(27.6.) Musik, Dead Cross, Markthalle, 20 Uhr

Faith No More, Mr. Bungle, Tomahawk, Loveage, Fantômas, Dillinger Escape Plan, Peeping Tom: Eines der größten Hobbys von Mike Patton, Enfant terrible der US-amerikanischen Hardcore- Szene, ist offenbar das Gründen von Bands. Für sein neuestes Projekt Dead Cross hat der notorische Workaholic neben Dave Lombardo (u. a. Ex-Drummer der Thrash-Metal-Legende Slayer) auch Mitglieder der Hardcore-Band Retox und der Grindcore-Pioniere The Locust um sich geschart.

Das Ergebnis klingt dann auch aggressiv wie Slayer, weird wie Fantômas und unerbittlich wie The Locust – mit Mike Patton als Zeremonienmeister, der dem Wahnsinn mit seinem sechs Oktaven umfassenden Organ eine Stimme gibt.

/ KGR / Foto: SAWA

Markthalle
27.6.18, 20 Uhr

(26.6.) Film, „Hereditary“, Cinemaxx Dammtor, 20:30 Uhr

Der Kino-Erstling des jungen Regisseurs Ari Aster erzählt von einer Familie, die ein entsetzliches Erbe antritt. Die kunstvolle erste Einstellung zeigt ein Atelier voller Puppenstuben, alle Zimmerchen sorgfältig bestückt. Plötzlich erwacht Leben in einem der Räume: Ein Vater fordert seinen Sohn auf, sich für eine Beerdigung umzuziehen. Man ahnt schon die düstere Präsenz einer Macht, die Menschen zu willfährigen Miniaturen degradiert.

Erschafferin der Dioramen ist die Objekt-Künstlerin Annie Graham. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem luxuriösen Eigenheim am Waldrand (das, von außen betrachtet, wiederum einem Modell gleicht). Beerdigt wird Ellen, die jüngst verstorbene Großmutter. In Annies Bestattungsrede schwingt Erleichterung über das Ableben ihrer sehr besitzergreifenden Erzeugerin mit.

Wirklich zu trauern scheint einzig Annies Tochter Charlie, eine von seltsamen Tics geplagte, somnambule 13-Jährige. Sie war Omas Liebling, doch der Einfluss der alten Dame war wohl nicht förderlich: Warum sonst verstümmelt das Nesthäkchen mit Hingabe Taubenleichen? Überhaupt mehren sich die Zeichen, dass Ellen auch nach ihrem Tod die Zügel im Hause Graham noch fest in den Händen hält.

Eine Spirale des Grauens

Einen grauenvollen Todesfall später lernt Annie bei einer Gruppentherapie die mütterliche Joan kennen. Von ihr erhält sie nicht nur herzlichen Trost, sondern wird auch in die Welt der Geisterbeschwörungen eingeführt. Hing die Tür zum Reich der Toten bis dahin lose in den Angeln, kracht sie nun endgültig polternd zu Boden.

In rund zwei Stunden Spielzeit steigert sich Asters sensationeller Schocker in eine wahre Raserei hinein, verliert dabei aber nie seine ausgefeilte innerfamiliäre Psychologie aus den Augen. Versteckte Schuldzuweisungen bilden das Fundament für die Spirale des Grauens, die sich nun immer schneller dreht und sogar abgebrühten Genre-Kennern die Nackenhaare tanzen lässt. „Hereditary“ ist ein makellos durchdesigntes Terror-Gemälde, dessen Plot unablässig garstige Haken schlägt. Getragen wird das Ganze von einer schier wahnwitzigen Performance der Hauptdarstellerin Toni Colette. Der furchterregendste Film 2018, da darf man sich bereits im Juni schon mal festlegen.

