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Corona-Hilferuf: 600 Gastronomen geben den Löffel ab

Auf der Kundgebung am Rathausmarkt haben Gastronomen ihrer Forderung nach mehr finanzieller Unterstützung und einem Rettungsschirm für von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmern Nachdruck verliehen

Text: Isabel Rauhut

 

Angesichts der sich abzeichnenden Verlängerung und möglicher Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen, werden Hilfen für Gastronomie-Beschäftigte immer dringlicher. „Die Maßnahmen müssen sozial abgefedert werden, damit die Menschen, die jetzt die finanziellen Einbußen zu tragen haben, nicht im Zuge der Corona-Pandemie in Armut und Verelendung abdriften“, sagte Silke Kettner, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Hamburg-Elmshorn (NGG) auf der Kundgebung am Rathausmarkt.

Unter dem Motto „Wir müssen unseren Löffel abgeben“ versammelten sich knapp 30 Köche und Kellner sowie Hotelangestellte auf dem Rathausmarkt, um symbolisch 600 Löffel abzugeben und vor Bürgermeister Peter Tschentschers Tür zu legen.

 

40 Prozent Einkommensverlust

 

Die gut 55.000 Beschäftigten der Hamburger Gastronomie hätten knapp 40 Prozent Einkommensverlust seit März gehabt, erklärte Kettner. Die Gewerkschaft fordert daher die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 100 Prozent. Zudem soll es Maßnahmen gegen Überschuldung geben, ein Schutz des Wohnraums und Ausbildungen in den gastronomischen Betrieben sichergestellt werden. Die Pandemie-Situation mache die Branche unattraktiv und so wachse der Fachkräftemangel weiter, sagte Silke Kettner.

Zwei Kisten mit den insgesamt knapp 600 Löffeln und viel Hoffnung auf Besserung wurden zum Abschluss der Kundgebung ins Rathaus getragen.


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Fischmarkt und Corona: Aale-Dieter auf 180

Monatelang musste der Fischmarkt pausieren, war schlichtweg nicht erlaubt wegen Corona. Jetzt soll er wieder stattfinden – ganz anders als gewohnt, was Händlern wie Aale-Dieter ziemlich missfällt

*Dieser Artikel wurde geschrieben, als man davon ausging, dass der Fischmarkt mit entsprechendem Hygienekonzept wieder stattfinden kann. Am 12. November 2020 teilte das Bezirksamt Altona mit, dass die Wiedereröffnung des Hamburger Fischmarkts erneut verschoben wird. 

Text: Erik Brandt-Höge

 

Fischmarkt-Aale-Dieter-Credit-SZENE-HAMBURG

Dieter Bruhn alias Aale-Dieter (Foto: SZENE HAMBURG)

Blau-weißes Streifenhemd, rote Hosenträger, die Haare nach hinten gegelt: So steht er da, Dieter Bruhn alias Aale-Dieter, um fünf Uhr morgens in seinem Wagen draußen auf dem Fischmarkt. Und er legt direkt los. „Komm’ mal ran, meine kleine Zuckerschote, ist doch alles vom Feinsten hier, alles oberstes Regal!“

Eine Frau löst sich lachend aus der Menge vor Bruhns Wagentheke, ergreift seine ausgestreckte Hand – und hat innerhalb weniger Sekunden eine Tüte mit Aal und Lachs in der anderen. „Kostet eigentlich 30 Euro, ist ja nur das Beste“, meint Aale-Dieter, „aber weißt du was, du kriegst das alles für 20, meine Lütte.“

Eine Szene, wie sie der Fischhändler seit 62 Jahren kreiert. So lange ist er schon auf dem Fischmarkt, und so lange schon wird er geliebt von seinen Kunden, die teils von weit her anreisen, nur um seine Schnacks mal live zu hören. Doch mit Pandemie-Beginn war Schluss mit Schnacks.

Aale-Dieters Wagen, ja der gesamte Fischmarkt hatte dicht. Eine 300-jährige Stadttradition wurde von Corona unterbrochen. Für den 82-Jährigen nicht nur der Wegbruch seines Geschäfts, sondern auch einer für ihn wichtigen Aufgabe: „Mir fehlt es, was für Hamburg, meine Stadt, zu tun“, sagt er im Gespräch mit SZENE HAMBURG.

Dass die zuvor zigtausend sonntäglichen Fischmarkt-Besucher nicht mehr zusammenkommen können – logisch. Ebenso, dass es vernünftige Konzepte braucht, um den Fischmarkt wieder stattfinden lassen zu können. Solche Konzepte meint das Altonaer Bezirksamt nun auch erarbeitet zu haben.

In Kurzform bedeuten sie: Der Fischmarkt startet nicht mehr von 5 bis 9.30 Uhr, sondern von 11 bis 15 Uhr. Es gibt lediglich einen Ein- und einen Ausgang. Erlaubt sind 60 Händler und 500 Besucher, überwacht von allerhand Sicherheitskräften. Alles voraussichtlich ab November (Stand 23.10.).

 

Aale-Dieter plädiert dafür, den Händlern mehr zu vertrauen

 

Was Aale-Dieter davon hält? Nicht viel. Genau genommen: gar nichts. Vor allem die späte Ansetzung bringt das Markt-Urgestein geradezu auf die Palme: „Fischmarkt von 11 bis 15 Uhr – das ist doch Schwachsinn, da krieg ich so eine Krawatte!“ Schließlich sei das die Zeit für Kaffee und Kuchen, sicher aber nicht für frischen Fisch.

Und überhaupt: Die politische Begründung für die Maßnahme, nämlich dass man damit Betrunkene vom Kiez und aus der Schanze fernhalten könne, sei einfach falsch. Aale-Dieter: „Die Betrunkenen kommen doch schon lange nicht mehr. Das war früher mal so, aber der Fischmarkt hat sich in den vergangenen 25 Jahren extrem gewandelt. Heute ist er von 5 bis 7 Uhr wenig frequentiert, und um 7 kommen die ganz normalen Marktgänger. Stress gibt es da gar keinen.“

Seiner Ansicht nach sei die „verschwindend geringe Anzahl von Ständen“ schon in Ordnung, auch Maskenpflicht und Abstandsregeln seien notwendig, ebenso ein paar Polizisten, die kontrollieren. Ansonsten solle man aber den Händlern vertrauen, das Geschehen schon in den Griff zu kriegen, denn: „Wir sagen schon was, wenn jemand sich nicht an die Regeln hält, und die Leute hören auch auf uns.“

Gesundheit sei das höchste Gut, sagt Aale-Dieter immer wieder. Daran gebe ist nichts zu rütteln. Nur müsse die „Sorge um Gesundheit in ein vernünftiges Verhältnis gesetzt werden“. Ob der Spaßmacher in blau, weiß und rot bei der Fischmarkt-Wiedereröffnung genauso viel Freude haben und verbreiten wird wie in Nicht-Corona-Zeiten, bleibt demnach fraglich.

Fischmarkt Hamburg 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2020. Das Magazin ist seit dem 29. Oktober 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Corona-Krise: Die Gastro klagt auf Schadensersatz

Die Corona-Krise zwingt das Gastgewerbe in die Knie. Doch die Gastro-Branche wehrt sich: Sie klagt auf Schadensersatz.

Text: Jessica Bolewski

 

Seit Beginn der Corona-Krise setzen sich Hamburgs Gastronomen wie Koral Elci, Geschäftsführer der Kitchen Guerilla, und Johannes Riffelmacher, Gründer von Salt & Silver, gemeinsam für die Branche ein. Zusammen haben sie “Kochen für Helden” in Hamburg organisiert, einen Brandbrief an die Bundesregierung geschrieben und eine Petition zur Rettung der deutschen Gastronomie gestartet – eine befriedigende Lösung des Problems gibt es ihrer Meinung nach dennoch nicht. Der Gastro-Branche reicht’s: Sie klagt auf Schadensersatz für die Monate März bis Oktober und will versuchen, ihre Betriebe zu retten.

Gastro-Krise: Der Anspruch auf Corona-Entschädigung

“Es besteht unserer Ansicht nach ganz klar ein Entschädigungsanspruch”, sagt Ingo Valldorf, Pressesprecher für Gansel Rechtsanwälte. Die bisherige Auslegung des Infektionsschutzgesetzes durch die Länder sei in Schieflage: “Tritt in einem Betrieb Corona auf und muss diesbezüglich geschlossen werden, so bekommt das Unternehmen eine Entschädigung – unabhängig von den vom Betrieb durchgeführten Hygienemaßnahmen. Wird ein Unternehmen jedoch vorsorglich geschlossen, ohne, dass ein Corona-Fall auftritt, so erhält der Betrieb nach dieser Auslegung keine Entschädigung”, erklärt Valldorf.

Das Verhalten zur Pandemie-Eindämmung würde also indirekt bestraft. Das könne vom Gesetzgeber so nicht gewollt sein, so der Pressesprecher. In diesem Fall geht die Kanzlei mit der Option der Staatshaftung gegen die Bundesländer vor und will, unter anderem mit Bezug auf die Auslegung des Infektionsschutzgesetzes, einen Entschädigungsanspruch gegenüber dem Staat geltend machen.

Eine weitere Möglichkeit, dem Gastgewerbe in der Corona-Krise zu helfen, sieht die Kanzlei darin, die zuvor vereinbarte Betriebsschließungsversicherung in Anspruch zu nehmen – denn viele Versicherer würden sich weigern, einzuspringen. Für all die Betriebe, die eine solche Versicherung abgeschlossen haben, müsse der Vertragstext im Einzelfall genau geprüft werden, so Ingo Valldorf.

 

Rechtliches Vorgehen der Gastronomie

Deutschlands größte Verbraucherschutzkanzlei vertritt das Gastgewerbe in Sachen Corona-Entschädigung und kann in dieser Sache bereits rund 2.000 angemeldete Betriebe verzeichnen. Im ersten Schritt registrieren sich die Unternehmer unverbindlich über das Online-Formular auf der Kanzlei-Website. Anschließend können sie alle relevanten Abrechnungen und Angaben zum Betrieb hochladen und das Mandat wird geschlossen.

Laut Valldorf ist die rechtzeitige Mandatierung hierbei besonders wichtig: “Der Anspruch der Betroffenen kann nach dem Infektionsschutzgesetz ein Jahr nach den ersten Beschränkungen verfallen, somit im März 2021. Bis dahin müssen sich die Betriebe registriert haben.”

