Beiträge

Tauchen: Die Welt steht still

Aquanautic Taucher Hamburg ist einer der ältesten Tauchclubs in Norddeutschland – und hat viel zu bieten

Text: Mirko Schneider

Was ihn am Tauchen am meisten fasziniert, kann Elmar Klemm (49) in einem Satz beantworten. „Unten im Wasser ist die Welt endlich mal still“, preist der stellvertretende Vorsitzende des Aquanautic Taucher Hamburg (ATH) einen Vorzug seiner Lieblingsbeschäftigung.

Andere Sportarten punkten mit Action, Tauchen mit der sinnlichen Betrachtung einer dem Menschen fremden Welt. Noch etwas mag Klemm am Tauchen: „Eine Einstiegsschwelle existiert nicht. Ob Kind oder Rentner – Tauchen kann jeder lernen.“

„Wir sind gar nicht so wettkampforientiert“

Dieser Mission, das Tauchen möglichst vielen Menschen nahezubringen, haben sich Klemm und seine Mitstreiter verschrieben. Ihr ATH (circa 100 Mitglieder) ist mit seiner knapp 40-jährigen Geschichte einer der ältesten Tauchclubs in Norddeutschland.

Obwohl der Verein in verschiedenen Disziplinen vor allem in den Jugendabteilungen viele Titel abgeräumt hat, stehen die Medaillen im Vereinsleben nicht im Vordergrund. „Wir sind gar nicht so wettkampforientiert. Uns geht es darum, unseren Mitgliedern eine möglichst vielfältige Palette an Tauchaktivitäten anzubieten.“

„Wer dann daran Spaß hat, den packt das Tauchfieber ganz schnell.“

Elmar Klemm

Was Klemm damit meint, wird bei einem Blick auf die Vereinsaktivitäten deutlich. Da finden sich Ausfahrten zu etlichen Tauchspots vom Oortkartener See in Hamburg über die Mole in Eckernförde bis hin zum Schweriner See. Zusätzlich finden Trainingseinheiten in der Bartholomäus-Therme und im Bille-Bad statt. Disziplinen wie Konditions- oder Langstreckenschwimmen stehen hier beispielsweise auf dem Programm, auch Tauchscheine können erworben werden.

Der Verein arbeitet mit Tauchlehrern zusammen. Für fast alle Facetten des Tauchsports wie wissenschaftliches oder technisches Tauchen oder Apnoe-Tauchen (Tauchen ohne Gerät) steht mindestens ein Ansprechpartner zur Verfügung oder kann im Verbund mit Verband und anderen Vereinen vermittelt werden. Für das wissenschaftliche Tauchen ist dies übrigens Klemm selbst. Er ist ausgebildeter Unterwasserarchäologe und ein Fan von alten Wracks. Historische Schätze wie Tauchgänge an einer echten Hanse-Kogge in der Ostsee faszinieren ihn.

Vereinsarbeit fußt auf dem Ehrenamt

Die Stimmung im Verein (Mitgliedsbeitrag 16 Euro, Ausrüstung wird bis auf Maske, Schnorchel und Flossen gestellt) beschreibt Klemm als „sehr relaxed“. Es gibt ja auch viel gemeinsam zu erleben. Naturliebhaber können Krebse, Aalmuttern, beachtlich große Flundern, Schwebegarnelen, Seestichlinge und etliches mehr unter Wasser sichten und genießen.

Klemm liebt vor allem die orangenen Seehasen. Was Klemm sehr wichtig ist: Der ATH sei nicht zu verwechseln mit den kommerziellen Angeboten der Tauchschulen. „Wir als Verein leben von einer guten Gemeinschaft, die durch das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder entsteht. Wer bei uns eintritt, sollte bereit sein, auch etwas zu geben. Er sollte wirklich in unserer Gemeinschaft mitmachen wollen. Wer das nicht möchte, ist bei den Tauchschulen besser aufgehoben.“

Neue Perspektiven

Die schwierigste Einstiegshürde für Neulinge sei stets eine physische. „Der Mensch ist ja kein Unterwasserwesen. Sobald wir unseren Kopf unter Wasser stecken, schaltet sich bei uns ein körperliches Programm an, welches diesen Zustand sofort beenden möchte“, sagt Klemm. Doch: „Dieses Programm kann man ändern. Das kann man gut trainieren.“ Und werde dafür nicht nur mit wunderbaren Erlebnissen belohnt. „Die ganze Klima- und Naturdebatte ist im Tauchen schon seit vielen Jahrzehnten präsent. Schon lange, bevor sie im Mainstream angekommen war“, so Klemm. „Das Tauchen bietet die Möglichkeit, Themen wie die Erhaltung der Meere noch einmal aus einer viel intensiveren Perspektive zu betrachten.“

Wer dazu Lust hat, so Klemm, könne ganz unkompliziert einmal bei einem Tauchtraining des ATH vorbeischauen. Klemm: „Wer dann daran Spaß hat, den packt das Tauchfieber ganz schnell.“

ath-ev.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Marathon in Hamburg erleben – und mehr

Es wird wieder gelaufen in der Stadt. Am 24. April 2022 startet der 36. Hamburg-Marathon. Rund um die Strecke können dabei nicht nur die Läufer:innen angefeuert werden, es gibt auch viel zu erleben. Hier kommen zehn Tipps für den Marathonsonntag

Während beim diesjährigen Hamburg-Marathon fast 30.000 Läufer:innen an den Start gehen, werden sie von deutlich mehr Menschen an der Strecke unterstützt. Was es drumherum zu erleben gibt, zeigen wir hier: 

Start & Ziel an den Messehallen

Kilometer 0 & 42,195

laufschuhe_c_unsplash-hobi-industri-klein
Auf der Marathon-Messe können sich Sportler:innen nochmal mit allem Notwenigen versorgen (Foto: unsplash/Hobi industri)

Die Ersten und die Letzten kommen und gehen sehen, das geht natürlich am besten an Start und Ziel direkt unterm Fernsehturm. Während sich die Läufer:innen um 9:30 Uhr auf den Weg machen, kann man von hier aus wunderbar auf einen Kaffee ins Karolinenviertel schlendern und ist pünktlich um 11:30 Uhr zurück, wenn die ersten im Ziel erwartet werden.
Kleiner Tipp: Auf der Marathon-Messe gibt es kurz vor dem Marathon rund um den Lauf alles, was Läufer:innen brauchen – insbesondere günstige Laufschuhe.

