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Wasser und Marsch: Triathlon WM 2023 in Hamburg

Nach 2007 findet die Triathlon Weltmeisterschaft zum zweiten Mal in Hamburg statt – 2023 mit neuen Disziplinen und Strecken

Text: Felix Willeke

 

Am 1. Juli 2021 gaben World Triathlon, die Deutsche Triathlon Union und die Stadt Hamburg bekannt, dass die World Triathlon Sprint & Relay Championships 2023 in der Hansestadt stattfinden werden. Nach 2007 ist es das zweite Mal, das Hamburg Austragungsort der Triathlon Weltmeisterschaft ist. Die WM 2023 wird allerdings nicht wie die WM 2007 in der olympischen Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen) ausgetragen, sondern findet in verschiedenen Wettbewerben über unterschiedliche Distanzen statt.

 

Neues Format

 

2023 werden die WM-Medaillen in neun Wettbewerben vergeben: Die Triathlon-Elite tritt im Einzel- und Mixed Relay-Rennen an, die Junior:innen sowie die Altersklassen-Athlet:innen tragen bei der WM Einzel- und Staffelrennen aus. Dabei werden die Wettbewerbe der Elite im neuen Eliminator-Format ausgetragen: Die Athlet:innen müssen sich über die Super-Sprintdistanz (300 Meter Schwimmen, 7 Kilometer Radfahren und 1,7 Kilometer Laufen) in Vorläufen und Halbfinalen für das Finale qualifizieren. Die Junior:innen und Altersklassen-Athlet:innen treten hingegen über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) an.


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Backboard: Surfbretter aus Hamburg

Wenn’s gut werden soll, muss man selbst ran, wie in diesem Fall: Surfboards. Massimo Calá fertigt in seiner One-Man-Manufaktur Unikate fürs Wasser an

Fotos: Anna Lehnert / Annagrafia

 

Die Sonne knallt. Es ist Sonntag. Während andere am Strand liegen, machen Tüftler keine Pause. In Stellingen in einem ehemaligen Aktengebäude werkeln und kreieren sie. Aus einem Raum ertönen Sägegeräusche. Zudem seien im Haus Nudelmacher, DJs und Graffitikünstler zu Gange, erzählt Massimo Calá, der im zweiten Stock seine Werkstatt hat und dort Surfbretter baut.

Massimo passt ins Klischeebild eines Surfers: Er trägt Cap über seine längeren, lockigen Haare, lässiges T-Shirt und Sneaker. Seine Hände können anpacken. Er hievt große Surfbrett-Rohlinge von einer Ablage und stellt sie zu den anderen. Es stehen leere Flaschen herum, in jeder Ecke ein Brett und überall ist Staub – eine Werkstatt eben, aber mit System: Links ein Werktisch für Farbund Vorbereitungsarbeiten, rechts die Schleifwerkstatt, ein zwei mal vier Meter Raum im Raum aus Pressspanplatten. Für den Kontrast ist er blau gestrichen, das Raumlicht auf halber Höhe montiert, um die Unebenheiten seiner Bretter besser erkennen zu können.

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Massimo surft schon seit er zwölf Jahre alt ist, durch Freunde habe er den Wassersport einst lieben gelernt. Schon als Teenager ist er viel auf Wellen geritten, unter anderem auf Sylt, in Dänemark, Portugal, Indonesien, der Karibik und bei den Deutschen U16- und U18-Meisterschaften in Frankreich. Dementsprechend groß war der Verschleiß seines Boards. „Ich hatte nie die Kohle, die Bretter reparieren zu lassen“, sagt der 26-jährige Hamburger, „also habe ich angefangen, das selbst zu machen.“

Massimo begann, indem er die Löcher in Surfboards von Freunden und Bekannten flickte. Die Nachfrage nach seinen Arbeiten wurde größer, sodass er sich kurzerhand seinen ersten Rohling aus Polyurethan bestellte und ein eigenes Brett anfertigte. Backboard war geboren und wuchs immer weiter. Für mehr Arbeitsplatz zog er 2017 in die Nähe von gleichgesinnten Machern und Tüftlern – in eine eigene Werkstatt in Stellingen. Seither verkaufe er seine Unikate an viele zufriedene Kunden. Er hat so aus einem Hobby ein zweites Standbein gemacht.

 

Zwischen Donauwelle und Duck Dive

 

Massimo ist hauptberuflich Bäcker in fünfter Generation. Eines Tages werde er den Familienbetrieb der Konditorei und Bäckerei Stechmann in Schnelsen übernehmen, sagt er. Massimo ist ein Menschenfreund, dem das Backen der Donauwelle zusammen mit seinem Opa morgens um 5.00 Uhr genauso viel Spaß macht, wie die Ideenentwicklung zusammen mit seinen Kunden in der Werkstatt und das Schnacken über den perfekten Duck Dive, das Durchtauchen einer Welle.

Durch das nächtliche Arbeiten in der Backstube hat Massimo tagsüber Zeit sich den Boards zu widmen. Er sei froh, beides, das Backen und die Boards, unter einen Hut kriegen zu können.

 

Schritt für Schritt

 

Sobald Massimo einen neuen Auftrag erhält, bestellt er den passenden Rohling aus Polyurethan. Er legt eine Messschablone auf, um für Symmetrie zu sorgen und zeichnet, je nach gewünschter Brettgröße, die Schnittpunkte ein. Dann prüft er die Dicke des Bretts, sägt die grobe Form aus und hobelt Unebenheiten ab. Um die Halterungen der Surffinnen zu verankern, fräst Massimo Löcher auf die Unterseite des Bretts und klebt sie hinein. Dann erhalten Massimos Bretter eine Glasfasermatte, sein Backboard-Logo, welches er mit Reispapier aufträgt und die Versiegelung mit dem Polyesterharz, bei dem eine Schutzmaske zu tragen, notwendig ist.

Massimo könne das Surfboard färben, indem er den Brettkern lackiert. Das Polyesterharz mit einem gewünschten Farbton zu vermischen, in Fachkreisen „resin tint“ genannt, sei seiner Erfahrung nach aber die bessere Methode. Nachdem das Harz getrocknet ist, sorge Massimo für den Feinschliff. „Zack, boom, bonjour – fertig ist der Hobel“, sagt Massimo, wenn er mit dem Ergebnis des Brettes zufrieden ist.

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Zusätzlich könne man laut Massimo auch Baumwoll- und Polyesterstoffe für spezielle Designs, oder Carbonfasern für die Stabilität, ins Brett einarbeiten. Eine Kundin hatte sich zum Beispiel einst ein zweifarbiges Surfbrett in den Farben ihres Bullis gewünscht.

Massimo geht auf fast alle Wünsche ein und fertigt Surfbretter in Größen von 5,4 bis 10,0 Fuß (1,68 bis 3,20 Meter) an. Preislich liegen Massimos Wellenreiter bei 490 und die großen bei 675 Euro, auch Workshops habe er schon angeboten. Massimo findet das fair, schließlich brauche er eine Woche für ein indivisualisiertes Surfbrett. „Für den europäischen Markt kommt lizenzbedingt alles aus einer Fabrik“, bemängelt der 26-Jährige, „da kommt nur eine andere Marke darauf und das Brett wird teuer verkauft.“ Zusätzlich gäbe es laut Massimo auch viele unzureichende Produkte aus Asien – weitere Gründe, warum Massimo sein Hobby selbst in die Hand nahm.

