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Ein Jahr Corona: Katharina Fegebank im Interview

Ein Jahr Corona gleich ein Jahr Ausnahmezustand im Senat. Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, spricht über politische Maßnahmen, Erfolge und womöglich verpasste Chancen

Interview: Hedda Bültmann & Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Katharina Fegebank, es ist ein trauriger Geburtstag: Corona wird ein Jahr alt. Erinnern Sie sich an den genauen Zeitpunkt, wann Sie aufgrund des Virus zum ersten Mal die politischen Alarmglocken haben läuten hören?

Katharina Fegebank: Der Tag, an dem wir Corona im politischen Raum in Hamburg zum ersten Mal so richtig gespürt haben, war als der erste positive Fall am UKE Ende Februar 2020 bekannt wurde. In den Tagen danach wurde mir bewusst, dass sich unsere Politik, wie wir sie bis dahin schwerpunktmäßig gemacht haben, dramatisch verändern würde. Am 13. März 2020 haben wir dann auf einer Sondersenatssitzung beschlossen, Kitas, Schulen und Geschäfte zu schließen.

Wer waren zu diesem Zeitpunkt Ihre wichtigsten Ansprechpartner?

Alle im Senat. Dort haben wir zusammen die Dinge sehr offen miteinander erörtert. Für uns war es eine noch nie dagewesene Situation. Wir wussten noch so wenig über das Virus.

In den Monaten März, April und Mai hatte man auch noch ganz andere Annahmen zur Übertragbarkeit als jetzt. Es ging darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die schweren ökonomischen Verwerfungen, die dramatischen Auswirkungen auf die Haushaltslage, auch die Frage, wie sich das alles auf Familien, Kinder und Jugendliche auswirkt, haben wir dabei stets mit einbezogen.

Wir haben uns Rat von den hiesigen Wissenschaftlern gesucht, zum Beispiel am UKE, wo es eine ausgezeichnete Expertise gibt. Und wir haben uns mit Psychologen, Sozialwissenschaftlern und Ökonomen ausgetauscht. Darüber hinaus gab es den Austausch im Bund-Länder-Kontext.

 

Mehr Entschlossenheit

 

Würden Sie aus heutiger Sicht die seit Pandemiebeginn beschlossenen Maßnahmen als vollends sinnvoll beschreiben?

Aus heutiger Sicht kann man immer sagen, dass wir entschiedener und beherzter hätten agieren müssen. Zum Beispiel, was den Lockdown light im Herbst 2020 angeht. Ich glaube, mehr Entschlossenheit und strengere Maßnahmen hätten die Infektionen schneller sinken lassen und uns möglicherweise die Ermüdungserscheinungen und den Frust ersparen können. Aber, zu dem Zeitpunkt hielten wir die Strategie für richtig.

Was waren denn in Ihren Augen die größten Erfolge des Senats?

Wir sind immer sehr konsequent mit den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz umgegangen und haben für Hamburg keine großen Ausnahme-Tatbestände definiert. Das hat zu einer stringenten Argumentation beigetragen.

Außerdem ist es uns aufgrund des Maßnahmen-Mix im Frühjahr gelungen, relativ schnell wieder niedrige Zahlen zu haben – was allerdings die negative Begleiterscheinung hatte, dass sich viele in Sicherheit wähnten. Im Spätsommer, Herbst und Winter letzten Jahres gab es aus meiner Beobachtung heraus eine gewisse Sorglosigkeit, die zu rapide ansteigenden Zahlen ihren Beitrag geleistet hat.

 

 

Schien Ihnen in den Sommermonaten eine krasse zweite Welle, wie es sie ab Herbst gab, realistisch?

Nach den schnellen Erfolgen des ersten Lockdowns hatten wir im Sommer zunächst alles relativ gut im Griff. Im Hinterkopf waren die Hinweise aus der Wissenschaft, aus dem Erleben und den Zahlen heraus hat sich die zweite Welle aber zunächst nicht angedeutet. Unterm Strich sehen wir jetzt, wie schnell das Virus sich wieder ausbreiten kann, wenn man zu schnell lockert.

Der Frust und die Erschöpfung waren in dieser zweiten Welle größer als in der ersten Welle. Nicht nur, weil es sich durch den Lockdown light so lange hingezogen hat, sondern auch, weil viele Menschen sich gefragt haben, warum wir weiterhin im Lockdown sind, obwohl die Zahlen bundesweit zunächst zurückgegangen sind. Die Antwort ist: Die Mutation hat sich rasend schnell ausgebreitet und ist deutlich ansteckender.

 

Schulen und Kitas

 

Mit dem zweiten Lockdown wurde im Dezember die Präsenzpflicht an den Schulen aufgehoben. War es zu dem Zeitpunkt richtig, den Eltern die Entscheidung, ob sie ihr Kind in die Schule schicken, zu überlassen?

Die Alternative wäre gewesen, die Schulen und Kitas komplett dicht zu machen. Und das hätte ich als sehr problematisch empfunden. Zum einen können nicht alle Eltern ihre Kinder selber betreuen, zum anderen sind nicht in allen Familien die gleichen Voraussetzungen da, um von zu Hause aus zu lernen.

Es gibt familiäre Situationen, in denen es für Kinder sehr schwierig ist, zu Hause zu sein, aufgrund von fehlender digitaler Ausstattung, räumlichen Engpässen oder aufgrund einer schwierigen Familienkonstellation. Diesen Kindern müssen wir die Möglichkeit geben, in die Schule zu kommen, wo sie sich besser entwickeln können. In den Kitas bieten wir eine Notbetreuung an und ich halte das für richtig. Ich kenne das aus der eigenen Situation und es ist wahnsinnig schwer beziehungsweise fast unmöglich – gerade mit kleinen Kindern – Homeoffice zu machen und sich parallel um die Kinder zu kümmern.

