Ein Haus, 40 Eigentümer – ein Jahr Wohnprojekt GoMokry

Das Wohnprojekt feiert Einjähriges. Seit August 2016 wohnen rund 40 Leute zusammen in einem Haus. Sie stehen kurz davor, es „ihr“ Haus nennen zu können

Sie sitzen im Treppenhaus und unterhalten sich. Ein Ort, der sonst lediglich als Durchgang dient, wird für die Menschen an der Mokrystraße 1 und 3 zum Wohnzimmer. Sie realisieren: In einem normalen Wohnhaus wäre das nicht möglich. Doch „normal wohnen“ wollen sie alle gar nicht. Deswegen haben sie sich auch im Wohnprojekt GoMokry* zusammengeschlossen. Rund 40 Leute zwischen 1 und 35 Jahren haben sich gegen eine anonyme Mietswohnung und für eine Nachbarschaft entschieden, in der man sich wirklich kennt und austauscht. Für sie bedeutet das zum Beispiel, dass alle ein eigenes Zimmer haben, sich aber trotzdem Stockwerk übergreifend bewegen. Wer es im vierten Stock so gemütlich findet, verbringt dort den Abend. Wer Lust auf eine Yogastunde hat, geht in den Bewegungsraum im ersten Stock. Wessen Kind mit anderen spielen will, findet im zweiten Stock Spielkameraden. Doch auch experimentelle Wohnkonzepte gehören dazu. In einem Stockwerk wird „funktional“ gewohnt. Das heißt: Niemand hat ein eigenes Zimmer, alle Räume werden geteilt.

Die „Soli-Abende“ am Freitag sind das Herzstück.

Seit gut einem Jahr wohnen sie an der Mokrystraße. Sven-Jan Schmitz, freischaffender Pädagoge und Künstler, ist Bewohner der ersten Stunde. Ihm ist es wichtig, dass die „Mokry“ nicht nur als Wohnhaus wahrgenommen wird: „Das ehemalige Ladenlokal im Erdgeschoss ist öffentlicher Raum und nichtkommerzieller Kulturort“. Dort trifft man sich, isst zusammen, hört Musik oder spielt. Die „Soli-Abende“ am Freitag sind das Herzstück. Die dort generierten Gelder gehen an verschiedene Initiativen und Vereine, aber auch an Menschen in individuellen Notlagen. Generell gilt, dass in den Räumlichkeiten nichts gekauft, sondern nur gespendet werden kann.
Damit das Erdgeschoss autonom agieren kann, wird es von einem Betreiberkollektiv geführt. Das besteht auch aus Leuten aus dem Stadtteil, die nicht im Haus wohnen. Das ist wichtig, denn die Akzeptanz im Viertel mussten sich die Bewohnerinnen und Bewohner aus der Mokrystraße erst erarbeiten. „Am Anfang gab es auch mal krasses Feedback. ,Verpisst euch aus unserem Viertel‘, haben uns einzelne Menschen gesagt“, erzählt Sven-Jan Schmitz. Er kann es verstehen. Wilhelmsburg habe sich stark gewandelt. Was früher als „asi“ galt, sei heute schick. „Die Mieten stiegen und für diejenigen, welche früher hier gewohnt haben, wurde es noch schwerer, eine neue Bleibe zu finden“, resümiert Schmitz. Da sei ein Unmut ihnen gegenüber, die ein ganzes Haus bewohnen, verständlich. Die angespannte Situation hat sich mittlerweile gelegt. „Wir wollen einen runden Tisch und keine Blase“, so Schmitz. Gerade deswegen ist der Raum im Erdgeschoss so wichtig, weil er auch Anlaufstelle für den Stadtteil ist.

Hilfe beim Mietshäuser Syndikat

Wer in einer Mietswohnung wohnt, bezahlt jeden Monat seine Miete. Das Finanzierungskonzept für ihr Zuhause ist für die Leute an der Mokrystraße um einiges komplizierter. Die „Mokrys“ wollen nämlich Miteigentümer des Hauses werden, dafür haben sie sich Hilfe beim Mietshäuser Syndikat geholt.

Das Mietshäuser Syndikat unterstützt Wohnprojekte beim Kauf von Häusern. Unter dem Schirm des Vereins stehen deutschlandweit über 100 Projekte. Die solidarische Idee dabei ist, dass sich Wohnprojekte gegenseitig bei der Finanzierung helfen. Denn das Syndikat hat es leichter als Einzelpersonen, einen Kredit aufzunehmen.

