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Der Winter kommt: Mehr Hilfe für Wohnungslose

Der Herbst 2022 überrascht bisher mit ungewöhnlich milden Temperaturen –  aber das kann sich sehr schnell ändern. Besonders die rund 2000 wohnungslose Menschen der Stadt sind von der Winterkälte und -nässe bedroht. Auch deswegen starten am 1. November 2022 wieder zahlreiche Hilfsaktionen, die sich um die Wohnungslosen in der Stadt kümmern

Text: Katharina Stertzenbach 

 

Am 1. November 2022 startet das Hamburger Winternotprogramm und bietet 2022 rund 800 Schlafplätze für wohnungslose Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Die Übernachtung kann anonym in Anspruch genommen werden und ist kostenlos. Dazu gibt es auch eine eine kostenlose Sozialberatung. Das Programm dauert in diesem Winter bis zum 31. März 2023. Tagsüber ist die Einrichtung nach wie vor geschlossen, was viele Initiativen und Organisationen wie auch das Straßenmagazin Hinz&Kunzt kritisieren. Tagsüber bleibt den wohnungslosen Menschen deshalb lediglich Hotline der Stadt Hamburg unter 040/428 28 5000.

 

Kältebus wieder auf den Straßen unterwegs

Mit dem Start des Winternotprogramms ist auch der Kältebus täglich von 19-24 Uhr wieder in der Stadt unterwegs. Auch in diesem Jahr stehen hinter dem Projekt rund 65 ehrenamtliche Helfer*innen vom CaFée mit Herz. Sie verteilen warme Decken und Isomatten unter den Wohnungslosen. Außerdem gibt es für die Menschen die Möglichkeit den Kältebus als Shuttle zu einer der Unterkünfte des Winternotprogramms zu nutzen. Unter der 0151 / 65683368 kann der Kältebus gerufen werden, wenn Hilfe benötigt wird.

 

#wärmegeben

Zum Kältebus, den vielen weiteren Initiativen und dem Winternotprogramm kommt die Aktion „#wärmegeben“.  Organisiert von der Hilfsorganisation Hanseatic Help zusammen mit der Hamburger Hochbahn, sammelt #wärmegeben mit dem dazugehörigen Wärmebus Spenden für obdachlose Menschen. Am 5. November steht der Wärmebus auf Kampnagel und am 19. November am Alstertal Einkaufszentrum. Von Winterkleidung über Schlafsäcke bis hin zu wetterfesten Schuhen und Zelten: alles gegen die Kälte ist als Spende willkommen.  Sachspenden können auch in der Großen Elbstraße 264 abgegeben werden. In den vergangen Jahren war die Spendenbereitschaft groß – Hanseatic Help belieferte mehr als 300 Einrichtungen in und um Hamburg. Unter anderem die Bahnhofsmission, die Heilsarmee und auch das Winternotprogramm. 


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DOCK: Tage ohne Sorgen 2022

Am 20. und 21. August 2022 können Bedürftige, Wohnungslose und Menschen in Not ein ganzes Wochenende lang ihre Sorgen beim fünften DOCK am Cruise Center Baakenhöft in der HafenCity vergessen

Text: Katharina Stertzenbach

Eine warme Dusche, ärztliche Versorgung oder ein Friseurbesuch sind für viele Menschen leider nicht selbstverständlich. Die Veranstaltung DOCK – Tage ohne Sorgen lädt darum bedürftige und wohnungslose Menschen sowie Menschen in Not ein, gemeinsam eine unbeschwerte Zeit am Cruise Center zu verbringen. 

Der Eintritt und das Angebot auf dem Dock sind für alle Teilnehmer:innen kostenlos. Auf dem Gelände kann ein Besuch beim Zahnarzt oder Friseur vereinbart werden. Auch kann zusammen gegessen werden.

An dem Wochenende auf dem Dock werden zahlreiche Gäste erwartet – unter ihnen auch Pfandsammler:innen, für die ein Tag ohne Flaschensammeln einen existenziellen Verlust bedeuten würde. Damit sie also wirklich eine unbeschwerte Zeit verbringen können, ruft die fritz-kola Initiative Pfand gehört daneben gemeinsam mit der Karin und Walter Blüchert Gedächtnisstiftung zu einer Pfandsammelaktion auf und leitet das gesammelte Pfandgeld anschließend an die Gäste des DOCK weiter.

Am Samstag, 20.August, lädt fritz-kola interessierte Hamburger:innen zwischen 9 und 13 Uhr ein, sich selbst ein Bild von der Arbeit auf dem Dock zu machen. Natürlich steht das fritz-kola-Team für Fragen rund um das Projekt und bereit.

dock.hamburg


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Hamburgerin des Monats: Angela Voß

Angela Voß wurde als Kind von ihrem Vater schwer misshandelt. Zu ihrem Ersatzelternhaus wurde die Fabrik in Ottensen, die seit 1971 neben Konzerten auch intensive Jugendarbeit betrieben hat. Angela hat ihre Erlebnisse in ihrer Biografie „Narben meiner Kindheit“ verarbeitet und unterstützt mit der „Mütterkurhilfe“ Familien in Problemsituationen

Interview: Markus Gölzer

SZENE HAMBURG: Angela, du wurdest von deinem Vater seelisch und körperlich misshandelt. Warum war der so?

Angela Voß: Mein Vater war Hafenarbeiter und hatte eine Lungentuberkulose. Er wurde dadurch arbeitslos, hat dann gesoffen. Er war Alkoholiker und wurde im Suff extrem aggressiv. Das fing an, als ich acht war. Ein falsches Atmen, eine falsche Bewegung oder die reine Wut trieben meinen Vater an, sich immer an mir zu vergreifen. Ich lag sehr oft einfach im Bett, habe geschlafen, und der kam ohne Grund nachts in mein Kinderzimmer und hat mich schwer misshandelt.

Meine Mutter konnte mir nicht helfen, weil sie selbst ständig verprügelt wurde. Einmal war sie so blutüberströmt, dass ich sie nicht erkannt habe. Ich habe geschrien wie am Spieß. Diesen Blutkopf konnte ich jahrelang nicht vergessen.

Hat dein Vater nie wieder einen Job bekommen?

Nee. Durch seinen Suff auch nicht. Der ist schon vormittags zum Frühschoppen in die Kneipe. In Altona gab es früher ganz viele Säuferkneipen. Das Zeiss-Eck, das Weiße Ross, die Ente, Min Jung und wie die alle hießen. Da hat er sich gleich am Morgen hingesetzt und ging erst abends wieder raus. Und meine Mutter hatte drei Jobs. Die musste die finanziellen Löcher stopfen.

Haben Nachbarn, Lehrer, Freunde nichts von der häuslichen Gewalt mitbekommen?

Seine Kneipenleute wussten das, aber da hat nie jemand was zu gesagt! Mein Kinderarzt hätte es merken können, denn ich lutschte mit zwölf noch am Daumen. Er sagte, dass ich mir dadurch selbst Geborgenheit zufügen würde.

