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Große Sause zum 30.: Schmidts Tivoli feiert Geburtstag

Die Traditionsbühne Schmidts Tivoli hat genullt – und entsprechend gefeiert

Text: Erik Brandt-Höge

 

Was ist los, wenn Andy Grote, Udo Lindenberg, Rolf Zuckowski, Mary Roos, Michael Otremba, Christina Block, Gayle Tufts und Jane Comerford zusammenkommen, um ordentlich zu feiern? Etwas Großes! Am 1. September 2021 war dieses Große der 30. Geburtstag der Reeperbahn-Traditionsbühne Schmidts Tivoli. Die genannten zählten zu den 280 geladenen Gästen, die ein kunterbuntes Jubiläumsprogramm geboten bekamen – präsentiert von Gastgeber Corny Littmann, der das Schmidts Tivoli gemeinsam mit Prof. Norbert Aust und zwei Partnern am 1.9.1991 eröffnet hatte.

Unter anderem wurden Songs und Szenen aus „Heiße Ecke“ aufgeführt, dem St. Pauli-Musical, das nach anderthalb Jahren Corona-Pause wieder dauerhaft (dienstags bis sonntags) im Kieztheater zu erleben ist.

tivoli.de


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48h Wilhelmsburg: Viel Programm auf der Elbinsel

Vom 3. bis 5. September 2021 gibt es wieder viel Kultur und Musik in Wilhelmsburg, in diesem Jahr Open Air und On Air

Text: Felix Willeke

 

48h Wilhelmsburg ist schon fast ein Klassiker in Hamburg. Seit zwölf Jahren gibt es das Festival zwischen Norder- und Süderelbe. Vom 3. bis 5 September 2021 geht es auf der Elbinsel wieder rund. Es gibt Musik wie die von Die Tüddelband, Filmvorführungen wie von „Django – ein Leben für die Musik“, einen Musiker:innenflohmarkt, Ausstellungen wie das Femlab, reichlich Programm für Kinder und vieles mehr. Doch auch an 48h Wilhelmsburg geht die Corona-Lage nicht spurlos vorbei. Neben Open Air findet das Festival 2021 auch On Air statt. Vor Ort gibt es entlang von vier Spaziergängen, drei Wasserwegen und zwei Fahrradtouren Ausstellungen, Musik, Kunst und Kultur. Hinzu kommen sechs größere Konzertlocations: Dabei wartet „P+R Veddel“ mit Rockmusik auf, am Sportplatz des Vorwärts 98 Ost e.V. gibt es einen Mix aus Punk, Gipsy, HipHop und Swing zu hören und bei „Mozaiksounds im BUND Naturgarten“ kann man am Sonnabend einen Rhythmusworkshop besuchen.

 

48h Wilhelmsburg, 2021 auch On-Air

 

Da bei vielen kleineren Orten die Kapazität begrenzt ist, verlagert 48h Wilhelmsburg einen Teil des Festivals zusätzlich On Air: Es wird einige Live-Streams geben, die auf der eigenen Homepage oder bei TIDE zu sehen sind. Eröffnet wird das Festival ebenfalls online: Beim Stream aus der Minibar gibt es am 3.9. Techno von Turtur und die Deichdiele bietet eine digitale Plattenreise. Es gibt also auch in Zeiten der Pandemie in Wilhelmsburg 48 Stunden lang wieder viel zu erleben.

mvde.de/48h-wilhelmsburg


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Die altonale 2021: klein, kompakt und vielfältig

Vom 2. bis 19. September 2021 geht es in Altona um „Systemrelevanz“, so das Motto der altonale 2021

Text: Felix Willeke

 

Vielfältig wie immer, aber dank Corona auch etwas kompakter als gewohnt, das soll sie sein, die Altonale 2021. Unter dem Motto „Systemrelevanz“ gibt es bei dem Festival vom 2. bis 19. September 2021 wieder ein breites Programm. Die Konzentration liegt dabei auf den drei Wochenenden im September:

Emersound sorgt für die Musik bei der Eröffnung der Altonale 2021; Foto: altonale

Emersound sorgt für die Musik bei der Eröffnung der Altonale 2021; Foto: altonale

Am 4. und 5.9. gibt es die Infomeile, am 11. und 12.9. folgt der altonale kunstmarkt und am Abschlusswochenende (17. bis 19. 9.) gibt es dann wieder STAMP – das internationale Festival der Straßenkünste. Los geht es am 2. September mit Illuminationen der Berliner Lichtdesigner Nulight und Musik von Emersound rund um das Festivalzentrum am Altonaer Museum.

