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Portrait: Basketball-Coaching-Talent Sükran Gencay

Sükran Gencay ist mit den Basketballern des ETV in die 2. Liga Pro B aufgestiegen, es war der sechste Aufstieg in acht Jahren. Über ein außergewöhnliches Coaching-Talent

Text: Matthias Greulich

 

Sükran Gencay verdreht Augen, als sie einen Spieler der gegnerischen Mannschaft über eine Schiedsrichterentscheidung lamentieren hört. „Spiel’ doch mal Basketball“, ruft sie dem Zwei-Meter-Mann zu. Der Schlaks sieht die 160 Zentimeter große Frau mit dem schwarzen T-Shirt an und hört tatsächlich auf zu meckern.

„Ich mag klare Ansagen, das war schon immer so“, sagt die 34-Jährige, die als Headcoach mit den ETV Basketballern im Frühjahr sensationell in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Es ist der sechste Aufstieg, seitdem Gencay vor acht Jahren das Team in der Kreisliga übernahm. Wenn in der dritthöchsten deutschen Spielklasse wie geplant am 16. Oktober die Saison beginnen kann, heißen die Gegner ART Giants Düsseldorf, Rhein Stars Köln oder SC Rist Wedel. Einige Spieler in der 2. Bundesliga Pro B können vom Basketball leben, andere sind Halbprofis oder opfern wie die Eimsbütteler Amateure fast ihre gesamte Freizeit für ihr Hobby. Das gilt auch für ihre ehrgeizige Trainerin, die als Projektmanagerin arbeitet und die Basketballabteilung des ETV ehrenamtlich leitet.

 

Ganz oder gar nicht

 

Der Job in einer Logistikfirma macht Gencay unabhängig: „Ich habe wenig Freizeit, sehe die Konstellation aber eher als Vorteil. Basketball bleibt eine Leidenschaft. Ich habe nicht diesen extremen Druck wie andere Trainer.“ Allerdings verzichtet sie in dieser Saison erstmals darauf, selber zu spielen. Bei der BG West, der Basketballgemeinschaft des SV Eidelstedt und des SV Lurup, könnte sie zwar gelegentlich aushelfen, aber „ich will dem Team dann auch gerecht werden“. Etwas nur halb zu machen, widerstrebe ihr.

Bräuchte man übrigens eine Referentin, um die Vorteile des Mannschaftssports zu schildern, wäre Gencay denkbar geeignet. „Die Möglichkeiten, sich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln, hast du sonst nicht im Alltag“, findet sie. Umso mehr gilt das für die sehr vielfältige ETV Basketball Community. „Das ist einer unserer größten Reichtümer.“ Die Muslima ist dafür ein Beispiel. In Wilhelmsburg aufgewachsen, ging sie in St. Georg zur Schule und begann beim ETV Basketball zu spielen. Die Towers gab es noch nicht, es war für Wilhelmsburger Mädchen mit türkischen Wurzeln Mitte der 1990er Jahre nicht selbstverständlich, im Verein Basketball zu spielen. „Da ist meine Generation so etwas wie ein Türöffner.“ Mittlerweile seien junge Frauen wie sie in den Vereinen viel präsenter.

 

Wertschätzender Umgang

 

Je höher die Spielklasse ist, der die ETV Basketballer angehören, desto mehr wird es für Außenstehende ein Thema, dass da eine Frau Männer in der dritten Liga trainiert. „Anfangs hat mich das wütend gemacht, weil es für mich nie wichtig war“, sagt Gencay. Inzwischen sehe sie das Interesse der Medien entspannter. „Es ist noch keine Normalität, aber das kann sich ändern.“ Davon, dass Frauen ein Team anders führen als Männer, ist sie überzeugt. „Es geht um einen wertschätzenden Umgang miteinander.“ Sie schaffe es, deutliche Ansagen an der Seitenlinie mit einem guten Verhältnis zum Team zu verbinden, was im Leistungsbasketball eher selten ist.

Als ihre Spieler vor zwei Jahren als Aufsteiger in der Regionalliga reihenweise Spiele verloren, ging das Team reichlich deprimiert in die Weihnachtspause. Der Klassenerhalt war angesichts der vielen Niederlagen weit aus dem Blick geraten. Sükran Gencay schickte jedem ihrer Spieler einen handgeschriebenen Brief, in dem sie an die Stärken jedes Einzelnen im Kader erinnerte. In Zeiten von WhatsApp waren diese Briefe so außergewöhnlich, dass viele Spieler sich noch an den Inhalt erinnern können. „Das Schriftliche hat einen besonderen Wert, ich habe mir genau überlegt, was ich schrieb“, sagt Gencay. Und dass der ETV wieder an sich zu glauben begann, war ein erster Schritt für den Klassenerhalt, der einige Monate später tatsächlich gefeiert werden konnte. „Manchmal bin ich auch nett“, sagt sie und lacht.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2020. Das Magazin ist seit dem 29. August 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Orte zum Klettern und Springen in Hamburg

Adrenalinkick gefällig? Dann Helm auf und ab zu einem der Hamburger Kletterparks

 

Klettern

Kletterwald Hamburg

Je nachdem, wie viel Nervenkitzel angemessen ist: Der Kletterwald Hamburg am Meiendorfer Weg in Volksdorf bietet sieben spannende Parcours mit verschiedenen Kletterelementen und unterschiedlichen Höhen. Vom Anfänger, dem ein kleines Bauchkribbeln genug ist, bis hin zum Kletter-Fortgeschrittenen und Adrenalin-Junkie ist für jeden das richtige Maß dabei.

Die Abenteuer-Parcours tragen vielversprechende Titel wie „Niagara-Trail“, „Borneo-Spezial“ oder „Mount-Everest-Nordroute“. Insgesamt gibt es zwei niedrige Routen mit zwei Metern Höhe und fünf höhere mit bis zu zehn Metern, alle Routen enden mit einer Seilbahn. Das Umlaufsicherungssystem auf den Plattformen macht das Klettern jederzeit sicher und bequem, die obligatorischen Helme schützen vor allem vor Ästen.

