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Überquell-Brauereitour: Dem Craft Beer auf der Spur

Sonne, Pizza, Bier: Das Überquell auf St. Pauli lockt mit Außenterrasse und Selbstgebrautem – und einer unterhaltsamen Brauereitour mit Verkostung.

Text: Laura Lück

Das Überquell macht nicht nur wahnsinnig gute Pizza (die Margherita trägt hier nicht umsonst den Namen Königin) aus einem echten handgemauerten neapolitanischen Ofen ­– sie verstehen sich mindestens genauso gut aufs Bierbrauhandwerk. 2017 kaperten die Inhaber Patrick Rüther und Axel Ohm die Riverkasematten auf St. Pauli. Heute ist die idyllische Anlage mit Biergarten und Hafenblick wohl eine der schönsten Locations für Sommertage mit Hamburg-Feeling.

Was viele nicht wissen: Das Überquell beherbergt auch eine kleine, aber feine Brauerei. Auf dem Weg durch Restaurant und Pub passieren Besucher außerdem ein liebevoll gestaltetes Mini-Biermuseum, das die Geschichte unseres Nationalgetränks erzählt. Jeden Samstag und Sonntag finden im Überquell geführte Touren statt. In kurzweiligen 30-45 Minuten gibt’s jede Menge Input und Wissen und natürlich einen Besuch bei Braumeister Tobias Hess.

 

Ueberquell-Patrick-Ruether-Axel-Ohm

Die Überquell-Inhaber Patrick Rüther und Axel Ohm

 

Er hat schon in Belize, Uganda, Mexiko und Russland als Braumeister gearbeitet und steht heute im Herzstück des Überquell: der Micro-Brauerei. Hier entstehen permanent fünf verschiedene Biersorten (Original Lager, Imperial Lager, Pale Ale, IPA, White IPA) und saisonale Spezialitäten, sowie monatliche Highlights. Natürlich wird im Anschluss auch ordentlich verkostet. Drei Bier sind inklusive. Bei sommerlichen Temperaturen kann es einem da schon etwas schwindlig werden – zum Glück ist die Pizza ja nicht weit.

Überquell: St. Pauli Fischmarkt 28-32


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Top 5 – Ramen wie in Japan esst ihr in diesen Restaurants

Ramen: Die köstliche Suppe mit traditionellen japanischen Nudeln und frischen Zutaten schmeckt wunderbar würzig – diese fünf Restaurants bereiten sie fast wie in Japan zu

Foto (o.): Miguel Maldonado via Unsplash

Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung – zuletzt aktualisiert 6/2019

 

1) Kokomo Noodle Club – Ohne Fleiß kein Preis

Gerade weil es hier so grandiose Ramen gibt, waren wir überrascht, dass die beiden Inhaber des Kokomo noch nie in Japan waren. Das gleichen sie durch sehr viel Engagement aus, mit dem sie in ihren heimischen Küchen so lange geübt haben, bis die Rezepte ihrer Suppenkreationen genau wie in Tokio oder Osaka schmeckten. Lecker!

Kokomo Noodle Club: Clemens-Schultz-Straße 41 (St. Pauli)

 

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2) Momo Ramen – Klassisch und „Dry“

Sitzplätze im Momo sind nicht nur abends, sondern auch unter der Woche mittags hart umkämpft – so gut ist das Essen hier. Neben klassischen Ramen in Suppenform gibt es auch „Dry Ramen“ ohne Brühe, also Nudeln mit Öl und Ei, fast wie bei einer japanischen Carbonara. Nach Feierabend locken außerdem die zahlreichen, asiatisch angehauchten Cocktailkreationen.

Momo Ramen: Margaretenstraße 58 (Eimsbüttel)

 

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 3) Ramen Bar Zipang – Exzellente Variationen

Einen kleinen Blick ins japanische Alltagsleben bietet die Ramen Bar Zipang. Sie ist einer japanischen Ramen-ya, einer Mischung aus gemütlicher Kneipe und kleinem Restaurant, nachempfunden und serviert exzellente Ramen in allen Variationen. Besonders gut schmeckt es hier, weil von der Brühe bis hinzu den Nudeln alles selbst gemacht wird. Ein absoluter Genuss!

Ramen Bar Zipang: Eppendorfer Weg 62 (Eimsbüttel)

 

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4) Takumi – „Meister seines Fachs“

Obwohl erst vor gut einem halben Jahr eröffnet, gilt das kleine Restaurant bereits als feste Größe unter Ramen-Fans. Das liegt wahrscheinlich an dem hohen Anspruch, der schon im Namen des Restaurants steckt. „Takumi“ bedeutet nämlich „Meister seines Fachs“ auf Japanisch – und der ist hier bei der Zubereitung der Suppen definitiv am Werk.

Takumi: Große Rainstraße 20 (Ottensen)

 

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5) Ume no Hana – Traditionelles aus zwei Ländern

Das außergewöhnlich gestaltete Restaurant mit dem malerischen Namen „Pflaumenblüte“ kombiniert die Suppen-Traditionen zweier Länder. Denn hier finden Gäste sowohl die deftig-würzigen Ramen aus Japan als auch die leicht-aromatische Phở aus Vietnam. Klingt widersprüchlich, aber beide Spezialitäten werden mit viel Liebe und Zeit zubereitet und begeistern Fans beider Länderküchen.

