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Hamburger Podcast: Hubis Hafenschnack

Wie wird man vom Koch zum Hafentaucher?

Text: Marco Arellano Gomes

 

Im neuen Podcast „Hubis Hafenschnack“ spricht Barkassen-Meyer-Chef Hubert Neubacher mit spannenden Persönlichkeiten rund um den Hamburger Hafen. In der neuen Folge (ab dem 18. Juni) ist Elbtaucher Andreas Polster zu Gast und erzählt, wie man vom Koch zum Elbtaucher wird, was die Unterschiede zwischen Profi- und Hobby-Tauchern sind und wie man taucht, ohne nass zu werden.

Der neue Podcast „Hubis Hafenschnack“ startete im Mai und wird von Barkassen-Meyer-Chef Hubert Neubacher moderiert. An jedem zweiten Freitag begrüßt Neubacher einen Gast rund um den Hafen und lässt diesen dadurch lebendig werden.

Gast Andreas Polster begann seine berufliche Laufbahn als Koch auf einem Minenjagdboot, ist inzwischen aber als Helmtaucher bei „Taucher Knoth“ zehn bis zwölf Meter unter der Wasseroberfläche unterwegs, um Schrauben zu wechseln, Schweißarbeiten zu verrichten oder Autos aus der Elbe zu fischen: „Wir sind Bauarbeiter unter Wasser“, fasst Polster seinen Beruf im Podcast zusammen. „Handwerkliches Geschick muss man mitbringen“, so der 35-Jährige. Denn unter Wasser sind die Taucher auf sich alleine gestellt.

Was in der Elbe sonst so los ist, kann man ab sofort hören – überall wo es Podcasts gibt. „Hubis Hafenschnack“ ist eine Kooperation der Gute Leude Fabrik mit der SZENE HAMBURG, der Hamburger Morgenpost und Port of Hamburg.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Elbvertiefung: Schlamm drüber

Wie die Elbvertiefung wurde, wie sie ist – und was sie für Mensch und Umwelt bedeutet

Text: Markus Gölzer

 

Es ist ja nicht so, dass es erst seit der Elbvertiefung rumort im Hamburger Hafen. Schon 1259 gab es Ärger mit der leidigen Konkurrenz in Stade. Die Hafenstadt verlangte per vom Bremer Erzbischof verliehenen Stapelrecht Zoll von allen Schiffen auf der Elbe. Hamburg konterte mit einem Freibrief von Kaiser Barbarossa, datiert auf den 7.5.1189, der alle Handelsschiffe auf dem Weg zum Hamburger Hafen vom Zoll befreite. Der 7. Mai wird heute mit einem Riesenspektakel als Hafengeburtstag gefeiert. Wenn auch nicht von Historikern: Hier herrscht Einigkeit, dass das Dokument eine Fälschung war. Zum Glück für Hamburg kam das erst 1982 raus, als die Stellung unter den Welthäfen längst gesichert war.

Stade ist beim besten Willen keine Konkurrenz mehr, dafür Antwerpen und Rotterdam. Sie verwiesen Hamburg auf Platz 3 unter den größten Containerhäfen Europas. Als ein Grund gelten ihre deutlich tieferen Fahrtrinnen, die sie für große Containerschiffe besser erreichbar machen. Um den Standortnachteil zu beheben, wurde nach über 15 Jahren Planung und einem Tsunami aus Rechtsstreitigkeiten im März die Elbvertiefung fertiggestellt. Die neunte in 200 Jahren.

Die 130 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Hamburg und Nordsee wurde so ausgebaggert, dass Schiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Meter unabhängig von Ebbe und Flut fahren können. Auf der Flutwelle sind bis zu 14,50 Meter Tiefgang möglich. Zudem wurde die Fahrtrinne verbreitert und eine sogenannte Begegnungsbox gebaut. Das Tinder für Schiffe sorgt bei Wedel auf einer Länge von fünf Kilometern dafür, dass sich auch große Frachter begegnen und schnell wieder voneinander entfernen können. Insgesamt sollen durch die Elbvertiefung bis zu drei Millionen Container mehr möglich sein.