Die Kosten trägt entweder die Rechtsschutzversicherung, sofern vorhanden, oder ein Prozessfinanzierer übernimmt die vorab anfallenden Verfahrenskosten. Im Erfolgsfall bekommt dieser dann einen Teil der erkämpften Entschädigung. Ein finanzielles Risiko für die Mitstreiter gibt es nicht.

“Es gibt gute Möglichkeiten, Druck aufzubauen!”

Aus Angst vor Sanktionen würden sich viele Betriebe jedoch nicht trauen, gegen ihre Landesregierung vorzugehen, so die Vermutung Ingo Valldorfs. Dabei sollten sie mutig vorangehen, denn die Anwälte der Kanzlei sehen eine positive Trendwende für die Gastronomie: “Gerade in einem Stadtstaat, wie beispielsweise Hamburg, gibt es gute Möglichkeiten, Druck aufzubauen. Die Unternehmen müssen hierfür aber zusammenhalten und Seite an Seite stehen!” Das Eintreten für die eigenen Rechte im Rahmen des Gesetzes kann in einem Rechtsstaat nicht mit einer Strafe belegt werden.

Die Anspruchsschreiben werden nun vorbereitet. Für Ende November wird der zweite Schritt geplant.

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Superfood at Home: Lieferdienste für gesundes Essen

Gewinner des Lockdowns: Lieferdienste sind in Zeiten der Pandemie gefragt. Aber es muss nicht immer nur Pizza sein. Wir haben einige leckere und gesunde Alternativen für euch gefunden, die euch im Corona-Herbst mit Vitaminen und Nährstoffen versorgen

 

Treat It

Das Start-up der zwei Hamburger Jungs Niklas und Jan will nicht nur gesundes sowie leckeres Essen nach Hause liefern: Hier gibt’s zu den Mahlzeiten gleich eine Ernährungsberatung dazu. Je nach Bedarf kann aus verschiedenen Gerichten zum Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie Snacks gewählt werden. Das soll das Abnehmen, die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes oder auch einer Fettstoffwechselstörung erleichtern. Jeweils einmal die Woche wird eine individuell zusammengestellte Box in einer umweltfreundlichen Verpackung direkt nach Hause geliefert. Darin enthalten: alles, was an Lebensmitteln und Getränken für die nächsten Tage benötigt wird – egal ob für das Omelette zum Frühstück, den mittäglichen Tomatensalat oder die Kartoffel-Pilz-Pfanne am Abend.

Speisekarte: individuelle Lebensmittel- und Getränkeboxen mit Rezepten zum Nachkochen
Liefergebiet: überall in Hamburg durch UPS oder Abholung auf der Veddel
Warenkorb: 29 Euro pro Tag, circa 150 Euro pro Woche beim Sechs-Wochen-Abo
Bezahlung: Kreditkarte, Sofortüberweisung, PayPal
Spezialzutat: Komplett-Verpflegung mit Ernährungsberatung

Bestellung bis zu acht Tage im Voraus, Lieferung jeweils am Di oder Mi; treatit.de

 

Daily Greens

Bei dem veganen Lieferdienst gibt’s jeden Tag eine neue frische und ausgewogene Mahlzeit wie Sellerie-Schnitzel, Shakshuka oder Kichererbsen-Salat – einmal im Monat sogar eine Brunch-Box mit verschiedenen Aufstrichen, Muffins, Porridge, Waffeln sowie vielem mehr. Die Gerichte bestehen aus regionalen und saisonalen Zutaten. Und auch bei der Verpackung sowie Lieferung achten die drei Gründer Franci, Flo und Marc auf die Umwelt: Um Lebensmittelverschwendung und Müll zu reduzieren, hat sich das Trio ein eigenes Pfandsystem ausgedacht. Es funktioniert über Mehrwegboxen, die ausschließlich mit dem Fahrrad ausgeliefert werden.

Speisekarte: vegane Gerichte aus saisonalen und regionalen Zutaten
Liefergebiet: viele Stadtteile nördlich der Elbe & um die Alster oder Abholung in der HafenCity
Warenkorb: ca. 10 Euro pro Gericht, Brunch-Box 35 Euro; je 10 Euro Pfand für Mehrwegboxen
Bezahlung: PayPal
Spezialzutat: jeden Tag eine neue Mahlzeit, nachhaltiges Pfandsystem, Auslieferung per Fahrrad

Bestellung am Vortag, ab zwei Gerichten Lieferung gratis; daily-greens.de

 

Stadtsalat

Der Lieferdienst bezeichnet sich selbst als „Die Hamburger Adresse für gesundes Essen“. Mittlerweile verfügt Stadtsalat über eigene Restaurants in Hamburg, Berlin und Frankfurt. Begonnen hat alles mit hochwertigen und frisch zubereiteten Bowls sowie Salaten, die per Fahrrad in der Hansestadt ausgeliefert wurden. Und es auch immer noch werden – in kompostierbaren Verpackungen versteht sich. Die Gerichte wie die Teriyaki Brookie Bowl, der Marvelous Meze Salat oder die Overnight Oats bestehen größtenteils aus regionalen Zutaten und kommen ohne Zusatzstoffe aus. Das Menü wechselt regelmäßig und hat stets auch saisonal geprägtes Essen im Programm.

Speisekarte: bunte Bowls, Salate und Desserts, auch vegan, vegetarisch, Low Carb oder glutenfrei
Liefergebiet: viele Stadtteile rund um die Alster und nördlich der Elbe oder Abholung im Store in der Großen Theaterstraße
Warenkorb: Hauptgerichte ab circa 10 bis 16 Euro, Desserts ab 2,50 bis circa 6 Euro
Bezahlung: PayPal, Sofortüberweisung, Kreditkarte
Spezialzutat: gesunde Fast- Food-Alternative in nachhaltiger Verpackung

Lieferzeiten Mo–Fr 11.30– 13.45, 17.30–20.15, Sa–So 17.30–20.15 Uhr; stadtsalat.de

 

Liekedeeler

Wer doch lieber selber kochen, sich aber das Einkaufen sparen möchte, kann sich an die Liekedeeler wenden. Das plattdeutsche Wort bedeutet so viel wie „Gleichteiler“ – und der Name ist Programm. Denn hier werden gesunde und saisonale Lebensmittel aus der Region solidarisch, transparent und ohne Zwischenhändler in verschiedenen Kisten-Variationen verschickt. Die wöchentlich wechselnden Beute-Kisten gibt’s in zwei Größen und in veganer oder vegetarischer Variante. Sie sind außerdem erweiterbar durch zum Beispiel verschiedene Käse-, Wurst- oder Molkereipakete. Auch Brote, Nudeln, Eier oder Bier können hinzu- gefügt werden. Damit ist – ganz ohne Gang zum Supermarkt – der Kühlschrank voll.

Speisekarte: bunt gemischte, wöchentlich wechselnde Boxen, vorrangig Bio-Lebensmittel
Liefergebiet: viele Stadtteile nördlich der Elbe, Abholstationen in Altona, Hoheluft-West, St. Pauli und Wilhelmsburg
Warenkorb: 59 Euro pro Beute-Kiste, 99 Euro pro Fette-Bette-Kiste
Bezahlung: Lastschrift, Rechnung
Spezialzutat: regionale, saisonale Lebensmittel direkt von den Erzeugern und mit dem Bewusstsein sozialer Verantwortung

Bestellung jeweils bis Mi 12 Uhr, Lieferung jeweils Fr 15– 19 Uhr; liekedeeler.hamburg

 

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Markus Tirok: So arbeitet der Moderator im Homeoffice

Wie der Medientrainer und Moderator Markus Tirok während der Pandemie im Heimbüro arbeitet und was er dafür braucht

Text: Ilona Lütje 

 

Moderation, Podcasts, Interview-Coaching: Markus Tirok ist ein Allrounder in der Medienbranche. Sein Homeoffice muss vor allem eines: funktionieren.

Das Bild ist gestochen scharf. Keine Pixel, keine Schlieren. Die Stimme kommt ungewohnt klar aus dem Lautsprecher. Da knarzt nichts. Wow, heute gibt’s beim Videochat mal kein Blech auf die Ohren – wie erholsam. Ein richtiger Homeoffice-Profi. Und in Sachen Medien von Radio über Fernsehen bis hin zum eigenen Podcast hat er so ziemlich alles durch. Aktuell ist der 49-Jährige vor allem als Trainer unterwegs. Bei ihm gibt es das Rüstzeug, wenn es um schlaue Fragen, einnehmende Moderationen und sichere öffentliche Auftritte geht. Etwa im Podcast „Interviewhelden“. Schon vor Corona aus dem heimischen Büro. Und das ist vor allem technisch State of the Art. Denn Markus Tirok hat es lieber perfekt als ruckelnd und halbgar. „Hier geht es schließlich um meinen Job, ich lebe davon“, sagt er.

Und so findet sich auf dem Schreibtisch des Moderators und Medien-Coaches denn auch ein professionelles Mikrofon von Røde. Mit solchen Teilen hat Bruce Springsteen schon ganze Platten aufgenommen. „Es ist aber nicht unbedingt nötig, viel Geld für ein vernünftiges Setup auszugeben“, sagt Tirok, der bei Webseminaren darauf achtet, dass seine Position zur Kamera stimmt, der Raum vernünftig ausgeleuchtet ist. „Und ich mag keine Socken im Hintergrund.“

 

Dinge müssen funktionieren

 

So richtig stylish muss das heimische Büro nicht sein. Extravagant ist hier nichts. Dinge müssen funktionieren. Nützlich sein. Rechts und links vom funktionellen Schreibtisch stehen Scheinwerfer. Darauf zwei Bildschirme und ein Laptop. Der Stuhl, auf dem er sitzt, ist die bequeme Variante mit Armlehnen. Das Fenster hat Tirok mit schwarzem Tuch abgedunkelt. Seinem Homeoffice, das sogar mit einem Green Screen ausgestattet ist, opfert der disziplinierte Frühaufsteher („Bis halb zehn ist die beste Zeit zum Arbeiten“) einen 15 Quadratmeter großen Raum seiner insgesamt 80 Quadratmeter großen Drei-Zimmer-Wohnung auf der Uhlenhorst.