 Ume no Hana: Thadenstraße 15 (St.Pauli)

 

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Sortierung alphabetisch und nicht nach Platzierung. Zuletzt aktualisiert 6/2019


Diese Topliste stammt aus unserem Gastro Guide: SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN ist seit April 2019 für 9,90 Euro im Handel und zeitlos im Online-Shop erhältlich! Ab dem 3.4.2019 im Handel: Der neue SZENE Hamburg Gastroguide


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Top 10 – Diese Cafés sorgen für eine leckere Auszeit

Hervorragende Törtchen, Tartes, Tee und Kaffee: Auf diese zehn Cafés schwören wir für die perfekte, gemütliche Auszeit

Text: Anissa Brinkhoff
Foto (o.): Philipp Schmidt

 

1) Café Gnosa – Kuchen mit Geschichte

Dieses Kaffeehaus ist ein legendärer Ort – aufgrund seiner Geschichte, aber auch aufgrund der Kuchen und Torten, die täglich in der hauseigenen Konditorei gebacken werden. Das Café wurde 1939 von Elli und Gerhard Gnosa eröffnet und von dem Ehepaar bis 1987 geführt. Seitdem ist es eine wichtige schwul-lesbische Institution in Hamburg. Die Konditorei im Keller des Hauses wurde früher von Herrn Gnosa selbst betrieben und seit der Übergabe des Cafés werden viele Torten weiterhin nach seinen Rezepten gebacken – mit viel Marzipan, Sahne, Buttercreme, Schokolade und Baiser. Ein bisschen fühlt man sich also wie in vergangenen Zeiten, wenn man es sich auf den weichen Bänken im Café gemütlich macht, den Bedienungen hinter dem Tresen zuschaut und ganz glücklich noch ein weiteres Stück Kuchen bestellt.

Café Gnosa: Lange Reihe 93 (St. Georg)

Gnosa


2) Café unter den Linden – Kaffee für Existenzialisten

Das Café könnte auch in einem ehrwürdigen Grandhotel liegen, in dem Stars übernachten, Intellektuelle ihren schwarzen Kaffee bei der täglichen Zeitungslektüre trinken und spätestens gegen Nachmittag auch mal Champagnerflaschen geköpft werden. Man sinkt auf ledergepolsterte Bänke und Zeitunglesen ist tatsächlich eine Hauptbeschäftigung vieler Gäste. Eine Gruppe von Freunden gründete das Café unter den Linden in den 1980ern. Die Freunde benannten ihr Café nach den sieben Linden, die vor dem Gebäude und um den Kaffeegarten wachsen. Den Innenraum richteten sie mit Marmortischen und Thonet-Stühlen ein und ließen einen befreundeten Künstler Wände verzieren. Der Milchkaffee wird in französischen Bols serviert, zum Espresso und Kaffee gibt es selbstverständlich ein Glas Wasser. Jeder Kuchen aus der Vitrine ist hausgemacht – zum Beispiel Schoko-Rotwein-Kuchen, Crumble mit Vanillesauce oder Johannisbeer-Baiser-Kuchen.

Café unter den Linden: Juliusstraße 16 (Sternschanze)


3) Elbgold – Mahlgrad und Milch perfekt

Ein Café mit eigener Kaffeerösterei – ein Traum für alle Genießer. Fünfeinhalb Standorte gibt es vom Elbgold in Hamburg inzwischen, als halben Standort zählen die Geschäftsführer Annika und Thomas ihre Café-Bar im Alsterhaus, weil es dort keine Speisen gibt. Das Café mit der Rösterei in den Schanzenhöfen ist ganz klar das Hauptquartier. In alten, sanierten Viehhallen mit Industriecharme, unglaublich hohen Decken, viel Licht und gemütlicher Einrichtung lassen sich hier entspannte Stunden vertrödeln. Die ausgebildeten Barista helfen, die richtige Kaffeesorte für jeden Gast zu finden, Gebäck und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie warten auf Hungrige in der Vitrine. Das Elbgold kauft den eigenen Kaffee direkt bei den Produzenten; so können faire Preise, eine bestmögliche Qualität und lange Geschäftsbeziehungen garantiert werden.

Elbgold: Lagerstraße 34c (Sternschanze)

 

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4) Hegeperle – Von der Schwierigkeit zu wählen

Das Café Hegeperle in Eppendorf ist aufgrund seiner versteckten Lage immer noch ein Geheimtipp. Der dunkle Dielenboden knarzt beim Eintreten und eine herzliche Begrüßung kommt über den weißen Holztresen. Bevor man es sich auf den Stühlen bequem macht, stehen schwierige Entscheidungen an der Kuchenvitrine an: In der Hegeperle gibt es überwiegend leckere Tartes, unter anderem mit Kirsche, Apfel, Aprikose, Birne oder Pflaume. Einen klassischen Käsekuchen gibt es natürlich auch. Ist die Entscheidung endlich gefallen, werden die Köstlichkeiten auf pastellfarbenen Tellern serviert, der Kaffee oder Tee kommt in ebenso bunten Tassen und Zucker steht in Porzellandöschen bereit. Eugenie Assmann, die ihre süßen Tartes und herzhaften Quiches aus hellem Dinkelmehl jeden Tag selbst backt, führt ihr Café weitgehend in Eigenregie.

Hegeperle: Hegestraße 68 (Eppendorf)


5) Herr Max – Patisseriekunst und Vintage-Glück

Schlangestehen zum Kuchenessen? Von Zeit zu Zeit passiert es im Herr Max, dass Tortenhungrige lieber eine halbe Stunde warten, als ins nächste Café weiterzuziehen. Denn Konditor Matthias Max zaubert seit zehn Jahren berühmte süßes Sünden der Schanze in einem aparten Vintage-Ambiente: Nahezu immer gibt es hier selbst gebackenes Tartufo, Schokomousse-Torte, Rhabarber-Baiser-Kuchen, Blaubeer-Grieskuchen oder veganes Bananenbrot mit Erdnusskaramell – und natürlich den kanadischen Käsekuchen als Dauerbrenner. Praktischerweise ist die Backstube direkt im hinteren Bereich des Cafés. So weht den Gästen konstant ein herrlicher Kuchenduft um die Nase. Und wer nett fragt, darf mal einen Blick in die Backstube werfen. Auch Showtorten für private Anlässe werden hier dekoriert.

Herr Max: Schulterblatt 12 (Sternschanze)

 

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6) Meßmer Momentum – Teatime in der HafenCity

Sich beim Spaziergang durch die HafenCity eine steife Briese um die Nase wehen zu lassen und dann die kalten Finger an einer heißen Tasse Tee aufzuwärmen – das ist ein herrlicher Hamburger Nachmittag. Das Messmer Momentum ist der richtige Ort für den Einstieg in die Welt des Tees, ebenfalls für Experten und Teekenner mit besonderen Wünschen. Über 70 verschiedene Teesorten aus der Meßmer-Welt stehen in der Getränkekarte, dazu gibt es hausgemachte Scones und Clotted Cream, Kuchen und Teegebäck oder herzhafte Sandwiches. Wer Lust auf eine kleine mentale Reise hat, sollte es sich gemütlich machen und eines der Tee-Menüs ausprobieren, zum Beispiel den „Thé de Salon“, der mit Macarons, Crêpes, Chili-Schokoladen-Soufflé und viel Savoir Vivre daherkommt und Frankreich-Sehnsucht weckt.

