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„Sicherheitszone“: Katrin Seddigs neuer Roman

Katrin Seddigs Familienroman „Sicherheitszone“ spielt vor dem Hintergrund des G20-Gipfels in Hamburg. Ein Gespräch über gesellschaftliche Brüche, die Unübersichtlichkeit der Welt und Wege aus der Ohnmacht

Text & Interview: Ulrich Thiele

 

Zu Beginn steht ein Zitat der polnischen Dichterin Wisława Szymborska: „Ich ziehe das Chaos der Hölle dem Chaos der Ordnung vor.“ In „Sicherheitszone“ zerfällt die Ordnung der Familie Koschmieder. Die 17-jährige Imke ist bei „Jugend gegen G20“ aktiv. Ihr großer Bruder Alexander steht als Polizist auf der anderen Seite. Thomas, der Vater, verlässt die Familie für eine jüngere Frau – die Ernüchterung folgt schnell. Während einer Demo gerät er auf der Suche nach Imke in einen Tumult und wird von einem Polizisten attackiert: „Er hatte die ganze Zeit gedacht, er könne außen vor bleiben, alles als Beobachter sehen, und sein eigener Irrtum wird ihm so kalt und klar, so höhnisch bewusst, als wäre er ein Irrtum nicht nur in diesem Moment, sondern seines ganzen Lebens.“

Seddigs Roman ist die Geschichte eines Umbruchs und der damit verbundenen Verunsicherung: „Die Welt, wie wir sie kannten, die ist vorbei. Sie ist schon länger vorbei, aber wir haben’s jetzt erst gemerkt“, konstatiert Thomas zum Schluss. Selten wurde das Chaos der Ordnung präziser seziert als in „Sicherheitszone“.

 

SZENE HAMBURG: Katrin, du hast Kultur einmal als lebenswichtig bezeichnet, weil mit ihrer Hilfe Krisen verdaut werden. Hast du G20 nun verdaut?

Katrin Seddig: Nein, ich spüre immer noch Wut und nicht aufgearbeitete Prozesse in mir. Aber während der Arbeit am Roman habe ich gelernt, Abstand zu nehmen und die Ausschreitungen wie ein historisches Bild zu betrachten.

Und kannst du die Ereignisse inzwischen irgendwie für dich einordnen?

Privat war das für mich ein Bruch. Mir wurde schlagartig klar, dass ich mich auf bestimmte Dinge nicht verlassen kann. Ich wusste schon vorher, dass es schwarze Schafe bei der Polizei gibt. Ich sehe auch ein, dass das eine schwierige Lage für die Polizisten war. Aber dass so massiv vorgegangen wird – etwa bei der Räumung des Camps – hat mich schockiert.

Ich habe da erst begriffen, dass man systematisch Gesetze brechen kann und dafür nicht belangt wird, wenn man Macht hat. Das ist vielleicht naiv, aber ich musste das wohl erst sehen, um es zu wissen.

 

Ein strukturelles Problem

 

Wo ist die Wurzel des Problems?

Das ist ein strukturelles Problem. Es ist keine Entscheidung von einzelnen Polizisten, dass es keine Folgen hat, wenn auf Menschen eingeprügelt wird, die schon am Boden liegen. Es gab damals noch keine Kennzeichnung von Polizisten, eine unabhängige Beschwerdeinstanz gibt es bis heute nicht. Und die Leute, die die Befehle geben, sind verantwortlicher als 20-jährige Polizisten, die die ganze Zeit angespuckt werden und irgendwann ausrasten.

Das entschuldigt nichts, ist aber menschlich nachvollziehbarer, als wenn fragwürdige Räumungsbefehle gegeben werden, obwohl man den Überblick hat und gar nicht physisch in Gefahr ist. Du hast die Ereignisse fiktiv verarbeitet.

Welche Rolle spielt das Narrative bei der Aufarbeitung?

Mir ist aufgefallen: Je weiter die Menschen weg von den Ereignissen waren, umso klarer war ihre Vorstellung davon, wie es gewesen ist. Diejenigen, die mittendrin waren, hatten gar keine Vorstellung, weil es so kompliziert und unübersichtlich war. Man kann immer nur einen Bruchteil sehen.

Manche Entwicklungen lassen sich durch Geschichten besser erfassen als durch Berichte. Ich biete nur eine Geschichte von vielen möglichen an. Deswegen war es mir wichtig, kein Sachbuch zu schreiben, sondern einen Familienroman.

Warum ein Familienroman?

Das kommt aus meiner persönlichen Situation heraus, weil ich in einer Familie lebe. Außerdem ist die Familie tatsächlich auch die kleinste Zelle der Gesellschaft, so klischeehaft das klingt. Darin spiegeln sich Konflikte vereinfacht wider. Und ich wollte ein Bild eines gesellschaftlichen Bruchs zeichnen.

Cover_Seddig_SicherheitszoneWie war das, dich in so unterschiedliche Charaktere hineinzudenken, die teilweise konträr zu deiner Einstellung stehen?

Unterschiedlich schwer. Mich in Jugendliche hineinzuversetzen, fällt mir schwerer, weil ich in dieser Gemeinschaft nicht mehr lebe und gerade Jugendliche sich stark von Erwachsenen abgrenzen durch ihre Sprache und sie sind untereinander ganz anders als vor Erwachsenen. Ich habe deswegen keine Jugendsprache verwendet, dieser Versuch hätte nur scheitern können. +

Natürlich ist es einfacher für mich, mich in Menschen meines Alters hineinzuversetzen, und leichter in Frauen als in Männer. Grundsätzlich kann man sich aber in alle Gedankengänge hineinversetzen, auch in böse. Man hat alle Regungen in sich, wenn man die konsequent weiterverfolgt, dann kann man sich alles denken.

Du sagst, es fällt dir leichter, dich in Frauen hineinzuversetzen als in Männer. Interessanterweise vertritt der Vater im Roman viele der Thesen und Meinungen, die du in deiner Taz-Kolumne vertrittst.

Das liegt vielleicht daran, dass der Vater die Hauptfigur sein musste, falls es überhaupt eine Hauptfigur in dem Roman gibt. Er ist der erste Handelnde, indem er die Familie verlässt. Er ist auch die tragischere und zugleich komischere Figur, weil er viel mehr der Lächerlichkeit preisgegeben wird als die anderen Figuren.

Warum eignet sich der Vater am besten für die Rolle der Hauptfigur?

Ich beobachte in meinem Umfeld, dass feinfühlige Männer meines Alters mit dominanten Vätern aufgewachsen sind. Sie haben größere Schwierigkeiten als Frauen, sich in der heutigen Welt zurechtzufinden – gerade weil sie nicht so sein wollen wie ihre Väter, aber doch noch ungewollt in dieser Welt stecken. Es ist bezeichnend, dass Frauen immer noch mehr im Haushalt machen. Der Mann ist also am besten geeignet für diese Art von ambivalenter Figur.

Außerdem ist es als Mann einfacher, auf komische Art zu scheitern. Männern wird mehr zugestanden, sie können großspurig scheitern. Frauen müssen ihren Weg gehen – wenn sie scheitern, ist das tragisch.

Warum ist das deiner Meinung nach so?

Weil die Frau immer als die Mutter gesehen wird. Wenn sie als Mutter scheitert, ist das tragisch für die Kinder. Wenn der Vater scheitert, gibt es für die Kinder noch die Chance, dass die Mutter gut für sie sorgt. Natürlich gibt es auch Fälle, in denen die Frau schwach ist und die Männer einspringen müssen, aber das sind eher die Ausnahmen.

Dein Blick auf die Menschen ist erst einmal desillusionierend, aber nicht verurteilend. Gehst du so an deine Figuren heran – mit kaltem Blick und Menschenliebe?

So kann man das nennen. Ich muss auf jeden Fall genau sein und darf nichts beschönigen. Gerade wenn man präzise auf einen Menschen blickt, kann man verzeihend sein. Wie man auch mit sich selbst umgehen sollte, so gehe ich mit den Figuren um.

Wie blickst du auf Alexander?

Er ist kein schlechter Mensch. Er ist liebevoll und der Familie zugeneigter als Imke. Er kümmert sich um die Großmutter und hat ein warmes Verhältnis zur Schwester. Er sucht eben nach Orientierung. Sein Problem ist eher, dass er zu wenig Einstellung hat.

 

„In der Schnelligkeit liegt der Teufel, dadurch ist der Blick auf die Welt oberflächlicher“

 

Was andeutungsweise mit einer Grundverunsicherung einhergeht, weil er adoptiert ist. War das eine bewusste Entscheidung von dir?

Ja, schon. Als Komposition in der Familie. Es gibt keine Familie, in der alle Kinder gleich behandelt werden. Aber bei einem Adoptivkind kommt es insofern zu Problemen, als es sich einbilden kann, dass es zurückgesetzt wird. Im Roman wird auch immer wieder angedeutet, dass Alexander dunkler ist, dass er eventuell migrantische Wurzeln hat. Er kann auch als Abbild der Gesellschaft für migrantische Kinder gesehen werden, die nie als ganz angenommen gesehen werden. Das ist ein gesellschaftliches Problem, wie damit umgegangen wird, wenn jemand nicht zu 100 Prozent dazu passt. Bei der Polizei findet Alexander Zugehörigkeit.

Macht die Unübersichtlichkeit dir auch zu schaffen?

Es macht mich fertig. Vor allem die Schnelligkeit der Nachrichten überfordert mich, gerade weil ich genau hinsehen und die Zusammenhänge verstehen will. Man muss aushalten, dass in dem, was man ablehnt, auch richtige und gute Anteile enthalten sein können. Und zugleich muss man immer die eigene Einstellung hinterfragen, weil man in seiner eigenen politischen Position immer auch selbstgefällig ist. Das ist eine große Arbeit, die die Medien nicht leisten könnten. In der Schnelligkeit liegt der Teufel, dadurch ist der Blick auf die Welt oberflächlicher. Die Zersplitterung führt auch zur Handlungsunfähigkeit. Aber auch im Zweifel muss man sich für eine Handlung entscheiden, sonst kann man nicht politisch aktiv sein.

Was glaubst du, wie man in 100 Jahren mit dem Segen der Spätgeborenen auf unsere verunsicherte Gesellschaft blickt?

Ich lese gerade die großen Gesellschaftsromane von Balzac, darin kann man sehen, wie die Menschen im 19. Jahrhundert lebten und dachten. Und wenn man Jane Austen liest und sieht, wie die Menschen in ihren Romanen miteinander umgehen – das sind die gleichen Peinlichkeiten wie heute. Austen ist so originell, weil man zwischendurch vergisst, dass ihre Romane in einer anderen Zeit und Gesellschaftsschicht spielen. Ich glaube, was im Menschen gleich bleibt, sind seine Schwächen. Die sind universell, auch wenn es regionale und zeithistorische Färbungen gibt.

Katrin Seddig: „Sicherheitszone“, Rowohlt Berlin, 464 Seiten
Autorenlesung am 5.9. in der Bücherhalle Elbvororte, 19 Uhr


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, September 2020. Das Magazin ist seit dem 29. August 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Interview: Sabine Peters über ihren neuen Roman

Die Hamburger Schriftstellerin Sabine Peters webt in ihrem Roman „Ein wahrer Apfel leuchtete am Himmelszelt“ einen Mosaikteppich aus Szenen einer Kindheit mit religiösen und literarischen Prägungen. Ein Gespräch über den Reichtum der Fantasie, abgestumpfte Erwachsene und Generationenkonflikte

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Sabine Peters, in Ihrem vorletzten Roman „Narrengarten“ geht es um desillusionierte Erwachsene im heutigen Hamburg. Nun um eine fantasiereiche Kindheit in der Provinz in den 60er und 70er Jahren. Was bewog Sie zu dem Sprung in die Vergangenheit?

