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Bildung 2.0: Ein digitaler Booster

Corona hat dem technischen Fortschritt an Hamburgs Schulen einen Schub verpasst, doch es gibt noch immer Kritik

Text: Andreas Daebeler

 

Digital ist besser. Das wussten schon die Jungs von der Hamburger Indierock-Band Tocotronic. Und zwar 1995, als Google und Facebook noch nicht geboren waren, Informatik im Schulunterricht in den Anfängen steckte und Medienkompetenz bedeutete, die richtigen Zeitungen zu lesen. 27 Jahre später hat sich die Welt verändert. Und der Wandel wird immer rasanter. Können Lehrpläne, technische Ausstattung und die Ausbildung der Pädagogen da mithalten? Wo setzt Hamburg Zeichen, ist innovativ? Wurde aus der Pandemie gelernt? Die Stadt hat eine klare Antwort, sieht sich „weit vorn“, wie es aus der Schulbehörde heißt. Schauen wir mal genauer hin.

Und dafür erst mal zweieinhalb Jahre zurück. In eine Zeit als Corona alles verändert. Die Realitäten von rund 260.000 Kindern und Jugendlichen in der Stadt. Dazu die von Lehrern und Betreuern an mehr als 400 Bildungseinrichtungen. Und von unzähligen Familien, deren Alltag mal eben auf den Kopf gestellt wird. Von einem Tag auf den anderen Unterricht zu Hause – eine neue Realität mit Tücken. Schnell wird klar, dass es an vielem mangelt. An Strukturen, digitalen Endgeräten, Fortbildungen und IT-Experten in den Schulen. Ruckelnde Videostreams, versagende Technik, Probleme bei der Kommunikation – Kritik bricht sich Bahn. Der Bund reagiert mit Sofortprogrammen. Es gibt frisches Geld.

„Wir wollen, dass die Digitalisierung in die Praxis aller Fächer Einzug hält“

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„Digital ist besser“ – wussten schon Tocotronic 1995 (©Unsplash/Andrew Neel)

Und Hamburg greift zu. Das belegen ganz aktuelle Zahlen. Demnach hat die Stadt die für Digitalisierung bereitgestellten Fördermittel schon jetzt weitgehend genutzt. Von den 166,3 Millionen Euro, die der Bund für eine bessere Ausstattung der Schulen zur Verfügung gestellt hat, sind laut Schulbehörde 95 Prozent investiert. „Jede Schule hat inzwischen WLAN und digitale Tafeln, in allen Schulen gibt es Laptops. An einzelnen Standorten sind noch nicht alle Klassenräume mit WLAN ausgestattet, aber insgesamt liegt die Abdeckung bei weit über 90 Prozent. Die restlichen Räume nehmen wir uns in den kommenden Monaten vor“, sagt Schulsenator Ties Rabe.

Der nächste Schritt sei, den Unterricht zu verbessern. „Wir wollen, dass die Digitalisierung in die Praxis aller Fächer Einzug hält. Dazu schulen wir die Lehrkräfte, dazu erarbeiten wir aber auch Bildungspläne, in denen künftig in stärkerem Maße als bisher die Digitalisierung enthalten ist“, so Rabe. Besagte Pläne hätten klare Vorgaben, sie gingen sogar soweit, dass künftig in Hamburg in den üblichen Klausuren Tablets oder Laptops eingesetzt werden sollten. „Nicht in allen, sehr wohl aber Schritt für Schritt in immer mehr Klausuren“, so der Senator.

Ties Rabe spricht von einem „gewaltigen Investitionsprogramm“

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Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (©Behörde für Schule und Berufsbildung/BSB)

Fakt ist, dass der Digitalpakt Schule schon vor der Pandemie auf den Weg gebracht wurde. Dass Corona Versäumnisse aufgezeigt und wie ein Booster gewirkt hat, daran gibt es dennoch keinen Zweifel. Zumal weitere Fördertöpfe an den Start gebracht wurden. Die Zahlen: 121 Millionen Euro hat Hamburg bereits in die allgemeine Digitalisierung der Schulen gesteckt. Bis zu 128 Millionen Euro können abgerufen werden. Hinzu kommt der Digitalpakt für Sofortausstattung, aus dem Hamburg 12,8 Millionen Euro für Schüler-Tablets genutzt hat. Um Endgeräte für Lehrer anzuschaffen, stehen 12,8 Millionen Euro bereit, 11,5 Millionen Euro davon hat Hamburg bislang für seine Pädagogen investiert. Geht es um IT-Administration sind 11,8 Millionen Euro auf den Weg gebracht worden, um Wartung und Pflege der digitalen Ausstattung an den Schulen auf ein vernünftiges Niveau anzuheben.

Ties Rabe hat ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen, dass Hamburgs Schüler:innen in allen Fächern genauso selbstverständlich den Computer einsetzen wie Schulbücher und Arbeitshefte“, sagt er. Deshalb sei digitale Technik an allen 376 staatlichen Schulen erheblich ausgebaut worden. Hamburgs eigene Mittel eingerechnet, spricht Rabe von „einem gewaltigen Investitionsprogramm“, das rund 200 Millionen Euro umfasse. Das sei erst der Anfang. Geplant sei, den Digitalpakt zwischen Bund und Ländern weiterzuführen und bis 2030 zu verlängern. „Wir können also mit weiteren Fördergeldern rechnen“, so der Senator.

„Es braucht technische-, pädagogische- und rechtliche Fortbildungen“

Alles ganz prima also? Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wird die Lage weniger rosarot gesehen. Fraglos habe die Schulbehörde in den vergangenen Jahren viel Geld abgerufen und auch in die Schulen investiert, so die stellvertretende Vorsitzende Yvonne Heimbüchel. Die Probleme lägen jedoch in der Ausführung. So stelle die Schulbehörde noch immer keine Plattform für die Lehrkräfte zur Verfügung, auf der sensible Daten von Schülern gespeichert oder versendet werden könnten. Es würden Tablets quasi ausgeschüttet, ohne vorher zu klären, was Pädagogen mit diesen Geräten konkret anstellen sollten. „Unterrichtsvorbereitung oder Zeugnisse schreiben ist auf diesen kleinen Geräten meist nicht fehlerfrei möglich“, sagt Heimbüchel. Zudem fehle es an einem nachhaltig durchdachten Fortbildungskonzept. Es müsse erklärt werden, wie Apps funktionierten, wo Technik sinnvoll einzusetzen sei und welche Probleme es mit Datenschutz geben könne. „Es bedarf sowohl technischer und pädagogischer als auch rechtlicher Fortbildungen“, so die Gewerkschafterin weiter.