Kletterwald Hamburg: Meiendorfer Weg 122-128 (Volksdorf)

 

Kletterpark Sachsenwald

Schnurstracks! Der Weg führt von Baum zu Baum, in nur eben einige Meter über dem Boden. Der Schnurstracks Kletterpark Hamburg Sachsenwald unweit der S-Bahn-Haltestelle Aumühle befindet sich in einem alten Buchen- und Eichenwald vor den Toren Hamburgs. Es gibt fünf Parcours mit insgesamt 48 Stationen, darunter Kinderparcours, Gewöhnungsparcours auf sechs Metern Höhe und herausfordernde Parcours in der Höhe (bis zu 14 Meter) für anspruchsvolle Sportler – diese dürfen auch aufs Fahrrad steigen, den Flohsprung wagen oder über die Schlaufenbrücke hangeln.

Für besonders Ambitionierte gibt es den schwarzen Parcours mit Seilrutschen. Außerdem sorgt der „Free Fall Descender“ für Nervenkitzel – wer will, kann sich aus 13 Meter Höhe fallen lassen und unten sanft abbremsen lassen.

Kletterwald Sachsenwald: Holzhof 2 (Aumühle)

 

HanseRock Hochseilgarten

Man muss nicht zwangsläufig bis an den Stadtrand fahren, um Outdoor-Kletterspaß zu erleben. Der HanseRock Hochseilgarten befindet sich nur drei Stationen vom Hauptbahnhof entfernt in Wilhelmsburg. Dort, am schönen Wilhelmsburger Inselpark, gibt es 39 Kletterstationen in fünf verschiedenen Schwierigkeitsstufen, zudem sorgen insgesamt 352 Meter Seilrutschen für zusätzlichen Spaß in aufregender Höhe.

Absicherung gibt es auch hier durch ein modernes, durchlaufendes Sicherungssystem. Vor dem Klettern bekommt jeder Gast eine Ausrüstung und eine ausführliche Einweisung, zudem sind die HanseRock-Mitarbeiter jederzeit ansprechbar. Spezielle Angebote für Kindergeburtstage und individuell geplante Feiern stehen natürlich auch auf dem Programm.

HanseRock Hochseilgarten: Am Inselpark 22 (Wilhelmsburg) 

 

Springen

Bungee Jumping Hafenkran Hamburg

Bauchkribbeln, schön, doch für manche noch nicht genug. Auf Freunde des Nervenkitzels, ach was, der Adrenalinexplosion, wartet in Hamburg ein 250 Tonnen schwerer Stahlkoloss mit Blick auf den Hafen. 50 Meter müssen Stufe um Stufe bestiegen werden, den Sprung muss man sich also verdienen. Oben gibt es noch einen Panoramablick über Elbe, Container, Kais und Schiffe, und dann – bämm! Pure Ekstase!

Unten wartet eine Bungee-Sprung-Urkunde und wenn erwünscht und vorher angemeldet – gegen Bezahlung – auch ein Video des Sprungs. Zu dem ganzen Spaß wird allerdings nur zugelassen, wer ein Mindestalter von 16 Jahren erfüllt (bis 18 nur mit Einverständniserklärung der Eltern) und ein Körpergewicht zwischen 50 und 120 Kilogramm sowie eine normale Gesundheit und Belastbarkeit hat.

Bungee Jumping Hafenkran: Australiastraße 50B (Kleiner Grasbrook)


 SZENE HAMBURG Stadt, Land, Sommer 2020/2021. Das Magazin ist seit dem 4. Juli 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburger Nachwuchs: Diskuswerfer Mika Sosna

16 Jahre, 1,98 Meter, 100 Kilo – und Weltranglistenerster im Diskuswerfen in seiner Altersklasse: Das ist Mika Sosna. Ein Gespräch mit dem womöglich nächsten Leichtathletik-Superstar der Stadt

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Mika, du giltst als Hamburgs aktuell größte Leichtathletik­hoffnung. Kommst du damit zurecht oder spürst du einen zunehmenden Druck?

Mika Sosna: Och, ich komme relativ gut damit klar, Druck habe ich bisher noch nicht gespürt. Im Gegenteil: Die Aufmerksamkeit, die ich jetzt bekomme, spornt mich sogar an. Als ich noch keine anständigen Leistungen gebracht habe, hatte ich natürlich auch noch keine Medienpräsenz. Mittlerweile habe ich aber etwas erreicht und genieße es, wenn über mich berichtet wird und die Leute mehr von mir erfahren wollen.

Und generell: Bist du jemand, der rund um die stressigen Wettkämpfe viel nachdenkt und darüber sprechen möchte, sei es mit Trainern, Eltern oder Freunden?

Ich bin kein großer Nachdenker. Das einzige, worüber ich nach dem Sport zu Hause nachdenke, ist: Was könnte ich noch besser machen? Und: Welche neuen Trainingsmethoden könnte ich noch ausprobieren? Auch während des Wettkampfs denke ich nicht groß nach. Ich probiere dann einfach, mein Ding zu machen.

Keine Angst oder Nervosität?

Doch, ein bisschen Schiss habe ich manchmal schon vor einem Wettkampf. Wobei sich das deutlich gebessert hat im vergangenen Jahr.

Wie ist es besser geworden? Schlichtweg durch Erfahrung?

Genau, ich habe mich Wettkampf für Wettkampf an diese Situationen gewöhnt, in denen alle auf mich schauen. Eine gewisse Grundnervosität bleibt aber und ist ja auch normal.

 

„Olympia ist mein großes Ziel“

 

Wann hast du eigentlich ent­schieden, Leistungssport auf Dauer betreiben zu wollen – und warum?

Ich habe vor anderthalb Jahren den Trainer und den Verein gewechselt, bin von der Leichtathletikabteilung des HSV zur TSG Bergedorf gegangen. Mit meinem neuen Trainer kamen auch deutliche Leistungssprünge, und irgendwann war mir klar: Ich möchte im Leistungssport bleiben und in den Erwachsenenbereich.

