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Watu Wote: And the Oscar goes to … Hamburg?

Die Hamburg Media School-Absolventin Katja Benrath wurde mit ihrem Kurzfilm Watu Wote für den Oscar nominiert. Wir haben mit ihr und ihrem Team gesprochen: über Authentizität, die Dreharbeiten in Kenia und die Kleiderfrage zur Oscar-Verleihung.

Es sind nur rund 20 Minuten. Die aber so intensiv und berührend sind, dass man unbedingt ein Taschentuch bereithalten sollte. Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt HMS-Absolventin Katja Benrath eine Geschichte über Hass und Angst, Mut und Menschlichkeit in Nordkenia: Hier herrschen kriegsähnliche Zustände, zwischen Muslimen und Christen brodeln Hass und Misstrauen. Doch als Terroristen der Al-Shabaab- Miliz einen Reisebus überfallen, um alle Ungläubigen zu erschießen, stellen sich die Muslime unter Einsatz ihres Lebens vor ihre christlichen Mitreisenden. Zwei von ihnen werden angeschossen; einer von ihnen, ein Lehrer und Vater von fünf Kindern, stirbt später an seinen Verletzungen. Mehr als 30 Auszeichnungen räumte der Kurzfilm bereits ab, darunter den Studenten-Oscar. Wenn in der Nacht vom 4. auf den 5. März in L.A. die richtigen Oscars verliehen werden, könnte auch die wichtigste Auszeichnung der Branche noch dazukommen: „Watu Wote“ wurde in der Sektion Kurzfilm nominiert. Wir haben die sympathische 38-jährige Regisseurin getroffen – zusammen mit Drehbuchautorin und Cutterin Julia Drache sowie Kameramann Felix Striegel. Das war Katja Benrath wichtig: Denn diese beiden und Produzent Tobias Rosen, so sagt sie, hätten zum Gelingen des Filmes genauso viel beigetragen wie sie selber.

SZENE HAMBURG: Am Abend der Oscar- Nominierung hattet ihr Premiere in Kenia. Wie kam der Film dort an?
Katja Benrath: Die fanden ihn gut. Viele der Zuschauer gehörten natürlich zur Crew und zur Besetzung, ganz normal, dass manche dann gelacht haben, wenn sie sich erkannt haben. Das war bei dieser Thematik trotzdem ein sehr interessantes Erlebnis.

Wie realistisch ist denn eure Verfilmung?
Julia Drache: Wir haben mit sehr vielen Leuten gesprochen, die wirklich in dem Bus saßen, und haben sehr viele unterschiedliche Geschichten gehört. Unsere Version ist ein Mix aus dem, was uns am realistischsten erschien. Die muslimischen Frauen haben definitiv Kopftücher verteilt, und sicher ist auch, dass niemand die Christen verraten hat. Und es gab den Lehrer Salah Farah, der später an seinen Verletzungen gestorben ist, der die Terroristen offen konfrontiert hat.

Und die Hauptfigur?
Katja Benrath: Sie ist angelehnt an eine Person, die es wirklich gibt. Natürlich hätte sich der Lehrer als Hauptfigur angeboten. Aber dann hätten wir eventuell die Geschichte dieses Menschen, der auch noch gestorben ist, verändern müssen, dramaturgisch anpassen, unwahre Dinge hinzuerfinden. Das erschien mir anmaßend. Wir haben also eine fiktive Figur mit christlichem Background in den Bus gesetzt. In eine andere Kultur zu gehen und dort als jemand von außerhalb eine Geschichte zu erzählen, finde ich ohnehin sehr schwierig und manchmal fragwürdig. Eine Hauptfigur mit einem anders gefärbten Background ist eine zusätzliche Herausforderung und wir fanden die Christin auch als Identifikationsfigur eine gute Entscheidung.

Julia Drache: Die Christin, mit der wir gesprochen haben, war noch schwer traumatisiert und hatte Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass sie tatsächlich von Muslimen gerettet wurde. Unsere Hauptfigur im Film benimmt sich, genau wie die reale Frau, zunächst sehr feindselig gegenüber den muslimischen Mitpassagieren, obwohl sie ihr nichts getan haben. Sie positioniert sich so offen gegen sie, dass man eigentlich denkt, niemand würde ihr im Ernstfall helfen. Das macht den Schluss natürlich viel stärker, denn trotz all der Anfeindungen stellen sich die muslimischen Mitreisenden schützend vor sie und die anderen Christen.

Der Film wirkt extrem authentisch. Wie habt ihr das als Europäer hinbekommen?
Katja Benrath: Intensive Beschäftigung und Empathie spielen eine Rolle. Die gemeinsame Entwicklung der Geschichte. Dann die großartige Kamera- arbeit. Sehr unmittelbar, ganz dicht dran und mitten im Geschehen. Und dann waren wir vier, fünf Monate vor Ort und haben da sehr eng mit den kenianischen Filmemachern zusammengearbeitet.

