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Ab ins Grüne!

Von Lotto King Karl über Editors bis Sting: 2022 kommen zahlreiche Top-Acts zum Stadtpark Open Air

Text: Erik Brandt-Höge

Die Geschichte der Stadtpark’schen Freilichtbühne geht weiter. Seit 45 Jahren bereits sorgt die Karsten Jahnke Konzertdirektion dafür, dass auf dem immergrünen Areal nationale und internationale Musikgrößen live zu erleben sind. Max Herre, Helge Schneider, Johannes Oerding und Element Of Crime waren bereits mehrfach beim Stadtpark Open Air. Weezer, Wu-Tang Clan und Kendrick Lamar waren auch schon da. Ja, sogar Joe Cocker hat seine Hits zwischen den Buchenhecken gesungen. Auch bei der Programmgestaltung für die 2022er-Saison haben sich die Veranstalter mächtig ins Zeug gelegt.

Los gehts am 13. Mai mit dem Freilichtbühnen-Abonnenten und Lokalmatadoren Lotto King Karl, gefolgt von den britischen Indie-Rockern Editors (28. Mai) und der legendären US-Band Foreigner (3. Juni), die vermutlich nicht ohne ihre Rock-’n’-Roll-Hymnen „Juke Box Hero“ und „Cold As Ice“ im Gepäck ankommen werden. Weitere Highlights versprechen unter anderem die Shows von den Berliner Punkrockern Beatsteaks (9. Juni), dem englischen JazzPop-Superstar Jamie Cullum (10. Juni), der dreifachen Grammy-Gewinnerin Olivia Rodrigo aus Kalifornien (11. Juni) und – ja, er kommt wirklich – Sting (25. Juni) zu werden. Zudem gibt es ja noch die Freilichtbühnen-Monate Juli, August und September mit vielen weiteren Konzerten, für die sich ein Ausflug ins Grüne absolut lohnt.

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Geben sich ebenfalls die Ehre: Olivia Rodrigo (11. Juni), Editors (28. Mai) und Danger Dan (9. Juli) (Fotos von links: Live Nation, Nadev Kander & Jaro Suffner)

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JazzHall Festival – der Jazz-Tempel lädt ein

Etwas mehr als ein Jahr ist die neue JazzHall nun alt. Nach einem Corona-bedingt eingeschränktem Programm läuft zur Zeit das JazzHall Festival: Weltklasse Jazz direkt an der Alster

Text: Felix Willeke

Hamburgs neuster Jazz-Tempel liegt direkt an der Alster. Mit derJazzHall hat die Hochschule für Musik und Theater (HfMT) endlich seine eigene Konzerthalle bekommen. 15 Jahre wurde geplant, zwei Jahre gebaut und seit Juni 2021 ist sie endlich da. Im Mai 2022 bekommt sie mit dem JazzHall Festival auch endlich seinen ersten großen Auftritt vor vollem Haus.

Vom 4. bis 20 Mai 2022 sind viele Größen des Jazz zu Gast und stehen teilweise zusammen mit Studierenden und Absolvent:innen der HfMT auf der Bühne. So spielt am 6. Mai um der Finne Kalle Kalima ab 19 Uhr mit dem JazzHall Ensemble, am 7. Mai ist Dieter Glawischnig mit seinem Projekt „Cercle“ zu Gast und am 8. Mai geben sich der Pianist Florian Weber & Kenan Azmeh die Ehre.

Konzerte bis zum 20. Mai und darüber hinaus

Noch bis zum 20. Mai sind unter anderem das Lisa Wulff Quartett, Björn Atle Anfinsen mit Arve Henriksen, Dan Gottschalk, Kenny Garrett, die NDR Bigband sowie Nils Landgren mit China Moses zu Gast. Das komplette Programm gibt es unter jazzhall.hfmt-hamburg.de.


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KRACH+GETÖSE – Hamburger Newcomer-Musikpreis geht in die nächste Runde

Hamburger Nachwuchstalente gesucht! Bis zum 28.04.2022 können sich Hamburger Bands und Musiker*innen noch auf den begehrten Musik-Award KRACH+GETÖSE bewerben!

Einmal im Jahr verleiht der Verein RockCity den heiß begehrten Newcomer-Musikpreis KRACH+GETÖSE in Hamburg. Nachwuchstalente bekommen nicht nur ein Preisgeld von 1.200€. Auch der Terminkalender ist auf einmal gefüllt mit Festival-Gigs und Konzerten. Auf fünf glückliche Gewinner:innen wartet ein maßgeschneidertes Support-Programm in Zusammenarbeit mit Branchenprofis, Clubs, Festivals, Studios und Agenturen. 

