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Der Herbst ist da: Zehn Tipps für kühle Tage

Es ist Herbst, die Tage werden kürzer, draußen ist es nass und kalt und der sogenannte Herbstblues setzt ein. Hier kommen zehn Tipps, um aus dieser Jahreszeit einen goldenen Herbst zu machen

Text: Felix Willeke & Henry Lührs

 

Ausflug zum Kürbisparadies Hof Adolf

 

Auf dem Hof Adolf gibt es Kürbis satt (Foto: unsplash/Alexas Fotos)

Auf dem Hof Adolf gibt es Kürbis satt (Foto: unsplash/Alexas Fotos)

Der Herbst bringt nicht nur Schmuddelwetter und viel Laub, sondern auch den Kürbis und alles, was dazugehört. Das große, orange Fruchtgemüse macht sich nicht nur gut in der eigenen Wohnung, auch die Kürbissuppe ist ein absolutes Herbst-Highlight. Ganz zu schweigen von den vielen verschiedenen Grusel-Grimassen, die sich zu Halloween in die Kürbisse schnitzen lassen. Umso besser, dass es in und um Hamburg verschiedene Kürbishöfe gibt.

Der Hof Adolf vor den Toren der Stadt bietet in seinem Kürbisparadies 200 verschiedene Sorten an. Aber auch viele selbsterzeugte und regionale Kürbisprodukte wie Sekt, Marmeladen oder Öl locken auf den Hof. Schnitzvorlagen und Schnitzwerkzeug für die Grusel-Party liegen für die Besucher bereit. Bis Ende Oktober ist das Kürbisparadies jeden Tag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Hof Adolf, Im Dorf 8 (Braak); hof-adolf.de


 

Gemütliches Filme-Gucken gegen den Herbstblues

 

Der Filmraum in Eimsbüttel, ein Programmkino mit gemütlicher Atmosphäre (Foto: filmRaum)

Der Filmraum in Eimsbüttel, ein Programmkino mit gemütlicher Atmosphäre (Foto: filmRaum)

Nirgendwo lässt sich ein verregneter, kühler Herbsttag besser verbringen als in einem muckeligen Kino. Neben den großen Blockbuster-Kinos gibt es in Hamburg aber auch die kleinere, gemütliche Variante. Der Filmraum im Herzen von Eimsbüttel erinnert mit seinem Kinosaal eher an ein zweites Wohnzimmer.

Das kleine Programmkino setzt auf alten Kino-Charme und Filme fernab des Mainstreams. Arthouse-, Spiel- und Dokumentarfilme laufen hier in Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Seit über 10 Jahren hat sich der Filmraum im Viertel, aber auch in ganz Hamburg als wichtiger Kulturraum etabliert. Für den Klönschnack danach lohnt sich die heiße Schokolade oder der Chai Tea im Herz und Bauch Cafe gegenüber.

Müggenkampstraße 45 (Eimsbüttel); filmraum.net


 

Herbstliches Basteln und kreatives Gestalten

 

Im Herbst ist Zeit für Kreativität (Foto: unsplash/Vladimir Proskurovskiy)

Im Herbst ist Zeit für Kreativität (Foto: unsplash/Vladimir Proskurovskiy)

Wenn es draußen früher dunkel und kühler wird, ist es Zeit, um drinnen wieder kreativ zu werden. In Hamburg gibt es dazu zum Glück viele Möglichkeiten, Veranstaltungen und Workshops. In der Diele in Ottensen dreht sich am 30. Oktober 2021 zum Beispiel alles um die Trockenblume. Mit Floristentape und Basteldraht werden bei einem Workshop Kränze für das eigene Wohnzimmer hergestellt.

Bei der Veranstaltung „Malen, Basteln, Werkeln“ im Bucerius Kunst Forum werden am 7. November neue künstlerische Wege mit Materialien aus dem Haushalt erforscht. In der Kreativwerkstatt Hamburg Ottensen gibt es am 19. November eine Einführung in die Kunst des Plisseefaltens. Kugeln im Origami-Stil werden hierbei aus dem individuellen Lieblingspapier gefaltet. Aber auch in den eigenen vier Wänden lässt es sich natürlich wunderbar kreativ werden. Viele Anleitungen, zum Beispiel zum Thema Upcycling, gibt es auf Youtube.


 

Entspannen in den Wellnessoasen von Hamburg

 

Entspannen, das geht im Kaifu Sole (Foto: Bäderland Hamburg)

Entspannen, das geht im Kaifu Sole (Foto: Bäderland Hamburg)

Die Herbst- und Wintermonate können gerne mal richtig stressig werden. Der Urlaub ist ausgeschöpft und die Ferien wieder in weiter Ferne. Bei Studierenden rauscht das Wintersemester rein und die ersten Abgaben oder Vorträge stehen an. Aber auch auf der Arbeit steigt der Druck durch Fristen zum Jahresende. Kaum etwas sorgt für mehr Entspannung, als im Spa die Seele baumeln zu lassen. Orientalische Wellness gibt es zum Beispiel im Hamam Hafen Hamburg auf St. Pauli. Auf die Besucher wartet ein großer Wellnessbereich mit Kissenlandschaft, beheizten Marmor Podesten, Körperpeelings und Seifenschaummassagen. Individuelle Behandlungen gibt es hier bereits ab 35 Euro.

Natürlich finden sich auch in anderen Teilen der Stadt viele weitere Wohlfühloasen. Klassische und beliebte Anlaufstellen sind zum Beispiel das Meridian Spa in Poppenbüttel oder die Kaifu Lodge und Kaifu Sole in Eimsbüttel. Aber auch das Aspira in Uhlenhorst bietet neben verschiedenen Spa-Bereichen mehrere beheizte Innen- und Außenpools, die auch in den Herbst- und Wintermonaten geöffnet sind.

Seewartenstraße 10 (St. Pauli); hamam-hamburg.de


 

Schlemmen bei den Genuss-Touren Hamburg

 

Auf den Genuss-Touren Hamburg gibt es viele kulinarische Highlights (Foto: Jérome Gerull)

Auf den Genuss-Touren Hamburg gibt es viele kulinarische Highlights (Foto: Jérome Gerull)

Der Herbst ist da – kein Grund, sich drinnen zu verstecken. An der frischen Herbstluft lässt sich die Hamburger Gastro Szene ideal bei der Genuss-Tour Hamburg erforschen. Während der kulinarischen Entdeckungsreise durch Hamburgs Stadtteile kommen die Besucher in den Genuss der leckersten Pizza, des besten Burgers oder der gemütlichsten Bar.

