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Weihnachtsmärchen für Kinder

Es ist immer etwas Besonderes, Kinder in Weihnachtsmärchen zu erleben. Wie sie mitfiebern und laut aufschreien, wenn der Prinzessin oder einer*m anderen Held*in Gefahr droht, wie sie begeistert klatschen und sich freuen, wenn die Geschichte auf der Bühne doch noch ein gutes Ende nimmt.

Die Hamburger Theater starten in die Zeit der Weihnachtsmärchen und auch in diesem Jahr läuft wieder ein buntes Programm aus Märchen, Kinderbuch-Klassikern, Singspielen und Geschichten aus aller Welt. Ob Astrid Lindgrens Geschichten, Märchen für die ganz Kleinen oder die Klassiker der Gebrüder Grimm – auf den Hamburger Bühnen ist mit Sicherheit für jede*n das Richtige dabei!

Entdecken Sie die diesjährigen Weihnachtsmärchen in den Hamburger Theatern auf www.theater-hamburg.org und lassen Sie sich für den Theaterbesuch mit den Kleinen inspirieren.

Das Thalia Theater wird zum „Neverland“

Antú Romero Nunes hat Schauspieler aus neun verschiedenen Nationen zusammengetrommelt, um sie ins „Neverland“ zu führen. Auf der Folie von James Matthew Barries „Peter Pan“ erzählt der Regisseur von einer entwurzelten Generation

Interview: Sören Ingwersen

 

SZENE HAMBURG: Warum hast du ausge­rechnet einen Stoff, der als Kinderbuch erfolg­reich wurde, als Vorlage für deine Inszenierung „Neverland“ ausgewählt?

Antú Romero Nunes: „Peter Pan“ war ja kein Kinderbuch, sondern ein Stück für Erwachsene, das nach der Uraufführung 24 Spielzeiten auf dem Programm stand. Ich nutze es aber nur als Blaupause, um meine eigene Geschichte zu erzählen mit einer Konstellation von Figuren, die in den letzten hundert Jahren fast schon zu Archetypen geworden sind: Peter Pan, Tinkerbell, Hook und Wendy.

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Von Hamburg demnächst nach Basel: Antú Romero Nunes (Foto: Armin Smailovic)

Worin liegt das Erfolgsgeheimnis von „Peter Pan“?

Es war damals ein totales Novum, so viele Welten in einem Stück unter­zubringen: die Indianerwelt, die Pira­tenwelt, die Waisenkinderwelt. Aber vor allem hat James Matthew Barrie wahnsinnig gute Szenen geschrieben, die in sich so schlüssig und knackig sind, dass man einfach seinen Spaß hat.

Er beschreibt ein sehr bürgerliches Milieu, in dem es zwar viele Regeln gibt, aber auch eine große Entwur­zelung. Das betrifft auch den Autor selbst, der wie Michael Jackson irgend­wann aufgehört hat zu wachsen, wie ein Kind weitergelebt und sich nur noch mit Kindern verstanden hat.

Barrie ist eine sehr rührende Figur, und ich setze ja immer bei der Person des Autors an, wenn ich einen Stoff auf die Bühne bringe.

Inwiefern ist die Entwurzelung auch heute ein Thema?

Wir sind Europäer, aber Europa stiftet keine Identität mehr. Deshalb er­zähle ich die Geschichte eines Mannes, der in der Mitte seines Lebens durch die Welt reist, aber eigentlich nirgends wirklich ankommt und nur darauf wartet, dass die Welt sich auflöst, so wie er selbst.

Dieses apokalyptische Gefühl hat ja auch mit unserer eigenen Leere zu tun. Es gibt keine neuen Inhalte mehr. Die endlose Wiederholung der Geschichte wird auf Dauer langweilig. Wie man innerlich ausbrennt, brennt auch die Welt um einen herum ab.

Wenn du von Entwurzelung sprichst und ich an die „Lost Boys“ aus „Peter Pan“ denke, liegt auch das Flüchtlings­thema auf der Hand …

Darum geht es mir überhaupt nicht. Ich will die Leute nicht aufklären. Po­litik ist keine Sache des Theaters. Sie ist das Ergebnis von menschlichen Zusammenhängen. Also geht es darum, sich im Leben zu positionieren. Man sollte Fragen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Versuchen wir nicht immer nur, unseren körper­ eigenen Hormonhaushalt optimal aus­ zugleichen? Sind wir konditionierbar?

Oder: Was haben wir mit den Hunden gemeinsam? Warum lassen wir Hunde überhaupt zu? Was machen die mit uns? Und was steckt alles in einer Liebesbeziehung? Wie kann man sie vergleichen mit der Gentrifizierung einer Stadt? Solche Fragen führen zu hochemotionalen Ergebnissen, die zwar nichts beantworten, aber Türen aufmachen. Dann wird Theater intel­ligenter als ich selbst, und ich sage: Toll, jetzt fängt das Biest an zu leben und erzählt mit etwas!

 

„Das Kollektiv ist das Genie“

 

Wie positionierst du dich selbst als Regisseur? Bist du der Peter Pan, der die Zuschauer mit Feenstaub betäubt, um sie anschließend mit ihren Träumen und Ängsten zu konfrontieren?

Es wäre natürlich sehr schön, wenn man sich so sehen könnte. Ich sehe mich aber nicht als Inspirator, sondern sage nur: Hier sind die Türen. Für „Ne­verland“ habe ich – diesmal zusammen mit Anne Haug – auch den Text ge­schrieben, was ich schon häufiger getan, aber nie öffentlich gemacht habe.