Marathon-Messe
22. April 2022 12 bis 19 Uhr & 23. April 9 bis 19 Uhr

Nach der Party-Nacht Marathon gucken

Kilometer 2 & 11

fischmarkt-hamburg-altona-fisch-wochenmarkt-1040x662-johanna-zobel-klein
Nach der langen Kiez-Nacht auf den Fischmarkt und dabei auch noch Marathon gucken, das geht nur in Hamburg (Foto: Johanna Zobel)

Samstagabend auf dem Kiez, Sonntagmorgen für Kaffee und Fischbrötchen auf den Fischmarkt – ein Klassiker. Doch an diesem Sonntag geht noch mehr: Beseelt von einer guten Nacht kann man auf dem Heimweg noch die ersten Sportler:innen anfeuern. Zwischen 8:30 Uhr (Rollstuhlfahrer:innen) und 10:15 Uhr (die letzten Läufer:innen) führt der Marathon über die komplette Reeperbahn. Und wer besonders viel Ausdauer hat, kann bis 11:30 Uhr auch noch an den Landungsbrücken Athlet:innen abfangen.

An den Landungsbrücken raus

Kilometer 11

unsplash:Christian Lue-klein
Die Landungsbrücken: Ein beliebter Spot zum Marathon gucken (Foto: unsplash/Christian Lue)

„An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus“, ist zwar eine der bekanntesten Liedzeilen der Hamburger Band Kettcar, doch hoffentlich nicht das Motto der Läufer:innen. Aber egal was man hier tut, die Landungsbrücken sind und bleiben einer der beliebtesten Orte in Hamburg – nicht nur für Tourist:innen. Beim Marathon ist hier fast immer gute Stimmung. Schließlich sind die Landungsbrücken einer von 23 Spots, an denen Bands die Marathonis nach vorne treiben. Traditionell ist dabei am Alten Elbtunnel Samba angesagt. 

Neue Eindrücke im Museum für Kunst und Gewerbe

Kilometer 14

MKG_Drift_Moments_of_Connection_Shylight_2 Foto Henning Rogge-klein
DRIFT: Shylight, 2006 im Museum für Kunst und Gewerbe (Foto: Henning Rogge)

Sport ist ein Kulturgut, genauso wie das gute alte Museum. Wer nach dem Läufer:innengucken noch im mehr Eindrücke sammeln will, für den lohnt sich ein Ausflug ins Museum für Kunst und Gewerbe. Aktuell werden hier mit „Die Sprache der Mode“ und „Dressed“ gleich zwei Ausstellungen zum Thema Mode und Textil gezeigt. Hinzu kommt mit „Drift“ eine Installation anlässlich des fünften Geburtstags der Elbphilharmonie. Und natürlich setzt auch das MK&G ein Zeichen gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Im ganzen Haus sind daher Plakate und Fotografien zu sehen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Wunsch nach Frieden und dem Land Ukraine auseinandersetzen.

Museum für Kunst und Gewerbe
Sonntags von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 12 Euro (ermäßigt 8 Euro), alle unter 18 Jahren haben freien Eintritt

Brunch im Café Paris

Kilometer 15,5

cafe-paris-frankreich-c-cafe paris-klein
Perfekt zum brunchen: Das Café Paris (Foto: Café Paris)

Es ist 10:15 Uhr, die Spitze der Läufer:innen ist gerade durch und jetzt wartet man noch auf die oder den Liebste:n, aber dann muss auch mal was gefrühstückt werden. Wieso nicht genau hier der Strecke den Rücken zuwenden und im Café Paris direkt hinterm Rathaus richtig lecker brunchen? Das gemütliche Café gehört dabei zu den besten Spots der Stadt für einen gemütlichen Brunch

Café Paris
Geöffnet ab 9:30 Uhr

Alsterspaziergang

Kilometer 16 – 20 & 38,5 – 39,5

paddeln-alster-c-isabel-rauhut
Nichts geht über einen gemütlichen Sonntagsspaziergang an der Alster (Foto: Isabel Rauhut)

Und er sah, dass das Wetter gut war – hoffentlich. Der April in Hamburg hält zwar immer die ein oder andere Überraschung bereit, doch aktuell verspricht der Sonntag zumindest nicht, verregnet zu werden. Daher lohnt parallel zum Marathon auch immer ein Spaziergang an der Alster. Während sich die Läufer:innen 10 bis 12:30 Uhr (Ostseite) und von 11:30 bis 15:00 Uhr (Westseite) an Hamburgs blauer Mitte entlang quälen, können sich diejenigen, für die das Café Paris nicht gepasst hat, gemütlich schlendern oder sich im Literaturhaus Café verwöhnen lassen. 

Literaturhaus Café
Geöffnet ab 9:30 Uhr (Reservierung empfohlen)

Neue Perspektive auf die Stadt

ab Kilometer 22

paddelnHamburg_c_FelixWilleke-klein
Auf dem Wasser durchs Grüne – eine ganz neue Perspektive auf die Stadt (Foto: Felix Willeke)

Sonntag in Hamburg ist auch immer Familienzeit. Für viele geht es deswegen zum Fußball spielen, Minigolfen oder einfach zum Spazieren in den Stadtpark. Für die etwas andere Perspektive lohnt ein Abstecher auf die Liebesinsel. Am hiesigen Bootsverleih lassen sich neben Tretbooten auch Ruderboote und Kanus leihen, um Hamburg vom Wasser aus zu erkunden. 

Bootsvermietung auf der Liebesinsel
Geöffnet bei gutem Wetter ab ca. 9:30 Uhr

Familiäre Atmosphäre

Kilometer 30,5

sausages-pixabay-klein
Frisches vom Grill und gute familiäre Stimmung gibt‘s in Ohlsdorf fast in jedem Jahr (Foto: pixabay)

Marathon in Hamburg und Ohlsdorf, das ist eine wahre Liebesbeziehung. Während die Strecke in den vergangenen Jahren immer wieder angepasst wurde, blieb der nördlichste Punkt immer gleich: Die Querung der Alster „am Hasenberge“. Direkt am S- und U-Bahnhof Ohlsdorf trifft sich der Hamburger Norden zum Marathon gucken. Hier gibt es frisch Gegrilltes von der Freiwilligen Feuerwehr und dem THW, dazu extrem viel gute Laune und familiäre Stimmung. 

