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PUSH: „Urban Jungle“ in der Affenfaust Galerie

Mit der Ausstellung „Urban Jungle“ des Hamburger Künstlerkollektivs PUSH meldet sich die Affenfaust Galerie ab dem 18. August 2022 aus der Sommerpause zurück

Text: Katharina Stertzenbach

Seit 2011 installiert die Bildhauer-Crew von PUSH plastische Objekte aus Styrodur oder Styropor im öffentlichen Raum. Dabei geht es ihnen vor allem darum, ihr direktes Umfeld aktiv mitzugestalten. Die Werke sind mal humorvoll und mal sozialpolitisch. Der Name der Crew ist dabei Programm, er ist nicht nur in den meisten Werken integriert, sondern ist auch als Aufforderung zu verstehen, sich gegenseitig nach vorne zu bringen und Initiative zu ergreifen.

Diese Intention verfolgt auch die Ausstellung „Urban Jungle“ in der Affenfaust Galerie. Das Künstlertrio überträgt hier urbane Zeichen in die Ausstellungsräume. „Urban Jungle“ zeichnet den Mix aus Kunst und Stadt aus. Dieser unterstreicht einmal mehr, wie beide Pole sich gegenseitig bereichern können.

Urban Jungle: 18. August bis 15. September 2022, mittwochs, donnerstags und samstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet

affenfaustgalerie.de


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Tash Sultana beim MS Dockville Festival 2022

Das MS Dockville Festival 2022 hat 18 neue Künstler:innen bestätigt. Darunter neben Tash Sultana auch Leoniden und Die Orsons

Text: Felix Willeke

Vom 19. bis 21. August 2022 findet das MS Dockville Festival zum 14. Mal statt. Jetzt hat das Festival 18 neue Künstler:innen bestätigt. Und mit der Australierin „Tash Sultana“ kommt damit genreübergreifender und internationaler Glanz zum Dockville. Spielte die 26-jährige Multiinstrumentalistin vor ein paar Jahren noch auf den Straßen Melbournes, füllt sie mittlerweile die großen Arenen und vor Kurzem wurde ihr sogar die Ehre eines eigenen MTV Unplugged zu Teil – das Album zum Konzert erscheint am 3. Juni 2022. Jetzt kommt die Künstlerin, die sich als non-binär bezeichnet, also auch zum Dockville. Doch damit nicht genug. Neben Tash Sulatana geben sie mit „Leoniden“ auch echte Lokalmatadoren die Ehre. Erst im letzten Sommer hat die Kieler Indie-Rock-Band mit „Complex Happenings Reduced to a Simple Design“ ihr aktuelles Album veröffentlicht, dass sogar zeitweise auf Platz 1 der Albumcharts kletterte.

Tash Sultana bei ihrem MTV Unplugged in Melbourne

Ein würdiges Line-up

Neben Tash Sultana und Leoniden kommt mit „Die Orsons“ und „01099“ auch feinster Hip Hop & Rap zum MS Dockville 2022. Schon länger bekannt sind zudem die Auftritte des Schweizer Sängers „Faber“ und der Hamburgerin „Ali Neumann“. Aber wie immer gilt: There‘s still more to come – weiter Künstler:innen werden in nächster Zeit bekannt gegeben und damit steigt die Vorfreude auf das MS Dockville Festival 2022.

„New 68“ von Leoniden

Das MS Dockville Festival 2022 findet vom 19. bis 21. August in Hamburg-Wilhelmsburg statt, es gibt noch Tickets.


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Hamburger Kunsthalle: Vom Lauf der Zeit

Zum 25-jährigen Bestehen von Bogomir Eckers „Tropfsteinmaschine“ beleuchtet die Ausstellung „Futura“ in der Hamburger Kunsthalle das Phänomen Zeit. Wir sprachen mit der Kuratorin Dr. Brigitte Kölle über erkaltete Lava und das Abheben ins All, das Denken in Bildern – und über ihre Zusammenarbeit mit dem Künstler Bogomir Ecker

Interview: Sabine Danek

 

SZENE HAMBURG: Brigitte Kölle, Ausgangspunkt von „Futura“ war nicht nur das 25-jährige Bestehen der Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle, sondern vor allem das der „Tropfsteinmaschine“ von Bogomir Ecker, die das gesamte Haus von Anfang an durchzieht. Wie kam die Ausstellung zustande, die Sie gemeinsam mit dem Künstler konzipiert haben?

Brigitte Kölle: Es gibt den Verein Tropfsteine e. V. dessen 26 Mitglieder sich darum kümmern, dass die Tropfsteinmaschine läuft. Dazu gehören die Restauratorin, der Technische Leiter der Galerie der Gegenwart, ich als Sammlungsleiterin, der ehemalige Kunsthallen-Direktor Uwe M. Schneede und Interessierte, die die Tropfsteinmaschine seit Langem begleiten. Wir haben uns mehrmals getroffen und langsam rückte das Thema Zeit, und wie unterschiedlich man mit ihr umgehen kann, immer mehr in den Mittelpunkt. Wir haben ein buntes, interdisziplinäres Programm geplant. Bogomir Ecker hatte sich ein Stück des Komponisten Daniel Ott und Interventionen des Schriftstellers Oswald Egger gewünscht, Workshops mit Aktivist:innen von Fridays for Future kamen hinzu und eine Science-Fiction-Reihe im Metropolis Kino. Irgendwann dachten wir es sei schade, nicht auch bildende Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die sich mit dem Thema Zeit beschäftigen und damit, wie man diese überhaupt fassen und vermessen kann.

