FoodSZENE: Jasmin unterwegs #3

Lutz Bornhöft scheut keine Risiken und sattelte mit Cook Up – Culinary Gallery von der klassischen Gastronomie um zur experimentellen Kochschmiede.

Strahlende Augen, struppiger Bart, verschmitztes Lächeln – Lutz Bornhöft wirkt gar nicht wie einer, dem irgendwas zu viel werden könnte. Er sprüht vor Elan, lacht viel und weiß eine Anekdote nach der anderen zu erzählen. Zehn Jahre lang hat er das Restaurant Juwelier in der Weidenallee 27 geführt, dann war irgendwann Schluss für ihn: „Ich konnte und wollte nicht mehr. Ich stand in der Küche und war gleichzeitig Geschäftsführer. Das war weder beziehungstauglich, noch gut für den Körper.“ Catering-Aufträge, Juwelier Espressobar und Feinkostlinie, HFBK-Mensa und die Mietlocation Juwelier Studio gaben ihm den Rest. „Am Ende waren das sechs Standbeine, die ich zusammen mit meiner Geschäftspartnerin Katja Dietrich betreut habe. Das wurde einfach zu viel“, sagt Bornhöft und fährt sich energisch durch die blonden Haare. Geblieben ist aber vor allem eines: seine Passion fürs Kochen, am liebsten saisonal und mit hochwertigen Produkten aus der Region.

Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer

1999 kommt der gebürtige Bad Bramstedter nach Hamburg, um im Landhaus Scherrer und im Tafelhaus zu kochen. „Das Tafelhaus war eine prägende Stätte für mich. Ich war als Saucier Nachfolger von Tim Mälzer und lernte dort Vorbilder wie Gerald Zogbaum von der Küchenwerkstatt und Tom Roßner kennen, heute Geschäftsführer von der Bullerei“, sagt er rückblickend. Die nächste Station führt Bornhöft in eine Weinhandlung, wo er auch Katja Dietrich kennenlernt. Fünf Jahre später eröffnen sie das Restaurant Juwelier. Offene Küche, Platz für 30 Gäste, schlichtes Mobiliar: Von 2006 bis 2016 bietet Bornhöft hier feinste Kochkunst ohne viel Tamtam.

So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden

Dann die Kehrtwende: Anfang 2016 beschließt der Tausendsassa, sich von allem freizumachen. Den Restaurantbetrieb empfindet er inzwischen als Klotz am Bein. „So einen Laden kannst du nicht einfach loswerden“, sagt der 41-Jährige. „Du kannst abschließen und dann kommt der zigste Burgerladen oder ein Sonnenstudio rein. Das wollte ich nicht. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass meine Zeit noch nicht vorbei ist.“ Zwischen zwei Schnapsgläsern – wie soll es anders sein – kommt ihm plötzlich die Idee: Er will seinen Laden als Pop-up-Fläche zur Verfügung stellen. Er fährt nach Köln, um sich ein ähnliches Konzept anzuschauen. Im August ist es dann soweit: Das sozio-kulturelle Projekt Juwelier des Ostens macht den Anfang. Das Ganze hat so viel Erfolg, dass Bornhöft seinen Urlaub canceln muss. Dann geht alles ganz schnell: Im September holt er den quirligen Miguel Zaldívar rein, der seinen Gästen Tacos und Mezcal serviert (heute Taqueria Mexiko Strasse). Weiter geht’s mit einer Ceviche- Bar, die später unter dem Namen Leche de Tigre in Altona eröffnen wird. „Ich freue mich für die Jungs, dass sie sich so toll selbstständig gemacht haben“, sagt der umtriebige Gastronom nicht ohne Stolz und räumt ein: „So was ist dann natürlich auch für mich eine super Referenz.“

Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.