Geredet habe ich aber über die Misshandlungen mit niemanden, denn durch die ewigen Schläge war ich sehr schüchtern und habe kaum gesprochen. Einfach aus Angst, was falsch zu machen. Freunde hatte ich leider nie, denn die anderen Kinder haben mich gemieden. Eben weil mein Vater ein Säufer war.

Kannst du deinem Vater verzeihen?

Ich kann ihm seine Taten verzeihen. Aber dass ich mein Leben lang deswegen krank bin und meine eigenen Kinder auch leiden mussten, weil sie eine kranke Mama haben – das kann ich nicht verzeihen.

In welcher Form haben dich die Misshandlungen krank gemacht?

Ich habe dadurch eine Angststörung. Richtig krank wurde ich, als meine Kinder sechs und eineinhalb Jahre alt waren. Da habe ich eine Todesangststörung mit Panikattacken und Herzrhythmusstörungen bekommen. Das nennt man „Broken-Heart-Syndrom“. Die Ursache war, dass meine Große, die Sechsjährige, mich in meine eigene Kindheit zurückversetzt hat, mein Unterbewusstsein getriggert hat.

Du warst früh auf dich selbst gestellt. Wie hast du dir geholfen?

Bergauf ging es, als ich mit neun Jahren von einem anderen Mädchen gehört habe, dass die in der Fabrik mit Kindern spielen. Dann bin ich da hin, und Katharina Dietrich, die Frau des Mitbegründers Horst Dietrich, hat mich gleich aufgenommen. Sie hat mir in meiner wichtigen Prägephase viel gezeigt.

Ich konnte Töpfern, Malen, Basteln, Baumhäuser bauen, Stelzen laufen, Tischtennis spielen, Schlagzeug spielen oder an der Nähmaschine nähen. Wir haben sogar Siebdruck gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar.

Bei meinen Eltern habe ich nichts gelernt. Gar nichts. Katharina Dietrich hat mit Mitbegründer Denis Brudna das Buch „Die Fabrik“ rausgebracht. Darin wird beschrieben, wie intensiv Kinder- und Jugendarbeit betrieben wurde. Fabrikkinder erzählen in Interviews, wie die Fabrik sie gerettet hat.

Betreibt die Fabrik immer noch Jugendarbeit?

Nein. Ich habe denen mal eine Nachricht geschickt, dass die das wieder machen sollen. Aber sie meinten, wegen Corona bieten sie keine Kinder- und Jugendarbeit an. Aber gerade jetzt brauchen die Kinder die Fabrik. Sie machen wieder ihre Konzerte und Veranstaltungen, aber keine Kinder- und Jugendarbeit.

Die Fabrik hat sogar ein Außengelände mit Obst- und Gemüsegarten, wo in den Sommermonaten draußen alles gemacht wurde! Das könnte man gerade in der jetzigen Belastung gut nutzen. Nach meiner Meinung ist das dringend erforderlich!

„Es ist wunderbar, wenn sich eine Mama weinend bedankt“

Du bietest auch Hilfe an. Welche genau?

Ich habe vor 20 Jahren die Mütterkurhilfe gegründet. Ich helfe den Mamas, den wichtigen Stützpfeilern der Kinder, neue Kraft zu bekommen! Ich berate sie zum Thema Mutter-Kind-Kur. Da gibt es Schwerpunkte, wenn die Kinder selbst was haben wie ADHS oder die Mutter einen persönlichen Bedarf hat.

Mutter-Kind-Kuren sind dazu da, der Mama neue Kraft zu geben, damit sie ihr Kind gut begleiten kann. Die Grundidee stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Trümmerfrauen mit ihren Kindern waren irgendwann mal kraftlos. Um ihnen zu helfen, wurde 1945 das Müttergenesungswerk gegründet. Das wurde gesetzlich geschützt als verpflichtende Leistung. Aber die Krankenkassen lehnen ja trotzdem vieles ab. Ich helfe dann beim Ausfüllen der Unterlagen beim Antrag an die Krankenkassen. Falls eine Ablehnung kommt, schreib ich Widersprüche. Und das schon seit zwanzig Jahren. Meine Mama hat mich nie gelobt, aber alle Mamas von Deutschland. Das war immer mein Antrieb: neutral zu helfen, der Gesellschaft dienlich zu sein.

Was beinhaltet eine Kur?

Es gibt sportliche Komponenten, es gibt psychologische Gespräche oder Erziehungsgespräche, wenn man mit seinen Kindern nicht klarkommt. Wenn ein Kind ADS oder ADHS hat, kriegen die Mütter eine Schulung, wie sie zu Hause damit umgehen sollen. Es geht in der Mutter-Kind-Kur nicht darum, eine Krankheit zu heilen. Es geht um neue Kraft. Es ist wunderbar, wenn sich nach der Kur eine Mama weinend bei dir bedankt, weil sie zuerst von ihrer Krankenkasse abgelehnt worden ist. 

Unterstützt dich die Stadt Hamburg dabei?

Mich unterstützt keine Behörde, ich bekomme keine Fördermittel. Ich habe lediglich die Teilnahmeberechtigung am Hamburger Familientag durch die Behörde für Familie und Soziales erhalten. Da war ich 15 Jahre lang dabei. Jeder Teilnehmer konnte wählen, wie groß sein Stand ist und was er da macht. Ich hatte immer große Stände von sieben bis acht Metern, während die großen Träger wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nur Stände mit einem Meter hatten.

Wir haben viele Firmen angeschrieben, ob sie uns was spenden würden für den Familientag. Und jede hat uns was gegeben: Ikea Schnelsen, Möbel Höffner, Schmidts Tivoli, Wildpark Schwarze Berge, Hagenbecks Tierpark, Alsterrundfahrt, Hafenrundfahrt, alle haben uns was geschickt. Dann haben wir ein Glücksrad gebaut und die Kinder haben zum Beispiel Freikarten für Hagenbeck gewonnen. Leider wurde mir dann verboten, so hochwertige Geschenke zu machen.

Du bist selbst Mutter. Wie hast du deine Kinder erzogen?

So locker und liebevoll, wie es in der Fabrik zuging, so locker und liebevoll habe ich meine Kinder erzogen. Wenn sie mal vom Spielen schmutzig nach Hause kamen, war mir das egal. Als sie klein waren, haben wir an der Bushaltestelle Gospel gesungen. Hauptsache, sie waren glücklich. Kleine Kinder sind wie eine Knospe. Die brauchen Liebe wie das Wasser, um sich zu entwickeln.

mutterkindkurklinik.de


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MenscHHamburg WG

Zweite Heimat für Geflüchtete durch Spenden und Verkauf von #MoinMoinRefugees-Buttons

Text: Katharina Stertzenbach

MenscHHamburg e. V. sorgt dafür, dass rund 20 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in einer Wohngemeinschaft Zuflucht finden. Unter dem Motto „Voneinander lernen, miteinander leben“, wohnen die Vertriebenen für ein Jahr unter einem Dach. Dabei helfen ihnen Mitglieder und Freundinnen des Vereins bei der Bewältigung des WG-Alltags, hier in ihrer vorübergehend neuen Heimat. Die Unterstützung geht hier über die gewöhnlichen Hilfestellungen wie Behördengänge oder Arztbesuchen hinaus. So unternehmen die Unterstützer auch freizeitliche Aktivitäten mit den ukrainischen Refugees. Zusammen statten sie zum Beispiel dem FC St. Pauli einen Besuch im Millerntorstadion ab, oder sie organisieren gemeinsame Spielabende.


