Beiträge

Kick-Off Kultursommer: „Simsalabim – das ist ein geiles Ding!“

Auf dem Spielbudenplatz feierte Kultursenator Dr. Carsten Brosda zusammen mit Udo Lindenberg, Corny Littmann, Gästen aus der Kulturszene, musikalischen Live-Acts und dem Hamburger Publikum die Eröffnung des Kultursommers Hamburg 2021. SZENE HAMBURG war vor Ort und hat Stimmung und Stimmen festgehalten

Text: Isabel Rauhut | Foto: Andreas Hornoff | Video: Marc Westphal

 

Die Eröffnungsveranstaltung zum Kultursommer Hamburg auf dem Spielbudenplatz bereitete der Vielfalt der Kultur eine Bühne: Neben Ehrenbürger Udo Lindenberg und Theatermacher Corny Littmann, feierten auch der HipHopper Das Bo und die Jungs von Le Fly, Saxophonistin und Sängerin Stephanie Lottermoser, sowie die Alphornbläser:innen der Dresdener Sinfoniker zusammen mit Kultursenator Dr. Carsten Brosda den Neustart der Kultur nach Corona in Hamburg.

Durch den Abend führte Michel Abdollahi  – in Sakko, mit Einstecktuch und bewusst etwas übertrieben gekleidet, denn: „Wir sollten jetzt alle wieder ein bisschen mehr übertreiben“, so der Moderator und animierte das sitzende Publikum zu einem tosenden Applaus für die zahlreichen Größen der Hamburger Kulturszene, die das Kultursommer-Motto „Play out loud“ wörtlich nahmen.

 

„Wir sind entschlossen, wenn es darum geht, uns zu amüsieren!“

Musiker Bernd Begemann

 

Auch der geladene Musiker Bernd Begemann als prägende Figur der Hamburger Indie-Szene, freut sich auf vier Wochen Kultur pur und spricht über die Eröffnungsfeier als „Startschuss zu einer vielleicht wirklich guten Zeit“. Für Udo Lindenberg grenzt der Kultursommer an Zauberei und er freut sich auf „das geile Ding hier“. Lasset die Spiele beginnen!

Weitere Informationen gibt es auf unserem „Kultursommer“-Blog, den wir täglich mit Eindrücken von Veranstaltungen und Highlights im Rahmen des Kultursommers füllen.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Live und in vielen Farben: Das Reeperbahn Festival 2021 findet statt

Das 16. Reeperbahn Festival findet statt! Vom 22. bis 25. September 2021 gibt es wieder viele Kulturveranstaltungen rund um die Vergnügungsmeile

Text: Felix Willeke

 

Das 16. Reeperbahn Festival darf – auf Basis von aktuellen Corona-Entwicklungen – vom 22. bis 25. September 2021 stattfinden. Natürlich gibt es entsprechende Hygienekonzepte und Auflagen, aber das Line-Up steht zum großen Teil schon fest.

Auf rund 35 Bühnen, darunter die ARTE Concert Stage im Festival Village auf dem Heiligengeistfeld und drei Open-Air-Bühnen auf dem Spielbudenplatz, gibt es im September über 120 bereits bestätigte Live-Acts.

 

Erste Highlights

 

Bisher bestätigt sind unter anderem der österreichische Rapper Mavi Phoenix und die Indie-Kombo Fortuna Ehrenfeld aus Köln. Außerdem haben sich die niederländischen Indie-Elektroniker Weval II angekündigt, wie auch die Songwriter:innen Antje Schomaker und William Fitzsimmons.

2021 gibt es im Rahmen des Reeperbahnfestivals auch wieder Konzerte in der Elbphilharmonie. Neben den  Musikpreisgewinner:innen des ANCHOR Award von 2020, ÄTNA in gemeinsamer Sache mit der NDR Bigband, treten auf der Bühne des Konzerthauses am Hafen auch internationale Künstler:innen aus Südafrika und Australien auf. Der ANCHOR – Reeperbahn Festival International Music Award 2021 findet am 25. September im St. Pauli Theater statt.

Neben dem Besuch des Festivals können Musikfans auch auf die öffentliche Reeperbahn Festival-Streamingplattform zugreifen, wo Livestreams und Konzertaufzeichnungen digital abrufbar sein werden.

Neben dem Publikumsfestival gibt es auch wieder ein Programm für Fachbesucher:innen mit rund 100 Programmpunkten und 300 Sprecher:innen.

 

Seht hier das Musikvideo zu „Fck It Up“ von Mavi Phoenix:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Statements zum Kultursommer: „Wir sind wieder da!“

Mehr als 100 Hamburger Kulturkonzepte werden vom Senat im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“ ge­fördert. Wir haben acht ­Veranstalter gefragt, welchen Stellenwert die Unterstützung für sie beim Kultur-Neustart hat

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Marco Arellano Gomes

 

Kim Senger, Waldinsel Records

Das letzte Jahr durchzuhalten, war nicht einfach für die Kulturschaffenden auf und hinter den Bühnen. Umso mehr freue ich mich jetzt über die Förderung im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“. Sie ermöglicht es mir, mit insgesamt acht Bands an 16 Orten in Hamburg Laster-Konzerte zu veranstalten – an bekannten, aber auch an unerwarteten Orten. Sobald die Bezirke ihre Genehmigung gegeben haben, werden die Termine auf meiner Website veröffentlicht. Auch außerhalb des „Kultursommers“ gibt es viele Anfragen für Laster-Konzerte. Hoffen wir mal, dass wir die Pandemie bald überstanden haben und Kultur wieder ohne Einschränkungen möglich ist.

waldinsel.com

 

Johannes Kirchberg, Kulturhaus Süderelbe

Das Kulturhaus Süderelbe freut sich riesig, dass der Hamburger „Kultursommer“ uns einen Wiedereinstieg ins Kulturleben ermöglicht. So können wir ein kleines, feines Festival anbieten und nach Monaten der Kulturlosigkeit unserem Publikum wieder begegnen und die Türen öffnen. Ohne die Unterstützung Hamburgs und der Behörde für Kultur und Bildung wäre es uns schlicht nicht möglich gewesen, ein so vielfältiges Programm zusammenzustellen und auch zu betreuen. Dafür von Herzen unser Dank. Wenn jetzt noch jemand einen heißen Draht zum Wetter hat, damit auch alles unter freiem Himmel stattfinden kann, dann wäre das ganz prima.

kulturhaus-suederelbe.de

 

Dörte Inselmann, Stiftung Kultur Palast Hamburg

Der Lockdown war für uns wie für alle Kulturschaffenden eine harte Durststrecke, insbesondere, weil wir überwiegend mit Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen arbeiten. Umso mehr freuen wir uns jetzt, mithilfe von Neustart Kultur und dem Hamburger „Kultursommer“ sowie vielen weiteren Förderern unseren mittlerweile hamburgweit aktiven Kultur Palast wieder mit Leben zu erfüllen und etwas beizusteuern, dass diese Jugendlichen ihre Poten­ziale entfalten und mehr Bildungsgerechtigkeit erfahren können.

Die ganzen Sommerferien hindurch bieten wir unter dem Motto „Schönste Kulturaussichten“ zahlreiche Tanz-, Musik- und Gesangs-Camps für unterschiedliche Altersstufen an sowie ein vielfältiges Sommerprogramm für die Großen. Gleich nach den Ferien wird die Stadt eine Reise erleben, wie sie noch nie da war: Unser Musical „Planet Billstedt – a paradise for a better life“ sucht mit der jungen Generation nach Antworten auf die Frage „Wie wollen wir leben?“ Gestaltet wird das Stück an vier Standorten in Billstedt und Horn. Eine Reise in die Zukunft voller Ideen zu Klima, Diversität, mehr Grün in der Stadt und kultureller Vielfalt.

kph-hamburg.com

 

Claudia Mohr, Schroedingers

Wir freuen uns auf einen bunten Sommer voller kultureller Vielfalt, zauberschöner Momente mit fröhlichen Gesichtern und Lebensfreude auf und vor der Bühne in unserer wunderschönen grünen Oase unterm Fernsehturm. Kultur, im Besonderen Musik, ist ein fundamentaler Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.

