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Atmen: Von wegen nur Luft!

Von biblischen Metaphern zu Black Lives Matter: „Atmen“ ist die erste große Ausstellung weltweit, die zu diesem Thema Werke der Alten Meister mit der Kunst der Gegenwart zusammenbringt. Ein Gespräch mit der Kuratorin Brigitte Kölle über die politische Dimension des Atmens, kontaminierte Seifenblasen und Pandemie – und warum es ein gutes Zeichen ist, wenn wir nicht auf unseren Atem achten

Interview: Sabine Danek

 

SZENE HAMBURG: Brigitte Kölle, die Ausstellung „Atmen“ spannt einen beeindruckend weiten Bogen. Wie ist er entstanden?

Brigitte Kölle: In den letzten Jahren habe ich eine Reihe von Ausstellungen an der Kunsthalle kuratiert, die sich mit gesellschaftlich relevanten, teils auch tabuisierten Themen beschäftigen. „Besser scheitern“ machte den Anfang, dann kam „Warten“, dann „Trauern“. Für „Atmen“ habe ich meine Kollegin Sandra Pisot, die in der Kunsthalle die Sammlung der Alten Meister betreut, gefragt, ob wir nicht die Ausstellung gemeinsam machen wollen. Ich finde es spannend zu untersuchen, wie sich Künstler:innen mit kollektiven Erfahrungen auseinandersetzen – und wie sie das über die Jahrhunderte hinweg tun.

Hat sich das Bild des Atems über die Jahrhunderte grundsätzlich verändert?

Vieles von dem, was unsere Sicht bestimmt, ist schon vor Jahrhunderten angelegt. Beispielsweise das Verständnis des Atmens als Lebensspender, als Zeichen der Kreativität und Inspiration, als Voraussetzung für Kommunikation und Sprache. Die Problematisierung des Atmens hat sich heute jedoch verschärft: Umweltverschmutzung, Industrialisierung, der ungleiche Zugang zu frischer Luft, die Luft als Medium der Kontrolle, der Disziplinierung und der rassistischen Gewalt und vieles mehr. Das Atmen hat eine gesellschaftspolitische Relevanz und diese tritt heute deutlicher zutage. Und natürlich haben sich die Medien und Formen der Kunst selbst verändert. Wo es früher Bilder und Skulpturen gab, gibt es jetzt Soundpieces, Videos, Fotografien, Rauminstallationen, performative Werke.

„Das Atmen ist unsere unmittelbarste Beziehung zur Welt“

Sie sagen, dass „Atmen immer eine – mehr oder weniger offensichtliche – gesellschaftspolitische Aussage trifft“.

Es ist entscheidend, ob die Atmung als ein allgemeines Recht aller verstanden wird oder ein ungleich verteiltes Gut ist. Das haben wir in der Pandemie in der Frage nach dem Zugang zu nötigen Beatmungsgeräten erfahren. Und nicht von ungefähr ist der Satz „I can’t breathe“ zu einer sprichwörtlichen Anklage von institutioneller, rassistischer Gewalt geworden.

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Markus Schinwald: Phoebe, 2017 (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Gerade auch durch die Pandemie ist der Atem viel stärker in unserer Bewusstsein gelang. Gibt es Arbeiten, die das thematisieren?

Am stärksten – so finde ich persönlich – ist unsere Erfahrung von Corona in den Bildern von Markus Schinwald erlebbar, die er interessanterweise jedoch einige Jahre vor COVID-19 angefertigt hat. Es sind alte Porträts, in die Schinwald Masken, Zangen, Stützen malerisch eingefügt hat. Das Interessante dabei ist jedoch nicht die Parallele zu den Attributen der Pandemie, sondern der Riss in unserer Beziehung zur Welt, den Corona erzeugt hat und für den Schinwald eine Bildsprache entwickelt hat. Das Atmen ist, wie es der Soziologe Hartmut Rosa formulierte, unsere unmittelbarste Beziehung zur Welt. Diese unhinterfragte, und oft unbewusste Form der Wechselbeziehung ist nun infrage gestellt worden.

„Vielleicht versuchen manche sogar die Luft anzuhalten“

Die Ausstellung erstreckt sich durch weite Teile der Kunsthalle. Zentral ist die radikale Installation von Teresa Margolles.

„En el Air“ ist eine unglaublich bezaubernde und zugleich schockierende Arbeit. Sie besteht aus Seifenblasen, die im Lichthof der Galerie der Gegenwart auf die Besucher:innen fallen. Schillernd, leicht, verführerisch. Doch die Seifenlauge ist mit einem Stoff infiziert, der wiederum mit den Orten von Gewalttaten in Berührung gekommen ist. Plötzlich bekommen die schönen Seifenblasen etwas Bedrohliches, Kontaminiertes. Wir können ihnen jedoch nicht ausweichen, sie zerplatzen auf unserer Haut, unserer Kleidung. Vielleicht versuchen manche sogar die Luft anzuhalten, um sie nicht einzuatmen, aber wir spüren, dass wir uns nicht entziehen können. Dass alles miteinander zusammenhängt und nicht unabhängig voneinander existiert. Von jeher sind Seifenblasen ein Sinnbild für die Vergänglichkeit des Lebens. Teresa Margolles fügt dem eine zwingende Komponente hinzu, die uns keine Möglichkeit zur Flucht gibt.