Stand with Ukraine

Die Ukraine wird von Russland angegriffen und in ganz Deutschland ist die Solidarität groß, auch in Hamburg. Seien es Spendenaktionen, Demonstrationen oder Links zu Portalen, die informieren. SZENE HAMBURG fasst die aktuellen Informationen für die Stadt in diesem Ticker zusammen.


Unterstützt werden kann die MenscHHamburg-WG durch Spenden an den Verein sowie durch den Kauf der #MoinMoinRefugees-Buttons im Ukraine-Design. Firmen erhalten gegen eine Spende von 100 Euro an MenscHHamburg e. V. 50 Buttons. Einzelne Buttons sind im Büro des Vereins für einen Euro erhältlich.

Seit 2011 ruft MenscHHamburg e. V. mit außergewöhnlichen Aktionen wie zum Beispiel MauMauMasters oder dem Welttrinkgeldtag zum sozialen Engagement in der Stadt auf. Mit der Kampagnen wie „Keiner kommt, alle machen mit“ oder #TeamHamburg hat der Verein während der Pandemie über eine Million Euro für Kulturschaffende gesammelt und sorgte damit bundesweit für Aufmerksamkeit.

Susannenstraße 26 (Mo–Do 11–18 Uhr, Fr 11–16 Uhr), mensch.hamburg, @MenscHHamburgWG


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Hilfe für Obdachlose: der Kältebus fährt wieder

Es ist wieder kälter und viele verziehen sich in die eigene Wohnung. Doch in Hamburg gibt es über 2.000 Menschen ohne Wohnung. Mit dem Kältebus ist am 1. November 2021 wieder eines von vielen dringend benötigten Hilfsangeboten gestartet

Text: Felix Willeke

 

Für viele beginnt mit einer warmen Decke und einem Buch auf dem heimischen Sofa langsam die Vorfreude auf Weihnachten. Doch während es vielen drinnen kuschelig warm wird, ist die kalte Jahreszeit besonders für die über 2.000 Obdachlosen in Hamburg gefährlich. Hilfe bietet dabei unter anderem der Kältebus. Seit dem Winter 2020/2021 wird dieser vom CaFée mit Herz auf St. Pauli betrieben und fährt vom 1. November 2021 bis März 2022 wieder täglich von zwischen 19 bis 24 Uhr durch die Stadt. Wenn man in diesen kalten und nassen Tagen hilfsbedürftige Menschen auf der Straße sieht, kann man den Kältebus unter der Telefonnummer 0151/65 68 33 68 erreichen. Tagsüber steht die Hotline der Stadt Hamburg unter 040/428 28 5000 zur Verfügung.

 

Das Gesundheitsmobil

 

Im letzten Winter haben die etwa 70 freiwilligen Helfer:innen des Kältebusses nach eigenen angeben 587 Menschen in Notunterkünfte gebracht und 467 Schlafsäcke und 315 Isomatten ausgegeben. Dabei wurde 27-mal der Rettungsdienst gerufen, um Obdachlose medizinisch zu versorgen. Neben dem Kältebus stellt das CaFée mit Herz zusätzlich das Gesundheitsmobil. Hier erhalten jeden Sonntag von 14:30 bis 16:30 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof und jeden zweiten Sonntag von 12 bis 14 Uhr auf der Reeperbahn Menschen ohne Krankenversicherung ambulante medizinische Leistungen.

Das CaFée mit Herz wird von Ehrenamtlichen getragen und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Alle weiteren Informationen zu Arbeit des Vereins gibt es unter cafeemitherz.de.

 

Weitere Hilfen für Obdachlose

 

Neben dem Kältebus gibt es auch den Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg. Dieser fährt täglich von 20 bis 24 Uhr durch die Innenstadt und verteilt Kaffee, Tee, Kakao, Brühe, Brötchen, Kuchen, Decken und Schlafsäcke an obdachlose Menschen. Die Stadt Hamburg stellt zudem fast 1.500 Übernachtungsplätze im Rahmen des Winternotprogramms zur Verfügung.


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StrassenBLUES: Home Street Home

Die Obdachlosenhilfe StrassenBLUES und ImmoScout24 wollen mit „Home Street Home“ Wohnraum für obdachlose Menschen in Hamburg sichtbar machen

Text: Marco Arellano Gomes

 

Der Obdachlosenhilfeverein StrassenBLUES hat ein neues Projekt am Start: „Home Street Home“ heißt es und hat zum Ziel, Wohnraum für obdachlose Menschen über das Immobilienportal ImmoScout24 sichtbarer zu machen. Gemeinsam mit der Treuhandstiftung DOJO Cares und weiteren Obdachlosenorganisationen wie One Warm Winter sorgt StraßenBLUES in Hamburg dafür, dass Angebot und Nachfrage zueinanderfinden. Vermieter können hierzu Wohnungsinserate für diejenigen bereitstellen, die diese dringend brauchen. Bei obdachlosen Menschen im Leistungsbezug (Arbeitslosengeld II) übernimmt das Jobcenter die Kosten der Unterkunft, die den Bemessungsgrenzen zufolge bis zu 50 Quadratmeter groß und maximal 500 Euro kalt kosten darf. Es gilt als unstrittig, dass obdachlose Menschen leichter in ein selbstbestimmtes Leben zurückfinden, wenn sie wieder eine feste Wohnung haben. „Als Marktführer für Immobilien in Deutschland möchten wir hier ansetzen und helfen“, sagt Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24. Die Hoffnung ist, dass Menschen wie Volker, ehemaliger Tischler, 66, seit sieben Jahren obdachlos, wieder dauerhaft Wohnraum erhalten. „Wohnen ist ein Menschenrecht“, so Nikolas Migut, Gründer und Vorsitzender des Hamburger Vereins StrassenBLUES e. V. Unterstützt wird das Projekt von Prominenten wie Stefanie Giesinger, Joko Winterscheidt, die bei Zustandekommen eines Wohnverhältnisses und durch den Kauf von Möbeln unterstützen.

strassenblues.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburgerin des Monats: Mariya Kostadinova von Sperrgebiet

Bei Sperrgebiet, einer Beratungsstelle des Dia­konischen Werks in Hamburg, kämpft Mariya Kostadinova für die Rechte von Sexarbeiterinnen und ihre gesellschaftliche Anerkennung

Interview: Anna Meinke

 

SZENE HAMBURG: Mariya, wann und warum hast du dich für die Arbeit bei Sperrgebiet entschieden?

