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Hammer Sommer in Hamm: Das Sommerfestival

Es begann 2009 mit einem Fest im Hammer Park, 2018 wurde daraus das Hammer Sommerfest und 2021 veranstaltet der Kulturladen Hamm vom 6. bis 22. August 2021 im Rahmen des Hamburger Kultursommers das Hammer Sommerfestival 

Text: Felix Willeke

 

Das Hammer Sommerfestival findet vom 6. bis 22. August 2021 im Hammer Park, dem Hammer Süden und auf dem Platz der Kinderrechte statt. Außerdem gibt es unter dem Titel „Von Hamm bis Horn“ verschiedenste kleine Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten wie der Jungen Kirche Hamm, der Christuskirche oder der Kita Kinderschlupf. Zu den Highlights zählen in diesem Jahr die Konzerte im Hammer Park, die in Zusammenarbeit mit „Kunst 2 Go“ stattfinden. Hier sind dann unter anderem Celine Love, Clara Bauer und die aus dem Zwick bekannten Rudolf Rock & Die Schocker zu sehen. Die Konzerte kosten fünf Euro, Tickets gibt es bei „Kunst 2 Go“ (tixforgigs.com). Wenn der Kultursommer und damit auch die Konzerte im Hammer Park am 14. August vorbei sind, geht das Hammer Sommerfestival noch weiter.

Das breit gefächerte Programm reicht dabei von einem Fußball-Freundschaftsspiel über das Hammer Kinderfest am 14. August, „Klassik im Park“ am 15. August bis zu Kurzfilmen und Gespräche zu Themen wie der Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer oder das Leben junger geflüchteter Männer in Hamburg.

Fast alle Veranstaltungen des Hammer Sommerfestivals sind kostenlos. Bei einigen ist allerdings eine Anmeldung notwendig. Für das komplette Festival gelten die aktuellen Hygienebestimmungen wie das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske und der Nachweis eines negativen Schnelltests, einer vollständigen Schutzimpfung oder einer Genesung. Zudem werden bei allen Veranstaltungen die Kontaktdaten zur Kontaktverfolgung erfasst.

6. – 22.8., Hamm, verschiedene Orte; hh-hamm.de/sommerfestival/ 


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Wasser und Marsch: Triathlon WM 2023 in Hamburg

Nach 2007 findet die Triathlon Weltmeisterschaft zum zweiten Mal in Hamburg statt – 2023 mit neuen Disziplinen und Strecken

Text: Felix Willeke

 

Am 1. Juli 2021 gaben World Triathlon, die Deutsche Triathlon Union und die Stadt Hamburg bekannt, dass die World Triathlon Sprint & Relay Championships 2023 in der Hansestadt stattfinden werden. Nach 2007 ist es das zweite Mal, das Hamburg Austragungsort der Triathlon Weltmeisterschaft ist. Die WM 2023 wird allerdings nicht wie die WM 2007 in der olympischen Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen) ausgetragen, sondern findet in verschiedenen Wettbewerben über unterschiedliche Distanzen statt.

 

Neues Format

 

2023 werden die WM-Medaillen in neun Wettbewerben vergeben: Die Triathlon-Elite tritt im Einzel- und Mixed Relay-Rennen an, die Junior:innen sowie die Altersklassen-Athlet:innen tragen bei der WM Einzel- und Staffelrennen aus. Dabei werden die Wettbewerbe der Elite im neuen Eliminator-Format ausgetragen: Die Athlet:innen müssen sich über die Super-Sprintdistanz (300 Meter Schwimmen, 7 Kilometer Radfahren und 1,7 Kilometer Laufen) in Vorläufen und Halbfinalen für das Finale qualifizieren. Die Junior:innen und Altersklassen-Athlet:innen treten hingegen über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) an.


