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Kleiderspende: Hier könnt ihr Altkleider abgeben

Ihr habt euren Kleiderschrank aussortiert? Gut erhaltene Textilien könnt ihr bei diesen Stellen in Hamburg abgeben.

Text: Michelle Kastrop

 

Die Stadtreinigung hat alle 120 Altkleider-Container in der Stadt abgebaut, auch das Deutsche Rote Kreuz sperrte seine Container. Die Hauptgründe: Die Tatsache, dass unbrauchbare Textilien gespendet werden und die hohe Menge, weil die Hamburger während der Corona-Pandemie ihre Schränke ausgemistet haben. Wer trotzdem helfen oder die Kleidung aus Umweltgründen länger im Kreislauf halten möchte, sollte sich die Frage stellen: Würde ich es meinem besten Freund geben? Wenn die Antwort Nein ist, gehören die Textilien auf Recyclinghöfe. Wenn sie Ja lautet, nehmen folgende Stellen die Ware entgegen.

 

Stilbruch

Als Tochterunternehmen der Stadtreinigung Hamburg ist Stilbruch bekannt für Gebrauchtwaren, die sonst auf dem Müll landen. Auch Privatpersonen können ihre ausrangierten, aber noch brauchbaren Sachen zu Stilbruch bringen – natürlich auch Klamotten. Die Kleidungsstücke müssen allerdings in absolutem Topzustand und eigentlich zu schade zum Wegwerfen sein. Dann nehmen die Gebrauchtwarenkaufhäusern von Stilbruch sie gerne entgegen. Die Stores sind übrigens der perfekte Ort für Schnäppchenjäger.

Ruhrstraße 51 (Altona)
Helbingstraße 63 (Wandsbek)
Lüneburger Straße 39 (Harburg)
stilbruch.de

 

Oxfam Shops

Mittlerweile gibt es 54 Oxfam Shops in Deutschland. In den drei Hamburger Filialen können gut erhaltene Kleidungsstücke abgegeben werden. Doch es geht nicht nur um die Qualität der Secondhand-Artikel, sondern aktuell auch um die Quantität: eine Tasche oder eine kleine Kiste mit Kleidung, die zur Saison passen, reichen aus. Die Oxfam Shops stehen außerdem für nachhaltigen und bewussten Modekonsum und nehmen keine Artikel aus der Fast-Fashion-Industrie an. Die erwirtschafteten Finanzmittel kommen der Nothilfe, den Entwicklungsprojekten sowie der Kampagnenarbeit von Oxfam Deutschland e. V. zugute.

Bahrenfelder Straße 130 (Ottensen)
Hoheluftchaussee 58 (Hoheluft-Ost)
Wandsbeker Marktstraße 10 (Wandsbek)
shops.oxfam.de

 

Hanseatic Help

Im August 2015, als die Flüchtlingsströme in Europa ihren Höhepunkt erreichten, brachten viele Hamburger ihre Spenden zu der Kleiderkammer in den Messehallen. Aus dieser Aktion entstand zwei Monate später der Verein Hanseatic Help. Seit 2016 hat der Verein seinen neuen Standort am Fischmarkt. Es werden alltagstaugliche, saubere und intakte Spenden benötigt und derzeit nehmen die Helfer nur maximal zwei Taschen, Kartons oder Säcke pro Person an. Welche Textilien besonders gebraucht werden, steht auf der Homepage. Da die Festival-Sammelaktion von Hanseatic Help dieses Jahr nicht stattfinden kann, fehlt es insbesondere an Schlafsäcken und Isomatten.

Große Elbstraße 264 (Altona)
hanseatic-help.org

 

Kleiderkammer Caritas

Bis Anfang Oktober öffnen die Caritas im Norden nur die „Kleiderkammer to go“ am Mariendom 5 für Spendenausgaben. Danach nimmt sie wieder Altkleiderspenden entgegen. Die benötigten Klamotten sind: Jeans, Kapuzenpullis und Sportschuhe für junge Männer. Wichtig bei allen Artikeln ist neben der 1A-Qualität, dass sie passend nach Saison abgegeben werden. Kurze Sachen zum Frühling und Sommer, Winterjacken und Pullis zum Herbst und Winter. Also: Im September anfangen auszumisten und Anfang Oktober spenden!

Danziger Straße 66 (St. Georg)
caritas-im-norden.de

 

Nutzmüll

Nutzmüll e.V. wirkt aktiv an der Verbesserung der Lebensqualität von sozial benachteiligten Menschen mit. Die Stärke des Vereins ist die Verknüpfung von Beschäftigung, Qualifizierung sowie beruflicher und sozialer Integration von Langzeitarbeitslosen und Schwerbehinderten. Zugleich praktiziert Nutzmüll Umweltschutz durch Müllvermeidung, Wiederverwendung und Upcycling. Die Abgabe von Spenden ist in Bahrenfeld, Wandsbek und Billstedt möglich.

Boschstraße 15b (Altona) 
Am Stadtrand 56 (Wandsbek) 
Billbrookdeich 266, Zufahrt Berzeliusstraße 95f (Mitte) 
www.nutzmuell.de

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2020. Das Magazin ist seit dem 29. August 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburger des Monats: Benjamin Jürgens – Refugee Canteen

Viele Geflüchtete und Migranten haben in der Refugee Canteen erste Grundlagen für gastronomische Berufe gelernt, in denen sie heute arbeiten. Doch nach vier Jahren hat Gründer Benjamin Jürgens sein Herzensprojekt mangels Spenden 2019 vorerst eingestellt. Ein Gespräch mit dem 34-jährigen Gastro-Experten über ein mögliches Comeback dieser einzigartigen Akademie, seine Flucht aus Mümmelmannsberg und kulturelle Unterschiede beim Karottenzählen

Interview: Matthias Greulich

 

SZENE HAMBURG: Benjamin, wie entstand die Idee zur Refugee Canteen, eurem Schulungsangebot für Geflüchtete und Migranten?