Gesicht und Stimme des Wahlhamburgers dürften viele in unserer Stadt kennen. Denn Markus Tirok war eines der wichtigsten Gesichter des Lokalsenders Hamburg 1. Viele Jahre hat er dort unter anderem ein Boulevardmagazin moderiert. Auch für die ARD war er vor der Kamera im Einsatz, zum Beispiel als „letzter Fernsehansager Deutschlands“. Das war zu Zeiten, als das Prinzip Homeoffice noch keine große Rolle spielte und Digitalisierung in den Kinderschuhen steckte. Inzwischen hat der Medienprofi das getan, was Selbstständige in der Medienbranche eben tun – sich immer wieder selbst neu erfinden.

Die Pandemie mit ihren Kontaktverboten war da nur ein weiterer Dominostein. Er habe sich angesichts der Corona-Krise schnell entschieden, statt auf Selbstmitleid und Angst lieber darauf zu setzen, die Situation anzunehmen. Vor die Tür ging es anschließend kaum noch, stattdessen folgte Videokonferenz auf Videokonferenz. „Zoom ist zu etwas wie meinem zweiten Wohnzimmer geworden. Und ich habe während Corona unfassbar viel über meine Zielgruppe gelernt.“

 

Homeoffice auf dem Vormarsch

 

Wie aber geht das alles als echte Rampensau, die vor Publikum so richtig steil geht? Tirok lacht. „Meine Bühne ist eben jetzt digital“, antwortet der 49-Jährige, der für bekannte Firmen große Veranstaltungen moderiert und auch die Verleihung des wichtigsten Hamburger Gastropreises „Genussmichel“ am Mikro begleitete. Vorträge halte er auch online gern mal vor 120 Zuhörern. Markus Tirok ist überzeugt davon, dass Homeoffice auf dem Vormarsch ist: „Videokonferenzen werden auch nach der Corona-Krise eine größere Rolle spielen als vorher.“

Heimisches Büro, das bedeutet auch Nähe zu Kühlschrank und Keksdose. Was gibt die Tirok’sche Kantine auf der Uhlenhorst also her, um ungewolltem Hüftgold zu trotzen? Er habe ab und zu Rezepte aus der schnellen Küche des Hamburger Kochs Steffen Henssler nachgekocht. „Ich habe mich schon etwas gehen lassen, hatte zu wenig Bewegung in den vergangenen Wochen“, gesteht der Medienprofi, der auch an Hamburgs Akademie für Publizistik ausbildet. Da darf er jetzt, da der Lockdown beendet ist, auch wieder hinradeln.

Sein erstes Präsenzseminar nach Corona feierte Tirok entsprechend mit einem kleinen Video von der Tour zur Arbeit, das er dann ins Netz stellte. Der Film kommt nicht ohne einen Abstecher an einen seiner liebsten Orte in Hamburg aus. Markus Tirok grüßt vom Ufer der Alster. Dort wird er im Sommer sicher häufiger zu treffen sein. Dass er regelmäßig mit Hündin Emma raus muss, tut ihm gut: „Mit Pausen und Feierabend habe ich nämlich so meine Probleme.“

interviewhelden.com


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Mitten rein: Studienstart im Lockdown

Eigentlich sollte im März die beste Zeit ihres Lebens beginnen. Doch diese wurde zur unsichersten: Svea Fischer und David Abel starteten mitten in der Corona-Hochzeit in ihr Studium: David Medien- und Kommunikationsmanagement an der Macromedia. Svea Bekleidung, Technik und Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)

Interview: Markus Gölzer

 

Svea Fischer und David Abel (Foto: Leon Bültmann)

Uni-Extra: Wie habt ihr im Studium den Übergang in die Corona-Zeit erlebt? 

David: Ich war zwei Tage an der Uni, dann ging der Shutdown los. Das war für das erste Semester nicht das Schönste. Uns wurde gesagt, ok, das Studium findet eine Woche später statt. In dieser Woche wurden wir informiert, dass alles komplett online stattfindet. Wir wurden darauf vorbereitet, dann gingen die Online-Vorlesungen los.

Svea: Ich war in der Orientierungswoche. Am Freitag wäre eine Begrüßungsparty gewesen, die aber schon nicht stattfinden konnte. Am Montag darauf hätte es eigentlich angefangen, aber dann war Lockdown, und es hat ein bisschen gedauert, bis wir auf Online umspringen konnten. Es war anders als bei David, weil unsere Uni nicht so richtig vorbereitet war. Deshalb hat sich alles nach hinten verschoben.

Wie liefen die Online-Vorlesung ab? 

David: Ich habe jeden Tag Vorlesungen gehabt, live alles miterlebt, konnte mit den Professoren reden. Wir waren 25 bis 30 Leute, manchmal auch 40, das lief ganz gut. Heißt, der Professor war durchgehend zu sehen, man konnte mit ihm sprechen, man konnte auch die anderen sehen. Es war sozusagen die beste Lösung.

Svea: Ähnlich wie bei David. Der Professor hatte dauerhaft seine Kamera an, damit man weiß, wer zu einem spricht. Das war eigentlich ganz nett. Die Kommilitonen hatten die Kamera nicht an. Wenn man eine Frage hatte, hat man sein Mikrofon angemacht, was gesagt und sein Mikrofon wieder ausgemacht. Hauptsächlich hat der Professor gesprochen. Es war ein Zuhören, es ist nie ein Gespräch oder eine Diskussion entstanden.

Wie kamen die Professoren zurecht? Gab es unterschiedliche Herangehensweisen?

Svea: Manchmal wussten die Dozenten nicht, wie man mit den Programmen umgeht, weil es kaum Vorbereitungszeit gab. In Mathe und Chemie hat unser Professor Videos hochgeladen mit Aufgaben, die wir erledigen mussten. Das war nicht live. Dann gab es leider auch Kurse, wo wir gar nichts hatten. In BWL bekamen wir eine E-Mail mit einem Artikel, den wir durchlesen sollten. Andere haben häufig Folien von der Vorlesung hochgeladen, die man sich selbst angeguckt hat. Richtig gut geklappt hat das nicht, weil es von Kurs zu Kurs unterschiedlich war. Jeder Professor hat das so gemacht, wie das für ihn am besten war.

David: Die wurden in der ersten Woche geschult, damit sie mit dem Programm „Teams“ arbeiten konnten. Mit der Zeit hat jeder dazugelernt. Wir haben uns gegenseitig geholfen, haben gezeigt, wie die Dinge funktionieren. Zwischenzeitlich war es etwas hektisch, aber insgesamt hat es gut funktioniert.

Haben die technischen Voraussetzungen gestimmt? Konnten eure Unis die Datenmengen stemmen? 

David: Die Uni war gut vorbereitet. Auch als Schüler musste man bereitstehen. Ich hatte das Glück, dass ich das ganze technische Material zu Hause hatte. Es gab auch viele, die sich ein iPad kaufen mussten, weil sie nur einen schwachen Windows-Rechner vom Vater hatten und deshalb die ersten beiden Wochen nicht dabei waren.

Svea: Wir hatten den E-Mail-Verteiler von der Uni, und da kamen schon öfter mal Mails rein, dass der Server wieder abgestürzt wäre. In den Vorlesungen war zwischenzeitlich mal die Dozentin zehn Minuten vom Bildschirm verschwunden. Von der Studentenseite her war es so, dass man zu Hause die Voraussetzungen wie gutes WLAN brauchtest.

Gab es Kommilitonen, die wegen Geldmangels ins Hintertreffen gerieten?

Svea: Das weiß ich nicht, weil ich nur mit wenigen Leuten zu tun hatte. Aber es kann natürlich sein. Wir sind ungefähr 45 Leute und die Teilnehmerzahl hat immer so zwischen 25 und 35 geschwankt. Es war nie vollständig. Und das könnte natürlich daran liegen, dass die keine Möglichkeit hatten, auf einen Computer zuzugreifen.

David: Ja. Viele. Das Image einer Privatschule ist immer: Das Studium wird von reichen Eltern finanziert. Richtig ist: Die Hälfte der Leute studieren zum zweiten, dritten Mal, sind allein nach Hamburg gezogen, müssen eine Wohnung bezahlen, studieren hier, weil es das Studium nicht an einer staatlichen Uni gibt. Da gab es auf alle Fälle Leute, die sagten, das wäre jetzt schwer zu stemmen.

Habt ihr die soziale Dynamik des Hörsaals vermisst?

David: Ich habe das ganze Unileben vermisst. Das ist auch das, was viele suchen, wenn sie zur Uni gehen. Ich kann sehr gut verbal lernen. Wenn jemand vor mir steht und mir das erklärt, dann lerne ich besser, als wenn ich von einem Blatt Papier ablese. Nach sechs Stunden vor dem Bildschirm ist es schwer, sich zu konzentrieren.

Svea: Auf jeden Fall. Eigentlich habe ich mir vorgestellt, ein richtiges Studentenleben zu haben. Mittlerweile studieren wir ein Semester lang, und ich hätte alle Leute, mit denen ich studiere, schon längst kennenge- lernt. Das fehlt mir, und ich fühl mich auch nicht wirklich als Studentin, weil ich nur online vor meinem PC gesessen habe.

Gab es noch irgendwelche Fragmente vom Studentenleben?

Svea: Gar nicht. Es war wirklich so, als würde ich mich privat fortbilden und mir Videos angucken.

David: Fast gar nicht, würde ich sagen. Man kommuniziert über verschiedene Plattformen, aber man lernt sich nicht kennen. Ich habe die ersten zwei Tage eine kleine Gruppe kennengelernt. Am Ende des Semesters haben wir uns einmal als Gruppe von 40 Leuten im Park getroffen, nicht ganz legal, um uns kennenzulernen. Mehr gab es auch nicht. Wir hatten keine Feiern, keine Gegebenheiten, uns zu sehen. Das fehlt natürlich. Die Unitür schließt sich nie hinter einem. Es entsteht kein Feierabendgefühl.

Hat sich die Wahrnehmung eures Zuhauses verändert, seit es gleichzeitig Hörsaal ist?

David: Auf jeden Fall. Das hat mir auch nicht wirklich gefallen. Man steht auf und hat direkt die Uni neben sich. Ich würde lieber in die Uni gehen. Ich will einen Ort haben zum Studieren.

