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„Das buchstäbliche Leben im grünen Bereich“

Mittlerweile setzen etliche Hamburger Firmen, Start-ups und Solo-Selbstständige auf nachhaltige Arbeit. SZENE HAMBURG porträtiert noch bis Ende März 2022 Menschen, deren Jobs besonders zukunftsorientiert sind. Heute: Andje Stamer vom Gut Karlshöhe

Text: Erik Brandt-Höge

Andje Stamer ist Fachreferentin für Nachhaltigkeit und Bildungsmanagement auf Gut Karlshöhe und fasziniert von den Möglichkeiten im Hamburger Umweltzentrum.

„Landerlebnis in der Stadt“ – so titelt Gut Karlshöhe auf der hauseigenen Info-Broschüre. Klingt nach Bullerbü in Hamburg, nach viel Grün, wenig Lärm, glücklichen Tieren und ebenso glücklichen Menschen, die dort arbeiten oder zu Gast sind. Stimmt auch – aber Gut Karlshöhe ist viel mehr als ein Bauernhof in City-Nähe. Vor mehr als drei Jahrzehnten errichtet, ist es ein Umweltzentrum im Nordosten der Stadt, das mit Zukunftsideen und -projekten Menschen allen Alters inspiriert, ohne dabei missionarisch zu wirken.

Kein Aktivismus, keine Politik, nur Angebote, von letzteren ohne Ende. Workshops, Seminare, Feste, Märkte: Das Guts-Programm ist reichhaltig. Zudem kann man auf dem neun Hektar großen Areal auch einfach mal herumspazieren, es ist frei zugänglich. Von einer Streuobstwiese über einen Bauerngarten gelangt man zu einem Energiehaus und von dort zu einer Schafweide. Es gibt eine Wetterstation und sogar eine eigene Imkerei. Überall verteilt: Ideen, wie Wege in eine nachhaltige Zukunft aussehen können. Etwa, wenn es um das Speichern von Wärme geht. Aber auch vermeintliche alltägliche Kleinigkeiten können hier ausprobiert werden, zum Beispiel, wie man selbst Waschmittel und Kosmetik herstellt, um Verpackung zu sparen.

„Jeder ist willkommen, mitzumachen“

Andje Stamer ist relativ neu auf Gut Karlshöhe. Die 43-Jährige arbeitet frei in der klassischen Unternehmenskommunikation mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Parallel hat sie ein Bildungsprogramm aufgebaut, mit dem sie Schulen zum genannten Schwerpunkt berät. So ist sie auf das Gut aufmerksam geworden. „Ich wollte gucken, wie wir kooperieren können, weil das Gut eben so viel zum Thema anbietet“, sagt sie, „und am Ende kam es zu einer Zusammenarbeit, seit Januar bin ich Fachreferentin für Nachhaltigkeit und Bildungsmanagement.“

Bildungsmanagement bedeutet in Andjes Fall: nachhaltige Erwachsenenbildung auf unterschiedlichen Ebenen. Wie zum Beispiel die Guts-Kultur. Das sind kulturelle Themenabende am Lagerfeuer, initiiert von Kulturnordlichter mit verschiedenen Künstlern zum Thema Nachhaltigkeit. Und ein besonders spannendes Projekt mit einem sogenannten Farm-Bot. Das geht so: In Kooperation mit Fab City Hamburg werden zwei 18 Quadratmeter große Vergleichsbeete gebaut. Das eine wird traditionell per Hand bewirtschaftet, das andere digital mit einem Farm-Roboter. Die Idee dahinter ist, einen Weg aufzuzeigen, wie auch ein urbanes Umfeld selbstversorgend ausgerichtet werden kann – mit der Vision, auf den Dächern von Hochhäusern per Farm-Bot bestellte Beete zu errichten, die die Bewohner darunter mit selbst angebautem, regionalem Gemüse versorgen.

Andje sei schlichtweg „begeistert“ – und das nicht bloß vom Farm-Bot-Projekt. Ihre generelle Faszination für Gut Karlshöhe fasst sie so zusammen: „Das Einzigartige an diesem Ort ist das buchstäbliche Leben im grünen Bereich. Und jeder ist willkommen, mitzumachen.“

gut-karlshoehe.de


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Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Frauke: „Warte nicht auf den richtigen Zeitpunkt!“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Frauke begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Ich wohne zusammen mit meinem Freund und meiner neunjährigen Hündin Frida auf der Schanze. Frida tut uns sehr gut, sie gibt einem immer einen Grund, aus dem Homeoffice mal an die frische Luft zu kommen. Sie ist auch dabei, wenn wir auf Reisen gehen. Letztes Jahr haben wir einen Camper ausgebaut, der jetzt startbereit ist. Wir hoffen, ihn bald nutzen zu können, um Europa näher kennenzulernen. Im Mai möchten wir die Adriaküste umrunden. Was mir schon vor den aktuellen Krisen bewusst war, aber jetzt für mich wichtiger denn je ist: die Dinge nicht aufzuschieben.

„Null Kompromisse, 100 Prozent Freiheit“

Etwas, was ich machen möchte, das mache ich jetzt. Denn da ist so Vieles, was du nicht beeinflussen kannst; du weißt nie, wie es dir oder deiner Familie in der Zukunft geht.

Meine Leidenschaft zu reisen, habe ich nach dem Studium entdeckt. Ich reiste nach Buenos Aires, war dort drei Monate und bin dann noch weiter nach Kolumbien. Das war etwas vollkommen Neues für mich: neue Menschen, neue Perspektiven und mal wirklich mit sich selbst sein. Null Kompromisse, 100 Prozent Freiheit.

