(23.10.) Musik, Max Prosa, Nochtspeicher, 20 Uhr

Bekannt für reichlich Pathos und Bedeutungsschwangerschaften ist der Liedermacher Max Prosa ohnehin. Opulenz in Text und Ton ist ordentlich angesagt bei ihm. Und als es im März dieses Jahres darum ging, seinem Tun einen roten Teppich auszurollen, legte der Berliner noch einen drauf. Kurz vor der Veröffentlichung seines aktuellen Albums „Keiner kämpft für Mehr“ präsentierte er in drei deutschen Städten einen eigenen Kinofilm. Thema: Max Prosa. In „Auf der Suche nach Mehr“ wurde seine Karriere aus der Perspektive des Künstlers erzählt. Auf Tour konzentriert er sich jetzt natürlich wieder voll auf Musik.

/ EBH / Foto: Marc Alexander Littler

Nochtspeicher
23.10.17, 20 Uhr

Der große Fischbrötchen-Check

Ob in der Pause oder als Mitternachtscheck – ein Fischbrötchen ist immer eine gute Option. Unsere Kollegin Jana Belmann hat eine Woche lang jeden Tag ein Fischbrötchen gefuttert. Ihr Resümee:

Brücke 10: Elbe pur

Es ist 13 Uhr an den Landungsbrücken. Eine Schlange von Touris bildet sich vor der Brücke 10 und die Fischbrötchen gehen im Akkord über die Theke. Trotz des Ansturms halte ich nach nicht mal drei Minuten das Brötchen meiner Wahl in den Händen. Ob Winter oder Sommer, hier kann man zu jeder Jahreszeit draußen sitzen, in Decken gewickelt und auf Lammfelle gekuschelt. Aus den Lautsprechern klingt der leise Sound einer Gitarre und das Wasser der Elbe schwappt gegen den Steg. Während mir die Sonne ins Gesicht scheint, beiße ich in ein Brötchen mit geräucherter Makrele (4,50 Euro). Die ist gut gewürzt und saftig. Da stört auch das etwas trockene Brötchen kaum. Bei dieser Aussicht und der Auswahl an zehn verschiedene Fischbrötchen kann man nichts falsch machen.

Preis/ Leistung 4/5
Geschmack 4/5
Flair 5/5
Lage/Erreichbarkeit: St. Pauli-Landungsbrücken 10 (St. Pauli). S1, S2, S3, U3 oder Bus (111, 112) bis Landungsbrücken

Fisch Loop: Traditionsgeschäft

An einem Nachmittag mitten in der Woche verschlägt es mich ins Fisch Loop. Gähnende Leere. Um die Mittagszeit ist hier wohl mehr los als um 17 Uhr. In diesem Traditionsgeschäft fühle ich mich in die 80‘er Jahre zurückversetzt. Die Kacheln sind grau, auf manchen sind bunte Schiffe abgebildet. Quer durch den Laden erstreckt sich eine riesige Theke aus denen ganze Fische mit Eis bedeckt in Richtung des Besuchers glubschen. Das günstige Brötchen mit Räucherlachs wird frisch mit drei großen Stücken Lachs belegt, dann noch ein Salatblatt, Zwiebeln – fertig. Zum puren Geschmackserlebnis hätte noch ein wenig Sauce gefehlt. Dieser Laden versteht sein Handwerk, frischen Fisch gibt’s hier allemal.

Preis/Leistung 4/5
Geschmack 3/5
Flair 3/5
Lage/Erreichbarkeit: Straßburger Straße 15 (Dulsberg).
U1 bis Straßburger Straße

Kleine Haie große Fische: Bier, Schnack und Fisch

Anstatt die alkoholbedingte nächtliche Heißhungerattacke mit einem Döner zu stillen, sollte man lieber zum Fischbrötchen greifen. Bei Kleine Haie große Fische gibt’s die frisch belegt und einen netten Schnack gratis dazu. Am Wochenende treffen sich hier die Nachtschwärmer auf engstem Raum für einen Mitternachtssnack. Ein Stammgast empfiehlt mir den Stremellachs mit etwas Chilisauce. Ich folge der Empfehlung, aber ohne die Chilisauce. Das Brötchen ist fix fertig: mit saftigem Fisch, Salat und frischen Gurkenscheiben. Zusätzlich noch mit etwas Butter bestrichen – wirklich lecker. Auf der Bank vor dem kleinen Laden beobachte ich wie sich der Kiez langsam mit Menschen füllt, um die Nacht zum Tag zu machen.

