(22.2.) Film, „Die Verlegerin“, Studio Kino, 20:30 Uhr

Am Anfang stand ein beispielloser Kraftakt. Eigentlich war Hollywood-Legende Steven Spielberg mit den Vorbereitungen für einen anderen Film beschäftigt. Als jedoch ein Drehbuch über die Veröffentlichung der sogenannten PentagonPapiere und die Rolle der Zeitungsverlegerin Katharine Graham auf seinem Tisch landete, machte der dreifache Oscar-Preisträger Nägel mit Köpfen und stampfte binnen weniger Monate ein biografisches Journalismus-Drama mit Starbesetzung aus dem Boden.

Im Jahr 1971 gelingt es der „New York Times“, Einsicht in ein Geheimdokument des US-Verteidigungsministeriums zu gewinnen, aus dem hervorgeht, wie die amerikanische Öffentlichkeit von vier unterschiedlichen Regierungen über den Vietnamkrieg und die nicht vorhandenen Erfolgsaussichten getäuscht wurde. Als ein Richter auf Betreiben von Präsident Richard Nixon der landesweit angesehenen Zeitung nach der Publikation einzelner Auszüge weitere Enthüllungen untersagt, greift mit der „Washington Post“ ein um Reputation kämpfender Konkurrent die brandheiße Geschichte auf.

Packende Zeitgeschichte

Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) heizt seine Mitarbeiter an und möchte die eigenen Recherchen so schnell wie möglich veröffentlichen. Seine Chefin, die „Post“-Verlegerin Katharine Graham (Meryl Streep), zögert allerdings, da die Firma gerade jetzt an die Börse geht und rechtliche Konsequenzen äußerst wahrscheinlich sind. Eindrucksvoll verdichtet, temporeich erzählt und umwerfend gespielt – einmal mehr demonstriert Steven Spielberg seine Fähigkeit, Zeitgeschichte packend aufzubereiten.

In einer Mischung aus feministisch angehauchter Charakterstudie und Zeitungsthriller bricht „Die Verlegerin“ eine Lanze für einen ehrlichen Journalismus und das uneingeschränkte Recht der Presse, Missstände aufzudecken. Bedenkt man, dass eben diese Werte vom amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zunehmend in den Dreck gezogen werden, lässt sich erahnen, warum der Regisseur die Geschichte der Pentagon-Papiere unbedingt sofort auf die Leinwand bringen wollte.

/ Christopher Diekhaus / Foto: 20th Century Fox

Studio Kino
22.2.18, 20:30 Uhr

(22.2.) Nachtleben, Jonas Platin, Mojo Jazzcafé, 20 Uhr

Gerade erst an der 20 gekratzt hat der junge Elektro-Pop-Hopper Jonas Platin, aber blutige Jugend stand dem Erfolg in der Musik ja selten im Weg. Wobei der gebürtige Bad Oeynhausener in zuckersüßen, sonnigen Songs wie „Heroin“ oder „Drogen“ Ironie denkbar groß schreibt, dafür quasi zum regenbogenfarbenen Edding greift, während die Bruder Jakob-Koop „Wir bleiben hier“ aus dem Frühsommer des vergangenes Jahres ein provokanter Kommentar zur Flüchtlingskrise war. Pop als Politikum – so wird’s gemacht.

/ FR / Foto: Sebastian Igel

Mojo Jazzcafé
22.2.18, 20 Uhr

(22.2.) Musik, Shakey Graves, Indra, 20 Uhr

Alejandro Rose-Garcia a.k.a. Shakey Graves war einst als One-Man-Band unterwegs, mit der Gitarre um den Hals, einem Fuß am Bass-Drum-Pedal, dem anderen am Tamburin, und es erklang ein Rock’n’Roll, wie ihn manch fünfköpfige Kapelle nicht zustande bringt. Mittlerweile tourt der Texaner zusammen mit einer Band und kriegt dadurch freilich noch mehr Dampf auf seinen eh schon kochenden musikalischen Kessel.

/ EBH

Indra
22.2.18, 20 Uhr

(22.2.) Musik, Milky Chance, Mehr! Theater, 20 Uhr

Die einen nennen es einen lulatschigen Soundtrack für die Indie-Disko, die anderen international relevante Tanzmusik. Was auch immer es am Ende ist: Der Pop-Sound von Milky Chance, dem Duo aus Kassel, ist extrem erfolgreich. Ihr „Stolen Dance“ wurde gefühlt in jedem Land der Welt ein Hit und eröffnete der Formation die Möglichkeit, auch so ziemlich überall aufzutreten, wo es ihr beliebte, u. a. beim berühmten Coachella-Festival. Mittlerweile haben Milky Chance zwei Alben veröffentlicht und damit jede Menge Songs parat, um es in den Konzerthallen nicht langweilig werden zu lassen.

