Tintanic II

Die Clubkinder stechen am 3.9. mit dem Südstaatendampfer MS Mississippi Queen in See – mit 15 Tätowierern an Bord

Tom-Sawyer-Feeling auf der Elbe – Die Clubkinder stechen mit dem Südstaatendampfer MS Mississippi Queen in See. Mit an Bord: 15 Tätowierer, Burlesque-Tänzerinnen vom Queen Calavera, Speisen von Salt & Silver, reichlich Bier sowie Livemusik von Rocksin und den DJs Herr Neumann von der Smutje Soul Night und Grimzilla vom Hafenklang. Die Erlöse der Tintanic II werden an ein soziales Projekt in Hamburg gespendet.

Alle Infos auf einem Blick:

Sa, 3.9., Boarding 18, Abfahrt 19, Aftershowparty ab 22 Uhr Open End, 19 Euro

Tintanic II vonJulia Schwendner

Das Schiff: MS Mississippi Queen
Der Ort: Überseebrücke (U-Bahn-Baumwall)
Die Tätowierer: SuperStarDestroyer & Friends: Diana Söregi, Boss Timo Kube und “Alex” von Inked Culture Tattoo, “Bernd” von Deep RootsTattoo, “SIGNE” von www.signetattoo.com, “Voytee” und Kes Onervon Alte Liebe Tätowierungen, Soe Sezuki von Ride On Tattoo (eine der wenigen, wenn nicht die einzige Frau, die von der “Familie” in Japan ausgebildet wurde), Swann Schilling von Downtown Tattoo sowie “Jabba” Peter Preinesberger, Tattoos by “SU”Matteo Massaro Tattoo, Marco Lopez, Philipp List und Hari Union the Tattooist, der auch das Plakat zum Event (sehr ihr unten) gestaltet hat.

Die Verpflegung: Tacos und weitere Schmankerl der südamerikanischen Straßenküche von Salt & Silver
Die Band: Rockiges von ROCKSIN
Die DJs: Herr Neumann von der Smutje Soul Night & GrimZilla vom Hafenklang & 20 Flight Rock
Die Tickets: gibt es online für 19 Euro hier

Fotos: Julia Schwendner

Tintanic Hamburg Plakat

Die tausend Seiten einer Freundschaft

Lektor oder Autor – wer ist hier der Künstler? Das hochkarätig besetzte Biopic “Genius” läuft aktuell im Hamburger Kino und ist sehr sehenswert

Wessen Leistung wiegt mehr: die des übersprudelnden Autoren, der seine blühende Prosa in dicken Bündeln handgeschriebener Seiten beim Verlag ankarrt? Oder diejenige des besonnenen Lektoren, der als Mentor und Vaterfigur den maßlosen Freigeist in zähem Ringen zu Kürzungen und Korrekturen überredet, um den unüberschaubaren Wust von Ideen zwischen zwei Buchdeckeln unterzubringen? „Erschafft“ der eine, während der andere lediglich „zurechtstutzt“? Oder gebührt die Ehre gerade dem Mann im Schatten des Dichters, dessen Name später lediglich im Kleingedruckten des Impressums auftauchen wird? Wer bei diesem literarischen Zweikampf der wahre „Genius“ ist, lässt der Filmtitel bewusst offen.

Colin Firth spielt den stets in sich ruhenden Lektor Max- well Perkins (nie ohne seinen Fedora-Hut auf dem Kopf) und Jude Law brilliert, stets auf dem schmalen Grat zum overacting, als narzisstischer Schriftsteller Thomas Wolfe. In nuancenreichen Szenen, in denen beide wie Raubkatze und Löwenbändiger um Textstellen kämpfen, wird die Arbeit an Wolfes ersten zwei Romanen „Look Homeward, Angel!“ (1929) und „Of Time And The River“ (1935) dargestellt.

Das Herzensprojekt des Drehbuchautors John Logan wurde von Theater-Regisseur Michael Grandage umgesetzt, der erstmals fürs Kino arbeitete. Ihm gebührt die Ehre, endlich mal einen Schriftsteller-Film gemacht zu haben, in dem es nicht primär um Liebesaffären, Drogensucht und Exzess geht (also all das, was der Autor tut, wenn er gerade nicht arbeitet), sondern um den Prozess des Schreibens an sich. Das historische Setting New Yorks fängt der Film zurückhaltend, aber sehr effektvoll ein.