„Wir wollen, dass Hamburgs Schülerinnen und Schüler in allen Schulfächern genauso selbstverständlich den Computer einsetzen wie Schulbücher und Arbeitshefte.“
Schulsenator Ties Rabe

Die gibt es laut Ties Rabe längst. Hamburg habe die Fortbildung für Lehrkräfte deutlich ausgebaut. „Die Teilnahmequoten während der Corona-Pandemie waren überwältigend. Man konnte erkennen, dass Lehrkräfte sich diese Technik jetzt wirklich erschließen wollen“, so Hamburgs Schulsenator. Man arbeite daran, Schulungen zu intensivieren. Zudem sei Digitalisierung in der Lehrerausbildung fest verankert worden. Rabe: „Wir haben sogar die Prüfungen verändert. Zukünftig kann in Hamburg nur das Referendariat, also die zweite Prüfung zum Lehrer, bestehen, wer im Unterricht unter Beweis stellt, dass digitale Techniken beherrscht werden.“ Es gebe seit einem Jahr die Regel, dass die sogenannten Vorführstunden, die in das Zeugnis für Lehramtsbewerbungen eingehen, immer mit digitaler Technik ausgeführt werden müssten. „So sichern wir, dass sämtliche Nachwuchslehrkräfte in jedem Fall digitale Erfahrungen auch schon im Unterricht mitbringen.“

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„Es gibt keinen grundlegenden Fachsupport“: Yvonne Heimbüchel (©GEW Hamburg)

Doch es gibt weitere Kritikpunkte der Gewerkschaft: Das technische Know-how hänge oft an den finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Schulen und dem Engagement einzelner Lehrer. „Es gibt keinen grundlegenden Fachsupport, der dringend eingerichtet gehört“, bemängelt Yvonne Heimbüchel. Sie fordert einen konzeptionellen Rahmen, in dem die Schulen und ihre Beschäftigten mit der Entwicklung neuer digitaler Konzepte nicht allein gelassen werden, zusätzliche Fortbildungszeiten, Geräte, digitale Plattformen und Apps, die mit den Personalvertretungen abgestimmt sind. Plus eine längerfristige finanzielle Planung: „Es ist ja jetzt schon klar, dass alles, was jetzt angeschafft wurde, in ein paar Jahren wieder ausgetauscht werden muss.“

Schule der Zukunft erfordert fraglos eine ausgeklügelte Digitalisierungsstrategie. Eine der größten Herausforderungen unsere Zeit sei es, Bildungsprozesse so zu gestalten, dass Schüler:innen angemessen auf das Leben in der derzeitigen und künftigen Gesellschaft vorbereitet werden, so heißt es. Klingt nach einem Plan. Ein Baustein für die Umsetzung ist das digital.learning. lab, ein von der Schulbehörde 2018 initiiertes Internet-Portal. Umgesetzt wurde es zusammen mit der Joachim Herz Stiftung und der Technischen Universität Hamburg. Das digitale Labor bietet zum Download kostenlose digitale Unterrichtsbausteine in zahlreichen Fächern, eine Toolbox mit passenden Unterstützungsangeboten sowie Hintergrundmaterial mit Forschungsergebnissen und Trends.

Mit der Anschaffung von Laptops ist es nicht getan

Geht es um Bildung, ist Digitalisierung nur eine von vielen Herausforderungen, vor denen die Stadt steht. Vor allem, weil die Zahl der Schüler rasant wächst. Allein in diesem Jahr zählt die Behörde 6000 zusätzliche Jungen und Mädchen, die unterrichtet werden. Laut Senator Rabe werden neben den Investitionen in digitale Strukturen weiterhin bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr in die Hand genommen, um Hamburgs Schulen fit für die Zukunft zu machen – und Neubauprojekte an den Start zu bringen. Klimagerechtigkeit ist dabei ein weiterer wichtiger Aspekt, hier wird die aktuelle Energiekrise zum Booster. Eine weitere wichtige Stellschraube ist das Personal. So wurden kürzlich 540 zusätzliche Stellen freigegeben.

Doch zurück zum Thema Digitalisierung. Wir wollen von der Schulbehörde wissen, was Hamburg plant, damit die Entwicklung nach der Pandemie nicht wieder ins Stocken gerät. Und bekommen den Hinweis darauf, dass es in Kürze eine Landespressekonferenz zum Thema geben wird. Am Tenor dürfte sich nicht viel ändern: Digital ist besser. Dass es mit der Anschaffung von ein paar Laptops allein nicht getan ist, wissen Eltern, Lehrer und Schüler. Sie werden weiterhin ganz genau hinschauen.


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„Wir wollen die IT-Manager:innen von morgen ausbilden“

Jana Langkabel (31) arbeitet beim Zentrum für Aus- und Fortbildung der Stadt Hamburg. Sie koordiniert den Aufbau und ist Projektleiterin für den neuen Studiengang E-Government, den die Stadt ab 2023 in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) anbietet. Im Gespräch erklärt sie, wie das neue Studium den digitalen Wandel voranbringen soll, was es braucht, um E-Government zu studieren und ob sie selbst für den neuen Studiengang noch mal die Hörsaalbank drücken würde

Interview: Felix Willeke

 

Moin Frau Langkabel, was haben sie eigentlich studiert?

Jana Langkabel: Ich habe Public Management studiert. Das ist ein dualer Studiengang der Stadt Hamburg in Kooperation mit der HAW.

Wie sind Sie dann beim Zentrum für Aus- und Fortbildung (ZAF) gelandet?