Ich habe in Gesprächen mit Freunden gemerkt, wie leidenschaftlich ich werde, wenn das Thema Kindheit aufkommt.

Inwiefern?

Es wirbelt so viele Farben, Klänge, Tonfälle und Gerüche in mir auf. In meinem allerersten Buch, „Der Stachel am Kopf “, geht es am Anfang auch um Kindheiten. Aber auf eine sehr bittere Art und Weise. Ich hatte damals, mit Ende 20, den Anspruch, der Gesellschaft „die schöne Maske vom Gesicht zu reißen“. Inzwischen hat sich etwas bei mir verändert. Kindheit kann so ein reicher Fundus sein – nicht unbedingt autobiografisch, sondern Kindheit an sich. Weil wir in der Kindheit alles zum ersten Mal erleben. Entsprechend hat das Thema eine starke Leuchtkraft. Mich interessiert auch das Halb-Verstehen, das Nicht-Verstehen und dass man sich als Kind manchmal einen ganz falschen Reim auf bestimmte Sätze macht – darin steckt eine Fülle an Verwirrung, Verspieltheit und auch an Bedrohung.

Sie sagten, „nicht unbedingt autobiografisch“. Ihre Bücher werden oft autobiografisch gelesen. Stört Sie das?

Ja, das ärgert mich manchmal. Ich habe irgendwann diese Figur der Marie eingeführt, um die es immer wieder in meinen Büchern geht und die immer eins zu eins als Alter Ego gelesen wird. Bei dem Begriff „autobiografisch“ schwingt dieser Wahrheitsanspruch mit. Aber die Wahrheit des Erzählens ist doch etwas anderes. Fiktionen, Fantasien und Lügen sind manchmal produktiver in dem Versuch, sich der Wahrheit anzunähern, als dieses beißende „Wie war das genau?“.

Cover von Sabine Peters “Ein wahrer Apfel leuchtet am Himmelszelt”, Wallstein Verlag

„Besser du strickst, als Lügengeschichten zu schreiben. Du bist auf jeden Fall ein lausiger Historiker. Willst du mir weismachen, dass man Erinnerungen trauen kann?“, heißt es einmal. Welche Rolle spielt die Fiktion, wenn Sie über vergangene Zeiten schreiben?

Natürlich gibt es Daten und Fakten. Eine Kindheit in den 60ern auf dem Dorf ist objektiv nicht mit heute vergleichbar. Aber Erinnerung ist nichts Festes, sondern wandelbar. Und bei Fiktionen geht es um eine Art von Verwandlungsarbeit. Der Vater sagt in dem Buch irgendwann: „Diese alberne Wirklichkeit interessiert mich nicht.“ Er kann die Wirklichkeit nicht mit Daten erfassen, nicht mit dieser linearen Geschichtsschreibung, der Aneinanderreihung von Fakten und Ereignissen. Diese Kontinuität scheint mir ein Konstrukt, dem ich in der Literatur mit Zweifeln gegenüberstehe. Weil daran auch Kategorien wie Logik oder Entwicklung gebunden sind, auf die wir von früh an konditioniert werden.

Was stört Sie daran?

Der Reichtum und auch der Witz des Verwandelns werden dadurch versteinert. Wir verholzen im Laufe des Lebens, weil wir nicht mehr spielen und kein Gespür für Metamorphosen haben. Hubert Fichte hat sich einen Spruch von Empedokles auf seinen Grabstein gravieren lassen: „Denn ich war schon einmal ein Junge und ein Mädchen und ein Busch und ein Vogel und ein aus dem Meer springender wandernder Fisch.“ Genau deswegen fand ich es interessant, im letzten Teil des Buches, beim Blick in die Zukunft, alle Stricke reißen zu lassen und ins Surreale zu gehen. Mir war es wichtig, keine Kontinuität zu erfinden bezüglich Marie. Nach dem Motto: Wenn sie als Kind mit religiösen Bildern und Kultur überschüttet wird, dann entwickelt sich daraus logisch im Erwachsenenalter eine Schriftstellerin.

Die Kindheit wird im Rückblick oft verkitscht und idealisiert. Haben Sie Techniken der Distanznahme?

Ich bitte meine Erstleser und den Lektor immer, sie sollen Kitsch anstreichen. Aber ich glaube, ich bin eher spröde. Sie haben Recht, bei diesem Thema gibt es immer wieder Schönmalerei: Die Kindheit als das Unschuldige, das Reine, das Unbelastete und Freie. Mir ging es beim Schreiben darum, eine Situation zu finden oder erfinden, die das Schöne, die Freude, aber eben auch den Schrecken vorstellbar macht.

 

„Für die Generation meiner Eltern und Großeltern war das sittenlos und indiskret.“

 

Haben Sie ein Beispiel für den Schrecken?

Zum Beispiel die Geschichte beim Zahnarzt. Wo Marie – autoritätshörig wie sie gestrickt ist – brav den Mund aufmacht, aber bei dem Schwenkarm über ihr an die Szene aus „Der Bauer und der Windmüller“ von Wilhelm Busch denkt, als der Esel an der Mühle erhängt wird. Kinder sind in extremem Maße abhängig von Erwachsenen. Ich glaube, mit dieser Abhängigkeit hängt Maries Bereitschaft zusammen, zu glauben, dass die Erwachsenen sie aufhängen können, wenn sie wollen. Erziehung verläuft niemals gewaltlos. Man kann die Gewalt eindämmen, aber es gibt auch heute noch einen Vater- oder Mutterblick, bei dem Kinder erstarren. Und Kinder haben feine Antennen dafür, wenn der Tonfall anders wird.

Niemand schreibt über die Vergangenheit, ohne damit etwas über die Gegenwart zu sagen. Warum schreiben Sie 2020 über eine Kindheit in den 60ern und 70ern?

Einmal, weil sie eben ein faszinierendes Potenzial an Lebendigkeit hat. Ich schreibe aber nicht, um einen früheren Zustand wiederherzustellen oder abzubilden, sondern um ihm zu formen. Ich kann mit dem Material spielen, etwas durchstreichen, hinzufügen, es verwandeln. Das ist die fantastische Ebene.

Und die sachliche?

Junge Leute sagen mir oft, wie verwundert sie über die ältere Generation und bestimmte Verhaltensweisen sind. Das sind selten individuelle Verhaltensweisen, sondern welche, die von vielen Leuten mit der Muttermilch aufgesogen wurden. Wenn es gut geht, kann eine solche Beschäftigung mit der Kindheit auch bei jüngeren Menschen dazu führen, dass ihnen das Verhalten der Alten nicht absurd und idiotisch vorkommt, sondern dass es einen zeithistorischen Rahmen bekommt. In dem Buch beschäftige ich mich auch mit der Großmutter. Die ist Jahrgang 1886. Man muss sich mal vorstellen, was die alles mitgekriegt hat: Zwei Weltkriege, Wilhelminismus, Weimarer Republik, Faschismus, Wiederaufbau. Was machen diese Erfahrungen mit Menschen? Mir kamen die Alten als Jugendliche extrem verschlossen vor. In meiner Jugend wurde es schon mehr und mehr eine Tugend, dass man versuchte, möglichst offen zu sein. Für die Generation meiner Eltern und Großeltern war das sittenlos und indiskret. Wir fanden sie dafür verlogen. Dabei gab es in unserer Offenheit auch Hintertüren. Und man konnte ein Gegenüber in aller Offenheit plattwalzen.

 

„Schreiben heißt, ein Rätsel zu verstehen, ohne es zu lösen“

 

Sie sagten einmal, zu schreiben bedeute vor allem, zu warten. Worauf warten Sie?

Das Warten besteht in dem Versuch – das klingt hoffentlich nicht zu geheimnisvoll – in einen anderen Zustand zu kommen. Ich muss so viel Alltagszeug aus meine Ohren und Alltagssprache aus meinem Mund spülen. Und ich muss Zweifel und Skepsis betrachten und umrunden. Das Warten ist ein Horchen auf die Töne oder einen bestimmten Sprachduktus, den man plötzlich findet und mit dem man die Skepsis überwindet.

Wie ist Ihr Blick auf Religion?

Ambivalent. Ich glaube, Kinder, die damals entsprechend sozialisiert wurden, haben eine Fülle von Geschichten und schöner, reizvoller Sprache bekommen. Und durch diesen Gedanken, Gott oder den Göttern gefallen zu wollen, sind die schönsten Kirchen und Kunstwerke geschaffen worden. Zugleich sind da aber auch all die Gewalt, Regeln, Normen, Drohungen, denn Religion ist unvermeidlich grausam. Man kann versuchen, sie zu entgiften, aber dann verlöre sie auch für Kinder von ihrer Faszination. Man kann sagen: Religion besteht aus Geschichten. Und die Kinder in diesem Buch möchten diese Geschichten nachspielen. Und sie wollen nicht nur etwas vom Guten hören, sondern auch vom Bösen. Mit Geschichten finden sie ihren Umgang damit.

Wenn Sie die Rolle der Religion mit unserer Gegenwart in Deutschland vergleichen, was sehen Sie da?

Was ich heute beobachte, ist, dass viele Leute sich ihre eigene Religion mixen: hier eine Prise Buddhismus, da eine Prise Schamanismus. Vielleicht ist das nicht verkehrt; ich weiß nicht. Andere, die mit dem Jenseitsgedanken gar nichts anfangen können, suchen ihren Sinn in der reinen Gegenwart, im Fitnessstudio oder im Reisen. In meiner Kindheit hätte man zu dieser Einstellung gesagt: Du bist nicht hier, damit du dich von Gott bedienen lässt. Du bist dazu da, diesem Gott zu dienen und dich zu unterwerfen. Natürlich hat dieses repressive Denken Millionen Menschen ins Unglück getrieben.

2016 erhielt Sabine Peters den Italo-Svevo-Preis für “literarische Spielarten des ästhetischen Eigensinns” (Foto: Jutta Schwöbel

Andererseits wurden die Ideale der Selbstverwirklichung auch längst pervertiert.

Ja, wenn die Welt, das Lebendige in dieser Welt, nur dazu da ist, um mir zu gefallen – das ist Neoliberalismus pur. Das Religiöse ist immer beseelt von dem Gedanken, dass es noch etwas außerhalb von mir geben mag. Das ist meiner Ansicht nach ein Gedanke, den man sich schon mal durch die Ohren ziehen lassen kann. Um dieses Lebendige außerhalb von mir auch zu achten und dessen Kostbarkeit zu würdigen. Ich mag den Satz: „Der Gärtner hegt den Garten. Und während er dies tut, hegt der Garten den Gärtner.“ Das finde ich so demokratisch, da ist kein Herrschaftsverhältnis, sondern eine gegenseitige Verflechtung mitgedacht.

Bei Ihnen geht es auch um Machtlosigkeit gegenüber der Vergänglichkeit. In Ihrem Roman wird das deutlich, als die Großmutter stirbt. Sie haben dazu mal gesagt, dass das Schreiben für Sie kein Verarbeiten, sondern ein Bearbeiten ist. Warum überhaupt schreiben, warum bearbeiten?

