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Mundhalle: Handwerk und Kunst in der HafenCity

In der Mundhalle in der HafenCity ist eine breitgefächerte Interessen- und Arbeitsgemeinschaft aus 60 Akteuren aus den Bereichen Kunst, Handwerk, Technologie und Design tätig. Im Rahmen des Kultursommers findet die vielfältige Veranstaltungsreihe „LIFT ON LIFT OFF“ statt

 

Ursprünglich in einer Werkhalle in Rothenburgsort beheimatet, hat sich der Verbund der Genossenschaft Mundhalle eG nach der Gründung 2017 schnell zu einer umfangreich vernetzten und solidarischen Gemeinschaft entwickelt und ist Anfang 2021 in die HafenCity gezogen. Das berufliche Spektrum der vor Ort Beteiligten reicht von Studierenden über Soloselbstständige, Freiberufliche oder Handwerksmeister:innen, bis hin zu Unternehmer:innen. Das gemeinsame Anliegen ist es, selbstverwaltete Gestaltungs- und Arbeitsräume zu schaffen, die innerstädtisch angebunden, langfristig verfügbar und auch finanziell tragbar sind.

Während des Kultursommers lädt die Mundhalle eG zum Kulturfestival LIFT ON LIFT OFF ein. „Lift On, Lift Off“ beschreibt das Be- und Entladen von Containern mittels eines externen Krans und steht kurz („LoLo“) als Fachbezeichnung für den Großteil der Frachtschiffe auf den Weltmeeren.

 

Kultur-Container

 

Die Mundhalle eG mit ihren rund 60 Mitgliedern aus den Bereichen Handwerk, Bildende Kunst, Technologie und Design befindet sich bis Ende 2022 im ehemaligen Kreuzfahrtterminal in der HafenCity, dessen Architektur aus ebensolchen Überseecontainern besteht. Der temporäre Standortwechsel ins Entwicklungsgebiet „Überseequartier“ sei eine Herausforderung in ungewöhnlicher Umgebung für die junge Genossenschaft, so Insa, teil der Genossenschaft und Grafikerin mit Arbeitsplatz in der Mundhalle. Der neue Standort öffne durch seine spannungsgeladenen Kontraste zwischen der HafenCity als größte Baustelle Hamburgs, fertiggestellten Architekturvisionen und dem andauernden Frachtverkehr des Hafens, Freiräume für künstlerische Auseinandersetzungen, so die Grafikerin weiter.

 

Sound und Simulation

 

In diesem Sinne werden sowohl die Außen- als auch die Ausstellungsfläche des Terminals vom 22. Juli bis zum 04. August 2021 von Künstler:innen und Performer:innen der Mundhalle in einen Raum für wechselnde Ausstellungen, Performances und künstlerische Workshops verwandelt, welche in engem Bezug zur Umgebung stehen: Die Soundinstallation KEIN SCHIFF leitete mit einer Schiffshorn-Simulationsanlage lautstark den Beginn des Kulturevents ein. 

Das städtebauliche und landschaftsgärtnerische Werk der neuen HafenCity wird unter anderem auf dem Kunstspaziergang „Hafenpipi“ auf alternative Ideen und Konzepte der Erleichterung untersucht. Ebenfalls mit der urbanen Vegetation der Umgebung befasst sich der künstlerische Workshop „Nachtgärtnern – I would prefer not to“, der nur bei Dunkelheit und schlechtem Wetter stattfindet. An Fahnenmasten neben dem Terminal hinterfragt die flüssige Installation „dissolve“ die Bedeutsamkeit nationaler, image- und identitätsstiftender Symbolik.

Kinder und Erwachsene können sich im Voraus per Mail für eintägige Workshops anmelden um gemeinsam mit den Künstler:innen eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Für das künstlerische Programm muss keine Voranmeldung getätigt werden. Die Teilnahme und der Besuch der Events ist kostenlos. Auch außerhalb der Programmpunkte kann von 12:00 bis 22:00 Uhr täglich an der neu gestalteten, öffentlichen Freifläche am Chicagokai verweilt werden.


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Carsten Brosda: „Wir müssen unsere Geschichten besser erzählen“

Mit Unterstützung der Hamburger Band Das Weeth Experience trat Kultursenator Dr. Carsten Brosda im Rahmen des Kultursommers auf der Rollschuhbahn Planten un Blomen auf und laß aus seinen Schriftstücken vor

Text: Isabel Rauhut

 

Den sommerlichen Freitagabend am 23. Juli auf der Bühne an der Rollschuhbahn Planten un Blomen eröffnet die Band Swearing at Motorists. Nach einer gerissenen Gitarrensaite und guten Sprüchen betritt im Anschluss an die Vorband Carsten Brosda mit Band die Bühne. Hamburgs Kultursenator ist neben seiner politischen Arbeit auch als Schriftsteller tätig. Drei Bücher zum Stand der Republik, Kunst, zum Thema Digitales und Rechtsautoritäres hat er bereits veröffentlicht. Carsten Brosda laß dem Publikum im Rahmen der Konzertreihe „Knust2go“ beim Kultursommer Hamburg mit musikalischer Begleitung von Das Weeth Experience vor.