Benjamin Jürgens: 2015 kam ich zurück aus Indonesien. Ich hörte zum ersten Mal, dass in den Messehallen Geflüchtete untergebracht waren. Wir saßen mit befreundeten Köchen zu­ sammen, haben uns ordentlich einen reingelötet und überlegt, was wir tun können. In der Nacht habe ich das Konzept geschrieben, so ganz genau ist die Erinnerung nicht mehr da.

Aber es war überzeugend.

Ich bekam positives Feedback von der KfW­-Stiftung (Kreditanstalt für Wiederaufbau; Anm. d. Red.), die uns gefördert hat. Wir taten uns mit einem Bildungsträger zusammen. Das Ganze nahm richtig Fahrt auf, weil wir uns die nötige Professionalität im Umgang mit dem Jobcenter ins Boot geholt hatten.

Im Januar 2017 entschlossen wir uns, das Programm für alle Geflüchteten un­ abhängig von ihrem Status zu öffnen. Wir konnten die Menschen erreichen, die zu uns kommen wollten, und muss­ten nicht jeden nach seinem Aufenthaltsstatus fragen.

 

„Den Menschen helfen, die zu uns ins Land kommen“

 

Es lief also ohne Förderung vom Jobcenter?

Ganz genau. Die Crux war: Wo ist das Geschäftsmodell? Von da an waren wir zu 100 Prozent abhängig von Spenden. Anderthalb Jahre lang war das überhaupt kein Problem. Das Thema „Essen, Getränke, Men­schen“ ist ein sehr schönes. Dann kamen weniger Spenden. Wir haben aus einem Zwölf-­Wochen­-Programm ein Drei­-Wochen­-Programm gemacht, um die Kosten immer weiter herunter zu schrauben.

Warum hast du soviel Leidenschaft in das Projekt gesteckt?

Ich wollte den Menschen helfen, die zu uns ins Land kamen. Das war für mich soziale Pflicht. Und ich musste dieser Branche, die mir viel gegeben hat, etwas zurückgeben. Denn ich war in einer ähnlichen Situation, als Kind aus Mümmelmannsberg, das sich ver­stoßen gefühlt hat, nicht zurechtkam in der Welt und in der Gastronomie sein Zuhause fand.

Warum ging es mit der Refugee Canteen nicht weiter?

Wir konnten der Gastronomie und Hotellerie nicht deutlich machen, wie wichtig es ist, heute zu investieren, ob­wohl der Notstand im Personalbereich groß ist. Ebenso wie die Abbrecher­quoten in der Ausbildung. Wir muss­ten deshalb Ende 2019 aufhören.

Man hat uns noch einige Angebote gemacht. Zum Beispiel, nur noch Frauen zu qualifizieren. Das war für uns nicht der richtige Weg. Wir hatten vorher etwa 20 Prozent Frauen bei uns im Programm und es war immer klar, dass jeder gleich wichtig ist.

 

Zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen vermitteln

 

Gibt es neue Ansätze?

Vor einigen Wochen gab es Ge­spräche, die Refugee Canteen auf eine Bar zu beschränken. Aber daraus wird dann ganz oft nichts. Weil das Inte­grieren von Menschen nicht einfach wie ein Hobby funktioniert. Es ist ein spannender Prozess, junge Menschen am Ball zu behalten, wenn sie das erste tiefe Tal haben. Wenn dir langweilig wird und du denkst: „Mann, ich kann keine Karotten mehr sehen.“ Oder es gibt Nachrichten aus dem eigenen Land, die nicht schön sind.

Man kann davon ausgehen, dass jeder, der bei uns war, eine hohe psychische Belastung hatte. Davon konnte sich keiner frei­ machen, selbst wir haben uns einmal im Monat selbst reflektiert und haben Coachings durchlaufen müssen. Weil wir mit Menschen konfrontiert waren, die sich gar nicht öffnen, andere haben einen Riesendruck und wollen den los­ werden.

Was hast du gelernt?

Wenn einer unserer Teilnehmer im Betrieb Probleme hatte, konnten wir sehr schnell erkennen, warum. Wir konnten zwischen den verschiedenen Sprachen und Kulturen vermitteln. Wir konnten dem jungen Teilnehmer sagen: „Wenn der Küchenchef das sagt, meint er das und umgekehrt.“ Ein ganz einfaches Beispiel: Wie viel Finger siehst du? (zeigt mit der offenen linken Hand Daumen, Zeige- und Mittelfinger)

Drei.

In arabischen Ländern wird von rechts nach links gezählt. Der Teilneh­mer schaut also zuerst auf die beiden Finger rechts. Wenn du sagst: „Hol’ mal drei Karotten“, sieht unser Teilnehmer zwei. Und die sehr direkte Ansprache, die wir in Deutschland ja doch haben, wird oft als sehr kritisierend angese­hen.

Unsere Erfahrung war, dass es in­ direkt besser funktioniert. „Bist du der Meinung, dass der Fußboden so sauber ist, dass wir Gäste einladen können?“, ist besser als „Du hast den Fußboden nicht sauber gemacht.“ Jemanden vor der ganzen Gruppe so klein zu machen, bedeutete immer Stress. Ich haben den Betrieben immer gesagt: „Auch wenn sie aus Syrien oder Eritrea kommen, sind das ganz normale Millennials, wie alle anderen auch in dem Alter. Die sind verliebt in ihr Telefon, die wollen ihre Sachen machen und wissen, ob sie in vier Wochen aufs Fes­tival gehen können.