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Massimo schaut unterdessen bescheiden in die Zukunft, möchte aber auch neben seinem Beruf als Bäcker weiter tolle Surfbretter bauen. Auch stehe noch der Bäckermeister auf der To-do- Liste, er sehe das aber locker und schaue, was sich ergibt. Bei der Frage, welche die beste Surfbrettmarke sei, ist sich Massimo allerdings sicher: „Backboard!“

Massimo Calá
@backboard_surfboards


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Handball EM 2024 auch in Hamburg

In drei Jahren erwartet Hamburg ein Supersportjahr. Neben der Fußball EM finden auch Spiele der Handball EM in der Hansestadt statt

Text: Felix Willeke

 

Als 2018 die Handball-Europameisterschaft 2024 an Deutschland vergeben wurde, galt Hamburg als sicherer Spielort, das ist jetzt offiziell. Wie der Deutsche Handball Bund (DHB) am 10. Juni 2021 bekannt gab, sollen in der Hamburger Barclaycard Arena Spiele der Hauptrunde ausgetragen werden. Die Vorrunde findet in Berlin, München und Mannheim statt. Das Eröffnungsspiel soll vor 50.000 Zuschauer:innen im Düsseldorfer Fußballstadion gespielt werden und die Finalrunde und weitere Spiele der Hauptrunde finden in der Kölner Lanxess Arena statt.

Neben der Handball EM im Januar kann sich Hamburg auch auf einige Spiele bei der Fußball EM im Sommer 2024 freuen. Welche Partien im Volksparkstadion stattfinden sollen, steht noch nicht fest.


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HSV Handball: Mit Torsten Jansen zurück in die Bundesliga

Torsten Jansen (44) leistete als Linksaußen von 2003 bis 2015 als Spieler einen immensen Beitrag zur großen Zeit des Handball Sport Verein Hamburg, sowohl in der Bundesliga als auch international. Mit Jansen wurde der Club Deutscher Meister, Pokalsieger und Supercup-Gewinner, holte den Europapokal der Pokalsieger und als Krönung 2013 die Champions-League. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde Jansen Europa- und Weltmeister. Mit Jansen als Trainer steht der in der Saison 2015/16 aufgrund einer Insolvenz bis in die Dritte Liga abgestürzte Handball Sport Verein Hamburg kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Herr Jansen, Sie haben als Spieler einschließlich des Weltmeistertitels alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ab welchem Zeitpunkt haben Sie an eine Karriere als Trainer gedacht?

Torsten Jansen: Erst relativ spät. In den letzten ein, zwei Jahren meiner Karriere habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich danach machen möchte. In diesem Prozess hat sich immer mehr herauskristallisiert: Das, was ich über lange Jahre auf dem Feld sozusagen praktisch gelernt und studiert habe, möchte ich nun mal auf eine andere Art und Weise erleben.

In Ihrer Trainerausbildung hatten Sie statt mit dem Hamburger Handball-Verband sogleich mit dem Deutschen Handballbund zu tun. Wie kam das?

Der Deutsche Handballbund bot damals für langjährige Bundesligaspieler die Möglichkeit an, sofort den B-Schein in kompakter Form zu absolvieren. Insgesamt waren es 100 Lehreinheiten. Ich wurde ja dann am 15. Juli 2016 A-Jugendtrainer beim HSV Hamburg und übernahm am 29. März 2017 die Herren, mit denen wir im Sommer 2018 in die Zweite Bundesliga aufstiegen. Parallel dazu machte ich über insgesamt ein Jahr den A-Schein.

hsv-handball-trainer-torsten-jansenWas hat Ihnen die theoretische Ausbildung gebracht? Sie hatten ja praktisch alles auf dem Feld erlebt.

Grundsätzlich hat sie mir sehr viel gebracht. Alle Verbände, die Trainerausbildungen organisieren, erfüllen eine wichtige Aufgabe. Mir hat die Ausbildung einen gewissen Rahmen gegeben. Ich bin dadurch noch strukturierter geworden. Habe für mich herausgefunden, wie ich gewisse Sachen umsetzen will. Beispielsweise wie ich ein Training plane oder ganze Trainingswochen. Über Trainingslehre habe ich dort sowieso viel gelernt. Es ist eben etwas anderes, ob man als Spieler auf dem Feld steht oder als Trainer an der Seitenlinie.

Wie nehmen Sie Ihr Trainerdasein wahr?

Als sehr umfangreich. Als Trainer denkt man sehr viel an die Mannschaft. Dazu gehört die Vorbereitung auf den nächsten Gegner, das Spiel, die Entwicklung der einzelnen Spieler, das Zusammenspiel als Mannschaft, die Kommunikation mit den Spielern und dem Trainerteam und natürlich die Punktspiele. Eigentlich ist man die Anlaufstelle für jeden. Auch für vieles, woran man nicht sofort denkt oder was man nicht sofort sieht.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel dieses Gespräch hier. Auch die Presse möchte ja regelmäßig von einem etwas wissen. Oder eine Spielerverpflichtung. Natürlich unterhalte ich mich mit dem Spieler, den ich möchte und zeige ihm seine möglichen Perspektiven bei uns auf. Eigentlich bin ich da ein bisschen wie ein Verkäufer, der etwas verkaufen möchte.

Es kann aber sein, dass ich erst einmal neun Absagen von Spielern erhalte. Bis dann im zehnten Gespräch eine Zusage kommt. Die zehn Gespräche haben aber eben auch viel Zeit in Anspruch genommen.

Zum Thema Presse: Zu welchem Umgang mit den Medien raten Sie jungen Trainer:innen?

Ich kann da keinen pauschalen Rat geben. Es kommt ja auch auf den Standort an. Hamburg ist zum Beispiel eine Medienstadt. Da wächst man rein. Für mich ist Vertrauen ganz entscheidend. Natürlich will ich nichts in der Zeitung lesen, was ich gar nicht gesagt habe. Das passiert aber in aller Regel auch nicht.

Grundsätzlich halte ich es so: Wenn ich mit den Medien spreche, will ich nicht ständig sagen: `Das dürft ihr aber nicht schreiben.` Ich sage die Dinge so, wie ich sie sehe. Und wenn ein Journalist einen Vorsprung hat und weiß, dass wir diesen oder jenen Spieler holen, bin ich der Letzte, der sagt: `Das ist nicht so`.

Dass im Boulevardjournalismus manche Aussagen etwas größer gemacht werden, ist sicherlich auch so. Damit kann ich aber leben.

 

„Ich sehe mich als jemanden, der den Spielern Hilfestellungen gibt“

 

Macht Ihnen Ihr Beruf als Trainer Spaß?

Klar macht er mir Spaß. Würde er mir keinen Spaß machen, würde ich ihn nicht schon seit vier Jahren ausüben. Ich genieße es ohne Frage, Trainer beim HSV Hamburg zu sein. Es ist der Verein, bei dem ich fast meine gesamte Karriere verbracht habe. Als Spieler hatte ich hier eine super Zeit, die ich auch mitprägen durfte. Deshalb ist das schon etwas Besonderes für mich, hier Trainer zu sein.