Mariya Kostadinova: Ich bin seit Dezember 2016 bei Sperrgebiet St. Georg. Ich bin ausgebildete Sozialarbeiterin und habe mein Diplom aus Bulgarien hier in Deutschland anerkennen lassen. Nachdem ich in einem Hilfsprojekt für zugewanderte Frauen aus Bulgarien und Rumänien, die hier in Hamburg als Sexarbeiterinnen arbeiten, tätig war, bin ich zu Sperrgebiet gekommen.

Mein Wunsch war und ist es, Menschen in Not bei der Hilfesuche zu unterstützen. Außerdem fand ich die Arbeit bei Sperrgebiet so spannend, weil das Thema Sexarbeit in meinem Heimatland Bulgarien tabu ist. Dort ist Sexarbeit offiziell verboten – natürlich passiert es auf illegalem Weg trotzdem. Das Verbot führt dazu, dass das Milieu total unkontrolliert bleibt.

Die Menschen, die dort der Sexarbeit nachgehen, sind nicht geschützt, weil sie außerhalb des Gesetzesrahmens tätig sind. Oft sind sie Opfer von Gewalt, manchmal sogar von Menschenhandel. Ich finde es toll, dass es hier in Deutschland Beratungs- und Hilfssysteme wie das von Sperrgebiet gibt.

Welche Angebote bietet Sperrgebiet den Sexarbeiterinnen?

Unsere Angebote wirken auf einem niedrigschwelligen Niveau. Das heißt, dass hier in der Beratungsstelle St. Georg zuallererst die Grundbedürfnisse der Frauen abgedeckt werden: Sie bekommen warmes Essen und Hygieneartikel, sie können duschen, sich aufwärmen oder ihre Wäsche waschen. Außerdem können sie mit all ihren Fragen zu uns kommen.

Auch bei gesundheitlichen Problemen sind wir für die Frauen da. Zweimal die Woche kommt eine tolle Ärztin, die die Frauen untersucht, ihre Fragen beantwortet oder sie an Fachärzte vermittelt. Wenn es dann zum Arzt, zur Bank oder zum Arbeitsamt geht, begleiten wir die Frauen. Die aufsuchende Arbeit auf der Straße ist normalerweise auch ein zentraler Teil von Sperrgebiet.

Und wie reagieren die Frauen auf eure Angebote – vor allem, wenn ihr sie auf der Straße ansprecht?

Oft reagieren die Frauen sehr ungläubig. Sie denken dann, dass wir ihnen etwas verkaufen wollen und können es nicht fassen, dass unsere Hilfe kostenlos ist. Das liegt vor allem daran, dass sie solche Hilfeleistungen nicht kennen – speziell, wenn sie aus dem Ausland kommen. In vielen Ländern gibt es gar keine Hilfssysteme für Sexarbeiterinnen.

Welche Erwartungen hattest du von der Beratung und Unterstützung von Sexarbeiterinnen?

Die größte Erwartung an meine eigene Arbeit war, den Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Zumindest die Grundversorgung möchte ich sicherstellen, etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf bieten. Frauen schätzen sich selbst sehr gering, weil sie der Sexarbeit nachgehen. Ich möchte ihnen jedoch erklären, dass sie sich nicht schämen oder als zweitklassig fühlen müssen. Denn Sexarbeit ist ein richtiger Beruf ! Und wir als Fachberatungsstelle wünschen uns, dass Sexarbeit als richtiger, anerkannter Job wahrgenommen und behandelt wird.

War und ist die Arbeit auch in etwa so, wie du sie dir vorgestellt hast?

Ja, teilweise. Was ich jedoch nicht wusste, ist, dass viele Frauen zum Beispiel gar nicht alphabetisiert sind. Solche Probleme kommen dann noch obendrauf – besonders bei der Jobsuche. Auch die große Skepsis vieler Frauen, die wir zum ersten Mal ansprechen, hat mich überrascht.

 

„Für Sexarbeiterinnen ist die Pandemie verhängnisvoll“

 

Hast du bei Sperrgebiet eine Art Arbeitsalltag, also gewisse Routinen? Oder ist jeder Tag anders?

Vor Corona, oder nach Corona (lacht)? Es gibt natürlich Dinge, die wir jeden Tag erledigen. Papierkram, Beratungsgespräche, Behördengänge, Essensausgabe. Die individuellen Probleme der Frauen führen dazu, dass die Arbeit nie langweilig wird. Jeden Tag erlebe ich etwas Neues und lerne andere Frauen kennen. Das stellt mich Tag für Tag vor neue Herausforderungen. Durch Corona hat sich jedoch einiges verändert.

Was bedeutet die Pandemie denn für deine Arbeit – und natürlich für die Sexarbeiterinnen?

Für die Sexarbeiterinnen ist die Pandemie verhängnisvoll. Das Berufsverbot führt sie gezwungenermaßen in die Illegalität: Suchen sich die Frauen keine neuen Wege, um ihrer Arbeit nachzugehen, verlieren sie ihre Einkommensquelle. Ihnen wird durch das Verbot die Arbeitsgrundlage genommen.

Für die Arbeit von Sperrgebiet bedeutet die Pandemie, dass wir sie auf ein Minimum begrenzen müssen. Wir haben uns dazu entschlossen, geöffnet zu bleiben, so weit es eben geht. Wir beschränken die Arbeit auf dringend notwendige Bereiche, wie etwa die medizinische Versorgung durch unsere Ärztin, die Vergabe von Lebensmitteln und Hygieneartikeln sowie die Hilfe bei Existenzfragen. Außerdem begleiten wir die Frauen bei kurzfristigen Terminen. Die sonst sehr wichtige Arbeit auf der Straße können wir leider gerade nicht anbieten. So werden unsere Angebote schwerer zugänglich.

Was ist für dich die größte Herausforderung bei der Arbeit?

Das Vertrauen der Frauen zu gewinnen. Viele von ihnen haben regelrecht Angst vor Beratungsstellen, weil sie damit nicht vertraut sind. Sie trauen sich nicht, Angebote in Anspruch zu nehmen, haben Angst, die Sprache nicht zu verstehen. Für uns ist es also wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, sodass die Frauen sich wohlfühlen und unsere Angebote in Anspruch nehmen. Nur so können wir ihnen helfen.

Und was waren deine bisher größten Arbeitserfolge?

Wir schaffen es trotz aller Schwierigkeiten immer wieder, die Frauen auf dem Weg in eine offizielle Anmeldung ihrer Tätigkeit zu begleiten, einen neuen Job für einige zu finden oder ihnen zumindest eine Grundversorgung zu bieten.