 

Systemerelevanz im Fokus

 

Im Verlauf der drei Wochen lädt auch altonale salon seine Besucher wieder zur Auseinandersetzung mit dem Festivalthema ein. Am 11.9. um 15 Uhr gibt es dazu im Altonaer Museum eine Podiumsdiskussion und Gespräche, gefolgt von Kurzfilmen. Neben der kunst altonale im Altonaer Museum spielen auch Literatur und Theater wieder eine Rolle: Gemeinsam mit dem Thalia Theater in der Gaußstraße bringt das Festival beispielsweise zum achten Mal das Format book.beat auf die Bühne (10.9. um 20 Uhr).

Jenobi sorgen für den Beat bei book.beat; Foto: By the sea Photography

Jenobi sorgen für den Beat bei book.beat; Foto: By the sea Photography

Auch die kleine Kunst ist wieder im ganzen Stadtteil zu sehen, bei „Altona macht auf!“ öffnen sich überall die „Sehnsuchtsfenster & Balkontheater“ und feiern unter dem Motto „Gib Altona Dein Gesicht!“ ihren 10. Geburtstag.

 

STAMP ist zurück

 

Zum Abschluss des dreiwöchigen Kulturmarathons dann also STAMP: im Park am Platz der Republik und in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt auf dem EU-Projekt LIBERTY, das sich an junge Künstler zwischen 18 und 30 Jahren richtet. Für alle Veranstaltungen der altonale 2021 – außer für die STAMP-Veranstaltungen – ist eine Anmeldung notwendig. Also egal, ob Literatur, Kunst, Musik, Performance oder Theater, im September führen (fast) alle Wege nach Altona.

altonale.de


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„Jetzt erst recht“: 11. Hamburger Club Awards

Am 25. August 2021 wurden die 11. Hamburger Club Awards verliehen, zum ersten mal Open Air im Schrødingers am Schanzenpark – mit glücklichen und verdienten Preisträger:innen

Text: Felix Willeke

 

Herrschte bei den 10. Hamburger Club Awards im Januar 2020 noch Aufbruchsstimmung, stand die 11. Ausgabe unter ganz anderen Vorzeichen: Kaum eine Branche wurde von der Pandemie derartig getroffen und ausgebremst wie die Kultur- und Clubszene. Deswegen fanden die 11. Hamburger Club Awards auch unter dem Motto „Jetzt erst recht“ statt. 2021 wurden Preise in fünf Kategorien vergeben: Bester Live-Stream 2020/2021, Bestes Open-Air-Event 2020/2021, Sonderpreis, die zerbrochene Gitarre und der Ehrenpreis.

 

Die Gewinner:innen

 

Der Sonderpreis ging 2021 an das Schrødingers im Schanzenpark; Foto: Charles Engelken

Der Sonderpreis ging 2021 an das Schrødingers im Schanzenpark; Foto: Charles Engelken

All Hands on Deck sicherte sich den Award für den besten Live-Stream 2020/2021. Am 22. Mai 2021 spielte das Kollektiv den ganzen Tag auf dem Hausboot von Fynn Kliemann und Olli Schulz, „eine bunte Mischung aus Musik, Interviews und Spaß“, so die Begründung der Jury. Außerdem wurden im Rahmen der Veranstaltung auch Spenden für #handforahand und #coronakuenstlerhilfe gesammelt.