Wie ist Ihr Stil als Trainer?

Schwierig zu beantworten. Autoritär bin ich in der Regel nicht. Wenn ich Spieler kritisiere, versuche ich dies stets auf eine konstruktive Weise zu tun. Wenn ein Spieler Dinge absolut nicht einsieht, kann ich auch deutlich werden. Aber eher nicht vor der ganzen Mannschaft, sondern im Gespräch unter vier Augen. Menschen stecken andere Menschen gerne in Kategorien. Ich finde aber: Es gibt viele Zwischenkategorien. Und Zwischen-Zwischen-Kategorien.

Sind Sie stolz auf Ihre Arbeit, wenn Spieler sich gut entwickeln?

Ich sehe mich eher als jemanden, der den Spielern Hilfestellungen gibt. Der sie ermutigt, Dinge besser zu machen und ihnen Wege dahin zeigt. Aber letzten Endes ist jeder Spieler für seine Leistung im Teamverbund selbst verantwortlich. Jeder Spieler ist seines eigenen Glückes Schmied.

Zum Zeitpunkt dieses Interviews sind Sie mit dem HSV Hamburg Tabellenführer der Zweiten Bundesliga. Glückt der Aufstieg und damit die Rückkehr auf die große Bühne?

Wir sind optimistisch, dass wir es schaffen können und wir wollen es schaffen. Doch jeder weiß: Es kann viel passieren. Wir haben gerade daheim 27:28 gegen den TV Großwallstadt verloren. Das zeigt uns: Wir müssen bei jedem einzelnen Spiel total fokussiert sein.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Wollen Sie Ihr Leben lang Trainer sein?

Eine Prognose ist in diesem Geschäft eigentlich nicht möglich. So lange mir das Trainerdasein Spaß macht, will ich Trainer sein. Ich plane nicht so weit in die Zukunft. Ich lebe im Hier und Jetzt und konzentriere mich auf das, was ist.


 SZENE HAMBURG Sport, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 als Heft im Mai-Heft im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Volleyball: Das Wunder von Eimsbüttel

Die ETV-Damen sind das beste Team der Stadt – und sie wollen sich ohne viel Geld im Profibereich etablieren

Text: Mirko Schneider

 

Ein Sonntagnachmittag in der Sporthalle Hoheluft. Eine stimmungsvolle Musikauswahl mit unüberhörbarem 90er-Jahre-Touch dröhnt aus den Boxen. In 30 Minuten beginnt die Volleyball-Partie der Damen des Eimsbütteler TV gegen den VC Allbau Essen in der Zweiten Bundesliga. Und was machen die ETV-Damen beim Aufwärmen? Bauen „I want it that way“ von den Backstreet Boys in ihre Übungen ein. Als der Hallensprecher die Spielerinnen beider Teams einzeln vorstellt, stürmt Libera Ines Laube mit einem kleinen Krönchen auf dem Kopf auf die Platte. Sie feiert heute ihren 31. Geburtstag.

„Mein Team besteht aus vielen fröhlichen, spontanen und aufgeschlossenen Damen, die viel Spaß miteinander haben“, hat Trainer Ulrich Kahl, 58, im Vorgespräch gesagt. Das ist in jeder Sekunde zu spüren. Was er auch gesagt hat: „Unser Teamspirit ist riesig und alle haben große Lust darauf, Leistung zu bringen und gemeinsam guten Volleyball miteinander zu spielen.“ Das wiederum beweisen die ETV-Damen ab dem ersten Ball. Sie machen es dem Tabellendritten so schwer wie möglich und unterliegen erst nach tapferem Kampf in vier Sätzen.

Dennoch ist der Klassenerhalt so gut wie gesichert. Und das ist eine erneute Überraschung, nachdem der erstmalige Aufstieg in den Leistungsbereich der Zweiten Liga einem Wunder gleich kam.

 

„Wollen wir aufsteigen oder nicht?“

Ulrich Kahl

 

Denn zum einen ließ der Absturz des VT Aurubis (mittlerweile Volleyball-Team Hamburg; Anm. d. Red.) von der Bundesliga in die Dritte Liga große Zweifel aufkommen, ob Damen-Volleyball sich in Hamburg als Profisportart überhaupt dauerhaft etablieren lässt. Zum anderen schreibt sich mit dem ETV nun ein typischer Breitensportverein dieses Ziel auf die Fahnen.

Der dafür entscheidende sportliche Moment spielte sich Anfang 2020 bei einer Mannschaftssitzung ab. Kahl, seit 19 Jahren Coach der Volleyball-Damen beim ETV, stellte seine Spielerinnen vor die Wahl. „Wir waren Tabellenführer der Dritten Liga und hatten gerade unser erstes Spiel verloren. Gegen den Zweiten. Das ärgerte uns mächtig. Da habe ich meinen Spielerinnen gesagt: ‚Jetzt Butter bei die Fische! Wollen wir aufsteigen oder nicht?‘“ Einstimmig wurde der Beschluss gefasst: Wir wollen hoch.

Ab diesem Zeitpunkt rauschten die ETV-Volleyball-Damen durch die Dritte Liga. Sie gaben in der Rückrunde keinen Satz mehr ab. Nur war da ja noch der zu stemmende Etat. 10.000 Euro betrug er in der Dritten Liga, 50.000 Euro waren für die Zweite Liga nötig. Wohlgemerkt ohne Zahlungen an die Spielerinnen wie in anderen Clubs mit wesentlich höherem Budget. „Das ist leider einfach nicht drin. Damit sind wir sicher eine Ausnahme in der Zweiten Liga“, sagt Kahl. Trotzdem konnte sogar Außenangreiferin Saskia Radzuweit, 30, Ex-Bundesliga- und Ex-Nationalspielerin, von einem Comeback überzeugt werden, nachdem sie ihre Karriere 2018 schon beendet hatte. „Was der ETV hier gerade aufbaut, sehe ich genauso positiv wie das Team selbst. Dass kein Geld gezahlt wird, hat mich nicht gestört“, sagt Radzuweit.

 

„Träumen ist erlaubt“

Ulrich Kahl

 

Ebenso erfolgreich verlief die intensive Sponsorensuche. Mit der Top-motive-Gruppe als Hauptsponsor und der Pizzakette Smiley’s wurden schließlich namhafte Unternehmen von einem Engagement überzeugt. So konnte das Abenteuer Zweite Bundesliga starten. Dreimal die Woche Balltraining in der Halle, dazu ein- bis zweimal Krafttraining in Eigenregie. 14 Damen im Kader, die meisten Anfang 20 und Studentinnen. Der ETV ging nicht gerade als Favorit in die Saison. Doch das eingeschworene Team fand seinen Platz im unteren Mittelfeld der Zweitligatabelle mit Puffer auf die Abstiegsränge.

