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„Jetzt erst recht“: 11. Hamburger Club Awards

Am 25. August 2021 wurden die 11. Hamburger Club Awards verliehen, zum ersten mal Open Air im Schrødingers am Schanzenpark – mit glücklichen und verdienten Preisträger:innen

Text: Felix Willeke

 

Herrschte bei den 10. Hamburger Club Awards im Januar 2020 noch Aufbruchsstimmung, stand die 11. Ausgabe unter ganz anderen Vorzeichen: Kaum eine Branche wurde von der Pandemie derartig getroffen und ausgebremst wie die Kultur- und Clubszene. Deswegen fanden die 11. Hamburger Club Awards auch unter dem Motto „Jetzt erst recht“ statt. 2021 wurden Preise in fünf Kategorien vergeben: Bester Live-Stream 2020/2021, Bestes Open-Air-Event 2020/2021, Sonderpreis, die zerbrochene Gitarre und der Ehrenpreis.

 

Die Gewinner:innen

 

Der Sonderpreis ging 2021 an das Schrødingers im Schanzenpark; Foto: Charles Engelken

Der Sonderpreis ging 2021 an das Schrødingers im Schanzenpark; Foto: Charles Engelken

All Hands on Deck sicherte sich den Award für den besten Live-Stream 2020/2021. Am 22. Mai 2021 spielte das Kollektiv den ganzen Tag auf dem Hausboot von Fynn Kliemann und Olli Schulz, „eine bunte Mischung aus Musik, Interviews und Spaß“, so die Begründung der Jury. Außerdem wurden im Rahmen der Veranstaltung auch Spenden für #handforahand und #coronakuenstlerhilfe gesammelt.

Das Beste Open-Air-Event 2020/2021 fand laut der Jury in Planten un Blumen statt. Die Reihe Draussen im Grünen räumte den Preis ab. Im Musikpavillon der Parkanlage finden und fanden 2020 und 2021 Konzerte statt, die „die Fläche in Planten un Blomen neu denken, erschließen und mit einem breiten kulturellen Leben füllen“, so die Jury. Der Sonderpreis wurde ebenfalls von der neunköpfigen Expert:innen-Jury vergeben und ging an das Schrødingers im Schanzenpark. Die Jury würdigte neben dem Live-Spielort auch das „vielfältige gesellschaftliche Engagement des Teams rund um Claudia Mohr und John Schierhorn“, wie beispielsweise die wöchentliche Essensausgabe für bedürftige Menschen und das Fungieren als betreutes Zeltlager für wohnungslose Menschen im Winter.

 

Der Ehrenpreis und die zerbrochene Gitarre

 

Der Negativpreis die zerbrochene Gitarre ging 2021 an das Tanzverbot in der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg; Foto: Charles Engelken

Während die ersten drei Preise mit Preisgeldern von ingesamt 1.000 Euro dotiert waren und in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien vergeben wurden, vergab das Clubkombinat mit dem Ehrenpreis und dem Negativpreis „die zerbrochene Gitarre“ auch zwei eigene Awards. Der Ehrenpreis ging dabei an die Behörde für Kultur und Medien und wurde stellvertretend durch den Kultursenator Carsten Brosda entgegengenommen. Damit würdigt das Clubkombinat die Arbeit der Behörde, die mit Förderprojekten wie dem Kultursommer  maßgeblich dazu beitragen, „dass Clubkultur in Corona Zeiten noch eine Überlebenschance hat“, so die Begründung.

Der Negativpreis „die zerbrochene Gitarre“ ging an das Tanzverbot in der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg. In seiner Begründung sagt das Clubkombinat unter anderem, dass aus seiner Sicht Tanzveranstaltungen unter Einhaltung von AHA-Regeln möglich sind, ohne hierbei den Gesundheitsschutz zu vernachlässigen.