Auch Forensic Architecture haben eines ihrer Werke auf die Schau zugeschnitten.

Mit ihrer Arbeit „Cloud Studies“ untersucht Forensic Architecture Formen der Kriegsführung von Staaten und Unternehmen durch die Luft. Herbizide, Tränengas, Phosphor – allesamt Substanzen, die sich schlecht nachweisen lassen, da sie ihre Form verändern und eh fast unsichtbar sind. Anhand von Wolkenformationen versucht Forensic Architecture diese bildlich „zu fassen“ und zieht hier Parallelen zur Tradition der Wolkenbilder in der Kunstgeschichte. Wir haben daher ganz bewusst romantische Wolkenstudien von Caspar David Friedrich und anderen daneben gehängt. Plötzlich sieht man die so vertrauten Bilder mit anderen Augen!

Andreas Greiner hingegen hat, wie manche andere, extra eine Arbeit entwickelt.

Auf dem Vorplatz der Hamburger Kunsthalle stehen zwei riesige Platanen. Letzten Herbst haben wir Samenkugeln gesammelt, die Andreas Greiner in seinem Berliner Atelier über einige Monate gehegt und gepflegt hat. Die inzwischen ungefähr 15 cm großen Setzlinge sind in schwarze NASA-Säcke gepackt, die von der Decke hängen und gleichsam im Raum schweben. Sie begrüßen die Besucher:innen und machen auf den Kreislauf von Sauerstoff- und Kohlendioxid-Produktion aufmerksam, auf das faszinierende, aber auch fragile Ineinandergreifen von Mensch und Natur.

Lee Ufan koppelt den Malprozess an seinen eigenen Atem

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Natalie Czech: True Fact, 2020 (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Gibt es ein Werk, das Sie besonders überrascht hat?

Heute haben wir einen Raum mit Arbeiten von Lee Ufan eingerichtet. Er koppelt den Malprozess an seinen eigenen Atem: Beim Ausatmen setzt er einen Pinselstrich auf die Leinwand. Das sind sehr reduzierte und minimalistische, ja meditative Arbeiten, die eine enorme Präsenz im Raum entwickeln. Ungeheuer stark. Und es ist schon verrückt zu erleben, wie man intuitiv und emphatisch den eigenen Atemrhythmus dem des Künstlers angleicht.

In die Stadt hinein wird Jenny Holzers Arbeit „I can’t breathe“ leuchten, die an die Wand der Galerie der Gegenwart projiziert wird. Wie kam es dazu?

Jenny Holzer ist mit ihrem LED-Laufband, das sie bei Einrichtung der Galerie der Gegenwart vor 25 Jahren anbrachte, der Kunsthalle sehr verbunden. In der Ausstellung sind drei kleine bronzene Textarbeiten zu sehen. Und am 19. November wird sie eine riesige Außenprojektion auf die Galerie der Gegenwart werfen, die sie so noch nie realisiert hat: Es sind die letzten Worte von George Floyd und viele Namen der Opfer von rassistischer Gewalt. Das ist eine ephemere Arbeit, aber ein starkes Statement. Wegsehen geht nicht.

Wird man nach dem Besuch der Ausstellung anders auf seinen Atmen achten?

Ja, ganz bestimmt. Aber dann werden wir das Atmen auch wieder vergessen. Das ist doch gerade das Faszinierende: Wenn wir nicht auf unseren Atem achten, wenn er einfach so vonstattengeht ohne viel Beachtung oder Aufhebens, dann ist alles in Ordnung.

„Atmen“, noch bis zum 15. Januar 2023 in der Hamburger Kunsthalle


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Kulturfestival arabesques: Woher kommt Freiheit?

Zum 11. Mal findet das deutsch-französische Kulturfestival arabesques 2022 statt. In diesem Jahr gibt es bis in den Dezember über 50 Veranstaltungen in und um Hamburg

Text: Erik Brandt-Höge

 

Corona-bedingt in die zweite Jahreshälfte verschoben, geht das deutsch-französische Kulturfestival arabesques vom 30. September bis 15. Dezember 2022 in die nächste, nunmehr elfte Runde. Thema dieses Mal: „Métamorphose II: Freiheit – Liberté“. Es soll versucht werden, herauszufinden, woher die Freiheit kommen kann, um einen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. Die Initiatoren bringen in einem Programm von mehr als 50 Veranstaltungen erneut französische und deutsche Künstler und Künstlerinnen in Hamburg zusammen. Von Theater über Literatur und Film bis Sport ist allerhand dabei.