Nun stellt sich die Frage: Ist sogar noch mehr drin? „Eine Sportstadt wie Hamburg muss natürlich das Ziel haben, auch im Damen-Volleyball in der Ersten Bundesliga vertreten zu sein“, sagt Kahl. „Doch unter 250.00 Euro Etat würde da gar nichts gehen. Und das wäre das absolute Minimum. Wenn wir irgendwann die Chance haben, wirtschaftlich verantwortbar aufzusteigen, werden wir uns nicht wehren. Bis dahin müsste allerdings unglaublich viel passieren. Träumen ist aber erlaubt.“


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2021. Das Magazin ist seit dem 27. MÄRZ 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Cordula: „Jeder muss zuerst sich selbst verstehen“

Tagein, tagaus wirbeln knapp zwei Millionen Menschen durch Hamburg. Wir fischen sie für einen Moment aus ihrem Alltag und lauschen ihren Geschichten. Diese Woche sind wir Cordula begegnet.

Protokoll: Max Nölke

 

„Eben sind ein paar Kinder an mir vorbeigelaufen und haben gesagt: ‚Guck mal, was die Oma da macht‘. Damit meinten sie mich. Dabei kam ich mir gerade so flott und fit beim Langlauf vor – und keineswegs omahaft.

Heute scheint die Sonne so schön, da dachte ich, ich hole mal die Skier raus und laufe hier am Kaifu entlang. Das ewige Spazierengehen ist ja auf Dauer langweilig und das Niendorfer Gehege habe ich so langsam mal durch. Jetzt laufe ich zwar seit 2 Stunden immer hin und her, aber das ist ja quasi so, wie im Sommer nebenan im Schwimmbad seine Bahnen zu ziehen.

Seit einem Jahr bin ich Rentnerin, daher habe ich mittags nun Zeit und Muße hier herumzuspazieren. Von Beruf bin ich Psychologin und habe viele Jahre im Kinderschutzzentrum gearbeitet. Da ging es viel darum, Krisen und Notlagen von Familien zu verstehen.

 

„Das entschwundene Land“

 

Vielleicht ist das Verstehen-Wollen eine Art Berufskrankheit, die ich mitgenommen habe. Dabei halte ich es eigentlich für alles andere als eine Krankheit, sondern für essentiell. Es geht darum, andere Menschen zu verstehen, nicht zu analysieren – auch wenn das viele über Psychologen denken. Dafür muss ein jeder sich natürlich zuallererst selbst verstehen. Aber auch uns Psychologen gelingt das mal mehr und mal weniger.

Mir hat die Literatur immer sehr dabei geholfen, Lebenswelten zu verstehen. Kennen Sie „Das entschwundene Land“ von Astrid Lindgren? Darin beschreibt sie drei zentrale Erfahrungen aus ihrer Kindheit: die Liebe ihrer Eltern zueinander, das Aufwachsen in einer bäuerlichen Hofgemeinschaft und die Bedeutung von Büchern und Phantasie. Lindgren hatte eine Haltung zum Leben, die für mich sehr wichtig und richtig ist. Kann man das so sagen? Dann würde ich jetzt nämlich noch ein paar Runden weiterfahren.“


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Fotografie: Marion von der Mehden zeigt die Kraft des Sports

Die Hamburgerin Marion von der Mehden arbeitet seit 1991 als selbstständige Fotografin. Ihr neues Fotoprojekt „Sport und Integration“ zeigt in ruhigen Bildern die Schicksale mutiger Menschen und die Kraft des Sports

Interview: Mirko Schneider

 

SZENE HAMBURG: Bis Ende März wird Ihr Fotoprojekt „,Sport und Integration“ an den Messehallen entlang der Karolinenstraße zu sehen sein. Wie kam es dazu?

Es begann mit der Einladung zum Oberstdorfer Fotogipfel für den September 2020 durch Kurator Christian Popkes. Nach der positiven Resonanz auf das Projekt wollte ich unbedingt in Hamburg ausstellen. Die Messehallen als Ausstellungsort waren schon immer ein Traum von mir. Wir stießen bei der Hamburg Messe & Congress GmbH sofort auf Begeisterung.

Als Sie erfuhren, dass 2020 in Oberstdorf das Thema „,Sport“ lauten würde: Was haben Sie da gedacht?

Ich dachte spontan „Oje, ich bin doch keine Sportfotografin“. Actionfotos von Sportveranstaltungen konnte ich nicht anbieten. Doch dann überlegte ich, wie ich an das Thema herangehen könnte. So kam ich auf „Sport und Integration“.

Sport bedeutet ja schließlich viel mehr als Gewinnen oder Verlieren. Und Integration ist aktuell ein wichtiges Thema, wobei Sport das Potential hat, Integration gelingen zu lassen.

Für Ihr Fotoprojekt traten Sie direkt an 17 Sportlerinnen und Sportler heran. Welche Rolle spielte der Hamburger Sportbund?

Eine sehr wichtige Rolle. Der HSB, beziehungsweise das Team Integration durch Sport, fand die Idee sofort super, hat mich in jeder Hinsicht hervorragend unterstützt. Alle Vereinskontakte kamen über den HSB zustande.

Ich wusste auch vorher gar nicht, wie viel der HSB als Dachverband der Hamburger Sportvereine und -verbände eigentlich leistet. Ich habe mich mit deren Arbeit beschäftigt und fand viele der Angebote auch recht kreativ.

Zum Beispiel das „Fahrradtraining für Frauen“ im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“. Hier hat mich die Geschichte der Ägypterin Dina sehr berührt, die als junges Mädchen nicht Fahrradfahren lernen durfte. Nun nimmt sie an einem der Kurse teil und ist sehr glücklich darüber.

 

„Jeder einzelne Mensch ist wichtig“

 

Welche Erlebnisse und Begegnungen haben Sie noch besonders bewegt?

Hier möchte ich ein Wort einfügen: uns. Denn Texterin Sarah Beckmann hat die Interviews geführt, aus denen die kleinen Textbaukästen zu den Fotos entstanden sind. Damit fielen wir in Oberstdorf übrigens total aus der Reihe. Aber diese kurzen Erklärungen waren nötig, um den Menschen auf dem Foto noch besser zu verstehen, ihm noch näher zu kommen.

Sarah und ich waren beeindruckt davon, wie wenig Berührungsängste es gab. Wir wurden stets wie gute Freunde aufgenommen. Sehr beeindruckend war Cricketspieler Said. Er wurde von den Taliban verfolgt und ist aus Afghanistan geflohen. Bis heute weiß er nicht, ob seine Eltern noch leben, und sie wissen nicht, ob er noch lebt. Ich bin selbst Mutter und das ist unvorstellbar für mich.

Oder Ali, ein Parkoursportler, der in Syrien zum Militär sollte. Er floh in einem Boot nach Lesbos. In Hamburg setzte er sein in Damaskus abgebrochenes Schauspielstudium fort, hat seit 2019 unter anderem Engagements am Schauspielhaus Hamburg. Und noch eine Sportart möchte ich herausheben: das Ringen.

Wieso?

Ich dachte immer, Ringer sind nur Muskelpakete. Aber die haben uns einen Handstand gezeigt, sogar einen Flic Flac. Wir sahen weichfließende, technisch perfekte Bewegungsabläufe des ganzen Körpers. Wir haben viele Informationen und einen spannenden Einblick in den Ringsport bekommen.

Sie haben alle Bilder in Schwarz-Weiß aufgenommen. Warum?