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Backboard: Surfbretter aus Hamburg

Wenn’s gut werden soll, muss man selbst ran, wie in diesem Fall: Surfboards. Massimo Calá fertigt in seiner One-Man-Manufaktur Unikate fürs Wasser an

Fotos: Anna Lehnert / Annagrafia

 

Die Sonne knallt. Es ist Sonntag. Während andere am Strand liegen, machen Tüftler keine Pause. In Stellingen in einem ehemaligen Aktengebäude werkeln und kreieren sie. Aus einem Raum ertönen Sägegeräusche. Zudem seien im Haus Nudelmacher, DJs und Graffitikünstler zu Gange, erzählt Massimo Calá, der im zweiten Stock seine Werkstatt hat und dort Surfbretter baut.

Massimo passt ins Klischeebild eines Surfers: Er trägt Cap über seine längeren, lockigen Haare, lässiges T-Shirt und Sneaker. Seine Hände können anpacken. Er hievt große Surfbrett-Rohlinge von einer Ablage und stellt sie zu den anderen. Es stehen leere Flaschen herum, in jeder Ecke ein Brett und überall ist Staub – eine Werkstatt eben, aber mit System: Links ein Werktisch für Farbund Vorbereitungsarbeiten, rechts die Schleifwerkstatt, ein zwei mal vier Meter Raum im Raum aus Pressspanplatten. Für den Kontrast ist er blau gestrichen, das Raumlicht auf halber Höhe montiert, um die Unebenheiten seiner Bretter besser erkennen zu können.

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Massimo surft schon seit er zwölf Jahre alt ist, durch Freunde habe er den Wassersport einst lieben gelernt. Schon als Teenager ist er viel auf Wellen geritten, unter anderem auf Sylt, in Dänemark, Portugal, Indonesien, der Karibik und bei den Deutschen U16- und U18-Meisterschaften in Frankreich. Dementsprechend groß war der Verschleiß seines Boards. „Ich hatte nie die Kohle, die Bretter reparieren zu lassen“, sagt der 26-jährige Hamburger, „also habe ich angefangen, das selbst zu machen.“

Massimo begann, indem er die Löcher in Surfboards von Freunden und Bekannten flickte. Die Nachfrage nach seinen Arbeiten wurde größer, sodass er sich kurzerhand seinen ersten Rohling aus Polyurethan bestellte und ein eigenes Brett anfertigte. Backboard war geboren und wuchs immer weiter. Für mehr Arbeitsplatz zog er 2017 in die Nähe von gleichgesinnten Machern und Tüftlern – in eine eigene Werkstatt in Stellingen. Seither verkaufe er seine Unikate an viele zufriedene Kunden. Er hat so aus einem Hobby ein zweites Standbein gemacht.

 

Zwischen Donauwelle und Duck Dive

 

Massimo ist hauptberuflich Bäcker in fünfter Generation. Eines Tages werde er den Familienbetrieb der Konditorei und Bäckerei Stechmann in Schnelsen übernehmen, sagt er. Massimo ist ein Menschenfreund, dem das Backen der Donauwelle zusammen mit seinem Opa morgens um 5.00 Uhr genauso viel Spaß macht, wie die Ideenentwicklung zusammen mit seinen Kunden in der Werkstatt und das Schnacken über den perfekten Duck Dive, das Durchtauchen einer Welle.

Durch das nächtliche Arbeiten in der Backstube hat Massimo tagsüber Zeit sich den Boards zu widmen. Er sei froh, beides, das Backen und die Boards, unter einen Hut kriegen zu können.

 

Schritt für Schritt

 

Sobald Massimo einen neuen Auftrag erhält, bestellt er den passenden Rohling aus Polyurethan. Er legt eine Messschablone auf, um für Symmetrie zu sorgen und zeichnet, je nach gewünschter Brettgröße, die Schnittpunkte ein. Dann prüft er die Dicke des Bretts, sägt die grobe Form aus und hobelt Unebenheiten ab. Um die Halterungen der Surffinnen zu verankern, fräst Massimo Löcher auf die Unterseite des Bretts und klebt sie hinein. Dann erhalten Massimos Bretter eine Glasfasermatte, sein Backboard-Logo, welches er mit Reispapier aufträgt und die Versiegelung mit dem Polyesterharz, bei dem eine Schutzmaske zu tragen, notwendig ist.