/ Calle Claus / Foto: Splendid Film

Cinemaxx Dammtor
26.6.18, 20:30 Uhr

(26.6.) Stadtleben, Hofflohmarkt, Ottensen, ab 10 Uhr

Wer kennt in einer Großstadt schon seine Nachbarn?! Das lässt sich ändern auf einem Hofflohmarkt. Teilnehmer stellen ihren Hof oder Garten zur Verfügung, wo alle Hausanwohner (und Gäste) ihr schönsten Gerümpel verkaufen können. Die Hofflohmärkte verflechten Business mit Pleasure und schaffen im besten Fall eine nachhaltige Hausgemeinschaft. Nächstes Mal kann man den Nachbarn beim Namen begrüßen – und hat wieder bisschen mehr Platz in der Wohnung.

Ottensen
26.6.18, ab 10 Uhr

(25.6.) Film, „Zwei im falschen Film“, Abaton, 21:50 Uhr

Auf ihre Umwelt machen die Zeichentrick-Synchronsprecherin Laura (Laura Tonke) und der Copyshop-Teilhaber Hans (Marc Hosemann), der seine Freundin nur noch „Heinz“ nennt, einen glücklichen Eindruck. Nach achtjähriger Beziehung hat sich allerdings eine Routine eingeschlichen, die den beiden nicht mehr recht behagt. Als sie beschließen, ihrer Partnerschaft endlich wieder etwas Leben einzuhauchen, erkennen sie sehr schnell, dass ein romantischer Neustart auf Knopfdruck kein Selbstläufer ist.

In ihrem zweiten Spielfilm befasst sich Regisseurin und Drehbuchautorin Laura Lackmann („Mängelexemplar“) mit Irrungen und Wirrungen, die jedem Paar bekannt vorkommen dürften. Wo steht man nach Jahren des Zusammenlebens? Ist man noch immer so glücklich wie am Anfang? Und wie lässt sich die Liebe auch im Alltagstrott gesund und frisch halten? Fragen, denen die etwas verplanten Protagonisten verzweifelt nachspüren, während man als Zuschauer Parallelen zu eigenen Erfahrungen zieht. Mit präzisem Blick für amüsante Absurditäten schickt Lackmann „Heinz“ und Hans durch ein Wechselbad der Gefühle und unterläuft dabei auf spielerische Weise die Muster der romantischen Komödie, die das Hollywood-Kino dem Publikum gebetsmühlenartig vorkaut.

Herrlich witzig und schmerzlich wahr

Nicht immer treffen die selbstreflexiven Pointen jedoch voll ins Schwarze. Und auch die Botschaft, die am Ende steht, ist leider alles andere als originell. Der Weg zum Ziel verläuft jedoch unberechenbarer, als man es aus vielen Liebesfilmen gewohnt ist, und sorgt so für einen überdurchschnittlichen Unterhaltungswert.

Besonders schön sind kleine, entlarvende Beobachtungen, die zeigen, dass andere Paare mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Einige Nebenfiguren – etwa der von Arnd Klawitter verkörperte alte Fußballkollege von Hans – bekommen ausreichend Gelegenheit, erinnerungswürdige Akzente zu setzen. Was dem manchmal herrlich witzigen, manchmal schmerzlich wahrhaften Treiben zusätzliche Farbe verleiht.

/ Christopher Diekhaus / Foto: Friede Clausz

Abaton
25.6.18, 21:50 Uhr

 

(25.6.) Stadtleben, WM Live, Bacana Café, 20 Uhr

Das Bacana in Eimsbüttel hat einen Außenbereich mit Schatten spendenden Bäumen. Dazu werden beinahe alle Spiele gezeigt und teilweise bis zu drei Spiele parallel. Die charmanten Servicekräfte bringen eiskaltes Pale-Ale. Man muss kein Fußballfan sein, um das zu genießen.

Bacana Café
25.6.18, 20 Uhr / Bellealliancestraße 52 (Eimsbüttel), täglich ab 17 Uhr geöffnet oder eine halbe Stunde vor Anpfiff.

Wo ihr in Hamburg sonst noch bei der Fußballweltmeisterschaft mitfiebern könnt, erfahrt ihr hier.

(24.6.) Film, „The Cleaners“, Abaton, 13 Uhr

Sie sitzen in dunklen Büros am Bildschirm und wühlen sich durch das Internet: Facebook, YouTube, Twitter. Auf den Philippinen gibt es Tausende von ihnen. Im Unterschied zu unseren normalen Bildschirmen, haben sie zwei Buttons mehr: Ignore und Delete! Es geht darum, die brutalen, pornografischen, „illegalen“ Inhalte herauszufischen.