Eine Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens bleibt die zu bezahlende Miete konstant. Zu einer Mieterhöhung kommt es nicht, da das Haus keinen Marktschwankungen mehr unterliegt. Wenn der Kredit beim Mietshäuser Syndikat abbezahlt ist, wird weiter in einen Solidarfonds eingezahlt. Daraus werden dann wieder Hauskäufe für andere Wohnprojekte finanziert. Der zweite Vorteil ist, dass das Haus nie Spekulationsobjekt wird. Auch wenn es in Zukunft möglich wäre, die Immobilie gewinnbringend zu verkaufen, verhindert dies die Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat. Weder die Hausbewohner noch das Syndikat sind alleinige Eigentümer und daher hat immer eine Seite Vetorecht. So zum Beispiel auch im Falle eines Verkaufs. „Noch dieses Jahr wollen wir das Haus in das Mietshäuser Syndikat überführen und so Miteigentümer des Hauses werden“, sagt Sven-Jan Schmitz.

Mokry als Teil der Stadt

Den Satz „Lass mal in die ,Mokry‘ fahren!“ hört Schmitz jetzt auch häufiger außerhalb seines Freundeskreises. „Ich finde es wahnsinnig schön, wenn dieser Ort ein Teil der Stadt und dieses Stadtteils wird.“ Dafür gibt es einige Ideen wie ein geplanter „Hausladen“, wo geschenktes Essen weiterverschenkt wird. Da kann sich dann jemand aus dem Stadtteil mit schmalem Geldbeutel zum Beispiel Tomaten mitnehmen. Doch das sind nicht die einzigen Pläne: Küchen einbauen, Kinder-Spielzimmer ausbauen, Balkone anbauen. Bald kriegt GoMokry* sogar ein Schwesterprojekt. Im Nachbarhaus, in dem heute noch das geschlossene Rialto-Kino schläft, wird bald ein weiteres Wohnprojekt entstehen. Dann werden die „Mokrys“ mit ihrem Erfahrungsschatz schon mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

kontakt.mokryhuetten@posteo.de

Text: Sara Lisa Schäubli / Foto Philipp Jung


Szene Hamburg Titel Oktober Der Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte „So wollen wir wohnen“ in SZENE HAMBURG, Oktober 2017. Das Magazin ist im Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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Der Wünschewagen: Letzte Wünsche wagen

Einmal noch an die Ostsee, auf den Charlottenburger Weihnachtsmarkt, zum St.Pauli-Spiel oder die Enkelin in München besuchen. Pläne, die oftmals auf der Strecke bleiben, wenn das Schicksal es nicht gut mit einem meint. Genau hier setzt das ASB-Projekt „Wünschewagen – Letzte Wünsche wagen“ an.

Gestartet ist das Projekt offiziell am Welthospiztag am 14. Oktober. Der umgebaute Transporter des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) wirft nun also auch in Hamburg seinen Motor an, um schwerkranken Menschen eine Reise zu ihrem Wunschort zu ermöglichen. Mit dem Angebot will der ASB Hamburg Menschen ermutigen, sich ihre Träume zu erfüllen und sie in ihrer Selbstbestimmung bis zuletzt unterstützen. Der Wünschewagen ist speziell auf die Bedürfnisse schwerkranker Menschen abgestimmt, die Fahrgäste werden von qualifizierten, ehrenamtlichen Helfern zum Wunschort begleitet und vor Ort betreut. Hamburg ist als zwölftes Bundesland am Start.

ASB startet 13. Wünschewagen in Hamburg (v.l.n.r.) Knut Fleckenstein, Angelika Mertens, Michael Sander, Isabella Vértes-Schütter, Franz Müntefering. Foto: ASB Hamburg /Henning Angerer

Auch ASB-Präsident Franz Müntefering, bundesweiter Schirmherr des Projektes, war bei der offiziellen Übergabe dabei. Er bringt es auf den Punkt: „Wie oft gibt es im Leben die Situation, in der man sich fragt: Warum habe ich nicht? Wird man schwerkrank, scheint so mancher Herzenswunsch unerreichbar.“ Das möchte die Initiative ändern. Kosten? Keinen Cent. Sowohl die Fahrt, als auch die Betreuung vor Ort durch Ehrenamtliche ist kostenlos. Somit wäre die erste Hürde genommen.

Die Hamburger Schirmherrin des Projektes, Isabella Vértes-Schütter (Intendantin des Ernst-Deutsch-Theater, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinder-Hospiz Sternenbrücke und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft), betont die Notwendigkeit der Aktion: „Es sind oft kleine Wünsche, die für Menschen am Ende ihres Lebens große Bedeutung bekommen. Wünsche, in denen sich wichtige Erinnerungen und große Sehnsüchte bündeln.“

Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist die Selbstbestimmung. Ältere, durch Krankheit geschwächte Menschen sind oft auf Hilfe aus ihrem Umfeld angewiesen; selbständiges Handeln ist immer weniger möglich. Dieses demjenigen zurückzugeben und ihn bis zuletzt in seinem Sehnsuchtswunsch zu unterstützen, ist ein zusätzliches Anliegen des ASB-Wünschewagens.