Meßmer Momentum: Am Kaiserkai 10 (HafenCity)


7) Milch – Teatime in der HafenCity

Zu viel Schnörkel gefällt Nico Ückermann, dem Besitzer des Café Milch, nicht. Die Inneneinrichtung des ehemaligen Milchladens ist zurückhaltend. Denn hier konzentriert man sich nordisch-reduziert auf das Wesentliche: guten Kaffee. Und das kann verdammt gemütlich sein. Mitten im Raum, direkt gegenüber vom Tresen, thront ein Zwei-Kilogramm-Kaffeeröster aus Israel, der den Rohkaffee veredelt. Daraus werden mit großer Hingabe leckere Espressi oder Cappuccini zubereitet – und zwar von wirklich kaffeeverrückten Baristas. Außerdem gibt es eine wahnsinnig gute heiße Schokolade und Croissants, Rosinenschnecken, ausgewählte Tartes und belegte Brötchen. Wer seinen Hund mitbringt, kann sich unter dem Hashtag #milchdogs zwar keinen Kaffee sichern, wohl aber einen Ehrenplatz in der Instagram- Galerie des Cafés. Coole Idee!

Milch: Dietmar-Koel-Straße 22 (Neustadt)

 

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8) Salon Wechsel Dich – Zucker- und Kaufrausch

Mit „Wechsel Dich“ ist nicht etwa die Speisekarte des Cafés gemeint, sondern das Mobiliar: Tische, Stühle, Lampen, Kissen, Teller, Tassen oder Uhren können Gäste hier unter anderem kaufen. Schon allein diese liebevolle Auswahl von Produkten junger Designer ist Grund genug für einen Besuch – doch berühmt ist der Salon Wechsel Dich für seine Waffeln. Die werden hier dick und fluffig gebacken und mit verboten leckeren Beilagen serviert: Heiße Kirschen, Himbeeren oder Pflaumen-Zimt- Kompott, Nutella oder Ahornsirup mit karamellisierten Knuspernüssen. Als Toppings stehen unter anderem Sahne, Vanillesauce und Zartbitterschokolade auf der Karte. Und die besondere Empfehlung des Hauses? Waffeln mit eingebackenem Kinderriegel. Mhh. Bei all dem Zuckerrausch gibt es zum Glück auch herzhaft belegte Waffeln, zum Beispiel mit Mozzarella, Tomaten und Pesto, Lachs und Schnittlauch oder Ziegenkäse und Birnenchutney.

Salon Wechsel Dich: Grindelhof 62 (Rotherbaum)

 

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9) Torrefaktum – Genuss mit Bio-Bohne

Vor ein paar Jahren war es in Hamburg gar nicht so einfach, richtig guten Kaffee zu bekommen. Das wollten drei Freunde ändern und eröffneten 2009 das Torrefaktum mit eigener Rösterei in Ottensen. Den Rohkaffee beziehen sie seitdem über spezialisierte Importeure oder direkt von ausgewählten Bauern und übernehmen dann selbst das Rösten. Die drei Gründer kommen alle aus dem Musikbusiness und haben neben Kaffee eine weitere gemeinsame Leidenschaft: die Beatles. Und so heißen die eigenen Röstungen auch „Wake Up Little Lucy“, „Hey Dude“ oder „Belle Michelle“. Inzwischen gibt es drei Torrefaktum-Filialen in Hamburg und überall gilt das Motto: Ankommen, den Alltag ablegen, sich von den Baristas beraten lassen und das schwarze Gold ganz in Ruhe genießen. Eine Konditorin backt täglich süße Kleinigkeiten oder herzhafte Baguettes, die man sich in den gemütlichen und stillvoll eingerichteten Cafés schmecken lassen kann.

Torrefaktum: Bahrenfelder Straße 237 (Ottensen)


10) Zuckermonarchie – Tartes für Prinzessinnen

Die Zuckermonarchie ist irgendwie ein Prinzessinnenreich für Zuckerfreundinnen. Mädchenhaft ist wohl die richtige Bezeichnung für dieses stylishe helle Kaffeeuniversum. In eingeschworenen Mädelsrunden wird hier bei Tartes und Törtchen geschwelgt und diskutiert. Worüber? Na klar, ziemlich oft über Kerle. Das ganze Großstadt-Beziehungschaos verträgt sich natürlich viel besser bei qualitativ gutem Kuchen und Kaffee. Das Geheimnis hinter diesem Ort und seinem Backwerk: beste Bio-Eier, belgische Schoki und Bourbonvanille, die hier mit frischen Früchten täglich verbacken werden. Das Ergebnis ist vortrefflich: sagenhafte Tartes, Cupcakes, Moussetörtchen, Macarons und Candypops, dank derer alles andere zur Nebensache wird. Besonders köstlich ist hier zum Beispiel eine Himbeertarte mit weißer Schokolade und frischen Himbeeren. Dazu kommt der Carroux-Kaffeee aus Blankenese, der viele begeistert.

Zuckermonarchie: Taubenstraße 15 (St. Pauli)

 

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SZENE-HAMBURG-Essen+Trinken-To-GoDiese Topliste stammt aus dem Gastro Guide: Essen + Trinken to go, 2018/2019 – der Guide ist zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!


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Rindchen schlemmt – im Restaurant Ashoka

Zu Recht eine Institution in St. Pauli: Das Ashoka ist seit Jahren geschmack­lich wie preislich ein Highlight.

