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Statements zum Kultursommer: „Wir sind wieder da!“

Mehr als 100 Hamburger Kulturkonzepte werden vom Senat im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“ ge­fördert. Wir haben acht ­Veranstalter gefragt, welchen Stellenwert die Unterstützung für sie beim Kultur-Neustart hat

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Marco Arellano Gomes

 

Kim Senger, Waldinsel Records

Das letzte Jahr durchzuhalten, war nicht einfach für die Kulturschaffenden auf und hinter den Bühnen. Umso mehr freue ich mich jetzt über die Förderung im Rahmen des Hamburger „Kultursommers“. Sie ermöglicht es mir, mit insgesamt acht Bands an 16 Orten in Hamburg Laster-Konzerte zu veranstalten – an bekannten, aber auch an unerwarteten Orten. Sobald die Bezirke ihre Genehmigung gegeben haben, werden die Termine auf meiner Website veröffentlicht. Auch außerhalb des „Kultursommers“ gibt es viele Anfragen für Laster-Konzerte. Hoffen wir mal, dass wir die Pandemie bald überstanden haben und Kultur wieder ohne Einschränkungen möglich ist.

waldinsel.com

 

Johannes Kirchberg, Kulturhaus Süderelbe

Das Kulturhaus Süderelbe freut sich riesig, dass der Hamburger „Kultursommer“ uns einen Wiedereinstieg ins Kulturleben ermöglicht. So können wir ein kleines, feines Festival anbieten und nach Monaten der Kulturlosigkeit unserem Publikum wieder begegnen und die Türen öffnen. Ohne die Unterstützung Hamburgs und der Behörde für Kultur und Bildung wäre es uns schlicht nicht möglich gewesen, ein so vielfältiges Programm zusammenzustellen und auch zu betreuen. Dafür von Herzen unser Dank. Wenn jetzt noch jemand einen heißen Draht zum Wetter hat, damit auch alles unter freiem Himmel stattfinden kann, dann wäre das ganz prima.

kulturhaus-suederelbe.de

 

Dörte Inselmann, Stiftung Kultur Palast Hamburg

Der Lockdown war für uns wie für alle Kulturschaffenden eine harte Durststrecke, insbesondere, weil wir überwiegend mit Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen arbeiten. Umso mehr freuen wir uns jetzt, mithilfe von Neustart Kultur und dem Hamburger „Kultursommer“ sowie vielen weiteren Förderern unseren mittlerweile hamburgweit aktiven Kultur Palast wieder mit Leben zu erfüllen und etwas beizusteuern, dass diese Jugendlichen ihre Poten­ziale entfalten und mehr Bildungsgerechtigkeit erfahren können.

Die ganzen Sommerferien hindurch bieten wir unter dem Motto „Schönste Kulturaussichten“ zahlreiche Tanz-, Musik- und Gesangs-Camps für unterschiedliche Altersstufen an sowie ein vielfältiges Sommerprogramm für die Großen. Gleich nach den Ferien wird die Stadt eine Reise erleben, wie sie noch nie da war: Unser Musical „Planet Billstedt – a paradise for a better life“ sucht mit der jungen Generation nach Antworten auf die Frage „Wie wollen wir leben?“ Gestaltet wird das Stück an vier Standorten in Billstedt und Horn. Eine Reise in die Zukunft voller Ideen zu Klima, Diversität, mehr Grün in der Stadt und kultureller Vielfalt.

kph-hamburg.com

 

Claudia Mohr, Schroedingers

Wir freuen uns auf einen bunten Sommer voller kultureller Vielfalt, zauberschöner Momente mit fröhlichen Gesichtern und Lebensfreude auf und vor der Bühne in unserer wunderschönen grünen Oase unterm Fernsehturm. Kultur, im Besonderen Musik, ist ein fundamentaler Baustein für die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gesellschaft.

Durch die strikten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie ist dieser Baustein fast vollständig weggebrochen aus dem Alltag der Menschen. Deswegen freuen wir uns umso mehr, durch jedes Konzert, jeden Künstler und jede Künstlerin – ob DJs, Autoren, Bands oder Komiker –, Stück für Stück ein wenig Leben und Lebendigkeit zurückzugeben und unsere Gäste, Künstler und Künstlerinnen wieder zurück ins Leben und mentale Gleichgewicht zu bringen.

Einen besonderen Dank möchten wir der Hamburger Kulturbehörde und unserem Kultursenator Carsten Brosda aussprechen, die uns Kulturspielstätten durch strukturelle Förderung am Leben erhalten haben und auch mit vielen Förderprogrammen den Neustart überhaupt erst wieder möglich machen.

schroedingers.hamburg

 

Peter Rautenberg, Goldbekhaus

Die Kultur und die Kultschaffenden in Hamburg und anderswo schienen vergessen. Nicht so wichtig, eben nicht systemrelevant. Vergessen werden kann diese Demütigung einer ganzen Branche nicht, aber sie kann verziehen werden. Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein erfreulicher Anfang und hilft der Kultur in Hamburg, ihr die Bedeutung zu geben, die sie verdient hat. Kultur ist unverzichtbar, gerade auch in Zeiten einer Pandemie. Jetzt kommen wir zurück, danke Kultur­behörde Hamburg!

goldbekhaus.de

 

Michael Frowin, Theaterschiff Hamburg

Der Kultursommer ist eine weitere großartige Initiative der Stadt Hamburg und ein sehr starkes Signal für den Neustart Kultur. Für uns als Theaterschiff bedeutet das, dass wir nicht nur vier Wochen früher in die nächste Saison starten, sondern auch eine Nachbarschaftsinitiative präsentieren können – gemeinsam mit der Katharinen-Kirche bringen wir verschiedene Künstler:innen und Gruppen auf unserer Bühne zusammen. Wir zeigen ein sehr buntes Sommerprogramm und rufen laut und fröhlich: Wir sind wieder da!

theaterschiff.de

 

Jana und Petja Pulkrabek, Move the North Festival

Wir glauben fest an die grenzüberschreitende Kraft von Kultur. Als Festival und Netzwerk möchten wir durch Austausch und Zusammenarbeit die nordischen Regionen zusammenwachsen lassen und neue Impulse setzen. Mit dem Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark entsteht eine neue Europäische Zukunftsachse und es ist wichtig, die Menschen über Kultur grenzübergreifend zusammenzuführen. Wenn die Wirtschaft der Motor einer Region ist, dann ist die Kultur ihre Seele.

Der Hamburger „Kultursommer“ ist ein positives Zeichen und ein Bekenntnis an die freie Szene. Wir freuen uns sehr über unsere Kooperation mit Paul Glaser vom English Theatre of Hamburg. Mit „Hamburger Kultur InterNational“ präsentieren Move the North und ETH ein zweiwöchiges Kulturprogramm, das neben einem deutsch-skandinavischen Fokus auch global internationale Brücken nach Hamburg schlägt; in sommerlich entspannter Atmosphäre und kostenfrei. Das ist sehr dänisch!

movethenorth.com

 

Michael Conrad, Alabama Kino (rechts im Bild)

Der Impuls von der Kulturbehörde, mit dem Hamburger „Kultursommer“ auf die Krise der Kulturbranche zu antworten, finden wir richtig, denn es gibt einen riesigen Bedarf für eine solche Anschubhilfe. Wir werden mit dem Writers’ Room Lesungen im Rahmen des Programms „Tears for Ears“ anbieten, das sich mit dem Kino beschäftigt. Dann gibt’s noch eine Lesung aus einem Buch von Kinky Friedman, den Schriftsteller und Musiker aus der alternativen texanischen Country-Szene. Ein weiteres Highlight ist der Film „Domenica“ von Peter Kern über die berühmteste Prostituierte der Stadt, die sich um die Rechte der Prostituierten verdient gemacht hat. Zudem planen wir ein großes Kinderprogramm an den Wochenenden. Das wird richtig schön.

alabama-kino.de

 

Matthias Elwardt, Zeise Open Air

Wir freuen uns, mit dem Zeise Open Air beim „Hamburger Kultursommer“ vertreten zu sein. Es ist großartig, dass die Stadt mit dieser Aktion die Kultur unterstützt, zusammenbringt und fördert. Wir bieten direkt vor unserem Filmprogramm in Kooperation mit der Buchhandlung Christiansen Lesungen sowie ein Kinderprogramm an. Die Lesungen starten um 18 Uhr, das Kinderprogramm um 15 Uhr – unter freiem Himmel im Innenhof des Altonaer Rathaus. Unter anderem sind der Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber („Die Kanditatin“) und Kübra Gümüsay („Sprache und Sein“) mit dabei.

Bei Erfolg – und wenn das Altonaer Rathaus mitspielt – kann man das in Zukunft sicher weitermachen. Das Open-Air Programm bringt frischen Wind in die Literaturszene – und am Abend folgt dann großes Kino.

zeise.de

 

Manja Malz, Metropolis

Wir freuen uns sehr, auch in diesem Jahr den wunderschönen, denkmalgeschützten Innenhof des Museum für Hamburgische Geschichte im Rahmen des Sommernachtskinos bespielen zu können. Nach dem großen Publikumszuspruch im letzten Jahr und dem vielfachen Wunsch der Fortsetzung kuratieren wir erneut gemeinsam mit dem 3001 und dem B-Movie zehn Filmabende für das atmosphärisch sehr besondere Ambiente in der Museumskulisse.

Der Fokus liegt diesmal auf Stummfilmproduktionen der deutschen und internationalen Filmgeschichte, die zum großen Teil von Hamburger Musikern und Musikerinnen live vertont werden. Unsere Stummfilmkonzerte passen somit hervorragend zur Idee des Hamburger „Kultursommer“, Künstlern und Künstlerinnen aus Hamburg (wieder) eine große Bühne zu bieten.

Wir hoffen sehr, dass wir mit den Stummfilmnächten zeigen können, dass diese Kunst- und Erzählform auch 90 bis 100 Jahre später noch überraschend modern sein und begeistern kann. Und natürlich freuen wir uns insbesondere auf das Filmschauen in Gemeinschaft – was sicherlich eine Renaissance und eine ganz neue Konzentration erfahren wird.

metropoliskino.de


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2021. Das Magazin ist seit dem 26. Juni 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#wasistlosinhamburg? Für mehr Stories und Tipps aus Hamburg folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram.

Endlich wieder Kunst und Kultur!

Die Hamburger Museen haben seit dem 18. Mai ihre Türen wieder geöffnet. Nach monatelanger Schließung können jetzt etliche Ausstellungen wieder besucht werden. Aus diesem Anlass präsentiert SZENE HAMBURG die Sonderaktion: „Ausgestellt“. Hier zeigen wir aktuelle Highlights ausgesuchter Museen und Kunsthäuser der Stadt.

 „Die Chance ist glücklicherweise da, neben neuen Ausstellungen auch Präsentationen zu entdecken, für deren Wahrnehmung bisher noch viel zu wenig Gelegenheit war”, so Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor und Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg. „Wir werden mit allem Engagement danach streben, dass der Besuch in unseren Einrichtungen wieder zu einem gewohnt angenehmen und zugleich sicheren Erlebnis werden kann.“

Saftey first:

  • Besucher müssen einen negativen Coronatest (PCR: nicht älter als 48 Stunden oder ein Schnelltest einer zugelassenen Testeinrichtung: nicht älter als 12 Stunden)  
  • oder einen Impfnachweis vorlegen. Kinder unter sechs Jahren sind von dieser Regelung ausgenommen.  
  • Zudem gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. 
  • Um Wartezeiten zu vermeiden, bitten die Häuser um eine telefonische Anmeldung. 
  • Terminvergaben sind auch digital über die Internetseiten der Museen möglich.  
  • Die Museumsgastronomien bleiben vorerst noch geschlossen. 
  • Die Kontaktverfolgung ist sichergestellt.

Museum für Hamburgische Geschichte

Der Fotograf Max Halberstadt. “… eine künstlerisch begabte Persönlichkeit.“
bis 3. Januar 2022

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Abb: Wurststand auf dem Altonaer Fischmarkt, Max Halberstadt, undatiert, Sammlung Rosenthal, USA

Max Halberstadt (1882-1940) war in den 1920er-Jahren einer der renommiertesten Porträtfotografen Hamburgs. Seine Popularität verdankte sich nicht zuletzt den Aufnahmen seines Schwiegervaters Sigmund Freud, die zu den bis heute weltweit publizierten Porträts des Vaters der Psychoanalyse avancierten. Doch auch wenn seine Freud-Porträts fortwährende Verwendung finden, ist der Name Max Halberstadt heute leider fast vergessen – in den einschlägigen Fotografenlexika sucht man ihn vergeblich.

