aber auch sogenannte Kaufhäuser, die all diese Aspekte in einem großen Gebäude vereinen. Ähnlich wie Amazon, nur in echt. Mitten in der Stadt – und begehbar.

Das Besondere an diesen Geschäften: Dort arbeiten Menschen, die einen freundlich begrüßen, die beraten und sich im besten Fall tatsächlich auch mit dem auskennen, was sie dort anbieten. Du kannst also als Kunde in diese Geschäfte gehen, darin umherschlendern und Dinge entdecken, die dort liebevoll ausgestellt sind. Dinge, die du im Onlineshop möglicherweise nie gesehen hättest, die auch der beste Algorithmus dir nie auf den Bildschirm gezaubert hätte.

Es kommt aber noch besser: Du kannst dem Verkäufer oder der Verkäuferin sogar Fragen stellen – von Angesicht zu Angesicht. Diese Fragen werden im besten Falle kompetent beantwortet, im schlechtesten Falle mit einem „Keine Ahnung“ quittiert. Das Tolle daran: Du hast die Möglichkeit, dich darüber so richtig zu ärgern und deinen Frust mit Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zu teilen. Nicht per WhatsApp, Facebook und Instagram! In echt, bei einem Besuch zu Hause oder bei einem Treffen im Café oder in einer Bar. Und glaub’ es ruhig: Sich gemeinsam über das Shoppingerlebnis zu ärgern und zu freuen, macht doppelt so viel Spaß.

Die Stadt bietet natürlich viel mehr als nur Shopping. Was genau? Finde es heraus! Geh einfach in die Stadt und schau dich um! Du wirst überrascht sein, was dich dort alles erwartet. Wie man spazieren geht, weißt du ja inzwischen. Nur, dass du diesmal wieder ein lohnenswertes Ziel hast: die Innenstadt.

 

Essen & Trinken – jenseits der heimischen Küche

 

Wenn du nach längerem Schlendern Hunger bekommen sollten, dann musst du nicht extra nach Hause gehen und kochen oder etwas bestellen. Es gibt dafür eigens lokale Institutionen namens Restaurants. Das sind die Räume, in denen seit einiger Zeit die Lichter aus und schemenhaft Stühle auf den Tischen zu erkennen waren.

In diesen Restaurants werden dir Getränke und Speisen serviert. Nein, nicht zu dir nach Hause – im Raum selbst! Du setzt dich an einen der Tische oder wirst von einer Servicekraft dorthin begleitet. Dort sagst du höflich, was du dir von den auf der Karte aufgedruckten Speisen und Getränke wünschst – und der nette Herr oder die nette Dame bringt dir das Gewünschte an den Tisch. Die Menschen, die in der Küche stehen und das Essen für Sie zubereiten, nennt man übrigens Köche. Die haben ihr Handwerk professionell gelernt und können es meist besser als du. Unfassbar, oder?

Da du nicht alleine dort sein wirst, gibt es bestimmte Regeln, die einzuhalten sind. Es beginnt damit, dass du dich nicht wie zu Hause benehmen kannst. Also: keine Jogginghose, kein lautes Aufstoßen und keine Bitte, dieses italienische Gedudel auszuschalten, weil du deine Playlist ja so viel besser findest! Bring auch bitte nicht deine eigenen Zutaten mit!

Noch was: Das Essen kostet. Ein Nachschlag auch. Nachspeisen ebenfalls. Jedes Getränk zusätzlich – und teilweise nicht wenig. Die Menschen, die alles zubereiten und an den Tisch bringen, leben nun mal davon. Ach ja: Wenn wir schon bei den Imperativen sind. Falls du dich fragst, wo du am besten essen gehen solltest: Check unseren Genuss-Guide: genussguide-hamburg.com!

 

Kulturerlebnisse ganz ohne Smartphone

 

Du willst nach deinem Restaurantbesuch ausgehen und etwas erleben? Etwas Großes? Etwas Unvergessliches? Wie wäre es mit einem Film?! Nein, nicht per Stream auf ihrem mickrigen Smartphone, Tablet, Laptop oder Flachbildschirm. Die Rede ist von einem echten Filmerlebnis auf der großen Leinwand, mit bombastischem, glasklarem Sound, mit Emotionen, die man mit allen Zuschauern im Raum teilt. Kurz: im Kino.

Es ist ein Unterschied, ob das Gesicht eines Marlon Brando in „Apocalypse Now“ eine überdimensionale Leinwand füllt oder ein Tablet im Bett, direkt neben der Chipstüte. Um es auf den Punkt zu bringen: Man kann Filme sehen oder sie erleben. Nur im Kino kann der Besucher sich ungestört von Messages, E-Mails und Social-Media-Posts, Anrufen und nervigen Nachbarn dem Film widmen.

