Beiträge

Kühles Nass – Wo wir in Hamburg am liebsten baden gehen

Der schönste Badesee ist natürlich Ansichtssache, aber bei den folgenden kommt definitiv jeder auf seine Kosten – und zwar in der ganzen Saison vom 10. Mai bis 9. September. Ach so, eine Sache noch: Die Badewasserqualität sieht in Hamburg übrigens durchweg sehr gut aus! An diesen 4 Badeseen hüpfen wir besonders gern ins Wasser.

 

1. Boberger See

(siehe Beitragsfoto)

Der circa 7,9 Hektar große See ist mit seinem vielseitigen Umland ein besonderer Spot für Naturliebhaber. Mitten im Naturschutzgebiet Boberger Niederung bei Bergedorf gelegen, lässt er sich gut mit der Bahn S21 Haltestelle Mittlerer Landweg und einem anschließenden 40-minütigen Spaziergang erreichen. Für Eilige bietet sich der Bus 330 Richtung Billstedt an, Ausstieg an der Station Billwerder Kirche – dann sind es nur noch 15 Minuten zu Fuß. Nun aber zum See: Seine maximale Tiefe beträgt 11,5 Meter bei einer Breite von knapp 400 Metern. Gespeist wird der Boberger See durch Grundwasser und überzeugt damit mit einer ausgezeichneten Badewasserqualität. Die Badestelle befindet sich am nordöstlichen Ufer und misst einen über 16 Meter langen Strandlauf plus Liegewiese. Wenn das nicht verlockend klingt! Am Südufer gibt es ein FKK-Gelände, also Vorsicht vor unliebsamen Überraschung für Leute, die sich augenscheinlich schnell aus der Fassung bringen lassen. Entstanden ist der See übrigens um 1950 bei einer Ausbaggerung zur Kiesabtragung für den Bau der A1. Heute gewinnt er immer mehr an Beliebtheit und ist definitiv einen Ausflug wert. Und wer schon mal da ist, dem seien die Boberger Dünen ebenfalls ans Naturherz gelegt – Hamburgs letzte Wanderdüne inmitten von Heidekraut und Marschwiese.

Adresse: Billwerder Billdeich
Anreise: S21 bis Mittlerer Landweg
Grillen erlaubt: Nein
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Nein
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja
Shops: Kiosk im Besuchergarten
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

2. Hohendeicher See

Badeseen in Hamburg: der Hohendeicher See Foto: Philipp Schmidt

Er wird auch Oortkatensee genannt und liegt mitten in den Marschlanden im Bezirk Bergedorf. Direkt hinter dem Elbdeich erstreckt er sich mit einer Fläche von circa 62 Hektar. Beachtlich! Bei der Größe ist klar: Es gibt mehr als eine Badestelle und ordentlich Platz für viele Menschen. Bekannt und beliebt sind folgende: Eine am westlichen Ufer mit kleinem Sandstrand und Liegewiese, die andere am südlichen Ufer – großer Strand und ebenfalls viel Platz um in die Horizontale zu gehen. Genutzt wird das kühle Nass nicht nur von erholungsbedürftigen Besuchern, sondern auch von der einen oder anderen Wasserratte. Wie jetzt?! Keine Panik: Von Zeit zu Zeit sind Taucher, Segler, Paddler und Surfer anzutreffen. Manchmal lässt sich auch das eine oder andere Partyvolk hier nieder. Nichtsdestotrotz lässt sich das umliegende Land sehen: Grün, Grün, Grün, wohin das Auge blickt! Kein Wunder, wurde der See doch bereits 1977 als Landschafts- schutzgebiet ausgewiesen und vegetiert seitdem friedlich vor sich hin. Das freut natürlich die Tier- und Pflanzenwelt, die sich hier herrlich verbreitet und Lebensraum für sich beansprucht. Also: Respekt vor der Umwelt. Versteht sich hoffentlich von selbst. Noch ein Fakt für den nächsten Smalltalk: Anfang Juni ist der Hohendeicher See Austragsort des Vierlande-Triathlons. Erst werden 500 bis 1.500 Meter geschwommen, dann eine zehn Kilometer-Radstrecke zur Tatenberger Schleuse zurückgelegt und schlussendlich zurück zum Seeufer gelaufen. Äußerst sportliche Angelegenheit! Ruhesuchende sollten am 3. Juni eine andere Badestelle anvisieren.

Adresse: Overwerder Hauptdeich
Anreise: S21 Tiefstack
Grillen erlaubt: Ja
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Ja
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja, barrierefrei
Shops: Nein
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

3. See im großen Moor

Hamburgs beste Badeseen: Großmoor Foto: Philipp Schmidt

Raus aus Hamburgs Gefilden und hinein ins niedersächsische Seevetal. Ganz easy mit der Regionalbahn oder dem Bus zu erreichen, liegt der 21 Hektar große See zwischen den Stationen Meckelfeld und Maschen. Umgeben von Feldern, Marschland und Mini-Wäldern lässt sich hier in der Sonne wunderbar entspannen. Aber Achtung! Folgendes sollte beim Genießen des kühlen Nass beachtet werden: Es gibt erstens keine Badeaufsicht. Und der See ist zweitens 21 Meter tief. Das ist nicht ohne! Nichtsdestotrotz ist dieser ehemalige Baggersee heute ein beliebtes Ausflugsziel zum Baden und Seele baumeln lassen. Das haben sich auch einige Sportbegeisterte gedacht. So treffen am See im großen Moor Surfer, Segel und Modellboot-Fahrer aufeinander. In der Idylle ist Grillen erlaubt, allerdings mit Vorsicht: Dadurch, dass es keine offizielle Aufsicht gibt und der Aufenthalt in und um den See auf eigene Verantwortung hin geschieht, sollte der Grill nicht den Boden berühren. Also möglichst keine Einweggrills verwenden (die sind eh total umweltschädlich). Wegen des moorigen Untergrunds können schnell Schwelbrände entstehen, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sind. Nachdem die Asche verglüht und die Mägen gefüllt sind, bietet sich die 2,4 Kilometer lange Strecke um den See für einen gemütlichen Verdauungsspaziergang geradezu an.

Adresse: Zum Großen Moor (Seevetal)
Anreise: RB31 bis Meckelfeld
Grillen erlaubt: Ja, aber verantwortungs­bewusst: Es gibt keine offenen Feuer­stellen. Grillbehältnisse sollten nicht den Boden berühren
Sandstrand: Ja
Hunde erlaubt? Ja, an kurzer Leine

4. See hinterm Horn

Wo sind Hamburgs beste Badeseen? Der See hinterm Horn gehört dazu. Foto: Philipp Schmidt

Unweit des Allermöher Sees plätschert der See hinterm Horn vor sich hin. Eine gute Alternative, falls drüben mal zu viel los sein sollte. Der versteckte, circa zehn Hektar große See liegt zwischen der A25 und der Dove-Elbe. Früher wurde hier Kies abgebaut. Er wird von Grundwasser gespeist, was ihn besonders klar und sauber macht. Die Badestelle mit Sandstrand liegt am nordwestlichen Ufer. Eine ungefähr 20 Meter breite Liegewiese bietet Platz zum Verweilen, einem Picknick oder einfach nur in der Sonne dösen. Mini-Waldgebiete spenden Schatten und umliegende Felder geben dem Landschaftsbild eine Atmosphäre, als wären Besucher mitten auf dem Land. Kein Wunder! Sind doch auch hier die Vier- und Marschlanden gleich zur Stelle, die eigentlich immer einen Ausflug wert sind. Wer also Lust hat auf besonders viel Ruhe, dem sei dieses Fleckchen Erde empfohlen. Denn hier verirren sich nicht so viele Besucher hin, wie an andere Seen.