Felix Striegel: Wir sind ja nicht nach Nairobi geflogen, haben Urlaub gemacht und dann anderthalb Wochen gedreht, sondern uns ganz intensiv mit dem Land und den Leuten auseinandergesetzt. Wir haben in einer ganz normalen Wohnung in Nairobi gewohnt und monatelang den Alltag miterlebt. Da bekommt man schon einen anderen Bezug und einen anderen Blick auf das Land.

Wie wurdet ihr und euer Plan denn aufgenommen?
Felix Striegel: Erstaunlicherweise besser als zuerst erwartet.

Katja Benrath: Ja, der Dialog war sehr schnell da.

War es schwierig, Schauspieler zu finden? Gerade bei diesem Thema?
Katja Benrath: Wir hatten tatsächlich viele Bewerber, es gibt in Nairobi eine ziemlich große Theaterszene und dann ja auch Tom Tykwers Produktionsfirma „One Fine Day“, die seit acht Jahren in Kenia Filme dreht. Das Schwierigste war, somalische Schauspieler zu finden. Am Ende haben wir dann sogar zwei aus Minnesota eingeflogen, die schon mit Tom Hanks in „Captain Phillips“ gespielt haben. Aber die meisten sind tatsächlich Laiendarsteller.

Dream-Team (v. l.): Tobias Rosen, Katja Benrath, Julia Drache und Felix Striegel. Foto: Hamburg Media School

Dream-Team (v. l.): Tobias Rosen, Katja Benrath, Julia Drache und Felix Striegel. Foto: Hamburg Media School

Kann man denn im Film erkennen, ob jemand wirklich Somali ist?
Felix Striegel: Ja, klar! Das ist ein riesiger Kontinent mit unglaublich vielen Ethnien und Stämmen, die sich vom Teint, von der Physiognomie her unterscheiden. Alleine in Kenia gibt es 42 verschiedene Stämme! Die Somali haben ganz andere Gesichtszüge und einen ganz anderen Teint. Man hätte nicht einfach irgendjemanden nehmen und ihm ein Kopftuch aufsetzen können. So etwas wollten wir nicht, das wäre auch rassistisch und menschenverachtend. Wir wollten nicht einfach Klischees bedienen.

Katja Benrath: Das war übrigens auch die größte Sorge der kenianischen Filmemacher, sie haben bei internationalen Filmproduktionen sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Ist es nicht merkwürdig, in einer Sprache zu drehen, die man nicht versteht?
Katja Benrath: Die paar Sätze, die im Film vorkommen, kann ich inzwischen. Julia hat das Drehbuch auf Englisch geschrieben, und wir haben es übersetzen lassen. Ich habe dann sehr eng mit der Casterin zusammen- gearbeitet, die beurteilen konnte, ob das authentisch klingt. Ich fand es eigentlich nicht so problematisch. Die Kommunikation im Team war immer auf Englisch.

Das klingt jetzt alles so unkompliziert. So einfach war es aber nicht, oder? Felix, wurde dir nicht zum Beispiel die Kamera geklaut?
Felix Striegel: Ja, genau. Das war natürlich ein Schock. Glücklicher- weise war das noch kurz vor dem Dreh, sodass wir noch Ersatz besorgen konnten. Wäre das später passiert, hätte es wohl das Aus für den Film bedeutet. Wir hatten ja 50 Komparsen und noch mal fast 50 Leute Team, wir hätten das nicht mehr verschieben oder die Drehorte ändern können. Es gibt eigentlich nichts, das bei diesem Dreh nicht passiert wäre. Der Hauptdarsteller war während des Drehs ja auch im Gefängnis.

Warum?
Julia Drache: Weil er ein Somali ist. Es war eine ganz ähnliche Razzia wie die, mit der wir in den Film einsteigen, bei der Somalis manchmal grundlos verhaftet werden, wenn sie keinen Ausweis dabeihaben.

Katja Benrath: Gerade weil die Somalis so verfolgt werden, war es für sie wirklich eine Frage des Muts, bei dem Film mitzumachen. Bei den Castings waren einige, die dabei sein wollten, aber ohne ihr Gesicht zu zeigen. Weil sie tatsächlich eine Gefahr witterten, wenn sie sich im Film so klar gegen Al-Shabaab positionieren.

Bislang gab es aber keine Repressalien?
Katja Benrath: Nein.

Dann reden wir von etwas Schönem. Ihr wart gerade beim Oscar-Lunch der Nominierten in L. A?
Katja Benrath: Unser Produzent Tobias Rosen und ich waren da.

Und du hast mit Meryl Streep gesprochen …
Katja Benrath: Ja, ich habe kurz mit ihr die Kleiderfrage geklärt.

Ha! Gibt es wieder einen #MeToo- Dresscode?
Katja Benrath: Nein. Meryl Streep hat mir sinngemäß gesagt: Trag, was immer du tragen möchtest und mach den Mund auf, wenn es notwendig ist. Das fand ich sehr schön.