Also liegt der Fokus vermehrt auf den Kindern und Familien?

Das ist ja im ersten Lockdown ein Vorwurf gewesen, dass wir uns viel zu wenig mit Familiensituationen und -sorgen auseinandergesetzt haben. Wir haben in der Folge versucht, immer wieder im Sinne der Kinder und Jugendlichen und der Familien den richtigen Weg zu finden.

Das ist die eine Seite. Auf der anderen fühlen sich Lehrer überhört, weil im Januar noch 20 Prozent der Hamburger Schüler in die Schule gegangen sind und die Notbetreuung nicht entsprechend aufgestellt sei. Wie sehen Sie die Situation?

Das muss man differenzierter betrachten, bei den Kitas sind es 25 bis 30 Prozent der Eltern, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Bei den Grundschulen sind es aktuell 20 und bei den weiterführenden Schulen zwischen zwei und acht Prozent. Die Stadt hat viel für die Sicherheit der Lehrer getan. FFP2-Masken ausgegeben, kostenlose Tests ermöglicht.

Aber ja, natürlich gibt es hier unterschiedliche Sichtweisen. Es gibt Eltern, die fordern, dass die Schulen komplett geschlossen werden, andere wiederum verstehen überhaupt nicht, dass kein Regelbetrieb stattfindet. Dann gibt es Lehrer, die es unverantwortlich finden, dass Kinder zu Hause beschult werden, weil sie in ihrer Entwicklung zurückfallen. All das ist eine komplizierte Gemengelage.

Wir haben eine klare Linie, die die verschiedenen Interessen berücksichtigt und nicht nur für eine Seite Partei ergreift. Der erste Lockdown hat gezeigt, dass Kinder und Jugendliche stärker im Fokus stehen müssen und daran orientieren wir uns.

 

 

Homeoffice muss vom Arbeitgeber ermöglicht werden, aber es ist nach wie vor keine Pflicht. Die Dringlichkeit und die Verordnung sind erst mit dem zweiten Lockdown gekommen. Wieso erst dann und warum nicht restriktiver?

Im ersten Lockdown hatten wir eine hohe Homeoffice-Quote. Viele Unternehmen haben sehr vorbildlich gehandelt und haben von einem Tag auf den anderen auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten umgestellt. Viele Arbeitgeber haben das im zweiten Lockdown nicht mehr so konsequent umgesetzt. Das war auch an der zunächst hohen Auslastung des ÖPNV ablesbar.

Es gibt jetzt die Verpflichtung der Arbeitgeber, Homeoffice anzubieten, aber nicht die Verpflichtung der Arbeitnehmer, dass in Anspruch nehmen zu müssen. Denn besondere familiäre, private oder berufliche Umstände können dazu führen, dass man den Tag doch im Büro verbringen muss. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wenn ich meine beiden zweijährigen Kinder zu Hause habe, fällt es mir schwer, solche Interviews wie dieses zu führen oder Sitzungen zu leiten.

Nicht jeder hat ein Zuhause. Wie obdachlose Menschen im Winter und gerade in der Pandemiezeit geschützt werden können, ist ein Thema, das die Stadt sehr umtreibt. In diesem Zuge wird auch das Winternotprogramm kritisiert. Es heißt unter anderem, dass zu viele Menschen in einem Raum untergebracht werden.

Wir haben keine vollständige Auslastung des Winternotprogramms. Und es gibt Hygiene- und Schutzkonzepte, die das Ansteckungsrisiko minimieren sollen. Außerdem gibt es das Angebot, dass Obdachlose mit schweren physischen oder psychischen Erkrankungen in einem Einzelzimmer untergebracht werden können.

Zudem findet ein enger Austausch statt, mit Trägern in der Obdachlosenhilfe und mit Ehrenamtlichen, die sich, Gott sei Dank, in diesem Bereich sehr stark machen. Obdachlosigkeit in unserer Stadt ist durchaus ein zentrales Thema, das uns politisch sehr bewegt. Wir haben gute Unterbringung, Beratung und Betreuung im Rahmen des Winternotprogramms. Ich habe viele Jahre ehrenamtlich den Mitternachtsbus begleitet. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass viele Menschen das Thema Obdachlosigkeit in den Wintermonaten und der Pandemiesituation sehr beschäftigt hat und sie das Problem der Politik immer wieder gespiegelt haben.

Apropos Winter: Wie haben Sie Weihnachten gefeiert?

Im familiären Kreis. Sehr viel kleiner als sonst, aber gemütlich und so normal, wie es möglich war.

Während der Feiertage hat Sie sicher auch das große Thema Impfen beschäftigt. Am 11. Januar twitterten Sie dann: „Beim Thema Impfen sind wir uns in Senat und Bürgerschaft (fast) einig.“ Mit wem waren Sie sich am wenigsten einig?

Mit „fast“ meinte ich die AfD, die sich zu dem Thema ja entweder nicht geäußert oder sich gegen Impfungen ausgesprochen hat.

 

„Ich halte das Impfen für einen sozialen Vertrag“

 

Und auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sehr sind Sie aktuell mit den Impf-Vorbereitungen, -Bürger-Services, -Stoff-Lieferungen und -Durchführungen zufrieden?

Ich möchte hier vorwegschicken, dass es eine wissenschaftliche Höchst- und Meisterleistung ist, innerhalb eines Jahres mehrere sichere und wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Man kann gar nicht oft genug sagen, dass das einfach sensationell ist. Und natürlich haben wir uns alle gewünscht, dass wir schneller an mehr Impfstoff kommen und die zugesagten Impfstofflieferungen auch tatsächlich so erfolgt wären, wie geplant.