Durch die strikten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie ist dieser Baustein fast vollständig weggebrochen aus dem Alltag der Menschen. Deswegen freuen wir uns umso mehr, durch jedes Konzert, jeden Künstler und jede Künstlerin – ob DJs, Autoren, Bands oder Komiker –, Stück für Stück ein wenig Leben und Lebendigkeit zurückzugeben und unsere Gäste, Künstler und Künstlerinnen wieder zurück ins Leben und mentale Gleichgewicht zu bringen.

Einen besonderen Dank möchten wir der Hamburger Kulturbehörde und unserem Kultursenator Carsten Brosda aussprechen, die uns Kulturspielstätten durch strukturelle Förderung am Leben erhalten haben und auch mit vielen Förderprogrammen den Neustart überhaupt erst wieder möglich machen.

schroedingers.hamburg

 

Peter Rautenberg, Goldbekhaus

Die Kultur und die Kultschaffenden in Hamburg und anderswo schienen vergessen. Nicht so wichtig, eben nicht systemrelevant. Vergessen werden kann diese Demütigung einer ganzen Branche nicht, aber sie kann verziehen werden. Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein erfreulicher Anfang und hilft der Kultur in Hamburg, ihr die Bedeutung zu geben, die sie verdient hat. Kultur ist unverzichtbar, gerade auch in Zeiten einer Pandemie. Jetzt kommen wir zurück, danke Kultur­behörde Hamburg!

goldbekhaus.de

 

Michael Frowin, Theaterschiff Hamburg

Der Kultursommer ist eine weitere großartige Initiative der Stadt Hamburg und ein sehr starkes Signal für den Neustart Kultur. Für uns als Theaterschiff bedeutet das, dass wir nicht nur vier Wochen früher in die nächste Saison starten, sondern auch eine Nachbarschaftsinitiative präsentieren können – gemeinsam mit der Katharinen-Kirche bringen wir verschiedene Künstler:innen und Gruppen auf unserer Bühne zusammen. Wir zeigen ein sehr buntes Sommerprogramm und rufen laut und fröhlich: Wir sind wieder da!

theaterschiff.de

 

Jana und Petja Pulkrabek, Move the North Festival

Wir glauben fest an die grenzüberschreitende Kraft von Kultur. Als Festival und Netzwerk möchten wir durch Austausch und Zusammenarbeit die nordischen Regionen zusammenwachsen lassen und neue Impulse setzen. Mit dem Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark entsteht eine neue Europäische Zukunftsachse und es ist wichtig, die Menschen über Kultur grenzübergreifend zusammenzuführen. Wenn die Wirtschaft der Motor einer Region ist, dann ist die Kultur ihre Seele.

Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein positives Zeichen und ein Bekenntnis an die freie Szene. Wir freuen uns sehr über unsere Kooperation mit Paul Glaser vom English Theatre of Hamburg. Mit „Hamburger Kultur InterNational“ präsentieren Move the North und ETH ein zweiwöchiges Kulturprogramm, das neben einem deutsch-skandinavischen Fokus auch global internationale Brücken nach Hamburg schlägt; in sommerlich entspannter Atmosphäre und kostenfrei. Das ist sehr dänisch!

movethenorth.com

 

Michael Conrad, Alabama Kino (rechts im Bild)

Der Impuls von der Kulturbehörde, mit dem Hamburger „Kultursommer“ auf die Krise der Kulturbranche zu antworten, finden wir richtig, denn es gibt einen riesigen Bedarf für eine solche Anschubhilfe. Wir werden mit dem Writers’ Room Lesungen im Rahmen des Programms „Tears for Ears“ anbieten, das sich mit dem Kino beschäftigt. Dann gibt’s noch eine Lesung aus einem Buch von Kinky Friedman, den Schriftsteller und Musiker aus der alternativen texanischen Country-Szene. Ein weiteres Highlight ist der Film „Domenica“ von Peter Kern über die berühmteste Prostituierte der Stadt, die sich um die Rechte der Prostituierten verdient gemacht hat. Zudem planen wir ein großes Kinderprogramm an den Wochenenden. Das wird richtig schön.

alabama-kino.de

 

Matthias Elwardt, Zeise Open Air

Wir freuen uns, mit dem Zeise Open Air beim „Hamburger Kultursommer“ vertreten zu sein. Es ist großartig, dass die Stadt mit dieser Aktion die Kultur unterstützt, zusammenbringt und fördert. Wir bieten direkt vor unserem Filmprogramm in Kooperation mit der Buchhandlung Christiansen Lesungen sowie ein Kinderprogramm an. Die Lesungen starten um 18 Uhr, das Kinderprogramm um 15 Uhr – unter freiem Himmel im Innenhof des Altonaer Rathaus. Unter anderem sind der Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber („Die Kanditatin“) und Kübra Gümüsay („Sprache und Sein“) mit dabei.

Bei Erfolg – und wenn das Altonaer Rathaus mitspielt – kann man das in Zukunft sicher weitermachen. Das Open-Air Programm bringt frischen Wind in die Literaturszene – und am Abend folgt dann großes Kino.

zeise.de

 

Manja Malz, Metropolis

Wir freuen uns sehr, auch in diesem Jahr den wunderschönen, denkmalgeschützten Innenhof des Museum für Hamburgische Geschichte im Rahmen des Sommernachtskinos bespielen zu können. Nach dem großen Publikumszuspruch im letzten Jahr und dem vielfachen Wunsch der Fortsetzung kuratieren wir erneut gemeinsam mit dem 3001 und dem B-Movie zehn Filmabende für das atmosphärisch sehr besondere Ambiente in der Museumskulisse.

Der Fokus liegt diesmal auf Stummfilmproduktionen der deutschen und internationalen Filmgeschichte, die zum großen Teil von Hamburger Musikern und Musikerinnen live vertont werden. Unsere Stummfilmkonzerte passen somit hervorragend zur Idee des Hamburger „Kultursommer“, Künstlern und Künstlerinnen aus Hamburg (wieder) eine große Bühne zu bieten.

Wir hoffen sehr, dass wir mit den Stummfilmnächten zeigen können, dass diese Kunst- und Erzählform auch 90 bis 100 Jahre später noch überraschend modern sein und begeistern kann. Und natürlich freuen wir uns insbesondere auf das Filmschauen in Gemeinschaft – was sicherlich eine Renaissance und eine ganz neue Konzentration erfahren wird.

metropoliskino.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Das Nachtleben impft

Selten war eine Gästeliste so begehrt, wie die des Hamburger Impfzentrums. Wer es bis ins Innere geschafft hat, berichtet häufig von der guten Stimmung. Neben dem schützenden Piks, sind dafür vor allem die Mitarbeitenden verantwortlich. Weil das Nachtleben noch immer brachliegt, stammen viele von ihnen aus der Veranstaltungs- und Clubszene

Inteview & Fotos: Ole Masch

 

David Asante (AsanteBoM3Beat/Asante Jr.)

Seit Mitte März im Impfzentrum, seit ungefähr vier Jahren in der Musik tätig

David Asante hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

 

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Ich bin Produzent, aber dann kam Corona und bei mir lief es nicht mehr so gut. Viele meiner Freunde arbeiten im Impfzentrum und ich habe mich ebenfalls beworben, um ein Teil des Projektes und Fortschritt in Hamburg zu sein.

Welche Aufgabe im Impfzentrum?

Ich bin Teil des Care-Teams. Unsere Aufgabe ist es, dass die Impflinge sich gut bei uns fühlen.

Schönste Impfzentrum-Anekdote?

Wahrscheinlich der Tag, an dem ich meine Lehrer aus meiner alten Schule getroffen habe. Ich gehe stark davon aus, dass keiner von uns gedacht hätte, dass wir uns im Impfzentrum wieder sehen werden.