Preis Leistung 4/5
Geschmack 4/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Querstraße 4 (St. Pauli). S1, S2, S3 oder mit dem Bus (111, 36, 37) bis Reeperbahn

Veddeler Fischgaststätte: Futtern wie bei Muttern

Die Veddeler Fischgaststätte ist eine echte Institution in Hamburg. Seit mehr als 80 Jahren wird hier frischer Fisch auf dem Teller und im Brötchen serviert. Obwohl das kleine Häuschen sich momentan mitten in einer Baustelle befindet, lasse ich mich vom äußeren Eindruck nicht täuschen. Im Inneren empfängt mich ein uriger Gastraum mit Seemannsknoten und alten Fischernetzen an den Wänden. In diesem Häuschen sieht alles noch genauso aus wie damals, als Hans Albers noch lebte! Leider gibt’s nur zwei Fischbrötchen zur Auswahl: Fischfrikadelle oder Backfisch. Letzteres schmeckt tatsächlich knackfrisch. Bei meinem nächsten Besuch werde ich aber eine große Portion Fisch mit Kartoffelsalat probieren.

Preis/Leistung:4/5
Geschmack 3/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Tunnelstraße 70 (Veddel). S3, S31 bis Veddel

Eier Carl: Das Gesamtpaket

Ein Fischbrötchen mit Lachs kostet hier stolze 4,80 Euro. Ich habe es trotzdem probiert und wurde vollends überzeugt. Eier Carl ist ein Restaurant direkt gegenüber von der Fischauktionshalle mit einer kleinen Auswahl an frisch zubereiteten Fischbrötchen. Als die Kellnerin meine Bestellung an den Tisch bringt, werde ich angelächelt von einem wunderschönen Salatblatt, einer gigantischen Menge Lachs und Zwiebeln. Die Innenseiten sind leicht mit Remoulade bestrichen. On Top gibt’s noch kleine Gewürzgurken. Einfach lecker. Wenn das Wetter mitspielt, kann man auf dem weitläufigen Platz sehr schön draußen sitzen, das turbulente Treiben am Hafen beobachten und die letzten Sonnenstrahlen genießen.

Preis/Leistung 4/5
Geschmack 5/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Fischmarkt 3 (St. Pauli). S1, S2, S3, U3 bis Landungsbrücken oder Bus 111 bis Fischauktionshalle

Texte und Fotos: Jana Belmann 


Who the fuck is…

 

…Jana Belmann?
Mindestens bis Weihnachten kann die 23-Jährige jetzt keine Fischbrötchen mehr sehen. Für SZENE HAMBURG Uni-Extra (erschienen im Oktober 2017) probierte die Lüneburger KuWi-Studentin eine Woche lang jeden Tag einen anderen Fischimbiss aus. Jetzt weiß Jana, wo der Lachs am besten schmeckt.


 Der Text ist ein Auszug aus dem SZENE HAMBURG Uni-Extra (Ausgabe Herbst/Winter 2017/18) 


Afro-Party: Kalakuta in Hamburg

Afro-Party: Im Oktober kehrt die Kalakuta-Reihe aus der Sommerpause zurück. Martin Moritz, Teil des erfolgreichen Hamburger Slow-House-Trios Sutsche, veranstaltet den Abend seit fünf Jahren im Golem