 

Mümmelmannsberg ist ein anderer Stadtteil geworden

 

Was könnte ein nächster Schritt sein?

Im Grunde müsste Hamburg die erste gastronomische Vorschule grün­den, in der sich Menschen orientieren können. Es ist oft so, dass wir junge Menschen haben, die gar nicht wissen, was auf sie zukommt. Uns würde es helfen, Menschen zu finden, die in eine solche Idee investieren wollen. In meinen Augen hat das nichts mehr mit Geflüchteten zu tun. Wenn ich es mir überlege, bin ich aus Mümmelmanns­berg vor 18 Jahren geflohen, um meinen Weg zu gehen.

Ging es vielen ehemaligen Mitschülern ähnlich?

Ja, der Großteil hat studiert, Stipen­dien bekommen und richtig was aus sich gemacht. Das Stigma, mit dem wir aufgewachsen sind, war dann irgend­wann egal. Obwohl ich auch Freunde verloren habe, die bei Messerstechereien ums Leben kamen. Jetzt ist es ein ganz anderer Stadtteil geworden. Einmal im Jahr fahre ich hin, weil es schon Heimat für mich ist.

Ich bin im­mer überrascht, dass es langsam schön dort wird. Die Fassaden werden neu gemacht. Passt mir eigentlich nicht, ich fand es immer schön dort, muss ich sagen. Es war meine Hood, es hat dort immer so eigen gerochen. Auf einmal ist es ganz fancy, was es dort so gibt. Bis auf den Kiosk an der Gesamtschule Mümmelmannsberg. Der ist immer noch da, was ich sehr cool finde.

refugee-canteen.com


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Viva con Agua: „Die Delle ist spürbar“

Händewaschen als Corona-Prävention: Für uns Alltag, für viele nicht machbar. Über 579 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Und gerade jetzt brechen „Viva con Agua“ durch das bisherige Veranstaltungsverbot hohe Spendensummen weg. Wie die Hamburger NGO umdenkt, wo sie stehen und warum sie dennoch gesegnet sind, erzählt Mitgründer und Vorstand Tobias Rau

Interview: Hedda Bültmann

 

SZENE HAMBURG: Tobias, wie sieht’s bei euch aus?

Tobias Rau: Das Büro in Hamburg läuft seit März auf Minimalbetrieb. Aber damit geht es uns den Umständen entsprechend gut, weil wir schon vor Corona über die ganze Welt verteilt im Homeoffice gearbeitet haben, war die technische Infrastruktur bereits vorhanden. Wir haben uns schon vor langer Zeit flexibel aufgestellt, um auf äußere Einflüsse maximal schnell und agil reagieren zu können. Das kommt uns jetzt zugute. Aber wir haben auch ernsthafte Probleme, einen deutlichen Einbruch merken wir zum Beispiel bei den Spenden.

Spenden in Millionenhöhe, die ihr sonst auf Festivals und Veranstaltungen generiert habt. Auf der einen Seite fehlen Gelder, auf der anderen ist es gerade jetzt wichtig, den Zugang zu Hygieneeinrichtungen und Wasser zu schaffen. Wie geht ihr damit um?

Wir sind direkt im März mit unseren Partnern in den Projekt-Ländern in den Austausch getreten und haben besprochen, welche Projekte wirklich wichtig sind und welche auf das nächste Jahr geschoben werden können. Wir haben auch geschaut, wie sich unsere Budgets umverteilen lassen. Dennoch fehlen die bereits eingeplanten Gelder spürbar. Und da grundsätzlich alle Projekte weiterlaufen, sind wir darauf angewiesen, dass Spenden reinkommen, um diese auch weiterhin zu fördern und zu finanzieren.

Wie habt ihr die Projekte priorisiert?

Jetzt noch wichtiger: sauberes Wasser (Bild: Henrik Wiards)

Natürlich haben aktuell Wasserprojekte und die Bereitstellung von Handwaschmöglichkeiten einen höheren Stellenwert als zum Beispiel Education-Training, was sonst auch ein wichtiger Teil unserer Projekte ist. Unsere regionalen Schwerpunkte liegen generell auf Südasien sowie Süd- und Ostafrika. Jetzt liegt ein besonderer Fokus auf Südafrika, da das Land sehr schlimm betroffen ist und Corona dort so richtig um sich greift, was es natürlich auch vor Ort schwieriger macht, die Projekte fortzuführen.

Wie sieht es aus vor Ort?

Südafrika ist im Lockdown. In den Townships zum Beispiel ist „Social Distancing“ nicht möglich, wenn vielköpfige Familien auf wenigen Quadratmetern leben müssen. Viele sind auch Tagelöhner, die raus müssen, um Geld zu verdienen, damit sie überhaupt was zu essen haben. Die Maßnahmen sind einfach nicht so konsequent durchsetzbar wie in Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Die Situation wird immer dramatischer. Und es darf nicht sein, dass aufgrund eines ausgefallenen Festival-Sommers die Leute darunter leiden, die Unterstützung jetzt am nötigsten brauchen. Um so wichtiger ist es jetzt, dass wir dort unsere WASH-Projekte (WASH steht für Water, Sanitation and Hygiene, Anm. d. Red.) weiterhin finanzieren können.