Und so entstand eine Ausstellung mit gleich 30 Künstlerinnen und Künstlern …

Und dazu eine, wie man sie sonst nicht kennt! Hier hängen keine abgeschlossenen Arbeiten nebeneinander, schön im Rahmen und unter Glas. Die Ausstellung ist vielmehr wie eine Assoziationskette oder wie der Besuch in einem Künstleratelier. Wichtig sind die Bezüge der Arbeiten miteinander, dass eine zarte Zeichnung von John Cage auf Tektite trifft, dass Naturalien neben Kunstwerken zu sehen sind, Werke von Gustave Courbet und Caspar David Friedrich neben vielen neuen Arbeiten, die speziell für die Ausstellung entstanden sind.

 

Die Transformation von Materialien und Materie

 

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Bogomir Ecker: Tropfsteinmaschine (Detail) (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Fotoarchiv Bogomir Ecker)

Wie war es, mit einem Künstler als Kurator zu arbeiten?

Ich fand es prima. Bogomir Ecker denkt in Bildern und das mit ihm teilen zu können war unglaublich spannend. Er hat ein riesiges Archiv mit über 15.000 Vintage- und Pressefotografien, die von historischen Gletscher-Aufnahmen bis hin zu Bildern von AtommüllEndlagern reichen und arbeitet ganz assoziativ. Wir argumentieren mit und durch die Kunst und das sieht man der Ausstellung an. Es ist anregend, sich auf eine Entdeckungsreise zu begeben und eigene Ideen zu entwickeln.

Und das in einer Ausstellung, die sich quasi schon verändert während man sie besucht.

Ja, es ist eine Ausstellung, in der viel passiert. Die Transformation von Materialien und Materie spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit Zeit. Die Künstlerin Nina Canell beispielsweise hat einen großen Bottich mit Wasser aufgestellt. Darin tönt ein Ultrasound, den das menschliche Gehör nicht wahrnehmen kann. Aber man kann ihn sehen, denn er erzeugt Vibrationen, die als Nebel aufsteigen und den Zement, der daneben liegt, nach und nach hart werden lässt.

Jens Risch hingegen hat neben seine „Knoten-Stücke“, die wie kleine Korallen wirken und unglaublich schön anzuschauen sind, ein „Stunden-Stück“ gelegt. Es ist ein kurzer Faden, an dem der Künstler von 10.55 Uhr bis 11.15 Uhr geknotet hat. Gleichzeitig hat die Ausstellung auch Werkstattcharakter, denn es finden viele Veranstaltungen direkt in ihr statt, Konzerte, Gespräche und Führungen, die auch hinter die Kulissen der Tropfsteinmaschine führen. Da gibt es ein riesiges Wasserreservoir von 1500 Litern, falls es mal nicht genug regnen sollte. Was in Hamburg natürlich relativ unwahrscheinlich ist. (lacht)

 

Hamburger Künstler:innen im internationalen Kontext

 

Auch sind Arbeiten von Hamburgern wie Axel Loytved oder Elena Greta Falcini zu sehen. Achten Sie besonders darauf, auch vor Ort die Augen aufzuhalten?

Ich finde es schön, dass Ihnen das auffällt. Gleichzeitig kommt es mir selbst aber immer etwas unfair vor, das in den Vordergrund zu stellen. Denn es geht nicht darum, ob die Künstler:innen aus Hamburg kommen, sondern darum, dass sie gut sind und im internationalen Kontext bestehen können. Elena Greta Falcini mixt aus alten Autoreifen und anderen Stoffen ihre eigenen Materialien und hat damit eine Art schwarzes Loch im Raum verspannt. Es wirkt wie Lava, die gerade erst erkaltet ist und man spürt förmlich die Energie. Falcini hat gerade erst ihr Studium an der HFBK abgeschlossen und ist eine eigenständige, interessante Künstlerin.

Und von Axel Loytved sind die tollen Schneematsch-Plastiken zu sehen.

Sie sehen wie abstrakte Bronzen aus und erinnern an Meteoriten. Dann aber liest man, dass es Abgüsse der Klumpen sind, die sich bei Schneefall an den Radkappen bilden. Loytved erhöht die Banalität des Alltags in die Kunst und holt die Kunst gleichzeitig auf eine ganz reale Ebene zurück. In Nachbarschaft zu den Bronzegebilden von Loytved hängen historische Fotos von Gletschern, die es heute nicht mehr gibt und um die Ecke stehen Kühltruhen, die Bogomir Ecker mit Gegenständen gefüllt hat, die langsam einfrieren. Stillstehende Zeit.

 

„Wir Menschen sind doch eher marginal“

 

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Edith Dekyndt: Videostill aus Breiđarmerkurfjara Beach, 2012 (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Galerie Karin Guenther Hamburg / Galerie Greta Meert Brüssel)

„Futura“ hebt gleich mit mehreren Arbeiten ins Weltall ab. Gehört das zum Thema Zukunft dazu?

