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#MeetFrida: Kunst im öffentlichen Raum

#MeetFrida am Jungfernstieg, im Park Fiction, im Eichenpark und in einer Pop Up Gallery im Hanseviertel

Text: Isabel Rauhut

 

MeetFrida3_ARt_Gallery_Kultursommer_Foto_Team_SZENE_JG-8#MeetFrida wurde im Sommer 2020 aufgrund von Corona als neuartige Initiative zur Förderung von Künstler:innen in Deutschland ins Leben gerufen. Seitdem zeigt das Projekt die Online-Galerie www.meetfrida.art mit diversen Kunstkampagnen im urbanen Umfeld, aufstrebende Kunstpositionen in Malerei, Fotografie und Skulptur von Künstlern aus ganz Deutschland.

Neben der digitalen Plattform steht #MeetFrida für weitere vielfältige Kunstprojekte: Im Rahmen des Kultursommer Hamburgs wurde auf der Reesendammbrücke am Jungfernstieg, im Park Fiction auf St. Pauli und im Eichenpark am Alstervorland die MeetFrida ARt Gallery platziert. Werke von insgesamt 30 Hamburger Künstler:innen sind hier seit dem 17. Juli einen Monat lang virtuell zu entdecken.

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Foto: SZENE HAMBURG / JG

Der Name ARt Gallery spielt auf die digitale Umsetzung der Ausstellung in AR (Augmented Reality) an: Der Handy-Bildschirm wird zum Museumseingang. Bildende Kunst kann so interaktiv erlebt und in eine Gruppenausstellung eingetaucht werden. Sichtbarkeit im realen Raum erhält die Ausstellung über einen rosa Kubus, der den Ort markiert und per QR-Code den Zugang zum digitalen Museum ermöglicht. Besucher:innen können per Handy den Code scannen und die AR-Ausstellung öffnet sich direkt im Browser, eine App ist nicht nötig.

 

Kunst on- und offline

 

Mit einer Pop-up Gallery im Hanseviertel in der Hamburger Innenstadt sind on top die Werke von insgesamt 10 Hamburger Künstler:innen auch offline zu sehen. Die Gruppenausstellung läuft noch bis zum 31. Juli. Wen es nicht in die Innenstadt zieht: Die Pop-Up-Ausstellung gibt es – natürlich – auch als 3D in einer App.

In einer Aktion ab dem 10. August gibt’s dann, wie auch schon 2020, weitere Kunst im öffentlichen Raum: Dabei werden 40 Großflächen in vier Hamburger Stadtteilen nach dem Motto „Kunst statt Werbung“ mit 18/1 Kunstplakaten in Hamburg plakatiert. Die Aktion erschafft eine Outdoor-Galerie auf Zeit und macht Kunst für jeden zugänglich. Anhand einer digitalen Karte auf www.meetfrida.art werden Interessierte von Ort zu Ort geführt und erhalten umfassende Informationen zu Künstler:innen und Werken.

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Vol. 1: Eine sommerliche Kulturwoche voller Ideen

Damit die Woche gut im Voraus geplant werden kann, gibt es hier eine Auflistung an Highlights, die diese Woche im Rahmen des Kultursommer Hamburgs stattfinden

Text: Isabel Rauhut

 

Der Kultursommer Hamburg bietet über vier Wochen mehr als 1300 Veranstaltungen in der ganzen Stadt verteilt an. Damit da nicht der Überblick verloren wird, haben wir uns durchs Programm gelesen und empfehlen hier tägliche Events in der Vorschau, damit die Woche mit Calls, Kindern und kleinen Katastrophen gut geplant, genossen und vieles mitgenommen werden kann!

 

19. Juli 2021

Wie wäre es am 19. Juli mit zeitgenössischer Kunst, einem Art-Event? Dann lohnt sich ein Besuch im Hanseviertel: Bis zum 31. Juli 2021 bespielt die Pop Up Galerie #MeetFrida die denkmalgeschützte Passage in der Hamburger Innenstadt. #MeetFrida unter dem Motto „Fast Forward“ zwei wechselnde Ausstellungen mit dem Schwerpunkt auf Hamburger Kunstschaffende.