Adresse: Allermöher Deich
Anreise: S21 bis Mittlerer Landweg
Grillen erlaubt: Ja
Sandstrand: Ja
Liegewiese: Ja
Parkplatz: Ja
Nichtschwimmerbereich: Nein
Toiletten: Ja
Shops: Nein
Hunde erlaubt: Ja, an kurzer Leine

Text: Christiane Mehlig
Fotos: Philipp Schmidt


Jetzt noch ‘was essen?


Für mehr Tipps und Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram!


 Dieser Beitrag stammt aus dem Summerguide 2018, SZENE HAMBURG STADT LAND SOMMER. Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2018 im Handel und zeitlos online erhältlich. 

Public Viewing – Wo kann ich am besten die WM gucken?

Das Großereignis des Sommers steht bevor und die Wetterprognosen sind günstig. Fußballmuffel hin oder her: Bei der Fußball-WM 2018 wird sich keiner rausreden können, wenn es wieder heißt: „Kommst du mit? Das Spiel gucken?“ Damit der Fußballabend ein Erfolg wird, hat die SZENE-Redaktion 11 Tipps für euch gesammelt.

1. Aalhaus

Das Aalhaus ist bekannt für sein Kneipenquiz – und das gibt es pünktlich zur WM natürlich auch in der Fußball-Ausgabe. Bevor das erste Mal die Trillerpfeife ertönt, können sich Sportbegeisterte am 13. Juni im Profi Quiz beweisen. Aber auch zur restlichen WM ist das Aalhaus eine der besten Adressen für Public Viewing in Altona. Jedes Spiel wird hier drinnen und draußen übertragen.

Eggerstedtstraße 39 (Altona), Mo-Fr ab 18, Sa-So ab 13 Uhr; www.aalhaus.de

2. Alma-Wartenberg-Platz

Der Alma-Wartenberg-Platz liegt mittendrin im bunten Trubel Altonas. Deswegen ist man hier an den WM-Spieltagen der deutschen Mannschaft sicherlich nicht alleine, wenn man sich, ausgestattet mit Trikot und Deutschlandschal, auf die Suche nach einer Live-Übertragung des Spiels macht. Inmitten der vielen Bars, Restaurants und Cafés des Viertels lässt sich garantiert ein Bildschirm finden, vor dem man mitfiebern kann.

Alma-Wartenberg-Platz (Ottensen)

3. Altes Mädchen

Rundum glücklich wird man beim Public Viewing im Alten Mädchen, der Ratsherrn-Brauereigaststätte. Auf den zahlreichen Screens, auf denen alle Spiele übertragen werden, hat garantiert jeder eine gute Sicht. Zusätzlich zum Essen á la Carte stillt ein Foodtruck Essens-Gelüste mit Burgern, Süßkartoffelpommes oder Bratwürsten. Nicht zu vergessen: Die große Craft-Beer-Auswahl, die nahezu jeden Geschmackswunsch erfüllt.

Lagestraße 28b (Sternschanze), Mo-Sa ab 12, So ab 10 Uhr; www.altes-maedchen.com

4. Amanda 66

Mit Barkeeper, imposanter Cocktailkarte und rotem Licht tarnt sich die Amanda 66 als authentische Bar. Erst auf den zweiten Blick outet sie sich als Sports-Bar, entpuppt sich sogar als Fankneipe der Eintracht Frankfurt. Neben Negroni gibt’s hier auch Apfelwein im Bembel, wie der Tonkrug genannt wird, in dem das hessische Getränk traditionell serviert wird. Die Amanda-Bar zeigt nur die Deutschlandspiele.

Amandastraße 66 (Eimsbüttel), Mo-Sa ab 19:30 Uhr (bei den Spielen gelten abweichende Öffnungszeiten); www.amanda66.de

5. Bacana

Das Bacana in Eimsbüttel hat einen Außenbereich mit Schatten spendenden Bäumen. Dazu werden beinahe alle Spiele gezeigt und teilweise bis zu drei Spiele parallel. Die charmanten Servicekräfte bringen eiskaltes Pale-Ale. Man muss kein Fußballfan sein, um das zu genießen.

Bellealliancestraße 52 (Eimsbüttel), täglich ab 17 Uhr oder eine halbe Stunde vor Anpfiff; www.bacana-cafe.com

6. Central Park

Foto: Central Park Hamburg Public Viewing

Im Punk unter den Hamburger Beachclubs geht es – eingerahmt von Clubs und stilecht mit Sandstrand – entspannt zu. In Spuckweite zum Schulterblatt fleezt man auf Liegestühlen herum und der Blick fällt auf 5 Flatscreen-Fernseher. Hinweis der Crew: Jeder darf rein. Außer Stress.

Max-Brauer-Allee 230 (Sternschanze); Mo-Do 14–23, Fr 14–0, Sa 12–0, So 12–23 Uhr; www.centralpark-hamburg.de

7. Haus 73

Auf den ersten Blick ist hier alles typisch Schanzenladen: Knarrende Altbaudielen, Shabby-Chic-Studi-WG-Möbel, mehr Kaffeesorten als Gäste. Doch wer es durch den ersten Raum im Haus 73 geschafft hat, ist mitten drin im schnörkellosen Fußballparadies. Gleich zwei große Leinwände hängen im hinteren Teil des Erdgeschosses, einer im schummrig beleuchteten Schlauchraum und einer im großen Zuschauersaal. Gewählt werden kann beim Fußi-Gucken also zwischen Kneipen- und Kino-Atmosphäre.

Schulterblatt 73 (Sternschanze), Mo-Fr ab 10 Uhr, Sa-So ab 12 Uhr; www.dreiundsiebzig.de

8. Lattenplatz beim Knust

Im Sommer kann es ziemlich voll werden, aber die Stimmung ist super. Dieser Ort ist bestens geeignet, um mit einer großen Gruppe an Freunden spontan aufzukreuzen. Man sitzt auf Bierbänken und guckt sich Fußball auf einer kinotauglichen Leinwand an. Oder man steht etwas abseits mit einem kühlen Blonden in der Hand, verfolgt das Spiel mit einem Auge und mit dem anderen das Treiben auf dem ehemaligen Schlachthof.

Neuer Kamp 30 (Sternschanze); www.knusthamburg.de

9. Otzentreff

Bierige Atmosphäre in dieser urigen Sankt Pauli Raucherkneipe: Billige Drinks und tolles Personal runden das Erlebnis ab. In der Gruppenphase kann man sich im Otzentreff alle wichtigen oder spät stattfindenden Spiele ansehen – danach werden alle gezeigt.

Otzenstraße 4 (St. Pauli), Mo-Sa 19–0, So 20–0 Uhr; www.otzentreff.net

10. Schramme 10

Best of both worlds: Fußball gucken, Fachsimpeln, und zwischendurch schnell an die Bar um was zu trinken. Die Schramme ist eine typische Kneipe ohne Schickschnack. Die simple Holzeinrichtung ist urig und gemütlich. Wer trinkt, muss natürlich auch essen: Es gibt nicht nur eine leckere Speisekarte, sondern auch körbeweise Erdnüsse zum selber knacken. Die Schalen landen auf dem Boden und werden gegen Ladenschluss einfach großflächig aufgefegt – Statt zu randalieren könnten Choleriker die Leinwände also einfach mit Erdnusschalen bewerfen, falls der Ball nicht ins Tor geht. Für den besten Platz vor der Leinwand am besten früh kommen oder einen Platz reservieren.