In der Organisation haben wir uns schließlich darauf verlassen und zum Beispiel sehr früh damit angefangen, unser Impfzentrum aufzubauen. Wir sind bereit, täglich bis zu 7.500 Impfungen durchzuführen. Und die Lieferungen des AstraZeneca Impfstoffs werden jetzt in den kommenden Wochen kontinuierlich erhöht, sodass die Anzahl der Impfungen im Zentrum stetig steigen.

Eine wirklich gute Nachricht ist, dass wir allen Bewohnern von Pflegeheimen, die über 80 Jahre alt sind, ein Impfangebot machen konnten. Die mobilen Teams sind jetzt in den Residenzen und Wohnanlagen unterwegs. Also, wenn Sie mich nach der Skala fragen, würde ich differenzieren. Dass es so schnell Impfstoffe gibt: eine glatte 10. Terminvergabe: da müssen wir deutlich besser werden.

Ihre Message an alle, die eine Impf-Möglichkeit nicht wahrnehmen möchten?

Die Zahl der Hardcore-Impfgegner ist sehr klein. Darüber hinaus gibt es Menschen, die sich um die Nebenwirkungen einer solchen Impfung sorgen. Und grundsätzlich sehe ich, dass die Impfbereitschaft der Bürger größer wird, weil alle sehen, dass die Impfung der Weg aus der Pandemie ist.

Ich bin gegen eine Impfpflicht, aber ich halte das Impfen für einen sozialen Vertrag, den wir miteinander abschließen: Wer sich impfen lässt, schützt sich und andere. Impfen ist ein Akt der Sicherheit und Solidarität. Wenn dieser Gedanke in der Gesellschaft reift, bin ich optimistisch, dass wir die Schwelle zur Herdenimmunität überschreiten werden – wenn denn ausreichend Impfstoff da ist.

 

„Wir sagen ungern, dass wir Dinge nicht wissen“

 

Mit dieser Hoffnung und den Erfahrungswerten aus dem vergangenen Jahr, können Sie trotz der Mutationen einen kleinen Ausblick geben, wie der Sommer werden wird?

Ich hoffe, der Sommer wird schöner (lacht). Nicht nur wettermäßig, sondern auch mit deutlich mehr Möglichkeiten. Es hat ja noch nie eine Zeit gegeben, in der wir alle in Hamburg und auch weltweit – mit extremen Einschränkungen, auch Grundrechtseinschränkungen, über einen sehr langen Zeitraum leben mussten. Es ist beeindruckend, dass es trotzdem klappt, zusammenzuhalten.

Aber wir spüren bei uns selbst, in unserem Umfeld und auch in den Umfragen zur Akzeptanz der Maßnahmen eine gewisse Unruhe und Genervtheit, Angst um die eigene Existenz. Dennoch ist aktuell nicht die Zeit, über Lockerungen zu sprechen, sondern wir müssen in den nächsten drei, vier Wochen noch mal all unsere Kräfte bündeln, um die Anzahl der Menschen in den Intensivstationen zu verringern, den R-Wert und den Inzidenzwert so zu drücken, dass wir die Pandemie gut im Griff haben.

Wir wissen von Tag zu Tag mehr über die Mutante, und die fortschreitenden Impfungen bringen Entspannung, sodass sich hoffentlich die Situation im Spätsommer wieder ein bisschen wie Normalität anfühlt. Aber auch, wenn es Lockerungen gibt und man das Gefühl hat, es geht schon wieder alles, werden uns Maßnahmen wie das Abstandhalten noch länger, wenn nicht bis Ende des Jahres, begleiten.

Vielen macht vor allem zu schaffen, dass sie nicht wissen, wie lange sie noch durchhalten müssen.

Das ist auch für uns in der Politik ein Problem. Wir sagen ungern, dass wir Dinge nicht wissen. Aber hier ist es die ehrlichste Antwort. Und falsche Erwartungen zu schüren und Hoffnun- gen, die nicht erfüllt werden können, frustriert die Leute noch mehr.

Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Lockerungen und wir werden noch sehr lange mit Corona leben müssen. Deshalb ist es wichtig, dass wir gemeinsam die Perspektiven debattieren. Für uns ist klar: Wir brauchen eine gute Schnellteststrategie für Hamburg und müssen noch mehr positive Proben auf Mutationen untersuchen. Und uns in Deutschland verabreden, wie wir mit ähnlichen Maßnahmen die nächsten Monate gestalten, bis die Pandemie endgültig im Griff ist.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Medienstadt: Journalismus studieren in Hamburg

Die Hansestadt hat eine Palette an Universitäten und Hochschulen, die das Handwerk von Journalisten und Medienexperten lehren – ein Überblick

Texte: Michelle Kastrop

 

Hochschule Fresenius

Die private Hochschule Fresenius liegt nur einige Meter vom Alsterufer entfernt. Die Studiengänge Medien und Kommunikation sowie Medienmanagement und Digitales Marketing sind der Türöffner in die hart umkämpfte Medienwelt. Hier lernt man alles über Medienrecht, Online-Marketing und E-Commerce. Durch die Spezialisierung in Kommunikations- und Agenturmanagement entwickelt man crossmediale Konzepte für digitale und analoge Kanäle.