 

20. Juli 2021

Dienstag, 20. Juli, geht es zum Afterwork eine Runde Gassi mit dem Pudel: Rund um den noch geschlossenen Pudel Club am Hafen zeigen Künstler:innen der Hochschule für bildende Künste Hamburg temporäre Installationen, Interventionen, Vorlesungen und Performances im öffentlichen Raum für ein von 17 bis 23 Uhr verteiltes Publikum. Musik gibt’s über Kopfhörer und Drinks vom Barboncino zwölphi!

 

21. Juli 2021

Am Mittwoch, 21. Juli, trifft Brahms im Oberhafen in der HafenCity auf Shakespeare: Bei einem Klassikkonzert des Hamburger Kammerkunst Vereins begegnen die Zauberwälder, Lichtungen und Verwirrungen Johannes Brahms dem Sommernachtstraum William Shakespeares zur blauen Stunde. Für ein knappes Stündchen kann mit Konzertbeginn um 18 Uhr der Feierabend und anschließende Heimweg mit Hafenatmosphäre genossen werden.

 

22. Juli 2021

Das T in Donnerstag steht für Theater: Am 22. Juli wartet „Das hässliche Entlein“ im Hamburger Puppentheater auf ein bisschen Liebe. Das Spiel folgt dem Märchen des dänischen Poeten Hans Christian Andersen. Mit fast lebensgroßen Stofffiguren wird der Weg des kleinen verstoßenen „hässlichen Entlein“ zum Schwan nachgespielt. Das beliebte Märchen rund um die Themen Einsamkeit und Anderssein ist ein toller Familienausflug – los geht’s hier um 15 Uhr.

 

23. Juli 2021

Bei „Fast ein Wilhelmsburger Festival“ wird sich an insgesamt drei Freitagen ganz besonders den Künstler:innen und Musiker:innen gewidmet, die eine Verbindung zur grünen Insel zwischen Hafenindustrie und Elbromantik haben. Auf dem Dockville-Gelände am Schlengendeich ist dafür am 23. Juli ab 16 Uhr Kick-Off – dann gibt’s ein kleines Konzert-Programm und die Arbeiten von Wilhelmsburger Kunstler:innen zu entdecken!

 

24. Juli 2021

Es ist Wochenende! Da kann man sich jetzt gediegen in einen Liegestuhl fallen lassen, Popcorn essen und diesen Samstag, 24.Juli um 21:30 Uhr unter freiem Himmel auf dem Innenhof des Altonaer Rathauses den Klassiker „Gegen die Wand“ von Hamburgs one and only Fatih Akin aus dem Jahr 2004 auf Großleinwand schauen. Der Film schildert die Liebesgeschichte einer jungen, in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Türkin, die mit einem alkoholkranken und drogensüchtigen Landsmann eine Scheinehe eingeht, um den Moralvorstellungen ihrer Eltern zu entkommen.

Die Zeise Kinos haben als Einführung für diese Vorstellung den Kulturmanager und ehemaligen Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Dieter Kosslick, und weitere Gäste geladen.

 

25. Juli 2021

Das 1. Internationale Spielbudenfestival findet vom 23. bis zum 25. Juli auf dem – Überraschung – Spielbudenplatz St. Pauli statt. Die Corny-Littmann-Stiftung führt das Straßenkunstfestival 2021 erstmalig durch, um es als jährlich stattfindendes Festival mit Top-Künstlern der internationalen Straßenkunstszene zu etablieren. 

30 Solokünstler und Gruppen aus Deutschland, Österreich, Polen, Irland, Kanada, Singapur, Spanien, Mexiko, Israel, Schottland und Frankreich unterhalten das Publikum heute noch bis 21 Uhr mit ihren Tricks und Tänzen. Auf in einen Sonntag voller Kuriositäten!