Startschuss für Karrieren

Künstler:innen wie Haiyti, Tonbandgerät oder Fuck Art Lets Dance konnten in der Vergangenheit durch einen Gewinn bei KRACH+GETÖSE ihre eigene Karrieren aufbauen und in der Musikindustrie Fuß fassen. Bis zum 28.04.2022 können sich Hamburger Bands und Musiker:innen noch auf den Preis bewerben. Zu der diesjährigen Jury gehören zum unter anderen Sängerin Cassandra Steen, Rapper Yassin und Kreativkopf Hendrik Otremba. 


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Top 10: Events über Ostern in Hamburg

Ostern 2022 findet nicht mehr im kleinsten Kreis und mit nächtlicher Ausgangssperre statt, deswegen gibt es auch wieder mehr zu Erleben. Die besten Events in Hamburg gibt’s hier:

Freitag, 15.04. | Theater | Don Carlos | Ernst Deutsch Theater

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Sebastian Eggers als Don Carlos (mitte) und Hannes Hellmann als König Philipp II. (rechts) am Ernst Deutsch Theater (Foto: Oliver Fantitsch)

Drei Stunden spanischer Hof, das ist Don Carlos im Ernst Deutsch Theater. Regisseurin Mona Kraushaar bringt Schillers Klassiker auf die Bühne. Während Sebastian Egger als Kronprinz Don Carlos mit dem Liebeskummer ringt, spielt Hannes Hellmann einen König zwischen verletztem männlichen Ego und der Macht des Einzelnen. Im Stück wird dabei nicht weniger als die Zukunft Europas verhandelt. Durch die aktuellen Ereignisse hat dieses Thema nur noch mehr an Relevanz gewonnen. Noch bis zum 16. April ist die Inszenierung an der Mundsburg zu sehen.

Don Carlos im Ernst Deutsch Theater
15. & 16. April 2022, jeweils 19:30 Uhr

Freitag, 15.04. | Nachtleben | Friday I’m in love | Molotow

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Molotow: Getanzt wird immer (Foto: Erik Brandt-Höge)

Tanzverbot an Karfreitag? Gibt‘s auf‘m Kiez nicht! Deswegen lädt das Molotow ab 23 Uhr auch zu einem „Feuerwerk aus 60 Jahren Rock’n’Roll und Pop“. Bei Friday I’m in love legen die DJ‘s Axelmania und Jet Boy alles auf, was das Tänzer:innenherz begehrt. Der Eintritt kostet 5 Euro für alle Floors und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Friday I’m in love
15. April 2022, 23 Uhr

Samstag, 16.04. | Musik | Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull | Birdland

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Steht bei Dan Goothall’s – Artful Earful mit auf der Bühne: Die Hamburgerin Sandra Hempel (Foto: Natascha Protze)

Altehrwürdig und ein Klassiker, das ist das Birdland in Hamburg. Seit 1985 gibt es im Kellerclub in der Gärtnerstraße besten Jazz, so auch am Ostersamstag. Bei „Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull“ geben sich fünf außergewöhliche Künstler:innen die Ehre. Neben dem Posaunisten Dan Gottshall sind unter anderem die Hamburger Gitarristin Sandra Hempel und der Kieler Pianist Buggy Braune mit von der Partie. Das Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung und kostet 19,90 Euro.

Dan Gotthalls‘s – Artful Earfull
16. April 2022, Einlass 19 Uhr und Beginn 20:30 Uhr

Samstag, 16.04. | Sonstiges | Osterfeuer | Ganz Hamburg

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2022: Die Osterfeuer sind zurück in Hamburg (Foto: pixabay/floerio)

Egal ob im eigene garten, bei Freunden oder am Elbstrand: Das Osterfeuer gehört zu Ostern wie das Eiersuchen. Dieses Jahr ist es auch wieder möglich, denn die Kontaktbeschränkungen wie 2021 gibt es nicht mehr. Neben den traditionsreichen Feuern in Blankenese gibt es noch viele weiter öffentliche, zum Beispiel im Strandbad Farmsen oder an der Kreuzkirche in Stellingen.