Eppendorf und der „Mann mit dem Hammer“

Kilometer 36 – 38

Eppendorf_c_AliceVonDerLaden-klein
Wenn am Eppendorfer Baum die Beine brennen, helfen gute Stimmung und grüße von oben (Foto: Alice von der Laden)

Wenn der sprichwörtliche „Mann mit dem Hammer“ kommt, dann braucht es erst recht Unterstützung. Spätestens ab Kilometer 37 setzen bei vielen Marathonis Krämpfe und Erschöpfung ein. Gut, dass der Hamburg-Marathon hier sein stimmungsmäßiges Epizentrum bereit hält: den Eppendorfer Baum. Geht es bei Kilometer 36 an der Eppendorfer Landstraße um 11:15 Uhr schon mit den ersten Bands los, erreicht die Stimmung an der U-Bahn Eppendorfer Baum ihren Höhepunkt. Bis kurz vor drei werden hier auch die letzten Läufer:innen nach vorne gepeitscht.

Eine Ruheoase kurz vor dem Ziel

Kilometer 41

planten un blomen_berndt-andresen-klein
Direkt neben Start und Ziel liegt mit Planten un Blomen eine Oase der Ruhe (Foto: Berndt Andresen)

Man hat schon über 40 Kilometer in den Beinen, läuft bei der Spielbank Hamburg um die Ecke und vor einem taucht der Gorch-Fock-Wall auf, die letzte „Steigung“ beim Hamburg Marathon. Auch wenn das Wort Steigung hier wohl kaum ernsthaft verwendet werden sollte, tut den Läufer:innen jeder Schritt weh und jeder Höhenmeter nervt. Deswegen brauchen sie gerade hier besonders viel Unterstützung. Und wer keine Lust aufs Anfeuern hat, für den wartet mit Planten un Blomen eine echte Ruheoase direkt um die Ecke.

Wer sich selbst nochmal orientieren möchte: Den Strecken- und Zeitplan sowie alle Infos rund um den Marathon gibt es auf haspa-marathon-hamburg.de


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Die Wasserlichtkonzerte sind zurück

Aufgrund der Corona-Pandemie gab es sie seit 2019 nicht mehr, jetzt sind sie zurück: Die Wasserlichtkonzerte in Planten un Blomen

Text: Felix Willeke

In jedem Sommer gibt es die traditionellen Wasserlichtkonzerte in Planten un Blomen. In den letzten beiden Jahren mussten die farbenfrohen und klangvollen Konzerte Pandemie-bedingt ausfallen. Jetzt kehren sie zurück. Die Saison 2022 startet am 1. Mai mit dem Programm „Von Sibelius über Tschaikowski bis Rachmaninow“. Dazu kommen mit „Cinema“, „Scheherazade“, „L‘art de la danse“, „Tango“, „Karneval der Tiere“ und der Premiere von „Reverie und Bacchanal“ sechs weitere Programme bis zum 30. September. Während der Konzerte kommt die Musik vom Band, die Wasserlichtorgel wird live gespielt. Schon 1938 wurde die erste Wasserfontäne in Planten un Blomen installiert. Mit den Internationalen Gartenschauen 1953, 1963 und 1973 entwickelte sie sich zur Orgel in der heutigen Form. Nach einer umfangreichen Sanierung 2018 hat sie heute 566 LED-Scheinwerfer mit bis zu 32 Watt.

Das ganze Programm, inklusive aller Konzerte im Musikpavillon gibt es bei Planten un Blomen


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Hamburg zu Wasser

Hamburg, die Stadt am Wasser. Sobald es wärmer wird, zieht es viele raus auf‘s kühle Nass. Wo es besonders viel Spaß zu Wasser macht, sagen wir euch hier:

Paddeln

paddeln-alster_c_felix-willeke-klein
Paddeln auf der Alster, ein echter Klassiker (Foto: Felix Willeke)

Das gut alte Kanu ist ein echter Klassiker: Egal ob bei „Zur Gondel“ am Stadtpark oder beim Supper Club, Kanuverleihe gibt es rund um die Alster reichlich. Doch auch abseits der bekannten Spots gibt’s noch einiges zu entdecken. So lassen sich bei Paddel-Meier in den Vier- und Marschlanden die Dove Elbe, beim Bootshaus Bergedorf die Bille oder nördlich der Fuhlsbüttler Schleuse auch die verwunschenen Abschnitte der Alster erkunden. Ps: Bei „Der Anleger“ in Eppendorf kann man sogar Drachenboote mieten – perfekt für das nächste Firmenevent oder das Teambuilding nach langer Zeit im Homeoffice.

diverse Kanuverleihe
Saisonbeginn zwischen Ostern und dem 1. Mai

Segeln

segeln-alster_c_unsplash-steffen-b-klein
Die Alster – ein Traum für Segler:innen (Foto: unsplash/Steffen B.)

Neues Jahr bedeutet neue Vorsätze. Wer die zum Frühling schon über Bord geworfen hat, kann sich ja für den Sommer das Segeln vornehmen. Mit der Alster hat Hamburg eines der schönsten Segelreviere zu bieten. Um sich jedoch vom Wind übers Wasser treiben zu lassen, braucht man einen Segelschein.

Segelschule & -verleih Pieper

SUP

sup_c_unsplash-peter-csipkay-klein
Schon lange mehr als nur Trend: Stand-Up-Paddling (Foto unsplash/Peter Csipkay)

Stand-Up-Paddling (SUP) ist jetzt kein allzu neuer Trend, doch gerade in Hamburg gibt es auf den Kanälen und Wasserflächen unglaublich viele Gelegenheiten für das Ganzkörper-Workout. Egal ob Stadtpark, Alster oder Eppendorfer Mühlenteich: überall sieht man Supper:innen auf’s Wasser gehen. Neben dem SUP CLUB oder dem Sup Port gibt es dazu in der Stadt etliche Anbieter, um sich zum ersten Mal auf dem Board auszuprobieren.

SUP Club Hamburg

Surfen

windsurfen_c_unsplash-joshua-chai-klein
Surfen in Hamburg: Es muss nicht immer Meer sein (Foto: unsplash/Joshua Chai)

Surfen in Hamburg? Ja, das geht! Und zwar Windsurfen auf dem Oortkatener See. Der See im Südosten der Stadt ist schon ein etablierter Spot für Windsurfer:innen. Besonders für Anfänger:innen gibt es hier gute Bedingungen. Deswegen bietet Windsurfing Hamburg hier auch regelmäßig Kurse an. Für 185 Euro kann man an nur einem Wochenende den international anerkannten VDWS-Grundschein erwerben. Damit kann dann in allen scheinpflichtigen Revieren gesurft werden – auch außerhalb Hamburgs.

