10.08. | Literatur | Find me | André Aciman

André Acimans „Call Me By Your Name“ (2007) ist einer der schönsten Liebesromane der letzten 20 Jahre. Die Intensität dieser Geschichte einer Sommerliebe hallt nicht nur bei ihren Protagonisten, Elio und Oliver, sondern auch bei ihren Lesern lange nach. Nach dem überraschenden Welterfolg der nicht minder schönen Verfilmung von Luca Guadagnino beschloss Aciman, eine Fortsetzung zu schreiben. Die Messlatte liegt hoch, vielleicht zu hoch. In den USA, wo „Find Me“ bereits letztes Jahr erschien, waren viele Fans tief enttäuscht vom Sequel. Was unter anderem damit zu tun hat, dass Elio und Oliver nur kurz auf den letzten der knapp 300 Seiten zusammen auftreten.

find-me-coverDer Roman ist in vier Episoden gegliedert. Die erste und längste ist aus der Sicht von Samuel, Elios Vater, erzählt. Zehn Jahre nach der Handlung von „Call Me By Your Name“ sitzt er, mittlerweile geschieden, im Zug nach Rom. Dort lernt er die halb so alte Miranda kennen. Was folgt, ist Kitsch, der sich als Eruption tiefen Begehrens ausgibt. Sam und Miranda verlieben sich, wollen sich Tattoos stechen lassen, ein Kind kriegen und aufs Land ziehen, und sie schmachten sich an: „Ich kenne dich, Sami, darum“.

Es mag unfair sein, „Find Me“ an seinem Vorgänger zu messen. Doch im Vergleich werden die Schwächen deutlich. „Call Me By Your Name“ spielt an einem Ort von großer Universalität. In einem Umfeld, in dem sich zwei Männer ungehindert von gesellschaftlichen Repressionen lieben und begehren können. Auch die Melancholie, die Wehmut angesichts der sich über alles Glück legenden Zeit, sind Teil jener Trauer, die jeder Mensch kennt. Selbst der Umstand, dass sich die Handlung in einem hochkultivierten Milieu abspielt, tut der Universalität keinen Abbruch. Denn die Protagonisten pflegen eine existenzielle Zuneigung zu Kunst und Kultur.

Im Sequel driftet Aciman ins Lifestyle-hafte ab. Die Dialoge wirken wie das melodramatische Geplänkel einer High Society, man macht Yoga, auf Partys setzt sich schon mal jemand ans Klavier und spielt Bach, wobei Oliver, inzwischen unzufrieden verheiratet, sich schmerzlich an Elio erinnert. Aber selbst Bach bleibt hier nur ein Accessoire. Sicher, Aciman zeigt, dass die Untiefen des Begehrens jedes Statussymbol verschlingen und nichtig machen. Das wäre auch glaubwürdig, wären nicht selbst die Szenen, in denen er eigentlich das Begehren in seinem verstörenden Charakter zeigen will, so kalkuliert und glattgebügelt.

Aciman hat seine Figuren lieb gewonnen und möchte ihnen ein Happy End schenken. Man gönnt es ihnen ja auch. Nur: „Call Me By Your Name“ hat gezeigt, dass die Intensität am stärksten ist, wenn das Begehren so groß ist, dass seine Nichterfüllung einen fast zerreißt. „Find Me“ hingegen ist wenig aufwühlend, im Gegenteil, der Roman ist behaglich.

/ Ulrich Thiele

André Aciman: „Find Me – Finde mich“, dtv, 296 Seiten, 22 Euro


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10.08. | Musik | Lina Maly | Schrødingers

Die Sternbrücken-Klubs Astra Stube, Fundbureau und Waagenbau haben zusammen mitten in Hamburg am Rande des Schanzenparks eine unentdeckte OpenAir-Bühne ins Leben gerufen. Das Schrødingers ist heiß auf einen Live-Konzert-Sommer, vorerst im Corona-Format. Heute zu Gast: Lina Maly!

Schrødingers
10.8.2020, 19:30 Uhr


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14.08. | Film | filmRaum OpenAir Kino | Stadtpark Eimsbüttel

Mit einer Decke gewappnet kann man freitags jeweils zwei Filme beim filmRaum Open Air Kino im Stadtpark Eimsbüttel schauen. Ab 19 Uhr werden Kinder- und Familienfilme vorgeführt, anschließend Spielfilme. Diesen Freitag macht die Buchverfilmung „Romys Salon“ den Anfang. Im Anschluss wird das Drama „Die Wurzeln des Glücks“ gezeigt. Der Eintritt ist kostenlos.