Wegen der Unterschiedlichkeit der Motive. Wir waren an so vielen Plätzen mit so vielen verschiedenen Bedingungen, da dachte ich: „Ich muss da irgendwie Ruhe reinbringen. Farbe ist hier nicht wichtig.“

Gibt es eine Botschaft, die Sie mit dieser Ausstellung den Menschen vermitteln möchten?

Ja. Jeder einzelne Mensch ist wichtig. Zusammenhalt, Teamgeist und Fairplay zählen. Im Sport und im Leben. Nicht die Hautfarbe, der Glauben oder die Kultur.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

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Hamburger Sportbund: Die Lage in der Corona-Pandemie

Ralph Lehnert (61) ist Vorstandsvorsitzender des Hamburger Sportbundes (HSB). Circa 830 Vereine, etwa 50 Fachverbände und somit über 540.000 Mitglieder sind im HSB organisiert. Im Interview mit SZENE HAMBURG nimmt Lehnert Stellung zur Lage des Hamburger Sports in der Corona-Pandemie

Interview: Mirko Schneider

 

Ralph-lehnert-sportbund-hamburgSZENE HAMBURG: Herr Lehnert, wie kommen die Hamburger Sportvereine aus Sicht des Hamburger Sportbundes durch die Pandemie?

Sehr unterschiedlich. Insgesamt können wir sagen, die Pandemie verursacht erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten für die Vereine. Eine ganze Reihe von Vereinen war ja auch darauf angewiesen, Hilfen aus dem Nothilfefonds der Stadt Hamburg in Anspruch zu nehmen.

Können Sie die Probleme konkretisieren?

Sicher. In erster Linie verzeichnen die Vereine einen erheblichen Mitgliederverlust. Das schlägt sich unmittelbar auf der Einnahmenseite negativ nieder. Selbstverständlich sind auch viele kleinere Clubs betroffen, aber besonders größere Vereine haben hier teilweise einen großen Rückgang in den Mitgliederzahlen hinnehmen müssen. Und ausgetretene Mitglieder kommen ja nicht automatisch alle sofort zurück, wenn die Impfungen abgeschlossen sind.

Aber verursachen weniger Mitglieder nicht auch weniger Kosten, sodass auch die Ausgabenseite entlastet wird?

So können Sie das nicht rechnen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie bieten als Verein einen Sportkurs an, zu dem regelmäßig zwanzig Menschen kommen. Wenn der Vereinssport wieder hochgefahren wird, sind es nur noch 15. Ihre Beiträge durch Mitgliedereinnahmen sind dann gesunken, die Kosten aber gleichgeblieben.

Die Trainer muss der Verein ja trotzdem bezahlen und die Kosten für die Fläche, auf der der Sportkurs stattfindet, werden ebenfalls nicht kleiner. Wir werden also gemeinsam erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, damit jetzt nicht zu viele Mitglieder ihre Vereine verlassen. Trotzdem ist leider ein großer Schaden zu erwarten.

 

Zahlen und zahlen

 

Bei der letzten vom Hamburger Sportbund erfassten jährlichen Mitgliederstatistik am 1. Oktober 2020 betrug das negative Saldo für ganz Hamburg 21.000 Mitglieder. Die Zahl liest sich doch moderat und Corona existierte zu diesem Zeitpunkt schon längst…

Das stimmt. Aber man muss genauer hinschauen. Der Rückgang bei den Mitgliederzahlen zum Jahresende war nämlich wesentlich höher. Oft sind die satzungsgemäßen Austrittsfristen auf das Jahresende terminiert. Wir erheben das gerade und gehen davon aus, dass viele Clubs einen Rückgang der Mitgliederzahlen um 10 Prozent plus X werden hinnehmen müssen.

Besonders kostenintensive Angebote von Vereinen wie beispielsweise Fitnessstudios haben es schwer. Geraten Menschen in finanzielle Probleme, denken sie darüber nach, ob sie sich den Beitrag leisten können.

Der Nothilfefonds der Stadt Hamburg hat bislang 2,5 Millionen Euro an die Sportvereine ausgezahlt. Tut die Hamburger Politik auf dem ökonomischen Sektor genug für den Sport?

Zunächst einmal hat die Stadt Hamburg den Sport von Anfang an in all ihre Überlegungen miteinbezogen. Das war nicht in allen Bundesländern der Fall und ist daher nicht selbstverständlich.

Wir beim Hamburger Sportbund haben das Gefühl, der Nothilfefonds hilft den Vereinen sehr. Es gilt immer wieder festzustellen, welche Bedarfe bestehen, um dann zielgerichtet zu helfen.

Die Vereine können zwischen 25.000 und 40.000 Euro erhalten. Reicht das?

Nicht immer. Große Vereine müssen beispielweise oft vereinseigene Anlagen finanzieren. Da ergeben sich schnell Unterdeckungen in sechsstelliger Höhe und eine große finanzielle Not.

 

„Emotionalität ist gestiegen“

 

Der Hamburger Sportbund berät die Vereine bei der Antragstellung für Mittel aus dem Nothilfefonds. Ist der Aufwand für sie gewachsen?

Ja, aber wir helfen natürlich gerne. Wir informieren die Vereine und übrigens auch die Verbände über neue Rechtsverordnungen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Pflichten. Zum Glück sind wir in Sachen Digitalisierung gut unterwegs, können über unser neugeschaffenes Mitgliederportal Informationen zum Nothilfefons in digitaler Form anbieten.

Außerdem können die Vereine auf ihre bei uns datenschutzsicher hinterlegten Stammdaten zurückgreifen. Oft gibt es Unklarheiten, welche Kosten geltend gemacht werden dürfen. Bei jeder neuen Rechtsverordnung laufen in der Folge bei uns die Telefone heiß.

Haben Sie dann hauptsächlich mit verzweifelten Menschen zu tun?

Verzweifelt würde ich nicht sagen. Natürlich ist die Emotionalität im Laufe der Zeit gestiegen. Aber die meisten Ehrenamtler sind sehr verantwortungsbewusste Menschen. Sie haben die gesellschaftliche Situation im Blick und verstehen die Notwendigkeit der Maßnahmen.

Trotzdem freut sich natürlich keiner darüber, dass sich auch der Sport im Lockdown befindet. Viele Menschen in den Vereinen haben ja auch viel geleistet. Unter großen Mühen Hygienekonzepte erstellt, als es nicht mehr anders ging Online-Angebote ausgearbeitet. Das kostet alles Zeit und ist sehr anstrengend.

Außerdem existiert bei den Ehrenamtlern und auch bei uns eine Angst vor den langfristigen Spätfolgen der Aussetzung des Sports.

Welche langfristigen Spätfolgen sind das?

Es gibt wissenschaftliche Aussagen dazu, dass jede Stunde Sport, die jetzt nicht betrieben werden kann, zu einer Verschlechterung des Immunsystems führt. Zudem schult der Sport Sozialverhalten, gerade für Kinder und Jugendliche. Das fällt jetzt alles weg und das macht allen, die sich für den Sport engagieren, große Sorgen.