Schrammsweg 10 (Eppendorf); So-Do 12–2 Uhr, Fr-Sa 12–4 Uhr; www.schramme10.com

11. Überquell

Überquell Biergarten in Hambrg Foto: Jupiter Union

Foto: Überquell

Es muss nicht immer nur ein herbes Pils sein: Das selbstgebraute Craft Beer vom Überquell bereichert den Fußballabend zusätzlich. Dazu gibt’s Pizzakreationen und rustikal-hippes Ambiente. Alle Deutschlandspiele werden auf der Sonnenterrasse übertragen. Wenn auf der Leinwand nichts passiert, kann der Blick träumerisch zum Hafen wandern.

St. Pauli Fischmarkt 28-32; Mo-Do 17–23 Uhr, Fr-So ab 12 Uhr; www.ueberquell.com

Beitragsfoto: Knust


Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Darf’s noch etwas mehr Fußball sein?

Freiwurf für alle – die Handball-Inklusionsliga

Fünf Vereine, acht Teams, eine Liga. „Freiwurf Hamburg“, die einzige Handball-Inklusionsliga in Deutschland, ist eine Hamburger Erfolgsgeschichte.

Als die Mannschaften eingeteilt werden, habe ich ein Problem. Beim Sport bin ich extrem ehrgeizig, will unbedingt gewinnen. Andererseits kann ich doch unmöglich mit voller Power spielen, oder? Schließlich nehme ich als Journalist am Training der Inklusionshandball-mannschaft Spielgemeinschaft Wilhelmsburg teil. Um mal zu erspüren, wie das ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Handball spielen. Plötzlich passiert es, während ich noch sinniere. Ich passe in der Verteidigung nicht auf und wir kassieren das Tor zum 0:1. „Toooor“, ruft Lennart und dreht strahlend ab. Der kräftige 27-Jährige hat die plötzliche Lücke in der Deckung genutzt. Zwanzig Minuten später bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Gewinnen war auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Besonders gefreut habe ich mich, als Tanja – die einzige Rollstuhlfahrerin auf dem Feld – einen gelungenen Pass gespielt hat.

Jens Krüger ist seit über 50 Jahren beim SG Wilhelmsburg – zuerst als Spieler, dann als Trainer. Foto: Jakob Börner

„So ist das bei uns. Es geht vor allem um das Miteinander und weniger um die Leistung“, sagt Jens Krüger (57). Der Mann ist eine Handball-Institution in Wilhelmsburg. Seit über 50 Jahren im Verein – erst als Spieler, dann als Trainer – gründete er die Inklusionsmannschaft, die in der einzigen vom Deutschen Handball-Bund offiziell anerkannten Handball-Inklusionsliga spielt: „Freiwurf Hamburg“. Aus fünf Hamburger Vereinen haben sich dabei acht Teams mit fast hundert Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderung gebildet, die in einer Liga gegeneinander antreten.

„Warum eigentlich nicht Handball?“

Eine dieser Mannschaften ist die SG Wilhelmsburg „Ich habe in allen Sportarten gesehen, wie sie auch von behinderten Menschen mit Leidenschaft betrieben wird. Da habe ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht beim Handball?“, sagt Krüger. Torschütze Lennart ist ein gutes Beispiel dafür, wie goldrichtig die Gründung des Teams war. Durch Komplikationen bei der Geburt leidet er unter Sauerstoffmangel im Gehirn, ist oft orientierungslos, kann sich schlecht artikulieren. „Aber er ist ein herzensguter Kerl. Am Anfang kam er alle vier Wochen aus Ratzeburg her, dann alle zwei, mittlerweile ist er jede Woche dabei“, erzählt Krüger. Lennarts Vater Uwe ist ebenfalls in die SG Wilhelmsburg eingetreten. „Unser Sohn fiebert dem Training und den Spieltagen richtig entgegen“, sagt er.

Die Basis dafür, dass dies alles möglich war, hat Martin Wild geschaffen. Er ist der Vorsitzende der Inklusionsliga „Freiwurf Hamburg“. 2009 baute er beim Altrahlstedter Männerturnverein (AMTV) die erste Handball-Inklusionsmannschaft in Hamburg auf. „Die Idee kam damals sofort super an. Die Halle war proppenvoll mit 18 Leuten. Wir trainierten ein Jahr für uns, und natürlich wollte die Mannschaft schon gern gegen andere Teams spielen.“ Glücklicherweise waren bereits andere Handballvereine aufmerksam geworden – und Wild war bereit, weitere Pionierarbeit zu leisten.

Feinarbeit vorm ersten Anpfiff

Erst leistete er Aufbauhilfe beim SV Eidelstedt, danach beim FC St. Pauli. Mit der SG Wilhelmsburg und dem Elmshorner Handball- Team kamen zwei weitere Vereine dazu. Und im Jahr 2013/14 startete „Freiwurf Hamburg“ unter dem Dach des Deutschen Handball-Bundes, der von der Idee ebenfalls begeistert war. Doch vor dem ersten Anpfiff war viel Feinarbeit notwendig. Unter dem Motto „Inklusion für alle in der Metropolregion Hamburg“ wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet, unter anderem von der Uni Hamburg und der Sporthochschule Köln. Die Regeln wurden stets angepasst, damit wirklich alle Spielerinnen und Spieler unter fairen Bedingungen dabei sein können.

Taktische Besprechung: Das Trainerteam bei der Arbeit. Foto: Jakob Börner

So gibt es zum Beispiel für Rollstuhlfahrerinnen wie Tanja einen eigenen Streifen auf dem Feld, in dem nur sie den Ball berühren dürfen. „Das Ganze ist ein demokratischer Prozess. Wir überprüfen fortlaufend, ob wir unserem Anspruch an Inklusion für wirklich alle gerecht werden können. Manchmal ist das anstrengend und mühselig, aber es lohnt sich wirklich sehr“, sagt Wild. Wichtig ist also nicht, wer jedes Jahr Meister wird. Wichtig ist, dass Menschen wie Lennart und Tanja mit ganz viel Leidenschaft am Sport Spaß haben können. Eine gelungene Lektion für Menschen wie mich.

Text: Mirko Schneider
Fotos: Jakob Börner

Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf FacebookInstagram und Twitter.


 Dieser Text stammt aus der Beilage „Vielfalt Leben“, dem gemeinsamen Magazin von SZENE HAMBURG (Juni 2018) und dem Inklusionsbüro. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

 

 

 

 

 

 

Barrierefreie Halfpipe – Die Geschichte des Rollstuhl-Skaters

„Man kann sich viel mehr zutrauen, als man denkt“ sagt Rollstuhl-Skater Björn-Patrick Meyer (32). Nach einem Autounfall schaffte er es deutschlandweit unter die „Besten 10“ im Wheelchair Motocross (WCMX).

Das ist nicht nur Sport, das ist Lebensgefühl, das ist Eigenständigkeit, Selbstbestimmung. Björn-Patrick Meyer versprüht eine Begeisterung, die ansteckt. Dabei lacht er, wedelt mit den Armen und fragt immer wieder, ob er nicht zu viel reden würde. Nein, tut er nicht, denn die Geschichte, die er erzählt, ist spannend, erschütternd, Mut machend.