Text: Christiane Mehlig / Beitragsbild: ASB Hamburg – Henning Angerer

www.wuenschewagen.com

BierSZENE. Bunthaus Schankraum: Läuft bei dir, Wilhelmsburg!

Sie sind Hamburgs Sauerbier-Pioniere – und die einzigen Elbinsel-Brauer der Stadt: Jens und Jens von der Bunthaus Brauerei haben Wilhelmsburg endlich wieder eigenes Bier geschenkt. Das fließt jetzt auch im frisch eröffneten Bunthaus Schankraum. Und bald in Flaschen! Ich habe die beiden in ihrem neuen Taproom besucht.

Foto: Bunthaus

In Wilhelmsburg geht’s ab! Das ehemalige Wasserwerk am Inselpark hat sich in den letzten Monaten in den Kulinarischen Campus verwandelt – für Events, Genuss und Bier! Ins alte Verdüsungs-Gebäude auf dem Wasserwerk-Gelände ist nämlich nicht nur das Café Schmidtchen eingezogen, sondern Ende September auch die Bunthaus Brauerei mit ihrem allerersten Schankraum.

Aus fünf Hähnen läuft jetzt jeden Donnerstag und Freitag ab 18 Uhr bestes Craft Beer. Dazu gibt’s passende Snacks und ordentlich Nachbarschafts-Schnack.

Bunthaus

Jens Hinrichs

Hinter Bunthaus stecken die Brauer Jens Block und Jens Hinrichs. Beide leben seit Jahren in Wilhelmsburg: „Für uns war deshalb klar: Wenn wir eine Brauerei aufmachen, dann natürlich in unserem Viertel. Das gilt auch für unseren Schankraum“, erzählt mir Jens Hinrichs, während ich staunend durch den Raum blicke.

Bunthaus

Jens Block

Was für ein irrer Ort! An den Wänden haben Zeit und Wasser eine geniale Patina erzeugt, dazu Eichenholzfußboden, Holzmöbel – und gutes Bier natürlich.

Kulinarischer Campus. Wir gehen dann mal wieder studieren. Foto: Kulinarischer Campus

Im Kommen: Wilhelmsburger Flaschen-Bier

„Wilhelmsburg ist ein Dorf. Man kennt sich, man trifft sich. Jetzt eben auch bei uns im Schankraum. Die Leute wollen Wilhelmsburger Bier trinken.“ Kein Wunder also, dass Jens und Jens auch in den kommenden Wochen weiter aufdrehen: Über Crowdfunding haben sie gerade die Finanzierung für eine eigene Flaschenabfüllanlage erfolgreich abgeschlossen. Ab Ende Oktober gibt es ihr Bier – vom fancy IBA bis zur crazy Gose – endlich auch zum Mitnehmen.

„Wir planen außerdem einen klassischen Brew extra für Wilhelmsburg. So einen, den sich die Leute dann auch gerne mal beim Kiosk rausholen“, verrät Jens.

Außerdem setzten sie auf Foodpairing und holen sich wechselnde Biere von befreundeten Brauern an den Hahn. „Wir wollen einfach die Biervielfalt feiern.“

Richtig so.

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

Bunthaus Schankraum / Wasserwerk Wilhelmsburg / Kurdamm 24 / Hamburg / Donnerstag + Freitag ab 18 Uhr

 /Fotos: Bunthaus/Kulinarischer Campus/ hfr


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

 

FoodSZENE: Jasmin unterwegs #1

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht irgendwo in Hamburg ein neues Lokal eröffnet. Hier drei heiße Tipps von Food-Redakteurin Jasmin Shamsi

Foto: Sophia Herzog

Little Amsterdam – Grachtenflair am Isebekkanal

Aus dem Lautsprecher schallt Elvis’ „Crazy Little Thing Called Love“, auf der Theke stehen Teller mit gegrillten Sandwiches bereit, und in allen Ecken scheint es zu sprießen und zu blühen: Das neu eröffnete Little Amsterdam an der Ecke Lehmweg/Klosterallee versprüht eine Gemütlichkeit, wie man sie auch aus der niederländischen Hauptstadt kennt. Mit großen Sprossenfenstern, flauschigen Wolldecken, Lichterketten und ein paar knalligen Farbakzenten bietet das ehemalige WC-Häuschen ausreichend Sitzplätze – ausschließlich draußen, mutig für Hamburg! – und einen freien Blick auf den Isebekkanal. Die Karte ist übersichtlich: bunte Salat-Bowls, saftige vegane Wraps mit Bratlingen und Grillgemüse (mein Tipp!) oder gegrillte Ciabatta-Sandwiches. Kein Grachtenflair ohne Kaffee und Kuchen – Letzterer ist natürlich hausgemacht, vor allem die Rüblitorte ist ein Hit.