In Südamerika lernte ich zwei Franzosen kennen, die auf einer einjährigen Weltreise waren. Ihre Erzählungen faszinierten mich. Ich habe mir damals gesagt, in meinem 30. Lebensjahr mache ich das auch. Und genau so kam es dann. Ich habe damals lange gespart. Kurz vor der geplanten Reise lernte ich meinen Freund kennen und erzählte ihm sofort von meinen festen Plänen. Seine Antwort: ‚Cool, da mache ich mit.’ Er nahm ein Sabbatical und ich kündigte meinen Job. Wir gaben die Wohnung auf und verkauften alles. One Way.

„Lücken im Lebenslauf sind das wirklich Wichtige“

Du musst dir ein Datum setzen: Wann geht es los? Nicht bloß träumen, irgendwann mal dieses und jenes machen zu wollen. Ich rate dir – und das ist nicht nur auf’s Reisen bezogen: Warte nicht auf den richtigen Zeitpunkt, denn den gibt es nicht. Du kannst nur selbst entscheiden, wann es losgeht. Ich glaube, man ist schnell in einem Teufelskreis gefangen, in den dich die Gesellschaft presst: Immer zu arbeiten, bloß keine Pause zu machen.

Aber was, wenn es gar nicht der richtige Job ist? Wie willst du das herausfinden, wenn du nie etwas Anderes gesehen hast, nie mal ausgebrochen bist? Die Lücken im Lebenslauf sind das wirklich Wichtige. Ich habe mal ein Buch gelesen, in dem Sterbende dazu befragt wurden, was sie am meisten bereuen. Häufig fiel die Antwort, Träume nicht verwirklicht zu haben. Ich glaube, wir müssen öfters innehalten und hinterfragen, was wirklich zählt.“


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Journalismus studieren in Hamburg

Die Hansestadt hat eine Palette an Universitäten und Hochschulen, die das Handwerk von Journalisten und Medienexperten lehren – ein Überblick
Texte: Michelle Kastrop

 

Hochschule Fresenius

Die private Hochschule Fresenius liegt nur einige Meter vom Alsterufer entfernt. Die Studiengänge Medien und Kommunikation sowie Medienmanagement und Digitales Marketing sind der Türöffner in die hart umkämpfte Medienwelt. Hier lernt man alles über Medienrecht, Online-Marketing und E-Commerce. Durch die Spezialisierung in Kommunikations- und Agenturmanagement entwickelt man crossmediale Konzepte für digitale und analoge Kanäle.

Oder wie wäre es mit einer Ausbildung in Film- und Videoproduktion? Denn: Bewegtbild ist das wichtigste Mittel unserer Kommunikation. Wer einen Trip ins Ausland während des Studiums nicht missen will, der hat die Möglichkeit ein Auslandssemester in New York oder Shanghai zu integrieren. Das 1848 gegründete chemische Laboratorium Fresenius umfasst heute die Fachbereiche Chemie und Biologie, Gesundheit und Soziales, Wirtschaft und Medien und Design. Zudem bietet die Hochschule auch Fern- und Online-Studiengänge an.

Hochschule Fresenius: Alte Rabenstraße 1 (Rotherbaum)

 

HAW Hamburg

Die drei Departments Design, Medientechnik und Information umfassen alle Kernkompetenzen und den professionellen Umgang mit Information in der Medienbranche. Für ein besseres Verständnis wendet man in Laboren wie dem Medienkompetenzzentrum, dem Search Lab oder dem Usability Labor, das Erlernte dann direkt praktisch an.

Zusätzlich verfügt die HAW Hamburg über ein Forschungszentrum namens Competence Center Communication (COMCC) für Medien und Kommunikation in der Netzwerkgesellschaft. Hier wird der Nachwuchs aus dem Masterprogramm Digitale Kommunikation auf Forschung und Praxis vorbereitet.

Insgesamt bildet die Hochschule für Angewandte Wissenschaften vier Fakultäten: Technik und Informatik, Life Sciences sowie Design, Medien und Kommunikation wie auch Wirtschaft und Soziales. Durch die Corona-Pandemie gibt es keine einheitlichen Bewerbungsfristen für das Wintersemester 2020. Ein Blick auf die einzelnen Studiengänge auf der Internetseite lohnt sich also.

HAW Hamburg: Berliner Tor 5 (St. Georg)

 

University of Applied Sciences Europe

Direkt am Bahnhof Altona ist die private Hochschule University of Applied Sciences Europe zu Hause. Alle drei Fakultäten Art und Design; Sport, Medien und Events sowie Wirtschaft haben dort ihren Platz. In den Bereichen Sport, Medien und Events und Wirtschaft sind Praktika und ein Auslandssemester nicht nur erwünscht, sondern ein Muss. Passend dazu werden auch die Lerninhalte der Studiengänge praxisnah und international ausgerichtet.

In dem Bachelorstudiengang Kommunikations- und Medienmanagement eignet man sich ein grundlegendes wirtschaftliches Wissen und Kompetenzen in Unternehmensführung sowie strategische Planung, Projektmanagement und Krisenkommunikation an.

Während des Vertiefungskurses Moderation in Radio und TV befindet man sich im hauseigenen Radio- und TV-Studio – eben ganz wie in der Praxis. Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester ist der 15. August, für das Sommersemester der 28. Februar.