Das hat sich entwickelt. Die öffentliche Verwaltung ist deutlich vielfältiger, als die meisten denken. Bevor ich im ZAF gelandet bin, habe ich in der Personal- und Organisationsentwicklung gearbeitet. Dort konnte ich dann ein abteilungsübergreifendes Digitalisierungsprojekt mit aufbauen. Das heißt, ich habe geholfen, die Beschäftigten in der Behörde auf den Weg in die Digitalisierung mitzunehmen. So bin ich zum Thema Digitalisierung gekommen und habe wenig später angefangen, direkt im IT- und Digitalisierungsbereich zu arbeiten. Dann habe ich gesehen, dass eine Projektleitung für den neuen dualen Studiengang E-Government gesucht wird, und jetzt bin ich hier (lacht).

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es denn noch bei der Stadt außer des Studiengangs Public Management?

Bei der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) selbst unzählige. Wir vom Zentrum für Aus- und Fortbildung verantworten zentral die Einstellung der Nachwuchskräfte unserer Ausbildungs- und Studiengänge. Neben dem Studiengang Public Management bietet die Stadt Hamburg auch den Studiengang Soziale Arbeit an. Darüber hinaus stellen wir in der Allgemeinen Verwaltung zum Beispiel auch Auszubildende zu Verwaltungsfachangestellten ein und ab 2023 kommen Nachwuchskräfte des neuen Studiengangs E-Government dazu. Die Ausbildung findet in den unterschiedlichen Behörden und Ämtern Hamburgs statt.

Schwerpunkt Informatik und Mathematik

Sie haben den neuen Studiengang schon angesprochen. Was ist E-Government genau?

Der Studiengang wird am Ende Verwaltung und Informatik verbinden. Inhaltlich ist das Studium breit gefächert. Auf der einen Seite stehen die Grundlagen in der Informatik und Mathematik, wie IT-Sicherheit, Programmiersprachen und Datenschutz und auf der anderen Seite kommen Grundlagen aus der Verwaltung hinzu. Das sind Bereiche und Themen der Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

„In welchem Bereich die Absolvent:innen genau arbeiten werden, lässt sich nur mit einem Wort beantworten: überall“
Jana Langkabel

Wie unterscheidet der neue Studiengang sich vom Studiengang Public Management?

E-Government ist als komplett eigenständiger Studiengang konzipiert. Wir sprechen damit Personen an, die Lust haben an der digitalen Weiterentwicklung der Verwaltung mitzuarbeiten und dazu informatik- und mathematikaffin sind. Nach dem Studium können die Absolvent:innen als Tarifbeschäftigte bei der Stadt Hamburg arbeiten und nach kurzer Zeit auf Wunsch auch verbeamtet werden. Sie sind Spezialist:innen für IT-bezogene Themenfelder und Projekte. Der Unterschied zu Public Management ist vor allem der Schwerpunkt Informatik und Mathematik. Studierende des Public Management sind eher Generalist:innen in allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten. Beim Studiengang E-Government bilden wir schlussendlich Menschen aus, die sich in beiden Sphären als Vermittler:innen möglichst optimal bewegen können.

Ein Schub für die Digitalisierung

Warum ist so ein Studiengang notwendig?

Weil die Stadt Hamburg erkannt hat, dass sie für den digitalen Wandel eines so komplexen Gebildes wie der Verwaltung nicht nur externe Expertise heranziehen kann. Wir wollen auch unsere eigenen Expert:innen ausbilden, die dann den Wandel optimal mitgestalten können. Und am Ende geben diese Absolvent:innen, so hoffen wir, dem Digitalisierungsprozess auch noch mal einen Schub.

Warum hat man dafür ein Studium konzipiert und keine Ausbildung?

Das Studium ist ein erster Schritt in der Entwicklung zur Ausbildung eigener Fachkräfte in diesem spezifischen Bereich und die Entwicklung des Studienganges war auch Teil des aktuellen Koalitionsvertrags. Ich will nicht ausschließen, dass es in diesem Arbeitsfeld zukünftig auch noch ein Ausbildungsangebot bei der Stadt geben kann.

Die Übernahmechancen sind gut

Welche Berufsbilder stehen einem nach dem Studium offen?

Wir sehen in den zukünftigen Absolvent:innen Übersetzer:innen und Vermittler:innen zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen und IT-Bereichen. Dazu können sie (hoffentlich) auch neue Impulse setzen, weil sie sich in beiden Bereichen auskennen und wissen, was jeweils die Notwendigkeiten sind. In welchem Bereich die Absolvent:innen genau arbeiten werden, lässt sich nur mit einem Wort beantworten: überall. Es gibt in der ganzen Verwaltung Prozesse, Projekte und Vorhaben, die ihre Expertise in Zukunft benötigen. Das reicht von der IT im Bezirksamt bis hin zu Entwicklung von Online-Diensten oder Apps für Bürger:innen.

Und wie sind die Übernahmechancen?

Unser klares Ziel ist es, alle erfolgreichen Absolvent:innen auch in eine dauerhafte Beschäftigung zu übernehmen.

Die Resonanz ist schon heute gut

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„Mir macht die Vermittler:innenrolle unglaublich viel Spaß“, sagt Jana Langkabel vom ZAF (©privat)

Der Studiengang Public Management geht über sechs Semester, E-Government studiert man zukünftig aber sieben Semester, warum?

Das liegt einerseits an den umfangreichen Studieninhalten, aber andererseits auch am dualen Charakter der Ausbildung, sprich an den Praxisphasen. Die Studierenden starten im Oktober 2023 erstmals für zwei Semester mit Theorie an der HAW. Dann folgt im dritten Semester Praxis in einer Dienststelle der öffentlichen Verwaltung und das Ganze wiederholt sich im sechsten Semester. Das siebte Semester sollen die Studierenden dann wieder an der Hochschule verbringen und sich auf ihre Bachelorarbeit konzentrieren.

Wie sind denn die Praxisphasen konzipiert?

