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Verlosung: Tickets für die 8. Phototriennale Hamburg

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Die Triennale der Photographie Hamburg findet seit 1999 alle drei Jahre statt und jährt sich 2022 zum achten Mal. Mit einer großen Anzahl von Fotoausstellungen unter dem gemeinsamen Thema „Currency“ werden aktuelle Tendenzen beleuchtet.

Foto: Baha Targün mit Megafon am Werkstor von Ford in Köln-Niehl, August 1973 (Credit: Gernot Huber)

Die 8. Ausgabe der Triennale der Photographie Hamburg nutzt das Thema Currency, um zum Nachdenken über die heutige Macht der Fotografie einzuladen, Bedeutung über Distanzen hinweg zu vermitteln und in Beziehung zu setzen. Die Ausweitung dieses ökonomischen Begriffs auf Kunst und visuelle Kultur führt zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Fotografie und ihrer Beziehung zur Kanonisierung, Klassifizierung, Zirkulation, Wissensproduktion und visueller Autonomie.

Die künstlerische Leiterin Koyo Kouoh wird dabei von einem kuratorischen Team aus Rasha Salti, Gabriella Beckhurst Feijoo und Oluremi C. Onabanjo unterstützt, mit Cale Garrido als kuratorische Koordinatorin. Auftakt des Programms war Lucid Knowledge, ein internationales Symposium, das vom 30. September – 02. Oktober 2021 stattfand. Ab Mai 2022 wird die Triennale einen Ausstellungsparcours in Museen und Institutionen in ganz Hamburg inszenieren (20. Mai – 18. September 2022), der während des Eröffnungswochenendes (20. – 22. Mai 2022) und der Festivalwoche (2. – 6. Juni 2022) aktiviert wird. In der Festivalwoche wird auch die Triennale Expanded eröffnet, eine Plattform, die sich der Hamburger Fotografieszene widmet, die Austausch und Begegnungen in der ganzen Stadt ermöglicht.

Elf Kunstinstitutionen

Zu den an der 8. Ausgabe der Triennale der Photographie Hamburg beteiligten Institutionen gehören: das Bucerius Kunst Forum, die Deichtorhallen Hamburg mit dem Haus der Photographie, der Halle für aktuelle Kunst und der Sammlung Falckenberg, die Hamburger Kunsthalle, das Jenisch Haus, das Kunsthaus Hamburg, der Kunstverein in Hamburg, das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt, das Museum der Arbeit, das Museum für Hamburgische Geschichte und das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Insgesamt führen Kunstausstellung, Talks, Führungen, Performances und Filmevorführungen auf dem Programm durch das Thema „Currency“.

phototriennale.de


Wir verlosen 2×2 Tickets für das Festival inklusive je ein Triennale Guide!

Die Tickets beinhalten den Eintritt zu den Ausstellungen und Veranstaltungen der Triennale während des Festivals vom 2. bis 6. Juni 2022.

Wie ihr mitmachen könnt? Na so:

Das Licht aus dem die Träume sind

„Das Licht aus dem die Träume sind“ von Pan Nalin ist eine nostalgische Ode an die analoge Filmkunst – jetzt im Kino

Text: Anna Grillet

Der erste Kinobesuch verändert das Leben des neunjährigen Samay (grandios: Bhavin Rabari) für immer. Filme machen will er und nichts anderes. Seine Familie ist arm, lebt in einem abgelegenen Dorf in Gujarat, Indien. Hier halten die Züge nur wenige Augenblicke, Samay rennt den Bahnsteig entlang, um den Reisenden heißen Tee durchs Abteilfenster zu reichen. Nun aber drückt er sich vor der Arbeit, schwänzt die Schule, fährt stattdessen heimlich in die Stadt.

Der wissbegierige Junge freundet sich dort mit dem Filmvorführer Fazal (Bhavesh Shrimali) an, der lässt ihn im Tausch gegen den Inhalt seiner Lunchbox in die Vorstellungen, führt ihn ein in die Geheimnisse der ratternden Projektoren, die magische Welt von Bollywood und Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968). Filme drehen ist für Samay eine Jagd nach dem Licht. Seine Freunde unterstützen ihn, er ist der geborene Geschichtenerzähler, durch ihn wird ihr Alltag abenteuerlicher, bunter. Für die Realisierung seiner Träume klaut der Neunjährige ohne Skrupel, improvisiert mit ungeheurer Fantasie seine erste Vorstellung bewegter Bilder im Dorf.