So gibt es zum Beispiel am 1. Oktober Chanson von der aus Toulouse stammenden Sängerin Mélinée mit ihrer Band. Am 6. Oktober folgt mit dem Ensemble arabesques & Ariel Zuckermann und ihrer „Werkstatt des Lebens“ im Großen Saal der Elbphilharmonie eines der Highlights. Das Ensemble ist im November noch zweimal im Rahmen des Kulturfestival arabesques zu sehen: Einmal in der Laeiszhalle und einmal in Buchholz in der Nordheide. Den Abschluss bilden dann am 15. Dezember Clara Pazzini und ihre dreiköpfige Band mit „Pazzini’s Christmas Show“.


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Reeperbahn Festival: Große Sause auf St. Pauli

Nach zwei Pandemie-Editionen brachte das 17. Reeperbahn Festival wieder die volle Ladung Musik auf den Kiez

Text: Janine Pylypchuk 

 

Das größte Club-Festival Europas ist zurück, wie man es kennt: laut, bunt und bestens besucht. Rund 41.000 Besucher:innen lockte das Reeperbahn Festival vom 21. bis 24. September 2022 auf den Kiez. Über 400 Konzerte von Künstler:innen aus mehr als 40 Ländern, zudem 80 Veranstaltungen u.a. aus Kunst und Film: Der Kiez wurde zum Rummelplatz für Live-Kultur-Fans. Ein Highlight: Das Überraschungskonzert von Kraftklub am Mittwoch auf der abgesperrten Reeperbahn vor circa 10.000 Menschen. Auch das Fachpublikum kam auf seine Kosten, etwa 4.300 Kulturschaffende konnten sich über ein ausgedehntes Konferenzprogramm aus Networking-Events, Showcases und Preisverleihungen freuen.

ANCHOR-Award geht an Cassia

Cassia – ANCHOR Award 2022 ©Ilona Henne2-klein

Das Trio Cassia aus Manchester gewann den ANCHOR Award 2022 (Foto: Ilona Henne)

Apropos Preisverleihungen: Den begehrten ANCHOR – Reeperbahn Festival International Music Award erhielt das britische Trio Cassia. Eine Jury, bestehend aus Joy Denalane, Bill Kaulitz, Pabllo Vittar, Pelle Almqvist, Tayla Parx und Tony Visconti, zeichnete die Band aus Manchester am 24. September auf der ANCHOR-Gala aus.

 

Nachdem das erste Festival unter nicht-pandemie Bedingungen erfolgreich zu Ende gegangen ist, freut sich der Kiez schon auf das nächste Reeperbahn Festival, vom 20. bis 23. September 2023. Tickets für die Early Birds gibt es schon jetzt.

Hier der Auftritt der ANCHOR-Gewinner von Cassia:


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Oriel Quartett: in Kollaboration 3 mit Luz y Sombra

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Am 8. Oktober gibt es Tango Nuevo von Astor Piazzolla, gespielt vom Oriel Quartett. SZENE HAMBURG verlost 2 x 2 Tickets

Gemeinsam mit dem Tango-Trio Luz y Sombra (Violine, Klarinette, Klavier) präsentiert das Oriel Quartett ein Programm, dass sich der Musik des Tango Nuevo Komponisten Astor Piazzolla widmet. Das Konzertprogramm beleuchtet Piazzollas umfangreiches Lebenswerk von Kompositionen seiner Jugendjahre bis hin zum zeitgenössischen Tango Nuevo, der von den großen klassischen Bühnen der Welt nicht mehr wegzudenken ist. Gemeinsam spielen beide Ensembles Bearbeitungen von Piazzollas Werken sowie Musik, auf die sich der Komponist immer wieder bezogen hat und und die hörbar Einfluss auf seine Kompositionsweise hatte. Dazu zählt zum Beispiel die kontrapunktische Musik Johann Sabastian Bachs oder Werke von Bela Bartok und Igor Strawinsky.

Bach und Strawinsky

Nur wenige Jahre vor seinem Tod hörte Piazzolla in New York ein Konzert des Kronos Quartetts, das ihn stark inspirierte. Auf dem Programm stand damals unter anderem das 1. Streichquartett von Kevin Volans. Kurz darauf komponierte Piazzolla das Stück Four for Tango für Streichquartett sowie die Five Tango Sensation für Bandoneon und Streichquartett. Im Wechsel mit Bearbeitungen von Piazzollas Werken für die gemeinsame Besetzung des Oriel Quartetts mit dem Trio Luz y Sombra erklingen in diesem Konzert die drei kurzen Stücke für Streichquartett von Strawinsky, ein Satz aus dem Volans Streichquartett und eine Fuge aus Bachs Die Kunst der Fuge.