Nicole Kidman (als Wolfes reife Geliebte) und Laura Linney (als Perkinsí Ehefrau) überzeugen darstellerisch als leidgeprüfte Frauen im Schatten der Alpha-Männchen. Abgerundet wird das Ganze durch Gastauftritte von Guy Pearce als F. Scott Fitzgerald und Dominic West als Ernest Hemingway – zwei weitere Autoren, die der echte Maxwell Perkins zu literarischen Superstars formte.

Text: Calle Claus

Regie: Michael Grandage. Mit Colin Firth, Jude Law, Nicole Kidman, Laura Linney

Im Hamburger Kino:
1.9., 21 Uhr, Magazin Filmkunsttheater (Winterhude)
2.9., 2.30 Uhr, Magazin Filmkunsttheater (Winterhude)
1.9., 18 Uhr, Magazin Filmkunsttheater (Winterhude)

Jannes Wochenrückblick Vol. 69

Kolumne: Einfach eine Ode an den Sommer in Hamburg

Heute und morgen nimmt er sich eine kleine Auszeit, um dann schöner als je zuvor (nämlich mit gereinigter Luft, gerade für mich als Asthmatiker nicht unwesentlich) zurückzukommen. Was war Hamburg, was waren die Hamburger nicht schön und gut gelaunt die letzten Tage?

Alle sozialen Medien voll des Lobes. Alle Wiesen, Parks und öffentliche Plätze voller Liebe und Freundschaft. Ob grün oder blau oder grau, jeder hat sich im echten Leben verabredet und nicht ins Smartphone gelebt. Ein jeder war irgendwo am Wasser. Für solche Tage sind die Elbe, die Alster und alle Fleete in Hamburg gemacht. Stand Up Paddling, Kajaks, Tretboote. Schwimmbäder mit Dreier, Decke und Schwimmbad-Pommes. Danach eine bunte Tüte, ein Eis oder eine Capri Sonne.

Es wird draußen gegessen, draußen getrunken und draußen getanzt. Nicht nur auf Open Airs, sondern plötzlich in der ganzen Stadt. Reservierte Hamburger? Mitnichten. Reservieren musste man diese Woche eher im Beach Club, beim Bootsverleih oder im Biergarten. Kann man nur nicht. Zum Glück, denn Sommer ist auch: spontan sein. Auf dass es heute Nacht so schön gemütlich an die Fenster tropft und morgen, spätestens Dienstag wieder alles gut ist. Wieder Sommer ist.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder. Jannes

Foto: Julia Schwendner

 

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Mein Viertel: Eppendorf

Versteckte Orte, beste Bars, nervige Klischees: Autoren der SZENE HAMBURG zeigen in unserer neuen Serie ihre Hood. Diesmal: Eppendorf

Es gibt unzählige Stadtführer für Touristen, aber viel zu wenig gute Hamburgtipps für uns Menschen, die hier leben. 14 Autor*innen der SZENE HAMBURG wollen das ändern und plaudern aus dem Nähkästchen. Sie porträtieren jeweils den Stadtteil, in dem sie leben in einem Steckbrief – von Blankenese über St. Pauli bis nach Wilhelmsburg. Dabei räumen sie mit alten Klischees auf und stricken neue. Sie verraten welche Ecken nerven und welche Orte sie lieben, wo es schmackhaftes Junkfood gibt oder was der beste Soundtrack für ihren Stadtteil wäre, wo der ideale Platz für ein romantisches Date ist und welchen Termin man sich für ihre Hood vormerken sollte

Foto: Philipp Jung

Musikredakteur Erik Brandt-Höge ist gerade erst vom Kiez nach Eppideppidorf gezogen. Hier genießt er die Ruhe, sein Balkonien und irgendwie auch die Gediegenheit der Alster

Da gehen alle hin: Holthusenbad, ein solides Wasser- und Wellness-Areal

Da gehe ich hin: Siehe 1., aber nur bei gutem Wetter draußen, mit Zeitung, Pommes und Bier und nur mit Zehen im Wasser

Bestes Junkfood: Pizza Pasta Parandeh in der Löwenstraße. Starker Zettel-Italiener, superfix und superlecker

Auf welches kalte Getränk wohin: Auf eine Capri-Sonne am Wasser entlang Richtung Winterhude. Natürlich nicht wegen Winterhude

Total überschätzt: Eppendorfer Marktplatz. Was ist da denn schon?