Die Regisseure erzählen in „The Cleaners“ Geschichten von der dunklen Seite der sozialen Medien und der Macht des Internet.

/ Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktion

Abaton
24.6.18, 13 Uhr

(24.6.) Stadtleben, Indianer – Verlorene Welten: Eröffnung, Klein Flottbek, 13 Uhr

Mythen rund um das Indianer- Leben, gibt es viele. Aber wie haben die Ureinwohner in Nordamerika ursprünglich gelebt? Das dokumentiert die Ausstellung im Gewächshaus auf dem Freigelände Klein Flottbek. Gemeinsam mit dem Zoologischen Museum wird erklärt, wie die Jäger und Sammler die Natur genutzt und verändert haben. Die Ausstellung ist auf drei Orte aufgeteilt: Ein 800 Meter langer Outdoor-Indianerpflanzen-Pfad mit Wissen rund um die damalige Flora als Nahrung, Medizin und für rituelle Zwecke. In den Gewächshäusern zeigen 20 Themenstationen Originale und Repliken aus dem Alltagsleben der Mandan- und Hidatsa-Stämme. Und im Zoologischen Museum wird der Bezug von Indianern und Tieren hergestellt.

/ HED

Freigelände Klein Flottbek
24.6.18, 13 Uhr

Die Ausstellung ist bis zum 30.9. geöffnet.

(23.6.) Film, Vivienne Dick im Filmgespräch, B-Movie, 19 Uhr

Für die „Irish Times“ ist Vivienne Dick „eine der wichtigsten FilmemacherInnen, die Irland je hervorgebracht hat“. Das B-Movie sieht das genauso und zeigt im Juni eine Auswahl von Dicks Experimental- und Dokumentarfilmen, gebündelt zu den Themen „Musik, Performance, Gender“, „Porträts“ und „Irland“. Highlight: Am 23. Juni (19 Uhr) kommt Vivienne Dick, die sich selber als Feministin bezeichnet und der No Wave- und Punk-Szene nahesteht, persönlich und stellt ihre drei jüngsten Filme vor.

/ MAS

B-Movie
23.6.18, 19 Uhr

(23.6.) Nachleben, Destination: Kingston, Hafenklang, 23 Uhr

Das Massaya Soundsystem meldet sich nach drei Monaten Pause wieder zurück im Hafenklang. Fans sollten das auf keinen Fall verpassen. Denn kaum zurück, verabschiedet sich Destination: Kingston danach auch gleich wieder in die Sommerpause. Es ist also die Gelegenheit sich zwischendurch noch mal Reggae, Dancehall a la Massaya einzuverleiben. Das Warm-up für die Jungs übernimmt übrigens die Hamburgerin Cathrin Clash mit ihrer Vinylsammlung. Sie dürfte dem einen oder anderen vom Inna Zion Soundsystem bekannt sein. Leute, das wird ein Fest!

/ DAK / Foto: Niculai Constantinescu

Hafenklang
23.6.18, 23 Uhr

(23.6.) Nachleben, 1,2 Piecefest Hamburg, MS Stubnitz, 18 Uhr

Mit dem 1, 2 Piecefest kommt ein Stückchen Darmstadt nach Hamburg. Das Festival aus Hessen baut auf elektronische Acts, die aus 1 bis 2 Musiker bestehen. Statt in der Oetinger Villa wird nun in Hamburg auf der MS Stubnitz gefeiert. Der Blick auf das Line-up macht Lust auf mehr. Helden des Abends sind Die Vögel, Nika Son, Ashraf Sharif Khan & Viktor Marek. Richtig schräg wird es mit dem Frankfurter Duo Les Trucs. Die beiden Menschroboter Charlotte Simon und Toben Piel bauen eine Kulisse aus Geräusch, Text, Komposition und Tanz und sorgen ganz bestimmt für große Augen.

/ DAK

MS Stubnitz
23.6.18, 18 Uhr