University of Applied Sciences Europe: Museumstraße 39 (Altona)

 

Hamburg Media School

Hier ist der Name Programm! Die Hamburg Media School ist ein Schmelztiegel für medienaffine Hochschüler. Insgesamt umfasst die Hochschule fünf unterschiedliche Bachelor- und Masterstudiengänge: Digital Journalism, Digital und Medienmanagement, Film, Werteorientierter Werbefilm und Digital Media.

Eines der wichtigsten Merkmale dieser Hochschule sind die kleinen Kursgrößen, die für einen engen Kontakt zwischen Studenten und Dozenten sorgen. Dadurch entsteht eine intensive Betreuung jedes Einzelnen. Wichtig für Berufstätige: Hier kann in Vollzeit oder auch berufsbegleitend studiert werden. Der Masterstudiengang Digital Journalism zeigt den Studierenden neue Arten des Medienkonsums und Storytelling-Formate. So bleibt man auf keinen Fall in der analogen Welt stehen.

Hamburg Media School: Finkenau 35 (Uhlenhorst)

 

Universität Hamburg

Die Universität Hamburg ist mit 180 Gebäuden und mit über 40.000 Absolventen die größte Universität Hamburgs. Insgesamt bietet die Universität, die bereits im 20. Jahrhundert gegründet wurde, über 170 Studiengänge an. So tummeln sich die verschiedensten Leute mit unterschiedlichen Interessen auf dem Campus.

Der Bachelorstudiengang Medien und Kommunikationswissenschaft und der Masterstudiengang Medienwissenschaft werden immer zum Wintersemester angeboten. Damit qualifiziert man sich unter anderen für die Planung, Konzeption und Produktion für Medieninhalte. Besser gesagt: So entwickeln sich die Medien-Talente von morgen!

Die Bewerbungsfrist für Studienanfänger ist dieses Jahr zwischen dem 1. Juli und dem 20. August. Und die Universität Hamburg kann noch mehr. Auch öffentliche Vorlesungen, Weiterbildung, Kultur, Sammlungen und Museen und eine Kinder-Uni bietet die Universität an.

Universität Hamburg: Mittelweg 177 (Rotherbaum)

 

Hochschule Macromedia

Mitten in der Innenstadt, nicht weit vom Jungfernstieg entfernt, liegt die Hochschule Macromedia. Hier heißt es „Brain statt Pain“, ganz nach dem Motto: Auswendiglernen kann jeder, was zählt ist kreatives Denken! Im Bachelorstudiengang Medien und Kommunikationsmanagement lernt man alles über das Planen und Durchführen von Events, Werbekampagnen zu starten und die Unternehmensvision auf Social Media zu verbreiten. Mit diesen und weiteren Kerneigenschaften kann man hinterher sein eigenes Start-up gründen oder im Gegensatz dazu ganz typisch Strategieberater werden.

Wem der normale Bachelor nicht genügt, der kann hier zusätzlich noch einen London-Bachelor abschließen. Das bedeutet, es geht im vierten und fünften Semester nach London zur University of Westminster. Der nächste Master-Info-Abend ist am 14. August und der nächste Bachelor-Info-Abend am 16. September.

Hochschule Macromedia: Gertrudenstraße 3 (Altstadt)

 

Akademie für Publizistik

Dieses Jahr wird die Akademie für Publizistik 50 Jahre alt. Sie wurde gegründet, um die Volontärausbildung für angehende Journalisten zu verbessern. Heute bietet die Akademie viele unterschiedliche Seminare und Lehrgänge an. Bei der berufsbegleitenden, überbetrieblichen Aus- und Fortbildung dreht sich alles um die Medienwelt.

In dem Online-Seminar „Schreiben unter Zeitdruck“ erlernt man Tricks, um zum Schnellschreiber zu werden, ohne dass es die Qualität der Texte beeinflusst. Photoshop-Anfänger? Nach dem Seminar „Bildbearbeitung mit Photoshop CC“ hat man alle wichtigen Grundlagen drauf und weiß, wie man Fotos für Print und Online sicher und schnell bearbeitet. Die Volontärkurse sind unterteilt in Print und Online, Fernsehen und Radio. Perfekt für den Einstieg in die Arbeit der Hamburger Verlagshäuser.

Akademie für Publizistik: Cremon 32 (Altstadt)


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Die Kunsthalle und die Vermessung der Zeit

Der Zukunft und im weiteren Sinne der Zeit widmet die Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung. Die zentrale Frage hinter „Futura. Vermessung der Zeit“ ist, wie kann Zukunft gedacht und dargestellt werden?

Text: Rosa Krohn

 

Albert Einstein konstatierte 1905 in seiner Relativitätstheorie, dass die Zeit eine relative Einheit ist. Zeit ist dehnbar, mal scheint sie überhaupt nicht zu vergehen und mal tut sie das viel zu schnell. Wie Einstein selbst formuliert haben soll: „Wenn man mit einem Mädchen, das man liebt, zwei Stunden zusammensitzt, denkt man, es ist nur eine Minute; wenn man aber nur eine Minute auf einem heißen Ofen sitzt, denkt man, es sind zwei Stunden.“ Die Kunsthalle beschäftigt sich nun mit diesem komplexen Konstrukt – speziell mit der Zukunft und wie sie sich darstellen lässt.