Für mich ist nicht der Autor oder Regisseur, sondern das Kollektiv das Genie. Das besteht diesmal aus Schauspielern, die aus vier Theatern und sieben Schau­spielschulen unterschiedlicher Länder kommen und nicht einmal alle richtig Englisch verstehen. Daher geht es uns auch um die Sprache selbst, um ihren Klang und die Verständigungsmöglich­keiten.

Was macht die Erfindung des Leiselesens eines Buches mit deinem Kopf? Wie beschränkt uns die Tat­ sache, dass wir alles nur noch abstrakt begreifen und kaum noch agieren? Diese Fragen werfe ich in die Gruppe und schaue, was sich daraus entwickelt. Wir sind einfach ein Haufen charismatischer Menschen und zapfen uns alle gegenseitig an.

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„Neverland im Thalia Theater (Foto: Krafft Angerer)

Gibt es einen Weg, Neverland zu ver­lassen, um wieder zur eigenen Identität zu finden?

Vielleicht muss man nur begreifen, dass man sich in einem Neverland befindet und dass es Identität gar nicht gibt und sie auch nicht wichtig ist. Oft fragen mich die Leute: Wie lebst du seit sieben Jahren ohne Wohnung? In welcher Sprache denkst du? In welchem deiner drei Länder – in meiner Familie gibt es ja auch Fluchterfahrungen – fühlst du dich am meisten zu Hause?

Ich finde diese Fragen sehr merkwür­dig. Fragt mich doch lieber, was ich gerne esse oder für welches Buch ich mich interessiere.

Aber steht das alles nicht für eine bestimmte Identität?

Nein, das sind alles bewusste Ent­scheidungen. Man weiß doch, dass Menschen sich von einer zur anderen Sekunde komplett neu erfinden und alles hinter sich lassen können.

Das könnte aber auch heißen, dass Identität eben nur temporär ist. Wenn sie ins Wanken gerät und man einen Therapeuten konsultiert, ist die erste Frage: Was bedeutet Ihnen am meis­ten im Leben? Dahinter steht doch die Frage, was einen ausmacht, wohin man sich bewegen möchte.

Mein Vater ist ja Psychoanalytiker, ich bin damit aufgewachsen und arbeite auch ein bisschen so. Natürlich leben wir auf Grundlage bestimmter Voraussetzun­gen. Aber wichtig ist, dass man ständig Entscheidungen trifft. Und die Summe dieser Entscheidungen und Handlun­gen macht einen Menschen aus. Das be­inhaltet allerdings, dass man sehr wohl verantwortlich ist für das, was man tut.

Verantwortung wirst du ab der nächsten Spielzeit in noch größerem Umfang übernehmen. Stichwort: Basel.

Jörg Pohl vom Ensemble des Thalia Theaters und ich werden zusammen mit den Dramaturginnen Anja Dirks und Inga Schonlau Schauspieldirek­toren am Theater Basel. Nach unserem Leitsatz „Das Genie ist das Kollektiv“ wollen wir auch dort alles aus dem Ensemble und aus den Persönlichkeiten der Schauspieler heraus entwickeln.

Thalia Theater: Alstertor (Altstadt), „Neverland“: 12.10. (Premiere), 13.+17.+18.10.


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Imperial Theater: Von der Musical- zur Krimi-Bühne

Vor 25 Jahren startete Intendant Frank Thannhäuser seine künstlerische Vision in den Räumen eines ehemaligen Pornokinos. So war’s und so wird’s beim Imperial Theater

Interview: Karin Jirsak
Fotos: delovska.de

 

SZENE HAMBURG: Frank, ein Vierteljahrhundert Theater auf dem Kiez – da darf man schon mal ein bisschen nostalgisch werden. Erzähl doch mal ein bisschen über die Anfangstage. 

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Im Premieren- und Jubiläumsfieber: Frank Thannhäuser (Foto: Freelens Pool Malzkorn)

Frank Thannhäuser: An­fang der 1990er Jahre spielten wir als deutsche Erstaufführung „Grease“ in der ehemaligen Bowlingbahn am Anfang der Reeperbahn, wo heute die Tanzenden Türme stehen. Dort war auch der Mojo Club und der „Quatsch Comedy Club“ beheimatet. Als der Abriss kurz bevor stand, mussten wir neue Räumlich­keiten suchen und wurden gleich auf der anderen Stra­ßenseite fündig: Hamburgs größtes Pornokino war schon seit Monaten geschlossen, die Rollos waren unten.

Ich bin dann zu der Besitzerin des Hotels gestiefelt und hab sie gefragt, ob ich da mal rein­gucken darf. Die hat sich wohl auch gedacht: „Was kommt denn da jetzt auf mich zu?“ Trotzdem ist sie dann mit mir runtergegangen, und da war alles ganz heruntergekom­men, grottig und braun, so wie man es in den 70er Jahren gern hatte. Wir haben dann aber beschlossen, die Spiel­stätte anzumieten und zum Musiktheater umzubauen.

Wir spielten „Grease“ weiter und später auch weitere Mu­sicals wie „Kleiner Horror­ laden“ oder „Rocky Horror Show“. Doch Ende der 90er Jahre wurde es wegen der hohen Produktionskosten finanziell sehr eng für uns als kleines Musiktheater. Wir brauchten also etwas Neues. Dann kamen wir auf die Idee, spannende Krimis auf die Bühne zu bringen und waren dann nicht mehr ein Musiktheater unter vielen, son­dern Hamburgs einziges Kri­mi-­Theater. Das hat uns allen sehr gut getan.

