Beiträge

Imperial Theater: Von der Musical- zur Krimi-Bühne

Vor 25 Jahren startete Intendant Frank Thannhäuser seine künstlerische Vision in den Räumen eines ehemaligen Pornokinos. So war’s und so wird’s beim Imperial Theater

Interview: Karin Jirsak
Fotos: delovska.de

 

SZENE HAMBURG: Frank, ein Vierteljahrhundert Theater auf dem Kiez – da darf man schon mal ein bisschen nostalgisch werden. Erzähl doch mal ein bisschen über die Anfangstage. 

frank-thannhäuser-c-freelens-pool-malzkorn

Im Premieren- und Jubiläumsfieber: Frank Thannhäuser (Foto: Freelens Pool Malzkorn)

Frank Thannhäuser: An­fang der 1990er Jahre spielten wir als deutsche Erstaufführung „Grease“ in der ehemaligen Bowlingbahn am Anfang der Reeperbahn, wo heute die Tanzenden Türme stehen. Dort war auch der Mojo Club und der „Quatsch Comedy Club“ beheimatet. Als der Abriss kurz bevor stand, mussten wir neue Räumlich­keiten suchen und wurden gleich auf der anderen Stra­ßenseite fündig: Hamburgs größtes Pornokino war schon seit Monaten geschlossen, die Rollos waren unten.

Ich bin dann zu der Besitzerin des Hotels gestiefelt und hab sie gefragt, ob ich da mal rein­gucken darf. Die hat sich wohl auch gedacht: „Was kommt denn da jetzt auf mich zu?“ Trotzdem ist sie dann mit mir runtergegangen, und da war alles ganz heruntergekom­men, grottig und braun, so wie man es in den 70er Jahren gern hatte. Wir haben dann aber beschlossen, die Spiel­stätte anzumieten und zum Musiktheater umzubauen.

Wir spielten „Grease“ weiter und später auch weitere Mu­sicals wie „Kleiner Horror­ laden“ oder „Rocky Horror Show“. Doch Ende der 90er Jahre wurde es wegen der hohen Produktionskosten finanziell sehr eng für uns als kleines Musiktheater. Wir brauchten also etwas Neues. Dann kamen wir auf die Idee, spannende Krimis auf die Bühne zu bringen und waren dann nicht mehr ein Musiktheater unter vielen, son­dern Hamburgs einziges Kri­mi-­Theater. Das hat uns allen sehr gut getan.

Sieht man. Ist denn aus den alten Pornokino-Tagen noch irgendetwas hier erhalten geblieben an Interieur?

Man könnte denken, un­sere original 50er­-Jahre­-Sput­nik­-Lampen – aber die haben wir einem Schuhladen in Remscheid abgekauft. Tat­sächlich mussten wir hier sozusagen jeden Stein umdrehen. Auch die Stühle wurde gegen eine gebrauchte Thea­terbestuhlung aus dem Plane­tarium Jena getauscht …

 

Imperial-theater1-c-delovska.de

Imperial Theater: Früher Pornokino – jetzt Krimitheater

 

25 Jahre auf der Reeperbahn, gab’s da nicht mal Stress?

Bis auf die Sprengung des Nachbarhauses in unserem Gründungsjahr 1994, tatsäch­lich gar nicht! Wir sind ja hier ziemlich am Anfang von der Reeperbahn, da haben wir das gute Ende von der Wurst erwischt.

Stichwort Jubiläumsinszenierung: Warum habt ihr euch für „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ entschieden?

„M“ war schon länger ein Wunschkind. Der Stoff ist zeitlos, finde ich. So lange es Kinder gibt, sorgt man sich um sie und gerät aus der Fas­sung, wenn irgendetwas pas­siert. Im Kern geht es um das Menschliche. Wozu sind Leu­te in Extremsituationen fähig? Um das zu erzählen, helfen auch die Songs im Stück: Es funktioniert besser, über in­nere Abläufe zu singen, als da­rüber zu reden. Nebenbei war das auch unser Wunsch fürs Jubiläum: die Anfänge des Musiktheaters mit dem Krimi zusammenzubringen.

Wann und wo spielt das Stück?

In den 20ern, wie der Fritz­-Lang-­Film. Wir benutzen zu 70 Prozent das Originaldreh­buch. Den Stoff in die heutige Zeit zu übertragen, da hätte es zu viele Stolpersteine gegeben. Die Kommunikation funktio­nierte ja ganz anders – keine Handys, kein Internet – und die gesellschaftlichen Hie­rarchien waren andere.

Den Schauplatz haben wir aller­dings von Berlin nach Ham­burg verlegt. Hier hätte so was ja genauso gut passieren können, da muss man nicht so tun, als wäre man in Berlin.

 

„Tornado in Beige“

 

Wie sieht das dann hier auf der Bühne so aus?

Wir befinden uns in ei­ner alten Fabrikhalle. Überall ist Gebälk und hinten auf die Wand ist eine alte Reklame gemalt. Es ist überall Mauer­stein zu sehen. Es gibt ver­schiebbare Treppen … Alles ist gebraucht, alt und knarzig. Die Kostüme sind tatsächlich alle im 20er­-, 30er-­Jahre-­Stil gehalten. Die Kulisse ist eher bräunlich­gräulich. Die Kostüme sind die Farbkleckse darin, die sind sehr poppig.

Du zeichnest ja auch für die Kostüme verantwortlich. Gab es da eins, das Du als Erstes im Kopf hattest?

Es gibt dieses nervig-­ko­mische Ehepaar, die Kubitzkes. Die sind Denunzianten und wollen unbedingt die hohe Belohnung einstreichen, die für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt ist. Beide sind im Partnerlook und tragen ein beiges Karo. „Tornado in Beige“, nennt meine Kollegin die beiden immer.

Gab es in 25 Jahren so was wie ein Lieblingskostüm, oder auch mal eins, das besonders schwierig war?

Die Schurken sind immer eine Herausforderung. Das ist eine echte Gratwanderung: Sieht das jetzt gefährlich aus oder albern? Gerade bei Edgar Wallace zum Beispiel, wo man Figuren hat wie „Der Frosch mit der Maske“.

Der hatte bei uns eine Gasmaske auf und einen bodenlangen Kroko­-Imitat-­Ledermantel. Der glänzte und schwang so richtig schön – das sah toll aus in den Kampfszenen! Dazu gab es einen Gürtel mit dem Froschlogo vorne drauf, da­ran hingen Glaskolben mit Flüssigkeiten und ein Verzerr­-Lautsprecher. Fast wie aus einem Marvel-­Comic.