Windsurfing Hamburg
Wochenend-Surfkurse ab dem 23. April 2022

Tauchen

tauchen_c_unsplash-joseph-northcutt-klein
Abtauchen in Hamburg, das geht beim dive team (Foto: unsplash/Joseph Northcutt)

Während die einen über den Oortkatener See gleiten, üben die anderen das Fortbewegen Unterwasser. Der See ist einer der Spots für Tauchkurse des dive team Hamburg. Seit mehr als 15 Jahren bildet die Schule neben Anfänger:innen auch Tauchlehrer:innen aus. Zur praktischen Ausbildung im See oder Schwimmbad gehört selbstverständlich auch die theoretische Grundlage. Wer also im Sommerurlaub die Unterwasserwelten entdecken möchte, kann sich in Hamburg perfekt darauf vorbereiten. 

dive team Hamburg

Wasserski & Wakeboard

wakeboard_c_unsplash-joel-meyer-klein
Wakeboard und Wasserski mit Neoprenanzug geht das fast immer (Foto: unsplash/Joel Meyer)

Ein Ruck, ein Schreck und schon liegt man vorne über mit dem Gesicht im Wasser. So ging es vermutlich fast allen, die sich das erste Mal auf Wasserski oder ein Wakeboard gewagt haben.

Neben dem Neuländer See in Harburg kann auch vor den Toren der Stadt bestens übers Wasser geflitzt werden: Etwa im Spotz Wakeboard Park in Norderstedt oder in der Cablesport Arena in Pinneberg. Und da besonders Anfänger:innen mit Neoprenanzug unterwegs sind, sind Wassertemperaturen unter 20 Grad alles, nur keine Ausrede.

diverse Spots in und um Hamburg

Green Kayak

GreenKayak_c_Florian-Besser_05-klein
Green Kayak: Sinnvoll for free paddeln in Hamburg (Foto: Florian Besser)

Wer sich auf dem Wasser bewegen und gleichzeitig noch etwas für die Umwelt tun will, ist bei Green Kayak genau richtig. Die NGO aus Kopenhagen kämpft gegen die Müllverschmutzung von Gewässern. Hamburg war die erste Stadt außerhalb Dänemarks, die sich der Idee anschloss: Man leiht sich einen Green Kayak for free und sammelt dafür Müll in den Hamburger Gewässern. Was früher in Hamburg traditionell die Aufgabe der Fleetenkieker war, können heute alle machen: die Gewässer der Hansestadt sauber halten. Green Kayaks können bei fünf Hamburger Bootsverleihern gemietet werden, einfach online unter greenkayak.org buchen.

Green Kayak
in Hamburg bei Paddel-Meier, Zur Gondel, Sub Club, Bootshaus Bergedorf und Seehaus Hamburg

Schwimmen

Bille-Bad_c_baederland-klein
Viele Freibäder sind das ganze Jahr geöffnet, wie das Bille-Bad (Foto: Bäderland Hamburg)

Draußen ist es zwar angenehm warm und es fühlt sich nach Frühling an, doch sobald die Sonne weg ist, wird es immer noch empfindlich kalt. Deswegen ist auch an die Öffnung der Naturfreibäder in der Stadt nicht zu denken. In Hamburg gibt es dennoch viele Freibäder, die das ganze Jahr über betrieben werden. Und wenn es dann die ersten Tage mit mehr als 20 Grad gibt und es nachts nicht kälter als 12 Grad wird, ist auch die klassische Freibadsaison nicht mehr in weiter Ferne. 

Hamburger Freibäder
zum Teil ganzjährig geöffnet, ansonsten je nach Wetter (ab 20 Grad)

Rudern

rudern-alster_c_unsplash-clay-banks-klein
Rudern geht romantisch, aber auch sportlich (Foto: unsplash/Clay Banks)

Rudern geht in Hamburg immer, ob als romantisches Freizeitvergnügen auf einem alten Holzkahn oder als Sport wie Hamburgs Ex-Bürgermeister Olaf Scholz morgens auf der Alster. Neben dem romantischen langsamen Rudern ist der Sport ähnlich wie auch Tennis, Segeln oder Golf als Elitesport verschrien. Dass das auch anders geht, zeigt der RC Protesia von 1907. Der kleine Club gegenüber Kampnagel bezeichnet sich selbst als der FC St. Pauli unter den Ruderclubs. Hier sind alle jederzeit willkommen, um mal auszuprobieren, ob der Sport auf den schmalen Booten etwas für einen ist.

RC Protesia
Probetermine und Kurse für Anfänger:innen auf Anfrage

Schlafen

08_HarburgÜberNacht_Schlafen_im_Hafen_IMG_9840 (1)-klein
Schlafen im Hafen, da ist der Name Programm (Foto: Schlafen im Hafen)

Neben üblichen Hausbooten gibt es in Hamburg auch immer mehr Unterkünfte auf dem Wasser. Zum Beispiel im Harburger Binnenhafen bei Schlafen im Hafen. Egal ob man Besuch bekommt oder selbst eine Staycation braucht, auf dem Wasser übernachten lässt es sich in Hamburg prima.

Schlafen im Hafen


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

„Wir müssen Gas geben“

Seit 2010 ein Menschenrecht, aber nach wie vor weltweit ungerecht verteilt: der Zugang zu sauberem Wasser. Wie die Hamburger NGO dem nachhaltig entgegenwirkt und was gesellschaftlich passieren muss, erzählt Tobias Rau, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Viva con Agua

Interview: Hedda Bültmann

SZENE HAMBURG: Tobias, heute ist Weltwassertag. Das ist ja quasi euer Feiertag. Inwiefern hilft so ein Tag?

Tobias Rau: Ja, genau, der 22. März ist ein Feiertag für Viva con Agua, aber auch für alle anderen Organisationen, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzen. Und letztendlich für alle Menschen, denn Wasser ist Leben.

Es gibt ja für viele gute Anlässe einen Tag, von daher ist es nur folgerichtig, dass es auch für Wasser einen eigenen Feiertag gibt, an dem sich die Menschen bewusst machen, dass Wasser die Grundlage allen Lebens ist und das feiern. Wir werden an diesem Tag verstärkt die Aufmerksamkeit auf unsere Vision „Alle für Wasser“ lenken und versuchen, Menschen zum Engagement zu aktivieren.

Denn nach wie vor ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht selbstverständlich.

Aktuell haben 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Und 489 Millionen Menschen haben gar keinen Zugang zu sauberem Wasser. Sie müssen sehr weit laufen, um überhaupt an Wasser zu kommen – und das in schlechter Qualität. Sie holen sich dieses tatsächlich aus Wasserlöchern oder Seen, die häufig verunreinigt sind.