Sieht man. Ist denn aus den alten Pornokino-Tagen noch irgendetwas hier erhalten geblieben an Interieur?

Man könnte denken, un­sere original 50er­-Jahre­-Sput­nik­-Lampen – aber die haben wir einem Schuhladen in Remscheid abgekauft. Tat­sächlich mussten wir hier sozusagen jeden Stein umdrehen. Auch die Stühle wurde gegen eine gebrauchte Thea­terbestuhlung aus dem Plane­tarium Jena getauscht …

 

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Imperial Theater: Früher Pornokino – jetzt Krimitheater

 

25 Jahre auf der Reeperbahn, gab’s da nicht mal Stress?

Bis auf die Sprengung des Nachbarhauses in unserem Gründungsjahr 1994, tatsäch­lich gar nicht! Wir sind ja hier ziemlich am Anfang von der Reeperbahn, da haben wir das gute Ende von der Wurst erwischt.

Stichwort Jubiläumsinszenierung: Warum habt ihr euch für „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ entschieden?

„M“ war schon länger ein Wunschkind. Der Stoff ist zeitlos, finde ich. So lange es Kinder gibt, sorgt man sich um sie und gerät aus der Fas­sung, wenn irgendetwas pas­siert. Im Kern geht es um das Menschliche. Wozu sind Leu­te in Extremsituationen fähig? Um das zu erzählen, helfen auch die Songs im Stück: Es funktioniert besser, über in­nere Abläufe zu singen, als da­rüber zu reden. Nebenbei war das auch unser Wunsch fürs Jubiläum: die Anfänge des Musiktheaters mit dem Krimi zusammenzubringen.

Wann und wo spielt das Stück?

In den 20ern, wie der Fritz­-Lang-­Film. Wir benutzen zu 70 Prozent das Originaldreh­buch. Den Stoff in die heutige Zeit zu übertragen, da hätte es zu viele Stolpersteine gegeben. Die Kommunikation funktio­nierte ja ganz anders – keine Handys, kein Internet – und die gesellschaftlichen Hie­rarchien waren andere.

Den Schauplatz haben wir aller­dings von Berlin nach Ham­burg verlegt. Hier hätte so was ja genauso gut passieren können, da muss man nicht so tun, als wäre man in Berlin.

 

„Tornado in Beige“

 

Wie sieht das dann hier auf der Bühne so aus?

Wir befinden uns in ei­ner alten Fabrikhalle. Überall ist Gebälk und hinten auf die Wand ist eine alte Reklame gemalt. Es ist überall Mauer­stein zu sehen. Es gibt ver­schiebbare Treppen … Alles ist gebraucht, alt und knarzig. Die Kostüme sind tatsächlich alle im 20er­-, 30er-­Jahre-­Stil gehalten. Die Kulisse ist eher bräunlich­gräulich. Die Kostüme sind die Farbkleckse darin, die sind sehr poppig.

Du zeichnest ja auch für die Kostüme verantwortlich. Gab es da eins, das Du als Erstes im Kopf hattest?

Es gibt dieses nervig-­ko­mische Ehepaar, die Kubitzkes. Die sind Denunzianten und wollen unbedingt die hohe Belohnung einstreichen, die für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt ist. Beide sind im Partnerlook und tragen ein beiges Karo. „Tornado in Beige“, nennt meine Kollegin die beiden immer.

Gab es in 25 Jahren so was wie ein Lieblingskostüm, oder auch mal eins, das besonders schwierig war?

Die Schurken sind immer eine Herausforderung. Das ist eine echte Gratwanderung: Sieht das jetzt gefährlich aus oder albern? Gerade bei Edgar Wallace zum Beispiel, wo man Figuren hat wie „Der Frosch mit der Maske“.

Der hatte bei uns eine Gasmaske auf und einen bodenlangen Kroko­-Imitat-­Ledermantel. Der glänzte und schwang so richtig schön – das sah toll aus in den Kampfszenen! Dazu gab es einen Gürtel mit dem Froschlogo vorne drauf, da­ran hingen Glaskolben mit Flüssigkeiten und ein Verzerr­-Lautsprecher. Fast wie aus einem Marvel-­Comic.

Wie geht’s nach dem Jubiläum weiter?

Nach „M“ kommt ab Herbst unser erster Edgar­-Al­lan­-Poe-­Klassiker „Der Unter­gang des Hauses Usher“ und ab Frühjahr 2020 „Die Tür mit den sieben Schlössern“ von Edgar Wallace. Im Herbst 2021 will ich mir einen alten Traum erfüllen und „Dracula“ machen. Das ist mal was ganz anderes, aber das wird auch sehr schön werden.

Ihr gehört ja zu den Erstunterzeichnern der Hamburger „Erklärung der Vielen“, die sich gegen rechtspopulistische Einflussnahme auf den Kulturbetrieb ausspricht. Was hat euch dazu bewogen?

Ich bin kein politischer Mensch und wir machen hier „nur“ Unterhaltung. Aber für mich ist es grundsätzlich un­vorstellbar, dass mir jemand sagt, das und das darfst du jetzt nicht mehr zeigen. Bei uns ist es zwar noch nicht so, es schadet aber auch nicht, hier ein bisschen übervor­sichtig zu sein. Das Theater muss ein Feld für freie Mei­nungsäußerung bleiben, und das müssen wir schützen.

Als „M“ geschrieben wurde, stan­den wir an einer Schwelle, an der wir heute vielleicht wieder stehen. „M“ führt ja auch sehr deutlich vor Augen, was pas­siert, wenn Leute mit Populismus konfrontiert werden, wie schnell sich Strömungen bilden, die dann nicht mehr auf­zuhalten sind. Da muss man sich einfach positionieren und dagegen rudern.