Weil man mit etwas nicht fertig wird und das auch überhaupt nicht will. Das wäre doch unerhört. Mit einer wichtigen Person möchte man nie fertig werden. Beim Schreiben geht es nicht darum, ein Rätsel zu lösen. Es geht darum, ein Rätsel zu verstehen, ohne es zu lösen – das ist die große Faszination und Freude am Schreiben. Schreiben ist eine Reaktion auf die Welt, es kommt aus einem Staunen über die Welt heraus. Man möchte die Welt nicht abbilden, sondern antworten, einen Ausdruck dafür finden, wie schön, schrecklich oder empörend etwas ist. Man möchte es nicht stehenlassen, sondern in Beziehung dazu treten.

In Peter Handkes „Lied vom Kindsein“ heißt es zum Schluss: „Als das Kind Kind war / warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum / und sie zittert da heute noch.“ Bei Ihnen heißt es über die erwachsene Marie: „Alle Kinderfreuden, alle Kinderschmerzen hatten ausgeschlagen und sie waren nun verwachsen, ausgewachsen oder zugewachsen.“ Gibt es also kein Zittern mehr?

Doch, das gibt es. Auch wenn die Schmerzen und Freuden zugewachsen sind, ist da noch eine Narbe oder ein Mal, unter dem die Kindheit steckt. Ich glaube schon, dass wir das Kind in uns verlieren und wir versteinern. Aber zugleich verflüssigen wir uns. Wenn es an das Eingemachte geht, in intensiven Gesprächen, in Streitigkeiten oder auch beim Schreiben, merkt man plötzlich wieder einen Vulkan in sich, der noch tätig ist. Und wenn jemand sehr beglückt ist, kann man im Gesicht des Erwachsenen sehen, wie er als Kind in entsprechenden Augenblicken aussah. Ich finde es auch nicht verkehrt, wenn man verschiedene Lebenszeiten gleichzeitig in sich trägt und sie etwas Fließendes sind.

 


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Marc Degens’ Autofiktion: Oh, Kanada

Vier Jahre lang hat der Schriftsteller, Verleger und Neu-Hamburger Marc Degens in Kanada gelebt. Seine Aufzeichnungen sind in „Toronto“, erschienen im mairisch Verlag, zu lesen

Interview: Ulrich Thiele

 

Viel passiert nicht, zumindest auf der Plot­-Ebene. Degens berichtet in knappen Sätzen von Restaurant­ und Konzertbesuchen, Lesungen und entspannten Nachmittagen in Buchläden und Comicshops sowie von Reisen quer durchs Land. Zwischen den Zeilen passiert hingegen viel, denn diese charmante Zelebrierung des Lebens in einer offenen Gesellschaft macht glücklich und sehnsüchtig zugleich.

 

SZENE HAMBURG: Marc Degens, unter diesen Umständen stachelt „Toronto“ das Fernweh noch mehr an als ohnehin schon.

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Foto: Martina Steber

Marc Degens: Ich glaube, dass es ein Buch ist, mit dem man gut auf Reisen gehen kann, selbst wenn man zu Hause bleibt. Meine Hoffnung ist, dass es weniger ein Reiseführer ist, der anleitet, was man alles ma­chen könnte. Sondern dass man mit dem Buch tatsächlich eine Reise erlebt.

Sie sind seit zwei Jahren wieder in Deutschland. Was vermissen Sie am meisten?

Wunderbare Autofahrten mit Blicken auf Seen und bisher unbekannte Landschaften. Gerade in der jetzigen Zeit, in der ich auf meine eigenen vier Wände zurückgezogen lebe, vermisse ich das ganz deutlich.

Sie waren vier Jahre in Kanada, das Erlebte lesen wir in Ihrem Buch in verdichteter Form. Manche Ihrer Einträge schildern mehrere Tage am Stück, dann gibt es immer wieder mal einen Sprung von mehreren Wochen oder Monaten. Wie haben Sie Ihre Tagebucheinträge für das Buch selektiert?

In Hinsicht auf eine Pointierung. Die Frage war, was der rote Faden ist und welche Geschichte ich erzählen wollte.

Und zwar?

Die Facetten, die dieses Land aus­ machen, und wie man sie erlebt, wenn sie für einen Neuland sind. Also wie gesagt: Auf der einen Seite die Natur­erfahrung, die Weite und Schönheit dieses Landes.

Aber auf der anderen Seite auch die kanadische Mentalität in der Großstadt Toronto, die mich sehr berührt hat und die ich sehr einzigartig fand. Diese Herzlichkeit, Offenheit und Toleranz, die ich besonders in den Kulturveranstaltungen gespürt habe, und die Entspanntheit, die das Leben so angenehm macht.

In einer Szene schreiben Sie, wie Sie ein Bild auf Instagram als Erinnerung für Sie selbst veröffentlichen. „Dass andere das Foto auch sehen können ist allerdings ein schöner Nebeneffekt. Genauso verhält es sich mit dem Schreiben.“ Schreiben Sie also nur für Sie selbst?

Die Stelle bezieht sich auf mein Ta­gebuchschreiben. Dabei ist es tatsächlich so, dass es hauptsächlich einen Sinn für mich erfüllt. Indem ich auch ganz banale Dinge archiviere. Da ist auch der Bogen zu den sozialen Medien.

In­stagram wird gern als ein Medium der Selbstdarstellung gesehen, um Likes zu sammeln. Ich glaube aber, dass ein we­sentlicher Punkt des Postens wie beim Tagebuchschreiben das Archivieren für sich selbst ist. Und auf der Timeline kann man dieses Archiv dann immer wieder durchforsten.

Ich möchte aber nicht mein gesamtes Tagebuch veröffentlicht sehen. Das ist viel zu umfangreich und voller Banalitäten, die ich niemandem zumuten will. Deswegen die Selektion und Reduktion. Das ist dann der schriftstellerische Prozess: herauszufinden, was weggelassen werden kann.

Also das Kürzen als fast schon wichtigster schriftstellerischer Prozess?

Zumindest einer, der immer wich­tiger wird. Oft, wenn ich gefragt werde, woran ich schreibe, kann ich antworten: Ich schreibe gar nicht mehr, ich bin nur noch am Streichen.

 

„„Toronto“ ist ein Buch über das Glück.“

 

Hat das Schreiben umgedreht auch Ihren Blick auf Kanada geprägt?

Ich würde erst einmal bestreiten, dass die schriftstellerische Wahrnehmung zu einem anderen Erleben führt. Persönliche Vorlieben spielen eher eine Rolle als der Beruf. Bei mir ist es das Visuelle: Meine Liebe zu Comics zum Beispiel.

Das passt zu Ihrer Trennung von Kunst und Leben. Das Leben sei wichtiger als die Kunst, schreiben Sie.

Damit richte ich mich gegen dieses Bild, das man in Deutschland oft pflegt: vom gequälten Künstler, der sein eigenes Leben vernachlässigt, um große Kunst zu schaffen. Über Glück zu schreiben ist schwer und es wird eher selten gemacht.

Es gibt einen Satz von Marcel Reich­-Ranicki, der sinngemäß anmerkte, dass immer nur Romane über unglückliche Lieben geschrieben werden, aber nie über glückliche Ehen. Ich wollte etwas thematisieren, was ich in Kanada erfahren habe, nämlich ein großes Gefühl des Glücks und auch der Dankbarkeit. „Toronto“ ist ein Buch über das Glück.

Sie haben in Ihrem Verlag SUKULTUR eine Reihe für Autofiktionen gestartet. Ist „Toronto“ auch Autofiktion?cover-toronto-marc-degens

Das Tagebuch ist ja ein klassisch autobiografisches Format, das es schon gab, bevor es die Autofiktion gab. Autofiktion hat immer auch den Aspekt, dass sich zu dem autobiografischen Geschehen eine literarische Fiktion hinzu­gesellt. In „Toronto“ gibt es nur wenige Stellen, die in Richtung Fiktion gehen, etwa wenn Erinnerungen aufkommen und diese sich zu einer Geschichte ent­wickeln.

Der Begriff ist also literaturwissenschaftlich unscharf, aber wir wissen, was damit gemeint ist: Eine Form des autobiografisch verbürgten Schreibens, die im Gegensatz zum rein Fiktiven steht. Insofern ist „Toronto“ auch Autofiktion.

Warum ist autobiografisch gefärbtes Erzählen derzeit so populär?

Weil traditionelle Literaturgattungen wie der Roman ein bisschen in die Krise geraten sind. Heute wird sich weniger darüber ausgetauscht, welche Romane man gelesen hat, sondern welche Fernsehserien man gesehen hat.

Der Roman ist nicht tot, aber er hat mehr Konkurrenz, weil das epische Erzählen durch die veränderte Medienlandschaft andere Ausformungen bekommen hat. Dadurch sind andere literarische Formen im Aufwind, zum Beispiel kleine Beobachtungen in kurzen, pointierten Formen.

 

„In Hamburg ist das Fernweh am geringsten“

 

In Interviews mit berühmten Schriftstellern entsteht oft der Eindruck, dass sie über das Autobiografische als Stilmittel nicht reden wollen, weil sie die Frage danach als kränkende Nicht-Anerkennung ihrer Fantasiefähigkeit sehen. Teilen Sie den Eindruck?

Ich habe vor einigen Mo­naten das Buch „Das Tagebuch und der moderne Autor“ aus den 1960er Jahren gelesen. Darin melden sich Schriftstellergrößen wie Arno Schmidt, Heinrich Böll und Elias Can­etti zu Wort und man merkt noch deutlich ihre Reserviertheit gegenüber diesem Medium. Arno Schmidt etwa hat das Tagebuch-­Schreiben als literarische Kunstform komplett abgelehnt.

In den Ablehnungen schwingt oft auch noch diese alte Genieästhetik mit. Also die Annahme, dass das Genie von der Muse befeuert wird und dabei Kunst herauskommt, die schon immer da war und nur freigelegt werden müsse. Das ist ein recht überholter Gedanke.

Viele Texte beschreiben heute, unter welchen Schwierigkeiten und von welchen gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst Kunst hergestellt wird. Kunst als etwas vom Menschen und nicht vom Genie Gemachtes zu sehen, ist in meinen Augen aber die zeitgemäßere und richtige Lesart.

„Die kanadische Freundlichkeit und das permanente Entschuldigen haben mich für das Leben in Berlin unbrauchbar gemacht“, schreiben Sie an einer Stelle. Sie leben seit letztem Jahr nicht mehr in Berlin, sondern in Hamburg. Was hat Sie hergezogen?

Tatsächlich war Hamburg seit Jahrzehnten ein Sehnsuchtsort für mich, obwohl ich nur selten hier war. Aber die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, waren immer außergewöhnlich.

Hamburg hat eine reiche und diverse Kunst­ und Kulturszene, und es herrscht eine Freundlichkeit in der Stadt, die mich sogar an Toronto erinnert. Ich dachte, wenn schon zurück nach Deutschland, dann ist Hamburg die ideale Stadt. Das Fernweh ist hier am geringsten. Ich befürchte aber, dass ich merken werde, wie sehr mir die weiten kanadischen Landschaften fehlen, wenn ich Ausflüge ins Umland mache.

Was ist das Schönste an der Rastlosigkeit?

(überlegt) Dass sie nicht zu Ende geht.