Oder wie wäre es mit einer Ausbildung in Film- und Videoproduktion? Denn: Bewegtbild ist das wichtigste Mittel unserer Kommunikation. Wer einen Trip ins Ausland während des Studiums nicht missen will, der hat die Möglichkeit ein Auslandssemester in New York oder Shanghai zu integrieren. Das 1848 gegründete chemische Laboratorium Fresenius umfasst heute die Fachbereiche Chemie und Biologie, Gesundheit und Soziales, Wirtschaft und Medien und Design. Zudem bietet die Hochschule auch Fern- und Online-Studiengänge an.

Hochschule Fresenius: Alte Rabenstraße 1 (Rotherbaum)

 

HAW Hamburg

Die drei Departments Design, Medientechnik und Information umfassen alle Kernkompetenzen und den professionellen Umgang mit Information in der Medienbranche. Für ein besseres Verständnis wendet man in Laboren wie dem Medienkompetenzzentrum, dem Search Lab oder dem Usability Labor, das Erlernte dann direkt praktisch an.

Zusätzlich verfügt die HAW Hamburg über ein Forschungszentrum namens Competence Center Communication (COMCC) für Medien und Kommunikation in der Netzwerkgesellschaft. Hier wird der Nachwuchs aus dem Masterprogramm Digitale Kommunikation auf Forschung und Praxis vorbereitet.

Insgesamt bildet die Hochschule für Angewandte Wissenschaften vier Fakultäten: Technik und Informatik, Life Sciences sowie Design, Medien und Kommunikation wie auch Wirtschaft und Soziales. Durch die Corona-Pandemie gibt es keine einheitlichen Bewerbungsfristen für das Wintersemester 2020. Ein Blick auf die einzelnen Studiengänge auf der Internetseite lohnt sich also.

HAW Hamburg: Berliner Tor 5 (St. Georg)

 

University of Applied Sciences Europe

Direkt am Bahnhof Altona ist die private Hochschule University of Applied Sciences Europe zu Hause. Alle drei Fakultäten Art und Design; Sport, Medien und Events sowie Wirtschaft haben dort ihren Platz. In den Bereichen Sport, Medien und Events und Wirtschaft sind Praktika und ein Auslandssemester nicht nur erwünscht, sondern ein Muss. Passend dazu werden auch die Lerninhalte der Studiengänge praxisnah und international ausgerichtet.

In dem Bachelorstudiengang Kommunikations- und Medienmanagement eignet man sich ein grundlegendes wirtschaftliches Wissen und Kompetenzen in Unternehmensführung sowie strategische Planung, Projektmanagement und Krisenkommunikation an.

Während des Vertiefungskurses Moderation in Radio und TV befindet man sich im hauseigenen Radio- und TV-Studio – eben ganz wie in der Praxis. Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester ist der 15. August, für das Sommersemester der 28. Februar.

University of Applied Sciences Europe: Museumstraße 39 (Altona)

 

Hamburg Media School

Hier ist der Name Programm! Die Hamburg Media School ist ein Schmelztiegel für medienaffine Hochschüler. Insgesamt umfasst die Hochschule fünf unterschiedliche Bachelor- und Masterstudiengänge: Digital Journalism, Digital und Medienmanagement, Film, Werteorientierter Werbefilm und Digital Media.

Eines der wichtigsten Merkmale dieser Hochschule sind die kleinen Kursgrößen, die für einen engen Kontakt zwischen Studenten und Dozenten sorgen. Dadurch entsteht eine intensive Betreuung jedes Einzelnen. Wichtig für Berufstätige: Hier kann in Vollzeit oder auch berufsbegleitend studiert werden. Der Masterstudiengang Digital Journalism zeigt den Studierenden neue Arten des Medienkonsums und Storytelling-Formate. So bleibt man auf keinen Fall in der analogen Welt stehen.

Hamburg Media School: Finkenau 35 (Uhlenhorst)

 

Universität Hamburg

Die Universität Hamburg ist mit 180 Gebäuden und mit über 40.000 Absolventen die größte Universität Hamburgs. Insgesamt bietet die Universität, die bereits im 20. Jahrhundert gegründet wurde, über 170 Studiengänge an. So tummeln sich die verschiedensten Leute mit unterschiedlichen Interessen auf dem Campus.

Der Bachelorstudiengang Medien und Kommunikationswissenschaft und der Masterstudiengang Medienwissenschaft werden immer zum Wintersemester angeboten. Damit qualifiziert man sich unter anderen für die Planung, Konzeption und Produktion für Medieninhalte. Besser gesagt: So entwickeln sich die Medien-Talente von morgen!

Die Bewerbungsfrist für Studienanfänger ist dieses Jahr zwischen dem 1. Juli und dem 20. August. Und die Universität Hamburg kann noch mehr. Auch öffentliche Vorlesungen, Weiterbildung, Kultur, Sammlungen und Museen und eine Kinder-Uni bietet die Universität an.

Universität Hamburg: Mittelweg 177 (Rotherbaum)

 

Hochschule Macromedia

Mitten in der Innenstadt, nicht weit vom Jungfernstieg entfernt, liegt die Hochschule Macromedia. Hier heißt es „Brain statt Pain“, ganz nach dem Motto: Auswendiglernen kann jeder, was zählt ist kreatives Denken! Im Bachelorstudiengang Medien und Kommunikationsmanagement lernt man alles über das Planen und Durchführen von Events, Werbekampagnen zu starten und die Unternehmensvision auf Social Media zu verbreiten. Mit diesen und weiteren Kerneigenschaften kann man hinterher sein eigenes Start-up gründen oder im Gegensatz dazu ganz typisch Strategieberater werden.

Wem der normale Bachelor nicht genügt, der kann hier zusätzlich noch einen London-Bachelor abschließen. Das bedeutet, es geht im vierten und fünften Semester nach London zur University of Westminster. Der nächste Master-Info-Abend ist am 14. August und der nächste Bachelor-Info-Abend am 16. September.