Svea: Ich habe anfangs in meinem Zimmer gesessen während der Vorlesungen. Dann im Wohnzimmer am Esstisch. Einfach, um mal eine andere Location zu kriegen. Als es warm war, habe ich mir das in der Sonne angehört. Meine Wahrnehmung hat sich nicht geändert.

Habt ihr euch bewusst für die jeweilige Studienform entschieden?

David: Ich habe den Studiengang danach ausgewählt, was ich machen möchte. Ich bin ein praktischer Mensch und habe deshalb einen praktischen Studiengang gesucht. Ich wollte statt einer Ausbildung studieren, damit ich meinen Bachelor habe. Richtung Medien gibt es wenig Studiengänge, die nicht privat sind und mir gefallen haben. An der Uni Hamburg gibt es Medien- und Kommunikationswissenschaften. Das ist sehr, sehr wissenschaftlich und halt nicht praktisch. In meinem Studium habe ich einen BWL-Anteil, einen wissenschaftlichen Anteil und vor allem viel praktische Übungen – Fotografie, Design – und das hat mir gefallen.

Svea: Ich stand zwischen der öffentlichen HAW und der privaten AMD (Akademie Mode und Design). Ich habe superlange überlegt, ob ich staatlich oder privat studieren möchte. Man muss an einer privaten Uni mit Studiengebühren von 600 bis 700 Euro im Monat rechnen. Trotzdem wollte ich schließlich privat studieren. Mein Studiengang „Bekleidung, Technik und Management“ heißt an der AMD „Modemanagement“. Das hat für mich kreativer geklungen, besser für meine Interessen. Dann habe ich an beiden Unis Dozentengespräche gehabt. Die HAW war tausend Mal sympathischer. Eine Freundin studiert an der AMD meinen Studiengang und kennt Leute von der HAW. Die sah keinen großen Unterschied. Da war mir klar, dass ich an die HAW gehe. Das Studium an der AMD hätte einfach zu viele Kosten und zu viel Aufwand bedeutet, um an das Geld zu kommen. Ich bereue die Entscheidung bis jetzt auf gar keinen Fall.

Findet ihr die Corona-Maßnahmen insgesamt angemessen oder übertrieben?

David: Wenn man sieht, wie die Zahlen sind und was alles passiert ist, haben wir das in Deutschland alles gut gehändelt. Natürlich habe ich auch keine Lust mehr auf Corona, aber das kann man nicht ändern.

Svea: Ich finde es schon angemessen. Aber es hat mich dann schon gewundert, dass die Schulen ihren normalen Betrieb wieder aufgenommen haben, und bei uns wird es auch im kommenden Semester so sein, dass die Präsenzlehre nicht zu 100% stattfinden kann.


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Corona in Hamburg: Aktuelle Entwicklungen

Hier fassen wir für euch die aktuellen Entwicklungen und geltenden Corona-Regelungen für Hamburg zusammen.

 

Montag, 23. November 2020

In Hamburg wurden 237 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 133,4 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 320 Menschen stationär behandelt.

 

Freitag, 20. November 2020

In Hamburg wurden 362 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 139,4 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 315 Menschen stationär behandelt.

 

Donnerstag, 19. November 2020

In Hamburg wurden 659 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 148,5 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 310 Menschen stationär behandelt.

 

Mittwoch, 18. November 2020

In Hamburg wurden 246 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 148,5 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 311 Menschen stationär behandelt.

 

Dienstag, 17. November 2020

In Hamburg wurden 424 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 156,4 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 306 Menschen stationär behandelt.

  • In Hamburg gelten die Kontaktbeschränkungen von maximal zehn Menschen aus zwei Haushalten nun auch explizit in Fahrzeugen. Bei Versammlungen ab 100 Teilnehmenden müssen Masken getragen werden.

 

Montag, 16. November 2020

In Hamburg wurden 185 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 156,3 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 273 Menschen stationär behandelt.

 

Freitag, 13. November 2020

In Hamburg wurden 535 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 167,9 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 282 Menschen stationär behandelt.

 

Donnerstag, 12. November 2020

In Hamburg wurden 660 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 165,3 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 292 Menschen stationär behandelt.

  • Der Hafengeburtstag 2021 ist abgesagt. Das teilte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann heute mit. Die Pandemieentwicklung sei zu unklar, um ein Event mit einer Million Besuchern durchzuführen.

 

Mittwoch, 11. November 2020

In Hamburg wurden 396 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 164,5 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 283 Menschen stationär behandelt.

 

Dienstag, 10. November 2020

In Hamburg wurden 422 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 164,1 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 264 Menschen stationär behandelt.

  • In der heutigen Landespressekonferenz gab Sozialsenatorin Melanie Leonhard bekannt, dass zur Entlastung der Gesundheitsämter eine “Task Force” aufgebaut werde. In der neuen Zentrale in Wandsbek sollen langfristig bis zu 250 Mitarbeiter an der Kontaktnachverfolgung arbeiten.

 

Montag, 09. November 2020

In Hamburg wurden 298 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 165,9 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 240 Menschen stationär behandelt.

 

Freitag, 06. November 2020

In Hamburg wurden 485 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 153,0 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 235 Menschen stationär behandelt.

 

Donnerstag, 05. November 2020

In Hamburg wurden 647 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 149,1 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 227 Menschen stationär behandelt.

 

Mittwoch, 04. November 2020

In Hamburg wurden 388 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 135,5 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 222 Menschen stationär behandelt.

 

Dienstag, 03. November 2020

In Hamburg wurden 456 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 136,4 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 204 Menschen stationär behandelt.

  • Die öffentliche Maskenpflicht wurde auf weitere Plätze und Straßen ausgeweitet. Diese 15 Orte sind dazugekommen: Ottenser Hauptstraße, Muharrem-Acar-Brücke (ZOB), das Umfeld des Bahnhofs Altona, Kirchenallee, Heidi-Kabel-Platz, Hachmannplatz, Steintordamm, Steintorwall, Mönckebergstraße, Spitalerstraße, Straße Barkhof, Gerhard-Hauptmann-Platz, Ida-Ehre-Platz, Lange Mühren, BergstraßeMehr Infos zu Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen findet ihr unter hamburg.de/coronavirus/aktuelles

 

Montag, 02. November 2020

In Hamburg wurden 251 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 128,2 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 163 Menschen stationär behandelt.

 

Freitag, 30. Oktober 2020

In Hamburg wurden 410 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 121,8 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 150 Menschen stationär behandelt. Ab 13:00 Uhr informiert Senat in einer Pressekonferenz über die aktuelle Lage:

 

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Die Zahl der Neuinfektionen ist leicht gesunken, die Inzidenz allerdings gestiegen: In Hamburg wurden 390 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 119,2 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 148 Menschen stationär behandelt.

 

Mittwoch, 28. Oktober 2020

In Hamburg wurden 404 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 113,2 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 149 Menschen stationär behandelt.

Nach der heutigen Bund-Länder-Konferenz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verkündet. Ab Montag, 02.11. gelten bundesweit folgende Beschränkungen:

  • Gastronomie, Bars und Clubs müssen schließen
  • Freizeit-Veranstaltungen werden abgesagt.
    Auch Theater, Opern oder Konzerthäuser müssen schließen
  • Es dürfen sich maximal 10 Personen aus zwei Hausständen treffen
  • Schulen und Kitas sollen offen bleiben
  • Freizeit- und Amateursportbetriebe müssen schließen
  • Profisport soll ohne Zuschauer stattfinden. Das gilt auch für die Fußballbundesliga
  • Die Regeln sollen ab Dezember wieder gelockert werden

 

Dienstag, 27. Oktober 2020

In Hamburg wurden 300 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 102,5 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 140 Menschen stationär behandelt.

 

Montag, 26. Oktober 2020

In Hamburg wurden 339 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 97,5 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 105 Menschen stationär behandelt.

 

Freitag, 23.10.2020

Die Zahl der Corona-Infektionen hat erneut einen Rekord erreicht: In Hamburg wurden 360 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 75,1 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 92 Menschen stationär behandelt. In einer Pressekonferenz informierte der Senat über folgende Beschlüsse:

  • Der Winterdom ist abgesagt
  • Ab Montag gilt eine Begrenzung von privaten Feierlichkeiten auf 10 Personen und 2 Haushalte (Für Patchwork-Familien gilt eine Ausnahmeregelung)
  • Nach wie vor gilt die Sperrstunde von 23 bis 5 Uhr in allen gastronomischen Betrieben. Hinzu kommt ab Montag ein Alkoholausschankverbot von 5 bis 10.00 Uhr, um „Frühclubs“ zu verhindern.

Die gesamte Pressekonferenz könnt ihr hier sehen:

 

Donnerstag, 22.10.2020

Die Zahl der Corona-Infektionen hat einen neuen Rekord erreicht: In Hamburg wurden 276 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz beträgt 64,6 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Zur Zeit werden 79 Menschen stationär behandelt.

 

Mittwoch, 21.10.2020

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Hamburg ähnlich hoch wie gestern: Heute wurden 201 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz liegt damit bei 58,9 Fällen pro 100.000 Einwohner (in 7 Tagen). Zur Zeit werden 72 Menschen stationär behandelt.

  • Gesundheitsminister Jens Spahn ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der CDU-Politiker begibt sich in Quarantäne.

 

Dienstag, 20.10.2020

Die Zahl der Corona-Infektionen ist erneut stark angestiegen: Heute wurden 204 Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz liegt nun bei 55,4 Fällen pro 100.000 Einwohner.

In einer Pressekonferenz informieren Bürgermeister Peter Tschentscher, Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard und Innensenator Andy Grote über die aktuelle Lage:

 

Montag, 19.10.2020

Hamburg überschreitet 50er-Warnwert: Die Gesundheitsbehörde meldet 93 Neuinfizierte. Damit steigt die Anzahl der Neuinfektionen auf 50,6 Fälle pro 100.000 Einwohnerin den letzten sieben Tagen. Bund und Länder hatten letzte Woche beschlossen, dass schärfere Regeln greifen müssen, wenn dieser Grenzwert in Regionen überschritten wird. Dazu gehört, dass privaten Feiern auf maximal zehn Teilnehmer aus höchstens zwei Hausstände begrenzt werden. Eine Sperrstunde für die Gastronomie gilt in Hamburg bereits seit Samstag.