Bornhöfts Plan geht auf: jungen Köchen eine Bühne zu bieten, unverbindlich und unkompliziert. Einzige Voraussetzung: die Vorlage von Gewerbeschein, Steuernummer und Gesundheitszeugnis. Im Angebot: ein voll ausgestattetes Restaurant und Bornhöfts Know-how. Und das ist viel Wert. Einige Bewerber haben zwar gute Ideen in petto, aber wenig Praxiserfahrungen. Der Profi weiß: „Sich als Koch selbstständig zu machen, kostet einen Haufen Geld. Ohne Rücklagen oder einen privaten Investor wird das schwierig. Wer bei uns gekocht hat, kann später mit der Kassenauswertung zur Bank oder einem Investor gehen und zeigen, dass die Idee funktioniert.“

Mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum

Ob mexikanische, äthiopische oder mongolische Küche – mit jedem Koch ändert sich auch das Publikum. „Meine Stammgäste lachen schon, wenn hier wieder die Bude brennt. Mal ist Rambazamba mit lauter Musik und Trinkgelagen bis in die Puppen angesagt, dann wieder stehen disziplinierte Hotelfachschüler in steifer Kochjacke vor dir“, bemerkt Bornhöft grinsend. Mit seinen Geschichten könnte er mittlerweile ein ganzes Buch füllen. Und klar, auch das ist in Planung.

Im Dezember wird Dirk Neumann kochen, auf den Tisch kommen Klassiker aus Wald, Wild und Wiese. Ob Lutz Bornhöft mit seinem Cook Up jetzt mehr Zeit fürs Privatleben bleibt, sei mal dahingestellt. Sicher ist: Innovative Geister sind eben nicht zu stoppen.

Cook Up – Culinary Gallery, Weidenallee 27 (Eimsbüttel), Telefon 25 48 16 78

 


Who the fuck is…

 

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. „Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch“, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de

Kurzfilm in Hamburg

Mit einer großen Party hat die KurzFilmAgentur im Oktober ihren 25. Geburtstag gefeiert. Schön, schön, happy birthday! Aber – wer oder was ist die KFA eigentlich? Und was machen die da genau? Wir haben bei der Geschäftsführerin Alexandra Gramatke nachgefragt

SZENE HAMBURG: Frau Gramatke, wer ist die Kurzfilmagentur, und was machen Sie genau?

Alexandra Gramatke: Entstanden ist das Ganze aus dem NoBudget Kurzfilmfestival, das schon vor 33 Jahren das erste Mal stattfand. Da gab es immer mehr Nachfragen von Kinos und anderen Veranstaltern, die Kurzfilme auch außerhalb des Festivals zeigen oder sehen wollten. So entstand zunächst der Kurzfilmverleih, der vorrangig an Kinos Kurzfilme verleiht – als Vorfilm oder auch in speziell zusammengestellten, abendfüllenden Programmen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann immer mehr Bereiche.

Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind.

Zum Beispiel?

Der Vertrieb, der sich um den Lizenzhandel mit Fernsehsendern, Internetportalen oder Bildungseinrichtungen kümmert. Dann haben wir noch den Bereich Kurzfilm Schule, wo Filmemacherinnen Workshops mit Kindern aller Altersklassen und Schulformen veranstalten. Dann haben wir natürlich ein riesiges Archiv, das sich hauptsächlich aus den Einreichungen zum Filmfestival speist. Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind. Wir nutzen das beispielsweise auch dazu, unsere Filmprogramme zusammenzustellen, die wir für unterschiedlichste Veranstaltungen anbieten. Aktuell hatten wir beispielsweise mit dem DESY eine tolle Kooperation: Wir haben zum „Dark Matter Day“ ein entsprechendes Kurzfilmprogramm zusammengestellt. Oder letztens im Rahmen der India Week ein Programm aus indischen Kurzfilmen, die man hier sonst auch nicht sehen kann. Wir bekommen relativ häufig solche Anfragen, auch von außerhalb Hamburgs, weltweit.

Das heißt, Sie sind ein riesengroßes, internationales Unternehmen?