Wie geht’s nach dem Jubiläum weiter?

Nach „M“ kommt ab Herbst unser erster Edgar­-Al­lan­-Poe-­Klassiker „Der Unter­gang des Hauses Usher“ und ab Frühjahr 2020 „Die Tür mit den sieben Schlössern“ von Edgar Wallace. Im Herbst 2021 will ich mir einen alten Traum erfüllen und „Dracula“ machen. Das ist mal was ganz anderes, aber das wird auch sehr schön werden.

Ihr gehört ja zu den Erstunterzeichnern der Hamburger „Erklärung der Vielen“, die sich gegen rechtspopulistische Einflussnahme auf den Kulturbetrieb ausspricht. Was hat euch dazu bewogen?

Ich bin kein politischer Mensch und wir machen hier „nur“ Unterhaltung. Aber für mich ist es grundsätzlich un­vorstellbar, dass mir jemand sagt, das und das darfst du jetzt nicht mehr zeigen. Bei uns ist es zwar noch nicht so, es schadet aber auch nicht, hier ein bisschen übervor­sichtig zu sein. Das Theater muss ein Feld für freie Mei­nungsäußerung bleiben, und das müssen wir schützen.

Als „M“ geschrieben wurde, stan­den wir an einer Schwelle, an der wir heute vielleicht wieder stehen. „M“ führt ja auch sehr deutlich vor Augen, was pas­siert, wenn Leute mit Populismus konfrontiert werden, wie schnell sich Strömungen bilden, die dann nicht mehr auf­zuhalten sind. Da muss man sich einfach positionieren und dagegen rudern.

Imperial Theater: Reeperbahn 5 (St. Pauli)


Szene-Hamburg-August-2019-TitelDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, August 2019. Titelthema: Wie sozial ist Hamburg? Das Magazin ist seit dem 27. Juli 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

 

Kogge: Das Rock ’n’ Roll-Hotel musste Abschied feiern

Die Kogge, Kneipe und Hotel, hat schon Bands wie The Mars Volta beherbergt und war in St. Pauli fest verankert – nun musste sie schließen. SZENE HAMBURG sprach mit Betreiberin Riikka Beust über die aktuelle Situation

Interview: Ole Masch
Foto (0.): Ole Masch

Mit einem großen Fest wurde Anfang Juni das beliebte Rock ’n’ Roll-Hotel Kogge verabschiedet. Über 16 Jahre war die Unterkunft samt angeschlossener Bar fester Bestandteil der Nachbarschaft St. Paulis und international bekannter Übernachtungsort für unzählige Bands. Ob die Stadt nach der Kündigung durch den Vermieter doch noch eingreift oder ein weiterer Meilenstein verfehlter Standortpolitik erreicht wird, bleibt abzuwarten.

Riikka, warum habt ihr kürzlich euren Abschied gefeiert?

Riikka Beust: Nachdem wir 2003 die Kogge eröffnet haben, wurde sie 2007 von den Besitzern zum Verkauf angeboten. Für einen Spottpreis. Inklusive der beiden dazugehörigen Mietshäuser im Hinterhof. Wir hatten das Vorkaufsrecht. Und haben es nicht genutzt. Wir waren dumm. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, welche Möglichkeiten zur langfristigen Erhaltung unseres, und anderer Lebensräume damit geboten wurden. Und wie nötig es werden würde, mit allen Mitteln für diese zu kämpfen.

Wir waren naiv. Und wohl nicht visionär. Und auch politisch nicht ausreichend vernetzt. Erst als ein neuer Vermieter erschien, und er begann, uns vor Gericht zu zerren, um uns loszuwerden, begriffen wir, dass wir Teil eines abgekarteten Abfucks geworden waren. Doch unser Mietvertrag war immerhin wasserdicht für die Laufzeit von 16 Jahren. Da ließ sich auch zum Unglück des neuen Vermieters nicht dran rütteln. So sehr er sich auch über die Jahre bemühte – zum Glück sahen die vorstehenden Richter das ähnlich wie wir – unser Vertrag behielt seine Gültigkeit.

 

kogge-hotel-kneipe-bernhard-nocht-straße-2-foto-sophia-herzog

Dieser Negativ-Countdown zählte die Tage bis Mietsende / Foto: Sophia Herzog

 

So plötzlich kam der Abschied also nicht?

Wir wussten seitdem, dass unsere Tage gezählt sind. Und wir zählten sie. Auch mithilfe unseres Countdowns an der Wand. Hätten wir damals gewusst uns zu wehren, zu verbinden, Initiativen zu gründen oder eine Struktur zu vernetzen, die über den eigenen Bedürfnishorizont hinausgeht, wie es zum Beispiel von SOS-St.Pauli, St.Pauli Selbermachen, RechtAufStadt, Leerstand zu Wohnraum und vielen anderen mittlerweile getan wird, würde es die Kogge heute wohl noch geben.

Oder wenn die Stadt damals begriffen hätte, wie viel Leid der Verlust dieser kleinen Klitsche, und den damit gewachsenen Strukturen für einen Stadtteil bedeuten kann, – aus kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Sicht – es würde die Kogge heute wohl noch geben.

Was passiert jetzt mit dem Gebäude?

Wie vermutet, wurde vom Vermieter ein Bauantrag eingereicht, um die Kogge und seine erst 2012 fertiggestellte Aufstockung abzureißen. Laut Antrag soll ein siebenstöckiges Boarding-House errichtet werden. Was das bedeutet, beziehungsweise warum diese Gesetzeslücke allen potenziellen Investoren in Wohngebieten profitable Kurzzeitvermietung ermöglicht und Wohnraum vernichtet, sollte dringend gesondert öffentlich gemacht werden und liegt in der Verantwortung der Stadt.

Woher wisst ihr das so genau?

Da uns ein Verkaufsangebot zugespielt wurde, in dem die Liegenschaft inklusive der beiden Mietshäuser im Hinterhof zum Verkauf angeboten wurden. So wussten wir, was der eigentliche Plan von Anfang an war: Ein Objekt – zum Abriss frei, ohne laufende Verträge mit Gewerbemietern, inklusive einer lukrativen Baugenehmigung – zum Verkauf zu stellen. Denn unsere Bemühungen um eine Verlängerung des Mietverhältnisses mit einer Anpassung des Mietzinses wurden noch im Winter 2018/19 vom Vermieter kategorisch abgelehnt.