Björn, so ist sein Rufname, ist 32 Jahre, sitzt im Rollstuhl und gehört zu den zehn besten Rollstuhl-Skatern Deutschlands. Eine Sportart, die sich WCMX nennt – Wheelchair Motocross, abgeleitet von BMX. Für diesen Sport muss man schon ein bisschen verrückt sein, aber irgendwie auch nicht verrückter als bei allen anderen Extremsportarten.

Aaron Fotheringham veränderte sein Leben

Sein Weg wurde gezeichnet als Björn 19 Jahre alt war. Schwerer Autounfall bei Glatteis, drei Monate Koma, innere Verletzungen, Knochenbrüche am ganzen Körper. Das rechte Bein konnte nicht mehr gerettet werden und wurde oberhalb des Knies amputiert. Noch im Krankenhaus sieht er sich ein Video von Aaron Fotheringham an. Ein Amerikaner, der seit seinem achten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt und sich inzwischen Halfpipes hinunterstürzt, von Rampen springt und Saltos dreht. „Das will ich auch“, dachte sich Björn.

Da die Krankenkasse ihm aber „nur“ eine Prothese gewährte, erfüllte sich sein Traum erst vor drei Jahren. „Prothesen stecken immer noch in der Entwicklung und ich bin nicht wirklich gut damit zurechtgekommen.“ Deswegen musste er vor vier Jahren nochmal unter das Messer. „Ich hatte zu große Schmerzen und hatte die Nase voll, deswegen habe ich mir für 10.000 Euro einen Spezialrollstuhl gekauft, der für das Skaten geeignet ist.“ Inzwischen über Niedersachsen und Schleswig-Holstein in Hamburg angekommen, wurde er vor drei Jahren im Harburger Skaterpark entdeckt. Patrick Krause, Fachbereichsleiter beim Deutschen Rollstuhl-Verband, fragte ihn, ob er nicht Lust hätte auch bei Meisterschaften zu starten. Als Newcomer sicherte er sich 2016 Platz sechs der „Intermediate Division“ (zwischen Anfängern und Profis) bei der Weltmeisterschaft in Texas/USA.

Sportlich läuft es also. Im August startet er bei der Deutschen Meisterschaft in Harburg.Ich trete nicht an, um Zweiter zu werden.“ Dazu gehört natürlich Training, Training, Training. „Ich versuche, so oft wie möglich auf der Skaterbahn zu sein.“ Angst vor Verletzungen, nach den Erfahrungen? Hat er nicht! „Nur wenn man Grenzen überwindet, kann man vorankommen!“ Und genau das, was er gewollt hat, was er geschafft hat, will er weitervermitteln.

Lust am Ausprobieren

Jeden ersten Samstag im Monat leitet Björn das Rollstuhlskater-Treffen im „ackerpoolco“, das Haus der Jugend in Eidelstedt (13 bis 16 Uhr, Baumacker 8a). „Hier können alle kommen, die Lust haben, sich im Rollstuhl auszuprobieren.“ Ob Geschicklichkeit für die Mobilität im Alltag oder ganz große Sprünge, alles kann in Ruhe getestet werden. „Als Rollstuhlfahrer kann man sich viel mehr zutrauen, als man denkt. Wenn ich zuhause vor der Tür zwei Treppenstufen habe, dann kann ich mir als Ziel setzen, die auch ohne Hilfe zu schaffen. Man muss seine eigene Infrastruktur in Anspruch nehmen.“ Einen großen Traum hat Björn noch: Der gelernte Zerspanungsmechaniker möchte eine Umschulung zum Heilerzieher machen und dann irgendwann eine Rollstuhlschule aufmachen. Auch dieser Weg wird nicht einfach werden, aber bei so viel Mut und Zuversicht…was soll da schief gehen?

/ Text: Andrea Marunde

Workshop mit Profis
Vom 16. bis 26. August findet die Rollstuhlbasketball-WM 2018 in der Inselparkhalle in Wilhelmsburg statt. In diesem Rahmen starten die Rollstuhl-Skater am 18./19. 08. 2018 im dortigen Skaterpark bei der Ersten Internationalen Deutschen Meisterschaft im WCMX. Dies ist der erste Wettkampf außerhalb der USA in dieser Sportart. In verschiedenen Startklassen kann jeder teilnehmen oder es am 18. August in einem Workshop mit den Profis ausprobieren.
Internationale Deutsche Meisterschaft im WCMX
Rollstuhlbasketball-WM


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG Sport, als Heft im Heft in SZENE HAMBURG in Kooperation mit dem Hamburger Sportbund im Mai 2018, erschienen. Es ist seit dem 28. April 2018 im Handel, zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper auf der Homepage des Hamburger Sportbundes erhältlich!

Ein Fußballteam für alle!?

Tobias Hillebrand hat eine Vision: Eine Fußball-Liga, in der jeder mitspielen darf – egal, ob mit oder ohne Handicap. 2019 soll die neue Inklusionsliga starten.

Tobias Hillebrand (26) hat einen Traum. „Klar kann ich mir vorstellen, bei der Eröffnung dabei zu sein. Das wäre schon cool, wenn man einen Weg so lange mitgegangen ist“, sagt er. Hillebrand ist im Hamburger Fußballverband (HFV) Koordinator für die Bereiche Behindertenfußball und Inklusion – und arbeitet für den Verband an einer kleinen Revolution: der Inklusionsliga. „Inklusion bedeutet, dass alle mitspielen können“, sagt Hillebrand, der gerade seine Magisterarbeit im Sportstudium schreibt und zudem Erziehungswissenschaften studiert hat.

Was sich aufs erste Hören selbstverständlich anhört, wäre bei genauerer Betrachtung etwas für Hamburg völlig Neues. Menschen mit geistigem und/oder körperlichem Handicap, Menschen ohne Handicaps, Frauen und Männer, Alte und Junge – alle in einer Fußballmannschaft. Unter anderem in Bayern und am Niederrhein existieren erfolgreiche Modellversuche. Auch in Hamburg gibt es ein Vorbild. In der Freiwurf-Hamburg-Liga spielen acht Teams in der bundesweit ersten vom Deutschen Handball-Bund anerkannten inklusiven Handball-Liga.

Hürden auf dem Weg zur Inklusionsliga

Hillebrand selbst scheint wie geschaffen für die Aufgabe, das gute Beispiel des Handballs nun auf die Fußball-Felder unserer Stadt zu transferieren. Die Eltern des jungen Mannes waren gehörlos. Er kennt den Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Handicap also aus eigener Erfahrung. „Ich habe viel mit Zeichensprache übersetzt und ich war immer der Erste, der ans Telefon gegangen ist. Ich war sozusagen der Ansprechpartner vom Arzt bis zur Kirche. Mit Unterstützung meiner Großeltern hat das alles sehr gut geklappt und ich habe auch viel Freizeit mit anderen gehörlosen Menschen verbracht“, sagt Hillebrand. Er ist überzeugt, dass nur der Kontakt zur Inklusion beiträgt. Hier könne der Fußball seine oft gerühmte Brückenfunktion einnehmen. „Ein hemmender Faktor für Menschen ohne Handicap ist es oft, dass sie die Reaktionen von Menschen mit Handicap nicht so richtig einschätzen können. Das können sie aber mit der Zeit. Und dann wachsen tolle Gemeinschaften heran.“