Hier merken wir schon jetzt, dass es eine hohe Nachfrage in der Verwaltung gibt. Wir haben schon heute rund 100 Stellen, die sich für eine:n Studierenden in der ersten Praxisphase interessieren und das obwohl diese erst im Oktober 2024 ihren Praxiseinsatz starten. Vom Aufbau her ist es das Ziel, das wir den rund 30 Studierenden pro Jahrgang eine Art Marktplatz mit Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen wollen, aus dem sie dann ihre Praxisstationen auswählen können. Die Praxisphasen sollen aber auch einen sogenannten Perspektivwechsel beinhalten, um auch aus Anwender:innensicht auf die eigenen Projekte zu gucken und um festzustellen: Was braucht es überhaupt? Genau diesen Perspektivwechsel sollen die Absolvent:innen später auch in ihrer Vermittler:innenrolle leisten können.

In einem dualen Studium gibt es ja auch eine Ausbildungsvergütung …

… das stimmt (lächelt). Im Fall des Studiengangs E-Government, werden die Studierenden für die gesamte Studienzeit mit rund 1.400 Euro brutto monatlich vergütet. So können Sie sich voll und ganz dem Studium widmen.

Es braucht Affinität zur Informatik

Was sollte man mitbringen, um E-Government zu studieren?

Zur Immatrikulation braucht es eine Hochschulzugangsberechtigung, zum Beispiel Abitur oder Fachhochschulreife. Wer auf dem Weg dahin ist, kann sich jetzt bewerben und seine letzten beiden Zwischenzeugnisse vorlegen. Dann ist wie erwähnt Mathematik wichtig. Da erwarten wir von den Bewerber:innen eine gute Note. Was die Fächer Englisch, Deutsch und Gemeinschaftskunde anbelangt, braucht es zumindest ein befriedigend. Neben diesen Hard Facts, die es auf jeden Fall braucht, richtet sich der Studiengang aber nicht nur an Abiturient:innen. Er ist auch offen für Menschen, die schon erste Berufserfahrung haben und sich umorientieren möchten. Was aber alle mitbringen sollten, ist die Affinität zur Informatik und auch die Lust und Fähigkeit zur Kommunikation. Denn als Vermittler:in ist das unerlässlich.

Würden Sie den neuen Studiengang gerne studieren, wenn sie die Möglichkeit hätten?

Ich habe in den Jahren, in denen ich in der Verwaltung arbeite gemerkt, dass mir die Vermittler:innenrolle unglaublich viel Spaß macht. Jedoch fehlte mir ein wenig die Verbindung zur Informatik. Das war etwas, was bei mir in der Schule nicht angeboten wurde. Erst im Beruf bin ich mit dem Thema IT in Berührung gekommen. Aber wenn ich noch einmal neu starten müsste, wäre das auf jeden Fall auch für mich ein attraktives Angebot, das mich sehr reizen würde.


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PLAY22: Das Creative-Gaming-Festival

Hamburg ist wieder voll im Game. Beim PLAY22 – Creative Gaming Festival gibt es ein vielfältiges Programm für Gaming-Fans und alle, die es werden wollen

Text: Marco Arellano Gomes

 

Lets Play: Vom 31. Oktober 2022 bis zum 6. November findet das Creative-Gaming-Festival PLAY 22 in Hamburg statt und geht damit in seine 15. Runde. PLAY 22 verbindet Medienkunst, Diskurs und Bildung mit der Kultur digitaler Spiele. Dieses Jahr steht es unter dem Motto „Take a Breath“. Und in der Tat bietet die Flucht in die Spielewelten Zeit zum Aufatmen, zum Innehalten und zu spielerischer Freude.

Buntes Gaming-Programm

Sieben Tage lang gibt es Ausstellungen, Workshops und Shows. Gaming-Fans bekommen auf dem einzigartigen Gaming-Festival ein buntes Programm zum selber ausprobieren, diskutieren und kennenlernen. Hier können Spielliebhaber mit den Gameentwicklern ins Gespräch kommen. Der Besuch ist sowohl virtuell (via Twitch-Stream in der virtuellen Festival-Location PLAYvalley) oder real möglich (im ehemaligen Karstadt Sport Gebäude in der Mönckebergstraße). Die Innenstadt wird bei den PLAY Streetgames zur Spielfläche. Zudem gibt es sogenannte digitale Hausbesuche in unterschiedlichen Bereichen und Arbeitsplätzen der Gaming-Welt. Das verspricht einzigartige Einblicke in die Welt der Game-Entwickler, wie zum Beispiel bei der 3-D-Künstlerin Marlena Beyer (Tivola). Weiteres Highlight sind das „Machinima-Cinema“, in dem Filme präsentiert werden, die innerhalb von Videospielwelten entstanden sind und das Format „Walk With Me“, das zu Spaziergängen in Videospielen einlädt. Bei der abschließenden Award-Show am 6. November werden live Preise vergeben. Dann heißt es vorerst wieder: Game over!


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Hamburgs neuer Radiosender: Ahoy

Die Gute Leude Fabrik verfolgt eine Mission: frischen Wind in die Hamburger Radiowelt mit dem neuen Sender ahoy bringen. Und das mit guter Musik und coolen Podcasts, wie zum Beispiel dem von Sänger Bosse

Text: Katharina Stertzenbach

ahoy verspricht gute Musik, gute Gespräche, gute Kultur, gute Ideen und gutes Tun. Fazit: gutes Radio eben. Hinter dem neuen Radiosender stehen erfahrene und in der Hamburger Musik- und Kulturszene bestens vernetzte (Musik-)Redakteure, Podcaster und Kommunikationsprofis.