 

Stimmen

 

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, lobte: „Diese besondere Ausgabe des Club Awards zeigt, wie wichtig die Clubkultur für Hamburg ist. Die Hamburger Clubszene prägt ganz wesentlich die Kulturstadt Hamburg. Der diesjährigen Ehrenpreis ist Ansporn, sich weiterhin gemeinsam für die vielfältige Kultur in Hamburg zu engagieren. Wir werden weiter miteinander im Gespräch bleiben, um sinnvolle Regelungen zu finden, mit denen das Infektionsrisiko begrenzt wird, die Kultur aber auch wieder wirklich aufleben kann. Vor allem aber kommt es jetzt darauf an, dass sich möglichst viele impfen lassen.“ Kai Schulz, 1. Vorsitzender des Clubkombinat Hamburg e.V., sagte: „Dass wir den Club Award in dieser Sonderausgabe veranstalten, ist für uns ein wichtiges Zeichen. Clubs sind Kultur – die viele Arbeit und das persönliche Engagement gilt es zu würdigen.”


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Kultur in Harburg: „Sommer im Park“ auf der Freilichtbühne

Vom 20. bis 29. August 2021 gibt es beim „Sommer im Park 2021“ auf der Freilichtbühne in Harburg ein vielfältiges Programm: Von Theater über Poerty Slam bis Livemusik werden viele Genre bedient

Text: Felix Willeke

 

2018 wurde zum ersten Mal auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark unter dem Motto „Sommer im Park“ gefeiert. Nachdem 2020 das Fest nicht wie geplant stattfinden konnte, geht es 2021 wieder los. Vom 20. bis 29. August 2021 steht viel Kultur auf dem Programm: Neben Livemusik gibt es auch Kabarett. Am Samstag gibt sich zum Beispiel der Musikkabarettist Johannes Kirchberg die Ehre, gefolgt von der 1999 gegründeten Hamburger Rockband „Nine-T-Nine“. Den Abschluss am Sonntag macht „Antigone“ in einer Inszenierung unter der Regie von Lars Henriks mit Nisan Arikan, Imke Frieda Sander und Siddhii Lagrutta.

 

Highlight zum Schluss

 

Nachdem es am Abschlusswochenende unter anderem mit der Coverband „Songs of U2“ und der dänischen Soul-Formation „D/Troit“ noch einmal musikalisch zur Sache geht, wartet am Sonntag der krönende Abschluss: Beim „Harburger Vielfaltsfest 2021“ treffen am 29. August von 13 bis 18 Uhr Menschen aller Kulturen, Generationen, Geschlechter und Hintergründe in entspannter Atmosphäre zusammen.

Dabei gibt es neben jiddischer Musik, arabischen Liedern und russischer Folklore auch die Verleihung des SIKO-Preises, der Einzelpersonen, Institutionen oder Vereine auszeichnet, die sich in der Vergangenheit in vorbildlicher Weise um Sicherheit und Sauberkeit im Bezirk Harburg gekümmert haben.

Sommer im Park: 20. bis 29. August 2021


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Das Gängeviertel feiert 12. Geburtstag

Vom 19. bis 22. August 2021 feiert das Gängeviertel seinen 12. Geburtstag. Unter dem Motto „Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten“ gibt es Ausstellungen, Musik, Workshops und Lesungen

Text: Felix Willeke

 

Besonders in der Zeit der Pandemie bekam der Begriff Raum eine ganz neue Bedeutung: Sei es durch Verlagerung von Arbeitsraum, durch Verknappung von Raum durch eingeschränkte Bewegungsfreiheit oder durch fehlenden Raum für Künstler:innen. Hier setzt das Gängeviertel mit dem Motto „Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten“ zu seinem 12. Geburtstag vom 19. bis 22. August 2021 an. Musikalisch, performativ und diskursiv wollen sie etablierte und ungewohnte Ecken des Viertels ausleuchten.