Osterfeuer in Hamburg
16. April 2022, diverse Orte, Beginn meistens zum Sonneruntergang

Samstag, 16.04. | Nachtleben | Hip-Hop | Chief Brody

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Im Chief Brody gibt‘s zu Ostern was zum Tanzen (Foto: unsplash / Sam)

Auch im Kellerclub auf der Schanze darf zu Ostern natürlich getanzt werden. Im Fokus: Richtig guter Hip-Hop. Während sich Karfreitag Ticklish & Buzz-T die Ehre geben, gibt es am Ostersamstag von Dipped in Colors & Draft X was auf die Ohren. Los geht‘s um 23 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro und das Ganze ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Dipped in Colors & Draft X im Chief Brody
16. April 2022, jeweils 23 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | Street Food Festival | Landhaus Walter

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Es geht auch mexikanisch beim Street Food Festival am Landhaus Walter (Foto: unsplash)

Ostern kann man fein dinieren, brunchen oder einfach mal neues Ausprobieren. Viel Neues gibt es beim Street Food Festival am Landhaus Walter unter dem Motto „New Yorker Food Klassiker“. Von Süßem über mexikanische Leckerbissen bis zum klassischen Hot Dog ist für jede:n etwas dabei. Der Eintritt kostet 5 Euro, alle unter 12 Jahren kommen gratis rein.

Street Food Festival
17. April 2022, 11:30 bis 18:30 Uhr

Sonntag, 17.04. | Sonstiges | U96 mit Claude-Oliver Rudolph | Planetarium

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Führt als Nautilus durch die Jules Verne Experience: Claude Oliver-Rudolph (Foto: The Jules Verne Experience)

Jules Vernes Science-Fiction-Romane haben Millionen fasziniert. 150 Jahre nach der Erstausgabe von „20.000 Meilen unter dem Meer“ haben die Elektronik-Band U96 daraus ein bild- und klanggewaltiges Unterwasser-Erlebnis geschaffen. Schauspieler Claude-Oliver Rudolph entführt das Publikum als Kapitän Nemo an Bord der Nautilus in eine fantastische Unterwasserwelt – eine 360-Grad-Tauchfahrt in nie gehörte und nie gesehene phantastische Welten. Das 60-minütige Erlebnis kostet 14 Euro und ist für Menschen ab 10 Jahren empfohlen.

U96 mit Claude-Oliver Rudolph – 20.000 Meilen unter dem Meer
17. April 2022, 17:30 Uhr & weitere Termine

Sonntag, 17.04. | Nachtleben | Soul Allnighter | Mojo Club

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Ein Klassiker kehrt zurück: Der Soul Allnighter (Foto: unsplash/Vishnu R Nair)

Corona ist gefühlt schon fast vorbei. Höchste Zeit, das Nüske & Berge aus der Corona-Pause zurückkehren. Beim mittlerweile traditionellen und fast schon legendären Soul Allnighter legen die beiden wieder so lange auf, bis alle tanzen und jede Sohle qualmt. Am 17. April ab 22 Uhr darf also wieder bester Soul genossen werden, für 10 Euro Eintritt und natürlich unter 2G-Plus-Bedingungen.

Soul Allnighter
17. April 2022, 22 Uhr

Montag, 18.04. | Sonstiges | Kulturflohmarkt | Museum der Arbeit

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Flohmarkt geht immer (Foto: pixabay)

Feiertag, Zeit zum Stöbern, Feilschen und Entdecken. Am besten geht das auf einem der vielen Flohmärkte der Stadt. Ein guter alter Bekannter ist dabei der Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit. Am Ostermontag ist Start für die Saison 2022. Bei hoffentlich bestem Wetter lässt es sich auf dem Gelände nach Lust und und Laune verweilen, schlendern und echte Schätze entdecken.

Kulturflohmarkt am Museum der Arbeit
18. April 2022, 9 bis 16 Uhr

Montag, 18.04. | Musik | Soulounge | Fabrik

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Soulounge in der Fabrik: Ein Live-Erlebnis für die Seele (Foto: Marcus May)

Wie kommt man am besten raus aus dem Osterwochenende? Mit Musik für die Seele! Genau das gibt es am Ostermontag in der Fabrik. Hier feiern Soulounge ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Alle, die die Band schonmal erlebt haben wissen, Soulounge ist ein ganz besonderes Live-Erlebnis – auch nach 20 Jahren. Einlass für das Konzert in der Fabrik ist um 19 Uhr, Konzertbeginn um 20 Uhr und die Tickets kosten 19 Euro im Vorverkauf. Auch dieses Konzert ist eine 2G-Plus-Veranstaltung.