Gunnar Astrup, ahoys Direktor, erklärt: „ahoy versteht sich als integraler Bestandteil der Hamburger Kultur- und Musikszene.“ Der Radiosender verspricht nicht zu viel, on air werden unter anderem Jan Plewka, Simone Buchholz, Enno Bunger und viele mehr sein.

ahoy läuft seit dem 25. Mai: ahoyradio.de


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Top 10: Events über Ostern in Hamburg

Ostern 2022 findet nicht mehr im kleinsten Kreis und mit nächtlicher Ausgangssperre statt, deswegen gibt es auch wieder mehr zu Erleben. Die besten Events in Hamburg gibt’s hier:

Freitag, 15.04. | Theater | Don Carlos | Ernst Deutsch Theater

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Sebastian Eggers als Don Carlos (mitte) und Hannes Hellmann als König Philipp II. (rechts) am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Drei Stunden spanischer Hof, das ist Don Carlos im Ernst Deutsch Theater. Regisseurin Mona Kraushaar bringt Schillers Klassiker auf die Bühne. Während Sebastian Egger als Kronprinz Don Carlos mit dem Liebeskummer ringt, spielt Hannes Hellmann einen König zwischen verletztem männlichen Ego und der Macht des Einzelnen. Im Stück wird dabei nicht weniger als die Zukunft Europas verhandelt. Durch die aktuellen Ereignisse hat dieses Thema nur noch mehr an Relevanz gewonnen. Noch bis zum 16. April ist die Inszenierung an der Mundsburg zu sehen.

Don Carlos im Ernst Deutsch Theater
15. & 16. April 2022, jeweils 19:30 Uhr

Freitag, 15.04. | Nachtleben | Friday I’m in love | Molotow

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Molotow: Getanzt wird immer (Foto: Erik Brandt-Höge)

Tanzverbot an Karfreitag? Gibt‘s auf‘m Kiez nicht! Deswegen lädt das Molotow ab 23 Uhr auch zu einem „Feuerwerk aus 60 Jahren Rock’n’Roll und Pop“. Bei Friday I’m in love legen die DJ‘s Axelmania und Jet Boy alles auf, was das Tänzer:innenherz begehrt. Der Eintritt kostet 5 Euro für alle Floors und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Friday I’m in love
15. April 2022, 23 Uhr

Samstag, 16.04. | Musik | Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull | Birdland

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Steht bei Dan Goothall’s – Artful Earful mit auf der Bühne: Die Hamburgerin Sandra Hempel (Foto: Natascha Protze)

Altehrwürdig und ein Klassiker, das ist das Birdland in Hamburg. Seit 1985 gibt es im Kellerclub in der Gärtnerstraße besten Jazz, so auch am Ostersamstag. Bei „Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull“ geben sich fünf außergewöhliche Künstler:innen die Ehre. Neben dem Posaunisten Dan Gottshall sind unter anderem die Hamburger Gitarristin Sandra Hempel und der Kieler Pianist Buggy Braune mit von der Partie. Das Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung und kostet 19,90 Euro.

Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull
16. April 2022, Einlass 19 Uhr und Beginn 20:30 Uhr

Samstag, 16.04. | Sonstiges | Osterfeuer | Ganz Hamburg

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2022: Die Osterfeuer sind zurück in Hamburg (Foto: pixabay/floerio)

Egal ob im eigene garten, bei Freunden oder am Elbstrand: Das Osterfeuer gehört zu Ostern wie das Eiersuchen. Dieses Jahr ist es auch wieder möglich, denn die Kontaktbeschränkungen wie 2021 gibt es nicht mehr. Neben den traditionsreichen Feuern in Blankenese gibt es noch viele weiter öffentliche, zum Beispiel im Strandbad Farmsen oder an der Kreuzkirche in Stellingen.

Osterfeuer in Hamburg
16. April 2022, diverse Orte, Beginn meistens zum Sonneruntergang

Samstag, 16.04. | Nachtleben | Hip-Hop | Chief Brody

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Im Chief Brody gibt‘s zu Ostern was zum Tanzen (Foto: unsplash / Sam)

Auch im Kellerclub auf der Schanze darf zu Ostern natürlich getanzt werden. Im Fokus: Richtig guter Hip-Hop. Während sich Karfreitag Ticklish & Buzz-T die Ehre geben, gibt es am Ostersamstag von Dipped in Colors & Draft X was auf die Ohren. Los geht‘s um 23 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Dipped in Colors & Draft X im Chief Brody
16. April 2022, jeweils 23 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | Street Food Festival | Landhaus Walter

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Es geht auch mexikanisch beim Street Food Festival am Landhaus Walter (Foto: unsplash)

Ostern kann man fein dinieren, brunchen oder einfach mal neues Ausprobieren. Viel Neues gibt es beim Street Food Festival am Landhaus Walter unter dem Motto „New Yorker Food Klassiker“. Von Süßem über mexikanische Leckerbissen bis zum klassischen Hot Dog ist für jede:n etwas dabei. Der Eintritt kostet 5 Euro, alle unter 12 Jahren kommen gratis rein.

Street Food Festival
17. April 2022, 11:30 bis 18:30 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | U96 mit Claude-Oliver Rudolph | Planetarium

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Führt als Nautilus durch die Jules Verne Experience: Claude Oliver-Rudolph (Foto: The Jules Verne Experience)

Jules Vernes Science-Fiction-Romane haben Millionen fasziniert. 150 Jahre nach der Erstausgabe von „20.000 Meilen unter dem Meer“ haben die Elektronik-Band U96 daraus ein bild- und klanggewaltiges Unterwasser-Erlebnis geschaffen. Schauspieler Claude-Oliver Rudolph entführt das Publikum als Kapitän Nemo an Bord der Nautilus in eine fantastische Unterwasserwelt – eine 360-Grad-Tauchfahrt in nie gehörte und nie gesehene phantastische Welten. Das 60-minütige Erlebnis kostet 14 Euro und ist für Menschen ab 10 Jahren empfohlen.

U96 mit Claude-Oliver Rudolph – 20.000 Meilen unter dem Meer
17. April 2022, 17:30 Uhr & weitere Termine

Sonntag, 17.04. | Nachtleben | Soul Allnighter | Mojo Club

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Ein Klassiker kehrt zurück: Der Soul Allnighter (Foto: unsplash/Vishnu R Nair)

Corona ist gefühlt schon fast vorbei. Höchste Zeit, das Nüske & Berge aus der Corona-Pause zurückkehren. Beim mittlerweile traditionellen und fast schon legendären Soul Allnighter legen die beiden wieder so lange auf, bis alle tanzen und jede Sohle qualmt. Am 17. April ab 22 Uhr darf also wieder bester Soul genossen werden, für 10 Euro Eintritt und natürlich unter 2G-Plus-Bedingungen.