Seit wann im Musikbereich?

Seit drei bis vier Jahren. Ich bin ein Producer aus Hamburg mit ghanaischen Wurzeln. Ich bin derzeit ein Teil von BpMusic, GFG und RapWoo und habe schon mit Artists und Produzenten wie ManLikeStunna (GFG), Jaij Hollands, Moris Beat, Brasco, Mark Griffin & Yunees Mocro und Daimzy (BP MUSIC), Kwontlose und vielen mehr gearbeitet.

Welche Aufgabe hast du dort?

Ich kümmere mich um die Produktion der Beats, sprich von den Drums bis zu den Melodien und zunehmend derzeit auch um den Mix & Master.

Was vermisst du am meisten an dieser Aufgabe?

Die Gruppen-Sessions und die Trips. Bei den Gruppen-Sessions kann man am kreativsten arbeiten. Da hat jeder seinen eigenen Input und am Ende hat man einen geilen Track. Die Trips waren gut für mich, um Inspiration zu kriegen und mit Leuten, die man zufällig trifft, zu connecten.

Machst du nach den Einschränkungen damit weiter?

Definitiv! Ich hatte Zeit an mir selber zu pfeilen und meine Pläne zu schmieden. Die Reise beginnt für mich wieder.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Gerade wird die erste Season von „UNSEEN“ gedroppt. Daran habe ich mit Lionel Sam und Kwontlose schon länger gesessen. Des Weiteren freue ich mich auf meine Releases mit meinen Artists und eventuell einen eigenen Track.

 

Romy Paul (Aurel)

Seit Mitte März im Impfzentrum, seit zwei Jahren im Nachtleben

Romy Paul hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

 

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Ich habe es von Freunden erfahren und dachte mir, wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann, dass sich die Situation ändert, dann mach ich das.

Welche Aufgabe hast du dort?

Care-Team. Der Bereich war zu Anfang dafür zuständig, die etwas Unsicheren von A nach B zu begleiten, nun machen wir alles was anfällt.

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Barkeeperin im Aurel.

Was vermisst du am meisten?

Mit Menschen interagieren zu können, ohne Angst …

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Selbstverständlich – am liebsten ab sofort!

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Wie wir über das letzte Jahr gelernt haben, ist nichts kalkulierbar. Auf Grund dessen lasse ich es auf mich zukommen und freue mich wieder hinter dem Tresen zu stehen.

 

Felix Mörl (DJ SMUT/Uebel & Gefährlich/Audiolith)

Seit Mitte Februar im Impfzentrum, seit 2004 im Nachtleben

 

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Die anhaltende Pandemie und aussichtslose Entwicklung der Veranstaltungs- und Gastrobranche hat zu einer temporären Umorientierung geführt. Die Möglichkeit etwas zu machen, was zu einer positiven Entwicklung unserer Lage beiträgt, hat mich motiviert. Auch fand ich den Gedanken Menschen in einer von Entbehrung und Isolation geprägten Zeit etwas Positives zu vermitteln schön und erfüllend.

Welche Aufgabe hast du dort?

Vom Springer über Cluster Koordination bis zur Leitung des Care-Team (mit Florian, Anna und Laura).

Schönste Anekdote?

„Haben Sie eine Oma, wenn nein – darf ich Sie adoptieren?“ Viele Ü80-Impflinge haben wahrscheinlich selten so einen freundlichen Kontakt zur jüngeren Generation gehabt und mit Glück, wird das etwas sein, woran sie sich die letzten Jahre ihres Lebens erinnern. Die Jugend ist nicht schlecht!

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Unter anderem Booker im Uebel & Gefährlich, Artist-Care Dockville, Spektrum/Vogelball, Garbicz, Habitat Festival und andere.

Was vermisst du am meisten?

Den Pragmatismus, die Spontanität und den Blick in glückliche, verschwitzte und hypnotisierte Gesichter.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Klar! Sobald es geht und so langsam nimmt es Fahrt auf. Club-Veranstaltungen dann, wenn es Full Flavour weitergeht – 2022.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Einen soften oder auch harten Return in meinen Job. Glück geben, Glück erleben.

 

Teresa Hähn (Pfund&Dollar/Dschungel/Act Aware e.V.)

Seit Februar im Impfzentrum. Seit 2015 im Festivalbereich. Schon immer an diversen Tresen

Teresa Hähn hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

 

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Es war ein Sommer mit diversen Jobs auf Festivals geplant. Natürlich wurde alles abgesagt. Als ich hörte, dass sich hier die halbe Hamburger Veranstaltungs-Szene tummelt, habe ich mich sofort beworben.

Welche Aufgabe hast du dort?

Ich bin eine der Koordinator*innen des Care-Teams.

Schönste Anekdote?

Hier arbeitet mindestens ein*e Kolleg*in aus jedem Veranstaltungsjob, den ich je in Hamburg gemacht habe.

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Auf Festivals: Produktion, Crew-Koordination, Kunstvermittlung oder Radlader fahren. Außerdem arbeite ich hinterm Tresen vom Dschungel St. Pauli, schreibe mit meinem Verein Act Aware e. V. Awareness-Konzepte für Veranstaltende und betreibe mit ein paar Leuten die Galerie Pfund&Dollar mit angeklinktem Label für experimentelle Musik.

Was vermisst du am meisten?

Ich liebe es, in einer tollen Crew intensiv an einem Projekt zu arbeiten und am Ende viele leuchtende Augen und glückliche Menschen zu sehen.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Ob ich damit weitermache stand nie in Frage. Dafür brenne ich viel zu sehr für alles, was mit Nachtleben, Veranstaltungen und Kunst zu tun hat.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Im Dschungel geht es ab sofort weiter, mein Awareness-Projekt konnte die ganze Zeit digital weiterlaufen und in der Galerie Pfund&Dollar starten wir ein einmonatiges Programm im Rahmen des „Kultursommers“ der Stadt.

 

Jakob Seidensticker (Wareika/We R The Aliens)

Seit Anfang März im Impfzentrum, seit circa 1998 im Nachtleben

Jakob-Seidensticker-credit-Ole-Masch

 

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?

Ich hatte keine Lust auf weitere Corona-Hilfen zu hoffen und als ich hörte, dass es Bedarf im Impfzentrum gab, dachte ich, ich bewerbe mich direkt.

Welche Aufgabe hast du dort?

Ich kümmere mich um alle Belange der Menschen. Gerade die Älteren sind häufig ein wenig eingeschüchtert, wenn sie die große Halle mit den langen Wegen und die vielen Menschen sehen. Im Gespräch kann man viele Ängste nehmen.

Schönste Anekdote?

Zu sehen, dass viele Menschen gerade während Corona sehr alleine sind, macht schon traurig. Es gab sehr viele Momente, wo ich mich persönlich austauschen konnte und merkte, wie sehr diese sich mir gegenüber öffneten. Wann spricht man schon mal mit völlig fremden Menschen über die Freuden und das Leid des Lebens?

Deine Aufgabe im Nachtleben?

Ich bin DJ, spiele mit Henrik Raabe & Florian Schirmacher als Wareika live weltweit auf unterschiedlichen Bühnen, habe jahrelang selbst Partys veranstaltet.

Was vermisst du am meisten?

Mit Freunden und auch unbekannten Menschen zu sprechen, zu tanzen, zu weinen und zu trinken! Und das Reisen in vermeintlich ganz andere Kulturkreise, um festzustellen, dass sich Menschen doch recht ähnlich sind.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?

Ja klar! Zum Glück melden sich bereits einige Veranstalter bei uns und das macht mich wirklich sehr froh.

Welche Pläne hast du für den Sommer?

Ich werde noch ein wenig im Impfzentrum unterstützen und dann wieder in meine alte Tätigkeit reingleiten, um mit der Musik meinen Lebensunterhalt verdienen.