Und warum der Diskuswurf ?

Dass ich ein Werfer werden würde, war schon relativ früh klar. Liegt einfach an meiner Statur, ich könnte kein Sprinter oder Mehrkämpfer sein. Vor zwei Jahren habe ich mich dann ganz gezielt auf den Diskus konzentriert.

Aktuell bist du mit einer Weite von 64,05 Metern Weltranglistenerster in deiner Alters­ klasse, visierst aber sicher schon Höheres an, zum Beispiel Olympia …

… das ist mein großes Ziel. Wenn ich verletzungsfrei bleibe und alles passt, möchte ich 2024 in Paris dabei sein. Noch realistischer sind die Spiele danach, nämlich 2028 in Los Angeles.

Würdest du dich als Höher­-Schneller­-Weiter-­Typen beschreiben?

Ja, definitiv! Klar, wenn man mir vor einem halben Jahr gesagt hätte, dass ich heute bei der Weite liegen würde, bei der ich liege, hätte ich mich ohne Ende gefreut. Aber mit der Zeit hat sich meine Einstellung etwas geändert, ich bin nie voll und ganz zufrieden mit meinen Weiten.

Warum nicht?

Weil ich weiß, dass immer noch deutlich mehr drin ist. Es mag für Außenstehende komisch wirken, wenn sich alle über eine gute Leistung von mir freuen und nur mein Trainer und ich eher ruhig bleiben. Das liegt aber nur daran, dass wir wissen, dass da noch viel mehr geht.

 

„Alles ist auf Sport gerichtet“

 

Die guten Ergebnisse, aber auch der Aufbau von einem Athletenkörper kosten viel Zeit und Kraft. Wie muss man sich deinen Alltag vorstellen?

Alles ist auf Sport ausgerichtet. Glücklicherweise gehe ich zu einer Eliteschule des Sports, die Athleten massiv fördert. Die Schule tut wirklich extrem viel für uns, ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Was tut die Schule denn kon­kret?

Sie bietet zum Beispiel ein Abitur nach 14 anstatt nach 13 Jahren an. Außerdem ist es möglich, auch während der Schulzeit ein Frühtraining zu absolvieren, jeden Morgen. Das hilft total, wenn man eh mehrere Trainingseinheiten am Tag hat.

Und auf was musst du – ver­glichen mit Gleichaltrigen – schmerzvoll verzichten?

Vor allem natürlich aufs Feiern. Sich mit seinen Jungs zu treffen, abends irgendwohin zu gehen – das ist in meinem Alltag nicht möglich. Tagsüber bin ich nur mit dem Sport beschäftigt, und danach habe ich überhaupt keine Kraft mehr, irgendetwas zu unternehmen.

Und umgekehrt: Was fühlt sich am besten an in deinem Sport­ lerleben? Gibt es bestimmte Momente, die immer wieder neu beflügelnd wirken?

Am coolsten ist es, wenn ich in einem Wettkampf eine Leistung erziele, von der ich weiß, dass ich sehr lange und hart dafür gearbeitet habe. Das Gefühl, das ich dann habe, lässt sich gar nicht in Worte fassen. Es ist einfach die Belohnung für alles.


Szene_Juli_2020_Cover SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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SZENE HAMBURG im August 2019: Wie sozial ist Hamburg?

Lest in unserem Editorial, auf welche Geschichten ihr euch im August freuen könnt

Sich sozial zu engagieren, gehört heutzutage schon fast zum guten Ton. Die letzte Statistik aus dem Jahre 2014 besagt, dass 36 Prozent aller Hamburger ab 14 Jahren ehrenamtlich tätig sind. Und das war ein Jahr bevor die Anzahl der Geflüchteten anstieg und viele Initiativen in der Stadt gefühlt über Nacht entstanden sind. Aber: Wer kein Ehrenamt ausfüllt, muss sich jetzt nicht schlecht fühlen. Denn genauso wichtig ist das soziale Verhalten im Miteinander. Den Darwinismus ignorieren, die Augen aufmachen, hinhören – der ältere Nachbar im Haus freut sich vielleicht über eine vom Einkauf mitgebrachte Tüte Milch, oder einen kleinen Schnack. Die Tür für den Hintermann aufhalten und nicht vor der Nase zuschlagen. Denn je besser man sich behandelt fühlt, desto besser behandelt man andere, klar. Und einer muss ja den Anfang machen.

 

Mit dem Herz am rechten Fleck

 

Um Anfänge geht es auch in einigen unserer Geschichten. Wir porträtieren drei Kitas mit individuellen Ansätzen. Sie sind meist die erste institutionelle Erfahrung, die Kinder machen, und tragen einen Teil dazu bei, wie sie in die Welt starten und vielleicht auch, was sie auf ihre Reise mitnehmen. Eine andere Form von Neubeginn unterstützt der Fürsorgeverein, der ehemaligen Strafgefangenen Wohnraum und eine Begleitung zurück in den Alltag bietet. Stichwort: Resozialisierung. Ein großes Wort und ein großes Unterfangen. Warum es an vielen Stellen noch hakt, erzählt unsere Geschichte „Die Last der Freiheit“. Eine Straftat hinterlässt meist auch einen Geschädigten. Wie es den Opfern danach und wie es für sie weitergeht, erleben die Mitarbeiter vom Weißen Ring täglich. Seit 40 Jahren ist die Institution in der Stadt tätig.

In allen Bereichen, ob Kultur, Sport oder bei gesellschaftlichen Themen, zeigt sich: Die Hamburger sind Macher, voller Tatendrang und mit dem Herz am rechten Fleck.