Hochschule Macromedia: Gertrudenstraße 3 (Altstadt)

 

Akademie für Publizistik

Dieses Jahr wird die Akademie für Publizistik 50 Jahre alt. Sie wurde gegründet, um die Volontärausbildung für angehende Journalisten zu verbessern. Heute bietet die Akademie viele unterschiedliche Seminare und Lehrgänge an. Bei der berufsbegleitenden, überbetrieblichen Aus- und Fortbildung dreht sich alles um die Medienwelt.

In dem Online-Seminar „Schreiben unter Zeitdruck“ erlernt man Tricks, um zum Schnellschreiber zu werden, ohne dass es die Qualität der Texte beeinflusst. Photoshop-Anfänger? Nach dem Seminar „Bildbearbeitung mit Photoshop CC“ hat man alle wichtigen Grundlagen drauf und weiß, wie man Fotos für Print und Online sicher und schnell bearbeitet. Die Volontärkurse sind unterteilt in Print und Online, Fernsehen und Radio. Perfekt für den Einstieg in die Arbeit der Hamburger Verlagshäuser.

Akademie für Publizistik: Cremon 32 (Altstadt)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Leben retten: Hand aufs Her(t)z

Was „Atemlos durch die Nacht“ und „Stayin’ Alive“ gemeinsam haben? Den geeigneten Rhythmus für die Herzdruckmassage. Ein Besuch beim Herzretter­-Kurs des „Ich kann Leben retten!“ e. V. an der Heinrich­-Hertz­-Schule

Text und Fotos: Basti Müller

 

Wie die Herzdruckmassage richtig funktioniert, wissen nur gut 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, obwohl hierzulande Herzversagen zu den häufigsten Todesursachen gehört. Die Initiative „Ich kann Leben retten!“ e. V. will besonders junge Menschen auf Notsituationen vorbereiten, in denen jede Minute zählt.

„Hey, Sie da, mit dem Mantel! Wählen Sie die 112!!“, ruft Julian Tejeda laut in den Klassenraum, „So müsst ihr die Leute ansprechen, dann helfen sie euch.“ Nun sind auch die letzten Schüler der 9c hellwach. Wie bei einem Bühnenstück positioniert sich Tejeda, hauptberuflich Schauspieler, in die Mitte des Stuhlkreises. Er ist einer von sieben Schauspielern im Team der „Ich kann Leben retten!“-Initiative und einer von zwei Kursleitern, die an diesem Morgen an die Winterhuder Stadtteilschule Laienretter ausbilden.

 

„Der einzige Fehler wäre nichts zu tun“

 

„Wer von euch war schon beim Erste-Hilfe-Kurs?“, fragt der 42-Jährige. Eifrig melden sich Niklas und Jacob, beide 14, sie sind Schulsanitäter an der Heinrich-Hertz-Schule. Dort lernt man, ein Pflaster aufzukleben, einen Druckverband richtig anzulegen. „Das ist zum Teil überlebenswichtig“, führt Tejeda fort, „aber heute nicht unser Thema. Es geht um das Gehirn!“

Denn schon nach drei Minuten ohne Sauerstoff trägt das Gehirn dauerhafte Schäden davon, mit jeder weiteren Minute sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Ziel der Initiative ist daher, die wesentlichen Schritte zu vermitteln, die einen Menschen bei plötzlichem Herzversagen solange am Leben erhalten, bis der Rettungsdienst übernimmt. Mund-zu-Mund-Beatmung und die perfekte stabile Seitenlage sind veraltete Maßstäbe. Lebensrettung soll einfacher, die Rettungskette effizienter werden.

Mittlerweile löchern die Schüler ihren Kursleiter: „Was mache ich, wenn Menschen einfach weitergehen? Oder ich bei der Herzdruckmassage jemanden verletze?“ Tejeda beruhigt. „Dass bei der Herzdruckmassage Rippen brechen, ist völlig normal. Der einzige Fehler wäre nichts zu tun“, wiederholt der Herzretter in seinem 90-minütigen Kurs knapp ein Dutzend Mal.

 

„Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“

 

Um die Schüler von dieser Tatsache zu überzeugen, erzählt Tejeda die Geschichte von Florian, dessen Zunge durch einen Zusammenstoß beim Fußball in den Rachen rutschte und die Luftröhre versperrte. Als der Rettungsdienst eintraf, hatte der Junge bereits zehn Minuten nach Luft gerungen, weil kein Erwachsener wusste, was zu tun war. „Und das passiert erschreckend häufig“, sagt Tejeda.

Also holt der Kursleiter sein Modell hervor, erklärt, wie man die Atmung überprüft und sie, wie beim Fall von Florian, wiederherstellt. „Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken“, schmunzelt er, legt eine Hand unters Kinn der Puppe, die andere oberhalb auf die Stirn und bewegt den Kopf vorsichtig nach hinten. Dadurch flache sich die Zunge ab, der Atemweg öffne sich.

Ist das geschafft, muss der Mensch stabilisiert werden, erklärt er den Kindern. Deshalb bittet Tejeda die Schulsanitäter, die stabile Seitenlage vorzuführen. „Einen Kaktus bilden“, sagt Niklas und positioniert Jacobs Arme in eine U-Form. Dann winkelt er Jacobs Bein an, schiebt die Handfläche unter dessen Wange und dreht ihn auf die Seite. Ihre Mitschüler applaudieren. Beide könnten sich gut vorstellen, dass so ein Kurs halbjährlich in ihrer Schule stattfindet. „Weniger Arbeit für uns“, sagt Niklas scherzend. „Wie er auf die Seite kommt, ist letztendlich egal“, fügt der Kursleiter hinzu, „Hauptsache ist, dass der Mensch nicht an seiner Spucke erstickt.“ Dann kommt der Notruf. „,112 – gebührenfrei‘ – sage ich bei den Vorschulkindern immer“, so Tejeda.