Lob erhält Hillebrand von HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki: „Dem Verband liegt das Thema schon seit Jahren sehr am Herzen. Tobias treibt das hier bei uns super voran. Wer einmal gesehen hat, wie ehrlich und natürlich diese Menschen sich freuen, wenn sie zum Beispiel ein Tor schießen, der weiß, es lohnt sich.“ Doch auf dem Weg zur Inklusionsliga, die im Sommer 2019 starten soll, sind noch einige Hürden zu überwinden. Hillebrand netzwerkt viel, spricht mit Vereinen über deren klassische Probleme beim Aufbau einer Mannschaft wie zum Beispiel notwendige Fahrdienste für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Das erste Hallen-Inklusionsturnier fand bereits statt, der im Bereich Inklusion sehr aktive SV Nettelnburg-Allermöhe siegte im Beisein des von der entspannten Turnieratmosphäre und den sportlichen Leistungen begeisterten HFV-Präsidenten Dirk Fischer. Weitere Turniere sind in diesem Jahr geplant. „Der Hamburger Sportbund finanziert die Turniere aus seinem Inklusionstopf, wir als HFV steuern zum Beispiel etwas Geld für die Pokale bei“, so Hillebrand.

Nächstes Jahr soll’s losgehen

Die acht Mannschaften für einen Ligastart sind bereits beisammen, aber losgehen kann es trotzdem noch nicht. Denn mehrere rechtliche Hürden sind zu überwinden. Nach den HFV-Statuten wird nach Geschlechtern getrennt in Altersgruppen (Jugendmannschaften, Damen, Herren, Senioren etc.) gespielt. Und es dürfen nur Mannschaften mitkicken, die HFV-Mitglieder sind. Unter den acht Interessenten befinden sich aber mit dem SV Eichede und Bad Oldesloe zwei Teams, die Mitglied im Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband sind. „Wir müssen für die Inklusionsliga neue rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, wollen die Statuten ändern. Das soll auf dem Verbandstag 2019 geschehen“, sagt Byernetzki.

Der HFV will dann selbst einen Antrag stellen, zustimmen müssen die Hamburger Amateurfußballvereine. „2018 ist ein hoffnungsvolles Jahr. Ich bin zuversichtlich, dass es 2019 losgeht“, sagt Hillebrand. Und die vorsichtige Frage, ob sich auch genügend Menschen ohne Handicap finden werden, die mitspielen, beantwortet Hille-
brand lächelnd und gelassen: „Die Frage sollte lauten: Warum eigentlich nicht?“

Text: Mirko Schneider
Foto: HFV

 


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Altona 93 – „So jetzt Mischen wir uns ein“

Sport ohne Fans? Nicht denkbar! Fans sind ein wesentlicher Teil des sportlichen Engagements. Sie unterstützen den Erfolg und sind meist die treuesten Freunde: Fans #3.

Karsten Groth, 64, ist stellvertretender Obmann der Abteilung FußballFans bei Altona 93.  Schon als Schüler war er begeisterter Fußballfan und hat im Laufe seiner „Fankarriere“ auch die großen Hamburger Fußballvereine HSV und FC St. Pauli begleitet.

Herr Groth, wie definieren Sie den Begriff Fußballfan?
Manche finden, ein echter Fan sei nur der sogenannte Allesfahrer. Der sich jedes Pflicht- und Freundschaftsspiel ansieht, möglichst sogar im Trainingslager dabei ist. Das sehe ich anders, obwohl ich fast alle Partien von Altona 93 besuche. Auch der 80-Jährige, der auf der Tribüne sitzt und nur die Heimspiele schauen kann, ist ein Fan. Mir persönlich wichtig ist ein Fan-Accesoire, zum Beispiel ein Schal. Und ich erhebe meine Stimme für meinen Verein, supporte also aktiv. Es ist wichtig, was auf dem Platz geschieht. Der Sport steht während des Spieles im Mittelpunkt, nicht Biertrinken oder nette Unterhaltung.

Sie haben ein aufregendes Fandasein hinter. Bitte erzählen Sie…
Mein erster Verein war der HSV. Ich stand als Schüler in der Westkurve. Mein erstes Spiel war ein Derby gegen Werder Bremen im Oktober 1964 vor 18.000 Zuschauern im alten Volkspark. Der DFB-Pokalsieg gegen Kaiserslautern mit 2:0 im Endspiel am 26. Juni 1976 im Frankfurter Waldstadion war mein letztes Spiel als HSVer. Eine Erinnerung daran kam mir übrigens beim Pokalfinale 2017 zwischen Dortmund und Frankfurt in den Sinn, als Sängerin Helene Fischer ausgebuht wurde.

Welche?
Damals, 1976, trällerten vor dem Spiel die Fischer-Chöre im Rahmenprogramm. Hatte der DFB sich so ausgedacht. Das gefiel beiden Fanlagern nicht. Gemeinsam wurde dagegen angeschrien.

Warum wandten Sie sich vom HSV ab?
Es gefiel mir einfach atmosphärisch nicht mehr. Da liefen zu viele Leute mit politisch rechten Meinungen rum. Also gönnte ich mir eine schöpferische Pause. Bis ich Anfang der 80er-Jahre durch den damaligen Arbeitskollegen und St.-Pauli-Stadionsprecher Gerd Thomsen den Weg ans Millerntor fand. Witzigerweise war auch wieder Musik ein Thema. Thomsen spielte gern deutsche Volksmusik. Die wollte bald kaum noch einer hören. Sportlich lief es erst mäßig, manchmal waren nur 2500 Zuschauer da. Jüngere Leute gingen hin, Gewerkschaftskollegen, eher links, bald kamen die Leute von der Hafenstraße dazu – und die von Doc Mabuse auf dem Dom entdeckte Totenkopffahne. Einmalig war der Roar, diese ganz besondere Form der ununterbrochenen und dennoch aufs Spiel bezogenen Anfeuerung. Es war irre laut am Millerntor. Nach vielen Spielen, wie nach dem gescheiterten Aufstieg zur Bundesliga 1987 in der Relegation gegen Homburg, war ich drei Tage lange heiser.

Und Sie wurden in der Filmbranche aktiv…
(lacht) Sozusagen. 10 Fans, ich war einer davon, produzierten 1990 den Film „…und ich weiß, warum ich hier stehe“. Wir interviewten St.-Pauli-Anhänger und Bürger auf dem Kiez und in den Kneipen, machten vom Drehbuch bis zum Schnitt alles selbst. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich wohnte zu der Zeit auf St. Pauli in der Hopfenstraße, gehörte zum harten Fankern.

Um 1990, begann Ihre große Liebe zu Altona 93 zu wachsen.
Meine erste Partie von Altona 93 habe ich 1966 gesehen. In der DFB-Pokal-Qualifikation wurde der 1. FC Nürnberg auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn 2:1 bezwungen. In der 1.Hauptrunde vor offiziell 33.000 Zuschauern – manche sagen bis heute es waren 45.000 – im Volksparkstadion beim HSV, der 6:0 gewann, stand ich in der Ostkurve bei den Gästefans von Altona 93. Obwohl eigentlich HSV-Fan, hatte der Außenseiter, meine Sympathien. Außerdem begann ich gerade, bei den Senioren des Vereins zu kicken. Mit gut 50 Leuten vom FC St. Pauli gingen wir also zur Adolf-Jäger-Kampfbahn. Ein Trainer von Altona meinte später mal, der Verein habe nun „Leihfans vom FC St. Pauli.“

Tatsächlich sahen Sie sich lange beide Clubs an.
Ja, aber 2005 ließ ich meine Dauerkarte beim FC St. Pauli auslaufen. Denn ich musste bei den Senioren des AFC bei fast jedem Spiel ran. Und mir war zu viel Eventpublikum am Millerntor. Das Finanzgebaren des Clubs, speziell die Bezahlung von Ex-Trainer und Manager Franz Gerber und Ex-Spieler Nascimento in der dritten Liga zu Erstligakonditionen, ging mir gegen den Strich. Heute gehe ich nur ab und zu mal zum Millerntor. An der Adolf-Jäger-Kampfbahn stehe ich in der Meckerecke. Die gab es dort schon, bevor es eine bei St. Pauli gab.