Die Ära des „alten“ Kino neigt sich dem Ende zu

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Indien liebt Kino, das beweist Pan Nalin mit „Das Licht aus dem die Träume sind“ (Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Doch die Ära des Zelluloids neigt sich dem Ende zu, vielen Kinos droht die Schließung. „Das Licht, aus dem die Träume sind“ basiert auf den Erinnerungen und Reflexionen des indischen Regisseurs Pan Nalin („Samsara“), genau wie sein Protagonist kommt er aus Gujarat, hat Tee an Reisende verkauft und Prügel bezogen fürs Stehlen oder Schuleschwänzen. Im Gegensatz zu Giuseppe Tornatores „Cinema Paradiso“ (1989) integriert Nalin seine Hommagen an die Filmemacher in die Handlung, möchte nicht, dass sie leicht zu dechiffrieren sind. Wenn Samay die Gleise entlangläuft, erinnert die Weite der Landschaft an Sergio Leone und den frühen Terrence Malick. Das lyrische Spiel von Dunkel und Helligkeit, die Farbschattierungen sind von unglaublich kraftvoller Schönheit. Ebenso groß ist das Entsetzen beim Anblick Hunderttausender von Filmrollen, die eingeschmolzen werden und sich in dünne bunte Armreifen verwandeln.

„Das Licht aus dem die Träume sind“, Regie: Pan Nalin. Mit Bhavin Rabari, Bhavesh Shrimali, Richa Meena. 110 Min. Ab dem 12. Mai 2022 im Kino.

Hier gibts den Trailer zum Film:


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Neu im Kino: Doku über Sigmund Freud

Mit „Sigmund Freud – Freud über Freud“ kommt eine Dokumentation über den Gründer der Psychoanalyse in die Kinos, pünktlich zu seinem 166. Geburtstag – sehenswert

Text: Marco Arellano Gomes

Sind nicht alle Biografen ein Stück weit Lügner, wie es Sigmund Freud seiner Tochter gegenüber formulierte? Wie kann also eine Dokumentation über den Gründer der Psychoanalyse aussehen, ohne selbst in diese Falle zu tappen? Regisseur David Teboul hat eine raffinierte Lösung gefunden: Er greift in „Sigmund Freud – Freud über Freud“ vorrangig auf die Quellen zurück, die zweifellos nah dran waren: Sigmund Freud, seine Tochter Anna Freud, aber auch eng befreundete und nahestehende Personen wie Marie Bonaparte (seine Patientin) und Carl Gustav Jung (sein Schüler). Sie alle hinterließen Briefe, die seltene Einblicke geben. Stimmungsvoll geben die Synchronstimmen (unter anderem der Schauspieler Johannes Silberschneider) die Inhalte jener Briefe wieder – begleitet von bislang unveröffentlichten Foto- und Videoaufnahmen der Familie Freud, passendem Archivmaterial aus der Epoche und stimmungsvoller Musik.

Die Doku gibt einen erhellenden Einblick in Freuds Gedankenwelt und zeigt, wie besonders die Beziehung zwischen Vater und Tochter war. Auch die großen Themen und Konflikte der Zeitenwende werden angerissen. Freud als Mensch und Denker war wohl nie zuvor so unmittelbar erfahrbar. Das ist sehens- und hörenswert – pünktlich zu Freuds 166. Geburtstag.

„Sigmund Freud – Freud über Freud“, Regie: David Teboul. 97 Min. Ab dem 5. Mai 2022 im Kino

Hier gibts den Trailer zur Dokumentation:


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Vom Waschsalon ins Multiversum

Die Regisseure Dan Kwan und Daniel Scheinert schicken ihre Schauspieler:innen in „Everything, Everywhere, All at once“ fulminant und manchmal albern durch verschiedenste Lebensentwürfe – gaga, aber mit Sinn und Verstand und jetzt im Kino

Text: Calle Claus

Die chinesische Immigrantin Evelyn (Michelle Yeoh) betreibt in Kalifornien einen ruinösen Waschsalon. Ihr Leben ist ein einziges Chaos: Die Ehe mit ihrem Mann Waymond (Jonathan Ke Kwan) droht zu kentern, unterm Dach wohnt ihr renitenter, pflegebedürftiger Vater (James Hong) und obendrein hadert sie mit dem lesbischen Coming-out ihrer Tochter Joy (Stephanie Hsu). Zu allem Überfluss steht nun auch noch eine Steuerprüfung ins Haus. Die zuständige Finanzbeamtin (zum Fürchten und Niederknien: Jamie Lee Curtis) macht nicht den Eindruck, als wäre mit ihr gut Kirschen essen.