Was haltet ihr denn davon, wie diese Debatte verläuft? Ist das nicht langsam ein bisschen hysterisch?
Julia Drache: Allein die Tatsache, dass viele Frauen es offenbar über Jahrzehnte nicht gewagt haben, über sexuelle Belästigung bis hin zu Missbrauch zu sprechen, zeigt doch, dass diese Debatte längst überfällig war. Hysterisch finde ich daran gar nichts. Man muss natürlich darauf achten, dass alle Vorwürfe geprüft werden. Aber ich denke, dass es allein aufgrund der Debatte seltener bis zum Schlimmsten kommen wird. Und wenn doch, werden die Frauen viel wahrscheinlicher gleich aufstehen und den Mund aufmachen. Natürlich gibt es jetzt die armen Männer, die sagen, sie trauen sich gar nicht mehr, einer Frau ein Kompliment zu machen oder zu flirten. Aber denen sei gesagt: Wenn ihr irgendwelche Zweifel habt, dass euer Verhalten unangebracht ist, dann lasst es einfach gleich bleiben. (Die anderen beiden nicken)

Dann kommen wir zur wichtigsten Frage überhaupt: Was zieht ihr an?
Felix Striegel: Ich werde von Thorsten Lewin aus dem Portugiesenviertel gesponsert. Von ihm bekomme ich einen sehr coolen Smoking.

Julia Drache: Ich war gerade in Ottensen bei Estomo, die schneidern mir ein Kleid.

Katja Benrath: Im Rahmen der Solidarisierung habe ich mich für ein schwarzes Outfit entschieden und werde von Kaviar Gauche Berlin ausgestattet.

Und was macht ihr mit dem Teil, wenn ihr es wirklich gewinnt? Wie viele davon bekommt ihr eigentlich? Einen?
Katja Benrath: Leider kann man neben der Regie nur einen weiteren anmelden. Finde ich falsch, denn alle haben ihren Teil geleistet. Wir haben uns für den Produzenten entschieden. Wenn wir gewinnen sollten, geben wir vielleicht einen nach Kenia, und den anderen reichen wir wie einen Wanderpokal hier in Hamburg rum. Oder teilen ihn in vier Stücke …

Und wie geht’s jetzt weiter? Bleibt ihr vier zusammen?
Katja Benrath: Wir haben gerade alle diverse eigene Projekte, planen aber, zusammen ein dänisches Jugendbuch zu verfilmen. Das wurde gerade in dieser Konstellation gefördert und Julia ist dabei, das Drehbuch zu schreiben.

Julia Drache: Ja, ich adap-tiere gerade den Roman „Pferd, Pferd, Tiger, Tiger“ von Mette Eike Neerlin. Es geht um ein Mädchen, das mit einem drogendealenden Vater, einer nicht so ganz zuverlässigen Mutter und einer geistig behinderten Schwester aufwächst. Sie ist die „Erwachsenste“ aus der Familie, kümmert sich liebevoll um jeden und vergisst dabei sich selbst. Als sie zufällig in einem Hospiz landet, freundet sie sich mit einem im Sterben liegenden Mann an und lernt durch ihn, mehr an sich zu denken und auch mal „Nein“ zu sagen. Klingt nach hartem Tobak, ist aber sehr, sehr rührend und vor allem auch lustig.

Text & Interview: Maike Schade

Live-Übertragung der Oscar-Verleihung im Savoy Filmtheater, 4.3., 23.30 Uhr; „Watu Wote“ im TV: 8.3., BR, 0.30 Uhr

Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Hamburgerin des Monats: Barbara Barberon

Auch, wenn ihr Name so klingt, Barbara Barberon (50) ist keine waschechte Französin, aber eine im Herzen. Das von ihr mitgegründete „arabesques“ Festival (bis 7. März 2018) vereint Künstler aus beiden Ländern, um die deutsch-französische Freundschaft zu stärken und solidarisch über die Grenzen hinauszuschauen

SZENE HAMBURG: Barbara, woher kommt deine enge Bindung zu Frankreich?
Barbara Barberon: Durch die Familie. Meine Großmutter war Wahlfranzösin und mein Vater hat seine Kindheit dort verlebt. Ich habe sieben Jahre in Chinon, einem gemütlichen mittelalterlichen Städtchen im Val de Loire, gelebt und meine Kinder wurden dort geboren.

Und wie bist du 2012 dazu gekommen, ein deutsch-französisches Festival hier zu initiieren?
Damals hat Nicolas Thiébaud, der Solo-Oboist an der Staatsoper ist, eine Konzertreihe veranstaltet und mich gefragt, ob ich Lust hätte, ergänzende Kulturveranstaltungen zu organisieren. Im ersten Jahr haben wir mit 25 angefangen, im zweiten waren es bereits 55, ein Mix aus Lesungen, Konzerten, Theater und Debatten.