Massimo könne das Surfboard färben, indem er den Brettkern lackiert. Das Polyesterharz mit einem gewünschten Farbton zu vermischen, in Fachkreisen „resin tint“ genannt, sei seiner Erfahrung nach aber die bessere Methode. Nachdem das Harz getrocknet ist, sorge Massimo für den Feinschliff. „Zack, boom, bonjour – fertig ist der Hobel“, sagt Massimo, wenn er mit dem Ergebnis des Brettes zufrieden ist.

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Zusätzlich könne man laut Massimo auch Baumwoll- und Polyesterstoffe für spezielle Designs, oder Carbonfasern für die Stabilität, ins Brett einarbeiten. Eine Kundin hatte sich zum Beispiel einst ein zweifarbiges Surfbrett in den Farben ihres Bullis gewünscht.

Massimo geht auf fast alle Wünsche ein und fertigt Surfbretter in Größen von 5,4 bis 10,0 Fuß (1,68 bis 3,20 Meter) an. Preislich liegen Massimos Wellenreiter bei 490 und die großen bei 675 Euro, auch Workshops habe er schon angeboten. Massimo findet das fair, schließlich brauche er eine Woche für ein indivisualisiertes Surfbrett. „Für den europäischen Markt kommt lizenzbedingt alles aus einer Fabrik“, bemängelt der 26-Jährige, „da kommt nur eine andere Marke darauf und das Brett wird teuer verkauft.“ Zusätzlich gäbe es laut Massimo auch viele unzureichende Produkte aus Asien – weitere Gründe, warum Massimo sein Hobby selbst in die Hand nahm.

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Massimo schaut unterdessen bescheiden in die Zukunft, möchte aber auch neben seinem Beruf als Bäcker weiter tolle Surfbretter bauen. Auch stehe noch der Bäckermeister auf der To-do- Liste, er sehe das aber locker und schaue, was sich ergibt. Bei der Frage, welche die beste Surfbrettmarke sei, ist sich Massimo allerdings sicher: „Backboard!“

Massimo Calá
@backboard_surfboards


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Handball EM 2024 auch in Hamburg

In drei Jahren erwartet Hamburg ein Supersportjahr. Neben der Fußball EM finden auch Spiele der Handball EM in der Hansestadt statt

Text: Felix Willeke

 

Als 2018 die Handball-Europameisterschaft 2024 an Deutschland vergeben wurde, galt Hamburg als sicherer Spielort, das ist jetzt offiziell. Wie der Deutsche Handball Bund (DHB) am 10. Juni 2021 bekannt gab, sollen in der Hamburger Barclaycard Arena Spiele der Hauptrunde ausgetragen werden. Die Vorrunde findet in Berlin, München und Mannheim statt. Das Eröffnungsspiel soll vor 50.000 Zuschauer:innen im Düsseldorfer Fußballstadion gespielt werden und die Finalrunde und weitere Spiele der Hauptrunde finden in der Kölner Lanxess Arena statt.

Neben der Handball EM im Januar kann sich Hamburg auch auf einige Spiele bei der Fußball EM im Sommer 2024 freuen. Welche Partien im Volksparkstadion stattfinden sollen, steht noch nicht fest.


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HSV Handball: Mit Torsten Jansen zurück in die Bundesliga

Torsten Jansen (44) leistete als Linksaußen von 2003 bis 2015 als Spieler einen immensen Beitrag zur großen Zeit des Handball Sport Verein Hamburg, sowohl in der Bundesliga als auch international. Mit Jansen wurde der Club Deutscher Meister, Pokalsieger und Supercup-Gewinner, holte den Europapokal der Pokalsieger und als Krönung 2013 die Champions-League. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde Jansen Europa- und Weltmeister. Mit Jansen als Trainer steht der in der Saison 2015/16 aufgrund einer Insolvenz bis in die Dritte Liga abgestürzte Handball Sport Verein Hamburg kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Herr Jansen, Sie haben als Spieler einschließlich des Weltmeistertitels alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ab welchem Zeitpunkt haben Sie an eine Karriere als Trainer gedacht?