Soulounge in der Fabrik
18. April 2022, 20 Uhr


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Neue Konzertreihe: Musik über den Dächern der Stadt

Ende April 2022 startet das Empire Riverside Hotel zusammen mit Viva con Agua eine neue Konzertreihe – für sauberes Trinkwasser und regionale Künstler:innen

Text: Felix Willeke

Ab dem 24. April 2022 gibt es einen musikalischen Spendenaufruf über den Dächern Hamburgs. In der Skyline Bar 20up findet das erste Konzert der neuen Reihe des Empire Riverside Hotel zusammen mit Viva con Agua statt. Zu Gast sind die Singer-Songwriterin Mina Richman und die Hamburger Newcomerin Anna Wydra. Für Richmann ist es fast eine Album-Premiere, sie veröffentlicht mit „Jaywalker“ im Mai 2022 ihre erste Solo-EP bei dem Münsteraner Frauen-Label „Ladies&Ladys“. Das aktuelle Album von Anna Wydra ist im Dezember 2021 bei dem Hamburger Label La Pochette Surprise Records erschienen.

Auf der Suche nach Künstler:innen

Bei der Konzertreihe stehen besonders regionalen Nachwuchskünstler:innen im Fokus. Während sie eine Bühne bekommen sollen, werden gleichzeitig Spenden für die Projekte von Viva con Agua gesammelt. Für weitere Termine ruft das Empire Riverside Hotel regionale Künstler:innen auf, sich zu bewerben. Wer über Bühnenerfahrung hat und selber Songs schreibt, kann sich ab sofort mit einem kurzen Anschreiben und mindestens drei Hörproben per Mail an das Empire Riverside Hotel wenden.


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„Rhythmus in Dosen“ im Thalia Theater

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys kommen mit Eigenkompositionen und Evergreens im Dezember nach Hamburg ins Thalia Theater

Text: Rosa Krohn

 

Die elegante Herrenband um den Schauspieler Ulrich Tukur ist mit ihrem Sonderprogramm „Rhythmus in Dosen“ erneut auf Tour. 1995 hat Tukur das optisch markante Quartett mit dem Titel „Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“ zusammen mit Günther Mayer am Kontrabass, Ulrich Mayer an der Gitarre und Karl-Friedrich Mews am Schlagzeug gegründet. Tukur selbst spielt Klavier, Akkordeon und singt. Gemeinsam bringen sie eine harmonische Mischung aus Entertainment und Musik auf die Bühne. Am 16. und 17. Dezember 2021 spielt die Tanzkapelle im Thalia Theater das, was das nostalgische Herz begehrt: sowohl alte Klassiker als auch Eigenkompositionen, vom Mambo bis Foxtrott.

„Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys“, am 16. und 17. Dezember 2021 im Thalia Theater; thalia-theater.de

Hier gibt‘s einen Vorgeschmack auf das das optisch markante Quartett:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Dezember 2021. Das Magazin ist seit dem 27. November 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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„Ich bin hervorragend im Selbstbetrug“

Der Hamburger Sänger und Songschreiber Wolfgang Müller veröffentlicht mit „Die Nacht ist vorbei“ ein klanglich leichtes, lyrisch tief in die Künstlerseele blickendes Album. Ein Gespräch über textliche Bildarbeit, Frieden finden beim Schreiben und Live-Auftritte als enorme Herausforderung

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Wolfgang, du hast mal gesagt, du würdest nach jedem fertig produzierten Album denken: „Das ist mein letztes, nie wieder.“ Nach den Aufnahmen für „Die Nacht ist vorbei“, heißt es, sollst du diesen Gedanken nun nicht haben. Warum nicht?

Wolfgang Müller: Weil ich dieses Mal den Entstehungsprozess und vor allem das Ergebnis so schön finde, dass nicht die Erschöpfung, sondern die Freude überwiegt. Dieses „Nie wieder“-Gefühl stellt sich tatsächlich nicht ein. Ein „Bitte nicht gleich nächstes Jahr wieder“-Gefühl allerdings schon (lacht).

Kann man in Kurzform sagen: Du warst noch nie so zufrieden mit der eigenen Kunst? 

Das klingt mir etwas zu eitel. Was ich sagen kann: Ich war schon lange nicht so glücklich mit einem Album, das ich gemacht habe.

Produziert wurde dieses Album innerhalb eines halben Jahres in deinem Dachzimmer. Wie muss man sich das so vorstellen?