So weit, so gaga

Und dann passiert es: Mitten in der Anhörung erscheint Evelyn plötzlich eine alternative Version ihres Mannes. „Alpha Waymond“ konfrontiert sie mit der Tatsache, dass unendlich viele Evelyns existieren. Doch das Multiversum, in dem diese sich tummeln, wird durch eine Superschurkin namens „Jobu Tupaki“ bedroht, die alle Welten mittels eines gigantischen, rotierenden Bagels vernichten will … und sich in der Gestalt von Evelyns Tochter Joy manifestiert. So weit, so gaga.

Eine Geschichte von drohendem familiärem Zerfall

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„Everything Everywhere All At Once“, ein Film wie sein Plakat: Vielfältig, bunt und ein bisschen gaga (Foto: Leonine Studios)

Grundprämisse dieses abstrusen, an die Drehbücher von Charlie Kaufman erinnernden Plots ist, dass jede Entscheidung, die ein Mensch fällt, eine abzweigende Realität entstehen lässt. So häuft jeder im Laufe seines Lebens eine Vielzahl parallel existierender Welten an. Um zwischen ihnen navigieren zu können, braucht es einen Trigger: Zum Beispiel spiegelverkehrt getragene Schuhe. Rechts auf links, links auf rechts, schon kann Evelyn zwischen vielen Versionen ihrer selbst hin- und herspringen. Was folgt, ist ein Wirbel aus durchgeknallten Kostümen, haarsträubenden Kampf-Sequenzen und visuellen Gags – mal spektakulär inszeniert, mal ins Alberne abdriftend. All dem Zinnober liegt eine profunde Geschichte von drohendem familiärem Zerfall, zögerlicher gegenseitiger Akzeptanz und schlussendlicher Heilung zugrunde. Evelyn und ihre Lieben müssen einmal im Schleudergang durch alle möglichen und unmöglichen Lebensentwürfe, um letztlich durchgeschüttelt, aber frisch gestärkt die Fäden wieder aufzunehmen … daheim im eigenen Waschsalon.

„Everything, Everywhere, All at once“, Regie: Dan Kwan, Daniel Scheinert. Mit Michelle Yeoh, Jamie Lee Curtis, Stephanie Hsu. 139 Min. Ab dem 28. April 2022 im Kino

Hier gibts den Trailer zum Film:


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„Lingui“: Die Kraft der Frauen

„Lingui“ ist ein Film über feministischen Widerstand und mütterliche Liebe – bildgewaltig, hochaktuell und relevant

Text: Anarhea Stoffel

Ein kleines Dorf im Tschad, eine staubig karge Landschaft, gleißendes Sonnenlicht und eine Frau, die Feuerschalen aus alten Lkw-Reifen herstellt. Es sind eindrucksvolle Bilder, die der tschadische Regisseur Mahamat-Saleh Haroun in seinem neuen Film zeigt. Das Thema des Films ist unterdessen ein Universelles: der Kampf gegen unterdrückende Gesetze und die Bindung zwischen Mutter und Tochter. Diese gerät aus den Fugen, als die 15-jährige Maria (Rihane Khalil Alio) ihrer Mutter Amina (Achouackh Abakar Souleymane) gesteht, schwanger zu sein.