Anlass für die Ausstellung „Futura. Vermessung der Zeit“ bietet das 25-jährige Bestehen Bogomir Eckers Kunstwerk, die „Tropfsteinmaschine“. Mit der Maschine hat der Bildhauer 1996 – angedacht für eine Laufzeit von 500 Jahren – die Vorgänge in einer Tropfsteinhöhle mit der Bildung von Stalagmiten und Stalaktiten nachgestellt. Damit ist das Werk vielleicht kein direktes Abbild, doch zumindest Symptom der Zeit.

 

Die Zeit, ein Rahmenprogramm und Science-Fiction

 

Gemeinsam mit der Sammlungskuratorin Brigitte Kölle hat Ecker nun die Ausstellung kuratiert. Seit dem 14. Januar 2022 nähern sich 30 internationale Künstler den existenziellen Fragen der Zeitlichkeit, Nachhaltigkeit und der Visionen. Neue, eigens für die Ausstellung entstandene Werke, aber auch Artefakte vergangener Zeit – verschiedener medialer Beschaffenheit – treffen hier zusammen.

Das Rahmenprogramm der Ausstellung bietet zudem mit Vorträgen von Philosoph:innen, Literatur und Kunstwissenschaftler:innen, sowie mit Lesungen und einer für die Ausstellung entstandenen musikalischen Komposition von Daniel Ott Raum für den Diskurs. Außerdem interessant für alle Filmbegeisterten und darüber hinaus: Eine Science-Fiction-Reihe im Metropolis Kino begleitet die Ausstellung parallel.

hamburger-kunsthalle.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2022. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Kraftwerk Bille: Gemeinschaftlich kaufen, sanieren und betreiben 

Ein Gespräch mit Nina Manz und Julia Marie Englert vom HALLO: e.V. über Geschichte, Problematik und Lösungen für das Projekt Kraftwerk Bille

Text & Interview: Kevin Goonewardena
Fotos: Jérome Gerull

 

Mit dem Festival HALLO: Festspiele und dem experimentellen Stadtteilbüro Schaltzentrale hat sich das ehemalige Kohlekraftwerk an der Bille in den letzten Jahren zum wichtigen Kulturstandort im Osten Hammerbrooks entwickelt. Nun soll sich der für die Aufwertung des einst brach liegenden Industriekomplexes maßgeblich verantwortliche HALLO: e.V. den Interessen des neuen Eigentümers beugen. Der will das Areal zu Büros umbauen, die weitere sekundäre kulturelle Nutzung des Geländes müsste als Feigenblatt des Projekts herhalten. Die Künstler:innen sollen auch ihre Programmhoheit und zugesagte Fördermillionen abgeben – die jedoch wollen das Gelände lieber gemeinschaftlich kaufen und ihre gemeinwohlorientierte Arbeit fortsetzen. 

Kraftwerk_Bille_Kultursommer_Foto_Jerome_Gerull

SZENE HAMBURG: Die HALLO: Festspiele – ein mehrtägiges Festival für experimentelle Kunst unterschiedlicher Disziplinen – fand erstmals 2015 statt, der HALLO: e.V. gründete sich kurz zuvor. Worum ging es euch damals?

Nina Manz: Julia und ich waren damals noch gar nicht dabei, wir sind erst 2018 dazu gekommen. Als 2015 dieses Gelände hier vom HALLO: e.V entdeckt wurde, ging es erstmal vorrangig um die Umsetzung der HALLO: Festspiele, mit denen es hier angefangen hat und dem Hintergedanken, verschlossene Räume der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dass die Festspiele eine Vorhut für eine dauerhafte Nutzung sein sollen, war von Anfang an das Ziel. Relativ schnell hat sich dann durch die künstlerische Forschung vor Ort ein Verständnis für den Raum und die Besitzverhältnisse ergeben.

Die da waren?

Nina Manz: Damals gehörte der Komplex der MIB, genauer der MIB Kraftwerk Bille GmbH, einem Privatinvestor, dessen Entwicklungsgesellschaft MIB Colored Fields GmbH beispielsweise auch die Baumwollspinnerei in Leipzig entwickelt. Sie ist spezialisiert darauf, Industrieliegenschaften durch kulturelle Umnutzung wieder zu reaktivieren. 

Die Aufwertung ehemals brachliegender Gebäude durch kulturelle Pioniernutzer:innen gehört zum Geschäftsmodell der MIB. Auf einem so reaktivierten Gelände können mit anderen Nutzungen dann höhere Mieten erzielt werden – oder die Immobilie lässt sich wie in unserem Fall für ein Vielfaches des ursprünglichen Kaufpreises weiter verkaufen.

 Nach der ersten Ausgabe der HALLO: Festspiele seid ihr geblieben. Wie kam es dazu?

Nina Manz: Es gab nach den ersten HALLO: Festspielen 2015 das Bedürfnis nach einem dauerhaften Standort für die kulturellen Aktivitäten, die nicht nur einmal im Jahr zum Festival durchgeführt werden sollten. 

Von Beginn an haben Mitglieder des Vereins Konzepte für dauerhafte Nutzungen für die Hallen des Kraftwerks konzipiert und der Eigentümergesellschaft vorgeschlagen. Daraufhin wurde uns von MIB die Räumlichkeiten der Schaltzentrale zur Nutzung angeboten: Mit einem jährlich kündbaren Mietvertrag von Seiten der MIB, ohne Miete, gegen Zahlung der Nebenkosten und relativer inhaltlicher Freiheit für den Verein.