Wie hat sich Altona 93 im Laufe der Jahre verändert?
Damals kamen nur so 300 Leute zu den Spielen, aktuell liegt unser Schnitt in der Regionalliga bei fast 1200 Fans. Seit gut zwei Jahren ist Altona 93 wieder richtig “In“. Dadurch haben übrigens auch wir nun etwas Eventpublikum. Unseren eigentlichen Zuschauerstamm würde ich auf circa 600 beziffern.

Was waren die schönsten Erlebnisse?
Das schon erwähnte Pokalspiel 1966 hatte wirklich was. Obwohl ich mir in der Kälte am zweiten Weihnachtsfeiertag Arsch und Füße abgefroren habe. Auch der Pokalerfolg 1994 gegen den VfL 93. Da gab es wenigstens noch einen richtigen Pokal, aus dem man was trinken konnte. Was wir dann auch mit den Spielern zusammen getan haben. Die beiden Aufstiege in die Regionalliga 1996, durch zwei Superschüsse von Thorsten Koy in den Winkel gegen Pinneberg. Generell hat sich auch vieles erhalten, was ich schätze. Es geht bei uns in der vierten Liga lockerer und entspannter zu als im Profifußball. Es gibt keine Leibesvisitationen beim Einlaß, keine elektronischen Zugangssysteme, zudem ist der Support spielbezogen. Besonders letzteres ist für viele von uns ein wichtiger Punkt.

Ist Altona 93 heute das St. Pauli von früher?
Also wenn ich mir unseren Kabinentrakt und das Clubhaus angucke, da toppen wir das frühere St. Pauli noch. Obwohl es damals schon seinen Charme hatte, als die Spieler von Bayern München durch die verqualmte Kneipe zur Umkleide mussten. Altona 93 und St. Pauli sind sicher politisch nicht weit auseinander. Aber es gibt auch Fans beider Clubs, die mögen sich ganz und gar nicht. Wir haben von der Fan-Abteilung vor drei Jahren mal eine Umfrage gemacht. 20 Prozent unserer Anhänger bekannten sich dort zum FC St. Pauli, 15 Prozent zum HSV.

Wie stehen Sie eigentlich zur Kommerzialisierung im Profifußball?
Da scheiß der Hund drauf. Geld regiert eben die Welt, das Fernsehen bestimmt die Anstoßzeiten. Rund um die Uhr läuft irgendwo Fußball, worunter vor allem die Amateurclubs leiden. Altona allerdings weniger, wir haben ja einen ganz guten Schnitt.

Die Fan-Abteilung bei Altona 93 hat heute 45 Mitglieder. Wie kam es zu deren Gründung?
Das lag am bitteren Abstieg aus der Regionalliga in der Saison 2008/09. Altona 93 hatte Krankenkassenbeiträge und Steuern nicht ordnungsgemäß abgeführt, musste für mehrere Jahre an das Finanzamt nachzahlen. Es wurde existenzbedrohend für den Verein. Unser Hauptsponsor und Präsident Dirk Barthel half mit Geld aus. 250.000 Euro aus dem Kaufvertrag für die Adolf-Jäger-Kampfbahn holte sich der Club als Vorschuss. Wir Fans hatten schon lange über mehr Aktivität nachgedacht. An diesem Punkt sagten nun einige Fans: So, jetzt mischen wir uns ein und warten damit nicht weiter.

Das klappte so einfach?
Natürlich gab es Vorbehalte und Widerstände. Manche dachten: Aha, die wollen sich den Verein unter den Nagel reißen. Darum ging es aber gar nicht. Und mittlerweile sind wir im Verein anerkannt.

Was hat die Fan-Abteilung erreicht?
Wir wollten, dass es eine weitere Kontrollinstanz im Verein gibt, die sich um die Liga-Finanzen kümmert. Dies erreichten wir durch Gründung eines Wirtschaftsausschusses vor viereinhalb Jahren, dem ich auch seither angehöre. Wir haben umfassend und mehrmals Stellung genommen zur Frage eines neuen Stadions, eigene Vorschläge gemacht, waren bei der AG Sportanlagen mit dabei. Wir riefen das Projekt eines Stammtisches ins Leben, zu dem Spieler und Verantwortliche fünf Jahre lang regelmäßig kamen. Das wollen wir vielleicht in anderer Form wieder aufleben lassen, weil wir uns wieder mehr Kontakt zur aktuellen Mannschaft wünschen. Und das sind nur einige Beispiele unserer Aktivitäten.

Was erhoffen Sie sich für Altona 93?
Es soll bei uns entspannt und locker bleiben. Kein Ultra-Singsang. Sportlich etablieren in der Regionalliga, vielleicht irgendwann ganz verträumt mal über die 3. Liga nachdenken.

Aktuell steht Altona auf dem letzten Rang in der Regionalliga Nord. Gelingt in diesem Jahr der Klassenerhalt?
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Interview: Mirko Schneider


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG SPORT 2018/1. Die Ausgabe ist eine Beilage von SZENE HAMBURG Februar 2018 und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

Fans #2: Fischbek Dynamites

Folge #2 unserer Reihe über Fans in Hamburg: Sport ohne Fans? Nicht denkbar! Fans sind ein wesentlicher Teil des sportlichen Engagements. Sie unterstützen den Erfolg und sind meist die treuesten Freunde.

Professionalität mit Herz und Leidenschaft

Gefunden haben sich die Dynamites im Oktober 1991, damals sind die Volleyball-Frauen vom TV Fischbek in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Durch die Nähe und persönlichen Kontakte hat sich zunächst ein kleiner Kreis von ehrenamtlichen Helfern gebildet. „Wir haben im Lauf der Saison geholfen, die Tribünen aus der Garage neben der Halle Quellmoor in Hamburg/Neugraben zu holen und aufzubauen, den Kuchen- und Getränkeverkauf sowie den Eingangsbereich zu organisieren, und eben was noch alles so anstand. Da wir außerdem nicht nur zwischen den Zuschauern sitzen und in die Hände klatschen wollten, ist schnell die Grundidee des Fanclubs entstanden“, erzählt Georg Bücking, der Mann der ersten Stunde.