Die Herzretter lehren die Herzdruckmassage bereits ab Klasse 3. Der Verein hat 2019 mehr als 20.000 Hamburger Kinder vom Vorschul- bis zum Jugendalter ausgebildet und plant auch 2020, mehr als 20.000 Schüler zu Herzrettern zu machen. „In Deutschland können jeden Tag 30 Menschenleben gerettet werden, wenn auch Laien wissen, was bei plötzlichem Herz-Kreislauf-Versagen zu tun ist“, sagt Dr. Martin Buchholz, der den Verein 2016 nach einem eigenen Herzinfarkt gründete.

 

„Prüfen, rufen, drücken“

 

Das Paradebeispiel dafür ist Alexander aus Stade, erzählt Tejeda, der vor einigen Jahren seiner Mutter das Leben rettete. Wenige Tage nach dem Herzretter-Kurs in seinem Kindergarten brach seine Mutter zu Hause zusammen. Der Junge legte sie in eine seitliche Lage, überstreckte ihren Kopf und wählte den Notruf. Alexander habe sich nur daran erinnert und das getan, was der Kursleiter ihm gesagt hatte.

„Prüfen, rufen, drücken“, predigt Tejeda, bevor sich die Schüler zu zweit an der Herzdruckmassage und dem automatisierten externen Defibrillator (AED) versuchen. Er macht es vor, legt Handflächen auf das Brustbein und beginnt im Takt eines Bee-Gees-Hits zu pumpen. „Wir drücken 120-mal pro Minute, fünf bis sechs Zentimeter tief. Ha, ha, ha, ha, stayin’ alive.“

„Das ist ganz schön anstrengend!“, sagt die 14-jährige Assetou, als sie zu üben beginnt. Durch den Kurs fühle sich die Schülerin sicherer. „Ich glaube, dass es gar nicht so schwer ist, so unter Druck zu handeln.“ Auch Amelie, 14, würde sich nun mehr zutrauen. „Die Herzdruckmassage würde ich auf jeden Fall auch versuchen.“ Und um genau das geht es bei den Herzrettern: Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einfaches lebensrettendes Notfallwissen zu vermitteln, sie zu ermutigen das Herz in die Hand zu nehmen.

Tejeda ist zufrieden. Zur Weihnachtszeit gab der 42-Jährige knapp 30 Kurse in Hamburg. „Es ist immer anders und die Kinder haben sehr engagiert reagiert“, sagt der Kursleiter und verteilt abschließend einen Herzretter-Pass an jeden seiner frisch ausgebildeten Laienretter.

iklr.de


Szene_Hamburg_Februar_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Januar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Hamburger des Monats – Der Hundertjährige Wilhelm Simonsohn

Es war ein aufregender Sommer für Wilhelm Simonsohn. Er bekam für seinen Einsatz als Zeitzeuge an Schulen das Bundesverdienstkreuz, nahm an einer Fridays-for-Future-Demo teil und wurde am 9. September 100 Jahre alt. Ein Gespräch über die Geschwister Scholl, die Sahara und einen Brief an Angela Merkel

Interview: Matthias Greulich
Foto: Jakob Börner

 

SZENE HAMBURG: Herr Simonsohn, vor einigen Wochen waren Sie auf Ihrer ersten Fridays-for-Future-Demonstration. Wie war’s?

Ganz wunderbar. Ich war mit meinen Töchtern, einem Enkel und zwei Urenkeln demonstrieren. Es war ein seltenes Bild, wie wir mit vier Generationen auf dem Hamburger Rathausmarkt saßen.

Mussten Sie lange überredet werden?

Absolut nicht. Fridays for Future ist ein Tritt in den Hintern unserer etablierten Parteien. Wir nehmen unsere Ressourcen stärker in Anspruch als es unsere Welt verkraften kann. Dabei gibt es Möglichkeiten, ohne fossile Brennstoffe auszukommen.

Mein Steckenpferd ist die Technologie Thermischer Solarkraftanlagen, um den steigenden Energiebedarf decken zu können. 1982 war ich mit meiner 2005 verstorbenen Ehefrau Liesel zum ersten Mal mit unserem Reisemobil zwischen Tunis und Agadir unterwegs. Als Saharafahrer habe ich erfahren, wie stark die Kraft der Sonne dort ist. Technisch ist das heute längst möglich und ich wünsche mir sehr, dass meine Enkel es bald erleben.

In Ihrem Buch „Ein Leben zwischen Krieg und Frieden“ ist ein Brief abgedruckt, den Sie an Frau Merkel geschrieben haben.

Zehn Jahre ist das jetzt her. Ich bat die Bundeskanzlerin darin, sich politisch für den Bau von Solarkraftwerken in der Sahara einzusetzen. Zur Beantwortung des Briefes ist Frau Merkel bisher leider noch nicht gekommen.

Sie sind durch eine Augenkrankheit fast erblindet und können keine Bücher und Zeitungen mehr lesen. Wie informieren Sie sich?

Mein Leib-und-Magen-Sender ist Phoenix. Ich verfolge fast jede Debatte aus dem Parlament, auch wenn der Bundestag nicht mehr das Niveau und den Esprit wie zu Zeiten eines Herbert Wehner hat.

Außerdem bringt mir ein ehrenamtlicher Bücherbote, er ist pensionierter Richter, regelmäßig Hörbücher aus der Bücherhalle vorbei. Das alles ist meine geistige Nahrung.