Bei der Beschäftigung mit der Zukunft kommen automatisch das große Ganze ins Spiel und der Versuch, dieses unvorstellbare Universum zu greifen. Daniel Janik hat dazu einen „Prototyp zur Rückführung von Himmelskörpern“ gebaut. Es ist eine Arbeit, die so ernst wie augenzwinkernd ist, denn käme ein Meteroit angeflogen, würde sie vermutlich sofort zerbrechen. Aber es geht um die Vorstellung, dass wir etwas auffangen können aus dem All und es auch wieder zurückschicken. Wie bei dem Bild des Pärchens, das 1972 mit der Raumsonde Pioneer X ins All geschickt wurde, um anderen Lebewesen, falls es sie gibt, etwas über uns mitzuteilen. Absurderweise gab es damals Diskussionen, ob man die Geschlechtsteile so deutlich zeigen darf. (lacht)

Dachte man früher an die Zukunft, ging es um Fortschritt, heute muss man die Zerstörung der Welt immer mitdenken.

Das ist auch ein Aspekt, der in der Ausstellung ziemlich klar wird. Gleichzeitig war es uns wichtig, über Atommülllagern und Dystopien hinaus abstrakter zu denken. Es geht um Kunst, um Fantasie und einen spielerischen und zugleich ernsthaften Ansatz. Und es geht um Transformation und Veränderung, um chemische und physikalische Prozesse, zu denen letztendlich auch die Tropfsteine gehören. Die ganze Diskussion um das Anthropozän ist immer so auf den Menschen fixiert. Doch im Vergleich zum Universum mit seinen Milliarden Jahren, sind wir Menschen doch eher marginal. Deswegen tauchen wir in der Ausstellung stärker in die Natur ein und in die unaufhörlichen Prozesse von Verdampfen, Gefrieren, Verdichten oder Sich-Auflösen.

Futura. Vermessung der Zeit, Hamburger Kunsthalle, bis zum 10. April 2022, Buchvorstellung „Internationale Zukunftsprojekte“ am 3. Februar 2022 (2G-Plus-Veranstaltung) 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2022. Das Magazin ist seit dem 29. Januar 2022 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Sternbrücke: „Die Clubs müssen weichen“

Die Zukunft ist ungewiss. Im Dezember will die Bahn ihre Neubau-Entwürfe zur Abstimmung stellen. Anwohnende kritisieren die Dimensionen und fehlenden demokratischen Beteiligungsprozess. Zur aktuellen Situation an der Sternbrücke und warum die Clubs nicht mehr Teil des Protestes sind, äußert sich Daniel Höötmann von der Astra Stube

Interview: Ole Masch

 

SZENE HAMBURG: Daniel, wie konntet ihr die Zeit während der Schließung überstehen?

Daniel Höötmann: Die ersten zwei Monate hat uns die Aktion von Tourhafen und dem Friese, Mercher von Turbostaat, geholfen. Die Aktion hieß „Be My Quarantine“ und Tourhafen, eine Hamburger Firma, die Merchandise für Bands und Clubs macht, hat T-Shirts drucken lassen, wo hinten im Nacken das Logo des Clubs war und vorne ein Druck von Künstler*innen. Die Erlöse sind den Clubs zugutegekommen. Danach kam natürlich der Rettungsschirm der Kulturbehörde, wo unsere Fixkosten bezahlt wurden.

Ist das Team noch dasselbe?

Ja. Wir haben ein paar neue Gesichter dazubekommen, da wir mit der 2G-Regelung mehr Personal brauchen. Aber unsere Leute waren sofort am Start, als wir wieder aufgemacht haben. Und sind natürlich geimpft, um sich und andere zu schützen.

Wurde im Laden etwas verändert?

Wir haben im ersten Lockdown den Club renoviert: Gestrichen, eine neue Lichtanlage hinter der Bühne installiert und die kompletten Stromleitungen neu gelegt. Das Lager wurde von unserem Hauke Horeis innerhalb eines Monats entrümpelt und er hat dort einen Backstage eingerichtet. Ab und zu habe ich gedacht er wohnt da schon. Und wir haben unseren Tresen und die Holztheken an den beiden großen Fenstern schick gemacht.

 

„Schlangestehen in 2021 ist sehr angesagt“

 

Wie liefen die ersten 2G-Veranstaltungen?

2G ist momentan die einzige Lösung, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die ersten Konzerte und Partys liefen alle super. Die Leute wollen wieder raus, feiern, Live-Musik hören, Bier trinken und Menschen treffen. Die Gäste sind super, wir haben null Stress mit unserem Publikum. Alle akzeptieren die 2G-Regeln. Natürlich dauert alles länger beim Einlass: Luca-App oder handschriftlich eintragen, Impfzertifikat und Personalausweis vorzeigen, dazu das Ticket bereithalten. Schlangestehen in 2021 ist sehr angesagt.

Glaubst du, dass ihr trotz „vierter Welle“ geöffnet bleibt?

Wir hoffen es. Ich denke nicht das der Hamburger Senat noch mal einen Lockdown machen wird oder wie am Anfang von 2G erneut Abstand und Maskenpflicht einführt. Dann müssten wir wohl wieder zumachen, denn die Menschen werden dies in Clubs nicht noch mal akzeptieren.

Welche musikalischen Highlights sind für Dezember geplant?

Am 2.12. kommen die Cigaretten zu uns. Da freue ich mich sehr drauf. Der Feine Herr Soundso, Pony Royal und Passierzettel kommen unter anderem auch. Im Dezember haben wir viele Hamburger Bands dabei. Denn Newcomer-Förderung ist uns immer noch wichtig. Egal, ob von hier oder aus der ganzen Welt.

 

Party bis Ende 2022?

 

Was passiert in der Astra Stube an Silvester?

Es wird wieder unsere Silvester Party geben. Die machen wir jedes Jahr. Unsere Techniker, von denen einige auch DJs sind, legen auf. An Silvester sind alle Clubs unter der Sternbrücke voll. Waagenbau und Fundbuero haben auch immer auf und unter der Sternbrücke ist es rappelvoll.