 

Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und Musik

 

Das Programm reicht von Ausstellungen und Workshops über Lesungen bis zu Musik. Los ging es am Donnerstag, den 18. August 2021 mit einem Softopening, die Performance mit dem Titel „All my Loving“ orientierte sich an dem Roman „Wie wir begehren“ von Carolin Emcke. Dabei gingen sie auf eine kleine Zeitreise und verbanden die eigene Geschichte mit den Themen aus Emckes Buch. Das Ganze ist am Freitag um 18.30 Uhr nochmals zu sehen. Ebenfalls am Freitag ist unter anderem der Journalist und Autor Christoph Twickel mit einer Lesung und Podiumsdiskussion zum Thema Gentrifidingsbums 2021 zu Gast.

Am Sonntag liest Hengameh Yaghoobifarah aus ihrem Buch „Ministerium der Träume“. Darüber hinaus gibt es Musik von „Rapfugees“, „Knarf Rellöm“ und vielen anderen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, bei vielen ist Corona-bedingt eine Voranmeldung nötig.

 

Das f.e.t.t. Kollektiv

 

Eines der Highlights des Geburtstags ist der interaktive Theater-Walk des f.e.t.t. Kollektiv. Das 2018 gegründete Kollektiv nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch das Internet. Dabei verarbeiten sie die Ambivalenzen dieses schier unendlichen Raumes mit einem interdisziplinären Team an Künstler:innen. Zu sehen nach Voranmeldung.

 

Das Gängeviertel auf der Suche

 

Mit diesem 12. Geburtstag beginnt für das Viertel eine neue Zeit: „Nachdem wir vor zwei Jahren den Erbpachtvertrag für 75 Jahre mit der Stadt abgeschlossen haben, haben wir unser Hauptziel erreicht: Das Gängeviertel zu retten. Nun geht es darum, sich zu überlegen, was für ein Ort wir in Zukunft sein wollen“, sagt Lena Frommeyer vom Gängeviertel. Als nächstes steht die Renovierung des vierten von zwölf Gebäuden an.

In einer Zeit der Wiederöffnung des kulturellen Lebens hat sich auch das Gängeviertel über die Förderung durch den Kultursommer gefreut. Sie wünschen sich allerdings, dass sich diese Förderung verstetigt. Das Viertel will sich unterdessen weiter öffnen und weiter entwickeln. „Wir sind eine Schlange, die sich gut häutet. Ständig kommen neue und oft auch junge Leute ins Viertel und prägen es. So lange wir immer wieder durch neue Ideen und Ansätze überrascht werden, dann geht es uns gut.“

Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten, der 12. Geburtstag des Gängeviertels; 19. bis 22. August


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Kultursommer Hamburg: Abschluss mit Pauken und Trompeten

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Dr. Carsten Brosda feiern mit Hamburger Publikum das Ende des Kultursommers bei einem lauen Sommerabend auf dem Rathausmarkt

 

Mit einer vom Generalmusikdirektor Kent Nagano dirigierten Hommage an Jacques Offenbach endete das Festival offiziell. Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda genossen als Zuhörer den trockenen Abend auf dem Rathausmarkt.

Um die 1.800 Veranstaltungen unter freiem Himmel hatten seit Mitte Juli in einer Vielzahl von Hamburger Spielstätten, darunter viele ungewöhnliche Orte in den Bezirken, stattgefunden. Nun richtet sich der Blick auf den kommenden Herbst, wenn Kultur wieder drin stattfinden soll.

 


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Alli Neumann: Ein Wirbelwind beim „Fast ein MS Dockville“

Wirbelwind beim MS Dockville: Alli Neumann präsentiert ihr Debütalbum „Madonna Wh0r3 Komplex“ schon vor dem offiziellen Release am 3. September bei ihrem Gig auf dem „Fast ein MS Dockville“ am 13. August

Foto: Andreas Hornoff
Video: Marc Westphal

 

Grüne Haarspitzen, Vintageklamotten, Sommersprossen und ein Herz aus Regebogenfarben – Alli Neumann ist die moderne Pipi Langstrumpf der deutschen Popkultur. Wir haben die Musikerin und Schauspielerin vor ihrem Auftritt bei „Fast ein MS Dockville“ zum Interview getroffen und über Hamburg, Kunst und Inspiration, Freundschaft und beendete Beziehungen gesprochen.