Es liegt in der Schanze, von dort aus hat man einen ganz guten Blick über die Stadt. Es ist mein Refugium, dort arbeite ich, dort schreibe ich, dorthin ziehe ich mich zurück. Ich finde es ganz gemütlich.

 

Auseinandersetzung mit Dämonen

 

Hattest du dort oben beim Produzieren von „Die Nacht ist vorbei“ immer diese tiefe, innere Ruhe, die die Songs jetzt ausstrahlen?

Ja. Geschrieben habe ich die Songs in einem Zeitraum von dreieinhalb bis vier Jahren. Ich lebe nicht ausschließlich von der Musik, habe noch einen anderen Job, und wenn ich den nicht ausübe, spiele ich über den Tag verteilt immer wieder Gitarre, dichte und texte. Wenn man das sehr lange so gemacht hat, ergibt sich eine innere Ruhe ganz automatisch. Man braucht in meinen Augen auch einfach Zeit, um zu merken, was man wirklich aufnehmen möchte. Und ich habe mir diese Zeit dieses Mal genommen. Die innere Ruhe, die ich am Ende im Dachzimmer hatte, musste also erst mal entstehen.

Wobei man im Fall von „Die Nacht ist vorbei“ unterscheiden muss zwischen einer extrem zurückgelehnten Grundstimmung in der Klangästhetik und den textlichen Inhalten, die oft eine große innere Unruhe widerspiegeln. Ein Song, der heraussticht, ist „Sag Ja“. Der lädt geradezu zum Mitleiden ein, wenn es etwa heißt: „Bisweilen tut mir die Seele weh, und das in Wellen und an Stellen, wo andere nicht mal Stellen haben.“ Bedeutet das, du hattest das Gefühl, niemandem könnte es annähernd so schlecht gehen wie dir?

(lacht) Ja und nein. Ich bin grundsätzlich jemand, der sich gerne mit seinen inneren Dämonen auseinandersetzt, aber trotzdem ein positiver Mensch ist. Ich würde mich nicht als ständig leidend beschreiben. Was ich in dem Song ausdrücken möchte, ist, dass es meiner Erfahrung nach bestimmte seelische Themen gibt, die andere Leute nicht verstehen. Es gibt ja Menschen, die eine total geile Kindheit hatten, die sich immer prächtig mit ihren Eltern verstanden haben, bei denen einfach alles immer gut war. Und wenn man mit denen über gewisse Sachen redet, verstehen sie gar nicht, was man meint. Sie haben da gar nicht diese Stellen. Es ist, als wenn man sagen würde: „Mein dritter Arm tut mir ständig weh.“ Und das Gegenüber sagt: „Stell ich mir schlimm vor, aber ich habe selbst nie so einen dritten Arm gehabt.“

 

„Meine Musik ist persönlich, aber nicht privat“

 

Hilft das Aufschreiben solcher Gefühle gegen eben solche?

Ja. Ich sage immer: Meine Musik ist persönlich, aber nicht privat. Jemand, der sie hört, wird vieles nachvollziehen können, aber natürlich nicht wissen, wie zum Beispiel meine Beziehungen so gelaufen sind. Meine Songs sind keine Tagebücher. Für mich hat das Schreiben durchaus etwas Therapeutisches. Wenn ich etwas in Worte fasse, also benenne, geistert es mir nicht mehr so diffus in der Seele herum.

Viele benötigen für eine therapeutische Wirkung jemanden, der mit ihnen spricht. Meinst du, du kriegst durch das Schreiben die zweite Stimme selbst hin?

Ich bin ein großer Fan von echten Therapien und würde jedem dazu raten, wenn er gerade nicht klarkommt. Meiner Meinung nach sollten Gesprächstherapien sogar zur Grundausstattung gehören. Beim Schreiben arbeite ich allerdings viel mit Bildern, und ich habe gemerkt, dass ich dadurch ein Gefühl formuliert kriege, das in einer Gesprächstherapie keinen Raum hätte. Dieses Gefühl findet auf einer anderen Ebene statt, es wird nicht intellektuell hergeleitet. Und das bringt mir teils mehr Frieden, als wenn ich mit jemand anderem zwanzig Mal auseinanderbastele, warum dieses oder jenes denn so ist. Ich versuche auch, mir bei der Arbeit nicht so viel durchgehen zu lassen. Ich bin überzeugt davon, dass es keinen Sinn macht, etwas zu ignorieren – alles kommt irgendwann zurück. Ich möchte den Sachen deshalb auf den Grund gehen, daran habe ich auch eine große Freude.