 

„Ich wurde als „Judenlümmel“ beschimpft“

 

Mit 100 Jahren besuchen Sie immer noch Schulen, um als Zeitzeuge aus Ihrem Leben zu berichten. Was sagen Sie den Schülern?

Wenn ich beispielsweise die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule am Osdorfer Born besuche lautet mein Einleitungssatz: „Ich hatte nicht das Format der Geschwister Scholl, deshalb sitze ich hier vor Ihnen.“ Hans Scholl ist mein Jahrgang, Sophie Scholl war drei Jahre jünger. Vier Tage nachdem sie beim Auslegen von Flugblättern vom Hausmeister der Münchner Universität entdeckt worden waren, wurden sie verurteilt und getötet.

Ich rede in den Schulen von Europa. Dass ich in Sorge bin, dass unser Europa wieder Schlagseite kriegt. Dank dieses Europas leben wir seit 74 Jahren in Frieden. Es scheint für die jungen Menschen nicht alltäglich zu sein, dass ein Hundertjähriger vor ihnen steht. Aber ich langweile Sie doch nicht?

Absolut nicht. Als Sie so alt waren wie die Schüler, die Sie heute besuchen, sind Sie aus der Marine-Hitlerjugend ausgetreten.

Noch heute versetzt es mich in Erstaunen, dass ich als 15-Jähriger so handelte. Mein Vater war zur See gefahren und hatte die Begeisterung für alles Maritime in mir gefördert. Er dachte deutschnational, war Teilnehmer des Ersten Weltkriegs und ein überassimilierter Jude. Bei der Marine-Hitlerjugend wurde ich als „Judenlümmel“ beschimpft und wusste nicht, was los war.

Erst dann erfuhr ich, dass ich adoptiert und mein Vater Jude war. Er sagte immer: „Man weiß doch wie ich denke. Man wird mich nicht holen.“ Dann haben sie ihn im November 1938 abgeholt. Als er aus dem KZ Sachsenhausen zurückkam, war er ein gebrochener Mann. Er starb im November 1939 an den Folgen der Haft.

Zu diesem Zeitpunkt waren Sie bereits Wehrmachtssoldat und kämpften im Zweiten Weltkrieg.

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen am 29. September 1939 in einem Motorrad mit Beiwagen ins zerstörte Warschau zu fahren. Der penetrante Geruch der menschlichen Leichen und der Kadavergeruch der Pferde haben mir das Elend eines Krieges erst so richtig ins Bewusstsein gebracht. Ich fühlte mich auf einen Schlag zehn Jahre älter und habe mir geschworen, niemals Bomben auf menschliche Siedlungen zu werfen.

 

„Durch meine Erlebnisse bei der Luftwaffe wurde ich zum Pazifisten“

 

Das konnte ich einhalten, weil wir nach der Pilotenausbildung als wertvolles menschliches Humankapital ein wenig mitbestimmen konnten, wo wir eingesetzt werden sollten. Ich wurde Nachtjäger, mit der etwas naiven Vorstellung, die Bombenangriffe auf deutsche Städte verhindern zu können.

Ich wurde zweimal abgeschossen. Drei weitere Male hielt der liebe Gott bei Bruchlandungen seinen Daumen zwischen Leben und Tod. Durch meine Erlebnisse bei der Luftwaffe wurde ich zum Pazifisten. Je stärker der zeitliche Abstand und der Abstand zu mir selbst wird, desto stärker wird diese Einstellung.

Für Ihren unermüdlichen Einsatz für die Demokratie haben Sie im August das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Es war eine sehr schöne Veranstaltung im Turmzimmer des Rathauses. Schulsenator Ties Rabe hat eine mitfühlende Rede gehalten. Er vergaß auch nicht, von einer Begegnung nach einem Schulbesuch zu berichten.

Was war passiert?

Ich bin mittlerweile geschrumpfte 1,80 Meter groß. Eine mit 15 Jahren ähnlich große Schülerin kam zu mir und sagte: „So einem Menschen wie Ihnen bin ich noch nie begegnet.“ Es sind diese kleinen Glücksgefühle, die mein Leben noch lebenswert machen.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Kulturisten-Hoch2: Generationen auf Augenhöhe

Wenn junge und alte Menschen gemeinsam etwas erleben, ist das für beide Seiten bereichernd. Das Projekt Kulturisten-Hoch2 macht dies möglich. Wie prägend ein Abend sein kann, erzählt die Initiatorin Christine Worch

Interview: Karin Jirsak

 

SZENE HAMBURG: Frau Worch, KulturistenHoch2 bringt Senioren und Schüler als Tandem für Kulturveranstaltungen zusammen. Wie läuft das ab?

Christine Worch: Seit 2016 bilden wir Kooperationen mit Schulen in Stadtteilen, in denen signifikant viele ältere Menschen mit niedrigem Einkommen leben. Einmal im Jahr stellen wir das Projekt in den Schulen vor, und die Schüler der jeweiligen Oberstufen können sich bei Interesse anmelden.

Wenn wir mindestens 15 Anmeldungen haben, kann das Projekt starten. Erst dann suchen wir die älteren Menschen in einem Stadtteil über verschiedene Kommunikationskanäle. Da stützen wir uns zum Beispiel auf Kooperations- und Netzwerkpartner, wie den ASB oder auch kirchliche Seniorentreffs.