 

Musik und Literatur

 

Der Plan, Improv-Instrumentalmusik simultan mit einer Lesung zu kombinieren, entstand während des Frühjahr-Shutdowns 2020. Das Weeth Experience ist die Band der beiden Michelle Records Macher Christof Jessen und Andre Frahm – dem Hamburger Plattenladen in dem sich Herr Brosda beim Plattenstöbern gern mal vom Regieren erholt. Und da kommt man dann beim Schnacken auf künstlerische Ideen.

Gegründet in den frühen 1990er Jahren war die Hamburger Band Das Weeth Experience auf der ganzen Welt unterwegs. Mehrere US-Tourneen führten zu Freundschaften mit Bands wie Yo La Tengo oder Giant Sand. Bands, mit deren musikalischem Ansatz sich die Band eher verbunden fühlte, als mit vielem Heimischen. Aktuell ist eine fünfte Platte in Vorbereitung.


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Kabinett der Kuriositäten: 1. Internationales Spielbudenfestival

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich am heutigen Herz der Reeperbahn Gaukler mit ihren hölzernen Buden nieder. Das 1. Internationale Spielbudenfestival ließ diese Zeiten vom 23. bis zum 25. Juli wieder aufleben: Feuerkünstler, Magier und „Gummimenschen“ lockten drei Tage lang nach St. Pauli

Fotos: Jérome Gerull

 

Vergnügen und St. Pauli sind nirgendwo so traditionell verknüpft wie am Platz an der Reeperbahn. Die Corny Littmann-Stiftung holt mit dem erstmals veranstalteten Internationalen Spielbudenfestival vergangenes Flair für ein Wochenende zurück auf den Kiez: Ein buntes Treiben dargeboten von internationalen Künstlern erwartete die Besucher am Wochenende.

Sympathische Freaks und kuriose Gestalten zogen das Publikum mit waghalsiger Artistik, verblüffenden Tricks und zauberhafter Magie in ihren Bann.

 

Eine Galerie der Akteure:

 

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Shakespeare in den Wallanlagen: „Der Sturm“ im Ententeich

Das frisch gegründete Theater Ensemble U3 bringt gleich zwei Stücke des englischen Dichters in die innerstädtische grüne Lunge Hamburgs. „Ein Sommernachtstraum“ und „Der Sturm“ von William Shakespeares laufen bis Ende August 2021 in Planten un Blomen – inszeniert mit erfahrenen Schauspieler:innen als Picknick-Aufführungen für laue Sommerabende

Text: Kevin Goonewardena

 

Auch wenn die Corona-Pandemie überwiegend negative Auswirkungen auf unser aller Leben hat, einige der Ideen sich mit diesen Umständen zu arrangieren, werden hoffentlich auch dann Bestand haben, wenn ein Ende der Pandemie erreicht ist. Das im vergangenen Jahr kurz nach dem ersten Lockdown konzipierte und später im Sommer aufgeführte Theaterprojekt „Sommernachtstraum auf St. Pauli“ ist der Grundstein einer solchen Idee.

Der daraus hervorgegangene Verein U3 Theater-Oper-Musical e.V. hat es ich zum Ziel gesetzt, Kultur für alle in Hamburgs Parks und an öffentliche Orte zu bringen. Für manch eine:n angsteinflößende Institutionen zu schaffen, die Interaktion zwischen Schauspieler:innen und Publikum zu fördern, genauso wie den darstellerischen Nachwuchs oder die Diversität in der Besetzung der Stücke – edle Vorhaben, auch unabhängig von einer pandemischen Notlage.

 

Minimalistisches Setting

 

Für „Der Sturm“, den Stoff Shakespeares um das Schicksal des Zauberers Prospero und seiner Tochter Miranda, wählte Regisseur Hartmut Uhlemann ein schlichtes Setting in den Wallanlagen, bei dem die Niedrigschwelligkeit des Konzepts nicht nur durch den Verzicht einer (mobilen) Bühne unterstrichen wird, sondern auch durch die sporadische aber durchaus pointierte Verwendung von Kulissen, Requisiten und Kostümen – etwa, wenn Caliban, der Sohn der Hexe Sycorax, durch den Ententeich watet, zuerst versteckt in einem kleinen Spielhaus für Kinder aus Plastik, wie es manch eine Familie im Garten stehen hat. Das geschaffene Theatererlebnis hat dadurch nicht nur wenig mit dem Besuch einer klassischen Spielstätte zu tun, der Regisseur lenkt naturgemäß und gewollt den Fokus auf sein hochkarätig besetztes und spielstarkes Ensemble.  