Wie habt ihr darauf reagiert?

Wir haben unsere Kooperationen gekündigt, unsere Mitarbeiter entlassen, das Booking eingestellt und alle Verträge beendet. Zwei Wochen vor Ablauf des Vertrages und Übergabe des Objektes wurde uns vermieterseits eine sechsmonatige Verlängerung des Mietverhältnisses angeboten. Mit knapp 1.000 Euro Mieterhöhung. Unabhängig davon, wie indiskutabel ein solches Angebot aus Sicht der wirtschaftlichen Planungssicherheit ist, wird hier mit den Bedürfnissen und Emotionen eines ganzen Viertels gespielt, das mit dem Verlust der Kogge auf vielen Ebenen noch lange zu kämpfen haben wird.

 

kogge-hotel-kneipe-bernhard-nocht-straße-1-foto-sophia-herzog.jpg

Kogge: Leider kein Tresen für die Ewigkeit / Foto: Sophia Herzog

 

Was passiert nun mit den Menschen, die direkt mit der Kogge involviert sind?

Die wahrscheinlich wichtigste Säule war immer die Crew. Während in anderen gastronomischen Betrieben meist eine hohe Fluktuation an Mitarbeitern herrscht, ist die Kogge-Crew in 16 Jahren immer über lange Zeiträume konstant gewesen. Selbst wenn Menschen neue Lebenswege einschlugen, Eltern wurden, promovierten oder auch ihren eigenen Laden eröffneten, sind die meisten ein Teil der Kogge geblieben. Und das hat die Kogge ausgemacht. Die liebevolle Offenheit mit einem authentischen Selbstbewusstsein, für das die Kogge so geschätzt wurde, ließ schon immer auf den hohen Grad der Identifikation der Mitarbeiter mit der Kogge schließen.

Und auch für ihre Fähigkeiten wurde die Crew der Kogge geschätzt. Nicht selten wurde die Kogge „Kaderschmiede“ genannt. So war es zum Glück auch nicht schwer die Mitarbeiter, die der Gastronomie erhalten bleiben wollten, in neuen Arbeitsverhältnissen unterzubringen. Im Gegenteil. Es wurde sich nahezu um sie gerissen. Trotzdem stand die Crew loyal und felsenfest bis zur letzten Stunde gemeinsam an Bord.

Und was macht ihr als Betreiber?

Gernot Krainer, mein Geschäftspartner, muss sich auch erst mal sammeln und die Trümmer seiner Existenz verräumen, bevor er weiß, was als Nächstes kommt. Ich werde den Juli über nur für Off The Radar da sein. Ab August werde ich mit Fabi, einem langjährigem Mitarbeiter, im Karoviertel ein Stadtteil-Cafe eröffnen. Unser Wunsch ist es, einen offenen Raum zu bieten, in dem sich Menschen vernetzen und zum politischen Austausch treffen. Wo Initiativen sich vorstellen und engagierte Interessierte Informationen bekommen. Vom Viertel fürs Viertel.

Dazu mit Kicker und Kultur. Aber es wird nicht die Kogge sein. Ich muss nach vorne gucken. Sonst würden die Wehmut und die Wut über den Verlust zu groß. Aber ich könnte mir denken, dass manche Nachbarn und Hinterbliebene der Kogge weniger gemäßigt mit ihrer Wut umgehen … Nicht nur deshalb kann ich mir einen glücklichen Investor, oder einen Betreiber eines nicht mit dem Stadtteil kompatiblen Gewerbes an dieser Stelle schwerlich vorstellen.

 

Riika-Beust-c-Kogge.jpg

Riikka Beust: Kogge auf Öl und für ewig / Foto: Kogge

 

Und wie geht es mit dem Projekt Kogge weiter. Ihr wolltet doch auf das ehemalige Esso-Gelände ziehen?

Die Kogge wird es so nicht mehr geben. Sollte sich aber zum Beispiel die Stadt entscheiden, dem Vermieter ein Angebot zu machen, um die Liegenschaft vor Spekulanten zu schützen und die Strukturen der Nachbarschaft zu erhalten, solle man mir gerne Bescheid sagen. Für einen langfristigen Mietvertrag in der Bernhard-Nocht-Straße würde ich auch mit Überzeugung in eine notwendige Sanierung investieren.

Natürlich besteht auch immer noch die Möglichkeit, dass für die Kogge, dem Molotow und der Baugemeinschaft im Paloma-Viertel mit der Investorengruppe der Bayerisch Hausbau und der Stadt eine wirtschaftlich tragbare Lösung für einen Einzug auf dem Esso-Areal gefunden wird. Allerdings muss die Stadt sich dafür den Investoren gegenüber endlich gerade machen und auf die Einhaltung der Absprachen bestehen. Ansonsten wird das, was von den großen Plänen der Bürgerbeteiligung übrigbleibt, keine Erwähnung mehr wert sein.


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im
Online Shop oder als ePaper erhältlich!


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?


Neueröffnung: Hamburgs erste Ratsherrn Bar

Das gepflegte Feierabend-Craft-Beer trinkt man jetzt im Mühlenkamp. 43 Sorten fließen aus den Zapfhähnen der neuen Ratsherrn Bar – Blick auf den Osterbekkanal inklusive

Text: Laura Lück
Fotos: Seren Dahl

Ratsherrn Bier gehört zu Hamburg wie Labskaus und Alsterschwäne. Zumindest das Pils mit dem Typen mit der Halskrause bekommen Hamburger in fast jedem Kiosk und den meisten Bars zwischen Blankenese und Billstedt. Dass die Marke erst jetzt die Eröffnung der ersten eigenen Ratsherrn Bar der Stadt feiert, ist fast irritierend – zu bekannt sind die leckeren Craft-Beer-Sorten und die kultige Brauerei in den Schanzenhöfen.

 

Ratsherrn_Brauerei-3-b_c-Seren-Dahl

 

Auch der neue Standort überrascht, hätte man doch eher auf die typischen Szenenviertel getippt: St. Pauli, Ottensen, Schanzen- oder Karoviertel. Betritt man die direkt am Osterbekkanal gelegene Location im Mühlenkamp, ergibt aber sofort alles Sinn. In der unteren der zwei Etagen fühlt man sich zwischen Schiffslampen mit Metallgitterfassung und warmen Holztönen wie im Bauch eines Bootes. Ausblick aufs Wasser gibt’s aber trotzdem. Die schwimmende Außenterrasse ist wohl künftig einer der schönsten Plätze fürs sommerliche Feierabendbier. Die vorbeifahrenden Stand-Up-Paddlern und Kanufahrern bekommen hier auch Sechserträger für die Bierpause über die Reling gereicht.