Die Tourguides haben außerdem immer jede Menge Insidertipps parat. In Kooperation mit Urban Gurus werden alle Teilnehmenden dazu eingeladen, Hamburg kulinarisch zu entdecken und satt und zufrieden zurückzukehren. Gebucht werden können die Touren in vielen verschiedenen Vierteln wie Speicherstadt und Hafencity oder Altona und Ottensen.

genusstouren-hamburg.de


 

Sterne gucken und mehr

 

Einen Blick in die Sterne gibt's im Planetarium Hamburg (Foto: Jan-Rasmus Lippels)

Einen Blick in die Sterne gibt’s im Planetarium Hamburg (Foto: Jan-Rasmus Lippels)

Draußen hängen die Wolken tief und drinnen funkeln die Sterne. Das geht nicht? Doch und zwar bestens im Planetarium Hamburg. Egal ob Geschichten für die Kleinen, Wissen für alle oder spektakuläre Shows für die Größeren, das Planetarium bietet die ganze Bandbreite. Ab dem 1. November kommen sogar noch mehr Besucher:innen in den Genuss der Shows, denn das Haus stellt auf die 2G-Regel um.

Für die Zeit vor oder nach der Show gibt es außerdem im Erdgeschoss das Café Schmidtchen im Planetarium, im Foyer die Ausstellung „Mensch, Kosmos!“ mit Bildern des Hubble-Teleskops und ganz oben die fast schon legendäre Aussichtsplattform. Für alle mit Tickets zu einer Veranstaltung ist die Plattform im Preis enthalten, alle anderen Zahlen ein bis zwei Euro für einen der schönsten Blicke über die Stadt.

Linnering 1 im Stadtpark (Winterhude); planetarium-hamburg.de


 

Kunst, Kunst, Kunst

 

TOYEN: Die neue Welt der Liebenden; (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Katrin Backes, Sylvain Tanquerel)

TOYEN: Die neue Welt der Liebenden; (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Katrin Backes, Sylvain Tanquerel)

Über 80 Museen gibt es in Hamburg, dazu kommen unzählige Galerien und Pop-up-Räume, es spricht also nichts dagegen, den Herbst ins Zeichen der Kunst zu stellen. Sei es die aktuelle Toyen-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, die hochgelobte Ausstellung „Tom Sachs Space Program: Rare Earths“ in den Deichtorhallen (noch bis zum 10. April 2022) oder die wechselnden Ausstellungen im KuBaSta im Münzviertel.

Aktuell untersuchen Student:innen der HAW das menschliche Verhältnis zu Landschaft und Naturdarstellungen im Lichte der globalen Umweltveränderungen zeichnerisch in der Ausstellung „Landschaft als Metapher“. Los geht es im KuBaSta am 15. Oktober mit einer Vernissage, vom 16. bis zum 28. Oktober ist täglich von 18 bis 21 Uhr geöffnet.

KuBaSta Repsoldstraße 45 (Hammerbrook); xpon-art.de


 

Raus ins Laub

 

Damwild, einfach schöne Tiere im Niendorfer Gehege (Foto: unsplash/Zhengyu Lyu)

Damwild, einfach schöne Tiere im Niendorfer Gehege (Foto: unsplash/Zhengyu Lyu)

Spaziergänge im Sommer, das können alle. Aber es gibt fast nichts schöneres als ein Spaziergang an einem Herbstmorgen, wenn der Tau noch über der Wiese liegt und der Morgennebel die Sonne in ein leicht milchiges Licht taucht.

Egal ob Damwild im Niendorfer Gehege beobachten, Galloway Rinder im Höltigbaum oder Heidschnucken in der Fischbeker Heide, neben der morgendlichen Frische gibt es in den Parks und Naturschutzgebiet in und um die Stadt herum noch viel mehr zu entdecken. Die Loki-Schmidt-Stiftung und die einzelnen Parks bieten darüber hinaus auch noch Führungen und Workshops an.


 

Herbstzeit ist Apfelzeit

 

Äpfel gibt es in Hamburg regional und saisonal immer im Herbst (Foto: unsplash/Matheus Cenali)

Äpfel gibt es in Hamburg regional und saisonal immer im Herbst (Foto: unsplash/Matheus Cenali)

Mittagspause, der Körper verlangt nach Vitaminen, da kommt der frische Apfel gerade recht. Noch besser ist er, wenn er nicht nur frisch, sondern auch selbst gepflückt ist. Und wie es die Natur will, hat Hamburg das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands direkt vor der Tür. Im Alten Land ist aktuell noch Zeit für die Apfelernte und auf Höfen wie dem Herzapfelhof Lühs kurz vor Jork kann man täglich selbst zum Pflücken vorbei kommen. Noch bis Ende Oktober 2021 hängen hier Sorten wie Jonagold oder Topaz an den Bäumen. Zum Pflücken braucht man eine Pflückkarte, die man bei der Anmeldung vor Ort bekommt.

Wer es nicht schafft, ins Alte Land zu fahren und trotzdem alte und regionale Apfelsorten probieren will, die zum Teil auch für Allergiker:innen in Frage kommen, der geht am besten zu Judith Bernhard und Eckart Brandt vom Boomgarden Projekt. Sie stehen mit ihrem Verkaufsstand noch bis zum 15. November immer montags von 12 bis 16 Uhr auf dem Burchardplatz vor dem Chilehaus.

Herzapfelhof Lühs, Osterjork 102 (Jork); herzapfelhof.de


 

Einfach Lesen

 

Herbstzeit ist Lesezeit (Foto: unsplash/Matias North)

Herbstzeit ist Lesezeit (Foto: unsplash/Matias North)

Während beim Discounter die Spekulatius schon wieder ausverkauft sind und die ersten Einzelhändler:innen sich auf Weihnachten vorbereiten, laden die Herbsttage zum Lesen ein. Am Anfang vom Lesen steht immer noch das Buch und Buchläden gibt es in Hamburg reichlich: Von den großen Buchhandlungen bis zu den kleinen Lieblingsläden um die Ecke wie die Buchhandlung Ulrich Hoffmann in Barmbek oder der Buchladen Osterstraße in Eimsbüttel. Hier gibt es beste Beratung auf dem Weg zum neuen Lieblingsbuch.

Doch wer noch mehr bedarf hat, der kann sich vom 2. bis 6. November 2021 auf Kampnagel in die Welt der Krimi-Ligatur entführen lassen. Beim 14. Hamburger Krimifestival warten rund 40 Autor:innen, darunter Nele Neuhaus oder Sebastian Fitzek, auf die Literaturfans.


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Hamburger Theater Festival 2021: Masken sprechen

2021 ist das Hamburger Theater Festival vom 10. bis 18. Oktober kleiner als sonst. In diesem Jahr lässt Festival-Kurator Nikolaus Besch die Masken sprechen

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

Hochkarätig wie gewohnt, aber 2021 sogar hochverdichtet, zeigt sich das diesjährige Hamburger Theater Festival: Fünf Produktionen an acht Tagen mit 14 klangvollen Namen. Eigentlich sind es 19, doch die Namen – und insbesondere die Gesichter – der großartigen Spieler von „Familie Flöz“ sind nur deshalb weniger populär, weil sie in ihren herzerwärmenden Stücken grundsätzlich Masken tragen. In diesem Jahr zeigt die international erfolgreiche Crew um Michael Vogel, wie man „Feste“ feiert (Kampnagel, 15.+16.10.): Doch nicht aus einem glanzvoll geschmückten Saal, sondern von der Rückenansicht, aus der Perspektive derjenigen, die im Hintergrund schuften, damit andere strahlen dürfen. Dass es dabei nicht bleibt, ahnt man, denn die Flöz-Familie ist bekannt dafür, ihren vielschichtigen Geschichten voll feinstem Humor eine unerwartete Wendung zu geben. Beredter kann ein Theaterabend kaum sein als mit dieser berührenden, wortlosen Körperkunst.