Der Mangel an sauberem Wasser führt dazu, dass jedes Jahr mehrere Hunderttausend Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen sterben, die durch schmutziges Wasser und verunreinigte Lebensmittel verursacht werden. 

Ein Beispiel, wo ihr aktuell aktiv seid: In Äthiopien hat von den rund 100 Millionen Einwohnern nur jeder Dritte Zugang zu sauberem Wasser.

Mit Äthiopien als Land sind wir seit über 15 Jahren verbunden, also seit es Viva con Agua gibt. Wir haben dort 2006 unser erstes Projekt auf afrikanischem Boden umgesetzt. Seit 2017 sind wir mit John’s Rig, unserem mobilen Bohrgerät, in der Region Amhara unterwegs und bauen dort bis 2023 rund 200 Brunnen. So verbessern wir die Lebensbedingungen von insgesamt rund 280.000 Menschen in der Region.

VcA-in-Ethiopia_(c)-Henrik-Wiards
Brunnenboren mit John’s Rig in der Amhara-Region in  Äthiopien (Foto: Henrik Wiards)

Was kostet so ein Brunnen?

Das kann man nicht allgemein sagen, das kommt auf die Region an. In Äthiopien kostet das Bohren eines Tiefbrunnens mit John’s Rig ungefähr 10.000 Euro.

Der Brunnenbau ist grundlegend. Aber nicht alles. Euer Wirken ist nachhaltig angelegt, mehr die Hilfe zur Selbsthilfe. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir arbeiten in enger Abstimmung mit den lokalen NGOs in den Projektländern zusammen. In Äthiopien ist es die Organisation „Orda“ aus der Amhara-Region. Diese Hilfe zur Selbsthilfe oder das Empowerment sieht so aus, dass die Brunnen den Communitys vor Ort übergeben werden. Es werden WASH-Komitees gebildet, die sich darum kümmern, dass die Brunnen gepflegt und bei Bedarf auch repariert werden.

Der sogenannte Ownership ist dabei ein ganz wichtiger Bestandteil, im Sinne von: Dieser Brunnen gehört euch, ihr müsst ihn pflegen. Jeder Haushalt oder jede Familie zahlt für die Nutzung des Brunnens einen winzig kleinen Beitrag, von dem die Reparaturen bezahlt werden. Aber auch, um die Wertschätzung des Brunnens zu festigen. Bereits beim Bau des Brunnens binden wir die lokale Bevölkerung mit ein, denn wir müssen ein Stück weit mithelfen, dass sie sich diesem Ownership-Gedanken bewusst werden und das Gefühl dafür bekommen.

Lass uns noch mal auf den Fakt zurückkommen, dass rund sechs Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. In der Agenda 2030, die 17 Sustainable Development Goals der UN, ist „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ das SDG 6. Wie bewertest du die Situation, so acht Jahre vor Zieleinlauf?

Es hat Fortschritte gegeben. Doch wir müssen Gas geben, das Ziel ist ganz schön sportlich. Es braucht eine kollektive Anstrengung von NGOs, Einzelpersonen, Unternehmen und auch von Regierungen.

Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und halte es für möglich. Und wenn wir ein, zwei Jahre länger brauchen, dann ist es so. Hauptsache, wir kommen diesem Ziel näher, denn Wasser ist ein Menschenrecht und jeder Mensch sollte einen Zugang zu sauberem Wasser haben. Es ist ein Unding, dass die Grundlage des Lebens im Jahr 2022 nach wie vor so unfair verteilt ist. Natürlich werfen große globale Krisen wie Corona oder auch jetzt der Krieg in der Ukraine die Weltgemeinschaft ein Stück zurück. Aber es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Der Aktivismus und das Engagement für unser Anliegen muss und wird weitergehen.


viva-con-agua-Buch_15years

Zum 15-jährigen Bestehen hat Viva con Agua ein Buch herausgebracht mit Anekdoten aus einer irren Erfolgsgeschichte. Welche Lehren der Verein aus 15 Jahren Aktivismus gezogen hat und wie er auf ökonomische Nachhaltigkeit blickt. Mit Gastbeiträgen unter anderem von Bela B, Clueso, Bosse und Max Herre.


Wir sind also auf einem guten Weg?

Wenn ich das aus der Perspektive Viva con Agua sehe, auf jeden Fall. Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen bereits 3,7 Millionen Menschen über unsere Projektarbeit erreicht, das heißt zum Beispiel, den Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht, aber auch durch Hygiene-Workshops in den Schulen vor Ort. Und wenn wir und andere Organisationen so weitermachen, dann ist das Ziel auf jeden Fall erreichbar.

Dabei ist es total wichtig, sich bewusst zu machen, dass 489 Millionen Menschen ohne Trinkwasser eine riesige Zahl ist und sehr anonym. Aber für den einzelnen Menschen macht es einen massiven Unterschied, ob ein Zugang zu sauberem Trinkwasser vorhanden ist oder nicht. Das heißt: Nach dem Motto „Leave no one behind“ ist jeder Mensch, der vorher keinen Zugang hatte und nun einen hat, ein Erfolg.

„Es ist ein kollektives Umdenken erforderlich“

Tobias Rau

Was braucht es dafür am meisten?

Die naheliegende Antwort ist natürlich: Geld. Das hilft immer. Wenn Viva con Agua mehr Fördermittel zur Verfügung hätte, könnten wir auch mehr Projekte umsetzen und damit mehr Leute erreichen. Das ist eine Ebene. Aber um das SDG 6 und auch alle anderen zu erreichen, muss man das Thema weiter aufmachen. Es ist ein kollektives Umdenken erforderlich, eine Veränderung in unserem aktuellen Handeln, Wirtschaften und Konsumieren. Und auch das ist eine riesige Aufgabe, eine Menschheitsaufgabe.

Aber ich sehe es genauso wie im Beispiel vorher: Jeder einzelne Mensch zählt. Und auch, wenn das vielleicht bei dieser Mammutaufgabe wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt, glaube ich, dass jeder Einzelne mit seinem Handeln und Denken seinen Beitrag leisten kann.

Stichwort Bereitschaft. Werdet ihr als NGO auch staatlich unterstützt?

Nein, als Nichtregierungsorganisation werden wir nicht staatlich unterstützt. Es gibt einzelne Projekte vor Ort, für die wir Fördergelder vom Auswärtigen Amt bekommen oder von der GIZ. Aber hauptsächlich ist Viva con Agua über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Die Fördermitglieder, die monatlich unsere Projekte und Arbeit unterstützen, sind eine sehr wichtige Basis für uns. Das geht schon mit fünf Euro im Monat. Das ist eine stabile Community, die uns unabhängiger macht von Spenden-Schwankungen und von Ereignissen, die in dieser Welt nun mal passieren, und auf die wir keinen Einfluss haben.