Mit den Jahren wuchsen die Anforderungen, aber auch die Mitglieder der familiären Gruppe, nicht nur die Heimspiele brauchten ihre Hilfe, bald wurden auch die Spielerinnen bei den Auswärtsfahrten mit Essen und Getränken versorgt, bei Siegen wurde zusammen im Bus gefeiert, bei Niederlagen getröstet – ein Symbiose zwischen Fans und Sportlerinnen hatte sich entwickelt. Mit dem Aufstieg und der Etablierung in der 1. Liga wurden das Team und natürlich auch das Umfeld professionalisiert. Es standen einige Veränderungen an und auch der damit einhergehende Umzug, in die größere Süderelbe-Arena 2001, brachte neue Anforderungen mit sich. Die Professionalisierung hatte für das bisherige Gefüge aus Team und Umfeld auch seinen Preis. Die Spielerinnen sollten bereits während der Fahrt den Fokus auf das kommende Spiel richten, dazu entsprechende Ruhe im Bus haben und die Fahrtzeit u.a. auch zur Videoanalyse nutzen. Für die Fans war da kein Platz mehr auf engem Raum. „Das war aber auch nicht schlimm“, Georg Bücking hat Verständnis für die Entwicklung,“ dafür haben wir dann eben mehr gemeinsame Aktionen außerhalb der Wettkämpfe organisiert.“

Wir arbeiten professionell und ehrenamtlich!

Die Fangruppe war inzwischen auf etwa 40 Leute angewachsen. „Die Aufgaben hatten sich verändert, jeder einzelne und auch wir als Team in Gänze mussten unseren Platz neu finden“, erklärt Bücking. Geholfen hat uns dabei, dass wir als eigenes Team den Weg der Professionalisierung mitgegangen sind, indem wir unser Handeln an die veränderten und komplexeren Anforderungen, die ein Spielbetrieb in der 1. Bundesliga mit sich bringt, fortlaufend angepasst haben. Unser Leitspruch war immer: wir arbeiten professionell und ehrenamtlich! Hätte es für einzelne Aufgaben Aufwandsentschädigungen gegeben, wäre das System zum Nachteil aller Beteiligten in sich zusammengebrochen. Bei all den Aufgaben, die wir vor allem bei den Heimspielen übernommen haben, um unser Team zu unterstützen, gab es immer auch das Bemühen „unser Team“ durch Trommeln und lautstarkes Anfeuern auch akustisch zu stärken. Die nächste große Veränderung kam 2011. Inzwischen hieß das Team VT Aurubis und wurde vom weltweit größten Kupferrecycler finanziell unterstützt.

Große sportliche Pläne machten einen Umzug in die CU-Arena am S-Bahnhof Neugraben unumgänglich. Das Fassungsvermögen von 2300 Zuschauern hatte mit den Tribünenaufbau der 90er Jahre nichts mehr zu tun. Fast die komplette Kraft der Fangruppe ging in die Organisation der Heimspiele, die inzwischen teilweise auch im europäischen Challange Cup stattfanden. Die Anforderungen waren also noch einmal gestiegen, wurden aber erneut, auch von uns professionell bewältigt. Das Trommeln und Anfeuern trat dabei noch einmal in den Hintergrund. Dies haben wir dann bei den Auswärtsspielen zu kompensieren versucht.

Auch die Handballerinnen profitieren

2016 dann der Bruch. Die Aurubis AG steigt als Sponsor aus und die Mannschaft findet sich als VT Hamburg in der 2. Liga wieder. Bücking: „Auch für uns Fans war das eine schlimme Zeit.“ Aufgeben wollten sie eigentlich nie, aber die sich ändernden Rahmenbedingungen, das aus ihrer Sicht aussichtslose Konzept und die in der neuen Führung fehlende Wertschätzung veranlassten sie zu einem lang diskutierten und schmerzhaften Schritt. Die Fischbek Dynamites kehrten dem Bundesliga-Volleyball im Hamburger Süden den Rücken – und das im 25. Jubiläumsjahr. Eine lange Zeit, die prägt und zusammenschweißt, also sucht sich die Gruppe ein anderes Wirkungsfeld: „Da wo Fankultur, Ehrenamt und unser know how wirklich geschätzt wird.“

Es muss ja nicht immer dieselbe Sportart sein. Als Fan kann man ja auch mal die Sportart wechseln, Hauptsache man bleibt Fan. Die Fischbek Dynamites sind so ein Grüppchen. Ihre Motivation ist der Zusammenhalt in der Gruppe und die ehrenamtliche Tätigkeit im Sport. Manchmal muss man dafür auch andere Wege gehen, wenn auch nicht immer ganz freiwillig. Sie landeten auf dem Estering, der Motorsport-Rennstrecke für Rallycross-Wettbewerbe in Buxtehude. Bücking: „Dort waren zwei unser Helfer seit Jugendtagen aktiv und als der ACN Hilfe bei den Rennen suchten, haben wir nicht lange gezögert. Also regeln wir jetzt den Durchlass der Autos und der Zuschauer von und auf das Gelände.“ Seit Kurzem profitieren auch die Zweitliga-Handballerinnen Buchholz 08- Rosengarten – die Handball-Luchse – vom know how der Dynamites. Ballsport ist halt Ballsport. Dort helfen regelmäßig vier bis fünf Leute aus dem Kreis. Die Fangruppe an sich ist mit rund 20 Leuten regelmäßig im Dialog und trifft sich hin und wieder zum persönlichen Austausch, am liebsten in alter Gewohnheit beim Grillen. Erst kürzlich haben sie ihr Logo erneuert und sich neue Polohemden und Sweat-Jacken für die gemeinsamen Aktivitäten zugelegt. Vielleicht werden ja auch demnächst noch mehr von ihnen zu den Spielen der Handballerinnen kommen, die den Aufstieg in die Erste Bundesliga anpeilen. So mit Trommeln und Anfeuern. Eben ein bisschen zurück zu den Wurzeln.

Text: Andrea Marunde

Foto: Fischbek Dynamites


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG SPORT 2018/1. Die Ausgabe ist eine Beilage von SZENE HAMBURG Februar 2018 und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

Sport: Selbstverteidigung für Frauen

Selbstverteidigung für Frauen sieht einfach aus, ist es aber gar nicht. Zu Besuch beim Workshop „FRAUENselbstSICHERHEIT“.

Geschafft. Sichtlich erschöpft sitzt Fatma Keckstein am Ende der Veranstaltung in der Sporthalle Corveystraße und ist mehr als zufrieden. Hinter ihr liegt schon eine Menge Arbeit – vor ihr liegt noch eine Menge Arbeit. Aufräumen, Wegräumen, Abrechnen, Resumieren….aber es hat sich gelohnt. Fatma Keckstein ist Ju-Jutsu-Trainerin und Frauenreferentin beim Deutschen Ju-Jutsu-Verband, hat Ende letzten Jahres, anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, zusammen mit dem Deutschen Turner-Bund zu einem Aktionstag eingeladen und war selbst komplett von dem Andrang überrascht.

Beim Workshop „FRAUENselbstSICHERHEIT“ hatten sich rund 100 Frauen verschiedener Nationalität und unterschiedlichen Alters angemeldet, um sechseinhalb Stunden zu lernen, wie sie sich vor Gewalt schützen können. Die Statistik sagt, dass jede dritte Frau in Deutschland während ihres Lebens mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erfährt. Gewalt gegen Frauen kommt in allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppen vor. Aber nur jede fünfte Frau sucht sich in so einem Fall Hilfe. Eine Zielgruppe, die Keckstein besonders am Herzen liegt, sind muslimische Frauen, „sie sollen ebenfalls die Möglichkeiten des Opferschutzes kennenlernen.“

Cordula Gross, von der Flüchtlingshilfe Harvestehude, ist mit einer Gruppe von Frauen und Mädchen in die Halle gekommen. Nazanin und Shabnam zwei Schwestern im besten Teenageralter sind vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Hamburg gekommen. Zunächst nach Harburg. Dort wurden sie schnell in eine Volleyballgruppe der Volleyballgemeinschaft Hausbruch Neugraben Fischbek (VG HNF) integriert. Nach ihrem Umzug in die Unterkunft Sophienterrasse wollten sie ihrem Team unbedingt treu bleiben und pendeln jetzt ein bis zweimal in der Woche abends mit der S-Bahn zwischen Harburg und Harvestehude. „Häufig ist es schon dunkel, da kann es nicht schaden, wenn man etwas über Selbstverteidigung weiß“, sagt Nazanin. „Außerdem haben wir ältere Brüder, da muss man sich auch wehren können“, fügt sie grinsend hinzu.