Ratsherrn_Brauerei-2_c-Seren-Dahl 43 Bierspezialitäten sprudeln in der Ratsherrn Bar aus 24 Zapfhähnen. Wem die Entscheidung schwerfällt, kann sich vertrauensvoll an das gut geschulte Personal wenden. Dieses empfiehlt nämlich nicht nur dem Geschmack entsprechendes Gebrautes von Hoptail bis Herrengedeck, sondern auch die zum jeweiligen Bieraroma passenden Speisen.

Gäste genießen hier kreative Stullen aus der Backstube des Braugasthauses Altes Mädchen oder Pastrami vom eigenen, am Bodden ansässigen Landwerthof. Freitag bis Sonntag öffnet die Bar außerdem schon ab 11 Uhr und lockt mit einem Frühstücksangebot am Wasser.

Ratsherrn Bar: Mühlenkamp 2 (Winterhude)


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?


Millerntor Gallery #9: Wenn aus Kunst Trink-Wasser wird

Zum neunten Mal verbinden Viva con Agua und der FC St. Pauli Kunst und Musik für einen guten Zweck bei der Millerntor Gallery. Warum sich jede Mühe dafür lohnt, erzählt der Geschäftsführer von Viva con Agua Arts, Arne Vogler

Text und Interview: Hedda Bültmann
Foto (o.): Jerome Gerull

arne-vogler-c-andrin-fretz

Viva con Agua Arts Chef Arne Vogler (Foto: Andirn Fretz)

SZENE HAMBURG: Arne, von der Schnapsidee zum festen Bestandteil der Hamburger Kulturszene. Wie geht das?

Es kamen mehrere Fakto­ren zusammen. Zum einen der nicht zu bremsende Akti­vismus der Gründer von Viva con Agua, die alles dranset­zen, eine Idee zu verwirkli­chen. Gemeinsam mit dem freudvollen Engagement un­serer Ehrenamtlichen. Zum anderen die Unterstützung unseres Partners FC St. Pauli, der von der ersten Stunde an dabei war. Die Offenheit und die Bereitschaft sich als Fußballverein und als Unter­nehmen auf das Projekt ein­ zulassen, ist einmalig und hat uns vieles ermöglicht.

Dieses Jahr lautet das Motto „Water is a Human Right“. Wie spiegelt sich das in der Ausstellung wider?

Die gezeigten Werke wer­den von den Künstlern aus aller Welt exklusiv für die Gal­lery entworfen. In der Ver­gangenheit hatten wir eher komplex formulierte Themen wie „Identikey“, was dazu führte, dass nicht alle Künstler themenbezogen gearbeitet ha­ben. Das wollten wir ändern.

Menschenrecht ist ein kon­kretes Thema und bietet nicht nur den Künstlern viele Anknüpfungspunkte, auch unser Kurations-­Team kann noch mehr einem roten Faden fol­gen, um über die Ausstellung eine Geschichte zu erzählen. Einige Künstler werden zum Beispiel Wasser als Thema wählen oder eine politische Herangehensweise, sodass ein schöner Mix unterschied­licher Umsetzungen und Genres zu sehen sein wird.

Ihr habt zum ersten Mal nicht nur das Thema konkreter formuliert, sondern auch wohin die Erlöse fließen …

Ja, genau. In der Vergan­genheit gingen die Spenden allgemein an den Verein. Diesmal haben wir im Vor­feld festgelegt, dass die Erlöse in das Oratta­-Projekt in den Provinzen Cabo Delgado und Nampula fließen. Dort, im Norden vom Mosambik, set­zen wir uns bereits seit 2015 für sauberes Trinkwasser und bessere Hygienebedin­gungen ein. Wir glauben, dass die Motivation der Künstler, Supporter und Besucher noch größer ist, wenn sie nicht nur für einen allgemein guten Zweck arbeiten oder spenden, sondern genau wissen für wen. Wir hoffen, so un­ser Spendenergebnis aus dem letzten Jahr von etwa 90.000 Euro zu übertreffen.

 

Millerntor Gallery #9: So bunt wird’s im Millerntor-Stadion

 

 

Innerhalb weniger Monate stelltet ihr eine Ausstellung mit mehr als 90 Künstlern auf die Beine. Klingt nach einem chronisch hohen Stresspegel?

Die acht bis zehn Wochen der Produktionsphase im Sta­dion sind schon eine enorme Belastung für die Familie und Freunde. Währenddessen bleibt kein Raum für anderes. Es ist, als würde man sich mit einem schweren Rucksack auf den Weg machen und es ist klar, für eine gewisse Zeit sieht man weder seine Fami­lie noch Freunde, es sei denn, man bindet sie als Helfer mit ein.

Doch das Ziel ist es auf je­den Fall wert. Die Gallery ver­braucht viele Ressourcen, aber sie ist auch wie ein Akku, ein Ort, der ganz viel Kraft gibt.

Was ist es, das sie so besonders macht?

Sie ist eine ganz besondere Veranstaltung, weil die soziale Grundhaltung aller Beteiligten besonders ist. Eine Galerie, die Kunst mit Musik verbindet, in einem Fußball­stadion mitten in der Stadt. Und das in einem Viertel, dessen Bewohner grundsätzlich eher gesellschaftskritisch und sozial engagiert sind.

Die Millerntor Gallery ist die Möglichkeit, die Grund­sätze von Viva con Agua zu erleben, das Freudvolle und Aktivistische. Wir kümmern uns um eine positive Verän­derung der Welt, aber auf eine spielerische Weise, indem wir die universelle Sprache von Kunst, Musik und Sport nut­zen, um die Menschen für unsere Themen zu erreichen und zum Mitmachen zu bewegen. Die Gallery ist sozusagen der Schmelztiegel von allem, was den Verein ausmacht.

 

„Unser Traum: den heiligen Rasen nutzen“

 

Der enorme Zulauf aus der Stadt mit 17.000 Besuchern im letzten Jahr, gibt euch Recht. Ruht ihr euch darauf aus, oder ist es eher ein Ansporn neu zu denken?