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Zukunftsmusik: Der Sound der Hamburger Musikerin Sherly

Die Hamburger Sängerin Sherly sprach mit SZENE HAMBURG über ihren Sound, Stil und den Weg dorthin.

Text & Interview: Kevin Goonewardena

 

Mehr als ein Jahrzehnt hält die Renaissance des Neunziger R ‘n B nun schon an. Weiterentwickelt von Künstler:innen wie dem kanadischen Superstar The Weekend, FKA Twigs oder Frank Ocean als Future R ‘n B etikettiert, wird die melodiöse, verkitschte, oft chauvinistisch-sexuell aufgeladene, von nicht Wenigen heutzutage als trashig empfundene Musik von damals in eine progressive Variante zwischen Club, Pop und Vernissage verwandelt. Bei Fans und dem Feuilleton kommt das gleichermaßen an. Die Hamburger Musikerin Sheryl Verbindet verschieden Genre in ihrem Sound.

 

SZENE HAMBURG: Ein Blick auf deinen Instagram Account zeigt sofort: Hier hat man es mit jemandem mit einem urbanen, aber sehr eigenen Stil zu tun. Ein Stil der neugierig macht.

Sherly: Mittlerweile greift alles ineinander: die Musik, meine Leidenschaft für das Tanzen, die visuelle Erscheinung. Das war natürlich ein langer Weg dahin und der Prozess dauert nicht nur an, er wird ja auch nie abgeschlossen sein.

Vor allem deine Outfits stechen heraus. 

Ich habe das Glück dass mir eine befreundete Designerin (@lenavoutta, Anmerk. des Verfassers) viele Sachen auf den Leib schneidert. Einzelstücke, die ich dann tragen darf.

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Dein Sound ist sehr elektronisch. Allerdings nicht in der Art, dass du auf eine elektronisch Melodie etwas souliges singen würdest, sondern streckenweise sehr experimentell, brüchig. Wie hat sich dieser über die Jahre entwickelt und wo hast du musikalisch begonnen?

Wenn ich ganz weit zurückgehe, dann habe ich schon früh angefangen zu singen, bin als Schülerin auf Hochzeiten und Galas in allen erdenklichen Kombinationen aufgetreten: Solo, als Teil eines Duos, mit Band. Ich habe Coversongs gesungen, eigene hatte ich da noch nicht. Hauptsache es war soulig.

Wann hast du angefangen an eigenen Stücken zu arbeiten ?

Ich hatte schon länger selbstgeschriebene Texte in der Schublade, aber es war am Anfang schwer für mich für die Songs die richtige Instrumentierung, die richtigen Leute zu finden. Ein Kumpel hat mir dann den Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) empfohlen, der wichtig für das Networken war. Das war praktisch der Start für meine eigene Musik, denn dort habe ich die richtigen Leute gefunden. 2015 habe ich das erste Konzert mit eigener Musik gegeben.

Der Sound dürfte damals noch ein anderer gewesen sein. Wie hörte sich deine Musik anfangs an?

Anfangs klang ich noch viel weniger elektronisch, mein Sound war organischer. Es gab Gitarren und viel echte Drums. Damals lag der Fokus meiner Musik noch sehr auf Melodie und Text. Ich mag das auch immer noch, aber irgendwann hatte ich das Bedürfnis, was anderes zu machen. Ich wollte auch, dass es auf den Konzerten abgeht.

Gab es einen Anstoß, vielleicht einen Moment durch den langsam der Weiterentwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde?

Das Tanzen war ein großer Einfluss für mich, auch für die Weiterentwicklung meines Sounds. Ich komme aus der rhythmischen Sportgymnastik, habe Wettkämpfe bestritten und mich dann irgendwann HipHop, Dancehall und anderen Tanzstilen zugewandt, weil man rhythmische Sportgymnastik irgendwann nicht mehr machen kann – das ist eigentlich ein Sport für Kinder und Jugendliche. Über die jeweiligen Tänze habe ich mich auch der entsprechenden Musik zugewandt und mich mehr damit beschäftigt.