Text: Gerd Rindchen
Foto: Stefan Malzkorn

Für die beliebte Reihe „Auf den Spuren besonderer Sieger“ haben wir uns in die Budapester Straße begeben, um Ashoka, Testsieger Orient & Indien aus der aktuellen SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN zu schnabulieren. Dies mit großer Freude, denn die Koch- und Servierkunst des bezaubernden Inhaberpaars Maria Manuela Santos Martins und Jaspal Singh im Ashoka begeistert uns schon seit vielen Jahren. Uns stellte sich die bange Frage: Ist den Inhabern der Ruhm nun zu Kopfe gestiegen? Schießen die Preise in den Himmel und die Qualitäten in den Keller?

 

Raffinierter gewürzt als beim gewöhnlichen Inder

 

Die beruhigende Antwort lautet: Nein – alles ist so schön und gut wie vorher! Ganz großartig schon die vorab gereichten, knusprig-würzigen Papadam: Fladenbrote aus Linsenmehl, hier noch eine Spur raffinierter gewürzt als beim gewöhnlichen Inder und garniert von drei köstlichen Dips und Chutneys. Des Weiteren gehörten zu den Vorspeisen zwei köstliche Lammhackröllchen, aromatisches Tandoori-Chicken, knusprig gebackene Zwiebelpfannküchlein und Pakoras – mit Gemüse gefüllte Teigtaschen – sowie weitere Dips und Chutneys (18 Euro für zwei Personen).

 

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Als Hauptgang hatten wir zartes, subtil gewürztes Chicken Tikka (8,40 Euro) und, auf meinen besonderen Wunsch, eine aromensatte, sehr pikante Lammvariante (14,50 Euro) mit einer geschmacklich enorm facettenreichen tomatisierten Sauce. Große Klasse! Jaspal Singh und sein Küchenteam schaffen es, allen gereichten Speisen eine besondere Raffinesse zu verleihen. Darüber hinaus merkt man, dass in der Küche mit wirklich guten Zutaten hantiert und jede Würzvariante individuell abgestimmt wird.

 

Das „Thali-Menü“ gibt’s schon für 18 Euro

 

Daran preiswert partizipieren können auch die Besucher der nahe gelegenen Theater und Musical-Stätten am Spielbudenplatz: Ihnen offeriert das Ashoka ein abwechslungsreiches „Thali-Menü“ in zwei Akten: Den ersten Teil von 17 bis 18.30 Uhr, den Abschluss ab 21.30 bis 23 Uhr. Dabei werden verschiedene Köstlichkeiten zum Teilen in traditionellen Metallschalen auf Stövchen serviert. Kulanter Kostenpunkt für Kulturbeflissene: 18 Euro pro Person.

Überhaupt die Preise: Wir hatten für einen höchst gelungenen Abend mit Vorspeisen, Hauptgerichten, Mineralwasser und einer perfekt zum Essen harmonierenden Flasche Riesling am Ende irgendwie 79 Euro auf der Uhr – da kann man testsiegermäßig echt nicht meckern.

Restaurant Ashoka: Budapester Straße 25 (St. Pauli)


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Konfetti im Bier – Roman über die Ultras von St. Pauli

Im März erscheint der erste Ultras-Roman aus dem deutschsprachigen Raum. Aus Hamburg, aus St. Pauli, mitten aus dem Viertel!

Text: Ole Masch
Foto: Melanie Hendtke

Wer den Roar am Millerntor oder einem anderem Fußballstadion vor dem Spiel einmal mitgemacht hat, weiß mit dem Titel des Romans von Toni Gottschalk sofort etwas anzufangen. „Konfetti im Bier“ ist eine Beschreibung der St. Pauli Ultra-Szene von innen und damit einzigartig. Doch er ist noch viel mehr. Er ist Hamburg-Roman, Antifa, Viertelliebe, Fußball und immer wieder St. Pauli Nachtleben. Gespickt von Insiderwissen und Wortwitz, der durch seine Protagonisten auf die Spitze getrieben wird.

Toni Gottschalk, selbst seit vielen Jahren Teil der St. Pauli Ultras und ab 2006 Comiczeichner für verschiedene Fanzines, gelingt ein Debütroman, der nicht von außen draufschaut, sondern mitten drinsteckt. Er erzählt von Merks, Subbe, Jette und all den anderen, für die der FC St. Pauli und die eigene Gruppe viel mehr bedeuten, als nur jedes Wochenende gemeinsam zum Spiel zu gehen. Während sich Walter durch so ziemlich jede Kaschemme St. Paulis trinkt, beschäftigt sich der Rest mit politischer Viertelverteidigung.

 

Ultras, Nachtleben und ganz viel Hamburg

 

Das klingt dann so: „Na, ihr Pimmelköppe, was gibt’s zu lachen“, begrüßte Torre die vier Leute. Einer der Skins, der manchmal halb verächtlich, halb bewundernd „die Axt im Walde“ genannt wurde, konnte kaum an sich halten. „Wir so noch mit einer Handvoll Leuten im Jolly, kommt der Schwan rein und erzählt, dass er eine Gruppe Nasen auf der Budapester gesehen hat. Wir also mit ein paar hin und, was soll ich sagen, war gut. Backenfutter und dann Reste frühstücken …“

„Konfetti im Bier“ ist ein Subkultur-Roman. Ein Buch für Fußballfans und für Leute, die immer schon mal mehr über die Mechanismen von Ultra- Gruppierungen wissen wollten. Für Hamburger. Für Nachtlebenkenner und für jene, die es immer wieder dort hinzieht.

„Konfetti im Bier“ erscheint am 2.3. im Liesmich Verlag


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, März 2019. Das Magazin ist seit dem 28. Februar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Hidden Kitchen – Hanseatische Klassiker und vegane Knaller

Essen nach dem Baukastenprinzip – In der neuen Hidden Kitchen werden die Gerichte individuell zusammengestellt – Wohlfühlstimmung inklusive.