Natürlich sprechen wir je­des Jahr mit dem FC St. Pauli, ob und wie wir weitere Teile des Stadions in die Millern­tor Gallery einbinden können. Unser Traum wäre natürlich, irgendwann mal den heiligen Rasen nutzen zu können. Auch möchten wir zukünftig vermehrt ein Gleichgewicht zwischen den Genres schaffen, auf der einen Seite Street­ Art und HipHop, gleichzeitig im Kunstbereich die Grenzen erweitern. Noch liegt der Aus­stellungsfokus auf Street Art, aber in diesem Jahr haben wir darüber hinaus einige Hoch­karäter aus der bildenden Kunst dabei.

Was löst Kunst bei dir aus?

Emotionen. Die ganze Palette: von Erstaunen und Begeisterung über Glück bis hin zur Ruhe. Aber auch Trauer. Gerade bei dem dies­jährigen Kurationsprozess habe ich wieder gemerkt, dass Kunst für mich ein Vehikel für einen Perspektivenwech­sel sein kann, so als würde ich mir eine Brille aufsetzen und ein Thema nochmal ganz an­ders entdecken.

Millerntor Gallery #9: 4.-7.7.2019, Millerntor-Stadion (St. Pauli)


Szene-Hamburg-Juli-2019-CoverDieser Text stammt aus SZENE HAMBURG, Juli 2019. Titelthema: Schmelztiegel St. Georg.
Das Magazin ist seit dem 27. Juni 2019 im Handel und zeitlos im 
Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?

 

Überquell-Brauereitour: Dem Craft Beer auf der Spur

Sonne, Pizza, Bier: Das Überquell auf St. Pauli lockt mit Außenterrasse und Selbstgebrautem – und einer unterhaltsamen Brauereitour mit Verkostung.

Text: Laura Lück

Das Überquell macht nicht nur wahnsinnig gute Pizza (die Margherita trägt hier nicht umsonst den Namen Königin) aus einem echten handgemauerten neapolitanischen Ofen ­– sie verstehen sich mindestens genauso gut aufs Bierbrauhandwerk. 2017 kaperten die Inhaber Patrick Rüther und Axel Ohm die Riverkasematten auf St. Pauli. Heute ist die idyllische Anlage mit Biergarten und Hafenblick wohl eine der schönsten Locations für Sommertage mit Hamburg-Feeling.

Was viele nicht wissen: Das Überquell beherbergt auch eine kleine, aber feine Brauerei. Auf dem Weg durch Restaurant und Pub passieren Besucher außerdem ein liebevoll gestaltetes Mini-Biermuseum, das die Geschichte unseres Nationalgetränks erzählt. Jeden Samstag und Sonntag finden im Überquell geführte Touren statt. In kurzweiligen 30-45 Minuten gibt’s jede Menge Input und Wissen und natürlich einen Besuch bei Braumeister Tobias Hess.

 

Ueberquell-Patrick-Ruether-Axel-Ohm

Die Überquell-Inhaber Patrick Rüther und Axel Ohm

 

Er hat schon in Belize, Uganda, Mexiko und Russland als Braumeister gearbeitet und steht heute im Herzstück des Überquell: der Micro-Brauerei. Hier entstehen permanent fünf verschiedene Biersorten (Original Lager, Imperial Lager, Pale Ale, IPA, White IPA) und saisonale Spezialitäten, sowie monatliche Highlights. Natürlich wird im Anschluss auch ordentlich verkostet. Drei Bier sind inklusive. Bei sommerlichen Temperaturen kann es einem da schon etwas schwindlig werden – zum Glück ist die Pizza ja nicht weit.

Überquell: St. Pauli Fischmarkt 28-32


Auf den Geschmack  gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr?


Top 5 – Ramen wie in Japan esst ihr in diesen Restaurants

Ramen: Die köstliche Suppe mit traditionellen japanischen Nudeln und frischen Zutaten schmeckt wunderbar würzig – diese fünf Restaurants bereiten sie fast wie in Japan zu

Foto (o.): Miguel Maldonado via Unsplash

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung – zuletzt aktualisiert 6/2019

 

1) Kokomo Noodle Club – Ohne Fleiß kein Preis

Gerade weil es hier so grandiose Ramen gibt, waren wir überrascht, dass die beiden Inhaber des Kokomo noch nie in Japan waren. Das gleichen sie durch sehr viel Engagement aus, mit dem sie in ihren heimischen Küchen so lange geübt haben, bis die Rezepte ihrer Suppenkreationen genau wie in Tokio oder Osaka schmeckten. Lecker!

Kokomo Noodle Club: Clemens-Schultz-Straße 41 (St. Pauli)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Kokomo Noodle Club (@kokomo_noodle_club) am


2) Momo Ramen – Klassisch und „Dry“

Sitzplätze im Momo sind nicht nur abends, sondern auch unter der Woche mittags hart umkämpft – so gut ist das Essen hier. Neben klassischen Ramen in Suppenform gibt es auch „Dry Ramen“ ohne Brühe, also Nudeln mit Öl und Ei, fast wie bei einer japanischen Carbonara. Nach Feierabend locken außerdem die zahlreichen, asiatisch angehauchten Cocktailkreationen.

Momo Ramen: Margaretenstraße 58 (Eimsbüttel)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von MOMO Ramen (@momoramenhh) am


 3) Ramen Bar Zipang – Exzellente Variationen

Einen kleinen Blick ins japanische Alltagsleben bietet die Ramen Bar Zipang. Sie ist einer japanischen Ramen-ya, einer Mischung aus gemütlicher Kneipe und kleinem Restaurant, nachempfunden und serviert exzellente Ramen in allen Variationen. Besonders gut schmeckt es hier, weil von der Brühe bis hinzu den Nudeln alles selbst gemacht wird. Ein absoluter Genuss!

Ramen Bar Zipang: Eppendorfer Weg 62 (Eimsbüttel)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Ramen Bar Zipang (@ramenbarzipang) am


4) Takumi – „Meister seines Fachs“

Obwohl erst vor gut einem halben Jahr eröffnet, gilt das kleine Restaurant bereits als feste Größe unter Ramen-Fans. Das liegt wahrscheinlich an dem hohen Anspruch, der schon im Namen des Restaurants steckt. „Takumi“ bedeutet nämlich „Meister seines Fachs“ auf Japanisch – und der ist hier bei der Zubereitung der Suppen definitiv am Werk.