 

Hamburg, der Sisyphos von der Waterkant

 

Zum Vergleich: Der Umschlag 2020 lag bei rund 8,5 Millionen Containern. Die Freigabe der neuen Tiefgänge erfolgt in zwei Stufen. Am 3. Mai 2021 wurde die erste Stufe umgesetzt. Containerschiffe können die Tiefgangverbesserungen jetzt zu etwa 50 Prozent ausnutzen. Ob das Großprojekt, das mit 800 Millionen Euro in der Elbphilharmonie-Liga spielt, hilfreich ist, dürften nicht nur der Schierlings-Wasserfenchel und andere bedrohte Pflanzen- und Tierarten bezweifeln.

Die vor fast 20 Jahren geplante Vertiefung war zu kurz gedacht. Die Frachter sind heute viel größer, als man sich damals vorstellen konnte. Ein Ende der maritimen Gigantomanie ist nicht zu erwarten. Damit ist nicht nur die Tiefe der Fahrtrinne entscheidend, sondern auch Länge und Breite der Schiffe. Am 3. Mai wurde der Einlauf des ersten Großcontainerschiffs, der CMA CGM Jacques Saadé, mit Wasserfontänen gefeiert. Der Frachter der Megamax-Klasse beeindruckt mit einer Länge von 400 Metern und 61 Metern Breite. Und würde mit einem vergleichbaren Schiff nicht durch die Begegnungsbox kommen. In ihr können nur Frachter bis zu einer addierten Schiffsbreite von 104 Metern aneinander vorbeifahren. Zweites Riesenproblem: Die Strömungsverhältnisse haben sich anders entwickelt als erwartet. Es fällt viel mehr Schlick an, Hafenbecken wie Fahrrinne verschlammen. Die Elbvertiefung trägt dazu bei. Man muss ständig freibuddeln, kippt das Ausgebaggerte zehn Kilometer unterhalb des Hafens direkt in die Elbe. Der Schlick kehrt zurück, der Kreislauf beginnt wieder von vorne. Hamburg, der Sisyphos von der Waterkant.

Bei aller Baggerei können die größten Containerfrachter mit ihrem Tiefgang von 16,50 Meter nach wie vor den Hafen nicht erreichen. Fatal, denn die aktuelle Vertiefung dürfte die letzte gewesen sein. Eine weitere wäre einer umweltbewussten Öffentlichkeit nicht vermittelbar. Sie würde die Deiche destabilisieren und Natur wie Elbbauern den Rest geben. Doch es gibt auch Gewinner. Der Bund sucht aktuell Firmen, die die Fahrrinne ausbaggern und die Elbe auf Tiefe halten. Bis Anfang Mai konnten sich europaweit Unternehmen um den lukrativen Auftrag bewerben. Kostenpunkt für den Steuerzahler: rund 50 Millionen Euro.


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Hamburger Hausboote: Wasser unterm Fußboden

Im Harburger Hafen ist allerhand los – nicht zuletzt auf den vielen Hausbooten. Die kann man mieten, kaufen und bewohnen. Wir haben uns vier besonders schöne Objekte genauer angesehen

Texte & Fotos: Anna Meinke & Erik Brandt-Höge

 

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Mietobjekt „Wilma“ ist so detailverliebt eingerichtet, als hätte man sie fürs Titelshooting eines Interieur-Hochglanzhefts fertig gemacht

 

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Gibt weniger schöne Stege: Der des Hausboothafens Hamburg hat neben reichlich Idylle natürlich auch ziemlich hübsche Boote zu bieten (etwa „Wilma“). Hier kann man mieten, aber auch Boote in Auftrag geben, die dann in der Hausboothafen-Manufaktur gebaut werden; hausboot-hafen-hamburg.de

 

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Nächstes Mietboot des Hausboothafens: die „Arche“. Schlichtschick gehalten, hat sie nordisches Understatement inne

 

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Über einen Steg gelangt man auf das schwimmende Zuhause von Werner Pfeifer und seiner Freundin Cornelia. Die „Stadersand“ – eine 27 Meter lange ausgemusterte Hafenfähre – wurde 1955 gebaut

 

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1990 kaufte Werner die Hafenfähre anstatt einer Eigentumswohnung. Gemeinsam mit seinen Freunden machte er sich an die Restauration der Schiffsruine. Schon etwa ein Jahr später war sie dann bewohnbar