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MS Artville: Wie wir leben wollen

Nach der Corona-bedingten Verlegung in den digitalen Raum im letzten Jahr, starten die Macher:innen des MS Artville Festivals für urbane Kunst 2021 endlich wieder auf gewohntem Gelände in Wilhelmsburg durch. Noch mit Handbremse, aber voller Vorfreude, spannender Kunst und einigen Neuerungen

Text: Kevin Goonewardena | Fotos: Andreas Hornoff

 

Vor fast fünfzehn Jahren mit dem 2007 erstmals veranstalteten MS Dockville-Festival begann die all sommerliche Transformation des einst unscheinbaren Geländes gegenüber des architektonisch auffälligen Getreideterminals am Reiherstieg in Wilhelmsburg. Heute sind das Mutterfestival Dockville und deren in den folgenden Jahren entstandenen Geschwister-Veranstaltungen Spektrum, Vogelball, Butterland und Artville fest etablierte Termine für Popkultur-Begeisterte verschiedener Strömungen.

Längst kommen die Besucher:innen nicht mehr nur aus Hamburg, die Acts sind international. 2019 gelang mit der Verpflichtung des aufstrebenden Superstars Billie Eilish dem Dockville gar ein echter Coup – und dann kam Corona.

 

Die Kunst kommt zurück

 

Nach der, der Pandemie geschuldeten, Pause der Veranstaltungen und einer digitalen Ausgabe des MS Artville im letzten Jahr, ist nun erstmals wieder eine physisches Beisammensein möglich: Zum gemeinsamen Nachdenken über Gegenwart und Zukunft laden die Macher:innen, beteiligte Künstler:innen und Publikum ab dem 17. Juli 2021 auf das Gelände zum MS Artville-Festival für urbane Kunst, auf dem wie gewohnt aus den vorherigen Jahren erhaltene und neu angefertigte Werke unter freiem Himmel zu erleben ist.

Flankiert wird das Ganze von einem Begleitprogramm aus Workshops, Panels, Diskussionsrunden, Musik, auch ein Kinderprogramm ist darunter. Fast ein Festival nennt sich die Post-Lockdown-Ausgabe, für die sich die Verantwortlichen über mehrere Termine und Wochen erstreckende Mini-Festivals unter  Berücksichtigung der geltenden Hygieneregeln konzipiert haben – Fast ein Artville ist ein Teil davon.

 

Spieglein, Spieglein

 

Das wohl  hervorstechendste Werk dort ist der im Stile einer Discokugel umgestaltete alte Saab 900 der Künstlerin Sasha Gold. Why not? Everybody’s darling heißt ihre Arbeit, die auch schon auf Kampnagel die Besucher:innen begeisterte und in einem Video der Rapperin Haiyti zu sehen ist – die auch am Sonntag, 14. August 2021, auf dem Gelände auftreten wird.

 

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„Why not? Everybody’s darling“ der Künstlerin Sasha Gold funkelt in der Sonne auf dem Gelände des MS ARTVILLE

 

Gold, die dem schrottreifen Gefährt mit tausenden Spiegelscherben zu neuem Glanz verhalf, möchte mit der Transformation, die, die Bruchstellen der Scherben sichtbar lässt, auf den Umstand aufmerksam machen, dass weiblich gelesene Personen immer noch hauptsächlich nach ihrem Aussehen bewertet werden. Das Auto selbst, geschlechtslos, aber untrennbar mit der Männerwelt verbunden, bekommt von ihr wiederum eine weibliche Identität zugeordnet. Why not? Everybody’s darling wird sich definitiv ganz vorne unter den  meist fotografierten Arbeiten des Festivals einfinden.

 

Mast und Stäbchen

 

Genau andersrum verhält es sich bei der begehbaren Installation Combi Ticket. Man könnte fast an dem Artwork des belgischen Künstlers Karl Philips vorbeilaufen – es würde jedenfalls nicht verwundern, wenn man es auf den ersten Blick nicht als solches registriert, denn die Arbeit besteht aus Dixi-Toiletten, Absperrzäunen, einem Flutlichtmast, einem Zelt. Also, aus einem für Festivalgelände nicht ungewöhnlichen Mobiliar. Hinter der scheinbar losen Ansammlung steckt jedoch bei genauerer Betrachtung System: Die Zäune stecken die Wege eines Labyrinths ab, als dessen Eingänge die Dixi-Häuschen fungieren.