Es wird in Zukunft also wieder Partys geben?

Klar doch. Wir haben bis Ende Dezember jeden Freitag und Samstag nach den Konzerten ab null Uhr Partys. Musikalisch ist alles dabei: HipHop, Electro, Reggae, Indie Punk. Wir haben ein paar neue Partys, die wir ausprobieren. Wie „Astra Colada’s Tanzcafe“. Das ist die Party von mir und Hauke. Den Podcast „Astra Colada“ haben wir im ersten Lockdown gestartet. Den nehmen wir in der Astra Stube mit Gästen aus dem Kulturbereich auf. Mit aktuell 1800 Hörenden pro Folge. Und wir haben uns gedacht: „Na dann machen wir doch mal eine Party.“

Bis wann läuft euer aktueller Mietvertrag?

Bis zum 31.12.2022. Ab Januar 2023 soll wohl angefangen werden, die Gebäude abzureißen.

 

„Kein normal denkender Mensch würde den Mietvertrag der Bahn unterschreiben“

 

19 Jahre in der Branche: Clubbetreiber Daniel Höötmann (Foto: Cindy Gusinski)

19 Jahre in der Branche: Clubbetreiber Daniel Höötmann (Foto: Cindy Gusinski)

Diskussionen darüber gibt es schon lange. Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, wie sähe die Zukunft der Astra Stube aus?

Ich bin ehrlich. Ich liebe die Astra Stube dort, wo sie jetzt ist. Nur wird es immer schwerer, den Club am Laufen und instand zu halten. Kein normal denkender Mensch würde den Mietvertrag der Bahn unterschreiben. Wenn die Brücke abgerissen und neu gebaut wird, wovon wir zu 100% ausgehen, wünsche ich mir, dass wir zusammen mit allen Clubs unter der Sternbrücke das Kulturhaus gegenüber bauen dürfen und so einen neuen, alten Platz bekommen. Denn egal, ob Abriss oder Sanierung der Brücke, die Clubs müssen weichen und werden abgerissen.

Wie müsste so ein Haus aussehen, damit du dort eine Zukunft siehst?

In das Kulturhaus kommen nicht nur die Clubs. Es sollen Bandproberäume, Bandwohnungen, Kita, Gastro reinkommen. Wir haben mit einem Architekten aus der Schanze dieses Projekt geplant und jeder Club unter der Sternbrücke bekommt in diesem Kulturhaus seinen Platz. Natürlich legen wir viel Wert auf Schallisolierung und Besucherleitung, damit Nachbarn nicht unnötig gestört werden. Der alte Look der Brücke soll in dieses Kulturhaus mit einfließen.

Gibt es bereits konkrete Zusagen für so ein Projekt?

Wir stehen in engem Kontakt mit der Stadt Hamburg, der Bahn und der Lawaetz Stiftung. Letztere hilft uns sehr, zwischen Bahn, Stadt und Anwohnenden zu kommunizieren. Was dabei rauskommt, kann ich leider noch nicht sagen.

 

Die Clubs werden abgerissen, es gibt keinen Erhalt

 

Ihr habt während Corona in den Club investiert. Wäre das nicht umsonst, wenn die Brücke abgerissen wird?

Nein. Der Club brauchte dringend eine Renovierung und neue Technik. Wir hätten nicht wieder öffnen können und haben durch ein paar Förderungen neue Sachen anschaffen können. Die nehmen wir mit, wenn wir eine neue Bleibe haben. Und natürlich ein paar „alte“ Sachen aus dem Club, damit im neuen dann noch der alte Astra-Stube-Charme zu sehen ist.

Ihr wart zuerst Teil der Sternbrücken-Initiative zum Erhalt der Brücke und jetzt nicht mehr. Warum?

Wir haben uns mit der Ini getroffen, aber schnell gemerkt, dass sie nicht unsere Interessen vertreten und dort eher „Schreihälse“ dabei sind. Wir verstehen natürlich, dass die Ini keine riesige Brücke direkt vor ihren Wohnungen möchte. Aber sie haben keine Ideen, wo wir hinsollen, wenn die Brücke, so wie sie es fordern, saniert wird. Die Ini verschweigt immer, dass die Clubs abgerissen werden, egal, ob Sanierung oder neuer Brückenbau. Auch die Kreiselkonzerte, die sie veranstalten. Da wird den Bands, die dort spielen suggeriert, dass sie für den Cluberhalt unter der Brücke spielen. Was totaler Quatsch ist. Das finden wir sehr bedenklich und absolut nicht ehrlich.

 

Eine Astra Stube ist auch woanders möglich

 

Die Gegner eines Abrisses argumentieren mit der Dimension der neuen Brücke und dem fehlenden demokratischen Beteiligungsprozess. Versteht ihr diese Argumente nicht?

Wir verstehen die Aufregung in Ansätzen. Diese Brücke ist alt und keiner weiß das besser als wir Clubs darunter. Wir kämpfen mit Schimmel, Wasserschäden und so weiter. Aber auch der Verkehr unter dieser Brücke ist katastrophal. Es braucht richtige Radwege und bessere Busspuren, damit dort sicher gefahren werden kann. Ob die Brücke so groß sein muss, wie sie werden soll, kann ich nicht beantworten.

Wäre die Astra Stube auch an einem ganz anderen Ort möglich?