Bei einer Anhörung in der Bürgerschaft am 25. November schilderten Sie Ihr „Erschrecken und Entsetzen“ darüber, dass der Sport im ersten Beschluss der Bundesregierung zur Pandemie keine Erwähnung fand. Wie denken Sie heute darüber?

Ich habe damals zudem die Beschlussfassung für den Bereich Kultur zitiert und gesagt, wenn man das Wort „Kultur“ hier durch das Wort „Sport“ ersetzen würde, wäre uns sehr geholfen. Damit keine Missverständnisse entstehen: Es ging mir nicht um ein Ausspielen der wertvollen Kultur gegen den Sport.

Ich habe nur vorgeschlagen, durch eine identische Formulierung auch dem Sport einen Platz einzuräumen. Aus heutiger Sicht ist das längst Geschichte. Ich weiß, dass die Interessen des Sports auf Bundesebene sehr eindringlich vom Deutschen Olympischen Sportbund vertreten werden, der sich seinserseits intensiv mit den Landessportbünden austauscht.

In der aktuellen Beschlussfassung ist der Sport zwar wieder nicht erwähnt, aber das liegt vielleicht auch daran, dass er komplett heruntergefahren wurde. Schärfer als jetzt geht es ja nicht mehr.

 

Sonderstellung für Profisport

 

Eine Ausnahme bildet der Profisport. Er darf ausgeübt werden. Ist die Sonderstellung gerechtfertigt?

Man kann nicht von gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sprechen. Die Begründung für den Profisport ist die Berufsausübung. Das wird meiner Wahrnehmung nach im Freizeit- und Breitensport durchaus akzeptiert und verstanden.

In Hamburg nehme ich jedenfalls keine Neiddebatte wahr. Hier herrscht viel Vernunft und Verantwortungsbewusstsein. Unsere Forderung nach einer Perspektive für den Freizeit- und Breitensport bleibt aber bestehen.

Wir als Hamburger Sportbund sind in Gesprächen mit dem Sportamt und das Verhältnis ist konstruktiv und vertrauensvoll. Für uns ist klar: Wenn sich die Infektionslage bessert, sollte der Kinder- und Jugendsport sowie Sport im Freien so schnell wie es möglich und verantwortbar ist wieder freigegeben werden.

Sind Sie optimistisch, dass der Hamburger Sport in diesem Jahr zurück zur Normalität findet?

Das glaube ich schon. Spätestens nach der Sommerpause müsste der reguläre Sportbetrieb wieder möglich sein. Wenn die Infektionslage entsprechend zurückgeht und die Impfungen planmäßig vorankommen.


Sport-SZENE_01_21-1 SZENE HAMBURG SPORT, Januar 2021. Das Magazin ist seit dem 28. Januar 2021 als Heft im Heft in der Februar Ausgabe SZENE HAMBURG im Handel erhätlich!

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Home-Yoga: „Einatmen … und ausatmen“

Die aus Indien stammende Praxis geistiger und körperlicher Übungen ist längst vom Trend zum Massenphänomen geworden. Weshalb Yoga auch in Zeiten der Pandemie die Chance bietet, um zu einer inneren Ruhe zu gelangen. Eine Reportage

Text: Marco Arellano Gomes

 

Montagmorgen, 9:22 Uhr. Es ist frisch. Maike legt ihre schwarze Yogamatte auf dem hellen Laminatboden aus, stellt ihren Yoga-Block aus Kork links an die Seite. Vor der Matte stehen bereits eine weiße Kerze mit flackernder Flamme und eine schwarze Buddha-Figur, um deren Körper eine holzmelierte Mala-Kette hängt, die ein wenig an einen christlichen Rosenkranz erinnert. Neben dieser steht eine Flasche Wasser, aus einer Vulkangegend. Maike trägt schwarze Leggings, ein weißes, ärmelloses Shirt und eine Strickjacke. „Bequem muss es sein“, sagt sie. Die Art Direktorin schaut nach vorn zu Fredi, ihrer Yogalehrerin. Sanfte, stimmungsvolle Klänge füllen den Raum. „Das sind healing waves“ erklärt Maike, oder „Mantra-Sounds“. Klingt entspannend.

Monkey-Mind-Yoga_Sophia-Lenz„Wie geht es euch heute Morgen?“, fragt Fredi. Keine Antwort. Die Teilnehmer sind stummgeschaltet, denn Fredi ist über Zoom auf einem 13 Zoll MacBook zu sehen und zu hören – und wer will schon Rückkoppelungen mitten im Flow? Maike befindet sich nicht in ihrem geliebten Monkey Mind Yoga-Studio, gelegen in der Oelkersallee zwischen Schanzenviertel und Holstenstraße, sondern in ihrem knapp zehn Quadratmeter großen Wohnzimmer in Eimsbüttel. Die Matte liegt zwischen Couch und Flachbildschirm. Der Abstand beträgt jeweils einen halben Meter. So geht Yoga im Lockdown.

Maike sagt nichts mehr, genießt die Ruhe, im Schneidersitz – jener ikonischen Haltung, bei der die Arme über die Knie gehalten werden und die Kuppen von Daumen und Zeigefinger sich berühren, während die restlichen drei Finger wahlweise zusammengehalten oder gespreizt werden.

Die Stunde beginnt mit Fingerübungen und dem Kreisen von Becken und Schultern. Immer wieder lässt Fredi Begriffe fallen, sagt Sätze wie: „Yoga ist Das- zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geiste“ und „Es gibt nichts Gewaltigeres als die Stille“, und „Der Geist ist wie die aufgebrachte See: Man kann den Grund nicht sehen“ und „Die Welt ist nackt und die Wahrheit ist nackt bis auf die Knochen“. Dann spricht sie sie an, diese nackten Wahrheiten und stellt die Frage in den Raum, warum die Menschen durch die Welt hetzen, von einem Ziel zum anderen, unter Dauerbeschallung von Radio, Fernsehen, Computer und Handy; warum einem die Gesellschaft einredet, dass Pausen und Ruhephasen nur etwas für Faule seien; warum „wir ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn wir sagen: Halt! Stopp! Ich brauch Ruhe“.

 

Me and my Monkey

 

Die Antwort: Hinter all dem steht unser „Monkey Mind“. All das Machen und Tun entspringt diesem inneren, affigen Unruheherd. An dieser Stelle muss man dann schon mal tief durchatmen. Und tatsächlich: Es folgen einige Atemübungen. Die Arme werden über dem Kopf gehalten, Hände ineinander verschränkt. Die Arme sinken wieder und werden vor der Brust gehalten, Hände aneinandergedrückt. Dann geht es zur Sache: Es wird gedehnt, gestreckt, gehalten, gedreht, geatmet und geformt. Es gibt Übungen auf allen Vieren, mit hochgestrecktem Po, abstehendem Bein, hochgehaltenem Arm, den Körper zur Seite gedreht, nach vorne gebeugt, in der Hocke und auf den Schienbeinen sitzend, auf die Arme gestützt, mit aufliegenden Fersen oder auf den Zehenspitzen und auf einem Bein stehend. Nach 15 Minuten wirft Maike schwungvoll die Strickjacke zur Seite. Nun ist sie auf Betriebstemperatur.