Imperial Theater: Reeperbahn 5 (St. Pauli)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Top 10 – Auf diese Events freuen wir uns im Juli

Konzert-Dinner, Videokunst, Open-Air: Der Juli hält wieder tolle Events bereit – auf diese zehn freuen wir uns besonders

Foto: Gesche Jäger

 

1) Circus Theater Roncalli – Zirkus der Träume

Das Gastspiel des Circus Theater Roncalli in Hamburg neigt sich langsam dem Ende zu. Noch bis zum 14. Juli gastiert der Zirkus der Träume mit seinem neuen Programm „Storyteller: Gestern – Heute – Morgen“ in der Stadt. Innovativ und fantastisch: Tiere als Hologramme entern die Manege, atemberaubenden Artistik, charmante Clowns zum Kaputtlachen. Und das unter dem Dach des nostalgischen Zirkuszeltes. Fast drei Stunden lang werden die Besucher in eine andere Welt entführt – genau so geht Zirkus. / HED

Circus Theater Roncalli: 4.7., Moorweide, 15:30+20 Uhr

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Foto: www.roncalli.de


2) Here We Are Today – Foto- und Videokunst

Bei der heutigen Führung kann man nicht nur die Kuratorin der Ausstellung „Here We Are Today“ treffen, die beleuchtet, wie Fotografie und Video auf unsere Welt blicken, sondern mit Kathrin Baumstark gleichzeitig auch die neue Museumsdirektorin des Bucerius Kunst Forums kennenlernen. Gezeigt werden in der Schau, mit der gleichzeitig auch der neue Standort eröffnet wird, Werke von Shirin Neshat, Andreas Gursky, Hito Steyerl und zwölf weiteren internationalen Künstlern. / SD

Here We Are Today: 8.7., Bucerius Kunst Forum, 18 Uhr

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Foto: Ulrich Perrey 


3) The Cure – Eine filmische Musikreise

Live sind The Cure eine Macht. Im Juli 2018 gaben die kultigen Briten im Londoner Hyde Park eine besonders eindrucksvolle Performance ab: Sie feierten 40 Jahre Bandgeschichte. Ihr langjähriger Weggefährte Tim Pope zeichnete das Spektakel in 4K auf. In den Zeise Kinos ist der daraus entstandene, sound- und bildgewaltige Dokumentarfilm „The Cure – 1978-2018 Live in Hyde Park“ heute einmalig zu sehen. Eine 135-minütige Musikreise mit 29 großen Cure-Songs. / MAS

The Cure: 11.7., Zeise Kinos, 20 Uhr

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4) Richie Ros live – Dinner mit Konzert

Musikalische Sommerpause in der Elbphilharmonie gleich große Leidenszeit im berühmtesten Konzerthaus der Stadt? Nix! Der Monat Juli sowie Anfang August sind pickepackevoll mit Top-Events im Störtebeker Restaurant Beer & Dine. Beim dortigen „Dinner mit Konzert“ gibt es an ausgewählten Terminen ein Überraschungsmenü in drei Gängen sowie dienstags bis freitags Live-Künstler, etwa den irischen Singer/Songwriter Richie Ros, der heute mit seiner Gitarre im Lokal aufschlägt. / EBH

Dinner mit Konzert: 12.7., Störtebeker Restaurant, 18-21 Uhr

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Foto: Kelby Guilfoyle 


5) Join-The-Difference-Party – Open-Air fürs elektronische Tanzbein

Der Arno-Schmidt-Platz vor der Bücherhalle am Hauptbahnhof hat sich in diesem Jahr zur festen Open-Air-Location gemausert. An den Treppen zum Hühnerposten wird mit fetten Bässen und herrlich ungestört das elektronische Tanzbein geschwungen. Heute mit einer weiteren Ausgabe der Join-The-Difference-Party und dem Mannheimer Nick Curly, Kopf des Underground-Labels 8bit und herausragender Act der weltweiten House- und Technoszene. / OMA

Join-The-Difference-Party: 13.7., Arno-Schmidt-Platz, 19 Uhr

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 6) Theater ohne Grenzen – Eine „Lebensreise“ im Sprechwerk

Inklusion auf der Theaterbühne: Seit 2007 erarbeiten Menschen mit und ohne Behinderung aus Hamburg, der Schweiz und Russland im Rahmen des Festivals „Theater ohne Grenzen“ gemeinsam ein Theaterstück – nach der letzten Premiere im Ernst Deutsch Theater präsentiert die Gruppe ihre neue, dreisprachige Inszenierung dieses Jahr erstmals im Sprechwerk. Die insgesamt 30 Ensemblemitglieder verarbeiten dabei Erinnerungen, gute und schlechte Momente zu einer theatralischen „Lebensreise“. / SHE

Theater ohne Grenzen: 15.7., Hamburger Sprechwerk, 19.30 Uhr

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Foto: Gesche Jäger


7) Apocalypse Now – Im „Final Cut“

Laut American Film Institute ist Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ einer der 100 besten Filme überhaupt; 1979 wurde er mit drei Golden Globes ausgezeichnet und für acht Oscars nominiert. Nun wurde das meisterhafte, visionäre Antikriegs-Epos mit Marlon Brando in der Hauptrolle aufwendig restauriert – von Coppola höchstselbst. „Apocalypse Now – Final Cut“ ist heute in der Astor Film Lounge zu sehen: in 4K und mit Dolby-Atmos-Sound und 183 Minuten lang. / MAS

