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10 Jahre Deine Freunde

Die selbst ernannte „coolste Kinder­band der Welt“ wird zehn – und spielt zum Bandgeburtstag gleich drei Stadtpark­ Shows. Deine Freunde ­Mitglied Lukas Nimscheck im Gespräch über das, was bisher geschah

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Lukas, Deine Freunde feiern Geburtstag. Gibt es ein Wort, mit dem du deine Gefühle bezüglich zehn Jahren Bandgeschichte beschreiben könntest?

Lukas Nimscheck: Überra­schend! Wir haben nicht gedacht, dass wir das zehn Jahre machen würden. Damals haben wir aus Jux und Dollerei zwei, drei Lieder aufgenommen und ins Netz gestellt, einfach um zu sehen, was passiert. Heute ist Deine Freunde unser Haupt­beruf und wir spielen vor Tausenden Leuten. Irrsinnig!

Weder wir, noch Kollegen aus dem Musikbereich haben es für möglich gehalten, dass musika­lische Familienunterhaltung in Deutschland so erfolgreich werden könnte. Ich glaube, bei uns liegt es daran, dass wir mit der Zeit eine ganz eigene Stimme gefunden haben, auch einen ganz eigenen Humor, den die Leute und wir selber lustig finden. Wir müssen uns dafür nicht verstellen.

Wann habt ihr gemerkt, dass Deine Freunde etwas auf Dauer sein könnte?

Nach fünf Jahren waren wir so groß, dass wir sagen konnten, uns etabliert zu haben. Wir hatten zu dem Zeitpunkt auch schon unser eigenes kleines Label, unser eigenes kleines Studio, ein Management. Dabei waren wir bereits eine mittelständige Firma – und alle sehr fleißig, alle Arbeitsbienen. Zudem hatten wir auch keine Produzenten, jeder Ton auf unseren CDs kam von uns. Das ist bis heute so.

Glaubst du, dass eure Band überhaupt mal ein Ablaufdatum haben wird?

Nein, das glaube ich nicht. Wir sind ja eine der Bands, die auch privat miteinander verbandelt sind. Wir sind alle sehr eng miteinander, vom Management bis zu den Menschen, die mit uns auf Tour gehen.

Wir verstehen uns sogar immer besser mit den Jahren und können uns gut vorstellen, das so lange zu machen, bis wir so alt sind wie Rolf Zuckowski. Dann vielleicht in einer anderen Form, aber wir möchten auch dann noch Musik für Kinder bis zwölf Jahre und ihre Familien veröffentlichen.

Am Anfang haben wir in Kitas vor 20 Leuten gespielt

Lukas Nimscheck, Deine Freunde

Ist die Motivation, die „coolste Kinderband der Welt zu sein“, wie ihr euch selbst mal genannt habt, mit den Jahren noch größer geworden?

Diesen großkotzigen Titel haben wir uns zu einer Zeit gegeben, als wir noch gar nicht so groß waren. Mit der Zeit hat sich der Titel aber schon ein bisschen bewahrheitet. Man muss sich das mal vorstellen: Am Anfang haben wir in Kitas vor 20 Leuten gespielt.

Wir haben nur davon geträumt, mal in bestimmten Hallen spielen zu können. Als wir dann zum ersten Mal vor 500 Leuten standen, dachten wir: „Größer kann es nicht werden!“ Genauso haben wir gedacht, als es zum ersten Mal 1000 Leute waren. Es wurden immer mehr, kürzlich haben wir in Köln vor 7000 gespielt. Unser Anspruch ist dabei immer gleich geblieben, wir wollen immer das Bestmögliche bieten – auf und neben der Bühne. Das bedeutet zum Beispiel bei großen Konzerten, dass jedes Kind, das kommt, ein Band um die Hand kriegt, auf das seine Eltern eine Telefonnummer schreiben können, falls man sich mal verlieren sollte.

Wir probieren, Kindern und Eltern eine Stimme zu geben, die die Realität abbildet

Lukas Nimscheck, Deine Freunde

Vermutlich hat sich euer Verständnis für Kinder und Familien mit der Zeit auch noch mal verändert.

Ja, das hat es auf jeden Fall. Am Anfang dachten wir, in unseren Songs müssten wir nur so Schulhofthemen wie Hausaufgaben oder die siebte Stunde behandeln. Mittlerweile wissen wir, dass wir auch über ganz Absurdes singen können und Kinder und Eltern auch dazu feiern können.

Es gibt Siebenjährige, die schon super- ironisch sind und bei denen zu Hause schon ein ganz eigener Humor herrscht. Es sind die Medien, die Kinder immer als ironiefrei und Eltern immer als ausschließlich liebevoll und fürsorglich darstellen. Wir probieren, Kindern und Eltern eine Stimme zu geben, die die Realität abbildet.

Deine Freunde spielen am 2., 3. und 4. September im Stadtpark Openair – wir verlosen auf Instagram noch Tickets!


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Helge Schneider: „Ich fühle mich berentet“

Mit Helge Schneider kommt einer der größten Entertainer des Landes in den Stadtpark. Ein kurzes Gespräch über Kunst in Zeiten der Corona-Pandemie

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Helge, in Hamburg hängen gerade überall Konzertplakate von dir, auf denen es unter anderem heißt: „Internationaler Superstar sucht Arbeit.“ Hat sich deine Arbeitssituation nach mehr als zwei Jahren Pandemie ansatzweise normalisiert?

Helge Schneider: (lacht) Ich sag mal: Jein. Wobei … eigentlich nicht. Der Einbruch, damals im März 2020, ist schon enorm gewesen. Und die Vorahnung, dass es immer so weiter gehen würde, hat sich auch bestätigt. Es ist keine Normalität eingetreten. Auch, was so um einen herum passiert, was man hört und sieht, das hinterlässt schon einen Eindruck. Manchmal denke ich: Was soll das Ganze? Aber dann hatte ich zum Beispiel neulich einen Auftritt, da dachte ich vorher: Momentan ist das eine blöde Welt. Ich kriegte negative Gedanken. Und dann bin ich aufgetreten und war wie ausgewechselt. Ich habe alle ad acta gelegt und konnte wirklich gut arbeiten, das hat Spaß gemacht.