Das Beste Open-Air-Event 2020/2021 fand laut der Jury in Planten un Blumen statt. Die Reihe Draussen im Grünen räumte den Preis ab. Im Musikpavillon der Parkanlage finden und fanden 2020 und 2021 Konzerte statt, die „die Fläche in Planten un Blomen neu denken, erschließen und mit einem breiten kulturellen Leben füllen“, so die Jury. Der Sonderpreis wurde ebenfalls von der neunköpfigen Expert:innen-Jury vergeben und ging an das Schrødingers im Schanzenpark. Die Jury würdigte neben dem Live-Spielort auch das „vielfältige gesellschaftliche Engagement des Teams rund um Claudia Mohr und John Schierhorn“, wie beispielsweise die wöchentliche Essensausgabe für bedürftige Menschen und das Fungieren als betreutes Zeltlager für wohnungslose Menschen im Winter.

 

Der Ehrenpreis und die zerbrochene Gitarre

 

Der Negativpreis die zerbrochene Gitarre ging 2021 an das Tanzverbot in der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg; Foto: Charles Engelken

Während die ersten drei Preise mit Preisgeldern von ingesamt 1.000 Euro dotiert waren und in Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien vergeben wurden, vergab das Clubkombinat mit dem Ehrenpreis und dem Negativpreis „die zerbrochene Gitarre“ auch zwei eigene Awards. Der Ehrenpreis ging dabei an die Behörde für Kultur und Medien und wurde stellvertretend durch den Kultursenator Carsten Brosda entgegengenommen. Damit würdigt das Clubkombinat die Arbeit der Behörde, die mit Förderprojekten wie dem Kultursommer  maßgeblich dazu beitragen, „dass Clubkultur in Corona Zeiten noch eine Überlebenschance hat“, so die Begründung.

Der Negativpreis „die zerbrochene Gitarre“ ging an das Tanzverbot in der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in der Freien und Hansestadt Hamburg. In seiner Begründung sagt das Clubkombinat unter anderem, dass aus seiner Sicht Tanzveranstaltungen unter Einhaltung von AHA-Regeln möglich sind, ohne hierbei den Gesundheitsschutz zu vernachlässigen.

 

Stimmen

 

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, lobte: „Diese besondere Ausgabe des Club Awards zeigt, wie wichtig die Clubkultur für Hamburg ist. Die Hamburger Clubszene prägt ganz wesentlich die Kulturstadt Hamburg. Der diesjährigen Ehrenpreis ist Ansporn, sich weiterhin gemeinsam für die vielfältige Kultur in Hamburg zu engagieren. Wir werden weiter miteinander im Gespräch bleiben, um sinnvolle Regelungen zu finden, mit denen das Infektionsrisiko begrenzt wird, die Kultur aber auch wieder wirklich aufleben kann. Vor allem aber kommt es jetzt darauf an, dass sich möglichst viele impfen lassen.“ Kai Schulz, 1. Vorsitzender des Clubkombinat Hamburg e.V., sagte: „Dass wir den Club Award in dieser Sonderausgabe veranstalten, ist für uns ein wichtiges Zeichen. Clubs sind Kultur – die viele Arbeit und das persönliche Engagement gilt es zu würdigen.”


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2G gleich A3: Ausgrenzung hoch drei

Das Vorhaben des Senats, Veranstaltern und Betreibern die Option zu geben, nur noch Geimpfte und Genesene zuzulassen, ist falsch. Ein Kommentar

Text: Erik Brandt-Höge

 

Die Senat’sche Corona-Politik bot freilich nicht bloß Glanzstunden. Dass etwa pickepackevolle Busse und Bahnen zu jedem Zeitpunkt seit Pandemiebeginn möglich waren, Gastronomen und Kulturschaffende mit tipptopp Sicherheits- und Hygienekonzepten hingegen zeitweise völlig in die Röhre gucken mussten, ist nur ein Beispiel der politischen Fehler. Nun soll es einen weiteren geben: das 2G-Optionsmodell.

Veranstalter und Betreiber bekommen ab kommenden Samstag, 28. August, die Chance, nur Geimpfte und Genesene in ihre Läden beziehungsweise zu ihren Veranstaltungen kommen zu lassen. Getestete wären also raus – ob sie nun in Zukunft für ihre Tests selbst zahlen müssen, oder nicht. Das ist schlichtweg Quatsch. Nicht nur, weil Geimpfte und Genesene weiterhin infektiös sein und erkranken können. Und weil Tests, auf die man doch von Seiten des Senats bisher so sehr vertraut hat, nicht schlechter werden. Sondern auch, weil Restaurants, Theater, Kinos, Konzertstätten für alle da sind. Niemand darf ausgegrenzt werden, weil er sich noch nicht impfen lassen wollte oder konnte, weil er noch nicht erkrankt und genesen ist. Jeder, der nachweisen kann, dass er nicht infiziert ist, muss auch dabei sein dürfen – überall, drinnen und draußen.