 

Sonntag, 18.10.2020

Heute wurden 162 Neuinfektionen gemeldet. Der Inzidenzwert (Infektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen) liegt somit bei 49,8. Ab einem Inzidenzwert von 50 sollen schärfere Regelungen greifen (siehe unten).

 

Freitag, 16.10.2020

  • In Hamburg gilt ab morgen (Samstag, 17.10.2020) zwischen 23 und 5 Uhr eine Sperrstunde für Gaststätten sowie ein Alkoholverkaufsverbot.
  • Auf privaten Feiern, die drinnen stattfinden, sind bis zu 15 Personen erlaubt. Außerhalb der eigenen Wohnung sind Treffen mit bis zu 25 Menschen erlaubt.
  • Veranstaltungen ohne feste Sitzplätze sind im Freien mit bis zu 100 Teilnehmern und in geschlossenen Räumen mit bis zu 50 Teilnehmern zulässig.

Zusätzlich wird empfohlen, körperliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Seit gestern wurden 160 weitere Neuinfektionen in Hamburg gemeldet. Damit gibt es in Hamburg 42,2 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern gelten stärkere Beschränkungen (siehe unten).

Aktuelle Zahlen im Überblick findet ihr unter hamburg.de/corona-zahlen

 

Donnerstag, 15.10.2020

Bund und Länder haben sich auf einheitlichere Regelungen im Umgang mit der Corona-Pandemie geeinigt. Je nachdem, wie hoch das Infektionsgeschehen ist, greifen unterschiedliche Regelungen:

  • In einer Region mit mehr als 35 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche soll die Maskenpflicht auch im öffentlichen Raum gelten, wenn Menschen eng beisammen sind. In Hamburg wurde dies bereits am Montag umgesetzt.
  • Bei mehr als 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner könnte es eine weitere Ausweitung der Maskenpflicht geben. Außerdem soll dann eine verbindliche Sperrstunde ab 23 Uhr gelten. Private Feiern sollen auf maximal zehn Teilnehmer und zwei Hausstände begrenzt werden.

Außerdem gilt ab sofort auch in Hamburg eine neue Test-Verordnung:

  • Kontaktpersonen ersten Grades können sich kostenlos testen lassen
  • Das Personal stationärer Pflege-Einrichtungen soll regelmäßig wöchentlich getestet werden
  • Schnelltests sollen eingeführt werden für regelmäßige Reihentestungen in Pflege-Einrichtungen, Krankenhäusern und (Zahn-)Arztpraxen

Weitere Informationen zu Corona-Tests findet ihr unter hamburg.de/faq-tests

 

Montag, 12.10.2020

Ab heute, Montag den 12.10.2020, gilt in Hamburg eine erweiterte Maskenpflicht. Grund hierfür sind die steigenden Infektionszahlen. Auch unter freiem Himmel muss auf folgenden Straßen und Plätzen zu bestimmten Uhrzeiten eine Maske getragen werden:

  • Alma-Wartenberg-Platz und umliegende Straßen (Fr+Sa 19-03 Uhr)
  • Schulterblatt und umliegende Straßen (Fr+Sa+Feiertags 20-00 Uhr)
  • Reeperbahn / Hans-Albers-Platz und umliegende Straßen (Fr+Sa+Feiertags 18-04 Uhr)
  • Landungsbrücken (Mo-Fr 06-18 Uhr, Sa+So 11-18 Uhr)
  • Mühlenkamp (täglich 12-01 Uhr)
  • Steindamm / Strahlsunder Straße / Steintorplatz 8 (täglich 12-22 Uhr)
  • Ballindamm 40 /täglich 15-18 Uhr)

Weitere Infos und Spezifikationen findet ihr unter hamburg.de/coronavirus

 

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Digitale Uni: Wie läuft das Studium im Homeoffice?

Paul, 28, ist Masterstudent an der Uni Hamburg. Neben seinem Studium arbeitet er im Kulturbereich und setzt sich zudem für Queer-Rights ein

Interview: Johanna Zobel

 

Uni-Extra: Paul, was hat sich im letzten Semester für dich geändert? 

Ziemlich viel. Mein kompletter Uni-Alltag, so wie ich ihn kenne, hat nicht mehr stattgefunden. Genauer heißt das: keine Mensa, kein Campus-Gefühl und der Austausch mit Kommilitonen und Kommilitoninnen lief über Skype und Co. Außerdem konnte ich Anfang des Semesters gar nicht und danach nur mit Zeitslots in die Bibliothek, daher habe ich meistens zu Hause in meiner Einzimmerwohnung gelernt.

Wie hast du auf Literatur zugegriffen ohne Bibliothek?

Ich konnte größtenteils mit Online-Artikeln arbeiten und hatte daher keine direkten Nachteile bei der Literaturrecherche. Bei Problemen und Fragen hatte ich allerdings keine Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen vor Ort, sondern konnte Uni-Personal nur telefonisch oder per Mail kontaktieren. Zum Ende des Semesters durften die Bibliotheken öffnen und es war wieder möglich, Bücher auszuleihen.

Wie war die Arbeitsumstellung für dich? 

Mir hat die ruhige Arbeitsatmosphäre in der Bibliothek gefehlt. Meine Wohnung ist sehr hellhörig und meine Nachbarn waren häufiger im Garten, wodurch es teilweise etwas lauter wurde. Zu Hause war daher nicht die perfekte Lernatmosphäre. Deshalb bin ich oft zu Freunden oder in Cafés, um zu studieren.

Und die Umstellung bezüglich der Kurse? 

Für mich war es ok. Zwar hatte ich Zoom zuvor noch nie benutzt, doch die Anwendung ist relativ simpel. Bei manchen Kursen ging das tatsächlich total schnell und hat auch gut geklappt. Bereits Mitte April haben die ersten Kurse online stattgefunden. Voraussetzung für das digitale Studieren sind eine gute Internetverbindung und ein gut laufender Laptop oder PC. Letzteres war bei mir nicht der Fall – mein Laptop ist leider nicht mehr besonders leistungsstark, weshalb ich teilweise Schwierigkeiten hatte. Eine Reparatur meines Laptops war zu dem Zeitpunkt nicht möglich, weil die zuständigen Geschäfte geschlossen hatten.

Wie sah dein Privatleben in der Zeit aus?

In der ersten Zeit der Corona-Pandemie war ich, wie viele andere Studierende auch, in meiner Heimat bei meiner Familie. Weil aber Museen, Konzerthäuser oder Kinos geschlossen waren, war ich häufiger draußen und habe mich nach den ersten Lockerungen dann auch viel mehr mit meinen Freunden im Park oder auf einen Spaziergang getroffen.

Hattest du auch weiterhin Kontakt zu deinen Kommilitonen?

Da ich am Ende meines Studiums stehe, habe ich bereits ein gutes Netzwerk mit anderen Studierenden aufgebaut, mit denen ich mich austauschen konnte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Studienanfänger und Studienanfängerinnen durchaus größere Problematiken hatten, weil sie schwieriger Kontakt aufbauen konnten.

Zurück zum Studium: Welche Vorteile ziehst du aus dem digitalen Studieren?

Auch wenn es zu Hause etwas lauter war als in der Bibliothek, so war ich doch zeitlich flexibler. Teilweise haben die Kurse nicht über Zoom stattgefunden, sondern über Videos, die zu jeder Zeit – auch mehrfach – angeschaut werden konnten.

Sind die Lehrformen und Programme einheitlich?

Die Umsetzung erfolgte nicht einheitlich. Das könnte daran liegen, dass es zum einen relativ schnell gehen musste und teilweise die nötige Technik bei den Professoren nicht vorhanden war. Einerseits gab es Kurse über Zoom, die mit festem Termin datiert wurden, andererseits gab es auch Vorlesungen, die aufgenommen und als Datei übermittelt wurden.

Hast du eine lustige Anekdote aus der Zeit parat?

Ja, tatsächlich: Direkt meine erste Zoom-Vorlesung war amüsant. Mein Dozent hat versehentlich eine Tasse Kaffee über seiner Tastatur entleert. Allein das sorgte schon für Schmunzler. Er ist schreckhaft aufgesprungen und holte ein Handtuch. Beim Aufwischen des Kaffees löste sich durch eine Schnelltaste ein Song von Andreas Gabalier aus, der lautstark abgespielt wurde.

Meinst du, jetzt mit deinen Erfahrungen, dass digitales Studieren die Zukunft ist?

Auf jeden Fall. Das digitale Studieren und Arbeiten hat definitiv Zukunft, nur braucht es natürlich etwas Zeit, bis es sich einpendelt. Außerdem müsste eine Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, dass auch die Studierenden mit geringen Ressourcen mit passendem technischem Equipment unterstützt werden.


Cover_SZ1020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2020. Das Magazin ist seit dem 27. September 2020 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Plädoyer für ein Grundrecht: Meinungsfreiheit

„Die Freiheit der Rede hat den Nachteil, dass immer wieder Dummes, Hässliches und Bösartiges gesagt wird. Wenn wir aber alles in allem nehmen, sind wir doch eher bereit, uns damit abzufinden, als sie abzuschaffen.“ Winston Churchill

Text: Markus Gölzer

 

Meinungen. Immer Meinungen. Kein Thema ist zu groß oder zu klein, als dass nicht irgendwer eine Meinung dazu hätte. Eine isst Königsberger Klopse dogmatisch nur mit Reis, ihr Freund schwört auf Kartoffeln. Nicht gerade beim Koran, aber doch bei der Kochkunst seiner Mutter. Der Maskengegner spreadet frei vor sich hin und versteht nicht, warum man ihm nicht seine Meinung lässt. Die anderen Fahrgäste im überfüllten Bus verstehen nicht, warum er das nicht versteht. Was alle Meinungen verbindet, ist, dass sie ein persönliches Werturteil sind. Ein ganz besonders wertvolles noch dazu, da es vom Grundgesetz geschützt ist.