„Wir können jederzeit irgendwo hinfahren, sind ständig in Bereitschaft“

Helge Schneider

Gibt es etwas Neues, das du seit Pandemiebeginn über das gesellschaftliche Verständnis von Kunst gelernt hast?

Es ist so, dass ich mir als Künstler nicht so vorkomme, als würde ich zu dem großen Getriebe gehören. Als Künstler muss ich ständig über meinen Schatten springen. Ich will ja nicht nur gute Stimmung verbreiten, sondern sie auch selbst haben, damit das alles funktioniert.

„Das Leben ist ja weitergegangen“

Kannst du die bisherige Pandemiezeit für dich als Künstler vielleicht sogar in einem Wort oder Satz zusammenfassen?

Ich fühle mich berentet – obwohl ich es nicht bin. Also in einem Wort: Pension.

Nun ist es so, dass du aktuell viele Konzerte nachholst. Du hast kürzlich erklärt, das wäre gar nicht so einfach …

… weil man das, was ich vor zwei Jahren gemacht hätte, jetzt gar nicht machen könnte. Das Leben ist ja weitergegangen.

Ist die Organisation, das Logistische, auch eine Schwierigkeit?

Wir sind sozusagen autark, haben immer alles dabei, wenn wir mit unseren zwei, drei Lkw kommen. Wir können jederzeit irgendwo hinfahren, sind ständig in Bereitschaft. Die Probleme, die große Bands haben, haben wir also nicht. Wenn Rammstein irgendwo spielen, müssen die erst mal sieben Tage lang aufbauen. Da kann keiner kommen und sagen: „Könnt ihr morgen da und da spielen?“ Bei uns geht das. Ich bereite mich auf Tourneen auch nur logistisch vor, also nur, was das Bühnenbild angeht. Alles andere ergibt sich und wird weiterentwickelt. Und wenn mir was zu langweilig vorkommt, mache ich was anderes.

„Ich arbeite sehr gerne, das ist mein Leben“

Über dein aktuelles Programm, „Ein Mann und seine Gitarre“, hast du geschrieben: Es sei „von einem Biochemiker und einem Ingenieur nebst Diagnosegeräten“ geprüft worden. Also ist absolute Hochleistungsunterhaltung garantiert? Was wurde noch inspiziert?

Der TÜV-Prüfer kam auch mit einem Dezibelgerät. Wenn man selber am Schlagzeug sitzt, darf man nicht mehr als 82 Dezibel entwickeln. Das haben wir auch hingekriegt, mit Besen und so. Und flacher Atmung. Es ist also alles geprüft. In Kürze spielen wir wo, da dürfen am Nachbarhaus nur 72 DB ankommen. Das ist Gesprächslautstärke. Ansonsten wird die Veranstaltung abgebrochen. Für mich ist es deshalb ein Ansporn, höchstens 27 DB zu entwickeln, damit man da gar nichts hört. Das finde ich schön. Dann gibt es mehr Pantomime. So ist unsere Welt: Bald gibt es nur noch Pantomime und TikTok. Und Rammstein. Und Ed Sheeran. Diese Prognose ist gar nicht so unwahrscheinlich.

„Bald gibt es nur noch Pantomime und TikTok. Und Rammstein. Und Ed Sheeran.“

Helge Schneider

Noch mal zurück zu den Konzertplakaten. Da steht auch drauf, neben einem Bild von dir: „Der Rentner in braun.“ Die gefühlte Pension während der Pandemie hast du vorhin schon beschrieben. Aber grundsätzlich scheint für dich ein Leben ohne Arbeit doch noch lange nicht vorstellbar, oder?

Nee, das ist für mich überhaupt nicht vorstellbar. Ich habe ja auch viele Kinder, die müssen ernährt werden und ihre Ausbildung machen. Und ich muss auch meine Miete bezahlen. Ich muss arbeiten, interessiere mich aber auch nicht für Ruhestand. Ich arbeite sehr gerne, das ist mein Leben.

Helge Schneider, am 25. & 26. August 2022 beim Stadtpark Open Air, jeweils um 19 Uhr

SZENE HAMBURG verlost für den 25. August 2 x 2 Gästelistenplätze. Einfach eine E-Mail mit Name und Betreff „Helge“ bis 20.8. an verlosung@szene-hamburg.com


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Danger Dan: „Ich bin nimmersatt“

Mit der Antilopen Gang eh schon erfolgreich, katapultierte sich der Rapper mit seinem Klavieralbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ noch mehr ins Rampenlicht. Das war nicht abzusehen, sagt Danger Dan im Interview kurz vor seinem Stadtpark-Konzert

Interview: Erik Brandt-Höge

SZENE HAMBURG: Danger Dan, planen oder mal abwarten?

Danger Dan: Eher planen. Bei mir ist es allerdings so, dass Planung immer eine Ablösung des Zufalls durch den Irrtum ist. Bis jetzt ist noch keiner meiner Pläne aufgegangen, aber das Gute ist, dass das, was stattdessen passiert ist, eigentlich noch besser war.

Ist es beim Schreiben von Musik auch so, zum Beispiel beim Schreiben am aktuellen Soloalbum? Du hast mal gesagt, am Anfang hättest du noch nicht gewusst, wo die textliche Reise hingehen würde.

Ja, das war schon immer so. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals gezielt gedacht habe: So, ich schreibe jetzt einen Text darüber und darüber. Ich arbeite nie ein bestimmtes Thema ab. Stattdessen setze ich mich hin, und irgendwas passiert. Einen Tag später gucke ich mir den Text dann an und prüfe, ob er gut ist.

„Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben“

Danger Dan

„In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf“

Und wenn du dich beim Schreiben für ein Thema entscheiden müsstest: Liebe oder Politik?