Kann man so sagen, ja. Auch wenn wir nicht so aussehen (lacht). Wir sind tatsächlich dadurch, dass unsere Mitarbeiter durch die ganze Welt reisen und auf Festivals auch in Panels sitzen oder Vorträge halten, weltweit ziemlich gut vernetzt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Feste Mitarbeiter? 15, aber nicht alle arbeiten Vollzeit. Und zwei davon kümmern sich um die organisatorische und künstlerische Leitung des Internationalen Kurzfilmfestivals, das ja unter dem Dach der Kurzfilmagentur stattfindet.

Wenn ich jetzt einen Kurzfilm produzieren würde – könnte ich Ihnen den einfach zuschicken?

Ja, genau, ein wichtiger Punkt. Das Schlaueste wäre wahrscheinlich, den bei unserem Festival einzureichen. Da klopfen wir ohnehin alle Filme darauf ab, ob sie beispielsweise als Vorfilm im Kino geeignet sind. Oder ob eventuell Interesse bei einem der Fernsehsender bestehen könnte, mit denen wir zusammenarbeiten. Dann sprechen wir den Filmemacher an und machen einen Vertrag für Verleih oder Vertrieb. Man kann uns den Film aber auch direkt anbieten, dann gucken wir uns das an und melden uns gegebenenfalls zurück.

Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben.

Wer schickt Ihnen denn Filme? Hauptsächlich Nachwuchsfilmemacher?

Ja, Nachwuchs ist ein wichtiger Bereich. Aber bei weitem nicht nur. Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben auch mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben. Oder beides machen, Kurz- und Langfilm. Natürlich gibt es den finanziellen Aspekt, ein Kurzfilm kostet einfach weniger Geld. Aber ein Kurzfilm ist auch ästhetisch oder inhaltlich interessant, weil man viel mehr Freiheiten als im Langfilm hat, wo man meistens doch recht fest an Genre- oder Formatvorgaben gebunden ist. Man kann viel mehr ausprobieren.

Wie lang darf ein Kurzfilm denn sein, gibt’s da offizielle Grenzen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist die Vorgabe für Förderung, dass er bis zu 30 Minuten lang sein darf. Die meisten Festivals handhaben das auch so. Wir auch. Natürlich machen wir Ausnahmen, wenn uns ein Film wirklich begeistert. Wir haben auch schon welche gezeigt, die 45 Minuten lang waren, auch wenn das offiziell ein „mittellanger“ Film ist. Für den Vertrieb, also die Ausstrahlung bei Fernsehsendern, sind am besten Filme geeignet, die zwischen 15 und 20 Minuten lang sind. Aber auch hier sind Ausnahmen immer möglich.

Wie viele Filme werden bei Ihnen eigentlich eingereicht?

Die meisten beim Festival, das sind zwischen 5000 und 6000 pro Jahr. Das ist natürlich ein ganz schöner Aufwand, die alle zu sichten. Jeder Wettbewerb hat eine eigene Sichtungsgruppe, und die müssen sich dann tage- und nächtelang da durchsehen. Außer der Reihe werden uns auch noch mehrere Filme pro Woche zugesandt.

Aus der ganzen Welt …?

Ja, genau. Unser Archiv ist sehr international.

Wir haben einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen.

Kann ich als Privatperson eigentlich auch bei Ihnen Filme ausleihen? Zum Beispiel für einen Filmabend mit Freunden?

Das ginge, klar. Allerdings müssten Sie dafür ein bisschen Geld bezahlen. Es für uns sehr wichtig, dass die Filme nicht umsonst rausgehen. Zum einen müssen wir natürlich einen gewissen Umsatz machen. Vor allem wollen wir aber, dass die Urheber in irgendeiner Form finanziell irgendetwas zurückbekommen. Auch wenn das manchmal nur kleine, eigentlich symbolische Beträge sind. Schließlich ist so ein Kurzfilm ja auch ein Wert. Wir haben aber trotzdem auch einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen. Das sind normalerweise Filme, die ihre Verwertung schon größtenteils hinter sich haben, also auf Festivals gelaufen sind oder vom Fernsehen gekauft wurden. Davor wird Werbung geschaltet, sodass die Urheber dafür dann auch eine kleine Vergütung erhalten, je nach Klickzahl.