Takumi: Große Rainstraße 20 (Ottensen)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Amelie & Kia (@hungryatheart_hh) am


5) Ume no Hana – Traditionelles aus zwei Ländern

Das außergewöhnlich gestaltete Restaurant mit dem malerischen Namen „Pflaumenblüte“ kombiniert die Suppen-Traditionen zweier Länder. Denn hier finden Gäste sowohl die deftig-würzigen Ramen aus Japan als auch die leicht-aromatische Phở aus Vietnam. Klingt widersprüchlich, aber beide Spezialitäten werden mit viel Liebe und Zeit zubereitet und begeistern Fans beider Länderküchen.

 Ume no Hana: Thadenstraße 15 (St.Pauli)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Ume No Hana (@umenohana1985) am


Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung. Zuletzt aktualisiert 6/2019


Diese Topliste stammt aus unserem Gastro Guide: SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN ist seit April 2019 für 9,90 Euro im Handel und zeitlos im Online-Shop erhältlich! Ab dem 3.4.2019 im Handel: Der neue SZENE Hamburg Gastroguide


Auf den Geschmack  gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr?

Top 10 – Diese Cafés sorgen für eine leckere Auszeit

Hervorragende Törtchen, Tartes, Tee und Kaffee: Auf diese zehn Cafés schwören wir für die perfekte, gemütliche Auszeit

Text: Anissa Brinkhoff
Foto (o.): Philipp Schmidt

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung, zuletzt aktualisiert 6/2019

1) Café Gnosa – Kuchen mit Geschichte

Dieses Kaffeehaus ist ein legendärer Ort – aufgrund seiner Geschichte, aber auch aufgrund der Kuchen und Torten, die täglich in der hauseigenen Konditorei gebacken werden. Das Café wurde 1939 von Elli und Gerhard Gnosa eröffnet und von dem Ehepaar bis 1987 geführt. Seitdem ist es eine wichtige schwul-lesbische Institution in Hamburg. Die Konditorei im Keller des Hauses wurde früher von Herrn Gnosa selbst betrieben und seit der Übergabe des Cafés werden viele Torten weiterhin nach seinen Rezepten gebacken – mit viel Marzipan, Sahne, Buttercreme, Schokolade und Baiser. Ein bisschen fühlt man sich also wie in vergangenen Zeiten, wenn man es sich auf den weichen Bänken im Café gemütlich macht, den Bedienungen hinter dem Tresen zuschaut und ganz glücklich noch ein weiteres Stück Kuchen bestellt.

Café Gnosa: Lange Reihe 93 (St. Georg)

Gnosa


2) Café unter den Linden – Kaffee für Existenzialisten

Das Café könnte auch in einem ehrwürdigen Grandhotel liegen, in dem Stars übernachten, Intellektuelle ihren schwarzen Kaffee bei der täglichen Zeitungslektüre trinken und spätestens gegen Nachmittag auch mal Champagnerflaschen geköpft werden. Man sinkt auf ledergepolsterte Bänke und Zeitunglesen ist tatsächlich eine Hauptbeschäftigung vieler Gäste. Eine Gruppe von Freunden gründete das Café unter den Linden in den 1980ern. Die Freunde benannten ihr Café nach den sieben Linden, die vor dem Gebäude und um den Kaffeegarten wachsen. Den Innenraum richteten sie mit Marmortischen und Thonet-Stühlen ein und ließen einen befreundeten Künstler Wände verzieren. Der Milchkaffee wird in französischen Bols serviert, zum Espresso und Kaffee gibt es selbstverständlich ein Glas Wasser. Jeder Kuchen aus der Vitrine ist hausgemacht – zum Beispiel Schoko-Rotwein-Kuchen, Crumble mit Vanillesauce oder Johannisbeer-Baiser-Kuchen.

Café unter den Linden: Juliusstraße 16 (Sternschanze)


3) Elbgold – Mahlgrad und Milch perfekt

Ein Café mit eigener Kaffeerösterei – ein Traum für alle Genießer. Fünfeinhalb Standorte gibt es vom Elbgold in Hamburg inzwischen, als halben Standort zählen die Geschäftsführer Annika und Thomas ihre Café-Bar im Alsterhaus, weil es dort keine Speisen gibt. Das Café mit der Rösterei in den Schanzenhöfen ist ganz klar das Hauptquartier. In alten, sanierten Viehhallen mit Industriecharme, unglaublich hohen Decken, viel Licht und gemütlicher Einrichtung lassen sich hier entspannte Stunden vertrödeln. Die ausgebildeten Barista helfen, die richtige Kaffeesorte für jeden Gast zu finden, Gebäck und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie warten auf Hungrige in der Vitrine. Das Elbgold kauft den eigenen Kaffee direkt bei den Produzenten; so können faire Preise, eine bestmögliche Qualität und lange Geschäftsbeziehungen garantiert werden.

Elbgold: Lagerstraße 34c (Sternschanze)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von elbgold (@elbgoldkaffee) am


4) Hegeperle – Von der Schwierigkeit zu wählen

Das Café Hegeperle in Eppendorf ist aufgrund seiner versteckten Lage immer noch ein Geheimtipp. Der dunkle Dielenboden knarzt beim Eintreten und eine herzliche Begrüßung kommt über den weißen Holztresen. Bevor man es sich auf den Stühlen bequem macht, stehen schwierige Entscheidungen an der Kuchenvitrine an: In der Hegeperle gibt es überwiegend leckere Tartes, unter anderem mit Kirsche, Apfel, Aprikose, Birne oder Pflaume. Einen klassischen Käsekuchen gibt es natürlich auch. Ist die Entscheidung endlich gefallen, werden die Köstlichkeiten auf pastellfarbenen Tellern serviert, der Kaffee oder Tee kommt in ebenso bunten Tassen und Zucker steht in Porzellandöschen bereit. Eugenie Assmann, die ihre süßen Tartes und herzhaften Quiches aus hellem Dinkelmehl jeden Tag selbst backt, führt ihr Café weitgehend in Eigenregie.

Hegeperle: Hegestraße 68 (Eppendorf)


5) Herr Max – Patisseriekunst und Vintage-Glück

Schlangestehen zum Kuchenessen? Von Zeit zu Zeit passiert es im Herr Max, dass Tortenhungrige lieber eine halbe Stunde warten, als ins nächste Café weiterzuziehen. Denn Konditor Matthias Max zaubert seit zehn Jahren berühmte süßes Sünden der Schanze in einem aparten Vintage-Ambiente: Nahezu immer gibt es hier selbst gebackenes Tartufo, Schokomousse-Torte, Rhabarber-Baiser-Kuchen, Blaubeer-Grieskuchen oder veganes Bananenbrot mit Erdnusskaramell – und natürlich den kanadischen Käsekuchen als Dauerbrenner. Praktischerweise ist die Backstube direkt im hinteren Bereich des Cafés. So weht den Gästen konstant ein herrlicher Kuchenduft um die Nase. Und wer nett fragt, darf mal einen Blick in die Backstube werfen. Auch Showtorten für private Anlässe werden hier dekoriert.