Und musikalisch?

Kaytranada war ein großer Einfluss, denn er hat es geschafft schöne Melodien mit tanzbaren Beats zu vereinen. Ich finde, oft hat in moderner Musik die Stimme kaum Platz und wenn doch, dann sind die Songs sehr poppig. Bei ihm ist das anders. Auch NAO und Kelela finde ich gut, fresher Sound, kein klassischer R ‘n B wie früher.

Was möchtest du durch deine Musik transportieren, was möchtest du weitergeben?

Musikalisch versuche ich aus meinen Einflüssen von früher und heute etwas Neues zu kreieren, das auch gleichzeitig mich abbildet und dabei die neuen, technischen Möglichkeiten zu nutzen, die wir haben.

Und thematisch? Gibt es so etwas wie eine Message?

Es gibt keine explizite Message, ich möchte weder die Künstlerin sein, die sich ständig zu allem äußert, noch die, die wichtige Themen unserer Zeit nicht behandelt. Es gibt immer wieder Stücke, die ernste, aktuelle Themen behandeln, wenn diese mich bewegen und ich was dazu sagen möchte.

Beispielsweise „Faster, Better, Stronger“: In dem Lied geht es um den Selbstoptimierungswahn, dem viele heutzutage unterliegen. In einem anderen Song geht es darum, dass wir vieles geschehen lassen, obwohl wir sehen was passiert, da wir auch ein Stück weit überfordert sind mit der Welt in der wir leben und dem was passiert – mich eingeschlossen. Die Texte sind allgemein gehalten. Sie sollen eine Gültigkeit über das Hier und Jetzt hinaus besitzen und sich nicht auf etwas beziehen, was morgen vorbei und eventuell vergessen ist.

Was planst du für die Zukunft?

So viel wie möglich live spielen und natürlich neue Musik erarbeiten und veröffentlichen – ein Album ist allerdings nicht geplant. Ich mag es, wenn jeder Song für sich stehen kann. Auch hören die Leute heute eher einzelne Songs von Künstler:innen, anstatt ganze Alben.

Sherly ist am 13. August im Rahmen des Kultursommers im Künstlerhaus Faktor, Max-Brauer-Allee 229, 22769 Hamburg, bei der Serie “In The Mix” live zu erleben.


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Cologne: „Man hört das Knacken des Feuers“

Der Wahlhamburger Musiker, Komponist und Produzent Lars Cölln alias Cologne hat mit „Episode I: elevating music“ sein Solodebüt-Album aufgenommen. Die Geschichtenerzähler darauf: Gitarren

Interview: Erik Brandt-Höge

 

SZENE HAMBURG: Lars, welcher Reiz liegt für dich im Komponieren und Produzieren von instrumentaler Musik?

Lars Cölln: Meine Gitarre ist für mich mein Vehikel in die Welt der Musik. Ich verbringe meist mehr Zeit am Tag mit Gitarrespielen, als mit Sprechen. Und ich liebe es, wenn mir eine Melodie zufliegt oder ein paar schöne Harmonien, die ich dann ein paar Tage später immer noch mag. Das sind riesige Glücksmomente!

Wie bist du denn in der Entstehungsphase von „Episode I: elevating music“ vorgegangen, um die Hörer auf ganz individuelle Gedankenreisen zu schicken?

Das waren lange, intensive Monate in Spanien, die ich voll der Musik gewidmet habe. Es gab praktisch nur eine Feuerstelle – es war Winter –, einen Herd und ab und zu einen Spaziergang ans Meer oder zum Markt für mich, selten eine Begegnung mit Freunden. Ach ja, und eine Katze (lacht). Ich habe musikalisch reflektiert, was mich bewegt: Hoffnung, Glück, Abschied, Zuversicht. Das alles in der Zurückgezogenheit mit wenig Ablenkung. Die dabei entstandenen Emotionen habe ich auf Tape einfangen können, direkt im jeweiligen Moment. Man hört sogar das Knacken des Feuers auf einer Aufnahme – was für mich auch die Magie dieser Aufnahmen ausmacht,die ich zunächst nur als Demos betrachtet habe und später merkte: Das ist es und genau so soll es klingen!