Früher war alles einfacher. Auch die Meinungsbildung. Es gab nur eine Meinung – die der Herrschenden. Alles andere fiel unter die Zensur, bei der das Falsche schon im Begriff liegt. „Zensur“ leitet sich vom „Censor“ ab, einem hohen Beamten des Römischen Reiches. Der Censor führte die Volks- und Vermögenschätzung, den Census, durch und überwachte die guten Sitten. Er wollte hauptberuflich an das Geld der Leute. Was sie verzapften, war ihm egal, so lang es kein Schweinkram war. Auch wenn in der Antike nicht nach unseren Vorstellungen zensiert wurde, gab es keine Meinungsfreiheit. Es galt: Über den Kaiser macht man keine Witze. Wer anderer Meinung war, war es nicht lange. Er wurde hingerichtet. Wer im Verdacht stand, erst recht.

 

„Die freie Äußerung von Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte.“ Aus Artikel 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der französischen Nationalversammlung 1789

 

Jahrtausende lang hatten die Herrschenden immer recht, und wem würde das nicht gefallen? Dann kam mit der Französischen Revolution die Meinungsfreiheit. Und damit erst mal keine Erfolgsstory. Von Napoleon über Bismarck bis Hitler und Konsorten taten die Mächtigen alles, um der freien Meinung den Garaus zu machen. Beziehungsweise dem, der sie verbreitete. Erst mit Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949 wurde jedem zugestanden, zu allem seinen Senf dazuzugeben. Was für ein Fortschritt, nachdem man seit Menschengedenken ständig Gefahr lief, sich um Kopf und Kragen zu reden.

Es gibt wohl kein Grundrecht, das sich im Alltag so positiv bemerkbar macht wie die Meinungsfreiheit. Laut Verfassungsgericht ist das Wesensmerkmal einer Meinung, dass sie sich „nicht als wahr oder unwahr erweisen lasse“. Man kann meinen, was man will, seine Meinung ständig ändern. Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße, es herrscht brutaler Gegenverkehr. Man hat keine Meinung um der Meinung willen, man glaubt an sie und kämpft für sie.

Das Gespräch am romantischen Pärchenabend verläuft etwas zäh? Einfach ein altes Streitthema aufgreifen, und Unterhaltung ist garantiert. Ob man recht bekommt oder nicht – die Gegenargumente haben die eigenen geschärft. Auch wenn man in seinem Innersten natürlich weiß, dass man recht hatte. Das Einzige, was uns kahlrasierte Viecher vom Rest der Tierwelt unterscheidet, ist die eigene Meinung. Gedanken und Gefühle nicht aussprechen zu dürfen, ist unmenschlich.

Ohne Meinungsfreiheit kein Fortschritt: Der Mensch muss Standpunkte diskutieren und verwerfen dürfen, um voranzukommen. Das ist die Kraft der Wissenschaft. Wie schwierig muss die Erforschung des neuartigen Covid-19-Virus unter den Augen einer Öffentlichkeit sein, die immer zorniger endgültige Erkenntnisse einfordert. Eine neue Position ist kein Fehler. Eine zementierte schon. Aber was machen, wenn die andere Meinung so von der eigenen abweicht, dass es wehtut? Die Frontlinien der Hildmanns und Trumps dieser Welt laufen quer durch Familien. Hier kann man es mit Voltaires berühmtesten Zitat halten, dass nicht von ihm ist, aber immerhin von seiner Biografin Beatrice Evelyn Hall: „Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen kannst.“ Kontrovers-Kultur statt Cancel Culture! Allerdings nur so lange, bis der böse Ismus von Antisemitismus über Sexismus bis Rassismus ins Spiel kommt. Dann locker die Gelbe Karte überspringen, die Rote gezückt und Sperre. Oder sperren lassen durch ein offenes Wort mit der Personalabteilung. Hater können weg.


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Corona-Pandemie: Wie geht es der Hamburger Kultur?

Die Corona-Pandemie hat die Kulturlandschaft hart getroffen. Wie geht es weiter? Trotz Wiedereröffnung sind die Akteure zermürbt von Existensängsten. Zugleich kämpfen sie unermüdlich, damit es weitergeht. Eine Stimmung, zerrissen zwischen Optimismus und Verzweiflung. Vier Protagonisten aus der Szene berichten

Text: Ulrich Thiele

 

Überlebenskampf der Clubszene

Der Anblick des leeren Clubs versetze ihm jedes Mal einen Stich, sagt Constantin von Twickel beim Eintreten. Er setzt sich an den Tresen im Nochtspeicher, stellt zwei Wasserflaschen auf den Tisch und atmet erst einmal durch. Es ist brüllend heiß an diesem Freitagnachmittag, heute hat sich Twickel endlich mal einen Tag frei genommen. Er ist künstlerischer Leiter des Nochtspeicher und der Nochtwache und engagiert sich ehrenamtlich in den Vorständen des Clubkombinat Hamburg, einem Zusammenschluss von Clubbetreibern, Veranstaltern, Bookern und Agenturen, und der dazugehörigen Clubstiftung. Die letzten Wochen und Tage waren für ihn vollgepackt mit Gesprächen mit der Kulturbehörde und den Vorbereitungen für den September, wenn der Betrieb eingeschränkt wieder losgeht. Seinen ersten Corona-bedingten Ausfall hatte der Nochtspeicher bereits am 10. März.

Der britische Musiker und Autor Billy Bragg hatte seine Lesetour abgesagt. Am 13. März, also noch vor den behördlichen Anordnungen, stellte der Nochtspeicher freiwillig den Betrieb ein – wie so viele Clubs in Hamburg, die schon früh der Eindämmung des Virus höchste Priorität verliehen. „Wir kämpfen alle hart ums Überleben“, sagt Twickel. Der Nochtspeicher hat Glück im Unglück. Zum einen, weil die Hamburger Kulturbehörde schnell und engagiert auf die Krise reagierte. Zum anderen, weil er zu den förderberechtigten Clubs gehört, die die Corona-Soforthilfe der Kulturbehörde für anerkannte Live-Musik- Kulturstätten in Anspruch nehmen konnten.

Dafür mussten einige Kriterien erfüllt werden: Der Club musste unter anderem eine Mindestanzahl von vergangenen Veranstaltungen im Monat vorweisen und Gema-Zahlungen geleistet haben. Zwischen 50 und 60 Musikclubs erfüllen diese Kriterien, viele andere nicht. Selbst Clubs, die förderberechtigt waren, erhielten die Hilfe nicht, weil sie noch zu viele eigene Rücklagen hatten, die sie zuerst aufbrauchen sollten. Vergangenes Jahr hat der Nochtspeicher seit seiner Gründung 2013 zum ersten Mal überhaupt Gewinn gemacht. Der Club wurde also all die Jahre sowieso schon mit schmalem Budget betrieben, was hohen persönlichen Einsatz der Macher einforderte. Und viele Rücklagen konnte Twickel so natürlich nicht bilden, die wenigen sind inzwischen ohnehin aufgebraucht. Immerhin konnte er im Lockdown die laufenden Kosten um die Hälfte auf 20.000 Euro senken. Doch bereits im März konnte Twickel die knapp 30 Minijobber, die er beschäftigt und die nicht unter das Kurzarbeitergesetz fallen, kaum bezahlen. Denn innerhalb der ersten zwei Wochen des Lockdowns sind bereits 100 Veranstaltungen ausgefallen oder verschoben worden.

Sicherheitsabstand im Zuschauerraum vom Altonaer Theater. (Foto: Szene Hamburg)

Als die Behörde am 1. Juli die Verordnung zur Wiederaufnahme des Kulturbetriebs veröffentlichte, waren die Clubs davon noch ausgeschlossen. Ab dem 1. September dürfen auch sie einen reduzierten Betrieb aufnehmen. „Wir adaptieren das Szenario der Gastronomie“, erzählt Twickel. Eröffnet wird im Stil eines Jazzclubs, mit runden Tischen für vier Personen und Lämpchen. Rund 60 Gäste finden so Platz auf der 185 Quadratmeter großen Fläche. Es wird einen Tischservice geben, damit die Gäste nur aufstehen, wenn sie auf die Toilette müssen. Drei Konzerte sind unter diesen Bedingungen im September geplant, hinzu kommen Veranstaltungen im Rahmen des Reeperbahn Festivals. Irgendwas kann allerdings immer dazwischen kommen, je nach Lage. Momentan steigt die Zahl der Infizierten wieder. „Wir versuchen, das Unplanbare zu planen“, sagt Twickel. Das inkludiert auch Verschiebungen. Der geplante Ersatztermin im September für die Lesung von Billy Bragg musste abermals verschoben werden.

Dennoch: Bis zum 31.12. ist das Überleben gesichert, bis dann steht der Nochtspeicher unter dem Club-Rettungsschirm der Kulturbehörde. Der reduzierte Betrieb ab September wird über eine Fehlbedarfsförderung finanziert. Die Differenz zwischen den Kosten und den Einnahmen durch die Konzerte wird vom Staat übernommen, zu etwa 20 Prozent vom Land Hamburg, zu 80 Prozent aus Bundesmitteln. Insgesamt 1,5 Millionen Euro werden den förderberechtigten Clubs zur Verfügung gestellt. Auch wenn nicht viel erwirtschaftet werden wird, ist es dennoch eine Entlastung der staatlichen Töpfe. Und die ist notwendig, wenn man bedenkt, welche Ausgaben auf die Behörde zukommen. Es gibt beispielsweise Fördergelder für Clubs mit alten Lüftungsanlagen, damit sie ihre Räume pandemiegerecht umgestalten können. Bis zum 31. Oktober gibt es außerdem einen Topf für die Outdoor-Initiative, die das Clubkombinat und die Clubstiftung zusammen mit der Kulturbehörde erwirkt haben.

Aber es ist verworren, niemand kann gleichzeitig aus mehreren Töpfen Summen beziehen: Wer im September draußen Veranstaltungen macht und dafür eine Fördersumme bewilligt kriegt, kriegt nicht noch zusätzlich etwas für die Indoor-Veranstaltungen. So oder so: „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit“, sagt Twickel, irgendwann sind die Töpfe eben leer. Viele kleinere Läden werden vermutlich gar nicht erst öffnen, weil es für sie nicht lohnt, wenn nur für zehn Menschen Platz ist. Und nicht alle Clubs werden diese Krise überleben. „Da muss man gar nicht drum herum reden“, so Twickel. Manche wird es finanziell treffen, manche werden entkräftet hinschmeißen, vermutet er. Was in diesen Zeiten ganz deutlich wird, ist, wie verwoben die unterschiedlichsten Branchen miteinander sind. Es ist wie ein Ökosystem: Die Leute gehen erst ins Restaurant, dann zum Beispiel in den Nochtspeicher aufs Konzert und anschließend nebenan in die Washington Bar.