Zwirbelt gerne Afrobeats: Martin Moritz. / Foto: Beta Lounge Hamburg

SZENE HAMBURG: Kalakuta in Hamburg. Was ist das?
Martin Moritz: Ein Afro-Allnigter in der Bar vom Golem, zu dem ich jeweils Gast-DJs einlade. Ich widme mich dort ausschließlich der Musik des afrikanischen Kontinents mit Schwerpunkt auf die sogenannte goldene Ära: Afrobeat, Soukous, Highlife, Makossa, Benga und artverwandtes aus West- und Zentralafrika der 70er bis 90er. Aber auch Kwaito aus Südafrika, Coupé Décalé von der Elfenbeinküste oder Naija Pop aus Nigeria. Im Partykeller, der Krypta, gibt es vom Golem parallel häufig House-Veranstaltungen. Das ist immer schön, weil es große Schnittmengen gibt und eine tolle Erfahrung, wenn Leute, die eigentlich wegen House oder Techno kommen, zu Afrobeats tanzen.

Du bist auch in der Krypta gestartet. Mittlerweile bist du an die Bar gezogen. Warum?
Ich finde den Raum schöner und mag es, auf eine musikalische Reise zu gehen, wo nicht die ganze Zeit gefordert wird. Von jedem an Disco orientierten Floor ist man es als DJ eher gewohnt zu pushen, aber ich finde es spannend, auch mal deepe Sachen zu spielen und die ersten Stunden ein bisschen ruhiger anzugehen. Man kann die Leute dort in einer Bar-Situation abholen und ihnen von hier die Polyrhythmen in die Hypophyse zwirbeln (lacht).

Woher stammt der Begriff Kalakuta?
Das ist der Name einer Kommune, die Fela Kuti 1970 in Lagos, Nigeria, gegründet hat. Der Übervater des Afrobeat, Yoruba-Priester und spätere Präsidentschaftskandidat, hat sich damals politisiert und festgestellt, dass er emanzipatorische Lebensformen sucht. Er zog mit seiner Familie und gesamter Entourage von Tänzern bis Anwälten dorthin. Es gab ein Aufnahmestudio, den legendären Nachtclub The Shrine und sogar eine Krankenstation. Traurige Berühmtheit erlangte der Ort durch wiederholte brutale Überfälle durch das Militär, die in diversen Fela-Songs thematisiert wurden.

Wie bist du zur afrikanischen Musik gekommen?
Vor zehn Jahren habe ich angefangen, solche Platten zu kaufen. Ich befand mich beim Auflegen in einer kleinen Sinnkrise. Das war die Techhouse-Zeit und ich hatte das Gefühl, mich damit ein bisschen in die Ecke gespielt zu haben. Afrika fand ich schon immer interessant und war damals ein blinder Fleck auf meiner musikalischen Landkarte. Gleichzeitig hat so gut wie jede westliche Popmusik ihre Ursprünge in Afrika. Deswegen habe ich mich darauf gestürzt, weil es so viel zu entdecken gab und gibt. Als ich mich später entschlossen habe, eine Party im Golem zu machen, musste ein Name her. Nach langem Hin und Her habe ich mich für Kalakuta entschieden, was eine sehr weit verbreitete Referenz in Afro-Kontexten ist.

Langes Hin und Her?
Ja, weil ich nicht einen ausschließlichen Afrobeat-Abend machen wollte. Fela Kuti gilt als Schöpfer des Genres und ist sicher mein Favorit. Aber eigentlich gilt mein Interesse dem ganzen afrikanischen Kontinent und den verschiedenen lokalen Musik- formen, ihren vielfältigen Tonalitäten und Rhythmen. Afrobeat liegt auch die abstrakte Idee einer panafrikanischen Musik zugrunde, als Utopie eines vereinten, emanzipierten Afrika. Die hat auch Fela Kuti aufgeführt, um die Einheit aller afrikanischen Menschen weltweit, unabhängig von ihrer Ethnie oder Nationalität, zu propagieren. Ich würde gerne dieser Vision von Afrika und nicht zuerst einer geografischen Idee Tribut zollen.