 

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Dixie-Klos, Flutlicht und dazwischen das Zelt: Der Künstler Karl Philips installiert einen Festival-Moment

 

Das Zelt, aufgestellt am denkbar schlechtesten Schlafplatz: Unter greller Beleuchtung, in der Nähe von Dixies, eingehüllt in den Umgebungslärm, die Zeltenden jedoch nehmen den Platz in Kauf. Dafür wird nicht nur an physische und psychische Grenzen gegangen, sondern auch darüber hinaus: sie werden verschoben – nicht nur hier, auch anderswo.

Wie Philips für sein Werk, bedienen sich auch Vera Drehbusch und Daniel Wrede einem weltweit bekannten Gegenstand; genauer dem Mikado-Spiel beziehungsweise dessen Stäben. Sie fixieren bei ihrer aus riesigen Spielstäben bestehenden Installation den freien Fall des Anfangsmoment des beliebten Spiels und schaffen so ein Werk, das sich stets im Prozess befindet, anstatt in einen abgeschlossenen Zustand aufzugehen.

 

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Spiel und Spaß: Mikado der Künstler Vera Drehbusch und Daniel Wrede

 

Es scheint nur konsequent, dass die Arbeit Mikado durch die Künstler so geplant wurde, das es noch weitere Jahre im Rahmen des Festivals die Hamburger Kulturlandschaft bereichern kann.

 

Kunst in Zeiten der Pandemie

 

Für die Auswahl der vertretenen rund 20 internationalen Künstler:innen griff man sowohl auf jene zurück, die bereits für die 2020 Ausgabe eingeplant waren, die dann in Teilen digital stattfand, sprach aber auch neue Künstler.innen an, wie Martina Marschalk vom Organisationsteam verrät. Neben den behördlichen Vorgaben und einer lange Zeit unsicheren Finanzierung, die unter anderem Dank der Hamburger Kulturbehörde gestemmt werden konnte, hatte die Pandemie auch auf andere Bereiche der Festival-Vorbereitung erheblichen Einfluss und stellte die Organisator:innen vor neue Herausforderungen: So konnten bis auf Karl Philips keine:r der internationalen Künstler:innen nach Hamburg reisen, um ihre Werke selbst aufzubauen und instruierten deswegen teilweise per Videocall den Aufbau, nach vorheriger Begehung des Geländes auf die gleiche Art und Weise.

Die Künstlerin Taba geht für ihr zusammen mit ihrer Partnerin Shooki entstandenes Werk With(out) You gar noch einen Schritt weiter: Sie ruft die Besucher.innen dazu auf das über Videocall entstandene Werk zu vollenden und erörtert so nicht nur die Möglichkeiten wie wir trotz Pandemie-Beschränkungen über Ländergrenzen hinweg miteinander arbeiten können, sondern auch, ob es möglich ist Künstler:in zu sein, wenn man das Werk selbst nicht erschaffen hat.

MS Artville Festival: 17. Juli – 14. August 2021


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Kunst auf dem Kiez: Artwalk von Viva con Agua ARTS

Vom 14. bis 30. Juni präsentiert der „Johnnie Walker X Viva con Agua ARTS Artwalk“ die Werke von jungen Künstlerinnen auf der Reeperbahn

Text: Felix Willeke

 

Der „Johnnie Walker Artwalk“ führt vom 14. bis 30. Juni 2021 auf Digitaldisplays entlang der Reeperbahn durch die Welt von jungen Künstlerinnen. Johnnie Walker und Viva con Agua ARTS präsentieren die Werke von Anabelle von Georg, Danika Arndt, Evgenia Chuvardina, Lerke Nennemann und Melanie Gandyra. Das Thema der Ausstellung ist der positive Neuanfang – jetzt, wo das Leben auf die Straßen zurückkehrt.

Ziel ist eine es Plattform für junge Künstler:innen zu schaffen und natürlich die Unterstützung der vielen Projekte von Viva con Agua. Darum stehen die Originale der Werke auch im Onlineshop von Viva con Agua ARTS zum Verkauf. Der Erlös kommt zum Teil den Projekten von Viva con Agua zu Gute.