Gab es bisher Alternativen, das Spendenloch aufzufangen?

Mit Stream-Formaten haben wir versucht, einen Ausgleich zu schaffen. Zum Beispiel war das digitale 36-stündige Festival „stream4water“ sehr erfolgreich, im Juli wurde die Millerntor Gallery zu einer virtuell begehbaren Ausstellung und Ende Juli haben wir die Online-Kampagne „Water is human Right“ noch Mal neu aufgesetzt. Vor zehn Jahren, am 28. Juli 2010, wurde Wasser von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Die Kampagne beinhaltet drei Aspekte: eine Petition, die die Politik noch mal auffordert, das Ziel voranzutreiben. Mit „be part of the family“ rufen wir dazu auf, Fördermitglied von Viva con Agua zu werden. Und wir wollen gemeinschaftlich Spenden für unsere Projekte sammeln.

Bei euren Aktionen ist Spenden meist mit Begegnungen und ziemlich viel Spaß verbunden, auf Events wie der Millerntor Gallery, wo man unter anderem seinen Becherpfand Viva con Agua zukommen lassen kann. Momentan ist es nicht absehbar, ob und wann Veranstaltungen in dieser Form wieder machbar sind. Ist das ein Punkt, den ihr noch mal anders denken müsst?

Dieses Jahr digital: Die Millerntor Gallery

Da sind wir auf jeden Fall dran. Unsere Vision „Alle für Wasser, Wasser für alle“ beinhaltet auch Leute zu motivieren, sich mit Freude zu engagieren. In diesem Jahr ist das, für uns alle sehr unerwartet, leider ausgefallen, aber das heißt nicht, dass wir zukünftig darauf verzichten werden. Sollte auch im nächsten Jahr mit deutlichen Einschränkungen zu rechnen sein, was durchaus realistisch ist, müssen wir bis dahin Konzepte und Formate entwickeln, wie man dennoch persönlich zusammenkommen kann. Denn das analoge Leben, das uns allen so viel Spaß macht und die Freude am Engagement, der Community und dem Zusammensein, lässt sich nicht eins zu eins in den digitalen Raum übertragen.

Bis dahin brauchen wir alle vor allem eins: Geduld …

So doof das für Viva con Agua und für die Menschen ist, die in Deutschland oder Europa leben, sind wir trotzdem gesegnet mit stabilen Staaten, die Rettungsschirme spannen können, die Top-Gesundheitssysteme haben. Auf dem afrikanischen Kontinent und in vielen anderen Regionen ist es viel dramatischer, was das Gesundheitswesen und die fehlende Unterstützung vom Staat angeht. Und das war auch schon immer der Antrieb für Viva con Agua: Aus dieser Dankbarkeit heraus zu teilen.

Wirft die aktuelle Situation euch in der Entwicklung zurück?

Kampagnen-Foto mit Tobias Rau (Bild: Lars Jockumsen)

Das wird die Zeit zeigen, ich hoffe nicht. Aber diese Delle ist deutlich spürbar. Wir sind unverbesserliche Optimisten und versuchen, das Beste daraus zu machen. Im März haben wir sehr schnell beschlossen, dass alles, was wir jetzt machen, auf drei wichtige Ziele einzahlen muss: Verbesserung der digitalen Infrastruktur, Kommunikation, um in den Köpfen und Herzen der Menschen zu bleiben und Fundraising. Und hoffen, dass wir ein paar Samen auf fruchtbaren Boden werfen konnten.

Ihr habt mittlerweile verschiedene Standorte in Europa und Uganda, kürzlich ist Südafrika dazu gekommen. Wie wichtig ist Hamburg noch als Standort?

Sehr wichtig. Viva con Agua ist nicht aus Hamburg wegzudenken und die Stadt ist engst mit unserer Gründungsgeschichte verwoben. Hamburg wird auch zukünftig einen zentralen Stellenwert haben, hier ist unser Headquarter. Wir werden zwar immer mehr zur dezentralen, internationalen Organisation, aber Hamburg ist und bleibt unsere Base.

Infos und Spenden unter vivaconagua.org/spende 

 

Water is a human Right! Seit 15 Jahren verfolgt die Hamburger NGO „Viva con Agua“ ihre Vision „Alle für Wasser, Wasser für alle“. Vor zehn Jahren wurde das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser von den Vereinten Nation als Menschenrecht anerkannt. Und 2015 in der Sustainable Development Agenda als sechstes Ziel „Ensure acces to water and sanitation for all“ aufgenommen, die auf 15 Jahre angelegt ist. Dennoch haben weltweit über 579 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und über zwei Milliarden zu sanitärer Grundversorgung wie sicheren Toiletten. Der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene gehört nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. „Wasser wurde völlig zu Recht vor zehn Jahren als Menschenrecht deklariert“, so Tobias Rau, „Wasser ist wie die Luft zum Atmen, Grundlage jeden Lebens und sollte daher jedem Menschen in ausreichender und guter Qualität zur Verfügung stehen.“

 

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Obdachlosenhilfe: Harburg-Huus vor dem Aus

Während sich die Lage in Harburgs einziger Unterkunft für Obdachlose Corona-bedingt ohnehin verschlechtert, hat die Einrichtung nun auch noch die offizielle Kündigung der Räumlichkeiten erreicht

Text: Laura Lück

 

Nachdem das Grundstück am Harburger Außenmühlenweg vergangenen Herbst verkauft wurde, hat das Harburg­-Huus Mitte April die offizielle Kündigung erhalten. Zum April 2021 soll die Obdachlosenunterkunft weichen, nachdem das DRK Hamburg-­Harburg sie erst 2018 mit 200.000 Euro Spendengeldern nach langer Standortsuche eingerichtet hatte.