„Das Oriel Quartett spielt Tango Nuevo“, am 8. Oktober ab 19.30 Uhr in der Alfred Schnittke Akademie International

SZENE HAMBURG verlost für das Konzert 2 x 2 Karten. Einfach eine E-Mail mit Name und Betreff „Oriel Quartett“ bis 3.10. an verlosung@szene-hamburg.com


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Hippocampus Kunstfestival: Skulpturen-Projekt

Das Hippocampus Kunstfestival bringt zusammen mit dem Verein „Hallo“ und der Galerie Oel-Früh Kunst an ungewöhnliche Orte

Text: Sabine Danek 

Der gemeinnützige Verein „Hallo“ macht unzugängliche Orte für die Öffentlichkeit nutzbar. In diesem Sommer gemeinsam mit der Galerie Oel-Früh und dem Hippocampus Kunstfestival, das jetzt in seine zweite Runde geht. Benannt nach einem zentralen Teil unseres Gehirns, der in seiner Form dem Seepferdchen gleicht, steht er für Impulse, für lebenslanges Lernen und ein Miteinander.

Ein Zeichen setzen

Das Festival findet auf dem Vereinsgelände der alteingesessenen und engagierten Rudervereinigung Bille statt, die von städtebaulichen Veränderungen bedroht ist. Auch darauf möchte das Festival aufmerksam machen – und das mit einem Skulpturen-Projekt auf einer Grünfläche, die sich zwischen einer stark befahrenen Straße, dem Billebecken und dem Vereinshaus befindet.

Das Who is Who der Kunstszene

Ein Who is Who der Kunstszene ist dort vertreten: Die Bühne für die verschiedenen Konzerte besteht aus einer Sozial-Skulptur von Jan Köchermann, die gleichzeitig Pavillon und Erholungsort ist. Eine Soundinstallation von Felix Mayer simmert aus den Bäumen, Marc Einsiedel und Felix Jung entwickeln eine ortspezifische Skulptur, Minú errichtet Skatespots und Supinice lassen eine aufblasbare Skulptur schweben. Das sind nur einige der Arbeiten und dazu gibt es Live-Musik und All-Stars DJ-Sets und zur Finissage wird es dampfen. Da werden die Heilkräuter, die Julia Nordholz während der Ausstellung als Skulptur hat wachsen lassen, geerntet, als Saunaaufguss verwendet und als Tee gereicht.

Hippocampus Kunstfestival: Skulpturen Projekte. 17. bis 24. September 2022 auf der Grünfläche Bei der Grünen Brücke 3. Eröffnung am 17. September ab 15 Uhr, Finissage am 24. September ab 15 Uhr, dazwischen täglich bis 24 Uhr geöffnet


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Binnenalster-Filmfest: Großes Kino in großer Kulisse

Beim Binnenalster-Filmfest im Spätsommer ist wieder Zeit für vier Abende Freilichtkino am Jungfernstieg

Text: Marco Arellano Gomes 

 

Im Spätsommer findet das Binnenalster-Filmfest statt. Vom 15. bis zum 18. September 2022 verwandelt eine schwimmende Leinwand direkt auf der Binnenalster den Jungfernstieg in ein Freilichtkino. Platz wird auf der Treppe der Promenade genommen. Auf dem Programm stehen die Filme „Manche mögen’s heiß“ mit Marilyn Monroe (15. September), die Liebeskomödie „Harry und Sally“ mit Meg Ryan und Billy Crystal (16. September), Georges Bizets Oper „Carmen“, zur Spielzeit-Eröffnung der Staatsoper Hamburg, (17. September) und „Pappa ante Portas“ von Kultkomiker Loriot (18. September). Gastronomische Angebote sorgen für das leibliche Wohl. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei. Das Binnenalster-Filmfest wird vom City Management Hamburg, dem Filmfest Hamburg und dem Verein Lebendiger Jungfernstieg e.V. organisiert.

 


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833. Hafengeburtstag: Leinen los!

Nach zweijähriger Corona-Pause wird der Hafengeburtstag vom 16. bis 18. September 2022 mit einem vielfältigen Programm gefeiert. In diesem Jahr gibt es einige Highlights, aber auch Veränderungen

Text: Johanna Zobel 

 

Zum 833. Hafengeburtstag heißt es „Leinen los – wir feiern wieder“. Mitte September schippern rund 300 Schiffe über die Elbe, lassen das Wasser über die Hafenkante schwappen und übertönen mit lauten Hupen sogar das Möwengeschrei. Vor allem bei der Ein- und Auslaufparade sind unzählige Schiffe zu sehen. „Es fällt mir allerdings schwer, jetzt genau zu sagen, wie viele Schiffe es insgesamt sein werden“, sagt Andrea Heyden, Pressesprecherin Hafengeburtstag Hamburg. Denn auch private Segelschiffe und Motorboote dürfen kurzfristig bei den großen Paraden dabei sein. Sicher ist aber: Der Großsegler „Dar Mlodziezy“, ein polnisches 3-Mast-Vollschiff, wird die Auslaufparade anführen. Einige Schiffe werden aufgrund der EU-Sanktionen gegen Russland werden jedoch fehlen: „Die russischen Großsegler dürfen die EU-Häfen nicht mehr anlaufen. Die russische Mir darf zum Beispiel nicht kommen“, so Heyden, „Seit ihrer Indienststellung 1987 ist sie seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast beim Hafengeburtstag Hamburg.“

Der Hafengeburtstag wird nachgefeiert

Trotz Corona, Krieg und Krise findet der Hafengeburtstag nach zwei Jahren Pause endlich wieder statt. Dass einige Schiffe fehlen, ist nicht die einzige Veränderung dieses Jahres. Seit 1977 feiert die Hansestadt den Hafengeburtstag immer im Mai – anlässlich der Gründung des Hamburger Hafens am 7. Mai 1189. Pandemiebedingt findet er diesmal im Spätsommer statt, vom 16. bis zum 18. September 2022.