Total unterschätzt: Der alte Basketballkorb neben dem Spielplatz im Wendloher Weg. Auf einen Sonntagnachmittag nie verkehrt

Exotischste Ecke: Der Wasserturm. Der gehört, genau genommen, schon zu Lokstedt. Über 100 Jahre alt, mehr als 50 Meter hoch, und es gibt sogar zwei Privatwohnungen darin

Kulturell wertvoll: Fricke 46, eine Eckkneipe, in der Studis und Oldies zusammen abhängen

Diesen Termin für August vormerken: 27. August, Nachbarschaftsfest im Eppendorfer Weg, zwischen Lehmweg und Hoheluftchaussee

Ort zum Knutschen oder fürs erste Date: Bootshaus Silwar an der Alster (siehe Foto). Ist das älteste seiner Art in Hamburg, und wenn man in Eppendorf Romantisches anzetteln will, dann hier

Neu und beachtenswert: Neu sieht hier irgendwie alles aus, ist es deshalb aber nicht. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der unnötige Eppendorfer Hang zur Sauberkeit bis hin zur Sterilität

Was wir brauchen: Dreck, wir brauchen Dreck!

Worauf wir verzichten könn(t)en: Läden mit überteuertem hanseatischen Krimskrams, in den nur Leute gehen, für die echte Hanseatik, nun ja, eben zu dreckig ist

Wenn mein Stadtteil eine Band wäre: Modern Talking, ist leider so, manchmal aber auch ganz cool

Grüne Lunge des Stadtteils: Eppendorfer Park, mit sehr gepflegten Wiesen. Ist auch ein guter Ort zum Laufen

Klischee trifft Wirklichkeit: Ziemlich eppideppischickimickimäßig ist es an der Eppendorfer Landstraße. Anekdote aus einem dortigen Sportgeschäft: „Warum sind Ihre Fußbälle so viel teurer als in allen anderen Hamburger Sportgeschäften?“ „Weil die Leute hier so viel mehr Geld haben“

Straßenkreuzung des Todes: Ich berichtige, es gibt doch was am Eppendorfer Marktplatz


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Jannes Wochenrückblick Vol. 68

Kolumne: Stadtfestivals! An diesem Wochenende waren das Dockville und das Elbriot. Jannes sagt Danke und fasst zusammen

An dem Elbriot und dem Dockville erkennt man perfekt die tollen Vorzüge eines neuen Trends: Festivals mitten in der Großstadt.

Gut, das Dockville ist für viele Schubladen-Hamburger nun unterhalb der Elbe und damit könnte es genauso gut in Niedersachsen, Dänemark oder Süditalien sein – man fährt ja immerhin ganze drei Stationen vom Hauptbahnhof oder 12 Minuten mit dem Rad durch den Alten Elbtunnel. Und neu ist das Dockville in seinem zehnten Jahr auch nicht gerade. Aber Ihr wisst, was ich meine.

Das Elbriot holt immerhin im vierten Jahr Metal-Größen wie Slayer, Machine Head oder Mastodon auf das Gelände am Großmarkt. Ein Konzept, das ebenso funktioniert wie das buntere Dockville: über 15.000 Metalheads in schwarzen Band-Shirts bevölkerten das Elbriot. Und unseren clubkinder Spendenstand (jedes Jahr Rekordsummen von den überaus sozialen Metallern). Und unsere Aftershowparty Unterm Strich. Aber ich weiche ab.

Es gibt zu beiden Anlässen und anderen tollen Stadtfestivals ja auch jede Menge auswärtige Gäste, aber ist es nicht schön, abends nach der letzten Band, nach dem letzten Rumcola, nach der letzten Umarmung heimzufahren, zu duschen und morgens frisch und sauber und mit gutem Kaffee und Spiegelei intus wieder auf’s Gelände zu fahren? Ich liebe das. Und dafür liebe ich auch die Veranstalter, die Jahr für Jahr das finanzielle Risiko plus jede Menge zusätzliche Organisations-to-dos auf sich nehmen, um uns Headliner und zigtausend Gleichgesinnte zu präsentieren. Danke!