 

Romina Tiedtke (Froggys)

Seit Mitte März im Impfzentrum, seit 2017 im Nachtleben, parallel zum Studienbeginn

Romina Tiedtke hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Die Studentin Romina Tiedtke war vor ihrer Zeit im Hamburger Impfzentrum Barkeeperin in Eimsbüttel © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Ich habe zu dem Zeitpunkt mit dem Gedanken gespielt, mein Studium für ein Semester zu pausieren. Dann stieß ich über Social Media auf die Stellenanzeige und hatte einen spontanen Impuls, dass das für den Moment genau das Richtige sein könnte. Spontan beworben, spontan vorgestellt und spontan ein Angebot für das Feel-Good-Team bekommen. Ich folge gerne solchen Impulsen und bin sehr dankbar über den Job und über die tollen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.

Welche Aufgabe hast du dort?
Ich versorge Kolleg*innen mit allem was das Herz begehrt: Snacks, kühlen Getränken und einer Prise guter Laune – im Prinzip ein bisschen das, was ich vor Corona auch gemacht habe.

Schönste Anekdote?
Ich habe gemerkt, wie faszinierend ich von dieser Parallelgesellschaft bin. In meinem „Tanzbereich“ gibt es recht viele Schnittmengen zum „echten“ Leben. Zum Beispiel ein DJ, der bei uns im Lager die „Tanzfläche“ leerfegt – nur eben in einem anderen Kontext.

Deine Aufgabe im Nachtleben?
Ich bin Barkeeperin in der Eckkneipe Froggys in Eimsbüttel.

Was vermisst du am meisten daran?
Unsere Gäste, den Kontakt zu den Menschen, ihre Geschichten, die Geschichten, die diese Kneipe schreibt. Wir sind ein sehr familiäres Team, haben viele Stammgäste und ich freue mich über jeden neuen Menschen, der diese Kneipe kennen- und lieben lernt. Ich bin Barkeeperin aus Leidenschaft, ich bin gerne Gastgeberin und gehe häufig nach Feierabend nicht sofort nach Hause. Es ist mein zweites Zuhause.

Machst du nach den Einschränkungen weiter?
Auf jeden Fall. Wir haben unseren Außenbereich bereits wieder geöffnet und ich freue mich, dass es endlich wieder losgehen kann.

Welche Pläne hast du für den Sommer?
Bisher habe ich noch nichts Konkretes geplant, aber im „Urlaubssemester“ auch mal ein bisschen Urlaub zu machen, wäre schön. Und vielleicht ein kleines Festival besuchen und mal wieder ein bisschen tanzen.

 

Roman Adam (Bildet mit Jörg Wittekindt das DJ-Duo Kuestenklatsch)

Vom ersten Tag im Impfzentrum, seit über 20 Jahren DJ und Veranstalter

Roman Adam hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Roman Adam ist Teil des Venue Managements im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

 

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Über den ganz normalen Bewerbungsweg Mitte Dezember. Die Stellenausschreibung wurde online gestellt und einen Tag später hatten wir gleich unser Vorstellungsgespräch.

Welche Aufgabe habt ihr im Impfzentrum?
Ich arbeitete im Venue Management und bin zuständig für die gesamte Warenwirtschaft im Impfzentrum. Von der Warenannahme, über die Logistik bis hin zur Koordinierung der Verteilung. Jörg, der zweite Teil von Kuestenklatsch, ist Koordinator in der Dokumentation sowie im Impf-Cluster. Die Dokumentation ist die letzte Instanz vor der Übermittlung der Daten an das RKI. Hier wird alles auf Richtigkeit geprüft, bevor die Daten weitergeleitet werden. Als Cluster Koordinator ist er für eine reibungslosen Ablauf und dem Zusammenspiel aller Gewerke im Impfcluster zuständig.

Schönste Anekdote?
Der Moment, wenn man das erste Mal die ganzen Leute im Impfzentrum gesehen hat, die du sonst aus dem Nachtleben kennst. Zum Beispiel der Türsteher der sonst grimmig an der Clubtür steht und hier im Impfzentrum die Impflinge freundlich empfängt und ihnen den Weg weist. Das aber wohl schönste Beiwerk am Impfzentrum ist, dass man so unfassbar viele unterschiedliche Menschen über die letzten Monate kennengelernt hat.

Aufgabe im Nachtleben?
DJ und Produzenten Duo im Tech-House Bereich.

Was vermisst ihr am meisten?
Das Auflegen vor Menschen und die Energie die während der Sets zwischen uns und den Gästen entsteht. Am allermeisten jedoch ist es das direkte Feedback der Gäste, das Jubeln und Applaudieren, die dunklen Clubs, die laute Musik, feiernde und tanzende Menschen – einfach das gesamte Club-Feeling. Das kann dir kein Stream geben.

Macht ihr nach den Einschränkungen weiter?
Ja klar! Wir haben nie aufgehört während der Pandemie. Ganz im Gegenteil, wir haben die Zeit genutzt und haben uns förmlich ins Studio eingeschlossen. Wir haben uns die Finger wund produziert und das Jahr 2020 mit 62 offiziellen Track Releases abgeschlossen. Dazu haben wir unser Label weiterhin vorangebracht und uns einfach jeden Tag mit unserer Musik beschäftigt

Welche Pläne habt ihr für den Sommer?
Sehr viele ehrlich gesagt. Wir sind gerade mitten in der Umbenennung unseres Künstlernamens. Der Name Kuestenklatsch hat uns nun lange begleitet. Da wir aber hauptsächlich auf internationalen Labels releasen und auch sehr viel im Ausland spielen, macht ein international verständlicher Name einfach Sinn für die kommenden Jahre. Momentan drehen wir gerade mit einem kleinen Film-Team eine kurze Documentary über uns, in der es um die Umbenennung geht. Mitte Juli soll es dann so weit sein und dann wollen wir den neuen Projektnamen launchen.

 

Philipp Wolgast (Such A Saint)

Seit Ende März im Impfzentrum, seit 1988 im Nachtleben

Philipp Wolgast hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Philipp Wolgast ist Teil des Care-Teams im Hamburger Impfzentrum und war vorher DJ © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Mein lieber Freund Jakob Seidensticker erzählte mir, dass er dort anfängt. Dann habe ich mich flux auf der Seite jobs.hamburgimpft.de beworben. Als kreativer Nachtschaffender kam mir diese Gelegenheit gerade recht.

Welche Aufgabe hast du dort?
Ich gehöre zum sogenannten Care Team, dessen Aufgabe es ist, für einen angenehmen und reibungslosen Aufenthalt der Impflinge zu sorgen. Ich selbst stehe allerdings vor allem am Ausgang, um die Leute sanft vom Gelände zu geleiten.

Schönste Impfzentrum-Anekdote?
Das Kennenlernen einer 106-jährigen Dame, die ich begleiten durfte. Sie hatte eine Menge zu erzählen, kam dort ganz allein, ohne Unterstützung, angewackelt, und hat mein Herz im Sturm erobert. Ich habe – wieder einmal – erfahren, wie wichtig es ist, Respekt vor älteren Leuten zu haben. Wenn ein solches Maß an Lebenserfahrung mit einem klaren Geist gekoppelt ist, dann können Leute wie ich einfach nur noch zuhören.

Welche Aufgabe im Nachtleben?
DJ, Live-Act, Veranstalter

Was vermisst du am meisten an dieser Aufgabe?
Die Aufgabe selbst. Hier ins Detail zu gehen, würde den Rahmen sprengen.

Machst du nach den Einschränkungen damit weiter?
Ich habe mich bereits eine Weile vor Corona umorientiert und eine Ausbildung zum Sozialtherapeuten absolviert. In diesem Beruf arbeite ich allerdings leider zum Mindestlohntarif, was ein Auskommen quasi unmöglich macht. Wie es mit dem Künstlerdasein für mich weitergeht, kann ich zurzeit noch nicht sagen. Aber wirklich aufhören, ein Künstler zu sein, tut ein Künstler nie.