 

„Scheiße, jetzt geht’s an die Substanz“ (Constantin von Twickel)

 

Twickel fasst die Bedeutung für Hamburgs Szene in einem Bild zusammen: „Wenn etwas aus diesem Kreislauf wegfällt, dann ist das so, als würde ein Tintenfisch einen Arm verlieren, bis er sich irgendwann nicht mehr fortbewegen kann.“ Er glaubt, dass einige Bars und Kneipen nicht überleben werden, weil sie keine Unterstützung kriegen. Denn die Bars unterstehen nicht der Kulturbehörde, sondern der Wirtschaftsbehörde. Auch wenn die Kulturszene sich von ihrer Behörde unterstützt fühlt, das Überleben kurzfristig gesichert ist, kommen enorme Schwierigkeiten auf die Branche zu. Denn unwegsame Faktoren spielen auch eine Rolle:

Kommen im September überhaupt Besucher, oder sind die Menschen gehemmt? Und wie sollen sich langfristig überregionale Tourneen von Künstlern realisieren lassen? Braucht es nicht zusätzlich Alternativkonzepte? Twickel: „Ich habe schon überlegt, ob man Schulen tagsüber den Raum zur Verfügung stellen könnte.“ Schließlich hätten diese gerade das Problem, zu kleine Klassenräume zu haben. Aber auch da gäbe es viel bürokratischen Behördenaufwand, um eine Genehmigung zu erhalten. Überhaupt sei das Bürokratische bisweilen hemmend. Vor einigen Monaten sammelte die Clubstiftung in der Spendenaktion „Save our Sounds“ 174.000 Euro ein. Dafür brauchte sie zunächst eine Sondergenehmigung der Finanzbehörde, um die Spenden ausschütten zu können. Ansonsten hätte die Stiftung ihre Gemeinnützigkeit verloren.

„Das war heikel. Das Geld musste eingefroren werden, einen Teil hatten wir schon verteilt, das musste zurücküberwiesen werden.“ Inzwischen sind die Gelder von einem unabhängigen Gremium und nach einem Schlüssel verteilt worden. Für Twickel gilt, was für alle gilt: Das Berühmte auf Sicht fahren. Abwarten und hoffen, dass das Horrorszenario nicht eintritt. „Ein zweiter Lockdown? Dann wäre Schicht“, sagt er. Ob er noch einmal psychisch die Kraft aufbringen könnte, durch einen Lockdown zu gehen, bezweifelt er. „Wir hatten alle unsere Tiefs, ich auch“, sagt er, „Am Anfang war ich noch voller Tatendrang. Als ich aber gemerkt habe, dass die Krise länger andauern wird, habe ich schon gedacht: Scheiße, jetzt geht’s an die Substanz.“ Doch nicht nur Clubbetreiber haben es aktuell besonders schwer, auch die, die von der Veranstaltungsbranche abhängig sind wie Toningenieure oder Caterer.

Zermürbung in der Kreativwirtschaft

„Die Lage ist überaus desolat“, sagt Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft. „Hope is everywhere“, steht auf einer Postkarte, die neben der Tür im Konferenzraum der städtischen Einrichtung in der Hongkongstraße hängt. Seit 2010 ist sie eine wichtige Anlaufstelle für die Kreativen der Stadt. Individuelle Beratung, Vorträge und Workshops stehen unter anderem auf dem Programm, um ihre Belange zu fördern. „Unsere Klienten leiden unter zermürbenden Existenzängsten“, sagt Rühl. Gerade zu Beginn der Krise sei die Verunsicherung groß gewesen, weshalb die Kreativ Gesellschaft eine Service-Hotline einführte. Die Nachfrage war hoch. Von Mitte März bis Ende April wurden rund 500 Beratungsgespräche geführt. Die häufigsten Fragen: Wo kann ich den Antrag für die Soforthilfen von Bund und Ländern stellen? Wie erhalte ich eine Grundsicherung? Ich befinde mich noch in der Ausbildung – bin ich antragsberechtigt? Dabei wurden erste Probleme sichtbar, denn die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB), die für die Soforthilfen zuständig ist, fragte die Liquiditätsengpässe für die Monate März bis Mai 2020 ab.

 

„Der Staat hat enorm schnell und effektiv reagiert“ (Egbert Rühl)

 

Dabei erhielten viele Selbstständige in dieser Phase noch Zahlungen für kürzlich abgeschlossene Projekte. Der Corona-bedingte Engpass stand zu dem Zeitpunkt also erst noch bevor. „Grundsätzlich hat der Staat auf Bundes- und Landesebene enorm schnell und effektiv reagiert“, sagt Rühl. „In den Details sehen wir aber kritische Punkte.“ Einer dieser Punkte ist, dass Solo-Selbstständige und Freiberufler nur ihre Betriebskosten über den Rettungsschirm kompensieren können. Nicht aber ihr fehlendes Einkommen, dieses muss beim Arbeitsamt als Grundsicherung (Arbeitslosengeld II) beantragt werden. Das heißt: Solo-Selbstständige und Freiberufler können ihr Einkommen nicht geltend machen. „Wir haben unseren Klienten in den letzten zehn Jahren immer wieder gesagt, dass sie sich auch als Akteure des Wirtschaftslebens verstehen sollen“, sagt Rühl. Maler oder Schauspieler seien eben auch Unternehmer.

„Im Moment der Krise gibt die Politik ihnen aber zu verstehen, euer Einkommen ist keine Betriebsausgabe.“ Im Gegensatz zu Unternehmen, für die die Löhne der Angestellten zu den Betriebsausgaben gehören, also unternehmerisch bewertet und innerhalb der Rettungsmaßnahmen bezuschusst werden, rutschen Solo-Selbständige in das Sozialsystem, indem sie Grundsicherung beantragen müssen, um ihren Betrieb weiter fortführen zu können. Auch in Hamburg hieß es für Solo-Selbständige also von Anfang an: Betriebskosten aus den Rettungsschirmen, das eigene Einkommen aus der Grundsicherung – bei gleichzeitiger Senkung der Hürden zum Zugang zur Grundsicherung. In manchen Fällen können sogar die Mietkosten für die Wohnung über die Grundsicherung erstattet werden. „Es gab auch Hinweise von der Politik, dass man als Kreativer – wenn man geschickt ist – über die Grundsicherung mehr Geld bekommen kann, als wenn man seinen Unternehmerlohn in den Rettungsschirmen beantragt – das zeigt, dass die Programme zu Beginn noch nicht feinjustiert waren.“

Dennoch findet Rühl: „Grundsätzlich hat der Staat früh an Kreativselbstständige gedacht und es war gut, dass die Bürokratie versucht hat, das schnell umzusetzen. Dass die Dinge nicht immer bis zum Ende durchdacht sein können, ist eine unvermeidbare Kinderkrankheit.“ Dazu gehört auch zum Beispiel die „Mietstundung“. Der Senat verkündete: Wer Mieter eines städtischen Gewerbeimmobilienvermieters ist, kann seine Mieten bei diesem städtischen Vermieter stunden. Doch bei der Beantragung von Geldern aus dem Rettungsschirm, ist die Miete ein erheblicher Anteil davon. Also stellte sich die Frage, lieber die Miete stunden und nicht bei seinen Betriebskosten einberechnen? Oder sie nicht stunden, und diese im Rahmen des Rettungsschirms geltend machen? Zudem gab es eine Verordnung der Kulturbehörde, nach der zusätzliche Mittel von der Kulturbehörde nur dann bezogen werden können, wenn man seine Miete gestundet hat.

 

„Es gehört zur Natur der Kreativen, weiter zukämpfen“ (Egbert Rühl)

 

Inzwischen räume der Staat auf, die Programme würden ausdifferenzierter, auch auf Bundesebene. Auch stelle er jetzt Rückforderungen, weil im Nachhinein überprüft werde, ob alles ordnungsgemäß war, berichtet Rühl. „Ich nehme eine gewisse Verzweifl ung bei unseren Klienten wahr, und zugleich eine Bereitschaft , das irgendwie durchzustehen“, erzählt Rühl. „Aber es ist ungeheuer zermürbend.“ Die Zermürbung hänge auch mit der unsicheren Zukunft zusammen. Der Blick in die Zukunft reiche laut Rühl gerade mal von Woche zu Woche. Alles hängt davon ab, wie sich die Fallzahlen entwickeln und wann der Impfstoff flächendeckend bereitsteht. Eine Antwort darauf gibt es nicht, Prognosen sind reine Spekulation. Eine vorsichtige Prognose äußert Rühl aber doch: „Momentan ist der Tenor, dass wir das Virus eindämmen müssen – und das ist auch richtig, keine Frage. Aber es führt auf ökonomischer und künstlerischer Seite zu so massiven Verlusten, dass man über Alternativen nachdenken muss – wobei ich nicht weiß, wohin dieses Denken führt.“ In Richtung Herdenimmunität?

Rühl stöhnt ratlos auf. „Egal in welche Richtung das Denken geht, es wird sofort sehr schwierig. Man weiß nicht, wann oder ob der Impfstoff kommt. Niemand weiß es. Es ist ein Desaster“, sagt er und lacht. Gut, dass ihm das Lachen noch nicht im Halse stecken bleibt. „Es bleibt uns nichts anderes übrig“, meint Rühl. „Das ist schon eine fatalistische Haltung, denn diese Situation betrifft uns alle und es gibt niemanden, gegen den wir unsere Wut, so wir denn eine haben, richten können. Das Virus ist ja nicht menschengemacht.“ Im Grunde ist nichts sicher. Nur, dass ein weiterer Lockdown nicht passieren darf. Rühl: „Einen zweiten Lockdown für weitere drei Monate werden nur wenige überleben.“ Politisch stelle sich dann auch die Frage, inwieweit und wie lang ein Staat die Institutionen und Unternehmen noch über den Berg bringen kann, wenn sie selbst nichts einnehmen. Denn ewig kann die Subventionsmaschine nicht am Laufen gehalten werden.

„Wenn die Rahmenbedingungen wieder verschärft werden, verlieren alle die Perspektive“, erzählt Rühl. „Ich habe für diesen Zustand dann keine Begriffe mehr.“ Die Klienten seien zwar zermürbt, aber noch nicht so weit, dass sie Alles hinschmeißen wollen, denn „es gehört zur Natur der Kreativen, weiterzukämpfen und Alternativen zu entwickeln“.