 

Das Deutsche Theater Berlin zu Gast

 

Ähnlich stumm ist auch die Rolle der Protagonistin in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ angelegt, und auch dessen gleichnamige Verfilmung lebt von Ereignisarmut. Das ändert sich drastisch in der Bühnenfassung des Deutschen Theaters Berlin: „Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater“ (Schauspielhaus, 12.+13.10.) – und das durchaus wörtlich und wortgewandt. Die österreichische Schauspielerin interpretiert die surreale Story um eine riesige gläserne Wand inmitten einer ohnehin einsamen Berglandschaft neu: Unter der Regie von Clemens Maria Schönborn ringt sie dem absurden Gegensatz von idyllischer Natur und Endzeitstimmung eigenwillige Nuancen ab; sie schießt und klettert, grübelt und verzweifelt, und von allem erzählt sie mit ihrer markant heiseren Stimme. Weitere Coups von Festival-Kurator Nikolaus Besch: „Die Blechtrommel“ nach Grass, Strindbergs „Totentanz“ sowie „Die Glorreichen Sieben“!

Hamburger Theaterfestival, 10.–18.10. 2021


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Amelie Deuflhard bleibt auf Kampnagel

Die Intendantin der Internationalen Kulturfabrik verlängert ihren Vertrag bis 2027. Kampnagel steht nicht nur wegen der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen

Text: Felix Willeke

 

Seit der Spielzeit 2007/2008 ist die gebürtige Stuttgarterin Amelie Deuflhard Intendantin von Kampnagel. Jetzt hat sie ihren Vertrag um weitere fünf Jahre bis 2027 verlängert. Das wohl größte Projekt der kommenden Jahre ist die Generalsanierung der Kulturfabrik: „Ich sehe hier die einzigartige Chance, auch in der Architektur sichtbar zu machen, was wir inhaltlich anstreben. Hier soll das innovativste Kunstgelände des 21. Jahrhunderts entstehen, das neue Dimensionen des internationalen und transdisziplinären Arbeitens eröffnet und weltweit beispielhaft ist“, sagt Deuflhard. Programmatisch will sich Kampnagel weiter den großen globalen Themen wie Klimawandel, Migration, Postkolonialismus, Diversität und sozialer Ungleichheit widmen, so Deuflhard. Darüber soll sich die Kulturfabrik noch weiter für unterschiedliche Akteur:innen der Gesellschaft öffnen.

Auch Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien in Hamburg, begrüßt die Verlängerung des Vertrags: „Amelie Deuflhard leistet gerade mit ihrem engagierten Einsatz für die freien Künste einen wichtigen Beitrag für die kulturelle Vielfalt in Hamburg.“

Neben Deuflhard verlängerte auch Dr. Kerstin Evert, Leiterin des K3 – Zentrum für Choreografie | Tanzplan Hamburg, ihren Vertrag bis 2028.

Aktuell läuft noch bis zum 22. August 2021 auf Kampnagel das Internationale Sommerfestival.


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Kampnagel Sommerfestival: Avantgarde im Garten

Auf Kampnagel zeigen Künstler:innen rund zwei Wochen lang in der Krise entstandene Perspektiven für die Zukunft. Dafür verwandelt sich das ehemalige Industriegelände des international renommierten Kulturzentrums in Winterhude in die gewohnte all-sommerliche avantgardistische Festival-Location

Text: Kevin Goonewardena

 

Bereits seit Mitte der 1980er Jahre ist das internationale Kulturzentrum auf dem Gelände der ehemaligen und namensgebenden Maschinenfabrik „Nagel & Kaemp, Zivilingenieure“ Austragungsort verschiedener Festivals aus den Bereichen Tanz, Theater, Performance, Musik, Bildende Kunst und Film.

NDR_ZEIT_Buehnen_Kampnagel_Kultursommer_Foto_Team_Szene-4

Vom verregneten Auftakt des diesjährigen „Internationalen Sommerfestival“ im 15. Jahr des Bestehens der Reihe am Dienstagabend, 4. August, ließen sich weder Besucher:innen, noch Künstler:innen die Vorfreude auf die kommenden zwei Wochen verderben – und das trotz der bereits zweiten Pandemie-gerechten Ausgabe hintereinander.

Sich und seinen organisch, melodischen und mediativen Stilmix aus Jazz, Klassik, Pop und Balkan-Elementen stellte unter anderem der mazedonische Gitarrist und Komponist Filipp Dinev mit seiner Band dem Publikum vor. Dinev, der in Hamburg Jazz studiert, gab genau wie das nachfolgende Duo Clara Lucas und Hauke Renken im Rahmen der von seiner Hochschule (HfMT – Hochschule  für Musik und Theater) kuratierten Bühne eine Kostprobe seines Könnens. Bei Clara Lucas und Hauke Renken umfasste selbiges die ganze Bandbreite von Jazz-Stücken bis hin zu Songs des Pop-Superstars und Stilikone Billie Eilish.

 

Wald- und Kanalbühne vom NDR und der ZEIT-Stiftung

 

Den Höhepunkt des ersten Abends stellte die Zusammenarbeit des jiddischen Künstlers Josh „Socalled“ Dolgin und die durch den kanadischen Klavier-Virtuosen mit kölschem Wohnsitz Chilly Gonzales bekannt gewordenen Streicher Kaiser Quartett dar, die unter dem Namen „One Night in Odessa“ sowohl gemeinsame Stücke, jiddische Lieder ihres jeweiligen Repertoires und Erstaufführungen in der Pandemie entstandener Songs und Arrangements, vortrugen.

Noch bis zum 15. August sind auf verschiedenen von dem NDR und der ZEIT-Stiftung präsentierten Bühnen und im eigentlichen Herzstück des „Internationalen Sommerfestival“ – dem Avant-Garten – lokale, nationale und internationale Künstlerinnen, junge Talente, etablierte Größen und deren Werke zu sehen, hören und zu bestaunen. NDR_ZEIT_Buehnen_Kampnagel_-Kultursommer_Foto_Team_Szene-16Zum Beispiel der afghanische und in Neuwiedenthal im Hamburger Süden aufgewachsene afghanische Produzent Farhad Samadzada, der unter seinem Alias Farhot nicht nur für Die Fantastischen Vier und Haftbefehl produzierte. Sein letztjähriges Produzentenalbum „Kabul Fire Vol. II“ wurde nicht nur vom deutschen Feuilleton begeistert aufgenommen, auch schaffte er es unter anderem in die renommierte britische Zeitung „The Guardian“ – die seine in Rillen gepresstes musikalisches Erbe Kabuls gar zum „Global Album of The Month“ ernannte. Farhot ist am 12. August in einem Talk-Format auf der Waldbühne zu hören.