Kurzfilme werden häufig belächtelt. Fühlen Sie sich in Hamburg trotzdem ernst genommen?

Auf jeden Fall! Das hängt auch mit dem Festival zusammen, dadurch werden wir sehr viel besser wahrgenommen. Die Agentur ist für den Endverbraucher ja gar nicht so sichtbar. Der sieht höchstens vielleicht im Kino einen Kurzfilm als Vorfilm oder eine Filminstallation im Museum, weiß aber gar nicht, dass das über uns dort gelandet ist. Wir wünschen uns natürlich mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit für den Kurzfilm, und dass er nicht nur als Nachwuchsformat gesehen wird. Nach oben hin ist da natürlich immer alles offen.

Interview: Maike Schade

www.shortfilm.com


Der KFA-Kurzfilm des Monats Dezember 2017:

 


Dieser Text ist ein Auszug aus der SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 30. Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

 

3 Gastro-Tipps für einen Restaurantbesuch mit Kindern

Still sitzen – nervt. Warten – nervt. Kinder suchen Beschäftigung, auch im Restaurant. Nur: Was macht ein kinderfreundliches Restaurant aus? Wir haben gelernt: Es kommt aufs Alter der Kinder an. Und den Anspruch der Eltern. Und die wollen dahin, wo alle anderen sind. Hier drei heiße Tipps fürs Wochenende!

Frühstück im Osterdeich

Osterdeich

Klein, günstig und toll zum Kuchenessen

Als wir am Freitagnachmittag den Außenbereich des Café Osterdeich betreten, frühstückt dort ein Pärchen in der Sonne. Von Freitag bis Sonntag bekommt man hier selbst um 14 Uhr noch eine ausladende Frühstücksplatte mit Käse-Etagère und hausgemachter Marmelade (26,50 Euro für zwei Personen). Uns ist allerdings nach Mittagessen: Die Spinatquiche mit Feldsalat (5,90 Euro) schmeckt dem Vater genauso gut wie der Tochter das auf Wunsch nur mit Käse belegte Toast-Sandwich. Es duftet nach frisch Gebackenem und die beiden zutiefst sympathischen Damen hinterm Tresen sind mit einer größeren Catering-Bestellung beschäftigt. Seitdem das Osterdeich auf die Sonnenseite der Müggenkampstraße umgezogen ist, ist nicht mehr viel Platz in dem kleinen Café mit der familiären Atmosphäre. Umso gemütlicher ist es auf der Fensterbank mit den vielen Kissen. Der Aufbruch fällt uns schwer – nicht zuletzt, weil wir selten so oft angelacht worden sind wie im Osterdeich.

JP, 1 Kind (9 J.)

  • Hochstuhl
  • Niedrige Toiletten/Waschbecken
  •  Malstifte/Bücher
  •  Außensitzplätze
  • Vierbeiner willkommen!

€ Müggenkampstraße 34 (Eimsbüttel), Telefon 43 27 46 50,Mi-So 10–17 Uhr, Kreditkarten: keine; www.osterdeich.net

 