Wir denken ja. Die Astra Stube hängt natürlich mit der Brücke zusammen. Aber die Astra Stube lebt von seinen Künstler*innen, Besucher*innen und unserer Crew. Ich denke, das schaffen wir auch an einem anderen Ort. Aber das Kulturhaus ist unser Wunsch, damit wir am Standort Sternbrücke bleiben können.

Abstimmung Bahn; Initiative Sternbrücke


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Geschenke stöbern: Adventsmarkt in der Koppel 66

Seit knapp 40 Jahren gibt es in der „Koppel 66“ einen Adventsmarkt der besonderen Art. Hier, in einer ehemaligen Maschinenfabrik, gibt es kreative, handgemachte Geschenkideen von Hamburger Künstlern und Handwerkern

Text: Marco Arellano Gomes

 

Dass das Gebäude einst als Dreherei genutzt wurde, merkt man ihm kaum an. Kein Wunder: Das war auch nur vier Jahre in den 1920er-Jahren der Fall. Nach dem Krieg wurde das 1924 im Stil des Art déco errichtete Haus vor allem als Lagerhaus für „1000 Töpfe“ genutzt, ehe es 1974 aufgrund privater Initiative des Hamburger Restaurators Hans Dieter Rommeney zu einem Haus für Kunst und Handwerk umgenutzt wurde. Ihm schwebte „eine öffentlich subventionierte soziale und kultur-politisch wirksame Institution“ vor, „die der gegenwärtigen Existenz und dem Fortbestand des Kunsthandwerks dient“. Der Erfolg gibt ihm recht.

 

St. Georg hat sich gewandelt

 

Noch heute gilt das Haus für Kunst & Handwerk unter Kunsthandwerkern als Treffpunkt, als Austauschs- und Ausstellungsmöglichkeit ihrer Arbeiten. Wichtig war ihnen allen von der ersten Stunde an, der interessierten Öffentlichkeit einen leichten Zugang zu den künstlerischen Werkstätten zu ermöglichen. Und welche Gegend hätte hierzu passender sein können als das damals vor allem aufgrund seiner Drogen- und Prostituiertenszene in Verruf geratene St. Georg – in dem einst unzählige Werkstätten und Gewerbebetriebe in den engen Gassen sesshaft waren.

Die Stadt stellte 1976 Haushaltsmittel bereit, um die Idee mit Leben zu füllen und einen Kulturwandel herbeizuführen. Es sollte noch etwas dauern, aber heute ist St. Georg in der Tat wie gewandelt: ein quirliges, lebendiges Ausgehviertel mit buntem Publikum und jeder Menge Cafés und Restaurants.

 

Kunst und Handwerk – made in Hamburg

 

Bunt wird es vor allem auch zur Adventszeit, wenn der inzwischen fest etablierte Adventsmarkt, der heute Messe geahnt wird, Koppel 66 wieder vom 26. November bis 19. Dezember an allen Adventswochenenden freitags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr im Hinterhof der Langen Reihe 75 stattfindet und Kunst- und Handwerksprodukte ausgestellt und angeboten werden. Seit 1981 ist diese ein fester Bestandteil im Haus für Kunst & Handwerk. Es wurde eigens ein Verein gegründet, der „Gemeinnützige Verein Förderkreis Koppel 66 e.V.“, der sich seither für die Idee, Kunst und Kunsthandwerk zu fördern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, stark macht. 20 Künstler und Kunsthandwerkerinnen arbeiten in zwölf, dem Publikum offen stehenden Werkstätten und Ateliers.

Und für sie alle ist die alljährlich stattfindende Adventsmesse das Highlight. Hier – nicht am Nordpol! – werden die Geschenke hergestellt, die wahrlich einzigartig sind: Schmuck von Constanze Janssen, Claudia Westhaus und Christiane Becker, handgemachte Kerzen von Karimah Ashadu, Olivenöfseife von Zoe Iordanidou, Holzschnitt- und Buchkunst von Tita Rêgo da Silva, Strickwaren von Irena Russmann, Damenkleidung von Antonia Lattemann, Kleider von Ewa Kuich, Herrenschneidereien von Sandro Dühnforth, Hüte von Teresa Gaschler, Keramik von Nata Pestune, Fotografie von Charlotte Schreiber, Siebdrucke von Susanne Kühn sowie Malerei von Michael Sazarin und dem GEDOK Kunstforum, einem der ältesten Verbände von Künstlerinnen und Kunstfördernden in Europa.

 

Im Café Koppel treffen sich alle

 

Im Erdgeschoss befindet das Café Koppel, das sich längst zum Treffpunkt etabliert hat und mit allerhand Kaffee- und veganen Spezialitäten überzeugen kann. Seit Jahren besuchen Menschen von alt bis jung die Adventsmessen der Koppel 66. Und jedes Jahr finden sie wieder etwas Neues und Besonderes. Location und Atmosphäre sind einfach unverwechselbar. Das Künstler- und Handwerker-Kollektiv versteht sich seit jeher als Gegenbewegung zur Massenproduktion – mit Erfolg.

In der Adventsmesse sind nicht nur ihre eigenen Kreationen ausgestellt, sondern auch die von Künstlern und Handwerkern aus ganz Deutschland – nach strengen Kriterien ausgewählt und eingeladen von einer Fachjury. Eine wahre Fundgrube. Wo, wenn nicht hier findet man wirklich individuelle, außergewöhnliche Geschenkideen von hoher Qualität, Originalität und Vielfältigkeit? Hingehen, stöbern, staunen.