 

Live spielen als Herausforderung

 

Dennoch singst du einmal auf dem Album, du wärst ziemlich gut im Selbstbetrug …

… genau, das ist mein innerer Antagonist. Ich bin sogar hervorragend im Selbstbetrug. Und eben diesen Betrug versuche ich mir nicht immer durchgehen zu lassen. Das ist aber nicht immer von Erfolg gekrönt. Jeder verarscht sich schließlich immer wieder, ich mich auch.

Ein neues Album bedeutet jetzt auch die Möglichkeit, neue Songs live zu präsentieren. Das falle dir aber allgemein gar nicht so leicht, heißt es …

… das stimmt. Live spielen stellt mich immer wieder vor eine große Herausforderung. Mir macht es Spaß, in der Retrospektive herumzuwühlen, aber das dann im Kontakt mit mehreren Menschen aufzuführen, empfinde ich als sehr anstrengend. Es gibt Künstler, die für die Bühne atmen. Die man geradezu festbinden muss, damit sie nicht ständig irgendwo spielen. Ich bin der Gegenpart. Acht Termine habe ich für dieses Album gemacht, und manchmal denke ich schon: „Gut, wenn ich die geschafft habe.“ Grundsätzlich machen mir Konzertabende aber auch viel Freude. Vielleicht wie so eine Bergtour: Die ist viel Arbeit, aber sie fühlt sich auch oft toll an.

„Die Nacht ist vorbei“ erschien am 19. November 2021 auf Fressmann/Indigo

Lust auf mehr, hier gibt’ das Video zu „Die nacht ist vorbei“:

 


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Oktober 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Kunstperformance: SILK::ROAD experience

Vom Oberhafen auf die Seidenstraße führt die Performance beim Silkroad-Festival

Text: Felix Willeke

 

Die Seidenstraße, das ist doch das mit Marco Polo? Ja, auch, aber noch mehr, das beweist die SILK::ROAD experience. Im Oberhafen lädt das gleichnamige Festival vom 8. bis 10. Oktober (immer jeweils von 18 bis 22 Uhr in der Halle 3) dazu ein, den transkulturellen Austausch entlang der alten Handelsroute mit allen Sinnen nachzuerleben. Bei dem Festival verbinden sich Konzerte mit Installationskunst und Tanz und Tradition mit Innovation. Die Künstler aus aller Welt bedienen sich dabei der verschiedensten Stilrichtungen, von Weltmusik über Traditional und Elektro bis hin zu viel Jazz. Dabei will das Festival Grenzen und Vorurteile musikalisch, künstlerisch und gesellschaftlich abbauen. Die Tickets gelten immer für den gesamten Abend und kosten pro Tag 22,22 Euro.

silkroad-festival.com


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Club (a)live: Musik spüren im Stage Club

Gemeinsam mit Hypertension-Music-Entertainment hat der Stage Club die Club (a)live Festivalreihe ins Leben gerufen. Im Club neben der Neuen Flora gibt es noch bis zum 25. Oktober 2021 internationale Live-Musik

Text: Felix Willeke

 

Es gibt Musik zu spüren im Stage Club. Vom 1. September bis zum 25. Oktober 2021 läuft hier die Club (a)live Festivalreihe. Was im September mit großartigen Konzerten begann, setzte sich im Oktober mit einer Hommage an Simon & Garfunkel fort. Bookends brachten zweimal die unvergessene Musik des US-Duos auf die Bühne. Jetzt kommt am 6. Oktober auch noch Nigel Connell. Der ehemalige Schlagzeuger und Musicalstar war 2016 Finalist beim irischen Pendant von „The Voice of Germany“ und überzeugt heute als Reisender zwischen verschiedenen Genres. Und das Beste kommt zum Schluss: Stefanie Hempel & The Silverspoons. Die mit ihren Beatles-Touren bekannt gewordene Musikerin wurde schon von MTV UK mit der Aussage „The greatest Beatles tour of all time“ geehrt. Jetzt kommt sie am 25. Oktober 2021 mit den Silverspoons in den Stage Club, ein Muss für alle Fans der Fab Four. Alle Konzerte der Reihe finden nach 3G-Prinzip (geimpft, genesen oder getestet) statt.

Club (a)live Festival vom 1. September bis 25. Oktober 2021 im Stage Club Hamburg. Tickets gibt es unter hypertension.reservix.de.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2021. Das Magazin ist seit dem 30. September 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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