Marc Degens: „Toronto“, mairisch, 144 Seiten, 12 Euro


Cover Szene Juni 2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2020. Das Magazin ist seit dem 30. Mai 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Die Welt von Gestern: Severus Verlag feiert Jubiläum

Messen wurden abgesagt, Neuveröffentlichungen verschoben. Grund genug, die weite Welt des Vergangenen zu entdecken – zum Beispiel im Sortiment des Severus Verlags, der sein 10. Jubiläum feiert

Interview: Ulrich Thiele

 

Am 8. Mai 2010 wurde der Severus Verlag als Imprint der Bedey Media GmbH gegründet. Dennoch feiert er seinen 830. Geburtstag, wie er ironisch verkündet, denn in seinem Sortiment stehen auch mittelalterliche Werke wie die altbretonischen Liebes-Sagen „Die Lais der Marie de France“. Severus hat es sich zur Aufgabe gemacht, bekannte und vergessene Originaldokumente aus dem Fundus des letzten Jahrtausends in edlen Ausgaben neu zu verlegen. Eine bewusste Entscheidung „gegen den Trend der Zeit, Inhalte und Themen möglichst schnell und oberflächlich abzuhandeln“, wie es in der Selbstbeschreibung des Verlags heißt. Ein Gespräch mit Programmleiterin Anna Klöhn.

 

SZENE HAMBURG: Frau Klöhn, was bietet uns die literarische Welt von gestern?

Anna Klöhn: Einblicke in die Gedankenwelt unserer Vorfahren. In alten Büchern können wir hautnah erfahren, wie sie lebten und die Welt beurteilten. Gerade aus heutiger Perspektive ist das ungeheuer spannend.

Inwiefern?

Wir können zum Beispiel in Rudolf Diesels Tagebuch ganz dicht an seinen Gedanken während der Erfindung des Dieselmotors sein. Auch das Thema Entschleunigung ist momentan ja in aller Munde – diesbezüglich können wir viel von dem norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen lesen und lernen. Er hat als erster Mensch Grönland durchquert und seine ganzen Forschungen in drei Bänden herausgebracht. Darin können wir Seite für Seite lesen, wie Menschen früher wochenlang und unter schwierigsten Bedingungen gereist sind.

Heute ist die Welt längst vermessen worden, wir können in wenigen Stunden auf einem anderen Kontinent sein oder die Welt im Internet mit einem Klick durchreisen – was alles natürlich seinen Reiz hat, aber da fehlt das Ursprüngliche.

Welche alten Bücher sind besonders beliebt?

Kochbücher aus dem 19. Und 20. Jahrhundert haben seit zwei Jahren einen großen Anreiz bei unseren Lesern. Momentan kommt der Trend „Kochen und Backen wie zu Omas Zeiten“ wieder auf. 2016 haben wir angefangen, das Hamburger Kochbuch von Hulda Behnke aus dem Jahr 1923 neu aufzulegen – mit Hamburger Gerichten wie „Teufelstunke“ und „Rührei auf andere Art“.

 

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„Bücher sind Schätze“, sagt Anna Klöhn (Foto: Henry Be via Unsplash)

 

Ihre Neuauflagen sind sehr aufwendig. Wie gehen Sie vor – zum Beispiel bei Marx’ „Das Kapital“?

Das Besondere an unserer „Kapital“-Ausgabe ist, dass wir uns das Hamburger Original ausgesucht haben, also den allerersten Band. Wir besorgen uns die Bücher in der Regel selbst aus Antiquariaten und scannen sie ein. Wir haben ein Programm, mit dem die Frakturschrift dann übertragen wird. Anschließend überprüfen wir, was man an die heutige Rechtschreibung anpassen und was man so stehen lassen kann.

Im Hamburger Kochbuch gibt es zum Beispiel Mengenangaben, die es heute nicht mehr gibt. Das müssen wir in Fußnoten erläutern. Wenn das Lektorat durchgelaufen ist, gucken wir, wie wir die Bücher noch optisch aufwerten können – zum Beispiel durch eigens angefertigte Illustrationen wie in „Vegetarische Zeitreise“. Das ist unser Markensymbol: Wir geben uns große Mühe mit der Ausstattung der Bücher und füttern sie zusätzlich mit Bildmaterial. Und dann setzen wir sie ganz klassisch und entwerfen gleichzeitig ein passendes Cover.

Wie lange dauert das?

„Das Kapital“ ist natürlich sehr umfangreich, die Produktion hat entsprechend länger als normal gedauert. Bei einem Buch mit einem Umfang von 150 bis 300 Seiten dauert es zwischen drei und fünf Monaten, bis es auf den Markt kann. Was auch daran liegt, dass wir mehrere Projekte gleichzeitig betreuen.

Viele Ihrer Bücher haben Nischencharakter. Finden Sie trotzdem genug Leser?

Ja, auch Nischenthemen haben ihre Liebhaber. Außerdem achten wir immer auf anstehende Jubiläen, zu denen wir etwas beisteuern können. Gerade ein Schriftsteller wie Theodor Storm hat eine breite Leserschaft, die an Schmuckausgaben von Büchern interessiert ist, die es schon auf dem Markt gibt.

Wie entscheiden Sie, welche Jubiläen Sie aufgreifen und welche Sie auslassen?

Wir achten auf die Beliebtheit des Jubilars und oft auch auf den regionalen Hamburg-Bezug. Der Hamburger
Schriftsteller Wolfgang Borchert hatte auch gerade ein Jubiläum, zu dem Anlass haben wir seine bekanntesten Werke in liebevoller Gestaltung und aufeinander abgestimmten Ausgaben neu aufgelegt.

 

Ein anderes Leseerlebnis

 

Warum fokussieren Sie sich so stark auf die Haptik?

Unser Prinzip lautet: Bücher sind Schätze. Ich finde es sowieso spannend, antiquarische Bücher in der Hand zu halten, weil man ihnen ansieht, dass das Büchersetzen früher ein richtiges Handwerk war. Die Seiten wurden aufwendig mit Pergamentseiten dazwischen gestaltet. Oder es gab besondere Ledereinbände, was sich heute kein Verlag mehr leisten kann, weil die Kosten zu hoch sind. Wir streben an, diesen haptischen Reiz weiterhin zu erhalten – nur eben auf die heutige Zeit angepasst.

Legen Sie auch mal Bücher auf, von denen Sie wissen, dass sie sich nicht groß rentieren werden?

Ja, mein persönliches Faible zum Beispiel: Kunstbände. Ich komme aus der Romanistik und habe im Nebenfach Kunstgeschichte studiert. Wir haben Bände über Auguste Rodin, Edgar Degas oder Worpswede neu aufgelegt, obwohl zum Jubiläum schon welche veröffentlicht wurden und wir nicht wussten, ob es sich finanziell lohnt, sie noch mal neu aufzulegen.

Aber gerade Bildbände bieten ganz viel Gestaltungsfreiraum, der einfach verlockend ist. Manchmal probieren wir auch Nischenthemen aus, ohne einschätzen zu können, wie gut sie ankommen. Vor ein paar Jahren haben wir Märchen aus aller Welt veröffentlicht, mit japanischen und altindischen Märchen. Viele kennen ja nur die gängigen Märchen der Brüder Grimm oder von Andersen und wir wollten den Blick erweitern.

Liest man schöne Bücher anders?

Ja, ich denke schon. Manche Titel, die besonderes Interesse erregen, bringen wir auch als E-Book heraus. Ich merke dabei immer, dass es ein enormer Unterschied ist, ob man Bücher digital oder analog liest. Selbst zwischen Paperback und Hardcover gibt es einen großen Unterschied. Das ist ein anderes Leseerlebnis.

Warum heißt Ihr Verlag eigentlich „Severus“, also übersetzt „ernst“ oder „streng“?

So fing es damals an. Ganz ursprünglich hatten wir eine Reichskanzlerserie, die wir inzwischen ein bisschen zurückgestellt haben. Der Schwerpunkt war früher historisch-politisch und der Verlagsname spielt auf den damaligen Tonus an. Die Auffächerung mit mehr Literatur, Kunstbänden und Biografien von Künstlern und Musikern im Programm, folgte erst später.

Zum 75. Todestag der Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz beleuchtet der Severus Verlag auf seiner Facebook-Seite die Werke der Künstlerin in einer digitalen Werkstatt


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2020. Das Magazin ist seit dem 30. April 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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„Fälle und Fallen“: Der schöne Eigensinn von Worten

In „Fälle und Fallen“ entwirft Wolfgang Hegewald 20 vor Sprachlust übersprudelnde Capriccios

Text & Interview: Ulrich Thiele

 

Der Straßenhund Enrico will Opernsänger werden, aber daraus wird nichts. Am Ende schlägt er eine alternative Musikerkarriere ein und spielt in einem Krankenwagen das Martinshorn in den Straßen von „New Hamburg“. In einem anderen Capriccio erfährt man, dass Mittelmeergrillen, sobald sie zu zirpen beginnen, automatisch ihr Gehör ausschalten. „Was für eine durchtriebene Selbstoptimierung dieser mit scharfem Schall bewaffneten Krieger aus dem Süden!“ Auf einem Festball gehen die jungen Leute mit der Mode und zeigen sich „mit Vorliebe in der Tracht der Prügel“. Das sind nur wenige Beispiele aus Wolfgang Hegewalds kurzen, ungeheuer lustigen Capriccios.

 

SZENE HAMBURG: Herr Hegewald, was ist ein Capriccio?

Wolfgang Hegewald: Die Tradition des Capriccios findet sich eher in der Musik und in der Bildenden Kunst als
in der Literatur, wiewohl ein veritabler Meister wie E.T.A. Hoffmann da sofort missbilligend den Kopf schüttelt, zu Recht. Ich denke an Paganini und seine Capriccios; überbordende und zugleich formbewusste Virtuosität. Primat des Spiels vor der Bedeutung. Ich denke an Tiepolo und Goya, gerade noch in der Kunsthalle zu sehen.

Szenen, die einem durch ihre abgründige Mehrdeutigkeit zu denken geben. Elemente des Alltäglichen, Burlesken, Grotesken, Skurrilen und Fantastischen verquicken sich zu Tableaus, in denen sich auf ästhetische Weise ein Aufklärungsinteresse zu erkennen gibt. Aufklärungsinteresse auch an dem, was kategorisch unaufklärbar ist.

Cover-HegewaldWarum haben Sie diese Form gewählt?

Mir und meinem Schreiben entsprechen diese auskristallisierten Prosakobolde, die mal spielerisch, auch sprach- spielerisch, mal scharfkantig boshaft daherkommen. Bei Julio Cortázar heißt es einmal sinngemäß, das Fantastische sei eine Möglichkeit, das Wirkliche zu überprüfen.

Im ersten Capriccio heißt es: „Capriccios neigen nicht zur Flucht. Wohin auch.“ Sie mit einem Zaun, einer Form zu umschließen, sei deswegen sinnlos. Warum?

Capriccios neigen weder zur Sesshaftigkeit noch respektieren sie ihnen angewiesene Territorien. Sie einsperren zu wollen, ist sinnlos; ein Kategorienfehler der Verhaftung. Günter Eich hat Prosagedichte mit dem Untertitel „Maulwürfe“ veröffentlich. Da deutet sich womöglich eine Verwandtschaft an.