 

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Foto: Jérome Gerull

 

Auf dem Hang am Ententeich auf Campingstühlen oder gleich auf der mitgebrachten Decke inklusive Korb mit Brot und Wein, lässt sich verfolgen, wie Prospero nach der Vertreibung aus Mailand durch seinen Bruder zuerst auf eine Insel flüchtet, um sich dann mit seiner Tochter Miranda seinen Feinden stellt und nach wiederhergestellter Ehre schließlich zurückkehrt.

Uhlemann, der seit 1995 als freier Regisseur tätig ist, als Autor mehrere Theaterstücke verfasste und auch als Schauspieler auf diversen Bühnen stand und in mehreren Fernsehfilmen und -serien der öffentlich-rechtlichen Programmen zu sehen war, inszenierte nicht nur den Verein U3 Theater-Oper-Musical e.V. im letzten Jahr, sondern konnte ein Ensemble von ebenso hochkarätigen Schauspieler:innen mit jahrelanger Bühnen, Film- und Fernseherfahrung, wie hoffnungsvollen Talenten zusammen stellen, etwa Shari Streich (die Prosperos Tochter Miranda spielt) oder Yasemin Cec (Antonia & Stephano), die erst kürzlich ihre Schauspielausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

 

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Foto: Jérome Gerull

 

Viele der Darsteller:innen sind wie Uhlmann selbst mit dem Ernst Deutsch Theater in Mundsburg verbunden. Beeindruckend performen vor allem Ulrich Bähnke, der die Rolle des Caliban übernahm, und Prospero selbst, hier dargestellt von Udo Jolly, dessen Vita nicht nur mehrere abgeschlossene Musik- und Schauspielausbildungen aufweisen, sondern auch cairca 50 Film- und Serienarbeiten für das Fernsehen, darunter internationale Kinoproduktionen. Die unerwähnten Kolleg:innen der hier Genannten fallen, und das sei explizit festgehalten, keineswegs in ihrer Leistung signifikant ab.

 

Theater für alle

 

Man muss zu  Shakespeares-Sprache einen Zugang haben, auch den Stoff zu kennen schadet natürlich nicht – obgleich jede Inszenierung, jedes Ensemble ein Stück anders auf die Bühne bringt. Wer das tut, aber auch, wer sich erstmals oder wieder an die Darstellungsform Theater heranwagen möchte und bisher immer vor der Schwere der Institutionen, dem vermeintlich oder tatsächlich anwesenden Fachpublikum, des unausgesprochenen Dresscodes, der Etikette oder einem anderen tatsächlichen oder fälschlicherweise angenommenen Aspekt im letzten Moment daran gehindert wurde, eine Theaterkarte zu lösen, kann sich auf das U3-Ensemble ganz gefahrlos einlassen. 

Und natürlich die, die einfach nur einen lauen Sommerabend im Park bei Unterhaltung auf der Picknick-Decke genießen wollen. Vor Überlänge braucht man ebenfalls keine Angst zu haben – die Inszenierung von „Der Sturm“ dauert gerade einmal 75 Minuten. Das Stück wird noch bis zum 3. August täglich um 20:30 Uhr im Rahmen des Kultursommers in den Wallanlagen gezeigt. 

Das Ensemble des U3 Theater-Oper-Musical e.V. führt noch bis Ende August „Ein Sommernachtstraum“, in anderer Besetzung, am großen Kinderspielplatz in Planten un Blomen auf. Das Stück läuft auch zeitweise im Volkspark.

u3-theater.de


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Vol. 2: Eine sommerliche Kulturwoche voller Ideen

Damit die Woche gut im Voraus geplant werden kann, gibt es hier eine Auflistung an Highlights, die diese Woche im Rahmen des Kultursommer Hamburgs stattfinden

 

Der Kultursommer Hamburg bietet über vier Wochen mehr als 1300 Veranstaltungen in der ganzen Stadt verteilt an. Damit da nicht der Überblick verloren wird, haben wir uns durchs Programm gelesen und empfehlen hier tägliche Events in der Vorschau, damit die Woche mit Calls, Kindern und kleinen Katastrophen gut geplant, genossen und vieles mitgenommen werden kann!

 

26. Juli 2021

Das Gängeviertel macht den Montag bunt und laut: Verschiedenste Singer/Songwriter werden Open Air auf der großen Bühne im historischen Wohnquartier spielen. Der spätere Abend steht dann ganz im Zeichen von Drum and Bass. Wem es also die letzten Monate zu leise in der Stadt war, der ist heute im Gängeviertel bestens aufgehoben. Für den Einlass ist ein negativer Corona-Schnelltestest (nicht älter als 48 Stunden) oder ein PCR-Tests (nicht älter als 72 Stunden) zwingend notwendig.