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Die Ein- und Auslaufparade gehört Jahr für jahr zu den großen Highlights beim Hafengeburtstag (Foto: Mediaserver Hamburg/Jörg Modrow)

Wie das Publikum den neuen Termin annimmt, ist noch unklar. „Wir sind selber sehr gespannt, weil der Hafengeburtstag jetzt im September stattfindet. Anderes Wetter, andere Lichtverhältnisse. Pandemisch wissen wir auch nicht, was sich da tut“, so Heyden. Laut dem Deutschen Wetterdienst sollten die Temperaturen der Veranstaltung aber nicht im Wege stehen: Im Mai herrschen Durchschnittstemperaturen von 13 Grad, im September ist es sogar minimal wärmer mit durchschnittlichen 14 Grad. Allerdings sind die Tage kürzer, die Sonne geht früher unter. Auch andere Faktoren könnten den diesjährigen Hafengeburtstag beeinflussen, vermutet Heyden: „Viele waren vielleicht schon im Urlaub. Es kann sein, dass die Leute kein Geld mehr haben oder wegen der Pandemie nicht kommen.“

Programm-Highlights auf dem Hamburger Hafengeburtstag 

Neben der traditionellen Ein- und Auslaufparade hat der Hafengeburtstag ein vollgepacktes Programm. Beim Schlepperballett am zweiten Festtag, zeigen die wuchtigen Schiffe wie sie zu klassischer Musik über das Wasser gleiten. Die Darbietung wird nur zum Hafengeburtstag aufgeführt und ist weltweit die einzige ihrer Art. Musik gibt es zusätzlich an verschiedensten Orten. Mehr als zehn Bühnen schaffen Raum für alle Musikgeschmäcker – ob Rock, Jazz, Klassik oder maritimes vom Shanty Chor. Neu in diesem Jahr: Das Harbour Beatz, ein Elektro-Festival, das an allen drei Festtagen zum Raven direkt neben der Elbe einlädt. Ein Zeichen für ein tolerantes Fest: Nahe des Fähranlegers Altona bietet die Harbour Pride eine Plattform zum Austausch für die LGBTQIA-Szene und Freunde. Freitag und Samstag von 10 bis 24 Uhr sowie Sonntag von 10 bis 21 Uhr stehen verschiedene Künstler auf der Bühne. 

Weltoffen, maritim und unterhaltsam 

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Das Schlepperballett gehört zum Hafengeburtstag wie der Michel zu Hamburg (Foto: Hamburg Messe und Congress/Nicolas Maack)

Während des Hafengeburtstages 2017 wurde im Auftrag der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation eine repräsentative Besucherumfrage durchgeführt. Demnach stehen die Zeichen für ein erfolgreiches Fest sehr gut. Denn der Hamburger Hafengeburtstag, das größte Hafenfest weltweit, zieht viele Besucherinnen und Besucher an – 2017 insgesamt eine Million. Viele von ihnen sind kommen immer wieder (57 Prozent). 91 Prozent aller Besucherinnen und Besucher würden den Hafengeburtstag „bestimmt oder wahrscheinlich“ weiterempfehlen. 63 Prozent planten 2017 zudem einen erneuten Besuch. Vielleicht ja in diesem Jahr. Dann gibt es wieder ein umfangreiches Programm auf dem Wasser und am Land. Etwa mit kostenlosen Live-Konzerten, Besichtigungen auf Schiffen oder Vorführungen auf dem Wasser. Abwechslung wird hier groß geschrieben. Für die meisten Besucherinnen und Besucher ist der Hafengeburtstag aber vor allem weltoffen, maritim und unterhaltsam.

Kulinarisches Fest

Und natürlich lohnt sich der Besuch immer für das Essen! Die große Hafenmeile hat kulinarisch eigentlich alles, was das Herz begehrt: Pizza, Pommes, Pasta und jede Menge Drinks. Auch auf der Sonderfläche des jährlich wechselnden Länderpartners gibt es viel zu entdecken und schlemmen. In diesem Jahr zeigt Kroatien, was die mediterrane Küche zu bieten hat. Vielleicht bereiten die Anbieterinnen und Anbieter dieses Jahr dann auch einige Highlights der kroatischen Küche zu. Dazu zählen etwa Cevapcici (gegrillte, würzige Röllchen aus Hackfleisch) oder Peka (Fleisch oder Meeresspezialitäten, die unter einer Glocke gegart werden). Nur 30 Prozent der Hafengeburtstag-Besucher kommen aus Hamburg, vor allem für die Hamburger Hotellerie ist diese Zeit zusätzlich gewinnbringend. Etwas mehr als die Hälfte der auswärtigen Besucherinnen und Besucher entscheiden sich für eine Übernachtung in der Hansestadt. Auch der Hamburger Gastronomie bringt das Vorteile. Laut der Besucherumfrage unternehmen 67 Prozent noch Weiteres in der Stadt, besuchen etwa Sehenswürdigkeiten oder Restaurants. Dafür wird Geld in die Hand genommen: 2017 lag bei knapp 50 Prozent der auswärtigen Gäste das Budget bei mehr als 250 Euro. 