Text: Hedda Bültmann, Redaktionsleitung SZENE HAMBURG


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Foto: Sophia Herzog

Hedda Bültmann, unsere Redaktionsleiterin, hat den Kopf voller Ideen und bei der SZENE HAMBURG das Ruder in der Hand. Mit ihrem Spirit, Tatendrang und Ideen prägt sie unser Stadtmagazin. Lust auf Austausch? Ihr erreicht sie unter hedda.bueltmann@vkfmi.de


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Homophobie im Profisport – Thema im Film Mario

Fußballer sind echte Kerle. Muskulös. Hart im Nehmen. Homosexualität ist in dieser Branche ein Tabuthema wie in kaum einer anderen, auch wenn sich einige wenige Vereine wie der 1. FC St. Pauli klar für eine offene Geisteshaltung aussprechen. Welche Seelenqualen das für einen schwulen Spieler bedeutet, zeigt Marcel Gislers Drama „Mario“. Wir haben mit dem Regisseur gesprochen

Zuerst sieht Mario (Max Hubacher) den Neuen in der Mannschaft nur als Konkurrenten. Auch Leon (Aaron Altaras) ist Stürmer, und nur einer von ihnen beiden – wenn überhaupt – wird den begehrten Profivertrag für die kommende Saison erhalten, auf den alle Spieler der U21-Mannschaft des Berner Clubs YB Young Boys schon ihr ganzes Leben lang hingearbeitet haben. Entsprechend erbittert ist der Konkurrenzkampf unter den jungen Männern.

Doch spätestens, als Mario sich mit Leon eine Spielerwohnung teilen muss, verändern sich seine Gefühle. Aus Misstrauen und Ablehnung wird Freundschaft, schließlich aus Freundschaft Liebe. Eine unmögliche Liebe, die sie öffentlich nicht zeigen dürfen – Sponsoren, Fans, sie alle würden das Paar verurteilen.

Mario, der Film über zwei schwule Fußballer Foto: Pro Fun Media

Die beste Freundin muss als Alibipartnerin herhalten. Foto: Pro Fun Media

Ihr Marktwert? Im Keller. Die Karriere vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. „Es gibt Sachen, die gehen einfach nicht!“, faucht Marios Berater ihn an, als die Beziehung schließlich doch auffliegt. Homosexualität ist dabei aus seiner Sicht in einer Liga mit Drogen oder Sex mit Minderjährigen zu sehen. Das Versteckspiel, der innere Kampf gegen die eigenen Gefühle, die Sticheleien der Mannschaftskollegen werden immer unerträglicher, bis Mario und Leon daran zu zerbrechen drohen und eine Entscheidung fällen müssen.

Die Geschichte, die Regisseur Marcel Gisler selber mitgeschrieben hat und in der auch der 1. FC St. Pauli eine Rolle spielt, scheint zu Beginn sehr absehbar. Doch einige überraschende Twists, eine feinfühlige Kamera und vor allem die tolle Schauspielleistung Max Hubachers, der scheinbar mühelos die komplette emotionale Bandbreite von glücklicher Verliebtheit bis hin zu abgrundtiefer Verzweiflung abrufen kann, lassen den Zuschauer intensiv an der zermürbenden Seelenqual des Protagonisten teilhaben. Während Homosexualität in unserer heutigen Gesellschaft weitgehend akzeptiert ist, hinkt die Fußballwelt hier noch weit hinterher. Gut, dass Marcel Gisler das einmal auf so beeindruckende Weise auf die Leinwand holt.


Marcel Gisler, Regisseur Mario, Foto: Pro Fun Media

Marcel Gisler, Regisseur Mario, Foto: Pro Fun Media

Regisseur Marcel Gisler im Interview

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Kühles Nass – Wo wir in Hamburg am liebsten baden gehen

Der schönste Badesee ist natürlich Ansichtssache, aber bei den folgenden kommt definitiv jeder auf seine Kosten – und zwar in der ganzen Saison vom 10. Mai bis 9. September. Ach so, eine Sache noch: Die Badewasserqualität sieht in Hamburg übrigens durchweg sehr gut aus! An diesen 4 Badeseen hüpfen wir besonders gern ins Wasser.

 

1. Boberger See

(siehe Beitragsfoto)

Der circa 7,9 Hektar große See ist mit seinem vielseitigen Umland ein besonderer Spot für Naturliebhaber. Mitten im Naturschutzgebiet Boberger Niederung bei Bergedorf gelegen, lässt er sich gut mit der Bahn S21 Haltestelle Mittlerer Landweg und einem anschließenden 40-minütigen Spaziergang erreichen. Für Eilige bietet sich der Bus 330 Richtung Billstedt an, Ausstieg an der Station Billwerder Kirche – dann sind es nur noch 15 Minuten zu Fuß. Nun aber zum See: Seine maximale Tiefe beträgt 11,5 Meter bei einer Breite von knapp 400 Metern. Gespeist wird der Boberger See durch Grundwasser und überzeugt damit mit einer ausgezeichneten Badewasserqualität. Die Badestelle befindet sich am nordöstlichen Ufer und misst einen über 16 Meter langen Strandlauf plus Liegewiese. Wenn das nicht verlockend klingt! Am Südufer gibt es ein FKK-Gelände, also Vorsicht vor unliebsamen Überraschung für Leute, die sich augenscheinlich schnell aus der Fassung bringen lassen. Entstanden ist der See übrigens um 1950 bei einer Ausbaggerung zur Kiesabtragung für den Bau der A1. Heute gewinnt er immer mehr an Beliebtheit und ist definitiv einen Ausflug wert. Und wer schon mal da ist, dem seien die Boberger Dünen ebenfalls ans Naturherz gelegt – Hamburgs letzte Wanderdüne inmitten von Heidekraut und Marschwiese.