 

27. Juli 2021

Der Dienstag eignet sich perfekt um die MS Artville Kunsttage zu besuchen. Workshops und Get-Togethers mit Künstler*innen und Dozent*innen stehen hier auf dem Programm. Es darf philosophiert, experimentiert und gespielt werden. Am Dienstag ist zum Beispiel das Performance-Kollektiv wirvier am Start und fragt: „Wenn du Superkräfte haben könntest, welche wären das?“ Also nichts wie raus nach Wilhelmsburg und selbst kreativ werden. Eine Anmeldung per Mail an info@msartville.de ist erforderlich. Alle wichtigen Infos und Termine stehen auf der Homepage vom MS Artville.

 

28. Juli 2021

Vom 27. Juli bis zum 12. August zieht die Astra Stube in den Schanzenpark. Der kleine Kultclub von der Sternbrücke wird an zehn Abenden im Schrödingers Open Air zeigen, was die Astra Stube ausmacht. Ein extrem vielfältiges Programm gehört auf jeden Fall dazu. Freuen kann man sich zum Beispiel auf Punk, Pop und Poetry Slam. Aber auch Singer/ Songwriter und Comedy werden nicht fehlen.

Am Dienstag, 28. Juli, kommt jemand ins Schrödingers, der beides vereint: Pensen Paletti, Frontsänger der beiden Hamburger Bands „Das Pack“ und „Monsters of Liedermaching“ ist bekannt für Refrains zum mitgrölen und guten Humor. Um abendfüllend zu unterhalten, braucht er nur seine Gitarre.

 

29. Juli 2021

Das Theaterschiff Hamburg und die Katharinen-Kirche haben sich zusammengetan und mitten im Katharinen-Viertel eine Open Air-Bühne aus der Erde gestampft. Im Rahmen des Kultursommers wird Hamburg also um eine weitere Spielstätte bereichert. Da die beiden Institutionen miteinander harmonieren, soll die Kooperation auch in Zukunft die Altstadt beleben.

Am Donnerstag, 29. Juli, kommt die gefeierte Theatergruppe Hidden Shakespeare für ihren einzigen Sommerauftritt zur Theaterschiff Open-Air am Katharinenkirchhof 1. Die Gruppe macht Impro-Thetaer seit fast 30 Jahren. Jeder Abend mit Hidden Shakespeare kann immer mal wieder eine Wendung annehmen, denn auch Ideen aus dem Publikum wird hier gerne mal zum ausgewachsenen Drama und gestalten das Theater. Unterhaltung ist dabei garantiert!

 

30. Juli 2021

Vorhang auf und Bühne frei fürs Wochenende und das Theater Open Air auf dem Rathausmarkt! Abwechslungsreiche Theaterveranstaltungen finden hier vom 30. Juli bis 8. August unter freiem Himmel statt. Mit dabei sind viele Hamburger Theater, die Kinderstücke, Improvisationstheater, Schauspiel und Tanz vorführen.

Den Startschuss macht heute der Kabarettist Frowin. 2002 sorgte seine Oper „Angela“ für internationales Aufsehen – seit 2010 hat er sich als „Kanzlerchauffeur“ in 50 TV-Sendungen, drei Solo- und Duo Programmen immer wieder an der mächtigsten Frau der Welt abgearbeitet. Beim Theater Open Air inszeniert er einen Rückblick, Ausblick und eine Trauerrede für Angela Merkel.

 

31. Juli 2021

Endlich wieder Festival: Am Samstag kommt die La Fête Surprise in den Wilhelmsburg Inselpark. Unter anderem auf der Freilichtbühne, haben die Hamburger Indie-Künstler:innen die Möglichkeit nach langer Zeit wieder vor Publikum zu spielen. Eingeladen werden sie vom Hamburger Independent Label La Pochette Surprise Records. Das Musiklabel ist seit diesem Jahr auf der Elbinsel zu Hause und das Festival im Rahmen des Kultursommers ist daher natürlich eine besondere Herzensangelegenheit. Am Samstag treten unter anderem Future Prawn, Jack Dalton & the Cactus Boys und Dunya auf. Alle Konzerte sind kostenlos. Um Anmeldung unter https://www.lapochettesurprise.de/la-fête-surprise wird gebeten.

 

01. August 2021

Ausklingen lässt sich die Woche immer gut im Winterhuder Stadtpark beim Stadtpark Open Air. Diesen Sonntag wird es funkig: Der Baltic Soul Weekender kommt erstmals und einmalig nach Hamburg. Seit Jahren gehört es zum Besten, was die deutsche Festivallandschaft zu bieten hat. Vor allem die Genre Soul, Funk und Disco aber auch HipHop, Jazz und Reggae sind hier vertreten. Seit 2017 ist das Musikfestival aus der europäischen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. In Hamburg mit dabei sind Mirko Machine, Crout, Supergid, Dj Saudy und Dan D. Kostenlose Tickets gibt es unter www.stadtparkopenair.de zu ergattern.