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder. Jannes

Foto: Julia Schwendner

 

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Geniale Kochbücher aus Hamburg

Stoff für bibliophile Koch-Enthusiasten: Diese Bücher bringen uns exotische Gerichte, Open-Air-Küche und Ideen von Tauschern und Teilern auf den Tisch

Refugee-Küche: Rezepte aus der Ferne ganz nah

Kiezkueche_Refugees_WelcomeRezepte und Geschichten von Menschen aus aller Welt, die in Hamburg und Berlin ein neues Zuhause gefunden haben, wurden für das neue Kochbuch „Kiezküche // Refugees Welcome“ gesammelt. So lernen wir nicht nur wie man afghanische Mantus, eritreischen Schmortopf oder syrischen Freitagspudding kocht, wir erfahren auch etwas über wertvolle Initiativen wie das Welcome Dinner Hamburg. Die Erlöse aus den Verkäufen gehen an Flüchtlingsprojekte. Die hübsche Lektüre ist übrigens gemeinsam mit dem FC St. Pauli entstanden, der sich besonders für nach Hamburg geflüchtete Menschen engagiert. Ganz nach dem Mooto: You’ll never cook alone … / LEN

„Kiezküche // Refugees Welcome“: 24,90 Euro, erhältlich über den Onlineshop


Open Air-Rezepte: Das Festival & Camping-Kochbuch

Open Air Kueche Hamburg Stevan PauliAuf zur großen Freiheit: Stevan Paul, gelernter Koch, liebt es seit eh und je, auf Reisen und unterwegs zu sein, am Strand, in den Bergen oder auf einem Musikfestival. Einzig das schreckliche Essen trübte seine Freude. Sein Koch- und Rezeptbuch entstand gewisser- maßen aus Notwehr. Selbst mit Grill und Gaskocher, so ist er überzeugt, muss es nicht zur kulinarischen Komplettverwahrlosung kommen. 20 Jahre Camping-Küchenerfahrung sind in dem 256 Seiten starken Band mit Fotos versammelt. Die Rezept-Ideen reichen vom festivaltauglichen Frühstück über „Dosenravioli gepimpt“ bis zur smarten Bloody Mary oder zu köstlichen Grillideen. Mit den Fotos von Daniela Haug ist es dem Team gelungen, Zeitgeist und Lebensgefühl der Generation Food & Festival einzufangen.

Stevan Paul, Daniela Haug: „Open Air – Das Festival & Camping-Kochbuch“, Brandstätter Verlag 2016, 256 Seiten, 29,90 Euro, erhältlich über den Onlineshop


Tauscher & Teiler: Die besten Food-Swap-Rezepte aus Hamburg

Food Swap HamburgVöllig Fremde treffen sich an einer langen Tafel und essen gemeinsam, was sie mitgebracht haben. Yelda Yilmaz und Swantje Havermann haben solche „Food Swaps“ nach Hamburg geholt und veröffentlichten die besten Rezepte und ihre Geschichten in einem Buch. Darunter Gerichte wie Nudeln mit Petersilienpesto, Paprikapüree oder Brot mit karamellisierten Walnüssen und Rosmarin – zum gemeinsam Probieren, Teilen und an der Tafel genießen. Der Trend wurde übrigens aus den USA importiert. Für das Buch made in Hamburg ist die regionale Kost hübsch in Szene gesetzt – ein schmuckes Geschenk für alle Köche und die wachsende Community an Tauschern und Teilern. / MAE

Swantje Havermann, Yelda Yilmaz: „Food Swap – Selbst gemachte Köstlichkeiten zum Tauschen und Teilen“, Edel Germany Verlag, 224 Seiten, 19,95 Euro,erhältlich über den Onlineshop

Mein Viertel: St. Pauli

Versteckte Orte, beste Bars, nervige Klischees: Autoren der SZENE HAMBURG zeigen in unserer neuen Serie ihre Hood. Diesmal: St. Pauli

Es gibt unzählige Stadtführer für Touristen, aber viel zu wenig gute Hamburgtipps für uns Menschen, die hier leben. 14 Autor*innen der SZENE HAMBURG wollen das ändern und plaudern aus dem Nähkästchen. Sie porträtieren jeweils den Stadtteil, in dem sie leben in einem Steckbrief – von Blankenese über St. Pauli bis nach Wilhelmsburg. Dabei räumen sie mit alten Klischees auf und stricken neue. Sie verraten welche Ecken nerven und welche Orte sie lieben, wo es schmackhaftes Junkfood gibt oder was der beste Soundtrack für ihren Stadtteil wäre, wo der ideale Platz für ein romantisches Date ist und welchen Termin man sich für ihre Hood vormerken sollte