Schwierig. Beides Dinge, die mich schnell ergreifen. Ich bin inflationär schnell verliebt. Auch als ich das Soloalbum geschrieben habe, war ich extrem verliebt. Auf der anderen Seite beschäftigen mich politische Themen auch sehr. Gespräche mit Freunden drehen sich oft um Politisches. Müsste ich mich tatsächlich entscheiden, würde ich wahrscheinlich Liebeslieder nehmen, einfach, weil es darin um schönere Gefühle geht. In politischen Liedern rege ich mich meistens nur auf.

Fällt es dir grundsätzlich auch leichter, über Liebe zu schreiben?

Nein, das nicht. Das Schöne am Schreiben des Klavieralbums war, dass ich alleine geschrieben habe. Bei der Antilopen Gang schreiben ja immer drei Freunde gemeinsam. Alleine kann ich leichter über Liebe schreiben. Ich muss aber auch sagen, dass das Schreiben das eine ist – und das Vorspielen der Liebeslieder was ganz anderes. Als ich die Lieder anderen vorgespielt habe, habe ich mich richtig geschämt. Die Texte sind ja schon sehr intim.

„Ich jammere gerade eher“

Verschwand die Scham, als du gemerkt hast, wie sehr die Lieder den Leuten gefallen?

Ja. Mittlerweile habe ich beim Vorspielen keine Selbstzweifel mehr, sondern bin einfach nur stolz auf die Lieder.

Nächste Entscheidungsfrage: Hauptsache eine Message oder Hauptsache gute Unterhaltung?

Hauptsache gute Unterhaltung. Ich bin oft enttäuscht, wenn Musikerinnen oder Musiker versuchen, Messages zu transportieren, auf die sich eh alle einigen können: Klimawandel ist scheiße, Nazis sind scheiße, Gleichberechtigung ist gut. Das sind alles keine richtigen Messages mehr, das haben alle verstanden. Da bin ich lieber gut unterhalten. Es gibt natürlich auch den Fall, wenn beides zusammenkommen soll, die Message aber schlecht ist und ich am Ende total schlecht unterhalten bin. Gerade im Rapbereich ist es ja so, dass Texte gar nicht politisch gedacht sind, es aber eben doch sind, zum Beispiel, wenn da bestimmte Frauenbilder beschrieben werden. Das ist oft AfD-kompatibler, als den Autoren klar ist.

In Krisenzeiten: Jammern oder jetzt erst recht?

Die ehrliche Antwort ist, dass ich gerade eher jammere. Ich habe so eine Phase, in der ich geradezu handlungsunfähig bin.

Inwiefern?

Politisch. Politisch stört mich momentan so viel, aber ich jammere nur darüber.

„Von der Kunstfreiheit gedeckt“, für Danger Dan ein Überraschungserfolg

Zukunft vorhersehen: Nicht spannend genug

Was tröstet dich?

Die Konzerte, die ich endlich wieder spielen kann, und die vielen Leute, die da kommen.

Die Zukunft vorhersehen können: Ja oder nein?

Nein!

Weil du Angst davor hast?

Einerseits, und dann auch, weil meine Biografie deshalb so spannend ist, weil nie klar war, was aus diesem Typen noch werden würde. Es war immer alles offen. Ich wurde vom durchgedrehten Obdachlosen zum Sänger und Pianisten mit großem Renommee. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre das überhaupt nicht spannend gewesen.

Ein ganz anderes Bild

Du scheinst auch nicht besonders gut darin zu sein, die Zukunft vorherzusagen – zumindest, was das Klavieralbum betrifft. Die Auflage hattest du ja enorm klein geplant.

Wir dachten, dass wir innerhalb der nächsten Jahre 500 Exemplare verkaufen können. Die waren allerdings schon innerhalb einer Nacht weg. Das hätte niemand prognostizieren können. Es ist ja Musik, die sehr wenig zeitgeistig ist und in der ein Rapper sich in einen ganz anderen Bereich bewegt. Dass Leute, die die Antilopen Gang hören, auch ein Klavieralbum von mir hören würden, war absolut nicht klar.

Kommen wir zum Umgang mit Erfolg: Genießen oder hinterfragen?

Sowohl als auch. Es ist doch ein bisschen viel geworden, ich werde in der U-Bahn erkannt und so. Ich habe auch durch Auftritte und Interviews ein Bild von mir gezeichnet, dass ich selbst gar nicht von mir habe.

Der Hunger soll bleiben

Wie ist denn dein Bild von dir?

Ich bin ein ganz normaler, verpeilter Typ. Dass wissen auch alle meine Freundinnen und Freunde. Und dieses Bild widerspricht der öffentlichen Figur doch sehr stark. Zudem werde ich immer mehr zu bestimmten politischen Themen gefragt, bei denen ich gar keine Expertise habe. Dieses Album ist zwar im Vergleich zu anderen sehr reflektiert, aber das bedeutet nicht, dass man sich auf mich berufen sollte, was irgendwas betrifft. Ich glaube nicht, dass ich ein guter Ratgeber bin.

Zum Schluss: Schnell zufrieden oder nimmersatt?

Ich bin nimmersatt. Ich habe gar keine Lust, irgendwo anzukommen, und ich hoffe, ich kann mir meinen Hunger aufs Leben bewahren.

Danger Dan spielt am 9. Juli um 19 Uhr beim Stadtpark Open Air;
SZENE HAMBURG verlost 2 x 2 Gästelistenplätze. E-Mail mit Name und Betreff „Danger Dan“ bis 5. Juli an verlosung@szene-hamburg.com


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Tretbootverleihe rund um die Alster

Wenn die Sonne scheint, sieht man überall auf der Alster und den Kanälen die Leute kräftig ins Pedal treten. Hier kommen fünf Bootsverleihe, an denen man sich ein Tretboot leihen kann

Text: SZENE Redaktion

Barca an der Alster

Direkt an einem großen Bootssteg an der Alster findet sich das Barca. Neben Eventlocation, Kreativraum, Cafe und Bar gibt es hier auch einen größeren Bootsverleih. Tretboote können zwar ausschließlich ohne Reservierung ausgeliehen werden. Praktisch ist aber, dass ein Link eingerichtet wurde, unter dem sich die aktuelle Wartenummer checken lässt.