 

Romys Salon – 14.08.2020, 19 Uhr

Demenz betrifft nicht nur die erkrankte Person, sondern auch dessen nahes Umfeld. Der Film „Romys Salon“ zeigt den Verlauf der Erkrankung in einer berührenden Geschichte zwischen der jungen Romy und ihrer Großmutter. Romy ist nach der Schule häufig im Frisörsalon ihrer Großmutter und bemerkt nach einiger Zeit, dass ihre Oma vergesslich wird. Sie versucht ihr zu helfen und die Krankheit zu verbergen. Nach der Diagnose Alzheimer rücken die beiden näher zusammen und aus der distanzierten Beziehung entsteht eine enge Verbundenheit.

Mischa Kamp nimmt die ganze Familie mit auf eine aufregende Reise durch Glück und Leid. Bei dem Kristiansand Internationals Children’s Film Festival und dem Tel Aviv International Children’s Film Festival wurde der Spielfilm als bester Film ausgezeichnet.

 

Die Wurzeln des Glücks – 14.08.2020, 21 Uhr

Harry Rosenmerck beschließt sein altes Leben hinter sich zu lassen und von New York nach Israel zu ziehen, um dort eine Schweinefarm zu betreiben – zum Unmut der neuen Gemeinde. Aus den anfänglichen Streitigkeiten mit dem Stadtbewohner Rabbi Moshe wird eine enge Freundschaft, die sich positiv auf die Beziehung zu seinen Kindern und seiner Ex-Frau auswirkt.

Der Film basiert auf dem Briefroman „Schweine züchten in Nazareth“ aus dem Jahr 2010. Amanda Sthers ist als Autorin bekannt und probiert sich vermehrt an der großen Leinwand. Diesmal nutzt sie ihr eigenes Buch als Filmvorlage. / JZ

filmRaum OpenAir Kino
14.8.2020 


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09.08. | Kunst | Elliott Landy’s Woodstock Vision | Überseeboulevard

Woodstock-Fotograf Elliott Landy zeigt umfangreiche Werkschau erstmals in Europa: Der Rückblick auf das Jahr 1969 glorifiziert nach fünfzig Jahren nicht nur aus Sicht von Pop-Jüngern und trotz des tobenden Vietnam-Krieges die 60er und 70er Jahre: Astronaut Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond, in London geben The Beatles ihr letztes gemeinsames Konzert, Willy Brandt wird der erste SPD Kanzler der Bundesrepublik und im amerikanischen Bethel schreibt das Musik-Festival Woodstock als „Mutter aller Open Airs“ Geschichte.
Als mystifizierte Sage gilt der erste Mega-Event der Rock-Geschichte mit geschätzten 400.000 Besuchern und ist die Blaupause für eine friedliche Musik-Welt. Das Love & Peace-Festival mit Mega-Stars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Who, Santana und Joe Cocker mutierte zum „Woodstock-Dream“, umarmte rasend schnell den gesamten Erdball.
Überseeboulevard 5
9.9.2020, 13 Uhr

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08.08. | Sonstiges | Siebdruck-Atelier |Brakula

Heute wird die Siebdrucktechnik im Brakula kennengelernt, das Drucken und das Fluten wird so mit Malerei verbunden. Es werden mitgebrachte T-Shirts, Jutebeutel und Rucksäcke bedruckt  – schon Erfahrene können schon fertige Siebe mitbringen. Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte unbedingt vorher anmelden unter: carla.drescher@brakula.de

Brakula
8.8.2020, 12-15 Uhr


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07.08. | Film | Fahrradkino | Bewegte Zeiten Heiligengeistfeld

Mitten im Herzen der Stadt auf dem Heiligengeistfeld, wo in den letzten Wochen nur Autos in den Kinogenuss gekommen sind, sind nun die Fahrräder dran! Im Rahmen der Hamburger Radkampagne „Fahr ein solidarisches Hamburg“ wird das Autokino zum Fahrradkino verwandelt und zeigt heute ab 17 Uhr auf zwei Großleinwänden vier Filme: „Das perfekte Geheimnis“, die „Känguru Chroniken“, „Knives Out – Mord ist Familiensache“ und „Lindenberg! Mach dein Ding“.

Für Sitzmöglichkeiten ist gesorgt. Idealerweise bringt jeder aber auch eine Decke oder warme Klamotten mit, falls es am Abend kühler werden sollte. Für den Ton kann ein eigenes mobiles Radio mitgebracht werden – sonst gibt es vor Ort für jeden kostenlose und desinfizierte Kopfhörer, die den Sound übertragen.

Bewegte Zeiten Heiligengeistfeld
7.8.2020, ab 17 Uhr


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07.08. | Musik | Fatoni | Lichtspielgarten Stade

Bei Fatoni ist’s alles ein bisschen anders: Vor ein paar Jahren glaubte er selbst nicht mehr an eine Musikkarriere. Dann wurde er mit „Yo, Picasso“ und später mit seinem „Im Modus“-Mixtape Deutschraps schärfster Beobachter – und live ein starker Entertainer.