Klosterallee 69 (Harvestehude), Telefon 33 37 03 28, Mo-So 11–24 Uhr; www.facebook.com/LittleAmsterdamHH

Otto’s Burger – zurück in St. Georg

2014 eröffnete Otto’s Burger den ersten kleinen Imbiss in der Langen Reihe, jetzt feiert die Gourmet-Burger-Kette nach Standorten in der Schanze, im Univiertel und in Ottensen ihre Rückkehr nach St. Georg. Bei Otto’s Burger wird auf Qualität und lokale Produzenten Wert gelegt. Das Fleisch etwa kommt von Weiderindern aus der Lüneburger Heide, die Schorlen von Hamburger Saftmanufakturen wie Leev oder Schnick Schmack und das Bier unter anderem von der Kehrwieder Kreativbrauerei oder von Wildwuchs. Nach außen gibt sich die Systemgastronomie individuell: Das Interieur ist vom Flair des jeweiligen Stadtteils beeinflusst. In der Langen Reihe geht es schicker zu: Dunkle Farben, rustikale Holzverkleidung, grüne Lederbarhocker und eine goldene Decke aus Metallfliesen lassen auch den Einfluss von Inhaber Daniel MacGowan von Holstein erkennen.

Lange Reihe 40 (St. Georg), Mo-Do 11.30–22.30, Fr-Sa 11.30–23, So 11.30–22 Uhr; www.ottosburger.com

Foto: Sabine Büttner

Gassenhaur – bestes Schnitzel der Stadt

Restaurant & Beisl, so bezeichnet sich ein neuer Laden mitten auf dem Kiez: das Gassenhaur. Es will Qualität und ein bisschen Glamour bieten, aber eben auch „gmiatlich“ sein, bestenfalls sogar ein Ort für gepflegte Absacker. Trotz seiner räumlichen Nähe zum Schmidts Tivoli, will das Gassenhaur auf keinen Fall ein Theaterrestaurant sein. Restaurantleiter ist der gebürtige Tiroler Christoph Wilson, der auch im Dips ’n Stix seine Finger im Spiel hat. Sein Ziel: das beste Wiener Schnitzel in Hamburg zu bieten. Was ihm gelingt – ich habe selten so ein leckeres Schnitzel gegessen. Das Fleisch ist wunderbar zart und die Panierung ein Traum. Jedes Schnitzel wird in der Pfanne gebraten – was seine Zeit braucht und natürlich auch seinen Preis hat. Dazu gibt’s Erdinger Urweisse im Ausschank oder einen frischen mineralischen Sommerwein namens „Frau Mayer“. Bis auf das Fleisch, das aus Österreich geliefert wird, kommen alle in der Küche verwendeten Produkte aus der Region: Die Kartoffeln – pardon, Erdäpfel – zum Beispiel aus dem Alten Land und die Preiselbeeren, raffiniert gewürzt mit einer Prise Szechuan-Pfeffer, aus der Manufaktur Marge Ziegler. Klasse: die volltätowierte und heisere Gastgeberin Julie Rampa. Mit ihrer herzlichen und robusten Art gelingt die perfekte Melange aus österreichischer Esskultur und Kiez-Flair.

Kastanienallee 32 (St. Pauli), Telefon 31 12 31, Mi-So 17–23 Uhr; www.gassenhaur.de

 


Who the fuck is…

 

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. „Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch“, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de

Ein Neonazi steigt aus

Ausländer waren für ihn Abschaum. 15 Jahre lang hat Oliver Riek gehasst. „Die Burschenschaft hat mich indoktriniert“, sagt er. Für den ehemals überzeugten Nationalisten zählte nur Deutschland. Jetzt ist der 36-Jährige aus der rechten Szene ausgestiegen

Oliver Riek wartet schon. „Lebenslänglich“, steht auf seinem Shirt. Das Wort Hamburg unten fällt erst auf den zweiten Blick auf. Ein waschechter Hamburger. „Hey, schön dass du da bist“, sagt er mit kräftiger Stimme und strahlt. Sein Händedruck ist fest, sein Blick offen und einnehmend. Das war nicht immer so. „Früher hätte ich wahrscheinlich nicht mit dir geredet“, wird er später sagen. „Du bist recht dunkel, ich hätte meine Zweifel gehabt, ob du deutsch bist. Mit Menschen wie dir wollte ich damals nichts zu tun haben.“

Damals. Als Oliver Riek Nazi war. Einer von der ganz üblen Sorte. „Man muss keine Glatze haben und Springerstiefel tragen“, sagt er. „Leute wie ich sind viel gefährlicher – geistige Brandstifter, die alles tun, um der Demokratie zu schaden.“ Oliver Riek kippt einen Schluck Milch in seinen „ganz normalen Filterkaffee“, albert mit der libanesischen Bedienung, spricht selbstbewusst und schämt sich seiner Worte im vollbesetzten Eppendorfer Café nicht. „Warum auch? Ich möchte andere Menschen schließlich vor der Ideologie der neuen Rechten warnen und zeigen, wie man aus dem Sog des Rechtsradikalismus herauskommen kann. Ich stehe zu meiner Vergangenheit.“