Text: Lilli Gavric
Beitragsfoto: Lukas Schröder

Man läuft glatt dran vorbei, so unauffällig versteckt sich die Hidden Kitchen auf dem Kiez. „Kommt durchaus vor, dass Gäste anrufen und verzweifelt fragen: ‚Wo seid ihr denn?‘, lacht der Kellner, als ich ihn auf den Standort anspreche. Daher also der Name des lütten Bistros, das seit knapp acht Monaten eröffnet ist. So gut getarnt, dass es bis heute ein Geheimtipp ist. Das Konzept: Die Verwendung von saisonalen, regionalen Produkten mit Fokus auf vegane Gerichte. Dahinter steckt ein junges kleines Unternehmen, das sich eine abwechslungsreiche Küche auf die Fahnen geschrieben hat. Es stellt sich dem Kampf gegen Plastikmüll, verzichtet möglichst auf unnötige Verpackungen und setzt dank der App „Too Good To Go“ auch ein Zeichen gegen die Nahrungsmittelverschwendung. Über diese wird von Restaurants Überproduziertes am Ende des Tages vergünstigt an Kunden abgegeben.

In der Location zwischen Hans-Albers-Platz und Davidwache finden Gäste an drei großen Tischen für Gruppen sowie zwei Zweiertischen Platz. Der schönste Ort ist der an der breiten Fensterfront. Auf einer Empore sitzt es sich hier etwas privater und man ist doch mittendrin. Von der Decke hängen Lampen mit großen kugelförmigen Glühbirnen an einem dicken Tau, die den Raum in gedämpftes Licht tauchen und Hafencharme versprühen. Die Einrichtung ist wie der Laden selbst: unaufgeregt, simpel und gemütlich. Ein langer Flur erlaubt einen Blick in die offene Küche.

Das Motto der Abendkarte: „Soulfood, hanseatische Klassiker und vegane Knallergerichte“. Alle Komponenten – Gerichte, Toppings, Dips – sind miteinander kombinierbar. Es gibt Salate aus Couscous, Linsen und asiatischen Wan Tans, Toppings in verschiedenen Varianten, klassische Rippchen oder auch ein in Bier gebadetes Backhähnchen, genannt „besoffener Hahn“.

Neben der Abendkarte gibt es noch eine Wochenkarte mit jeweils drei festen Gerichten. Ich wähle gebackenen Blumenkohl mit Kartoffelstampf, Rotkraut und Apfel-Chutney (9,90 Euro). Das hausgemachte „Dinkel-Würz-Brot“ ist leider aus, stattdessen empfiehlt mir der gut gelaunte Kellner geröstetes Graubrot mit dem Dip der Woche aus Avocado, Sauerrahm und Koriander. Dazu einen perligen Riesling. Letzterer kommt sehr unkonventionell in einem hohen Wasserglas daher, nun ja. Ein Weinglas wäre schöner. Gegen meine Bestellung ist nichts einzuwenden. Der Kartoffelbrei ist schön cremig, die Blumenkohlröschen auf den Punkt gebacken. Das Apfel-Chutney passt dazu hervorragend, es ist schön fruchtig und nicht zu süß. Platz für Nachtisch bleibt keiner mehr.

Inzwischen hat sich der Laden gefüllt, Freunde des Hauses kommen vorbei, man kennt sich. Die Stimmung ist erfrischend ungezwungen, man mopst sich schon mal eine Süßkartoffel- Pommes vom Nachbartisch. Ein Laden zum Runterkommen mitten auf dem trubeligen Kiez. Und für einen Verdauungsspaziergang ist die Elbe ganz nah.

Friedrichstraße 3 (St. Pauli); www.hidden-kitchen-hamburg.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Februar 2019. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2019 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Tazzi Pizza – 450 Grad & 90 Sekunden

Weniger ist manchmal mehr: Statt extravaganter Beläge serviert die neue Pizzeria Tazzi auf St. Pauli neapolitanische Klassiker ohne viel Schnickschnack.

Text & Fotos: Sophia Herzog

Pizza ist eine ernste Angelegenheit – vor allem für die Neapolitaner, die in den Achtzigern die „Associazione Verace Pizza Napoletana“ ins Leben riefen, um die Tradition des beliebten Teigfladens zu wahren. Seit 2017 steht die „Kunst des neapolitanischen Pizzabackens“ sogar auf der Liste der immateriellen Weltkulturgüter, inklusive strenger EU-Normen zu Zutaten und Herstellung. Diese Originalversion ist die Königsdisziplin der Pizza. Das muss schon gut sein, was sich neapolitanische Pizza nennt

Am Pizzaklassiker versucht sich jetzt auch das neu eröffnete Restaurant Tazzi Pizza auf St. Pauli – mit Erfolg. Hinter dem Konzept stecken Harsha, Vijay, Marco und Simone, sie haben die Räumlichkeiten des ehemaligen Le Kaschemme übernommen. Das Besitzerquartett hat sich mit dem Foodtruck „Curry it up“ und der indisch-mexikanischen Fusionsküche des Roots in Ottensen bereits einen Namen gemacht. Für Tazzi Pizza haben sie sich jetzt Holzofen und Pizzaschaufel zugelegt. Eine naheliegende Idee: Als gebürtiger Italiener kann Koch Simone auf genügend Erfahrungen mit der neapolitanischen Backkunst zurückgreifen. Ein bisschen St. Pauli-Flair muss aber trotzdem sein, auf die Außenfassade des Restaurants wurde deshalb mit schwarz-weißem Graffiti der Tazzi-Schriftzug gesprüht. Auch die Inneneinrichtung passt mit viel Holz, roten Backsteinwänden und einer gefliesten Theke in den modernen Stil der umliegenden Gastro-Angebote.

Tazzi Pizza auf St. Pauli ist neopalitanische Pizza aus Hamburg Foto: Sophia Herzog

Immer im Blick: die offene Küche

Wir bekommen an einem trubeligen Samstag gerade noch einen Platz an einer langen Bank im vorderen Bereich des Restaurants – die Einzeltische sind schon besetzt. Das ist zwar nichts für intime Dinner-Dates, dafür fühlt man sich aber gleich wie zu Gast bei einer italienischen Großfamilie, so herzlich und entspannt ist die Atmosphäre. Wir können beobachten, wie die Pizzen im Minutentakt in den großen Holzofen geschoben werden. Im Gegensatz zu anderen Pizza-Restaurants bietet das Tazzi keine spektakulären Kombinationen von Belägen, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche: die Klassiker. Einzige Ausnahme bilden dabei einige wenige Specials und die Eigenkreation des Hauses, eine mit Aktivkohle gefärbte Pizza mit Meeresfrüchten (14 Euro). Im heißen Ofen werden die Pizzen nur für 90 Sekunden gebacken und bilden dabei die typischen, leicht angebrannten Luftbläschen im Teig. Der Rand ist herrlich locker und leicht, in der Mitte ist die Pizza dünn und saftig.