Auch wenn in diesem Jahr ein paar Veränderungen und Unsicherheiten mitschwingen: Der Hafengeburtstag gehört zu Hamburg wie der Michel, die Elbe oder eben der Hafen selbst. Und vor allem bietet er Unterhaltung, dem stimmten 2017 zumindest 63 Prozent der Besucherinnen und Besucher voll zu. Auch Andrea Heyden blickt mit Vorfreude auf das Event: „Es ist schön für die Besucherinnen und Besucher, mal wieder die Seele baumeln zu lassen, andere Eindrücke zu gewinnen, zu genießen und vielleicht die Probleme für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Das ist ja auch mal wichtig in den Zeiten, die wir gerade haben.“

 


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„Es gibt nichts Reduzierteres als etwas aufzuschieben“

Seit über 20 Jahren sind sowohl Rasmus Engler als auch Jan Müller eng verwoben mit der Hamburger Musikszene. Nun haben die beiden Freunde ihren ersten gemeinsamen Roman „Vorglühen“ veröffentlicht, der – standesgemäß – in der Hamburger Musik­szene spielt. Und zwar im Jahr 1994

Interview: Daniel Schieferdecker

SZENE HAMBURG: Jan und Rasmus, wo und wie habt ihr euch kennengelernt?

Jan: 1998 war das. In einer Bar namens Snoopys Eck in Hamburg-Bahrenfeld. Dort spielte die Indieband Graf Zahl, Freunde von Rasmus. Organisiert war der Gig damals übrigens von unserem gemeinsamen Freund Thees Uhlmann. Ich bin nach einem Konzert der Rolling Stones da hin, da lag die Party aber bereits in den letzten Wehen. Von da aus startete dann aber noch eine sehr ausgiebige Tour durchs Hamburger Nachtleben – der Beginn einer bis heute andauernden Freundschaft.

Ihr habt auch mal zusammengewohnt, oder?

Jan: Ja, in einer WG in der Thalstraße 24; eine Adresse, die auch in „Vorglühen“ eine gewisse Rolle spielt.
Rasmus: Rein zufällig natürlich.

War das auch die Zeit, in der ihr angefangen habt, gemeinsam Musik zu machen?

Jan: Ja. 2001 kam die erste Single von Das Bierbeben.

„Wir wollten das Buch aber auf jeden Fall in der Vergangenheit ansiedeln, vor der Verbreitung von Mobiltelefonen und des Internets“

Jan Müller

Rasmus: Damals waren wir noch sehr angetrieben von jugendlicher Langeweile.
Jan: Unser Leben war auf jeden Fall sehr anders als heute. Ich hatte meine Band Tocotronic, mit der ich ein Auskommen hatte, Rasmus hat noch studiert. Damals konnten wir noch ein bisschen mehr in den Tag hinein- leben als heute. Für „Vorglühen“ war es uns aber wichtig, diese Zeit zu fiktionalisieren und nicht nur Erlebtes aufzuschreiben. Das hätte ich als zu fantasielos empfunden. Wir wollten das Buch aber auf jeden Fall in der Vergangenheit ansiedeln, vor der Verbreitung von Mobiltelefonen und des Internets.

Warum? Ein bekannter Tocotronic- Song und -Slogan lautet schließlich „Digital ist besser“?

Jan: Der Satz war damals bereits als Provokation gedacht. Das Digitale war in der Underground-Szene ja das Feindbild. Aber vieles, was wir im Roman konstruiert haben, wäre nach der Digitalisierung in der Form gar nicht mehr möglich gewesen. Die Probleme, die Liebesgeschichte und die Freundschaft im Roman sind aber natürlich zeitlos.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, gemeinsam ein Buch zu schreiben?

Rasmus: Das stand schon sehr lange zur Debatte. Und eines Tages kam dann unser Literaturagent von außen mit einer Idee auf uns zu …
Jan: Ein Lob an Daniel Wichmann.
Rasmus: …, durch die das Projekt plötzlich konkret wurde und Gestalt annahm.
Jan: Musizieren ist schon toll, aber diese ganzen Instrumente, Verstärker, Kompositionen – das ist auch alles Ballast. Ich fand daher die Idee schön, sich mal auf das Wesentliche zu beschränken. Es gibt ja nichts Reduzierteres, als irgendetwas aufzuschreiben. Und das mit Rasmus zu tun, fand ich toll.