 

Mangel an Räumen

 

Dass hinter dem Projekt Kraftwerk Bille eine Gmbh steht, habe ich vor Jahren bei einem offenen Treffen erfahren. In diesem Kontext wirkte das befremdlich, aber solange ein gemeinsames Ziel verfolgt wird, sollte eine solche Trägerschaft eigentlich kein Problem darstellen. Es muss ja auch nicht jeder Impuls zur Veränderung von unten kommen…

Julia Marie Englert: Die Entscheidung in einer privat besessenen Immobilie kulturelle Nutzungen zu initiieren, wurde notgedrungen akzeptiert – aus dem auch in Hamburg vorhandenen Mangel an Räumen für nicht-kommerzielle Tätigkeiten. Ebenso die prekären, temporären Konditionen der Nutzung. Darum war es uns auch so wichtig, die Aufwertung, die wir zwangsläufig mit in die Nachbar:innenschaft bringen, dauerhaft für diese zu sichern. 

Mit MIB sah es so aus, als ob dies gemeinsam möglich wäre, bis diese das Kraftwerk ohne unser Wissen verkauften, während wir zeitgleich eine Zusicherung von ihnen bekamen, im Rahmen der Förderung, einen Kraftwerksteil als Gemeingut zu sichern.

 Was ist da passiert?

Julia Marie Englert: Die MIB hatte jahrelang betont, dass Kraftwerk selbst entwickeln zu wollen. Warum es dann doch plötzlich zu einem Verkauf kam, wissen wir nicht. Bis heute bleibt das intransparent. Bisher wissen wir, dass die Anteile an der Gesellschaft Kraftwerk Bille Hamburg GmbH an neue Anteilseigner:innen verkauft wurden. Es wurde also nicht das Gebäude und der Grund verkauft, sondern die GmbH, die diese hält. 

Diese Art von Immobilientransaktionen werden häufig genutzt, um die Grunderwerbssteuer zu sparen. Die neuen Eigentümer:innen sind ein Immobilienunternehmer aus Berlin, sowie Arzt und ein weiterer Investor, die beide aus München kommen.

Und das passierte dann über Nacht?

Nina Manz: Über Nacht beziehungsweise parallel dazu, dass wir zusammen mit MIB und dem Bezirk Mitte eine Förderung für WERK beim Bund für ‘Nationale Projekte des Städtebaus’ beantragt haben. Die Förderzusage kam, als das Kraftwerk bereits neue Eigentümer hatte. 

Bei der Förderung geht es, mit einer Kofinanzierung der Stadt Hamburg, um neun Millionen Euro. Seitdem spitzt sich die Situation zu. Dadurch, dass der aktuelle Eigentümer nun nicht mehr verkaufen möchte, können wir das Geld der Förderung nicht annehmen, weil die Förderung an die gemeinwohlorientierte Eigentums- und Betriebsform unseres Konzeptes geknüpft ist. Unter diesen Umständen kommen wir natürlich unter wahnsinnigen Zugzwang: Wie können diese Bundesgelder A, nicht in die Taschen von profitorientierten Akteuren fließen und B, der Realisierung und Sicherung von bezahlbaren, dauerhaften Räumen für Kunst und Kultur, Produktion, Forschung und soziale Infrastruktur zugute kommen?

Häuser und Boden, in denen ihr arbeitet gehören jetzt also einer Firma, die das Gelände anders entwickeln möchte als der vorherige Eigentümer und ihr und das ohne euch?

Nina Manz: Hier sollen vor allem hochpreisige Büros entstehen. Wie sie an vielen Orten in Hammerbrook leer stehen. Die Gebäude des Areals – bei denen es Statik und Denkmalschutz zulassen – sollen aufgestockt und saniert werden, inklusive Teppichboden. Die Kesselhalle soll eine Art Kunst-Mall werden, so nennt es der Investor. Der neue Geschäftsführer kommt aus der klassischen Projektentwicklung und hat unter anderem Infrastrukturprojekte und Shopping Malls entwickelt. Also was sehr anderes als das Kraftwerk jetzt ist – und wofür es seit Jahren mit den erprobten Nutzungen steht. Es geht hier klar um ein Investment, was möglichst hohe Renditen erwirtschaften soll.

 

„Zeit, fair zu verkaufen“

 

Und wie sehen eure Pläne für die Entwicklung des Geländes aus?

Julia Maria Englert: Unser Konzept sieht vor das Grundstück mit Hilfe der Schweizer Stiftung Edith Maryon zu kaufen. Das ist eine gemeinwohlorientierte Stiftung, die Immobilien dem Markt entzieht und an gemeinnützige Organisationen wie z.B. eine Genossenschaft  verpachtet um deren Projekte zu ermöglichen. Sie ist auch ein Garant dafür, dass das Grundstück nicht weiter verkauft werden kann und zukünftiger Spekulation entzogen wird.  Über unsere  Genossenschaft WERK eG planen  wir dann den eigenständigen Kauf des Gebäudes, welches auf dem Grundstück steht.

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Eurem Konzept zufolge sollen die jetzigen Besitzer:innen das Grundstück der Stiftung und das Gebäude eurer Genossenschaft verkaufen. Nur zu einem geringeren Preis als dieser durch die Vermarktung als Bürostandort durch Mieteinnahmen erzielen könnte.

Julia Maria Englert: Genau. Mit den zugesagten Fördermittel in Höhe von rund neun Millionen Euro von Stadt und Land könnte das Gebäude dann saniert werden, ebenso wird die gemeinschaftliche Entwicklung finanziert – denn wir finden, dass alle mitbestimmen sollen, wie dieser einzigartige Ort zukünftig genutzt wird.