Soul Allnighter
17. April 2022, 22 Uhr

Montag, 18.04. | Sonstiges | Kulturflohmarkt | Museum der Arbeit

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Flohmarkt geht immer (Foto: pixabay)

Feiertag, Zeit zum Stöbern, Feilschen und Entdecken. Am besten geht das auf einem der vielen Flohmärkte der Stadt. Ein guter alter Bekannter ist dabei der Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit. Am Ostermontag ist Start für die Saison 2022. Bei hoffentlich bestem Wetter lässt es sich auf dem Gelände nach Lust und und Laune verweilen, schlendern und echte Schätze entdecken.

Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit
18. April 2022, 9 bis 16 Uhr

Montag, 18.04. | Musik | Soulounge | Fabrik

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Soulounge in der Fabrik: Ein Live-Erlebnis für die Seele (Foto: Marcus May)

Wie kommt man am besten raus aus dem Osterwochenende? Mit Musik für die Seele! Genau das gibt es am Ostermontag in der Fabrik. Hier feiern Soulounge ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Alle, die die Band schonmal erlebt haben wissen, Soulounge ist ein ganz besonderes Live-Erlebnis – auch nach 20 Jahren. Einlass für das Konzert in der Fabrik ist um 19 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr und die Tickets kosten 19 Euro im Vorverkauf. Auch dieses Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Soulounge in der Fabrik
18. April 2022, 20 Uhr


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Kunst auf dem Kiez: Artwalk von Viva con Agua ARTS

Vom 14. bis 30. Juni präsentiert der „Johnnie Walker X Viva con Agua ARTS Artwalk“ die Werke von jungen Künstlerinnen auf der Reeperbahn

Text: Felix Willeke

 

Der „Johnnie Walker Artwalk“ führt vom 14. bis 30. Juni 2021 auf Digitaldisplays entlang der Reeperbahn durch die Welt von jungen Künstlerinnen. Johnnie Walker und Viva con Agua ARTS präsentieren die Werke von Anabelle von Georg, Danika Arndt, Evgenia Chuvardina, Lerke Nennemann und Melanie Gandyra. Das Thema der Ausstellung ist der positive Neuanfang – jetzt, wo das Leben auf die Straßen zurückkehrt.

Ziel ist eine es Plattform für junge Künstler:innen zu schaffen und natürlich die Unterstützung der vielen Projekte von Viva con Agua. Darum stehen die Originale der Werke auch im Onlineshop von Viva con Agua ARTS zum Verkauf. Der Erlös kommt zum Teil den Projekten von Viva con Agua zu Gute.


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Kurzes Vergnügen: Kurzfilm Festival Hamburg startet

Nachdem im vergangenen Jahr das Kurzfilm Festival zunächst verschoben und dann abgesagt werden musste, gibt es in diesem Jahr eine digitale – und teilweise analoge – Veranstaltung mit vielen spannenden Einsichten

Text: Marco Arellano Gomes

 

Die gute Nachricht: Das 37. Kurzfilm Festival (1.–7. Juni) findet wieder statt, wenn auch vorwiegend digital. Nachdem es im vergangenen Jahr erst verschoben und dann ausfallen musste, ist es ein Lichtblick in der Welt der Hamburger Filmfeste. „I am because we are“ („Ich bin, weil wir sind“) lautet das Motto. Es ist eine Anlehnung an Ubuntu, jener südafrikanischen Philosophie der Verbundenheit, Menschlichkeit, Nächstenliebe – und dies erscheint nach der langen Zeit des Social Distancing mehr als passend.

 

Drei Wettbewerbe – 92 Kurzfilme

 

„Kultur ist einer der entscheidenden Motoren, der die Gesellschaft zusammenhält, heißt es auf der Festival-Website. Und dazu gehören eben auch Kurzfilme, die in kürzester Zeit Verständnis schaffen, Perspektiven eröffnen und Gedanken provozieren. Digital? Analog? Hauptsache gemeinsam! Die insgesamt 92 Kurzfilme treten wie bekannt in den drei Wettbewerben an: dem Internationalen, dem Deutschen und Dreifachen Axel (Filme mit maximal drei Minuten). Die Preisverleihung hat einen Gesamtwert von 19.000 Euro.

Besonders ins Auge fällt ein optisch an den Film „Mad Max“ angelehnter Animationsfilm mit dem Titel „Mad Mask: Fury Roll“, in dem eine Klorolle in einer Wüste vor einer Horde Menschen mit Einkaufswagen und auf Motorrädern fahrenden Corona-Kugeln davonläuft. Das ist nicht nur visuell brillant, sondern auch zum Totlachen komisch. So langsam beginnt sie also, die Verarbeitung der vergangenen Monate. Auch die Filmemacher kommen in Online-Videos ausführlich zu Wort.

 

Ein buntes Programm

 

Die Sektion „Labor der Gegenwart“ bietet drei Schwerpunkte: „Gestimmtheiten – Das Kino und die Gesten“, „Afrotopia – In the Sense“ und die „Hamburger Positionen“, die sich den Kulturräumen und der Stadtentwicklung zwischen Utopie und Wirklichkeit widmen. Welche Möglichkeiten und Grenzen haben Kunst und Kultur, aktiv Einfluss auf die Stadtentwicklung zu nehmen? Dieser Frage wird – exemplarisch an den Stadtteilen Diebsteich und Grasbrook – nachgegangen.

Highlight ist eine Diskussion, an der unter anderem Oberbaudirektor Franz-Josef Höing teilnimmt, moderiert von Christoph Twickel („Die Zeit“). Das „Archiv der Gegenwart“ wiederum gewährt Einblick in die kritischen Perspektiven kanadischer Filmschaffender und den Schwerpunkt auf dem Werk der Avantgardekünstlerin Joyce Wieland. Zudem bietet das „Open Space“ die Installation „Dance to the End of Love“ von Akram Zaatari. Je nach Infektionsgeschehen, wird die Ausstellung „Open Space“ im ehemaligen Heizkraftwerk auf dem Postgelände am Kaltenkircher Platz für Besucher und Besucherinnen geöffnet sein. Für den Besuch wäre eine Anmeldung erforderlich.