Foto: Philipp Jung

Nachtlebenredakteur Ole Masch und Layouterin Julia Kleinwächter leben beide auf dem Kiez und hängen hier auch mal zusammen ab

Da gehen alle hin: Auf das Dixi-Klo beim Park Fiction

Da gehe ich hin: Zum Kiosk Mittenmang, auf die Promenade der Erholung und in die Südkurve

Bestes Junkfood: Ein Matjesbrötchen von Eier-Carl am Fischmarkt

Auf welches kalte Getränk wohin: Auf einen Gehängten in den Otzentreff

Total überschätzt: Das Rumlungern vor der Tabakbörse am Grünen Jäger

Total unterschätzt: Die Beachlounge im Feuerstein. Abhängen im Sandkasten hinter der Hecke

Exotischste Ecke: Bar 20up – exotisch im eigentlichen Wortsinn: fremdartig

Kulturell wertvoll: Affenfaust-Galerie. Urban & Contemporary Art im ehemaligen Aldi, Paul-Roosen Straße 43

Ort zum Knutschen oder fürs erste Date: Der Stintfang-Hügel oberhalb der Landungsbrücken. Südländisches Flair des Weinbergs und immer was zu gucken – im Zweifelsfall kann man jederzeit über das Treiben im Hamburger Hafen fachsimpeln, bevor peinliches Schweigen entsteht. Getränke, Knabberzeug und Kaugummis gibt’s am U-Bahn-Kiosk

Neu und beachtenswert: Die DripBar in der Antonistraße. Drip Brew-Kaffee kennt mittlerweile jeder, ab sofort sind „gedrippte“ Drinks der neue kalte Scheiß. Kostprobe: Mayribi Gin & Tonic (fevertree) – Bombay Sapphire gedrippt über marokkanische Minze, Kardamom & Grapefruitzeste

Was wir brauchen: Den Pudel zurück! Klappt zum Glück!

Worauf wir verzichten könn(t)en: Hundescheiße, Pisse & Glasscherben = Schlagermove, JGAs und Gefahrengebiete

Wenn mein Stadtteil ein Song wäre: „Should I stay or should I go“ von The Clash

Prunkbau: Medienfassade am Klubhaus

Bester Biergarten: „Heiße Ecke“ vor der Davidwache

Bestes Fortbewegungsmittel: Sicherheitsschuhe

Wenn mein Stadtteil ein Tier wäre: Ein begossener Pudel. Ehrlich-versiffter Stadtteil-Stolz


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Hang zur großen Show

„Wir sind die Vertreter des Kosovo im Hamburger Amateurfußball“, sagt Besir Kasami, Spieler des Klub Kosova – zu dessen Aufstiegsfeier sogar ein Botschafter nach Wilhelmsburg kam

Natürlich pflegte Amir Ukshini (23) vom Klub Kosova selbst im letzten Saisonspiel seine persönliche Tradition: Beim entscheidenden Kick um den Aufstieg gegen Schwarzenbek sank der Angreifer zu Boden. Ukshini brüllte. Der Physiotherapeut sprintete. Viele der 300 Zuschauer amüsierten sich. Trainer Thorsten Beyer blickte zur Uhr. „Schon nach 48 Sekunden am Boden zu liegen, ist ein neuer Rekord“, stellte Beyer fest.

Der legendäre „Amir-Ukshini-Sportplatz-Schrei“ darf nicht fehlen, wenn Kosova antritt. Bald werden ihn noch mehr Leute hören. Kosova machte an jenem 6. Mai auf dem heimischen Sportplatz an der Wilhelmsburger Dratelnstraße mit einem 4:0 den Aufstieg in die Oberliga perfekt. 2009 spielte der Verein noch in der Kreisliga (8. Liga) und ist nun der erste kosovarische Club in der Geschichte der höchsten Spielklasse Hamburgs.