Einen nicht lenkbaren Spenden-Einbruch hat die Pandemie verursacht. Zwei Jahre ohne Festivals und Konzerte bedeutete für Viva con Agua zwei Jahre ohne Pfandbecherspenden in Millionenhöhe. Wo steht ihr jetzt?

Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach. Wahrscheinlich für niemanden, und auch nicht für Viva con Agua. Vieles von dem, was wir vor der Pandemie gemacht haben, war nicht mehr möglich und haben wir schmerzlich vermisst. Wir haben es aber geschafft durch digitale Formate und Alternativen, die Gelder, die weggefallen sind, auszugleichen. Wir waren aber auch super sparsam.

Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem wir beschlossen haben, die Online-Formate, die wir aufgebaut haben, weiterzuführen und dazu kommen – hoffentlich – in diesem Jahr die analogen Events, die Festivals, die Millerntor Gallery, die Netzwerktreffen, alles, was ausfallen musste. Wir planen und gehen davon aus, dass das Jahr erfolgreich wird und wir viele Auslandsprojekte unterstützen können.

Bei der Millerntor Gallery wird Kunst zu Trinkwasser. (Foto: Stefan Groenveld)

Du hast gerade die Millerntor Gallery erwähnt, die auch in der Stadt schmerzlich vermisst wurde. Findet sie diesen Sommer wieder statt?

Auf jeden Fall. Das Kunst- und Kulturfestival im Stadion des FC St. Pauli wird vom 23. bis 26. Juni stattfinden. Es wird die 10. Millerntor Gallery und diese wird noch schöner und bunter werden als zuvor. Und auch größer, denn wir werden zum ersten Mal die dritte Tribüne als Ausstellungsfläche zusätzlich nutzen.

Der Verein hatte im letzten Jahr seinen 15. Geburtstag. Kannst du die vergangene Zeit in Kürze zusammenfassen?

Es war eine wilde Zeit, bunt, schön und anstrengend, aber auch wirklich erfolgreich. Wie gesagt, seit dem Bestehen von Viva con Agua haben wir 3,7 Millionen Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser weltweit ermöglicht. Das ist ein Riesenerfolg. Tausende Ehrenamtliche, Künstlerinnen, Unterstützer und Companys haben sich dieser Mission und Vision angeschlossen. Eine Schnapsidee, die in einer Wohngemeinschaft entstanden ist, ausgehend von ein paar Leuten, alles Ehrenamtliche, bis hin zu jetzt über 30 Festangestellten allein beim deutschen Verein – das ist auf jeden Fall schön zu sehen.

Aber wie vorher schon gesagt, gibt es immer noch viel zu tun. Und deswegen werden wir auch die nächsten 15 Jahre weiterhin versuchen, mit guter Laune ein so ernstes Thema zu bearbeiten, Sensibilität dafür zu schaffen und freudvoll die Welt ein Stück weit besser zu machen.

www.vivaconagua.org/mitgliedschaft


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Schnell auf dem Wasser: Die Weltmeisterbesieger

Zu Gast beim ältesten Drachenbootclub Deutschlands, dem 1. Hamburger Drachenboot Club e.V.

Text: Mirko Schneider

 

Es ist ein unauffälliger Weg, der zum Bootshaus des USC Paloma am Barmbeker Stichkanal an der Saarlandstraße 38 führt. Hier ist eine echte Traditionsmannschaft dieser Stadt daheim, die Paddler des 1. Hamburger Drachenboot Club e. V. „Unser Verein war tatsächlich der erste Drachenboot-Club in Deutschland“, sagt Vorstandsmitglied Ulf Verboom, 49, bei der Begrüßung.

Gegründet wurde der Club (circa 80 Mitglieder) 1988, als Hamburger Kaufleute fasziniert von einer Drachenboot-Regatta in Taipeh zurückkamen, zu der sie eingeladen waren. Seitdem gab es Siege bei vielen Regatten. Die beeindruckende Pokalsammlung im Umkleidehaus erzählt davon.

„Wir haben ein Damenteam, ein Herrenteam und ein Mixed-Team. Trainiert wird aber fast nur noch im Mixed-Team“, erklärt Verboom. Heute mit 14 Paddlern plus Steuermann. Aber, aufgrund der Lärmschutzbestimmungen auf der Alster, ohne Trommler. Für eine Regatta benötigt man inklusive Ersatzleuten 26 Paddler, davon 20 im Boot.

 

Viel Erfahrung

 

Vor dem Start legen alle ihre wasserfeste Weste an. „Es kann schon mal passieren, dass Wasser ins Boot spritzt“, sagt Verboom. Er ist seit 1991 dabei, wurde mehr als ein Dutzend Mal Deutscher Meister, außerdem Europa- und Weltmeister. Vor über zehn Jahren hat er mit dem Team des 1. Hamburger Drachenboot Club sogar das deutsche Weltmeisterteam auf der Hamburger Binnenalster geschlagen. „In Anlehnung an den FC St. Pauli haben wir uns dann Weltmeisterbesieger-T-Shirts drucken lassen“, sagt St. Pauli-Fan Verboom.

Eine der Paddlerinnen ist Christin Müller, 38. Auch sie hat internationale Erfahrung, nahm sogar schon an einer Regatta auf der Londoner Themse teil. Zum Drachenbootfahren fand sie durch eine Zeitungsannonce in Holland. Danach ließ sie die Sportart nicht mehr los. „Ich habe hier sofort tolle Leute kennengelernt – und die Stadt Hamburg von der Wasserseite“, sagt sie. So wie ihr geht es vielen Teammitgliedern des Clubs, der sich 2017 auf der Suche nach einem neuen Zuhause befand und eine Kooperation mit dem USC Paloma einging. Der USC unterstützte den Club finanziell, dieser renovierte in Eigenarbeit das Bootshausgelände und alle Paddler wurden Mitglieder bei Paloma. Ein guter Deal für beide.

Dann geht’s los. Das 12,50 Meter lange und 250 Kilo schwere Kunststoffboot zum Start ins Wasser zu lassen, ist schwierig. Holzäste, Blätter und Dreck haben die Wassertiefe des Kanals an der Anlegestelle auf 40 Zentimeter sinken lassen. Eigentlich liegt die Säuberung in der Verantwortung der Stadt.