Torsten Jansen: Erst relativ spät. In den letzten ein, zwei Jahren meiner Karriere habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich danach machen möchte. In diesem Prozess hat sich immer mehr herauskristallisiert: Das, was ich über lange Jahre auf dem Feld sozusagen praktisch gelernt und studiert habe, möchte ich nun mal auf eine andere Art und Weise erleben.

In Ihrer Trainerausbildung hatten Sie statt mit dem Hamburger Handball-Verband sogleich mit dem Deutschen Handballbund zu tun. Wie kam das?

Der Deutsche Handballbund bot damals für langjährige Bundesligaspieler die Möglichkeit an, sofort den B-Schein in kompakter Form zu absolvieren. Insgesamt waren es 100 Lehreinheiten. Ich wurde ja dann am 15. Juli 2016 A-Jugendtrainer beim HSV Hamburg und übernahm am 29. März 2017 die Herren, mit denen wir im Sommer 2018 in die Zweite Bundesliga aufstiegen. Parallel dazu machte ich über insgesamt ein Jahr den A-Schein.

hsv-handball-trainer-torsten-jansenWas hat Ihnen die theoretische Ausbildung gebracht? Sie hatten ja praktisch alles auf dem Feld erlebt.

Grundsätzlich hat sie mir sehr viel gebracht. Alle Verbände, die Trainerausbildungen organisieren, erfüllen eine wichtige Aufgabe. Mir hat die Ausbildung einen gewissen Rahmen gegeben. Ich bin dadurch noch strukturierter geworden. Habe für mich herausgefunden, wie ich gewisse Sachen umsetzen will. Beispielsweise wie ich ein Training plane oder ganze Trainingswochen. Über Trainingslehre habe ich dort sowieso viel gelernt. Es ist eben etwas anderes, ob man als Spieler auf dem Feld steht oder als Trainer an der Seitenlinie.

Wie nehmen Sie Ihr Trainerdasein wahr?

Als sehr umfangreich. Als Trainer denkt man sehr viel an die Mannschaft. Dazu gehört die Vorbereitung auf den nächsten Gegner, das Spiel, die Entwicklung der einzelnen Spieler, das Zusammenspiel als Mannschaft, die Kommunikation mit den Spielern und dem Trainerteam und natürlich die Punktspiele. Eigentlich ist man die Anlaufstelle für jeden. Auch für vieles, woran man nicht sofort denkt oder was man nicht sofort sieht.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel dieses Gespräch hier. Auch die Presse möchte ja regelmäßig von einem etwas wissen. Oder eine Spielerverpflichtung. Natürlich unterhalte ich mich mit dem Spieler, den ich möchte und zeige ihm seine möglichen Perspektiven bei uns auf. Eigentlich bin ich da ein bisschen wie ein Verkäufer, der etwas verkaufen möchte.

Es kann aber sein, dass ich erst einmal neun Absagen von Spielern erhalte. Bis dann im zehnten Gespräch eine Zusage kommt. Die zehn Gespräche haben aber eben auch viel Zeit in Anspruch genommen.

Zum Thema Presse: Zu welchem Umgang mit den Medien raten Sie jungen Trainer:innen?

Ich kann da keinen pauschalen Rat geben. Es kommt ja auch auf den Standort an. Hamburg ist zum Beispiel eine Medienstadt. Da wächst man rein. Für mich ist Vertrauen ganz entscheidend. Natürlich will ich nichts in der Zeitung lesen, was ich gar nicht gesagt habe. Das passiert aber in aller Regel auch nicht.