In jedem Boot befindet sich ein Getränkehalter und es haben bis zu vier Personen Platz. Leihen kann man sich ein Boot ab 22 Euro die Stunde. Nach dem Schippern auf der Alster lohnt sich an lauen Sommerabenden auf jeden Fall ein Sundowner auf dem Steg mit perfektem Blick auf den Sonnenuntergang.

An der Alster 67a, 20099 Hamburg

Foto: Barca an der Alster

Bootsvermietung Dornheim

Am Osterbekkanal beim Cafe und Restaurant „Zur Gondel“ liegt auch der Bootsverleih Dornheim. Hier warten gleich drei verschiedene Typen von Tretbooten: Schwan, Sonne oder Flamingo. Besonders beliebt ist das Zweier-Tretboot im Stil des Alsterschwans.

Funfact: 2006 hat sich ein Schwan sogar mal ein ein solches Tretboot verliebt. Auch das Tretboot „Sonne“ ist auf zwei Personen ausgerichtet, allerdings die klassischere Variante. Für Vierer-Gruppen eignet sich das Boot „Flamingo“ am besten. Die Preise variieren dabei. Die günstigste Variante gibt es ab 13,50 Euro die Stunde.

Kaemmererufer 25, 22303 Hamburg-Winterhude

Foto: Dornheim Bootsvermietung und Restaurant Zur Gondel

Anleger Hamburg

Seit knapp hundert Jahren gibt es den Anleger an der Alster am Lattenkamp. Mit Wechsel der Besitzer wurde 2015 auch der „Strand an der Alster“ gegründet. Seitdem wird im Sommer im Beachclub gegrillt, getrunken und die Sonne genossen. Besonders große Gruppen mit bis zu fünf Personen können hier gemeinsam ein Tretboot ab 29 Euro die Stunde mieten. Die Alster fährt man hier übrigens flussaufwärts.

Deelbögenkamp 2 – 3, 22297 Hamburg

Foto: Anleger Hamburg

Supper Club

Eine gemütliche Tretboot-Tour kann perfekt vom Isebekkanal in Eppendorf aus gestartet werden. Der Supper Club ist nicht nur eine tolle Location am Wasser mit Terrasse und Bar, sondern auch ein super Ort um verschiedensten Boote und SUPs zu leihen. Die Fahrt für vier Personen mit dem Tretboot ist ab 22 Euro die Stunde erhältlich.

Wer mit dem Tretboot einen romantischen Ausflug erleben möchte, kann auch ein Special buchen: Mit einer Flasche Champagner, Verpflegung, Musikbox und Lämpchen wird dann in den Abendstunden durch die Kanäle geschippert.

Isekai 13, 20249 Hamburg

Foto: Supper Club Bootsverleih

Bootsvermietung am Stadtparksee

Auch direkt vom Stadtpark aus lassen sich schöne Touren mit dem Tretboot starten, die Alster ist durch die verschiedenen Kanäle schnell erreichbar. Weitere Highlights sind die vielen Stadtvillen direkt am Wasser oder der prächtige Rondeelteich.

Die Bootsvermietung am Stadtparksee befindet sich als idealer Ausgangspunkt auf der romantischen Liebesinsel. Verschiedene Tretboote können hier verhältnisweise günstig ab 14 Euro pro Stunde gemietet werden.

Südring 5a, 22303 Hamburg

Foto: hamburgfotogen

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Marathon in Hamburg erleben – und mehr

Es wird wieder gelaufen in der Stadt. Am 24. April 2022 startet der 36. Hamburg-Marathon. Rund um die Strecke können dabei nicht nur die Läufer:innen angefeuert werden, es gibt auch viel zu erleben. Hier kommen zehn Tipps für den Marathonsonntag

Während beim diesjährigen Hamburg-Marathon fast 30.000 Läufer:innen an den Start gehen, werden sie von deutlich mehr Menschen an der Strecke unterstützt. Was es drumherum zu erleben gibt, zeigen wir hier: 

Start & Ziel an den Messehallen

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Auf der Marathon-Messe können sich Sportler:innen nochmal mit allem Notwenigen versorgen (Foto: unsplash/Hobi industri)

Die Ersten und die Letzten kommen und gehen sehen, das geht natürlich am besten an Start und Ziel direkt unterm Fernsehturm. Während sich die Läufer:innen um 9:30 Uhr auf den Weg machen, kann man von hier aus wunderbar auf einen Kaffee ins Karolinenviertel schlendern und ist pünktlich um 11:30 Uhr zurück, wenn die ersten im Ziel erwartet werden.
Kleiner Tipp: Auf der Marathon-Messe gibt es kurz vor dem Marathon rund um den Lauf alles, was Läufer:innen brauchen – insbesondere günstige Laufschuhe.

Marathon-Messe
22. April 2022 12 bis 19 Uhr & 23. April 9 bis 19 Uhr

Nach der Party-Nacht Marathon gucken

Kilometer 2 & 11

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Nach der langen Kiez-Nacht auf den Fischmarkt und dabei auch noch Marathon gucken, das geht nur in Hamburg (Foto: Johanna Zobel)

Samstagabend auf dem Kiez, Sonntagmorgen für Kaffee und Fischbrötchen auf den Fischmarkt – ein Klassiker. Doch an diesem Sonntag geht noch mehr: Beseelt von einer guten Nacht kann man auf dem Heimweg noch die ersten Sportler:innen anfeuern. Zwischen 8:30 Uhr (Rollstuhlfahrer:innen) und 10:15 Uhr (die letzten Läufer:innen) führt der Marathon über die komplette Reeperbahn. Und wer besonders viel Ausdauer hat, kann bis 11:30 Uhr auch noch an den Landungsbrücken Athlet:innen abfangen.

An den Landungsbrücken raus

Kilometer 11

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Die Landungsbrücken: Ein beliebter Spot zum Marathon gucken (Foto: unsplash/Christian Lue)

„An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus“, ist zwar eine der bekanntesten Liedzeilen der Hamburger Band Kettcar, doch hoffentlich nicht das Motto der Läufer:innen. Aber egal was man hier tut, die Landungsbrücken sind und bleiben einer der beliebtesten Orte in Hamburg – nicht nur für Tourist:innen. Beim Marathon ist hier fast immer gute Stimmung. Schließlich sind die Landungsbrücken einer von 23 Spots, an denen Bands die Marathonis nach vorne treiben. Traditionell ist dabei am Alten Elbtunnel Samba angesagt. 