Brechtmanns Bistro, kinderverliebtes Edelrestaurant

Brechtmanns Bistro

Kinderverliebtes Edelrestaurant

Eines vorweg: Kinder sind hier sehr willkommen! Das Personal bezieht die Kleinsten auf eine sehr aufrichtige Art in das Restaurantgeschehen mit ein: noch bevor wir bestellt haben, liegt eine bemalbare Kinderkarte samt Buntstiften auf dem Tisch. Heruntergefallene Löffel sind fix ausgetauscht und zusätzliche Servietten wie selbstverständlich an den Tisch gebracht. So müssen wir uns um nichts kümmern und können uns voll und ganz aufs Essen und unseren Kleinen konzentrieren. Die Speisen im Brechtmanns Bistro sind unglaublich frisch und vielfältig. Man legt hier Wert auf saisonales und möglichst auch regionales Gemüse. Die Kinderkarte ist kurz, aber durchdacht: Fünf verschiedene Kindergerichte wie hausgemachte Fischstäbchen mit Kartoffelpüree (8,50 Euro), Nudeln mit Tomatensauce (5,50 Euro) oder gebratene Hähnchenbrust mit Gemüse und Reis (7 Euro) treffen den Kindergeschmack. Auch die Speisen und Getränke sind kindgerecht angerichtet, das Wasser ungekühlt und in einem kleinen Glas mit Strohhalm serviert. Und nach dem Essen gesellen sich sogar drei Servicekräfte zu unserem Jungen und malen mit ihm zusammen Bilder.

JVW, 1 Kind (1 J.)

  • Kinderkarte
  • Hochstuhl
  • Malstifte/Bücher
  • Platz für Kinderwagen
  • Vierbeiner willkommen!

€€€ Erikastraße 43 (Eppendorf), Telefon 41 30 58 88, Mo-Fr 12–22, Sa ab 18 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.brechtmann-bistro.de

 

Pizza Bande – freundlich und entspannt

Pizza Bande

Pizza auf lässig

Lässige Kneipen sind üblicherweise keine besonders empfehlenswerten Orte für Kinder. Die Pizza Bande in St. Pauli ist zwar keine Kneipe, sieht aber von innen ein bisschen so aus. Alle Gäste werden hier gleich behandelt: freundlich und entspannt. In der offenen Küche wirbelt der tätowierte Pizzabäcker die Teigplatten durch die Luft, bestellt und bezahlt wird an der Theke. Dort stehen auch bunte Strohhalme für die Getränke bereit. Als die Thekenkraft sieht, dass Kinder dabei sind, fragt sie nach deren Namen und notiert sie auf dem Bestellbon – also doch eine kleine Extrawurst. Und siehe da: Sowie die Pizzen fertig sind, werden die Kinder ausgerufen und freuen sich über die neidischen Blicke all derer in der Warteschlange, die ihre Bestellung noch nicht abgegeben haben. Das Prinzip dieses Ladens kommt verwöhnten Gaumen entgegen: Der eine mag dies nicht, der andere das nicht? Kein Problem, hier stellt sich jeder seine Pizza selbst zusammen. Es gibt auf die Basisvariante für 5,90 Euro klassische Beläge wie Mais, exotische wie Banane und seltene wie Sucuk oder veganen Speck (Extras zwischen 1,20 und 2,90 Euro). „Ich würde da gerne öfters hingehen“, sagt die Kleine auf dem Heimweg. Na bitte.

MHO, 2 Kinder (9 & 16 J.)

  •  Malstifte
  • Platz für Kinderwagen
  • Außensitzplätze
  • Vierbeiner willkommen!

€ Lincolnstraße 10 (St. Pauli), Mo-Do 12.30–22, Fr 12.30–23, Sa 13.30–23, So 13.30–22 Uhr (Küche So-Do bis 22, Fr-Sa bis 23 Uhr), Kreditkarten: keine; www.pizza-bande.de

Legende:

€        Hauptgerichte für 5-15 Euro
€€     Hauptgerichte für 10-20 Euro
€€  Hauptgerichte für 15-25 Euro


Diese Restauranttipps finden Sie auch im neuen SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN Kinder. Wir haben mit unseren Sprösslingen 100 Restaurants getestet, mit Spitzenköchen über eine gesunde Esskultur zu Hause, in Schulen und Kitas gesprochen, einen Sternekoch für Kinder kochen lassen, appetitliche Buchtipps zusammengestellt und variantenreiche Pausenbrotrezepte gesammelt. Unsre Empfehlung: Reinschauen und Entdecken!