Wenn wir uns hier in unserer Küche in St. Georg versammeln – also in Nicht-Corona-Zeiten – und zusammen kochen und uns austauschen, merke ich, dass sich die Frauen zumindest für einen kurzen Moment geborgen fühlen. Das ist für mich der größte Erfolg.

Wie gehst du damit um, auch schwere Schicksale kennenzulernen? Nimmst du die Arbeit oft mit nach Hause?

Vielen Frauen, mit denen wir hier in St. Georg arbeiten, geht es sehr schlecht. Sie leiden unter psychischen und körperlichen Beschwerden, sind sehr belastet. Sie leben zusätzlich unter äußerst prekären Umständen, haben manchmal kein Dach über dem Kopf. Das trifft mich natürlich. Ich versuche, professionell zu sein, die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit zu wahren. Ich sage mir dann, dass ich selbst psychisch, mental und körperlich fit sein muss, um die Frauen unterstützen zu können. Doch wenn ich morgens aufwache und sehe, dass es regnet, denke ich direkt an Klientinnen, die auf der Straße schlafen. Abschalten kann ich da nicht.

Würdest du dir mehr Unterstützung aus der Politik wünschen? Vielleicht auch gewisse Gesetzesänderungen?

Ich wünsche mir, dass Sexarbeit besser geschützt wird und die Rechte der Sexarbeiterinnen geachtet werden. Außerdem muss ein gutes Netzwerk von Beratungsstellen vorhanden sein, um den Frauen genügend Hilfe bieten zu können.

sperrgebiet-hamburg.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburgerin des Monats: Andrea de Luna von „Deintopf“

Im März 2020 wurde der erste Lockdown ausgerufen. Suppenküchen schlossen – und Andrea de Luna eröffnete die soziale Essens- und Lebensmittelausgabe „Deintopf“ im Karoviertel

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Andrea, Glückwunsch zum Einjährigen. Was steht heute auf dem Speiseplan?

Andrea de Luna: Es gibt Fischfrikadelle mit Kartoffelsalat, Gulaschsuppe mit Kartoffeln oder Spätzlepfanne Veggie mit Gemüse und Rahmsoße. Wir haben immer drei bis vier Gerichte zur Auswahl, damit für jeden Geschmack, aber auch für jede Verträglichkeit was dabei ist. Und immer auch was Vegetarisches.

Wie viele Gäste habt ihr pro Tag?

Das ist verschieden. Am Monatsende sind es mehr Gäste als am Monatsanfang. Das ist auch immer bisschen wetterabhängig, aber wir sprechen hier von einer Zahl von 100–200 Gästen pro Ausgabe.

Hat sich die Gästestruktur seit Beginn der Pandemie verändert?

30 Prozent unserer Gäste sind Menschen ohne festen Wohnsitz. Ich kenne viele von meinem Ehrenamt bei Hanseatic Help, Kältebus, Café mit Herz und Alimaus. Es kommen immer mehr alte Menschen und Alleinerziehende. Die brauchen das wirklich. Die einen für ihre Familien und die Älteren, damit sie überhaupt noch etwas zu essen haben.

Kümmert ihr euch auch um Gäste, die nicht mobil sind?

Ja, das bieten wir an. Wir liefern mit Lastenfahrrädern. Anfangs waren das mehr Gäste. Inzwischen ist es nur noch ein Herr, den wir auch von Anfang an versorgen. Unser Angebot besteht aber weiterhin: Wenn jemand nicht mobil ist, soll er sich bitte melden. Wir bringen das Essen vorbei. Allerdings begrenzt auf das Karoviertel.

Sind Freundschaften mit Gästen entstanden?

Man muss schon so professionell sein, dass man sich ein bisschen abgrenzt. Punkt A: Wir wollen niemanden bevorzugen. Die Gäste achten stark drauf, dass sich keiner vordrängelt oder einer mehr kriegt als der andere. Und B: Es sind es halt Menschen, und hinter jedem Menschen steht ein Schicksal. Diese Schicksale sind manchmal sehr traurig.

Man muss auf sich achten, dass man nicht zu viel davon mit nach Hause nimmt. Aber natürlich haben viele Gäste zu uns ein freundschaftliches Verhältnis. Die Helfer sind ja immer die gleichen. Die bauen Beziehung auf, die freuen sich darüber. Wenn jemand zwei Wochen nicht da ist, fragen sie auch, wo ist denn der? Es sind immer drei Helfer draußen. Die Gäste lieben das, sich einfach mit ihnen zu unterhalten, auch mal Spaß zu machen.

 

„Mich motiviert es, rauszugehen, was zu tun“

 

Du bist im Hauptberuf Erzieherin. Wie kriegst du das alles hin?

Das Wichtige ist ja, diese Projekte anzustoßen, aufzubauen. Wenn sie gut laufen, dann laufen sie halt auch. Und ich habe großes Vertrauen in meine Helfer. Wir treffen uns einmal die Woche im digitalen Meeting, besprechen alles. Jeder soll sich einbringen – ich bin Freund von Schwarmintelligenz.

Die Helfer können sich so mit dem Projekt identifizieren und machen das ein Stück weit zu ihrem eigenen Projekt. Innerhalb des Teams haben sich Freundschaften gebildet, wir haben ja ein sehr harmonisches und liebevolles Miteinander. Das ist uns wichtig. Gut miteinander umzugehen. Das ist Ehrenamt, und wenn man im Ehrenamt genauso gestresst ist wie im Job, dann möchte man es irgendwann nicht mehr machen.

Was ist deine Motivation?

Meine Motivation ist, Menschen zu helfen. Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man nicht genug zu essen hat oder es einem schlecht geht. Und ich kann das schwer aushalten, wenn ich sehe, dass es Menschen schlecht geht. Ich werde dann aktiv. Es nützt ja niemandem was, wenn ich zu Hause sitze und grüble. Mich motiviert es, rauszugehen, was zu tun. Ich überleg mir dann Dinge, die ich machen kann, um diesen Zustand zu verbessern.

Aus wie vielen Leuten besteht Deintopf?

Wir sind ein Team aus etwas über 50 Menschen. Wir arbeiten mit einem festen Dienstplan, in den sich jeder selber eintragen kann. Die Schichten sind genau aufgeteilt. Man kann nicht einfach herkommen und sagen, ich helfe jetzt mal mit, weil ich Lust zu habe. Außer man bleibt dann die ganze Zeit draußen, weil wir natürlich auch Auflagen haben und darauf achten müssen, dass es in den Räumen nicht zu voll wird. Zum Eigenschutz und zum Schutz unserer Gäste.

Wie ist der Anteil von Frauen und Männern?

Wir haben inzwischen auch schon sehr viele motivierte Männer dabei. Tatsächlich ist es aber so, dass der Großteil Frauen sind. Ich bin ja noch bei anderen Sachen aktiv. Das sehe ich überall im Ehrenamt.

Wie erklärst du das?