Neue Eindrücke im Museum für Kunst und Gewerbe

Kilometer 14

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DRIFT: Shylight, 2006 im Museum für Kunst und Gewerbe (Foto: Henning Rogge)

Sport ist ein Kulturgut, genauso wie das gute alte Museum. Wer nach dem Läufer:innengucken noch im mehr Eindrücke sammeln will, für den lohnt sich ein Ausflug ins Museum für Kunst und Gewerbe. Aktuell werden hier mit „Die Sprache der Mode“ und „Dressed“ gleich zwei Ausstellungen zum Thema Mode und Textil gezeigt. Hinzu kommt mit „Drift“ eine Installation anlässlich des fünften Geburtstags der Elbphilharmonie. Und natürlich setzt auch das MK&G ein Zeichen gegen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Im ganzen Haus sind daher Plakate und Fotografien zu sehen, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Wunsch nach Frieden und dem Land Ukraine auseinandersetzen.

Museum für Kunst und Gewerbe
Sonntags von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 12 Euro (ermäßigt 8 Euro), alle unter 18 Jahren haben freien Eintritt

Brunch im Café Paris

Kilometer 15,5

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Perfekt zum brunchen: Das Café Paris (Foto: Café Paris)

Es ist 10:15 Uhr, die Spitze der Läufer:innen ist gerade durch und jetzt wartet man noch auf die oder den Liebste:n, aber dann muss auch mal was gefrühstückt werden. Wieso nicht genau hier der Strecke den Rücken zuwenden und im Café Paris direkt hinterm Rathaus richtig lecker brunchen? Das gemütliche Café gehört dabei zu den besten Spots der Stadt für einen gemütlichen Brunch

Café Paris
Geöffnet ab 9:30 Uhr

Alsterspaziergang

Kilometer 16 – 20 & 38,5 – 39,5

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Nichts geht über einen gemütlichen Sonntagsspaziergang an der Alster (Foto: Isabel Rauhut)

Und er sah, dass das Wetter gut war – hoffentlich. Der April in Hamburg hält zwar immer die ein oder andere Überraschung bereit, doch aktuell verspricht der Sonntag zumindest nicht, verregnet zu werden. Daher lohnt parallel zum Marathon auch immer ein Spaziergang an der Alster. Während sich die Läufer:innen 10 bis 12:30 Uhr (Ostseite) und von 11:30 bis 15:00 Uhr (Westseite) an Hamburgs blauer Mitte entlang quälen, können sich diejenigen, für die das Café Paris nicht gepasst hat, gemütlich schlendern oder sich im Literaturhaus Café verwöhnen lassen. 

Literaturhaus Café
Geöffnet ab 9:30 Uhr (Reservierung empfohlen)

Neue Perspektive auf die Stadt

ab Kilometer 22

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Auf dem Wasser durchs Grüne – eine ganz neue Perspektive auf die Stadt (Foto: Felix Willeke)

Sonntag in Hamburg ist auch immer Familienzeit. Für viele geht es deswegen zum Fußball spielen, Minigolfen oder einfach zum Spazieren in den Stadtpark. Für die etwas andere Perspektive lohnt ein Abstecher auf die Liebesinsel. Am hiesigen Bootsverleih lassen sich neben Tretbooten auch Ruderboote und Kanus leihen, um Hamburg vom Wasser aus zu erkunden. 

Bootsvermietung auf der Liebesinsel
Geöffnet bei gutem Wetter ab ca. 9:30 Uhr

Familiäre Atmosphäre

Kilometer 30,5

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Frisches vom Grill und gute familiäre Stimmung gibt‘s in Ohlsdorf fast in jedem Jahr (Foto: pixabay)

Marathon in Hamburg und Ohlsdorf, das ist eine wahre Liebesbeziehung. Während die Strecke in den vergangenen Jahren immer wieder angepasst wurde, blieb der nördlichste Punkt immer gleich: Die Querung der Alster „am Hasenberge“. Direkt am S- und U-Bahnhof Ohlsdorf trifft sich der Hamburger Norden zum Marathon gucken. Hier gibt es frisch Gegrilltes von der Freiwilligen Feuerwehr und dem THW, dazu extrem viel gute Laune und familiäre Stimmung. 

Eppendorf und der „Mann mit dem Hammer“

Kilometer 36 – 38

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Wenn am Eppendorfer Baum die Beine brennen, helfen gute Stimmung und grüße von oben (Foto: Alice von der Laden)

Wenn der sprichwörtliche „Mann mit dem Hammer“ kommt, dann braucht es erst recht Unterstützung. Spätestens ab Kilometer 37 setzen bei vielen Marathonis Krämpfe und Erschöpfung ein. Gut, dass der Hamburg-Marathon hier sein stimmungsmäßiges Epizentrum bereit hält: den Eppendorfer Baum. Geht es bei Kilometer 36 an der Eppendorfer Landstraße um 11:15 Uhr schon mit den ersten Bands los, erreicht die Stimmung an der U-Bahn Eppendorfer Baum ihren Höhepunkt. Bis kurz vor drei werden hier auch die letzten Läufer:innen nach vorne gepeitscht.

Eine Ruheoase kurz vor dem Ziel

Kilometer 41

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Direkt neben Start und Ziel liegt mit Planten un Blomen eine Oase der Ruhe (Foto: Berndt Andresen)

Man hat schon über 40 Kilometer in den Beinen, läuft bei der Spielbank Hamburg um die Ecke und vor einem taucht der Gorch-Fock-Wall auf, die letzte „Steigung“ beim Hamburg Marathon. Auch wenn das Wort Steigung hier wohl kaum ernsthaft verwendet werden sollte, tut den Läufer:innen jeder Schritt weh und jeder Höhenmeter nervt. Deswegen brauchen sie gerade hier besonders viel Unterstützung. Und wer keine Lust aufs Anfeuern hat, für den wartet mit Planten un Blomen eine echte Ruheoase direkt um die Ecke.