Apocalypse Now: 15.7., Astor Film Lounge, 20.15 Uhr

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Foto: Studiocanal


8) Knust Acoustics – Unplugged-Musik auf dem Lattenplatz

Gibt Schlimmeres, als Live-Musik unter freiem Himmel zu erleben und das auch noch zu Spottpreisen. Die Knust Acoustics machen genau das möglich. An ausgewählten Abenden (bis 28.8.) spielen drei Künstler jeweils 30-minütige Sets und präsentieren ihre Songs im musikalisch reduzierten Gewand. Heute auf der Bühne: die Sängerin und Songschreiberin Lina Maly (Foto), die Indie-Popper Me & Reas sowie die DIY-Truppe Odeville. Eintritt: 5 Euro (Kinder, Jugendliche unter 18 Jahren und sozial Bedürftige müssen nichts zahlen). / EBH

Knust Acoustics: 24.7., Knust Vorplatz, 18 Uhr

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Foto: Mightkillya


9) Too Many Zooz – Brass-House im Mojo Club

Matt Doe, David Parks und Leo Pellegrino sind zusammen Too Many Zooz und nennen das, was sie zunächst in New Yorks Subway-Stationen vorstellten und mittlerweile weltweit auf großen Bühnen spielen, schlicht: Brass-House. Jazz, Funk, Punk, Swing – alles dabei, und zwar so geschickt miteinander verknüpft, dass die Zooz einen nicht ganz unprominenten Fürsprecher haben: Questlove von The Roots. / EBH

Too Many Zooz: 24.7., Mojo Club, 20 Uhr

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10) Slamville – Geschichtenerzähler auf dem MS-Artville-Gelände

Das Slamville geht in die vierte Runde! Auf dem Gelände des MS Artville in Wilhelmsburg versammeln sich auch dieses Jahr wieder die besten Poetry Slammer und Literaten Deutschlands zum gemeinsamen Wortspielfest. Und mit „die besten“ sind auch wirklich die besten gemeint. Das Line-up kann sich sehen lassen: Heinz Strunk, Sophie Passmann, Felix Lobrecht, Patrick Salmen, Svenja Gräfen, Stefanie Sargnagel und viele mehr erzählen auf der Grünfläche am Hafen ihre Geschichten und Gedanken. / IGA

Slamville: 27.7., Reiherstieg Hauptdeich / Ecke Alte Schleuse, ab 14 Uhr

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Foto: Asja Caspari


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDiese Texte stammen aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
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„Robin Hood“ am Schauspielhaus – kein Kasperletheater

Markus Bothe inszeniert am Schauspielhaus „Robin Hood“. Seine Familienstücke haben seit 2005 dort Tradition. Was ist das Geheimnis seines Erfolgs?

Interview: Stefanie Maeck
Foto: Kerstin Schomburg

SZENE HAMBURG: Herr Bothe, Sie inszenieren dieses Jahr wieder das Familienstück am Deutschen Schauspielhaus, welche Erinnerungen haben denn Sie an Ihr erstes Weihnachtsmärchen?

Markus Bothe: Ich habe zwei Erinnerungen, und zwar sehr unterschiedliche. Das eine Mal saß ich im „Zauberer von Oz“ und war begeistert, das ist ja wie im Weltraum, dachte ich die ganze Zeit über staunend. Das andere Mal war es eine Operninszenierung von „Hänsel und Gretel“, ich war ungefähr sieben Jahre alt, und dachte, meine Güte, verkauft ihr euer Publikum für blöd …

 

Das ist eben nicht der Sandmann

 

Sie fühlten sich nicht ernst genommen?

Genau. Wir hatten heute während der Probe übrigens eine ganz ähnliche Diskussion, ob man eine Szene mit den Worten „Liebe Kinder“ einleiten kann. Ich glaube, das geht nicht. Das junge Publikum muss als Publikum ernst genommen werden. Das hier ist eben kein Kasperletheater und auch nicht der Sandmann. Daher beschäftigen wir uns genauso ernsthaft mit den Stoffen wie bei Stücken für Erwachsene. Was versteht man, was versteht man nicht? Nur dürfen wir ein bisschen mehr Theaterzauber auffahren.

Worin besteht die Kunst bei einem Familienstück?

Hinter so einem Familienstück steht bei mir der Anspruch, dass dieses nicht bloß für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant ist. Die Kunst ist es, beide anzusprechen und den Theaterspaß nicht zu kurz kommen zu lassen.

Das Jahr über inszenieren Sie Oper, Musik- und Sprechtheater. Wie sind die Kinder denn als Publikum?

Die Kinder als Publikum reagieren unmittelbarer als erwachsene Zuschauer. Sie nehmen nicht alles unhinterfragt hin. Beim jungen Publikum müssen stringente Spielregeln auf der Bühne herrschen, warum einer jetzt dies oder jenes tut. Wenn das gut erklärt und eingeführt ist, gehen die Kinder mit und reagieren spontan und direkt.

Ist diese Unmittelbarkeit auch mal ein Problem?

Sie ist toll, aber manchmal ist sie tatsächlich herausfordernd. Die Schauspieler müssen im Ernstfall mit dem umgehen können, was die Kinder ihnen an Reaktion zurückspiegeln.

Es heißt, die Kinder könnten sich durch digitale Medien schlechter konzentrieren. Merken Sie das, muss man heute schneller inszenieren?