Zwischen Enttäuschung, Religion und einer besseren Zukunft

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„Lingui“, ein Film aus dem Tschad mit viel Relevanz (Foto: Déjà-Vu Film)

Amina ist enttäuscht, glaubt ihre Tochter habe denselben Fehler gemacht wie sie selbst: dem Vater ihrer Tochter zu vertrauen, der sie während der Schwangerschaft verließ. Anna wurde daraufhin von ihrer Familie verstoßen wurde und musste ihr Kind allein großziehen. Maria hingegen verkündet ihrer Mutter, sie wolle das Kind abtreiben. Das stürzt Amina in eine tiefe Krise: Hin- und hergerissen zwischen dem muslimischen Glauben, der eine Abtreibung nicht zulässt, und dem Wunsch, ihrer Tochter eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Immer wieder verspüren beide den Druck, sich den autoritären Vorstellungen ihres patriarchalen Umfelds zu beugen. Nachdem Maria aus Verzweiflung versucht, sich das Leben zu nehmen, versöhnen sich Mutter und Tochter. Amina beschließt, Maria zu helfen. Die beiden Frauen beginnen einen Kampf um Gerechtigkeit und Selbstbestimmung in einer Gesellschaft, die ihnen keine Stimme geben will.

„Lingui“ ist ein bewegender Film über weibliche Solidarität und das nicht nur zwischen den beiden Hauptfiguren. Er zeigt eine bedingungslose Liebe, die weder durch Unterdrückung noch Gewalt zu brechen ist. Im Gegenteil, es ist eine Liebe, die durch Oppression verstärkt wird.

„Lingui“, Regie: Mahamat-Saleh Haroun. Mit Achouackh Abakar Souleymane, Rihane Khalil Alio, Youssouf Djaoro. 87 Min. Ab dem 14. April in den Kinos 

Hier gibt‘s den Trailer zum Film:


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Visions of Sound: Mittendrin statt nur davor

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Neue Dimensionen des Klangs erleben – mit Dolby Atmos bei Visions of Sound

Die Fachhändler Lichtenfeld Media und Fidelity Acker & Buck in Hamburg-Rellingen bieten am 26. beziehungsweise am 28. April 2022 eine neue Klangwelt mit Dolby Atmos. Dabei werden aktuelle Musikveröffentlichungen und Details zur Produktion und Mischung vorgestellt und immersives (3D) Audio nennt sich das Ganze und bietet ein räumliches Erleben von Musik statt Stereo links/rechts. Der Konzertsaal kommt damit ins Wohnzimmer und Kompositionen sowie Tonmischungen erfahren neue kreative Aspekte in der Erstellung. 

Ein ganz neues Sound-Erlebnis

Mit den entsprechenden Heimkinoreceivern oder Soundbars kann das Ganze auch Zuhause erlebt werden. Abgespielt über Blu-ray werden beste Studio-Aufnahme-Qualität und das ganze Spektrum der immersiven (3D) Mischung erlebbar. Im Streaming ist das Format Dolby Atmos bei Apple Music, Tidal und Amazon Music enthalten. Im Film wird das Format in erster Linie für Special Effects und Atmosphären genutzt und bietet damit ein ganz neues Erleben von Musik: Der Hörer wird ins Zentrum des Geschehens versetzt. Ganz nach dem Motto: Mittendrin statt nur davor!

Um an den Präsentationen teilnehmen zu können muss pandemie-konform ein Termin unter visions-of-sound.live gebucht werden.

Die neuen Dimensionen des Sounds gibt es auch im Shop unter pureaudiorecordings.com


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Camran: „Ich komm’ nicht am Kino vorbei“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Camran begegnet

Protokoll: Rosa Krohn

„Ich arbeite neben meinem Studium im Passage Kino. Ich bin absolut filmbegeistert und kann mit dem Job einen Teil meiner Leidenschaft ausleben. Als Mitarbeiter im Kino ist man meist unsichtbar und trotzdem ist es großartig, ein Teil von Hamburgs Kinowelt zu sein. 2017 habe ich hier das erste Mal einen Film gesehen und sofort nach offenen Stellen gefragt. Seitdem bin ich im Ticketverkauf oder an der Bar tätig. Was ich aber am liebsten mache, ist der Job des Platzanweisers. Damit ist man am nächsten an dem dran, was tatsächlich im Kinosaal passiert. Auf der Leinwand können dabei Dinge stattfinden, die so tief in das Leben oder in das, was man sich vom Leben erhofft, eindringen, wie es der Realität oft nicht gelingt. Man reist durch die Zeit und durch die Welt. 