Nach einer vielseitigen Karriere als Porträt- und Architekturfotograf, u.a. für die Jüdische Gemeinde in Hamburg, erfuhr Max Halberstadt nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der damit einhergehenden antisemitischen Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik sehr bald eine dramatische Verschlechterung seiner wirtschaftlichen und sozialen Lebenssituation. Nach dem erzwungenen Verkauf seines Ateliers emigrierte er 1936 nach Südafrika. Im Exil gelang ihm zwar die Neugründung eines Ateliers, doch war es ihm nicht vergönnt, seine Karriere auch nur annähernd erfolgreich fortzusetzen.

Max Halberstadt starb im Alter von nur 58 Jahren in Johannesburg. Die von dem Literaturwissenschaftler und Publizisten Dr. Wilfried Weinke kuratierte Ausstellung will dem Fotografen die gebührende Würdigung und den verdienten Platz in der Fotogeschichte Hamburgs verschaffen. Ein Film zur digitalen Eröffnung bietet erste Einblicke in die Ausstellung: shmh.de

Museum für Hamburgische Geschichte
Holstenwall 24, 20355 Hamburg (Neustadt)
Telefon: 040 428132100
Öffnungszeiten: Mo, Mi–Frei 10–17 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr, Dienstag geschlossen
Eintritt: 9,50 Euro, 6 Euro ermäßigt, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren


Museum der Arbeit

Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand
bis 18. Juli 2021

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Blick in die Ausstellung „Grenzenlos“ im Museum der Arbeit, Illustrationen von Diana Ejaita (Foto: SHMH)

Das Ziel der aktuellen Sonderausstellung ist es, einen Beitrag zur Debatte über den Umgang der Hansestadt Hamburg mit ihrer kolonialen Geschichte und zur Diskussion über die Folgen kolonialer Herrschaftsstrukturen für unsere globalisierte Ökonomie zu leisten. Den historischen Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Verarbeitung von Kautschuk, Palmöl und Kokosöl durch hamburgische Unternehmen, die unter anderem auf dem heutigen Gelände des Museums der Arbeit, der ehemaligen New-York Hamburger Gummiwaaren-Fabrik, aber auch in Harburg und Wandsbek ansässig waren.

Vor diesem Hintergrund stellt die Ausstellung dem gängigen und verharmlosenden Narrativ einer hanseatischen „Kaufmannsindustrie“ die gewaltvollen Realitäten des Kolonialismus, aber auch die Widerständigkeit der betroffenen Menschen gegenüber. Damit verbunden ist der Anspruch, einen eurozentristischen Blickwinkel auf das Thema konsequent herauszufordern und die Perspektiven der Menschen in kolonisierten Ländern sowie ihrer Nachfahren in die Ausstellung mit einzubeziehen.

Das Konzept und die Inhalte der Ausstellung wurden deshalb gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Expertinnen und Experten erarbeitet. Ihre Partizipation hat die Arbeit des Museumsteams um Wissensbestände und Erfahrungen ergänzt, die dort bisher noch unterrepräsentiert sind: eine intensive Beschäftigung mit der hamburgischen Kolonialgeschichte und deren Spuren in der Stadt, biographische Bezüge in die ehemalige Kolonialgebiete sowie Rassismus-Erfahrungen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches digitales Begleitprogramm angeboten. Sämtliche Informationen dazu finden sich unter: shmh.de   

Museum der Arbeit
Wiesendamm 3, 22305 Hamburg (Barmbek-Nord)
Telefon: 040 4281330
Öffnungszeiten: Mo 10–21 Uhr, Mi–Frei 10–17 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr, Dienstag geschlossen
Eintritt: 8,50 Euro, 5 Euro ermäßigt, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren


Jenisch Haus

Werkmeisters Welt. Ein Künstler und seine Sammlung
bis 18. Oktober 2021

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Wolfgang Werkmeister neben einem Gemälde von Benito Rebolledo Correa (Foto: Bertold Fabricius)

Wolfgang Werkmeister ist in der deutschen Gegenwartskunst in erster Linie als Meister der Radierung bekannt. In der Sonderausstellung des Jahres 2021 präsentiert das Jenisch Haus den in Altona tätigen Künstler als jahrzehntelangen Sammler. Anlässlich von Werkmeisters 80. Geburtstag wird seine umfangreiche Kunstsammlung gezeigt, in der sich zahlreiche Arbeiten befinden, die sein künstlerisches Schaffen maßgeblich inspiriert haben.

Seine Sammlung umfasst Gemälde und Grafiken aus dem 17. Jahrhundert bis heute, die mit anspruchsvollen Techniken und mit hoher gestalterischer Präzision ausgeführt wurden. Unter den Arbeiten sind Werke des Landschaftsmalers Ascan Lutteroth, des chilenischen Malers Benito Rebolledo Correa, des dänischen Künstlers Niels Simonsen und des Leipziger Grafikers Walter Zeising. Dazu gesellen sich in der Ausstellung Arbeiten von Zeitgenossen Werkmeisters wie die Grafiker Ralf Escher, Thomas Wüsten und Paul Wunderlich sowie Gemälde von Jan Peter Tripp, Michael Mau und Fritz Kreidt. Zum digitalen Atelierbesuch beim Künstler und Sammler lädt ein Film ein unter: shmh.de

Jenisch Haus
Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg (Othmarschen)
Telefon: 040 828790
Öffnungszeiten: Mo 11–18 Uhr, Mi–So 11–18 Uhr, Dienstag geschlossen
Eintritt: 7 Euro, 5 Euro ermäßigt, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren


Archäologisches Museum

„Gladiatoren – Helden des Kolosseums“
bis 17. Oktober 2021

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Sonderausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ im Archäologischen Museum (Foto Gallo Römisches Museum)

Wer dachte, er hätte die Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ aufgrund der vorübergehenden Schließung des Museums leider verpasst, darf sich freuen: Das Museum konnte die erfolgreiche Schau verlängern. Besucher haben nun noch bis zum 17. Oktober die Möglichkeit, sich die Ausstellung anzusehen und damit einen spannenden Einblick in die Welt der antiken römischen Kampfarenen und ihrer Helden zu erhalten. Gezeigt werden originale römische Fundstücke und spektakuläre Rekonstruktionen. Lebensgroße Figuren, Filme und interaktive Stationen lassen das Römische Reich mit den Mitteln der Gegenwart zu neuem Leben erwachen und vermitteln dabei auch Überraschendes.

Auch die Ausstellung „Harburger Geschichten: Die 50er-Jahre“ ist weiterhin zu sehen. Die Schau zeigt mehr als 50 Schwarz-Weiß-Fotografien aus den reichhaltigen Sammlungsbeständen des Museums und ermöglicht einen lebensnahen und lebendigen Blick auf die Dekade in Hamburgs Süden. Das Archäologische Museum Hamburg lädt seine digitalen Besucher außerdem ein, nochmal einen Streifzug durch die letzte Hit-Sonderausstellung „hot stuff – Archäologie des Alltags“ zu machen. Von der heimischen Couch aus lassen sich Flokati-Teppich, Motiv-Tapeten und jede Menge technische Trends der letzten Jahrzehnte nun jederzeit online genießen. Einen Überblick zu den interaktiven Online-Angeboten des Museums und die aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter amh.de.

Archäologisches Museum
Museumsplatz 2, 21073 Hamburg (Harburg)
Öffnungszeiten: Di– So 10–17 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahre frei


Freilichtmuseum am Kiekeberg

Kultur auf dem Land

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1950er Jahre Tankstelle in der Dämmerung (Foto: FLMK)

Einmal raus aus der Stadt, eintauchen in die ländliche Kultur: Das Freilichtmuseum am Kiekeberg südlich von Hamburg im idyllischen Rosengarten – nur 30 Minuten vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt. Vom Bauernhaus bis zur 1950er-Jahre-Tankstelle: Über 40 historische Gebäude und Gärten auf einem zwölf Hektar großen Freigelände erzählen von der Lebensweise der vergangenen 300 Jahre.

Das Museum ist einfach über die Autobahnen A7 und A 261 erreichbar, nur fünf Minuten von der Abfahrt HH-Marmstorf entfernt. Außerdem fährt der HVV-Bus 340 hält direkt vor der Tür. Reetdach-Bauernhöfe und Scheunen, Bauerngärten und vom Aussterben bedrohte Haustierrassen zeigen das Leben der Bauern seit dem 17. Jahrhundert. Auf großen Acker- und Weideflächen wachsen alte Getreide- und Gemüsesorten. Die bunte Bauern- und Blumengärten, Streuobstwiesen und Weiden ergeben ein Bild vom früheren Leben auf dem Lande. Dazu machen unter anderem Ramelsloher Blaubeine, Bunte Bentheimer Schweine und Landschafe das Freilichtmuseum zu einem lebendigen Erlebnis.

Ein besonderer Hingucker: die rot-weiße Gasolin-Tankstelle von 1955. Sie steht in der neuen „Königsberger Straße“, in der Häuser aus der Nachkriegszeit in das aufkommende Wirtschaftswunder entführen – inklusive Quelle-Fertighaus, Siedlungshaus und Geschäftszeile mit Fotoladen und Textilgeschäft. Was gibt es noch: Das Agrarium, Deutschlands einzige Themenwelt zu Landwirtschaft und Ernährung, auf über 3.000 qm, die bezaubernde Ausstellung „Spielwelten“, die Erwachsene und Kinder in die letzten 100 Jahre Spielen zurückführt, die Ausstellungen zu alten und neuen Handwerken und zur Geschichte der Metropolregion.

Das große Ferienprogramm für jedes Alter: Beim „Sommerspaß am Kiekeberg“ (3. Juli bis 22. August) gibt es tägliche Aktionen zum Mitmachen, Probieren, Experimentieren, Zuhören und Genießen. Sieben Wochen Sommerspaß ohne Anmeldung, ohne Gebühr – einfach vorbeikommen und mitmachen.

Der Museumsladen zählt zu den besten Einkaufsadressen im Norden: Hier gibt es Altbewährtes und längst Vergessenes, wertvolle handgearbeitete Dinge von hausgemachter Marmelade bis zu feinster Seife, ausgewählte Literatur über Land- und Gartenthemen, Blechspielzeug und vieles andere mehr im Jugendstil- Ambiente. Die Museumsgastronomie bezaubert mit der passenden Ländlichkeit: Im Gasthaus „Stoof Mudders Kroog“ gibt’s norddeutsche Spezialitäten und ein bisschen „neemod’schen Kraam“. Im Rösterei-Café Koffietied kredenzt das Team geröstete Kaffeespezialitäten, selbst gebackene Kuchen und ein einmaliges Ambiente. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter kiekeberg-museum.de

Freilichtmuseum Kiekeberg
Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten (Niedersachsen)
Telefon: 040 7901760
Öffnungszeiten: Di– Fr 9–17 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr
Eintritt: 9 Euro, bis 18 Jahre frei


Museum Kunst der Westküste

Ob auf der Insel Föhr oder von zuhause aus: Drei Ausstellungen im Museum Kunst der Westküste erleben

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Sjoerd Knibbeler, In Elements, 2014 (Foto: Lukas Spoerl)

Rund um die Uhr ist das Museum Kunst der Westküste (MKdW) auf digitalem Weg über die Website via „MKdW-3D“ begehbar. Während des virtuellen Rundgangs durch die drei aktuellen Ausstellungen lassen sich sehr viele verschiedene Programmpunkte aus Kurzfilmen und Hörstationen über Meisterwerke oder Künstler*innen anklicken. Aber das MKdW lässt sich auch vor Ort auf der schönen grünen Insel Föhr erleben.

Beginnend mit der Schau „Neue Schätze im MKdW. Von Max Liebermann bis Jochen Hein“ wird eine Auswahl bedeutender neuer Werke, die in den vergangenen fünf Jahren in die Sammlung gekommen sind, gezeigt. Die Sammlung umfasst mehr als 900 Gemälde, Ölskizzen, Grafiken, Skulpturen, Videos, Objekte und Fotoarbeiten aus der Zeit von 1830 bis zur Gegenwart. Übrigens: rund 200 davon sind neuerdings auf der Website als „Sammlung Online“ zu erforschen.

Die Ausstellung „Sjoerd Knibbeler. In Elements“ ist wiederum die erste museale Schau des niederländischen Künstlers in Deutschland. Der in Amsterdam lebende Sjoerd Knibbeler (* 1981) war mehrere Male als Artist in Residence zu Gast am MKdW und hat auf Föhr eine ganz neue Werkserie begonnen. In seinen Arbeiten befasst er sich mit der Sichtbarmachung natürlicher Erscheinungen wie Wind oder Licht. Er fängt fotografisch ein, was sich vom menschlichen Auge für gewöhnlich nicht erfassen lässt.