Wer sich selbst nochmal orientieren möchte: Den Strecken- und Zeitplan sowie alle Infos rund um den Marathon gibt es auf haspa-marathon-hamburg.de


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Schnell auf dem Wasser: Die Weltmeisterbesieger

Zu Gast beim ältesten Drachenbootclub Deutschlands, dem 1. Hamburger Drachenboot Club e.V.

Text: Mirko Schneider

 

Es ist ein unauffälliger Weg, der zum Bootshaus des USC Paloma am Barmbeker Stichkanal an der Saarlandstraße 38 führt. Hier ist eine echte Traditionsmannschaft dieser Stadt daheim, die Paddler des 1. Hamburger Drachenboot Club e. V. „Unser Verein war tatsächlich der erste Drachenboot-Club in Deutschland“, sagt Vorstandsmitglied Ulf Verboom, 49, bei der Begrüßung.

Gegründet wurde der Club (circa 80 Mitglieder) 1988, als Hamburger Kaufleute fasziniert von einer Drachenboot-Regatta in Taipeh zurückkamen, zu der sie eingeladen waren. Seitdem gab es Siege bei vielen Regatten. Die beeindruckende Pokalsammlung im Umkleidehaus erzählt davon.

„Wir haben ein Damenteam, ein Herrenteam und ein Mixed-Team. Trainiert wird aber fast nur noch im Mixed-Team“, erklärt Verboom. Heute mit 14 Paddlern plus Steuermann. Aber, aufgrund der Lärmschutzbestimmungen auf der Alster, ohne Trommler. Für eine Regatta benötigt man inklusive Ersatzleuten 26 Paddler, davon 20 im Boot.

 

Viel Erfahrung

 

Vor dem Start legen alle ihre wasserfeste Weste an. „Es kann schon mal passieren, dass Wasser ins Boot spritzt“, sagt Verboom. Er ist seit 1991 dabei, wurde mehr als ein Dutzend Mal Deutscher Meister, außerdem Europa- und Weltmeister. Vor über zehn Jahren hat er mit dem Team des 1. Hamburger Drachenboot Club sogar das deutsche Weltmeisterteam auf der Hamburger Binnenalster geschlagen. „In Anlehnung an den FC St. Pauli haben wir uns dann Weltmeisterbesieger-T-Shirts drucken lassen“, sagt St. Pauli-Fan Verboom.

Eine der Paddlerinnen ist Christin Müller, 38. Auch sie hat internationale Erfahrung, nahm sogar schon an einer Regatta auf der Londoner Themse teil. Zum Drachenbootfahren fand sie durch eine Zeitungsannonce in Holland. Danach ließ sie die Sportart nicht mehr los. „Ich habe hier sofort tolle Leute kennengelernt – und die Stadt Hamburg von der Wasserseite“, sagt sie. So wie ihr geht es vielen Teammitgliedern des Clubs, der sich 2017 auf der Suche nach einem neuen Zuhause befand und eine Kooperation mit dem USC Paloma einging. Der USC unterstützte den Club finanziell, dieser renovierte in Eigenarbeit das Bootshausgelände und alle Paddler wurden Mitglieder bei Paloma. Ein guter Deal für beide.

Dann geht’s los. Das 12,50 Meter lange und 250 Kilo schwere Kunststoffboot zum Start ins Wasser zu lassen, ist schwierig. Holzäste, Blätter und Dreck haben die Wassertiefe des Kanals an der Anlegestelle auf 40 Zentimeter sinken lassen. Eigentlich liegt die Säuberung in der Verantwortung der Stadt.

 

Kraft und viel Tempo

 

„Fertigmachen für zehn Dicke!“, ruft Steuermann Andre Busch schließlich. „Und ab.“ Dann flitzen wir los. Erst zehn kräftige Schläge, dann Schlagzahl 60, dann 50. Wie beim Kanufahren tauchen die Paddler das Paddel vorne ins Wasser ein, drücken es nach hinten seitlich weg. Die zweiköpfige Schlagbank vorne gibt die Schlagzahl vor. Alle Paddler drehen bei jedem Schlag ihren Körper ein, schauen sich dabei aus angestrengt-glücklich wirkenden Gesichtern an. Das Gewicht ist zwecks optimaler Wasserlage gleichmäßig im Boot verteilt „Der Zug und die Kraft beim Paddeln kommen vor allem aus dem Rumpf “, erklärt Verboom in einer Pause. Die Stimmung ist sportlich-freundlich. Es wird geackert und gescherzt.

Bewundernswert, wie viel Kondition hier alle haben – und wie schnell wir mitten auf der Außenalster sind. Als Spitzengeschwindigkeit erreichen wir in unseren Drei-Minuten-Terms 14 Stundenkilometer. Schwäne weichen uns aus, Kinder schauen vom Ufer aus mit großen Augen zu, der Blick über die weite Außenalster ist ein Traum. „Wenn wir sonntagmorgens trainieren, sehen wir oft Eisvögel. Ein echtes Schauspiel“, sagt Verboom.

Nach 70 Minuten sind wir wieder an der Anlegestelle. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied“, sagt Verboom noch zum Abschied. „Man muss am Anfang nicht viel können. Wer mag, soll einfach vorbeikommen.“

uscpaloma.de/drachenboot


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2021. Das Magazin ist seit dem 28. August 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Schwesternsache: JOCO beim Stadtpark Open Air

Das Hamburger Gesangs-Duo JOCO bespielte am 8. August im Rahmen des Kultursommers die Open-Air-Bühne im Stadtpark und ließen ihre poppigen Melodien quer durch Winterhude klingen

Text: Isabel Rauhut
Fotos: Andreas Hornoff

 

Zwei Schwestern, eine Band: Josepha und Cosima Carl sind zusammen die Band JOCO. 2016 traten sie beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest an und 2017 veröffentlichten die Schwestern bereits ihr zweites Album Into the Deep, welches im legendären Abbey Road Studio in London produziert wurde.