Adventsmesse in der Koppel 66, vom 26. November bis 19. Dezember 2021 an allen Adventswochenenden freitags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr


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„Ich bin hervorragend im Selbstbetrug“

Der Hamburger Sänger und Songschreiber Wolfgang Müller veröffentlicht mit „Die Nacht ist vorbei“ ein klanglich leichtes, lyrisch tief in die Künstlerseele blickendes Album. Ein Gespräch über textliche Bildarbeit, Frieden finden beim Schreiben und Live-Auftritte als enorme Herausforderung

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Wolfgang, du hast mal gesagt, du würdest nach jedem fertig produzierten Album denken: „Das ist mein letztes, nie wieder.“ Nach den Aufnahmen für „Die Nacht ist vorbei“, heißt es, sollst du diesen Gedanken nun nicht haben. Warum nicht?

Wolfgang Müller: Weil ich dieses Mal den Entstehungsprozess und vor allem das Ergebnis so schön finde, dass nicht die Erschöpfung, sondern die Freude überwiegt. Dieses „Nie wieder“-Gefühl stellt sich tatsächlich nicht ein. Ein „Bitte nicht gleich nächstes Jahr wieder“-Gefühl allerdings schon (lacht).

Kann man in Kurzform sagen: Du warst noch nie so zufrieden mit der eigenen Kunst? 

Das klingt mir etwas zu eitel. Was ich sagen kann: Ich war schon lange nicht so glücklich mit einem Album, das ich gemacht habe.

Produziert wurde dieses Album innerhalb eines halben Jahres in deinem Dachzimmer. Wie muss man sich das so vorstellen?

Es liegt in der Schanze, von dort aus hat man einen ganz guten Blick über die Stadt. Es ist mein Refugium, dort arbeite ich, dort schreibe ich, dorthin ziehe ich mich zurück. Ich finde es ganz gemütlich.

 

Auseinandersetzung mit Dämonen

 

Hattest du dort oben beim Produzieren von „Die Nacht ist vorbei“ immer diese tiefe, innere Ruhe, die die Songs jetzt ausstrahlen?

Ja. Geschrieben habe ich die Songs in einem Zeitraum von dreieinhalb bis vier Jahren. Ich lebe nicht ausschließlich von der Musik, habe noch einen anderen Job, und wenn ich den nicht ausübe, spiele ich über den Tag verteilt immer wieder Gitarre, dichte und texte. Wenn man das sehr lange so gemacht hat, ergibt sich eine innere Ruhe ganz automatisch. Man braucht in meinen Augen auch einfach Zeit, um zu merken, was man wirklich aufnehmen möchte. Und ich habe mir diese Zeit dieses Mal genommen. Die innere Ruhe, die ich am Ende im Dachzimmer hatte, musste also erst mal entstehen.

Wobei man im Fall von „Die Nacht ist vorbei“ unterscheiden muss zwischen einer extrem zurückgelehnten Grundstimmung in der Klangästhetik und den textlichen Inhalten, die oft eine große innere Unruhe widerspiegeln. Ein Song, der heraussticht, ist „Sag Ja“. Der lädt geradezu zum Mitleiden ein, wenn es etwa heißt: „Bisweilen tut mir die Seele weh, und das in Wellen und an Stellen, wo andere nicht mal Stellen haben.“ Bedeutet das, du hattest das Gefühl, niemandem könnte es annähernd so schlecht gehen wie dir?

(lacht) Ja und nein. Ich bin grundsätzlich jemand, der sich gerne mit seinen inneren Dämonen auseinandersetzt, aber trotzdem ein positiver Mensch ist. Ich würde mich nicht als ständig leidend beschreiben. Was ich in dem Song ausdrücken möchte, ist, dass es meiner Erfahrung nach bestimmte seelische Themen gibt, die andere Leute nicht verstehen. Es gibt ja Menschen, die eine total geile Kindheit hatten, die sich immer prächtig mit ihren Eltern verstanden haben, bei denen einfach alles immer gut war. Und wenn man mit denen über gewisse Sachen redet, verstehen sie gar nicht, was man meint. Sie haben da gar nicht diese Stellen. Es ist, als wenn man sagen würde: „Mein dritter Arm tut mir ständig weh.“ Und das Gegenüber sagt: „Stell ich mir schlimm vor, aber ich habe selbst nie so einen dritten Arm gehabt.“

 

„Meine Musik ist persönlich, aber nicht privat“

 

Hilft das Aufschreiben solcher Gefühle gegen eben solche?

Ja. Ich sage immer: Meine Musik ist persönlich, aber nicht privat. Jemand, der sie hört, wird vieles nachvollziehen können, aber natürlich nicht wissen, wie zum Beispiel meine Beziehungen so gelaufen sind. Meine Songs sind keine Tagebücher. Für mich hat das Schreiben durchaus etwas Therapeutisches. Wenn ich etwas in Worte fasse, also benenne, geistert es mir nicht mehr so diffus in der Seele herum.

Viele benötigen für eine therapeutische Wirkung jemanden, der mit ihnen spricht. Meinst du, du kriegst durch das Schreiben die zweite Stimme selbst hin?