Seit zehn Jahren lädt das Museum Kunst der Westküste aktiv Künstler*innen als Artists in Residence nach Alkersum ein. Die Ausstellung „Made on Föhr. Fotografie aus dem Artist-in-Residence-Programm: Nicole Ahland, Elina Brotherus, Thomas Wrede“ bildet als dritte aktuelle Schau den Auftakt zu einer neuen, das Programm zukünftig begleitenden Ausstellungsreihe. Die Gruppenschau zeigt eine Auswahl von überwiegend erstmals öffentlich gezeigten Fotoarbeiten von Nicole Ahland, Elina Brotherus und Thomas Wrede.

Das Museumsrestaurant Grethjens Gasthof rundet den Besuch bestens ab. Im schönen Rosengarten lässt sich in einem Strandkorb das hausgemachte Tagesgericht oder Kaffee und Kuchen genießen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter mkdw.de.

Museum der Künste
Hauptstraße 1, 25938 Alkersum/Föhr (Schleswig-Holstein)
Telefon: 04681 747400
Öffnungszeiten: Di–So 11–16 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, bis 18 Jahre frei


Auswanderermuseum Ballinstadt

2.500 Quadratmeter zum zeitlosen Thema Migration

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Die Statue of Liberty im Auswanderermuseum Ballinstadt (Foto: Patrick Lux)

Hamburg hat mehr Brücken als jede andere Stadt der Welt. Aber die längste und wichtigste Brücke ist die Verbindung zur Neuen Welt. Der Hafen der Stadt, der als Hafen der Träume bezeichnet wird, war die letzte Station von Millionen von Migranten, bevor sie vor allem nach Amerika reisten. Diese Reise über Hamburg führte ab 1901 auch über die Auswandererhallen der Hapag Reederei auf der Veddel, wo sich heute das Auswanderermuseum BallinStadt befindet – benannt nach Albert Ballin, einem der erfolgreichsten Geschäftsleute der Kaiserzeit. Ballin war ein echter Kosmopolit und eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Hamburger Geschichte.

Im Auswanderermuseum folgenden die Besucher den Spuren der Auswanderer. Sie entdecken bewegende persönliche Geschichten, genealogische Aufzeichnungen und eine erlebnisreiche historische Ausstellung. Auf rund 2.500 qm erfahren die Gäste an historisch authentischem Ort in Hamburg mehr über das zeitlose Thema Migration. Neben einem wichtigen Teil der Hamburger Geschichte erleben die Besucher die Etappen der Auswanderung über die Jahrhunderte hinweg. In 14 Themenräumen erfahren sie mehr über die Migrationsgeschichte. Die Besucher können in einer erlebnisreichen und interaktiven Ausstellung in verschiedenen Auswandererbiographien stöbern, Pull- und Push-Faktoren für Migration kennenlernen und in die Bedingungen der Reise und den Herausforderungen nach der Ankunft eintauchen.

Vom 18. September bis 30. Dezember 2021 ist zudem die Sonderausstellung „BallinStadt – Hamburger Hafen deutsch-jüdischer Geschichte“ im Rahmen des Jubiläumsjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zu sehen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter ballinstadt.de

Auswanderermuseum Ballinstadt
Veddeler Bogen 2, 20539 Hamburg (Veddel)
Telefon: 040 31979160
Öffnungszeiten: Mi–So 10–16.30 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen
Eintritt: 13 Euro, ermäßigt 11 Euro, Kinder (5-12 Jahre): 7 Euro


Deutsches Salzmuseum

Auf den Spuren Lüneburgs ruhmreicher Vergangenheit

salzmuseum

Salz ist weiß, Salz macht durstig, Salz ist geruchlos, Salz kostet nicht viel. Salz ist ein unscheinbares weißes Körnchen. Doch erst dieses Körnchen ermöglicht das Leben auf der Erde. Als eines der ältesten Kulturgüter hat es die Geschichte der Menschheit entscheidend geprägt. Grund genug, es gebührend zu zeigen! Aber warum in Lüneburg? Lüneburg ist die Salzstadt im Norden. Über 1000 Jahre lang bestimmte das Salz das Leben der Stadt. Es machte sie reich und mächtig. In der Stadt hinterließ es viele Spuren. Erst 1980 schloss das Salzwerk seine Pforten. Es war einer der ältesten Industriebetriebe Europas. Das Deutsche Salzmuseum erinnert an seine ruhmreiche Vergangenheit. Wissenswertes, Interessantes, Spannendes und auch Kurioses zum Thema Salz erfährt der Besucher auf anschauliche und gar nicht „museale“ Weise. Fühlen Sie, riechen Sie, schmecken und sehen Sie selbst! Salz kennt nicht jeder! Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter salzmuseum.de.

Deutsches Salzmuseum
Sülfmeisterstraße 1, 21335 Lüneburg
Telefon: 04131 720 65 13
Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 18 Jahre frei


Museum Lüneburg

Archäologie entdecken, Natur erkunden, Geschichte erleben

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Foto: Martin Bäuml Fotodesign

Kinder und Erwachsene gehen in sieben großzügigen Abteilungen auf eine spannende Zeitreise durch die Natur- und Kulturgeschichte der Region, von der Eiszeit bis heute. Zu sehen sind besondere Stücke wie die monumentale Kopie der Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert, die einem großen Wimmelbild gleicht und auf der man immer wieder neue Details entdeckt.

Exponate wie der sieben Meter lange Falttisch aus der herzoglichen Burg erzählen spannende Geschichten. Auch die Tierwelt der Elbtalaue und Heide kann man sich im Museum aus nächster Nähe ansehen. Wechselnde Sonderausstellungen, Vorträge, Konzerte, (Puppen-)Theater gehören zu den rund 200 Veranstaltungen jährlich und machen das Museum zu einem besonderen Ort der Begegnung für Groß und Klein. Eine Stärkung erwartet die Gäste im Museumscafé LUNA, das leckeren Kuchen und Kaffee sowie Frühstück an den Wochenenden serviert – mit vielen regionalen Zutaten. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter museumlueneburg.de

Museum Lüneburg
Willy-Brandt-Straße 1, 21335 Lüneburg
Telefon: 04131 7206580
Öffnungszeiten: Di+Mi+Fr 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 18 Jahre frei


Deichtorhallen Hamburg

Internationale Fotografie zum Thema Familie
bis 18. Juli

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Foto: Elinor Carucci, Three Generations, 2016

Mehr als 20 internationale fotografische Positionen greifen das Thema „Familie“ in der Ausstellung „Family Affairs – Familie in der aktuellen Fotografie“ im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg auf. Die Ausstellung zeigt aktuelle künstlerische Projekte, die sowohl die Diversität fotografischer Herangehensweisen als auch die Verschiedenartigkeit familiärer Modelle, Lebensweisen und komplexen Dynamiken sichtbar machen.

Der fotografische Blick durchbricht dabei das Alltägliche und stellt vorherrschende Normen infrage. Überkommene und neue Rollenbilder, intime Momente des Elternseins und des Älterwerdens, Überforderung und Chaos werden ebenso thematisiert wie Liebe, Halt und Verzweiflung an der eigenen Familie.

Die Gruppenausstellung „Family Affairs“ ist noch bis zum 18. Juli 2021 im Haus der Photographie zu sehen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter deichtorhallen.de.

Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1 − 2, 20095 Hamburg (St. Georg)
Telefon: 040 321030
Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 7 Euro, bis 18 Jahre frei


Internationales Maritimes Museum Hamburg

Eine spannende Reise durch Hamburgs ältesten Kaispeicher

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Schon die Lage ist Programm – genau an der Grenze zwischen dem UNESO Welterbe Hamburger Speicherstadt und der modernen HafenCity lädt das Internationale Maritime Museum Hamburg zur Reise durch 3.000 Jahre Menschheits- und Schifffahrtsgeschichte. Im historischen Kaispeicher B, dem ältesten noch erhaltenen Speichergebäude Hamburgs, hält die weltweit größte maritime Privatsammlung auf neun Stockwerken – im Museum Decks genannt – viele einmalige Schätze bereit.

Im Mittelpunkt stehen natürlich die Schiffsmodelle. Von ihnen gibt es rund 1.000 große und 50.000 Miniaturmodelle aus aller Welt. Zu den Highlights zählt die „Santa Maria“ aus purem Gold, das Flaggschiff, mit dem Christopher Columbus 1492 Amerika entdeckte. Und die meterlangen Werftmodelle begeistern mit ihrer Detailtreue die großen und kleinen Schifffahrtfans gleichermaßen.

Neben dem Ausflug in die große maritime Welt steht natürlich der „Heimathafen Hamburg“ immer wieder im Fokus. Noch bis Ende August läuft die Sonderausstellung „Die Howaldtswerke in der Zeit des Wirtschaftswunders 1953 – 1967“. Die Fotoausstellung gibt recht ungewöhnliche und überraschende Einblicke in den Werftalltag. Anfang November präsentiert das Maritime Museum dann eine große Sonderausstellung anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Reederei Hamburg Süd.

Außer den Sonderausstellungen machen zahlreiche Führungen,  Familienveranstaltungen sowie ein professioneller Schiffsführungssimulator das Museum abwechslungsreich und lebendig. Schifffahrtsbegeisterte Besucher aus aller Welt sind der beste Beweis. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter imm-hamburg.de

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Koreastraße 1, 20457 Hamburg
Telefon: 040 300 92 30 0
Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr
Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 11 Euro


Museum am Rothenbaum

Kulturen und Künste der Welt
bis 31. Dezember/ 7. November

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Foto: Paul Schimweg / MARKK

Mit der neuen Ausstellung „Hey Hamburg, kennst Du Duala Manga Bell?“ greift das MARKK  die Themen Rassismus, Kolonialismus und Erinnerungskultur für junge Besucher:innen und Familien auf. Erzählt werden die Lebensgeschichten der kamerunischen Königsfamilie Duala Manga Bell und die Auswirkungen des Kolonialismus auf persönliche Lebenswege, Familien und Gesellschaft sowie die Dynamiken von internationalen Widerstandsnetzwerken. In Kooperation mit Prinzessin Marilyn Douala Manga Bell, Urenkelin von Rudolf Duala Manga Bell, entstand diese experimentelle Ausstellung. Sie erzählt die tragische, aber wahre Geschichte von Rudolf Duala Manga Bell und seinen Mitstreiter*innen Rudolf Ngoso Din und Maria Mandessi Bell und deren friedlichen Widerstand gegen die Gier der Kolonialherren und Kaufleute. Die Skrupellosigkeit, mit der diese ihre eigenen Regeln brechen, wird Rudolf Duala Manga Bell zum Verhängnis. Bis zuletzt glaubten sie an die Gleichheit aller Menschen und wehrten sich gegen die Enteignungspläne der Deutschen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Graphic Novel „Die Vergangenheit ist ein Weg“ des nigerianischen Künstlers Karo Akpokiere. Darüber hinaus werden historische Archiv- und Fotobestände, zeitgenössische Kunstwerke, Objekte der Duala-Sammlung des MARKK und herausragende Leihgaben anderer Museen zusammengebracht. Eine Ausstellung von großer Relevanz: Denn die Geschichte ist nicht zu Ende. Menschen kämpfen weiter für ihre Rechte und eine neue Beziehung mit der Welt.

Prachtvolle Stoffe und Ikatwebereien aus Seide, Tee und „Wilde Äpfel“ fanden über die mythenumwobenen, oft romantisierten Handelsrouten der Steppen und Seidenstraßen ihren Weg nach Europa. Heute sind die Transport- und Handelsverbindungen unter anderen Vorzeichen von Interesse. Großangelegte Infrastrukturprojekte prägen die asiatischen Regionen der Steppen und Seidenstraßen und fördern nicht nur Staub, sondern auch Rohstoffe wie Kohle und Gold an die Oberfläche.

Ausstellungsstücke aus verschiedenen Museumssammlungen sind in einer weiteren Ausstellung im MARKK, „Steppen & Seidenstraße“, Zeugnisse der historischen Verbindungen und des Austauschs zwischen Ost und West und spiegeln die Interessen der Reisenden, die sie nach Europa gebracht haben. Eindrucksvolle Film und Fotoaufnahmen, Interviews und Reisenotizen aus aktueller Forschung setzen die historischen Betrachtungen und Themen in Beziehung zu heutigen Fragestellungen und Lebenswelten.