Ihre Musik, bestehend aus nur zwei Stimmen, einer Hand voll Percussions und einem Klavier, passt wunderbar in die verregnete Atmosphäre im Stadtpark: denn vor allem live entfaltet sich der Sound von Joco. Die beiden vermischen Melodien, ihre Texte, die meist einfach aus dem Leben gegriffen sind und geben dem mit ihren Stimmen und ihrer Präsenz eine wohlklingende Form, die so wohl nur Schwestern zustande bringen können.

 

Hier gibt’s ein paar Impressionen vom Konzert:

 

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Alice Merton: Hin zur Härte

Die 27-Jährige arbeitet momentan an einem neuen Album, das dunkler und aggressiver klingen soll, als der bekannte Alice-Merton-Sound. Kurz vor ihrem Stadtpark-Konzert erzählt sie, wie es zum Klangwechsel kam

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Alice Merton, kürzlich hast du auf Instagram ein Foto gepostet, auf dem du mit Impfpflaster zu sehen bist. Darunter hieß es: „We have to put an end to this, so just do it.“ Was waren denn in den vergangenen Monaten die größten Herausforderungen für dich?

Alice Merton: Die größte Schwierigkeit war für mich, dass mein Job einfach nicht funktioniert. Was ich nicht verstehen konnte: Dass zum Beispiel viele Menschen in Flugzeugen fliegen und Fußballspiele stattfinden dürfen – aber etwa Theatervorstellungen vor Publikum mit jeweils einem freien Stuhl zwischen den Gästen nicht. Das fand ich ein bisschen fragwürdig. Feststeht, dass die Gesundheit der Menschen immer an erster Stelle stehen sollte, und ich akzeptiere die Entscheidungen, die auf politischer Ebene getroffen werden. Aber wir dürfen die Kultur nicht vergessen. Ich hatte in den vergangenen Monaten leider das Gefühl, dass die Kultur in den Hintergrund gerückt ist.

Du hast während der Pandemie an einem neuen Album gearbeitet. Hat dich die Musik, vor allem das Schreiben von neuen Songs, in schwierigen Phasen aufgefangen?

Auf jeden Fall! Es war ja das Einzige, was ich machen konnte: Ins Studio gehen und Musik zu machen. Es war schon eine Art Rettung, dass ich zumindest das noch durfte. Wenn ich auch nicht wusste, wann es wieder losgehen und ich mit den neuen Songs auftreten würde.

Im Frühjahr 2021 hast du mal gesagt, dass die Songs, die du 2020 geschrieben hast, dunkler geworden wären als alles, was man bisher von dir kannte. Lag das ausschließlich an der Pandemie?

Es lag unter anderem an der Pandemie. Aber „Vertigo“ (aktuelle, bereits erschienene Single; Anm. d. Red.) ist auch ein dunkler Song, und den habe ich schon vor der Pandemie geschrieben. Man macht ja im Leben verschiedene Phasen durch, und die letzten zwei Jahre waren für mich eine eher schwierige Phase. Die wollte ich in meiner Musik widerspiegeln.

Alice Merton; Foto: Paper Plane Records International/Sarah Storch

Alice Merton; Foto: Paper Plane Records International/Sarah Storch

Ursprung der textlichen „Vertigo“-Geschichte war ein Abend in Berlin, ein Geburtstag von einem Freund von dir, der für dich mit einer Panik vor einem Club und eben mit Schwindel endete …

… genau. Drei Wochen später bin ich nach Kanada geflogen und habe zum ersten Mal mit dem Produzenten KOZ gearbeitet. Ich habe ihm die Geschichte erzählt und gesagt: Der Song dazu darf ruhig ein bisschen härter sein. Er handelt vom Weg raus aus der Unsicherheit und zurück zum Selbstvertrauen „Why can’t I just let it go?“, fragst du darin.

Hast du eine Antwort darauf gefunden?

Ja. Durch die Pandemie und die Zeit konnte ich mich selbst ein bisschen besser kennenlernen und lernen, mich einzuschätzen.

Was kam dabei heraus?

Dass ich ein Mensch bin, der sehr kontrolliert ist. Ich mag zum Beispiel kleine Räume mit vielen Menschen nicht. Ich mag auch düstere Orte nicht. Und Fliegen auch nicht, auch wenn ich das für meinen Beruf machen muss. Aber für den Fall, dass ich in solchen Situationen bin, habe ich Mechanismen entwickelt, um locker zu lassen.

Deine Live-Shows wirken immer sehr energetisch, sehr selbstbewusst. Vielleicht ist es auch das Adrenalin, das dir auf der Bühne Sicherheit gibt?

Seitdem ich fünf bin, habe ich mit Lampenfieber zu kämpfen. Und ich habe auch jetzt noch vor jedem Auftritt damit zu tun. Aber je öfter ich die angesprochenen Mechanismen anwende, umso besser wird es. Angst kann ich inzwischen verstecken und in Energie umwandeln. Wenn ich fertig bin mit einer Show, bin ich allerdings echt kaputt.

Viele Musiker erzählen von mehr Sicherheit auf der Bühne, je größer und unübersichtlicher das Publikum wird, weil die Situation dann abstrakt wirkt und man nicht jede Reaktion der Leute direkt mitbekommt, wie in einem kleinen Club. Wie ist das bei dir?

In einem kleineren Raum fühle ich aufgrund der Enge manchmal unwohl. Aber vor einem großen Publikum denke ich: Da schauen Tausende von Menschen zu – die haben auch Tausende von Meinungen über mich. Und ich muss alle dazu bringen, den Abend zu genießen. Es sind einfach zwei verschiedene Kategorien. Aber trotzdem mag ich auch beides.

Würdest du denn eine Open-Air-Show im Stadtpark, mitten im Grünen, einer kleinen verschwitzten Club-Show vorziehen?

Wahrscheinlich schon (lacht).

Und wird es vom kommenden Album im Stadtpark auch schon etwas zu hören geben?