Grundsätzlich halte ich es so: Wenn ich mit den Medien spreche, will ich nicht ständig sagen: `Das dürft ihr aber nicht schreiben.` Ich sage die Dinge so, wie ich sie sehe. Und wenn ein Journalist einen Vorsprung hat und weiß, dass wir diesen oder jenen Spieler holen, bin ich der Letzte, der sagt: `Das ist nicht so`.

Dass im Boulevardjournalismus manche Aussagen etwas größer gemacht werden, ist sicherlich auch so. Damit kann ich aber leben.

 

„Ich sehe mich als jemanden, der den Spielern Hilfestellungen gibt“

 

Macht Ihnen Ihr Beruf als Trainer Spaß?

Klar macht er mir Spaß. Würde er mir keinen Spaß machen, würde ich ihn nicht schon seit vier Jahren ausüben. Ich genieße es ohne Frage, Trainer beim HSV Hamburg zu sein. Es ist der Verein, bei dem ich fast meine gesamte Karriere verbracht habe. Als Spieler hatte ich hier eine super Zeit, die ich auch mitprägen durfte. Deshalb ist das schon etwas Besonderes für mich, hier Trainer zu sein.

Wie ist Ihr Stil als Trainer?

Schwierig zu beantworten. Autoritär bin ich in der Regel nicht. Wenn ich Spieler kritisiere, versuche ich dies stets auf eine konstruktive Weise zu tun. Wenn ein Spieler Dinge absolut nicht einsieht, kann ich auch deutlich werden. Aber eher nicht vor der ganzen Mannschaft, sondern im Gespräch unter vier Augen. Menschen stecken andere Menschen gerne in Kategorien. Ich finde aber: Es gibt viele Zwischenkategorien. Und Zwischen-Zwischen-Kategorien.

Sind Sie stolz auf Ihre Arbeit, wenn Spieler sich gut entwickeln?

Ich sehe mich eher als jemanden, der den Spielern Hilfestellungen gibt. Der sie ermutigt, Dinge besser zu machen und ihnen Wege dahin zeigt. Aber letzten Endes ist jeder Spieler für seine Leistung im Teamverbund selbst verantwortlich. Jeder Spieler ist seines eigenen Glückes Schmied.

Zum Zeitpunkt dieses Interviews sind Sie mit dem HSV Hamburg Tabellenführer der Zweiten Bundesliga. Glückt der Aufstieg und damit die Rückkehr auf die große Bühne?

Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen können und wir wollen es schaffen. Doch jeder weiß: Es kann viel passieren. Wir haben gerade daheim 27:28 gegen den TV Großwallstadt verloren. Das zeigt uns: Wir müssen bei jedem einzelnen Spiel total fokussiert sein.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Wollen Sie Ihr Leben lang Trainer sein?

Eine Prognose ist in diesem Geschäft eigentlich nicht möglich. So lange mir das Trainerdasein Spaß macht, will ich Trainer sein. Ich plane nicht so weit in die Zukunft. Ich lebe im Hier und Jetzt und konzentriere mich auf das, was ist.


 SZENE HAMBURG Sport, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 als Heft im Mai-Heft im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Volleyball: Das Wunder von Eimsbüttel

Die ETV-Damen sind das beste Team der Stadt – und sie wollen sich ohne viel Geld im Profibereich etablieren

Text: Mirko Schneider

 

Ein Sonntagnachmittag in der Sporthalle Hoheluft. Eine stimmungsvolle Musikauswahl mit unüberhörbarem 90er-Jahre-Touch dröhnt aus den Boxen. In 30 Minuten beginnt die Volleyball-Partie der Damen des Eimsbütteler TV gegen den VC Allbau Essen in der Zweiten Bundesliga. Und was machen die ETV-Damen beim Aufwärmen? Bauen „I want it that way“ von den Backstreet Boys in ihre Übungen ein. Als der Hallensprecher die Spielerinnen beider Teams einzeln vorstellt, stürmt Libera Ines Laube mit einem kleinen Krönchen auf dem Kopf auf die Platte. Sie feiert heute ihren 31. Geburtstag.