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„Fahr ein schöneres Hamburg“ auf dem Kultursommer

Fitte Beine, besseres Klima und mehr Sicherheit: Fahrradkampagne „Fahr ein schöneres Hamburg“

 

Hamburg will Fahrradstadt werden und die Anfänge sind gemacht. Inzwischen wissen wir alle: das Rad ist das perfekte Verkehrsmittel um die Stadt zu entdecken und schnell, unkompliziert und umweltbewusst von A nach B zu kommen. Perfekt auch, um den Kultursommer zu genießen und von einer Veranstaltung zur nächsten zu radeln. So entfällt auch die lästige Parkplatzsuche und der Besuch des Kultursommers ist gleich viel entspannter. Mit der Kampagne “Fahr ein schöneres Hamburg” macht die Stadt momentan auf den eingeschlagenen Weg hin zur fahrradfreundlichen Stadt aufmerksam.

 

Fahrradinfrastruktur

 

Tattoo- Fiete, Fahrrad-Testimonials wie der Blödel-Barde Otto, die “lächelnde Kreuzung”, der ÖPNV-Knoten und Fahrradparkhaus Kellinghusenstraße und Hamburgs erste „Protected Bikelane“ im südlichen Harburg, all diese Projekte stärken die städtische Fahrradinfrastruktur und werden über die Kampagne bekannt gemacht. Mit Spaß Radfahren lernen und dabei sicher ans Ziel kommen, können derweil Kids diesen Sommer ab dem 22. Juli auch beim Erlebnis-Parcours „Fiete und der Schatz der Speichenstadt“.

Im Kultursommer ist aktuell das Fahrradfahren sehr empfehlenswert. Die vielen Bekannten und auch unbekannteren Locations lassen sich im Rahmen des Kultursommer Hamburgs prima als Fahrradtour mit Kultur-Highlights planen. Tschüss Parkplatzsuche, hallo Kulturrausch!

 

Kultursommer-Reporterin Daphne war schon etwas mit dem Bike unterwegs:

Mehr radfreundliche Informationen zu den Aktionen gibt es auf fahrrad.hamburg


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Elbtonal Percussion: Mit Schlagwerk um die Welt

Das Hamburger Schlagwerk-Ensemble Elbtonal Percussion nahm die Zuschauer:innen beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air mit auf eine klangliche Reise um die Welt

Text: Felix Willeke

 

Nur Trommeln, das füllt einen Konzertabend? Ja, und wie. Aber zuerst ist wichtig zu wissen: Elbtonal Percussion trommelt nicht. Jan-Frederick Behrend, Sönke Schreiber und Francisco Manuel Anguas Rodriguez sind Schlagwerker. Das heißt egal ob Vibrafone, Gongs, Trommel, zweckentfremdete Alltagsgegenstände oder eigenartige Trash-Instrumente, Elbtonal Percussion machen Musik mit allem und auf allerhöchstem Niveau. Normalerweise treten Elbtonal Percussion als Quartett auf, am 20. Juli 2021 stehen sie jedoch als „Spezial Trio“ auf der Bühne. Beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air im Rahmen des Kultursommer Hamburgs nimmt das Ensemble die Zuschauer:innen mit auf eine Reise durch die Welt der Schlagwerke.

 

Zarte Klänge und starke Bilder

 

Los geht es in Japan: Ausgestattet mit Marimbas, chinesischen Trommeln und vielen weiteren Schlagwerken führen Elbtonal Percussion die Zuschauer:innen in die klangliche Vielfalt des fernöstlichen Landes. Die Marimba wird dabei mit derartig viel Gefühl und Emotionen gespeilt, dass schon vom ersten Moment an auf dem Platz alle gebannt lauschen. Der Rhythmus der großen Trommeln ist dabei zusätzlich am ganzen Körper zu spüren. Wer vor Konzertbeginn dachte, es bräuchte mehr Instrumente oder gar Gesang, ist spätestens jetzt vom Gegenteil überzeugt. Das Ensemble holt aus jedem Instrument das Maximale heraus: Von leisen, hohen, zarten Klängen bis hin zu imposanten, tiefen Rhythmen, die die Zuschauer:innen bis in den Bauch hinein spüren.

Elbtonal Percussion beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air ©Andreas Hornoff

Elbtonal Percussion beim Elbphilharmonie Hope ’n’ Air; Foto: Andreas Hornoff

Die Reise um die Welt führt weiter nach Serbien. Zwei Marimbas sorgen für anspruchsvolle und ineinander fließende Melodien, bei denen sich metaphorisch ein Bach in einen reißenden Strom verwandelt. Am Ende geht es dann nochmal zurück nach Japan. Begleitet von zwei chinesischen Trommeln spielt einer der Drei ein Solo auf der Marimba und die Mal­lets – die Schlägel der Marimba – fliegen dabei regelrecht über das Instrument. Das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe, in der das Ensemble dann noch seinen Humor unter Beweis stellt: Als Köche verkleidet kehren sie zurück und schlagen rhythmisch auf alles, was ihnen vor die Kochlöffel kommt. Diese Reise durch die Klangwelt hat nicht nur Spaß gemacht, sie lohnt sich auch immer wieder.

elbphilharmonie.de/hope-n-air


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Waldinsel-Lasterkonzerte: Musik auf vier Oldtimer-Rädern

Musik von heute auf einem LKW von gestern

Text: Felix Willeke

 

Nach Kirchdorf-Süd, Allermöhe, in den Elbpark Entenwerder oder auf den Fähranleger Teufelsbrück – die Waldinsel-Lasterkonzerte bringen Musik in alle Ecken der Stadt. Der legendäre Laster von Kim Senger blickt auf eine lange Karriere zurück: als Möbeltransporter, Zirkuslastwagen, Zuhause für eine Familie, als Tourbus und Wohnmobil – und schließlich als mobile Bühne und rollendes Aushängeschild der Waldinselbühne.