Auf jeden Fall! Natürlich nicht zu viel, aber einen Teil davon.

4.8., Stadtpark Open Air, 20 Uhr;

Vertigo von Alice Merton:


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburgs Klassiker: Das Stadtpark Open Air ist zurück

Im Stadtpark liegt wieder Musik in der Luft. Ab dem 21. Juli 2021 gibt es wieder Open Air Konzerte im Hamburger Stadtpark

Text: Andreas Daebeler

 

Ohne Open Air im Stadtpark geht nicht. Nicht mal im für die Live-Musik so frustrierenden Corona-Jahr 2020. Trotz Pandemie schafften es die Orga­nisatoren um Veranstalter Karsten Jahnke, eine Handvoll ­kleiner Gigs an den Start zu bringen. Johannes Oerding ­hatte gleich eine ganze Reihe von Auftritten absolviert. In diesem Jahr ist auf der legen­dären Freilicht­bühne an der Saarlandstraße wieder musikalische Vielfalt angesagt. Dank eines mit den Behörden abgestimmten Sicherheitskonzepts.

Mit reduzierter Kapazität und festen Sitzplätzen sollen dabei die aktuell gültigen Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem gibt’s klare Wegeregelungen und keine Tageskasse. Die online bestellten Tickets sind ­personalisiert, um bei Infektionen eine Nachverfolgung zu gewährleisten. Rein kommt nur, wer eine Maske trägt. Auf den Plätzen darf die dann abgenommen werden.

 

Volles Programm

 

Das Programm startet am 21. Juli mit einem Auftritt der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim. Es gibt in ­diesem Jahr auch Poetry Slams, Comedy und Lesungen. Mit Element Of Crime, Fury in The Slaughterhouse, Philipp Poisel und natürlich Lotto King Karl sind gern gesehene Stamm­gäste mit von der Partie, bevor Olli Schulz und Deine Freunde Anfang September die Schluss­akkorde setzen. Trotz ­Corona wird die Food Lane rund um die Freilichtbühne im Stadtpark geöffnet sein. Auf den Tellern landet modernes, mit Liebe ­gemachtes Streetfood – frisch zubereitet und serviert aus umgebauten Seecontainern.

stadtparkopenair.de


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Partyzone Stadtpark: Zeit für Solidarität

Während ein Teil der Hamburger Jugend in den Grünanlagen feiert, überlegen Stadt und Politik, was dagegen zu tun ist – ein bisschen mehr gegenseitige Rücksicht könnte helfen

Kommentar: Felix Willeke

 

Die Inzidenz sinkt, die Politik lockert die Corona-Maßnahmen und auch das Wetter sorgt für gute Stimmung. In Hamburg wird diese Stimmung leider vielerorts getrübt: Nachdem die Polizei Ende Mai das Schanzenviertel nach einem „Rave“ geräumt hatte, versammeln sich die Partygänger mittlerweile in den Grünanlagen der Stadt. Sei es am Elbstrand mit den angrenzenden Parks, am Winterhuder Kai oder im Stadtpark – an fast jedem Abend treffen sich hier tausende junge Menschen zum Feiern. Die Folge sind Lärm, Beschwerden von Anwohnern, große Polizeieinsätze – und viel Müll. 

 

Die Sehnsucht von vielen

Junge Menschen sehnen sich nach dem Feiern und Zusammensein – wie wir alle. Seit März 2020 ist besonders das Leben der Jugend stark eingeschränkt. Das beginnt beim Homeschooling und endet bei Ausgangsbeschränkungen. Wir erinnern uns alle an die wilden Jahre und die Zeit nach der Schule: Party, Freiheit und Lebenslust – uns stand die Welt offen. Jetzt stelle man sich genau diese Zeit nach dem März 2020 vor: Angst vor dem Virus, Isolation von deinen Freunden und ein Lockdown folgt auf den nächsten. Dass sich dabei Frust anstaut und die Angst aufkommt, etwas zu verpassen, kann ich verstehen. Aber muss ich das auf diese Weise ausleben, und deswegen den Stadtpark in eine Müllkippe verwandeln?

Diese Massenpartys sind keine gute Idee. Denn es ist immer noch Pandemie. Das Infektionsgeschehen geht zwar langsam zurück, aber es sind noch lange nicht alle geimpft – erst recht nicht die jungen Menschen zwischen 12 und 24. Ich weiß, es fällt schwer, aber auch dank der Delta-Variante sind wir noch nicht über den Berg.

 

Exzess muss nicht bekämpft werden

Am Winterhuder Kai wird in Hauseingänge gepinkelt, die Jogger im Stadtpark laufen morgens „Glasscherbenslalom“ und am Elbstrand stapeln sich die Einweggrills. Das ist ziemlich widerlich. Vergangenen Samstag wurden im Stadtpark circa 7.000 Feiernde gezählt. 7.000 von fast 250.000 Hamburgern zwischen 12 und 24. Das sind nicht mal drei Prozent der jungen Menschen in der Stadt. Aufgrund von nur drei Prozent alle jungen Menschen als unvernünftig oder partywütig zu bezeichnen, wäre falsch. Die meisten halten sich an die Maßnahmen und üben sich in Geduld.

Dass dann vor dem Hintergrund der medialen Aufregung Politiker im Wahlkampf leicht auf dieses Thema aufspringen und mehr Sicherheit oder Kontrolle fordern, spitzt die Situation nur weiter zu. Auch mehr Polizeipräsenz, eine eigene Kontrolleinheit oder Schilder mit Verhaltensregeln werden kaum helfen. Das sorgt nur für mehr Konfliktpotential. Es kommt vielleicht mehr denn je in dieser Pandemie auf Solidarität an: Solidarität mit den vulnerablen Gruppen, mit Anwohnern, aber genauso mit den Menschen, die gehofft haben, ihre Jugend ausleben zu können. Lasst uns deshalb abends im Park mit Freunden sitzen, ohne jemanden zu stören. Lasst uns draußen grillen und den Müll danach mitnehmen. Und lasst uns die gewonnenen Freiheiten genießen, aber dabei auch an morgen denken und nicht nur an heute.


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