Aber auch hier gelten Regeln: Hat man einmal einen Film ausgesucht, muss man diesen auch zu Ende gucken. Es nützt nichts, das Handy zu zücken, auf Stopp zu drücken und die weitere Zeit damit zu verbringen, die unzähligen Netflix-Listen durchzugehen, nur um am Ende festzustellen, dass der Abend schon rum ist. Auch ist es nicht erlaubt, sich selbst sein Popcorn und Getränke mitzubringen. Weingläser und Weinflaschen haben im Kino nichts zu suchen – es sei denn, du sitzt in der ASTOR Filmlounge und eine Servicekraft hat dir das Getränk gegen Bezahlung an den ledernen Luxussessel gebracht. In allen anderen Lichtspielhäusern gibt es Verkaufstresen, an denen Snacks und Getränke zu Preisen erworben werden können, die sich an der Größe der Leinwände zu richten scheinen.

Im Kino gibt es auch eine weitere bewährte Regel, an die man sich nach monatelangem Netflix, Amazon Prime, Disney+ und Apple TV+ gewöhnen muss: Wenn die eigene Freundin oder der eigene Freund zu Hause nicht sonderlich an deinen Zwischenbemerkungen interessiert war, dann kannst du dir sicher sein, dass es sich mit den Kinozuschauern nicht anders verhält.

Zu den im Falle einer wieder erlangten „Normalität“ gehörenden Freiheiten (nicht zu verwechseln mit „Freizeitaktivitäten“!) gehören: Musikkonzerte, Theaterstücke, Literaturlesungen, Kunstausstellungen, Museen, Festivals, Klubs, Sport, Reisen. Du kannst dich auch sozial engagieren, Familie und Freunde in großer Anzahl besuchen und treffen, mit anderen Menschen ins Gespräch kommen, diese kennenlernen, vielleicht sogar mit ihnen ausgehen – ganz ohne Tinder, Parship und Elitepartner.

Und vor allem kannst du dem Nichtstun frönen, was nur dann so richtig Spaß bringt, wenn es in Kontrast zu all den Möglichkeiten und Freiheiten steht, die das Leben in der Großstadt bietet. Irgendwann – das ist die große (Impf-)Hoffnung – wird es wieder so weit sein, auch wenn es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch wie ein süßer Traum erscheint. Aber das Träumen wird ja mal erlaubt sein.


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Schanzenkino gerettet: Open-Air Vorführungen können stattfinden

Gute Nachrichten aus dem Hamburger Westen: Das Schanzenkino hat trotz Corona-Pandemie und Sponsoring-Verbot grünes Licht vom Bezirksamt bekommen und kann sein 21-jähriges Bestehen zwischen Juli und September dieses Jahres feiern

Text: Felix Kirsch

 

Filmfans können Pandemie-konform ab Ende Juli wieder in den Schanzenpark pilgern und Blockbuster sowie Kultfilme genießen. Der Veranstalter Outdoor Cine GmbH freut sich über die Möglichkeit und dankt vor allem den zahlreichen Unterstützern des Open-Air-Kinos: „Turbulente Wochen liegen hinter uns, welche als Drehbuchvorlage für einen spannenden Serienmehrteiler dienen könnte. Es war eine Achterbahn an Emotionen, zahllosen Gesprächen und einem Happy End mit Beigeschmack.“ sagt Dirk Evers, Geschäftsführer und Veranstalter des Schanzenkinos.

 

Sponsoring-Verbot bedrohte wirtschaftliche Existenz

 

Hintergrund für den existenziellen Kampf des Schanzenkinos war ein vom Bezirksamt Eimsbüttel ausgehängtes Sponsoring-Verbot für den Schanzenpark, das die Einnahmen des Kino drastisch reduziert hätte. Eine spezielle  Ausnahmegenehmigung für das Schanzenkino hatten die Grünen in ihrem Beschluss nicht vorgesehen. Für das weitere Bestehen des Schanzenkinos glich das drohende Sponsoring-Verbot einem Super-GAU: „Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf reichen nicht aus, um die Kosten zu decken“, mahnte Dirk Evers Anfang des Jahres.

Dass man nun doch eine Einigung erzielen konnte, freut die Veranstalter ebenso wie Fans von Film und Kultur: „Nun kann das Open-Air-SchanzenKino in diesem Jahr sein 21-jähriges Bestehen feiern. Im Vorjahr waren wir als Freiluftkino so ziemlich die einzige große Kulturveranstaltung in Hamburg, die trotz der Corona-Pandemie unbeschwerte und sichere Filmabende unterm Sternenhimmel anbieten konnte.“ Das Schanzenkino beginnt mit den Vorstellungen am 31. Juli 2021 und gastiert bis zum 31. September im Schanzenpark.

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Open-Air-Kino: Schanzenkino vor dem Aus?