Wie stemmt ihr das?
Anfangs haben wir alles zu zweit gemacht. Mittlerweile sind wir in unserer Organisation etwas breiter aufgestellt. Ich bin für die Programmplanung verantwortlich, also im ständigen Austausch mit Künstlern und Veranstaltungspartnern im In- und Ausland. Trotz Unterstützung einiger Stiftungen, sind wir leider institutionell noch nicht fest aufgestellt. Wir bekommen durch die Kulturbehörde eine jährlich neu zu beantragende Projektförderung, die sehr hilft, aber noch keine sichere langfristige Planung zulässt. Diese Festival-Ausgabe steht unter dem Motto „Gegenwelten“.

Was bedeutet der Begriff?
Ich gestalte jedes Jahr ein Thema, um zu vermeiden, dass das Festival in eine inhaltliche Beliebigkeit rutscht. Wir wollen eine Bindung erzeugen und zeigen, dass wir uns kulturpolitisch für ein Ziel einsetzen. Zu dem Thema „Gegenwelten“ gibt es noch den französischen Zusatz „repenser le monde“, also die Welt noch einmal anders denken. Für mich ist es sehr wichtig, den Mut zu haben und sich der Kraft bewusst zu sein, dass wir die Welt auch immer wieder ganz anders gestalten können. Dazu gehört natürlich die Stärke der Solidarität, des Sicheinsseins in dem Willen, etwas aktiv zu verändern. Wir müssen nicht feststecken – wir können hinterfragen und selbst eine Richtung angeben, kommunizieren, gestalten.

Wie ziehst du von der Systemkritik den Bogen zur deutsch-französischen Beziehung?
Bei der Programmgestaltung gehen wir von der deutsch-französischen Freundschaft aus, denn die Zusammenarbeit dieser beiden Länder ist essenziell für den Frieden in Europa. Wir arbeiten viel mit französischen Künstlern und Institutionen in Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Partnerländern zusammen. Es geht um die Idee, gemeinschaftlich über die Grenzen hinauszuschauen.

Welche Konzepte fördern eine stärkere Solidarität in der Gesellschaft?
Wenn ich auf die Welt blicke, ist für mich ein fehlender Zusammenhalt das Erschreckende, aber auch das Herausfordernde.

Welche Veranstaltung findest du besonders erwähnenswert?
Ende Januar findet ein sehr schönes Projekt in der Klangmanufaktur statt. Dort wird der Komponist und Pianist Thierry Pécou mit seinem Musiker-Ensemble ein sehr besonderes Programm mit Klarinette, Saxophon und Klavier spielen. Sie spüren der Groupe des Six nach, den Klängen von Tango, Disco und Jazz im Paris der 20er. Am Tag darauf werden die Musiker mit Schülern in einem Kompositionsworkshop zusammenkommen.

Die Klangmanufaktur ist ja für sich schon ein schönes Projekt …
Ja, ich finde die Idee und Vision großartig. Ausgehend von dem Gedanken, dass sich viele Künstler und Kulturstätten keinen so guten Flügel leisten können, restaurieren ehemalige Steinway-Mitarbeiter alte Steinway-Flügel. Investoren können, anstatt vielleicht eine Wohnung zu kaufen, einen dieser Flügel erwerben, der dann vermietet wird. Es gibt so viele bezaubernde Kulturstätten, die sich sonst keinen guten Flügel leisten können.

Was bedeutet die 60-jährige Städtepartnerschaft von Marseille und Hamburg für unsere Stadt?
Sie ist ein Symbol dafür, über seine Grenzen hinauszusehen und eine Aufforderung, sich mit der Kultur des Nachbarlandes zu befassen. Das ist nicht überall sichtbar, aber eine sehr schöne Möglichkeit, gemeinsam kulturelle Projekte ins Leben zu rufen und in beiden Ländern zu präsentieren – wie wir es beim Eröffnungskonzert tun werden. Das Ensemble arabesques widmet sich, unter der Leitung von Nicolas Thiébaud, gemeinsam mit Musikern des „Institut des vents français“ südfranzösischen und deutschen Komponisten. Dazu arbeiten wir eng mit dem Goethe-Institut zusammen und planen im Juni ein gemeinsames Hamburg-Marseille-Filmfest im Metropolis.

Woran hängt dein Herz mehr, Hamburg oder Frankreich?
Das kann ich gar nicht sagen. Hamburg war und ist meine Wahlheimat, ich habe hier schon studiert. Ich liebe die Stadt und als ich in Frankreich war, habe ich viel an Hamburg gedacht. Von hier aus habe ich immer Heimweh nach Frankreich. Und dann trage ich auch noch Celle im Herzen, die Stadt, aus der ich komme …

An welchen Ort in der Stadt gehst du, wenn dich die Sehnsucht packt?
Ein für mich wichtiger Ort, seit ich hierher zurückkam, ist das Lycée français geworden, an dem meine Kinder zur Schule gehen. Aber auch das Ensemble Voix de Femmes, in dem ich jeden Mittwochabend singe – ein sehr privater französischer Ort, den Rémi Laversanne geschaffen hat. Und wenn man genau hinsieht, findet man hier überall Frankreich wieder – im Theater, im Kino, in den Konzertsälen …

Das klingt, als würdest du nie Feierabend machen?
Doch, durchaus. Aber da treffe ich auch auf Frankreich: Meine Kinder sind Franzosen, in Frankreich geboren, es war ihre erste Heimat. Jetzt sind sie auch Hamburger, aber eben mit französischen Wurzeln.