In dieser Verbindung aktueller Perspektiven mit historischem Material – ethnografischen sowie archäologischen Objekten und alten Fotografien – sowie zeitgenössischen Kunstwerken werden überraschende und kaum beachtete Geschichten erzählt. Die als begehbare imaginäre Karte gestaltete Ausstellung lädt Besucher*innen ein, Wege und Bewegungen zwischen Ost und West nachzuvollziehen und neue Verbindungen zwischen Themen und Orten herzustellen. Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter markk-hamburg.de.

Museum am Rothenbaum
Rothenbaumchaussee 64, 20148 Hamburg (Harvestehude)
Telefon: 040 42 88 79 0
Öffnungszeiten: Di-So 10–18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Montags geschlossen
Eintritt: 8,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro


Dialoghaus Hamburg

Einmal die Welt wechseln

dialog-im-dunkeln-hamburg

Im bekanntesten Erlebnis des Dialoghaus Hamburg sind die blinden Gastgeber die „Sehenden“. Sie führen die Teilnehmer in kleinen Gruppen mit maximal 8 Personen durch den lichtlosen Ausstellungsparcours. Ausgestattet mit einem Langstock entdeckt man hier eine scheinbar gewohnte Welt neu. Man hört, fühlt, und orientiert sich in nicht-visuellen Alltagssituationen: bei einem Spaziergang durch einen Park oder dem Überqueren einer Straßenkreuzung in einer Stadt. Nun möchten wir noch nicht zu viel verraten, aber die Gastgeber sorgen dafür, dass man sich in diesem ungewohnten Szenario sehr wohlfühlt. Die Tour endet in der Dunkel-Bar. Bei einem Getränk kommt man ins Gespräch. Viele Fragen tauchen während der Tour auf, die die Guides an dieser Stelle beantworten werden. Mit diesem Austausch klingt dieses ungewöhnliche Erlebnis nach 60 Minuten aus und man betritt langsam wieder das Licht des Foyers.

Ich schmecke was, was Du nicht siehst!

Das Dinner in the Dark ist mindestens genauso bekannt wie die Ausstellung und es wird oft versucht zu kopieren. Im Dialoghaus gibt es das Original DINNER IN THE DARK zu erleben! Bei diesem Dunkel-Erlebnis steht nicht einfach nur ausgewähltes und erstklassiges Essen auf der Karte. Es ist vielmehr eine außergewöhnliche Erfahrung, die voll und ganz aufs Sehen verzichtet – und dadurch andere Sinne wie Riechen, Fühlen und vor allem Schmecken noch intensiver anregt. Das Dinner ist für jeden Teilnehmer eine ganz besondere und intensive Erfahrung und ein unvergessliches Geschmackserlebnis.

Das besondere Geburtstags-Event für kleine Geburtstagkinder

Im Dunkeln lässt sich gut munkeln, das wusste man schon in Kindheitstagen, deshalb feiern Geburtstagskinder und Ihre Gäste hier ihre ganz eigene Tour! Ausgestattet mit einem Langstock und geführt von einem sehbehinderten Guide entdeckt die kleine Geburtstags Gang eine neue Welt. Der Klangraum und einige kleine Herausforderungen sind die Überraschungen, auf die sich Alle freuen können. So ein außergewöhnlicher Geburtstag bleibt auf jeden Fall in guter Erinnerung, weil er einfach mal ganz anders gefeiert wurde. Am Ende der Geburtstagstour gibt es noch ein kleines Geschenk für das Geburtstagskind! In Kürze im Ticketshop buchbar. Derzeit auf Anfrage info@dialog-im-dunkeln.de 

Dialog im Stillen – Die beeindruckende Welt der Gehörlosenkultur

Mit den Händen sprechen und den Augen hören? Geht das. Na klar! Mit schalldichten Kopfhörern ausgestattet erlebt man hier die Welt der Menschen, die nichts oder wenig hören können. Gehörlose Guides führen die Teilnehmer durch mehrere Erlebnisstationen mit sehr lebendiger Kommunikation. Das Erlebnis im Stillen ist ein sehr lebhafter und ausdrucksstarker Austausch in nonverbaler Kommunikation – mit den Experten in Körper- und Gebärdensprache.

Man kann dort die Kraft und Eleganz der Gebärden lieben lernen. Wenn man sich auf den Kontakt zwischen der Welt der Hörenden und der Gehörlosen einlässt und in sie eintaucht werden Berührungsängste abgebaut. Diese Erfahrung gibt einem die Möglichkeit mutiger, toleranter und offener zu werden.

Einen Überblick zu den aktuellen Regelungen zum Besuch des Museums finden sich unter dialog-in-hamburg.de

Dialoghaus Hamburg
Alter Wandrahm 4, 20457 Hamburg (HafenCity)
Telefon: 040 3096340
Öffnungszeiten:Fr-So 9:30–16 Uhr, Sa 12–18:30 Uhr, Mo-Do geschlossen
Eintritt: 13,50 Euro


Rindermarkthalle St. Pauli

Dauerausstellung zeigt die Geschichte der Rindermarkthalle, des Schlachthofes und der sie umgebenden Viertel

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Wussten Sie, dass bis Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts am U-Bahnhof Feldstrasse eine pittoreske Windmühle stand? Oder, dass vom Heiligengeistfeld bis zum Bahnhof Sternschanze einstmals eine Bahnlinie verlief, und an der Rindermarkthalle die Rinder und Schweine die Feldstraße mittels eines Trifttunnels unterquerten? Oder, dass die am 16. Juni 1951 eröffnete Rindermarkthalle als größte freitragende Hallenkonstruktion in Europa galt? Anlässlich der Fertigstellung der Rindermarkthalle vor jetzt genau 70 Jahren zeigt ab dem 4. Juni eine Dauerausstellung Geschichte und Geschichten der Halle und des ehemaligen Schlachthofes. Zu finden ist die in einer Koproduktion vom St. Pauli Archiv und dem Schaff Verlag entstandene öffentliche Ausstellung im Seiteneingang der Rindermarkthalle St. Pauli (neben dem Restaurant Marktkönig).

„Die Rindermarkthalle und der Schlachthof haben den Charakter des Schanzen- und des Karoviertels entscheidend geprägt. Wer die Viertel wirklich verstehen will, sollte den Zusammenhang zwischen Leben und Arbeiten einmal im historischen Kontext erlebt haben. Die Geschichte der Menschen und der Gebäude ist so toll, dass wir sie unbedingt erzählen wollten“, erklärt Martin Bo Ahlers, Centermanager der Rindermarkthalle. Finanziell ermöglicht wurde das Projekt von der Edeka Nord.

Die Ausstellungsmacher:innen: „Rund um Schlachthof und Rindermarkthalle siedelten sich Lokale an. Seit 1904 gibt es schon die Schlachterbörse, die früher übrigens „Zum gemütlichen Schlachterheim“ hieß. Erikas Eck ist das einzig erhalten gebliebene Frühlokal. Hier geht man seit jeher nach der Spät und Nachtschicht hin, um sich zu stärken. Diese Tradition wurde weitergeführt, und neben den alten Lokalen sind im Schanzen- und Karolinenviertel zahlreiche neue hinzugekommen.

Die Veränderung des gesamten Areals hat viel Leben in die ehemaligen Industriedenkmäler gebracht. Das sorgt aber bis heute auch für soziale Kontroversen. Uns ist wichtig, in dieser Ausstellung auch die Schattenseiten der Umwandlung zu thematisieren.“ Mehr Informationen gibt es im St. Pauli Archiv.

Über die Rindermarkthalle St. Pauli

Umgeben vom Schanzen- und Karoviertel bietet die 12.500 Quadratmeter große Rindermarkthalle St. Pauli eine aufregende Reise durch die nationale- und internationale Küche. Getreu dem Claim „Hier schmeckt das Leben“, gibt es über 30 individuelle Konzepte rund um das Thema Genuss und Frische mit Läden wie „Brot und Stulle“, der Confiserie Paulsen, der Fleischmanufaktur „Metzgers“ oder dem Zero Waste Laden „Stückgut“.

Neben einem BUDNI, ALDI und der Bio Company, befindet sich im Erdgeschoss der historischen Halle Hamburgs größtes EDEKA Frischecenter, das auf seinen 4.500 Quadratmetern neben regionalen Produkten über 3.000 internationale Produkte, eine Getränkeabteilung mit über 50 Sorten Craft-Beer sowie eine besonders große Auswahl an veganen und glutenfreien Produkten präsentiert.

Zusätzlich zu vielfältiger Kulinarik finden die wöchentlich rund 70.000 Besucher hier auch Handcrafted Design oder Hamburgensien wie den Troyer oder echte Fischerhemden. Daneben locken jährlich wiederkehrende innovative Events wie die Fahrradmesse Kunst- und Antikflohmarkt, der Festland Designmarkt oder der „Wintergarten St. Pauli“.

Rindermarkthalle St. Pauli
Neuer Kamp 31, 20359 Hamburg (St. Pauli)
Telefon: 040 3096340
Öffnungszeiten:Mo-Sa 10–20 Uhr, So geschlossen


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Wirtschaftsinformatik: Dual studieren mit der HanseMerkur

Jessica Dittrich ist im zweiten Ausbildungsjahr ihres dualen Studiums der Wirtschaftsinformatik bei der HanseMerkur. Sie gewährt einen Einblick in ein modernes Berufsfeld bei dem erfolgreichen deutschen Versicherungsunternehmen

Interview: Frank Sill

 

Die HanseMerkur ist ein modernes und gleichzeitig eines der traditionsreichsten Unternehmen hier in Hamburg. Das Versicherungsunternehmen wird immer wieder zu einem der besten Arbeitgeber gewählt und legt sehr viel Wert auf eine starke Bindung zu seinen Mitarbeitern. Mit viel Leidenschaft und Einsatz werden dafür schon die Grundsteine in der Ausbildung gelegt und die ist nicht nur vielfältig, man hat bei der HanseMerkur sehr unterschiedliche Möglichkeiten auf einen spannenden und lehrreichen Einstieg ins Berufsleben, zum Beispiel als Wirtschaftsinformatiker.

 

SZENE HAMBURG: Hallo Frau Dittrich, Sie machen bei der Han- seMerkur ein duales Studium zur Wirtschafts- informatikerin. Können Sie zum Anfang einmal erklären, wie so ein Studium abläuft?

Das Studium ist in Phasen aufgebaut und wechselt zwischen praktischen Blöcken im Unternehmen und den theoretischen Einheiten an der Uni. Die einzelnen Blöcke dauern immer rund drei Monate und das Studium teilt sich auf sechs Semester auf, die man in drei Jahren absolviert. Selber bin ich gerade im dritten Semester und bin im Juni 2022 fertig.

Welche Schwerpunktfächer erwarten einen an der Uni?

Neben Wirtschaftsinformatik hat man natürlich auch Mathematik. Im ersten Semester schreibt man zum Beispiel eine umfangreiche Mathematikklausur, in der alles vorkommt, was man in der Oberstufe an der Schule gelernt hat. Quantitative Methodik und Statistik sind ebenfalls wichtig Fächer.

An der Hamburg School of Bussines Administration (HSBA), an der ich studiere, liegt der Fokus allerdings stärker auf dem wirtschaftlichen Aspekt. Dort hat man viele Vorlesungen in Fächern wie Micro Economics oder Marketing Management. An der HSBA haben wir darüber hinaus einen Anteil von circa 25 Prozent der Vorlesungen in Englisch.

Was ist für Sie der Vorteil dieses dualen Studiums?

Für mich stand schon vor meinem Abitur fest, dass ich diesen Ausbildungsweg gehen möchte, weil ich auf jeden Fall direkt studieren wollte. Allerdings war mir auch wichtig, dass theoretisch Erlernte auch in der Praxis direkt anzuwenden. Das finde ich spannend und im letzten Semester hatten wir auch den umgekehrten Fall. Wir sollten an der Uni als Projektarbeit eine Website bauen und dort konnte ich schon einigen Erfahrungen aus dem realen Berufsalltag einbringen.

Ein anderer Punkt, der sicherlich auch nicht ganz unwichtig ist, dass man häufiger hört, dass klassische Studienabgänger es schwerer haben, einen direkten Berufseinstieg zu finden. Das Problem habe ich nicht, ich arbeite schon in einem Unternehmen und habe dadurch natürlich die gute Chance, auch direkt übernommen zu werden. Auf jeden Fall habe ich zumindest in den drei Jahren schon sehr viel Berufserfahrung gesammelt.

Stellen Sie große Unterschiede zwischen dem Berufsalltag und dem, was an der Universität theoretisch gelehrt wird, fest?