Sie haben Ihrem Buch ein Zitat von Samuel Beckett vorangestellt: „Bei den Ausdrücken ‚historische Notwendigkeit‘ und ‚deutsches Schicksal‘ kommt mir das Kotzen.“ Beckett verliebte sich zugleich in die deutsche Sprache. Ihre Sprachspiele zeugen auch von Freude an der deutschen Sprache – teilen Sie das gespaltene Verhältnis Becketts zu Deutschland?

Ich habe eine doppel-deutsche Biografie und kann Deutschland nicht im Singular denken. Deutschland an sich bedeutet mir nichts. Eine offene Gesellschaft, ein Rechtsstaat auf deutschem Boden eine Menge. Und die deutsche Sprache, das „portative Vaterland“, wie Heinrich Heine sagte, ist der einzige Heimatbegriff, an dem ich hänge. Als ich 1983 aus der DDR in die Bundesrepublik kam, habe ich mich aus Gründen der semantischen Präzision nie als Flüchtling rubriziert. Ich habe meine Sprache nicht verloren, und ich trat sofort in eine komfortable Staatsbürgerschaft ein.

Wird deswegen in Ihren Capriccios immer wieder völkisches Denken verspottet?

Wir sind, auch schon vor und jenseits von Corona, in eine Zeit geraten, in der allenthalben im Gemeinwesen und in der Welt tektonische Risse und Verwerfungen sichtbar und spürbar werden, Horizonteintrübungen und -verdunkelungen, für die wir noch keine Begriffe haben.

Schreiben heißt für mich auch und nicht zuletzt, dass ich ein spezifisches Erkenntnisinteresse verfolge, das mit den Mitteln und Möglichkeiten der Poesie agiert. In undeutlichen Zeiten scheint mir eine Form wie das Capriccio besonders dazu zu taugen.

 

„Das Groteske ist für mich Stilhaltung und Ausdrucksmittel“

Wolfgang Hegewald

 

Ist Sprache per se anti-identitär?

Ja! Literatur ist für mich in Sprache modellierte Menschheitserfahrung, die nie eindeutig ist. Ansonsten haben kluge Leute schon alles Nötige gesagt: Für Adorno ist Identität die Urform von Ideologie. Bei Lothar Baier las ich einst, im Begriff der Identität gäben sich Biologismus und Polizeisprache ein Stelldichein.

Können Rechte Humor haben?

Keine Ahnung. Komik als existentielle Kategorie, wie bei Kafka, Robert Walser oder Chaplin, eher nicht.

Ihre Capriccios sind oft irritierend grotesk. Was kann die Irritation bewirken oder ist sie bloßer Selbstzweck?

Das Groteske ist für mich Stilhaltung und Ausdrucksmittel, nicht Selbstzweck. Wenn Irritation bedeuten soll, die Leser lassen für die Dauer ihrer Lektüre einmal das Gängelband ihrer Sprachkonventionalität locker und beginnen zu staunen – warum nicht. Wir sind alle von Kindheit an sprachdressiert und auf Bedeutung und Sinn getrimmt und wenig darin geübt, den schönen Eigensinn von Worten und Sätzen zu entdecken.

Mögen Sie Ihren Humor?

In diese Falle, die Sie meinem Narzissmus stellen, tappe ich nicht!

Wolfgang Hegewald: „Fälle und Fallen“, Wallstein, 79 Seiten, 16 Euro


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, April 2020. Das Magazin ist seit dem 28. März 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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Hamburger des Monats – Comicautorin Kathrin Klingner

Die Comicautorin Kathrin Klingner arbeitet in einem Hamburger Medienunternehmen, das Onlinekommentare überprüft. In „Über Spanien lacht die Sonne“ hat sie das Thema Hate Speech im Netz künstlerisch verarbeitet. Ein Gespräch über rechtsradikale Trolle, deren fort­ schreitende Enthemmung und darüber, warum Empörung keine Lösung ist

Interview: Ulrich Thiele

 

SZENE HAMBURG: Kathrin, welche Kommentare ärgern dich am meisten?

Kathrin Klingner: Wenn nicht-prominente Personen, die in Artikeln vorkommen, auf persönliche Weise attackiert werden. Es ist etwas anderes, wenn zum siebzigsten Mal Claudia Roth beleidigt wird, als wenn eine geflüchtete Frau, die eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin macht, in Kommentaren angegriffen wird. Das ist wie mit dieser Liste von Abiturienten, die neulich in einer Zeitung veröffentlicht wurde. Darunter waren auch arabisch klingende Namen und die rechten Kommentatoren haben sich sofort empört darauf gestürzt und das Niveau des Abiturs infrage gestellt.

Kommentare wie „Bevölkerungsaustausch“ und „Merkel-Diktatur“ stehen für Kitty, deine Protagonistin, auf der Tagesliste. Nimmst du so was noch wahr oder winkst du das nur gelangweilt ab?

Ich finde es lächerlich unoriginell. Es gibt immer Trends. Einer fängt mit etwas an und der Rest steigt mit ein. Eine Zeit lang wurde über Flüchtlinge hämisch als „Goldstücke“ geschrieben. Was am albernsten daran ist, ist wie wahnsinnig originell die Kommentarschreiber sich dabei vorkommen.

Ich denke mir jedes Mal: Leute, das könnt ihr doch nicht schon wieder bringen. Im Comic kommt dieses Phänomen auch vor. Etliche User schreiben: „Über Spanien lacht die Sonne, über Deutschland lacht die ganze Welt“ – und glauben tatsächlich, einen besonderen Beitrag geleistet zu haben.

Das ist wie mit diesen immer gleichen Zitaten, mit denen sie sich als Widerstandskämpfer gerieren: „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ Oder: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus.‘“

(lacht) Ja, darin liegt viel Komik, in diesem Kontrast zwischen dem Gefühl dieser Leute, total originell und pointiert zu sein, und der Tatsache, wie abgenutzt ihre Sprüche sind. Das wollte ich in dem Comic auch zeigen. Ich nehme in den Kommentaren oft auch eine Leidenschaft zum Bürgerkrieg wahr.

Diese Leute scheinen sich richtig auf einen Umsturz zu freuen, das bereitet ihnen einen wohligen Schauer. Das lese ich den ganzen Tag, dann gehe ich nach Hause und beobachte auf dem Heimweg, wie das Leben in Deutschland ist. Alles ist geordnet, wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Natürlich gibt es Armut, Kriminalität und viele Probleme. Aber wie sehr diese Bürgerkriegsfantasien im Kontrast zur Realität stehen, ist schon absurd.

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Arbeitsalltag im Medien­ unternehmen: Szenen aus „Über Spanien lacht die Sonne“

Warum hast du dich entschieden, das Thema Hate Speech im Netz mit dem Medium Comic, genauer: einem humorvollen Comic, zu behandeln?

Als Moderatoren werden wir in den Kommentarspalten permanent angefeindet, als „Zensor“, als „fetter, hässlicher Sesselfurzer“ und was weiß ich – ohne dass wir Rückmeldung geben können. Ich mochte den Gedanken, dass ein Troll meinen Comic liest und sieht, wie wir uns über die Kommentare lustig machen – auch wenn in der Realität vermutlich keiner von ihnen ihn liest.

Die Geschichte ist aber nicht zu hundert Prozent autobiografisch. Mit der Ästhetik gehe ich auch auf Distanz und sende ein Signal an den Leser, dass nicht alles, was hier passiert, eins zu eins der Wahrheit entspricht. Gleichzeitig war es auch so, dass ich dachte, wie absurd dieser Job ist. Ich hatte das Gefühl, das festhalten zu müssen, weil es für die Nachwelt interessant sein könnte. Ich glaube nicht, dass das immer so weiter geht, in zehn Jahren wird das nicht mehr so sein.

Wie kommst du darauf ?

Viele große Nachrichtenseiten überlegen schon heute, wie sie mit den enthemmten Kommentaren umgehen sollen, die „Süddeutsche Zeitung“ hat die Kommentarfunktion schon komplett abgeschafft. Und Facebook wird auch nicht ewig so weitermachen können.

Woher kommt diese Enthemmung?

Ein Grundproblem mit Kommentaren ist, dass die Empörung, die sie auslösen, die Leute dazu bringt, immer krassere Sachen zu schreiben. Ich weiß nicht, ob alle von ihnen wirklich meinen, was sie schreiben. So wie jemand, der auf Instagram Duckface-Fotos von sich postet und süchtig nach den Herzchen ist, sind sie süchtig nach der Empörung, die sie auslösen.

 

„Empörung ist eine Internetwährung“

Kathrin Klingner

 

Ist Humor deine Methode, um auf Distanz zur Empörung zu gehen?

Vielleicht. Es bringt halt nichts zu sagen: „Ich verurteile Hass im Internet.“ Das hält niemanden davon ab. Mich darüber lustig zu machen natürlich auch nicht, aber es ist eine Möglichkeit, Abstand zu nehmen. Ich weiß auch nicht, wie der richtige Umgang aussieht. Ich glaube nur, dass es der falsche Weg ist, wie in den vergangenen Jahren medial die AfD und ihre Wähler kommentiert wurden. Wie auf jede Äußerung reagiert wurde, darin lag kein Erkenntnisgewinn. Niemand liest einen solchen Artikel über die AfD und denkt: „Achso, die haben also etwas gegen Ausländer. Jetzt versteh ich’s endlich.“ Und das hält auch niemanden davon ab, die AfD zu wählen.

Eine von Kittys Kolleginnen im Comic sagt über das Internet, dass es einerseits Demokratisierung und Teilhabe bedeutet, aber gleichzeitig auch gefährlich ist in seiner Grenzenlosigkeit: „Aber man muss doch darüber reden, was die gesellschaftlichen Folgen von so einer Entwicklung sind.“ Wie sollte man damit umgehen?

Ich habe dazu keine Message, ich finde einfach viele Sachen, die ich beobachte, absurd, und hatte das Gefühl, die müssten mal dringend niedergezeichnet werden, bevor sie in Vergessenheit geraten. Dieser Vergleich mit der Atombombe, der im Comic gezogen wird, spiegelt nicht zu 100 Prozent meine Meinung wider, aber ich stimme zu, dass es so nicht weitergehen kann.

Empörung ist nun einmal eine Internetwährung. Vermutlich müsste jeder aufhören, sich darüber aufzuregen und das einfach wegignorieren. Aber das geht wahrscheinlich nicht.

Du legst auch einen Schwerpunkt auf die Arbeitswelt. Warum?

In den Kommentaren geht es oft um Arbeit. Darum, dass sie, die Trolle, arbeiten und Steuern zahlen und dass die Flüchtlinge angeblich gar nicht arbeiten wollen. Ich fand es interessant zu schauen, was Arbeit ist und was sie mit einem macht. Und ich wollte meine Beobachtungen der Arbeitswelt dokumentieren.

Die Mitarbeiter des Unternehmens haben alle ihre dunklen Seiten. Warum hast du ihre Ambivalenz hervorgehoben?

Wenn ich mir Figuren ausdenke, lerne ich sie immer besser kennen, und sie entwickeln sich selber immer weiter. Ich mag es, wenn sie sich wie echte Personen anfühlen, und dann müssen sie ja auch negative Eigenschaften haben. Ich wollte auch, dass es nicht um durch und durch gute Charaktere geht, die sich heroisch dem rechten Mob im Internet entgegenstellen, das wäre plakativ. Das sind Leute, die einfach zur Arbeit gehen und sich auf den Feierabend freuen.