Adresse: Billwerder Billdeich
Anreise: S21 bis Mittlerer Landweg
Grillen erlaubt: Nein
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Nein
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja
Shops: Kiosk im Besuchergarten
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

2. Hohendeicher See

Badeseen in Hamburg: der Hohendeicher See Foto: Philipp Schmidt

Er wird auch Oortkatensee genannt und liegt mitten in den Marschlanden im Bezirk Bergedorf. Direkt hinter dem Elbdeich erstreckt er sich mit einer Fläche von circa 62 Hektar. Beachtlich! Bei der Größe ist klar: Es gibt mehr als eine Badestelle und ordentlich Platz für viele Menschen. Bekannt und beliebt sind folgende: Eine am westlichen Ufer mit kleinem Sandstrand und Liegewiese, die andere am südlichen Ufer – großer Strand und ebenfalls viel Platz um in die Horizontale zu gehen. Genutzt wird das kühle Nass nicht nur von erholungsbedürftigen Besuchern, sondern auch von der einen oder anderen Wasserratte. Wie jetzt?! Keine Panik: Von Zeit zu Zeit sind Taucher, Segler, Paddler und Surfer anzutreffen. Manchmal lässt sich auch das eine oder andere Partyvolk hier nieder. Nichtsdestotrotz lässt sich das umliegende Land sehen: Grün, Grün, Grün, wohin das Auge blickt! Kein Wunder, wurde der See doch bereits 1977 als Landschafts- schutzgebiet ausgewiesen und vegetiert seitdem friedlich vor sich hin. Das freut natürlich die Tier- und Pflanzenwelt, die sich hier herrlich verbreitet und Lebensraum für sich beansprucht. Also: Respekt vor der Umwelt. Versteht sich hoffentlich von selbst. Noch ein Fakt für den nächsten Smalltalk: Anfang Juni ist der Hohendeicher See Austragsort des Vierlande-Triathlons. Erst werden 500 bis 1.500 Meter geschwommen, dann eine zehn Kilometer-Radstrecke zur Tatenberger Schleuse zurückgelegt und schlussendlich zurück zum Seeufer gelaufen. Äußerst sportliche Angelegenheit! Ruhesuchende sollten am 3. Juni eine andere Badestelle anvisieren.

Adresse: Overwerder Hauptdeich
Anreise: S21 Tiefstack
Grillen erlaubt: Ja
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Ja
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja, barrierefrei
Shops: Nein
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

3. See im großen Moor

Hamburgs beste Badeseen: Großmoor Foto: Philipp Schmidt

Raus aus Hamburgs Gefilden und hinein ins niedersächsische Seevetal. Ganz easy mit der Regionalbahn oder dem Bus zu erreichen, liegt der 21 Hektar große See zwischen den Stationen Meckelfeld und Maschen. Umgeben von Feldern, Marschland und Mini-Wäldern lässt sich hier in der Sonne wunderbar entspannen. Aber Achtung! Folgendes sollte beim Genießen des kühlen Nass beachtet werden: Es gibt erstens keine Badeaufsicht. Und der See ist zweitens 21 Meter tief. Das ist nicht ohne! Nichtsdestotrotz ist dieser ehemalige Baggersee heute ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden und Seele baumeln lassen. Das haben sich auch einige Sportbegeisterte gedacht. So treffen am See im großen Moor Surfer, Segel und Modellboot-Fahrer aufeinander. In der Idylle ist Grillen erlaubt, allerdings mit Vorsicht: Dadurch, dass es keine offizielle Aufsicht gibt und der Aufenthalt in und um den See auf eigene Verantwortung hin geschieht, sollte der Grill nicht den Boden berühren. Also möglichst keine Einweggrills verwenden (die sind eh total umweltschädlich). Wegen des moorigen Untergrunds können schnell Schwelbrände entstehen, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sind. Nachdem die Asche verglüht und die Mägen gefüllt sind, bietet sich die 2,4 Kilometer lange Strecke um den See für einen gemütlichen Verdauungsspaziergang geradezu an.

Adresse: Zum Großen Moor (Seevetal)
Anreise: RB31 bis Meckelfeld
Grillen erlaubt: Ja, aber verantwortungs­bewusst: Es gibt keine offenen Feuer­stellen. Grillbehältnisse sollten nicht den Boden berühren
Sandstrand: Ja
Hunde erlaubt? Ja, an kurzer Leine

4. See hinterm Horn

Wo sind Hamburgs beste Badeseen? Der See hinterm Horn gehört dazu. Foto: Philipp Schmidt

Unweit des Allermöher Sees plätschert der See hinterm Horn vor sich hin. Eine gute Alternative, falls drüben mal zu viel los sein sollte. Der versteckte, circa zehn Hektar große See liegt zwischen der A25 und der Dove-Elbe. Früher wurde hier Kies abgebaut. Er wird von Grundwasser gespeist, was ihn besonders klar und sauber macht. Die Badestelle mit Sandstrand liegt am nordwestlichen Ufer. Eine ungefähr 20 Meter breite Liegewiese bietet Platz zum Verweilen, einem Picknick oder einfach nur in der Sonne dösen. Mini-Waldgebiete spenden Schatten und umliegende Felder geben dem Landschaftsbild eine Atmosphäre, als wären Besucher mitten auf dem Land. Kein Wunder! Sind doch auch hier die Vier- und Marschlanden gleich zur Stelle, die eigentlich immer einen Ausflug wert sind. Wer also Lust hat auf besonders viel Ruhe, dem sei dieses Fleckchen Erde empfohlen. Denn hier verirren sich nicht so viele Besucher hin, wie an andere Seen.

Adresse: Allermöher Deich
Anreise: S21 bis Mittlerer Landweg
Grillen erlaubt: Ja
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Ja
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja
Shops: Nein
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

Text: Christiane Mehlig
Fotos: Philipp Schmidt


Jetzt noch ‘was essen?


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 Dieser Beitrag stammt aus dem Summerguide 2018, SZENE HAMBURG STADT LAND SOMMER. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2018 im Handel und zeitlos online erhältlich. 

Public Viewing – Wo kann ich am besten die WM gucken?

Das Großereignis des Sommers steht bevor und die Wetterprognosen sind günstig. Fußballmuffel hin oder her: Bei der Fußball-WM 2018 wird sich keiner rausreden können, wenn es wieder heißt: „Kommst du mit? Das Spiel gucken?“ Damit der Fußballabend ein Erfolg wird, hat die SZENE-Redaktion 11 Tipps für euch gesammelt.