Dadurch, dass die HSBA auf duale Studien ausgerichtet ist, ist es hier nicht wirklich der Fall und alles ist schon sehr praxisorientiert. Natürlich gibt es auch hier Fächer, wie erwähnt Mathematik, deren Inhalte man so sicherlich kaum wieder im Berufsalltag anwenden wird. Trotzdem werden hier wichtige Grundlagen, zum Beispiel für komplexes und logisches Denken, gelegt. An der Uni Hamburg wäre vermutlich vieles eher theoretisch und nicht so anwendungsbezogen.

An der HSBA machen Sie also viele Projekte, um Dinge einfach mal auszuprobieren?

Genau. Die Website ist da ein gutes Beispiel, die wir in kleinen Projektgruppen programmiert haben. Dafür hatten wir ein Semester Zeit und wir haben es wirklich geschafft, so eine Site komplett zu konzipieren, programmieren, umzusetzen und an den Start zu bringen.

Im nächsten Semester geht es dann weiter und wir werden ein Modul für eine neue Webanwendung entwickeln und aufsetzen. Wenn Sie mich so fragen, muss ich gerade feststellen, dass das Studium noch besser ist, als ich ursprünglich erwartet habe.

 

„Als Wirtschaftsinformatiker hat man die tolle Möglichkeit, in zwei Berufswelten unterwegs zu sein“

 

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Berufsbild des Wirtschaftsinformatikers? Was sind die generellen Arbeitsfelder?

Meine Planung ist zum Beispiel als IT-Koordinatorin zu arbeiten. In dieser Funktion vermittelt man zwischen einem Fachbereich und der IT. Häufig gibt es ja das Problem, dass ein Fachbereich zwar weiß, was er haben möchte, weiß aber nicht einzuschätzen, was das zum Beispiel für die IT bedeutet, noch was die gegebenenfalls benötigen. Und bei der IT ist häufig eben umgekehrt genauso. Man kann aber IT-Berater werden, der Unternehmen grundsätzlich zu allen möglichen IT-Themen berät. Eine weitere Möglichkeit ist es, ins IT-Management zu gehen und als Projektleiter von IT- Projekten zu arbeiten. Das sind so die primären Arbeitsfelder eines Wirtschaftsinformatikers.

Man arbeitet damit also in einer Art Schanierfunktion?

Als Wirtschaftsinformatiker ist man nicht der klassische Programmierer, der eine Software schreibt oder arbeitet in irgendeinem Fachbereich rein auf das Wirtschaftliche fokussiert. Man hat aber von beiden Welten so viel Wissen, um mit den jeweiligen Ansprechpartnern auf Augenhöhe zu reden und die jeweiligen Anforderungen und Erwartungen genau zu verstehen und dies ohne Reibungsverluste zu synchronisieren und das Projekt sauber zu koordinieren.

Und was macht man mit dieser Ausbildung in einem Versicherungsunternehmen?

Ich bin bei uns im Rechnungswesen, wo unterschiedliche Programme und Anwendungen genutzt werden. Diese Programme werden von einer IT-Gruppe verwaltet und mit dieser Gruppe habe ich mehrmals in der Woche Meetings, in den wir versuchen, unsere Anwendungen immer weiter zu optimieren oder auch auf neue Aufgaben hin weiterzuentwickeln beziehungsweise anzupassen.

Bei uns im Unternehmen arbeiten wir dazu auch mit einem Ticketing-System, in dem aus dem Fachbereich entsprechende Aufgaben oder auch Probleme zur Erledigung eingestellt werden. Dafür bin ich dann zum Beispiel aktuell verantwortlich und stimme dann die Prozesse mit der IT-Gruppe ab. Ähnlich läuft es dann in allen anderen Fachbereichen, ein Mitstudent von mir arbeitet etwa bei uns in der Personalabteilung.

Was hat Sie an diesem Beruf gereizt und was hat gegebenenfalls den Ausschlag gegeben, diesen Berufsweg einzuschlagen?

Für mich war schon relativ früh klar, dass ich einmal in der IT arbeiten möchte, weil mein Vater dort auch schon arbeitet. In gewisser Weise war er letztlich auch mein Vorbild und war beziehungsweise ist bis heute sehr begeistert von seinem Beruf. Er arbeitet in einem großen Unternehmen, ist allerdings komplett auf den IT-Beruf spezialisiert.

In der Schule habe ich Informatikkurse belegt und das hat mir immer Spaß gemacht. Das Thema Wirtschaft kam aufgrund eines Profils, das ich in der Oberstufe belegt habe, hinzu. Politik, Wirtschaft fand ich damals auch spannend und interessant und so kam es dann zu dieser Kombination, denn der Beruf des Wirtschaftsinformatikers gibt mir die tolle Möglichkeit in beiden Welten gleichzeitig unterwegs zu sein. Meine Hochschule habe ich im Internet entdeckt und darüber dann auch direkt die HanseMerkur, die Kooperationspartner der HSBA ist.

 

Hohes Pensum

 

Welche Fähigkeiten oder Talente sollte man mitbringen, um dieses Studium zu machen?

Generell sollte man schon ehrgeizig und fleißig sein, weil man in relativ kurzer Zeit ein recht hohes Pensum absolvieren muss, gerade auch an der Uni. In diesem Semester schreiben wir in der Klausurenwoche zum Beispiel vier umfangreiche Klausuren. Nebenbei mir müssen wir bis dahin unsere Webprojekte ebenfalls fertigstellen und lernen muss man ja auch noch für das eine oder andere Thema.

Ich denke auch, dass man gut mit anderen Menschen kommunizieren können sollte und sich auch in sie, ihre Sichtweisen und ihre Thematiken hineinversetzen können. Wie gesagt man arbeitet an der Schnittstelle von zwei Welten und diese unterschiedlichen Fachsprachen muss man verstehen und für die jeweilig andere Seite auch verständlich machen können. Ein logisches und lösungsorientiertes Denken ist wichtig und zum Thema Mathematik, vor dem einigen immer mal graut, kann ich zumindest sagen, dass dies an der HSBA wirklich gut vermittelt wird.

Wieso haben Sie sich für die HanseMerkur entschieden?

Abgesehen von dem Fakt, dass das Unternehmen mit Ihrer Uni kooperiert. Natürlich kannte ich die HanseMerkur schon vorher, die Stellenausschreibung hat mich sehr angesprochen. Nachdem ich zum Assessment und Bewerbungsgespräch eingeladen wurde und da war, habe ich mich direkt sehr wohlgefühlt.

Die Mitarbeiter sind sehr nett mit uns umgegangen, eine sehr offene und auch professionelle Atmosphäre, in der man sich willkommen fühlt. Im Unternehmen gibt es mit Herrn Florian Krehl, unserem Ausbildungsleiter, auch einen direkten Ansprechpartner für uns und dadurch fühlt man sich gut aufgehoben und das gilt auch für die Fachabteilung, in der ich tätig bin. Die Kollegen sind einfach nett. Toll ist auch, dass wir schon sehr früh Verantwortung übertragen bekommen und dadurch gut lernen selbstständig zu arbeiten; man langweilt sich in unserer Ausbildung nicht.

Können Sie einmal kurz zusammenfassen, warum man bei der HanseMerkur eine Ausbildung machen sollte.

Es ist ein spannendes Unternehmen, dass einerseits sehr groß ist und auf der anderen Seite, sehr familiär ist. Hier kann man in einem angenehmen Umfeld sehr viel Neues lernen und bekommt eine fundierte und umfassende Ausbildung.

Gibt es besondere, zusätzliche Benefits bei der HanseMerkur?

Wir bekommen selbstverständlich Versicherungsprodukte günstiger, dann bekommen wir Zuschüsse zu den HVV-Karten, die Vergütung ist wirklich gut. Es gibt ein wirklich sehr schönes Mitarbeiterrestaurant, auf die Speisen bekommen wir ebenfalls einen Rabatt. Es gibt viele Vorteile und der beste ist, es ist ein super Unternehmen.

Gab es eigentlich auch andere Berufe, die Sie gerne gemacht hätten? Auch, wenn Sie ja scheinbar sehr zielstrebig diesen Berufsweg eingeschlagen haben.

Ich hatte tatsächlich überlegt, Pilotin zu werden. Das habe ich allerdings wieder verworfen, obwohl ich das eigentlich immer noch spannend finde. Aber auch jetzt wieder im Studium merke ich, wie sehr ich eben auch das Programmieren mag und in Kombination mit dem wirtschaftlichen Teil habe ich da meinen perfekten Beruf gefunden.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer Ausbildung?

Generell ist es so, dass wenn man übernommen wird, man vertraglich auch erst einmal zwei Jahre gebunden ist. Allerdings kann ich mir so wie so sehr gut vorstellen, bei der HanseMerkur längerfristig zu arbeiten. Ansonsten möchte ich gerne nach dem Bachelor direkt den Master in Data Science machen. Datenanalysen liebe ich und beschäftige mich auch jetzt schon viel damit in meiner Freizeit.

hansemerkur.de


SH_Ausbildung_Titel_2021 SZENE HAMBURG Ausbildung, 2021. Das Magazin ist seit dem 31. März 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Hamburger Klimapolitik: Auf Betriebstemperatur

Hamburg präsentiert sich gern als moderne und klimafreundliche Stadt. Kürzlich wurde die Hafenmetropole sogar als „Green City of the Year“ aus­gezeichnet. Aber ist das gerechtfertigt? Wie grün ist Hamburg wirklich?

Text: Marco Arellano Gomes

 

Diesmal gab es keine Großdemo, keine Bühnen, keine 100.000 Menschen auf den Straßen, kein Fettes Brot – und auch keine Greta. Der siebte globale Klimastreik der Umweltbewegung Fridays for Future am 19. März war verhältnismäßig leblos, leise und leer. Doch dann, nur wenige Tage später, am 6. April, kam die Überraschung: Mitten auf der Mönckebergstraße malen einige der Anhänger mit umweltfreundlicher, weißer und grüner Markierungsfarbe eine überdimensionale, zuvor genehmigte und selbst für den schrägsten Vogel aus luftiger Höhe unübersehbare Botschaft auf den Asphalt: „WIR ALLE FÜR 1,5°C“. 60 Meter lang und etwa drei Meter breit ist der Schriftzug.

Die Presse war vor Ort, Fotografen ließen Drohnen steigen – und es dauerte nicht lang, bis sich auch der Erste Bürgermeister blicken ließ. Vom Rathaus sind es keine 400 Meter. Im schwarzen Mantel und mit weißer FFP2-Maske schaute Peter Tschentscher auf den Schriftzug, sprach mit den Schülern und Studenten, posierte für die Kameras, gab Interviews und zeigte sich solidarisch. Auch die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank war da, und ihre Parteikollegen, die Senatoren Tjarks und Kerstan. Nur wie der Senat das mit Farbe aufgetragene Ziel tatsächlich erreichen will, bleibt offen.

 

Das 1,5 Grad-Ziel

 

Das Pariser Abkommen, sieht vor, dass die globale Klimaerwärmung durch Einsparung der CO2-Emissionen auf 1,5 Grad begrenzt wird. Schon jetzt gibt es durch den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und die Erhöhung der Temperaturen um durchschnittlich etwa 1,2 Grad Celsius mehr Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Luftverschmutzung sowie ein Verlust der Artenvielfalt – und zwar weltweit. Das Jahr 2020 war eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die traurige Erkenntnis: Das alles ist unser Werk. Die Zeit drängt, doch Covid-19 hält die Welt in Atem. Dabei sprach UN-Generalsekretär António Guterres mit Blick auf das Klima unlängst von einer „Alarmstufe Rot“.

Im Hamburger Rathaus herrscht höchstens „Alarmstufe Rot-Grün“. Zwar stieg in Hamburg die durchschnittliche Temperatur nach Angaben des Hamburger Klimaberichts im Zeitraum 1881 bis 2013 um etwa 1,4 °C. Nur scheint dies nicht jeden im kühlen Norden zu stören. „Hamburg hat seit 2011 im Klimaschutz viel erreicht und leistet einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens“, sagte Tschentscher bei der Vorstellung des Hamburger Klimaplans im Dezember 2019. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) pflichtete ihm ebenso bei wie die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank.

 

Die Hamburger Klimapläne

 

Bereits 2007 hatte Hamburg ein erstes Klimaschutzkonzept beschlossen, 2013 folgte der „Masterplan Klimaschutz“, 2015 der Klimaplan, 2019 dessen Fortschreibung und Anpassung. Die Linke sprach von einem „Klimaplänchen“, die CDU von einer „grünen Luftpumpe“. Im 137-seitigen Klimaplan verpflichtet sich der Senat, die CO2-Emissionen Hamburgs bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 1990 um 55 Prozent zu reduzieren und bis 2050 um mindestens 95 Prozent zu senken. Konkret bedeutet das eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von rund 20,7 Millionen Tonnen (1990) auf 9,3 Millionen Tonnen (2030).