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Kunst-Barkasse: „Hanseat“ hat neuen Anstrich bekommen

Die Kunst-Barkasse „Hanseat“ verbindet Alpenpanorama und Wellentreiben in ihrem neuem Gewand

Text: Erik Brandt-Höge

 

Hafenrundfahrten waren zuletzt nicht möglich. Corona hat den beliebten Erkundungsreisen über die Elbe mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein trauriger Blick für alle Hamburger war der auf den Großteil der bunten Barkassen von Barkassen-Meyer im Hafen, die nicht fuhren, wie sie normalerweise fahren. Aber: Bald soll es wieder losgehen.

Um die neue Saison einzuläuten, hat Hubert Neubacher, Chef von Barkassen- Meyer, ein besonderes Projekt in Angriff genommen: einen neuen Anstrich der Kunst-Barkasse „Hanseat“. 2008 erbaut, hatte die Komfort-Barkasse auf allerhand Fahrten bereits Stars à la Danny DeVito und Tina Turner mit an Bord.

 

Wellentreiben

 

Der Künstler Björn Holzweg hatte die „Hanseat“ 2016 erstmals zu einem fahrenden Gemälde gemacht, kürzlich erfolgte eine weitere künstlerische Gestaltung. Ein Alpenpanorama wurde vom Barkassen- Meyer-Inhaber Hubert Neubacher und Künstler Björn Holzweg sowie der Affenfaust Galerie auf der Barkasse verewigt – aus der Ferne wirkend wie ein Wellentreiben auf hoher See.

Neubacher bringt diese Bereicherung für seine Flotte auf den Punkt: „Ich sehe in meinen fünf Kunst-Barkassen eigentlich nur eine konsequente Weiterentwicklung meiner eigenen Liebe zu Kunst, Kultur und Pop. Zudem habe ich persönlich enorm viel Freude daran, meine Flotte so bunt durch den Hafen fahren zusehen.“ Und weiter: „Ich möchte damit ein positives Signal nach außen senden, dass wir optimistisch mit einem ‚neuen‘ Schiff und guter Laune in die Zukunft schauen und dass es irgendwann wieder weitergeht.“

barkassen-meyer.de


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Hamburger Hafen: Wellengänge

Was wäre Hamburg ohne sein „Tor zur Welt“? Aber was heißt das heute noch? Wie geht es dem Hafen? Einige Anmerkungen zu Kultur, Handel und Schifffahrt am Sehnsuchtsort aller Möwen und Wasserratten

Text: Marco Arellano Gomes
Fotos: Jérome Gerull

 

Zum Hamburger Hafen gehört eine Spezies, die jeder Welle entkommen ist, jeder Veränderung getrotzt und alle Zeiten überlebt hat: Nein, nicht die Matrosen, die betrunkenen Vagabunden oder die leichten Mädchen, die ihre Dienstleistungen in der „Freien und Handelsstadt Hamburg“ anbieten. Nein, gemeint ist: die Möwe. Jener prachtvolle, eigenwillige Vogel, dessen „Moin, Moin“-Geplapper schon von Weitem zu hören ist und klarmacht, dass man sich in Elbnähe befindet.

In gewisser Weise ist die gemeine Möwe ein Sinnbild dieser Stadt und ihrer Einwohner: nach außen hin eine weiße Weste, innen gierig, verdorben, lebenshungrig; mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehend und doch bereit, jederzeit den Abflug zu machen. Möwen wissen, was sie am Hafen haben. Und auch die Hamburger wissen das. „Hamburg – Das Tor zur Welt“ – jener gebetsmühlenhaft wiederholte und zum Marketing-Slogan verkommene Ausspruch, prägte über einen langen Zeitraum das Selbstverständnis der Hansestadt. Aber gilt das noch? Ist der Hafen noch immer Ausgangs- und Anziehungspunkt der Stadt? Oder entwickelt er sich zu einer rein touristischen Kulisse? Ein Gang durch den Hafen ist für jeden Hamburger ein obligatorisches Ereignis, den Blick auf das funkelnde Wasser gerichtet, von besseren Tagen träumend.