Ich will das nicht pauschalisieren, aber ich glaube, Frauen sind doch oft empathischer als Männer. Sie können mehr nachvollziehen, haben eher das Gefühl, dass sie helfen möchten. Es wurde uns irgendwie schon in die Wiege gelegt, dass wir uns immer gut um alle und alles kümmern.

Wer kocht für euch?

Zu Beginn hat der Foodeventclub sehr viel für uns gekocht. Auch die Flora Volksküche ist von Anfang an dabei. Außerdem das Buddels Restaurant, die Passage Gastronomie und die Juwelier Espressobar. Es wechselt auch immer mal. Wir können uns nicht beklagen.

Es möchten noch viel mehr Leute für uns kochen, aber wir haben gar nicht die Kapazitäten, das alles zu verteilen.

Welche Rolle spielt der Gesundheits­aspekt?

Es gibt immer ein vegetarisches oder veganes Gericht. Wir bieten kein Schweinefleisch an. Jeder Gast sucht sich selbst aus, was er mitnimmt. Auch an Lebensmitteln. Wir packen hier keine Taschen. Jeder Mensch kann nach Geschmack und Verträglichkeit selbst auswählen.

 

„Alles wäre erst gut, wenn es das Ehrenamt nicht mehr bräuchte“

 

Hast du da Unterstützung durch Behörden bekommen?

Also, ich habe zumindest vom Bezirksamt Mitte alle Genehmigung bekommen. Das ist ja schon mal gut. Ich bekomme auch Dankesschreiben (lacht). Ansonsten ist es natürlich so, dass Behördenmühlen langsam mahlen. Die sind auf alle Fälle bemüht.

Ich denke, dass die Stadt Hamburg mehr machen könnte. Eigentlich wäre es ja alles erst gut, wenn es das Ehrenamt nicht mehr bräuchte. Wobei wir das alles gerne tun. Manchmal ist es schwierig mit den Behörden. Wenn ich erst mal 20 Anträge und Passierschein 53 B beantragen muss um 100 Euro zu kriegen, dann lass ich das lieber, weil ich eigentlich auf anderen Wegen auf größere Summen komme.

 

Deintopf finanziert sich ausschließlich durch Spenden?

Ja, hier ist alles durch Spenden finanziert. Wir haben ja auch keine Verwaltungskosten, weil wir Gott sei Dank immer noch mietfrei hier sind. Wenn wir endlich Räume gefunden haben, sind Miete und Betriebskosten schon gesichert, weil die Reimund C. Reich Stiftung uns angeboten hat, diese zu übernehmen. Das ist eine große Stiftung in Hamburg, die sich im Bereich Armutsbekämpfung stark macht und viele Projekte unterstützt. Das Problem ist, das wir keine Räume finden.

Arbeitet ihr mit anderen Projekten zusammen?

Wir haben alle zwei Wochen ein großes digitales Meeting. Da sind ich und eine Helferin zusammen mit anderen Initiativen drin. Wir sprechen über wichtige Themen, was sind die Bedarfe, wie können wir noch helfen? Wir arbeiten gemeinsam an Konzepten. Oder jemand schreibt, ich habe 1.000 FFP2-Masken gekriegt. Lass uns die teilen!

Im Sommer, als die Wasserversorgung auf der Straße so schlecht war, haben wir gemeinsam Wasser bestellt. Hanseatic Help hat das alles für uns eingelagert. Wir konnten das dann jederzeit abrufen.

Wie waren die Reaktionen, als du mitten im ersten Lockdown Deintopf gegründet hast?

Von Seiten der Gäste her natürlich positiv. Viele haben wirklich geweint und gesagt, Gott sei Dank, das war meine erste warme Mahlzeit seit zwei Wochen. Diesen Menschen sind ja auch sämtliche sozialen Netzwerke weggebrochen. Meine Familie war zwiegespalten: Oh Gott, es ist Pandemie und du bist da immer mit Menschen! Aus Helferkreisen kam vereinzelt: Alle machen zu und du machst auf? Denkst du, du kannst das besser als die anderen? Ich weiß, dass man gerade zu Pandemiezeiten aufpassen muss. Das ist für uns alle neu.

Ich wusste aber auch, dass ich das gewisse Know-how habe, weil ich seit fünf Jahren ehrenamtlich arbeite und mich auf den Bereich Mobile Aufgaben spezialisiert habe. Jetzt kann ich ein bisschen stolz sagen: Ja, da haben wir das meiste richtig gemacht.

facebook.com/Deintopf


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Studierende in Zeiten von Corona: Konkurssemester

Cafés und Geschäfte zu, Veranstaltungen abgesagt, Kultur eingestampft: Die Corona-Krise hat auch Hamburgs Studierende hart getroffen, weil ihnen die Nebenjobs weggebrochen sind. Vielleicht gehen sie trotzdem als Gewinner aus der Krise

Text: Max Nölke

 

Zu viel Monat am Ende des Geldes: Wer studiert, kennt das Dilemma womöglich. Ausgereizter Dispo, von Nudeln mit Ketchup ernähren und durch einen minimalistischen Lebensstil die letzten Münzen wahren – um sich dann irgendwie über den Ersten des nächsten Monats zu robben. In der Rückschau auf die eigene Studienzeit lassen sich diese prekären Verhältnisse wunderbar verklären, gegenwärtig sind sie mitunter vertrackt, in einer Pandemie sogar äußerst brenzlig.

Viele Studierende befinden sich momentan in solch finanziellen Nöten. Und das ist ausnahmsweise mal nicht ihrer oft monierten Lethargie zuzuschreiben, sondern weil jungen Menschen im Lockdown reihenweise die Möglichkeiten weggebrochen sind, neben dem Studium Geld zu verdienen.

 

Von Verlierern und Verlierern

 

Lange schlichen die Studierenden ein wenig unter dem Radar durch die Corona-Krise. Es ist noch immer viel über die Kinder als Verlierer der Pandemie zu lesen. Weil ihnen entscheidende Monate in der Entwicklung genommen würden, weil sie die Bildungslücken mit dem wegfallenden Präsenzunterricht nicht wieder auffüllen könnten. Und weil Kinder in der Politik ja sowieso ständig zu kurz kämen.

Und wenn die Kinder es schon schwer haben, wie ist es dann erst um Erwachsene bestellt, die sich ihrer Existenz bedroht fühlen, die um ihre Jobs bangen müssen. Und die im Zweifelsfall auch noch das Familienleben samt Homeschooling meistern müssen. Und mit all den Unternehmen, die wegsterben, wollen wir erst gar nicht anfangen. Schlimm und Schlimmer. Und die Studierenden? Um die ist es erstaunlich lange still geblieben. Gut, Online-Vorlesungen und ewiger Mailverkehr sind nervig, aber ja wohl nicht existenzbedrohend, so hieß es. Doch der Ton ist mittlerweile ein anderer. Studierende gehören gleichermaßen zu den großen Verlierern der Krise.