Diese Geldsumme braucht es auch, denn die Bausubstanz wird mit jedem Jahr schlechter. Die Fördermittel sind allerdings an unser Konzept geknüpft – ohne WERK gibt es demnach auch keine Förderung. Wir lassen uns aber nicht für die geplante kulturelle Zwischennutzung einspannen, um den Eigentümer:innen diese Fördermillionen zu ermöglichen.

 Was würde sich ändern?

Julia Maria Englert: Eigentum und Betrieb wäre durch die Genossenschaft anders organisiert: Jede:r könnte Teil davon sein und als aktives Mitglied die Zukunft des Kraftwerks mitbestimmen. Für WERK sehen wir eine Nutzungsmix zu je einem Drittel Kunst/Kultur, sozialem und produzierendem Gewerbe vor. Das garantiert die Vielfalt, die der Ort und der Stadtteil Hammerbrook brauchen. 

Wie ist die Position der Stadt Hamburg?

Nina Manz: Sehr positiv. Die Stadt hat mit uns den Förderantrag gestellt. Gleichzeitig zeigt sich hier, was wir bereits wissen: städtisches Grundeigentum sollte nicht verkauft werden, die Steuerungsinstrumente und Einflussnahmen auf gemeinwohlorientierte Nutzungen sind sehr gering, sobald sich die Immobilien in privater Hand befinden.

Mit der Kampagne „Zeit, fair zu verkaufen“ fordert ihr die Eigentümergesellschaft Kraftwerk Bille Hamburg GmbH nun zum Verkauf eines Gebäudeteils an die zu gründende Genossenschaft zu einem fairen Preis auf.

Julia Maria Englert: „Mit der Kampagne wollen wir auf die Situation aufmerksam machen und den Druck erhöhen, dazu finden auch im Rahmen des Kultursommers zahlreiche Veranstaltungen statt. Wie wichtig dieses und ähnliche Projekte für ihre Umgebung, aber auch die Stadt selbst sind, sieht man auch an unseren Erstunterzeichnerr:innen – darunter befinden sich sowohl Einzelpersonen und Organisationen aus Hamburg, Deutschland und darüber hinaus. Nicht nur Künstler:innen, sondern auch Wissenschaftler:innen, Forscher:innen, Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, die an Stadtentwicklung beteiligt sind.

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Mehr Infos und zu den über 150 Erstunterzeichner:innen. Mit unter anderem Mundhalle, Hallo: Radio, Gängeviertel, Golden Pudel, Papiripar Galerie 21, Kampnagel – Internationales Zentrum für schönere Künste, Fux Genossenschaft, Elbphilharmonie, Recht auf Stadt Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Kunstverein. Hier geht’s zur Petition.


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„Hamburg 2040“: Handelskammer Hamburg startet Podcast

„Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“: Der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg

Text: Erik Brandt-Höge

 

Lust auf einen Blick in die Zukunft der Stadt? Kein Problem! „Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“ ist der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg und bietet spannende Gespräche über künftige Herausforderungen. Norbert Aust (Unternehmer und Präses der Handelskammer) und Malte Heyne (Chef der Handelskammer) sind die Gastgeber.

Mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterhalten sie sich über das, was auf Hamburg zukommen könnte – und über dessen Finanzierung. In der ersten Podcast-Folge haben sie einen Gast, der gerade dabei ist, die Zukunft der Stadt vorzubereiten: den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher. Ihre Themen: die Zukunft der Hamburger Innenstadt und des Hafens sowie das Corona-Krisenmanagement des Senats.

Hört hier in die erste Folge rein:


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Wirtschaftsinformatik: Dual studieren mit der HanseMerkur

Jessica Dittrich ist im zweiten Ausbildungsjahr ihres dualen Studiums der Wirtschaftsinformatik bei der HanseMerkur. Sie gewährt einen Einblick in ein modernes Berufsfeld bei dem erfolgreichen deutschen Versicherungsunternehmen

Interview: Frank Sill

 

Die HanseMerkur ist ein modernes und gleichzeitig eines der traditionsreichsten Unternehmen hier in Hamburg. Das Versicherungsunternehmen wird immer wieder zu einem der besten Arbeitgeber gewählt und legt sehr viel Wert auf eine starke Bindung zu seinen Mitarbeitern. Mit viel Leidenschaft und Einsatz werden dafür schon die Grundsteine in der Ausbildung gelegt und die ist nicht nur vielfältig, man hat bei der HanseMerkur sehr unterschiedliche Möglichkeiten auf einen spannenden und lehrreichen Einstieg ins Berufsleben, zum Beispiel als Wirtschaftsinformatiker.

 

SZENE HAMBURG: Hallo Frau Dittrich, Sie machen bei der Han- seMerkur ein duales Studium zur Wirtschafts- informatikerin. Können Sie zum Anfang einmal erklären, wie so ein Studium abläuft?

Das Studium ist in Phasen aufgebaut und wechselt zwischen praktischen Blöcken im Unternehmen und den theoretischen Einheiten an der Uni. Die einzelnen Blöcke dauern immer rund drei Monate und das Studium teilt sich auf sechs Semester auf, die man in drei Jahren absolviert. Selber bin ich gerade im dritten Semester und bin im Juni 2022 fertig.

Welche Schwerpunktfächer erwarten einen an der Uni?