Wie ernst nimmst du den Rechtsruck?

Sehr ernst. Der Grund, warum ich vor zehn Jahren aus den Niederlanden weggezogen bin, war, dass damals die PVV um Geert Wilders so viele Stimmen bekommen und die Minderheitsregierung von Mark Rutte gestützt hat. Ich habe acht Jahre in Amsterdam gelebt und dachte erst, dass das wieder vorbeigeht. Aber das Klima hat sich schleichend verändert und wurde sehr unangenehm.

UeberSpanienLachtDieSonne_CoverHast du ein Beispiel?

Wenn ich Holländisch geredet habe, wurde ich als „scheiß Ausländerin“ beschimpft. Anscheinend war es plötzlich okay, jemanden so anzugehen. Ich hatte das Gefühl, dass das vorher nicht so war. Das Limit, welche Dinge zu sagen okay ist, hat sich verschoben. Bei uns in Deutschland könne so was ja nicht passieren – dachte ich.

Kathrin Klingner: „Über Spanien lacht die Sonne“, Reprodukt, 128 Seiten, 20 Euro (ersch. am 10.3.)


Szene-Cover-März-2020 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2020. Das Magazin ist seit dem 27. Februar 2020 im Handel und  auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Sucht & Sehnen: Nora Gantenbrink über ihren Debütroman „Dad“

In ihrem Debütroman erzählt Nora Gantenbrink von einer jungen Frau, die sich auf die Spuren ihres verstorbenen Hippie-Vaters begibt. „Dad“ handelt von der Sehnsucht nach Ausbruch, der Angst vor Verletzlichkeit und der Möglichkeit der Versöhnung

Text: Ulrich Thiele

 

Wäre da nicht diese verfluchte Sprachlosigkeit. Marlene ist ein Teenager, als ihr aidskranker Vater auf der Hospizstation dem Tod entgegenblickt. Und sie würde ihm so gerne noch ein paar Fragen stellen. Warum er sich nicht um sie gekümmert hat. Ob sie ein Versehen war. Ob er ihr Heimatkaff, den „Eisenwald“ in Nordrhein-Westfalen, genauso hasst wie sie. Ob er sich in der Ferne wie der Mensch gefühlt hat, der er sein wollte. Warum er letztendlich doch nie wirklich ausgebrochen ist. Doch sie fragt ihn nichts davon. Ihr Vater hat selbst nie über seine wahren Gefühle geredet, und zu groß ist ihre Angst vor Abweisung.

Das ist die traurigste Einsicht in Nora Gantenbrinks Debütroman: Dass Menschen Verdrängungskünstler sind, die ihre Sehnsüchte trickreich auf später verschieben, bis es zu spät ist. Fragt man Menschen, die im Sterben liegen, was sie am meisten bedauern, dann tauchen immer wieder zwei Themen auf: zu viel Zeit mit Arbeit verschwendet und zu oft nicht den Mut gehabt zu haben, seine Gefühle auszudrücken. Gibt es für Marlene Hoffnung auf eine posthume Versöhnung? Jahre später lebt sie in Hamburg und ist, so ihre Selbstbeschreibung, „eine mittelmäßige Musikjournalistin, die sich nachts in Hamburger Kneipen betrinkt und danach mit Männern schläft, die ihr nichts bedeuten, nur damit ihr niemand weh tun kann (…)“.

Sie beschließt, das Versäumte, das nicht mehr Nachholbare nachzuholen, mit alten Weggefährten über ihren Vater zu reden und an die Orte seiner Abenteuergeschichten zu reisen – nach Marokko, nach Indien und nach Thailand, von wo er mit einer HIV-Infektion zurückkehrte. Vielleicht komme sie ihrem abwesenden Vater, der sie zwar geliebt habe, aber das Leben noch mehr, „in der Ferne endlich nah?“

 

„Den Drang, nicht zu gehorchen, finde ich spannend“

Nora Gantenbrink

 

Gantenbrinks Sprache ist im guten Sinne einfach. Sie lese selbst gerne schnörkellos geschriebene Romane wie Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, sagt sie. Ihre schönsten Pointen und Verdichtungen entfalten gerade durch die Klarheit der Sprache ihre Wirkung. Beispiel: „Der neue Mann meiner Mutter liebte Regeln und Hausarrest und Anerkennung. Im Gegensatz zu meinem Vater schien er zuverlässig. Meine Mutter sagte immer vernünftig. Der vernünftige Mann baute Außenfassaden, aber die Wände hielten nicht. Es bracht weiter alles zusammen.“ Oder: „Wir sind am Ende doch alle nur Produkte von irgendwelchen Ereignissen. Ich weiß nicht, warum Erwachsene das so oft vergessen. Sie setzen einen in die Welt und verhalten sich später, als wäre man illegal eingereist.“

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„Dad“ ist nicht Gantenbrinks eigene Geschichte, doch es gibt autobiografische Anhaltspunkte. Der braungebrannte Wuschelkopf mit lila Hose, weißem Unterhemd und Sonnenbrille auf dem Cover ist ihr Vater. Gantenbrink ist Journalistin beim „Stern“ und als solche reiselustig wie Marlene. Sie kommt ebenfalls aus einem kleinen Ort in Nordrhein-Westfalen und lebte einige Jahre in der Talstraße mit Blick auf die Schmuckstraße, wo ihre Protagonistin sich mit Gabriela, einer südamerikanischen Transsexuellen, anfreundet. Und sie teilt manche von Marlenes Einschätzungen: „Dieser Drang, nicht zu gehorchen und Regeln zu brechen – das finde ich genau wie Marlene an ihrem Vater sympathisch.“

 

„Sucht und Sehnsucht hängen zusammen“

Nora Gantenbrink

 

Eine Idealisierung bietet „Dad“ nicht. Marlenes Reisen sind auch von Desillusionierung geprägt. Die Hippies haben in Indien den Grundstein für den Massentourismus gelegt, die noch lebenden Weggefährten des Vaters sind heruntergekommene Junkies.

„Sucht und Sehnsucht hängen zusammen“, sagt Gantenbrink. „Menschen, die drogensüchtig sind, sind im tiefsten Herzen nicht glücklich – sie müssen irgendetwas kompensieren.“ Bei Marlenes Vater steckt die Lücke im Scheitern an seinen Visionen. Trotz aller Exzesse, trotz aller Reisen – der Ausbruch aus den Strukturen seiner Herkunft gelingt ihm nicht. Den späten Sieg der Väter nennt Wippo, ein alter Bekannter des Vaters, dieses Phänomen. Viele aus seiner Generation „seien nach dem Abi erst einmal weg vom Eisenwald, weg von den mittelständischen Eisen- und Wurstwarenhandeln ihrer Eltern, sie hätten studiert, seien gereist, hätten Drogen genommen, politisch rebelliert und sich frei gefühlt, aber irgendwann hätten die Väter sie wieder zurückgeholt in das Leben, welches sie eigentlich für ihre Söhne vorgesehen hatten (…). Am Ende lebten sie dann doch das Leben ihrer Eltern.“ So auch Marlenes Vater, der im elterlichen Wurstwarenbetrieb landet. Am Ende ist er kein politischer Held, viele seiner Träume lebt er nicht – zum Beispiel einen Buchladen in Berlin aufzumachen.

 

Wunsch nach intensivem Leben

 

„In die Leerstelle, die mein Vater hinterlassen hat, habe ich mehr hineininterpretiert, als wirklich war. Viele Abenteuerreisen sahen vor allem vom Eisenwald aus wie Abenteuer“, erkennt Marlene während ihrer Streifzüge. Kein Wunder, war der Vater doch selbst ein Geschichtenerzähler, der es mit der Realitätstreue nicht so genau nahm. Zu groß war der Wunsch nach dem intensiven Leben, so als habe er mit narrativer Überhöhung, letztlich mit den Mitteln der Fiktion, die Lücke zwischen Vision und Realität stopfen, die Blässe der Desillusionierung bunt übermalen wollen. Vermutlich, weil er selbst einem Mythos aufgesessen ist, jenen um seinen Helden, den Hamburger Kiez-König Dieter Bockhorn, der während seiner Beziehung mit Uschi Obermaier in den 70ern als Paradebeispiel für den Ausbruch aus bürgerlichen Zwängen galt. „Diese Freiheit, dieser Abenteuermythos muss es gewesen sein, um den mein Vater Bockhorn beneidet hat“, sagt Marlene. Dass Bockhorn ein Egoist und Macho war, der Obermaier schlug, ist sicher. Dass sein Unfalltod Selbstmord war, ist nur eine Theorie. „Aber falls es stimmt, war das Leben von Bockhorn vielleicht doch nicht so super, wie mein Vater geglaubt hat“, so Marlene.

 

Widersprüche und Zwischentöne

 

„Dad“ ist kein Generationenroman, der Vater kein Repräsentant der Hippie-Bewegung. Aber natürlich spiegeln sich in ihm zeitlich bedingte Phänomene wider. Da wäre beispielsweise seine Kindheit während des Wirtschaftswunders, mitten im konservativen Muff der Adenauerzeit. Seine Verantwortungslosigkeit ist auch eine Gegenreaktion auf die freudlosen, autoritären Strukturen seines Vaters und des Internats: „Disziplin sei das Wichtigste, hätten die Lehrer immer gesagt, aber Disziplin, war sich mein Vater seitdem sicher, machte alles kaputt.“ Zugleich sah er nicht den materiellen Boden, auf dem seine Ideale fußten: „Um Geld hatte mein Vater sich nie geschert, aber das ist auch einfacher, wenn man mit welchem aufwächst.“

Gantenbrink hat ein Gespür für Widersprüche und Zwischentöne. Eine Abrechnung ist ihr Roman deswegen nie. Trotz all seiner Fehler ist das Verständnis für den chaotischen Vater und seine Sehnsucht nach dem großen Ausbruch immer spürbar. Was auch daran liegt, dass Marlene seinen Drang, der Enge zu entkommen, selbst kennt: „Was werden bedeutete im Eisenwald: ein Studium abschließen, für Mädchen reichte auch eine Ausbildung. Danach: Heirat, Kinder, Eigenheim, Einbauküche, Gemeinschaftsgrab.“

Provinzbashing liege ihr jedoch fern, sagt Gantenbrink. „Oft gibt es persönliche Gründe dafür, wenn, wie für Marlene, in der eigenen Wahrnehmung über einem Ort eine dunkle Wolke hängt.“ Und Marlenes bester Freund Oleg, die spannendste Nebenfigur des Romans, zeigt, wie weit die Welt in der Provinz sein kann. Oleg ist der Sohn polnischer Einwanderer, ein Autobastler, ein Neugieriger, der für seine Entdeckungen nicht in die Ferne reisen muss. Und sei es schlicht, sich im Supermarkt zu verstecken, bis die Türen dichtgemacht werden und er mit Marlene die ganze Nacht den Laden für sich hat.