War es schwierig, gemeinsam so einen Roman zu schreiben?

Rasmus: Nein, im Gegenteil. Durch das Imprägniert sein in Bands kennen wir das Arbeiten im Kollektiv ja sehr gut. Es verlief daher genauso offen und chaotisch wie die Arbeit an einer Platte.

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„Vorglühen“, 384 Seiten, Ullstein, 21,99 Euro (Cover: ullstein)


Jan: In der Literatur gibt es natürlich den Nimbus des Schriftstellers, der ganz alleine etwas schafft – weil es ja auch so ist, dass man im Grunde nichts anderes braucht als Papier und Stift. Das aufzubrechen, fand ich aber interessant. Mittlerweile wissen wir auch oft gar nicht mehr, wer eigentlich was geschrieben hat. Das ging sogar so weit, dass ich Rasmus mal für eine Formulierung total gelobt habe, und der mir dann sagte: „Danke, aber ehrlich gesagt: Das hast du selbst geschrieben.“

Welche Formulierung war das?

Jan: Im Buch bezeichnet die alte Dame, bei der der Protagonist wohnt, dessen Verstärker immer als Lautsprecher. Das ist letztlich nur ’ne Kleinigkeit, aber diese Kleinigkeiten machen ein gutes Buch eben aus.

Gab es denn etwas, das eure literarische von der musikalischen Arbeit deutlich unterschieden hat?

Rasmus: Es gab keine Bandproben.
Jan: Und ich fand es viel schwieriger, ein Ende zu finden. Unser Lektor hat irgendwann gesagt: „Stopp! Ihr seid fertig.“

Was hat es so schwer gemacht?

Jan: Weil ein Buch, zumindest für mich, noch eine andere Autorität hat als ein Tonträger. Ich habe mehr Respekt davor.
Rasmus: Das Medium selbst erlaubt sich auch mehr Dynamik.

„Große Dinge passieren nur dann, wenn die Leute sich des Ausmaßes ihres Tuns als solches im Moment nicht bewusst sind“

Rasmus Engler

Im Klappentext eures Buches steht, das Buch gehe unter anderem um das „elektrisierende Gefühl, an dem Ort zu sein, an dem gerade etwas ganz Großes entsteht“. Wie oft habt ihr dieses Gefühl in eurem Leben selbst schon erlebt?

Rasmus: Das Ding ist ja: Menschen, die in so einem Moment dabei sind, wissen es währenddessen nicht. Große Dinge passieren nur dann, wenn die Leute sich des Ausmaßes ihres Tuns als solches im Moment nicht bewusst sind. Wer behauptet, live bei etwas ganz Großem dabei zu sein, ist entweder reif für die Klapse oder ein Vollidiot.
Jan: Ausgenommen sind allerdings Negativereignisse. 11. September. Oder der 24. Februar, als der Krieg in der Ukraine losging. Da war jedem klar, dass eine Zeitenwende anbricht.

Wie war das denn im Rückblick bei der Formung der Hamburger Schule, Jan?

Jan: Ach, damals haben sich viele Leute wichtiger genommen als sie wa- ren. Ich bin natürlich sehr froh, dass mein Leben mit der Band so verlaufen ist, aber ob ich das als etwas ganz Großes bezeichnen würde? Ich weiß nicht. Weder Dirk von Lowtzow, Arne Zank oder ich sind Elvis Presley oder die Beatles.

„Es ist eher der Zeitgeist, der nah an der Wirklichkeit ist, nicht die Figuren“

Jan Müller

Wie viel Autobiografisches steckt im Roman?

Rasmus: Wir haben versucht, das unter einem Prozent zu halten.
Jan: Es ist eher der Zeitgeist, der nah an der Wirklichkeit ist, nicht die Figuren. Der Roman ist in sehr reduzierter Form ja eine Heldenreise mit einer Entwicklung, und die sollte ausgedacht sein. Alles andere hätte ich als langweilig empfunden.

„Vorglühen“ ist ein schöner Titel. Wann habt ihr das letzte Mal vorgeglüht und wo seid ihr danach hingegangen?

Jan: Das muss in den Nullerjahren gewesen sein. Damals war ich sehr elektronikaffin, und das geht ja immer erst so spät los. Da habe ich tatsächlich öfter mal vorgeglüht, weil das nicht mein Stammterritorium war und ich mir dadurch häufig ein bisschen Mut angetrunken habe, um mich auf die Tanzfläche zu wagen.

Ein fertiges Album in Händen zu halten, ist für euch mittlerweile sicher nichts Besonderes mehr. War das beim ersten – gemeinsamen – Buch nun anders?