Wenn dir mal alles zu viel wird, hast du dagegen eine Strategie?
Die Stille genießen. Und ich reise unglaublich gern, nicht nur nach Frankreich!

Interview: Hedda Bültmann

Foto: Michael Kohls

7. Deutsch-Französisches Kulturfestival arabesques, 22.Januar 2o18 – 7. März 2018, verschiedene Veranstaltungsorte in und um Hamburg; www.arabesques-hamburg.de

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

WUTROT! Martin McDonaghs serviert einen brillanten, deftigen Genremix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.

Der Zorn verdrängt alle anderen Gefühle, selbst die Trauer. Mildred Hayes (Frances McDormand) will Gerechtigkeit um jeden Preis. Vor sieben Monaten wurde ihre Tochter vergewaltigt und ermordet, vom Täter keine Spur. Die furchtlose, zynische 50-Jährige mietet für 5000 Dollar pro Monat drei riesige Werbetafeln am Ortsausgang und beschuldigt weithin sichtbar Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) der Untätigkeit. Ihrer Überzeugung nach foltern die heimischen Cops lieber Schwarze als Verbrechen aufzuklären. Vom ersten Moment an gehört unsere Sympathie der taffen Protagonistin, die mit ihren lakonischen, köstlich vulgären Sprüchen potenzielle Gegner außer Gefecht setzt.

Der britisch-irische Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh („7 Psychos“) verbindet virtuos bissigen schwarzen Humor mit dem Schrecken griechischer Tragödien. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist weniger ein feministisch opulentes Rache-Epos als die düstere Chronik amerikanisch provinzieller Bigotterie. Es erzählt von Gewalt, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Korruption und einem kaltherzigen Priester.

Bald schon hat die allein erziehende Mildred fast die ganze Stadt gegen sich. Wenn es sein muss, wehrt sie sich tatkräftig, tritt einem Mitschüler ihres Sohnes in die Eier, im Zuge der Gleichberechtigung kriegt das Mädchen daneben auch was ab. Dem uneinsichtigen, fetten Zahnarzt bohrt sie ein Loch in den Daumen und nachts fliegen Molotow-Cocktails ins Polizei-Revier. Eine Traumrolle für Frances McDormand. Der Film explodiert fast vor verhaltener Wut, ist unberechenbar wie seine verzweifelte, skrupellose Anti-Heldin und trotzdem höchst subtil. In dieser packenden, vielschichtigen Charakterstudie führt McDonagh jede Art von Klischee ad absurdum, er spürt den verschiedenen Ursachen von Hass, Schmerz und Einsamkeit feinfühlig nach.

Chief Willoughby ist ein besonnener kluger Mann, der krebskranke Vater von zwei kleinen Töchtern wird bald sterben. Doch Mildred kennt keine Gnade; selbst dafür hat der Sheriff Verständnis. Genau wie für den gewalttätigen, rassistischen, von Mama gegängelten jungen Officer Dixon (Sam Rockwell), der seinen Zeugen ohne Zögern durch die Fensterscheibe des oberen Stockwerks auf die Straße schleudert. Dixon verabscheut Mildred. Umso überraschender ist das Finale.

Text: Sarah Castell

ABATON Kino

Ab 25. JANUAR 2018

(Preview: 22. Januar 2018, 20 Uhr)

Kurzfilm in Hamburg

Mit einer großen Party hat die KurzFilmAgentur im Oktober ihren 25. Geburtstag gefeiert. Schön, schön, happy birthday! Aber – wer oder was ist die KFA eigentlich? Und was machen die da genau? Wir haben bei der Geschäftsführerin Alexandra Gramatke nachgefragt

SZENE HAMBURG: Frau Gramatke, wer ist die Kurzfilmagentur, und was machen Sie genau?

Alexandra Gramatke: Entstanden ist das Ganze aus dem NoBudget Kurzfilmfestival, das schon vor 33 Jahren das erste Mal stattfand. Da gab es immer mehr Nachfragen von Kinos und anderen Veranstaltern, die Kurzfilme auch außerhalb des Festivals zeigen oder sehen wollten. So entstand zunächst der Kurzfilmverleih, der vorrangig an Kinos Kurzfilme verleiht – als Vorfilm oder auch in speziell zusammengestellten, abendfüllenden Programmen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann immer mehr Bereiche.

Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind.

Zum Beispiel?