 

Hafen-Kultur

 

Der Hafen hat eine unnachahmliche Wirkung und Bedeutung. Dessen ist sich auch Ellen Blumenstein bewusst, die sich 2017 dazu entschloss, eine schwierige Aufgabe anzunehmen: Mehr Kultur in die Hafen-City zu bringen. Die Kuratorin der stadteigenen HafenCity Hamburg GmbH fing furios an. Ihre erste Amtshandlung: Sie verpasste Hamburgs Hafenkulisse im November 2018 einen überdimensionalen Smiley, bestehend aus Neonröhren, in acht Meter Höhe auf der Kibbelstegbrücke.

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Foto: Tim Hufer via Unsplash

Das Besondere: Der Smiley gab die Stimmung der Passanten in Echtzeit wieder. Mal lachte der Smiley, mal verzog er das Gesicht. Es war der Auftakt einer Projektreihe, die Blumenstein „Imagine the City“ taufte und zum Ziel hat, Hamburgs jüngstem Stadtteil Kunst und Kultur näherzubringen – jenseits der Elphi, versteht sich.

Blumenstein möchte eine Auseinandersetzung mit dem Ort. Welche Rolle spielt der Mensch in diesem von Architektur, Freiräumen und Wasser geprägten neuen Stadtteil? Welche Bedeutung hat die HafenCity als historischer und zugleich moderner Teil des Hafens? Das will Blumenstein gemeinsam mit Einwohnern und Besuchern herausfinden, mittels des Unvorhergesehenen, des Ungeplanten, des Überraschenden. Der Smiley war erst der Anfang. Nun geht Blumenstein mit dem Projekt „THE GATE“ einen Schritt weiter und konfrontiert die Stadt mit der Frage, ob Hamburg überhaupt noch das „Tor zur Welt“ ist. Einwohner und Besucher haben die Möglichkeit, dies kreativ und pandemiekonform herauszufinden. „Kunst soll irritieren, aus dem Alltagstrott herausholen, neue Perspektiven aufzeigen und Sichtweisen einen Raum geben, die keine Lobby haben“, sagt Blumenstein der HafenCity Zeitung im April.

 

Hafen-Ökonomie

 

Apropos Lobby: Der Hafen ist noch immer ein großer wirtschaftlicher Faktor. 156.000 Arbeitsplätze sind hier angesiedelt. Der Containerumschlag stagniert zwar seit ein paar Jahren, aber auf hohem Niveau. Waren es 2019 noch 9,3 Millionen Standardcontainer (TEU), waren es im Coronajahr 2020 allerdings nur noch 8,5 Millionen. Ein Rückgang um 11,1 Prozent. Der niedrigste Wert seit 2010 (7,9 Millionen TEU). Umso verwunderlicher, dass die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) den Konzernumsatz auf 348,7 Millionen Euro (+ 3,9 Prozent) und das operative Konzernergebnis auf 46,3 Millionen Euro (+ 26,4 Prozent) erhöhen konnte, während EUROGATE Verluste verzeichnete. Experten warnen, dass Hamburg im internationalen Vergleich weiter zurückfallen könnte – trotz Elbvertiefung, die nach knapp 17 Jahren Vorlaufzeit umgesetzt wird, sodass riesige 400 Meter lange Frachter mit 20.000 Containern die Elbe passieren können.

 

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Hafenrundfahrten mit Barkassen und Fähren sind wieder möglich (Foto: Jérome Gerull)

 

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann sprach im Mai nach Verkündung der „Fahrrinnenanpassung“ von einem „guten Tag für den Hamburger Hafen, einen guten Tag für die deutsche Wirtschaft und last but not least einen guten Tag für die Umwelt“. Das ist mal eine Aussage. Die niederländischen Häfen Rotterdam und Antwerpen hängen Hamburg dennoch ab, sie vermarkten sich besser und seien für die Reedereien günstiger, erklärt unter anderem Jan Ninnemann, Logistik-Professor an der HSBA, in einem Interview mit der „Zeit“ vom Februar 2020. „Vielen Reedern ist der Hafen zu teuer und zu kompliziert“, fasst er darin die Lage zusammen.