Das Bezirksamt Altona könnte nach einer Vorlage der Grünen das Sponsoring im Schanzenpark komplett untersagen. Damit fiele eine wichtige Finanzierungsquelle des Veranstalters weg. Droht das Ende des Schanzenkinos?

Text: Marco Arellano Gomes

 

Man stelle sich vor, es ist Sommer, aber das Schanzenkino ist weg. Dieses vor Kurzem noch undenkbare Szenario könnte dieses Jahr Wirklichkeit werden, denn aufgrund eines Antrags der Grünen plant das Bezirksamt Altona Sponsoring in Parkanlagen gänzlich zu untersagen.

Zwar gilt in öffentlichen Parkanlagen seit einer Verordnung von 1975 grundsätzlich die Regel der Werbefreiheit, doch für das Open-Air-Kino im Schanzenpark gab es seit knapp 20 Jahren von Jahr zu Jahr eine Ausnahmeregelung seitens der Bezirksverwaltung. Eine solche Ausnahmeregelung ist in der entsprechenden Verordnung auch explizit vorgesehen.

 

Wirtschaftliches Überleben

 

Für 2021 sieht die Beschlussvorlage der Grünen jedoch vor, die Ausnahmegenehmigung nicht mehr zu erteilen. Das hätte gravierende Folgen für das Schanzenkino. „Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf reichen nicht aus, um die Kosten zu decken“, betont Dirk Evers, Betreiber von der Outdoor Cine GmbH. Die Entscheidung würde das Aus für das Open-Air-Kino bedeuten – und das „in einer Zeit, wo die Kino- und Veranstaltungsbranche um das wirtschaftliche Überleben kämpft“.

Etwa 20.000 Besucher finden sich Jahr für Jahr im Schanzenpark unter dem Sternenhimmel wieder, um gebannt auf die Leinwand zu schauen und bei einem guten Film den Feierabend oder das Wochenende zu genießen. Damit könnte bald Schluss sein. Für viele ist das ein Horror-Szenario. Denn das Schanzenkino ist eine Veranstaltung mit Kultcharakter – mit dem Angebot vom Blockbuster bis zu Independentfilmen.

Das Open-Air-Kino „finanziert sich ohne jede Förderung der öffentlichen Hand komplett aus Abendkasseneinnahmen und Sponsorengeldern“, sagt Evers. „An guten Tagen decken die Erlöse des Ticketverkaufs alle Kosten, doch bei schlechtem Wetter sieht es anders aus“. Diese Lücke würde durch die Sponsoren- und Werbegelder in Höhe von 80.000 Euro gefüllt. Allein mit der Werbung auf der Leinwand – die dem Beschluss zufolge noch immer erlaubt wäre – kann dies nicht gegenfinanziert werden. Es drohten drastische Erhöhungen der Ticketpreise – was von den Besuchern wohl kaum auf Akzeptanz stieße.

 

Kein Verständnis

 

Nach Angaben des Betreibers wird die Außenwerbung tagsüber ohnehin mit Planen abgedeckt und nur unmittelbar vor den Aufführungen sichtbar gemacht. Evers hat daher kein Verständnis für die Entscheidung des Bezirksamts. „Ich bin entsetzt. Der Film- und Kinokultur wird ein weiterer, diesmal bürokratischer Knüppel zwischen die Beine geworfen, der ihr Überleben zusätzlich gefährdet.“

Evers vermutet, dass es auch mit dem Disput im vergangenen Jahr bezüglich des Autokinos auf der Trabrennbahn zwischen ihm und der derzeitigen Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) zusammenhängen könnte. Im vergangenen Sommer wurden die Grünen von einer Mehrheit von SPD, CDU, FDP und Linken überstimmt. Das Autokino durfte betrieben werden. Ist das nun die Retourkutsche? Evers gibt zu, dass es sich um eine reine Spekulation handelt.

Die Zukunft des Open-Air-Schanzenkinos ist nun jedenfalls offen. Evers plant bereits Aktionen, um das Überleben des Open-Air-Kinos zu sichern und hofft auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung und eine Stellungnahme seitens der Hamburger Behörden, insbesondere der Kulturbehörde.

Am Donnerstag, 14. Januar,  kommt der Hauptausschuss im Bezirksamt Altona zusammen. Auf der Tagesordnung stehen auch die „Veranstaltungen in Grünanlagen“. Dort werden die bis Ende vergangenen Jahres eingegangenen Konzepte für die Nutzung der Parkflächen im Schanzenpark im Sommer 2021 besprochen. Für das Freilichtkino gibt es auch einen weiteren überraschenden Bewerber: Das 3001 Kino aus der Schanzenstraße. Das will wohl gänzlich ohne Sponsoring auskommen. Die Entscheidung, welcher Veranstalter den Zuschlag für das Freiluftkino erhält, ist offen.


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