Und dass bei 2G-Veranstaltungen womöglich Auflagen wegfallen, etwa Maskenpflicht und Abstandsregeln, mag auf den ersten Blick reizvoll klingen, weil unter anderem wirtschaftlich attraktiv. Aber wer wünscht sich derzeit wirklich einen direkten Nachbarn im Kino oder Theater, 30 Zentimeter neben einem, zwei Stunden lang? Eher wenige. So weit sind die von der Pandemie und der dazugehörenden Senats-Politik geprägten Köpfe noch nicht. Die Nachfrage wird ausbleiben. Also: weg mit der 2G-Option, zurück zum 3G-Denken. Alles andere wäre Ausgrenzung hoch drei.


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Videokunst: Flimmern bei DHL

Künstlerische Expedition am Diebsteich: Stadtentwicklung im Spannungsfeld von Raum und Mensch

Text: Sabine Danek

 

Dieser Weg zur Kunst führt an einen wenig bekannten Ort: In das DHL Paket-Verteilzentrum am Diebsteich, dessen künftige Nutzung ungewiss ist, weil wie so oft, kulturelle Interesse ökonomischen entgegenstehen.

Mit diesem Ringen um Stadt, um Veränderung, Aneignung und Zerschlagung beschäftigen sich acht Videoarbeiten und Dokumentarfilme, die in der Heizzentrale des Paketzentrums einen vielfältigen Blick auf Räume und Menschen werfen, in Hamburger Stadtviertel und Berliner Fußgängerzonen führen, nach Kopenhagen und Chicago. Dort erforscht Doro Carl mit welchen Benachteiligungen man aufgrund seiner Herkunft zu kämpfen hat.

Das Kollektiv total refusal hingegen lässt Avatare durch dystopische Stadtlandschaften ziehen während Josephin Böttger, Markus Fiedler und Maren Grimm die ökonomischen Interesse freilegen, die hinter der Zerstörung und Neubebauung von Städten liegen und Moritz Herda das nächtliche Hamburg als Gratwanderung zwischen Verheißung und Bedrohung zeigt.

Räume und Menschen, Eröffnung: 20.8., 19–22 Uhr, mit einer Einführung von Dr. Claudia Reiche und der Performance ROLLATOR, Heizzentrale DHL Paketpost (Zugang über Isebekstraße), bis 5.9.


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Das Gängeviertel feiert 12. Geburtstag

Vom 19. bis 22. August 2021 feiert das Gängeviertel seinen 12. Geburtstag. Unter dem Motto „Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten“ gibt es Ausstellungen, Musik, Workshops und Lesungen

Text: Felix Willeke

 

Besonders in der Zeit der Pandemie bekam der Begriff Raum eine ganz neue Bedeutung: Sei es durch Verlagerung von Arbeitsraum, durch Verknappung von Raum durch eingeschränkte Bewegungsfreiheit oder durch fehlenden Raum für Künstler:innen. Hier setzt das Gängeviertel mit dem Motto „Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten“ zu seinem 12. Geburtstag vom 19. bis 22. August 2021 an. Musikalisch, performativ und diskursiv wollen sie etablierte und ungewohnte Ecken des Viertels ausleuchten.

 

Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und Musik

 

Das Programm reicht von Ausstellungen und Workshops über Lesungen bis zu Musik. Los ging es am Donnerstag, den 18. August 2021 mit einem Softopening, die Performance mit dem Titel „All my Loving“ orientierte sich an dem Roman „Wie wir begehren“ von Carolin Emcke. Dabei gingen sie auf eine kleine Zeitreise und verbanden die eigene Geschichte mit den Themen aus Emckes Buch. Das Ganze ist am Freitag um 18.30 Uhr nochmals zu sehen. Ebenfalls am Freitag ist unter anderem der Journalist und Autor Christoph Twickel mit einer Lesung und Podiumsdiskussion zum Thema Gentrifidingsbums 2021 zu Gast.