„Mein Team besteht aus vielen fröhlichen, spontanen und aufgeschlossenen Damen, die viel Spaß miteinander haben“, hat Trainer Ulrich Kahl, 58, im Vorgespräch gesagt. Das ist in jeder Sekunde zu spüren. Was er auch gesagt hat: „Unser Teamspirit ist riesig und alle haben große Lust darauf, Leistung zu bringen und gemeinsam guten Volleyball miteinander zu spielen.“ Das wiederum beweisen die ETV-Damen ab dem ersten Ball. Sie machen es dem Tabellendritten so schwer wie möglich und unterliegen erst nach tapferem Kampf in vier Sätzen.

Dennoch ist der Klassenerhalt so gut wie gesichert. Und das ist eine erneute Überraschung, nachdem der erstmalige Aufstieg in den Leistungsbereich der Zweiten Liga einem Wunder gleich kam.

 

„Wollen wir aufsteigen oder nicht?“

Ulrich Kahl

 

Denn zum einen ließ der Absturz des VT Aurubis (mittlerweile Volleyball-Team Hamburg; Anm. d. Red.) von der Bundesliga in die Dritte Liga große Zweifel aufkommen, ob Damen-Volleyball sich in Hamburg als Profisportart überhaupt dauerhaft etablieren lässt. Zum anderen schreibt sich mit dem ETV nun ein typischer Breitensportverein dieses Ziel auf die Fahnen.

Der dafür entscheidende sportliche Moment spielte sich Anfang 2020 bei einer Mannschaftssitzung ab. Kahl, seit 19 Jahren Coach der Volleyball-Damen beim ETV, stellte seine Spielerinnen vor die Wahl. „Wir waren Tabellenführer der Dritten Liga und hatten gerade unser erstes Spiel verloren. Gegen den Zweiten. Das ärgerte uns mächtig. Da habe ich meinen Spielerinnen gesagt: ‚Jetzt Butter bei die Fische! Wollen wir aufsteigen oder nicht?‘“ Einstimmig wurde der Beschluss gefasst: Wir wollen hoch.

Ab diesem Zeitpunkt rauschten die ETV-Volleyball-Damen durch die Dritte Liga. Sie gaben in der Rückrunde keinen Satz mehr ab. Nur war da ja noch der zu stemmende Etat. 10.000 Euro betrug er in der Dritten Liga, 50.000 Euro waren für die Zweite Liga nötig. Wohlgemerkt ohne Zahlungen an die Spielerinnen wie in anderen Clubs mit wesentlich höherem Budget. „Das ist leider einfach nicht drin. Damit sind wir sicher eine Ausnahme in der Zweiten Liga“, sagt Kahl. Trotzdem konnte sogar Außenangreiferin Saskia Radzuweit, 30, Ex-Bundesliga- und Ex-Nationalspielerin, von einem Comeback überzeugt werden, nachdem sie ihre Karriere 2018 schon beendet hatte. „Was der ETV hier gerade aufbaut, sehe ich genauso positiv wie das Team selbst. Dass kein Geld gezahlt wird, hat mich nicht gestört“, sagt Radzuweit.

 

„Träumen ist erlaubt“

Ulrich Kahl

 

Ebenso erfolgreich verlief die intensive Sponsorensuche. Mit der Top-motive-Gruppe als Hauptsponsor und der Pizzakette Smiley’s wurden schließlich namhafte Unternehmen von einem Engagement überzeugt. So konnte das Abenteuer Zweite Bundesliga starten. Dreimal die Woche Balltraining in der Halle, dazu ein- bis zweimal Krafttraining in Eigenregie. 14 Damen im Kader, die meisten Anfang 20 und Studentinnen. Der ETV ging nicht gerade als Favorit in die Saison. Doch das eingeschworene Team fand seinen Platz im unteren Mittelfeld der Zweitligatabelle mit Puffer auf die Abstiegsränge.