Welche Pläne hast du für den Sommer?
Ich werde mich, nach dem Job im Impfzentrum, erst einmal in die Schweiz zu meinen Kindern begeben. Alles weitere steht in den Sternen.

 

Tito (Elbrausch Equipment)

Vom 17. Mai bis 13. Juni im Impfzentrum, seit 2005 im Veranstaltungsbereich

Tito hilft im Hamburger Impfzentrum © Ole Masch

Tito half im Warteraum des Hamburger Impfzentrums © Ole Masch

Wie kam es zur Arbeit im Impfzentrum?
Hartz 4 war nicht genug und der Job war vor der Tür

Welche Aufgabe hattest du dort?
Warteraum-Aufsicht

Schönste Anekdote?
Das digitale Impfzertifikat kommt mit der Post

Deine Aufgabe im Nachtleben?
Lautsprecherverleih und Veranstaltungsmanagement

Was vermisst du am meisten?
Laute Musik, das Gefühl von gelebter Freiheit, kreative neue Menschen

Machst du nach den Einschränkungen weiter?
Auf jeden Fall! Ich setze mich für die Aufhebung des Tanzverbots ein, am 19. Juni fanden dazu in zehn Städten Demonstrationen statt.

Welche Pläne hast du für den Sommer?
Ich werde Open-Airs veranstalten.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Kinoeröffnung: Licht aus, Film ab!

Endlich: Die Hamburger Kinos öffnen. Ab dem 1. Juli knistert, knallt und kracht es wieder auf der großen Leinwand. Selten gab’s so viele gute Filme auf einmal zu bestaunen. Highlights sind die Oscar-Gewinner „Nomadland“ und „Der Rausch“. Die Kinobetreiber freuen sich und zählen auf die Treue des Hamburger Kinopublikums

Text: Marco Arellano Gomes

 

Laaaaaaaang hat’s gedauert. Seit Anfang November 2020 waren die Filmtheater geschlossen, die Säle blieben dunkel, die Filmliebhaber zu Hause. Nun ist es soweit: Die Kinobetreiber öffnen – voller Vorfreude und mit jeder Menge guter Filme.

Durch die Einführung des Schachbrettmusters stehen mehr Plätze zur Verfügung als zuvor. Die Auslastung der Säle kann dadurch in aller Regel auf etwa 50 Prozent (statt bislang 30) erhöht werden. Das ist ein deutlicher Gewinn zu den Bedingungen im vergangenen Sommer, als die Kinos für wenige Monate öffneten. Auch Getränke und Popcorn dürfen in diesem Jahr verkauft und verzehrt werden. Hierzu darf, wie die Behörde für Kultur auf Anfrage mitteilte, „kurzzeitig die Maske abgenommen werden“. Grundsätzlich bleibt es aber bei der Maskenpflicht in Innenräumen.

 

Gemeinsam statt einsam

 

Wie dem auch sei: Eine Aufbruchsstimmung macht sich breit. „Endlich wieder Kino!“ – nach all den Monaten der Entsagung. Endlich wieder Filme mit bestem Ton auf der großen Leinwand. Gemeinsam statt einsam. Die Kinobetreiber sind optimistisch bis euphorisch. Fleißig haben sie ihre Programme zusammengestellt, um dem Publikum ein unvergleichliches Filmerlebnis zu bieten. Ein Großteil von ihnen öffnet am 1. Juli ihre Tore (3001, Abaton, Alabama, ASTOR Film Lounge, Cinemax Dammtor, Wandsbek, Harburg, Magazin, Passage) – andere wollten nicht so lange warten und öffneten bereits am 17. Juni (Studio Kino, UCI-Multiplexe in Wandsbek, Othmarschen Park und Mundsburg), am 18. Juni (Metropolis), am 19. Juni (B- Movie), am 22. Juni (Zeise Kinos), am 24. Juni (Savoy Filmtheater mit den Fantasy Filmfest Nights) und am 30. Juni (Koralle). Hamburg ist eben vielfältig – auch was die Öffnungstage angeht.

Die Kinos müssen wie eh und je die bekannten Hygienekonzepte aufbieten: Desinfektionsmittel müssen bereitstehen, Abstand gewahrt und die Gäste mit ihren Kontaktdaten erfasst werden. Zusätzlich muss jedoch ein aktueller negativer Corona-Test oder der Nachweis einer Impfung beziehungsweise Genesung erbracht werden. Die Masken dürfen – wie erwähnt – auch im Saal nicht abgenommen werden, mit Ausnahme der Nahrungsaufnahme. Auf die Rückfrage, wie man sich das genau vorzustellen habe, sagte ein Kinobetreiber scherzhaft: „Na ja, wenn einer den ganzen Film lang an seiner Flasche nuckeln möchte, kann man wohl schwerlich etwas dagegen machen!“

 

„Filme genießen, statt sie bloß zu streamen“

Matthias Elwardt, Zeise Kinos

 

Christine Berg, Vorstandsvorsitzende vom Hauptverband Deutscher Filmtheater e. V. (HDF), wies immer wieder darauf hin, dass sich der Betrieb der Filmtheater ohne den Verkauf von Getränken und Popcorn in den meisten Fällen nicht lohne. Angesichts der effektiven Belüftungsanlagen, des Impffortschritts und der bundesweit sinkenden Infektionszahlen sei die Maskenpflicht Frau Berg zufolge ohnehin schwer nachvollziehbar. Mit dem Kompromiss können viele der Betreiber aber leben. Nun geht es darum, „die Filme zu genießen, statt sie bloß zu streamen“, sagt Matthias Elwardt von den Zeise Kinos.

Das sieht auch die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein so. „MOIN – Die erste Runde geht auf uns“ ließ diese am 15. Juni wissen und kündigte eine große Freikartenaktion zur Kinowiedereröffnung an. 16 Kinos in Hamburg machen mit. Der Eintritt ist in allen teilnehmenden Häusern am ersten Juliwochenende – von Donnerstag bis Sonntag für eine Vorstellung ausgewählter Filme frei. „Werft das Popcorn in die Höhe, die Kinos öffnen wieder!“, sagte Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung. Ab sofort heißt es wieder: „Runter von der Couch – ab ins Lieblingskino ums Eck!“ so Albers.

 

„Bestes Filmangebot seit Jahren“

Felix Graßmann, Abaton Kino

 

An Filmangeboten mangelt es beim diesjährigen Kinostart nicht: Zwar lassen Blockbuster, wie der bereits dreimal verschobene neue Bond-Film „007 – Keine Zeit zu sterben“ (derzeitiger Starttermin: 30.9.), noch auf sich warten, doch mit den diesjährigen Oscar-Gewinnern „Nomadland“ (Bester Film und Beste Regie) sowie „Der Rausch“ („Bester nicht-englischsprachiger Film“) stehen gleich zwei Hochkaräter in den Startlöchern. „Das ist das beste Filmangebot seit vielen Jahren“, sagt Felix Graßmann, Leiter des Abaton. „Noch nie war es so einfach, das Programm mit guten Filmen zu füllen. Da hat sich richtig was angestaut.“ Im Juli starten unzählige Filme, die darauf warten, im Kino entdeckt zu werden. Filme die verzaubern, erstau- nen und zum Nachdenken anregen.

 

Aufgehübscht

 

Das Kino muss seine Ausnahmestellung nun unter Beweis stellen. Das wissen die Betreiber in Zeiten des Streaming nur zu gut. Viele von ihnen haben die vergangenen Monate genutzt, um ihre Lichtspielhäuser aufzuhübschen und hochzurüsten. Die Zeise Kinos und das Blankenese Kino ließen nigelnagelneue Soundanlagen mit Dolby 7.1.-Sound der neuesten Generation in ihren Hauptsälen einbauen, das Hansa-Filmstudio in Bergedorf ließ in seinen Toiletten Türen anbringen, auf denen Filmikonen wie Marylin Monroe, Julia Roberts oder Harrison Ford abgebildet sind. Die Kinobetreiber-Familie Jansen hat für alle ihre Kinos (Blankeneser Kino, Studio-Kino, Elbe-Filmtheater und Koralle) neue und modernisierte Websites entwickelt.