Nach dem Stillstand geht am 3. September auch im B-Movie Kino der Betrieb wieder los. (Foto: Szene Hamburg)

 

Eine Dystopie für die Kinobranche

Auch die Kinobranche hat die Krise hart getroffen. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater spricht von einem Umsatzrückgang von 80 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Hans-Joachim Flebbe, Betreiber der ASTOR Film Lounge und des Savoy, macht aus der desaströsen Lage keinen Hehl: „Ich habe zwei Perspektiven für die Kinolandschaft im nächsten Jahr. Die eine ist schlimm, die andere ist ganz schlimm“, erzählt er am Telefon. Zunächst die schlimme: Flebbe geht davon aus, dass die Besucherzahlen sich um mindestens 25 bis 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2019 verschlechtern werden.

Die bisherige Benchmark lag in den vergangenen Jahren bei 120 Millionen Kinobesucher pro Jahr in Deutschland. Diese Zahl werde wohl nie wieder erreicht werden, befürchtet Flebbe. Im nächsten Jahr geht er eher von maximal 80 bis 90 Millionen aus. „Das wird für viele Kinos sehr eng, es sei denn, der Staat erklärt sich doch noch bereit, größere Kompensationszahlungen zu leisten.“ Flebbe betreibt deutschlandweit Kinos, die sehr unterschiedlich staatlich subventioniert werden. In Niedersachsen etwa sei bisher keine Hilfe gekommen, dem Kino fehle es schlichtweg an Lobbyarbeit: „Es herrscht eine Ungleichbehandlung, die mich wütend macht.“ Hamburg habe noch Glück, die Kulturbehörde zeige Verständnis und die Hansestadt gehöre zu den wenigen Bundesländern, die auf ihre Kinokultur Wert legen. Flebbe hat von der Kulturbehörde je 50.000 Euro Hilfe für die ASTOR Film Lounge in der HafenCity und das Savoy erhalten. Das ist zwar nur ein kleiner Ersatz für mehrere Monate Stillstand, die Verluste bleiben. Aber immerhin helfen die Summen, die Last der Fixkosten abzumildern.

Die Phase der Stilllegung hat länger gedauert als gedacht, und die Zuschauer kehren nicht in gleicher Form zurück wie vor der Krise, wie man derzeit sieht. Viele haben Angst, zudem ist die Filmauswahl überschaubar, was das Wiederanlaufen erschwert. Selbst die eingeschränkte Auslastung von 25 Prozent, die die Abstandregelung von 1,50 Meter erreicht, reicht nicht für ausverkaufte Vorstellungen. Die ASTOR Film Lounge in der HafenCity hat erst vor Kurzem geöffnet, da die Verluste unter diesen Bedingungen in geschlossenem Modus niedriger waren. Das Savoy hat mit Klassikern von Stanley Kubrick und Quentin Tarantino wieder eröffnet. Kostendeckend läuft das natürlich nicht, aber die Verluste seien überschaubar, sagt Flebbe. Der größte Einschnitt, der die Kinolandschaft langfristig prägen wird, liegt im Siegeszug der Streamingdienste, den die Corona-Krise vorangetrieben hat. Zugespitzt formuliert: Wer vorher noch kein Netflix-Abo hatte, hat spätestens jetzt eins. Dadurch wird der Druck auf die Kinos noch größer.

 

„Man muss demütig sein, angesichts der Lage“ (Hans-Joachim Flebbe)

 

Die Abstandsregelung führt dazu, dass die Verleiher andere Wege suchen, um ihre Filme zu vertreiben – eben Streamingdienste. Das habe Spätfolgen, denn wenn es gut funktioniert hat, werden sie weiterhin auf Streaming setzen, befürchtet Flebbe. Hinzu kommt die neue Hiobsbotschaft, dass das Universal Studio in Nordamerika dazu übergeht, das exklusive Auswertungsfenster der Kinos von drei bis vier Monaten auf 17 Tage zu reduzieren. Und damit wären wir bei Flebbes ganz schlimmer Prognose: „Ich befürchte, wenn das exklusive Fenster fällt, wird mindestens die Hälfte aller Kinos überflüssig und das Geschäftsmodell Kino „Man muss demütig sein, angesichts der Lage“ (Hans-Joachim Flebbe) wird sich auf wenige Premiumkinos reduzieren, die ein besonderes Ausgeherlebnis für Kinoliebhaber anbieten.“ Derzeit gebe es so viele Probleme, dass er von Baustelle zu Baustelle blicken müsse. Der erste Schritt muss laut Flebbe in der Reduzierung der Abstandsregelung für Kinos gelten, um den Verleihern genügend Kapazitäten für eine Kinoauswertung zu geben.

In Nordrhein-Westfahlen, Berlin und anderen Ländern wie der Schweiz, Österreich und Frankreich ist die Abstandsregelung für Kinos bereits auf einen Meter herabgesetzt. Damit ist zumindest eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent möglich, die das Kino für die Vertreiber wieder attraktiver macht. In Hamburg ist das noch nicht der Fall (Stand 21.8.2020). Die diesbezüglichen Gespräche mit Kultursenator Carsten Brosda liefen aber gut, berichtet Flebbe. Es gibt gute Gründe für eine Änderung der Regelung. Eine Untersuchung der TU Berlin hat ergeben, dass die Ansteckungsgefahr im Büro höher ist als im Kino. Die Charité hat diese Aussage bestätigt. Im Kinosaal ist die Ansteckungsgefahr gering, weil man in der Regel sitzt, nicht redet und es keinen Auswurf wie im Restaurant gibt. Nicht zu vergessen die Belüftungsanlagen, die so konzipiert sind, dass sie die Luft aus dem Kino gegen Außenluft austauschen. Zudem werden die Kunden im Kino durch Online-Systeme identifiziert.

Wenn also jemand das Virus bei einem Kinobesuch in sich getragen hat, ist dieser leichter zu identifizieren als in Restaurants, wo Gäste falsche Kontaktdaten angeben können. Ein anderer Hoffnungsschimmer, wenn auch nur ein kleiner, ist Christopher Nolans Blockbuster „Tenet“, der vermutlich viele Besucher anzieht. Flebbe rechnet mit einer Million Besucher, damit ist „Tenet“ aber der einzige Filme in absehbarer Zeit, der etwas höhere Zahlen generiert. Deswegen wird sich wohl auch jeder Kinobetreiber auf den Film stürzen. Das heißt, der Kuchen teilt sich auf viele Kinos auf. Flebbe zeigt den Film in der ASTOR Film Lounge zu verschiedenen Uhrzeiten in verschiedenen Sälen, damit er eine Kapazität erreicht, die der Verleiher sich wünscht. Eine Monokultur also, nicht optimal. Doch: „Man muss ja demütig sein, angesichts der Lage.“

 

„Ich bin durch und durch optimistisch“ (Axel Schneider)

 

Optimismus an den Theaterhäusern

Axel Schneiders Blick in die Zukunft ist weitaus heller. „Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ich nicht nur verhalten, sondern durch und durch optimistisch auf die nächste Saison blicke“, sagt er. Im September startet die neue Saison, für Schneider eine große Angelegenheit. Schließlich leitet er vier Privattheater in Hamburg, darunter die Kammerspiele und das Altonaer Theater. Ein Grund für seine gute Stimmung ist der Coup, den er für Letzteres landen konnte. Am 13. September feiert Ferdinand von Schirachs neues Stück „Gott“, in einer Inszenierung von Schneider selbst, Hamburg-Premiere. Wie schon in Schirachs „Terror“ fällt das Publikum am Ende ein Urteil. Schwerer Stoff, aber Schirach ist bekanntlich ein Publikumsmagnet. Schneider will bewusst keine vordergründigen Corona-Themen auf die Bühne bringen. Jetzt sei die Zeit, auch existenzielle Themen zu zeigen. In dem Stück „Die Kinder“ etwa, das am 6. September an den Kammerspielen Premiere feiert, geht es um einen Super-GAU an einer europäischen Küste.

Im Zentrum stehen die Fragen, welchen Preis die Zukunft für unseren heutigen Wohlstand zahlt und welche Verpflichtung wir gegenüber unseren Kindern haben. Natürlich hat das Stück durch die aktuelle Pandemie eine zusätzliche Komponente bekommen. Die Abstände, die auf der Bühne eingehalten werden müssen, seien bei den Proben eine Herausforderung gewesen. Es dürfe nicht verkrampft aussehen, die Maßnahmen mit ironischen Meta-Kommentaren zu unterlaufen, kommt für Schneider nicht in Frage. Der Sketch „Was man beim Bettenkauf beachten sollte“ von Loriot, den Schneider gerne im Altonaer Theater gesehen hätte, ist gar nicht erst umsetzbar – darin liegen vier Darsteller dicht an dicht auf Doppelbetten. Derzeit ist immer wieder von einer zweiten Welle die Rede.

Was ist, wenn es zu einer Rücknahme der Einschränkungen oder gar zu einem zweiten Lockdown kommt? „Das darf nicht passieren. Ganz einfach. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, meint Schneider. In der Theaterszene herrsche derzeit eine Aufbruchsstimmung, so Schneiders Eindruck. Auch wenn die kommenden Monate für kleinere Theater schwer werden dürften. Besonders dankbar ist er der Hamburger Kulturbehörde, die eine großartige Hilfe gewesen sei. Und dank des Kurzarbeitergeldes musste Schneider keinen seiner Mitarbeiter entlassen. Die Politik unterstützt die Theater in der Tat reichlich. Die abgesagten Privattheatertage, deren Initiator Schneider ist, werden im kommenden Juni in einer Doppelausgabe nachgeholt, der Bund und die Stadt haben die Finanzierung bereits gesichert. Hinzu kommt die Solidarität des Publikums. Viele Theaterbesucher hätten auf eine Rückerstattung verzichtet, berichtet Schneider. Nun gelte es, den Besuchern glaubhaft zu vermitteln, dass ihre Gesundheit gesichert ist, vor allem dem älteren Publikum, sagt Schneider und klopft drei Mal auf den Tisch.

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2020. Das Magazin ist seit dem 29. August 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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