Wer besucht dich im Oktober?
Das wird ein Gipfelchentreffen, von dem ich schon seit langer Zeit träume. Das in Bochum ansässige Label Kalakuta Soul Records verwöhnt seit 2013 mit exklusiven Produktionen und Edits. Die entsprechenden Kalakuta Soul Partys sind bereits Legende. Ich freue mich, mit Guy Dermosessian endlich einen der beiden DJs und Labelbosse hinter den Plattenspielern zu begrüßen. Er ist in ganz Europa unterwegs und deren Partys spannen einen Bogen aus allen vier Ecken der Welt. Wir werden dann aber einen rein afrikanischen Fokus haben. Mune_Ra und Sinza Musila machen den Abend komplett.

Du sagtest, dass du selber vor zehn Jahren angefangen hast, solche Platten zu kaufen. Wo?
Meine Plattenläden hier in Hamburg sind allen voran Groove City und Zardoz. Und natürlich kann man in Secondhand-Läden Glück haben. Aber zur Orientierung habe ich immer das Internet genutzt. Allein schon deswegen, weil die Stadt keine Hochburg für afrikanische Musik ist. Die Szene ist sehr klein und Hamburg eher konservativ, was Trends angeht. Als ich vor fünf Jahren anfing, kannte ich hier kaum Afro-Partys. Ich fand es immer sehr bedauerlich, dass es kaum interkulturellen Austausch gibt. Die Kalakuta-Party sollte daher immer eine Brücke schlagen und möglichst offen und niedrigschwellig Leuten unabhängig vom Hintergrund eine Plattform zum Treffen und Tanzen geben.

Funktioniert das?
Total. Und deswegen wollte ich mit meiner Afro-Party auch nicht etwa in einen Black-Music-Club oder in einen Techno-Club, sondern möglichst in einen Laden, der zwar anerkannt ist, aber unterschiedlich bespielt wird. Sich also keine Tradition vorschreibt und die Regeln für sich formuliert hat. Ich möchte lieber Leuten afrikanische Musik vorspielen, die zufällig dabei sind oder sich nicht ständig auf HipHop- oder Reggae-Partys aufhalten. Die schönsten Momente sind die, wenn unterschiedliche Leute zueinander finden. Neulich habe ich beim Auflegen bemerkt, da tanzen 60-jährige Muttis, die die Bands von früher kannten mit 20-Jährigen, die wegen des Ladens da waren. Wenn man sich mit denen hinsetzen würde, haben die wahrscheinlich komplett unterschiedliche Ideen davon, was gerade läuft. Aber genau das ist doch spannend.

Interview: Ole Masch / Beitragsbild: Kalakuta Soul Besuch – Guy Dermosessian. Foto: Atmir_Dolci

21.10., Golem, 22 Uhr

Ein Haus, 40 Eigentümer – ein Jahr Wohnprojekt GoMokry

Das Wohnprojekt feiert Einjähriges. Seit August 2016 wohnen rund 40 Leute zusammen in einem Haus. Sie stehen kurz davor, es „ihr“ Haus nennen zu können

Sie sitzen im Treppenhaus und unterhalten sich. Ein Ort, der sonst lediglich als Durchgang dient, wird für die Menschen an der Mokrystraße 1 und 3 zum Wohnzimmer. Sie realisieren: In einem normalen Wohnhaus wäre das nicht möglich. Doch „normal wohnen“ wollen sie alle gar nicht. Deswegen haben sie sich auch im Wohnprojekt GoMokry* zusammengeschlossen. Rund 40 Leute zwischen 1 und 35 Jahren haben sich gegen eine anonyme Mietswohnung und für eine Nachbarschaft entschieden, in der man sich wirklich kennt und austauscht. Für sie bedeutet das zum Beispiel, dass alle ein eigenes Zimmer haben, sich aber trotzdem Stockwerk übergreifend bewegen. Wer es im vierten Stock so gemütlich findet, verbringt dort den Abend. Wer Lust auf eine Yogastunde hat, geht in den Bewegungsraum im ersten Stock. Wessen Kind mit anderen spielen will, findet im zweiten Stock Spielkameraden. Doch auch experimentelle Wohnkonzepte gehören dazu. In einem Stockwerk wird „funktional“ gewohnt. Das heißt: Niemand hat ein eigenes Zimmer, alle Räume werden geteilt.