Herr Max: Schulterblatt 12 (Sternschanze)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Herr Max Konditorei&Patisserie (@herrmax_konditorei) am


6) Meßmer Momentum – Teatime in der HafenCity

Sich beim Spaziergang durch die HafenCity eine steife Briese um die Nase wehen zu lassen und dann die kalten Finger an einer heißen Tasse Tee aufzuwärmen – das ist ein herrlicher Hamburger Nachmittag. Das Messmer Momentum ist der richtige Ort für den Einstieg in die Welt des Tees, ebenfalls für Experten und Teekenner mit besonderen Wünschen. Über 70 verschiedene Teesorten aus der Meßmer-Welt stehen in der Getränkekarte, dazu gibt es hausgemachte Scones und Clotted Cream, Kuchen und Teegebäck oder herzhafte Sandwiches. Wer Lust auf eine kleine mentale Reise hat, sollte es sich gemütlich machen und eines der Tee-Menüs ausprobieren, zum Beispiel den „Thé de Salon“, der mit Macarons, Crêpes, Chili-Schokoladen-Soufflé und viel Savoir Vivre daherkommt und Frankreich-Sehnsucht weckt.

Meßmer Momentum: Am Kaiserkai 10 (HafenCity)


7) Milch – Teatime in der HafenCity

Zu viel Schnörkel gefällt Nico Ückermann, dem Besitzer des Café Milch, nicht. Die Inneneinrichtung des ehemaligen Milchladens ist zurückhaltend. Denn hier konzentriert man sich nordisch-reduziert auf das Wesentliche: guten Kaffee. Und das kann verdammt gemütlich sein. Mitten im Raum, direkt gegenüber vom Tresen, thront ein Zwei-Kilogramm-Kaffeeröster aus Israel, der den Rohkaffee veredelt. Daraus werden mit großer Hingabe leckere Espressi oder Cappuccini zubereitet – und zwar von wirklich kaffeeverrückten Baristas. Außerdem gibt es eine wahnsinnig gute heiße Schokolade und Croissants, Rosinenschnecken, ausgewählte Tartes und belegte Brötchen. Wer seinen Hund mitbringt, kann sich unter dem Hashtag #milchdogs zwar keinen Kaffee sichern, wohl aber einen Ehrenplatz in der Instagram- Galerie des Cafés. Coole Idee!

Milch: Dietmar-Koel-Straße 22 (Neustadt)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Milch (@milchfeinkost) am


8) Salon Wechsel Dich – Zucker- und Kaufrausch

Mit „Wechsel Dich“ ist nicht etwa die Speisekarte des Cafés gemeint, sondern das Mobiliar: Tische, Stühle, Lampen, Kissen, Teller, Tassen oder Uhren können Gäste hier unter anderem kaufen. Schon allein diese liebevolle Auswahl von Produkten junger Designer ist Grund genug für einen Besuch – doch berühmt ist der Salon Wechsel Dich für seine Waffeln. Die werden hier dick und fluffig gebacken und mit verboten leckeren Beilagen serviert: Heiße Kirschen, Himbeeren oder Pflaumen-Zimt- Kompott, Nutella oder Ahornsirup mit karamellisierten Knuspernüssen. Als Toppings stehen unter anderem Sahne, Vanillesauce und Zartbitterschokolade auf der Karte. Und die besondere Empfehlung des Hauses? Waffeln mit eingebackenem Kinderriegel. Mhh. Bei all dem Zuckerrausch gibt es zum Glück auch herzhaft belegte Waffeln, zum Beispiel mit Mozzarella, Tomaten und Pesto, Lachs und Schnittlauch oder Ziegenkäse und Birnenchutney.

Salon Wechsel Dich: Grindelhof 62 (Rotherbaum)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Salon Wechsel Dich (@salonwechseldich) am


9) Torrefaktum – Genuss mit Bio-Bohne

Vor ein paar Jahren war es in Hamburg gar nicht so einfach, richtig guten Kaffee zu bekommen. Das wollten drei Freunde ändern und eröffneten 2009 das Torrefaktum mit eigener Rösterei in Ottensen. Den Rohkaffee beziehen sie seitdem über spezialisierte Importeure oder direkt von ausgewählten Bauern und übernehmen dann selbst das Rösten. Die drei Gründer kommen alle aus dem Musikbusiness und haben neben Kaffee eine weitere gemeinsame Leidenschaft: die Beatles. Und so heißen die eigenen Röstungen auch „Wake Up Little Lucy“, „Hey Dude“ oder „Belle Michelle“. Inzwischen gibt es drei Torrefaktum-Filialen in Hamburg und überall gilt das Motto: Ankommen, den Alltag ablegen, sich von den Baristas beraten lassen und das schwarze Gold ganz in Ruhe genießen. Eine Konditorin backt täglich süße Kleinigkeiten oder herzhafte Baguettes, die man sich in den gemütlichen und stillvoll eingerichteten Cafés schmecken lassen kann.

Torrefaktum: Bahrenfelder Straße 237 (Ottensen)


10) Zuckermonarchie – Tartes für Prinzessinnen

Die Zuckermonarchie ist irgendwie ein Prinzessinnenreich für Zuckerfreundinnen. Mädchenhaft ist wohl die richtige Bezeichnung für dieses stylishe helle Kaffeeuniversum. In eingeschworenen Mädelsrunden wird hier bei Tartes und Törtchen geschwelgt und diskutiert. Worüber? Na klar, ziemlich oft über Kerle. Das ganze Großstadt-Beziehungschaos verträgt sich natürlich viel besser bei qualitativ gutem Kuchen und Kaffee. Das Geheimnis hinter diesem Ort und seinem Backwerk: beste Bio-Eier, belgische Schoki und Bourbonvanille, die hier mit frischen Früchten täglich verbacken werden. Das Ergebnis ist vortrefflich: sagenhafte Tartes, Cupcakes, Moussetörtchen, Macarons und Candypops, dank derer alles andere zur Nebensache wird. Besonders köstlich ist hier zum Beispiel eine Himbeertarte mit weißer Schokolade und frischen Himbeeren. Dazu kommt der Carroux-Kaffeee aus Blankenese, der viele begeistert.