Neben Wirtschaftsinformatik hat man natürlich auch Mathematik. Im ersten Semester schreibt man zum Beispiel eine umfangreiche Mathematikklausur, in der alles vorkommt, was man in der Oberstufe an der Schule gelernt hat. Quantitative Methodik und Statistik sind ebenfalls wichtig Fächer.

An der Hamburg School of Bussines Administration (HSBA), an der ich studiere, liegt der Fokus allerdings stärker auf dem wirtschaftlichen Aspekt. Dort hat man viele Vorlesungen in Fächern wie Micro Economics oder Marketing Management. An der HSBA haben wir darüber hinaus einen Anteil von circa 25 Prozent der Vorlesungen in Englisch.

Was ist für Sie der Vorteil dieses dualen Studiums?

Für mich stand schon vor meinem Abitur fest, dass ich diesen Ausbildungsweg gehen möchte, weil ich auf jeden Fall direkt studieren wollte. Allerdings war mir auch wichtig, dass theoretisch Erlernte auch in der Praxis direkt anzuwenden. Das finde ich spannend und im letzten Semester hatten wir auch den umgekehrten Fall. Wir sollten an der Uni als Projektarbeit eine Website bauen und dort konnte ich schon einigen Erfahrungen aus dem realen Berufsalltag einbringen.

Ein anderer Punkt, der sicherlich auch nicht ganz unwichtig ist, dass man häufiger hört, dass klassische Studienabgänger es schwerer haben, einen direkten Berufseinstieg zu finden. Das Problem habe ich nicht, ich arbeite schon in einem Unternehmen und habe dadurch natürlich die gute Chance, auch direkt übernommen zu werden. Auf jeden Fall habe ich zumindest in den drei Jahren schon sehr viel Berufserfahrung gesammelt.

Stellen Sie große Unterschiede zwischen dem Berufsalltag und dem, was an der Universität theoretisch gelehrt wird, fest?

Dadurch, dass die HSBA auf duale Studien ausgerichtet ist, ist es hier nicht wirklich der Fall und alles ist schon sehr praxisorientiert. Natürlich gibt es auch hier Fächer, wie erwähnt Mathematik, deren Inhalte man so sicherlich kaum wieder im Berufsalltag anwenden wird. Trotzdem werden hier wichtige Grundlagen, zum Beispiel für komplexes und logisches Denken, gelegt. An der Uni Hamburg wäre vermutlich vieles eher theoretisch und nicht so anwendungsbezogen.

An der HSBA machen Sie also viele Projekte, um Dinge einfach mal auszuprobieren?

Genau. Die Website ist da ein gutes Beispiel, die wir in kleinen Projektgruppen programmiert haben. Dafür hatten wir ein Semester Zeit und wir haben es wirklich geschafft, so eine Site komplett zu konzipieren, programmieren, umzusetzen und an den Start zu bringen.

Im nächsten Semester geht es dann weiter und wir werden ein Modul für eine neue Webanwendung entwickeln und aufsetzen. Wenn Sie mich so fragen, muss ich gerade feststellen, dass das Studium noch besser ist, als ich ursprünglich erwartet habe.

 

„Als Wirtschaftsinformatiker hat man die tolle Möglichkeit, in zwei Berufswelten unterwegs zu sein“

 

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Berufsbild des Wirtschaftsinformatikers? Was sind die generellen Arbeitsfelder?

Meine Planung ist zum Beispiel als IT-Koordinatorin zu arbeiten. In dieser Funktion vermittelt man zwischen einem Fachbereich und der IT. Häufig gibt es ja das Problem, dass ein Fachbereich zwar weiß, was er haben möchte, weiß aber nicht einzuschätzen, was das zum Beispiel für die IT bedeutet, noch was die gegebenenfalls benötigen. Und bei der IT ist häufig eben umgekehrt genauso. Man kann aber IT-Berater werden, der Unternehmen grundsätzlich zu allen möglichen IT-Themen berät. Eine weitere Möglichkeit ist es, ins IT-Management zu gehen und als Projektleiter von IT- Projekten zu arbeiten. Das sind so die primären Arbeitsfelder eines Wirtschaftsinformatikers.

Man arbeitet damit also in einer Art Schanierfunktion?

Als Wirtschaftsinformatiker ist man nicht der klassische Programmierer, der eine Software schreibt oder arbeitet in irgendeinem Fachbereich rein auf das Wirtschaftliche fokussiert. Man hat aber von beiden Welten so viel Wissen, um mit den jeweiligen Ansprechpartnern auf Augenhöhe zu reden und die jeweiligen Anforderungen und Erwartungen genau zu verstehen und dies ohne Reibungsverluste zu synchronisieren und das Projekt sauber zu koordinieren.

Und was macht man mit dieser Ausbildung in einem Versicherungsunternehmen?

Ich bin bei uns im Rechnungswesen, wo unterschiedliche Programme und Anwendungen genutzt werden. Diese Programme werden von einer IT-Gruppe verwaltet und mit dieser Gruppe habe ich mehrmals in der Woche Meetings, in den wir versuchen, unsere Anwendungen immer weiter zu optimieren oder auch auf neue Aufgaben hin weiterzuentwickeln beziehungsweise anzupassen.

Bei uns im Unternehmen arbeiten wir dazu auch mit einem Ticketing-System, in dem aus dem Fachbereich entsprechende Aufgaben oder auch Probleme zur Erledigung eingestellt werden. Dafür bin ich dann zum Beispiel aktuell verantwortlich und stimme dann die Prozesse mit der IT-Gruppe ab. Ähnlich läuft es dann in allen anderen Fachbereichen, ein Mitstudent von mir arbeitet etwa bei uns in der Personalabteilung.