Nun stellt sich die Frage: Ist sogar noch mehr drin? „Eine Sportstadt wie Hamburg muss natürlich das Ziel haben, auch im Damen-Volleyball in der Ersten Bundesliga vertreten zu sein“, sagt Kahl. „Doch unter 250.00 Euro Etat würde da gar nichts gehen. Und das wäre das absolute Minimum. Wenn wir irgendwann die Chance haben, wirtschaftlich verantwortbar aufzusteigen, werden wir uns nicht wehren. Bis dahin müsste allerdings unglaublich viel passieren. Träumen ist aber erlaubt.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Cordula: „Jeder muss zuerst sich selbst verstehen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Cordula begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Eben sind ein paar Kinder an mir vorbeigelaufen und haben gesagt: ‚Guck mal, was die Oma da macht‘. Damit meinten sie mich. Dabei kam ich mir gerade so flott und fit beim Langlauf vor – und keineswegs omahaft.

Heute scheint die Sonne so schön, da dachte ich, ich hole mal die Skier raus und laufe hier am Kaifu entlang. Das ewige Spazierengehen ist ja auf Dauer langweilig und das Niendorfer Gehege habe ich so langsam mal durch. Jetzt laufe ich zwar seit 2 Stunden immer hin und her, aber das ist ja quasi so, wie im Sommer nebenan im Schwimmbad seine Bahnen zu ziehen.

Seit einem Jahr bin ich Rentnerin, daher habe ich mittags nun Zeit und Muße hier herumzuspazieren. Von Beruf bin ich Psychologin und habe viele Jahre im Kinderschutzzentrum gearbeitet. Da ging es viel darum, Krisen und Notlagen von Familien zu verstehen.

 

„Das entschwundene Land“

 

Vielleicht ist das Verstehen-Wollen eine Art Berufskrankheit, die ich mitgenommen habe. Dabei halte ich es eigentlich für alles andere als eine Krankheit, sondern für essentiell. Es geht darum, andere Menschen zu verstehen, nicht zu analysieren – auch wenn das viele über Psychologen denken. Dafür muss ein jeder sich natürlich zuallererst selbst verstehen. Aber auch uns Psychologen gelingt das mal mehr und mal weniger.

Mir hat die Literatur immer sehr dabei geholfen, Lebenswelten zu verstehen. Kennen Sie „Das entschwundene Land“ von Astrid Lindgren? Darin beschreibt sie drei zentrale Erfahrungen aus ihrer Kindheit: die Liebe ihrer Eltern zueinander, das Aufwachsen in einer bäuerlichen Hofgemeinschaft und die Bedeutung von Büchern und Phantasie. Lindgren hatte eine Haltung zum Leben, die für mich sehr wichtig und richtig ist. Kann man das so sagen? Dann würde ich jetzt nämlich noch ein paar Runden weiterfahren.“


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Fotografie: Marion von der Mehden zeigt die Kraft des Sports

Die Hamburgerin Marion von der Mehden arbeitet seit 1991 als selbstständige Fotografin. Ihr neues Fotoprojekt „Sport und Integration“ zeigt in ruhigen Bildern die Schicksale mutiger Menschen und die Kraft des Sports

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Bis Ende März wird Ihr Fotoprojekt „,Sport und Integration“ an den Messehallen entlang der Karolinenstraße zu sehen sein. Wie kam es dazu?

Es begann mit der Einladung zum Oberstdorfer Fotogipfel für den September 2020 durch Kurator Christian Popkes. Nach der positiven Resonanz auf das Projekt wollte ich unbedingt in Hamburg ausstellen. Die Messehallen als Ausstellungsort waren schon immer ein Traum von mir. Wir stießen bei der Hamburg Messe & Congress GmbH sofort auf Begeisterung.