Am Sonntag liest Hengameh Yaghoobifarah aus ihrem Buch „Ministerium der Träume“. Darüber hinaus gibt es Musik von „Rapfugees“, „Knarf Rellöm“ und vielen anderen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos, bei vielen ist Corona-bedingt eine Voranmeldung nötig.

 

Das f.e.t.t. Kollektiv

 

Eines der Highlights des Geburtstags ist der interaktive Theater-Walk des f.e.t.t. Kollektiv. Das 2018 gegründete Kollektiv nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch das Internet. Dabei verarbeiten sie die Ambivalenzen dieses schier unendlichen Raumes mit einem interdisziplinären Team an Künstler:innen. Zu sehen nach Voranmeldung.

 

Das Gängeviertel auf der Suche

 

Mit diesem 12. Geburtstag beginnt für das Viertel eine neue Zeit: „Nachdem wir vor zwei Jahren den Erbpachtvertrag für 75 Jahre mit der Stadt abgeschlossen haben, haben wir unser Hauptziel erreicht: Das Gängeviertel zu retten. Nun geht es darum, sich zu überlegen, was für ein Ort wir in Zukunft sein wollen“, sagt Lena Frommeyer vom Gängeviertel. Als nächstes steht die Renovierung des vierten von zwölf Gebäuden an.

In einer Zeit der Wiederöffnung des kulturellen Lebens hat sich auch das Gängeviertel über die Förderung durch den Kultursommer gefreut. Sie wünschen sich allerdings, dass sich diese Förderung verstetigt. Das Viertel will sich unterdessen weiter öffnen und weiter entwickeln. „Wir sind eine Schlange, die sich gut häutet. Ständig kommen neue und oft auch junge Leute ins Viertel und prägen es. So lange wir immer wieder durch neue Ideen und Ansätze überrascht werden, dann geht es uns gut.“

Access All Spaces: Raum in all seinen Facetten, der 12. Geburtstag des Gängeviertels; 19. bis 22. August


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Zukunftsmusik: Der Sound der Hamburger Musikerin Sherly

Die Hamburger Sängerin Sherly sprach mit SZENE HAMBURG über ihren Sound, Stil und den Weg dorthin.

Text & Interview: Kevin Goonewardena

 

Mehr als ein Jahrzehnt hält die Renaissance des Neunziger R ‘n B nun schon an. Weiterentwickelt von Künstler:innen wie dem kanadischen Superstar The Weekend, FKA Twigs oder Frank Ocean als Future R ‘n B etikettiert, wird die melodiöse, verkitschte, oft chauvinistisch-sexuell aufgeladene, von nicht Wenigen heutzutage als trashig empfundene Musik von damals in eine progressive Variante zwischen Club, Pop und Vernissage verwandelt. Bei Fans und dem Feuilleton kommt das gleichermaßen an. Die Hamburger Musikerin Sheryl Verbindet verschieden Genre in ihrem Sound.

 

SZENE HAMBURG: Ein Blick auf deinen Instagram Account zeigt sofort: Hier hat man es mit jemandem mit einem urbanen, aber sehr eigenen Stil zu tun. Ein Stil der neugierig macht.

Sherly: Mittlerweile greift alles ineinander: die Musik, meine Leidenschaft für das Tanzen, die visuelle Erscheinung. Das war natürlich ein langer Weg dahin und der Prozess dauert nicht nur an, er wird ja auch nie abgeschlossen sein.

Vor allem deine Outfits stechen heraus. 

Ich habe das Glück dass mir eine befreundete Designerin (@lenavoutta, Anmerk. des Verfassers) viele Sachen auf den Leib schneidert. Einzelstücke, die ich dann tragen darf.

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Dein Sound ist sehr elektronisch. Allerdings nicht in der Art, dass du auf eine elektronisch Melodie etwas souliges singen würdest, sondern streckenweise sehr experimentell, brüchig. Wie hat sich dieser über die Jahre entwickelt und wo hast du musikalisch begonnen?