Der Vertrieb, der sich um den Lizenzhandel mit Fernsehsendern, Internetportalen oder Bildungseinrichtungen kümmert. Dann haben wir noch den Bereich Kurzfilm Schule, wo Filmemacherinnen Workshops mit Kindern aller Altersklassen und Schulformen veranstalten. Dann haben wir natürlich ein riesiges Archiv, das sich hauptsächlich aus den Einreichungen zum Filmfestival speist. Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind. Wir nutzen das beispielsweise auch dazu, unsere Filmprogramme zusammenzustellen, die wir für unterschiedlichste Veranstaltungen anbieten. Aktuell hatten wir beispielsweise mit dem DESY eine tolle Kooperation: Wir haben zum „Dark Matter Day“ ein entsprechendes Kurzfilmprogramm zusammengestellt. Oder letztens im Rahmen der India Week ein Programm aus indischen Kurzfilmen, die man hier sonst auch nicht sehen kann. Wir bekommen relativ häufig solche Anfragen, auch von außerhalb Hamburgs, weltweit.

Das heißt, Sie sind ein riesengroßes, internationales Unternehmen?

Kann man so sagen, ja. Auch wenn wir nicht so aussehen (lacht). Wir sind tatsächlich dadurch, dass unsere Mitarbeiter durch die ganze Welt reisen und auf Festivals auch in Panels sitzen oder Vorträge halten, weltweit ziemlich gut vernetzt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Feste Mitarbeiter? 15, aber nicht alle arbeiten Vollzeit. Und zwei davon kümmern sich um die organisatorische und künstlerische Leitung des Internationalen Kurzfilmfestivals, das ja unter dem Dach der Kurzfilmagentur stattfindet.

Wenn ich jetzt einen Kurzfilm produzieren würde – könnte ich Ihnen den einfach zuschicken?

Ja, genau, ein wichtiger Punkt. Das Schlaueste wäre wahrscheinlich, den bei unserem Festival einzureichen. Da klopfen wir ohnehin alle Filme darauf ab, ob sie beispielsweise als Vorfilm im Kino geeignet sind. Oder ob eventuell Interesse bei einem der Fernsehsender bestehen könnte, mit denen wir zusammenarbeiten. Dann sprechen wir den Filmemacher an und machen einen Vertrag für Verleih oder Vertrieb. Man kann uns den Film aber auch direkt anbieten, dann gucken wir uns das an und melden uns gegebenenfalls zurück.

Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben.

Wer schickt Ihnen denn Filme? Hauptsächlich Nachwuchsfilmemacher?

Ja, Nachwuchs ist ein wichtiger Bereich. Aber bei weitem nicht nur. Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben auch mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben. Oder beides machen, Kurz- und Langfilm. Natürlich gibt es den finanziellen Aspekt, ein Kurzfilm kostet einfach weniger Geld. Aber ein Kurzfilm ist auch ästhetisch oder inhaltlich interessant, weil man viel mehr Freiheiten als im Langfilm hat, wo man meistens doch recht fest an Genre- oder Formatvorgaben gebunden ist. Man kann viel mehr ausprobieren.

Wie lang darf ein Kurzfilm denn sein, gibt’s da offizielle Grenzen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist die Vorgabe für Förderung, dass er bis zu 30 Minuten lang sein darf. Die meisten Festivals handhaben das auch so. Wir auch. Natürlich machen wir Ausnahmen, wenn uns ein Film wirklich begeistert. Wir haben auch schon welche gezeigt, die 45 Minuten lang waren, auch wenn das offiziell ein „mittellanger“ Film ist. Für den Vertrieb, also die Ausstrahlung bei Fernsehsendern, sind am besten Filme geeignet, die zwischen 15 und 20 Minuten lang sind. Aber auch hier sind Ausnahmen immer möglich.

Wie viele Filme werden bei Ihnen eigentlich eingereicht?

Die meisten beim Festival, das sind zwischen 5000 und 6000 pro Jahr. Das ist natürlich ein ganz schöner Aufwand, die alle zu sichten. Jeder Wettbewerb hat eine eigene Sichtungsgruppe, und die müssen sich dann tage- und nächtelang da durchsehen. Außer der Reihe werden uns auch noch mehrere Filme pro Woche zugesandt.

Aus der ganzen Welt …?

Ja, genau. Unser Archiv ist sehr international.

Wir haben einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen.

Kann ich als Privatperson eigentlich auch bei Ihnen Filme ausleihen? Zum Beispiel für einen Filmabend mit Freunden?

Das ginge, klar. Allerdings müssten Sie dafür ein bisschen Geld bezahlen. Es für uns sehr wichtig, dass die Filme nicht umsonst rausgehen. Zum einen müssen wir natürlich einen gewissen Umsatz machen. Vor allem wollen wir aber, dass die Urheber in irgendeiner Form finanziell irgendetwas zurückbekommen. Auch wenn das manchmal nur kleine, eigentlich symbolische Beträge sind. Schließlich ist so ein Kurzfilm ja auch ein Wert. Wir haben aber trotzdem auch einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen. Das sind normalerweise Filme, die ihre Verwertung schon größtenteils hinter sich haben, also auf Festivals gelaufen sind oder vom Fernsehen gekauft wurden. Davor wird Werbung geschaltet, sodass die Urheber dafür dann auch eine kleine Vergütung erhalten, je nach Klickzahl.