Die Vergangenheit. Ihren Anfang nimmt sie in Finkenwerder. Dort wächst Oliver in einem behüteten Zuhause auf – mit einer älteren Schwester und einer Mutter, die SPD wählt. „Ich komme aus einem eher linken Haus. Mein Onkel war sogar Mitglied in der PDS“, sagt der heute 36-Jährige. Als ihm vor 20 Jahren das Fotoalbum seines Opas in die Hände fällt, ist er fasziniert. Ein strammer Nationalsozialist, der seine Zeit bei der Wehrmacht mit der Kamera begleitete. Die Geschichte interessiert den Jugendlichen, er verschlingt alles, was er über die deutsche Vergangenheit findet. Und knüpft während der Bäckerlehre erste Kontakte zur rechten Szene.

Die Burschenschaft. An sie gelangt Oliver Riek über Umwege. Ein Mitglied der umstrittenen „Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ merkt schnell, dass er mit seinen rechten Parolen bei dem Jugendlichen auf fruchtbaren Boden stößt. „In die Burschenschaft kommst du nur über einen Leumund“, erzählt Oliver, der an seinem ersten Abend sofort begeistert ist. „Ein großes Männerbündel. Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Rechtsanwälte, Ärzte. Alle waren sehr nett, wir haben wahnsinnig viel Bier getrunken, alle haben sich für mich interessiert. Und dann ging es ganz schnell und ich wurde Fux.“

„Du musst tun, was man dir sagt: Trinken bis zum Umfallen oder bei Verfehlungen ein Glas Salzwasser runterkippen“

Die Fuxenzeit. „Du musst tun, was man dir sagt: Trinken bis zum Umfallen oder bei Verfehlungen ein Glas Salzwasser runterkippen“, sagt Oliver und erzählt von strengen Hierarchien und permanenter Anwesenheitspflicht. Die Hitlertouren findet er „spannend“. Im Vollwichs mit Band und Mütze geht’s nach Obersalzberg, in den Löwenbräukeller, zum Grab des Groß-Admirals Karl Dönitz, zu befreundeten Burschenschaften. Auch zu ehemaligen SS-Männern. „Das waren Popstars für uns“, sagt Oliver, der sich von ihnen Autogramme geben lässt. Er ist fasziniert. „Ich hatte das Gefühl, dass wir einen besonderen Platz in der Welt haben. Mit unserem deutschen Fleiß, unserer Identität. Während andere Länder permanent pleite sind, geht es bei uns immer weiter hoch. Ich fühlte mich plötzlich einem sehr starken Volk zugehörig.“ Der nächste Schritt: „Wir müssen patriotischer sein. Wir müssen nationalistischer sein. Wir müssen stolz auf unsere Nation sein.“ Ausländer? Alles böse Menschen. Oliver ist wütend. Immer. Die Wut wird zum Lebensinhalt. „Wenn ich etwas in der Zeitung gelesen hab und die Namen sah, dachte ich sofort: ,Das ist nun eindeutig kein Bio-Deutscher.‘ Das war für mich immer ein Beweis, dass die hier falsch sind. Integrieren sich nicht und machen nur Mist.“

Zwei Jahre dauert Olivers Fuxenzeit. Zwei Jahre, die er heute mit einer Sektenzeit vergleicht. „Du wirst dort extrem indoktriniert“, warnt der 36-Jährige. Das Gefährliche sei, dass auf den ersten Blick nicht wirklich erkennbar sei, welche Burschenschaften rechtsradikal sind. „Nach außen geben sich alle immer als völkisch, aber auch demokratisch aus: ,Wir sind stolz, Deutsche zu sein, aber wir diskriminieren nicht.‘ Aber das ist natürlich alles Quatsch. Gerade die Chattia ist eine rechtsradikale ultra-antisemitische Vereinigung“, betont Oliver Riek. Das sieht auch der Verfassungsschutz so, der die Chattia als rechtsextrem einstuft. „In den bisherigen Äußerungen der Chattia ist ihre Affinität zu völkisch-rassistischem Gedankengut deutlich erkennbar“, sagt Annika Frahm vom Hamburger Verfassungsschutz, „seit ihrer Gründung wirken in der PB! Chattia außerdem Personen mit, die Beziehungen in die rechtsextremistische Szene unterhalten, unter anderem für die NPD aktiv waren und die deutliche Sympathien für den Nationalsozialismus zu erkennen geben.“ Als „schlagende“ Burschenschaft erwarte die PB! Chattia von ihren aktiven Mitgliedern zudem mindestens einen „Waffengang“ (Mensur) auf dem „pennalen Säbel“ gefochten. So sollen „Feiglinge und Dummschwätzer“ aussortiert werden.