Vom 20. Juli bis 15. August fährt die mobile Bühne auf dem ausgebauten Mercedes Benz LKW von 1970 im Rahmen des Kultursommer Hamburgs an die verschiedensten Orte der Hansestadt. Die Künstler:innen spielen vor dem Laster oder vom Dach des Fahrzeugs in circa 3,60 Meter Höhe, das Publikum versammelt sich um den Laster.

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Foto: Jérome Gerull

Bands wie Puder, das John Winston Berta Trio oder FRINK spielen dann luftige und einzigartige Gigs auf dem Dach des Lasters. Am 20. Juli sind Kraus aufgetreten und haben mit ihren Indie-Rock-Songs den Schulhof des Bildungs- und Gemeinschaftszentrums Süderelbe beschallt. Stark war das!

Der Eintritt ist bei jedem Konzert bis auf das Finale am 15. August auf der ehemaligen Wilhelmsburger Reichsstraße, frei, um eine Spende wird gebeten.

waldinsel.com


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Richard von der Schulenburg: Über Orgelmusik

Richard von der Schulenburg ist als RVDS als Techno und House-DJ unterwegs – beherrscht aber auch die Orgel sehr gut und spielt im Rahmen des Kultursommers Hamburg ein Konzert mit dem besonderen Instrument

Text & Interview: Kevin Goonewardena

 

Vor mehr als zwanzig Jahren begann die Karriere des Musikers Richard von der Schulenburg in Hamburg an der Orgel – in der legendären Meanie Bar des alten Molotow spielte sich von der Schulenburg von ABBA bis Zappa je einen Abend durch das Werk bekannter Künstler:innen, deren Texte er vorher ins Deutsche übersetzt hatte.

Mittlerweile als DJ und House Music-Produzent RVDS, Mitglied der Jazz-Band 44HZ Trio von Jacques Palminger, Theatermusiker und sogar sein eigener italienischer Zwillingsbruder Riccardi Schola als Italo Disco-Musiker umtriebig unterwegs, kehrte Richard für einen Abend an die Orgel zurück. Auf dem Vorplatz der Hauptkirche St. Katharinen zeigte er am Abend des 19. Juli einmal mehr, dass er nicht nur ein versierter Musiker, sondern vor allem auch veritabler Entertainer Ist. Ein Gespräch über Orgelmusik.

 

SZENE HAMBURG: Richard, die Orgel taucht immer wieder in deiner Karriere auf. Deine erste Veröffentlichung überhaupt (Top Banana Richard – „Die Meanie Bar Orgel 7”) versammelt Orgel-Versionen bekannter Popsongs, auch die Musik der Hamburger Schule-Band Die Sterne, bei der du fast zehn Jahre aktiv warst, zeichnete den Einsatz dieses Instruments aus. Erinnerst du dich noch an deine erste Berührung mit der Orgel?

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Foto: Jérome Gerull

Richard von der Schulenburg: Mein Onkel hatte damals in den 1970er Jahren eine Heimorgel bei sich zu Hause rumstehen, zu der Zeit war das gar nicht so ungewöhnlich, viele Familien besaßen damals ein solches Instrument. Diese Heimorgel hatte einen Begleitcomputer, das heißt der Rhythmus war vorgegeben, dazu hat man dann improvisiert – das fand ich als kleines Kind natürlich sofort total super.

Hast du das Orgelspiel dann im Anschluss richtig erlernt?

Nein, nur Klavier. In einem konservativen Elternhaus hat man Klavier, Geige oder Cello gelernt.

1995 bist du aus dem Raum Bielefeld nach Hamburg gezogen, hast zuerst in Bands wie Top Banana Trio und Soup de Nüll gespielt, ab Ende der Neunziger dann Solo Musik gemacht und begonnen in der damals noch existierenden Meanie Bar im Molotow die schon angesprochenen Themenabende mit Coversongs an der Orgel zu organisieren. Wie kam es dazu?

In der Meanie Bar gab es damals eine Orgel und als ich die damalige Besitzerin fragte, ob ich auf der mal spielen könne, hat sie gesagt, ich solle doch ein Konzert mit der Orgel geben. Das habe ich dann auch gemacht, der Orgel ein Lied gewidmet und so kam dann eins zum anderen. Man muss dazu aber auch sagen, dass das Instrument damals noch viel präsenter bei den Leuten war. Die Siebziger waren noch nicht lange her, viele kannten die Heimorgeln von Zuhause. Es existierten mehr funktionstüchtige Orgeln. Ich erinnere mich auch an einen mittlerweile legendären Orgelwettbewerb in Hamburg.