 

Vor allem Studierendenjobs und Praktika brachen weg

 

Mal abgesehen vom emotionalen Wert, den ein Studium in seiner Ursprungsform mit sich bringen kann, sind es auf dem Arbeitsmarkt vor allem Studierendenjobs und Praktika, die im Lockdown weggefallen sind. Laut einer Analyse des Indeed Hiring Lab aus dem vergangenen Herbst sank die Anzahl an Stellenausschreibungen für Studierendenjobs auf dem Berufsportal „Indeed“ im September 2020 um 51 Prozent zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Inserate für Praktika brachen zeitweise um 45 Prozent ein. Der Gesamtarbeitsmarkt ist weniger stark betroffen: Hier lag der Rückgang der Stellenausschreibungen im September bei 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei ist Hamburg im Deutschlandvergleich, zusammen mit Frankfurt, am stärksten betroffen. Über das Jobportal gab es in Hamburg im Vorjahresvergleich 56 Prozent weniger Stellenausschreibungen für Studierendenjobs (Frankfurt: 57 Prozent). „Auf Studierende wird in Krisenzeiten als erstes verzichtet, um zunächst die Stammbelegschaft sichern zu können“, sagt Annina Hering, Ökonomin im Indeed Hiring Lab, zu den Ergebnissen der Studie.

„Gerade die klassischen Studierendenjobs in der Gastronomie oder in der Kultur und Hotellerie sind weggefallen“, erklärt Daniela Janßen, Leiterin des Hochschul-Jobportals „stellenwerk“, das 2007 als Gemeinschaftsprojekt der Universität Hamburg, der HAW Hamburg und der Technischen Universität Hamburg gestartet ist.

Vor allem im ersten Lockdown Mitte März sei der Markt stark eingebrochen, mittlerweile habe sich vieles stabilisiert. Auch weil sich neue Jobmöglichkeiten aufgetan hätten. „Im Bereich der IT werden vermehrt studentische Hilfskräfte gesucht, Architekturbüros brauchen Personal, außerdem Einzelhändler, die verstärkt Online-Shops aufgebaut haben.“ Lieferdienste und Logistikunternehmen suchen händeringend Minijobber. Und auch private Nebenjobs, wie Nachhilfe, seien gefragt wie nie.

 

„Ich hatte nur noch sieben Euro auf dem Konto“

 

Mehr als 100.000 Menschen studieren in Hamburg. Einer von ihnen ist Jonas, 27 Jahre alt. Er steckt in den Endzügen seines Masters in Digitaler Kommunikation. Weil auch die Skatehalle I-Punkt Skateland am Berliner Tor im November ein zweites Mal in den Lockdown musste, hat er seinen Nebenjob verloren.

Jonas hat auf 450-Euro-Basis einmal die Woche in der Halle gearbeitet. Mit zusätzlich 400 Euro vom Bafög-Amt kam er damit immer ganz gut über die Runden, erzählt er. 450 Euro haben oder nichthaben: Die Abwägung stellte sich Jonas nie. Er ist auf den Nebenverdienst angewiesen. „Und plötzlich hatte ich am Anfang des Monats nur noch sieben Euro auf dem Konto“, sagt er. „Für die Miete musste ich meine Mutter anpumpen.“ Eine Rückendeckung, auf die nicht jeder zählen kann. Und die gemeinhin auch nicht unerschöpflich ist.

 

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Jonas studiert Digitale Kommunikation im Master (Foto: Leon Ziock)

 

Für ihn kam die Rettung mit der staatlichen Überbrückungshilfe. Weil Jonas an einer staatlich anerkannten Hochschule immatrikuliert ist, kann er Hilfsgelder vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beantragen. Das sind monatlich zwischen 100 und 500 Euro. Je weniger auf seinem Konto ist, desto mehr darf er beantragen. Kann Jonas nachweisen, dass er weniger als 500 Euro zur Verfügung hat, darf er 100 Euro an Zuschuss beziehen, steht sein Kontostand bei unter 100 Euro, darf er mit 500 Euro rechnen. Und das, auch wenn bereits Darlehen, Stipendien oder sonstige Unterstützung bezogen werden. Zurückzahlen muss der Student die Überbrückungshilfe nicht.

 

„Es läuft echt unkompliziert und gut“

 

Mittlerweile beansprucht Jonas seit fünf Monaten die Hilfsgelder des Staates und hat sich den ein oder anderen Kniff überlegt, um den Höchstsatz zu beziehen. „Im März musste ich zum Beispiel Semestergebühren bezahlen, das sind 330 Euro, ganz schön happig für Studis“, erzählt er. „Da habe ich die Überbrückungshilfe erst beantragt, nachdem das Geld vom Konto gezogen wurde.“ Denn somit lag er unter der 100-Euro-Grenze und bekam den Höchstsatz ausgezahlt.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Studierender das Geld Anfang, Mitte oder Ende des Monats beantragt. „Es dauert drei, vier Tage, dann kommt die Bestätigung, wenn deinem Antrag stattgegeben wurde und am nächsten Tag ist das Geld da. Das läuft schon echt unkompliziert und gut.“ Eine ähnliche Hilfe leistet die Förderbank KfW. Dort können sich Studierende Geld leihen. Der Studienkredit von bis zu 650 Euro muss zurückgezahlt werden, bis Dezember 2021 entfallen dafür allerdings keine Zinsen.

Mit der Überbrückungshilfe und dem Bafög-Geld schafft Jonas es mittlerweile sein ein paar Monaten über die Runden. Einzig größere Geldbeträge, die nicht in raten zahlbar sind, bereiten ihm Probleme. Daher hätte er sich zusätzlich zum Hilfsgeld eine Art Bonus für die Studiengebühren gewünscht.

 

Bars, Restaurant und Cafés geschlossen

 

Auch Anna verlor mit dem Lockdown ihren Nebenjob. Die 24-Jährige studiert im Bachelor Ökotrophologie und hat bis letztes Jahr auf 450-Euro-basis im „Café LilliSu“ in Altona gekellnert. Den ersten Lockdown im März letztes Jahr haste sie noch durchgestanden, gewartet bis das „LilleSu“ wieder öffnet. Mit Rücklagen und Unterstützung der Eltern hiße die oberste Prämisse: Haushalten. „Bio-Produkte im Supermarkt waren nicht drin. Dafür fehlte mir das Geld.“

Im Sommer 2020, als sich nicht nur Hamburg vermeintlich über dem Berg sah, gab es unter Auflagen wieder eine Art Normalbetrieb im „Café LilleSu“. Anna fing wieder an zu kellnern und konnte sich finanziell etwas Luft verschaffen.