So weit kommt Oliver nicht. Kurz vor Ende der Fuxenzeit entscheidet er sich für die Bundeswehr. „Das wird dort nicht gern gesehen. Die Bundeswehr ist schließlich die Besatzungsarmee, das ist unehrenhaft.“ Als er an seinem ersten Heimwochenende auch noch eine Einladung zu einer Ausfahrt ablehnt, kappt die Burschenschaft die Verbindung. „Ich wurde mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt“, erzählt er, der plötzlich als Abtrünniger gilt. Im Kopf jedoch ist er keiner. „Ideologisch eckte ich bei der Bundeswehr gar nicht an. Dort gibt es eh nur einen ganz schmalen Grad zwischen Patriotismus und Rechtsradikalismus.“ Oliver verbreitet auch dort weiter Verschwörungstheorien, spricht vom Weiterbestehen des Deutschen Reichs, sucht sich die richtigen Leute, die er auf seine Seite ziehen kann. Und lernt irgendwann einen Pakistaner kennen, der im Bus nach dem Weg fragt. „Ich wollte ihn ignorieren, aber meine gute Kinderstube siegte. Und dann haben wir uns irgendwie angefreundet.“ An seiner Einstellung ändert das aber nichts. „Ich hab einfach entschieden: Der ist nett, aber die anderen finde ich weiterhin scheiße. Dass das total beknackt ist, war mir damals nicht klar.“

„Ich will nicht mehr hassen. Ich will die Menschen sehen, wie sie wirklich sind.“

Die Wende. Sie beginnt erst, als Oliver seine Ausbildung zum Restaurantfachmann beginnt – ausgerechnet in einem Hotel, das für Integration und Inklusion bekannt ist. Dort lernt er, der überzeugte Nationalist, viele ausländische Kollegen kennen, lässt nach und nach Kontakt zu. Das Schlüsselerlebnis: Im Dezember 2016 bringt die Tochter der syrischen Nachbarsfamilie einen Teller mit Keksen zu Oliver und seiner Verlobten, wünscht frohe Weihnachten. „Einfach so. Ich dachte, das kann nicht wahr sein. Das war der allerletzte Tropfen.“ Oliver entscheidet: „Ich will nicht mehr hassen. Ich will die Menschen sehen, wie sie wirklich sind.“ Eine Woche später macht er seine Geschichte das erste Mal öffentlich, warnt in der Hamburger Morgenpost vor dem braunen Sumpf. Seitdem wird der 36-Jährige vom Hamburger Verein Kurswechsel betreut – dessen Psychologen erleichtern den Ausstieg aus der Szene.

Aber ist das so einfach? Ist es möglich, mit einer solchen 15-jährigen Vergangenheit ein ganz aufrechtes demokratisches Leben zu führen? „Mein Ausstieg ist ein langer, langer Prozess“, sagt Oliver und gibt zu: „Es ist auch heute noch schwierig. Manchmal muss ich noch mal einen Schritt zurückgehen und neu denken. Man ist ja nicht irgendwann geheilt. Ich habe viele Jahre aktiv daran gearbeitet, die Demokratie zu zerstören.“ Kurz überlegt er und sagt dann: „Es ist schwer, an sich zu arbeiten, aber wenn man niemanden hat, der etwas erwartet, der fordert oder von mir verlangt, eine einseitige Haltung einzunehmen, so ist man in der Lage, die Welt wirklich rational zu betrachten. Immer ein Stück mehr. Ich bin noch nicht am Ziel. Das ist auch nicht der entscheidende Punkt. Der entscheidende Punkt ist, zu wissen, was das Ziel ist.

Vieles ist jetzt neu für den Restaurantfachmann, der von Familie, Freunden und Arbeitgeber sehr bei seinem Ausstieg unterstützt wird. „Ich fange jetzt erst an, mir auch andere Meinungen anzuhören, informiere mich auch über Parteien wie Die Linke zum Beispiel. Das wäre früher nie in Frage gekommen, da wären es Volksverräter für mich gewesen. Jetzt fange ich an, andere Meinungen zu akzeptieren. Da stoße ich manchmal schon noch an meine Grenzen. Nicht, weil ich jemanden ablehne, sondern weil es so schwer ist, zu lernen, die Welt aus einer anderen Sicht zu betrachten.“

Was motiviert ihn, so offensiv mit seiner Geschichte nach außen zu gehen? „Mein Weg ist kein typischer. Ich will zeigen, dass es ganz normale Menschen sein können, denen man das Rechts-sein nicht gleich ansieht. Und das macht es so viel gefährlicher. Wie die AfD: die posten bewusst Fake-News zum Thema Asylpolitik und nutzen das, um Stimmung zu machen. Die kommen mit einem bürgerlichen Anstrich und haben damit auch noch ganz großen Erfolg. Das darf nicht sein!“

www.kurswechsel-hamburg.de

Text: Ilona Lütje / Beitragsbild: Philipp Jung

 