Erzähl …

Das war 1999 und ich glaube, da haben auch alle gespielt, die man so kennt. Felix Kubin, Carsten (Erobique, Anm. d. Red.) Meyer, Viktor Marek …

Viktor Marek hat glaube ich den ersten Platz gemacht, ich wurde disqualifiziert weil ich mit der Nase gespielt habe. Es gab richtige Hürden, man musste ein Stück covern, ein Stück präsentieren und man hatte ein Pflichtstück, weclhes man spielen musste. Nixe von den Mobylettes hat das moderiert.

 

„Die Orgel ist eine Art analoger Synthesizer“

 

Was fasziniert dich an der Orgel?

Ich verstehe die Orgel als eine Art analogen Synthesizer. Die Pfeifen und die Register, die es bei der Orgel gibt, waren natürlich etwas total Neues und Spannendes. Etwas, das es beim Klavier nicht gibt, im Gegensatz zu den Tasten. Der Klang wird durch den Luftstrom, den der Organist durch die Pfeifen ziehen lässt, erzeugt. Das fasziniert viele Leute, wie etwa Phillip Sollmann (alias DJ & Produzent Efdemin, Anm. d. Red.), der zusammen mit Konrad Sprenger ein eigenes Orgelsystem entwickelt hat: Das Modular Organ System.

Du spielst sowohl Orgel, als auch Synthesizer. Wann greifst du zumm einen, wann zum anderen?

Das Instrument, das ich benutze, spielt für mich keine große Rolle. Genauso wenig wie das Musikgenre, das ich damit produziere. Es geht immer um das, was in mir drinnen ist, was ich sagen möchte, was raus soll. Was dann auf welche Weise entsteht ist das Richtige, wenn es sich gut anfühlt.

Was wirst du heute beim Konzert auf dem Vorplatz der Hauptkirche St. Katharinen spielen?

Ein paar Stücke meines Albums Moods&Dances und ich werde ein wenig improvisieren. Dafür habe ich ein paar Geräte dabei, die ich sonst nicht oder nur selten mithabe. Zum Beispiel eine Wersimatic-Orgel aus den 1970ern, also aus der Blütezeit der Heimorgel und ein paar andere. Das neueste Gerät ist übrigens eines des Herstellers Casio von 1983. 

Musstest du viel arrangieren und wie hast du dich vorbereitet?

Erst einmal musste ich mich darauf vorbereiten überhaupt wieder ein Konzert zu geben, ganz unabhängig von der Pandemie-bedingten Pause. Das ich als Bandmitglied oder Solo-Musiker in einem Konzertrahmen auf der Bühne stand, ist ja schon ewig her, ansonsten spiele ich live nur Techno. Durch das letzte Album und die Pandemie ist die Möglichkeit wieder ein bisschen entstanden, ein Indie-Konzert zu geben. 

Ich bereite mich auf jedes Konzert einzeln vor, probe die Stücke mit Original-Instrumenten. Wenn das nicht geht, verwende ich Playback-Aufnahmen. Die werden heute auch bei zwei Stücken zum Einsatz kommen, da mir die entsprechende Orgel kaputt gegangen ist. Das werde ich vorab auch kommunizieren. Und dann gibt es Sachen, die ich komplett frei auf der Bühne improvisiere.

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Richard von der Schulenburg beim Konzert auf dem Vorplatz der Hauptkirche St. Katharinen am 19. Juli 2021 (Foto: Jérome Gerull)

 

Richard von der Schulenburg ist im Rahmen des Kultursommer Hamburgs noch mehrmals auf der Bühne in der Hansestadt zu sehen. Zum Beispiel als Teil des Duos Cosmic Cars am 24. Juli 2021 beim Auftakt zur Pudel Open Air-Reihe „Pudel Garden Live“ oder im Rahmen von „Hans Resonanz: Decoder Ensemble“, als RVDS in der Hanseatischen Materialverwaltung am 13. August 2021.


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Zeise Open Air: „Nordsee ist Mordsee“

Bald 50 Jahre alt, gehört das Coming of Age-Drama „Nordsee ist Mordsee“ auch heute noch zu den beliebtesten Hamburg-Filmen überhaupt – denn Regisseur Hark Bohm gelang es, die von vorenthaltener Liebe geprägten Lebensverhältnisse der Arbeiterkinder der Nachkriegsjahre glaubhaft zu portraitieren. Die moderne Abenteuer-Geschichte aus Wilhelmsburg wird bei der diesjährigen Open Air-Kino Saison des Zeises im Innenhof des Altonaer Rathauses gezeigt – in Anwesenheit des Regisseurs.