1. Aalhaus

Das Aalhaus ist bekannt für sein Kneipenquiz – und das gibt es pünktlich zur WM natürlich auch in der Fußball-Ausgabe. Bevor das erste Mal die Trillerpfeife ertönt, können sich Sportbegeisterte am 13. Juni im Profi Quiz beweisen. Aber auch zur restlichen WM ist das Aalhaus eine der besten Adressen für Public Viewing in Altona. Jedes Spiel wird hier drinnen und draußen übertragen.

Eggerstedtstraße 39 (Altona), Mo-Fr ab 18, Sa-So ab 13 Uhr; www.aalhaus.de

2. Alma-Wartenberg-Platz

Der Alma-Wartenberg-Platz liegt mittendrin im bunten Trubel Altonas. Deswegen ist man hier an den WM-Spieltagen der deutschen Mannschaft sicherlich nicht alleine, wenn man sich, ausgestattet mit Trikot und Deutschlandschal, auf die Suche nach einer Live-Übertragung des Spiels macht. Inmitten der vielen Bars, Restaurants und Cafés des Viertels lässt sich garantiert ein Bildschirm finden, vor dem man mitfiebern kann.

Alma-Wartenberg-Platz (Ottensen)

3. Altes Mädchen

Rundum glücklich wird man beim Public Viewing im Alten Mädchen, der Ratsherrn-Brauereigaststätte. Auf den zahlreichen Screens, auf denen alle Spiele übertragen werden, hat garantiert jeder eine gute Sicht. Zusätzlich zum Essen á la Carte stillt ein Foodtruck Essens-Gelüste mit Burgern, Süßkartoffelpommes oder Bratwürsten. Nicht zu vergessen: Die große Craft-Beer-Auswahl, die nahezu jeden Geschmackswunsch erfüllt.

Lagestraße 28b (Sternschanze), Mo-Sa ab 12, So ab 10 Uhr; www.altes-maedchen.com

4. Amanda 66

Mit Barkeeper, imposanter Cocktailkarte und rotem Licht tarnt sich die Amanda 66 als authentische Bar. Erst auf den zweiten Blick outet sie sich als Sports-Bar, entpuppt sich sogar als Fankneipe der Eintracht Frankfurt. Neben Negroni gibt’s hier auch Apfelwein im Bembel, wie der Tonkrug genannt wird, in dem das hessische Getränk traditionell serviert wird. Die Amanda-Bar zeigt nur die Deutschlandspiele.

Amandastraße 66 (Eimsbüttel), Mo-Sa ab 19:30 Uhr (bei den Spielen gelten abweichende Öffnungszeiten); www.amanda66.de

5. Bacana

Das Bacana in Eimsbüttel hat einen Außenbereich mit Schatten spendenden Bäumen. Dazu werden beinahe alle Spiele gezeigt und teilweise bis zu drei Spiele parallel. Die charmanten Servicekräfte bringen eiskaltes Pale-Ale. Man muss kein Fußballfan sein, um das zu genießen.

Bellealliancestraße 52 (Eimsbüttel), täglich ab 17 Uhr oder eine halbe Stunde vor Anpfiff; www.bacana-cafe.com

6. Central Park

Foto: Central Park Hamburg Public Viewing

Im Punk unter den Hamburger Beachclubs geht es – eingerahmt von Clubs und stilecht mit Sandstrand – entspannt zu. In Spuckweite zum Schulterblatt fleezt man auf Liegestühlen herum und der Blick fällt auf 5 Flatscreen-Fernseher. Hinweis der Crew: Jeder darf rein. Außer Stress.

Max-Brauer-Allee 230 (Sternschanze); Mo-Do 14–23, Fr 14–0, Sa 12–0, So 12–23 Uhr; www.centralpark-hamburg.de

7. Haus 73

Auf den ersten Blick ist hier alles typisch Schanzenladen: Knarrende Altbaudielen, Shabby-Chic-Studi-WG-Möbel, mehr Kaffeesorten als Gäste. Doch wer es durch den ersten Raum im Haus 73 geschafft hat, ist mitten drin im schnörkellosen Fußballparadies. Gleich zwei große Leinwände hängen im hinteren Teil des Erdgeschosses, einer im schummrig beleuchteten Schlauchraum und einer im großen Zuschauersaal. Gewählt werden kann beim Fußi-Gucken also zwischen Kneipen- und Kino-Atmosphäre.

Schulterblatt 73 (Sternschanze), Mo-Fr ab 10 Uhr, Sa-So ab 12 Uhr; www.dreiundsiebzig.de

8. Lattenplatz beim Knust

Im Sommer kann es ziemlich voll werden, aber die Stimmung ist super. Dieser Ort ist bestens geeignet, um mit einer großen Gruppe an Freunden spontan aufzukreuzen. Man sitzt auf Bierbänken und guckt sich Fußball auf einer kinotauglichen Leinwand an. Oder man steht etwas abseits mit einem kühlen Blonden in der Hand, verfolgt das Spiel mit einem Auge und mit dem anderen das Treiben auf dem ehemaligen Schlachthof.

Neuer Kamp 30 (Sternschanze); www.knusthamburg.de

9. Otzentreff

Bierige Atmosphäre in dieser urigen Sankt Pauli Raucherkneipe: Billige Drinks und tolles Personal runden das Erlebnis ab. In der Gruppenphase kann man sich im Otzentreff alle wichtigen oder spät stattfindenden Spiele ansehen – danach werden alle gezeigt.

Otzenstraße 4 (St. Pauli), Mo-Sa 19–0, So 20–0 Uhr; www.otzentreff.net

10. Schramme 10

Best of both worlds: Fußball gucken, Fachsimpeln, und zwischendurch schnell an die Bar um was zu trinken. Die Schramme ist eine typische Kneipe ohne Schickschnack. Die simple Holzeinrichtung ist urig und gemütlich. Wer trinkt, muss natürlich auch essen: Es gibt nicht nur eine leckere Speisekarte, sondern auch körbeweise Erdnüsse zum selber knacken. Die Schalen landen auf dem Boden und werden gegen Ladenschluss einfach großflächig aufgefegt – Statt zu randalieren könnten Choleriker die Leinwände also einfach mit Erdnusschalen bewerfen, falls der Ball nicht ins Tor geht. Für den besten Platz vor der Leinwand am besten früh kommen oder einen Platz reservieren.