Auch die Hamburger Popmusikerin Sophia Kennedy, die kürzlich ihr Zweitwerk „Monsters“ herausgebracht hat, Fritzi Ernst (ehemals Teil des Duos Schnipo Schranke), Ashraf Sharif Khan & Pudel-Mitbetreiber Victor Marek und viele weitere musikalische Gäste sind in den kommenden Tagen auf Kampnagel zu erleben. Neben dem Musikprogramm erwarten die Besucher:innen Performance, Filmvorführungen, DJ-Sets, die schon angesprochenen Talks oder auch Live-Podcasts.

 

Bunte Abkühlung

 

Für eine Abkühlung bei den ab Mittwoch, 11. August wieder höheren Temperaturen, sorgt Eis: Im Rahmen des Kultursommers fährt ein Eiswagen mit buntem „Play out loud“-Logo-Eis am Stil zu verschiedenen Venues und macht natürlich auch halt auf Kampnagel: Am 12. August gibt es dort dann ab 20:30 Uhr bunte Vielfalt auch für auf die Zunge!

Kampnagel Sommerfestival: 4. – 22. August 2021


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Festival für experimentelle Musik: klub katarakt

Das Internationale Festival für experimentelle Musik bietet am 27. Mai außergewöhnliche Musikerlebnisse im Live-Stream

Text: Marco Arellano Gomes

 

Das Internationale Festival für experimentelle Musik „klub katarakt“ bietet am 27.5. ein Musikprogramm, das wie gewohnt aus der Reihe tanzt. Das auf Kampnagel aufgeführte Konzerterlebnis wird live im Stream zu erleben sein. Schwerpunkt diesmal: raumbezogene Musik.

Drei Konzerte gibt’s zu sehen: Das Hauptkonzert stammt vom Ensemble L’art pour l’art und trägt den Titel „Matthias Kaul in memoriam“ (19 Uhr). Es ist dem am 1. Juli 2020 verstorbenen Schlagzeuger und Komponisten Matthias Kaul gewidmet. Das Ensemble wurde von ihm einst mitgegründet. Flötistin Astrid Schmeling konzipierte das Gedenkkonzert in Zusammenarbeit mit der künstlerischen Festivalleitung. Es beinhaltet fünf Kompositionen Kauls – vom Solo bis zum Ensemble- Stück. Sängerin ist Frauke Aulbert.

 

Außergewöhnlich, avantgardistisch

 

Dem folgen zwei kürzere Einzelkonzerte unter dem Titel „Local Heroines“: Zum einen tritt die freischaffende Musikerin, Künstlerin, DJ, Kuratorin und Film-Sounddesignerin Nika Son auf und stellt ihr erstes Soloalbum „To Eeyore“ (2020) vor (20.30 Uhr). Sie übersetzt Töne und Geräusche unterschiedlicher Herkunft in eine ungewöhnliche musikalische Sprache. Es ist, als schaute man dem Hörbaren zu.

 

 

Im Anschluss geben René Huthwelker und Carl-John Hoffmann ein audiovisuelles Konzert, das sich durch analog-synthetische Rückkopplungsschleifen auszeichnet, die sich durch einen repetitiven Minimalismus durch polyrhythmische Netzwerke zu pulsierenden Strukturen verdichten (22 Uhr). Das liest sich nicht nur außergewöhnlich, es klingt auch so. Seit fünfzehn Jahren bietet das Festival „klub katarakt“ experimentelle Musik: offen, außergewöhnlich bis avantgardistisch. Das ist nicht nur für ein Spezialpublikum interessant, es ist für alle Musikbegeisterte inspirierend.

klub katarakt
27.5.2021, ab 19 Uhr


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Corona in Hamburg: Kultur im Käfig

Seit fast einem Jahr leiden die Kulturbetriebe unter den Coronabeschränkungen. Nach den Lockerungen im Sommer wurden sie im Herbst wieder geschlossen – doch der künstlerische Betrieb läuft vielerorts eingeschränkt weiter

Text: Sören Ingwersen

 

Die Welt werden nicht gleich untergehen, wenn die Theater mal ein paar Monate geschlossen sind, ließ Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard jüngst verlauten. Die Schauspiel-, Opern- und Konzerthäuser stehen derzeit zwar vor ihrer größten Herausforderung der Nachkriegszeit. Aber kann die Kunst an Herausforderungen nicht auch wachsen? Keine attraktive These in einer Zeit, in der der direkte Faden zwischen Schauspielern und Publikum radikal durchtrennt ist, in der die kulturellen Räume, in denen gesellschaftliche Debatten unter künstlerischen Vorzeichen öffentlich geführt werden, schmerzlich fehlen und in denen nicht zuletzt viele Kreativschaffende in eine existenzbedrohende finanzielle Schieflage geraten.

 

Menschenleere Säle

 

Ein gruseliges Panorama – wie jene menschenleeren Säle, Räume, Gänge und Treppenhäuser des Deutschen Schauspielhauses, die derzeit als Filmkulisse für die Online-Streaming-Serie „Haus der Geister“ dienen: In kurzen Episoden entfesseln einzelne Ensemblemitglieder einen Spuk, von dem nach altem Aberglauben vorzugsweise verlassene Theatergebäude heimgesucht werden. Wie auf den Internetseiten des Thalia Theaters, der Staatsoper oder Kampnagel sind auch abendfüllende Aufführungen als Stream abrufbar, im November gab es sogar eine Online- Premiere: Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Hier ließ Regisseurin Heike M. Goetze vermummte Menschen auftreten, die ihre sozialen Distanzen nicht überwinden können. Kommt einem irgendwie bekannt vor.

Und zwischen den beiden Lockdowns? „Ab Anfang Mai hatte ich Proben für die Saisoneröffnung ,Reich des Todes‘, und ab da lief es für mich fast wieder normal“, berichtet Ensemblemitglied Markus John. „Nach der Sommerpause hatte ich dann in kurzer Zeit mit den Wiederaufnahmen schon wieder sieben, acht Stücke laufen, nur dass eben sehr viel weniger Zuschauer im Saal sitzen durften und dass die Vorsichtsmaßnahmen auf und hinter der Bühne eine große Rolle spielten.“

 

„Nicht frei und normal-menschlich“

 

Noch stärker – aufgrund der kleineren Räumlichkeiten – schlugen die Sicherheitsvorkehrungen in den Privat- und Off-Theatern zu Buche. „Man spürte, dass man in eine Art Käfig gestellt wurde, und dadurch nicht frei und normal-menschlich auf der Bühne agieren konnte“, erinnert sich Mezzosopranistin Feline Knabe an ihre Proben zu „Carmen“ am Allee Theater. Auf der engen Bühne blieb den Liebenden nichts anderes übrig, als sich „wie Tiger auf Abstand“ zu umkreisen, wobei die Sängerinnen und Sänger auch dem mit nur drei Musikern besetzten Orchestergraben nicht zu nahekommen durften.