„Spüre mit jedem Step die Ruhe und Erdung“, sagt Fredi. Und immer wieder kommt die zentrale Aufforderung: „Einatmen … und ausatmen. Einatmen … und ausatmen. Einatmen … und ausatmen.“ Ihr melodischer Sprachrhythmus erinnert ein wenig an die Stimmlage einer Stewardess, wenn die Borddurchsage kommt. Allein das Zuhören hat etwas Meditatives.

Maike folgt den Anweisungen, mal auf den Monitor schauend, mal intuitiv. Yoga wird bei Maike nicht exerziert, es wird zelebriert. Sie kennt die meisten Übungen, beherrscht sie, „inzwischen jedenfalls. Yoga ist ein Prozess und erfordert Geduld“, wird Maike nach der Stunde erklären. Während des Praktizierens gilt Ruhe. „Einatmen … und ausatmen.“ Der Laminatboden in Maikes Wohnzimmer knatscht, draußen ist ein Krankenwagen zu hören. Plötzlich ist der Fernsehabend in Gefahr: Ein Bein schwenkt links aus, wenige Zentimeter am Flachbildschirm vorbei.

 

Vom Sonnengruß bis zur Totenstellung

 

Die einzelnen Übungen werden Asanas genannt und haben lustige, teilweise aus dem Tierreich entlehnte Namen wie „Cobra“, „Herabschauender Hund“, „Heraufschauender Hund“, „Kamel“, „Fisch“, „Taube“, „Krähe“, „Adler“, aber auch abstrakte Namen wie „Baum“, „Sonnengruß“ oder „Totenstellung“. Die Asanas kräftigen den Körper, halten Muskeln und Wirbelsäule flexibel und geschmeidig. Die Organe werden besser durchblutet.

Yoga hat seine Wurzeln im Hinduismus und Buddhismus und bedeutet etymologisch so viel wie „Anspannen“ beziehungsweise „Anschirren (der Seele an Gott)“. Zunächst war es vor allem ein Meditationssystem. „Wenn man in die ganz alten Schriften guckt“, so Monkey Mind Yoga-Gründerin Sophia, „dann steht da, dass das Ziel darin besteht, dass man einen Zustand erreicht, in dem man eins wird mit dem Innen und Außen.“

Reichlich spirituell, was Patanjali, der „Vater des Yogas“ und Verfasser der Yogasutras (Yoga-Lehrtexte), der wahrscheinlich im 2. Jahrhundert vor Christus lebte, da im Sinn hatte. Der Yogi, wie jeder Lehrer und Bekenner des Yogas genannt wird, nutzt hierzu verschiedene Techniken, zum Beispiel bestimmte Körperhaltungen, die Beherrschung der Atmung und die dadurch möglich gemachte geistige Konzentration (Meditation). Von dieser Frühform ausgehend, haben sich unterschiedliche Richtungen des Yogas entwickelt: Der die sittlichen Werte betonende Karma-Yoga (Yoga der Tat), der die intuitive Einsicht betonende Radscha-Yoga (Königsweg-Yoga) und der vor allem die körperlichen Übungen betonende und im Westen weitverbreitete Hatha-Yoga (Anstrengungsyoga).

 

Siegeszug des Hatha-Yogas

 

Letzteres hat einen weltweiten Siegeszug angetreten. Yoga ist längst vom Trend zum Mainstream geworden. Es gibt Yoga- Shops, Yogi-Tee, sogar ein Tablet mit dem Namen „Yoga“. Seit 2016 gehört Yoga zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. „2010 ging die Trendwelle so richtig los“, erzählt Sophia.

Die gelernte Kauffrau für audiovisuelle Medien und gebürtige Augsburgerin kam in Hamburg 2001 erstmals mit Yoga in Berührung. Eine Freundin hatte sie zu einem Kurs mitgenommen, in den „Yoga Raum Hamburg“ im Karoviertel. Sie hatte schon vorher viel Sport und Bewegung in ihrem Leben, aber so etwas habe sie zuvor nie erfahren: „Am Ende der ersten Yogastunde hatte ich den Eindruck, nichts verstanden zu haben. Ich war total platt und dann hatte ich eine völlig neue Erfahrung, einen Moment der Stille, der Wertschätzung. Da geschieht etwas auf einer energetischen Ebene. Ich war ordentlich weggeschallert. Das war total angenehm.“ Dieses Gefühl ließ sie wiederkommen. Yoga war ihr Ding – das spürte sie.

 

Gründung von Monkey Mind Yoga

 

Sophia blieb dabei, lernte dazu, vertraute sich einer der Gründerinnen an, kam „vom Groben ins Feinere“, absolvierte Workshops, flog nach Bali, um sich drei Monate ausbilden zu lassen. „Für mich war damals klar, dass ich das stärker in meinem Leben einbauen wollte.“ Sie freundete sich mit Jette an, einer Yogalehrerin im Yoga-Raum Hamburg. Jette hatte die Idee, gemeinsam ein eigenes Studio aufzubauen: Monkey Mind Yoga. 2010 ging es los, erst in der Eimsbütteler Chaussee, später in der Oelkersallee 33, gelegen in einem charmanten Hinterhof mit kleinem Café und Schauspielschule.

 

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Das Studio von Monkey Mind Yoga in der Oelkersallee besticht durch Schlichtheit und bietet doch eine gemütliche Atmosphäre (Foto: SZENE HAMBURG)

 

„Eine Freundin hat das Logo entworfen, ein Freund die Website gebastelt. Alles chic und cool – und in unserer eigenen Sprache.“ Der Name Monkey Mind Yoga ist im Yoga ein bedeutungsschwanger Begriff. „Er beschreibt unseren Geist in seinem unkontrollierten, natürlichen Zustand. Affen sind ungebändigt, wild und spielerisch und meist nicht auf eine einzige Sache fokussiert, zumindest nicht für lange Zeit.“

Der Begriff drückt aus, dass es den Menschen schwerfällt, Ruhe im Kopf zu finden und den inneren Affen zu bändigen. Der Geist schwingt sich einem munteren Affen gleich ruhelos von Ast zu Ast und eilt unablässig von einem Gedanken zum nächsten. Jeder trägt diesen Affen in sich. Robbie Williams hat diesem Affen auf dem Album Escapology mit dem Song „Me and my Monkey“ ein musikalisches Denkmal gesetzt.

 

 

In Hamburg war die Situation zur Gründung noch überschaubar. Heute mangelt es weder an Yogastudios noch an Teilnehmern. Einer Erhebung des Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e. V. (BDY) von 2018 zufolge praktizieren insgesamt fünf Prozent der Deutschen Yoga, also knapp 4,1 Millionen. 2014 waren es etwa 2,4 Millionen (drei Prozent).