Der Film und die Stadt

Neben meiner Arbeit hier gehe ich selbst zwei- bis dreimal wöchentlich ins Kino. Dabei liegen mir besonders die Programmkinos am Herzen. Sie führen mich durch die Stadt. Das Schöne am Film ist, dass man nach dem Kinobesuch ganz anders mit der Stadt interagiert. Ich liebe das wiederkehrende Gefühl, nach einem guten Film zurück ins Leben zu gehen. Auf Hamburgs Straßen zu spüren, wie man durch das, was man soeben im Saal erlebt hat, geprägt ist. Zu sehen, wie die Stadt darauf reagiert. Mal ist Hamburg dann eine italienische Stadt in den 1960er-Jahren, mal New York im Winter oder eine Wüste im Iran. Die Stadt hat die Fähigkeit, Gesehenes zu erweitern und zu verschönern, ohne es naiv zu idealisieren. Ich habe mich schon oft vor einem Film schlecht gefühlt und danach wieder gut. 

Die Realität bleibt wichtiger

Der gemeinsame Nenner guter Filme liegt für mich darin, wie persönlich sie sind, so beschrieb es auch der norwegische Regisseur Joachim Trier kürzlich in einem Interview. Für mich kann ein Film unabhängig von Genre und Form gut sein. Wenn er mich einnimmt und auffordert, dem Wunsch nachzugehen, innerlich zu handeln und zu erfahren, was uns ausmacht, was schön und was gut ist. Trotzdem ist es mir wichtig zu betonen, dass ich das Leben dem Film immer vorziehe. Die Realität ist und bleibt wichtiger. Letztlich ist das Kino für mich nüchtern betrachtet mein Arbeitsplatz und dennoch: Als die U3 lange Zeit nicht fuhr, kam ich auf dem Nachhauseweg täglich mit dem Bus hier entlang und stieg jedes Mal aus. Immer. Ich komm’ einfach nicht am Kino vorbei.“


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Körperliche Selbstbestimmung

Der auf Annie Ernauxs gleichnamigem Roman basierende Film „Das Ereignis“ zeigt eindrücklich den Kampf einer französischen Studentin, die in den 1960er-Jahren wider geltendes Recht ihre Schwangerschaft abbrechen will

Text: Rosa Krohn

Frankreich, 1963: Anne (Anamaria Vartolomei) ist jung und voller Hoffnung auf sozialen Aufstieg. Die Literaturstudentin ist durch Talent und Fleiß auf dem Weg zur Jahrgangsbesten. Doch dann beschleicht sie ein ungutes Gefühl: Ihre Periode bleibt aus, Schwäche- und Übelkeitsanfälle ereilen sie. Als sich ihre Befürchtung einer Schwangerschaft bewahrheitet, bleibt ihr keine Wahl. Das Kind auszutragen, bedeutete das sichere Ende ihres Studiums und so ist sie bereit, alles Erdenkliche auf sich zu nehmen, um den Embryo zu verlieren…

Abtreibung als Hindernis

Mit „Das Ereignis“ verfilmt Regisseurin Audrey Diwan den autobiografischen Roman der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux, in dem diese ihre eigene Abtreibungserfahrung als junge Frau verarbeitet. Mit einer schonungslosen Wahrhaftigkeit zeigt der Film Annes heimliches, gefährliches Bemühen um einen Schwangerschaftsabbruch. Der Zuschauer erfährt durch ihre Augen die Mechanismen einer Gesellschaft, in der Männer keine Verantwortung übernehmen und Frauen auf sich allein gestellt sind. Eine Gesellschaft, die schwangeren Frauen weder Perspektiven aufzeigt, noch ihnen das Recht auf Abtreibung gewährt.

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Anamaria Vartolomei überzeugt in Audrey Diwans „Das Ereignis“ (Foto: Prokino Filmverleih)

In Vending ausgezeichnet – zu Recht

„Das Ereignis“ wurde bei den Filmfestspielen in Venedig 2021 mit dem goldenen Löwen als bester Film ausgezeichnet. Die erfrischende Hauptdarstellerin und ihre gleichsam starke Figur sind fesselnd. Kameramann Laurent Tangy führt die Handkamera stets dicht an der Hauptfigur, quasi kongruent zu ihren Bewegungen. Das schmale Bildformat (1,37:1) stellt Anne auch visuell unmittelbar ins Zentrum. Annes Erleben ihrer Lust und ihres Schmerzes ist intensiv – und an einigen Stellen radikal, wenngleich zu keinem Zeitpunkt aufgebauscht.