Die Entwicklungsgesellschaft Urban Space, die das Gelände erworben hat, will auf dem Areal über 200 Wohnungen bauen. Thorben Goebel­-Hansen, Leiter des Harburg­-Huus, sieht die Lage als sehr ernst an. Man sei weiterhin im Gespräch mit dem Investor, aber noch sei alles offen. Durch die Bedrohung des Standortes plagen auch seine Gäste Ängste und Verunsicherung. Sie fragen sich, wie es weitergeht und vor allem, ob das Harburg­-Huus auch an einem neuen Standort weiterhin gut für sie zu erreichen sein wird.

„15 Mitarbeiter im Haupt-­ und 18 im Ehrenamt haben hier etwas aufgebaut, das im Kern Obdachlosen hilft, aber auch Anlaufstelle für Menschen ist, die einsam sind oder unter Altersarmut leiden“, erklärt Goebel-­Hansen. „Wir sind ein Treffpunkt geworden. Das hat man nicht mal eben so an anderer Stelle wieder aufgebaut. Gegen­über unseren Gästen und Netzwerkpartnern braucht es eine gewisse Zeit, um Vertrauen zu schaffen. Die Atmosphäre, Umgebung und Beständigkeit unseres Angebots spielen da eine große Rolle.“

 

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Ein Platz für alle: Im Harburg- Huus dürfen Obdachlose auch ihre Hunde mitbringen

 

Das Harburg-­Huus ist so­ wohl eine Unterkunft für Männer und Frauen, als auch für Obdachlose mit Hund. Außer­dem ist sie eine Einrichtung der kurzen Wege, denn sie bietet Tagesaufenthalts-­ und Übernachtungsstätte unter einem Dach, was in dieser Form nicht häufig gegeben ist. Die Corona­-Pan­demie macht die aktuelle Situation nicht leichter. Goebel­-Han­sen beobachtet eine steigende Nachfrage bei Rückgang der Möglichkeiten durch den vorsorglich gekürzten Personaleinsatz. „Wir haben Ehrenamtliche, Praktikanten und FSJ­ler gebeten vorerst nicht zu kommen, um die Gefahr einer Ansteckung so gering wie möglich zu halten. Früh­, Spät­ und Nachdienst halten wir mit nur noch zwölf Kollegen aufrecht. Das geht an die Substanz.“

Es findet außerdem keine Sozialberatung mehr im direkten Gespräch, sondern nur noch digital statt. Neben professioneller Beratung und Versorgung mit Kleidung und Verpflegung machen das Harburg­ Huus auch seine Freizeitaktivitäten wie Musik­ und Sportprojekte aus. Diese Angebote des DRK-­Teams können momentan nicht aufrechterhalten werden.

 

Sicherheit durch Spenden

 

Auch in der Kasse wird es knapp. Die Einrichtung erhält keine öffentlichen Gelder und wird ausschließlich durch Spenden finanziert. „Wir erreichen die Spender in der momentanen Situation zum Teil nicht mehr und können vor Ort keine Sachspenden mehr entgegennehmen. Deshalb freue ich mich umso mehr über Geldspenden auf unser Spendenkonto DE77 2005 0550 1262 2275 39 bei der Hamburger Sparkasse, auf die wir nun noch dringender angewiesen sind.“

Positiv bewertet Goebel­-Hansen, dass sich das Gemeinschaftsgefühl im Haus noch einmal verstärkt habe. Für die Zukunft wünscht er sich schnellstmöglich Lösungen mit langfristiger Perspektive: „Wir sind fester Bestandteil des Bezirks geworden. Die Situation für Obdachlose in Harburg hat sich seit unserem Bestehen verbessert. Bereits im ersten Jahr hatten wir 4.000 Übernachtungen und 2.500 Beratungsgespräche. Unsere Gäste sollen auch nach Corona und in womöglich neuen Räumlichkeiten wieder die Sicherheit bekommen, dass wir ihnen als verlässlicher Partner zur Seite stehen.“

 

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Spendenkonto

Hamburger Sparkasse
IBAN: DE77 2005 0550 1262 2275 39 Kennwort: Harburg-Huus

Harburg-Huus: Außenmühlenweg 10 b (Harburg)


Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Nicht-Festival: Keiner kommt, alle machen mit

Der Verein MenscHHamburg veranstaltet ein Festival, das niemals stattfindet. Die Einnahmen kommen aber ganz real der Hamburger Kulturlandschaft zugute. Noch bis zum 12. Mai kann gespendet werden.

 

„Kauft Tickets und kommt nicht vorbei. Wir freuen uns sehr, euch dort nicht zu sehen“, empfiehlt das Bundesjugendballett kurz vor dem „Keiner kommt, alle machen mit“-Festival. Seit März sammelt die vom Verein MenscHHamburg initiierte Aktion Spenden für die von der Corona-Krise betroffenen privaten Hamburger Theater- und Musikbühnen, die Hamburger Filmwirtschaft, die Hamburger Clubs und die freien Kulturschaffenden.

Bis zum 12. Mai kann gespendet werden, und bis zu diesem Datum können Kulturschaffende und -Einrichtungen mit Förderbedarf Anträge unter keinerkommt.de/antrag stellen, um Unterstützung zu bekommen. Es ist fast schade, dass dieses Festival nie stattfinden wird, das fiktive Programm wurde im Lauf der Zeit um Familienveranstaltungen, Literaturzelt und Podcast-Arena erweitert.