 

 

Das Kurzfilm Festival Hamburg gehört zu den renommiertesten und wichtigsten Kurzfilmfestivals Europas und findet seit 1986 statt. Auch das Mo&Friese Kinder Kurzfilm Festival (30. Mai–7. Juni) findet in diesem Jahr als Teil des Kurzfilm Festival Hamburg online statt und richtet sich an ein junges Publikum von 4–18 Jahren. In den drei Wettbewerben des jungen Programms Neon (ab 14 und 16 Jahren) erleben Zuschauer und Zuschauerinnen Energie, Raserei, Mut, Toleranz, Rückzug, Party, Protest, Aktion, Freundschaft, Provokation und Utopie. Das Ganze ist selbstredend äußerst kurzweilig.

festival.shortfilm.com | moundfriese. shortfilm.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im

Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Lichthof Theater: Generations-Performance

Die Start off-Produktion „Jesse James oder was der Kommunismus war“ feiert digitale Premiere. Worum es in dem Stück geht, erzählt das Team

Interview: Anna Meinke

 

SZENE HAMBURG: Welches Thema bearbeitet ihr in dem Stück?

Linda Jiayun Gao-Lenders: Die Video- und Bühnen- performance begleitet drei Väter-Biografien aus Südvietnam, Iran und der Tschechoslowakei, die im unterschiedlichen Verhältnis zum erlebten Sozialismus stehen. Die Performance baut teilweise auf Interviews mit den Vätern auf und reflektiert die Perspektiven der zweiten Generation, die größtenteils in Deutschland aufgewachsen ist.

Was ist für euch der aktuelle Bezug?

Janis Jirotka: Linke Ideen und Vorschläge gehören für uns nicht der Vergangenheit an. Die Auseinandersetzung mit dem Kommunismus wirft Fragen auf, die sich auch an unsere Gegenwart richten, denn soziale und ökonomische Probleme werden im Kapitalismus immer größer. Ausgehend von unseren Elternbiografien, greifen wir gesellschaftliche Fragen auf, die in der Vergangenheit bereits gestellt wurden, und verhandeln sie auf der Bühne.

 

 

Wie fühlte es sich an, tief einzutauchen in die eigene Familiengeschichte?

Nguyễn Quốc Tuấn: Durch die Beschäftigung mit dem Erlebten der Väter ist das Verständnis für sie gewachsen, aber auch ein Bewusstsein dafür, einen Platz in dieser Gesellschaft einzufordern. Gleichzeitig gibt es natürlich Reibungspunkte zwischen den Generationen, die so aber auch in einen konkreten, teils kontroversen Austausch getreten sind – der nicht abgeschlossen ist.

Für das Konzept der Inszenierung habt ihr den Start Off Nachwuchspreis erhalten. Was macht die Darstellungsform so besonders?

Shahab Anousha: Wir sind die ersten Performance Studies- Absolventinnen und -Absolventen, die den Nachwuchswettbewerb Start off gewonnen haben. Unser Team ist aber interdisziplinär, nicht nur aus Performance, sondern auch aus Film und Sozialwissenschaften zusammengesetzt. Uns interessieren fragmentarische Erzählformen und das performative Forschen mit Interviewmaterial, das sich zwischen Alltag und Theaterraum bewegt.

Lichthof Theater: Premiere: 20.5., 20.15 Uhr im Stream des #lichthof_lab, Stream on demand bis 30.5.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Digitale Europawoche in Hamburg: Feier der Vielfalt

Vielfältige Veranstaltungen bei digitaler Europawoche in Hamburg

Text: Anna Meinke

 

Europa ist mehr als nur ein Wirtschaftsraum, mehr als ein Zusammenschluss von Staaten. Europa, vor allem die EU, das sind auch Werte, Normen und Ideen der Zusammenarbeit. Jedes Frühjahr wird diese Vielfalt gefeiert, und zwar mit der Europawoche. So auch in Hamburg.

Vom 1. bis 9. Mai laden rund 40 digitale Veranstaltungen zum Erleben, Informieren und Diskutieren ein. Das Themenspektrum ist dabei so breit wie spannend: Es geht unter anderem um die Zukunft transatlantischer Beziehungen zu den USA, um den Schutz von Demokratie, Menschenrechten und Freiheit in der EU, um die Fluchtproblematik und die Situation an den europäischen Außengrenzen. Ergänzt wird das Programm unter dem Motto „Europäisch – digital – vielfältig“ um Filmvorführungen, virtuelle Ausstellungstouren und weitere Angebote wie einen europapolitischen Podcast.

„Die Europawoche bringt Europa nach Hamburg und Hamburg nach Europa. Die Corona-Pandemie und die Klimawende können wir nur gemeinsam bewältigen. Ich freue mich auf das abwechslungsreiche Programm mit einer Vielfalt europäischer Themen, Veranstaltungen und Debatten“, so Staatsrätin Almut Möller.

 

Gemeinsamer Austausch

 

Die verschiedenen Perspektiven zeigen, dass Europa vor großen Herausforderungen steht. Hamburg nimmt diese Herausforderungen als Anlass, den Blick für eine Woche nach Europa zu richten, Fragen zu stellen und in einen gemeinsamen Austausch zu treten. „Zusammenhalt und Zusammenarbeit in Europa sind wichtig, um gemeinsam die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen“, so Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Er lädt dazu ein, die vielen Facetten Europas kennenzulernen.

hamburg.de/europawoche


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Homeoffice mit Andrea Rothaug

Was vor Corona oft eher die Ausnahme war, hat sich innerhalb kürzester Zeit zum festen Bestandteil in vielen Branchen entwickelt: Gearbeitet wird in den eigenen vier Wänden. Doch klappt das immer reibungslos? Andrea Rothaug zeigt ihr Homeoffice

Text: Andreas Daebeler & Ilona Lütje

 

Für Andrea Rothaug ist Homeoffice schon lange Alltag. Dabei ist eigentlich die Bühne ihr Geschäft: Aus ihrer behaglich eingerichteten Wohnung auf St. Pauli zieht die Rockcity-Chefin die Fäden für Hamburgs Musikszene. Der Schreibtisch wirkt improvisiert. Darauf ist mächtig was los. Bücher, Zettel und Reste einer kleinen Zwischenmahlzeit konkurrieren um die Aufmerksamkeit. Gleich daneben zeugt eine Staffelei von kreativen Schüben. Vor allem aber ist in dieser Wohnung auf St. Pauli Musik drin. Das amtlich gefüllte Plattenregal erzählt Geschichten. Von Rock, von Pop und vom Punk, das grelle Sex-Pistols-Cover sticht sofort ins Auge.