In jedem Quartier Hamburgs gibt es gefühlt ein oder mehrere Yogastudios. Die Yogalehrer arbeiten meist in mehreren Standorten. „Ich würde heute kein Yogastudio mehr eröffnen“, so Sophia. „Das Angebot ist einfach zu groß.“ Mitgründerin Jette ist inzwischen in die Algarve ausgewandert. Doch mit Sonja hat Sophia eine neue starke Yogapartnerin gefunden. Wie ist dieser Siegeszug von Yoga zu erklären? „Yoga ist im Kern sehr simpel: Augen schließen, atmen, Techniken nachahmen. Das reicht schon, um wacher und entspannter zu sein. Jeder fühlt das – unmittelbar“, erklärt Sophia. Wie findet man das für sich passende Programm? „Ausprobieren. Inzwischen gibt es so viele Yogaformen, dass ich da selbst nicht mehr durchblicke.“

Was spricht dafür, ins Studio zu gehen, wenn es unzählige Youtube-Alternativen gibt? „Der Austausch in der Community ist etwas sehr Wichtiges. Das gemeinsame Praktizieren hilft vielen, sich wohl zu fühlen. Auch kann ein Lehrer vor Ort besser auf die individuellen Bedürfnisse eingehen, weil man sich persönlich kennt“, sagt Sophia. „Und im Studio kann man sich auch besser konzentrieren als zwischen Wasch- und Spülmaschine.“ Sie bricht in ein herzliches Lachen aus. „Wenn es nicht so wäre, würde längst jeder nur die Youtube-Videos ansehen.“ Youtube bietet unzählige Yogakurse. Kostenlos. Werbefinanziert. Ganz vorn dabei: Yo tube-Star Mady Morrison – die Pamela Reif des Yogas. Die aus Potsdam stammende 30-jährige Yogalehrerin hat bereits 1,09 Millionen Abonnenten. Ihr Ziel: Yoga allen zugänglich machen.

 

Einfluss auf die Gesundheit

 

Der positive Effekt von Yoga gilt als wissenschaftlich erwiesen. Viele hochrangige Institute untersuchten die Wirkung von Yoga. So hilft Yoga bei vielen Problemen wie Schmerzen oder Schlafstörungen. Die Charité wies einen positiven Einfluss bei Nackenschmerzen nach; die University of Washington erkannte einen positiven Einfluss bei Rückenschmerzen; die University of California wies nach, dass Yoga einen größeren Einfluss auf das Wohlbefinden hatte als Aerobic; die Harvard University kam zu dem Ergebnis, dass Yoga einen gesunden Schlaf fördert; und die Boston University School of Medicine erkannte eine positive Wirkung auf die Stimmung, die auf den beruhigenden Effekt des Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure im Gehirn zurückzuführen ist – was letztendlich gegen Depression oder Angstzustände helfen kann.

Den Krankenkassen ist das alles nicht entgangen. Seit Jahren bezuschussen sie Yogakurse, in der Hoffnung, dass ihre Mitglieder gesund bleiben und so weniger Kosten verursachen. Die Zeitschrift Finanztest bezifferte die Spanne der Zuschüsse zwischen 150 und 600 Euro im Jahr (2017). Das Deutsche Ärzteblatt berichtete 2014, dass es mit Yoga gelingt, die Höhen und Tiefen des Gefühlslebens auszugleichen. Yoga als Stimmungsaufheller? Ist es nicht genau das, was angesichts der Pandemie und der vielen damit einhergehenden Entbehrungen und Verluste nötig ist?

„Zum Glück ist uns innerhalb weniger Tage gelungen, die Kurse auch online anzubieten. Obwohl wir technisch keine Ahnung hatten“, sagt Sophia. „Aber für viele ist online kein Ersatz, die brauchen die Vibes, die Energien, die in so einem Studio mit anderen Menschen entstehen.“ Ein Video-Teacher kann auf individuelle Bedürfnisse keine Rücksicht nehmen. Wie auch? Die Lehrer bei Monkey Mind Yoga und anderen Studios schon – teilweise sogar online. Sophia, Fredi, Sonja Maria, Marie Delphine, Nina, Steffi, Agnes, Charlotte, Noëlle, Jule und Sonja – sie alle bringen ihre Erfahrungen, ihre Persönlichkeit und Empathie in den Unterricht ein.

 

Yoga and the City

 

„Wir Großstädter kennen und lieben das moderne Leben, wir gehen gerne Tanzen, Essen, widmen uns der Kultur und Unterhaltung. Auf der anderen Seite sitzen wir den Großteil unseres Tages vor dem Rechner, haben irre viel zu tun und sind superviel abgelenkt. Das alles ist wie der Zucker für den Affen. Es führt zu Stress und innerer Unruhe, zu Verspannungen und schlechten Körperhaltungen. Yoga hilft, zu entspannen, Geist und Körper miteinander zu versöhnen.“

Zurück im Wohnzimmer von Maike: „Wir alle leben ein Leben von außen nach innen“, sagt Fredi. „Wir probieren im Außen das zu finden, was uns innen fehlt, die Leere zu füllen. Aber das wird uns nicht gelingen, wenn wir nicht radikal anfangen, die Perspektive zu wechseln. Wir brauchen nicht immer mehr, wenn wir erkennen, dass wir im Inneren bereits alles haben“.

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Sophia und Sonja bei den Übungen „Friedlicher Krieger“ (l.) und „Seitlicher Winkel“ (r.) (Foto: SZENE HAMBURG)

Das gilt zu einem gewissen Grad – zumindest vorübergehend – auch für die eigene Wohnung. Man kann sich tagtäglich hinstellen und darüber meckern, dass man nicht mehr ins Kino, ins Restaurant, ins Museum, aufs Konzert oder ins Theater gehen kann, oder man schafft sich vorübergehend einen Ersatz im Inneren. „Wenn ich schon nicht mehr ins Yogastudio gehen kann“, sagt Maike, „dann schaffe ich mir meinen kleinen Yoga-Tempel eben im Wohnzimmer. Yoga ist schließlich ein Work-in, kein Work-out. Es geht darum, sich selbst zu spüren – egal wo.“ Das Studio vermisst sie trotzdem.

Am Ende der Sitzung klatscht Fredi in die Hände und sagt: „Lass alles von dir abfallen: körperlich, mental, emotional.“ Sie steht auf, tritt links aus dem Bild, tritt gute vier Meter weiter vorn wieder ins Bild, im Close-up. Stille. „Ich atme ein und komme zur Ruhe. Ich atme aus und lächle. (…) Wir können uns noch so sehr vormachen, dass wir vor den eigenen Gefühlen, Sorgen und Ängste weglaufen können, indem wir immer weiter machen, im Hamsterrad. Doch irgendwann macht es uns krank.“

Kann Yoga eine Antwort sein auf die Unruhe der Pandemie? Maike sitzt mit geschlossenen Augen im Schneidersitz, hält ihre beiden Hände gefaltet vor der Brust. Fredi fährt fort: „Wir können vor unseren Ängsten und Gefühlen und von uns selbst nicht fliehen.“ An der Wohnzimmerwand ist ein Ticket von einem Besuch im Thalia Theater zu erkennen. Datiert auf März 2020 – kurz vor dem ersten Lockdown. „Panikherz“ – eine Adaption des gleichnamigen Buches von Benjamin von Stuckrad-Barre – der leibhaftigen Monkey-Mind-Personifizierung. Fredi fährt fort: „Erlaubt der Stille Einkehr zu halten, von Zeit zu Zeit eine Rast einzulegen, damit eure Seelen Zeit haben, eure Körper wieder einzuholen. Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geiste.“ Maike rollt ihre Matte ein und geht in die Küche ins Home-Office zu einem Video-Call. „Namaste.“

monkeymindyoga.de


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