Wenn ich ganz weit zurückgehe, dann habe ich schon früh angefangen zu singen, bin als Schülerin auf Hochzeiten und Galas in allen erdenklichen Kombinationen aufgetreten: Solo, als Teil eines Duos, mit Band. Ich habe Coversongs gesungen, eigene hatte ich da noch nicht. Hauptsache es war soulig.

Wann hast du angefangen an eigenen Stücken zu arbeiten ?

Ich hatte schon länger selbstgeschriebene Texte in der Schublade, aber es war am Anfang schwer für mich für die Songs die richtige Instrumentierung, die richtigen Leute zu finden. Ein Kumpel hat mir dann den Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) empfohlen, der wichtig für das Networken war. Das war praktisch der Start für meine eigene Musik, denn dort habe ich die richtigen Leute gefunden. 2015 habe ich das erste Konzert mit eigener Musik gegeben.

Der Sound dürfte damals noch ein anderer gewesen sein. Wie hörte sich deine Musik anfangs an?

Anfangs klang ich noch viel weniger elektronisch, mein Sound war organischer. Es gab Gitarren und viel echte Drums. Damals lag der Fokus meiner Musik noch sehr auf Melodie und Text. Ich mag das auch immer noch, aber irgendwann hatte ich das Bedürfnis, was anderes zu machen. Ich wollte auch, dass es auf den Konzerten abgeht.

Gab es einen Anstoß, vielleicht einen Moment durch den langsam der Weiterentwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde?

Das Tanzen war ein großer Einfluss für mich, auch für die Weiterentwicklung meines Sounds. Ich komme aus der rhythmischen Sportgymnastik, habe Wettkämpfe bestritten und mich dann irgendwann HipHop, Dancehall und anderen Tanzstilen zugewandt, weil man rhythmische Sportgymnastik irgendwann nicht mehr machen kann – das ist eigentlich ein Sport für Kinder und Jugendliche. Über die jeweiligen Tänze habe ich mich auch der entsprechenden Musik zugewandt und mich mehr damit beschäftigt.

Und musikalisch?

Kaytranada war ein großer Einfluss, denn er hat es geschafft schöne Melodien mit tanzbaren Beats zu vereinen. Ich finde, oft hat in moderner Musik die Stimme kaum Platz und wenn doch, dann sind die Songs sehr poppig. Bei ihm ist das anders. Auch NAO und Kelela finde ich gut, fresher Sound, kein klassischer R ‘n B wie früher.

Was möchtest du durch deine Musik transportieren, was möchtest du weitergeben?

Musikalisch versuche ich aus meinen Einflüssen von früher und heute etwas Neues zu kreieren, das auch gleichzeitig mich abbildet und dabei die neuen, technischen Möglichkeiten zu nutzen, die wir haben.

Und thematisch? Gibt es so etwas wie eine Message?

Es gibt keine explizite Message, ich möchte weder die Künstlerin sein, die sich ständig zu allem äußert, noch die, die wichtige Themen unserer Zeit nicht behandelt. Es gibt immer wieder Stücke, die ernste, aktuelle Themen behandeln, wenn diese mich bewegen und ich was dazu sagen möchte.

Beispielsweise „Faster, Better, Stronger“: In dem Lied geht es um den Selbstoptimierungswahn, dem viele heutzutage unterliegen. In einem anderen Song geht es darum, dass wir vieles geschehen lassen, obwohl wir sehen was passiert, da wir auch ein Stück weit überfordert sind mit der Welt in der wir leben und dem was passiert – mich eingeschlossen. Die Texte sind allgemein gehalten. Sie sollen eine Gültigkeit über das Hier und Jetzt hinaus besitzen und sich nicht auf etwas beziehen, was morgen vorbei und eventuell vergessen ist.

Was planst du für die Zukunft?

So viel wie möglich live spielen und natürlich neue Musik erarbeiten und veröffentlichen – ein Album ist allerdings nicht geplant. Ich mag es, wenn jeder Song für sich stehen kann. Auch hören die Leute heute eher einzelne Songs von Künstler:innen, anstatt ganze Alben.

Sherly ist am 13. August im Rahmen des Kultursommers im Künstlerhaus Faktor, Max-Brauer-Allee 229, 22769 Hamburg, bei der Serie “In The Mix” live zu erleben.


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