 

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Ursprünglich wollte Rolf Niebur in seiner alten Getreideschute eine schwimmende Hafenkneipe eröffnen. Das Projekt legte er jedoch wegen behördlicher Schwierigkeiten auf Eis. Im Obergeschoss des Schiffes wohnt der passionierte Bastler mit seiner Freundin Angela

 

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Im selbst zusammengeschusterten Hausboot, das seit 2016 im Harburger Hafen liegt, lebt es sich ganz wunderbar, findet Rolf. Ein Leben an Land kann er sich nicht mehr vorstellen. Das Hafenflair und die Nähe zum Wasser haben es ihm angetan

 


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Nach der Ebbe kommt die Flut

Die britische Economist-Gruppe hat nach einem Jahr Pause wieder eine Rangliste der lebenswertesten Städte der Welt veröffentlicht. Der größte Verlierer dabei ist Hamburg – zu Unrecht.

Text: Felix Willeke

 

Im aktuellen Ranking verliert die Hansestadt 34 Plätze und landet nach Platz 13 im Jahr 2019 jetzt nur noch auf Rang 47. Unter den Top Ten liegen mit Ausnahme von Zürich und Genf Städte aus Japan, Australien und Neuseeland. Die Top drei sind Auckland, Osaka und Adelaide. Doch Hamburg hat gerade gegenüber diesen drei Städten große Vorteile.

Zum einen das Wetter: In Osaka und Adelaide steigen die Temperaturen im Sommer gerne über die 40-Grad-Marke, für Norddeutsche wäre das ein massiver Verlust an Lebensqualität. Denn Hamburg ist nicht umsonst stolz auf das mit Abstand schönste Grau der Welt am Himmel. Und Regen formt schließlich den Charakter.

 

Die gute Lage macht’s

 

Zum anderen gilt für Hamburg das, was viele Immobilienmakler:innen propagieren: Lage, Lage, Lage. Die Hansestadt hat mit der Nord- und Ostsee das Meer vor der Tür und dazu den schönsten Hafen. Hafen und Meer haben die Top drei zwar auch, doch der große Vorteil für Hamburg: Wir leben nicht gefährlich. Während Adelaide abwechselnd von Dürre und Überschwemmungen heimgesucht wird, schwappt in Hamburg die Elbe ab und zu über den Fischmarkt. Das ist den Norddeutschen maximal ein Schulterzucken wert. Osaka und Auckland liegen zudem auf dem pazifischen Feuerring, sind also von Vulkanen umgeben. In Hamburg bricht dagegen nichts so schnell aus, schließlich ist im Norden „Jo“ schon ein vollständiger Satz mit Subjekt, Prädikat und Objekt.

 

Den Aufstieg im Visier

 

Für seine Rangliste bewertet die Economist-Gruppe jährlich 140 Städte anhand von Faktoren wie dem Gesundheitssystem, der Bildung, der Kultur und Infrastruktur. Hinzu kommen soziale Sicherheit, politische Stabilität oder die Kriminalitätsrate. Alles Punkte, bei denen Hamburg eine positive Bilanz hat, erst recht bei der Kultur. Während es in Auckland und Adelaide schon seit langem keine Corona-Einschränkungen mehr gibt und die Kultur in voller Blüte steht, hatte Hamburg nicht nur durch den kalten Mai einen langsamen Start in den Frühling. Der Hamburger Kultursommer bringt die Hansestadt aber jetzt wieder nach vorne. Dazu sorgen die Hamburg European Open am Rothenbaum und der Sommerdom für Bewegung in der Stadt. Die Hamburger:innen sind also bereit. Das Überholen von 46 Städten ist für sie kein Problem, denn Aufsteigen können wir.


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Kunst-Barkasse: „Hanseat“ hat neuen Anstrich bekommen

Die Kunst-Barkasse „Hanseat“ verbindet Alpenpanorama und Wellentreiben in ihrem neuem Gewand

Text: Erik Brandt-Höge

 

Hafenrundfahrten waren zuletzt nicht möglich. Corona hat den beliebten Erkundungsreisen über die Elbe mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein trauriger Blick für alle Hamburger war der auf den Großteil der bunten Barkassen von Barkassen-Meyer im Hafen, die nicht fuhren, wie sie normalerweise fahren. Aber: Bald soll es wieder losgehen.