Hamburgs erster Gastroguide für Eltern und Kinder ist ab sofort im Handel erhältlich.

So wollen wir arbeiten: Neid oder faire Bezahlung – Was bringt Gehaltstransparenz?

In der Eimsbüttler Agentur Elbdudler kennt jeder das exakte Gehalt seines Kollegen – trotzdem ist niemand neidisch. Ist Gehaltstransparenz die Zukunft unserer Arbeit?

In einer alten Kirche in Eimsbüttel hört man statt Orgelklängen und Gebeten klackernde Tastaturen und das leise Knattern der Kaffeemaschine – die Kreativagentur Elbdudler hat eines der ungewöhnlichsten Büros in Hamburg. Zuletzt hat sie aber nicht wegen ihres Standortes Schlagzeilen gemacht, sondern wegen ihres Gehaltssystems. Früher wurden hier einmal im Monat die Gehaltswünsche der Mitarbeiter im Plenum ausdiskutiert, inzwischen gibt es ein Tarifsystem. „Elbdudler ist so schnell gewachsen, da ging das irgendwann nicht mehr“, erklärt Maraike Czieslik, die als Grafikerin seit Anfang des Jahres für Elbdudler arbeitet.

Besonders spannend an der Arbeitsweise der Agentur aber ist vor allem eines: Alles ist transparent. Die Mitarbeiter können nicht nur alle E-Mails einsehen, sondern auch die Gehaltslisten der Kollegen. „Durch diese Transparenz ist das Gehalt kein großes Thema mehr“, sagt Luisa Stärk, Social-Media-Managerin im Unternehmen. Als der Leistungsdruck in ihrem letzten Job sich auch gesundheitlich bemerkbar machte, kündigte die heute 27-Jährige fristlos und bewarb sich bei Elbdudler. Inzwischen arbeitet sie seit drei Monaten in der Agentur. Wie Luisa erlebt auch ihre Kollegin Maraike die Arbeitssituation in der Agentur als entspannt: „Niemand tuschelt hintenrum über die Bezahlung des Kollegen, es gibt weniger Konflikte.“

In Deutschland wird schon seit mehreren Jahren darüber diskutiert, Gehälter transparenter zu machen.

In Norwegen ist man da hingegen schon viel weiter. Dort werden seit 2001 jedes Jahr Einkommen, Vermögen und die Steuerabgaben aller Bürger im Internet veröffentlicht. Um die Daten einzusehen, muss man sich ein Nutzerkonto im Internet anlegen. Die Bürger erfahren dann aber auch, wer ihre Gehaltsinformationen eingesehen hat.

Dass eine totale Lohntransparenz in Deutschland funktionieren würde, bezweifelt Mark Fallak. Er ist Pressesprecher des unabhängigen Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit, kurz IZA, mit Sitz in Bonn: „Bei dieser Form der Lohntransparenz müsste man hierzulande auch die verschiedenen Faktoren nachvollziehbar machen, die in Gehaltsunterschiede einfließen. Sonst drohen Neid und Missgunst.“ Aber warum funktioniert das System dann in Norwegen? Dafür nennt der Experte zwei Gründe. Erstens: „Norwegen hat eine Kultur der Offenheit und Transparenz, Deutschland eine Kultur der Privatsphäre und des Datenschutzes.“ Und zweitens: „Die Lohnlücke ist in Norwegen kleiner, das Neidpotenzial also geringer.“ Die Norweger können schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Gehaltsdaten auf den Ämtern einsehen. Im Gegensatz zu Deutschland ist ein offener Umgang mit Geld dort schon lange gang und gäbe. „Es ist aber wissenschaftlich nicht klar belegt, ob die Transparenz zu mehr Gleichheit geführt hat oder mehr Gleichheit die Transparenz nur akzeptabler macht“, so Fallak weiter.