Und was haben die beiden Mädchen und die anderen Frauen an diesem Tag gelernt? Männer sind übrigens strengstens in der Halle verboten. Deswegen ist „Chris“, das (theoretische) Versuchsobjekt für empfindliche Punkte beim Mann, auch nur eine Pappfigur. Die Praxis, von Keckstein eindrucksvoll vorgemacht, zeigt beispielsweise, Schläge oder Tritte abzuwehren. Hierfür werden zeitweise Schaumstoffröhren benutzt, damit sich auch jede traut mitzumachen.

Trotz des ernsten Hintergrundes, der hinter den Aktionen steckt, wird viel gelacht, denn die Überwindung auf jemanden „einzuschlagen“ muss auch erst gelernt sein. Sieht einfach aus, ist es aber gar nicht. Ein besonderer Moment, vor allem für die beiden Mädchen sind die Einheiten mit Lina Kalifeh. Sie ist die Gründerin von „she-fighter“, der ersten Schule für Frauen-Selbstverteidigung in Amman/Jordanien und extra für den Workshop nach Hamburg angereist. Auf Englisch und teilweise arabisch zeigt sie den Frauen die Befreiung aus Festhalte-Angriffen im Stehen und Liegen.

Spannend waren auch die Vorträge von zwei Beamtinnen des Landeskriminalamtes über Gewaltprävention und Opferschutz besonders bei Gewaltstraftaten im häuslichen Bereich. Welche Rechte habe ich eigentlich als Opfer einer Straftat? An wen kann ich mich vertrauensvoll wenden? Viele interessante Informationen an einem Tag. Fatma Keckstein weiß, dass das nur eine Anregung sein kann. „Es ist zu vergleichen mit einem 1. Hilfe-Kurs – es soll das Angstgefühl verringern, nichts tun zu können.

Natürlich kann man so etwas nicht an einem Tag erlernen. Es braucht Übung und Wiederholung, um wirklich für den Ernstfall gewappnet zu sein. Aber wichtig für die Frauen ist, zu wissen, dass es Angebote gibt und an wen sie sich wenden können.“ Gefallen hat es Nazanin und Shabnam auf jeden Fall, vielleicht ein bisschen zu lang, auf jeden Fall zu kalt in der Halle. Aber das Interesse ist geweckt. Für Fatma Keckstein ist das die Bestätigung und die Motivation, die Veranstaltung in diesem Jahr zu wiederholen – auch wenn es am Ende viel Arbeit ist.

Text: Andrea Marunde

Fatma Keckstein (Frauenreferentin beim Deutschen Ju-Jutsu-Verband) 040/2793559; frauensport@djjv.de

Das Programm Integration durch Sport ist eine bundesweite Initiative des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). In Hamburg wird das Programm durch das Bundesministerium des Inneren und der Stadt Hamburg finanziert.


Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG Sport, als Heft im Heft in SZENE HAMBURG, Februar 2018, erschienen. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#1 Fans: Abseits des Millerntors

Sport ohne Fans? Nicht denkbar! Fans sind ein wesentlicher Teil des sportlichen Engagements. Sie unterstützen den Erfolg und sind meist die treuesten Freunde. #1 Fans.

Willkommener Treffpunkt einer fast schon eingeschworenen Gemeinschaft ist die Sporthalle des FC St. Pauli Abteilung Handball  in der Budapester Straße. Man teilt gleiche Werte und Einstellungen. Zusammenhalt ist gewollt.

Der FC St. Pauli ist mehr als nur Bundesliga-Fußball. Bundesweit verfolgen Fans die Saison der Profi-Männer. Dabei lockt sie aber nicht unbedingt herausragende sportliche Leistung, sondern Werte, die sich der Verein und seine Anhänger auf Fahnen und Klamotten schreiben. Diese Werte tragen alle Mitglieder im Herzen. Auch in den anderen Abteilungen des Vereins geht es um weit mehr als nur Sport.

Die Fankultur des FC St. Pauli erlebt man nicht nur im Millerntor-Stadion, der legendären Spielstätte der Profi-Fußballer. Direkt neben dem Stadion sind die Handballerinnen und Handballer des Vereins zuhause. In der Dreifeldhalle eines Wirtschaftsgymnasiums in der Budapester Straße tragen die Teams ihre Heimspiele aus. Die Aktiven sprechen von ihrer Budahölle.

An Spieltagen besuchen bis zu 300 Zuschauer die Spiele der Teams, für Spiele in der Oberliga oder tiefer ein sehr hoher Zuspruch. Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Spiele der ersten Teams gut besucht sind. Neben Freunden und Angehörigen sind unter den Zuschauern viele, die selber in einem Team des Clubs aktiv sind. Die Heimspiele sind willkommener Treffpunkt der Abteilung.

Dieser Zusammenhalt ist unbedingt gewollt und wird auch außerhalb der Spieltage gelebt. Soziales und politisches Engagement sind Vereinsalltag. Klare Aussagen wie „Lieb doch wen du willst“ und „love handball – hate fascism“ gehören zum gemeinsamen Verständnis.

Besonders ist ebenso, dass sich fast alle Mitglieder der Abteilung kennen. Das ist die gute Seite eines Dilemmas, in dem der FC St. Pauli steckt. Dem Verein stehen zu wenige Trainingszeiten in Sporthallen zur Verfügung. Darum müssen für die Teams der Handball-Abteilung immer wieder neue Pläne organisiert werden. Das führt zu ständig wechselnden Trainingszeiten und –orten für die einzelnen Teams, die sich dann auch noch eine Halle mit einem anderen Team teilen müssen. Positiver Effekt: Innerhalb eines Monats hat man fast jeden aus der Abteilung einmal gesehen.

Genau das ist in der Halle bei einem Spieltag spürbar. Auch wenn zu einem Handballspiel in der Oberliga ungewöhnlich viele Fans kommen, kennen sich die meisten. Wer sich den gemeinsamen Werten anschließen kann, ist bei Spieltagen der Abteilung gern gesehen, auch ohne selber Mitglied zu sein. So kommt es häufiger vor, dass nach einem Heimspiel der Profi-Fußballer Fans aus dem Millerntor-Stadion noch in die Budahölle kommen und die Handball-Teams unterstützen. Lautstarke Unterstützung war aber auch vorher schon da.

Die Atmosphäre in der Halle macht Laune aufs Wiederkommen. Ob Handball-Laie oder Tribünen-Profi, ob stiller Zuschauer oder Choreo-Mitsänger, hier ist fast alles erlaubt. Der Verein gibt über seine Internetseite eine klare Linie aus: „Das einzige, wofür es bei uns keinen Platz gibt, ist Intoleranz, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit!“

Text: Thomas Michael


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG SPORT 2018/1. Die Ausgabe ist eine Beilage von SZENE HAMBURG Februar 2018 und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!