Um die neue Saison einzuläuten, hat Hubert Neubacher, Chef von Barkassen- Meyer, ein besonderes Projekt in Angriff genommen: einen neuen Anstrich der Kunst-Barkasse „Hanseat“. 2008 erbaut, hatte die Komfort-Barkasse auf allerhand Fahrten bereits Stars à la Danny DeVito und Tina Turner mit an Bord.

 

Wellentreiben

 

Der Künstler Björn Holzweg hatte die „Hanseat“ 2016 erstmals zu einem fahrenden Gemälde gemacht, kürzlich erfolgte eine weitere künstlerische Gestaltung. Ein Alpenpanorama wurde vom Barkassen- Meyer-Inhaber Hubert Neubacher und Künstler Björn Holzweg sowie der Affenfaust Galerie auf der Barkasse verewigt – aus der Ferne wirkend wie ein Wellentreiben auf hoher See.

Neubacher bringt diese Bereicherung für seine Flotte auf den Punkt: „Ich sehe in meinen fünf Kunst-Barkassen eigentlich nur eine konsequente Weiterentwicklung meiner eigenen Liebe zu Kunst, Kultur und Pop. Zudem habe ich persönlich enorm viel Freude daran, meine Flotte so bunt durch den Hafen fahren zusehen.“ Und weiter: „Ich möchte damit ein positives Signal nach außen senden, dass wir optimistisch mit einem ‚neuen‘ Schiff und guter Laune in die Zukunft schauen und dass es irgendwann wieder weitergeht.“

barkassen-meyer.de


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Hamburger Hafen: Wellengänge

Was wäre Hamburg ohne sein „Tor zur Welt“? Aber was heißt das heute noch? Wie geht es dem Hafen? Einige Anmerkungen zu Kultur, Handel und Schifffahrt am Sehnsuchtsort aller Möwen und Wasserratten

Text: Marco Arellano Gomes
Fotos: Jérome Gerull

 

Zum Hamburger Hafen gehört eine Spezies, die jeder Welle entkommen ist, jeder Veränderung getrotzt und alle Zeiten überlebt hat: Nein, nicht die Matrosen, die betrunkenen Vagabunden oder die leichten Mädchen, die ihre Dienstleistungen in der „Freien und Handelsstadt Hamburg“ anbieten. Nein, gemeint ist: die Möwe. Jener prachtvolle, eigenwillige Vogel, dessen „Moin, Moin“-Geplapper schon von Weitem zu hören ist und klarmacht, dass man sich in Elbnähe befindet.

In gewisser Weise ist die gemeine Möwe ein Sinnbild dieser Stadt und ihrer Einwohner: nach außen hin eine weiße Weste, innen gierig, verdorben, lebenshungrig; mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehend und doch bereit, jederzeit den Abflug zu machen. Möwen wissen, was sie am Hafen haben. Und auch die Hamburger wissen das. „Hamburg – Das Tor zur Welt“ – jener gebetsmühlenhaft wiederholte und zum Marketing-Slogan verkommene Ausspruch, prägte über einen langen Zeitraum das Selbstverständnis der Hansestadt. Aber gilt das noch? Ist der Hafen noch immer Ausgangs- und Anziehungspunkt der Stadt? Oder entwickelt er sich zu einer rein touristischen Kulisse? Ein Gang durch den Hafen ist für jeden Hamburger ein obligatorisches Ereignis, den Blick auf das funkelnde Wasser gerichtet, von besseren Tagen träumend.

 

Hafen-Kultur

 

Der Hafen hat eine unnachahmliche Wirkung und Bedeutung. Dessen ist sich auch Ellen Blumenstein bewusst, die sich 2017 dazu entschloss, eine schwierige Aufgabe anzunehmen: Mehr Kultur in die Hafen-City zu bringen. Die Kuratorin der stadteigenen HafenCity Hamburg GmbH fing furios an. Ihre erste Amtshandlung: Sie verpasste Hamburgs Hafenkulisse im November 2018 einen überdimensionalen Smiley, bestehend aus Neonröhren, in acht Meter Höhe auf der Kibbelstegbrücke.