In Händels Barockoper „Alcina“ verzichtete man ganz auf eine Inszenierung, ließ die drei Sänger einzeln mit ausgewählten Arien auftreten, während Lutz Hoffmann als Erzähler durch die Handlung führte. In der Vorweihnachtszeit wollte man dann Humperdincks „Hänsel und Gretel“ auf die Bühne bringen: „Als der Lockdown losging, waren wir gerade mit den Proben fertig. Wir waren voller Enthusiasmus, endlich loszulegen. Dann wurde der Premierentermin gestrichen.“ Für Knabe, die hier als Hexe im Einsatz war, eine doppelte Enttäuschung: „Meine sechsjährige Tochter spielte den Engel. Sie war so aufgeregt und wollte so gerne vor Publikum auftreten. Dass es dann keine Aufführung gab, war für sie ganz schwer zu akzeptieren.“

Schwer umzusetzen waren die Hygienevorschriften auch von den räumlich noch begrenzteren Off-Theatern. Umso mehr zeugt es von künstlerischer Leidenschaft, wenn etwa das Theater das Zimmer als kleinstes Theater der Stadt seinen Spielbetrieb im September mit vier Inszenierungen wieder aufnahm, wobei die regulären 40 Sitzplätze auf 12 reduziert wurden und auf der winzigen Spielfläche bis zu drei Darsteller den Mindestabstand einhalten mussten.

 

Digitaler Raum

 

Das Lichthof Theater konnte dagegen während der Pandemie seinen Zuschauerkreis sogar erweitern. „Wir haben schon den ersten Lockdown genutzt, um mit dem #lichthof_lab Schritte in den digitalen Raum zu machen und Projekte entwickelt, die speziell für dieses Format entstanden sind“, erzählt Matthias Schulze-Kraft, der künstlerische Leiter des Hauses. Mit dem Hilfsprogramm des Bundes „Neustart Kultur“ habe man die nötige Streaming-Technologie angeschafft, sodass auch für die Zeit der Corona-bedingten Theaterschließungen Projekte ausgeschrieben und realisiert werden konnten.

Als virtuelle Bühne und digitaler Experimentierraum bietet das #lichthof_lab Streams und Live-Streams von Veranstaltungen und Gesprächsrunden mit Künstlern etwa zum Thema „Theater, Digitales und Präsenz“. Das Lichthof Theater möchte mit seinem digitalen Angebot nicht bloß einen medialen Ersatz für das Live-Erlebnis im Theatersaal schaffen, sondern die ästhetisch-theatralen Möglichkeiten des Digitalen selbst ins Blickfeld rücken. Mit Erfolg: Die Online-Aufführung von Jane Austens Klassiker „Stolz und Vorurteil“ wurde von Zuschauenden aus ganz Deutschland und weltweit sogar bis nach Kanada begleitet: „Nur noch 30 Prozent der Tickets wurden in Hamburg verkauft. Das heißt, unser kleines Haus erweitert sich gerade enorm, und wir haben die Möglichkeit, unsere Produktionen einer viel größeren Öffentlichkeit zu zeigen.“

Auch bei der vorübergehenden Wiedereröffnung der Theater im Herbst wurde das Streaming-Angebot des Lichthof Theaters genutzt. Während bis zu 30 Leute im Zuschauerraum saßen, haben zeitgleich bis zu 120 Zuschauerinnen und Zuschauer das Bühnengeschehen online verfolgt. Das neue virtuelle Foyer soll zudem eine Plattform bieten, auf der Zuschauende sich austauschen und im Anschluss an den Live-Stream die beteiligten Künstler treffen können.

Das parallele Angebot von Präsenztheater und Online-Übertragung möchte Schulze-Kraft über Corona hinaus beibehalten, wobei die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten der Theatervermittlung biete. Vielleicht kann man tatsächlich sagen, das Lichthof Theater sei an der Krise gewachsen. Trotzdem erwartet man auch hier sehnlich den Moment, an dem der Corona-Spuk ein Ende hat und sich die realen Theatertüren wieder öffnen. Schließlich ist und bleibt Theater vor allem eines: ein Ort der körperlichen Nähe und Begegnung.


SZENE-März-2021 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Februar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Special Edition: Internationales Sommerfestival auf Kampnagel startet

Das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel findet dieses Jahr unter Corona-gemäßen Umständen statt. Warum das Programm dadurch barrierefreier, partizipativer und näher am Puls der Zeit ist denn je, erzählt Co-Kuratorin Lena Kollender

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Lena Kollender, was ist denn dieses Jahr unter anderem „special“?

Vielen Künstlerinnen und Künstlern weltweit sind wegen der Pandemie die Premieren- und Probeorte weggefallen. Das Internationale Sommerfestival bietet seit März so ziemlich die erste Möglichkeit, wieder live zu spielen.

Das Programm in unseren Hallen besteht dadurch jetzt aus total exklusiven Arbeiten. Wir haben viele Uraufführungen, weil wir eine Art Insel geworden sind. Zum Beispiel die Arbeit der portugiesischen Choreografin Marlene Monteiro Freitas, „MAL“: Das Stück sollte im Juni an den Münchner Kammerspielen rauskommen und dann auf vielen europäischen Festivals gezeigt werden. Die wurden dann aber fast alle abgesagt und die Gruppe hatte plötzlich gar keine Perspektive mehr. Wir konnten jetzt einen Proberaum für sechs Wochen anbieten und deshalb entsteht das Stück jetzt bei uns. Weltpremiere ist am 26. August.

Ihr habt ein an die Auflagen angepasstes Konzept entwickelt, das auf drei Säulen fußt. Welche sind das?

Das Programm in den Hallen, das wir immer haben, müssen wir dieses Jahr reduzieren. Einerseits, weil wir nur circa ein Viertel der Plätze im Publikum besetzen dürfen. Andererseits haben wir die Anzahl der Bühnen-Projekte reduziert. Dafür haben wir das Programm in unserem Festival Avant-Garten extrem ausgeweitet. Da bieten wir dieses Jahr über 50 Programmpunkte auf insgesamt drei Bühnen.

Zur dritten Säule zählen wir alles, was außerhalb stattfindet. Zum Beispiel in der HafenCity, wo wir mit der HafenCity-Kuratorin Ellen Blumenstein das Augmented-Reality-Game „Bot-Boot“ machen. Aber dazu gehört auch alles, was im Internet stattfindet. Dafür haben wir interessante, extra für dieses Medium kreierte Arbeiten eingeladen und auch extra in Auftrag gegeben.

 

Eine eigene Ästhetik

 

Welche Produktionen habt ihr in Auftrag gegeben?

Zum Beispiel „Body of Knowledge“ der australischen Künstlerin Samara Hersch. Darin werden die Zuschauerinnen und Zuschauer per Telefon mit Teenagern aus Australien verbunden, die ihnen dann Fragen stellen, die sie Erwachsenen schon immer stellen wollten. Also geht es in diesen Gesprächen unter anderem um Sex und Körperlichkeit, politische Fragen, den Klimawandel, queere Identitäten. Das Telefon ist eine Möglichkeit, auch über die Entfernung eine große Intimität herzustellen.