Allein die Ansammlung der Typen, die den 1977 gegründeten Verein prägen, ist den Besuch eines Spiels wert. Zum Beispiel Agonis Krasniqi (21). Der Mittelfeldspieler identifiziert sich außerordentlich mit Real Madrids Superstar Christiano Ronaldo, inklusive dessen Hang zur großen Show. Schießt Krasniqi ein Tor, zelebriert er den Jubel am Seitenrand mit seiner Familie –mit skurrilen Folgen: Nach seinem 1:0 im Landesligaspiel bei Dersimspor am 17. April suchte Krasniqi unter den 500 Zuschauern minutenlang seine Lieben.

Der überragende Torwart Sebastian Menzel , privat ein ruhiger Typ, ist nach Siegen der Chef am Megafon. Er ist ein Publikumsliebling, genauso wie Besir Kasami (28) und Burhan Bedrolli (27), die schon seit Kreisligazeiten im Club kicken. Kasami gründete nebenbei sogar eine albanische Freizeitmannschaft. „Wir sind die Vertreter des Kosovo im Hamburger Amateurfußball“, sagt er.

Und tatsächlich: Zur Aufstiegsfeier kamen der stellvertretende Botschafter und der Gesundheitsminister des Kosovo und machten Vereinsboss Arton Mazrekaj (35) mächtig stolz. „Wir sind ein Team, ich bin das Gesicht des Vereins. Wie Uli Hoeneß bei Bayern, nur ohne viel Geld“, sagt der ehrgeizige Speditionsunternehmer. Sein 2008 entworfener Plan „Aufsteigen, etablieren, weiter aufsteigen“ hat glänzend funktioniert.

Coach Thorsten Beyer (54) ist ein Taktikfuchs. Als Jugend-trainer formte er beispielsweise Max Kruse (VfL Wolfsburg) zum Bundesligastar. Vieles im sehr familiär geführten Club beeindruckt ihn. „Die albanische Fahne taucht häufig am Spielfeldrand auf und bringt einigen Spielern Extramotivation. Die Identifikation mit der Heimat ist sehr groß“, sagt Beyer. Einige seiner Jungs erzählten ihm ihre eigenen Flüchtlings- und Kriegsschicksale und die ihrer Familien. „Das hat mich sehr bewegt.“ Als erster Hamburger Verein gewährte Kosova Flüchtlingen freien Eintritt. Das Erstaufnahmelager in Wilhelmsburg ist nur 500 Meter vom Sportplatz entfernt.

Auf das Abenteuer Oberliga freuen sich alle im Club. Mehr Zuschauer, klangvollere Gegner wie Altona 93 und Barmbek-Uhlenhorst und die Ehre, ganz oben im Amateurlager dabei sein zu dürfen, motivieren. „Vom Budget her sind wir Letzter. Doch mit Verbundenheit und Identifikation werden wir die Klasse halten“, sagt Boss Mazrekaj. Und dazu noch mit dem legendären „Amir-Ukshini-Sportplatz-Schrei“.

Text: Mirko Schneider
Foto: Joe Noveski

Fußball & Politik

In Hamburg gibt es zwei Landesligen. Vor der Spielzeit 2015/16 beantragte der serbische Club FK Nikola Tesla beim Hamburger Fußball-Verband eine Versetzung in die Landesliga Hammonia. Der Verein wollte nicht in der Landesliga Hansa gegen den Klub Kosova spielen. Es drohe die Gefahr von Fan-Ausschreitungen. Kosova unterstützte den letztlich erfolgreichen Antrag. Die Hammonia-Staffel spielte mit 17 Teams, die Hansa mit 15. Das löste im Hamburger Amateurfußball eine wochenlange Diskussion um ausländische Mannschaften und deren Fans aus. Sportlich behielt der Klub Kosova im indirekten Vergleich die Oberhand. Er stieg in die fünftklassige Oberliga Hamburg auf, Tesla in die siebtklassige Bezirksliga ab.

Musik-Doku mit Rod Gonzalez

Vor 30 Jahren floh er vor Pinochets Militärputsch nach Langenhorn, im Gepäck chilenische Protestsongs. Jetzt hat der Ärzte-Bassist seine Musiker-Idole in der alten Heimat besucht

Rod Gonzalez braust fröstelnd auf einem Roller durch Hamburg, in sein Elternhaus nach Langenhorn. Dort stöbert er mit seinem Vater Cesar in Erinnerungsstücken: Plakate, Schriftstücke und unzählige Tapes mit Protestsongs der „Nueva Cancion Chilena“ – Violeta Parra, Victor Jara, Quilapayún. Musik, mit der er aufgewachsen ist, und die ihn nachhaltig geprägt hat. Schon immer, erzählt er, wollte er nach Chile reisen, um einige dieser legendären Musiker und deren Erben kennenzulernen und ein Album (VÖ tba) mit ihnen aufzunehmen. Jetzt ist die Zeit gekommen – für „El Viaje“, die Reise.