Das ist schwierig zu beantworten, weil ich mich ja auch selbst verändere. Natürlich haben sich Dinge beschleunigt und Schwellen verschieben sich. Aber ich würde sagen, solche Rezeptionsfragen sind wahnsinnig individuell verschieden, ein Kinderpublikum ist nicht unkonzentrierter als vor zehn Jahren. Vielleicht sind Kinder heute sogar vorbereiteter und können Dinge schneller verstehen, auch durch den Umgang mit anderen Medien.

Mit der Dramaturgin Nora Khuon haben Sie eine eigene Fassung von „Robin Hood“ erstellt. Was erwartet uns?

Als Erstes kann ich verraten, dass Robin bei uns ein Mädchen ist, ein Mädchen, das auf der Flucht ist, sich verstecken muss und für Gerechtigkeit eintritt. Und kein Stück über Robin Hood kommt ohne Bogenschießen aus. Das Stück macht hoffentlich Spaß als eine Art Roadmovie, rund um die Aufgabe, König Richard Löwenherz zu befreien. Dann aber stellen wir auch ein paar ernste Fragen.

 

Nicht mit der Bedeutungskeule, sondern mit Zauber

 

Welche?

Es geht um Fragen wie: Was ist eigentlich Recht und was ist Gerechtigkeit. Robin Hood gilt ja als der Rächer der Armen. Wann ist aber ein Akt Selbstjustiz, wann ist er Anarchie und wann ist es meine Aufgabe als Bürger, Zivilcourage zu zeigen und mich einzumischen? Das Ganze wird bei uns nicht mit der Bedeutungskeule präsentiert, sondern mit Zauber.

Der scheint es Ihnen angetan zu haben?

Was mir tatsächlich Vergnügen bereitet und warum ich so gerne in Hamburg inszeniere, sind die hervorragenden Werkstätten und die Bühnentechnik, die hier schon fantastische Möglichkeiten eröffnen. Ich habe hier ein unglaublich starkes Schauspielerinnen- Ensemble, alles Zeichen dafür, wie ernst das Familienstück genommen wird und wie ernsthaft ich es dann auch betreiben kann.

Sie mögen die Familienstücke sehr?

Ich fühle mich tatsächlich geehrt und in der Verantwortung, denn für viele Kinder kann das ein wichtiges und prägendes erstes Theaterereignis sein.

Sind Ihre eigenen Kinder eigentlich Ihre Kritiker?

Nicht in dem Sinne, dass ich sie strategisch schauen ließe und dann befragte. Aber rückblickend ist es oft witzig, welche Lieder sie noch Jahre später singen und erinnern, anderes ist schnell wieder vergessen. Meine Tochter gab mir gerade den Rat, ich müsse unbedingt wieder Minions im Stück auftreten lassen. Da muss ich sie allerdings jetzt schon enttäuschen. Bei „Robin Hood“ passen die nicht so gut.

Erreicht Sie Fanpost von den Kindern?

Fanpost gibt es, na klar. Aber nicht für mich, den Regisseur. Mich gibt es für die Kinder gar nicht. Die Darsteller oder auch die dargestellten Figuren bekommen aber schon Post. Es wird im Vorfeld gefragt, ob der oder die Darstellerinnen auch wieder mitspielen. Das ist ein gutes Gefühl.

Deutsches Schauspielhaus, 6.12. (Premiere), bis 9.1.2019 


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Komödie Winterhuder Fährhaus – „Einfach mal durchatmen“

Das Theater an der Alster bietet mehr als Klamauk, nämlich „Erholung pur“, erklärt Leiterin Britta Duah im Interview.

Licht, ganz viel Licht dringt ins Foyer. Die Außenfassade gleicht dem Kokon eines klassischen Center Parcs: hohe Fenster, dicht an dicht, bist unters Dach. Außen ist alles gläsern, und drinnen sind rote Teppiche ausgerollt, auf allen Wegen. Kaum angekommen in der Komödie Winterhuder Fährhaus, sollen Gäste im Wohlfühlmodus sein, sich auch ein bisschen wie die Stars vorkommen, wegen denen sie hier sind. Früher waren das Harald Juhnke und Evelyn Hamann, heute sind es Jochen Busse und Hugo Egon Balder. Die jeweiligen Stoffe: immer lustig, immer massentauglich. Wer hierherkommt, weiß, was er kriegt – und das seit 30 Jahren.

Mitte des 19. Jahrhunderts noch als Schänke für Alsterschiffer genutzt und erst ab 1893 für Veranstaltungen und Bälle, ist die Komödie Winterhuder Fährhaus seit 1988 geöffnet. 586 Gäste haben Platz auf den weinroten Polstersesseln im großen Saal. Oben, auf den knarrenden Dielen, ist aktuell ein hübsch eingerichtetes Wohnzimmer zu sehen – das Bühnenbild von „Komplexe Väter“, mit eben jener Busse-Balder-Besetzung. Was an einem Besuch spannend sein könnte, sagt Britta Duah, 39, die erste Frau, die das nicht subventionierte Theater leitet.

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„Kommt vorbei!“: Britta Duah ist seit einem Jahr Theaterleiterin. Foto: Public Adress / Stefan Hoyer

SZENE HAMBURG: Britta Duah, können Sie das Erlebnis Winterhuder Fährhaus mit wenigen Wörtern zusammenfassen

Britta Duah: Stars und Erholung!

Inwiefern tragen diese beiden Säulen das Haus?

Wir holen die Stars, die viele aus dem Fernsehen kennen, auf die Theaterbühne. Besucher können sie also live und hautnah erleben.

Müssen Ihre Stars vor allem prominent sein, oder gibt es weitere Kriterien für ein Engagement?