Zuckermonarchie: Taubenstraße 15 (St. Pauli)

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Denise Urdahl (@zuckermonarchie) am


SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-GoDiese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


Auf den Geschmack  gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr? 

Rindchen schlemmt – im Restaurant Ashoka

Zu Recht eine Institution in St. Pauli: Das Ashoka ist seit Jahren geschmack­lich wie preislich ein Highlight.

Text: Gerd Rindchen
Foto: Stefan Malzkorn

Für die beliebte Reihe „Auf den Spuren besonderer Sieger“ haben wir uns in die Budapester Straße begeben, um Ashoka, Testsieger Orient & Indien aus der aktuellen SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN zu schnabulieren. Dies mit großer Freude, denn die Koch- und Servierkunst des bezaubernden Inhaberpaars Maria Manuela Santos Martins und Jaspal Singh im Ashoka begeistert uns schon seit vielen Jahren. Uns stellte sich die bange Frage: Ist den Inhabern der Ruhm nun zu Kopfe gestiegen? Schießen die Preise in den Himmel und die Qualitäten in den Keller?

 

Raffinierter gewürzt als beim gewöhnlichen Inder

 

Die beruhigende Antwort lautet: Nein – alles ist so schön und gut wie vorher! Ganz großartig schon die vorab gereichten, knusprig-würzigen Papadam: Fladenbrote aus Linsenmehl, hier noch eine Spur raffinierter gewürzt als beim gewöhnlichen Inder und garniert von drei köstlichen Dips und Chutneys. Des Weiteren gehörten zu den Vorspeisen zwei köstliche Lammhackröllchen, aromatisches Tandoori-Chicken, knusprig gebackene Zwiebelpfannküchlein und Pakoras – mit Gemüse gefüllte Teigtaschen – sowie weitere Dips und Chutneys (18 Euro für zwei Personen).

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Hamburg Food #goodfoodhamburg (@goodfoodhamburg) am

 

Als Hauptgang hatten wir zartes, subtil gewürztes Chicken Tikka (8,40 Euro) und, auf meinen besonderen Wunsch, eine aromensatte, sehr pikante Lammvariante (14,50 Euro) mit einer geschmacklich enorm facettenreichen tomatisierten Sauce. Große Klasse! Jaspal Singh und sein Küchenteam schaffen es, allen gereichten Speisen eine besondere Raffinesse zu verleihen. Darüber hinaus merkt man, dass in der Küche mit wirklich guten Zutaten hantiert und jede Würzvariante individuell abgestimmt wird.

 

Das „Thali-Menü“ gibt’s schon für 18 Euro

 

Daran preiswert partizipieren können auch die Besucher der nahe gelegenen Theater und Musical-Stätten am Spielbudenplatz: Ihnen offeriert das Ashoka ein abwechslungsreiches „Thali-Menü“ in zwei Akten: Den ersten Teil von 17 bis 18.30 Uhr, den Abschluss ab 21.30 bis 23 Uhr. Dabei werden verschiedene Köstlichkeiten zum Teilen in traditionellen Metallschalen auf Stövchen serviert. Kulanter Kostenpunkt für Kulturbeflissene: 18 Euro pro Person.

Überhaupt die Preise: Wir hatten für einen höchst gelungenen Abend mit Vorspeisen, Hauptgerichten, Mineralwasser und einer perfekt zum Essen harmonierenden Flasche Riesling am Ende irgendwie 79 Euro auf der Uhr – da kann man testsiegermäßig echt nicht meckern.

Restaurant Ashoka: Budapester Straße 25 (St. Pauli)


Auf den Geschmack gekommen? Für mehr Stories aus Hamburgs #foodszene folge uns auf Facebook und Instagram.


Appetit auf mehr?

Konfetti im Bier – Roman über die Ultras von St. Pauli

Im März erscheint der erste Ultras-Roman aus dem deutschsprachigen Raum. Aus Hamburg, aus St. Pauli, mitten aus dem Viertel!

Text: Ole Masch
Foto: Melanie Hendtke

Wer den Roar am Millerntor oder einem anderem Fußballstadion vor dem Spiel einmal mitgemacht hat, weiß mit dem Titel des Romans von Toni Gottschalk sofort etwas anzufangen. „Konfetti im Bier“ ist eine Beschreibung der St. Pauli Ultra-Szene von innen und damit einzigartig. Doch er ist noch viel mehr. Er ist Hamburg-Roman, Antifa, Viertelliebe, Fußball und immer wieder St. Pauli Nachtleben. Gespickt von Insiderwissen und Wortwitz, der durch seine Protagonisten auf die Spitze getrieben wird.

Toni Gottschalk, selbst seit vielen Jahren Teil der St. Pauli Ultras und ab 2006 Comiczeichner für verschiedene Fanzines, gelingt ein Debütroman, der nicht von außen draufschaut, sondern mitten drinsteckt. Er erzählt von Merks, Subbe, Jette und all den anderen, für die der FC St. Pauli und die eigene Gruppe viel mehr bedeuten, als nur jedes Wochenende gemeinsam zum Spiel zu gehen. Während sich Walter durch so ziemlich jede Kaschemme St. Paulis trinkt, beschäftigt sich der Rest mit politischer Viertelverteidigung.

 

Ultras, Nachtleben und ganz viel Hamburg

 

Das klingt dann so: „Na, ihr Pimmelköppe, was gibt’s zu lachen“, begrüßte Torre die vier Leute. Einer der Skins, der manchmal halb verächtlich, halb bewundernd „die Axt im Walde“ genannt wurde, konnte kaum an sich halten. „Wir so noch mit einer Handvoll Leuten im Jolly, kommt der Schwan rein und erzählt, dass er eine Gruppe Nasen auf der Budapester gesehen hat. Wir also mit ein paar hin und, was soll ich sagen, war gut. Backenfutter und dann Reste frühstücken …“

„Konfetti im Bier“ ist ein Subkultur-Roman. Ein Buch für Fußballfans und für Leute, die immer schon mal mehr über die Mechanismen von Ultra- Gruppierungen wissen wollten. Für Hamburger. Für Nachtlebenkenner und für jene, die es immer wieder dort hinzieht.

„Konfetti im Bier“ erscheint am 2.3. im Liesmich Verlag


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories aus Hamburg folge uns auf Facebook und Instagram.


Lust auf mehr Geschichten aus Hamburg?