Sie führt den Ärzte-Bassisten quer durch das südamerikanische Land. Er lernt faszinierende Menschen kennen: Eduardo Carrasco, Bandleader von Quilapayún, der wegen Pinochets Militärdiktatur 20 Jahre im Exil in Frankreich lebte und nun in Chile Philosophie lehrt. Den Liedermacher Eduardo Yañez, der von den Militärs inhaftiert und gefoltert wurde. Camila Morena, Shooting-Star der lateinamerikanischen Musikszene. Chinoy, der mit seiner ungewöhnlich hohen Stimme und poetischen Texten verzaubert – und auch in einer Punkband singt, bei der Gonzalez spontan als Drummer einsteigt. Und natürlich Alda „Macha“ Asenjo, Bandleader von Chico Trujillo, den Rod Gonzalez bei einem Gig in Berlin kennengelernt hatte.

Regie führte bei „El Viaje“ ein Freund Rods aus Kindertagen, der Hamburger Nahuel Lopez. Dessen Vater gehörte ebenso wie Cesar Gonzalez der linken Protestbewegung in Chile an, auch er musste nach Hamburg fliehen. „El Viaje“ ist nicht nur ein Juwel voll berührender Musik, das ein umfassendes Bild der quirligen chilenischen Protestmusik-Szene liefert, sondern gibt auch Einblicke in das Leben im südamerikanischen Land: das sympathische Chaos, die grandiose Natur und den immer noch schwelenden Konflikt mit den indigenen Mapuche. Dass Gonzalez vor allem zu Beginn des Films verkrampft und unsicher wirkt, macht den Film sympathisch und authentisch: Er ist nun mal kein Schauspieler, kein professioneller Dokumentarfilmer, sondern einfach ein Mann auf einer für ihn aufwühlenden Reise.

Text: Maike Schade

Regie: Nahuel Lopez. Mit Rodrigo Gonzalez, Camila Moreno, Eduardo Carasco, Eduardo Yañez, Mauricio „Chinoy“ Castillo, Aldo „Macha“ Asenjo

„El Viaje“ läuft ab 11.8. im Abaton Kino

Jannes Wochenrückblick Vol. 67

Kolumne: Gastfreundschaft. Oder: Warum Vorurteile bequem sind und es deshalb an der Zeit ist, unbequem zu werden

Ich liebe italienisches Essen. Ich liebe chinesisches Essen. Ich liebe japanisches Essen. Ich liebe spanisches Essen. Ich liebe die isländische Natur. Ich liebe französische Lebensart. Ich liebe amerikanischen Sport. Ich liebe türkische Snacks. Außerdem liebe ich viele Menschen aus diesen Ländern. Also platonisch jetzt.

Italiener haben weltberühmte Mafiosi. Chinesen machen allerlei Barbarisches mit Tieren. Japaner zum Beispiel mit Haien. Spanier mit Stieren. Isländer zum Beispiel mit Walen. Franzosen mit Fröschen. Die Amerikaner haben Donald Trump. Die Türkei diesen größenwahnsinnigen Kleingeist.

Nun ist es so, dass man diesen – größtenteils westlichen – Beispielen ziemlich viel ankreiden könnte. Themen: Politik, Menschenrechte, Kolonien, Umgang mit Nachbarn oder anderen Ländern… Das machen wir aber kaum. Vergangenheit ist vergangen, kaum jemand weiß das wohl so gut wie wir. Ich kenne den Umgang mit diesen Ländern seit 1981 eigentlich mehr als harmlose “Vorurteile”. Chinesen stehen oft im Weg rum und fotografieren. Franzosen sind oft so depressiv. Amerikaner sind dick oder doof. Oder Waffennarren.

Warum sind uns heute trotzdem Länder “fremd”, wo es gute Reportagen, gute Journalisten und das gute Internet gibt? Weil es bequem ist. Dann liebe ich es, unbequem zu sein.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder. Jannes

Foto: Tord Henning Zich

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.