Kurzfilme werden häufig belächtelt. Fühlen Sie sich in Hamburg trotzdem ernst genommen?

Auf jeden Fall! Das hängt auch mit dem Festival zusammen, dadurch werden wir sehr viel besser wahrgenommen. Die Agentur ist für den Endverbraucher ja gar nicht so sichtbar. Der sieht höchstens vielleicht im Kino einen Kurzfilm als Vorfilm oder eine Filminstallation im Museum, weiß aber gar nicht, dass das über uns dort gelandet ist. Wir wünschen uns natürlich mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit für den Kurzfilm, und dass er nicht nur als Nachwuchsformat gesehen wird. Nach oben hin ist da natürlich immer alles offen.

Interview: Maike Schade

www.shortfilm.com


Der KFA-Kurzfilm des Monats Dezember 2017:

 


Dieser Text ist ein Auszug aus der SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 30. Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

 

Neu im Kino: Loving. Lieben! Und Lieben lassen

Lieben und lieben lassen – es könnte ja so einfach sein. War es aber nie, und ist es bis heute nicht, wie wir gerade heute wieder in Diskussionen über die gesetzliche Gleichstellung Homosexueller erleben können.

Loving

Ihre Liebe als Stein des Anstoßes: Mildred und Richard

„Loving“ behandelt dagegen eine Zeit, in der die gleichgeschlechtliche Ehe noch undenkbar war. In den 50er Jahren war es in manchen Staaten der USA noch verboten, als Weißer eine schwarze Frau zu heiraten, und umgekehrt. Dieser Problematik widmet sich das Drama von Jeff Nichols („Take Shelter“) aus der sehr persönlichen Sicht von Mildred und Richard Loving. Als sie schwanger wird, macht er ihr ohne zu zögern einen Antrag. Obwohl die sogenannte interracial marriage im Staat Virginia illegal ist. Noch während der Schwangerschaft werden die beiden verhaftet. Der Beginn eines Kampfes, der den Liebenden alles abverlangt.

Nicht zuletzt dank Robert Kennedy wurden die Lovings zum Gegenstand einer Gesetzesänderung, dank der sich die Geschichte der USA maßgeblich verändern sollte. Ein Präzedenzfall, aus dem Nichols allerdings kein Justizdrama macht, sondern eine Liebesgeschichte, die ganz ohne Kitsch auskommt.

Mildred und Richard sind keine Bürgerrechtler. Sondern einfache Menschen, mit dem einfachen Traum, ihr Leben miteinander zu verbringen. Eine Liebe, die glaubwürdig wird durch das würdevoll zurückhaltende Spiel von Joel Edgerton und Ruth Negga, die für ihre Performance eine Oscar-Nominierung erhielt.

„Sagen Sie dem Richter nur, dass ich meine Frau liebe“, sagt der wortkarge Richard seinem Anwalt in einer anrührenden Szene. Davon gibt es einige im Film, verpackt in wunderschöne Landschaftsbilder. Die Kamera schweift über die endlosen Weiten Virginias, und man beginnt zu ahnen, was es bedeutet, wenn Menschen durch irrationale Gesetze von ihrer Heimat getrennt werden.

„Loving“ ist ein Film, der seine durchaus aktuelle politische Aussage sozusagen auf natürlichem Weg vermittelt: Wo das individuelle Glück illegalisiert wird, hat die Gesellschaft ein menschliches Problem. Damals wie heute.

/ Karin Jirsak

Regie: Jeff Nichols. Mit Joel Edgerton, Ruth Negga, Marton Csokas. Ab 15.6.17 im Kino

Preview im Abaton Kino am 13.6.17, 20 Uhr

Aki Kaurismäki: Die andere Seite der Hoffnung

So lustig wie tragisch und auf der Berlinale preisgekrönt: Aki Kaurismäki erzählt wie ein junger syrischer Flüchtling und ein finnischer Vertreter für Oberhemden sich finden. Jetzt im Kino

Es ist ein kleines Wunder, wie Aki Kaurismäki es immer wieder schafft, einen so lakonischen wie zutiefst menschlichen Blick auf die Welt zu werfen, der einen lachen lässt und gleichzeitig zutiefst bewegt.

Diesmal fällt dieser auf den syrischen Flüchtling Khaled (Sherwan Haji), den es auf einem Kohle-Schiff nach Finnland verschlägt. Inständig bemüht, alles richtig zu machen, geht er erst duschen, scheitelt sich ordentlich das Haar und meldet sich dann ordnungsgemäß bei den Behörden. Und während er durch die bürokratische Mangel gedreht, in eine Flüchtlingsunterkunft gebracht und stundenlang verhört wird, entspinnt sich eine zweite Geschichte, die ebenfalls von einem Neuanfang erzählt, der dennoch ein ganz anderer ist.