Viele Künstlerinnen und Künstler aus diversen Genres wie Klaas Heufer-Umlauf, Mareile Höppner, H.P. Baxxter, Olli Schulz und Rolf Zuckowski unterstützten die Aktion mit Videobotschaften und Aufrufen. Bis zum 5. Juni will ein 15-köpfiges Experten-Gremium über die Anträge und die Aufteilung der Spenden entscheiden. Mit dabei sind Filmregisseurin Nora Fingscheidt, Moderator Tobias Schlegl, Schauspielerin Johanna Wokalek, Musiker Rolf Zuckowski, Rapper Disarstar und weitere Persönlichkeiten aus Kultur und Medien.

Alle Infos und Tickets unter www.keinerkommt.de

 

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Hamburgs Programmkinos starten Spendenaufruf

Die Corona-Krise gefährdet die Existenz der Programmkinos. Unter dem Motto „The Show Must Go On“ haben sich die Kinos zusammengeschlossen und einen Spendenaufruf gestartet.

 

Was wäre Hamburgs Kinolandschaft ohne seine Programmkinos? Die kleinen Lichtspielhäuser zaubern Filme jenseits des Mainstreams und aus allen Ecken der Welt auf ihre Leinwände. Und nicht nur das: Sie veranstalten Hintergrundgespräche, Podiumsdiskussionen und Film-Festivals. Damit das auch nach Corona so bleiben kann, sind die Kinos jetzt auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Aktuell sind aufgrund von Corona-Schutzmaßnahmen alle Kinos geschlossen. Die Betreiber haben seit Wochen keine Einnahmen, aber die Fixkosten laufen weiter. Wie bei vielen anderen Kulturbetrieben auch, haben die Programmkinos keine großen Rücklagen, auf die sie in der jetzigen Situation zurückgreifen könnten. In einem Online-Spendenaufruf bitten die Betreiber daher um finanzielle Unterstützung, um „die Hamburger Kinolandschaft in ihrer Vielfalt und Fülle zu erhalten, wie wir sie aus den letzten Jahren und Jahrzehnten kennen“ heißt es in dem Aufruf.

Ziel ist es, eine Spendensumme von insgesamt 400.000 Euro einzusammeln. Die Spendeneinnahmen werden dann an die teilnehmenden Hamburger Programmkinos aufgeteilt. Jedes Kino bekommt die gleiche Summe, um einen Teil ihrer Ausgaben decken können. Beteiligte Kinos sind: Abaton, Alabama, B-Movie, Blankeneser Kino, 3001, Elbe Kino, Filmraum, Koralle, Lichtmess, Magazin, Passage, Savoy, Schanzenkino, Studio Kino und das Zeise Kino. /NF

Unterstützen könnt ihr die Aktion unter www.startnext.com/hamburgerkinos

 

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#GemeinsamGegenCorona: StraßenBLUES sammelt für Obdachlose

In Zeiten menschenleerer Straßen sammelt der Verein StraßenBLUES virtuelle Spenden für Obdachose. Das Geld wird dann vor Ort verteilt.

 

Normalerweise bekommen Obdachlose das wenige Geld, das sie zum Leben brauchen von anderen Menschen direkt auf der Straße. In Zeiten, in denen Menschen aus gutem Grund zu Hause bleiben, erhalten Obdachlose nun fast keine Spenden mehr. Hinzu kommt, dass viele Sozialeinrichtungen, die Obdachlosen üblicherweise helfen, aktuell geschlossen sind.

Der Verein StraßenBLUES hat sich dem Problem angenommen und ermöglicht eine virtuelle Spende. Das gesammelte Geld wird dann vor Ort an die Bedürftigen verteilt. Die ersten 20-Euro-Scheine wurden bereits an Obdachlose ausgegeben, die in diesen Tagen sonst kaum über die Runden kommen würden.

Unterstützen kann man die Aktion über die Crowdfunding-Kampagne bei betterplace.org:
StrassenSPENDE für Obdachlose während Corona

#GemeinsamGegenCorona: Dialog im Dunkeln braucht Unterstützung

Das Dialoghaus, das sich für inklusive Ausstellungen wie Dialog im Dunkeln verantwortlich zeichnet, ist aufgrund der Corona-Entwicklungen gefährdet und bittet um Spenden.

Bild: Dialoghaus 

 

Das Sozialunternehmen Dialoghaus, das die Erlebnisausstellungen Dialog im Dunklen, Dialog im Stillen und Dialog mit der Zeit ins Leben rief, hatte am 1. April 2020 zum 20-jährigen Jubiläum geladen. An diesem Tag sollte die Geschichte des Unternehmens gefeiert werden und auf die Zukunft angestoßen werden. Geplant war außerdem, an diesem Tag Spenden zu sammeln, um weitere Pläne für das Museum auf den Weg zu bringen.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen ist die Veranstaltung abgesagt. Eine Unterstützung ist jedoch dringend notwendig, um den Fortbestand des Hauses zu sichern. Geschäftsführer Andreas Heinecke sieht die Zukunft des Unternehmens gefährdet: ‚‚Als soziales Unternehmen waren wir immer stolz, dass wir ohne Dauerfluss an Spenden unseren Betrieb mit 132 Mitarbeitern am Leben halten und mehr als 100.000 Menschen jährlich eine Einladung zum Umdenken in Sachen Behinderung oder Alter geben konnten. Jetzt kann uns niemand sagen, ob wir Corona als Unternehmen überleben.‘‘

Das Dialoghaus ist aktuell geschlossen und die Angestellten arbeiten in Kurzarbeit. Wie viele andere Betriebe erwirtschaftet das Dialoghaus aktuell keine Erlöse, hat aber dennoch maßgebliche Kosten zu stemmen. Um die Zeit der Krise zu überstehen und auch nach Corona einen wichtigen Beitrag zur Inklusion leisten zu können, bittet das Unternehmen um Unterstützung. ‚‚Spenden Sie einen Betrag, der Ihnen nicht wehtut, aber unsere Schmerzen mindert‘‘, appellierte Heinecke an die Hamburger. Die Jubiläumsfeier soll übriges sobald möglich nachgeholt werden.