Und mal ganz allgemein: Ist die hiesige Musiklandschaft so textlastig, weil Hörer dadurch einen schnelleren Zugang zu den Songs finden? Die Geschichten dazu müssen ja nicht mehr erdacht werden, sondern werden bereits per Lyrics geliefert.

Unbedingt! Auch ich liebe gute Texte und Musik – die Kombination gibt uns sehr viel. Zum Beispiel neue Ideen oder ein Sich-verstandenfühlen. Aber gerade, weil dies so allgegenwärtig ist, also in unser aller Leben viel und teils sinnarmer Text gelangt, möchte ich mit meinem Album den geneigten Zuhörern und Zuhörerinnen einen musikalischen Waldspaziergang ohne Zaunpfähle ermöglichen, bei dem der Blick frei schweifen kann und sich nicht sofort an Worten festsieht – und bei dem der Boden etwas weicher federt als Beton.

„Episode I: elevating music“ erscheint am 13.8. physisch im Eigenvertrieb (CD@larscoelln.com), digital über Believe


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2021. Das Magazin ist seit dem 29. Juli 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Fast ein MS Dockville: Auftakt des letzten Tanzes

Der Höhepunkt der Sommerfestivals auf der Elbinsel erstreckt sich dieses Jahr über ganze sieben Tage. An dem gewohnt stilsicheren Musikmix des MS Dockville Festivals hat sich trotz Pandemie allerdings nichts geändert: So bitten auch 2021 die angesagtesten Indie- & Pop-Künstler:innen mit Ausflügen in die Welt von Electronic und HipHop zum letzten Tanz der Saison an den Wilhelmsburger Reiherstieg

Text: Kevin Goonewardena
Fotos: Andreas Hornoff

 

Er ist schon lange so etwas wie der gar nicht mehr so geheime Geheimtipp der hiesigen Szene: Der Kölner Künstler Moglii, ausgebildeter Jazz-Pianist, Produzent und Sänger, begeisterte mit seinem einzigartigen organischen Sound aus warmen Beats, Soul-Samples und analogen Synths die Besucher:innen am Dienstagabend, dem ersten Tag der diesjährigen Pandemie-gerechten Dockville-Ausgabe am Reiherstieg.

Der diesjährige popNRW-Preis- und New Music Award-Nominee spielte nach 2017 zum zweiten Mal in Wilhelmsburg – der Schritt auf die große Bühne ist dabei längst überfällig.

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Genregrenzen rissen auch MADANII & LLUCID bei ihrem Dockville-Auftritt auf allen Ebenen ein: Ihre Musik ist an Neunziger-R ‘n B genauso abgelehnt, wie sie orientalische Einflüsse beinhaltet, scheut sich nicht vor Pop-Gestus und funktioniert auch in Electro-Clubs.

Zwar erschien das Duo optisch leger auf der Nest-Bühne, doch auch wenn sie ihre  normalerweise extravagante Kleidung und Schmuck, der sie in Kombination mit der Musik irgendwo zwischen Orient, Avantgarde, Sexclub und Underground-Rave verortet, ihre ekstatische Liveshow auf der Nest-Bühne versetzte Körper und Beine der Besucher:innen zum Dockville-Start in Wallungen.dockville_c_a_hornoff_0037

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Vom 11. bis 22. August treten bei den Ein-Tages-Veranstaltungen unter anderem Alli Neumann, Antje Schomaker, Beterov, Casper-Produzent Blvth, Ilgen-Nur, Leoniden, mia Morgen und Haiyti am Reiherstieg auf. Außerdem gibt es Live-Podcasts.