Der Klimaplan führt fein säuberlich vier Sektoren auf, die bei der Reduzierung der CO2-Emissionen entscheidend sind: 1) Private Haushalte (Ziel: -66,9 %), 2) Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (-67,4 %), 3) Industrie (-45,4 %), und 4) Verkehr (-44,6 %). Zum Erreichen der Ziele werden vier Transformationspfade skizziert: Wärmewende, Mobilitätswende, Wirtschaft und Klimaanpassung. Etwa 400 Maßnahmen werden einzeln aufgeführt. Rund zwei bis drei Milliarden Euro will die Stadt dem Koalitionsvertrag zufolge hierfür in die Hand nehmen. Weitere Mittel sollen von Bund und Unternehmen kommen. Zudem werden die Maßnahmen von einem gesetzlichen Rahmen flankiert (Klimaschutzgesetz). Klingt alles gut. Aber was heißt das konkret?

Die gute Nachricht: Die CO2-Emissionen in der Hansestadt sind seit 2012 rückläufig. Fast 400.000 Tonnen wurden bereits pro Jahr eingespart – und das, obwohl Hamburg eine wachsende Stadt sei, wie Tschentscher immer wieder gern betont. Die CO2-Emissionen pro Kopf konnten von 12,5 (1990) auf 8,9 Tonnen (2018) gesenkt werden. U- und S-Bahn fahren schon bald mit 100 Prozent grünem Strom. Die Busflotten werden bis 2030 auf emissionsfreie Antriebe umgestellt. Bei der Fernwärme will Hamburg bis 2028 aus der Kohle aussteigen, die Windenergie soll angekurbelt, die energetische Sanierung der öffentlichen und privaten Gebäude gefördert und neue U- und S-Bahn-Linien (U5, S4) sowie -Stationen gebaut werden. Ach ja: Hamburg soll auch Fahrradstadt werden, plastikfreie Stadt und Klimahauptstadt. Grüner wird’s nicht! Oder etwa doch?

 

Kritik vom BUND e. V.

 

Bürgermeister Tschentscher ist von den eigenen Klimaplänen überzeugt, aber damit „steht er ziemlich allein da“, sagt Dr. Wolfgang Lührsen, stellvertretender Vorsitzender beim Hamburger Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), gelernter Physiker und Mitglied beim Zukunftsrat und Nachhaltigkeitsforum Hamburg. „Hamburg muss sich das Ziel setzen, bereits 2035 klimaneutral zu sein“, so Lührsen, „nicht erst 2050“. Schon jetzt hinke Hamburg den eigenen Plänen hinterher. Statt der erforderlichen sieben Millionen Tonnen CO2 hat Hamburg bis 2017 erst 4,3 Millionen Tonnen CO2“ eingespart, wie der BUND e. V. nachweist.

Lührsen fordert eine deutliche Überarbeitung des Klimaplans. Hamburg könnte Vorreiter sein, wenn die Stadt denn wirklich wollte, statt sich mit nichtwissenschaftlich untermauerten Titeln wie „Europäische Umwelthauptstadt“ oder „Green City of the Year 2021“ zu schmücken. „Alle Parameter bis hin zum ökologischen Fußabdruck sind tiefrot – und zwar seit langer Zeit. Wir verbrauchen dreimal so viel Ressourcen, wie die Erde verkraftet, aber das will keiner hören.“

 

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Bürgermeister Peter Tschentscher im Gespräch mit Sprecher Florian König und weiteren Fridays for Future­-Mitgliedern (Foto: Baumgartner / Fridays for Future)

 

Die bisherigen Erfolge entpuppen sich bei näherer Betrachtung auch nicht als das Werk Hamburgs: Der Großteil der CO2-Einsparungen in Hamburg geht auf den auf Bundesebene beschlossenen Energiemix zurück, also darauf, dass der Anteil der erneuerbaren Energien in ganz Deutschland beim Strommix laut Fraunhofer ISE schrittweise von 8,5 Prozent (2003) auf inzwischen 50,5 Prozent (2020) gesteigert wurde. Die beiden wichtigsten Bereiche – die Solarenergie und die Windenergie – wachsen zu langsam und werden durch bürokratische Hindernisse (auf Bundesebene) gebremst. Sie stellen „nur etwa sieben Prozent der Endenergie zur Verfügung. Im Ministerium von Herrn Altmaier sitzen einige Windkraft-Verhinderer“, erklärt Lührsen.

Hamburg als Stadtstaat kann sich ohnehin nicht allein mit Energie versorgen. Daher schmiedet es fleißig Bündnisse mit den benachbarten Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Norddeutsche Energie Wende (NEW 4.0) nennt sich das bislang größte Projekt, an dem 60 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik beteiligt sind. Es sieht vor, die Modellregion bis 2035 mit 100 Prozent regenerativem Strom zu versorgen. Bislang handelte es sich aber nur um „Studien und Absichtserklärungen“, so Lührsen, „doch mit dem nun gestarteten und vom Bund mit 52 Millionen geförderen ‚Nordddeutschen Reallabor‘ kann durchaus einiges gebaut werden.“

 

Verzicht, Verlust, Verbot

 

Unter den zehn größten Klimasündern Europas sind noch immer neun Kohlekraftwerke, sieben davon stehen in Deutschland. Auch Hamburg hatte ein solches Werk. Es stand in Moorburg an der Süderelbe. Im Dezember 2020 wurde es vom Netz genommen. Der Senat plant an gleicher Stelle einen Elektrolyseur, um aus Windkraft gewonnenen Strom in Wasserstoff umzuwandeln. Kein leichtes Unterfangen. Der Bau könnte sich als kostspielig und risikoreich entpuppen. Die Produktion und der Transport von Wasserstoff seien zudem relativ verlustreich, gibt Lührsen zu bedenken.

„Wir werden nicht umhinkommen, den Energiebedarf zu verkleinern, da wir in Deutschland höchstens die Hälfte bis ein Drittel des heutigen Verbrauchs allein mit erneuerbaren Energien bestreiten können“, sagt Lührsen. Ein Satz mit gesellschaftlichem Sprengstoff. Energieumsatz verkleinern? Das klingt nach Verzicht, Verlust, Verbot. Nichts, womit man Wählerstimmen gewinnen kann. Aber ist die Gleichung von immer mehr Wachstum, immer mehr Konsum nicht von vornherein eine Lüge gewesen, basierend auf den feuchten Laissez-faire-Träumen liberaler Ökonomen? Muss die soziale Marktwirtschaft nicht neu gedacht werden? In Zeiten einer Pandemie scheinen die Kräfte der Gesellschaft aufgebraucht zu sein. Klimakrise? Systemfrage? Nicht das auch noch!

 

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Florian König von Fridays for Future beim Auftragen der umwelt­freundlichen Aqualina Markierungsfarbe (Foto: Schneider / Fridays for Future)

 

Hamburg will Wachstum und fördert es auch: Knapp 10.000 Wohnungen werden Jahr für Jahr gebaut. Dem fallen auch Bäume und Grünstreifen zum Opfer. Dabei sind Bäume das beste Mittel der Natur, um CO2 zu binden und abzubauen. So gar nicht zu der ach so grünen Stadt passt auch, dass in vielen Wohnimmobilien – insbesondere in den beliebten Altbaugebäuden – Heiz-Ungetüme ihr Unwesen treiben: Nachtspeicher, Ölheizung und so manch alte Gasheizung vermiesen jede Umweltbilanz. Nicht viel besser sieht es bei der Sanierung von Bestandsgebäuden aus: „Die Sanierungsrate ist mit 0,6 Pro- zent pro Jahr viel zu niedrig“, so Lührsen. „Die Quote müsste bei zwei bis vier Prozent pro Jahr liegen.“

 

Was tun?

 

Die zwei wichtigsten Stellschrauben für Hamburg sind Lührsen zufolge der Verkehrs- und der Gebäudesektor. Doch beide Bereiche wurden bislang eher halbherzig angegangen. So steigt die Anzahl an angemeldeten Pkw in Hamburg kontinuierlich (Stand 1. Januar 2021: 799.434 Pkw). Die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs stieg zwar, aber nur moderat von 18 Prozent (2008) auf 21 Prozent (2017). Große Verkehrsprojekte wie die neue U-Bahnlinie U5 seien begrüßenswert, der Effekt wird allerdings viel zu spät zu spüren sein. „Das Auto hat in Hamburg nach wie vor eine hohe Priorität“, erklärt Lührsen. In Oberbillwerder, dem großen Stadtentwicklungsprojekt der Zukunft, ist ein Stellplatzschlüssel von 0,6 vorgesehen. Ein modernes Anreizsystem für eine ernst gemeinte Mobilitätswende sieht anders aus. Es werde auch nicht reichen, von Verbrennern auf E-Autos zu wechseln. Das Ziel müsse lauten: weniger Autos.

 

Radeln für die Umwelt

 

Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende, lässt sich zwar oft und gerne mit seinem Drahtesel abbilden, aber das ändert nichts daran, dass Hamburg im Vergleich zu anderen Städten in puncto Radverkehr hinterherhinkt. Der Anteil des Radverkehrs in Hamburg liegt mit nur 15 Prozent abgeschlagen hinter Städten wie Münster (29 %), Freiburg (26 %), Bremen (25 %), München (2 0%) – und Berlin (16 %) zurück. „Ich würde mich total freuen, wenn ich mit meinem Fahrrad nicht über löchrige Pisten fahren und in jeder zweiten Ecke die Angst haben müsste, von einer Autotür erschlagen zu werden“, sagt Florian König, einer der Sprecher von Fridays for Future in Hamburg. König studiert Physik an der Uni Hamburg und ist seit zwei Jahren bei der Umweltbewegung aktiv. Er war dabei, als Bürgermeister Tschentscher auf der Mönckebergstraße vorbeischaute, um den 1,5 Grad-Schriftzug zu betrachten.

 

Everyday For Future

 

Florian König ist froh, dass die Aktion trotz Pandemie so viel Aufmerksamkeit erlangen konnte, doch auch er zeigt sich enttäuscht vom Hamburger Klimaplan: „Die Zielsetzung des Senats ist mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens nicht vereinbar. Es gilt, die Erwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen – und zwar bis spätestens 2035. Hierzu müssen die CO2-Werte viel stärker reduziert werden.“ Der Klimaplan sei zu wenig ambitioniert. Noch könne man den Plan anpassen, bald sei es dafür zu spät.

Fridays for Future hat das anerkannte Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie damit beauftragt, eine Studie zu erarbeiten, um Wege aufzuzeigen, den notwendigen Wandel tatsächlich noch zu erreichen. Das Ziel, die Erderwärmung bis 2035 auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei zwar hochgradig ambitioniert, aber durchaus noch erreichbar – wenn man direkt damit beginnen würde, so das Fazit der Studie. König macht sich keine Illusionen: „Die Klimakrise ist eine kommunikative Herausforderung, der wir als Gesellschaft vielleicht noch nicht ganz gewachsen sind. Es ist auch deutlich geworden, dass es in der Exekutive an Mut fehlt, um voranzugehen und dem Rat der Wissenschaft zu folgen.“

Wie schwer die Umsetzung ist, zeigt nicht zuletzt die Pandemie. Wie unter einem Brennglas wird das grundlegende Dilemma sichtbar: Wenn nicht einmal eine unmittelbare Gefahr, bei der die eigene Gesundheit und das eigene Leben bedroht sind, ohne Murren und Widerstand Verhaltensänderungen nach sich zieht, wie soll das dann bei einem Thema gelingen, dessen Konsequenzen erst Jahrzehnte später erfahrbar werden? Oder zugespitzter: Wenn nicht mal 1,5 Meter möglich sind, wie sollten es dann 1,5 Grad sein?

Der Schriftzug „Wir alle für 1,5 °C“ darf derweil weitere vier Monate die Mönckebergstraße zieren. Die berühmte Einkaufsmeile bleibt also noch einige Wochen grün. Im August muss die Klimabotschaft dann wieder weichen. Erst kommt das Green, dann das Washing.


 SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2021. Das Magazin ist seit dem 29. April 2021 im Handel und auch im Online Shop oder als ePaper erhältlich!

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Digitale Europawoche in Hamburg: Feier der Vielfalt

Vielfältige Veranstaltungen bei digitaler Europawoche in Hamburg

Text: Anna Meinke

 

Europa ist mehr als nur ein Wirtschaftsraum, mehr als ein Zusammenschluss von Staaten. Europa, vor allem die EU, das sind auch Werte, Normen und Ideen der Zusammenarbeit. Jedes Frühjahr wird diese Vielfalt gefeiert, und zwar mit der Europawoche. So auch in Hamburg.