Mittlerweile gibt es auch schon viel Mundpropaganda. Dank unseres Kooperationspartners Kulturleben Hamburg, der Tickets für Kulturveranstaltungen an Menschen mit geringem Einkommen vermittelt, können wir den älteren Menschen Karten für vielseitige Veranstaltungen anbieten, für die sie im Vorfeld Interesse bekundet haben. Wenn sie sich für eine Veranstaltung entschieden haben, suchen wir nach einer passenden Begleitung in der näheren Umgebung.

Funktioniert das Prinzip?

Bis jetzt haben sich rund 600 Tandems gefunden. Also ja.

Welche Veranstaltungen besuchen die Tandems?

Je nach Interesse der teilnehmenden Senioren kann das mal ein klassisches Konzert sein, eine Ausstellung, ein Theaterstück. Oder auch mal etwas Ungewöhnlicheres. Gleich im ersten Jahr sind zwei Tandems zum Wacken Open Air gefahren. Ein 69-jähriger Teilnehmer sagte hinterher, er sei völlig begeistert davon gewesen, dass da 80.000 „wild aussehende Menschen“ so friedlich zusammen feiern.

Wieso haben Sie sich für ein Generationen-Projekt entschieden?

Ich war früher im Marketing und Vertrieb tätig, aber vor fast genau acht Jahren hatte ich den großen Wunsch, mein Know-how auf diesem Gebiet in etwas Soziales einzubringen. Ich habe dann eine Fundraising-Ausbildung gemacht, bin als Beraterin in verschiedenen Demenzprojekten tätig gewesen und habe unter anderem auch für Kulturleben Hamburg gearbeitet.

Dabei habe ich bemerkt, dass es immer wieder ältere Menschen gab, die das Angebot, eine Kulturveranstaltung zu besuchen, zwar gerne in Anspruch genommen hätten, aber darüber klagten, dass ihnen eine Begleitung fehle. Jemand, der gegebenenfalls auch helfen kann, wenn die ältere Person nicht mehr so mobil ist.

 

Wenn Alt und Jung Freunde werden

 

Unternehmen die Tandems nach dem ersten Treffen öfter etwas zusammen?

Wenn da Menschen aufeinandertreffen, die sich mögen, versuchen wir, sie künftig gemeinsam zu vermitteln. Gelingt das nicht, weil zum Beispiel die Schülerin oder der Schüler an dem fraglichen Abend keine Zeit hat, so hat der ältere Mensch die Chance einen anderen jungen Menschen kennenzulernen.

Es kommt durchaus vor, dass dauerhafte Freundschaften entstehen und die Teilnehmenden auch über das Projekt hinaus weiter Kontakt haben.

Welche Rückmeldungen kommen bei Ihnen an?

Beide Seiten freuen sich darüber, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die einer ganz anderen Generation angehören als sie selbst und dass sie so in vielerlei Hinsicht ihren Horizont erweitern können. Gerade Jugendliche, deren Großeltern nicht in ihrem direkten Umfeld leben, finden es interessant, die Geschichten älterer Menschen zu hören.

Viele sagen auch, dass sie durch das Projekt auch Kultur kennenlernen konnten, auf die sie alleine wahrscheinlich nicht gekommen wären.

Warum sind gerade Kulturveranstaltungen eine gute Möglichkeit, Generationen zu verbinden?

Auf beiden Seiten gibt es oft Vorurteile, und eines unserer wichtigsten Ziele ist es, diese abzubauen. Dazu ist es wichtig, dass sich die Jüngeren und die Älteren auf Augenhöhe begegnen, die Kultur kann da ein sehr guter Mittler sein.

Wir hatten zum Beispiel mal eine 17-jährige Teilnehmerin, die mit ihrer 78-jährigen Partnerin das erste Mal in die Oper gegangen ist, was natürlich sehr aufregend für sie war. Die ältere Dame war dagegen eine vormals versierte Operngängerin. Beide haben bei einer tragischen Szene zusammen geweint, und das Mädchen sagte hinterher, sie habe die Geschichte, die da auf der Bühne gezeigt wurde, durch das anschließende Gespräch mit ihrer Begleiterin erst richtig verstanden.

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So ausgerüstet fühlen Jugendliche nach, wie es ist, zu altern

Die Jugendlichen werden für die Teilnahme an dem Projekt vorher geschult. Was wird dabei vermittelt?

Zum Beispiel, wie sie Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren unterstützen können. Auch ein Alterssimulationstraining gehört zur Ausbildung. Seheinschränkungen werden zum Beispiel mit verschiedenen Brillen simuliert, ein Schallschutz lässt die Jugendlichen Schwerhörigkeit nachempfinden. Eine Halskrause, Gewichte für die Hand- und Fußgelenke und Ellbogen, jeweils zwei Kilo schwer, und spezielle Handschuhe zeigen die Einschränkungen von Gelenkversteifungen. Dazu kommt noch eine 25 Kilo schwere Weste, die den Kraftverlust des Gesamtorganismus fühlbar macht.

Nach spätestens fünf Minuten Bewegung in dieser Montur wird den Jugendlichen klar, dass das Altern wirklich kein Spaß ist und sie entwickeln großen Respekt davor, was ältere Menschen jeden Tag leisten müssen. Wir gehen dann auch noch einmal in diesem Aufzug mit den Teilnehmenden einkaufen. Dabei begreifen die Jugendlichen dann auch, warum es manchmal so lange dauert, wenn vor ihnen an der Kasse ein älterer Mensch steht.

Was bewirkt das bei den Jugendlichen?

Es gibt Jugendliche, die nach dem Projekt den Wunsch äußern, in der Altenpflege tätig zu werden. Sie bekommen nach Ablauf des Projektjahres ein Zertifikat für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Daraus können sich also auch Zukunftsperspektiven entwickeln.

Kulturisten-hoch2.de


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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