Unser Online-Programm zeigt, dass es möglich ist, Arbeiten herzustellen, die explizit für diesen Raum geschaffen sind und eine eigene Ästhetik entfalten. Das macht zum Beispiel auch die Wiener Gruppe mit Nesterval sehr eindrucksvoll ihrer Uraufführung „Der Willy Brandt- Test“ auf der Videoplattform Zoom. Das Schöne daran ist: Unser Programm ist dadurch partizipativer und barriere-freier – man kann auch von zu Hause am Sommerfestival teilnehmen.

Inwiefern spiegelt sich die Corona-Pandemie konkret im Programm wider?

Dadurch, dass wir das Programm so kurzfristig entwickelt haben, sind wir so nah am Puls der Zeit wie noch nie. Fast alle Arbeiten reagieren auf diese Situation. Sehr konkret sieht man das bei Yan Duyvendaks geradezu prophetischer Arbeit „Virus“. Diese hat er über zwei Jahre lang geplant, also lange vor der aktuellen Krise. Eigentlich sollte es darin um die Ebola-Pandemie gehen, nun hat Duyvendak sie aber auf das Corona-Virus angepasst. Es ist das Stück der Stunde und feiert bei uns seine Deutschlandpremiere.

 

 

Welche neuen Perspektiven werden gezeigt, die in den Debatten der letzten Monate nicht vorkamen?

Künstlerische Perspektiven sind in den letzten Monaten sehr viel weniger vorgekommen, weil die Kunstproduktion im Lockdown war. Wenn Künstlerinnen und Künstler sich mit dem Virus auseinandersetzen, ist das perspektivisch etwas anderes, als wenn die Wissenschaft das tut.

Inwiefern genau?

Um bei „Virus“ zu bleiben: Duyvendak greift eine wissenschaftliche Sache auf. Er nimmt ein Simulationsspiel der EU, das entwickelt wurde, um Regierungen und Krankenhäuser vor allem in nord- und westafrikanischen Ländern auf Pandemien vorzubereiten. Das Publikum kommt dazu und soll dieses Spiel spielen, aber es wird künstlerisch transformiert. Es geht nicht mehr nur darum, ob wir die Pandemie eindämmen oder nicht, sondern darum, ob wir hinterher in einer Diktatur landen oder in einer utopischen, neuen Welt.

Die Perspektive eines Künstlers oder einer Künstlerin kann so zum Beispiel die gesellschafts-politischen Dynamiken hinterfragen. Und das Publikum ist in diese Auseinandersetzung einbezogen: Für dieses Stück heißt das: Wenn alle Zuschauerinnen und Zuschauer gemeinsam Entscheidungen treffen müssen, was entwickeln sich daraus für soziale Situationen?

Ein konkreter Bezug steckt in den „Pandemic Talks“. Wie sehen die aus?

Das ist eine Art Konferenzformat, das einmal pro Woche live auf Kampnagel stattfindet und auch im Stream zu sehen sein wird. Im ersten Talk „Vor dem Virus sind (nicht) alle gleich“ geht es um soziale Ungleichheit als Gesundheitsgefährdung. Warum etwa Schwarze Menschen in den USA häufiger vom Corona-Virus betroffen sind als Weiße. Oder Frauen generell, weil sie öfter in Care-Berufen arbeiten.

Im zweiten Talk geht es um technopolitische Fragen. Zum Beispiel darum, wie diese Pandemie neue Grenzregime im Internet zur Folge haben kann. Und im dritten Talk geht es um popkulturelle Strategien im Umgang mit der Krise. Letztes Jahr ging es auch um den Blick in die Vergangenheit, um daraus Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen.

 

„Die Utopien sind realistischer geworden“

 

Wie ist das dieses Jahr?

Tatsächlich haben wir gerade eher das Gefühl, so viel Gegenwart und Zukunft wie noch nie im Programm zu haben. Weil die meisten Künstlerinnen und Künstler eben auf die Krise reagieren und nach Chancen zur Veränderung suchen.

Natürlich greifen manche dafür auch auf die Vergangenheit zurück. Oliver Zahns Arbeit „Lob des Vergessens, Teil 2“ ist ein Beispiel dafür. Er arbeitet mit einem Lied eines deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, das er im Soundarchiv gefunden hat. Daraus hat er eine Arbeit gemacht, die das kollektive Erinnern, aber auch das kollektive Vergessen reflektiert. Das Internet macht es momentan fast unmöglich zu vergessen, denn alles wird dokumentiert. Zahn stellt die Frage: Wie schaffen wir es, zu vergessen und Geschichte neu zu schreiben in Zeiten des Internets?

Wir stecken momentan noch mitten in der Corona-Krise – ist die Auseinandersetzung mit dem Thema durch die fehlende Distanz anders?

Die Auseinandersetzung ist tatsächlich ganz anders. Letztes Jahr hatten wir viele Arbeiten, die sich mit einer ganz fernen, fantastischen Zukunft beschäftigt haben. Dieses Mal ist der Blick in die Zukunft viel pragmatischer. Teilweise geht es um die nächste Stunde wie bei Gob Squad, um morgen oder um nächstes Jahr, um die Zeit, wenn wir die Pandemie hinter uns haben und um die Frage, was wir dann konkret verändern müssen.

 

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Florentina Holzinger: Tanz (Foto: Nada Zgank)

 

Die Utopien sind sozusagen realistischer geworden. Viele, wie etwa das Peng! Kollektiv, sehen die aktuelle Lage als Zwangspause, die wir nutzen müssen, um zu überlegen, wie die neue Normalität aussehen sollte. Und das Publikum wird vermutlich auch alles anders rezipieren als in den vergangenen Jahren. Das fängt bereits da an, dass es ganz anders sein wird, in einem Theatersaal zu sitzen, der nur zu einem Viertel gefüllt ist und, dass wir uns ganz anders bewegen müssen. Das wird dann auch die Wahrnehmung von Arbeiten wie Florentina Holzingers TANZ beeinflussen, die bereits vor der Pandemie entstanden ist.

Internationales Sommerfestival: Kampnagel (u. a.), 12.–30.8.2020


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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klub katarakt: Experimentelle Musik auf Kampnagel

klub katarakt ist ein Festival für experimentelle Musik, das sich auf sämtlichen künstlerischen Ebenen offen präsentiert

Text: Erik Brandt-Höge

 

Das Jahr 1992. Snap!, Dr. Alban und Die Prinzen bestimmen die deutschen Charts, schlichte Beats und noch schlichtere Lyrik laufen im Radio rauf und runter. In ebendieser Zeit gründen Kompositionsstudenten der Hamburger Musikhochschule den Verein katarakt – und stehen damit für das experimentelle Gegenteil zum Gedudel. Sicher, einerseits ging es den Studenten darum, ihre Kompositionen einmal außerhalb der Hochschule aufführen zu können, und zwar an eher ungewöhnlichen Orten dafür, etwa Rockclubs. Aber sie wollten auch nicht-radiofreundliche Sounds der breiten Masse vorstellen.