Spenden Sie online über das Spendenformular oder nutzen Sie die folgende Bankverbindung:

Kontoinhaber: Dialoghaus Hamburg gGmbH
Kto.-Nr.: 2048878703
IBAN: DE57 4306 0967 2048 8787 03
BIC/SWIFT: GENODEM1GLS
Kreditinstitut: GLS Gemeinschaftsbank eG 

 

MS Stubnitz: Quicklebendiges Denkmal

Die MS Stubnitz feiert. Der 55 Jahre alte Dampfer hat kürzlich seine 11. Klasseerneuerung erhalten und bietet auch im Jahr 2020 ein umfangreiches Kulturprogramm. Doch für die Zukunftssicherung ist das alte DDR-Seeschiff weiterhin auf Spendenpaten angewiesen und auch die langfristige Standortfrage ist weiterhin ungeklärt

Text: Mirko Schneider

 

Monat? Juli. Dauer? Zehn bis 14 Tage. Kosten? Rund 200.000 Euro. So lauteten die Voraussagen der MS Stubnitz zur 11. Klasseerneuerung des 1992 zur mobilen Kulturplattform umfunktionierten früheren DDR-Fischereischiffs mit Liegeplatz in der HafenCity. „Nun haben wir die Klassifizierung für die nächsten fünf Jahre geschafft“, freut sich Vorstandsmitglied Felix Stockmar zu Beginn der einberufenen Pressekonferenz. Am runden Tisch hält er einen Moment inne, schaut durch das Fenster auf die Elbe. „Einfach war es nicht“, fügt er hinzu.

Im Gegensatz zu den Prognosen verlangte die Realität mehr Geduld, schnellere Arbeit und höheren finanziellen Aufwand. Erst Anfang Oktober fand die MS Stubnitz einen Werftplatz. Für sechs Tage. Die kalkulierten Gesamtkosten verdoppelten sich. „Wir haben in die nötigen Instandsetzungen in diesem Jahr bisher rund 430.000 Euro investieren müssen“, sagt Urs Blaser, Initiator des Projekts sowie Geschäftsführer der Stubnitz. Doch es hat sich gelohnt, die seit 2003 offiziell als Industriedenkmal anerkannte Stubnitz behält ihre Seezulassung.

 

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Die MS Stubnitz als Kulturschiff

 

Herrscht bei der vierzehnköpfigen Besatzung an Bord nun also eitel Sonnenschein? Nein! „Wir haben eine wichtige Etappe geschafft und das Ende der Stubnitz verhindern können. Am Ziel sind wir noch lange nicht“, betont Blaser. Denn weitere Sanierungsarbeiten stehen an. „Wir haben jetzt ein halbes Jahr Großaufwand gemacht. Es folgt 2020 ein weiteres Jahr Großaufwand.“ Um sich den ungefähr vorzustellen, ist eine Zahl entscheidend: 12.000. So viele Arbeitsstunden wurden 2019 in die Stubnitz investiert, 3.000 davon ehrenamtlich. Stahlplatten und Bleche wurden getauscht, Rohrleitungen überarbeitet oder neu gebaut, Ventile erneuert, die Elektrotechnik auf einen akzeptablen Stand gebracht und vieles mehr. „Jedes einzelne der vielen Abteile des Schiffes müssen wir in den Griff kriegen“, stellt Blaser die Mammutaufgabe vor. „Deshalb müssen wir die Menschen überzeugen, uns weiter zu unterstützen.“

 

Patenschaften erhalten MS Stubnitz

 

Die Lebensperspektive der Stubnitz sichern soll ein System der Patenschaften. „Wir können Gelder zu einem großen Teil aus bereitstehenden Förderungen für unser Denkmal vom Bund und der Stadt Hamburg abrufen. Allerdings nur, soweit wir aus Spenden und Eigenmitteln einen Teil dazu beitragen können“, sagt Blaser. „Unser Ziel erreichen wir, wenn wir insgesamt über 500 Patinnen und Paten werben können, die bereit sind, über zwei Jahre durchschnittlich zehn Euro pro Monat beizusteuern.“

Denn jeder gespendete Patenschafts-Euro sorgt für sieben Euro öffentlichen Zuschuss. So kämen insgesamt 960.000 Euro zusammen. Durch zwei Jahre macht 480.000 Euro pro Jahr. Da 2019 430.000 Euro nötig waren und erst ein Drittel des Aufwandes erledigt ist, legen die Macher der Stubnitz hier eine realistische Rechnung vor. Aktuell unterstützen seit dem Start der Patenschaftsaktion 122 Patinnen und Paten das Projekt mit monatlich je 23 Euro. Sie erst ermöglichten es, die 11. Klasseerneuerung anzugehen.