 

Kraft und viel Tempo

 

„Fertigmachen für zehn Dicke!“, ruft Steuermann Andre Busch schließlich. „Und ab.“ Dann flitzen wir los. Erst zehn kräftige Schläge, dann Schlagzahl 60, dann 50. Wie beim Kanufahren tauchen die Paddler das Paddel vorne ins Wasser ein, drücken es nach hinten seitlich weg. Die zweiköpfige Schlagbank vorne gibt die Schlagzahl vor. Alle Paddler drehen bei jedem Schlag ihren Körper ein, schauen sich dabei aus angestrengt-glücklich wirkenden Gesichtern an. Das Gewicht ist zwecks optimaler Wasserlage gleichmäßig im Boot verteilt „Der Zug und die Kraft beim Paddeln kommen vor allem aus dem Rumpf “, erklärt Verboom in einer Pause. Die Stimmung ist sportlich-freundlich. Es wird geackert und gescherzt.

Bewundernswert, wie viel Kondition hier alle haben – und wie schnell wir mitten auf der Außenalster sind. Als Spitzengeschwindigkeit erreichen wir in unseren Drei-Minuten-Terms 14 Stundenkilometer. Schwäne weichen uns aus, Kinder schauen vom Ufer aus mit großen Augen zu, der Blick über die weite Außenalster ist ein Traum. „Wenn wir sonntagmorgens trainieren, sehen wir oft Eisvögel. Ein echtes Schauspiel“, sagt Verboom.

Nach 70 Minuten sind wir wieder an der Anlegestelle. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied“, sagt Verboom noch zum Abschied. „Man muss am Anfang nicht viel können. Wer mag, soll einfach vorbeikommen.“

uscpaloma.de/drachenboot


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Backboard: Surfbretter aus Hamburg

Wenn’s gut werden soll, muss man selbst ran, wie in diesem Fall: Surfboards. Massimo Calá fertigt in seiner One-Man-Manufaktur Unikate fürs Wasser an

Fotos: Anna Lehnert / Annagrafia

 

Die Sonne knallt. Es ist Sonntag. Während andere am Strand liegen, machen Tüftler keine Pause. In Stellingen in einem ehemaligen Aktengebäude werkeln und kreieren sie. Aus einem Raum ertönen Sägegeräusche. Zudem seien im Haus Nudelmacher, DJs und Graffitikünstler zu Gange, erzählt Massimo Calá, der im zweiten Stock seine Werkstatt hat und dort Surfbretter baut.

Massimo passt ins Klischeebild eines Surfers: Er trägt Cap über seine längeren, lockigen Haare, lässiges T-Shirt und Sneaker. Seine Hände können anpacken. Er hievt große Surfbrett-Rohlinge von einer Ablage und stellt sie zu den anderen. Es stehen leere Flaschen herum, in jeder Ecke ein Brett und überall ist Staub – eine Werkstatt eben, aber mit System: Links ein Werktisch für Farbund Vorbereitungsarbeiten, rechts die Schleifwerkstatt, ein zwei mal vier Meter Raum im Raum aus Pressspanplatten. Für den Kontrast ist er blau gestrichen, das Raumlicht auf halber Höhe montiert, um die Unebenheiten seiner Bretter besser erkennen zu können.

surfen-hamburg-backboard-massimo-cala-c-annagrafia

Massimo surft schon seit er zwölf Jahre alt ist, durch Freunde habe er den Wassersport einst lieben gelernt. Schon als Teenager ist er viel auf Wellen geritten, unter anderem auf Sylt, in Dänemark, Portugal, Indonesien, der Karibik und bei den Deutschen U16- und U18-Meisterschaften in Frankreich. Dementsprechend groß war der Verschleiß seines Boards. „Ich hatte nie die Kohle, die Bretter reparieren zu lassen“, sagt der 26-jährige Hamburger, „also habe ich angefangen, das selbst zu machen.“

Massimo begann, indem er die Löcher in Surfboards von Freunden und Bekannten flickte. Die Nachfrage nach seinen Arbeiten wurde größer, sodass er sich kurzerhand seinen ersten Rohling aus Polyurethan bestellte und ein eigenes Brett anfertigte. Backboard war geboren und wuchs immer weiter. Für mehr Arbeitsplatz zog er 2017 in die Nähe von gleichgesinnten Machern und Tüftlern – in eine eigene Werkstatt in Stellingen. Seither verkaufe er seine Unikate an viele zufriedene Kunden. Er hat so aus einem Hobby ein zweites Standbein gemacht.

 

Zwischen Donauwelle und Duck Dive

 

Massimo ist hauptberuflich Bäcker in fünfter Generation. Eines Tages werde er den Familienbetrieb der Konditorei und Bäckerei Stechmann in Schnelsen übernehmen, sagt er. Massimo ist ein Menschenfreund, dem das Backen der Donauwelle zusammen mit seinem Opa morgens um 5.00 Uhr genauso viel Spaß macht, wie die Ideenentwicklung zusammen mit seinen Kunden in der Werkstatt und das Schnacken über den perfekten Duck Dive, das Durchtauchen einer Welle.

Durch das nächtliche Arbeiten in der Backstube hat Massimo tagsüber Zeit sich den Boards zu widmen. Er sei froh, beides, das Backen und die Boards, unter einen Hut kriegen zu können.

 

Schritt für Schritt

 

Sobald Massimo einen neuen Auftrag erhält, bestellt er den passenden Rohling aus Polyurethan. Er legt eine Messschablone auf, um für Symmetrie zu sorgen und zeichnet, je nach gewünschter Brettgröße, die Schnittpunkte ein. Dann prüft er die Dicke des Bretts, sägt die grobe Form aus und hobelt Unebenheiten ab. Um die Halterungen der Surffinnen zu verankern, fräst Massimo Löcher auf die Unterseite des Bretts und klebt sie hinein. Dann erhalten Massimos Bretter eine Glasfasermatte, sein Backboard-Logo, welches er mit Reispapier aufträgt und die Versiegelung mit dem Polyesterharz, bei dem eine Schutzmaske zu tragen, notwendig ist.

Massimo könne das Surfboard färben, indem er den Brettkern lackiert. Das Polyesterharz mit einem gewünschten Farbton zu vermischen, in Fachkreisen „resin tint“ genannt, sei seiner Erfahrung nach aber die bessere Methode. Nachdem das Harz getrocknet ist, sorge Massimo für den Feinschliff. „Zack, boom, bonjour – fertig ist der Hobel“, sagt Massimo, wenn er mit dem Ergebnis des Brettes zufrieden ist.

backboard-hamburg-massimo-cala-c-annagrafia

Zusätzlich könne man laut Massimo auch Baumwoll- und Polyesterstoffe für spezielle Designs, oder Carbonfasern für die Stabilität, ins Brett einarbeiten. Eine Kundin hatte sich zum Beispiel einst ein zweifarbiges Surfbrett in den Farben ihres Bullis gewünscht.