Ich bin ein großer Fan von echten Therapien und würde jedem dazu raten, wenn er gerade nicht klarkommt. Meiner Meinung nach sollten Gesprächstherapien sogar zur Grundausstattung gehören. Beim Schreiben arbeite ich allerdings viel mit Bildern, und ich habe gemerkt, dass ich dadurch ein Gefühl formuliert kriege, das in einer Gesprächstherapie keinen Raum hätte. Dieses Gefühl findet auf einer anderen Ebene statt, es wird nicht intellektuell hergeleitet. Und das bringt mir teils mehr Frieden, als wenn ich mit jemand anderem zwanzig Mal auseinanderbastele, warum dieses oder jenes denn so ist. Ich versuche auch, mir bei der Arbeit nicht so viel durchgehen zu lassen. Ich bin überzeugt davon, dass es keinen Sinn macht, etwas zu ignorieren – alles kommt irgendwann zurück. Ich möchte den Sachen deshalb auf den Grund gehen, daran habe ich auch eine große Freude.

 

Live spielen als Herausforderung

 

Dennoch singst du einmal auf dem Album, du wärst ziemlich gut im Selbstbetrug …

… genau, das ist mein innerer Antagonist. Ich bin sogar hervorragend im Selbstbetrug. Und eben diesen Betrug versuche ich mir nicht immer durchgehen zu lassen. Das ist aber nicht immer von Erfolg gekrönt. Jeder verarscht sich schließlich immer wieder, ich mich auch.

Ein neues Album bedeutet jetzt auch die Möglichkeit, neue Songs live zu präsentieren. Das falle dir aber allgemein gar nicht so leicht, heißt es …

… das stimmt. Live spielen stellt mich immer wieder vor eine große Herausforderung. Mir macht es Spaß, in der Retrospektive herumzuwühlen, aber das dann im Kontakt mit mehreren Menschen aufzuführen, empfinde ich als sehr anstrengend. Es gibt Künstler, die für die Bühne atmen. Die man geradezu festbinden muss, damit sie nicht ständig irgendwo spielen. Ich bin der Gegenpart. Acht Termine habe ich für dieses Album gemacht, und manchmal denke ich schon: „Gut, wenn ich die geschafft habe.“ Grundsätzlich machen mir Konzertabende aber auch viel Freude. Vielleicht wie so eine Bergtour: Die ist viel Arbeit, aber sie fühlt sich auch oft toll an.

„Die Nacht ist vorbei“ erschien am 19. November 2021 auf Fressmann/Indigo

Lust auf mehr, hier gibt’ das Video zu „Die nacht ist vorbei“:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Mundhalle: Handwerk und Kunst in der HafenCity

In der Mundhalle in der HafenCity ist eine breitgefächerte Interessen- und Arbeitsgemeinschaft aus 60 Akteuren aus den Bereichen Kunst, Handwerk, Technologie und Design tätig. Im Rahmen des Kultursommers findet die vielfältige Veranstaltungsreihe „LIFT ON LIFT OFF“ statt

 

Ursprünglich in einer Werkhalle in Rothenburgsort beheimatet, hat sich der Verbund der Genossenschaft Mundhalle eG nach der Gründung 2017 schnell zu einer umfangreich vernetzten und solidarischen Gemeinschaft entwickelt und ist Anfang 2021 in die HafenCity gezogen. Das berufliche Spektrum der vor Ort Beteiligten reicht von Studierenden über Soloselbstständige, Freiberufliche oder Handwerksmeister:innen, bis hin zu Unternehmer:innen. Das gemeinsame Anliegen ist es, selbstverwaltete Gestaltungs- und Arbeitsräume zu schaffen, die innerstädtisch angebunden, langfristig verfügbar und auch finanziell tragbar sind.

Während des Kultursommers lädt die Mundhalle eG zum Kulturfestival LIFT ON LIFT OFF ein. „Lift On, Lift Off“ beschreibt das Be- und Entladen von Containern mittels eines externen Krans und steht kurz („LoLo“) als Fachbezeichnung für den Großteil der Frachtschiffe auf den Weltmeeren.

 

Kultur-Container

 

Die Mundhalle eG mit ihren rund 60 Mitgliedern aus den Bereichen Handwerk, Bildende Kunst, Technologie und Design befindet sich bis Ende 2022 im ehemaligen Kreuzfahrtterminal in der HafenCity, dessen Architektur aus ebensolchen Überseecontainern besteht. Der temporäre Standortwechsel ins Entwicklungsgebiet „Überseequartier“ sei eine Herausforderung in ungewöhnlicher Umgebung für die junge Genossenschaft, so Insa, teil der Genossenschaft und Grafikerin mit Arbeitsplatz in der Mundhalle. Der neue Standort öffne durch seine spannungsgeladenen Kontraste zwischen der HafenCity als größte Baustelle Hamburgs, fertiggestellten Architekturvisionen und dem andauernden Frachtverkehr des Hafens, Freiräume für künstlerische Auseinandersetzungen, so die Grafikerin weiter.

 

Sound und Simulation

 

In diesem Sinne werden sowohl die Außen- als auch die Ausstellungsfläche des Terminals vom 22. Juli bis zum 04. August 2021 von Künstler:innen und Performer:innen der Mundhalle in einen Raum für wechselnde Ausstellungen, Performances und künstlerische Workshops verwandelt, welche in engem Bezug zur Umgebung stehen: Die Soundinstallation KEIN SCHIFF leitete mit einer Schiffshorn-Simulationsanlage lautstark den Beginn des Kulturevents ein. 