„Die Wiedereröffnung bringt uns ein grundsätzliches Gefühl der Freude und ermöglicht emotionale Gemeinschaftserlebnisse vor der großen Leinwand“, sagt auch Hans-Joachim Flebbe, Betreiber der ASTOR Film Lounge und des Savoy. Einen gewissen Groll aufgrund der Ungleichbehandlung hegt er aber noch: „Wir waren die Ersten, die schließen mussten und sind die letzten, die wieder an den Start gehen. Noch einmal wollen wir dies nicht erleben müssen – zumal Kinos immer sichere Orte sind und waren.“ Jetzt heißt es nach vorne schauen und große Emotionen auf der großen Leinwand ermöglichen: „Unser ASTOR wird wie zuvor auch ‚gehobenen Mainstream‘ anbieten. Wir freuen uns, wenn sich das Publikum dazu wieder in den bequemen Sesseln von unserem Team verwöhnen lässt.“

Das Metropolis, das 3001, das Magazin Filmkunsttheater und das B-Movie wiederum bieten ihre kuratierten Filmklassiker und Filmperlen, die ihre Leidenschaft für die Filmkunst und Filmgeschichte zum Ausdruck bringen. In Hamburg gibt es eben für jeden Filmgeschmack ein passendes Angebot. Das macht den Reiz der Kino-Stadt Hamburg aus. „Die Leute haben keine Lust mehr aufs Alleinsein“, so Hans-Peter Jansen. Sohn Nick Jansen, Geschäftsführer und Leiter des Studio-Kino, freut sich auf den Neustart. „Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man ein neues Kino eröffnen. Eine Mischung aus Aufregung, Anspannung und Vorfreude.“ Das Studio-Kino öffnete als eines der ersten, dicht gefolgt von den Zeise Kinos. „Filme sind für die große Leinwand gemacht“, sagt Zeise-Chef Matthias Elwardt. „Wenn man sich die Kameraaufnahmen in ‚Der Rausch‘ ansieht, wie sie komponiert sind, da sieht man das Schauspiel wie unter einer Lupe vergrößert auf der Leinwand. Man kann sich dem Rausch der Bilder einfach nicht entziehen und gibt sich ihnen hin.“

 

Das Kino-Imperium schlägt zurück

 

Es sieht so aus, als könnte das Kino seine mit Abstand schwerste Krise überleben und ein rauschhaftes Comeback erleben. Das Geschäftsmodell Kino hat in dem Moment an Attraktivität gewonnen, als es nicht mehr zur Verfügung stand. Das zeigt auch eine überraschende Ankündigung: Im südlichen Überseequartier (also mitten in der HafenCity), wurden Ende Mai erste Mieter aus dem Bereich Einzelhandel und Unterhaltung für die große, geplante Shoppingmeile bekannt gegeben: ein Legoland Discovery Centre und – man höre und staune! – ein weiteres Premium-Multiplex-Kino mit 10.000 Quadratmetern, zehn Sälen und mehr als 2.300 Sitzplätzen. Es wird das größte Kino Hamburgs sein und das erste Dolby Cinema Norddeutschlands, betrieben von der deutschlandweit agierenden Kette Kinopolis. Das Kino-Imperium schlägt zurück. Also: Licht aus, Film ab!


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Gegen Leerstand: Hamburg fördert Freiflächen für Kreative

Am 1. Juli 2021 startet das neue Förderprogramm „Frei_Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung“ für Kreativschaffende, das Leerstand beleben soll  

Text: Felix Willeke

 

Der Corona-Pandemie sind viele Einzelhändler:innen zum Opfer gefallen. Die Folge ist Leerstand, dem der Hamburger Senat mit dem neuen Programm „Frei_Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung“ entgegensteuern will. Das Programm richtet sich an Kreativschaffende auf der Suche nach günstigen Frei- und Experimentierflächen. Diese können für einen Beitrag von 1,50 Euro im Monat pro Quadratmeter leerstehende Einzelhandelsflächen nutzen, unabhängig von der Lage.

Die Fördersumme beträgt rund 9 Millionen Euro, damit sollen die Betriebs-, Nebenkosten und Kautionen übernommen oder finanziert werden. Kreativschaffende haben so die Möglichkeit, Flächen für erschwingliche Preise zu nutzen. Das Programm soll bis Ende 2022 laufen.

 

Vorteile auch für Vermieter:innen

 

Neben den Kreativen sollen auch die Vermieter:innen von dem Programm profitieren: Das Förderprogramm deckt die laufenden Leerstandskosten, darüber hinaus wird die Ladenfläche und damit auch das Quartier von Kreativen belebt und das könnte über die Zwischennutzung hinaus wirken. „Durch eine gute Partnerschaft von Einzelhandel, Immobilienwirtschaft und Kreativwirtschaft gewinnt unsere Stadt an Attraktivität und Künstlerinnen und Künstler und Kreative können den Raum bekommen, den sie zur Umsetzung ihrer Projekte dringend benötigen”, sagte Kultursenator Carsten Brosda.

Das Programm „Frei_Fläche: Raum für kreative Zwischennutzung“ ist eine Kooperation der Behörde für Kultur und Medien Hamburg und der Finanzbehörde zusammen mit dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen und der Hamburg Kreativ Gesellschaft.

Die ersten Anträge können voraussichtlich ab Mitte Juli 2021 gestellt werden, Interessierte finden alle Informationen bei der Hamburg Kreativ Gesellschaft.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

Warteliste für Impfwillige in Hamburg

Die Asklepios-Kliniken haben eine Warteliste für übrig gebliebenen Impfstoff online eingerichtet

Text: Felix Willeke

 

An den Standorten der Asklepios-Kliniken wird fleißig gegen Covid-19 geimpft. Jedoch können immer wieder Menschen ihren Impftermin nicht wahrnehmen, oder Impfdosen werden aus anderen Gründen nicht verimpft. Deswegen hat der Klinikkonzern die Impftermin-Warteliste eingerichtet. Interessierte tragen sich online ein und werden, wenn Impfstoff zur Verfügung steht, angerufen. Einzige Bedingung: Innerhalb einer Stunde sollen die Angerufenen zum Termin erscheinen können.

Aktuell gilt die Warteliste für alle Hamburger Klinikstandorte sowie die Asklepios Klinik Birkenwerder. In den kommenden Wochen soll der Service ausgeweitet werden.


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Jan Delay: „Alles was ich bin, bin ich wegen dieser Stadt“

„Earth, Wind & Feiern“ ist der Titel des neuen Albums von Jan Delay – und der hält, was er verspricht. Die Songs behandeln teils ernste Themen, machen aber jederzeit Spaß. Ein Gespräch über den textlichen Umgang mit der Klimakatastrophe, Rassismus und Faschismus sowie Hamburg als ewige Liebe des Künstlers

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Jan, HipHop, Disco, Trap, Afrobeat, Dub – alles drauf auf deinem neuen Album. Hast du dir vorgenommen, möglichst viele Genres in den Songs unterzubringen, oder ist das einfach so passiert?

Jan: Als ich mit meinem musikalischen Partner und Produzenten Tropf zum ersten Mal über neue Songs gesprochen habe, meinte er: „Wenn wir ein neues Jan Delay-Album machen, dann halten wir uns nicht an ein Genre, auch nicht an eine Parole – wir machen nur, was uns Spaß macht!“ Das war auch mein Wunsch. Außerdem war mir wichtig: Fokus immer auf gute Laune! Ich wollte eine positive Platte machen, also das Gegenteil von meiner zuletzt erschienenen Platte.

Keinen Mittelfinger, kein „Leckt mich alle am Arsch, ihr seid alle scheiße!“ Was natürlich nicht bedeutet, dass man nicht auch mal ernste Themen anschneiden darf …

… was du jetzt ja auch mit Zeilen wie „Es sind finstere Zeiten“ tust. Wobei du damit nicht die Corona-Krise meinst, denn die Songs sind bereits vor der Pandemie entstanden.