Vom 1. bis 9. Mai laden rund 40 digitale Veranstaltungen zum Erleben, Informieren und Diskutieren ein. Das Themenspektrum ist dabei so breit wie spannend: Es geht unter anderem um die Zukunft transatlantischer Beziehungen zu den USA, um den Schutz von Demokratie, Menschenrechten und Freiheit in der EU, um die Fluchtproblematik und die Situation an den europäischen Außengrenzen. Ergänzt wird das Programm unter dem Motto „Europäisch – digital – vielfältig“ um Filmvorführungen, virtuelle Ausstellungstouren und weitere Angebote wie einen europapolitischen Podcast.

„Die Europawoche bringt Europa nach Hamburg und Hamburg nach Europa. Die Corona-Pandemie und die Klimawende können wir nur gemeinsam bewältigen. Ich freue mich auf das abwechslungsreiche Programm mit einer Vielfalt europäischer Themen, Veranstaltungen und Debatten“, so Staatsrätin Almut Möller.

 

Gemeinsamer Austausch

 

Die verschiedenen Perspektiven zeigen, dass Europa vor großen Herausforderungen steht. Hamburg nimmt diese Herausforderungen als Anlass, den Blick für eine Woche nach Europa zu richten, Fragen zu stellen und in einen gemeinsamen Austausch zu treten. „Zusammenhalt und Zusammenarbeit in Europa sind wichtig, um gemeinsam die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen“, so Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Er lädt dazu ein, die vielen Facetten Europas kennenzulernen.

hamburg.de/europawoche


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Hey, hey, hey, Herr Stanišić!

„Hey, hey, hey, Taxi!“ heißt das neue Werk von Saša Stanišić. Es basiert auf Geschichten, die er sich zusammen mit seinem Sohn ausgedacht hat. Im Interview mit SZENE HAMBURG spricht der Buchpreisträger über den Entstehungsprozess, die anarchische Vorstellungskraft von Kindern – und er verrät, warum gerade dieses Buch ihm so viel bedeutet

Interview: Marco Arellano Gomes

 

SZENE HAMBURG: Saša Stanišić, nach der Lektüre Ihres neuen Buches kam mir die verwegene Idee, das Interview so zu führen, dass ich Fragen stelle – und Sie, wie einer der Charaktere im Buch, ausschließlich mit „Odjo, odjo“ antworten …

Saša Stanišić: (lacht) Das wäre für uns beide ein Spaß. Für die Leser wahrscheinlich weniger.

Zumindest würde das den Charakter Ihres neuen Buches unterstreichen. Es ist ja ein eher ungewöhnliches, sehr fantasievolles, fast absurd­komisches Kinderbuch geworden.

Ich habe viel Feedback zu der Geschichte mit dem „Odjo, odjo“ sagenden Taxifahrer erhalten. Die scheint besonders gut anzukommen. Kinder lieben das Abstrakte. Sie verstehen zwar nicht unmittelbar, was los ist, aber sie können sich gut vorstellen, dass trotz der unverständlichen Kommunikation etwas gut ausgehen wird.

Kinder können fehlende Informationen ganz gut ersetzen mit eigener Imagination. Die hören das „Odjo, odjo“ und bauen daraus eine sinnvolle Antwort für sich. Die Kommunikation ist zwar misslungen, aber der Weg zu einer Geschichte ist gelungen. (lacht)

Wann genau kamen Sie auf die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben?

Die Idee kam, nachdem ich die „Taxi-Geschichten“ schon längere Zeit meinem Sohn erzählt hatte. Und da die ihm wirklich Spaß machten, dachte ich, dass sich das vielleicht auch auf andere Kinder übertragen lässt.

Wann wurde der Gedanke einer Veröffentlichung konkreter?

Mein Sohn hat nicht lockergelassen. Irgendwann schlug ich ihm vor, mehr aus Scherz, lass uns doch ein Buch mit den Geschichten machen. Er sagte: „Gut, aber ich darf entscheiden, was in das Buch kommt.“ Ja, so war das dann auch. Ich stellte das Projekt dem mairisch Verlag vor, und wir waren uns gleich einig, auch, dass es ein Bilderbuch werden sollte.

 

„Kinder haben eine sehr spannende Vorstellung von Logik“

 

Es muss schwer sein, die Geschichten einzufangen, wenn sie so spontan entstehen!?

Ich habe mir meist kurz nach dem Erzählen Notizen gemacht. Später entstanden daraus längere Textbausteine oder gleich fertige Texte. Das ist ein interessanter Prozess: Man schreibt die Erinnerung an die einzelne Geschichte auf, so gut man sie eben erinnert, und dichtet dann Details hinzu. Die Texte entsprechen oft nicht mehr zu einhundert Prozent dem, was ich meinem Sohn erzählt hatte.

Auch von der Unmittelbarkeit geht sicher etwas verloren. Sobald man die Formulierungsmaschinerie anwirft – bei mir ist das jedenfalls so – will man, dass jeder Satz der bestmögliche Satz ist. Das Spontane beim Geschichtenerzählen, geht dabei natürlich verloren.

Sie schreiben im Vorort (sic): „Im Zuhören ist ein Kind Architekt für Welten aus Sprache.“ Haben Kinder den Erwachsenen in dieser Hinsicht etwas voraus?

Sie sind auf jeden Fall freier, insofern, dass sie nicht wie wir Erwachsenen bestimmte Gewohnheitsstrukturen im Erzählen anwenden. Wir Erwachsene springen nicht unbedingt von A nach Z und wieder zurück, sondern halten eine gewisse Chronologie, einen linearen Verlauf. Auch was die Motive angeht, erzählen Erwachsene anders. Kinder sind anarchischer, unbekümmerter auch. Sie überraschen, haben eine sehr spannende Vorstellung von Logik. Das finde ich super.

Konnten Sie das auch bei ihrem Sohn Nikolai bemerken, wenn Sie ihm die Geschichten erzählten?

Ja. Als ich mit dem Geschichtenerzählen anfing und ich ihn bat, in die Geschichte mit einzusteigen, tat er immer so, als ob er mit einem Fahrzeug hinzukam. Dann setzte er sich auf einen Besen, nahm ein Auto und paddelte sich dazu und übernahm das Erzählen. Oft erweiterte er dabei alles, was ich zum Beispiel motivisch vorbereitet hatte, in ganz unerwartete Richtungen. Er brachte neue Figuren mit, erfand Gegenstände, die bei der Problemlösung hilfreich wurden, änderte auch mal das Problem an sich.

Die Geschichten nahmen häufig einen ganz eigenen, chaotischen, aber sehr sympathischen Weg zu ihrem Schluss. Manchmal hatte das auch nicht mehr viel zu tun mit dem, wie die Geschichte bis dahin verlaufen war.

 

Harmonie zwischen Text- und Bildsprache

 

Bei Kinderbüchern spielt neben der Qualität der Geschichten die Optik eine große Rolle. Die Illustrationen in „Hey, hey, hey, Taxi!“ sind nicht niedlich und süß, sondern eher verspielt und surreal. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Illustratorin Katja Spitzer?

Die Frage der Illustration kam erst auf, als die Geschichten recht fortgeschritten waren. Ich bekam eine Liste von Vorschlägen und diese bin ich gemeinsam mit meinem Sohn durchgegangen. Er hat sofort gesagt: „Das will ich haben!“ Katja Spitzer. Er hat die Illustratorin quasi bestimmt.

Hey-hey-hey-Taxi-c-mairisch-verlagWie lief die Zusammenarbeit mit Katja Spitzer?

Im Grunde hatte Katja völlig freie Hand. Sie hat sich auf eine sehr verspielte Weise auf das Projekt eingelassen und wunderbare Ideen eingebracht. Sie hielt mich immer auf dem Laufenden und fragte immer wieder: „Geht das in die Richtung, die du dir vorstellst?“

Oft hat man bei Kinderbüchern ja das Gefühl, dass Text oder Bild überwiegen und das jeweils andere nur Beiwerk ist. Für ein gelungenes Bilder-Text-Buch bedarf es meines Erachtens einer Harmonie zwischen Text- und Bildsprache, und die war schnell mit Katjas Illus auch hergestellt.

Empfanden Sie es als leichter oder schwerer, ein Kinderbuch zu schreiben?

Für mich ist das Schöne, dass ich auch bei einem Kinderbuch meinem Handwerk nachgehe. Nur das Zielpublikum ist eben ein anderes. Ich arbeite aber auch hier an jedem Satz. Es mag leicht und unbeschwert erscheinen, aber jedes Wort muss am Ende wirklich sitzen. Da gibt es null Unterschied zu einem Erwachsenenbuch. Im Gegenteil: Ich habe bei „Hey, hey, hey, Taxi!“ sogar viel stärker erahnen wollen, wie die Texte ankommen könnten.

Ein Kinderbuch ist in dieser Hinsicht also voraussetzungsvoller als ein Roman. Aber die Schreibdauer ist kürzer, was angenehmer ist.

Wie viel Nikolai, wie viel Saša Stanišić steckt in dem Buch?

(lacht) Das ist schwer zu sagen. Es gibt Geschichten, die extra für das Buch entworfen worden sind, die ich ihm also gar nicht erzählt habe. Das sind vor allem diejenigen, die einen Meta-Charakter haben, zum Beispiel die Geschichte um die Heldin, die keine Heldin sein will oder die Eingangsgeschichte, die zusammenfasst, was kommen wird.

Je konkreter und abenteuerlicher ein Text, desto wahrscheinlicher ist, dass mein Sohn Rezipient war oder sich eingeschaltet hat. Pi mal Daumen war er bei etwa drei Viertel der Geschichten involviert.

Das Buch lädt dazu ein, eigene Erlebnisse in die Geschichten mit einzuflechten. Wie genau funktioniert das?

Ich improvisiere gern beim Vorlesen. Mein Sohn liebt das. Ich kann also nur dazu raten, die eigene Lebenswirklichkeit in diese meine Taxi-Welt zu bringen. Dazu muss im Text auch nicht explizit eine Anweisung stehen.

Das Taxi war für Nikolai und mich nur ein Symbol für einen Abschied. Denn darum geht es im Buch: Dass ein Elternteil weggeht und immer wieder zurückkommt. Solche Elemente können die Eltern also umwandeln und anpassen, um die Gemeinsamkeiten mit dem eigenen Kind sichtbarer zu machen. Denn die Kinder freuen sich darüber, in dem Spannungsverhältnis der überbordenden Fantasie und dem Alltag das eigene Leben zu erkennen.

War das Weggehen und Zurückkom­men nicht auch in Ihren früheren Werken wie „Herkunft“ das leitende Thema?

Zwei meiner Bücher kreisen in der Tat stark um das Thema der Ankunft. Die spielen allerdings auf einer anderen Ebene des Ankommens und berühren Fragen von Geflüchteten und politische Identitäten. In „Hey, hey, hey, Taxi!“ geht es mehr um den Abschied und das Nach-Hause-Kommen an sich, Nähe und Distanz also zwischen Eltern und Kindern im Alltag und durch den Beruf: Ob das nun der banale Weg in die Kita ist, der zur Arbeit oder eine Lesereise von zwei Tagen. Das beschäftigt Eltern gleichwohl wie die Kinder.

 

Verbunden durch das Erzählte

 

Erinnern Sie sich, wie Sie als Kind solche Abschiede erlebten?

Ich bin als Kind bei meiner Großmutter aufgewachsen. Ich hatte also nicht diese Art von Abschied und Ankunft, wie sie mein Sohn in der Kita ritualisiert hat. Es ist zentral, wie Kinder Abschiede erleben und internalisieren. Das Erzählen von Geschichten kann dabei helfen, diese Trennungen auf Zeit offener zu gestalten.

Und das muss nicht einmal durch fantastische Abenteuer geschehen, sondern geht auch über die Frage: „Was hast du heute alles erlebt?“ Abschied und Heimkehr sind die Marker am Anfang und Ende dieser Geschichten, die einen dann wieder verbinden.

Also bietet das gemeinsame Erzählen die Möglichkeit, verbunden zu bleiben, indem man die Erfahrungen, die man während des Getrenntseins macht, in Geschichten verpackt und miteinander teilt?

Genau darum geht es ja beim Geschichtenerzählen: Wir kommen zusammen und sind verbunden durch das Erzählte. Geschichten sind eine Form von Kommunikation – ein Angebot, Einblick in das eigene Leben zuzulassen oder in ein ausgedachtes – jedenfalls ein Angebot, das zusammenführt. Und so ist das Buch gemeint. Es ist ein Angebot für Erwachsene und Kinder, die vielleicht den halben Tag nicht zusammen waren, aber über gemeinsame Geschichten wieder zusammenkommen.