Szene Hamburg Titel Oktober Der Text ist erscheinen in der  SZENE HAMBURG, Oktober 2017. Das Magazin ist im Oktober am Kiosk, in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


 Das sagt der Verfassungsschutz

Die Schülerverbindung „Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ (PB! Chattia) ist im Dachverband „Allgemeiner Pennälerring“ (APR) organisiert, dem nach Eigenangabe aus dem Jahr 2013 neun Bünde angehören. 2013 fand ein von der „PB! Chattia“ ausgerichtetes APR-Treffen in Hamburg statt. Da die Schülerverbindung kein eigenes Verbindungshaus besitzt, ist sie bei größeren Veranstaltungen stets auf die Unterstützung anderer Burschenschaften angewiesen. Für dieses APR-Treffen hatte die studentische Hamburger Burschenschaft Germania („HB! Germania“) ihr „Germanenhaus“ zur Verfügung gestellt. Da die „PB! Chattia“ in der Vergangenheit bereits öfter im Fokus kritischer Berichterstattung stand, erhielt auch die „HB! Germania“ unerwünscht mediale Aufmerksamkeit, was das Verhältnis belastete und zu einer gewissen Distanzierung führte. Die Internetseite der Verbindung ist mittlerweile knapp und allgemein gehalten. Ihre Zurückhaltung und Vorsicht dürfte auch darauf zurückzuführen sein, keine weiteren Angriffsflächen für den Vorwurf des Rechtsextremismus zu bieten sowie um „Outings“ und Angriffen der hiesigen Antifa-Szene zu entgehen.

Selig? Und ob. 5 Fragen an Jan Plewka

Immer noch oder wieder Selig? Am 3. November erscheint das 7. Studioalbum der Hamburger Band Selig.  „Kashmir Karma“  heißt es, aufgenommen in Schweden, erstmals ohne den langjährigen Keyboarder Malte Neumann, der sich 2014 von der Band trennte. Wir haben Sänger Jan Plewka 5 Fragen zum Album gestellt.

Selig

Selig: Neue, alte Freundschaft auch im Viererpack. Jan Plewka, Christian Neander, Leo Schmidthals und Stephan „Stoppel“ Eggert. Foto: Mathias Bothor

SZENE HAMBURG: Jan, Kashmir Karma: Schöne Alliteration. Aber was genau meint der Titel?

Jan Plewka: Kashmir Karma ist die Beschwörungsformel für ein friedliches Miteinander und die Idee einer hellen warmen Zukunft durch ein freundliches Handeln im Jetzt.

Selig Kashmir Karma

Keine Zeit mehr für Experimente. Foto: Mathias Bothor

Klingt das Album so flauschig wie der Titel?

Flauschig. Krautig. Psychedelisch. Sphärisch laut und lyrisch heiter und tief im typisch seligen Soundgewand.

Also typisch Selig. Gibt es hörbare Entwicklungen und Veränderungen auf der neuen Platte erleben?

Nach all den Jahren der musikalischen Experimente besinnen wir uns wieder auf unsere Wurzeln und retten den Hippiemetaltraum rüber in die neue Zeit.

Welchen Stellenwert hat Selig in deinem Leben?

Selig ist meine Basis, mein Grundakkord, die Mutter aller Möglichkeiten.

Butter bei die Fische. Was gibt Selig dir, was dir die anderen Projekte, die du am Laufen hast, nicht bieten?

Leo, Christian und Stoppel


/REM /
Beitragsbild: Mathias Bothor


Selig Kashmir Karma Album Art WorkKashmir Karma erscheint am 3.11.17. Hier könnt ihr das Album vorbestellen.

Am 12. & 13. November 2017 treten die Jungs in der Hamburger Großen Freiheit 36 auf. Tickets ab 35,60 Euro gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Bedrohte Räume #16: Das Frauenzimmer im Pop

Na klar, Beiersdorf, Benz und die ganze Brut beschlipster Sesselkapitäne haben traditionsgemäß ja kaum girls on stage. Ihre Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und Lustreisen bestücken sie gern mit haariger Hand. Verständlich, dass da die Quoten für Ladies bei null liegen.

 

Doch nun ist es raus: In Kultur- und Medienberufen sind die Frauen, Weibers, Ladies, Girls + Bitches ebenso unterrepräsentiert wie bei den konservativen Kumpels. Und zwar so sehr, dass unsere Kulturstaatsministerin Monika G. bei der Hebung dieses Wissensschatzes letztes Jahr im Quadrat sprang. Affektiv gründete sie im März ein Projektbüro für Kreativfrauen, Geschäftsführer männlich.