Was hat Sie an diesem Beruf gereizt und was hat gegebenenfalls den Ausschlag gegeben, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Für mich war schon relativ früh klar, dass ich einmal in der IT arbeiten möchte, weil mein Vater dort auch schon arbeitet. In gewisser Weise war er letztlich auch mein Vorbild und war beziehungsweise ist bis heute sehr begeistert von seinem Beruf. Er arbeitet in einem großen Unternehmen, ist allerdings komplett auf den IT-Beruf spezialisiert.

In der Schule habe ich Informatikkurse belegt und das hat mir immer Spaß gemacht. Das Thema Wirtschaft kam aufgrund eines Profils, das ich in der Oberstufe belegt habe, hinzu. Politik, Wirtschaft fand ich damals auch spannend und interessant und so kam es dann zu dieser Kombination, denn der Beruf des Wirtschaftsinformatikers gibt mir die tolle Möglichkeit in beiden Welten gleichzeitig unterwegs zu sein. Meine Hochschule habe ich im Internet entdeckt und darüber dann auch direkt die HanseMerkur, die Kooperationspartner der HSBA ist.

 

Hohes Pensum

 

Welche Fähigkeiten oder Talente sollte man mitbringen, um dieses Studium zu machen?

Generell sollte man schon ehrgeizig und fleißig sein, weil man in relativ kurzer Zeit ein recht hohes Pensum absolvieren muss, gerade auch an der Uni. In diesem Semester schreiben wir in der Klausurenwoche zum Beispiel vier umfangreiche Klausuren. Nebenbei mir müssen wir bis dahin unsere Webprojekte ebenfalls fertigstellen und lernen muss man ja auch noch für das eine oder andere Thema.

Ich denke auch, dass man gut mit anderen Menschen kommunizieren können sollte und sich auch in sie, ihre Sichtweisen und ihre Thematiken hineinversetzen können. Wie gesagt man arbeitet an der Schnittstelle von zwei Welten und diese unterschiedlichen Fachsprachen muss man verstehen und für die jeweilig andere Seite auch verständlich machen können. Ein logisches und lösungsorientiertes Denken ist wichtig und zum Thema Mathematik, vor dem einigen immer mal graut, kann ich zumindest sagen, dass dies an der HSBA wirklich gut vermittelt wird.

Wieso haben Sie sich für die HanseMerkur entschieden?

Abgesehen von dem Fakt, dass das Unternehmen mit Ihrer Uni kooperiert. Natürlich kannte ich die HanseMerkur schon vorher, die Stellenausschreibung hat mich sehr angesprochen. Nachdem ich zum Assessment und Bewerbungsgespräch eingeladen wurde und da war, habe ich mich direkt sehr wohlgefühlt.

Die Mitarbeiter sind sehr nett mit uns umgegangen, eine sehr offene und auch professionelle Atmosphäre, in der man sich willkommen fühlt. Im Unternehmen gibt es mit Herrn Florian Krehl, unserem Ausbildungsleiter, auch einen direkten Ansprechpartner für uns und dadurch fühlt man sich gut aufgehoben und das gilt auch für die Fachabteilung, in der ich tätig bin. Die Kollegen sind einfach nett. Toll ist auch, dass wir schon sehr früh Verantwortung übertragen bekommen und dadurch gut lernen selbstständig zu arbeiten; man langweilt sich in unserer Ausbildung nicht.

Können Sie einmal kurz zusammenfassen, warum man bei der HanseMerkur eine Ausbildung machen sollte.

Es ist ein spannendes Unternehmen, dass einerseits sehr groß ist und auf der anderen Seite, sehr familiär ist. Hier kann man in einem angenehmen Umfeld sehr viel Neues lernen und bekommt eine fundierte und umfassende Ausbildung.

Gibt es besondere, zusätzliche Benefits bei der HanseMerkur?

Wir bekommen selbstverständlich Versicherungsprodukte günstiger, dann bekommen wir Zuschüsse zu den HVV-Karten, die Vergütung ist wirklich gut. Es gibt ein wirklich sehr schönes Mitarbeiterrestaurant, auf die Speisen bekommen wir ebenfalls einen Rabatt. Es gibt viele Vorteile und der beste ist, es ist ein super Unternehmen.

Gab es eigentlich auch andere Berufe, die Sie gerne gemacht hätten? Auch, wenn Sie ja scheinbar sehr zielstrebig diesen Berufsweg eingeschlagen haben.

Ich hatte tatsächlich überlegt, Pilotin zu werden. Das habe ich allerdings wieder verworfen, obwohl ich das eigentlich immer noch spannend finde. Aber auch jetzt wieder im Studium merke ich, wie sehr ich eben auch das Programmieren mag und in Kombination mit dem wirtschaftlichen Teil habe ich da meinen perfekten Beruf gefunden.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer Ausbildung?

Generell ist es so, dass wenn man übernommen wird, man vertraglich auch erst einmal zwei Jahre gebunden ist. Allerdings kann ich mir so wie so sehr gut vorstellen, bei der HanseMerkur längerfristig zu arbeiten. Ansonsten möchte ich gerne nach dem Bachelor direkt den Master in Data Science machen. Datenanalysen liebe ich und beschäftige mich auch jetzt schon viel damit in meiner Freizeit.

hansemerkur.de


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