Es erzählt die persönliche Geschichte von Andrea Rothaug, deren Name draußen auf dem Klingelschild steht. Einer Frau, die kaum eine Pause kennt und aus Hamburgs Kulturszene nicht wegzudenken ist. Immer im Einsatz für Liedermacher, Gitarrenheldinnen und Bühnenbauenden. Gern auch vom heimischen Schreibtisch aus. Nicht nur, wenn draußen grad ein fieses Virus nervt. Andrea Rothaug liebt es drinnen ruhig und konzentriert und draußen Krach + Getöse. So nennt sich denn auch der Hamburg Music Award, den die Geschäftsführerin des Dachverbands der Hamburger Musikszene RockCity Hamburg gemeinsam mit ihrem Team vor zwölf Jahren an den Start gebracht und während der Corona-Krise mal eben auf online getrimmt hat. Aus dem Homeoffice, das für sie auch vorm Virus eine wichtige Rolle spielte. Bei ihr wird auf harten Stühlen bei mittelschwachem WLAN geackert.

 

Kurzer Weg zum Kühlschrank

 

Die Datenleitung wird dabei ordentlich auf die Probe gestellt. Denn nebenbei ist Rothaug noch als Präsidentin des Bundesverbands Popularmusik am Start, sitzt im Kuratorium Junge Ohren Berlin, im Koordinierungskreis Kultur HafenCity und im Beirat des Reeperbahn Festivals. Autorin, Kulturmanagerin, PR-Frau und zertifizierter Artist- und Businesscoach ist sie eh. Beim Clubkombinat mischte sie ebenso mit wie bei der Gründung der Hanseplatte oder der IHM ebenfalls. Eine echte Strategin und passionierte Netzwerkerin also. Die auch zu Hause selten Feierabend hat. „Homeoffice ist für uns alle Fluch und Segen“, sagt die 55-Jährige. „Einerseits wahnsinnig effektiv wegen der Ruhe.“ Andererseits unruhig wegen 9.222 ungelesener Mails, Hunger nach echter Begegnung und neuerdings digitaler Dauerschleifen. Auch nicht so gut: „Ich sitze auch mal zwölf Stunden in Konferenzen und habe gleichzeitig einen extrem kurzen Weg zum Kühlschrank. Nicht gut.“

Dabei sei sie mit fast hundert Quadratmeter großer Wohnung, zwei Balkonen und der bereits in einer eigenen Bude auf St. Pauli lebenden Tochter Juno noch gut dran. „Mein Mitgefühl ist bei denen, die Familie, Wohngemeinschaften und kleine Räume haben, da ist Homeoffice wirklich Nervenkoller und nicht gesund.“ Welche Rolle spielen Design und Stil im heimischen Büro? „Ich muss mich wohlfühlen und entscheide nach Licht und WLAN, wo ich arbeite. An meinem Maltisch zwischen den Tuben mag ich es an manchen Tagen und an anderen brauche ich ein bisschen Ordnung für die Konzentration.“ Unverzichtbar seien eigentlich nur Mac, WLAN, Grüntee, Zettel und Stifte.

 

Ruhephasen, Yoga, Rawfood

 

Einen klaren Tagesplan? „Habe ich nur, um davon abzuweichen.“ Und wie schafft sie es, die unzähligen Jobs und Aufgaben unter einen Hut zu bekommen? „Jahrelanges Training, 24 Stunden an sieben Tagen erreichbar sein, wenig Schlaf, digitale Kommunikation, abwechselnd mit Ruhephasen, Yoga, Rawfood und Strandhaus“, verrät Rothaug ihr Rezept. „Während ich vor dem Virus einen inneren Reminder hatte, dass ich nicht zu viel arbeite, ist seit Corona alles aus dem Ruder. 15 Stunden Arbeit am Tag sind keine Seltenheit.“

Die Kulturbranche habe angesichts der Krise keine andere Wahl. „Entweder wir hängen uns rein oder es gibt bestimmte Dinge einfach nicht mehr.“ Es gehe darum, für Innovations- und Hilfsprogramme zu trommeln. „Sonst werden wir zukünftig nur noch Einheitsbrei essen, Billigbier auf dem Fußboden trinken und Musik als Beruf nicht mehr in Betracht ziehen. Das wäre eine Dystopie, in der ich nicht leben mag.“ Die Gegenwart ist grad vor allem eines – ziemlich viel Video. Es wird konferiert, gechattet und gezoomt was das Zeug hält. Skurrile Szenen inklusive. Rothaug hat schon viel erlebt: „Nasebohren, einschlafen, vorm Mikro essen und Anzugträgern beim Kindersitten zuschauen.“

Zusätzlichen Pfunden durchs Hardcore-Homeoffice während des Lockdowns trotzte Rothaug mit einer besonderen Strategie: „Kühlschrank und Prepperregal einfach leergeputzt und nichts nachgekauft.“ Morgens gibt es Rawfood-Bowls. „Dann kann der Tag kommen.“ Homeoffice in der eigenen, gemütlichen Bude ist das eine. Aber Andrea Rothaug muss auch raus. Bei den Leuten sein. „Ich habe normalerweise einen umtriebigen Job, düse durch die Stadt, spreche mit Menschen aus Branche, Politik, Kultur und Szene, höre zu, das nur am Rechner zu tun, ist öde.“ Kein Wunder, dass da starre Regeln während Corona auch mal aufgeweicht wurden. „Bei mir war abends auch mal die Bude voll“, gibt sie zu. „Natürlich mit Abstand und FFP3-Mundschutz.“


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