Es ist wichtig, dass sie Theaterspielen können. Es gibt ja einen riesigen Unterschied zwischen Fernseh- und Theaterschauspiel. Während es im Film oft reicht, eine Augenbraue minimal zu heben, braucht es im Theater immer große Mimik, sodass auch die Besucher in den hinteren Reihen alles mitbekommen. Eine ausgebildete Stimme ist natürlich auch wichtig, denn auf der Theaterbühne muss selbst ein Flüstern überall zu hören sein.

Und die Erholungs-Säule?

Mit den Stücken, die wir zeigen, wollen wir Besuchern eine Auszeit vom Alltag bieten, quasi Erholung pur.

 

„Wenn die Besucher mit einem Lächeln das Haus verlassen, haben wir einen guten Job gemacht.“

 

Klingt gut, die Auszeit vom Alltag. Aber geht das wirklich so einfach?

Bestenfalls geben Besucher all ihre sorgenvollen Gedanken an der Garderobe ab, setzen sich in den Saal und lassen sich unterhalten. Wenn sie eine Mordsgaudi haben und mit einem Lächeln das Haus verlassen, haben wir einen guten Job gemacht.

Sie stehen also für schnelles Glück?

Glück ist ein wahnsinnig großes Wort. Zufriedenheit würde uns schon reichen. Uns geht es darum, dass die Leute bei uns einfach mal durchatmen können.

Braucht es dazu vor allem leichte Stoffe?

Nicht zwangsläufig. Es müssen welche sein, die jedem Besucher genau das bieten, was er gerade braucht. Die Beziehungskomödie „Doppelfehler“, die bei uns kürzlich lief, war auf den ersten Blick vielleicht ein leichter Stoff. Aber es gab auch Szenen, die ganz schön tief gingen. Einmal wurde sogar das Theater selbst unter die Lupe genommen und was es mit den Leuten macht.

Kritiker behaupten, Sie würden den Leuten vor allem Klamauk geben. Was entgegnen Sie?

Kommt vorbei! Mich stört so etwas gar nicht. Humor ist ja sehr subjektiv und zudem stimmungsabhängig.

Sie sind nun seit einem Jahr Theaterleiterin des Hauses. Was ist Ihre aktuell größte Herausforderung?

Es ist eine Zeit der Veränderungen, und damit meine ich nicht nur die Digitalisierung. Die Auswahl an Theaterstücken in der Stadt ist immens groß geworden. Wer in seiner Freizeit zum Theater möchte, kann unheimlich viel machen. Meine Aufgabe ist es, die Komödie Winterhuder Fährhaus durch diese Zeit zu schiffen.

Text und Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Huang (Beitragsbild)

Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13 (Winterhude), www.komoedie-hamburg.de



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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„Im Herzen der Gewalt“ – Theater als tiefe Seelenschau

Was mit einem Flirt zwischen Édouard und Reda beginnt endet in einer Vergewaltigung.

Édouard geht es nicht gut. Vielleicht ging es ihm noch niemals gut. Jetzt will er erzählen, was sie ihm angetan haben. Seine Eltern, die Gesellschaft und Reda, der junge Kabyle, den er auf der Straße traf und mit zu sich nach Hause nahm. In der Garage des Thalia Theaters in der Gaußstraße steht Édouard in modisch hellem Zwirn vor einer weißen Stoffwand. Eine Anspielung auf das Laken, das er hektisch auswusch, nachdem Reda ihn darauf vergewaltigt und schließlich zu erwürgen versucht hatte. Seit diesem Ereignis wähnt Édouard sich „Im Herzen der Gewalt“.

Regisseurin Franziska Autzen zeigt in ihrer Theaterfassung des gleichnamigen autobiografischen Romans des 25-jährigen Schriftstellers Édouard Louis, wie vermeintlich eindeutige Schuldzuweisungen ins Wanken geraten können. Der homosexuelle Édouard, der früh sein Elternhaus in der Provinz verließ, kehrt nach dem Gewaltakt zurück zu seiner Schwester Clara.

Die Schauspieler Sebastian Jakob Doppelbauer und Toini Ruhnke werfen aus ganz unterschiedlichen Richtungen Schlaglichter auf Édouards Geschichte, lassen kurze Szenen aufblitzen und versprühen in scharfkantigen Dialogen reichlich Geschwistergift. Clara wirft ihrem Bruder vor, seine Homosexualität als Waffe gegen den Familienfrieden zu nutzen, während Édouard als Opfer nach einer Anerkennung sucht, die ihm die Polizei mit ihren bohrenden Fragen nicht geben wollte.

Eine politische Seelenschau

Inzwischen liegt das weiße Laken am Boden und gibt den Blick auf eine Projektionswand frei. Fluidale Metamorphosen, Stimmengewirr und diffuser Lärm deuten an, was sich in Édouards Kopf abspielt, als die Erinnerung wieder aufkeimt. Wir sehen: Dem Gewaltakt voraus ging ein demütigendes Sadomaso-Spiel, eine sich hochschaukelnde Herr-Knecht-Beziehung zwischen dem gebildeten Franzosen und dem Sohn eines algerischen Zuwanderers. Wer ist hier das Opfer? Plötzlich ist man sich da nicht mehr so sicher.

Dank einer Regie, die sich auf das Wesentliche beschränkt, und dem Spiel zweier Darsteller, die keine Scheu zeigen, bis an ihre Grenzen zu gehen, ist dieser kurzweilige Abend politisches Statement, Seelenschau und nicht zuletzt Theater, über das nachzudenken sich lohnt.