Text: Kevin Goonewardena

 

Der 14-jährige Uwe (gespielt von Bohms späterem Adoptivsohn Uwe Enkelmann) wächst mit seiner Familie in prekären Verhältnissen in einer Hochhaussiedlung in Wilhelmsburg der 1970er Jahre auf. Der Vater trinkt, schlägt ihn und auch die Mutter. 

Als Anführer einer Jugendbande lässt Uwe seinen Frust außerhalb der Familie an anderen ab, Dschingis, ein asiatischer Junge, ist eines der Opfer der Halbstarken. Eines Tages beobachtet Uwe Dschingis dabei, wie dieser ein Floß baut; gleichzeitig fängt Uwes Gang an ihm wegen einbehaltener Beute aus einem geknackten Spielautomaten zu misstrauen. Nach der erneuten Misshandlung durch seinen Vater (in dessen Rolle Bohms Bruder schlüpfte), beschließen Uwe und Dschingis mit dem Floß abzuhauen. Ihre abenteuerliche Reise soll sie bis auf die Elbe führen …

 

Filmisches Denkmal

 

Mit seiner modernen Tom Sawyer und Huckleberry Finn-Geschichte schuf Bohm eine glaubhafte Erzählung der Lebenswirklichkeit ohne Liebe heranwachsender Nachkriegs-Arbeiterkinder, wie Kritiker:innen befanden. 

Der emeritierte Professor für Film und Mitbegründer des Hamburger Filmfests Hark Bohm setzte mit seinem Werk insbesondere dem Stadtteil Wilhelmsburg ein filmisches Denkmal, lange bevor Fatih Akin die Elbinsel durch seinen Film „Soul Kitchen“  von 2009 weit über Hamburg hinaus bekannt machte. 

Mit Akin wiederum hatte Bohm seine letzten Erfolge – zusammen schrieben sie die Drehbücher zur Kino-Adaption des Buches „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf und dem Golden Globe-prämierten „Aus dem Nichts“, für das Hark Bohm auch den Deutschen Filmpreis gewann.

 

 

Viele Drehorte von „Nordsee ist Mordsee“ sind auch heute noch besuchbar – größtenteils wurde der Film im Wilhelmsburger Bahnhofsviertel, rund um die die S-Bahn-Station und das Luna-Einkaufszentrum gedreht. Uwes Familie wohnt im Film beispielsweise in einer Wohnung in der Neuenfelder Straße 86, die Kneipe in der Uwes Mutter im Film arbeitet, befand sich in der Ladenzeile in der heute unter anderem eine Filiale der Kette Schweinske angesiedelt ist.

„Nordsee ist Mordsee“ bildet den filmischen Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe im Rahmen des Kultursommers, die neben Filmen (u.a. auch den diesjährigen Oscar-Gewinner „Nomadsland“, „Der Rausch“, die Klassiker „Der Hauptmann von Köpenick“ und Fatih Akins-Durchbruchfilm „Gegen die Wand“ oder die Kult-Mockumentary „Fraktus – Der Film“), Lesungen (u.a. der Bestseller-Autor:innen Kübra Gümüsay und Johann Scheerer, sowie Benjamin Maack und die Vorstellung der Biografie Dieter Kosslick, der über  20 Jahre die Fäden der Berlinale zog), Poetry Slams und Konzerte beinhaltet. 

 

Von Allem etwas

 

Vor allem Film-Fans kommen erwartungsgemäß auf ihre Kosten: Neben Sneak-Previews, sind bei vielen Vorführungen Gäste anwesend, andere Filme feiern im Rahmen des Programms ihre Hamburg-Premiere – etwa „Fabian – oder der Gang vor die Hunde“, eine Adaption des Klassikers von Erich Kästner mit Tom Schilling in der Hauptrolle. Auch „Alles ist eins. Ausser der 0“ des ehemaligen Managers der Band Einstürzende Neubauten, Gesellschafter des ersten Punk-Plattenladens Rip Off (heute Ruff Trade in der Feldstraße), Gründer des Freibank Musikverlags und einer gemeinsamen Filmproduktionsfirma mit Fatih Akin, Klaus Maeck, gibt’s im Zeise Open Air zuerst zu sehen. 

Die Doku „Bis die Gestapo kam – das Chinesenviertel auf St. Pauli“ behandelt hingegen eines der dunkelsten Kapitel der NS-Zeit der Hansestadt: Die Auflösung des Chinesenviertels auf St. Pauli durch die Gestapo, welche mit Inhaftierung, Enteignung und dem Tod einiger chinesischer Mitbürger:innen handelte. Unter den Gefangenen war damals auch Chong Tun Lam, der Gründer des 1934 eröffneten Hotels HongKong auf dem Hamburger Berg. Das ehemalige Chinesenviertel ist auch Standort der zuletzt verlegten und des insgesamt 6000. Stolpersteins, mit denen dort an 13 durch die Nazis ermordete chinesische Mitbürger:innen erinnert wird.

zeise.de


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