 

Der Soundtrack des Provinzsommers

 

Marlenes Kindheit und Jugend im Eisenwald der 90er und 2000er Jahre, das bedeutet „Bravo“, aufblasbare Sessel, Nokia-Handys, Lavalampen, nachts ins Freibad einbrechen: „Während Helmut Kohl das Land regierte, knutschten, schwammen, träumten, froren wir – und das Chlorwasser wusch uns den blaumetallischen Eyeliner von den Lidern. Beim Küssen kannte noch keiner von uns die richtige Mischung aus Zunge, Speichel und Lippen. Die richtige Mischung Sprite und Blue Curaçao kannten wir auch nicht. Ich lernte, dass es eklig ist, einen Raucher zu küssen, wenn man selber keiner ist. Unsere Hände waren oft schwitzig und unsere Wangen rot. Das Antreten von Zweirädern, das Krächzen vom Kotzen, das Zischen von pfandfreien Dosenbieren waren der Soundtrack dieser Provinzsommer.“

Die schönste Pointe des Romans, gerade in Anbetracht der Fabulierkunst des Vaters: Im Erzählen funkt Wahrhaftigkeit. Marlene findet in der Literatur ein Moment der Versöhnung, sie veröffentlicht die Geschichte ihres Vaters. So wie Gantenbrink. Auch ihr Vater habe immer einen Buchladen aufmachen wollen, erzählt sie. Der Gedanke, dass sie ihn, der als Vorlage für den Roman-Dad diente, nun auf diese Weise in die Buchhandlungen bringt, gefalle ihr.

Zum Schluss gibt es einen Twist, der eine neue Perspektive öffnet. Die Geschichte endet mit einem Trost, der die Trauer nicht löscht – es ist ein Ende, das das Herz zerreißt und heilt zugleich.

Nora Gantenbrink: „Dad“, Rowohlt Hundert Augen, 240 Seiten, 20 Euro


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Interview: Katrin Bauerfeind über die Liebe

„Liebe: Die Tour zum Gefühl“ heißt das aktuelle Stand-up-Programm der Journalistin, Autorin und Moderatorin Katrin Bauerfeind. Ein Gespräch über das höchste der Gefühle

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Katrin Bauerfeind, Sie sagten einmal, Sie wären sehr bedacht, wenn es um Liebe ginge. Der Verstand setzt bei Ihnen bei diesem Thema also nie aus?

Zumindest habe ich großen Respekt vor dem Wort „Liebe“. Als Kind dachte ich, dass man nur „Ich liebe dich“ sagen darf, wenn man es für immer so meint ­– sonst wäre es ja gelogen. Mittlerweile weiß ich natürlich, dass es bei diesem Satz oft nur darum geht, einen Moment emotional festzuhalten.

Es gibt Studien, die besagen, dass ein nicht gerade geringer Prozentsatz der Männer bereits in der ersten Woche eines Kennenlernens ein „Ich liebe dich“ herausbringt.

Warum machen viele Männer das wohl so früh?

Wenn ich das wüsste. Ich erinnere mich noch genau: Als Teenager habe ich im Italienurlaub Mario kennengelernt. Ich war schwer verknallt. Und nach vier Tagen und acht Ramazzotti, sagt er: „Ick liebe dich!“ Und ich wusste: „Liebe, das darf man nicht nur so dahinsagen, das muss man so meinen.“ Und er darauf: „Icke dachte, du willste das höre!“ Aber so ist es nicht. Man will das nur hören, wenn es stimmt! Das ist bis heute so geblieben.

Wobei sich viele Menschen ja tatsächlich sehr schnell und sehr oft verlieben.

Freut mich total für die Leute. Die Wissenschaft sagt ja, dass Verliebtheit fürs Hirn ungefähr dasselbe ist, wie Drogen zu nehmen. Die sparen sich einen Dealer.

 

„Selbstliebe ist die schwerste Liebe“

 

Sie haben das Buch „Alles kann, Liebe muss“ geschrieben, gehen nun mit dem Programm „Liebe: Die Tour zum Gefühl“ auf die Bühne. Wa­rum diese intensive Beschäft­igung mit der Liebe?

Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, gab es da draußen extrem viel Hass. Offenbar wollten einige hasserfüllt die Welt verändern. Und ich wollte dagegenhalten. Warum nicht mit Liebe?

Bei Wut und Hass glauben immer alle, es sei ernst gemeint, bei Liebe denken alle, es sei kitschig. Dabei muss es bei Liebe ja nicht zwangsläufig um einen Liebespartner gehen, sondern es können auch Familie, Freunde, Fremde, Haustiere und Dinge sein, für die man eine Art Liebe empfindet und äußert. Ich habe einige lustige Geschichten zum Thema gesammelt, viele Kuriositäten auch, und da­ raus dann ein Buch und ein Bühnenprogramm gemacht.

Und was hat diese lange Liebes-­Arbeit bei Ihnen be­wirkt?

Dass ich auf einmal sehr verschwenderisch mit Emotionen wurde. Ich habe plötzlich ständig Komplimente verteilt, auch an völlig un­bekannte Menschen auf der Straße – schöne Haare, tolle Stimme, nettes Lächeln.

Und was ist mit Selbstliebe? Kriegen Sie die gut hin?

Ich bin fein mit mir (lacht). Aber ganz allgemein ist Selbstliebe natürlich die schwerste Liebe, gegen die zudem von außen angearbeitet wird.

Was meinen Sie?

Allein wir Frauen bekommen von der Werbung suggeriert: Investieren Sie mal noch ein paar Euro in Kosmetika, dann sind Sie schöner, wer schöner ist, hat mehr Grund, sich selbst gut zu finden.

Noch mal zurück zum sehr großzügigen Umgang mit Liebe. Glauben Sie, das wird ein bleibender Effekt Ihrer Liebes­-Projekte sein?

Ich glaube schon. Wenn wir im Straßenverkehr be­schimpft werden und auch noch dagegen angehen, hinterfragen wir diese Vorgänge oft gar nicht mehr, weil sie uns als normal vorkommen. Ich hingegen habe durch das Buch gelernt, das zu reflektieren und anders zu handeln. Ich habe gelernt, den Fokus nicht ständig auf Negatives zu legen, sondern vor allem auf Positives.

Katrin Bauerfeind: „Liebe: Die Tour zum Gefühl“, 20.10., Markthalle, 19 Uhr


Szene-Oktober-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Oktober 2019. Titelthema: Neu in Hamburg. Das Magazin ist seit dem 28. September 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Saša Stanišić im Interview: “Heimat ist ein Fantasiekonstrukt”

In „Herkunft“ setzt sich der Wahlhamburger Saša Stanišić mit seinem jugoslawischen Geburtsort und seinen Erfahrungen als Geflüchteter auseinander. Der Roman begeistert mit Sprachwitz und berührt mit traurigen Tönen – und wurde dafür mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnet.


Text & Interview: Ulrich Thiele
Foto: Katja Sämann 

 

SZENE HAMBURG: Herr Stanišić, viele Ihrer Texte beginnen mit „Liebe Ausländerbehörde“. Wie würden Sie Ihr Verhält­nis zu ihr beschreiben?

Saša Stanišić: Die Texte fangen wohl so an, weil mich die liebe Ausländerbe­hörde mal zwingen wollte, einen hand­schriftlichen Lebenslauf zu schreiben. Meine Eltern und ich wurden deshalb beinahe abgeschoben – „Herkunft“ ist damit vielleicht eine ironische Liebes­erklärung an die Ausländerbehörde.

Was ist das Problem?

Dass es eine Frage des guten Wil­lens ist. Über Umstände, an denen Schicksale hängen, sollte nicht die Güte eines Mitarbeiters der Behörde ent­scheiden. Ich hatte zwar mit meinem Sachbearbeiter Glück, viele andere Aus­länder aber geraten an Beamte, die bestenfalls Dienst nach Vorschrift machen. Schlimmstenfalls aber sind sie nicht mal im Ansatz am Schicksal ihrer Klienten interessiert.

Es braucht also mehr Objektivität?

Ja. Es braucht eine objektive hu­mane Rechtsprechung und den allge­meinen Willen zur Schaffung fairer Verhältnisse. Nur so kann eine Gleich­behandlung und der Schutz jener, die Schutz bedürfen, gewährleistet sein. Und das sind in Deutschland nach wie vor viele. Auch davon handelt das Buch.

Viele reden davon, dass Deutschland für diese Menschen zur zweiten Heimat werden muss. Wie stehen Sie dem Be­griff gegenüber?

Heimat ist ein strukturell regres­siver, meist repressiver und antieman­zipatorischer Begriff, da er sich über die Abgrenzung eines äußeren Ihr von einem inneren Wir definiert. Es ist
nur die Illusion von einem Gefühl – oder, um es mit den Worten von Ger­hard Winter zu sagen: „Heimat ist ein Fantasie-­ und Wertkonstrukt, mehr Erinnerung, Imagination und Magie als wahrgenommene Gegenwart, mehr Sehnsucht, Hoffnung und Utopie als erfahrene Wirklichkeit und berechen­bare Zukunft.“

Es gibt eine Szene, in der Sie Wasser aus einem Brunnen trinken, den Ihr Urgroßvater gebaut hat. Es sei zwar das beste Wasser gewesen, was Sie je getrunken hätten, doch all das sei gleich­zeitig auch „Zugehörigkeitskitsch“. Erwischen Sie sich trotzdem manchmal dabei, wie Sie diesem Kitsch verfallen?

Manchmal sind solche Impulse wenig kontrollierbar. Meist betrifft dies grundlegende, banale Dinge wie den Geschmack einer typischen Speise aus der Heimatregion, den Klang der Sprache oder auch das Aussehen einer Landschaft. Dann erwische auch ich mich manchmal beim Gedanken, dass das meins sei. Solange man dann nicht exklusive Ansprüche auf diese Dinge stellt, ist das aber auch in Ordnung.

Wie kamen sie zur literarischen Ver­mengung biografischer Erzählung mit fiktionalen Einschüben?

Die Fiktion war einerseits prag­matischer Füller für die Erinnerungs­lücken meiner dementen Großmutter. Die ausgedachten Geschichten waren meine Methode, ihre Frustrationen kleinzuhalten, die sich einstellten, wenn ihr Dinge nicht mehr einfielen oder sie verwirrt war.

Und andererseits?

Fiktion war für mich schon immer auch ein unerschütterliches Zuhause in der Krise. In diesen Geschichten war alles gut und wenn nicht, ließ es sich zumindest gut erzählen, verstehen und besser akzeptieren. Fiktionen haben mein Leben geprägt, und zwar der­art, dass ich sie als eine der wichtigsten Säulen meiner Herkunft ansehe.

Noch mal zu Ihrer an Demenz erkrank­ten Großmutter: Sie ist hier ein zentra­les Motiv, denn während Sie Erinnerun­gen sammelten, verlor sie ihre. Warum ist das Erinnern für Sie so wichtig?

„Herkunft“ ist ein Erinnerungs­projekt, in dem ich mich an erzähle­rischen Diagnosen der Gegenwart ver­suche. Die Geschichte wiederholt sich ja und es ist interessant, ihre Parallelen zu betrachten. Wenn ich von meinen Erinnerungen an die 90er Jahre spre­che, in denen ich als Geflüchteter in Deutschland angekommen war, spreche ich auch über die Erfahrungen der Ge­flüchteten heute.

Erinnerungen haben immer auch etwas mit Vergänglichkeit zu tun. Auch der des Lebens. Was macht der Gedanke daran mit Ihnen?

Ich spiele sehr viel mit meinem Sohn, unternehme fantastische Dinge mit ihm, lerne Sachen, die er lernt. Zum Beispiel, wie ein Bagger wirklich funktioniert. Und heute hat er mich gefragt: „Papa, ist Spielen eigentlich auch Arbeit?“ Ich sehe ihn an, und ich denke: Die nächsten Jahre neben diesem Wesen: nichts lieber als das. Und das fühlt sich alles andere als ver­gänglich an.