Schrammsweg 10 (Eppendorf); So-Do 12–2 Uhr, Fr-Sa 12–4 Uhr; www.schramme10.com

11. Überquell

Überquell Biergarten in Hambrg Foto: Jupiter Union

Foto: Überquell

Es muss nicht immer nur ein herbes Pils sein: Das selbstgebraute Craft Beer vom Überquell bereichert den Fußballabend zusätzlich. Dazu gibt’s Pizzakreationen und rustikal-hippes Ambiente. Alle Deutschlandspiele werden auf der Sonnenterrasse übertragen. Wenn auf der Leinwand nichts passiert, kann der Blick träumerisch zum Hafen wandern.

St. Pauli Fischmarkt 28-32; Mo-Do 17–23 Uhr, Fr-So ab 12 Uhr; www.ueberquell.com

Beitragsfoto: Knust


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Darf’s noch etwas mehr Fußball sein?

Freiwurf für alle – die Handball-Inklusionsliga

Fünf Vereine, acht Teams, eine Liga. „Freiwurf Hamburg“, die einzige Handball-Inklusionsliga in Deutschland, ist eine Hamburger Erfolgsgeschichte.

Als die Mannschaften eingeteilt werden, habe ich ein Problem. Beim Sport bin ich extrem ehrgeizig, will unbedingt gewinnen. Andererseits kann ich doch unmöglich mit voller Power spielen, oder? Schließlich nehme ich als Journalist am Training der Inklusionshandball-mannschaft Spielgemeinschaft Wilhelmsburg teil. Um mal zu erspüren, wie das ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Handball spielen. Plötzlich passiert es, während ich noch sinniere. Ich passe in der Verteidigung nicht auf und wir kassieren das Tor zum 0:1. „Toooor“, ruft Lennart und dreht strahlend ab. Der kräftige 27-Jährige hat die plötzliche Lücke in der Deckung genutzt. Zwanzig Minuten später bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Gewinnen war auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Besonders gefreut habe ich mich, als Tanja – die einzige Rollstuhlfahrerin auf dem Feld – einen gelungenen Pass gespielt hat.

Jens Krüger ist seit über 50 Jahren beim SG Wilhelmsburg – zuerst als Spieler, dann als Trainer. Foto: Jakob Börner

„So ist das bei uns. Es geht vor allem um das Miteinander und weniger um die Leistung“, sagt Jens Krüger (57). Der Mann ist eine Handball-Institution in Wilhelmsburg. Seit über 50 Jahren im Verein – erst als Spieler, dann als Trainer – gründete er die Inklusionsmannschaft, die in der einzigen vom Deutschen Handball-Bund offiziell anerkannten Handball-Inklusionsliga spielt: „Freiwurf Hamburg“. Aus fünf Hamburger Vereinen haben sich dabei acht Teams mit fast hundert Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderung gebildet, die in einer Liga gegeneinander antreten.

„Warum eigentlich nicht Handball?“

Eine dieser Mannschaften ist die SG Wilhelmsburg „Ich habe in allen Sportarten gesehen, wie sie auch von behinderten Menschen mit Leidenschaft betrieben wird. Da habe ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht beim Handball?“, sagt Krüger. Torschütze Lennart ist ein gutes Beispiel dafür, wie goldrichtig die Gründung des Teams war. Durch Komplikationen bei der Geburt leidet er unter Sauerstoffmangel im Gehirn, ist oft orientierungslos, kann sich schlecht artikulieren. „Aber er ist ein herzensguter Kerl. Am Anfang kam er alle vier Wochen aus Ratzeburg her, dann alle zwei, mittlerweile ist er jede Woche dabei“, erzählt Krüger. Lennarts Vater Uwe ist ebenfalls in die SG Wilhelmsburg eingetreten. „Unser Sohn fiebert dem Training und den Spieltagen richtig entgegen“, sagt er.

Die Basis dafür, dass dies alles möglich war, hat Martin Wild geschaffen. Er ist der Vorsitzende der Inklusionsliga „Freiwurf Hamburg“. 2009 baute er beim Altrahlstedter Männerturnverein (AMTV) die erste Handball-Inklusionsmannschaft in Hamburg auf. „Die Idee kam damals sofort super an. Die Halle war proppenvoll mit 18 Leuten. Wir trainierten ein Jahr für uns, und natürlich wollte die Mannschaft schon gern gegen andere Teams spielen.“ Glücklicherweise waren bereits andere Handballvereine aufmerksam geworden – und Wild war bereit, weitere Pionierarbeit zu leisten.

Feinarbeit vorm ersten Anpfiff

Erst leistete er Aufbauhilfe beim SV Eidelstedt, danach beim FC St. Pauli. Mit der SG Wilhelmsburg und dem Elmshorner Handball- Team kamen zwei weitere Vereine dazu. Und im Jahr 2013/14 startete „Freiwurf Hamburg“ unter dem Dach des Deutschen Handball-Bundes, der von der Idee ebenfalls begeistert war. Doch vor dem ersten Anpfiff war viel Feinarbeit notwendig. Unter dem Motto „Inklusion für alle in der Metropolregion Hamburg“ wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet, unter anderem von der Uni Hamburg und der Sporthochschule Köln. Die Regeln wurden stets angepasst, damit wirklich alle Spielerinnen und Spieler unter fairen Bedingungen dabei sein können.

Taktische Besprechung: Das Trainerteam bei der Arbeit. Foto: Jakob Börner

So gibt es zum Beispiel für Rollstuhlfahrerinnen wie Tanja einen eigenen Streifen auf dem Feld, in dem nur sie den Ball berühren dürfen. „Das Ganze ist ein demokratischer Prozess. Wir überprüfen fortlaufend, ob wir unserem Anspruch an Inklusion für wirklich alle gerecht werden können. Manchmal ist das anstrengend und mühselig, aber es lohnt sich wirklich sehr“, sagt Wild. Wichtig ist also nicht, wer jedes Jahr Meister wird. Wichtig ist, dass Menschen wie Lennart und Tanja mit ganz viel Leidenschaft am Sport Spaß haben können. Eine gelungene Lektion für Menschen wie mich.