Fast ein MS Dockville: 11. bis 22. August 2021


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Kampnagel Sommerfestival: Avantgarde im Garten

Auf Kampnagel zeigen Künstler:innen rund zwei Wochen lang in der Krise entstandene Perspektiven für die Zukunft. Dafür verwandelt sich das ehemalige Industriegelände des international renommierten Kulturzentrums in Winterhude in die gewohnte all-sommerliche avantgardistische Festival-Location

Text: Kevin Goonewardena

 

Bereits seit Mitte der 1980er Jahre ist das internationale Kulturzentrum auf dem Gelände der ehemaligen und namensgebenden Maschinenfabrik „Nagel & Kaemp, Zivilingenieure“ Austragungsort verschiedener Festivals aus den Bereichen Tanz, Theater, Performance, Musik, Bildende Kunst und Film.

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Vom verregneten Auftakt des diesjährigen „Internationalen Sommerfestival“ im 15. Jahr des Bestehens der Reihe am Dienstagabend, 4. August, ließen sich weder Besucher:innen, noch Künstler:innen die Vorfreude auf die kommenden zwei Wochen verderben – und das trotz der bereits zweiten Pandemie-gerechten Ausgabe hintereinander.

Sich und seinen organisch, melodischen und mediativen Stilmix aus Jazz, Klassik, Pop und Balkan-Elementen stellte unter anderem der mazedonische Gitarrist und Komponist Filipp Dinev mit seiner Band dem Publikum vor. Dinev, der in Hamburg Jazz studiert, gab genau wie das nachfolgende Duo Clara Lucas und Hauke Renken im Rahmen der von seiner Hochschule (HfMT – Hochschule  für Musik und Theater) kuratierten Bühne eine Kostprobe seines Könnens. Bei Clara Lucas und Hauke Renken umfasste selbiges die ganze Bandbreite von Jazz-Stücken bis hin zu Songs des Pop-Superstars und Stilikone Billie Eilish.

 

Wald- und Kanalbühne vom NDR und der ZEIT-Stiftung

 

Den Höhepunkt des ersten Abends stellte die Zusammenarbeit des jiddischen Künstlers Josh „Socalled“ Dolgin und die durch den kanadischen Klavier-Virtuosen mit kölschem Wohnsitz Chilly Gonzales bekannt gewordenen Streicher Kaiser Quartett dar, die unter dem Namen „One Night in Odessa“ sowohl gemeinsame Stücke, jiddische Lieder ihres jeweiligen Repertoires und Erstaufführungen in der Pandemie entstandener Songs und Arrangements, vortrugen.

Noch bis zum 15. August sind auf verschiedenen von dem NDR und der ZEIT-Stiftung präsentierten Bühnen und im eigentlichen Herzstück des „Internationalen Sommerfestival“ – dem Avant-Garten – lokale, nationale und internationale Künstlerinnen, junge Talente, etablierte Größen und deren Werke zu sehen, hören und zu bestaunen. NDR_ZEIT_Buehnen_Kampnagel_-Kultursommer_Foto_Team_Szene-16Zum Beispiel der afghanische und in Neuwiedenthal im Hamburger Süden aufgewachsene afghanische Produzent Farhad Samadzada, der unter seinem Alias Farhot nicht nur für Die Fantastischen Vier und Haftbefehl produzierte. Sein letztjähriges Produzentenalbum „Kabul Fire Vol. II“ wurde nicht nur vom deutschen Feuilleton begeistert aufgenommen, auch schaffte er es unter anderem in die renommierte britische Zeitung „The Guardian“ – die seine in Rillen gepresstes musikalisches Erbe Kabuls gar zum „Global Album of The Month“ ernannte. Farhot ist am 12. August in einem Talk-Format auf der Waldbühne zu hören.

Auch die Hamburger Popmusikerin Sophia Kennedy, die kürzlich ihr Zweitwerk „Monsters“ herausgebracht hat, Fritzi Ernst (ehemals Teil des Duos Schnipo Schranke), Ashraf Sharif Khan & Pudel-Mitbetreiber Victor Marek und viele weitere musikalische Gäste sind in den kommenden Tagen auf Kampnagel zu erleben. Neben dem Musikprogramm erwarten die Besucher:innen Performance, Filmvorführungen, DJ-Sets, die schon angesprochenen Talks oder auch Live-Podcasts.