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Foto: Tim Hufer via Unsplash

Das Besondere: Der Smiley gab die Stimmung der Passanten in Echtzeit wieder. Mal lachte der Smiley, mal verzog er das Gesicht. Es war der Auftakt einer Projektreihe, die Blumenstein „Imagine the City“ taufte und zum Ziel hat, Hamburgs jüngstem Stadtteil Kunst und Kultur näherzubringen – jenseits der Elphi, versteht sich.

Blumenstein möchte eine Auseinandersetzung mit dem Ort. Welche Rolle spielt der Mensch in diesem von Architektur, Freiräumen und Wasser geprägten neuen Stadtteil? Welche Bedeutung hat die HafenCity als historischer und zugleich moderner Teil des Hafens? Das will Blumenstein gemeinsam mit Einwohnern und Besuchern herausfinden, mittels des Unvorhergesehenen, des Ungeplanten, des Überraschenden. Der Smiley war erst der Anfang. Nun geht Blumenstein mit dem Projekt „THE GATE“ einen Schritt weiter und konfrontiert die Stadt mit der Frage, ob Hamburg überhaupt noch das „Tor zur Welt“ ist. Einwohner und Besucher haben die Möglichkeit, dies kreativ und pandemiekonform herauszufinden. „Kunst soll irritieren, aus dem Alltagstrott herausholen, neue Perspektiven aufzeigen und Sichtweisen einen Raum geben, die keine Lobby haben“, sagt Blumenstein der HafenCity Zeitung im April.

 

Hafen-Ökonomie

 

Apropos Lobby: Der Hafen ist noch immer ein großer wirtschaftlicher Faktor. 156.000 Arbeitsplätze sind hier angesiedelt. Der Containerumschlag stagniert zwar seit ein paar Jahren, aber auf hohem Niveau. Waren es 2019 noch 9,3 Millionen Standardcontainer (TEU), waren es im Coronajahr 2020 allerdings nur noch 8,5 Millionen. Ein Rückgang um 11,1 Prozent. Der niedrigste Wert seit 2010 (7,9 Millionen TEU). Umso verwunderlicher, dass die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) den Konzernumsatz auf 348,7 Millionen Euro (+ 3,9 Prozent) und das operative Konzernergebnis auf 46,3 Millionen Euro (+ 26,4 Prozent) erhöhen konnte, während EUROGATE Verluste verzeichnete. Experten warnen, dass Hamburg im internationalen Vergleich weiter zurückfallen könnte – trotz Elbvertiefung, die nach knapp 17 Jahren Vorlaufzeit umgesetzt wird, sodass riesige 400 Meter lange Frachter mit 20.000 Containern die Elbe passieren können.

 

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Hafenrundfahrten mit Barkassen und Fähren sind wieder möglich (Foto: Jérome Gerull)

 

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann sprach im Mai nach Verkündung der „Fahrrinnenanpassung“ von einem „guten Tag für den Hamburger Hafen, einen guten Tag für die deutsche Wirtschaft und last but not least einen guten Tag für die Umwelt“. Das ist mal eine Aussage. Die niederländischen Häfen Rotterdam und Antwerpen hängen Hamburg dennoch ab, sie vermarkten sich besser und seien für die Reedereien günstiger, erklärt unter anderem Jan Ninnemann, Logistik-Professor an der HSBA, in einem Interview mit der „Zeit“ vom Februar 2020. „Vielen Reedern ist der Hafen zu teuer und zu kompliziert“, fasst er darin die Lage zusammen.

Nur Reedereien freuen sich über volle Auftragsbücher. Die Nachfrage nach Containertransporten ist weltweit gestiegen, der Spritpreis gesunken. Allein Hapag- Lloyd verkündete einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro.

 

Hafen-Touren

 

Wer den Containerterminals nahekommen möchte, sollte eine Hafenrundfahrt in Erwägung ziehen oder alternativ eine Fahrt mit einer der HADAG-Fähren. Acht Linien verbinden die Landungsbrücken mit Neuhof (Linie 61), Finkenwerder (62), Teufelsbrück (64), Airbus-Anleger (68), Arningstraße (72), Ernst-August-Schleuse (73), Steinwerder (75) sowie Blankenese/ Cranz (HBEL). Fast zehn Millionen Fahrgäste werden von der HADAG pro Jahr transportiert. 26 Fähren sind hierzu im Einsatz. „Die HADAG ist ein klassisches ÖPNV-Unternehmen und zugleich wichtig für den Tourismus“, erklärt Vorstand Tobias Haack.