Das städtebauliche und landschaftsgärtnerische Werk der neuen HafenCity wird unter anderem auf dem Kunstspaziergang „Hafenpipi“ auf alternative Ideen und Konzepte der Erleichterung untersucht. Ebenfalls mit der urbanen Vegetation der Umgebung befasst sich der künstlerische Workshop „Nachtgärtnern – I would prefer not to“, der nur bei Dunkelheit und schlechtem Wetter stattfindet. An Fahnenmasten neben dem Terminal hinterfragt die flüssige Installation „dissolve“ die Bedeutsamkeit nationaler, image- und identitätsstiftender Symbolik.

Kinder und Erwachsene können sich im Voraus per Mail für eintägige Workshops anmelden um gemeinsam mit den Künstler:innen eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Für das künstlerische Programm muss keine Voranmeldung getätigt werden. Die Teilnahme und der Besuch der Events ist kostenlos. Auch außerhalb der Programmpunkte kann von 12:00 bis 22:00 Uhr täglich an der neu gestalteten, öffentlichen Freifläche am Chicagokai verweilt werden.


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#MeetFrida: Kunst im öffentlichen Raum

#MeetFrida am Jungfernstieg, im Park Fiction, im Eichenpark und in einer Pop Up Gallery im Hanseviertel

Text: Isabel Rauhut

 

MeetFrida3_ARt_Gallery_Kultursommer_Foto_Team_SZENE_JG-8#MeetFrida wurde im Sommer 2020 aufgrund von Corona als neuartige Initiative zur Förderung von Künstler:innen in Deutschland ins Leben gerufen. Seitdem zeigt das Projekt die Online-Galerie www.meetfrida.art mit diversen Kunstkampagnen im urbanen Umfeld, aufstrebende Kunstpositionen in Malerei, Fotografie und Skulptur von Künstlern aus ganz Deutschland.

Neben der digitalen Plattform steht #MeetFrida für weitere vielfältige Kunstprojekte: Im Rahmen des Kultursommer Hamburgs wurde auf der Reesendammbrücke am Jungfernstieg, im Park Fiction auf St. Pauli und im Eichenpark am Alstervorland die MeetFrida ARt Gallery platziert. Werke von insgesamt 30 Hamburger Künstler:innen sind hier seit dem 17. Juli einen Monat lang virtuell zu entdecken.

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Foto: SZENE HAMBURG / JG

Der Name ARt Gallery spielt auf die digitale Umsetzung der Ausstellung in AR (Augmented Reality) an: Der Handy-Bildschirm wird zum Museumseingang. Bildende Kunst kann so interaktiv erlebt und in eine Gruppenausstellung eingetaucht werden. Sichtbarkeit im realen Raum erhält die Ausstellung über einen rosa Kubus, der den Ort markiert und per QR-Code den Zugang zum digitalen Museum ermöglicht. Besucher:innen können per Handy den Code scannen und die AR-Ausstellung öffnet sich direkt im Browser, eine App ist nicht nötig.

 

Kunst on- und offline

 

Mit einer Pop-up Gallery im Hanseviertel in der Hamburger Innenstadt sind on top die Werke von insgesamt 10 Hamburger Künstler:innen auch offline zu sehen. Die Gruppenausstellung läuft noch bis zum 31. Juli. Wen es nicht in die Innenstadt zieht: Die Pop-Up-Ausstellung gibt es – natürlich – auch als 3D in einer App.

In einer Aktion ab dem 10. August gibt’s dann, wie auch schon 2020, weitere Kunst im öffentlichen Raum: Dabei werden 40 Großflächen in vier Hamburger Stadtteilen nach dem Motto „Kunst statt Werbung“ mit 18/1 Kunstplakaten in Hamburg plakatiert. Die Aktion erschafft eine Outdoor-Galerie auf Zeit und macht Kunst für jeden zugänglich. Anhand einer digitalen Karte auf www.meetfrida.art werden Interessierte von Ort zu Ort geführt und erhalten umfassende Informationen zu Künstler:innen und Werken.

meetfrida.art


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Abfahrt: Mit dem HVV die Hamburger Kultur unterstützen

Ab dem 15. Juli 2021 können Hamburger:innen mit dem Kauf eines HVV-Kulturtickets Künstler:innen beim Neustart unterstützen

Text: Felix Willeke

 

Der Hamburger Kultursommer, der am 15. Juli startet und bis zum 16. August geht, setzt mit mehr als 100 Veranstaltungen in allen sieben Bezirken ein Zeichen für die Hamburger Kulturszene. Hamburger:innen können ab heute die Künstler:innen unterstützen – mit dem HVV-Kulturticket.

Dieses kann ab dem 15. Juli zusätzlich zum regulären Angebot über die HVV-App und die hvv switch-App gekauft werden. Der preisliche Extra-Euro geht an den Verein MenscHHamburg, der das Geld an besonders förderungsbedürftige Solokünstler:innen weitergibt. Künstler:innen können sich auf eine Unterstützung in Höhe von 1.000 Euro auf hvv-switch.de bewerben.

 

Gemeinsam für die Kultur

 

„Wir als HVV möchten dazu beitragen, das Leben wieder zurück in Stadt und Region zu bringen. Wir hoffen, dass in den kommenden Wochen viele unserer Fahrgäste das Kulturticket nutzen werden und unser Vorhaben damit unterstützen“, sagt HVV-Gschäftsführerin Anna Korbutt.

Lars Meier, Vorstand bei MenscHHamburg e.V., ergänzt: „Das macht Hamburg aus, dass wir alle wissen, was wir an unserer großartigen Kulturszene haben und gemeinsam alles dafür tun, den Künstlerinnen und Künstlern durch diese Zeit zu helfen.“

 


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