 

Bunte Abkühlung

 

Für eine Abkühlung bei den ab Mittwoch, 11. August wieder höheren Temperaturen, sorgt Eis: Im Rahmen des Kultursommers fährt ein Eiswagen mit buntem „Play out loud“-Logo-Eis am Stil zu verschiedenen Venues und macht natürlich auch halt auf Kampnagel: Am 12. August gibt es dort dann ab 20:30 Uhr bunte Vielfalt auch für auf die Zunge!

Kampnagel Sommerfestival: 4. – 22. August 2021


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Ringelnatz: Ein Abend der Leichtmatrosen

Mit der Leichtmatrosenbigband ging es bei der Barmbeker Hofkultur im Rahmen des Kultursommers musikalisch von Hamburg nach Haiti und zurück, immer auf den Spuren des berühmten Dichters

Text: Felix Willeke

 

Es regnet leicht, dem Publikum ist es egal „das Wetter passt doch“, ruft Kapitän Heinecke von der Bühne. „Eigentlich waren wir für die Elbphilharmonie gebucht, doch das hier ist authentischer.“ Er grinst und stimmt mit seiner Leichtmatrosenbigband vom Theaterdeck Hamburg das erste Lied an. Die Combo aus Niklas Heinecke, Henner Depenbusch und Tim Niebuhr ist in der lokalen Theaterszene in Hamburg-Barmbek längst bekannt. Seit über zehn Jahren bringen sie in unregelmäßigen Abständen Lieder und Gedichte rund um den Dichter Joachim Ringelnatz auf die Bühne. Garniert wird das Ganze mit allerlei Seemannsliedern und solchen, die es werden wollen. Die Reise bei der Barmbeker Hofkultur der Zinnschmelze führt mit reichlich Seemannsgarn von „Kuddel Daddel Du“ von Achim Reichel, über der/die „Bademeister*in“ von der Kleingeldprinzessin alias Dota bis hin zum „Abschied der Seeleute“ von eben jenem Joachim Ringelnatz.

 

Multitalente bei der Arbeit

 

Die drei sitzen auf der Bühne und haben mindestens genauso viel Spaß wie ihr Publikum. Heinecke ist als Kapitän Conférencier, Sänger und Erzähler. Der Smutje Tim Niebuhr ist neben dem Rhythmus für sämtliche Geräusche zuständig – vom Flattern der Segel bis zum Platzen des Schlauchboots. Henner Depenbusch musiziert als Fliegengewichtsmatrose von Akkordeon über Klavier bis Saxophon mit allem, was ihm in die Finger kommt und der neue Leichtmatrose Jan Otto spielt Gitarre. Dauerte dieses Konzert offiziell nur eine Stunde, verlangt das Publikum nach mehr als anderthalb Stunden immer noch nach einer Zugabe. „Tanzen ist ja verboten“, sagt Heinecke, „aber, wenn ihr euch möglichst unrhythmisch bewegt, ist das laut Definition kein Tanzen.“ Das Publikum gehorcht. Alle, wenn sie nach den Standing Ovations nicht eh schon auf den Beinen sind, stehen auf, singen und schunkeln – bemüht unrhythmisch – zum Abschluss mit. Wer sich in Zukunft nach Comedy mit Seemannsflair und Anspruch sehnt, sollte ab jetzt nach Niklas Heinecke und seiner Leichtmatrosenbigband Ausschau halten. Ahoi!

Die Leichtmatrosenbigband (v.l.n.r) Tim Niebuhr, Henner Depenbusch, Kapitän Niklas Heinecke und Jan Otto; ©Nick Pompetzki

Die Leichtmatrosenbigband (v.l.n.r) Tim Niebuhr, Henner Depenbusch, Kapitän Niklas Heinecke und Jan Otto; ©Nick Pompetzki


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