Historischer Stoff – hoch aktuell

Der Film zeigt einen historisch bedingten Missstand in Bezug auf das Abtreibungsrecht. Die 1960er-Jahre spiegeln sich in Optik und Prämisse wider, die Story wird jedoch perspektivisch modern erzählt. Dieser stilistische Umstand macht den Film zu einem zeitlosen Plädoyer für die körperliche Selbstbestimmung von Frauen – und das kommt vielleicht anlässlich der Debatte im Deutschen Bundestag um das Informationsverbot für Abtreibungen genau zum richtigen Zeitpunkt.

„Das Ereignis“, Regie: Audrey Diwan. Mit Anamaria Vartolomei, Kacey Mottet Klein, Sandrine Bonnaire. 100 Min. Ab dem 31. März 2022 in den Kinos.

Hier gibt’s den Trailer zum Film:


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Joaquin Phoenix in „Come on, Come on“

„Come on, Come on“ ist der neue Film mit Joaquin Phoenix – ein Roadtrip voller Menschlichkeit

Text: Marco Arellano Gomes

Der New Yorker Radiomoderator Johnny (Joaquin Phoenix) hat eine lange Beziehung hinter sich und konzentriert sich voll auf seine Arbeit. Während er für ein Projekt durch die Staaten reist, um Kinder nach ihren Träumen, Ängsten und Hoffnungen zu befragen, erhält er einen Anruf von seiner Schwester Viv (Gaby Hoffmann), die ihn darum bittet, einige Tage mit ihrem Sohn Jesse (Woody Norman) zu verbringen, damit sie sich um ihren an Schizophrenie erkrankten Mann kümmern kann. Johnny willigt ein, auch wenn er keine Erfahrung damit hat, Verantwortung für ein neunjähriges Kind zu übernehmen. Jesse ist erstmals für längere Zeit von seiner Mutter getrennt.

Auf einem Roadtrip quer durch die USA bis nach New York kommen sich die beiden Schritt für Schritt näher. Die anfängliche Unbeholfenheit und Überforderung beider weicht einer Neugier, aus der eine vertrauensvolle Bindung erwächst, die durch Offenheit, Ehrlichkeit und Zuneigung gekennzeichnet ist. Es entsteht eine tiefe Verbindung zwischen Onkel und Neffe – durch die sie neue Facetten an sich selbst entdecken.

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Regisseur und Drehbuchautor Mike Mills („Jahrhundertfrauen“) gelingt mit „Come on Come on“ ein schöner, ruhiger, hoffnungsvoll stimmender Film, der von den Gesprächen mit seinem eigenen Sohn inspiriert ist. Die wohldosierten und klug die Kontraste illustrierenden Schwarz-Weiß-Bilder, die stimmungsvolle Filmmusik und die natürlichen Darstellungen von Ausnahmeschauspieler Joaquin Phoenix und Jungdarsteller Woody Norman machen es leicht, der Reise zu folgen.

Geschickt werden passende essayistische Texte im Film eingebaut, die den Gefühlen, die sich auf der Leinwand offenbaren, die passenden Worte geben. Eine Reise voller Menschlichkeit und ein Film, der zum Nachdenken anregt – über sich und das eigene Leben.

„Come on, Come on“: Regie: Mike Mills. Mit Joaquin Phoenix, Gaby Hoffmann, Woody Norman. 108 Min. Ab dem 24. März 2022 im Kino

Hier gibt‘s den Trailer zum Film:


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„Spanien war schon immer ein geteiltes Land“

Im Rahmen seines neuen Films „Parallele Mütter“ spricht Starregisseur Pedro Almodóvar über die Geschichte Spaniens, seine Faszination über Frauen und Mütter und die Zusammenarbeit mit Penélope Cruz

Interview: Patrick Heidmann

SZENE HAMBURG: Pedro Almodóvar, nach Ihrem bislang persönlichsten Film „Leid und Herrlichkeit“ legen Sie nun mit „Parallele Mütter“ Ihren politischsten vor. Besteht da ein Zusammenhang?

Pedro Almodóvar: Nicht wirklich. Höchstens in dem Sinne, dass mir diese autobiografische Auseinandersetzung unwiederbringlich gezeigt hat, dass ich alt werde. Weswegen ich mir wohl mehr Gedanken denn je über die Vergangenheit und das Vergehen von Zeit mache. Aber „Parallele Mütter“ ist keineswegs eine Reaktion auf den Film davor. Im Gegenteil: Ich hatte die Geschichte für den Neuen schon lange mit mir herumgetragen und bereits vor zehn Jahren eine erste Drehbuchfassung geschrieben.