Besonders bei der Margherita (8 Euro) kommt die frische Tomatensoße zur Geltung. Dass die angepriesenen karamellisierten Zwiebeln der Thunfischpizza (9 Euro) eher als knackige, rohe Zwiebelstückchen serviert werden, ist im ersten Moment enttäuschend. Da sie der Pizza aber einen angenehmen, leicht säuerlich-scharfen Kick geben, ist das aber schnell verziehen. Dazu passt der obligatorische Negroni mit seiner guten Balance zwischen bitter und süß. Wer von der Auswahl auf der Speisekarte nicht überzeugt sein sollte, kann seinen Lieblingsbelag auf einer Tafel vorschlagen – mit etwas Glück werden hier sogar Pizza-Träume wahr…

Rendsburger Straße 14 (St. Pauli); www.facebook.com/tazzi.pizza


Dieser Beitrag stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Januar 2019. Das Magazin ist seit dem 21. Dezember 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop und als ePaper erhältlich! 


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Auf ein Wort mit: Markus Gölzer

Markus Gölzer ist textender Exil-Bayer und lebt seit über 20 Jahren auf St. Pauli. Sein Ratschlag für ein besseres Leben: Entdiszipliniere dich endlich!

Selbstdisziplin ist der Schwarze Tod unter den Tugenden: hochinfektiös und das Ende allen bunten Lebens. Wo sich früher heiter-letharge Kneipenbrüder, Punks und pizzaversehrte Kreative tummelten, sind es heute Asketen, die Yogamatten tragen wie Waffenköcher, Kinderwagen führen wie Räumpanzer und außer beim Hechelnden Flamingo nie lachen. Wer einmal von diesen Todernst-Schwadronen auf seinem Rad vom jahrelang benutzten Gehweg verdrängt worden ist, der weiß, was Verlust bedeutet.

Wo es im Musikerleben vor nicht allzu langer Zeit noch zum guten Ton gehörte, mindestens einmal an einer Überdosis über den Jordan zu gehen, laufen Stars von heute Gefahr, an Land zu ertrinken, so penetrant wie sie ihre Wasserflaschen in die Kameras halten. Auch wenn man täglich zwei Liter pumpen soll − muss es immer Wasser sein? Und wer würde ernsthaft behaupten, dass die grassierende Klarheit der aktuellen Musik gut getan hat?

 

Dokumentiere deinen Vollrausch in sozialen Medien

 

Wir sollten die preußische Tugend Selbstdisziplin da hinkicken, wo sie herkommt: in die Vergangenheit. Und dazu kann jeder seinen Teil beitragen. Auch du: Erkläre Freunden und Kollegen, dass du dir fest vorgenommen hättest, nächste Woche mit dem Rauchen anzufangen. Wirf bei wichtigen Meetings die Frage in den Raum: „Was würde Justin Bieber tun?“ Antworte auf die Frage nach Urlaubsplänen: „Schrank vor die Tür und mit ner Kiste Schnaps erstmal Urlaub von mir selbst.“ Dokumentiere deinen einwöchigen Vollrausch dann live in sozialen Medien. Zeit, dass die Undisziplinierten aufstehen. Oder vielleicht doch noch mal umdrehen? Mal schauen.

Text: Markus Gölzer



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, November 2018. Das Magazin ist seit dem 27. Oktober 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Homophobie im Profisport – Thema im Film Mario

Fußballer sind echte Kerle. Muskulös. Hart im Nehmen. Homosexualität ist in dieser Branche ein Tabuthema wie in kaum einer anderen, auch wenn sich einige wenige Vereine wie der 1. FC St. Pauli klar für eine offene Geisteshaltung aussprechen. Welche Seelenqualen das für einen schwulen Spieler bedeutet, zeigt Marcel Gislers Drama „Mario“. Wir haben mit dem Regisseur gesprochen

Zuerst sieht Mario (Max Hubacher) den Neuen in der Mannschaft nur als Konkurrenten. Auch Leon (Aaron Altaras) ist Stürmer, und nur einer von ihnen beiden – wenn überhaupt – wird den begehrten Profivertrag für die kommende Saison erhalten, auf den alle Spieler der U21-Mannschaft des Berner Clubs YB Young Boys schon ihr ganzes Leben lang hingearbeitet haben. Entsprechend erbittert ist der Konkurrenzkampf unter den jungen Männern.

Doch spätestens, als Mario sich mit Leon eine Spielerwohnung teilen muss, verändern sich seine Gefühle. Aus Misstrauen und Ablehnung wird Freundschaft, schließlich aus Freundschaft Liebe. Eine unmögliche Liebe, die sie öffentlich nicht zeigen dürfen – Sponsoren, Fans, sie alle würden das Paar verurteilen.

Mario, der Film über zwei schwule Fußballer Foto: Pro Fun Media

Die beste Freundin muss als Alibipartnerin herhalten. Foto: Pro Fun Media

Ihr Marktwert? Im Keller. Die Karriere vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. „Es gibt Sachen, die gehen einfach nicht!“, faucht Marios Berater ihn an, als die Beziehung schließlich doch auffliegt. Homosexualität ist dabei aus seiner Sicht in einer Liga mit Drogen oder Sex mit Minderjährigen zu sehen. Das Versteckspiel, der innere Kampf gegen die eigenen Gefühle, die Sticheleien der Mannschaftskollegen werden immer unerträglicher, bis Mario und Leon daran zu zerbrechen drohen und eine Entscheidung fällen müssen.