Wortlos verlässt Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen), ein finnischer Vertreter für Oberhemden, seine langjährige Gattin, um als Restaurantbesitzer neu zu starten – in einem heruntergekommenen Etablissement, in dem lediglich ein Gericht auf der Speisekarte steht, ein Terrier in der Küche versteckt wird und man – bei dem Versuch mit der Zeit zu gehen – das wohl schlechteste Sushi der Filmgeschichte serviert.

Natürlich kreuzen sich die Wege von Khaled und Wikström und seinem schrägen Küchenpersonal. Und was zwischen ihnen entsteht, erzählt in satten Bildern, so schön, als seien sie auf Zelluloid gemalt, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Plädiert für frisches Blut in Europa. Aki Kaurismaeki

„Wo zum Teufel noch mal ist die Menschlichkeit geblieben? Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen und morgen können wir es sein, die als Flüchtlinge enden“, stellte Kaurismäki auf der Berlinale wütend fest, wo er dem Silbernen Bären für die beste Regie gewann und watschte auch die Angst vor Islamisierung ab.

„Ich beobachte keine kulturellen Veränderungen in Europa, obwohl wir die eigentlich brauchen. Unser Blut wird langsam zu dick“, schimpfte er und ließ seinen Hauptdarsteller und langjährigen Freund Sakari Kuosmanen einen finnischen Tango anstimmen.

Er gehört zu Kaurismäkis Stammpersonal, aber auch mit den kampflustigen Obdachlosen gibt es ein Wiedersehen, die schon im ersten Teil von Kaurismäkis Flüchtlingstrilogie „Le Havre“ einen schlagkräftigen Auftritt hatten. Denn schließlich vereint „Die andere Seite der Hoffnung“ einmal mehr alles, was einem Kaurismäki-Film so umwerfend macht: mundfaule Komik, gepaart mit Einstellungen, in denen schon mal ein Gummibaum mit einer einsamen Jukebox einen Dialog eingeht – und dazu gibt es jede Menge Musik.

Im Helsinski Kaurismäkis steht an jeder Ecke ein Bluesmusiker, von denen er den Bogen zu Khaleds syrischen Gitarrenklängen zieht, als dieser zurück nach Aleppo soll. Schließlich haben die finnischen Behörden errechnet, dass die Gefahr gemessen an der Bevölkerungsdichte dort nicht allzu hoch sei. Dabei war Khaled sogar dem Rat eines irakischen Flüchtlings gefolgt: „Sieh unbedingt glücklich aus“, empfahl der, „denn die Melancholiker werden immer als erste ausgewiesen.“ / Sabine Danek

Regie: Aki Kaurismäki. Mit Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula. Ab 30.3.17 im Kino

Copyright: ©Sputnik Oy / Fotograf Malla Hukkanen

LenaLove: Jannik Schümann im Interview

Drei Fragen an den Hamburger Nachwuchsschauspieler Jannik Schümann

Jannik Schümann, 24, stand bereits als Elfjähriger das erste Mal vor der Kamera. Seitdem kamen etliche Auftritte in Filmen und Serien (u.a. „Tatort“) hinzu. Von 22. September an ist er in Florian Gaags knallhartem, spannendem Kinofilm „LenaLove“ zu sehen. Schümann spielt darin Tim, den Schwarm der 16-jährigen Lena, die einem gefakten Datingprofil auf einem Internet-Portal und so den Cybermobbing-Attacken zweier Mitschülerinnen zum Opfer fällt. Nach „Homevideo“ (2011) ist es Schümanns zweiter Film zum Thema Cybermobbing.

SZENE HAMBURG: Warum ist dir das Thema Cybermobbing ein Anliegen? Hast du Erfahrungen damit gemacht?

Jannik Schümann: Über Cybermobbing aufgeklärt zu werden, ist für die Generation 12+ wahnsinnig wichtig. Ich bin froh, das mit dem Medium Film tun zu können. Sowohl in „LenaLove” als auch in „Homevideo“ zeigen wir Jugendlichen, bis wohin Mobbing führen kann und dies in einer sehr harten und direkten Weise, sodass man wirklich sehr schockiert aus diesen Filmen rausgeht.

Was hälst du von Online-Dating?

Ich bin weder Pro noch Contra. Aber ist es nicht viel schöner, direkt auf der Straße angesprochen zu werden oder jemanden anzusprechen und sofort im direkten Augenkontakt mit der Person zu stehen? Das muss sich wieder mehr getraut werden!

Dein noch nicht realisiertes Herzensprojekt?

Ich freue mich auf alles was noch so kommt, auf tolle Kollegen, spannende Drehbücher und abgefahrene Drehorte.

Interview: Ulrich Thiele

Foto: Verleih