Als Sie erfuhren, dass 2020 in Oberstdorf das Thema „,Sport“ lauten würde: Was haben Sie da gedacht?

Ich dachte spontan „Oje, ich bin doch keine Sportfotografin“. Actionfotos von Sportveranstaltungen konnte ich nicht anbieten. Doch dann überlegte ich, wie ich an das Thema herangehen könnte. So kam ich auf „Sport und Integration“.

Sport bedeutet ja schließlich viel mehr als Gewinnen oder Verlieren. Und Integration ist aktuell ein wichtiges Thema, wobei Sport das Potential hat, Integration gelingen zu lassen.

Für Ihr Fotoprojekt traten Sie direkt an 17 Sportlerinnen und Sportler heran. Welche Rolle spielte der Hamburger Sportbund?

Eine sehr wichtige Rolle. Der HSB, beziehungsweise das Team Integration durch Sport, fand die Idee sofort super, hat mich in jeder Hinsicht hervorragend unterstützt. Alle Vereinskontakte kamen über den HSB zustande.

Ich wusste auch vorher gar nicht, wie viel der HSB als Dachverband der Hamburger Sportvereine und -verbände eigentlich leistet. Ich habe mich mit deren Arbeit beschäftigt und fand viele der Angebote auch recht kreativ.

Zum Beispiel das „Fahrradtraining für Frauen“ im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“. Hier hat mich die Geschichte der Ägypterin Dina sehr berührt, die als junges Mädchen nicht Fahrradfahren lernen durfte. Nun nimmt sie an einem der Kurse teil und ist sehr glücklich darüber.

 

„Jeder einzelne Mensch ist wichtig“

 

Welche Erlebnisse und Begegnungen haben Sie noch besonders bewegt?

Hier möchte ich ein Wort einfügen: uns. Denn Texterin Sarah Beckmann hat die Interviews geführt, aus denen die kleinen Textbaukästen zu den Fotos entstanden sind. Damit fielen wir in Oberstdorf übrigens total aus der Reihe. Aber diese kurzen Erklärungen waren nötig, um den Menschen auf dem Foto noch besser zu verstehen, ihm noch näher zu kommen.

Sarah und ich waren beeindruckt davon, wie wenig Berührungsängste es gab. Wir wurden stets wie gute Freunde aufgenommen. Sehr beeindruckend war Cricketspieler Said. Er wurde von den Taliban verfolgt und ist aus Afghanistan geflohen. Bis heute weiß er nicht, ob seine Eltern noch leben, und sie wissen nicht, ob er noch lebt. Ich bin selbst Mutter und das ist unvorstellbar für mich.

Oder Ali, ein Parkoursportler, der in Syrien zum Militär sollte. Er floh in einem Boot nach Lesbos. In Hamburg setzte er sein in Damaskus abgebrochenes Schauspielstudium fort, hat seit 2019 unter anderem Engagements am Schauspielhaus Hamburg. Und noch eine Sportart möchte ich herausheben: das Ringen.

Wieso?

Ich dachte immer, Ringer sind nur Muskelpakete. Aber die haben uns einen Handstand gezeigt, sogar einen Flic Flac. Wir sahen weichfließende, technisch perfekte Bewegungsabläufe des ganzen Körpers. Wir haben viele Informationen und einen spannenden Einblick in den Ringsport bekommen.

Sie haben alle Bilder in Schwarz-Weiß aufgenommen. Warum?

Wegen der Unterschiedlichkeit der Motive. Wir waren an so vielen Plätzen mit so vielen verschiedenen Bedingungen, da dachte ich: „Ich muss da irgendwie Ruhe reinbringen. Farbe ist hier nicht wichtig.“

Gibt es eine Botschaft, die Sie mit dieser Ausstellung den Menschen vermitteln möchten?

Ja. Jeder einzelne Mensch ist wichtig. Zusammenhalt, Teamgeist und Fairplay zählen. Im Sport und im Leben. Nicht die Hautfarbe, der Glauben oder die Kultur.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

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