Nur Reedereien freuen sich über volle Auftragsbücher. Die Nachfrage nach Containertransporten ist weltweit gestiegen, der Spritpreis gesunken. Allein Hapag- Lloyd verkündete einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro.

 

Hafen-Touren

 

Wer den Containerterminals nahekommen möchte, sollte eine Hafenrundfahrt in Erwägung ziehen oder alternativ eine Fahrt mit einer der HADAG-Fähren. Acht Linien verbinden die Landungsbrücken mit Neuhof (Linie 61), Finkenwerder (62), Teufelsbrück (64), Airbus-Anleger (68), Arningstraße (72), Ernst-August-Schleuse (73), Steinwerder (75) sowie Blankenese/ Cranz (HBEL). Fast zehn Millionen Fahrgäste werden von der HADAG pro Jahr transportiert. 26 Fähren sind hierzu im Einsatz. „Die HADAG ist ein klassisches ÖPNV-Unternehmen und zugleich wichtig für den Tourismus“, erklärt Vorstand Tobias Haack.

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Foto: HADAG

Seit drei Jahren leitet der studierte Schiffsbauingenieur aus dem Ruhrpott das Traditionsunternehmen. In Hamburg hatte er einst promoviert, dann zehn Jahre in Flensburg gearbeitet, unter anderem für die „Förde Reederei“. 2018 zog es ihn – nach einem Zwischenstopp in Seattle – nach Hamburg, zur HADAG. „Die Fähren haben eine immense Bedeutung. Jeder Hamburger kennt sie, ist das eine oder andere Mal schon damit gefahren.“

Die Linie 62 gilt als alternative Hafenrundfahrt für jene, die sich das Geplapper und ein paar Euro sparen wollen. Wer eine gültige HVV-Karte besitzt, darf ohne Aufschlag mitfahren. Auch die HADAG hatte im vergangenen Jahr Einbußen. Das Fahrgastaufkommen ging um etwa 40 Prozent zurück. Dennoch gab es „keine Kurzarbeit, keine Entlassungen, keine Covid-19-Infektionen“, sagt Haack, nicht ohne Stolz. Als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs fuhren die Fähren weiter – mit allen Linien, volles Programm. Haack ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass die Situation sich in diesem Sommer wieder bessert und die Zahlen sich normalisieren.“ Vor Kurzem besuchte er den Eröffnungsgottesdienst des Hafengeburtstags im Michel. Die Stimmung war betrübt, aber nicht frei von Hoffnung. Haack findet es gut, dass der Hafengeburtstag digital stattfand, „aber den Hafen muss man schon sehen, hören, riechen und schmecken“. Am besten natürlich auf einer Fähre oder bei einer klassischen Hafenrundfahrt. Was sonst? Schließlich war es das 1888 gegründete Traditionsunternehmen, dass die klassische Hafenrundfahrt erfand. 1921, vor genau 100 Jahren, fuhr die erste Barkasse von den Landungsbrücken ab. In diesem Jahr sollte eigentlich die große Jubiläumsfeier stattfinden. Wann es mit der Hafenrundfahrt nun wieder losgeht, weiß auch Herr Haack noch nicht: „Das ist alles im Fluss.“

Es ist die wohl einzig wahre Prognose, die man auch für die Entwicklung des Hafens abgeben kann. An der Brücke 10 schnappt sich eine Möwe einige Zwiebelringe, die zuvor von einem Fischbrötchen gefallen sind. Sie schaut sich kurz um, eine Fähre legt mit Schwung ab, schippert vorbei, eine Welle klatscht gegen die Hafenkante, eine zweite, eine dritte. Die Möwe nimmt zwei, drei Schritte Anlauf und fliegt davon. Möwe müsste man sein.