Die Geschichte, die Regisseur Marcel Gisler selber mitgeschrieben hat und in der auch der 1. FC St. Pauli eine Rolle spielt, scheint zu Beginn sehr absehbar. Doch einige überraschende Twists, eine feinfühlige Kamera und vor allem die tolle Schauspielleistung Max Hubachers, der scheinbar mühelos die komplette emotionale Bandbreite von glücklicher Verliebtheit bis hin zu abgrundtiefer Verzweiflung abrufen kann, lassen den Zuschauer intensiv an der zermürbenden Seelenqual des Protagonisten teilhaben. Während Homosexualität in unserer heutigen Gesellschaft weitgehend akzeptiert ist, hinkt die Fußballwelt hier noch weit hinterher. Gut, dass Marcel Gisler das einmal auf so beeindruckende Weise auf die Leinwand holt.


Marcel Gisler, Regisseur Mario, Foto: Pro Fun Media

Marcel Gisler, Regisseur Mario, Foto: Pro Fun Media

Regisseur Marcel Gisler im Interview

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SoleRebels – Fair-Trade-Schuhe mit Autoreifen-Sole

Auf St. Pauli ist das afrikanische Fair-Trade-Schuhlabel soleRebels angekommen. Der erste Flagstore Deutschlands hat in Hamburg eröffnet. Die Geschichte hinter den Sohlen aus Autoreifen.

Es ist nicht nur die Geschichte eines Fair-Trade-Unternehmens, es ist die Story der Äthiopier Bethlemen Tilahun Alemu und Elias Assefa. Gemeinsam haben sie soleRebels nach Hamburg geholt. Der Weg dahin war lang, die Bedingungen aber waren gut: Der Hamburger Elias Assefa emigriert mit 14 Jahren nach Deutschland, mit nichts in der Tasche außer dem Segen seiner Eltern. Verschiedene Stationen in Deutschland führen ihn schließlich mit 22 nach Hamburg. Er kennt seine heutige Geschäftspartnerin da noch nicht, zehn Jahre später aber wird er das Unternehmen soleRebels hierher holen.

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Elias Assefa kam mit 14 Jahren ohne seine Eltern nach Deutschland. Foto: SoleRebels

„Die Menschen in Hamburg leben wie in keiner anderen deutschen Stadt den Gedanken der Nachhaltigkeit“, erklärt Assefa seine Motivation. Seit seiner Flucht aus dem Heimatland besucht er einmal im Jahr seine Familie in Äthiopien. „Als ich kurz vor meinem Besuch durch die ProSieben-Sendung „Galileo“ von Bettys Firma erfahren haben, wollte ich mich ihr sofort vorstellen.“ Die Gründerin der nachhaltigen Schuhmarke aus Afrika suchte jemanden, der die Expansion nach Deutschland leitet. Eine Herausforderung, die den überzeugten Wendländer damals sofort reizt.

Vor allem geht es Alemu und Assefa darum, den gesellschaftlichen Blick zu schärfen für ein Äthiopien mit hohem Kreativitätspotential und einer enormen Entschlossenheit. Nicht ohne Grund wurde soleRebels als erster Schuhproduzent überhaupt das Fairtrade-Siegel verliehen. Was diese Auszeichnung für Bethlemen Tilahun Alemu bedeutet, und ob Konsum die Welt verbessern kann erzählt uns die Geschäftsfrau in einem Hamburger Hinterhof am Neuen Kamp auf St. Pauli.

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Unprätentiös so wie das Produkt: der Flagstore am Neuen Kamp. Foto: SoleRebels

SZENE HAMBURG: Frau Alemu, Sie haben SoleRebels in Zenabwork gegründet, einem kleinen Vorort der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba – wie sah und sieht es dort aus?

Frau Alemu: Das ist ein kleines Dorf mit 5.000 Einwohnern. Ich wurde dort geboren, bin dort aufgewachsen und meine gesamte Familie lebte dort in einer sehr armen Nachbarschaft unter ähnlichen Verhältnissen. Als unsere Schule damals geschlossen wurde, haben ich und meine Brüder viel Zeit mit den Kindern dieser Nachbarschaft verbracht: Die Menschen dort sind sehr talentiert und warten auf die Möglichkeit, das der Welt zu zeigen. Meine Familie lebt heute noch in Zenabwork. Es hat sich wenig verändert.

Was für Einsichten haben Sie in der Zeit in Zenabwork gewonnen?

Mir ist aufgefallen, dass Menschen, selbst wenn sie nicht das Geld verdienen, das sie für ihre Arbeit bekommen sollten, trotzdem weitermachen. Wenn Menschen hart arbeiten, sollten sie aber doch am Ende wenigstens in der Lage sein, ihre Familie zu ernähren. Mit diesem Vorsatz habe ich 2004 mein Unternehmen gegründet.

Wie sah die erste Produktionsstätte, der erste Verkaufsraum aus?

Meine Oma hatte eine kleine Fläche für den Laden. Damals waren die Produktionsabläufe noch sehr schlicht, die benötigten Materialien Leder, Baumwolle und ausrangierte Autoreifen waren einfach und kamen alle aus der Region.

Gab es Hürden?

Um damit zu beginnen, brauchten wir ein Startkapital von 5.000 Dollar. Das Geld kam von meiner Familie. Es war wirklich sehr schwierig – die ersten zwei Jahre war das Geschäft alles andere als erfolgreich.

Trotzdem stand Ihre Familie weiter hinter ihnen. War es das Vertrauen in Sie oder die Hoffnung für die Familie?

Ich glaube, es hat viel mit beidem zu tun. Meine Eltern und auch mein Mann wollten sehen, wie weit ich mit meiner Geschäftsidee komme. Natürlich haben sie gehofft, dass ich es schaffe. Es hätte aber auch schiefgehen können – das ist das Risiko, das sie auf sich genommen haben. Dafür braucht es Vertrauen. Meine Mutter und mein Vater beide trotzdem oft genug gesagt haben, dass ich wieder zur Schule gehen solle. Aber ich habe mich nun mal für den anderen Weg entschieden.

Das Unternehmen ist auch ein Statement gegen das Entwicklungsland-Image und für Afrika auf dem Weltmarkt – mit welchem Ziel?