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Foto: HADAG

Seit drei Jahren leitet der studierte Schiffsbauingenieur aus dem Ruhrpott das Traditionsunternehmen. In Hamburg hatte er einst promoviert, dann zehn Jahre in Flensburg gearbeitet, unter anderem für die „Förde Reederei“. 2018 zog es ihn – nach einem Zwischenstopp in Seattle – nach Hamburg, zur HADAG. „Die Fähren haben eine immense Bedeutung. Jeder Hamburger kennt sie, ist das eine oder andere Mal schon damit gefahren.“

Die Linie 62 gilt als alternative Hafenrundfahrt für jene, die sich das Geplapper und ein paar Euro sparen wollen. Wer eine gültige HVV-Karte besitzt, darf ohne Aufschlag mitfahren. Auch die HADAG hatte im vergangenen Jahr Einbußen. Das Fahrgastaufkommen ging um etwa 40 Prozent zurück. Dennoch gab es „keine Kurzarbeit, keine Entlassungen, keine Covid-19-Infektionen“, sagt Haack, nicht ohne Stolz. Als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs fuhren die Fähren weiter – mit allen Linien, volles Programm. Haack ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass die Situation sich in diesem Sommer wieder bessert und die Zahlen sich normalisieren.“ Vor Kurzem besuchte er den Eröffnungsgottesdienst des Hafengeburtstags im Michel. Die Stimmung war betrübt, aber nicht frei von Hoffnung. Haack findet es gut, dass der Hafengeburtstag digital stattfand, „aber den Hafen muss man schon sehen, hören, riechen und schmecken“. Am besten natürlich auf einer Fähre oder bei einer klassischen Hafenrundfahrt. Was sonst? Schließlich war es das 1888 gegründete Traditionsunternehmen, dass die klassische Hafenrundfahrt erfand. 1921, vor genau 100 Jahren, fuhr die erste Barkasse von den Landungsbrücken ab. In diesem Jahr sollte eigentlich die große Jubiläumsfeier stattfinden. Wann es mit der Hafenrundfahrt nun wieder losgeht, weiß auch Herr Haack noch nicht: „Das ist alles im Fluss.“

Es ist die wohl einzig wahre Prognose, die man auch für die Entwicklung des Hafens abgeben kann. An der Brücke 10 schnappt sich eine Möwe einige Zwiebelringe, die zuvor von einem Fischbrötchen gefallen sind. Sie schaut sich kurz um, eine Fähre legt mit Schwung ab, schippert vorbei, eine Welle klatscht gegen die Hafenkante, eine zweite, eine dritte. Die Möwe nimmt zwei, drei Schritte Anlauf und fliegt davon. Möwe müsste man sein.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Mai 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Drinks mit Hafenromantik: Das Bistro Liberté hat neu eröffnet

Gutes Drinks mitten im Hafen genießen: So geht Freiheit auf Französich

Hafenromantik de luxe! Auf dem Anleger direkt am Fischmarkt ist eine echte Wohlfühloase entstanden: das Bistro Liberté. Dahinter steckt StrandPauli-Macher John Wiblitz, der bekanntlich ein Händchen hat für das Schaffen einer tollen Location in Wassernähe. Diese ist nun wirklich nah: Nur 30 Zentimeter über der Wasserlinie können Gäste sich über leichte französische Küche freuen.

Gebaut wurde das Bistro im Loft-Stil eines historischen Zollhauses mit übergroßen Industrie-Flügelfenstern. 75 Innen- und 150 Außenplätze werden geboten. Drinks wie den Liberté Deluxe oder einen St. Germain Spritz werden aktuell beim Soft-Opening angeboten – Essen komme danach dazu. Einen unschlagbaren Blick auf das Hafengeschehen gibt es aber schon jetzt!

Liberté: Anleger Fischmarkt (Altona)


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