Text: Mirko Schneider
Fotos: Jakob Börner

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 Dieser Text stammt aus der Beilage „Vielfalt Leben“, dem gemeinsamen Magazin von SZENE HAMBURG (Juni 2018) und dem Inklusionsbüro. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

 

 

 

 

 

 

Barrierefreie Halfpipe – Die Geschichte des Rollstuhl-Skaters

„Man kann sich viel mehr zutrauen, als man denkt“ sagt Rollstuhl-Skater Björn-Patrick Meyer (32). Nach einem Autounfall schaffte er es deutschlandweit unter die „Besten 10“ im Wheelchair Motocross (WCMX).

Das ist nicht nur Sport, das ist Lebensgefühl, das ist Eigenständigkeit, Selbstbestimmung. Björn-Patrick Meyer versprüht eine Begeisterung, die ansteckt. Dabei lacht er, wedelt mit den Armen und fragt immer wieder, ob er nicht zu viel reden würde. Nein, tut er nicht, denn die Geschichte, die er erzählt, ist spannend, erschütternd, Mut machend.

Björn, so ist sein Rufname, ist 32 Jahre, sitzt im Rollstuhl und gehört zu den zehn besten Rollstuhl-Skatern Deutschlands. Eine Sportart, die sich WCMX nennt – Wheelchair Motocross, abgeleitet von BMX. Für diesen Sport muss man schon ein bisschen verrückt sein, aber irgendwie auch nicht verrückter als bei allen anderen Extremsportarten.

Aaron Fotheringham veränderte sein Leben

Sein Weg wurde gezeichnet als Björn 19 Jahre alt war. Schwerer Autounfall bei Glatteis, drei Monate Koma, innere Verletzungen, Knochenbrüche am ganzen Körper. Das rechte Bein konnte nicht mehr gerettet werden und wurde oberhalb des Knies amputiert. Noch im Krankenhaus sieht er sich ein Video von Aaron Fotheringham an. Ein Amerikaner, der seit seinem achten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt und sich inzwischen Halfpipes hinunterstürzt, von Rampen springt und Saltos dreht. „Das will ich auch“, dachte sich Björn.

Da die Krankenkasse ihm aber „nur“ eine Prothese gewährte, erfüllte sich sein Traum erst vor drei Jahren. „Prothesen stecken immer noch in der Entwicklung und ich bin nicht wirklich gut damit zurechtgekommen.“ Deswegen musste er vor vier Jahren nochmal unter das Messer. „Ich hatte zu große Schmerzen und hatte die Nase voll, deswegen habe ich mir für 10.000 Euro einen Spezialrollstuhl gekauft, der für das Skaten geeignet ist.“ Inzwischen über Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Hamburg angekommen, wurde er vor drei Jahren im Harburger Skaterpark entdeckt. Patrick Krause, Fachbereichsleiter beim Deutschen Rollstuhl-Verband, fragte ihn, ob er nicht Lust hätte auch bei Meisterschaften zu starten. Als Newcomer sicherte er sich 2016 Platz sechs der „Intermediate Division“ (zwischen Anfängern und Profis) bei der Weltmeisterschaft in Texas/USA.

Sportlich läuft es also. Im August startet er bei der Deutschen Meisterschaft in Harburg.Ich trete nicht an, um Zweiter zu werden.“ Dazu gehört natürlich Training, Training, Training. „Ich versuche, so oft wie möglich auf der Skaterbahn zu sein.“ Angst vor Verletzungen, nach den Erfahrungen? Hat er nicht! „Nur wenn man Grenzen überwindet, kann man vorankommen!“ Und genau das, was er gewollt hat, was er geschafft hat, will er weitervermitteln.

Lust am Ausprobieren

Jeden ersten Samstag im Monat leitet Björn das Rollstuhlskater-Treffen im „ackerpoolco“, das Haus der Jugend in Eidelstedt (13 bis 16 Uhr, Baumacker 8a). „Hier können alle kommen, die Lust haben, sich im Rollstuhl auszuprobieren.“ Ob Geschicklichkeit für die Mobilität im Alltag oder ganz große Sprünge, alles kann in Ruhe getestet werden. „Als Rollstuhlfahrer kann man sich viel mehr zutrauen, als man denkt. Wenn ich zuhause vor der Tür zwei Treppenstufen habe, dann kann ich mir als Ziel setzen, die auch ohne Hilfe zu schaffen. Man muss seine eigene Infrastruktur in Anspruch nehmen.“ Einen großen Traum hat Björn noch: Der gelernte Zerspanungsmechaniker möchte eine Umschulung zum Heilerzieher machen und dann irgendwann eine Rollstuhlschule aufmachen. Auch dieser Weg wird nicht einfach werden, aber bei so viel Mut und Zuversicht…was soll da schief gehen?

/ Text: Andrea Marunde

Workshop mit Profis
Vom 16. bis 26. August findet die Rollstuhlbasketball-WM 2018 in der Inselparkhalle in Wilhelmsburg statt. In diesem Rahmen starten die Rollstuhl-Skater am 18./19. 08. 2018 im dortigen Skaterpark bei der Ersten Internationalen Deutschen Meisterschaft im WCMX. Dies ist der erste Wettkampf außerhalb der USA in dieser Sportart. In verschiedenen Startklassen kann jeder teilnehmen oder es am 18. August in einem Workshop mit den Profis ausprobieren.
Internationale Deutsche Meisterschaft im WCMX
Rollstuhlbasketball-WM


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG Sport, als Heft im Heft in SZENE HAMBURG in Kooperation mit dem Hamburger Sportbund im Mai 2018, erschienen. Es ist seit dem 28. April 2018 im Handel, zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper auf der Homepage des Hamburger Sportbundes erhältlich!