Mit Beginn des zweiten Lockdowns im November ging die Unsicherheit wieder los: „Ich bin auf die Nebeneinnahmen angewiesen, daher habe ich gekündigt und mich anderweitig umgeschaut.“ Für sie persönlich war das ein kleiner Glücksgriff: Sie heuerte in einem Unternehmen an, das online Rezepte entwickelt und Ernährungsratgeber schreibt. Dort bekam sie anfangs sogar einen Coworking Space bezahlt, von wo aus sie arbeiten konnte, mittlerweile ist sie wieder an den hauseigenen Schreibtisch gewechselt und arbeitet von dort aus.

Für die Ökotrophologie-Studentin hat sich durch den Lockdown insoweit ein neues Fenster eröffnet: „ich bin froh, dass ich meinen jetzigen Nebenjob mit dem Wissen aus dem Studium verknüpfen kann.“ Auf Kellnern, sagt sie, habe sie sowieso keine Lust mehr gehabt.

 

Gehen Studierende als als Gewinner aus der Krise?

 

Daniele Janßen vom „Stellenwert“ glaubt, das Arbeitsleben werde sich nach Corona grundlegend verändert haben. „Der markt“ wird flexibler, viele Unternehmen werden auf remote setzen, Arbeit, die im Homeoffice funktioniert.“ Davon könnten Studierende profitieren. „Sie sind mit digitalen Medien aufgewachsen, haben meist eine offene Einstellung gegenüber neuen Themen und Arbeitsfeldern, was Ihnen hilft, mit Veränderungen umzugehen“, glaubt sie. Ist Corona überwunden, werden viele Unternehmen mit Vorsicht reagieren, sich flexibel absichern. Dann könnten Studierende als günstige Lösung gesehen werden und Positionen besetzen, die Firmen noch nicht als volle Stelle ausschreiben möchten. Viellicht gehen Studierende so als große Gewinner aus der Krise.


 SZENE HAMBURG UNI-EXTRA, April 2021. Das Magazin ist als Heft in unserem Stadtmagazin seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Volker: „Sie schützen die Menschenrechte vor den Menschen“

Volker ist seit sechs Jahren obdachlos und wohnt aktuell im Bedpark Hostel, einem Hotel, das auch Menschen ohne Zuhause beherbergt. Das Winternotprogramm der Stadt Hamburg lehnt er ab

Text & Foto: Markus Gölzer

 

Volker kommt bestens vorbereitet zum vereinbarten Gesprächstermin und händigt neben einer handlichen „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen ein selbst verfasstes Pamphlet zu dem Thema aus. Auf den ersten Blick wirkt er hinter seinem langen Bart jünger als 65. Auf den zweiten auch. Antworten kommen schnell und präzise, der Tonfall bleibt entspannt. Wenn er über eine Frage nachdenken muss, wiederholt er sie, um zügig druckreif Stellung zu beziehen. Dabei bewahrt er eine leicht ironische Distanz, auch zu sich selbst.

Wie bei der Schilderung seines Wegs vom Selbstständigen zum Obdachlosen: „Ich hatte ein nicht regelkonformes Hobby: Ich habe mich mit Schwarzfahren beschäftigt. Dann kam irgendwann der Haftbefehl. Für meine Logik und mein Rechtsverständnis muss erst ein Urteil da sein, bevor ein Haftbefehl ausgestellt wird. Ich hätte das die ganze Zeit abwenden können, weil ich immer Geld auf der Seite hatte. Aber die Gerichte haben sich einen Scheißdreck um meinen Widerspruch gekümmert.“ Volker tauchte unter, wurde nach einem halben Jahr am Altonaer Bahnhof abgegriffen, landete im Gefängnis, dann auf der Straße.

Sein altes Leben, samt Bauernhof als Altersruhesitz, ist vorbei. Er hat ein neues bekommen, von dem er hofft, dass er es nach seinen Wünschen gestalten kann. So gründete er einen „Mobilen Trommelkreis“, der gut lief, bis Corona kam. Als weitere Idee würde Volker gern eine Bewegung ins Leben rufen. Eine, die die Ursachen der Obdachlosigkeit bekämpft, nicht nur die Symptome.

 

Sich entfalten können

 

Die Menschenrechte sagen in Artikel 25, dass jeder ein Recht auf eine Wohnung hat. Volker fordert nicht nur Wohnraum, der bezahlbar ist, sondern bedarfsgerecht. Wo sich die Menschen entfalten können, ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen: „Was bedarfsgerecht ist, muss jeder Mensch selbst entscheiden. Ich möchte eine Wohnung, wo ich lauter sein kann. Wegen dem Trommeln. Ist ja bekannt, dass das nicht unbedingt leise ist.“ Hierzu würde er gern eine Kundgebung organisieren vor dem Hamburger Rathaus. Seine Vision: Viele Obdachlose kommen zusammen und jeder baut ein Tiny House am Rathausmarkt. Drei Monate lang.

Kraft schöpft er im Café Augenblicke, einem Begegnungscafé, wo er regelmäßig isst und Bekannte trifft. „So richtig Obdachlosentagesstätten mag ich nicht unbedingt. Ich glaube, das bekommt einem nicht so gut. Das hat mit den Gesprächsthemen zu tun. Es sind wenig Gespräche, wie man aus der Obdachlosigkeit wieder rauskommt. Viele haben das Hobby Alkohol. Ich selber trinke keinen Alkohol, auch wenn viele denken, das müsste man als Obdachloser. Das ist Quatsch. Es gibt viele Obdachlose, die keinen Alkohol trinken.“

Ein echtes Langzeitprojekt war die Bearbeitung seines Antrags beim Jobcenter auf Erstattung der Kosten der Unterkunft: über zwei Jahre. Gar nicht schlecht, wenn andere von sieben Jahren berichten. Doch schlecht, weil die Behörden die Situation der Antragssteller genau kennen. Als Hartz-IV-Empfänger bekommt Volker Geld für seinen Lebensunterhalt. Dazu gehören zwingend die Kosten für Unterkunft, die aber Obdachlosen vorenthalten werden. Pünktlich zur Weihnachtszeit wurde der Antrag abgelehnt. Volker geht jetzt in Berufung.

 

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

 

Er findet: Der Staat maßt sich an, zu bestimmen, erfüllt aber selbst seine Pflicht nicht. Und zwar das Recht auf eine Wohnung. „Die EU hat die Konvention zum Schutz der Menschenrechte. Und genau das machen sie. Sie schützen die Menschenrechte. Vor den Menschen.“ Auf die Frage, ob das auch für das Winternotprogramm gelte, wird Volker fast ungehalten: „Wir reden hier über Menschenrechte. Ich glaube, da wird die Frage hinfällig. Werden in den Winternotunterkünften die Menschenrechte eingehalten? Haben die da eine Privatsphäre? Ist es ein Menschenrecht, eine Privatsphäre zu haben? Also, worüber reden wir hier?“

Die Antwort liefert er im Einstieg seines Pamphlets: „Die Bundesrepublik Deutschland und ihre Organe und die dafür arbeitenden Erfüllungsgehilfen haben sich dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht. Den Beweis können wir jeden Tag sehen: Tausende von Menschen, die obdachlos sind.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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