Blaser und Stockmar hoffen auf die „Gestaltung einer quicklebendigen Zukunft“. Die Frequenz von über 300 Konzerten und Veranstaltungen pro Jahr soll beibehalten werden. Beim Elbjazz-Festival ist die Stubnitz wieder dabei. Das Künsterfestival „Bruital Furore“ im Bereich neuer Musik befindet sich ebenfalls in Planung. Ein weiteres echtes Highlight, so Stockmar, „wird eine russische Band sein, die wir im Juni bei uns begrüßen dürfen. Die gehen gerade echt durch die Decke. Uns ist ein spektakulärer Coup gelungen. Welcher, wird aber noch nicht verraten.“

 

„Viele Geschichten, die erzählt werden wollen“

 

Sogar um die Historie des Schiffes will sich die Besatzung kümmern. „Da gibt es so viele Geschichten, die erzählt werden wollen“, erklärt Blaser. In welcher Form, ist noch offen. Auch spannende Kooperationen wie mit dem Harbour Front Literaturfestival oder der Elbphilharmonie stehen auf der Agenda. Ein Beispiel dafür ist die „Reflektor“-Reihe mit Klangerfinder Niels Frahm. „Niels trat erst auf der Stubnitz auf, dann in der Elbphilharmonie, danach wieder bei uns. Daran sieht man, wie gut und produktiv wir als Kontrapunkt und Gegengewicht wirken können“, findet Stockmar.

 

 

Kontrapunkt und Gegengewicht will die Stubnitz auch in der HafenCity bleiben. „Als wir 2003 herkamen, war das Umfeld der Kontrapunkt zu uns. Das hat sich etwas umgekehrt, wir sind nun der Kontrapunkt zum Umfeld“, sagt Blaser. Trotz der Entwicklung des hochpreisigen neuen Stadtteils fühle man sich aber weiterhin wohl an seinem Liegeplatz. Die Genehmigung der Wasserbehörde gilt bis zum Jahr 2026. „Wir gehen davon aus, länger hier zu bleiben“, sagt Blaser. „Der Vertrag enthält eine beidseitige Option zur Vertragsverlängerung.“ Über welchen Zeitraum diese laufen würde, ist dort allerdings nicht definiert.

 

„Die HafenCity weiß, was sie an uns hat“

 

Doch bedeutet „hier“ in diesem Fall auch am Kirchenpauerkai 29? In ein bis zwei Jahren sollen die Wohnungen gegenüber fertig sein. Es wird eine Promenade geben. Und sicher auch Laufpublikum. Doch wird – populistisch gesprochen – der schicke Anzugträger ausgerechnet auf die Stubnitz zum Feiern gehen? Sind Probleme mit den Anwohnern nicht wahrscheinlicher? „Für uns wird das sicher eine Herausforderung werden, zum Beispiel in unserer Programmgestaltung“, gibt Blaser zu. Doch ganz so klischeehaft Arm gegen Reich gehe es ja gar nicht zu. „Ich glaube, die HafenCity weiß schon, was sie an uns hat. Wir jedenfalls wollen uns gerne weiter in Hamburg-Mitte integrieren.“

Alternative Standorte für die Stubnitz werden zur Sicherheit jedenfalls schon diskutiert. Eine mögliche Option wäre ein Liegeplatz auf der Halbinsel Baakenhöft, die gerade erschlossen wird. „Das wäre unser Favorit“, sagt Blaser. Die zweite Möglichkeit ist ein Standort knapp vor den Elbbrücken. „Dann müssten wir uns aber an das Dröhnen der Bundesbahnen über uns gewöhnen“, ergänzt Stockmar. Und gibt das Motto für die Zukunft vor. „Wir auf der Stubnitz haben noch viel vor. Was auch immer jetzt kommt, wir schauen nach vorne.“

ms.stubnitz.com/foerdermitglied


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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„Hilf Mahl!“: Helfen mit Genuss

Die Aktion „Hilf Mahl!“ sammelt gemeinsam mit Hamburger Restaurants Spenden für soziale Projekte

Text: Ulrich Thiele

 

Wer dieser Tage auswärts essen geht, wird auf seinem Tisch vielleicht ein Kärtchen entdecken. Wie jedes Jahr zur Winterzeit verbindet die Aktion „Hilf Mahl!“, die seit 2012 in den Wintermonaten von November bis Februar Spenden für Obdachlose sammelt, gutes Essen mit dem guten Zweck – und zwar auf herrlich leichte Weise. Der Rechnung des Restaurantbesuchs wird eine freiwillige Spende von einem Euro hinzugefügt, die an den gemeinnützigen Verein „Hilf Mahl!“ weitergeben wird, der damit wiederum Projekte der Obdachlosen-Hilfe wie die Hamburger Tafel oder Hinz&Kunzt unterstützt. Rund 30 Restaurants nehmen an der Aktion teil, im Winter 2018/2019 wurden so über 35.000 Euro eingenommen.

Wer nicht mitmachen will, gibt dem Personal Bescheid, dann wird der Betrag von einem Euro von der Rechnung genommen. Andersherum kann der Betrag gern aufgestockt werden. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Sophie und Mathias Bach. Auf die Idee kamen sie schon 2010 während eines gemeinsamen Besuchs in London durch die Spendenaktion „streetsmart“. Auf den Kärtchen, die auf die Aktion hinweisen, steht übrigens ein Zitat des Schauspielers Ulrich Tukur, der seit Anbeginn das Projekt als Schirmherr unterstützt: „Gutes Essen und guter Wein beflügeln unsere Sinne, öffnen das Herz und bereichern unser Leben. Wie schön, wenn wir für dieses Glück danken können mit einer kleinen Geste, die für viele eine große Hilfe ist. Und wie einfach.“

www.hilfmahl.de
November 2019 bis Februar 2020 


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