Genau. Wovor ich damals Angst hatte und heute noch habe: die Klimakatastrophe und der Rechtsruck. Ich wollte diese Themen auf der Platte haben – aber mit positiven Gedanken besetzt.

Inwiefern?

Insofern, als dass, wenn man über so etwas redet, jemandem auch ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Man kann auch Songs zu solchen Themen machen, zu denen man tanzen und feiern kann. Songs, die Kraft geben. Denn: Feiern bedeutet ja nicht immer nur, dass man am nächsten Tag einen Kater hat, sondern auch, dass man aus der Feier neue Energie geschöpft hat. So geht es mir zumindest. Und wer es will, der kann es mit diesem Album genauso machen.

Man muss übrigens auch sagen, dass dieses die erste zeitgemäße Jan Delay-Platte ist. So was gab es ja bisher noch nicht. Selbst, als ich damals die Reggae-Platte gemacht habe („Searching For The Jan Soul Rebels“, 2001; Anm. d. Red.), war es keine Dancehall-Platte, sondern eine Roots-Reggae-Platte.

„Earth, Wind & Feiern“ hingegen sollte so werden, dass ich sie heute jederzeit auflegen kann. So, dass die Songs im Club nicht abkacken, wenn sie zwischen Cardi B und Major Lazer laufen.

 

Boogie und Disco im Hier und Jetzt

 

Wie seid ihr vorgegangen, um das zu schaffen?

Wie Mark Ronson oder Bruno Mars: Wir haben alte Musikrichtungen, zum Beispiel Boogie oder Disco, ins Hier und Jetzt geholt. Wir hatten Sessions, in denen wir die Rhythmen fertig gemacht haben – und danach haben wir einfach die Drums rausgeschmissen und nachprogrammiert (lacht). So haben wir beides in die Songs bekommen: Den Vibe der Band und den Rumms der digitalen Technik.

Textlich machst du in Songs wie „Gestern“ klare Ansagen zur musikalischen Ausrichtung, wenn du etwa singst: „Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern“ …

… stimmt! Wobei ich das auch mit einem zwinkernden Auge singe. Ich liebe die Musik, die ich früher gemacht habe, schließlich auch. Ich komme ja von da. Es gibt nur oft so ein paar Nasen, die sagen: „Mach doch mal wie früher! Mach doch noch mal Reggae, das war so geil!“ Aber ich habe das ja schon gemacht, warum sollte ich das noch mal machen? Wäre doch bescheuert!

Übrigens habe ich den „Nichts ist so kalt wie …“ Satz gemopst – von Sven Regener. Ich habe ihn mal in einer Talkshow gesehen, und da hat er den gesagt. Hat mich total weggeballert, der war zu gut! Deswegen habe ich den Satz im Song benutzt.

 

 

Du hast vorhin erwähnt, es sollte keinen Mittelfinger auf der Platte geben. Ein bisschen anti bist du aber schon, zum Beispiel im Song „Spaß“, wenn es heißt: „Sie hatten alle noch nie Spaß, und darum sind sie voller Hass. Sie wissen gar nicht, wie das geht, wie man liebt und wie man lebt.“

Hier geht es um die Ursprünge des besorgten Bürgers. Der Begriff „besorgter Bürger“ beschreibt die Anfänge des Rechtsrucks, der AfD und dieses ganzen Krams. Da muss man dann auch mal anti sein. Bei Umweltzerstörung, Rassismus und Faschismus bin ich immer anti. Trotzdem geht der Song auf eine unterhaltsame Weise mit all dem um. Er soll kein Referat sein, sondern rütteln, bewegen, Emotionen auslösen.

Wie ist es eigentlich, wenn du dich textlich mit den genannten Themen, bei denen du anti bist, beschäftigst: Regst du dich dann noch mehr darüber auf oder ist das Schreiben ein Stück weit ein Ventil und beruhigt dich?

Gute Frage (überlegt lange). Es ist eine Art Beschäftigungstherapie. Die Frage ist letztlich: Wohin mit meiner Wut? Schlage ich in einen Sandsack? Oder schreibe ich etwas dazu auf? Jeweils ist die Lage danach kein bisschen besser – aber vielleicht geht es mir ein bisschen besser, weil ich Dampf abgelassen habe. Es gibt auch Momente, wenn ich zum Beispiel einen Brief oder eine Mail von Leuten bekomme, die „danke“ sagen für etwas, das ich in einem Song transportiert habe, weil es ihnen geholfen hat. Da denke ich dann: Krass! Geil!

Man bekommt die Wirkung von den eigenen Texten ja oft gar nicht mit. Aber die Chance auf eine solche Wirkung besteht, wenn man etwas rausbringt, und das ist sehr viel wert.

 

„Hamburg, die pompöse Kulturstadt! Am Arsch!“

 

Als „Advanced Chemistry“ erschien, sagtest du uns im Interview, dass wenn Deutschland im Ganzen ein bisschen mehr wie Hamburg wäre, es in der Gesellschaft auch weniger Angst vor Fremden gäbe …

… ja, das denke ich immer noch.

Du hast es begründet mit der Offenheit Hamburgs, die der Hafen den Leuten nahelegen würde. Denkst du, dass Hamburg auch in der jetzigen Corona-Krise ein Stück weit Vorreiter war und ist für das gesamte Land, etwa, was die Politik angeht?

Nein, leider nicht. Was ich wirklich als Schlag ins Gesicht empfand, war, als erst nach einem gefühlten halben Corona-Jahr die ersten Hilfspakete von je 2.500 Euro eintrudelten – und in der Pleitestadt Berlin die selbstständigen Kreativen 5.000 Euro bekamen. Da war ich richtig sauer. Hamburg, die pompöse Kulturstadt! Am Arsch! Hamburg hat sich da während der Pandemie kein bisschen mit Ruhm bekleckert.

Auf kleine Liebeserklärungen an Hamburg verzichtest du allerdings auch auf „Earth, Wind & Feiern“ nicht.

Wenn ich über Hamburg meckere, dann wie eben in einer speziellen Sache. Da haben die Leute, die in Hamburg das Sagen haben, Scheiße gebaut. Aber das tut meiner Liebe zu Hamburg keinen Abbruch. Alles, was ich bin, bin ich wegen dieser Stadt. Die Musik, die ich mache, mache ich wegen dieser Stadt. Meine Offenheit, meine Toleranz – die habe ich von Hamburg. Wenn es Hamburg nicht geben würde, würde es auch diese Platte nicht geben.

Ich gehe den Leuten anderswo in Deutschland auch schon auf den Sack mit meiner Hamburg-Liebe (lacht). Die wird nie aufhören.

Wo in Hamburg würdest du denn am liebsten eine Release-Party für das neue Album machen?

Im Fernsehturm, für ein paar seelige Wenige. Danach würde ich auch gerne mit der Platte im Millerntor-Stadion spielen. Aber das haben wir mit den Beginnern schon drei Jahre hintereinander versucht, zusammen mit dem Verein und dem Präsidenten. Wir wollten es alle unbedingt. Aber der Bezirksamtsleiter hat es wegen einer DB-Beschränkung nicht zugelassen. 91 DB ist die Grenze. Zum Vergleich: Wenn St. Pauli ein Tor schießt und der Blur-Song ertönt, sind das 105 DB.

Also nicht im Millerntor-Stadion. Aber sehr gerne auf der Trabrennbahn. Dort herrscht eine tolle Atmosphäre und man kann so laut sein, wie es Spaß macht.