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Katharina Sieverding: Make-up, Close-up, Blow-up

Selbstikonisierung und Machtkritik – Katharina Sieverdings Bilderkosmos in Harburg

Text: Karin Schulze

 

Kleckern ist nicht ihr Ding. Von „Klotzen“ mag man bei den stilsicheren Fotoarbeiten von Katharina Sieverding auch nicht sprechen. Aber um Wucht (des Ausdrucks) und Überwältigung (des Betrachters) geht es schon im Werk der heute nach eigenen Angaben 80-Jährigen, und immer noch kantig und kraftvoll agierenden Künstlerin.

Die Formate ihrer Fotomontagen sind groß bis monumental. Ihre Motive, verpuppt mit eisiger Perfektion, sind plakativ und performativ: Die Welt ist hart und die Künstlerin ist es auch. Sie schießt zurück mit der Kamera und allerhand Reproduktionsverfahren: Sie nutzt Passbildautomaten, Röntgen- und Blutgerinnungsbilder, starke Überbelichtungen. Sie durchleuchtet, überblendet, huldigt der Alchemie der Dunkelkammer. Sie setzt ein Pressefoto der Trauerfeier für Mao radioaktiver Strahlung aus. Sie verschneidet eine Aufnahme vom Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit denen von KZ-Baracken, überblendet für ihr Global Desire ein Pressebild des Diktators und Knappheitsjongleurs Kim Jong-un mit der marktliberalen Begehrensökonomie eines Amazon-Lagers.

 

Attraktiv und androgyn

 

Fotografie ist für die Tochter einer Goldschmiedin und eines Radiologen entschieden eine Kunst des Lichts – und zwar eine, die schleichende Gefahren ans Licht bringt. Sonne, Strahlung, Macht sind ihre Themen: der Kalte Krieg, das atomare Waffengeklirre, die langen Schatten des Faschismus. Am überraschendsten ist eine frühe Videoarbeit von 1969, als sie noch neben Knoebel, Palermo und Immendorf in der Düsseldorfer Beuys-Klasse studierte und gegen die dort vorherrschende männliche Pinselkunst die Fotografie als ihr Medium entdeckte. Die Kamera tastet ihren Körper ab, während sie sich in malerisch melodramatischen Todesposen inszeniert. Die Tonspur setzt mit Kraftwerk-Klängen frostige Kontrapunkte.

Es wirkt, als habe Sieverding ihre Karriere (dreimalige documenta-Teilnahme, 1997 deutscher Pavillon bei der Venedig Biennale, Professur an der UdK Berlin) über ihrer eigenen Leiche gestartet. Als habe sie mit Life-Death ein für alle Mal Verletzbarkeit, Passivität, Ohnmacht – zumindest öffentlich – abgehandelt, um sich mit ihren vielen Selbstporträts gehärtet, gestählt und als aseptische Lichtfigur zu inszenieren und mit ihren gesellschaftskritischen Arbeiten einzutreten gegen die Bildermacht der Ideologien, Regime und Konzerne.

Als sie in jungen Jahren attraktiv und androgyn gestylt im Düsseldorfer Nachtleben jobbte, antwortete sie auf die anbandelnde Frage nach ihrem Namen, schon mal mit „Karl“. Noch heute tritt sie, inzwischen mitunter „Katharina die Starke“ genannt, geschminkt, mit streng zurückgenommenen roten Haaren, Sonnenbrille und in kantig schwarzer Klamotte auf. Changierende Geschlechtsidentitäten thematisiert auch ihre legendäre Arbeit TRANSFORMER von 1973/74, bei der sie ihre Gesichtszüge mit denen ihres Lebensgefährten Klaus Mettig verschmolz.

Sie ist in dem Raum der Sammlung Falckenberg, in den man von einem Treppenabsatz hinabguckt und der im Projektorlicht immer etwas von einem Aquarium hat, wundervoll per Vierkanal-Projektion als ungreifbar verschwimmendes Maskenspiel präsentiert. Überhaupt: Ein bisschen ist es, als haben die weitläufigen Räume, in denen sich weniger raumgreifende Arbeiten schon mal verlieren, auf die starken Bildfindungen der undurchdringlichen Durchdringerin gewartet.

Katharina Sieverding: Fotografien, Projektionen, Installationen 2020- 1966, Deichtorhallen Sammlung Falckenberg Harburg, bis 25.7.


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