Haben Sie in früheren Filmen politische Themen bewusst gemieden?

Nein, aber mich trieben andere Sachen um. Ich begann meine Karriere als Filmemacher in einer sehr besonderen Zeit, als Spanien sich gerade neu erfand und zur Demokratie wurde. Da war es uns jungen Menschen wichtiger, im Hier und Jetzt zu leben und auf die Gegenwart zu schauen als in die Vergangenheit zu blicken. Und unsere neue Freiheit zu genießen. Wobei das ja gar nicht heißt, dass wir damals unpolitisch waren. Mir ging es, auch in meiner Arbeit, um Drogen und Sex, aber auch um Gleichberechtigung und die Rechte von Homo- und Transsexuellen.

Die Rolle der eigenen Mutter

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Penélope Cruz (r.) ist für ihre Rolle in „Parallele Mütter“ für einen Oscar nominiert (Foto: El Deseo / Studiocanal)

In „Parallele Mütter“ geht es nun – in einem von zwei Handlungssträngen – um die Aufarbeitung von Verbrechen aus der Franco-Zeit und das Öffnen anonymer Massengräber. Ist das heutzutage in Spanien noch ein kontroverses Thema?

Auf jeden Fall eines, das uns seit einiger Zeit endlich mehr umtreibt denn je. Spanien war schon immer ein sehr geteiltes Land, nicht zuletzt deswegen gab es ja damals den Bürgerkrieg. Inzwischen gibt es, zumindest in den jüngeren Generationen, eine große Mehrheit, die dringend dafür ist, dass wir uns mit unserer Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen und dass vor allem die Opfer des Bürgerkrieges und der Franco-Zeit Wiedergutmachung erfahren. Gleichzeitig gibt es auch starken Widerstand von Rechts, wo man lieber auf Geschichtsrevisionismus und Fake News setzt. Deswegen war es mir ein Anliegen, diesem Thema – und der Wahrheit – mit meinem Film breites Gehör zu verschaffen.

Sie setzten sich aber – der Titel deutet es an – auch wieder mit Mutterschaft auseinander. Was interessiert Sie daran so sehr?

Herunterbrechen kann man es sicherlich darauf, dass meine eigene Mutter eine so wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat. Sie und die anderen ländlichen Mütter ihrer Generation haben mich sehr geprägt, denn die meisten von ihnen habe ich als liebevolle, vorurteilsfreie Frauen erlebt, denen ich stets ein Denkmal setzen wollte. In praktisch allen meinen Filmen waren die Mutterfiguren letztlich eine Version meiner Mutter, kombiniert mit Elementen moderner Frauen. „Parallele Mütter“ ist nun der erste, der ohne den Schatten meiner Mutter auskommt und wo ich ganz bewusst andere, jüngere Frauen als Vorbilder im Kopf hatte.

Penélope Cruz war noch nie so gut“

Wir müssen noch über Penélope Cruz sprechen, die so etwas wie Ihre Muse ist. Kann sie Sie nach all den gemeinsamen Filmen noch überraschen?

Als Schauspielerin immer wieder. In „Parallele Mütter“ hat sie mich sprachlos gemacht. So gut war sie noch nie. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, dass wir uns so gut kennen, befreundet sind, und sie sich in all den Jahren eigentlich nicht verändert hat. Penélope ist so leidenschaftlich und geduldig wie früher – und nicht zuletzt großzügig mit ihrer Zeit. Ich verlange als Regisseur meinen Schauspielern viel Engagement und Zeit ab. Gerade in Fällen wie diesem, wo Penélope jemanden spielt, der das Gegenteil von ihr selbst ist. So eine Rolle stemmt man nicht über Nacht. Obwohl sie mittlerweile ein viel beschäftigter Weltstar, Mutter und Ehefrau ist, stand sie mir kein bisschen weniger zur Verfügung als bei unserem allerersten gemeinsamen Film.

„Parallele Mütter“ von Pedro Almodóvar mit Penélope Cruz, Milena Smit und Israel Elejalde. 123 Min. Ab dem 10. März 2022 im Kino.

Hier gibt´s den Trailer zum Film:


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