Saša Stanišić: „Herkunft“, Luchterhand, 360 Seiten, 22 Euro

 

Karen Köhler über ihr Buch „Miroloi“: Risse im Gehorsam

Die Romanautorin Karen Köhler erzählt in „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich einem autoritären System widersetzt. Ein Gespräch über die politische Weltlage, die Macht der Bildung und über die Notwendigkeit des Aufbegehrens

Interview: Ulrich Thiele
Foto: Christian Rothe

 

Vor fünf Jahren löste Karen Köh­ler mit ihrem Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ ein – ohne Übertreibung – kollektives Entzücken im Feuilleton aus. Gelobt und geliebt wurden ihre modern und zugleich altmodisch anmutenden Geschichten vor allem für ihren radikal eigenen Sprachstil und für ihre eindrucksvollen Frauenfiguren. Dem­ entsprechend heiß wird nun ihr Debüt­roman „Miroloi“ erwartet, der am 18. Au­gust im Hanser Verlag erschien.

Karen Köhler lebt auf St. Pauli, wo das Interview an einem Dienstagvormittag draußen vor einem Café stattfindet. Es ist ein ausführliches Gespräch von anderthalb Stunden, mit Exkursen über die poli­tischen Entwicklungen der letzten vier Jahre, die nicht am Entstehungsprozess von „Miroloi“ vorbeigegangen sind, wie sie sagt.

SZENE HAMBURG: Karen, wann hast du das letzte Mal aufbegehrt?

Karen Köhler: Gerade Sonntag habe ich mit der Seebrücke Hamburg gegen die Kriminalisierung der Seenot­rettung demonstriert. Auf die Straße zu gehen und Gesicht zu zeigen, ist definitiv ein Akt des Aufbegehrens. Aber man kann auch in den kleinsten Augenblicken aufbegehren. Es ist in Deutschland sehr viel durch Gesetze geregelt, das soll unser Zusammenleben wohl einfacher machen, manchmal hält es aber auch vom Denken und Selbst­ entscheiden ab, oder entfernt sich wie im Falle der Kriminalisierung der Seenotrettung von dem demokratischen Wertekanon, auf den man sich in Europa mal geeinigt hat.

 

„Die Welt verändert sich schneller, als ich sie erfassen kann“

 

In „Miroloi“ begehrt eine junge Frau auf gegen die autoritären Strukturen in einem isolierten, archaischen Dorf auf einer Insel. Männer haben das Sagen, Frauen dürfen nicht lesen, es gibt Traditionen, religiöse Gesetze und drako­nische Strafen. Es gibt auch einige Ver­weise auf die Gegenwart jenseits der Insel: Coca­ Cola und Fernseher zum Beispiel. Warum dieses Archaische im Modernen?

Anfang 2015 hatte ich zunehmend Schwierigkeiten, die Welt zu beschreiben. Sie verändert sich schneller, als ich sie erfassen kann. Deswegen habe ich diesen Mikrokosmos einer fiktiven Insel erfunden, den ich auf strukturelle Mechanismen untersuchen konnte: Wie ist eine Gesellschaft organisiert? Wie viele Gesetze braucht sie? Wie be­gegnet sie dem Fremden, was macht das Fremde mit ihr? Wie gehen Machthaber mit ihrer Macht um? Gerade Macht übt eine Faszination auf Menschen aus. Wer sie hat, wird in Versuchung geführt, sie auch zu demonstrieren.

Wie hast du recherchiert, um diese Welt zu entwerfen? Du erfindest ja so­ gar eine Religion.

Ich habe vier Monate auf einer Insel in Griechenland verbracht und dort existente Dorftraditionen kennengelernt. Das Wort „Miroloi“ zum Beispiel kommt aus dem Griechischen und beschreibt eine Totenklage. Es gibt in mehreren Regionen Griechenlands die Tradition, dass die Dorfältesten nach dem Ableben eines Menschen sein gesamtes Leben nachsingen.

Ich habe zudem gemeinsam mit zwei Dolmet­schern die Dorfbewohner interviewt, was viel mit Vertrauen zu tun hatte. Es dauert, bis Menschen an den Punkt kommen, an dem sie bereit sind, über Schmerz zu sprechen.

Hast du ein Beispiel?

Wir haben mit einem alten Bauern gesprochen und saßen in seinem Haus in einem Dorf, in dem der Strom nie angekommen ist und das deswegen verlassen wurde. Er ist aber immer noch jeden Tag dort in diesem Haus, das sein Vater mit eigenen Händen gebaut hat. Auf die Frage, was er sich wünschen würde, wenn er einen Wunsch frei hätte, sagte er, dass er gerne alle seine Nutztiere noch mal sehen würde. Diese Unmittelbarkeit hat mich unfassbar be­rührt, dieses dem Leben und Überleben ausgesetzt zu sein. Davon sind wir in unserer urbanen Alltagswelt auf den ersten Blick sehr weit entfernt.

Warum nur auf den ersten Blick?

Wir sind dennoch Nutznießer des­sen – wir konsumieren jeden Tag das, was Leute irgendwo in der Welt an­gebaut haben. Die Menschen, die in Spanien auf den Feldern unsere Tomaten ernten, sind oftmals geflüchtete Menschen aus Afrika, die unter den schlimmsten Bedingungen leben. Und die Menschen, die Tiere auf niedersächsischen Schlachthöfen schlachten, kommen aus Rumänien und hausen unter unwirtlichen Bedingungen. Wir sind bei genauerer Betrachtung gar nicht so weit weg von den archaischen Verhältnissen, die im Buch beschrieben werden.

Warum hast du im Buch das Dorf mit diesem repressiven Gesellschaftsmodell entworfen?

Ich habe mich gefragt, wie die Unterdrückung der Frau strukturiert ist – indem man sie von Bildung fernhält und an Haus und Kind bindet. Anfang des Jahres habe ich ein Interview mit einem spanischen Priester zum Thema häusliche Gewalt gelesen. Er sagte, Frauen seien selbst schuld, wenn sie geschlagen werden, sie hätten ihren Männern einfach nicht gut genug gedient. Das ist in Europa im Jahr 2019. So lange es dieses Gedankengut noch gibt, kann man nicht aufhören, solche Bücher da­ rüber zu schreiben.

Die Protagonistin in „Miroloi“, die am Anfang noch keinen Namen hat, erfährt diese Unterdrückung sehr extrem.

Sie ist ein Findelkind. Die Gesetze im Dorf schreiben aber vor, dass jeder nach der Mutter oder nach dem Vater benannt wird. Nur wer diesen Stamm­namen hat, darf partizipieren. Die Ungewissheit, woher sie kommt, verängstigt die Dorfbewohner. Sie erhält deswegen keinen Namen und damit fängt die Kette der Ausgrenzung an. Ihr wird die Rolle des Sündenbocks zugeschrieben.

In dem Winter, in dem sie gefunden wurde, gab es Frost, der die Ernte zerstört hat. Das Dorf, das in seiner Aufklärung nicht fortgeschritten ist, gibt ihr dafür die Schuld. Dieses Narrativ begleitet dieses junge Mädchen von Anfang an. Wenn sie nicht in einem religiösen Oberhaupt, dem Bethaus­ Vater, einen Fürsprecher hätte, der sie schützt, hätte sie die ersten Jahre wohl nicht überstanden.

Der Bethaus ­Vater erkennt in ihr den Menschen, wie er in jeder Person den Menschen erkennt. Unter diesem Schutz wächst sie bei ihm auf und gerät irgendwann an ei­nen Punkt, wo sie anfängt, das System zu hinterfragen. Das zwirbelt sich auch an ihrem Namen auf: Warum hat alles einen Namen, nur ich nicht?

 

Ein großer Gesang auf die Selbst-Ermächtigung

 

Da ist ein Riss in ihrem Gehorsam, sagt sie an einer Stelle. Fängt mit dem Riss ihr Leben, ihr Miroloi erst an?

Ja, das kann man so sagen. In meinen Augen ist das ein großer Gesang auf die Selbstermächtigung. Sie lernt heimlich lesen und schreiben und verschafft sich somit Zugang zu Bildung und einen Abstand zur Welt. Sie lernt, sich ins Verhältnis zu setzen und die Dinge zu hinterfragen, und schafft so den Sprung aus dem rein emotionalen Welterleben in eine Abstraktion. Die Stelle, in der sie lernt, was der Konjunk­tiv ist, ist programmatisch für dieses In-­Distanz-­treten.

Auf der anderen Seite beschreibt sie die Welt, die sie sieht und erlebt, mit Sinneslust und Entdeckungsfreude, als könne sie die Welt erst jetzt mit der Sprache so richtig greifen.

Sie ist definitiv ein sehr lebenshungriger Mensch und hat eine große Offen­heit für alles, was sie wahrnimmt. Sie erfindet auch Worte: „Das Haus liegt hier am Berg. Engschattig und drüben­sicher.“ „Drübensicher“, also sicher vor dem Fremden auf der anderen Seite des Meeres, ist so ein typisches Wort für sie. Sie hat ihren eigenen Zugang zur Welt, wie ein durch tausend Kanäle gehendes System.

Der Bethaus-­Vater scheint eine morali­sche Autorität zu sein. Es gibt aber auch Momente, die diesen Eindruck zum Bröckeln bringen. Zum Beispiel, wenn die Protagonistin ihre Angst beschreibt, dass er wieder einen Wutausbruch kriegen könnte. 

Ich wollte eine Figur im Buch ha­ben, die ambivalent ist. Niemand, auch ein religiöses Oberhaupt nicht, ist gefeit vor emotionaler Entrückung, Wut oder Lust. Der Bethaus-­Vater ist sehr lebemännisch, er trinkt und isst gerne. Und er partizipiert an einem System, von dem er weiß, dass es nicht fair ist. Er hat genauso Angst vor einem Machtverlust wie alle anderen. Trotzdem versucht er nach seinem besten Wissen und Gewis­sen das Dorf auf einer religiösen Ebene zu leiten.

Aber er unterläuft das System auch sub­versiv von innen, etwa dann, wenn er der Protagonistin das Lesen beibringt.

Genau. Es gibt eine Strophe, in der die Protagonistin alles aufzählt, was sie vom Bethaus­-Vater gelernt hat. Dazu gehört auch, „wie man das Gesetz biegt, ohne es zu brechen“. Er sucht die Lücken im System. Er hat einen parallelen Subwoofer von eigener Moral am Laufen, nach der er abwägt, welche Gesetze er übersehen und umgehen kann.

Karen-Koehler-Cover-MiroloiIst der Roman optimistisch? Dass sie ihr eigenes Miroloi singt, kann man auch so verstehen, dass sie stirbt.

Auf der einen Seite ist es ein wahnsinnig optimistisches Buch, weil sie sich selbst ermächtigt und den Weg in die Freiheit geht. Sie hat den Mut, sich zu wider­ setzen und riskiert ihr eigenes Wohlergehen. Das Ende habe ich bewusst offen gelassen, ob es pessimistisch oder optimistisch ist – das kann jeder für sich entscheiden.

Karen Köhler: „Miroloi“, Hanser, 464 Seiten, 24 Euro. Der Roman ist am 18.8. erschienen. Am 16.9.2019 liest die Autorin im Rahmen des HarbourFront Literaturfestivals im Nochtspeicher.


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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