Die „Soli-Abende“ am Freitag sind das Herzstück.

Seit gut einem Jahr wohnen sie an der Mokrystraße. Sven-Jan Schmitz, freischaffender Pädagoge und Künstler, ist Bewohner der ersten Stunde. Ihm ist es wichtig, dass die „Mokry“ nicht nur als Wohnhaus wahrgenommen wird: „Das ehemalige Ladenlokal im Erdgeschoss ist öffentlicher Raum und nichtkommerzieller Kulturort“. Dort trifft man sich, isst zusammen, hört Musik oder spielt. Die „Soli-Abende“ am Freitag sind das Herzstück. Die dort generierten Gelder gehen an verschiedene Initiativen und Vereine, aber auch an Menschen in individuellen Notlagen. Generell gilt, dass in den Räumlichkeiten nichts gekauft, sondern nur gespendet werden kann.
Damit das Erdgeschoss autonom agieren kann, wird es von einem Betreiberkollektiv geführt. Das besteht auch aus Leuten aus dem Stadtteil, die nicht im Haus wohnen. Das ist wichtig, denn die Akzeptanz im Viertel mussten sich die Bewohnerinnen und Bewohner aus der Mokrystraße erst erarbeiten. „Am Anfang gab es auch mal krasses Feedback. ,Verpisst euch aus unserem Viertel‘, haben uns einzelne Menschen gesagt“, erzählt Sven-Jan Schmitz. Er kann es verstehen. Wilhelmsburg habe sich stark gewandelt. Was früher als „asi“ galt, sei heute schick. „Die Mieten stiegen und für diejenigen, welche früher hier gewohnt haben, wurde es noch schwerer, eine neue Bleibe zu finden“, resümiert Schmitz. Da sei ein Unmut ihnen gegenüber, die ein ganzes Haus bewohnen, verständlich. Die angespannte Situation hat sich mittlerweile gelegt. „Wir wollen einen runden Tisch und keine Blase“, so Schmitz. Gerade deswegen ist der Raum im Erdgeschoss so wichtig, weil er auch Anlaufstelle für den Stadtteil ist.

Hilfe beim Mietshäuser Syndikat

Wer in einer Mietswohnung wohnt, bezahlt jeden Monat seine Miete. Das Finanzierungskonzept für ihr Zuhause ist für die Leute an der Mokrystraße um einiges komplizierter. Die „Mokrys“ wollen nämlich Miteigentümer des Hauses werden, dafür haben sie sich Hilfe beim Mietshäuser Syndikat geholt.

Das Mietshäuser Syndikat unterstützt Wohnprojekte beim Kauf von Häusern. Unter dem Schirm des Vereins stehen deutschlandweit über 100 Projekte. Die solidarische Idee dabei ist, dass sich Wohnprojekte gegenseitig bei der Finanzierung helfen. Denn das Syndikat hat es leichter als Einzelpersonen, einen Kredit aufzunehmen.

Eine Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens bleibt die zu bezahlende Miete konstant. Zu einer Mieterhöhung kommt es nicht, da das Haus keinen Marktschwankungen mehr unterliegt. Wenn der Kredit beim Mietshäuser Syndikat abbezahlt ist, wird weiter in einen Solidarfonds eingezahlt. Daraus werden dann wieder Hauskäufe für andere Wohnprojekte finanziert. Der zweite Vorteil ist, dass das Haus nie Spekulationsobjekt wird. Auch wenn es in Zukunft möglich wäre, die Immobilie gewinnbringend zu verkaufen, verhindert dies die Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat. Weder die Hausbewohner noch das Syndikat sind alleinige Eigentümer und daher hat immer eine Seite Vetorecht. So zum Beispiel auch im Falle eines Verkaufs. „Noch dieses Jahr wollen wir das Haus in das Mietshäuser Syndikat überführen und so Miteigentümer des Hauses werden“, sagt Sven-Jan Schmitz.