Rasmus: Die Kartons mit den Buchexemplaren für uns, die wir vom Verlag bekommen haben, sind auf jeden Fall sehr viel dicker und schwerer als bei Platten. Als mir der DHL-Bote das Paket in die Hand gedrückt hat, bin ich fast zusammengeklappt.
Jan: Und dabei war bloß ein Exemplar drin. (lacht)


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Premiere beim Hamburger Buchhandlungspreis

Im Rahmen der Langen Nacht der Literatur wurden am 5. September 2022, erstmals drei Buchhandlungen mit dem Hamburger Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Die Preise gingen nach Hamm, Harburg und Eimsbüttel

Text: Katharina Stertzenbach 

 

Seit 2014 verleiht die Behörde für Kultur und Medien alle zwei Jahre den Hamburger Buchhandlungspreis an besonders engagierte, inhabergeführte Buchhandlungen. Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, betrachtet den Preis als „ehrenwerten Wanderpokal“ und fügt hinzu: „Der Buchhandlungspreis zeigt, wie lebendig die Orte der Literatur in den Hamburger Stadtteilen sind. Wir möchten mit der Auszeichnung ein Zeichen setzen und die wichtige Arbeit würdigen, die jede:r Buchhändler:in täglich leistet bei Lesungen und als kultureller Herzensort ihrer Stadtteile.“

Höhepunkt der Langen Nacht der Literatur

Zum feierlichen Höhepunkt der Langen Nacht der Literatur 2022 wurden am 5. September in der Hamburger Kunsthalle die „Buchhandlung am Sand“, die „Buchhandlung Seitenweise“ und der „Buchlanden Osterstraße“ mit dem Hamburger Buchhandlungspreis ausgezeichnet und erhielten ein Preisgeld 4.000 Euro. Bis in den späten Abend wurden die Preisträger:innen von zahlreiche Buchhänderler-Kolleg:innen, Literaturexpert:innen und Gästen gefeiert.

Die Jury

Die Jury des Hamburger Buchhandlungspreises, bestehend aus Thomas Andre (Hamburger Abendblatt), Daniela Dobernigg (cohen + dobernigg Buchhandel, Preisträgerin 2021), Dr. Antje Flemming (Behörde für Kultur und Medien), Volker Petri (Börsenverein des deutschen Buchhandels), Prof. Dr. Rainer Moritz (Literaturhaus Hamburg), Frauke Untiedt (Bücherhallen Hamburg) und Katja Weise (NDR Kultur), hatte zehn Buchhandlungen nominiert. Entschieden hat sich die Jury erstmals für drei Preisträger:innen.

Drei kulturelle Herzensorte ausgezeichnet

Die Buchhandlung Seitenweise in Hamm ist eine kleine, feine Buchhandlung und aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken. Unweit der S-Bahn Hasselbrook führt Alexandra Kröger seit 2020 diese Institution im Stadtteil. Trotzdem sind ihre Vorgängerinnen Beatrix Holtmann und Elke Ehlert nicht weg. Sie stehen immer noch regelmäßig hinter dem Ladentisch.

Die Buchhandlung am Sand in Harburg wird seit rund 20 Jahren von Katrin Schmitt und ihrem Mann Georg geführt. In der Hölertwiete haben die beiden und ihr engagiertes Team seit 2020 sogar noch mehr Platz. Der Laden wurde vor zwei Jahren um 150 Quadratmeter, einen ebenerdigen Eingang und eine zweite Kasse erweitert.

„Lesen fängt links an“ ist Motto und Auftrag zugleich für den Buchladen Osterstraße in Eimsbüttel. Seit 1978 ist die Buchhandlung Treff- und Anlaufpunkt für politische Literatur, auch über Eimsbüttel hinaus. Wie auch die Buchhandlung am Sand und die Kolleginnen in Hamm war die Pandemie keine einfache Zeit für das Trio um Torsten Meinicke, Ute Meyer und Bettina Wittich. Aber da geht es ihnen, wie vielen und sie selbst sagten 2021 Frei nach Giuseppe Tomasi di Lampedusa: „Alles muss sich ändern, damit alles so bleibt, wie es ist.“

 


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Udo Lindenberg wird Hamburger Ehrenbürger

Kirsten Boie, John Neumeier, Siegfried Lenz und jetzt Udo Lindenberg. Der „Panikrocker“ soll am Mittwoch den 7. September 2022 Hamburger Ehrenbürger werden

Text: Erik Brandt-Höge

 

Udo Lindenberg hat gefühlt fast jeden Preis erhalten. Für sein menschliches und politisches Engagement und freilich für seine kulturellen Verdienste. Schließlich hat er der deuschsprachigern Rockmusik Erfolge im In- und Ausland beschert sowie unzählige Künstler:innen aus allen musikalischen Genres in ihrem Schaffen beeinflusst, textlich wie klangästhetisch. Jetzt bekommt der 76-Jährige eine Auszeichnung, die ihm tatsächlich noch fehlt: die Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg. Vorgeschlagen hatte das Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher bereits im Mai 2021, zu Lindenbergs 75. Am Mittwoch, den 7. September 2022  wird die Bürgerschaft über einen entsprechenden Senatsantrag abstimmen, danach wird es einen Festakt im Rathaus geben. Einen Livestream zum Festakt wird es beim NDR geben.


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