Text: Sören Ingwersen
Foto: Krafft Angerer

Im Herzen der Gewalt (Spielzeit 2018/19), Thalia Theater Gaußstraße


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Ring & Wrestling – Göttersoap in der Staatsoper

Eine Telenovela auf der Opernbühne nennt sich, logisch, „operanovela“. Das neue Serien-Format der Staatsoper „Ring & Wrestling“ startet mit fünf Folgen. SZENE HAMBURG sprach mit dem Regisseur Dominik Günther, selbst ehemaliger Wrestler.

SZENE HAMBURG: Dominik Günther, „Der Ring des Nibelungen“ mit jenem Ring zusammenzubringen, in den die Wrestler steigen, liegt nicht unbedingt auf der Hand. Ist der Begriff Ausgangspunkt für Gemeinsamkeiten?

Dominik Günther: Nein, da gibt es andere. Beides ist martialisch, kraftvoll und nutzt Pathos. Eine Soap dreht sich meist um eine Familie, in diesem Fall sind es die Götter aus Wagners Opern: Wotan, seine Ehefrau Fricka, Wotans Tochter Brünnhilde, die er allerdings mit Erda zeugte, und Donner, ein Security-Mann, der in Brünnhilde verliebt ist. Zu dieser Riege stoßen in jeder Folge neue Gäste, wie man das aus Telenovelas kennt. Freya, zum Beispiel, Frickas Schwester.

“die klassische Oper mit der Hamburger Subkultur verbinden”

Inhaltlich geht es ja da weiter, wo Wagner aufhört: Den Göttern dämmert’s, dass sie nicht mehr gebraucht werden, doch das wollen sie nicht hinnehmen…

Walhall ist abgebrannt, die Götter sind auf der Flucht, wollen aber ihre Macht unbedingt zurückgewinnen. Dabei soll ihnen ein Held, ein neuer Siegfried helfen. Hier kommen die Wrestler aus der Kultveranstaltung „Rock & Wrestling“ von St. Pauli ins Spiel. Kandidaten wie The One and Only und Pinkzilla bewerben sich, aber auch Haidi Hitler, die große Wagner-Kennerin.

Wird es eine Persiflage auf Wagner-Opern?

Nein, wir nehmen die Arbeit sehr ernst, das Genre wird keineswegs niedergemacht. Mich als Regisseur interessieren dabei verschiedene theatralische Ausdrucksformen. Wrestling hat viel von einer griechischen Tragödie, vom Kampf Gut gegen Böse. Es sind Haltungen, die gegeneinander antreten. Ich wollte die klassische Oper mit der Hamburger Subkultur verbinden.

“Richard Wagner hätte Quadrophonie genutzt”

Was passiert musikalisch oder: Wie viel Wagner bleibt?

Anteilig kann ich das nicht benennen. Der musikalische Leiter Leo Schmidthals, bekannt als Bassist der Band Selig, nimmt Puzzleteile aus Wagner-Kompositionen. Die spielt ein fünfköpfiges Orchester live, verfremdet durch elektronische Musik. Ich bin sicher, auch Richard Wagner hätte Quadrophonie genutzt, wenn er die Chance gehabt hätte – er war Künstler. Außerdem ist Punkrock aus der Westling-Szene zu hören sowie Rezitative aus den Opern, also in beiden Fällen extreme Musik.

Die einen singen göttergleich, die anderen bewegen sich in ihrem Metier, wie verbinden sie sich?

Die Opernsänger entwickelten während der Proben eine Affinität zum Wrestling, sie wollten wissen, wie es möglich ist, jemanden auf den Kopf zu knallen, ohne ihm das Genick zu brechen. Dahinter stecken ja Tricks, eine bestimmte Technik und choreografierte Bewegungsabläufe, wie beim Ballett. Darsteller aus beiden Metiers erzählen Geschichten auf der Bühne, spielen Theater.

Haben Zuschauer ohne Kenntnisse des Wagner-Kosmos den gleichen Genuss?

Ganz sicher, jeder Abend wird spektakulär. Wir erzäh­len keine Story à la Nibelun­gen. Vielleicht haben Wagner­-Kenner manchmal mehr da­ von, weil sie in Pinkzilla den Drachen Fafner oder Facetten von Alberich in Wotan er­kennen, aber andererseits gibt es auch Anspielungen auf die Wrestling­-Szene.

Für seinen „Ring des Nibelungen“ sah Wagner vier Abende vor, Sie planen fünf Folgen von „Ring & Wrestling“ an aufeinander folgenden Samstagabenden; wird erwartet, dass das Publikum dranbleibt?

Zu Beginn erzählt immer jemand, was bisher geschah, man kann also jederzeit ein­steigen.

“Das Publikum ist eingeladen, Position zu beziehen”

Wrestling hat eine große Fangemeinde, und Wagner-Musik Legionen von Anhängern – aber gibt es eine Schnittmenge im Publikum?

Vielleicht jetzt noch nicht. Aber das Publikum über­nimmt bei „Ring & Wrestling“ ja ebenfalls eine Rolle, es spielt die Fans der jeweiligen Helden und ist eingeladen, Position zu beziehen, seine Favoriten anzufeuern. Ich hoffe sehr, dass sich Zuschauer aus beiden Bereichen treffen.

Wird schließlich ein Siegfried-Nachfolger gefunden?

Ich will nicht zu viel ver­raten. Aber: Am Ende ist ein neues Walhall in Sicht!

Interview: Dagmar Ellen Fischer
Beitragsfoto: Frank Egel

Opera stabile, Premiere am 7.9., 15., 22., 29.9. www.staatsoper-hamburg.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2018. Das Magazin ist seit dem 30. August 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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