In zwei Punkten kann Gehaltstransparenz aber durchaus Sinn machen.

„Mehr Transparenz soll zum einen helfen, Exzesse nach oben und unten zu verhindern“, erklärt Fallak. So wäre beispielsweise die Diskussion über die Deckelung von Top-Manager-Gehältern erst gar nicht aufgekommen, wenn das Einkommen der DAX-Vorstände geheim wäre. „Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Beseitigung von versteckter Lohndiskriminierung.“ Bei einer vergleichbaren Tätigkeit und Qualifikation liegt der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau immerhin bei 6 Prozent. Durch transparente Gehälter fällt es Arbeitgebern schwerer, einer Frau grundlos weniger Gehalt auszuzahlen.

Das „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ , das in Deutschland im Juli in Kraft getreten ist, ist der erste Schritt in diese Richtung.

Von nun an haben Mitarbeiter eines Betriebs mit mehr als 200 Beschäftigten ein Auskunftsrecht über das Gehalt der Mitarbeiter des anderen Geschlechts. Allerdings kann man deswegen nicht gleich den Gehaltscheck des unbeliebten Kollegen vom Schreibtisch gegenüber einsehen – Auskunft bekommen Arbeitnehmer nur über das durchschnittliche Gehalt der Mitarbeiter mit einer gleichen oder vergleichbaren Beschäftigung. Und das auch nur, wenn mindestens sechs davon vom jeweils anderen Geschlecht sind. Wirkliche Transparenz, wie sie bei Elbdudler herrscht, schafft das Gesetz also nicht.

Auch wenn die totale Gehaltstransparenz in Deutschland kein universell anwendbares Modell ist, war für Elbdudler dieser Schritt sicherlich der richtige. „ Viele junge Unternehmen ziehen einen Mitarbeitertypus an, der moderne Arbeitsformen und Aspekte wie zum Beispiel Transparenz besonders wertschätzt“, so Fallak. Das schließe die Neiddebatte zwar nicht aus, federe sie aber zumindest ab. Auch Maraike Czieslik, die 25-jährige Grafikerin von Elbdudler, äußert Bedenken. „Unser Modell pauschal auf alle Unternehmen zu übertragen, ist wahrscheinlich utopisches Wunschdenken.“ Trotzdem würde sie sich einen offeneren Umgang mit Gehalt wünschen.

„Diese ‚Wir reden nicht über Geld‘-Mentalität ist leider ziemlich verwurzelt.“

Direkt nach dem Studium ist auch Maraike erst einmal auf die Nase gefallen. Ohne große Erfahrung in Gehaltsverhandlungen hat sie sich im Vorstellungsgespräch einschüchtern lassen und dann zu wenig verlangt. „Junge Menschen haben oft ein Dankbarkeitsgefühl, überhaupt arbeiten zu dürfen und nicht gleich mit fehlender Erfahrung abgespeist zu werden. Viele machen dann das Erstbeste, das sie kriegen können – auch für wenig Geld.“ Wenn das Gehalt nicht angemessen ist, sollte man erst einmal versuchen, nachzuverhandeln. Wenn auch das nicht hilft, empfiehlt Kollegin Luisa: „Wir sollten uns öfter trauen, einen Schlussstrich zu ziehen und uns nicht mit zu kleinen Gehältern abspeisen lassen.“

www.elbdudler.de

Text: Sophia Herzog


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte „So wollen wir arbeiten“ in der SZENE HAMBURG, November 2017. Wir wollten von euch wissen: Was – außer Geld – treibt euch eigentlich zu eurem Job? Welche Jobs machen glücklich? Und wer hat es gewagt, noch einmal ganz neu anzufangen? Für unser Titelthema haben wir Hamburger an ihren Arbeitsplätzen besucht. Das Magazin ist seit 28. Oktober  2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


Zeit für Inklusion

Zeit für Inklusion: Am Rathaus weht die Inklusionsfahne, vier Wochen lang stehen Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt.