Und nun, wo es drauf ankommt, auf dem vorläufigen Hoch seiner Karriere, tritt er mit „Andorra“ die Flucht nach vorn an: Fatoni erzählt zum ersten Mal so richtig von sich selbst. Seine Solotour bringt nun den besten Fatoni zurück auf die Bühne – also bitte, lassen Sie ihn Künstler, er ist durch. Heute Abend spielt er einne Open-Air-Gig im Lichtspielgarten Stade.

/ IR

Lichtspielgarten Stade
7.8.2020, 19 Uhr


 Wir verlosen 2×2 Tickets für Fatoni für den 7.8.20!

Wie könnt Ihr mitmachen? Na so:

Bitte gebt für die Teilnahme Euren vollständigen Namen an. 


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06.08. | Sonstiges | Astra Abstands-Bingo | Astra St. Pauli Brauerei

Es geht wieder los – die Bingo-Kugeln rollen durch die Astra St. Pauli Brauerei … mit Abstand! Es gibt Preise und Astra-Laune mit frisch gezapften Astra-Hausbieren vom Fass. Safety first, but Stimmung second! Es sind alle Bingo Scheine kostenlos und der Eintritt ist frei – nichts wie hin da!
/ IR
Astra St. Pauli Brauerei
6.8.2020, 20 Uhr

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06.08. | Film | Irresistible // Unwiderstehlich | CinemaxX Dammtor

Donald Trump hat es auch des­halb ins Weiße Haus geschafft, weil die Demokraten um Präsidentschaftsanwärterin Hil­lary Clinton es nicht verstan­den, große Teile der Landbevölkerung und deren Nöte zu adressieren. Eben diese Feststel­lung dient dem Comedy­-Experten und ehemaligen „The Daily Show“­-Moderator Jon Stewart als Ausgangspunkt für seine zweite Regiearbeit.

Sein alter Weggefährte Steve Carell, der 2018 in der ebenso klugen wie unterhaltsamen Dick-­Cheney­Biografie „Vice – Der zweite Mann“ als Donald Rumsfeld zu sehen war, spielt in „Irresistible“ den Wahlkampf­strategen Gary Zimmer, den es in das fik­tive Kaff Deerlaken in Wisconsin verschlägt. Dort lebt der pensionierte Colonel Jack Hastings (Chris Coo­per), dem ein beherzter Auftritt während einer Stadtratssitzung You­Tube-­Berühmtheit ver­schafft hat. Um die Demokraten für die Menschen auf dem Land wieder attraktiv zu machen, will Gary den Veteranen zum neuen Bürgermeisterkandidaten auf­bauen, stößt dabei jedoch sehr schnell auf größere Hindernisse. Nicht zuletzt kommt ihm seine republikanische Widersacherin Faith Brewster (Rose Byrne) in die Quere.

 

 

Blanker Zynismus, feh­lender Respekt, billige Propa­ganda, aufpeitschende Medienberichte, die Macht des Geldes und dahinsiechende Regionen – Stewart geht in seinem neuen Film viele brisante Themen an und zeichnet, lagerübergreifend, ein trauriges Bild des politischen Systems in den Vereinigten Staaten.

Stellenweise gelingen ihm spannende Einsichten, bei de­nen einem manchmal das La­chen im Halse stecken bleibt. Immer wieder setzt der Re­gisseur aber auch auf plum­pen Klamauk und Vereinfa­chungen, die dem Geschehen die satirische Schärfe rauben. Deutlich zutage treten die Ver­säumnisse des Drehbuchs mit einem Twist im Schlussdrittel, der aus heiterem Himmel über das Publikum hereinbricht. Die Bewohner der Provinz, denen die Hauptstadtvertreter Gary und Faith in vielen Momenten herablassend begegnen, hätten angesichts der Wendung zwin­gend etwas mehr Entfaltungs­raum erhalten müssen.

/ Christopher Diekhaus

CinemaxX Dammtor
6.8.2020, 20 Uhr


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05.08. | Film | Besser Welt als Nie | Schanzenkino

Mit der Frage „was einen glücklich macht“, aber ohne Erfahrung im Radreisen, springt der 24-jährige Dennis Kailing ins kalte Wasser und fährt in „Besser Welt als Nie“ von seinem Heimatort einfach los – immer Richtung Osten. Er ist zwar alleine unterwegs, aber so wirklich alleine ist er nur selten.

Viele Begegnungen mit interessanten, verrückten oder auch „ganz normalen“ Menschen gewähren ihm Einblicke, die einem als gewöhnlicher Tourist vorenthalten bleiben. 43.600 km, 41 Länder, 761 Tage – einmal mit dem Fahrrad um die Welt. Die Doku dazu läuft heute im Schanzenkino.

Schanzenkino
5.8.2020, 21 Uhr


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