Nach meiner Erfahrung bedeutet die Gründung einer internationalen Marke wie soleRebels für die Menschen, die dort arbeiten, ein Ozean an neuen Möglichkeiten, die sie sonst nicht gehabt hätten. Vor allem sich und ihr Land weiterzuentwickeln, in einem Kontext, in dem sie bisher nur Abneigung erfahren haben. Ich wollte und will das ändern.

Wie?

Menschen wünschen sich eine faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Überall. Ich sehe meine Aufgabe darin, den Menschen eine Zukunft in ihrem eigenen Land zu ermöglichen. Deshalb möchte ich möglichst viele Leute anstellen, die dann ihre Familien ernähren können. Ich sehe darin einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Armut, Hunger, Elend und vielleicht müssten dann auf lange Sicht auch weniger Menschen fliehen.

Glauben Sie, dass Ihre Idee ein Startschuss für die gesamte Branche sein kann?

Absolut, ja. Wir haben in Äthiopien bereits die Tür für junge Unternehmer geöffnet, damit sie ihre Erfahrungen mit den Menschen teilen und ihre Produkte an verantwortungsvolle Konsumenten verkaufen können. Ich bin nicht mehr die Einzige, die dort eine Marke gegründet hat.

Was unterscheidet vor diesem Hintergrund einen lokalen Shop von einem Online-Store?

Die Überlegung ist folgende: Es ist zwar möglich, seine Produkte ausschließlich online zu vermarkten und zu verkaufen. Aber wenn das erst mal läuft, ist es genauso möglich, einen lokalen Shop zu eröffnen – und dort die Produkte für die Menschen dann spürbar zu machen und seine Erfahrungen zu teilen. In einem reinen Onlinebusiness kannst du deine Story nicht weitergeben. Aber die Geschichte ist wichtig. Wer sind die Menschen dahinter? Welche Motivation hatten sie, so eine Anstrengung auf sich zu nehmen? Mit wem arbeitet das Unternehmen zusammen und warum? Es gibt tausend Dinge zu erzählen, die Mensch und Produkt in eine völlig neue Beziehung treten lassen.

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Hier Deko, ansonsten unterm Schuh: Autoreifen. Foto: SoleRebels

Und welche Materialien sehen und fühlen die Kunden heute in den Stores?

Wir verwenden noch immer hauptsächlich Baumwolle, Leder und recycelte Autoreifen, haben uns aber natürlich optimiert, was die Beschaffenheit der einzelnen Elemente betrifft. Wir verarbeiten die Materialien nun so, dass wirklich unglaublich bequeme Schuhe herauskommen, die man einfach überall gerne trägt. Deshalb erzeugen wir auch eine große Bandbreite von Designs und Farben. Wir folgen dabei den Trends und dem, was die Menschen gerne tragen und versuchen, sowohl fair als auch stylish zu sein.

Stichwort Fairtrade: Was bedeutet das Siegel für Sie?

Die Leute reden viel über Fairtrade. Für mich hat diese Auszeichnung vor allem mit den Arbeitsbedingungen zu tun und mit den Rohstoffen, die wir verwenden. Wir kümmern uns darum, dass das Basismaterial gut und sauber ist und gleichzeitig darum, unsere Angestellten vernünftig zu bezahlen. Das ist die Grundlage. Wenn die Produktion beginnt, verzichten wir auf Chemikalien und im Versand auf Plastiktüten und Ähnliches. Jeder profitiert im Produktionsprozess. Das ist für mich Fairtrade.

Advocatus Diaboli: Was ist mit dem Erdöl in den Autoreifen, wenn ich die Schuhe wegschmeißen muss? Ist das ein Dilemma für Sie?

Ja, das ist es. Absolut. Es ist immer Raum da, um besser zu werden. Mit allem was wir tun. Aber bis dahin kann man die Schuhe auch recht einfach selbst reparieren.

 

„Die Art wie wir konsumieren wird immer ausufernder. Das macht mir Angst“

 

Würden Sie sagen, dass man über den Konsum tatsächlich Einfluss nehmen kann auf die Verbesserung der Welt?

Ja, total. Schau dir an, wie die Welt vor zehn Jahren mit dem Essen umgegangen ist und was es heute bedeutet zu essen. Die Menschen fragen, wo die Lebensmittel herkommen oder wie die Produkte hergestellt werden. Es gibt ein neues Denken. Einerseits. Andererseits: Die Art wie wir konsumieren wird immer ausufernder, das macht mir Angst. Dafür gibt es nicht nur ein Beispiel, sondern tausende. Aber ich glaube – ironisch gesagt – dass die bereits entwickelten Ländern uns beibringen können, wie man seinen biologischen Fußabdruck verdeckt.

Hamburg ist der 17. Standort außerhalb Äthiopiens und der erste deutsche – werden Sie nun öfter hier sein?

Ich glaube nicht. Ich bin das erste Mal hier und auch nur für die Eröffnung, um mich um den erfolgreichen Start des Geschäfts zu kümmern. Danach habe ich zu Hause in Äthiopien wieder genug zu tun, weil ich dort ja alles selber manage.

Zum Abschluss eine obligatorische Frage im Hinblick auf die Verbesserung der Welt: private Angelegenheit oder Aufgabe der kritischen Masse?

Jeder hat eine Wahl. Egal ob Schuhe oder Apfel: Es ist unsere Wahl, was wir essen oder tragen. Es beginnt bei uns, bei jedem einzelnen Individuum. Von dort aus erreicht es die Familie, die trägt die Ideale in das Milieu und von dort gelangt die Idee schließlich ins ganze Land. Das hört sich einfach an, wie ein Selbstläufer, nach meiner Auffassung erwächst dadurch aber für jeden auch eine eigene Verantwortung. Also: Es ist Privatsache.

Text & Interview: Jenny V. Wirschky
Fotos: SoleRebels

Die ungekürzte Version dieses Textes ist zu finden in der Printausgabe SZENE HAMBURG, Oktober 2018.

SoleRebels, Neuer Kamp 3 (St. Pauli), www.solerebels.com



 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Oktober 2018. Das Magazin ist seit dem 29. September 2018 im Handel und zeitlos im Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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