Massimo geht auf fast alle Wünsche ein und fertigt Surfbretter in Größen von 5,4 bis 10,0 Fuß (1,68 bis 3,20 Meter) an. Preislich liegen Massimos Wellenreiter bei 490 und die großen bei 675 Euro, auch Workshops habe er schon angeboten. Massimo findet das fair, schließlich brauche er eine Woche für ein indivisualisiertes Surfbrett. „Für den europäischen Markt kommt lizenzbedingt alles aus einer Fabrik“, bemängelt der 26-Jährige, „da kommt nur eine andere Marke darauf und das Brett wird teuer verkauft.“ Zusätzlich gäbe es laut Massimo auch viele unzureichende Produkte aus Asien – weitere Gründe, warum Massimo sein Hobby selbst in die Hand nahm.

backboard2-hamburg-massimo-cala-c-annagrafia

Massimo schaut unterdessen bescheiden in die Zukunft, möchte aber auch neben seinem Beruf als Bäcker weiter tolle Surfbretter bauen. Auch stehe noch der Bäckermeister auf der To-do- Liste, er sehe das aber locker und schaue, was sich ergibt. Bei der Frage, welche die beste Surfbrettmarke sei, ist sich Massimo allerdings sicher: „Backboard!“

Massimo Calá
@backboard_surfboards


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Hamburger Hausboote: Wasser unterm Fußboden

Im Harburger Hafen ist allerhand los – nicht zuletzt auf den vielen Hausbooten. Die kann man mieten, kaufen und bewohnen. Wir haben uns vier besonders schöne Objekte genauer angesehen

Texte & Fotos: Anna Meinke & Erik Brandt-Höge

 

Hausboothafen-Hamburg-3-Credit-Erik-Brandt-Hoege

Mietobjekt „Wilma“ ist so detailverliebt eingerichtet, als hätte man sie fürs Titelshooting eines Interieur-Hochglanzhefts fertig gemacht

 

Hausboothafen-Hamburg-1-Credit-Erik-Brandt-Hoege

Gibt weniger schöne Stege: Der des Hausboothafens Hamburg hat neben reichlich Idylle natürlich auch ziemlich hübsche Boote zu bieten (etwa „Wilma“). Hier kann man mieten, aber auch Boote in Auftrag geben, die dann in der Hausboothafen-Manufaktur gebaut werden; hausboot-hafen-hamburg.de

 

Hausboothafen-Hamburg-5-Credit-Erik-Brandt-Hoege

Nächstes Mietboot des Hausboothafens: die „Arche“. Schlichtschick gehalten, hat sie nordisches Understatement inne

 

Hausboote-2-Pfeifer-1-credit-Anna-Meinke-2-2

Über einen Steg gelangt man auf das schwimmende Zuhause von Werner Pfeifer und seiner Freundin Cornelia. Die „Stadersand“ – eine 27 Meter lange ausgemusterte Hafenfähre – wurde 1955 gebaut

 

Hausboote-3-Pfeifer-2-Credit-Anna-Meinke-2-2

1990 kaufte Werner die Hafenfähre anstatt einer Eigentumswohnung. Gemeinsam mit seinen Freunden machte er sich an die Restauration der Schiffsruine. Schon etwa ein Jahr später war sie dann bewohnbar

 

Hausboote-1-Niebur-3-Credit-Anna-Meinke-2-2

Ursprünglich wollte Rolf Niebur in seiner alten Getreideschute eine schwimmende Hafenkneipe eröffnen. Das Projekt legte er jedoch wegen behördlicher Schwierigkeiten auf Eis. Im Obergeschoss des Schiffes wohnt der passionierte Bastler mit seiner Freundin Angela

 

Hausboote-0-Niebur-Credit-SZENE-HAMBURG-3

Im selbst zusammengeschusterten Hausboot, das seit 2016 im Harburger Hafen liegt, lebt es sich ganz wunderbar, findet Rolf. Ein Leben an Land kann er sich nicht mehr vorstellen. Das Hafenflair und die Nähe zum Wasser haben es ihm angetan

 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Die Schönheit des Hamburger Schietwetters

Eine Liebeserklärung ans verschriene Hamburger Nass

Text: Erik Brandt-Höge

 

Hamburg ist nicht Saint-Tropez. Es ist auch nicht Palermo. Nicht mal Passau. Und weil Hamburg eben Hamburg ist, ist das Wetter hier nicht immer doll. Genau genommen ist es oftmals ziemlich mies. So mies, dass es viele Hamburger zum Hassobjekt erklären. Da wird ordentlich gezetert: „Zum Kotzen, dieser Dauerregen!“ Manche erwägen des Wetters wegen gar einen Umzug in trockenere Gebiete. Berechtigte Frage Richtung Meckerheinis: Schon mal die Schönheit im Schietwetter bemerkt? Also, nicht im Schietwetter an sich, sondern in den Möglichkeiten, die es mit sich bringt? Eine Runde im überdachten und jede Menge Snacks und Getränke bereithaltenden Alsterrdampfer kann man auch drehen, wenn das Wasser in Kübeln von oben kommt.

 

Stichwort raue See

 

Schifffahrtsfeeling kommt dann noch mehr auf als eh schon: Stichwort raue See und so. Wem diese Geschichte zu schunkelig ist, der kann sich eine Auszeit zwischen zwei Wetterextremen in Planten un Blomen gönnen. Im schwülwarmen Tropenhaus, zwischen allerhand exotischer Flora, ist es nämlich noch gemütlicher, wenn die Tropfen rhythmisch aufs Glasdach plätschern: Stichwort Regenwald mitten in der Stadt. Und wer mit dem Schietwetter lieber unter sich bleiben will, dem sei ein kurzer, nasskalter, aber von Frischluft gespickter Spaziergang im Friesennerz ans Herz gelegt. Wenn es danach nämlich wieder in die Bude geht, wird diese noch ein bisschen mehr geschätzt – vor allem die Temperaturen drinnen: Stichwort Saunagang, nur umgekehrt. Hat also reichlich für sich, das Hamburger Schietwetter. Am Ende ist es alles andere als ein lästiges Mitbringsel dieser Stadt.


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.