Mokry als Teil der Stadt

Den Satz „Lass mal in die ,Mokry‘ fahren!“ hört Schmitz jetzt auch häufiger außerhalb seines Freundeskreises. „Ich finde es wahnsinnig schön, wenn dieser Ort ein Teil der Stadt und dieses Stadtteils wird.“ Dafür gibt es einige Ideen wie ein geplanter „Hausladen“, wo geschenktes Essen weiterverschenkt wird. Da kann sich dann jemand aus dem Stadtteil mit schmalem Geldbeutel zum Beispiel Tomaten mitnehmen. Doch das sind nicht die einzigen Pläne: Küchen einbauen, Kinder-Spielzimmer ausbauen, Balkone anbauen. Bald kriegt GoMokry* sogar ein Schwesterprojekt. Im Nachbarhaus, in dem heute noch das geschlossene Rialto-Kino schläft, wird bald ein weiteres Wohnprojekt entstehen. Dann werden die „Mokrys“ mit ihrem Erfahrungsschatz schon mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

kontakt.mokryhuetten@posteo.de

Text: Sara Lisa Schäubli / Foto Philipp Jung


Szene Hamburg Titel Oktober Der Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte „So wollen wir wohnen“ in SZENE HAMBURG, Oktober 2017. Das Magazin ist im Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


Der Wünschewagen: Letzte Wünsche wagen

Einmal noch an die Ostsee, auf den Charlottenburger Weihnachtsmarkt, zum St.Pauli-Spiel oder die Enkelin in München besuchen. Pläne, die oftmals auf der Strecke bleiben, wenn das Schicksal es nicht gut mit einem meint. Genau hier setzt das ASB-Projekt „Wünschewagen – Letzte Wünsche wagen“ an.

Gestartet ist das Projekt offiziell am Welthospiztag am 14. Oktober. Der umgebaute Transporter des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) wirft nun also auch in Hamburg seinen Motor an, um schwerkranken Menschen eine Reise zu ihrem Wunschort zu ermöglichen. Mit dem Angebot will der ASB Hamburg Menschen ermutigen, sich ihre Träume zu erfüllen und sie in ihrer Selbstbestimmung bis zuletzt unterstützen. Der Wünschewagen ist speziell auf die Bedürfnisse schwerkranker Menschen abgestimmt, die Fahrgäste werden von qualifizierten, ehrenamtlichen Helfern zum Wunschort begleitet und vor Ort betreut. Hamburg ist als zwölftes Bundesland am Start.

ASB startet 13. Wünschewagen in Hamburg (v.l.n.r.) Knut Fleckenstein, Angelika Mertens, Michael Sander, Isabella Vértes-Schütter, Franz Müntefering. Foto: ASB Hamburg /Henning Angerer

Auch ASB-Präsident Franz Müntefering, bundesweiter Schirmherr des Projektes, war bei der offiziellen Übergabe dabei. Er bringt es auf den Punkt: „Wie oft gibt es im Leben die Situation, in der man sich fragt: Warum habe ich nicht? Wird man schwerkrank, scheint so mancher Herzenswunsch unerreichbar.“ Das möchte die Initiative ändern. Kosten? Keinen Cent. Sowohl die Fahrt, als auch die Betreuung vor Ort durch Ehrenamtliche ist kostenlos. Somit wäre die erste Hürde genommen.

Die Hamburger Schirmherrin des Projektes, Isabella Vértes-Schütter (Intendantin des Ernst-Deutsch-Theater, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft), betont die Notwendigkeit der Aktion: „Es sind oft kleine Wünsche, die für Menschen am Ende ihres Lebens große Bedeutung bekommen. Wünsche, in denen sich wichtige Erinnerungen und große Sehnsüchte bündeln.“

Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist die Selbstbestimmung. Ältere, durch Krankheit geschwächte Menschen sind oft auf Hilfe aus ihrem Umfeld angewiesen; selbständiges Handeln ist immer weniger möglich. Dieses demjenigen zurückzugeben und ihn bis zuletzt in seinem Sehnsuchtswunsch zu unterstützen, ist ein zusätzliches Anliegen des ASB-Wünschewagens.

Text: Christiane Mehlig / Beitragsbild: ASB Hamburg – Henning Angerer

www.wuenschewagen.com