Besonders übel sieht es dabei in der bunten und fortschrittlichen Musikbranche aus. Hier nehmen die Boys den Raum besonders gern in Anspruch. Nicht so gern in der Kultur, nein, da wo das Geld verdient wird und man(n) Bestimmer sein darf. Doch sie alle versichern: Frauen hat man(n) gern – als Zuschauerinnen, als Groupies, als Interpretinnen wie Helene oder Rihanna, als PR Frau oder neuerdings als digitale Assistentin.

 

Ungezählte Aktenräume später stelle ich fest, Frau G. hat Recht. Die Frau in der Musik kommt kaum durch die Tür, auf Festivals, hinter Misch- und auf Dirigentenpulte oder in Chef- und Vorstandsetagen. In den Top 100 Single Charts z.B. sind 26% der Interpreten weiblich. Kein einziger Song wurde von einer Frau selbst geschrieben. Auf Festivals liegen die Frauen, die ihre Songs selbst schreiben und aufführen, diesen Sommer bei fast 11% und bei Warner gibt es unter 10 Männern nur eine Frau! Keine davon ist Geschäftsführerin und auch beim HANS, beim ECHO, beim Club Award, usw. war insgesamt kaum eine Frau auf der Bühne.

Bei den Studentinnen sieht es besser aus: 54% der Studenten im Musikbereich sind Ladies. Doch sie landen zu 80% in der kulturellen Bildung und an Musikschulen, wo sie sich kümmerlich entlohnt um den Faktor Mensch sorgen, nicht in der Musikbranche. 2-6% von ihnen sind später dann hinter Misch- oder auf Dirigentenpulten zu finden. Kein Wunder also, dass die Konkurrenz um den schmalen Platz dann groß ist.

Eine Frau in der Musik soll sich schließlich durchbeißen, ihre Konkurrentinnen wegkläffen, kämpfen und an der Kette reißen. Dabei bitte mit hoher emotionaler Intelligenz recht freundlich lächeln, sonst verängstigen sie ihre männlichen Kapitäne.

Ich reime deshalb: Mehr Raum für die Frauen. Und finde: Das können wir alle besser, Leute! Traut euch mal ran an die Girls, denn nur so kann der musikalische Raum zu einem Raum für Utopien werden und nicht nur gelebte Gegenwartskultur abbilden.

Eure Raumsonde

Andrea

Beitragsbild: Magnus Manske


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

 

 

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie auf  Ihrer Website

eigenarten: Interkulturelles Festival wird volljährig

Spielstätten vom Goldbekhaus über die Zentralbibliothek bis zum Bürgerhaus Wilhelmsburg. Musik-, Theater-, Literatur-, Tanz- und Filmproduktionen. Insgesamt 40 Veranstaltungen und zwei Ausstellungen: eigenarten – Interkulturelles Festival Hamburg geht in eine neue Saison. Und nicht in irgendeine: eigenarten wird in diesem Jahr volljährig, feiert seinen 18. Geburtstag.

Künstler aus aller Welt, die in und bei Hamburg leben und arbeiten, stellen ihre Werke vor. Drei der zahlreichen Highlights:

Die Lesung von Amir Baitar, ein aus Syrien geflüchteter Student, der am Hamburger Stadtrand bei Familie Sußebach ein neues Zuhause fand, und Henning Sußebach. Das Buch der beiden handelt vom Verschiedensein, Zusammenwachsen, eben einer echten Chance, die Geflüchtete und Hamburger gemeinsam haben.
1.11., W3, 20 Uhr

Die faszinierende Flamenco-Performance namens „Doxa“ ist ein Mix aus Essay, Videokunst, Musik und Tanz, aufgeführt von Henriques, Grande & Torres (Foto). Inszeniert wird ein Dialog zwischen Autorität und Macht. Gilberto Torres an der Flamencogitarre (Autorität) bestimmt dabei das Tempo der Tänzerin Yamuna Henriques (Macht).
2.11. (Premiere), Zinnschmelze, 20 Uhr

Das Projekt der Brüder Daniel, Bruno und Sinan gerät ins Stocken. Die drei jungen Roma leben in Hamburg, machen hier zusammen Musik und arbeiten an einem Spielfilm. Das Problem: kein Geld und kein gesicherter Aufenthalt. Bisher sind erst einige Szene im Kasten. In der Produktion „dauernd dazwischen“ von u.a. Dorothea Grießbach werden Film, Performance und Musik vereint und die Ideen und Biografien des Trios und seiner Familien widergespiegelt.
2.11., (Premiere), Metropolis Kino, 19 Uhr

Text: Erik Brandt-Höge / Foto: José Manuel Angulo

 

eigenarten – Interkulturelles Festival Hamburg,

26.10.-5.11.

www.festival-eigenarten.de