Sie haben auf Insta­gram geschrieben: „Es gibt wichtige Bücher und Bücher, die einem wichtig sind. Das ist ein Buch, das mir sehr wichtig ist.“ Was macht es für Sie so wichtig?

Ich habe das Gefühl, mein Sohn und ich haben durch „Hey, hey, hey, Taxi!“ miteinander eine Erinnerung geschaffen, die vielleicht jahrelang wichtig für uns sein könnte. Egal ob wir gerade eine Krise oder eine schöne Zeit haben: Diese Geschichten bleiben für immer. Mit dem Buch habe ich sie für uns archiviert.

Saša Stanišić, Katja Spitzer: „Hey, hey, hey, Taxi!“, mairisch, 69 Seiten, 18 Euro, ab 4 J.


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Metropolis+: Programmkino als Stream

Das Metropolis Kino bietet einen virtuellen Kinosaal an

Text: Marco Arellano Gomes

 

Das von Filmliebhabern geschätzte Metropolis Kino bietet ab 22. April einen virtuellen Kinosaal an. Metropolis+ heißt das Onlineportal und zeigt zeitlose Filmklassiker, aktuelle Filmperlen, aber auch Hintergrundgespräche mit den Filmemachern.

Monatlich sollen sechs bis zehn neue Titel gezeigt werden, kuratiert, wöchentlich ergänzt und in thematischen Reihen wie „Hamburg im Film“, „Tage des Exils“ und „Kinohighlights des vergangenen Jahres“ geordnet. Auch Sneak Previews wird es geben. Nutzerinnen und Nutzer des Portals unterstützen das aufgrund der Corona-Krise noch immer geschlossene Kino. Das Mieten eines Filmes kostet 3,50 Euro, es werden auch vergünstigte Abos angeboten.

metropoliskino.de


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Hamburgerin des Monats: Andrea de Luna von „Deintopf“

Im März 2020 wurde der erste Lockdown ausgerufen. Suppenküchen schlossen – und Andrea de Luna eröffnete die soziale Essens- und Lebensmittelausgabe „Deintopf“ im Karoviertel

Interview: Markus Gölzer

 

SZENE HAMBURG: Andrea, Glückwunsch zum Einjährigen. Was steht heute auf dem Speiseplan?

Andrea de Luna: Es gibt Fischfrikadelle mit Kartoffelsalat, Gulaschsuppe mit Kartoffeln oder Spätzlepfanne Veggie mit Gemüse und Rahmsoße. Wir haben immer drei bis vier Gerichte zur Auswahl, damit für jeden Geschmack, aber auch für jede Verträglichkeit was dabei ist. Und immer auch was Vegetarisches.

Wie viele Gäste habt ihr pro Tag?

Das ist verschieden. Am Monatsende sind es mehr Gäste als am Monatsanfang. Das ist auch immer bisschen wetterabhängig, aber wir sprechen hier von einer Zahl von 100–200 Gästen pro Ausgabe.

Hat sich die Gästestruktur seit Beginn der Pandemie verändert?

30 Prozent unserer Gäste sind Menschen ohne festen Wohnsitz. Ich kenne viele von meinem Ehrenamt bei Hanseatic Help, Kältebus, Café mit Herz und Alimaus. Es kommen immer mehr alte Menschen und Alleinerziehende. Die brauchen das wirklich. Die einen für ihre Familien und die Älteren, damit sie überhaupt noch etwas zu essen haben.

Kümmert ihr euch auch um Gäste, die nicht mobil sind?

Ja, das bieten wir an. Wir liefern mit Lastenfahrrädern. Anfangs waren das mehr Gäste. Inzwischen ist es nur noch ein Herr, den wir auch von Anfang an versorgen. Unser Angebot besteht aber weiterhin: Wenn jemand nicht mobil ist, soll er sich bitte melden. Wir bringen das Essen vorbei. Allerdings begrenzt auf das Karoviertel.

Sind Freundschaften mit Gästen entstanden?

Man muss schon so professionell sein, dass man sich ein bisschen abgrenzt. Punkt A: Wir wollen niemanden bevorzugen. Die Gäste achten stark drauf, dass sich keiner vordrängelt oder einer mehr kriegt als der andere. Und B: Es sind es halt Menschen, und hinter jedem Menschen steht ein Schicksal. Diese Schicksale sind manchmal sehr traurig.

Man muss auf sich achten, dass man nicht zu viel davon mit nach Hause nimmt. Aber natürlich haben viele Gäste zu uns ein freundschaftliches Verhältnis. Die Helfer sind ja immer die gleichen. Die bauen Beziehung auf, die freuen sich darüber. Wenn jemand zwei Wochen nicht da ist, fragen sie auch, wo ist denn der? Es sind immer drei Helfer draußen. Die Gäste lieben das, sich einfach mit ihnen zu unterhalten, auch mal Spaß zu machen.

 

„Mich motiviert es, rauszugehen, was zu tun“

 

Du bist im Hauptberuf Erzieherin. Wie kriegst du das alles hin?

Das Wichtige ist ja, diese Projekte anzustoßen, aufzubauen. Wenn sie gut laufen, dann laufen sie halt auch. Und ich habe großes Vertrauen in meine Helfer. Wir treffen uns einmal die Woche im digitalen Meeting, besprechen alles. Jeder soll sich einbringen – ich bin Freund von Schwarmintelligenz.

Die Helfer können sich so mit dem Projekt identifizieren und machen das ein Stück weit zu ihrem eigenen Projekt. Innerhalb des Teams haben sich Freundschaften gebildet, wir haben ja ein sehr harmonisches und liebevolles Miteinander. Das ist uns wichtig. Gut miteinander umzugehen. Das ist Ehrenamt, und wenn man im Ehrenamt genauso gestresst ist wie im Job, dann möchte man es irgendwann nicht mehr machen.

Was ist deine Motivation?

Meine Motivation ist, Menschen zu helfen. Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man nicht genug zu essen hat oder es einem schlecht geht. Und ich kann das schwer aushalten, wenn ich sehe, dass es Menschen schlecht geht. Ich werde dann aktiv. Es nützt ja niemandem was, wenn ich zu Hause sitze und grüble. Mich motiviert es, rauszugehen, was zu tun. Ich überleg mir dann Dinge, die ich machen kann, um diesen Zustand zu verbessern.

Aus wie vielen Leuten besteht Deintopf?

Wir sind ein Team aus etwas über 50 Menschen. Wir arbeiten mit einem festen Dienstplan, in den sich jeder selber eintragen kann. Die Schichten sind genau aufgeteilt. Man kann nicht einfach herkommen und sagen, ich helfe jetzt mal mit, weil ich Lust zu habe. Außer man bleibt dann die ganze Zeit draußen, weil wir natürlich auch Auflagen haben und darauf achten müssen, dass es in den Räumen nicht zu voll wird. Zum Eigenschutz und zum Schutz unserer Gäste.

Wie ist der Anteil von Frauen und Männern?

Wir haben inzwischen auch schon sehr viele motivierte Männer dabei. Tatsächlich ist es aber so, dass der Großteil Frauen sind. Ich bin ja noch bei anderen Sachen aktiv. Das sehe ich überall im Ehrenamt.

Wie erklärst du das?

Ich will das nicht pauschalisieren, aber ich glaube, Frauen sind doch oft empathischer als Männer. Sie können mehr nachvollziehen, haben eher das Gefühl, dass sie helfen möchten. Es wurde uns irgendwie schon in die Wiege gelegt, dass wir uns immer gut um alle und alles kümmern.

Wer kocht für euch?

Zu Beginn hat der Foodeventclub sehr viel für uns gekocht. Auch die Flora Volksküche ist von Anfang an dabei. Außerdem das Buddels Restaurant, die Passage Gastronomie und die Juwelier Espressobar. Es wechselt auch immer mal. Wir können uns nicht beklagen.

Es möchten noch viel mehr Leute für uns kochen, aber wir haben gar nicht die Kapazitäten, das alles zu verteilen.

Welche Rolle spielt der Gesundheits­aspekt?

Es gibt immer ein vegetarisches oder veganes Gericht. Wir bieten kein Schweinefleisch an. Jeder Gast sucht sich selbst aus, was er mitnimmt. Auch an Lebensmitteln. Wir packen hier keine Taschen. Jeder Mensch kann nach Geschmack und Verträglichkeit selbst auswählen.

 

„Alles wäre erst gut, wenn es das Ehrenamt nicht mehr bräuchte“

 

Hast du da Unterstützung durch Behörden bekommen?

Also, ich habe zumindest vom Bezirksamt Mitte alle Genehmigung bekommen. Das ist ja schon mal gut. Ich bekomme auch Dankesschreiben (lacht). Ansonsten ist es natürlich so, dass Behördenmühlen langsam mahlen. Die sind auf alle Fälle bemüht.

Ich denke, dass die Stadt Hamburg mehr machen könnte. Eigentlich wäre es ja alles erst gut, wenn es das Ehrenamt nicht mehr bräuchte. Wobei wir das alles gerne tun. Manchmal ist es schwierig mit den Behörden. Wenn ich erst mal 20 Anträge und Passierschein 53 B beantragen muss um 100 Euro zu kriegen, dann lass ich das lieber, weil ich eigentlich auf anderen Wegen auf größere Summen komme.

 

Deintopf finanziert sich ausschließlich durch Spenden?

Ja, hier ist alles durch Spenden finanziert. Wir haben ja auch keine Verwaltungskosten, weil wir Gott sei Dank immer noch mietfrei hier sind. Wenn wir endlich Räume gefunden haben, sind Miete und Betriebskosten schon gesichert, weil die Reimund C. Reich Stiftung uns angeboten hat, diese zu übernehmen. Das ist eine große Stiftung in Hamburg, die sich im Bereich Armutsbekämpfung stark macht und viele Projekte unterstützt. Das Problem ist, das wir keine Räume finden.

Arbeitet ihr mit anderen Projekten zusammen?

Wir haben alle zwei Wochen ein großes digitales Meeting. Da sind ich und eine Helferin zusammen mit anderen Initiativen drin. Wir sprechen über wichtige Themen, was sind die Bedarfe, wie können wir noch helfen? Wir arbeiten gemeinsam an Konzepten. Oder jemand schreibt, ich habe 1.000 FFP2-Masken gekriegt. Lass uns die teilen!

Im Sommer, als die Wasserversorgung auf der Straße so schlecht war, haben wir gemeinsam Wasser bestellt. Hanseatic Help hat das alles für uns eingelagert. Wir konnten das dann jederzeit abrufen.

Wie waren die Reaktionen, als du mitten im ersten Lockdown Deintopf gegründet hast?

Von Seiten der Gäste her natürlich positiv. Viele haben wirklich geweint und gesagt, Gott sei Dank, das war meine erste warme Mahlzeit seit zwei Wochen. Diesen Menschen sind ja auch sämtliche sozialen Netzwerke weggebrochen. Meine Familie war zwiegespalten: Oh Gott, es ist Pandemie und du bist da immer mit Menschen! Aus Helferkreisen kam vereinzelt: Alle machen zu und du machst auf? Denkst du, du kannst das besser als die anderen? Ich weiß, dass man gerade zu Pandemiezeiten aufpassen muss. Das ist für uns alle neu.

Ich wusste aber auch, dass ich das gewisse Know-how habe, weil ich seit fünf Jahren ehrenamtlich arbeite und mich auf den Bereich Mobile Aufgaben spezialisiert habe. Jetzt kann ich ein bisschen stolz sagen: Ja, da haben wir das meiste richtig gemacht.

facebook.com/Deintopf


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Streaming-Show: „Einer kommt, alle machen mit 2021“

„Einer kommt, alle machen mit 2021“ geht in die nächste Runde!

Text: Anna Meinke

 

Genau ein Jahr nach dem ersten Solidaritäts-Nicht-Festival startet MenscHHamburg eine neue Hilfsaktion für Kulturschaffende: „Einer kommt, alle machen mit 2021“ geht in die nächste Runde! Denn Unterstützung kann die krisengeschüttelte Kulturszene noch immer gebrauchen.

Hamburger Kulturorte wie das Molotow, das St. Pauli Theater und die Markthalle werden ab dem 12. Mai zur Bühne für namhafte Künstler, Autoren und Schauspieler – und das alles ganz ohne Live-Publikum. Die Spendeneinnahmen der Streaming-Show gehen direkt an Hamburger Kulturschaffende. Mit dabei im bunten Programm sind unter anderem Älice von Chefboss, Bjarne Mädel und Ina Müller. Tickets gibt’s hier.

 


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