 

Springer zwischen multimedialen Welten

 

Das gelang ihnen spätestens mit der ersten Ausgabe des klub katarakt 2005. Sie machten Neue Musik zugänglich, indem sie eben diese sprengten, durch sich ständig im Wandel befindende Klang- und Bildinstallationen sowie durch Öffnung der bespielten Räumlichkeiten. Auf Kampnagel hat das Festival ein Zuhause gefunden, in dem die Macher gleich drei ineinander übergehende Hallen zur Verfügung haben. Besucher werden zu Springern zwischen multimedialen Welten, erleben Sounds und Bilder beim Flanieren.

Die klub katarakt-Eröffnung (15.1., 20 Uhr) wird auch in diesem Jahr ein Event der Wandelkonzerte. Viele Hamburger Musiker, Komponisten und Künstler stehe dafür bereit, zum Beispiel die Elektroniker Nika Son und Thomas Leboeg, die Violinistin Lisa Lammel, die Pianistin Daria Iossifova und der Harvestehuder Kammerchor unter der Leitung von Edzard Burchards.

 

 

Der zweite Festivaltag steht ganz im Zeichen einer Arbeit für Blechblasinstrumente und Elektronik, aufgeführt von der schwedischen Komponistin Ellen Arkbro zusammen mit dem Berliner Ensemble Zinc & Copper. An den beiden darauffolgenden Tagen werden das Splitter Orchester & The Pitch zu erleben sein, ein Kollektiv aus 24 international renommierten Musikern, es gibt eine sogenannte „Lange Nacht“ mit unter anderem einem Zusammenspiel von 17 akustischen Gitarren und ein Nachtkonzert mit Streichquartett und Klavier. Im Ganzen ein Spektakel für alle, nicht nur für Fans von Neuer Musik, und nach wie vor ein Gegenpol zu Charts-Stücken für das schnelle Hörerglück.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 20. Dezember 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Kürzer wird’s nicht: Kurzfilmtage zur Wintersonnenwende

Am 21. Dezember ist Wintersonnenwende – der perfekte Tag für Kurzfilme

Text: Maike Schade

 

Beim Saunieren Filme gucken: Das gibt es in der „Lichtspielhaus“- Sauna des Holthusenbads (Goernestraße 21, Eppendorf ) regelmäßig. Selbstverständlich auch am 21. Dezember, denn dann ist Kurzfilmtag. Zu diesem Anlass klemmt sich die Kurzfilmagentur Filmrollen unter den Arm und macht sich auf den Weg zum schweißtreibenden Shorty-Vergnügen. Von 11.30 Uhr an wird jeweils zur halben Stunde ein preisgekrönter, zum 20er-Jahre-Ambiente der Sauna passender Kurzfilm gezeigt.

Dies ist nur eine von vielen Veranstaltungen, die am kürzesten Tag des Jahres stattfinden. Im Filmraum (Müggenkampstraße 45, Eimsbüttel) beispielsweise werden gleich zwei Programme gezeigt: Um 19 Uhr sind Gewinnerfilme der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (Foto) zu sehen, um 21 Uhr folgen dann die „Golden Shorts“, neun Filmchen, die „dezembertauglich die Welt und das Leben reflektieren“.

 

Bunter Filmmix

 

„Was wäre, wenn…“ lautet das Motto an diesem Abend im Eidelstedter Bürgerhaus (Alte Elbgaustraße 12, 20 Uhr). In den sechs Filmen von Preisträgern und Nominierten des Deutschen Kurzfilmpreises geht es unter anderem um die unendlichen Möglichkeiten des Internets, herausfordernde Paarbeziehungen und kindliche Identitätskrisen.

Das B-Movie (Brigittenstraße 5, St. Pauli) beschäftigt sich ab 20 Uhr mit einem ganz anderen Thema: der Geschichte des Super-8 Kurzfilms. Gezeigt wird die 45-minütige, von Projektoren getaktete Performance „Achtung Bild – Jetzt kommt der Ton!“ von Soyuz Apollo, einem Projekt des Hamburger Medienkünstlers Thorsten Wagner.

Um „Lotto am Samstag“ und andere Pläsierchen geht es ab 19.30 Uhr in der Immanuelkirche auf der Veddel (Wilhelmsburger Str. 73). Kurzweilig wird es gewiss auch im KulturWerk (Boizenburger Weg 7, Rahlstedt) zugehen: Hier wird um 17 Uhr das Programm „Mensch Meier. Echt jetzt?“ gezeigt.

Auch die Kurzen bekommen Kurze serviert: Um 14 Uhr spielt das Alabama Kino auf Kampnagel (Jarrestr. 20, Winterhude) ein Best-of des „Mo&Friese“-Programms. Für Filmfans ab 65 Jahren ist das Programm „SeniorInnen“ am 19. Dezember im Gemeinschaftsraum Hartwig-Hesse-Quartier (Alexanderstraße 29, St. Georg), 14.30 Uhr, sowie am 30. Dezember um 15 Uhr im Festsaal des Hospitals zum Heiligen Geist (Hinsbleek 11, Poppenbüttel) zu sehen.

kurzfilmtag.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2019. Das Magazin ist seit dem 29. November 2019 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Sommerfestival auf Kampnagel: Kunst kennt keine Grenze

Als Chefdramaturg kam András Siebold 2007 aus Berlin nach Hamburg, seit 2013 leitet er das Internationale Sommerfestival, das am 7. August startet. Ein Gespräch darüber, was Besucher in diesem Jahr erwartet

Interview: Dagmar Ellen Fischer
Foto (o.): Anja Beutler

 

SZENE HAMBURG: Herr Siebold, 2019 wird das Festival um Aliens, Weltraum und eine Zukunft im Klimawandel kreisen, setzt ihr euch jedes Jahr ein Thema als Startposition, bevor die konkrete Planung losgeht?

András Siebold: Wir haben nie ein Festivalthema, Festival-Überthemen sollte man nicht trauen. Denn oft dienen sie nur dem Zweck, inhaltliches Denken der Festivalmacher vorzutäuschen, denen es sowieso immer gleich um alles in der Welt geht. Natürlich gibt es auch sorgfältig kuratierte Festivals zu spezifischen Themen wie künstliche Intelligenz, aber dafür ist das Sommerfestival zu groß und divers.

Wir würden uns extrem limitieren und müssten tolle Arbeiten ausschließen, wenn sie nicht passen. Viel spannender ist doch, mit guten Künstlerinnen und Künstlern zu arbeiten und deren Themen aufzugreifen und zu verbinden.

Wie kommt dann eine Produktion zur anderen, bis ein gut dreiwöchiges Programm steht?

Bricht Genre­ Grenzen für offenes Denken: Kurator András Siebold / Foto: Julia Steinigeweg

Sobald man sich für eine Arbeit entschieden hat, kommt ein Prozess in Gang – man sieht andere Stücke und betrachtet sie in Zusammenhang mit dem, was wir schon haben. Da entsteht dann so eine Aufmerksamkeits-Nervosität für bestimmte Themen, Formen und Ästhetiken.

Klingt recht organisch …

Es gibt zwei oder drei Produktionen, mit denen wir starten, weil sie sehenswert sind. Dieses Grundgerüst wird dann weiter gebaut, damit es hält und Sinn ergibt. In diesem Jahr hatten wir mit dem Journalisten Hannes Grassegger „3 Grad Plus“ entwickelt, eine Live-Reportage über den drohenden Kollaps unseres Planeten.