/ EBH

Mehr! Theater
22.2.18, 20 Uhr 

(21.2.) Theater, „Der haarige Affe“, Deutsches Schauspielhaus, 19 Uhr

Frank Castorf kehrt an das Hamburger Schauspielhaus zurück! Im Gepäck: Eugene O’Neills Stück „Der haarige Affe“ aus dem Jahr 1921. Die Kombination verspricht nicht zuletzt von der Besetzung mit Kraftprotz Charly Hübner theatral gewaltig zu werden. Der Heizer Yank trifft auf einem Luxusdampfer, auf dem er angeheuert hat, auf die schöne und vermögende Mildred Douglas, eine Begegnung, die einen Strudel an Gefühlen auslöst.

Yank, der vorher von Technik und Fortschritt fasziniert war, fühlt sich angesichts der Millionärstochter minderwertig. Plötzlich werden Fragen der Klassenidentität für ihn zum Problem. Welche Rolle in einer Klassengesellschaft will er spielen? Was heißt Integration eigentlich? In New York geht er von Bord und macht sich auf die suche nach seiner Rollenidentität und nach einem Platz in der Gesellschaft.

/ MAE / Foto: Marie Liebig

Deutsches Schauspielhaus
21.2.18, 19 Uhr 

(21.2.) Musik, Giant Rooks, Gruenspan, 21 Uhr

Noch während der Schulzeit eine Platte rauszubringen und kurz danach als Support für Kraftklub und RAZZ aufzutreten, das muss den Giant Rooks erst mal jemand nachmachen. Die Jungs aus Hamm in Nordrhein-Westfalen überzeugen mit melancholischem Indie-Pop, der nicht nur fürs Radio taugt, sondern auch mit originellen Sounds daherkommt. Treue Fans haben sie sich damit längst erspielt, und auch auf YouTube gehen die Klicks in die Hunderttausende. Ihre erste eigene Tour als Headliner führt sie in diesem Jahr durch Europa – und wenn sie so weitermachen, bestimmt auch ganz bald an die Spitze der Charts.

/ MT / Foto: Lydia Trappenberg

Gruenspan
21.2.18, 21 Uhr 

(20.2.) Musik, Joel Brandenstein, Markthalle, 20 Uhr

Wer sein erstes Soloalbum und seine Tournee „Emotionen“ nennt, der muss liefern – und Joel Brandenstein liefert. Der Düsseldorfer Sänger und Songschreiber hat Pop-Perlen mit textlichem Tiefgang en masse und nicht überraschend bereits im vergangenen Jahr eine Konzertserie innerhalb weniger Tage restlos ausverkauft. Wer Hits wie „Diese Liebe“ und „Grenzenlos“ also demnächst wieder live erleben will, sollte fix sein.

/ EBH / Foto: MarvinStroeter, Wevame

Markthalle
20.2.18, 20 Uhr 

(20.2.) Musik, MHD, Fabrik, 20 Uhr

Die ein oder andere Waghalsigkeit auf dem Kerbholz schadet nicht, strebt jemand eine Karriere als Rapstar an. Polizeiauffällige haben schließlich den ein oder anderen Schwank zu erzählen. Der Pariser Afro-Trap-Junge MHD brauchte das nicht. Die Geschichten des ehemaligen Pizzaboten aus dem 19. Arrondissement waren auch ohne den gängigen Gangster-Quatsch spannend genug für den internationalen Durchbruch.

/ EBH / Foto: Elisa Parron

Fabrik
20.2.18, 20 Uhr 

(19.2.) Musik, The Front Bottoms, Knust, 20 Uhr

„I Hate My Friends“, das Debütalbum von Mat Uychich und Brian Sella aus dem Jahr 2008, hat keinen Zweifel am ausgeprägten Punk-Ethos der beiden Freunde aus New Jersey gelassen. In knackigen 30 Minuten haben sich The Front Bottoms darauf mit wütend-sarkastischem Folk-Punk über die Beschissenheit der Dinge ausgelassen. Das Duo, das nach diversen Besetzungswechseln nun ein Trio ist, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch professionalisiert und irgendwann auch E-Gitarren und Synthesizer ins Studio gelassen, um damit so etwas wie Westcoast-College-Rock zu machen. Am Underdog-Status und ihrer Slacker-Attitüde ändert das zum Glück nichts.

/ KGR / Foto: Mark Jaworski

Knust
19.2.18, 20 Uhr