„Earth, Wind & Feiern“ ist am 21.5. auf Vertigo Berlin/ Universal erschienen


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

„Hamburg 2040“: Handelskammer Hamburg startet Podcast

„Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“: Der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg

Text: Erik Brandt-Höge

 

Lust auf einen Blick in die Zukunft der Stadt? Kein Problem! „Hamburg 2040: Wie wollen wir künftig leben – und wovon?“ ist der Podcast zur Standortstrategie Hamburg 2040 der Handelskammer Hamburg und bietet spannende Gespräche über künftige Herausforderungen. Norbert Aust (Unternehmer und Präses der Handelskammer) und Malte Heyne (Chef der Handelskammer) sind die Gastgeber.

Mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unterhalten sie sich über das, was auf Hamburg zukommen könnte – und über dessen Finanzierung. In der ersten Podcast-Folge haben sie einen Gast, der gerade dabei ist, die Zukunft der Stadt vorzubereiten: den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher. Ihre Themen: die Zukunft der Hamburger Innenstadt und des Hafens sowie das Corona-Krisenmanagement des Senats.

Hört hier in die erste Folge rein:


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

„Bildung darf kein Privileg sein“

Bildung wird oft als etwas Sebstverständliches angesehen. Doch noch haben zu viel Menschen – gerade durch soziale Barrieren – keinen ausreichenden Zugang. Integration durch Chancengleichheit lautet daher das Motto der SBB Kompetenz

 

Die Bildungsinstitution SBB Hamburg bietet Beratungs- und Weiterbildungsangebote an, um vor allem auch Menschen mit einem dringenden Bedarf an Unterstützung in eine bessere Ausgangssitution zu bringen. Damit sie entweder wieder in einen Beruf einsteigen oder überhaupt die nötigen Grundlagen für eine Ausbildung erwerben.

Mit der Geschäftsführerin Andrea Franke sprechen wir über die bildungs- und vor allem sozial- politischen Aufgaben der Institution. Ebenfalls gewährt sie einen Einblick in ihre Herausforderungen bei der pandemiebedingten Umstellung von Präsenz- auf Distanzunterricht und ihre gewonnen Erkenntnisse über den Einsatz digitaler Unterrichtsformate und -angebote.

 

SZENE HAMBURG: Erläutern Sie doch bitte einmal das Angebot, das Sie als SBB Kompetenz machen. Was ist das Ziel Ihrer Institution?

andrea-franke-sbb-hamburg

Andrea Franke von der SBB Kompetenz

Wir sind eine Tochter der Stiftung Berufliche Bildung (SBB), unter deren Dach sich 22 Tochtergesellschaften mit unterschiedlichen Ausrichtungen befinden, die aber alle im Wesentlichen das Ziel haben, Menschen auf ihrem Weg in einen Beruf zu unterstützen und auch Soziale Teilhabe durch entsprechende Bildungsangebote zu erlangen.

Hier in Hamburg sind wir die größte Tochter für Erwachsenenbildung, man kann uns als Generaldienstleisterin der beruflichen Bildung bezeichnen. Wir sind primär für Menschen zuständig, die länger als ein Jahr arbeitssuchend sind und bieten dabei Sprach- und Integrationskurse, Coaching- und Beratungsangebote, Umschulungen, Fort- und Weiterbildungen sowie auch unterschiedliche Beschäftigungsgelegenheiten, für Menschen mit Anspruch auf eine entsprechende Förderung.

Wenn wir einmal den Bereich der beruflichen Fort- und Weiterbildung anschauen, gibtes dort Berufsfelder, auf die Sie sich fokussieren?

Ursprünglich haben wir mit Umschulungen im gewerblich-technischen Bereich begonnen und gehen heute verstärkt in den Bereich Büromanagement und Kaufleute für E-Commerce und damit immer mehr in den kaufmännischen Bereich und Berufsfelder mit Marketing- und Digitalisierungshintergrund. Daneben bleiben bewährte Angebote wie Umschulungen im Friseur- oder Gastronomiebereich natürlich bestehen.

Vor dem Hintergrund, dass auch viele klassische Berufe immer digitaler werden, bieten wir zum Beispiel auch Umschulungen in den Bereichen Lager, Handel und Spedition an, die diese Entwicklung berücksichtigen, um den neuen Marktansprüchen gerecht zu werden. Wir sind daher eher breit aufgestellt, als auf ein Feld spezialisiert und versuchen immer uns der allgemeinen Bedarfsentwicklung in der Berufswelt entsprechend anzupassen.

 

Technische Infrastruktur

 

Sie bereiten Ihre Teilnehmer immer stärker auf eine digitale Arbeitswelt vor. Wie gut waren Sie denn vorbereitet, als Sie den Unterricht komplett digital ausrichten mussten?

So traurig es klingt, wir mussten ja nun endgültig alle feststellen, dass wir keine gute technische Infrastruktur haben und wir, im europäischen Vergleich, einiges nachzuholen haben. Schlechte Internetverbindungen, extrem langsame Ladezeiten für Dokumente und auch wir als Lehrende und die Lernenden hatten sehr wenig Expertise im Umgang mit der Technik.

Deswegen mussten wir schnellstens unsere gut 250 Mitarbeiter nicht nur mit der Technik ausstatten, sondern ihnen den Umgang näher bringen und vor allem auch beibringen, wie man vor einem Laptop sitzend ein Seminar gut rüberbringt und die Teilnehmer virtuell einbindet. Wir haben sehr schnell auch einen Supportservice aufgebaut, um bei technischen Problem sofort reagieren zu können und den Unterricht immer am Laufen zu halten.

Viele Ihrer Teilnehmer gehören sicherlich nicht zu den sogenannten privilegierten Milieus und ein Distanzunterricht birgt hier sicherlich auch Gefahren, diese Menschen zu verlieren. Wie ist Ihre Erfahrung?

Das war auch meine größte Sorge und es war für uns enorm wichtig, möglichst viele Abbrüche zu verhindern. Daher haben wir uns sehr viel Zeit genommen, einzelne Teilnehmer auch immer wieder telefonisch zu kontaktieren, um die persönliche Bindung aufrechtzuerhalten und Nähe herzustellen.

Unser Auftrag war aber im Prinzip immer schon mehr, als ein reines Ausbildungsangebot zu machen. Es ging immer auch darum diese Milieus, die weder technisch noch sozial so gut aufgestellt sind, nicht nur bildungspolitisch, sondern auch sozialpolitisch aufzufangen.

 

Basiskompetenzen

 

Was konnten Sie denn im aktuellen Fall dann konkret noch machen, um ihre Teilnehmer bestmöglich zu unterstützen?

Wir haben uns dringlichst darum gekümmert, dass erst einmal eine technische Ausstattung zur Verfügung gestellt werden konnte. Ebenfalls haben wir dafür gesorgt, Räume zur Verfügung zu stellen, wenn es bei unseren Teilnehmern zu Hause nicht möglich war, in Ruhe an unseren digitalen Unterrichtseinheiten teilzunehmen.

Die ganze Situation zeigt eben auch, dass wir uns insgesamt noch viel stärker bemühen müssen, dort wo diese Menschen leben, noch mehr räumliche und technisch ausgestattete Angebote zu machen, um sich beruflich weiterbilden zu können.

Wir müssen auf die Menschen noch mehr zugehen und nicht warten, bis vielleicht zu uns finden. Dafür benötigt es auch entsprechend mehr öffentliche Mittel.

Überspitzt formuliert, reicht es also nicht aus, alle mit Laptops auszustatten und dann ist alles gut.

Ganz sicher nicht. Einem Großteil müssen zum Beispiel auch erst einmal digitale Basiskompetenzen vermittelt werden. Wir begleiten Menschen, die sehr weit weg von der allgemeinen Bildung und dem Arbeitsmarkt entfernt sind. Was vielleicht für viele Abiturienten aus Mittel- und Oberschichts-Elternhäusern normal ist, ist es in diesen Lebenswelten definitiv nicht.

Umschulungen machen bei uns circa 20 Prozent unseres Portfolios aus. Der Rest unseres Angebotes konzentriert sich darauf, Menschen die entscheidenden Grundlagen zu vermitteln, um im Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance zu haben.

SBB Hamburg


SH_Ausbildung_Titel_2021 SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 31. März 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.