Da ging es um Dystopien, also die menschengemachte Hölle der Zukunft. Und weil Dystopien erst über Bilder begreifbar werden, haben wir dazu eine Filmreihe mit dem neuen Berlinale-Programmchef Mark Peranson entwickelt und außerdem Kris Verdoncks Stück „Something (Out of Nothing)“ eingeladen. Das ist eine Theaterüberwältigung über eine unbewohnbar werdende Erde.

Von da aus ist es nur ein kleiner Gedankenschritt zu anderen Planeten, wodurch wiederum andere Produktionen in das Festivalgerüst passten: Die Uraufführung des neuen Musicals von Socalled, der seine Puppen auf einen fiktiven Planeten reisen lässt, Kid Koalas Satelliten-Orchester Show oder unsere Kooperation mit dem Planetarium. So entstehen Schwerpunkte und Verbindungslinien.

 

„Ist es das wert?“

 

Auf welchen Wegen erfährst du von sehenswerten Stücken, zu denen du dann reist?

Alles eine Frage der Kommunikation, ich arbeite ja in einem Team, und wir reden mit vielen Menschen, mit Leitern anderer Festivals zum Beispiel, und sind mit Leuten in aller Welt in Kontakt.

Reisen, insbesondere mit dem Flugzeug, ist ja ein heikles Thema in diesem Zusammenhang, habt ihr alle Stücke gesehen, die eingeladen werden?

Klar, wir reisen viel. In Zeiten des Klimawandels ist die Frage tatsächlich: wie reisen und wohin? Ich bin schon mal für nur einen Tag nach Mexiko geflogen, um ein Stück zu sehen – das ist Wahnsinn, und aus ökologischer Sicht eine Katastrophe. Insofern fragen wir uns jeweils: Ist es das wert?

Wie entscheidest du solche Fragen?

Mit Überlegungen wie: Können wir ein Video anschauen? Läuft die Arbeit woanders in Europa, wo man mit dem Zug hinkommt? Oder kann man es verantworten, eine Produktion einzuladen, die man nicht live gesehen hat? Für das diesjährige Festival haben wir alles live vorab gesichtet – außer den Uraufführungen natürlich.

Wie viele sind es 2019?

Neun Weltpremieren. Das Besondere sind die drei großen Produktionen in der K6: jede Woche eine Uraufführung in der großen Kampnagel-Halle, das gab es noch nie!

Zur Eröffnung das französische Kollektiv (La)Horde mit 15 georgischen Tänzern in „Marry me in Bassiani“; in der zweiten Woche die legendäre Künstlerin Peaches, die ihr zwanzigjähriges Bühnenjubiläum bei uns feiert mit „There’s only one peach with the hole in the middle“; und schließlich zum Finale ein Werk der kanadischen Choreografin Aszure Barton, die zurzeit auf Kampnagel „Where there’s Form“ kreiert, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Komponisten Volker Bertelmann – besser bekannt als Hauschka.

 

 

Peaches dürfte ein Selbstgänger werden, (La)Horde war schon erfolgreich auf Kampnagel zu sehen, nur Aszure Barton ist Vertrauenssache, oder?

Ja, aber sie ist wirklich sensationell und eine große Nummer auf dem internationalen Ballett-Parkett! Ihre Choreografien haben etwas sehr Elegantes, gleichzeitig zeugen sie von einem hohen Bewusstsein für zeitgenössische Stile; ihre Tänzer sind extrem gut ausgebildet, aber viel flexibler als klassische Ballettsoldaten.

Woher kommen deine Kenntnisse in sämtlichen Genres, oder besser: diese Nicht-Spezialisierung deines Interesses?

Das Festivalprogramm spiegelt mein Leben, ich habe in sehr unterschiedlichen Medien gearbeitet, mit Filmleuten, Autoren, Architekten, zwei Jahre in einer Galerie, davor mit Robert Wilson. Ich habe die Genres von Anfang an nicht getrennt – und ein bisschen Schuld ist auch Tom Stromberg …

… weil?

… ich bei ihm mein erstes Praktikum absolvierte, auf der Documenta X; dort gab es 1997 erstmals ein integriertes Theaterprogramm, das er als Kurator verantwortete, mit damals noch unbekannten Größen wie Gob Squad, Stefan Pucher und Meg Stuart. Das war ein tolles Umfeld: Ich habe eigentlich für das Theaterprogramm gearbeitet, das aber im Rahmen einer Bildenden-Kunst-Ausstellung stattfand.

 

„Die Kunst ist viel weiter als das Feuilleton“

 

Was motiviert dich im nunmehr siebten Jahr als Künstlerischer Leiter des Internationalen Sommerfestivals?

Menschen zu offenem Denken zu motivieren. Und eine Öffnung des Kunstbegriffs zu erreichen. Das Theater zehrt längst von der Bildenden Kunst und umgekehrt, aber geh’ mal auf eine Ausstellungseröffnung, da siehst du wenige aus der Theaterszene.

Über den Tellerrand zu schauen, sich zu öffnen für andere Einflüsse, hat immer etwas Bereicherndes. Alle Entwicklungen sind entstanden, indem Menschen ihre gewohnten Grenzen überschritten oder Einflüsse von außen bekommen haben. So ist es auch in der Kunst, diese Trennung von Sparten – hier der Tanz, da die Musik, hier das Theater, da die Performance …

… das interessiert dich nicht?

Die Kunst ist da viel weiter als die Institutionen oder das Feuilleton, die wenigsten Künstlerinnen und Künstler beschränken sich auf ein Medium. Bestes Beispiel: (La)Horde, die nicht nur die große Tanz-Eröffnungsproduktion machen, sondern in der Vorhalle nebenan auch eine Live-Art-Ausstellung.

Natürlich gibt es Künstler, die sich für ein Medium entscheiden, nicht jeder muss interdisziplinär arbeiten; wir bieten auch ein Konzert, das nur ein Konzert ist. Aber ich finde die Übergänge extrem interessant. Und das ist der Anspruch dieses Festivals – und auch mein Kunstbegriff: Sich durch die verschiedenen Medien zu bewegen, einen Parcours zu schaffen, in dem das Publikum sich durch unterschiedliche Genres, Stücke und Atmosphären bewegen kann.

Und es bewegt sich auch?

Ja, das funktioniert ganz gut, indem wir einen Ort schaffen, der eine große Offenheit hat, der einer Aufforderung gleichkommt, hier einzusteigen und sich treiben zu lassen. Das Publikum schaut sich Sachen an, die es sich sonst nicht angeschaut hätte und schätzt genau das sehr.

Gedanklich bist du schon im nächsten Jahr?

Dieses Festival ist jetzt perfekt. Ich bin wirklich zufrieden, es gibt nichts, was wir aus strategischen Gründen reingesetzt haben. Und ja, gleichzeitig denke ich: Oh Gott, was sollen wir nächstes Jahr zeigen?

Internationales Sommerfestival 2019: 7.-25.8., Kampnagel (Winterhude)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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