Hamburg ist inklusiv! Oder zumindest auf dem besten Weg dorthin. Seit die UN die Behindertenrechtskonvention 2006 auf den Weg gebracht hat, spielt das Thema eine immer größere Rolle in der Stadt. In Hamburg engagieren sich vor allem die Senatskoordinatorin Ingrid Körner und das Inklusionsbüro für ein gleichberechtigtes Miteinander aller Menschen. Doch obwohl die Gleichberechtigung bereits im Grundgesetz verankert ist, ist sie noch längst nicht Alltag. Vorurteile, Unsicherheiten, Unkenntnis, Ignoranz – es gibt viele Gründe, die ein gemeinschaftliches Miteinander immer noch erschweren.

Mit dem Hissen der Inklusionsfahne am Rathaus haben Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, und Ingrid Körner, Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, die Veranstaltungsreihe „Zeit für Inklusion“ eröffnet

Darum ist es „Zeit für Inklusion“: „Es ist wichtig, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Thema Inklusion zu schärfen. Nach wie vor sehen wir an vielen Orten in der Stadt, dass noch viel zu tun ist etwa in Sachen Barrierefreiheit. Denn ohne sie ist Inklusion und Teilhabe für behinderte Menschen nicht möglich“, sagte denn auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit, als sie am  1. November zusammen mit Senatskoordinatorin Ingrid Körner am Hamburger Rathaus die Inklusionsfahne hisste. Am 13. November beginnt  offiziell die „Woche der Inklusion“. Bis zum 4. Dezember 2017 bieten  im gesamten Stadtgebiet Sportvereine, Kultureinrichtungen, Stiftungen, Bücherhallen und Bürgervereine weit mehr als 100 unterschiedliche Veranstaltungen für Menschen mit Behinderungen an. Auch wir sind dabei: In unserer Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erscheint unser zweites Inklusions-Special.

Tipp: Der NDR sendet am 14. November 2017  im Radio (NDR 90,3) und im Fernsehen (Hamburg Journal) einen „Thementag Inklusion“.

Den Abschluss bildet die Auszeichnung „Wegbereiter der Inklusion“ im Rathaus am 4. Dezember durch Senatskoordinatorin Körner. Gewürdigt werden Projekte, Personen oder Initiativen, die sich auf den Weg gemacht haben, ihre Angebote inklusiv zu gestalten. „Mit der ‚Zeit für Inklusion‘ möchten wir auf die große Bedeutung dieses Themas für Menschen mit Behinderung aber auch für unsere gesamte Gesellschaft hinweisen. Ich freue mich, dass sich so viele Menschen in Hamburg mit Aktivitäten und Aktionen daran beteiligen“, so Senatskoordinatorin Körner.

Alle Angebote sind in einer Broschüre zusammengefasst und online erhältlich unter www.hamburg.de/inklusion

/ ILO / FOTOS: JAKOB BÖRNER


 Die erste Inklusionsbeilage ist erschienen im Juni 2017 – mit viel Herzblut eines großartigen inklusiven Teams. Doch trotzdem sind wir längst nicht Weltmeister in dem Thema. So kapitulierten wir zum Beispiel an der Erstellung einer wirklich barrierefreien Ausgabe. Denn das würde bedeuten, dass dieses Magazin auch für Sehbehinderte problemlos zu lesen ist (große Schrift, wenig Text – siehe Beispiel Seite 16) und auch gleichzeitig noch in einfacher Sprache erscheint. Wir haben uns in diesem Fall dagegen entschieden. Denn vor allem wollen wir mit diesen Specials vor allem eines: Das Thema in der Welt der Menschen ohne Behinderung platzieren, sensibilisieren, Ängste nehmen, aufklären, denn so fängt Inklusion bereits an. Wichtig auch: Fragen stellen, sich trauen. Und verstehen: Wir sind alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierungen oder Behinderungen!